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600084049V
'. . . nn 4 n “ . - Platon’s
GORGLAS.
Mit Einleitung und Anmerkungen
von.
Eduard Jahn.
Wien.
Druck und Verlag von Carl Gerold’s Sohn.
1859.
290.639.
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Meinem geliebten Lehrer,
dem k. k. Schulrathe in Krakau
Andreas Wilhelm,
I)
tiefster Ehrfurcht
gewidmet.
Vorwort.
Die Grundsätze, welche mich bei der Bearbei- tung des vorliegenden Dialogs leiteten, sind durchaus dieselben, welche ich mir bei Platon’s „Protagoras* (Wien, bei C. Gerold’s Sohn, 1857) aufgestellt habe. In ihnen findet sowohl die Beschaffenheit des Commen- tars als auch die der Einleitung ihre Rechtfertigung.
Vor allem hielt ich es bei der Abfassung einer Schulausgabe, durch deren Hilfe die Schüler der Gym- nasien aus dem „Gorgias“ noch etwas mehr, als grie- chische Vocabeln, lernen sollen, für Pflicht, sämmt- liche Hilfsmittel, die in .den einschlägigen Werken deutscher Gelehrten bisher geboten sind, sorgfältig zu benützen. Bei den einzelnen Stellen anzuführen, was ich meinen Vorgängern verdanke, und was eigene Zu- gabe ist, war durch die Natur. einer Schulausgabe aus- geschlossen. | |
In den Anmerkungen. nahm ich vorzüglich auf die in dieser Hinsicht allgemein geschätzte Ausgabe von G. Stallbaum (2. Auflage, Gotha 1340) Rück- sicht; daneben bot der Commentar L. Heindorfs noch immer Beachtenswerthes. Die Bearbeitung von C. G. Fin deisen (Gotha 1796) leistete namentlich durch den reichhaltigen index graecitatis gute Dienste, während dagegen aus der ebenfalls vergliechenen Aus- gabe von L, Hörstel (Göttingen 1797) nichts zu gewin- nen war.
vI
Mit C. ist auf die griechische Schulgrammatik von G. Curtius, mit Kr. auf die gr. Sprachlehre für Schulen von K. W. Krüger (3. Auflage, Berlin 1350) verwiesen.
Der Text ist nach C. Fr. Hermann’s Recension in der Teubnerischen Ausgabe abgedruckt. Die nicht erheblichen Abweichungen finden sich am Ende der Einleitung verzeichnet.
In der Einleitung fanden die bezüglichen Unter- suchungen von Schleiermacher und Steinhart und in der anonym erschienenen Ausgabe des „Gor- gias“ bei Engelmann, Leipzig 1857, ihre gebührende Beachtung. Ueberdies wurden die Forschungen von F. Susemihl, C. Fr. Hermann, Fr. Ast und Jos. Socher, besonders aber die Monographien von Sy- brand (dissertatio literaria de Flatonis Gorgie, Harlem 1829) und H. E. Foss (de Gorgia Leontino commen- tatio, Halle 1828), ferner die betreffenden Partien in den Geschichtswerken über die griechische Philosophie von Brandis, E. Zeller (2. Auflage, I. Theil, Tü- bingen 1856), A. Schwegler, Ritter und Preller (2. Auflage, Gotha 1857) sorgfältig berücksichtigt. In der Gliederung des Dialogs hielt ich mich zunächst an die „Platonischen Studien“ (Wien 1858) meines hochverehrten Lehrers H. Bonitz, dem ich für seine freundliche Unterstützung in der gegenwärtigen Ar- beit mich zu innigstem Danke verpflichtet bekenne.
_ Troppau den 21. April 1859.
Eduard Jahn.
Einleitung.
l. Inhaltsübersicht,
Sokrat es, begleitet von seinem Freunde Chairephon, steht im Begriffe zu einer midsıdıs des Sophisten Gorgias zu gehen; erfährt aber von Kallikles, der eben aus seinem Hause — in welchem Gorgias als Gast wohnt — heraustritt, dass er bereits post festum komme. Chairephon, welcher an dieser Versäumniss Schuld trägt, verspricht den Fehler auch wieder gut zu machen; denn Gorgias, sein Freund, werde ihnen wohl den Vortrag wiederholen. Sokrates wünscht eigentlich nicht diesen zu hören, sondern vielmehr von dem Sophisten Aufschluss über das Wesen seiner Kunst zu erhalten. 447 c.
Da sie mittlerweile, von Kallikles geleitet, in das Haus ein- getreten sind, fordert Sokrates den Chairephon, der ja mit Gorgias näher bekannt zu sein behauptete, auf von diesem zu erkunden, „wer er sei?“ Chairephon wendet sich nun an Gorgias mit der 447d. Frage, ob er wirklich, wie es heisse, sich Öffentlich bereit erkläre über jeden beliebigen Gegenstand Rede zu stehen?
Kaum hat sich dieser zu einer Probe hiervon erboten, als sein Freund Polos sich anheischig macht ihn, der von dem vielen Reden bereits erschöpft sei, zu vertreten. Also stellt Chairephon — seines Meisters Sokrates gewöhnliche Inductionsmanier nach- ahmend — an Polos die Frage, welche Kunst Gorgias eigentlich verstehe ? da Polos, anstatt einfach dieselbe anzugeben, in hoch- trabendem Wortschwall erklärt, es sei dieses die schönste aller 448 c. Künste; so richtet Sokrates mit der Bemerkung, Polos seheine wohl Redekunst studiert zu haben, wisse aber nieht sich zu unter- reden, indem er, nach dem Namen der Kunst gefragt, ein unnd- thiges Lob derselben vorgebracht habe, die nämliche Frage an Gor-. gias selbst.
VIII EINLEITUNG.
Ab9 a. Dieser nennt sich einen Rhetor, und zwar einen guten, der auch anderen die Rhetorik lehre. Nach vorgängiger Bitte um bün- dige Antworten mit Ausschluss aller uaxgoAoyi« forscht Sokrates weiter nach dem Gegenstande dieser Kunst. Als solcher werden Reden genannt. Aber bei der Heilkunst, der Turnkunst u. a. kommen gleichfalls Reden vor. Von ihnen unterscheidet sich die
%450b. Rhetorik dadurch, dass sie ausschliesslich in Reden besteht und keiner Handthätigkeit (zeıgovoyla) bedarf. Allein das Nämliche gilt von der Mathematik u. a. Der Unterschied muss also in dem Stoffe der Reden liegen. Dieser ist das höchste und beste der menschlichen Dinge, meint Gorgias. Indessen ein Gleiches könnte der Arzt, der Turnmeister und der Erwerbsmann von ihrer Be: schäftigung rühmen, je nachdem Gesundheit oder Schönheit oder Reichthum als höchstes Gut anerkannt würde. Gorgias findet aber dieses in der Freiheit und der Herrschaft über andere. Dazu ver- hilft die Redekunst ; denn der Redner vermag in jeder Staatsver- sammlung alle nach seinem Sinne zu lenken und dadurch auch die vorgenannten Künste sich dienstbar zu machen. Demnach ist die Rhetorik die Kunst der Ueberredung, und zwar — weil auch bei jeder andern Kunst, nämlich beim Unterrichte in derselben, nicht minder Ueberredung (Ueberzeugung) statt findet — bezüglich des
454, Gerechten und Ungerechten.
Nun gibt es aber zwei Arten von Ueberredung. Die eine er- zeugt Einsicht, Wissen ; die andere bloss Glauben. Diese letztere ist Sache des Rbetors. Er weiss in jeder Versammlung über jeden Gegenstand mit grösserem Beifalle zu reden als der Sachversiän- dige selbst. Freilich soll er von dieser gewaltigen Macht keinen
457 b, unrechten Gebrauch machen. Thut er es dennoch, so kann wenig- stens den Lehrern der Rhetorik nicht füglich die Schuld beigemes- sen werden.
In den letzten Aeusserungen bemerkt Sokrates Widerspruch mit den früheren. Bevor erjedoch diesen näher nachweist, erklärt er, um bei dem berühmten Sophisten im vorhinein alle Einwendun- gen, als durch reines Interesse für eine so wichtige Untersuchung geboten, zu entschuldigen, seine Grundsätze der philosophischen
458a. Gesprächsführung — dass er nämlich, fern von Rechthaberei und Eigendünkel, lediglich die Sache selbst berücksichtigend seine Mei- nung ebenso gerne widerlegt als anerkannt sieht — und fordert den Gorgias auf, falls er gleiche Ansichten hegt, die Unterredung weiter zu führen. Gorgias versichert zwar seine Beistimmung, sucht
EINLEITUNG. IX
aber unter dem Vorwande, die Zubörer seien bereits durch die lange, vor des Sckrates Ankunft gehaltene Epideixis ermüdet, dem verfänglichen Gespräche auszuweichen, jedoch vergeblich, denn Chairepbon und Kallikles drängen mit Hinweisung auf die lebhafte Theilnahme des gesammten Auditoriums zur Fortsetzung.
Sokrates prüft nun die letzten Behauptungen des Gorgias. Aßße, Wenn der Rhetor vor der Menge (&v 074w) über jede Kunst über- redender zu sprechen vermag als der Sachkundige, so heisst dieses : der Nichtwissende scheint den Nichtwissenden mehr zu wissen als459b, der Wissende — was Gorgias für eine grosse Erleichterung in den Studien ansieht ! Verhält es sich eben so bezüglich des Gerechten, Schönen, Guten und seinem Gegentheile? Braucht der Rhetor auch hiervon nur den Schein des Wissens zu besitzen, oder muss er das Wissen sclbst haben, entweder schon von früher, oder zugleich mit der Rhetorik erlernt? Gorgias meint, wenn einer das Wissen nicht 460, schon hätte, könnte er es ebenfalls bei ihm lernen; nöthig sei es freilich.
Jede Kunst gibt dem Lernenden eine bestimmte Beschaffenheit.
Wer z, B. Musik gelernt hat, ist musikalisch u. s. w. Also wer Gerechtigkeit gelernt hat — wie der Rhetor — ist gerecht, will folglich immer gerecht handeln, niemals ungerecht. Gorgias hat
aber erklärt, man dürfe nicht die Lehrer der Beredsamkeit verfol-
gen, wenn ihre Schüler die Kunst, welche sich immer mit Reden
über die Gerechtigkeit beschäftigt, ungerecht anwenden. Demnach 481b, müsste der Rhetor zugleich gerecht und ungerecht sein.
Für Gorgias, der durch diesen Widerspruch in Verlegenheit gebracht ist, tritt Polos ungestüm in die Schranken. Jedermann glaube sowohl selbst das Gerechte zu wissen als auch andern es lehren zu können. Wenn Sokrates mit den Erklärungen des Gor- gias nicht zufrieden sei, so möge er nunmehr selbst eine Definition aufstellen. Sokrates gibt mit hinreichend deutlichem Tadel der leidenschaftlichen Heftigkeit des jugendlichen Gegners seine An- sicht folgender Massen kund: Die Rhetorik ist gar keine Kunst,. sondern eine blosse Fertigkeit (dursipl«), ähnlich der Kochkunst, und bildet, wie diese, einen Bestandtheil der Schmeichelei (xoAaxsle).
Von Beschaffenheit ist sie hässlich, weil schlecht. Von Ciorgias zu deutlicheren Erklärungen aufgefordert spricht er sich also aus. Wie der Mensch aus Leib und Seele besteht, so gibt es auch zwei Künste um das. Wohlbefinden beider zu bewirken. Die Wohlfahrt4 64 b, der Seele wird durch die Staatskunst (moAırıxn) besorgt, welche
x EINLEITUNG.
wieder in zwei Theile — die Gesetzgebung (vouoFsrıxn) und die Gerechtigkeit — zerfällt. Im Körperlichen entspricht der erstern die Turnkunst (yvuvaorınn), der letzteren die Heilkunst. Diesen vier wahren Künsten sind eben so viele Afterkünste, nämlich die vier Arten der Schmeichelei, entgegen gesetzt, welche, obgleich sie sowohl der Seele als auch dem Leibe nur einen täuschenden An- strich von Wohlbefinden geben, in Wirklichkeit aber Verderben bringen, bei der kindisch thörichten Menge ungleich höher, als jene, geschätzt werden. Im Leiblichen ist das Scheinbild der Heil- kunde die Kochkunst, das der Gymnastik die Putzkunst; im Gei- stigen birgt sich unter dem Scheine der Nomothetik die Sophistik,
465b. während hinter die Gerechtigkeit sich die Rlıetorik versteckt. Diese ist also eine Art Schmeichelei ; ist hässlich, weil sie nur dem An- genehmen ohne dem Gute nachgeht ; ist keine Kunst, sondern blossa Fertigkeit ohne rationale Begründung.
Gegen die Einreihung der Redner unter die Schmeichler (noAcnes) weist Polos auf ihre Macht im Staate hin, da sie ja, wie Tyrannen, nach Gutdünken Confiscation, Verbannung, sogar - Hinrichtung bewerkstelligen, überhaupt alles durchsetzen können, was sie wollen. Sokrates erwiedert: Die Redner besitzen keine Macht, wofern diese für den Besitzenden etwas gutes sein muss; und thun auch nicht, was sie wollen, indem „thun was man will“ und „tbun wes gut dünkt“ keineswegs identisch ist, wie Polos
467 d. glaubt. Denn die Menschen wollen nicht das, was sie eben thun, 468 a.sondern das, weshalb sie es thun. Jedes Ding ist aber entweder gut oder böse oder e!n Mittelding zwischen beiden, das bald gut
bald böse werden kann. Im letzteren Falle beabsichtigt man ein solches eben so wenig, als das schlechthin Böse. Das Gute allein schwebt als Ziel allen Handlungen vor. Wer nun ıhut, was ihm
gut dünkt, in Wahrheit aber büse ist, z. B. ungerechter Weise
468 d. Confiscation, Verbannung oder Hinrichtung verhängt, der thut nicht, was er eigentlich will. Er besitzt demnach keine grosse Macht. An und für sich erscheint Macht keineswegs begehrens- werth , wenn sie nicht mit Gerechtigkeit verbunden ist. Denn das 468b. Unrechtthun ist unter allen Uebeln das grösste, weit grösser, als das Unreehtleiden. Darum gewährt Macht ohne Gerechtigkeit kein
470 a. Glück, weil den Gewaltthaten Strafe folgt. Der gute Mensch allein ist glücklich, der Böse jederzeit unglücklich. Archelaos z. B. (auf
471. ihn nämlich beruft sich Polos zum Beweise des Gegentheils) der sich durch eine Reihe von Freveln zum Könige von Makedonien
EINLEITUNG. xt
gemacht, und Leute seiner Art verdienen wahrhaftig bemitleidet zu werden, mögen sie immerhin in den Augen der meisten Menschen beneidenswerth erscheinen. Aber die Meinung der Meuge beweist in so wichtigen Lebensfragen nichts.
Unglücklich_also ist der Ungerechte auf jeden Fall, und zwar in höherem Masse, wenn er der Strafe entgeht; weniger, wenn er die Schuld büsst. Denn das Unrechtthun ist — wie Polos zuge- steht — schändlicher als das Unrechtleiden ; somit auch schlechter, weil das Schöne mit dem Guten, das Schändliche mit dem Bösen identisch ist. Das Schöne ist nämlich entweder nützlich oder an- genehm oder beides zugleich. Der höhere Grad des Schönen wird 4752, folglich durch Ueberwiegen an Lust oder an Nutzen oder an beiden bedingt. Bei dem Hässlichen findet dasselbe Verhältniss rück- sichtlich des Schmerzens (Avzn) und des Uebels (x«x0v) statt. Beim Unrechtthun im Vergleiche zum Unrechtleiden überwiegt nicht der Schmerz, mithin das Uebel. Demnach ist das Unrechtthun auch schlechter als das Unrechtleiden. Darum ist dieses jenem vor, zuziehen.
Strafe leiden heisst mit Recht (gerecht) gezüchtigt werden. 476», Alles Gerechte als solches ist schön. Bei jedem Thun wird das Betroffene (Passive) in derselben Weise afficiert, in welcher die Thätigkeit (Activität) geschieht. Wenn z. B. jemand heftig schlägt, wird das Objeckt heftig geschlagen u. s. w. Wer Strafe leidet, ver- bält sich passiv. Wird die Strafe mit Recht verhängt, so erfährt er Gerechtee. Das Gerechte ist aber mit dem Schönen, also auch mit dem Guten, identisch. Dem gerecht Bestraften widerfährt somit Gutes, es wird ihm genützt: seine Seele wird gebessert und von der Schlechtigkeit, d. b. von der Ungerechtigkeit, dem grössten 477 a, Uebel, befreit. Denn unter den drei Uebeln — Armuth am Ver- mögen, Krankheit am Körper, Ungerechtigkeit an der Seele — ist die Ungerechtigkeit weitaus am schlimmsten. Gleichwie die kör-477e, perlich Kranken beim Arzte Heilung suchen, so sollen die mit der Ungerechtigkeit Behafteten den Richter behufs der Bestrafung auf- suchen. Diejenigen, welche nicht durch Strafe geheilt werden, sind am unglücklichsten. Zu ihnen gehören Archelaos und andere478e, Tyrannen , auch mächtige Redner.
Worin besteht nun der grosse Nutzen der Redekunst ? Sich mittelst derselben die verdiente Bestrafung abwenden wäre ja zum eigenen Nachtheile. Höchstens scheint sie brauchbar um sich selber und alle, für welche man Sorge trägt, nöthiges Falls anzuklagen,
x EINLEITUNG.
480 e. und andrerseits den Feind, wenn er gefrevelt hat, von der gerechten Strafe zu, befreien, damit er in der Ungerechtigkeit verbleibe.
Bei der jetzt eingetretenen Pause — da Sokrates seine Wider-
481 b.legung zu Ende geführt hat und Polos nichts mehr zu entgegnen weiss — wendet sich Kallikles an Chairephon mit der Frage, ob denn Sokrates dieses im Ernste oder nur im Scherze gesagt habe ? Chairephon antwortet, ihm scheine alles sehr ernstlich gemeint ; übrigens sei es am besten Sokrates selbst darum zu fragen. Kal- likles eröffnet nun seine Unterredung mit Sokrates durch die Be- merkung, dass, wenn die so eben dargelegten Grundsätze ihre Rich- tigkeit hätten, das ganze Treiben der Menschen in Verkehrtheit versunken wäre. Nach einer zum Theile scherzhaft gehaltenen Einleitung, worin Sokrates seine Liebe zur Philosophie, in welcher die Principien — und zwar die grade jetzt entwickelten — unver- änderlich feststehen, im Gegensatze zu des Kallikles Gunstbuhlen beim Volke, was stets wechselndes Anschmiegen an die Launen der Menge (d. h. Gesinnungs- und Charakterlosigkeit) bedingt, scheinbar beiläufig andeutet, fordert er den neuen Gegner auf den Grundsatz, dass Unrechtthun ohne Strafe das äusserste Uebel ist, zu widerlegen.
48% c. Mit leidenschaftlicher Heftigkeit bricht nun Kallikles los. Gorgias sei in Widersprüche verstrickt worden, weil er aus falscher Scham nicht bestimmt versichert habe demjenigen, welcher ohne das Gerechte zu wissen an die Erlernung der Rhetorik gienge, auch jene mangelnde Kenntniss beibringen zu können. Dies habe zwar Polos gerügt, sei aber zuletzt selbst in Folge des Zugeständnisses, dass Unrechtthun schändlicher sei als Unrechtleiden, in des Sokrates dialektische Schlingen gerathen, der immer schlau das durch Satzung (vowog) Bestimmte mit dem von Natur aus Rechtem vermenge.
483a. Denn der Natur nach sei das Unrechtleiden, ein nur des hilflosen Sklaven und nicht des freien Mannes würdiger Zustand, schänd- licher ; das Gesetz hingegen, die Schutzwehr der Schwächlinge, verwerfe das Unrechtthun. Aber naturgemäss unterjoche der Starke
48% a. den Schwachen und durchbreche die unnatürlichen Gesetzesschran- ken ; wie die Geschichte durch die Beispiele des Xerxes, Herakles und unzählige andere beweise.. Auch Sokrates werde noch zu die- ser Einsicht gelangen, wenn er die Philosophie, die wohl im Ju- gendalter bis zu einem gewissen Grade betrieben werden könne, doch für das Mannesalter als unpraktisches Geschwätz sich schlech- terdings nicht schicke, endlich einmal aufgebend mit wichtigeren.
EINLEITUNG. XI
und nothwendigeren Dingen sich befassen wollte. Wie bei Euri- pides Zethos seinen Bruder Amphion von der unnützen Musenkunst abzuwenden sucht, so rathe er dem Sokrates sich ins praktische Staa:sleben einzuüben , sonst werde er sogar von einem verächt- &86 a. lichen Widersacher wehrlos Unbilden erfahren und in Gerichtshän- deln weder Rath noch Hilfe wissen. Nachdem Sokrates die freundliche Fürsorge des Kallikles (iro- nisch !) belobt hat, der gerade der geeignete Mann sei ihm den rechten Lebensweg zu zeigen, da er ja nebst Wohlwollen die ge- hörige Einsicht sammt dem nöthigen Freimuthe besitze und auch durch Scham sich nicht beirren lasse, wie Gorgias und Polos; bit- tet er um genauere Belehrung, zunächst anknüpfend an den von Kallikles aufgestellten Satz: „es ist gerecht, dass der Ueberlegene (xoeitrov) den Geringeren unterjocht, und dass der Bessere mehr hat als der Schlechtere.* Ist „überlegen“ und „besser“ mit „stär-488b, ker“ identisch ? Kallikles bejaht es. Demnach ist die Volksmenge, welche die Gesetze gegen Jden Einzelnen aufstellt, stärker, somit überlegen, somit auch besser, als dieser einzelne. Folglich erschei- nen die vonı Volke gegebenen Gesetze auch ar pvoıv als schön. Nun gilt aber beim Volke allgemein Unrechtthun für schändlic her als Unrechtleiden. Und so bleibt dieser angefochtene Grundsatz auch „der Natur nach“ richtig. 4898. Nicht ohne spöttische Ausfälle gegen Sylbenstecherei gibt Kal- likles seinen Worten eine solche Umdeutung, dass nicht an ein Plus von physischer Kraft zu denken sei, sondern unter „überle- gen“ nur „verständiger“ gemeint werde. Ein verständiger Mann489c. gilt höher als tausend unverständige zusammen. Worin aber soll sein „mehr haben“ (zA&ov &ysıv) bestehen, und in welcher Bezie- hung seine bessere Einsicht sich zeigen? Die einzelnen Handwerker z. B. besitzen von Dingen, welche in ihr Fach einschlagen, rich- tigere Kenntniss als andere Leute. Sollen sie nun an Sachen, wie Speisen, Kleidern u. dgl. mehr bekommen? Kallikles vervollständigt491 b, seine Erklärung dahin, dass diese bessere Einsicht in Bezug auf Staatsangelegenheiten statt findet, und dass sie zugleich mit dem Vermögen; gefasste Pläne auszuführen, verbunden sein muss. Wer das besitzt, soll von Rechtswegen im Staate herrschen. Ist mit dieser Herrschaft auch Herrschaft über sich selbst, Selbstbeherrschung, verbunden ? fragt Sokrates. Keineswegs, antwortet Kallikles. Die sogenannte Besonnefiheit (Mässigung, ow@pgoovvn) ist eigentlich nur Thorheit. Ganz ungehörig heissen die Bedürfnisslosen glück-
XIV EINLEITUNG.
lich; sonst würde auch den Steinen dieses Prädicat gebühren. Das
Recht nach der Natur (r0 sar«& Yvoıv Ölnaıov) fordert, dass der
echte Mann seine Leidenschaften zur grössten Höhe anwachsen
läest, aber ihnen volle Befriedigung zu gewähren 'vermag. Zügel-
892 c. losigkeit (axoluole), wofern sie nur sich zu behaupten vermag
(Zrınovglav &ysı), ist in Wahrheit die naturgemässe Tugend und
Glückseligkeit. Wohl gleicht die Seele des Zügellosen einem
durchlöcherten Fasse, das unaufhörlich neuer Zuflüsse bedarf. Aber
grade hierin, in der Füllung (Stillung der Begierden) besteht die
49A a. Lust, nicht im Vollsein. Dem zufolge müsste man freilich auch
Kratzen als Stillung des Juckens u. dgl. für einen glückseligen
Zustand ansehen. Dessenungeachtet behauptet Kallikles nach wie
vor die absolute Identität des Angenehmen und des Guten. Das
Wissen aber und die Tapferkeit, deren im Früheren Erwähnung ge-
than worden, scheinen ihm sowohl unter sich als vom Angenehmen,
495d. somit (nach seiner Meinung) vom Guten ganz verschieden.
Dagegen argumentiert Sokrates also: Entgegengesetzte Zu-
stände und Beschaffenheiten, wie Gesundheit und Krankbeit, Stärke
und Schwäche, gut und böse — erscheinen nicht zugleich, sondern
nach einander. Hungern, Dürsten, überhaupt jedes Bedürfniss und
jede Begierde an sich ist unangenehm. Hungernd essen, dürstend
trinken, überhaupt die Befriedigung jedes Bedürfnisses ist ange-
nehm. In diesem Momente fällt aber das Unangenehme und das
Angenehme, der Schmerz und die Lust, zusammen. Folglich kann
der Schmerz und das Böse einerseits, die Lust und das Gute an-
497 d. dererseits nicht identisch sein.
‚ Rallikles, nicht mehr, wie früher, im Stande durch Verdrehung
seinen Sätzen einen anderen Sinn unterzuschieben, will das Ge-
spräch mit Sokrates, der ja immer bloss eitle Spitzfindigkeiten vor-
bringe, nicht weiter fortsetzen. Nur auf Zureden des Gorgias
nimmt er noch länger daran Theil, jedoch mit sichtlichem Un-
behagen.
Sokrates führt nun die Widerlegung noch auf anderem Wege.
Gut sind die Menschen durch das Vorhandensein des Guten in
ihnen, so wie schön durch das Vorhandensein der Schönheit. Gut
aber sind die tapferen und verständigen Menschen, nicht die feigen
und unverständigen. Die einen wie die andern freuen und betrüben
sich. Wäre die Lust wirklich mit dem Guten, der Schmerz mit dem
Bösen identisch, so müssten die Guten zugleich böse, die Bösen 499a.b. zugleich gut sein.
EINLEITUNG. XV
Jetzt auf einmal macht Kallikles, indem er sich zugleich den Anschein zu geben sucht, als ob er es gleich anfangs gethan hätte, bei der Lust den Unterschied zwischen guter und .schlechter. So- krates, mit leichtem Seitenhiebe das fortwährende Umschlagen in die entgegengesetzte Meinung rügend, nimmt diese Distinction zu folgender Erörterung auf: Gut heisst die nützliche Lust, welche etwas Gutes bewirkt, z. B. Essen und Trinken, insofern es dem Körper Gesundheit, Kraft verschafft; im entgegengesetzten Falle, wenn sie nämlich zum Schaden wirkt, heisst sie schlecht. Derselbe Unterschied findet beim Schmerze statt. Bereits im Gespräche mit Polos wurde der Satz bewiesen, den jetzt Kallikles ausdrücklich anerkennt, dass man bei allem Thun, also auch beim Vergnügen, das Gute bezweckt. Aber nicht jedermann weiss die gute und die 500 a. schlechte Lust in jedem Falle zu unterscheiden : es gehört eine gewisse Kenntniss dazu. Nach dem Früheren gibt es Künste, welche das klar erkannte Gute zu ihrem Ziele haben; aber auch After- künste, welche ganz unbekümmert um das Gute lediglich Lust und Gefallen bewirken, und zwar sowohl bei einzelnen als auch bei einer versammelten Menge — sie wurden mit dem Gesammtnamen Schmeichelei (xoAaxsix) bezeichnet. Hierher gehört die Musik, nicht minder die Poesie, namentlich die tragische, welche auch eine 502 c. Art von Volksrednerei (Önunyogia) ist. Und wie steht es mit der Rhetorik selbst ? Bessern die Redner ihre Zuhörer, oder trachten sie bloss nach Gunst? Das lässt sich nicht so einfach entscheiden, antwortet Kallikles; denn manche Redner wirken für die Wohl- fahrt der Bürger, andere nicht. Gibt es wirklich zwei solche Arten von Bednern, entgegnet Sokrates, so haben wir eine schmeichle- rische, schändliche Demegorie und eine wahre Redekunst zu son-503. dern. Letztere jedoch findet sich in Wirklichkeit nirgends. Auch Kallikles weiss keinen Vertreter derselben unter den Zeitgenossen zu nennen, beruft sich aber auf die früheren Staatsmänner Athens, auf Themistokles, Kimon, Miltiades , Perikles. Sokrates hingegen rechnet selbst diese nur in jene erste Kategorie. Denn der gute Redner (Staatsmann) muss, wie jeder Künstler, bei seinem Werke vor allem andern Harmonie des Ganzen und seiner einzelnen Theile erzielen. :So ist auch ein Haus, ein Schiff gut bestellt, wenn darin Ordnung herrscht. Im Körper heisst diese Harmonie Gesundheit, in der Seele Gerechtigkeit und Besonnenheit (oopeoovvn). Dar- nach wird also der gute Redner streben, dass die Bürger Gerech- tigkeit und Besonnenheit erlangen, von Ungerechtigkeit aber und 504.
xVi EINLEITUNG.
Zügellosigkeit befreit werden. Was hilft es einem nicht gesunden Körper die angenehmsten Speisen zu bieten? Vielmehr untersagen die Aerzte gewöhnlich den Kranken das, wornach diese am meisten begehren. Ebenso frommt der unverständigen, zügellosen, unge- rechten Seele nicht Befriedigung ihrer Begierden, sondern Züch-
505 b. tigung.
Eine Discussion, in welcher das entschiedenste Gegentheil sei- ner so keck ausgesprochenen Grundsätze zuletzt unumstösslich fest- gestellt erscheint, hält Kallikles nicht länger aus. „Frage einen andern“ sagt er. „Ich mag nichts von deinem Gerede wissen. Auch diese Antworten gab ich dir nur dem Gorgias zu Liebe.“ Sokrates will die Erörterung keinesfalls unvollendet lassen. Gorgias wünscht. nicht minder einen gehörigen Abschluss. Darum bleibt für So- krates nichts übrig, als sich selbst fragend und selbst antwortend die Untersuchung fortzuführen.
506 c. Zuvörderst recapituliert er die bisher gewonnenen Resultate. Das Angenehme und das Gute ist nicht identisch. Das Angenehme muss des Guten wegen gethan werden. Gut aber ist jegliches Ding und Wesen durch die ihm eigene Ordnung. Bei der Seele heisst dieselbe Besonnenheit. Die besonnene Seele also ist gut, die anders geartete, die zügellose, ist schlecht. Der Besonnene thut in Bezug auf Menschen und Götter das Gebührende; er ist gerecht und fromm. Aber auch tapfer muss er sein, weil er stand- haft beim Rechten ausharrt. ‘Wer gerecht, fromm und tapfer lebt,
507 c. der lebt gut, mithin glücklich — während der Schlechte elend ist. Wer nach Glückseligkeit strebt, muss Besonnenheit und Gerech- tigkeit üben, Zügellosigkeit aber flieben. Er muss sich unsträflich halten ; hat er jedoch gefehlt, Strafe leiden. So erscheint abermals bewiesen, was Kallikles anfangs (pag. 481 b.) nicht für Ernst an- sehen wollte: dass man die Rhetorik nur brauchen kann um sich und die Seinigen nöthiges Falls zur verdienten Strafe anzuklagen ; und dass der echte Redner gerecht sein und das Gerechte wissen muss, was aus Verschämtheit eingeräumt zu haben Polos dem Gor- gias zum Vorwurf machte. (pag. 461 b. 482 c.)
308 c. Auf Grund dieser Ergebnisse schreitet nun Sokrates zur Prü- fung des ihm von Kallikles gemachten Vorwurfes, dass er, unver- mögend sich selbst zu vertheidigen , jeglicher Unbilde blossgestellt sei- Darauf entgegnet er: Nicht misshandelt zu werden, sondern Ungerechtigkeit zu üben ist das Schändlichste.e Diese Wahrheit steht fest gleichsam durch eherne und stählerne Gründe. Gegen
ELNLEITUNG. XV
das grösste aller Uebel, das Unrechtthun, muss der Mann zuerst 509b.
Abwehr sich verschaffen, dann erst gegen das geringere, das Un-
rechtleiden. Um sich vor Unrechtthun zu ‚bewahren, genügt es kei-
neswegs nicht Unrecht thun zu wollen, (denn , wie bereits im Ge- spräche mit Polos dargethan worden, niemand frevelt freiwillig, d. h. das Böse an sich zum Zwecke setzend) sondern es wird eine gewisse Kunst dazu erfordert. Wieß schützt: man sich aber wo nicht gänzlich doch grösstentheils vor Unurechtleiden? Nicht an- ders, als wenn man entweder selbst im Staate herrscht oder Freund der bestehenden Verfassung ist.
Hier gibt Kallikles, der schon lange die Erörterungen mit nn- rerholenem Widerwillen angehört hatte, sehr lebhaften Beifall, da Sokrates seinen eigenen Grundsätzen beizustimmen scheint.
Dieser fährt rnhig fort: Wenn in einem Staate ein wilder Ge- waltherrscher regiert, so wird nur der ihm ähnlich geartete Bürger vor Unrechtleiden gesichert sein, nicht aber vor Unrechtthun; in dieses wird er vielmehr versinken nhne Strafe zu leiden, und somit in das höchste Elend stürzen. Freilich kann ein solcher gerechte Männer um das Vermögen, ja sogar um das Leben bringen. Allein der Vernünftige schätzt nicht unbedingt das Leben über alles. Sonst würde jeder Kunst, die aus Lebensgefahr rettet, z. B. Schwimmen, Schiffslenkung, ‘Maschinenbau, Heilkunde — der höchste Preis gebühren, welchen Kallikles der Rhetorik allein zuwenden will. Angenehm ist es freilich zu leben; wie lange Zeit aber, dar- nach fragt kein rechter Mann. Dasselbe Schutzmittel gegen Un- rechtleiden, nämlich mit der bestehenden Verfassung in Ueberein- stimmung zu sein, gilt natürlich von allen Staaten. Deshalb kann Katllikles seinen Wunsch, bei den Athenern als Volksredner Gunst und Einfluss zu erlangen, nur dann erfüllt sehen, wenn er ihnen in seinem eigenen Wesen ähnlich ist. Wie muss man aber mit den Bürgern umgehen? Von den zwei Verfahrungsweisen, deren eine nichts weiter als Lust bezweckt, die andere hingegen das Gute anstrebt, ist jene bereits als schändliche Schmeichelei zurückgewie- sen worden.
Also muss darauf hingewirkt werden, die Bürger möglichst gut zu machen; sonst helfen alle Förderungen in Macht nnd Wohl- stand nichts. Gleichwie aber derjenige, welcher im Bauwesen oder in medieinischen Angelegenheiten Rath geben will, von den betref- fenden Gegenständen die erforderliche Kenntnies erworben und schon bethätigt haben muss; so hat auch der Staatsredner, wel-
Plat. Gargias. b
Slla.
512 d.
513e.
51A d.
xVIti EINLEITUNG.
’
cher seine Mitbürger zum Guten anleiten soll, erst nachzuweisen, ob er bereits jemanden gebessert. Kallikles kann sich dessen: nicht berühmen. Von den vorhia genannten Politikern Athens lässt es sich gleichfalls nicht behaupten. Perikles z. B. emmtete vom Volke
‘ schmählichen Undank. Er hatte es also nicht sittlich veredelt,
verdient daher eben so wenig das Prädicat eines guten Volksleiters, als ein Mensch, welcher die seiner Obhut anvertrauten Pferde oder Rinder verwildern lässt, ein guter Thierwärter heissen kann. Kimon
“und Themistokles wurden verbannt, Miltiades sogar zum Tode ver-
517a.
5Bi8e.
519b.
521 a.
urtheilt. Gute Wagenlenker werden nicht, nachem sie ihr Gespaun lange Zeit in Händen gehabt, zuletzt von demselben abgeworfen, und grade so verhält es sich in allem ähnlichen. Die Genannten waren also keine guten Staatsmänner.
„Sie brachten aber doch viel Grosses zu Stande.“ — Aller- dings, z. B. Gebäude, Flotten, Mauern u, dgl., was allzumal die Bürger nicht bessert, sondern nur die materielle Wohlfahrt unter- stützt. Aber der Körper und alles ihm Angehörige soll, wie zu wiederholten Malen bewiesen wurde, der Seele als seiner Herrsche- rin dienen. Staatsdiener also mögen jene Politiker genanut wer- den, Staatslenker nicht. Durch sie gerieth Athen trotz allem äusseren Glanze in moralische Fäulniss ‚„ da Besonnenheit und Ge- rechtigkeit fehlt. Gleichwohl stehen sie in ruhmreichem Andenken, und statt ihrer werden, sobald einmal irgend eine Katastrophe ein- tritt, die jetzt lebenden Politiker, vielleicht Alkibiades und Kalli- kles selbst, büssen; freilich nicht ohne eigene Schuld. Denn völlig grundlos klagt ein Staatsmann, der vom Volke Uebles erfährt, über Ungerechtigkeit ; eben so grundlos wie die Sophisten, welche sich für Tugendlehrer ausgeben und gegen ihre Schüler wegen Undank, der sich mit Tugend nicht verträgt, Klage führen.
Kallikles protestiert gegen die Gleichstellung der Sophisten mit den Rhetoren. Sokrates aber erinnert an ‚die (im Gespräche mit Polos bewiesene) nahe Verwandtschaft beider und bedeutet ihn dass eigentlich die Sophistik Vorzug verdient, in so fern die No- mothetik, deren Scheinbild die Sophistik dort genannt wurde, der Gerichtspflege, hinter welche sich die Rhetorik steckt, vorgeht.
Nachdem nunmehr beide Arten den Staat zu behandeln — nämlich sittliche Besserung anzustreben und nach Gunst zu dienen — hinlänglich sind beleuchtet worden , wiederholt Sokrates seine Frage, zu welcher von beiden ibn Kallikles auffordere ? Dieser entgegnet: zum Dienen; sonst werde er vermuthlich einmal in arge
EINLEITUNG. Bd 2)
“| Gerichtshändel. verfallen, Das gibt Sokrates. gerne zu, behauptet: &} jedoch, dass er, ein unsträflicher Mann, nur von einem Bösewicht: ‚al könne angeklagt werden. Er sei überhaupt so ziemlich der ein-.521d. ige von sämmtlichen Athenern, der die wahxe Politik verstehe und übe; denn er rede niemals nach Gunst, sondern zur Besserung, und rüge alles Schlechte rücksichtslos. Darum sei es auch wohl, nöglich , dass er von dem unverständigen Volke verurtheilt werde. Müsste doch ein Arzt, über welchen einsichtslose Kinder wegen seines oft schmerzlichen Heilverfahrens zu Gerichte sässen, dasselba Schicksal gewärtigen. Indessen wenn er gleich aus Mangel an schmeichlerischen Redekünsten sterben sollte, werde er sich wenig härmen,- woforn nur die: Seele nicht mit Ungerechtigkeit angefülls in. den Hades kömmt. Denn die Ungerechtigkeit ist ja das grösste Uebel. 522 e.
Um diesen Fundamentalsatz bildlich zu veranschaulichen er- zählt Sokrates zum Schlusse folgenden Mythos, der gleichwohl nur Wahrheis euthalte. -
Schon zu Kronos’s Zeiten bestand das Gesetz, dass die Guten 523a. nach ihrem Erdenleben auf die Inseln der Seligen, die Bösen in den Strafort Tartaros kamen. Damals aber, und auch in der ersten Regierungszeit des Zeus, wurden sie am Todestage noch lebend von lebenden Richtern abgeurtheilt. Da klagten Pluton und die Auf- seher der seligen Iuseln, dass an. beiden Orten Leute ankämen, welche es nicht verdienten. Zeus erkannte die Ursache der fehler-. haften Urtheile darin, dass die Menschen lebend, also mit Körper . schönheit und Vornehmheit und Reichthum angethan,, vor Gericht erschienen, und verordnete, dass sie künftighin erst nach dem Tode vos gleichfalls verstorbenen Richtern sollten geprüft werden. Zu Richtern setzte er drei seiner Söhne ein. Auf dem Kreuzwege in der Asphodeloswiese des Hades sitzt Rhadamanthys über die Asiaten, Aiakos über die Europäer zu Gerichte, Minos. entscheidet in zwei- felhaften Fällen.
So weit der Mythos, Nun die Folgerungen daraus,
Der Tod ist die Trennung der Seele vom Körper. Wie dieser 5%-b. im- Leben beschaffen war, verbleibt er auch nach dem Tode eine Zeit lang. Grösse, Dicke, Form der Haare, Narben von Geissel- bieben oder Wunden u. &. erscheinen unverändert: Das gleiche Verhältnis findet. bei der Seele statt: sobald sie ‚des Leibes ent- kleidet ist, zeigag sich ihre ursprünglichen Anlagen so wie alla Eindrücke, welche sie unter den verschiedenen Bestrebungen erlit- ten hat. Der Todtenrichter findet nun oft die Seele eines Gewalt.
p*
xx EINLEITUNG.
habers schwielig und verrenkt und verunstaltet durch Ungerechtig- keit, Meineid, Lüge, Ausschweifung und andere Laster. Solche
." Seelen schickt er in den Tartaros zur Strafe,
525b.
526 c.
527b.
Jede richtig verhängte Strafe soll entweder den Gestraften bes- sern, oder für andere zum abschreckenden Beispiele dienen. Bes- serungsstrafe trifft diejenigen, welche sühnbare Fehltritte begangen haben. Unverbesserliche Frevler werden im Hades gepeinigt, damit geringere Verbrecher durch den Anblick ihrer Qualen vom Bösen zurückgebracht werden. Zu solch einem Exempel wird auch Ar- chelaos dienen, falls ihn Polos mit Recht so grosser Unthaten be- schuldigt hat. Ueberhaupt besteht bei weitem die Mehrzahl dieser Erzfrevler aus Tyrannen und Gewaltigen. Schon Homeros bezeugt es, indem er Tantalos und Sisyphos und Tityos in ewigen Strafen haftend vorführt, nicht aber Thersites und seines gleichen; denn so unbedeutende Leute haben zu ihrem Glücke nicht die Möglich- keit grossartige Frevel zu=verübep. Freilich gibt es auch unter den Mächtigen treffliche Männer; Aristeides kann als Beispiel die- nen ; die meisten aber lassen sich durch die Macht zum Unrechte verleiten. Wenn nun die Todtenrichter die Seele eines solchen vor ihrem Richterstuhle erblicken, gewahren sie von seiner früheren Herrlichkeit nichts ; wohl aber bemerken sie die Sündenmale und verhängen die entsprechende Strafe im Tartaros. Hinwiederum sen - den sie die makellose Seele, selbst die eines geringen Mannes, vor allen die eines echten Philosophen, auf die Inseln der Seligen.
fch bemühe mich deshalb, schliesst Sokrates, meine Seele dereinst den Todtenrichtern möglichst rein vorzustellen. Unbeküm- mert um die Ehren der Welt trachte ich nach sittlicher Vollkom- menheit im Leben und im Tode und fordere auch nach Kräften andere hierzu auf, insbesondere aber dich, Kallikles! damit du vor jenem Seelengerichte dir zu helfen wissest. Denn unwiderleglich fest steht der Grundsatz, dass Unrechtthun mehr gemieden werden muss, als Unrechtleiden. Gerechtsein ist das Beste. Diesem zu- nächst kömmt das Strafebüssen, wenn man gefehlt hat. Schmeichelei. gleichviel ob gegen einzelne oder gegen die Volksmenge, ist zu fliehen. Die Rhetorik soll, wie alles andere, nur zum Gerechten gebraucht werden. Diesen Grundsätzen folgend lasse dich immerhin von Unverständigen verachten, sogar beschimpfen. Es schadet dir nichts, wofern da nur tugendhaft bist. An Staatsgeschäfte werden wir allenfalls später gehen, wenn wir dazu die nöthige Einsicht er- worben haben. Einstweilen wollen wir uns an die sicherste Lebens-
EINLEITUNG. ‚XXI
regel halten, nämlich Gerechtigkeit, und Tugend überhaupt, zu üben bis in den Tod; denn deine früher aufgestellten, entgegenge- setzten Maximen taugen nichts, o Kallikles | i
nl. Ä Eintheilung des Dialoges. Zergliederung der einzelnen Abschnitte,
Der ganze Dialog zerfällt mit Ausschluss der Einleitung und des Schlusses in drei Haupttbeile.
In der Einleitung (pag. 447 a. — 448 d.) werden uns die Perso- nen aufgeführt, welche sich am Gespräche betheiligen: Sokrates, Gorgias , Polos und Kallikles. Ausser ihnen erscheint noch Chai- rephon, weleher dann später im eigentlichen Gespräche mit Aus- nahme von zwei ganz kurzen Zwischenbemerkungen (pg. 458 c. und 48) b.) keinen thätigen Anıheil nimmt Die ‚Bedeutung dieser Nebenperson ist eine zweifache. Einmal dient sie äusserlich zur. Aubahnung der Unterredung zwischen Sokrates und Gorgias. Denz Sokrates selbst ist mit Gorgias nicht näher bekannt, Chairephon 447 b. aber rähmt sich der Freundschaft des berühmten Sophisten; des“ halb beginnt er das Gespräch. Zweitens soll der Gegensatz zwi- schen den Jüngern .der Sophisten und den Anhängern des einzig wahren Philosophen — als solchen stellt Platon den Sokrates über- all dar — veranschaulicht werden. Chairephon, welcher in. der 448 a.f. kleinen ihm zugetheilten Rolle hinlänglich zeigt, dass er .das dıalsyeodas mir Geschick zu üben versteht, beträgt sich durchaus als bescheidener Begleiter (beinahe oxs«) seines verehrten Freundes. Sobald dieser selbst das Wort ergreift, wird er schweigender Zu-448d. hörer. Sogar von Kallikles zum Reden aufgefordert, verweist er481b. ohne weiteres auf Sokrates. Wie ganz anders benimmt sich Polos. Kaum ist Gorgias angeredet, so drängt er sich zum Antworten vor und gibt .bierbei nicht undeutlich zu verstehen, dass er sich seinem Lehrer überlegen dünkt, : 448.
in den beides Einleitungscapiteln — welche füglich dem zg040yog einer antiken Tragödie vergleichbar sind — wird das Thema des gan- zen Dialogs nicht eben ausdrücklich angegeben (denn dieses ver- meide: Platon durchaus als unkünstlerisch), sondern angedeutet. Sokrates erklärt nämlich gleich anfangs, er wünsche von Gorgias447c, über. die Kunst, welche derselbe übt und lehrt, Auskunft zu er- halten. "
xx EINLEITÜRG.
-Der erste Theil, das Göspräch zwischen Sokrates und Gorgias (pg. 448.d. — 461 db.) hat die Erörterung der Frage: was ist die Rhetorik ? zum Gegenstande. Gorgias: definiert sie als die Kunst der auf Glauben, nicht auf Wissen, begründeten Ueberredung in Versammlungen bezüglich des Gerechten und des Ungerechten. Da er hierbei von der Möglichkeit einer unrechten Anwendung spricht, aber zugesteht, der Redner müsse vom Gerechten auch Wissen be- sitzen, womit zugleich — nach sokratisch-platonischen Grundsätzen — das Wollen und das Vollbringen unzertrennlich verbunden ist, verwickelt er sich in Widerspruch,
Im zweiten Theile (pg. 461 b. — 481 b.) untersucht Sokrates mit Polos: welchen Werth hat die Rhetorik ? Sokrates erklärt sie als--eine im blosser Fertigkeit bestehende Afterkunst, als eine Art der xoiahkeıie, welche im Gegensatze zu den wahren Künsten, deren Endzweek. das Gute ist, nur die Lust zum Ziele hat, deshalb. schlecht und :schändlich ist, Da Polos, ohne die Richtigkeit dieser Defini- tion selbst in Frage zu stellen, nur gegen das geringschätzige Ur- theil -einwendet, die Redner, im ‚Stande durchzusetzen was ihnen
. !beliebt, seien -im Staate sehr. mächtig; so entwickelt Sokrates, wie
dieses :als kein Beweis von Macht, d. h.. dem Vermögen auszufüh- ren, was-man will, gelten darf, indem nur das Gute (als Zweck) gewollt wird, Unrechtthun hingegen unbedingt ein Uebel ist — ämger als :Unrechtleiden, weil hässlicher — am meisten, wenn es umgestraft bleibt, da die Strafe, als Heilmittel von .der Schlechtig- keit, das Recht, worin die einzige sdd«ıuowia besteht, wieder .her- stell. Demnach gewährt die Rhetorik , das Mittel zu straflosem Unrechtthun, keine wahre Macht und hat keinen Nutzen, ausser - höchstens falls sie zur Herbeiführung verdienter Strafen angewendet würde.
Im dritten Theile (pg. 481 c. — 522 c.) untersucht Sokrates mit Kallikles, welche Lebensbahn — ob Philosophie oder politische Rhetorik — im Staate zu verfolgen sei. Kallikles, ein Verächter ‘der Philosophie, empfiehlt die Beredsamkeit zur Erreichung der södaıuovie, welche, da die Lust mit dem Guten und der Schmerz mit dem Bösen identisch sei, in der nach der Natur (xar& pvcıy) berechtigten, durch Herrschaft über die Mitblirger ermöglichten Befriedigung seiner ungezügelten Begierden bestehe, Diesen Satz ' führt Sokrates ad absurdum, indem er einerseits. nachweist, dass dann die contradictorisch entgegengesetsten Begri@e Gut und Böse bei der Befriedigung einer Begierde, wo Lust und Schmerz in einem
EINLEITUNG. xx
Momente zugleich statt findet, zusammen fallen müssten ; anderer- seits, dass Einsicht und Tapferkeit, welche als gut snerkannt wer- den, nicht nothwendig mit der Lust verbunden sind. Hierdurch sieht sich Kallikles gezwungen bei Scheidung der Lust in gute und schlechte nicht mehr diese selbst, sondern das ihr erst Werth ver- leihende Gute als alleiniges Ziel aller Bestrebungen anzuerkennen und in Folge dessen nur denjenigen Künsten, welche das Gute be- zwecken, wahren Werth beizumessen. Sollte zu ihnen auch die Rhetorik gehören, so müsste durch sie, weil das Gute in massvol- ler Ordnung, nicht in Zügellosigkeit besteht, Selbstbeherrschung mit welcher Gerechtigkeit und alle übrigen Tugenden zusammen- hängen , herbeigeführt werden. Es müsste ferner Unrechtthun, zu- mal wenn es ungestraft bliebe, weit mehr als Unrechtleiden von ihr verhütet werden, gleichviel, ob hierbei die eigene Existenz geschützt oder gefährdet wärde, da nicht Jas Leben an sich, sondern die Tugend, über alles zu schätzen is. Eine solche Rhetorik besteht aber in Wirklichkeit weder jetzt, noch wurde sie von Jen berühm- ten, doch keineswegs sittlich bessernden, Politikern früherer Zeit je- - mals in Anwendung gebracht. Sich, den Philosophen, allein nennt Sokrates den wahren Staatsmann, weil er durch Wort und That ‚ seine Mitbürger zum einzig wahren Endziel des menschlichen Stre- bens; zum Guten, anregt: im Bewnstsein des Rechten unbeküm. mert uam schlimme Folgen für sein Leben.
Welcher von den beiden Lebenswegen , ob Rhetorik oder Phi- losophie, zu wandeln sei, beantwortet sich hiernach von selbst.
Der Schluss zeigt in einem der Hauptsache nach dem Volks- glauben entnommenen Mythos, wie der im Dialoge begrifflich er- - örterte Grundsatz, dass der Gote allein glücklich, der Böse aber auf jeden Fall elend ist, auch für das Leben nach dem Tode gils und dort noch evidenter verwirklicht wird. So erscheint die von Sokrates dialektisch entwickelte, zur bestimmten Klarheit gebrachte Lehre bereits seit alter Zeit vom religiösen Bewusstsein geahnt.
Diese eben bezeichnete -Eintheilung in drei Hauptabschnitte wird sowohl durch die ganze Anlage des Dialogs als auch durch die Ausführung im Eiuzelnen begründet.
Drei Mitunterredner führen das Gespräch mit Sokrates. Sie treten nach einander auf, so dass zuerst Gorgias allein, dann ebenso Polos, zuletzt Kallikles ihre Rollen als Antagonisten des Sokrates ' abspielen. Nothwendig treten sie in dieser bestimmten Reihenfolge . auf, und zwar jeder einzeln, weil diese drei Personen — wie weiter
XxIV EINLEITUNG.
unten erörtert wird — als Repräsentanten der drei Entwickelungs- stufen desselben Principes vorgeführt werden. In Gorgias sehen wir den theoretischen Begründer der sophistischen Beredsamkeit, Kallikles verficht das Extrem derselben in. seiner praktischen An- wendung. Polos steht zwischen beiden in der Mitte. Mit jenem hat er die rein theoretische Ausübung der Rhetorik, mit diesem die aus Sophistik nothwendig erfolgende Immoralität der Gesinnung gemein.
Darnach erklärt sich auch die verschiedene Länge der einzel- nen Abschnitte. Sachgemäss erscheint Gorgias am kürzesten, Kal- likles am längsten als Träger des Gesprächs.
Allein nicht drei gesonderte Ganze haben wir vor uns, sondern nur drei Glieder eines organischen Ganzen.
Um den jedem Kunstwerke nothwendigen einheitlichen Charak- ter schon äusserlich zu wahren (womit der Nebenzweck, durch Abwechselung das Interesse des Lesers rege zu erhalıen, sich wohl verbinden: lässt) theilt Platon gelegentlich einer andern Hauptperson Zwischenbemerkungen zu, Der Umstand, dass gleich im Anbeginne
448a. Polos dem Gorgias so zu sagen das Wort vor dem Munde wegzuneh-
meu sucht, lässt fortwährend darauf gefasst sein, dass, sobald nur
der greise Meister die Fehde aufgibt, der kühne Jünger unverzüg-
lich auf den Kampfplatz springt. Als Gorgias dem Gespräche
ausweichen will, wird er von Chairephon und Kallikles sehr arıig
davon abgehalten. 458 c. d. In den beiden andern Abschnitten
tritt Gorgias zu wiederholten Malen vermittelnd auf. Zuerst ermahnt
er den Sokrates, welcher aus Schonung gegen ihn die Rhetorik für
einen Theil der xoAarsix zu erklären Bedenken trägt, zu rück-
463 a. sichtsloser Entwickelung seiner Ansichten. Bald darauf nimmt er
das Gespräch , in dessen streng geordneten, schrittweise sich fort-
463. bewegenden Gang sich Polos nicht schickt, für kurze Zeit selber
auf, Endlich bestimmt er den bereits in dem Netze seiner Wider-
5806b. sprüche gefangenen Kallikles zur Fortsetzung der Unterredung,
Auch Chairephon wird — gleichsam im Zwischenacte — von Kal- likles zu einer Entgegnung veranlasst. (s. oben.)
Diese Aeusserlichkeit der Composition steht im Einklange mit dem Inhalte. Die drei Redner bewegen sich ja nicht auf ganz ge- trennten Bahnen, sondern der nachfolgende nimmt auf den vorher- gehenden Bezug. Polos knüpft seine Discussion an den Punkt an,
461b. wo Gorgias in. Verwirrung gerieth. Kallikles greift im Anfange 482 c. seiner Unterredung unmittelbar den Polos,. mittelbar den Gorgias an. Geflissentlicb wird mit dem auch äusserlich dadurch, dass So-
EINLEITUNG. KxXV-
krates die Ergebnisse der vorausgegangenen Erörterung resumierend 460 e. im längeren Zusammenhange bespricht, markierten Auftreten einer 480aff. neaen Hanptperson, wobei jedesmal ipg. 461 b; 481 b.), in Folge. des förmlichen Abschlusses einer bestimmten Gedankenreihe,, eine kurze Pause anzunehmen ist, dem Gespräche eine entscheidende Wendung gegeben, einerseits durch ausdrückliche Verwerfung des unmiıtelbar vorher — wenigstens scheinbar — gewonnenen Resul- ttes, amdererseits durch Aufstellung neuer Gesichtspunkte. Die von Gorgias theils selbstständig erklärten, theils anerkannten Sätze fasst Sokrates bündig zusammen und fügt, da sie wegen ihres in- nern Widerspruches sich schlechterdings nicht vereinigen lassen, schliesslich hinzu: radr« ov» Onn work Eysı ... oUx OAlynsAßla. ovvovdiag doriv more inavüg Ötnoseypacdheı. d. bh. — wenn man ähnliche Aeusserungen des Platonischen Sokrates in. anderen Dia- logen damit zusammenbält — „in dieser Weise kann die Erörterung nicht fortgeführt werden.“ (Dass gleichwohl des Wahren viel wirk- lich festgestellt sein kann, wird damit nicht geläugnet.) Polos er- öffnet einen neuen Weg, indem er den Stein des Anstosses dadurch wegräumt, dass er das Wissen des Gerechten und die Fähigkeit os 461c. anderen zu lehren für jedermann voraussetzt. Nachdem er aber selbst durch die aus seinen eigenen Behauptungen gezogenen Con- sequenzen dermassen geschlagen ist, dass er weiter kein Wort der Entgegnung findet, tritt Kallikles mit einem neueu Fundamental-. satze, nämlich mit der Unterscheidung des «10» xara gvcıy und 482eff. xaca »04u0», hervor. Indem er die vorangegangene Discussion als vermuthlich nur scherzhaftes Wortgefecht bezeichnet, gibt er deut- lich genug zu merken, dass er um die angeregte Verhandlung aus- zuführen einer ganz anderen Grundlage benöthigt.
Jede der drei Abtheilungen hat einen bestimmten, von den bei- den andern deutlich verschiedenen, in sich selbst gleichartigen Cha- rakter sowohl in Bezug auf den Inhalt und seine Verarbeitung als auch hinsichtlich der Darstellungsform.
In jedem einzelnen Abschnitte wird erstlich eine besondere Frage gelöst.
In dem Gespräche mit Gorgias handelt es sich um Definition der Rhetorik, (pg. 447 c; 449 a, d.) Diese wird gegeben (endgiltig 455 a.) und fortan festgehalten. Mit Polos wird die äussere Gel-. tung der Rhetorik besprochen: Gleich in dem Vorgespräche mit Chairephos bringt er anstatt der verlangien Begriffsbestimmung ein’ &yaauıoy der Redekunst vor. Jetzt mit Sokrates disputierend geht
xXVI EINLEITUNG.
er — ganz seiner oberflächlichen, nur dem äusseren Scheine zuge- wandten Natur gemäss (wovon weiter unten die Rede ist) —- die von Sokrates aufgestellte Definition, dass die Rhetorik keine Kunst, sondern eine blosse Routine und ein Theil der xolausc« ist, ruhig 462 c.annehmend sofort zur Frage über, ob die Rhetorik etwas schönes 466b.sei? Das Schöne findet er in der Macht, welche der Redner im Staate besitzt. Der Abschnitt schliesst mit dem Resultate, dass die Rhetorik Aberbaupt keinen Nutzen gewährt, aleo auch in Wahr- heit keine Macht verleiht. Die ganze Unterredung mit Kallikles sucht zu ermitteln, welche Lebensbahn der Staatsbürger verfolgen 487 e.soll. Diese Frage wird von Sokrates nicht nur gleich anfangs aus- ‚drücklich als Thema bezeichnet, sondern während des Gespräches selbst, so oft dieses eine nene Wendung erhält, wiederholt (pg. 527b.492 d; 500 c; 512 e; 521 a, d.) und am Schlusse für vollständig gelöst erklärt.
Drei verschiedene Stufen der sophistischen Weltanschauung in Bezug auf das Staatsleben sind uns in den drei Abtheilungen .dar- gestellt. Ihre Repräsentanten sind keine allegorischen Erscheinungen für blosse Abstractionen ; es sind historische Personen. Gewinnt dadurch einestheile die Darstellung besondere Lebendigkeit, so dür-. fen hinwiederum diese Männer keime Rollen spielen, welche mit ihrem
‘ anderweitig (wenn auch uns nur wenig, so doch den Zeitgenossen, als das Werk veröffentlicht wurde, vollständig) bekannten Charakter im augenfälligen Widerspruche stünden. Freilich ist Platon in Rücksicht auf die dramatische Gestalt seiner Dialoge zugleich Dichter; er bedient sich des Rechtes seine Personen zu idealisieren (vorzugsweise bei Sokrates) oder manches an ihnen mit grelleren Farben zu schildern, ohne jedoch irgend nach Art der Komödie bis zur Carricatur zu übertreiben. Darum haben wir Grund zu glauben, dass z. B. der wirkliche Kallikles kaum so verwerfliche Grundsätze bekannt hat, als ibm hier in den Mund gelegt sind. Wohl keine Charakteristik in den Platonischen Dialogen darf als ein sprechend ähnliches Bild angesehen werden.
Von diesem Gesichtspunkte aus ist auch die Schilderung der drei Sophisten in vorliegendem Werke aufzufassen.
In dem Gespräche mit Gorgiag sehen wir veranschaulicht, wie rein persönliche Achtung vor Recht und Tugend, wenn sie nicht in der ganzen, durch klare Ueberzeugung geläuterten Denkungsart ihre feste Grundlage. hat, sondern den theoretischen Principien, selbst nur theilweise, entgegen streitet, unvermeidlich in Wider-
- Fe
EINLEITUNG. KXVIL.
sprüche führt, wo gegen die Consequenzen der vertheidigten Grund- Sitze das angeborene Sittlichkeitsgefühl sieh sträubt. Gorgias, selbst eine durchaus achtungswerthe Persönlichkeit, will von seiner Kunst’ aur gerechte Anwendung gemacht sehen. Indem er aber des Wis- sous vom Gerechten, also (nach Platon’s Lehre) der Gerechtigkeit selbst und somit, wegen des untrennbaren Zusammenhanges aller einselnen Tugendarten, der wahren Tugend überhanpt entbehrt, vielmehr all’ seine Kunst auf den blossen Schein, weleher, wo nicht in den meisten, so doch in sehr vielen Fällen geradezu Trug ist, gründet: erscheint er, wenngleich unbewusst, auf dem Boden der Immoralitft stehend. '
Im zweiten Absehnitte, dem Gespräche mit Polos, wird tref- fend die Unhaltbarkeit der charakterlos zwischen Reeht und Un- recht hin und her schwankenden Halbheit gezeigt. Ehrgeiz und Herrschsucht drängen daza, Glanz und Macht um jeden Preis an- zustreben, selbst wenn dieses Ziel nur auf dem Wege des Frevels (nach dem Beispiele des Archelaos) erreichbar sein sollte. Ja das Vermögen Unrecht zu thun selbst erscheint als etwas Grosses, dessen ungeachtet muss andrerseits zugleich die Schändlichkeit der Ungerechtigkeit bei allem ihren &usseren Scheine zugestanden, so- mit die unbedingte Schönheit der Gerechtigkeit und der Tugend überhaapt anerkannt werden.
Im dritten Theile, der Unterredung mit Kalliktes, wird die siegreiche Bekämpfung der bewussten, principiellen Unsittlichkeit geführt. Schrankenlose Selbstsucht, welche kein höheres Gut als den Sinsengenuss kennt und gelten lässt, durch seichte Aufklärung (denn echt philosophische Durchbildung verträgt sich mit derlei Maximen nicht) den Anstrich folgerichtiger Begründung vorkeh- rend, bei vülliger Knechtschaft unter dem Joche unbezähmbarer Leidenschaften sich als Freiheit von engherzigen Vorurtheilen brüstend — sie stellt sich als das ‚Extrem der Sophistik im prak- tischen Leben dar.
Diese drei Stnfen der sophistischen Weltanschauung lassen sich mit den drei Comparationsgraden vergleichen, so dass Gorgias den Positiv, Polos den Comparativ, Kallikles den Superlativ ver- tritt. Dazu passt gar wohl die mit feinen Zügen gezeichnete Selbstüberhebung jedes nachfolgenden Sprechers über seinen Vor-
gäuger. Polos trifft ganz richtig den Punkt, wo Gorgias in Wider- 461 b.
spräche gerieth. Dabei gibt er mit schlecht verhehltem Hochmuthe u verstehen, dass ihn mit dergleichen dialektischen Schlingen zu
XxXVIilI EINLEITUNG.
umstricken dem Sokrates wohl nicht so leicht gelingen sollte. Von Ehrfurcht vor seinem alten Lehrer wird er gehr wenig beirrt. Pie- tät gegen Auctoritäten, die eigenen Meister keineswegs ausgenom- men, war nicht Sache der Sophisten, denen. unbedingte Geltung des Subjectes im Gegensatze zu jeglichem allgemein bindenden Ge- seize das eigentliche Grundprincip war. (Näheres s. weiter unten.)
482cfl. Polos muss sieh aber von Kallikles noch derbere Zurechtweisungen gefallen lassen.
Den drei Stufen der Sophistik ist dia Wiederlegung von. Seiten des Sokrates genau angemessen, Betrachten wir zuerst die Gründe, womit die einzelnen Gegner bekämpft werden. Gorgias greift die Gerechtigkeit und die Tugend überhaupt nicht im geringsten an. Er dringt im, Gegentheile darauf, dass von der Bedekunst nur rech- ter Gebrauch gemacht werde. Mit lebhaftem Eifer verwahrt er die
456cff. Lehrer der Rhetorik, also zunächst sich selbst, gegen den Vor- wurf, dass durch ihre Kunst die Sittlichkeit gefährdet werde. )ie, Widerlegung ist also durch den einfachen Nachweis geführt, dass
diese Achtung vor der Tugend — die ja ein Wissen ist — mit der sophistischen Rlıetorik , einer lediglich auf den Schein gerichteten,
auf blosses Meinen ohne Wissen absebenden Afterkunst, in Wahr-
heit unvereinbar bleib. Polos erschien uns durchaus in Halbheit schwankend. Er widerlegt sich selbst, sobald aus seinen unklaren
und, weil sie auf Beispiele im Leben und auf die gewöhnliche Mei- nung der Menge gestützt sind, der Begründung ermangelnden Be- hauptungen die Consequenzen gezogen werden. Macht, zu welcher hauptsächlich die Rhetorik verhelfen soll, hält, er für unbedingt gut, also auch für schön, gleichviel ob sie durch Recht oder Un- recht erlangt wird. Andrerseits räumt er ein, dass Unrechtthun schändlicher und ärger ist als Unrechtleiden. Die Folgerungen aus diesen sich widersprechenden Sätzen bringen ihn zum Verstummen, Schärfere Waffen sind wider Kallikles nothwendig. Er reisst alle Sittlichkeit mit der Wurzel aus, indem er unbeschränkte Herrschaft
491 e.aller Leidenschaften für gut und schün ausgibt, also das Laster 492% c. geradezu als die wahre Tugend hinstellt. Einen Gegner, welcher das Princip selbst angreift, zu widerlegen gibt es kein anderes Mittel, als eben dieses Princip in seiner unumstösslichen Richtigkeit
zu beweisen. Die absolute Giltigkeit des Guten im Gegensatze
zum Angenehmen wird von Sokrates streng dialektisch dargethan.
Hierzu im entsprechenden Verhältnisse steht die Methode der
Widerlegung. Das Gespräch mit Gorgias findet seinen Ausganzs- " k
EINLEITUNG. xXx1X
pankt in der Definition der Rhetorik. Diese wird zu weit gereben. 449d. Sokrates führt zur Berichtigung des Fehlers auf seinem gewohnten Wege, nämlich mit Hilfe der Induction den Umfang der gegebenen Definition immer enger begrenzend und so schrittweise auf das rich- tige Mass einschränkend. Im Sinne des Gorgias kann keino andere herauskommen, als die pg. 455 int. aufgestellte. Nun wäre für Sokrates nur eine Möglichkeit zur Fortführung des Gespräches übrig geblieben: die Berechtigung einer solchen auf Schein und Trug beruhenden Afterkunst durch Darlegung ihrer Unsittlichkeit in Abrede zu stellen. Dazu wäre gründliche Erörterung des obersten Moralprincips unerlässlich gewesen, d. h. die consegnent fortge- führte Unterredung mit Gorgias wäre nothwendig auf alle dieje- üigen Punkte gekommen, welche erst in dem Gespräche mit Kalli- kles ihre Erledigung finden. (Darauf deuten die Schlussworte des ersten Abschnittes raür« 099 orn %. rt. A. hin.) Dies aber lag 461n. zieht im Piane. Denn Gorgias selbst steht genau betrachtet mit Kallikles auf gleichem Boden, aber nicht auf gleicher Stufe. Jener hat sich die Folgerungen aus seinem falschen Principe noch gar nieht zum Bewusstsein gebracht, wogegen dieser ihr Extrem wohl- überlegt vertritt. Bei jenem sind die der Sittlichkeit zuwiderlau- fenden Grundsätze — um einen Terminus des Aristoteles anzuwen- den — nur xarı Öusauıs vorhanden ; bei diesem erscheinen sie br dvsoyeic. Darmach muss die Bekämpfung des alten Meisters, welcher selbst nicht absieht, wie gefährliche Waffen seine Kunst liefert, eine ganz andere sein, als die seines Jüngers, welcher diese Waffen rüstig zu schwingen weiss. Mit feiner Berechnung lässt aleo Platon den Gorgias gleichsam im Vorübergehen vor dem Missbrauehe der Redekunst warnen ; d. h. er lässt ihn die eigent- liche Hauptsache, nämlich die Unsittlichkeit der sophistischen Rhe- torik, nur nebenher flüchtig berühren. Das genügt jedoch um Wi- dersprüche in den Behauptungen des Sophisten aufzudecken; und weiter geht die Widerlegung nicht. Polos wird von vornherein als zwar der Rhetorik kundiger, in der Dialektik aber unerfahrener 448 d. 47° Mann bezeichnet; ein Vorwurf, welcher alle Sophisten trifft, in un- serem Dialoge aber gegen diesen allein ausdrücklich erhoben wird. Zugleich ist wiederholt auf sein Buch, worin er die verschiedenen Redefiguren behandelt hatte, angespielt. Diese Andeutungen leiten den Leser darauf, in dem mit Polos geführten Theile des Dialogs überwiegend auf die Form der Gesprächsführung seine Aufmerk- samkeit zu spannen. Hier wird das Formale der sophistischeu Be-
ZıX EINLEITUNG.
redsamkeit sur, Anschauung gebracht: Polos, unvermögend das 448c. gegebene Thema streng logisch zu erörtern, will- sogleich zierliche Reden verbringen , wodurch der Gegner von dem eigentlichen Fragepunkt: soll abgelenkt werden. Gründliche Begriffsentwickelung
ist seine Sache nicht; dafür sucht er sich mit rhetorischen Kunst- 461.d. stücken auszuhelfen. Zunächst muss Sokrates gegen seine u@xg0- Aoyia Protest einlegen. Anstatt aus inneren Gründen die entge- gengestellten Ansichten zu böstreiten beruft er sich auf Beispiele 471e.(z. B. auf Archelaos 470 c. ff.) und bringt uaorvesg für seine 47% a. eigenen Grundsätze bei. Ein ander Mal trachtet er den Gegner 473 4. durch imponierende Aeusserungen einzuschüchtern oder zieht es vor ‚473 & bloss höhnisch zu lachen. Gegen die Spiegelfechtereien eines sol- chen Mitunterredners muss Sokrates seing philesophische Methode
in ihrer innern Siegesgewalt zur Geltung bringen. Alle die pro- teusartigen Wendungen hindurch wird Polos von der prunklosen,
ohne Rücksicht nur die Wahrheit suchenden, durch Blendwerk nie beirrten Dialektik des Sokrates festgehalten, bis er endlich keine Ausflucht mehr finden kann. Ist Polos nur Vertreter der sophi- stischen Rhetorik nach ihrer äussern Form, so steht Kallikles als
der eigentliche Repräsentant ihres ganzen Wesens da. Ausdrücklich
wird er dafür erklärt: pg. 486: &. &0 old’ ou xrA. und 487 e, dav
zı 09 ask. dı h. wenn von- Kallikles irgend ein philosophischer
Satz anerkannt wird, so ist überhaupt vom sophistischen Stand- punkte kein Einwand weiter möglich: und deshalb soll auch die Widerlegung des Kallikles als Sieg über die Sophistik in ihrer ‚höchsten Potenz gelten. Allein diesen Sieg vermag Sokrates nur
mit Aufgebot aller ihm eigenen Weisheit zu erringen. Sein kühner Gegner, der sogar die äussersten Extreme jener unsittlichen Schein- weisheit zu verfechten kein Bedenken trägt, erscheint sowohl in klarer Gedankenentwickelung den beiden früheren Sprechern über- legen, als auch mit allen Schlichen der Rednerei genau vertraut.
481 d. Er allein ist ein praktischer Demagog (pg. 519 a. sogar mit Alki- biades zusammengestellt); Gorgias und Polos sind blosse Theore-
tiker. In der That erweist er sich als ein Mann, der, wenn er
nicht grade einen Sokrates zum Gegner hat, Debatten wohl mit Gewandtheit und Schlauheit zu führen versteht. So beschuldigt er
7b; 5lla.z. B. den Sokrates der sophistischen Finten, die er selbst begeht; 515b. erklärt die Consequenz desselben für starrsinnige Rechthaberei ; klagt, da ihm sein taschenspielerisches Begriffverwechseln gerügt
489 c, wird, über pedantische Sylbenstecherei; gibt vor, wenn er seine
EINLEITUNG. ZXXI
binlänglich bestimmten Aeusserungen berichtigen muss, eigenslich
das Rechte gleich anfangs gemeint zu haben, oder lediglich um den 489 cc; 49. Sokrates zu versuchen etwas unrichtiges absichtlich gesagt zu ‚ha- 499 b, ben; macht die Zngeständnisse, welche ihm durch unwiderlegliche Gründe abgezwungen werden, mit der vornehmen Bemerkung, dass
er aus blosser Gefälligkeit gegen Sokrates (510 a; 513 e; 514 a;
516 b, c.) oder auch gegen Gorgias (501 c.) beipflichte. Als er endlich, in unentwirrbare Widersprüche verwickelt, seine Niederlage entschieden sieht — die freilich auch ohne sein ausdrückliches Zu- geständuis zweifellos ist — verweigert er weitere Antworten: natürlich nur weil ihm das Gespräch schon langweilig ist! Uebri-
gens sind diese verkehrten Grundsätze, welche er so schlau zu ver- theidigen sucht, nicht einmal seine feste Ueberzeugung. Verräth 513 c. er doch, dass auch er die Wahrheit der sokratischen Lehre wohl erkenne, aber nur nicht anerkennen wolle,
Charakteristisch für die einzelnen Abschnitte ist schliesslich der Ton, in welchem Sokrates mit den drei Sophisten redet. Eigen- thümlich vor allen übrigen Dialogen Platon’s ist dem „Gorgias“ eine gewisse Bitterkeit und Herbheit (Näheres s. im folgenden Capitel), welche nicht sowohl durch einzelne hervorgehobene Stellen veran- schaulicht als vielmehr durch den Gesammteindruck des ganzen Werkes ‘gefühlte werden muss. Allein dieser seharfe Grundton ist in den drei Theilen unseres Dialoges keineswegs gleich. Gegen Gorgias wird so viel Schonung und Respect beobachtet , als einer- seits die Bejahrtheit und persönliche Achtungswürdigkeit, anderer- seits der grosse Ruhm dieses Mannes gebieten. Mit Kallikles, der ja trotz seiner mehrfach bewiesenen feinen Manieren (man beachte nur z. B. den höflichen Empfang pg. 447 a ff.) sich einige Male im Eifer der Polemik gradezu bis zur Grobheit hinreissen lässt (vgl. 485 fi.; 489 b; 490 e; 494 d; s. die Anmerkung zu 511 b. int.), wird schon weniger glimpflich verfahren. Sokrates greift ihn nicht nur mit seiner bekannten Ironie an, sondern lässt es auch an eini- gen derberen Seitenhieben nicht fehlen. Gegen den Schluss hin wird der Ton immer ernster; namentlich machen die letzten Worte des Sokrates, die feierliche Verdammung der von Kallikles ver- theidigten unsittlichen Grundsätze, einen gewaltigen Eindruck. (Sehr bedeutsam erscheint die Anrede @ Kalliulsıg zu Ende des letzten Satzes!) Bei alledem wird eine gewisse Rücksicht gegen Kallikles als Herrn des Hauses nicht ausser Acht gelassen. - Minder schroff,
XXXxu EINLEITUNG.
doch bei weitem spöttischer und mitunter wahrbaft geringschätzig ist der Ton, in welchem Sokrates mit Polos spricht. Letztorer ' gibt hierzu vollen Anlass. Einmal fordert das anmassende Wesen des jungen Mannes, welches seinem greisen, berühmten Lehrer Gor- gias und dem weit älteren Sokrates gegenüber (vgl. pg. 478 a.; 461 b; 462 a; 467 b. u. Ö.) um so ungezogener erscheint, despectierli- che Zurechtweisung beraus.: Sodann gibt sich der unphilosophische Rhetor sowohl durch seine Unkunde der Dialektik so viele und so bedeutende Biössen, dass er bei seinem überlegenen Gegner jeden Anspruch auf Achtung verliert. Demnach finden wir natürlich, dass ec; 466a.ihn Sokrates durch Hinweisung auf seine Jugendlichkeit und auf 463 e. sein hitziges Gebahren zwar indirect, aber eindringlich genug, zu grösserer Bescheidenheit vermahnt ; ihn gleich anfangs, wo er sich 448 e.als Ersatzmann des Gorgias zur Unterredung aufdringt, ohne viel Umstände bei Seite schiebt; die Versuche von allerlei rhetorischen Kunststücken kurzweg als wirkungslose Trugmittel zurückweist (vgl. pg. 461 d; 471 e; 472 a; 473 d, e.). Auch Chairephon legt eben nicht zu grossen Respect vor dem allzu feurigen jungen Manne (gri nomen et omen habet; s. die A: zu pg. 463 e. S. 51) an den Tag, 448 a.indem er ihn höhnisch fragt, ob er sich etwa seinem Lehrer Gor- gias überlegen dtinke? (vgl. die ganz ähnliche, nicht weniger ironi- sche Frage des Sokrates pg. 462 a., ‘welche schlechthin zu bejahen sich der dünkelvolle Polos keinen Augenblick bedenkt.) Gorgias “ selbst scheint ihn nicht sonderlich hochzuhalten. Mindestens lässt sich aus dem &AA& roürov utv Eu, pg. 463 e. (über das möglicher Weise verächtliche odrog s. die A. zu pg. 452 e. $. 21) eine ge- wisse Geringschätzung entnehmen; was durch keine Stelle von ent- gegengesetztem Charakter paralysiert wird. Kallikles tadelt seine 482 d. Ungeschicklichkeit in der Gesprächsführung. Aehnlichen Tadel spricht er allerdings eben so gut über Gorgias aus. Gegen diesen aber äussert er an andern 'Stellen seine Achtung (vgl. 497 b., wo er sich bei ihm über Sokrates beschwert; 501 c., wo er ihm zuGe- fallen sich zur Fortsetzung der Unterredung herbeilässt): gegen Po-
los wird nichts dergleichen geäussert.
Recht einleuchtend wird die Herbheit des „Gorgias,“ wenn man die ungleich glimpflichere Behandlung des in seinem Forma- lismus vielfach mit Polos verwandten Prodikos im „Protegoras,“ und des Thrasymachos in der „Politeia,“ des Geistesbruders unseres Kal- likles, in Vergleichung zieht.
=
EINLEITUNG. xxxIl
Hebt' man den dramafischen * Charakter des Dialogs (vgl. ob. S. XXL s. E.) hervor, so stelit sich nach dem Umfange der Rollen Katiikles als zgorayasıczng, Polos als devrspaymsıorns, Gorgias als zorzaymwıorng: dar. Dass dessen ungeachtet von dem -leiztge- nannten der Titel genommen ist, hat nichts befremdliches. Er bleibt der Bedeutung nach die Hauptperson. Die beiden andern stehen auf seinen -Schultern. In ihnen wird des. Gorgias Geist bekämpft. Auch das Chorpersonale fehlt nicht**; freilich bleibt es stumm: mkn müsste denn den Doovßos, das Beifalltosen, wovon zu Anfang des dreizehnten Capitels die Rede ist, als eine Urtbeilsäusserung im 458 c. Sinne des Chores der attischen Tragödie verstehen ***.,
Die von Aristoteles für das Drama geforderte Einbeit des Or- tes ist gleichfalls beobachtet. Das ganze Gespräch wird indem . Hause des Kallikles geführt. Obne Zweifel haben wir uns als Schau- platz ein ähnliches Locale zu denken, wie im „Protagoras“ }. Je- desfalls muss ein geräumiger Platz als Scene vorausgesetzt: werden; denn das Auditorium besteht aus vielen Personen. (pg. 490 b. int. Cap. 45 zu Anf. dav &v to avıo our, DomEeg vov, zolkol artomxor ati.)
In. on Zweck des Dialogs. Philosophische Er- gebnisse.
Der jedem Kunstwerk nothwendige einheitliche Charakter be- dingt, dass auch ein Platonischer Dialog nur einen Hauptzweck haben kann. Dadurch wird jedoch keineswegs die Erreichung ver- schiedener mit ihm. in natürlichem Zusammenhange stehender Ne- benzwecke ausgeschlossen.
Aus einem Gesammtüberblicke der Werke. Platon’s erhellt, dass dieser auch in Anlage und Form seiner Schriften bewunderungs- werthe Philosoph im Allgemeinen bei seinen Dialogen (nur wenige der kleineren abgerechnet) ein dreifaches Ziel zugleich zu errei- chen sucht: a) die Erörterung einer bestimmten philosophischen Frage; 5) die Widerlegung der entgegengesetzten Ansichten — bei
* Vgl. die Einleitung zu „Protagoras,“ III. Abschnitt, I. *+ 8, pg. 447 c; 455 c; 458 c; 473 e; 490 b. *** vgl. Horatius, Epist. 2, 3, 194.
t S. Protag. pg. 314 e. . Einleitung III. 1, 34 zu Ende.
Plat. Gorgias. I
XxXXIV EINLEITUNG.
weitem am meisten richtet sich seine Polemik gegen die Sophisten * — in Betreff dieses Gegenstandes; c) die Verherrlichung, beziehungs - weise Vertheidigung, seines Meisters Sokrates, des Philosophen za’ &Eoynv. Dieses dreifache Ziel nun wird immer unter Einem erreicht. Sokrates disputiert mit irgend einem der bedeutenderen Sophisten, welchem nicht selten ein oder mehrere Parteigenossen zur Seite ste- hen (oder auch, wie z.B. im „Phaidros,* „Menon“ u.a., mit einem Anhänger der sophistischen Bildung), widerlegt ihn schlüsslich und
erkämpft so den Sieg der wahren Weisheit über die Scheinweisheit.
In den meisten Dialogen erscheint jedoch bald die eine, - bald die
andere Seite tiberwiegend berücksichtigt**. Kaum noch in. einem
zweiten finden sich alle drei Zwecke so harmonisch vereinigt, wie
im „Gorgias.“
Betrachten wir zunächst das in ihm behandelte philosophische Problem. Zu wiederholten Malen erklärt Platon die Frage: wel- chen Lebensweg soll man wandeln? ausdrücklich für den eigentlichen Gegenstand der Unterredung. 487 e. fin. S. 113. f. av- zov Öb naillorn doriv N oneyıg.... neol ToVrwv @v 0V Ön ot dneriunoag, noiov rıva yon slvaı rovavdoa nulri önmırndecevsıv nal uegoı Tod, nal mosoßVTE009 nal VEwtegoV övra . . . Inavag or Evdaıkaı, vi forı rouro 6 dEnırnder- eo» woı, nal tiva TE0R09 Arnoalunv av adro ri. 492 d. int. S. 126. deouaı 00» dym -o0ov umderl Toon dveiva, Fra To Övrı nartdaönkov yernraı zag Bıaoreov. 500 c. ink S. 146 ‚f. Ög&s yde, örı nel TovVrov elolv nuiv ol Aoyoı, 08 vi av uallov onovödsee: Tıs nal onıng0v voiv dyuv Avdommog, N T0dT0, Ovrıva zon roonov ij», noregov dnl 0v 00 TaoL- nalsig duf, T& Tod Avögog 6N Tadza nodtrovre, Atyovra. re &v To Önuo-nal GnTogL.anv Koxoüvre nal. moiırsvonse- vo» TOÖTOV ToV TE0noV, 09 vueis vüv molıreveode, MM Ei tovds row Blov.röv dv gılocoypiea, xal ri nor dorlv 00- og &uslvov d1apeomv. “Icwus odv Pälziordv darıy, ög der dyw
*S, Einleitung zu Protag. II, 5, 23.
+* So sehen wir im „Hippias“ (d. Gr.), „Protagoras,“ „Euthy- demos,“ „Sophistes,“ „Theaitetos“ das meiste Gewicht auf die Polemik gelegt; während hingegen im „Philebos,“* „Sym- posion,“ in der „Politeia“ u. a. derselben weniger Raum ge- geben ist. Wieder andere, wie „Euthyphron,“ „Kriton,* vielleicht auch der „erste Alkibiades,“ haben vorzugsweise apologetische Tendenz.
EINLEITUNG. ZIxXV
kzezeignoa, dınıpeicher, dızlonsvovg dk nal önoloynioasrag di- Imloıs, el £orı tovro dırra ro flo, oxyaohaı, ri re dıapsosrov ailknAkoıv nal öndrsgo» fımrdov ayroiv. 512 e. med. 8. 178. zö dnl rovrw onentior, tiv av roonov twörov 09 wElloı gg0v0v Pıavaı og agıcra fıan ari. 521 a, int. 8. 198. dzl zordgav 00V pe maganakeig nv Deoa- zelav € s zöhems, Ö1001009 yor' de Tod dıauayeodeı 4ömvaioıs, mas as Beitioroı Eoovras, ... N og dianornjcosre “ol zoög yagıv Ouılmnoovra.
Die hohe Bedeutsamkeit dieses Gegenstandes wird wiederholt nachdrücklich betont. Ausser den oben (aus 487 e. und 500 c. — man brachte 0 ri av uällov omovdassıd rıg nal ouıxgöy soo» Zymv avdgmnog! —) angeführten Stellen genügt es nur noch folgende Aeusserung des Sokrates (pag. 505 e; $. 160.) her- vorzubeben: arag xıvövveva avayaaıdrarov elvaı (näml. dıer- deiv TOv Aoyov) odrmg ... oluaı Eyaye yojvaı navrag nuds gılovslnng Eysıv mgog 10 eldeivaı TO AAndis il dorı neol öv Akyonev nal ze pEddog' K0ı969 yao ayafor Anacı pe- v.009 yevlodaı avrO.
Dass es sich aber nicht etwa um die gesammte Moral, son- dern lediglich um die politischen Lebensgrundsätze, d.h. um die Beantwortung der Frage: wie soll man sich gegen seine Mitbürger im Staate verhalten? hier handelt, ergibt sich so- wohl aus bestimmten Erklärungen — s. besonders. die oben aus pag. 500 c. beigebrachte — als auch aus dem ganzen Dialoge. Denn nirgends kömmt etwas anderes, als das politische Leben, in Betracht, überall wird der Mensch nur in seinem Verhältnisse zur bürgerlichen Gesellschaft aufgefasst. Schon der einzige Um- stand, dass im ganzen Buche der Weiber, der Sklaven, der noch nicht zur politischen Mündigkeit gelangten Jünglinge mit keiner einzigen Sylbe gedacht wird, die ja doch allzumal nur von der staat- lichen Thätigkeit, nicht aber von allen moralischen Pflichten ausge- schlossen sind, beweist, dass die Frage, zog Pıwr£ov; gleichbedeu- tend ist mit mög dei moAırevecha:; Ueberdicss war im alten Grie- chenland (und Rom) das Wirken eines freigebornen Mannes ohne irgend eine unmittelbare Theilnahme an den Staatsangelegenheiten gradezu undenkbar. Man lebte im Staate, nicht in der Familie.
Die Frage, wie soll man sich gegen seine Mitbürger im Staate verhalten? findet zwei diametral entgegengesetzte Beantwortungen.
Kallikles erblickt das summum bonum in der Lust. Sie wird
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XxXxXXVI BINLEITUNG.
durch Herrachnft über die Nebenmenschen erzielt. Das wirksamste Mittel, diese zu erlangen, ist die (sophistische) Rede- kunst. In demselben Sinne lässt sich Polos vernehmen. Solch masslose Selbstsucht ergibt sich folgerichtig aus sophistischen Prin- eipien, indem ja die unbedingte Geltung der Subjectivität mit Ver- werfung der objectiven Wahrheit die Wurzel aller Sophistik ist *.
Sokrates dagegen vertheidigt den Grundsatz: man muss das Gute, das allein wahre Ziel alles Strebens, zu verwirklichen su- chen ; daher ohne jede eigennützige Nebenrücksicht auf die sitt- liche Vervollkommnung seiner Mitbürger hinwirken. Dies ermöglicht die Philosophie. Sie verleiht das Wissen vom Guten und wahre Tugend überhaupt.
Demnach, formuliert sich das oben bezeichnete Thema so: ist ım Staatsleben Philosophie oder Bhetorik * zu üben?
Dass hiermit das Thema für die drei Haupttbeile des Dislo- ges nicht nur im Ganzen, sondern auch für alle in ihnen erörterten Einzelnheiten bezeichnet ist, erhellet aus der obigen Inhaltsübersicht.
Im ersten Theile entwickelt Gorgias, der vorzüglichste Be- gründer der sophistischen Beredsamkeit, das eigentliche Wesen sei- ner Kunst. Dass vor allem andern eine gehaue Begriffsbestimmung der Rhetorik als Grundlage für die ganze Untersuchung zu geben ist, leuchtet obne weiteres ein. Denn die Rhetorik, der falsche TE0r0g 10% noAırevecher, soll eben im wahren Lichte dargestellt und somit — da jeder Trug, sobald er durchschaut wird, vernichtet ist — widerlegt werden. Daher kann der umständlichen Ermittlung der Definition keineswegs der Vorwurf der Weitschweifigkeit ge- macht werden.
Im zweiten Theile wird die angebliche Macht der Rhetorik kritisch beleuchtet und als Illusion erkannt. Ihr vermeintlicher Nutzen wird in Abrede gestellt, weil strafloses Unrechtthun, wozu sie allenfalls verhelfen mag, nicht nur schlimmer als Unrechtleiden,
* g, Einleitung zu „Protagoras“ II, 6. 27.
** Dass in unserem Dialoge unter Onzwoe überhaupt Staat>»- mann — nach den sophistischen, nicht nach den philosophi!- schen (d. i. sokratisch -platonischen) Grundsätzen — verstan- den wird, ist in den Anmerkungen gehöriges Ortes gezeigt. Eine ausdrückliche Erklärung gibt Platon 500 ce... Atyovr« ze &v a djum xal Gnroginnv aonodvre nal mokırevo- WEVOV TOVTOoV ToV rogomor, 09 vueis vöv nolı- zeveohe nr. Alle drei Ausdrücke sind synonym.
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EINLEITUNG, :SIXV
sozdern Aberhaupt das Ausserste aller Uebel ist, Daher erscheint genaues Eingehen auf das gegenseitige Verhältniss von adızeiy und adınsicher als vollkommen sachgemäss.
Im dritten Theile wird .dgs (für. die beiden andern eben so gut geltende) Thema so bestimmt angegeben, dass jeder weitere Nach- weis nur unnütze Weitjäufigkeit wäre. Die.darin enthaltenp gründ- lich ausgeführte Discussion über 70% und dyadgw bildet den inner- sten Keru des ganzen „Gorgias“ ; denn jenes ist der Endzweck der falschen, dieses der der wahren Politik. Die specielle Kritik endlich, - welcher die gefeiertsten Staatsmänner Athen’s tınterzogen werden, dient dazu, um an hervorragenden Beispielen zu zeigen,. dass eine Staatsverwaltung, welche ihre Wurzeln im Boden des Sophistenthums hat, nur schlechte Früchte hervorbringen kann. Denn im sophisti- schen Geiste wirkten nach Platon’s (einseitiger) Auffassung jene grossen Politiker. Der Mythos veranschaulicht die unausbleiblichen Folgen der beiden Systeme: einerseits die Strafen, zu denen der verkehrte Lebensweg jedesfalls nach dem Tode führt, andererseits das Glück des Rechtschaffenen, insbesondere. des «vg YPLAocopos (gl. pag. 526 c. S. 211). Wie enge die von der Kunst — nament- lich von der Dichtkunst. vorzugsweise von der Tragödie —. handeln- den Partien mit dem Thema zusammenhängen, wird weiter unten .erörtert,
Als Gegenbild der sophistischen Staatsweisheit zeigt sich die philosophische. Jene, auf Schein und Trug gegründet und des- halb in ewigen Widersprüchen schwankend, bezweckt bloss Befrie- dieung der sinnlichen Lüste eines Individuums selbst durch Frevel, ist also nichts anderes, als die roheste Selbstsucht. Sie stürzt in’s Elend, wenn nicht während des Erdenlebens, so doch unfehlbar im künftigen Sein. Diese, in sich durchaus wahr und cönsequent, strebt allgemeine Wohlfahrt durch sittliche Veredlung an, jeglichen Eigenvortheil hintansetzend und sogar zur Aufopferung des Lebens um der Gerechtigkeit willen bewegend. Sie ist die reine Tugend, welche ohne alle äussere Motive — denn selbst die wahre &vdaı- povia ist notbwendige Folge, nicht Zweck — das Gute an sich selbst übt, gleichsam als Naturnothwendigkeit. Denn Harmonie, welche im Sittlichen aus Besonnenheit und Gerechtigkeit, kurz als Tugend, zut Erscheinung kömmt, herrscht als Grundgesetz durch
das Weltall (pag. 508 e. /.). Somit hat sich Folgendes als Grund- gedanke des „Gorgias“ herausgestellt:
Die rechte Lebensweise in der bürgerlichen Ge-
XXXVvnI EINLEITUNG.
sellschaft ist nicht die sophistische Rhetorik (staatsmän- nische Thätigkeit), welche ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz nur Macht und Sinnenlust anstrebt, sondern die philosophische Tugend, welche, als Gerechtigkeit sich offenbarend, ausser dem absolut Guten kein an- deres Ziel verfolgt. |
Dass hiermit Platon’s Absicht wirklich getroffen wird, erhel- let aus seiner ausdrücklichen Erklärung am Schlusse. Denn wider seine sonstige Gewohnheit, das Endresultat der Erörterung aus dem ‚Gespräche selbst herauscombinieren zu lassen, wodurch viele Dia- loge den Anschein gewinnen, als ob sie eines vollständigen Ab- ‚schlusses entbehrten; wird hier das oben bezeichnete Problem: mit Bestimmtheit für vollständig gelöst erklärt. pag. 527 b. S. 213. 00x Zysts arodsikaı, ag dei dAlov zıva Blow Ejv N Todrov Arl.
Den harmonischen Abschluss des Werkes bilden die Worte (pag. 527 e. 8. 214 f.): @onsE 009 nysuorı to Adyo zonoousd« To vOV wagapanevıı , O5 Nulv onuaiver, Orı OUTog 6 reomosg &gıorog Tod Blov, xul ınv Öınaoovsnv wol nv allnv &ge- nv donodvrag nal £jv anal redvavon. oda 00V Enauete, nal Tovg along naganaliusv, un dnelvo, © 00 nıorevmv du noonnalsig Zorı yao 0vVÖEvÖOg dfıos.
In dieser Stelle findet sich der Inhalt des ganzen Dialogs in der prägnantesten Fassung ausgesprochen. Etwas ausführlicher ge- schieht dasselbe auch zu Anfang des 63. Capitels (pag. 507 c. — e. $. 167). &y@ ul» 009 raüra 0Vrm tideunı nal pnu Taüra aAndn elvaı (näml. Tov Ed Modtrovrn uaragıov re al evdai- uova elvar, Tov Ö& Xovno00v nal nanag roatrovre MHALov)- el ö% Zorıw and, Tov BovAouevov .. . svdaluova elvaı owpgo- ovuynv ulv dımureov nal dounteov, Arolaolav dk pevnteov ws &rsı nodav Euxorog numv, nal napuonsvaoreov uclıora iv und!v deiohnı Tod noAafeodar, dav Ö% dend7 7 adrog n aAlos zıs row olnelov, n ldıwrns 7 nolıg, Emiderkov Öianv wol xo- Anoteov, el uellsı evdarumv elvaı. odrog Zuoıye doxei ö ornonösg elvaı, noös 0» Bläinovıa dei fiv, al navıa els Todro xal T& &VTOd ovvrelvovra nal ta ns molewg, Onwg dinauoodvn ragEoraı Kal COpg0CVVN To uaxxolo wellovrı koecHaı, 09m zoctrew, 00% dmıdvulag dövre AroAdorovg elvaı url. .
Mit dem Endergebnisse der vorliegenden Untersuchung voll-
EINLEITUNG. XXxIX
kommen in Uebereinstimmung bezeichnete schon Olympiodoros* den Zweck des „Gorgias“ folgender. Massen: gauss rolvvr, Orı HoRög MUTa zegl T&9.aEY09 („Principien“) dınleygd Hvar Tov ptoovoa» nuäg Ernl rny zoAıtıanv svöaıuovle».
Es ist nunmehr der zweite Hauptpunkt in Betracht zu ziehen, die Polemik gegen die Sophistik **. In unserem Dialoge handelt es sich zwar beinahe ausschliesslich um die Bekämpfung der sophistischen Rhetorik. Allein wie Platon nur eine Philoso- phie anerkennt, welche das ganze Leben nach allen seinen Richtun- gen umfasst, und von welcher die Politik ein Theil ist; so fasst er auch alles ihr Entgegengesetzte, was nicht auf klar erkanntem Wis- sen beruht und das absolut Gute zum Ziele hat, als eins auf, als Sophistik. Die Rhetorik ist ihre Manifestation auf einem bestimm- ten Gebiete. Die Bekämpfung einer einzelnen Erscheinungsform weiss Platon nicht ohne Kritik des falschen Principes selbst zu füh- ren. Daher kömmt es, dass in allen Dialogen, welche Streit wider die Sophisten zum Gegenstande haben, mancherlei vorgebracht wird, was bei oberflächlicher Betrachtung nicht zur Sache gehörig erschei. nen mag. In unserem Dialoge finden wir zwei Stellen dieser Art, die nur durch die Berücksichtigung, dass nicht eine für sich selbst- ständig und unabhängig bestehende Sache, sondern ein integrierender, mit dem Ganzen organisch znusammenhängender Bestandtheil des Einen Sophistenthums erörtert wird, ihren berechtigten Platz finden. Die erste enthält die Besprechung der Kunst, insbesondere der dra- matischen Poesie, pag. 501 a..— 502 d. S.148 /. Sie wird als eine
* Von Olympiodoros, einem neuplatonischen Philosophen aus Alexandreia, welcher im sechsten Jahrhunderte n. Chr. lebte, sind nach der Aufzeichnung seiner Zuhörer (wie die Eingangsworte ayölıa cvv VEo eis T0v Tod Ilatovog T'ogylav ano gavnüs "Olvunıodagov Tod ueydlov Qıld- 00909 beweisen) Scholien zu Platon’s „Gorgias“, eben so zu
„Fhaidon“, „Philebos“ und dem „ersten Alkibiades“ vorhan- den. Obige Stelle ist citiert aus: Platonis Goryias etc. recen- sutt Ch. G. Findeisenius. Gotha 1796. Als Anhang ist dem Buche beigefügt (S. 603 — 616): Praefatio scholiis Olym- piodori in Gorgiam pruemissa e codice manu scriplo nunc pri- mum edita a Routhio. Die Ausgabe von Routh (Platonis Eu- thydemus et Gorgias. Recensuit, vertit notasque suas adjecit Martinus Josephus R.) erschien zu Oxford 1774.
*+* Teber die polemische Seite der platonischen Philosophie im Allgemeinen s. Einleitung zum „Protagoras“ $. 23 ff.
XL .[ EINLEITUNG.
der Rhetorik an Zweck und Wesen höchst verwandte Bethätigung des Sophistengeistes verworfen. Die zweite umfasst die detaillierte Erklärung der xolouel@ pag. 464 b. — 466 a. S. 52 f: Dass im weiteren Verlaufe des Gespräches nur die eine der aufgezählten Ar- ten, die Rhetorik nämlich, besprochen wird, lässt nicht vergessen, dass hiermit keine erschöpfende Lösung gegeben ist — um so mehr, da gegen den Schluss, pag. 520, a, b. S. 196 ausdrücklich an jene Eintheilung erinnert wird — und der „Gorgias“ so gut wie jeder andere Dialog Platon’s erst im Zusammenhange mit den übrigen vollkommenes Verständniss gewinnt.
Die Sophistik fand ihre Entstehung in der Uebergangsperiode am Ende des fünften Jahrhunderts v. Chr., wo in dem politischen und geistigen Leben Athen’s ein grosser, tiefeingreifender Umschwung vor sich gieng. Zwei sehr bedeutende philosophische Systeme — die Lehren des Herakleitos und der Eleaten — hatten im Allgemeinen, da in den innersten Geist des einen wie des andern Systems nur äusserst wenige einzudringen fähig waren, Skepsis hervorgerufen. Man kam dahin, das subjective Vorstellen für allein massgebend zu halten; jedem einzelnen ist das wahr, was ihm als wahr erscheint *. Sobald nun auf sichere Erkenntniss verzichtet und keine Befriedi- gung in .der geistigen Forschung selbst mehr gefunden wird, bleibt nur Selbstbefriedigung im Handeln und Geniessen übrig. Darum hatte die Sophistik vom Anbeginne praktische Tendenz. Weit mehr auf Erreichung gewisser materieller Zwecke ** als auf Entwickelung der Theorie kam es an. Die Sophisten wollten Lehrer der prakti- schen Tüchtigkeit sein. Bei der Oeffentlichkeit -und Mündlichkeit aller Verhandlungen musste nothwendig Redegewandtheit eine sehr hohe Bedeutung im Staatsleben erlangen. Beredsamkeit wurde das erste Erforderniss eines Staatsmannes, da keine specielle Befähigung (bestimmte Studien u. s, w.) verlangt wurde, sondern jeder vollbe- rechtigte Bürger als solcher politisch thätig sein konnte Darum hatte es die Sophistik vorzugsweise auf die Ausbildung der Rede- kunst abgesehen. Da ferner wegen ihres skeptischen Grundcharak- ters positiver Inhalt abgieng, musste sie um so mehr formelle Bildung pflegen. Dem Denken wurde innere Gewissheit abgespro-
* vgl. Einleitung zum „Protagoras“ $. 37.
** Damit steht wohl das Unterrichtgeben der Sophisten gegen Honorar, was Platon so oft rügt — vgl. Einleitung zum „Pro- tagoras“ $. 31. — im Zusammenhange.
EINLEITUNG. XLI
chen. Es galt also nicht Wahrheit zu erforschen, sondern durch gewandte auf Schein berechnete Rede in den Zuhörern. solche Vor- stellungen und .Meinungen hervorzurufen, wie es jedesmal vortheil-» hafı war, Alle Sophisten, auch diejenigen, ‚welche sich mehr. für Tugendlebrer ausgaben (Protagoras, Prodikos u. a.), befassten sich ernstlich mit Rhetorik, Wie sehr hierbei die äussere Form als Haupt- ssche behandelt wurde, beweisen die dmıdeläsıg (Prunkreden 5 s. zu pag. 447 a. med. S. 1).
.Da es um Wahrheit ganz und gar nicht zu thun war, viel- mehr der echte Sophist mit eben so viel Schein das Gegentheil je- der Sache zu verfechten verstand, übten sie sich über jedes belie- bige Thema pro et contra zu reden, gegen alles Widerspruch zu er- heben und sich in leerer Eristik zu tummeln, wobei sie keinerlei Resultat erzielen, sondern nur ihre Gewandtheit zeigen wollten.. So- bald einmal der Sinn für Wahrheit so gänzlich erstorben ist, kann auch das Rechtsgefühl nicht lange lebendig bleiben. Daher wurde bald dem Sophisten zum Hauptvorwurfe gemacht, dass sie der schlech- ten Sache den Anschein der guten gäben [10% Nrra Aoyow xeEirra zoısiv. Apologie 19 b. Aulus Gellius 5, 3, 7. pag. 162 Hertz: Pro- lagoras .. . acerrimus sophistarum . . . pecuniam ingentem cum a disci- pulis acciperet annuam, pollicebatur se id docere, quanam verborum industria causa infirmior fieret fortior, quam rem graece ita dicebat:
z0» nrso A0yov ngsitto noLeiv. Cicero, Academica 2, 23, 72, Illi
guum res non bonas tractent, similes bonorum videri volunt. Aristopha- nes „Wolken” 98. odroı (die uegiuwopgovziorat) ÖLddonovg’, du- yveLov N ig dıdo, Akyovıa vırav nal Ölncın nadına. Ferner 112. F. slvaı nad adrois paoıv dupm to Aoyw, TÖV Agelrrov, dorıs dorl, al TOv TNTrova. Tovzoıw ToV Eregov Toiy Aoyoıv, töV NTToVR, vınav Atyovra paoı zadınazege). Ist das Gute und Schlechte nur willkürliche Menschensatzung , so hat jeder, der es vermag, das unzweifelhafte Recht, solche Satzungen umzustossen (vgl. pag. 484 a. S. 103). Das beste Mittel hierzu ist Ueberredung *.
* Bei Aristophanes, „Wolken“ (V. 1420 — 1424) sagt der alte Strepsiades zu seinem sophistisch gebildeten Sobne Pheidippi- des, von dem er geschlagen wurde: Al ovdauou vouige- Taı T0v MATEQR Tovro za0yELV — und erhält folgende Ent- gegnung: ovx0vV ‚ung ‚ö 20V vouov T0v0’ nv zıdeig zo noGToV, MamEg cv “a0, nal Aöyav Emeıde Tovg ma- Amoug; nrrov vı Ömr Ebeorı »&uol naıvöv au zo Aoınöv Feivaı 90m0» zeig viioıy, ToUg maregag avrı- TORTE.
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XLII EINLEITUNG.
Ihre Immoralität hehlten die Sophisten gemeiniglich durch die. Un- terscheidung von Öfxcıov xar& vouovg und dixaıov xard pvoıv (vgl. pag. 481 e. f. 8. 100... Protag. 337 d.). Unter letzterem aber verstanden sie bloss, was ihrer eigenen individuellen Ansicht entsprach *. Dass bei solcher Gesinnung auch ein feindliches Ver- hältniss zur Volksreligion nieht ausbleiben konnte, ist selbstver- ständlich. Einige der bedeutendsten Sophisten (z. B. Protagoras **, Diagoras u. a.) wurden wegen Atheismus verfolgt. Sokrates selbst wurde verschiedentlich — wie weiter unten zu erwähnen ist — mit den Sophisten zusammengeworfen und sowohl von Aristophanes in den „Wolken“ als auch bei seinem Processe wegen Irreligiosität angegriffen.
Die Sophistik war der treue Abdruck des damaligen Zeitgei- ste. Platon selbst bezeugt es Politeia 6, 493 a. Exacrog To» kLodagvovvrov ldımrav, 095 IN oVr0oL Voyıorag xalodcı, u Alu maudevev N teüra ra Ta» mollav ddynare, & Öo- Eufovow Orav dHü0L0dw0L, “al voplav ravınv nalsiv ari. Die demokratische Freiheit war bis zum Uebermasse erweitert. Der will- kürlichen Aeusserung der Individualität wurde ungemein viel Spiel- raum gelassen. Namentlich herrschte unbeschränkte Redefreiheit ***. Jeder uinzelne suchte sich möglichst geltend zu machen. Die Leich- tigkeit Gesetze zu geben und umzustossen benahm die Ehrfurcht vor denselben und liess sie als Ausgeburten des zufälligen Belie- bens erscheinen. So entstand nach und nach in den meisten Kö- pfen arge Begriffsverwirrung. Thukydides 3, 82, 3. xal zn» elw- Yviav adElacıvy av ovonarav Es rafoya davınıllakar ty dınaıaceı. tolun ulv yao aloyıoros avdgia Ypılezaıgos &voulodn, uelAnoıg Ok ngoundng delle züngeuns, To dt ow- $009 Tod dvavdpov modoynuu ft... xal 0 ubv yalezalvov nıorög el, 6 db Avrıldyav adra YnonTog.
* Bei Aristophanes a. a. O. (V. 1427— 1432) stellt Pheidippi- des seinen Grundsatz, man dürfe den Vater schlagen, so als naturgemäss dar: oueypaı dt Todg Alsnrenovag nal vaAlc z& Bor& zavıl,' ds Todg naregag auvverar‘ nalroı ri dıiape&oovasıv nuav Eneivoı; Strepsiades: ri dr, dmsıön Todg Alsnıgvovag Kmavıa wine, ovx Lodleıg vol nv xomoov nam) EvVlov nafrevdcıg; Pheidippides: 09 rav- To», © rov, doriv.
** s, Einleitung zum „Protagoras“ $. 36. “rg. pag. 461 e. int. S. 45 und die Anmerkung daselbst.
f vgl. pag. 492 b. int. $. 124. Politeia_ 8, 560 d. nv u8V aldo nAıdıornta Ovouakorısgs adodcıv Em ariumg Yu
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BINLEITUNG. XLIII
Allein nicht nur dem Zeitgeiste zusagend war die Sophistik, sie half auch wirklich einem” dringend gefühlten Bedürfnisse ab. Der Drang nach einer gewissen allgemeinen Bildung ohne sonder- liches Vertiefen in gründliches Fachstudium beseelte die jungen Leute aus den wohlhabenderen Familien so ziemlich allgemein *. Vorzüglich wünschte man eine Vorbereitung für die politische Lauf- bahn. Diese bestand — nach dem Obigen — zunächst in rhetori- schen Uebungen. Die Schilderung, welche Xenophon von dem Feld- herrn Proxenos gibt (Anabasis 2, 6, 16, 17.) gilt sicherlich „uch von hundert andern, wenn gleich der Mehrzahl ihre Pläne weniger zu verwirklichen gelang. IIoo&evog . . . eUdüg ulv ueigdxnıov @V Inedvusı yerdodaı Ave Te ueydia nodteev Inavog’ nal dıa zavınv nv dnıdvulav Edoxe T'opyix aoyvgıov. Enel Öf ovveye- sero dnelvo lnavog Non vonloag elvaı al Koysıv nal pllos @v Toig rEWToIg un Nrracder Edegyerav, NAdEV eig Tavrag Tag 0UV Kvow oukeıs' xal Bero nrijosodaı Ex Tovrwv Övoua uEya nal duvauıy meyainv xal yonuara wolle. Und den jungen Hippo- krates führt Sokrates bei Protagoras mit folgenden Worten ein (Protag. pag. 316 b. med.): ‘Innoxgaıns ode dorl... olniag us- yains ze nal Evdaluovog, aurog Ök 77 pvoıw Öonei dvauıllog elvaı roig niınımraıg. Emıdvusiv 88 wor Öoxei EAloyınog yeväo- 9a &9 77 noAsı" todo Ö8 oleral ol ualıora ysvioheı, el vol cvyy&voızo. Wie sehr diese jungen Männer nach dem sophistischen Unterricht begehrten, schildert Platon, mit der ihm eigenen Meister- schaft im feinen Charakterzeichnen, an dem Beispiele des eben er- wähnten Hippokrates, Spät in der Nacht erfährt er die Ankunft des Protagoras. Sogleich will er zum Sokrates eilen, damit ihn dieser dem berübmten Sophisten vorstelle, wartet aber doch bis zum fol- genden Morgen; und schon bevor es noch zu dämmern beginnt, klopft er an des Sokrates Thüre, und zwar za&vv opodon, vor un- geduldiger Hast! (Protag. 310 a. f.) Darum fanden auch die so- phistischen Lehrmeister überall sehr gute Aufnahme. Politeia 10, 600 c. TIowrayopag... nal Ilgodınog xal aAloı nammoilor... nl zaürn 1 00ple 0Urw opodo« Yıloüvraı, More U0Vov 0U% En! taig nepalaig megıpegovoıw avrovg ol Eraigoı **. Die un-
yada, 0wpooovvn» Ök davavögiav nakovuvreg re nal moonnianıkovreg Erßallovor arl.
* vgl. pag. 487 c. int. . S. 112 f.
** vgl, das über die Liberalität des Kallias in der Einleitung zum „Protagoras“ $. 39 Bemerkte.
XLIV EINLEITUNG.
geheuren Summen , welche ihnen als Honorar gezahlt wurden (vg!]. das Betrefiende in dem folgenden Abschnitte), ‚geben ebenfalls kei- nen geringen Beweis dafür.
Die Sophisten fanden zwei sehr verschiedene Arten von Geg- nern. Erstens hassten sie, als Sittenverderber. und Jugendrverführer, die Bürger vom alten Schrott und Korn, welche in der Abweichung yon der frommen Vätersitte den Ruin des Staates erblickten und in beschränkter Verehrung der guten alten Zeit auch die wohlberech- tigten Neuerungen, deren Vorzüge sie nicht zu würdigen verstan- den, sammt und sonders verdammten. Als das Prototyp dieser Män- ner stellt uns Platon im „Menon“ den Anytos, den nachherigen An- kläger des Sokrates, dar. Derartiger Widerstand gegen den Zeit- geist hat sich immer als erfolglos erwiesen. Aristophanes, der eben- falls zu dieser Partei gehörte, hat sogar unbewusst und höchst un- absichtlich der Geistesrichtung, welche er zu bekämpfen suchte, viel Vorschub geleistet.
Weit gefährlichere Gegner fand das Sophistenthum an dem echten Philosophenthum. Von diesem in all’. seiner inneren Haltlo- sigkeit aufgedeckt, wurde es in sich selbst vernichtet. Freilich nicht völlig: denn Sophisterei wird in ewig wechselnden Gestalten fortexi- ‚stiieren, so Jange Lug und Trug nicht gänzlich aus der Menschheit verschwunden sind. Vor allen ragt unter. den Bekämpfern dieser Scheinweisheit Platon hervor, das von seinem edlen Lehrer Sokra- ‚tes begonnene Werk — die Zerstörung der Dünkelweisheit — in ungleich höherem Geiste fortsetzend. Gewaltige Schläge führt er auch in vorliegendem Dialoge gegen die Sophisten (wie früher spe- ciell auseinandergesetzt wurde). Allein dabei darf nicht übersehen werden, dass er sich zuweilen vom Eifer des. Kampfes allzuweit hin- reissen lässt. Es soll nun, um die oben dargelegte Schilderung Platon’s von den Sophisten im „Gorgias“ nach Möglichkeit zu be- richtigen, vorgebracht werden,. was sich allenfalls einwenden liesse.
Im Allgemeinen scheint Platon alle drei Hauptpersonen in ungünstigerem Lichte dargestellt zu haben, als sie verdienten. Dass ‚Kallikles vor einer zahlreichen Versammlung so sehändliche Grund- ‚sätze wirklich verfochten hat, ist nicht ganz wahrscheinlich. Na- mentlich dürfte das öffentliche Bekenntniss der pag. 484 a. erwähn- ten Prineipien in einem demokratischen Staate nicht ohne Gefuhr sein. Solche Ungeschicklichkeit und Unbeholfenheit in der Begriffs- entwickelung, wie sie dem Gorgias zur Last gelegt wird, ist bei ei- nem Manne, welcher selbst ein keineswegs simples philosophisches
EINLEITUNG. XLV
Werk verfasst hatte, schwer begreiflich. Athenaios (Deipnosophistai 11, 118. pag. 505. Casaubon.) meldet vor einem Proteste des Gor- gias selbst: xAAoı 08 yaaıs, os avayvoos 6 Iooylag row [Märo- v0g dıdloyor KOÖg ToVg ragdvrag einev, 6 oT odötr ToUTo» ovıE simey OdTE NRovOeV.
Es könnte ungerechtfertigt scheinen, den | Gorgias in eine phi- losophische Untersuchung. über Gerechtigkeit — somit, nach Pla- tons Lehre von der Einheit aller Tugendarten, über die Tugend überhaupt — zu verwiekeln und darin: schmählich unterliegen zu lassen, da er doch, wie Platon’s eigenes Zeugniss beweist, von Tu- gendiehren gar nichts wissen mochte. Menon pag. 95 c. Kal T'og- ylov uelıora, © Zurgareg, tadre dyauaı (sagt sein Schüler Me- non), Or 09x &9 NOTE KUTOÖ TOUTO AROVOKLS YrLoyvor- uE90v (nämlich die Tugend zu lehren), @AA& nel rav aAlmv nu. raysAd, 0Tav dx0VoN dmioyvovusvon‘ alla Akysıy oleraı deiv nmoıei» Öeıvovg. So erklärt er sich auch in unserem Dialoge nur für einen Rhetor, pag. 449 a. S. 9. Aber eine solche Redekunst, die fast ausschliesslich das Gerechte und sein Gegentheil zu ihrem 'Thema hat {pag. 454 b. S. 25 u. 6.) und gleichwohl das Wissen hiervon fär entbehrlich hält oder doch factisch nicht besitzt, kann Platon nicht anerkennen. Gorgias hätte, seinen anderweitigen Aeusserungen consequent, ‘die Frage, ob er auch dieses Wissen bei- bringen könne , unbedingt verneinen müssen; um so mehr, da ihm die negative Antwort nahe gelegt war (pag. 459 e. S. 40): 7 &vayın eidgvaı ... el Ök un, 0% 6 rs Onrogınns dıdaonakos tovrovu ubv obötv dıudakeıs TOV dpınvovusvov — 00 yao 00% Eoyov — roınoeıg 0° ati. Doch irgend etwas nicht zu können, gesteht ein echfer Sophist, der ja z&vcopog * ist, nimmermehr. Darum erwidert auch Gorgias (pag. 460 a. S. 0); ar Eym ulv. olueı,, div tuyn un eldas, nal tadra nag Zuod uadmoezaı. Dazu kömmt, dass Gorgias wirklich über Tugend disputierte. Menon pag. 71 c. M. @ila ovV, © Zwrgares, dAndas 000° Orı gern Sorıv oloda ...; S. un WOVov ye, aAlı nal 0vÖ ailm
* So heisst eg „Protagoras“ pe. 315 e. fin. von Prodikos: n«000- pog yao wor doxei Avig elvaı »al Seiog., Euthydemos pag. 287 c. fin. von Dionysodoros: 0% vOV TAVCOPOS Tıg Nulv apikaı neol Aoyovs ; ebendas. pag. 271 c. med. von Euthyde- mos und Dionysodoros zugleich: mdvoogpoL, dreyvog. Lysis pag. 216 a. von den Sophisten überhaupt : odroL ol ravaogoı avdoss, ob Kvrıloyınot.
XLVI EINLEITUNG.
‚ao &vervgor eldorı, ag &uol doxu. M. ri dal; T'opyla oux Avsruyeg orte Ivdade nv; S.Eyaye. M. site 00x done co elde- vor; 8. 05 zdvv elul uvjuov, a Mivov, wore our Eym elneiv dv zo nagovzı, mög uor zore Eöofer. AAN Long Enzivog ra olde, ao 00 & Ensivos Fleysv* dvauvncov 009 us, mög fAeyev. Menon gibt nun Reminiscenzen aus den Vorträgen des Gorgias über die Tugend, deren Resultat ist: x«9” &ud&ornv av medkenv nal tor Nıınıov ngög Enaorov Eoyov Exaaro Numv N Kern dorıy' Goav- zug dt... al n none. (Menon pag. 72 a. med.) Dies wird durch Aristoles, Politika 1, 13, pag. 1260, Bekker, bestätigt a 097 N av smpg00VVn yuvaınos val dvögos, 0d6: avögla nal dı- KnLocvyn, KadarEeE @Ero Zmngdrıns.. . xadolov yap ol Al- yovzeg EEanaracıv Eavrovg, Orı TO 80 Lysıy TjV Yyuynv des 7) To Vedongaysiv 7 Ti TOY TOLOVTmv' noAd yüg Ausıvow Akyovgıv ol EEngıduoövres rüg Agerag, woneg T'oeylas.
Um die von Gorgias begründete sophistische Rhetorik in ih- rer Immoralität blosszulegen, werden die verkehrten, aller Sittlich- keit Hohn sprechenden Grundsätze seiner Schüler und Anhänger kritisch beleuchtet. Dagegen liesse sich erinnern, dass dem Meister nicht die Fehler der Schüler aufzubürden sind. Sonst wäre ja So- krates selbst für seine Schüler (d. h. Schüler in dem Sinne, wie er selbst Apologie pag. 23 c. ff. erklärt) Alkibiades und Kritias ver- antwortlich zu machen; wie er denn auch wirklich unter diesem Vorwande angegriffen wurde *. Aber diese beiden zogen sich bald von Sokrates zurück und hatten in seinem Umgange nur das sich anzueignen gesucht, was zu ihren Plänen passend schien; für seine moralischen Lehren blieben sie unempfänglich. Ihr schlechter Cha- rakter stand im grellsten Contrast mit der sokratischen Lehre: wäh- rend dagegen — wie oben nachgewiesen ist — die schamlosesten Behauptungen des Kallikles sich einfach als Consequenzen des von Gorgias vertretenen sophistischen Principes ergeben. Zwar könnte man das bemängeln, dass Platon unsittliche Gesinnung mit Noth- wendigkeit bei den Sophistenschülern — wenn gleich bei dem einen
* Xenophon, Memorabilia 1, 2, 12. &44’ pn yes 6 xarnyooos, Zurgareı önılmıa ysvousvo Koiriag re nal Alnıßıdöns nleiore nand vnv noAıy Enoınodınv ri. Aischines, Rede gegen Timarchos, pag. 168 f. Reiske: vusis, @ Af'nvaioı, Zwrgarnv T0V 00pLornv ünenzeivore, Orı Kortiav dpavn NENALÖÜEUNDG, EYE TOV TOLEKOVIE, TÜV TOV ÖTjU0V Kure- Avoavrov.
EINLEITUNG. | ZLVII
mehr, bei dem andern weniger — voraussetzt, weil er als deren Re- präsentanten uns Polos und Kallikles mit so dunklen Farben zeich- net und für das Gegentheil kein Wort verlauten lässt. Dennoch sei Isokrates z. B., ein Schüler des Gorgias, unbestreitbar ein höchst ehrenwerther Mann gewesen *. Allein dagegen genügt es zu erin- nern, dass solche Männer sich in dem nämlichen. Falle befanden wie Gorgias selbst; ihr angeborner Edelsinn liess ın praxi die angelern- ten schlechten Principien nicht zur Anwendung kommen.
Entschieden spricht Platon den sophistischen Rednern und Staatsmännern die dıaAsarınn ab. Nun wissen wir aber, dass sich Perikles, der vorzugsweise gerügt wird (s. pag. 515 d. f. S. 184), nicht bloss in der Jugend ernstlich mit Philosophie beschäftigte. Alkibiades I. ** pag. 118 b. ff. &rreıg doa. (sagt Sokrates zum Alkibiades) mg05 z& nolırına nolv maıdevdnvaı (d. h. ohne philosophisch gebildet zu sein)- n&rovdas Ö} TovVro 09 0v uovog, arra xal ol noAlol Tov nouTzövrwv ra Tjode vis nolsws, wAnv oAlyov ye nal long toö 00V Enırgomov ITlsgınldovs. Alk. Adye- zal yE TOL 00% &NO TOD adTOuKToV 00pOg yEyovavaı, aAl mol- Aoig nal oopaig avyyevovevaı, nal IIvdoxislön Kal ’Avabayooa ' nal »09 Erı nlınodrog @v Adumvı Evvsozıv KVTod Tovrov fvere. Aber dieses Philosophieren galt — trotz des Verkehres mit Anaxa- goras — in Platon’s Augen nur für sophistische Uebung. Pytho- kleides wird im „Protagoras* pag.316 e., Damon im „Laches“ 197d. als Sophist bezeichnet. Bei Xenophon, Memorabilia 1, 2, 46. sagt Perikles von sich selbst: xl nueig, rnAınovroı Övreg (nämlich ' wie der Jüngling Alkibiades), dsıvol T& rom@öra Nusv° Tore yap nal dusistauev nal Eoopıfousda, ola neo nal 0v vovV wol doneig uelerav. Doch ooyi£soheı ist nicht zu urgieren, denn Alkibiades betrieb damals das dınlsyeoduı als Nachahmer des Sokrates (vgl. Apologie pag. 23 c. med.).
Man könnte ferner den Einwurf vorbringen: Kallikles, wel-
* Von dem oben erwähnten Proxenos — s. S. XLIII— sagt Xe- nophon a. a. O. $. 18: rocovrwv (näml. Ruhm, Macht, Reich- thum) Ö° dmıdvunv opodox Evönkov au ul todro elyev, Oz ToVrav oddEV Av YEloı nrdodeaı were adınlag, AA ovv To Ödıxalo xul “un @Ero ÖEiy TOVrmv Tuyyanesır, &vsv Öf tourwv un. Es scheint nicht unmöglich, dass hier Xenophon auf den „Gorgias“ Bezug nimmt.
Die Unechtheit dieses Dialogs ist oft behauptet, niemals vollständig erwiesen worden.
2;
XLVIII EINLEITUNG,
cher das .personificierte Sophistenthum in seiner äussersten Entartung vorstellen soll, ist ein praktischer Staatsmann, kein Sophist. Weit entfernt., sich als solchen zu bekennen, gedenkt er vielmehr dieser Classd von Leuten mit: offenbarer Geringschätzung (pag. 520 a. int. S.: 195 f.); Aber auch Polos und Gorgias selbst nennen sieh bloss Rhetoren, nicht Sophisten; und ohne Zweifel ‘hätte jeder von ihnen dieses letztere Prädicat abgelehnt. Denn der Name sogıorrs * hatte damals bereits einen üblen Klang und war so ziemlich an Be- deutung zum Schimpfworte geworden, ‚Niemand beanspruchte ihn als Titel. Protagoras allein bekannte sich offen als Sophist, that sich aber auf diesö Kühnheit ungemein viel zu gute (Protagoras pag. 316 d. f. vgl. Einleitung zum Prot. $. 31). 'Ueberdiess herrschte beim Publicum eine auffallende Unklarheit bezüglich -dieses Begrif- fes, der gleichwohl bei allen, welche sich auch darüber keine Re- chenschaft zu geben vermochten, was eigentlich damit bezeichnet sein sollie, die gehässige Nebenbedeutung hatte. Daher darf es nicht befremden, Männer, welche die entschiedensten Antagonisten der Sophistik waren, bier und da in diese Kategorie gerechnet zu sehen. Sokrates, der Hauptbekämpfer aller Dünkelweisheit, der in diesem 'Kampfe seinen von der Gottheit ihm aufgetragenen Lebensberuf sah, wird von Aristophanes in den „Wolken“ als der Sophist xar’ &&0ynjv lächerlich gemacht. Sogar Platon selbst wird von Isokra- tes ** als Sophist bezeichnet. Auch andere Schüler des Sokrates müssen sich diesen Titel gefallen lassen: Aischines (der Sokratiker) von Lysias (bei Athenaios 13, 95; pag. 612 Casaubon.), Aristip- pos *** von Aristoteles (Metaphysik f, 2. pag. 996 a. 32. Bekker: tav ooyıorav rıvkg olov 'Aglorınznos nt.) Wenn übrigens Pla- ton selbst zwischen 67jrogsg und ooyıorel unterscheidet (pag. 465 c. S. 54 f. vgl. pag. 520 a. S. 196), so werden unter letzteren im en- gern Sinne des Wortes die Tugendlehrer , Protagoras und seines
* Ueber die ältere Gebrauchsweise des Wortes s. Einleitung zu Protag. $. 25.
** In des Isokrates „Philippos“ (pag. 84 e. fin. Stephan.) ert- hält die Stelle, wo von raig zolıreiaug reis VrO av c0pLora&v ysyoauuevaıg die Rede ist, eine invective ge- gen Platon, ohne dass der Name genannt wird. Vgl. dage- gen Platon’s Euthydemos pag. 305 b. ff.
*** Aristippos hat wenigstens insoferne ein Anrecht auf den So- phistentitel, als er zuerst unter den Sokratikern gegen Be- zahlung lehrte.
EINLEITUNG. XLIX
gleichen, verstanden. Im weiteren Sinne aber begreift gopıerıny das ganze Reich des xoAaxavrınn) (pag. 464 b. f. 8. 52).
Wie wenig das allerdings harte Urtheil über die sophistische Rhetorik — dass sie nämlich nicht im mindesten eine Kunst, son- dem blosse duxsıgl« und @loyog dıargıfıf (vgl. pag. 462 b. 8. 47) ist — als ungerechtfertigt angefochten werden kann, wird im näch- sten Abschnitte, wo von der Lehrmethode des Gorgias die Rede ist, im Einzelnen nachgewiesen.
Vielleicht möchte mancher der Kritik Platon’s wenn nicht Beschränktheit, so doch wenigstens Einseitigkeit zum Vorwurfe ma- chen, weil überall nur die Schattenseiten der Sophistik hervorge- kehrt, ihre Vorzüge aber gänzlich ignoriert werden. Wahr ist es, die Sophistik bildet ein wichtiges Glied in der Entwickelung der hel- lenischen Philosophie. Sie beförderte sehr die Ausbildung der for- malen Logik, theils unmittelbar durch die Pflege der Redekunst und der Grammatik *, indem sprachliche Vervollkommnung entspre- chende Denkfertigkeit bedingt; theils mittelbar, indem sie durch ihre Trugschlüsse die Gegner zu gründlicher Erforschung der Denk- gasetze zwang.
Diese etwaigen Vorzüge der Sophistik verleihen ihr jedoch keinen Schutz gegen Platon’s Verdammangsurtheil. Die Förderung der Sprachwissenschaft wiegt die nachtheiligen Einflüsse nicht im entferntesten auf. Und wenn sie immerhin eine nothwendige Entwickelungsstufe des Geisteslebens bildet, so folgt daraus noch nicht, dass sie zu billigen und zur Existenz berechtigt ist.
Wenn nun durch die bisherige Untersuchung Platon’s Pole-. mik als durchaus gerechtfertigt erscheint, so bedarf doch der eigen- tümlich herbe Ton derselben, wodurch sich dieser Dialog von allen übrigen unterscheidet, noch einer näheren Erklärung. Platon’s Ge- reiztheit und Bitterkeit entspringt zunächst und zumeist aus dem noch frischen Schmerze über die Hinrichtung seines geliebten Leh- rers, dann wohl auch aus persönlichen Beweggründen.
‚‚" Die Bemühungen des Prodikos um die Synonymik waren bei dem damaligen Zustand der Sprachwissenschaft (man vgl. nur: den „Kmtylos“ des Platon!) nicht bedeutungslos (s. Einleitung zum "Protagoras $. 35). Protageras erwarb sich auch um die: Grammatik Verdienste. Von ihm stammt die Unterscheidung der drei Genera bei den Nominibus. Aristoteles, Rhetorik 3, 5, 4. Ilowrayogng Ta@ yErn T&V Ovoudzwv dos Kggeva „ul Srjlca no onevn.
Plat. Goargias. d
L EINLEITUNG.
Sokrates war — wie aug der Apologie deutlich genug her- vorgeht *. — als Märtyrer für seinen Lehrberuf gestorben. Ihn, den Erzfeind des Sophistenthums, hatte man als Atheisten und Ju- gendverführer, kurz als Sophisten ** der schlimmsten Art (Apolo- gie pag. 19 b.) zum Tode verdammt. Platon fand sich also bewo- gen, zur Ehrenrettung seines Meisters dessen Stellung‘ den Sophisten gegenüber in möglichst helles Licht zy setzen. Dass unter solchen Umständen seine Stimmung eine sehr verbitterte war, darf nieman- den wundern. Ueberdies gehörte einer der drei Ankläger, Lykon, zu den Rhetoren. Mit ihm im Bunde war Meletos, ein tragischer Dichter. Dies gibt ein äusserliches Motiv zu den Angriffen auf die Rhetorik und nebstbei anf die tragische Poesie (pag. 502 b. S. 151). Um nachzuweisen, wie ungerecht das Verfahren gegen Sokrates ge- wesen sei, und um die noch immer bei dem Volke fortdauernde fal- sche Meinung üher sein Streben und Lehren aufzuklären , schildert Platon hier den als Stiaatsverbrecher Hingerichteten als den einzig wahren Staatsmann unter allen Athenern (p. 521 d. f. S. 200) ***, der mit Hintangetzung deg eigenen Wohles unablässig und unermü- det die wirkliche Beglückung seiner Mitbürger durch sittliche Bes- serung anstrebte; während diejenigen Individuen, welche dem sinn- lichen Hange des unverständigen Önuog willfahrend bei aller schein- baren Förderung in materiellen Dingen nichts als immer weiter grei- fende moralische Fäulniss bewirken, wie sie selbst von den unsitt- lichsten Grundsätzen und Tendenzen beseelt sind, Ehre und Macht erringen }. Unter diegen Afterpolitikern begreift Platon nicht nur
* Auf den ganzen Sachverhalt des Procesges und der Verur- theilung näher einzugehen ist hier kein Grund. Nur so viel soll erörtert werden, als unmittelbar zum „Gorgias“ gehört.
** 5, die oben citierte. Stelle ans Aischines.
+++ Vgl. dazu pag. 472 a. S, 73, wo sich Sokrates allen Athe- nern insgesammt, die vornehmsten und bedeutendsten nicht ausgenommen, mit seinen Gesinnungen (@AX Eya 001 & is 0v 0dr7 Ouoloya!) entgegenstellt.
T Aller Begrändung entbehrt die. Nachricht, dass die Athener bald die Verurtheilung das Sokrates schmerzlich bereuten und seine Ankläger bestraften. Diodoros Sikeliotes 14, 37, pag. 692 Eichstädt: Adnvyoı Zungdens, 6, YıA00opog dm Avvrov xul Meintov narnyogndelg Em’ Maspeig nal pÜoge TWv veov Bararo xaredındaohn, nal mıor navsıor Erelevuno8d.
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Adlnov Ö ig narnyoglag yayarnpevns 6 Ösjuos wären!
1ndn, rnlınovrov Avdon Hewgiv avnenuevor. dLomeg TovS
EINLEITUNG. © LI
die sophistischen Rhetoren seiner Zeit, sondern auch die berühmte- sten Staatsmänner Athen’s, Miltiades, Kimon, Themistokles, Perikles. Dass er nachträglich mit Aristeides eine Ausnahme macht, ist nur scheinbar. Denn pag. 526 a, b. S. 210 f. ist auch von anderen byaven Politikern die Rede. Allein die ganze Stelle enthält gegen das Frühere keinen Widerspruch, indem hier die xaiol xayadol TauTn» nv agsıny 59 Tod Öinalag ÖLaysıolkeıv & &vrıg Snızo6%kn auch mur in die Classe der dıdxovor moAswg gehören, über die Sokrates pag. 517 b. f. S. 189, seine Missbilligung aus- sprieht.
Nicht nur im Ganzen wird die Gegenpartei mit der schärfsten. — ja theilweisb einseitigen * — Kritik angegriffen; der Ankläger wird speeiell durch eine zwar kurze, aber von der gründlichsten ‘Verachtung überfüllte Stelle (pag. 521 c, d. 8. 199) dem Hasse der Nachwelt überliefert. Diesen Ankläger genauer zu bezeichnen wäre unkünstlerisch gewesen; denn Sokrates wird ja divinatorisch von der Anklage als von einem wahrscheinlich bevorstehenden Ereignisse redend dargestellt; die zufälligen Nebenumstände lassen sich nicht vorausgehen : deshalb wird allgemein nur von einem KETnyo@og geredet. Nominell nimmt unter den drei Anklägern Meletos den er-
“ xornyoonoavrag ÖL ögyüs elys nal Telog anoltovg are »teıve. Diogenes Laörtios 2, 23, 48. Adnvaioı d’ eds pereyvacar, WoTe vision nal malniorgag nal yupvadarı. nal todg iv dpuyadsvoay‘ Meintov Öf Havarov ware. yvocav. In dem allen ist kein wahres Wort.
* Otfried Müller, Geschichte der griechischen Literatur II. Seite 18, 19 (2. Ausgabe): „Diese Künste der Sophistik wur- den den Athenern um so verderblicher, da schon vor-dem peloponnesischen Kriege, unter Perikles Verwaltung, die edle Manneskraft des athenischen Geistes, die im Perserkriege und der nächsten Zeit so herrlich strahlte, zwar keineswegs ver- nichtet, aber doch innerlich schon gelähmt und gebrochen war, gebrochen durch die Einwirkung desselben Glücks, wel- ches jene männliche Kraft den Athenern geschaffen hatte. Wenn auch das schneidende Urtheil des Platon über Perikles Einwirkung auf die Athener (Gorgias pag. 515 e. 8. 185), Perikles habe die Athener faul und geschwätzig gemacht — dag dem grossen Philosophen sein durchgehender Widerwille gegen die praktischen Staatsmänner der Zeit eingegeben — unmöglich als gerecht und billig gelten kann : so ist doch nicht zu leugnen, dass gerade die Principien der Politik des Perikles in nahem Zusammenhange mit der von Platon so grell ausgedrückten Entsittlichung stehen.“
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LII EINLEITUNG.
sten Platz ein *. Er war ein Dichter (Apologie pag. 23 e. med. Miintos ürbe av roınrav ayttöuevog), ein mittelmässiger. (Bei Aristophanes, „Frösche“ V. 1302, macht es Aischylos dem Euripides zum bittersten Vorwurfe, dass er sogar aus den Gedichten des M. manches zu entlehnen nicht verschmähe.) Gewiss sucht Platon, da er doch — wenn er bei seinem valicinium ex eventu nicht alle Illu- sion zerstören will — den Namen nicht gradezu nennen kann, den- selben hinlänglich dadurch anzudeuten, dass er bei seiner Invective gegen die Poesie grade den Meles als Beispiel anführt (pag. 502 a. int. S. 150. Geflissentlich wird auch der mit dem Namen des An- klägers gleichlautende Genitiv MeAnrog beigebracht). Dass übri- gens diesem Individuum nicht weiter Aufmerksamkeit geschenkt wird, hat darin seinen guten Grund, weil Meletos, mag man die Verurtheilung des Sokrates wie immer erklären, jedesfalls nur als Werkzeug erscheint ohne selbstständige Bedeutung. Seine Schlech- tigkeit wird dadurch nicht gemindert.
Ist mit dem Obigen die apologetische Tendenz des Disloges für Sokrates zur Genüge erläutert, so bleibt noch zu untersuchen übrig, in wie ferne der Verfasser eine defensio pro se einflicht.
Platon’s Bekämpfung der Sophistik hängt hier mit seinen po- litischen Grundsätzen innig zusammen. Die rhetorischen Sophisten (oder sophistischen Rhetoren) wollten ihre Thätigkeit nur auf Grund- lage der bestehenden Verfassung und im Einklange mit der gewöhn- lichen Denkungsart entwickeln **. Keineswegs bezweckten sie im ganzen Staatsleben eine durchgreifende Umgestaltung vorzunehmen. Platon aber beabsichtigte dies wirklich ***. Seine gänzliche Unzu- friedenheit mit den bestehenden Staatsverhältnissen — die er als vom Grunde aus verkehrt erkennt (vgl. bes. pag. 481 c. S. 97) — fordert vollständige Umkehr, wenn Besserung eintreten soll. In dem “ Reiche seiner Ideale lebend, findet er keine der existierenden Staats- formen damit im Einklange (Politeia 6, 11; 497 a, b. aAi& nv z000N7x0v00V avry (d.i.r7 Pılocopie) riva Tv vöy Akysıg no- Auzsıov; O0 nyrıvaoov, elnov, aAlı roüro xal Encırioucı, undsulav dElav elvaı ToV vv nardoracıy nolcmg
* Apologie p. 23 e; 24 b; 28 a5 30 c. u. ö. Euthyphron p. 2 b.
** Politeia_6, 6. pag. 492 8. f. | »#4# Wie weit die hier berücksichtigten politischen Grundsätze be- reits von Sokrates entwickelt worden sind, ist unmöglich
nachzuweisen.
EINLEITUNG. LIII
YılAocoypov YYozmg). Ohne rechtes Verständniss der Wirklich- keit, da er von seinem allzu hohen Standpunkte aus die Erschei- nungen der Zeit nicht in ihrer wahren Gestalt zu erblicken ver- mochte, construierte er in seiner „Politeia“ * das ideale Bild eines Gemeinwesens, wie es nimmer verwirklicht werden kann noch darf, was er gleichwohl für realisierbar hielt und als Norm bei der Beur- theilung politischer Dinge vor Augen hatte.
Dass er demnach an den Geschäften seines Vaterlandes kei- nen thätigen Antheil nahm, kann nicht befremden. Aber diese Theil- nahmslosigkeit eines Mannes, der in Folge seiner vornehmen Her- -kunft zu einflussreicher Thätigkeit im Staate berufen, ja verpflich- tet war, musste auffallen und Tadel erregen. Aehnliche Aufforde- rungen der unnützen Philosophie zu entsagen und lieber mit prak- tischen Dingen sich zu befassen, wie Kallikles an Sukrates richtet (pag. 484 c. 7. S. 105), mochte Platon selbst oft genug angehört haben. Seine Rechtfertigung ist in vorliegendem Dialoge enthalten.
Schliesslich möge noch der Zusammenhang des „Gorgias“ mit anderen platonischen Schriften kurz angedeutet werden.
Als Vertheidigungsschrift gegen die falschen Beschuldigungen wider Sokrates steht dieser Dialog in enger Beziehung zur Apo- logie, wie bereits in vielen einzelnen Stellen nachgewiesen wurde. Beizufügen ist etwa noch Folgendes: in der Apologie, wo Sokrates als Redner in seiner Art (vgl. pag. 17 b. int. — 18a. med.) auftritt, werden die Kunstgriffe der gewöhnlichen Rhetorik thatsächlich als nichtswürdig gezeigt (pag. 34 b. fin. ff. 38 d. f.). Die unablässige Fürsorge des Sokrates um moralische Besserung seiner Mitbürger wird pag. 30 e. f. geschildert übereinstimmend mit der weit nachdrücklicheren Erklärung unseres Dialoges (z. B. pag. 521 d. f. S. 200). Der Ansicht, dass der Tod das grösste aller Uebel ist, wird dort (pag. 29 a; 40 a. — 41 e. fin.) wie hier (pag. 522 e. S. 203, u. 0.) entgegengetreten, und zwar der Hauptsache nach mit denselben Argumenten, nämlich dass für das Ungemach des Erden- lebens und für die Ungerechtigkeit der irdischen Richter die unge- trübte Glückseligkeit im Elysion nach dem untrüöglichen Ausspruche der Todtenrichter zu ‘hoffen ist (vgl. pag. 40 e. med. f. mit pag.
* Dass zur Zeit, als Platon den „Gorgias“ schrieb, die „Politeia* noch lange nicht verfasst war, thut nichts zur Sache; über die Prineipien, welche daselbst dargelegt werden, war er längst
- im Klaren.
LIV EINLEITUNG.
524 b. int. f. S. 207). Unsterblichkeit der Seela wird hier voraus- gesetzt. Bewiesen (in Platon’s Sinne!) wird sie im „Phaidon.“ Der Grundsatz, dass «&dınsiv unbedingt schlecht und schlim- mer ist als «dıneicheı, sehen wir im Wesentlichen schon im „Kri- ton“ ausgeführt, wo erörtert wird, dass auch in Fällen, wo man offenbar Unrecht leidet, den Gesetzen des Staates kein Widerstand zu leisten ist, was Unrechtthun hiesse. Die Unterscheidung zwischen dv und dya®0v findet ihre er- schöpfende Durchführung im „Philebos.*
Die theoretische Seite der sophistischen Bedekunst wird einer gründlichen Kritik im „Phaidros“ unterworfen. Das Rinzelne 5 B im nächsten Abschnitte.
Im „Gorgias“ werden auf die speciellen Untersuchungen über die Tugendarten — über die sopeo0V»n im „Charmides“, über die avögeia im „Laches“ — Bezug genommen.
Dass die Tugend im Wissen besteht und nur Eine (dıx01009917, 60Yg00v9n u. 8. w. untrennbar verbunden in sich begreifende) ist, ward im „Protagoras“ zur Evidenz gebracht, An diesen Dialog erinnern auch viele, zum Theile äusserliche, Einzelnheiten. In bei- den erbietet sich z. B. Sokrates sowohl zum Fragen als auch zum Antworten (P. pag. 338 c. med.; G. pag. 462 a. S. 46). In bei- den dringt er auf dıaleysodaı, protestierend gegen die verngoloyle der Sophisten (dort des Protagoras pag. 334 c. med. ff.; hier des Polos pag. 461 d, e. S. 45). — Die Verschiedenheit des Tones, in welchem dieses geschieht, ist für den „Gorgias“ charakteristisch. — In dem Mythos des einen wie des andern erscheint Prometheus als Diener des Zeus, die menschlichen Zustände ordnend (P. pag. 320 d. f.; G. pag. 523 e. ini. S. 206) u. dgl. m.
Vielfache Beziehung, bemerken wir ferner auf „Menon.“ Die im „Gorgias“ angenommene Trüglichkeit der blossen Vorstellungen im Gegensatze zum Wissen, eben so die Unterscheidung von 26 dyadov und to uera$V (pag. 468 8. D: S. 62) findet sich im „Me- n2on“ umständlich behandelt. Die Unsterblichkeit (Ewigkeit) der Seele wird daselbst durch den Beweis der Präexistenz dargethan. Ueberdies sobliesst sich der „Menon“ dadurch, dass in im ein Schüler des Gorgias als Mitunterredner des Sokrates das von sei- nem sophistischen Meister über Lebrbarkeit und Wesen der Tugend WVernommene vorbringt, ergänzend an unseren Dialog an. Es wird dort durch Resultate gezeigt, wie schlecht Gorgias sein Versprechen — pag. 460 a. int. S. 40. ar Ya tv olua, & Zungurss, 2aiv
EINLEITUNG. LV
zöın un eldds, xal zaüura ap’ Enoo nadrjoszaı. — in Wahrheit su erfüllen vermag.
Zu den Angaben über die Todtenrichter Minos und Rhadaman- thys finden wir Parallelstellen im „Axiochos“ (pag. 731 a. — 182 a. int.) und im „Minos“ (pag. 319 a. fin. — 320 d. fin.). Bei- der Echtheit ist mehr als zweifelhaft.
IV. Gorgias. Polos. Chairephon.
Die Redekunst fand zuerst theoretische Bearbeitung in Sicilien *, und zwar in Syrakusai, als nach dem Sturze der Tyrannen (Ol. 78, 3. 466 v. C.) die republicanische Verfassung hergestellt worden. Als ihr Begründer wird Korax ** genannt, welcher früher sowohl unter den letzten Tyrannen Hieron und Thrasybulos als auch nach Einführung der Demokratie ein thätiger, einflussreicher Staatsmann gewesen war und später eine Art Rednerschule gründete. So er- hielt die Rhetorik von Anbeginn politische Tendenz.
Unter seinen Schülern that sich besonders Tisias hervor. Er schrieb für andere gegen Bezahlung Reden und gab rhetorischen Unterricht, anfangs zu Syrakusai, dann zu Thurioi, wo auch Lysias unter seinen Zuhörern sich befand. Später begab er sich nach Athen. Isokrates war daselbst sein Schüler. Nach Quintillanus (de institutone oratoria 3, 1, 8. Artium autem scriptores antiquissimi Corax et Tisias Siculi) verfasste er auch ein Lehrbuch der Rede- kunst, vielleicht zuerst (Cicero, de inventione 2, 2, 6. Ac veteres scriptores artis usque a principe illo atque inventore Lisia
* Die griechischen Sikelioten zeichneten sich überhaupt durch geistige Begabung, namentlich durch Witz aus. Cicero, ge- gen Verres 4, 43, 95. Nunguam tam male est Siculis, quin aliquid facete et commode dicant, u. 6. Archimedes, Theokritos und Empedokles hatten Syrakusai zum Geburtsorte, Epichar- mos (8. zu pag. 505 e. S. 160) zum Aufenthalte. -Cicero, Brutug 12, 45 f. Pacis est comes otüque socia et jam bene constilutae civilatis quasi alumna quaedam eloquentia. Ita- e ait Aristoteles, cum sublatis in Steilie tyrannis res privatae Togo intervallo judiciis repeterentur, tum primum, quod esset acuta illa gens et controversiae nata, artem et praetepta Siculos- Coracem et Tisiam conscripsisse. Nam antea neminem solitum via nec arte . . . dicere.
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apa BU AN a Arisiväeies elc.). Die von inm begrün- date Anti yernintikommnete der Deieutendste seiner Schäler, Gorgias.
uratan nude an Lanutmei (lsvrtirgs) in Sicilien um 500 var gvduva Nom \aieı Ness CObarwazüilas %. Sein Bruder, u Ara Bieten, wu pag a8 N nei I > nl zus. 356 b we N A wmadar Av ngt do wiiuesiz er x Jem Scudzom der | 1 BETRETEN ZEN ET NN 7 at, 2 Yeomy ir LawräsmrETT Emze- Aa Ama NIE So No PING NN WII OSUNTaTzE VYN reset Semaltaoon 727 17 Bacumung NUN. A N ya Roerter en r1 <SRrı 1m. ı 2% N NWenfiuwwen ve Kfauuan arte. it: Jule ver jen Ned NUT LS JUN TSmileH je Ds Nein ots au Neticr SL SW LIT UM [mE Zum ya vu Neem an Snnuiuer „ggg, sauler Nu we Nm mE DD... Sri. x 5
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EINLEITUNG. LVII
die Bürger der letzteren Stadt zu einer Gesandischaft nach Athen, OL 88, 2 (427 v. Chr.), um von dort Hilfe zu erbitten. Die Haupt- rolle spielte dabei Gorgias.
Hippias d. Gr. pag. 282 b. med. I'ogyiag ovrog 6 Asovrivog sopısrns deigo apixsso Önuooiz olnoder ngsoßevns, og Ixa- verazog av Asovılvay z& xoıy& zourreıv. Die gewünschte Un- terstüätzung wurde gewährt, weil die Athener ihr eigenes Interesse dabei hatten. 'Thukydides 3, 86, 1. Adnvaioı elnocı vadg Eoresı- day ds. Zixellay nal Adynıa röv Melayarov orgxenyov aurar wa) Xagoıddnv roös Evgılnrov. ol yap Zugaxöcıoı aal Asovri- vor ds aölsuow dllmloıg nadsoraony. %. v. A. Unter den Abge- sandten befand sich auch Tisias. Beide Redner gaben in Athen viele Proben ihrer Virtuosität und erwarben sich Ruhm und Geld: Gorgias jedoch in höherem Masse *. Tisias blieb in Athen, Gor- gias kehrte nach Leontinoi zurück **. Seine Mitbürger, zufrieden mit dem Erfolge der Gesandtschaft und stolz auf den Ruhm ihres Gesandten, erwiesen ihm viel Ehre. Unter andern prägten sie eine Denkmünze. Doch bald gieng Gorgias zum zweiten Male nach Hellas und verblieb hier bis zu seinem Lebensende, bald in Athen, bald in anderen Städten lehrend (vgl. pag. 449 b. int. S.9). Denn wie alle Sophisten führte auch er ein Wanderleben (s. Apologie pag. 19 e, vgl. Theages pag. 128 a.), nirgends ansässig. Während des Aufenthaltes zu Athen, in welchem die im „Gorgias“ aufge- zeichnete Unterredung stattfand, wohnte er im Hause des Kallikles «s. pag. 447 b. 8. 2). Am meisten hielt er sich in Thessalien auf, wo er von den Aleuaden zu Larissa sehr begünstigt wurde. Menon pag. 70 a. med. f. (Sokrates spricht): & Meva», ng0 Tod ulv Bsrralol eddoxıuo 7009 &r Tois "Eilncı xal Ldavuakovro dp ixxıny re nal nlovım, vor de, oc Zuol doxei, nal Enl vople,
* Pausanias 6, 17, 8. südoxıunanı dt I'ogylav Adywv eivexe... Kgyındpsvor xara ngsoßsiev Öuoo Tıoia mag Ad'nvalovg... drra ye Enslvov Es n1Eov rıung apinsro 6 TI'opylag zu g& ’A®nvaloıs. Hippias d. Gr. pag. 282 b. fin. nal Ev re a num Edofev agıora elneiv, nal löig Emıdelbeis noLovuev og ah cvvov Tois yeoıs Zonuare morla elgyacaro nal Zluß er du ınjods tig moAsog.
®* Diodoros 12, 53. pag. 364 Eichstädt. r&log ö8 nelsag tovg Adnvalovs ovuuayijoaı vois Asovrivorg, OvToS, ulv Bav- paohels Ev rais Adnvaıg Eml veyun Önrogınn ınv eig Acov- zivovg Enavodov droınoaro. Ä
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EINLEITUNG. LIX
ad Valerius Maximus (8, 13, extern. 2.) 107; Pausanias (6, 17, 9.) 5 Jahre an. Bis zum Tode soll er, rüstig an Körper und Geist, me Kunst nusgeübt haben.
Unter dem Namen des Gorgias sind zwei Declamationen * auf ıs gekommen: «zoloyla vunde Ilelaundovs und Eitvas Fyxo- os — deren Unechtheit jetzt allgemein anerkannt wird. Verloren ‚gungen sind folgende Reden: «) der öAuunıands (Aoyog), wäh- md des peloponnesischen Krieges — vielleicht in der 89. Olym- ade — zu Olympia gehalten; die Hellenen wurden darin zur Ein- acht der Barbaren gegenüber ermahnt. 5) Der zudixog, zu Del- hoi gehalten. c) &yxauıov eig ’HAelovg. Aristoteles (Rhetorik 3, 4, 11 fin.) tadelt daran, dass das wgoolu:0» fehlte. d) Der dm- epog, eine Leichenrede auf die gefallenen Hellenen; sie wurde ei keiner bestimmten Veranlassung, sondern als blosse Zniösıkıg ürgetragen. Hiervon ist in den Scholien zu des Hermogenes Schrift reol oynuatov ein Bruchstück aufbewahrt, Wahrscheinlich hatte Ias Alterthum von Gorgias auch eine regvn $ntooınn — ein Lehi- buch der Redekunst — wovon die von Dionysios aus Halikarnassos xıol ovvPMioeng Ovouarny 12, 84, pag. 144 Schüfer) erwähnte Abhandlung reet raıg00 einen Theil gebildet haben mag.
Vermuthlich aus der frühesten Periode seiner literarischen Thätigkeit stammte die philosophische Schrift negl rs Yuwsug 7 tapl rov un) Övros, deren Inhalt wir aus dem Werke des Aristoteles Rul Meillooov, Bevogavovs zei T'ooyiov ziemlich genau kennen. in die Lehre der Eleaten, namentlich des Zenon, von der blossen kheinexistenz der Sinnenwelt anknäpfend suchte er darin folgende rei Sätze durchzuführen: a) es ist niehts; 5) wenn aber auch et- ag wäre, so wäre es doch unerkennbar; c) wenn aber auch etwas Rre und es auch erkennbar wäre, so wäre es doch nicht wittheil- ir, sondern unaussprechlich **.
* Sie sind abgedruckt in dem achten Bande der orateres graeci von J. J. Reiske (Leipzig 1773), pag. 91 — 121. Ihr Verfas- ser ist vielleicht jener spätere Gorgias, dessen Unterricht der junge Cicero zu Athen eine Zeit lang genoss (epistolae ad di- versos 16, 21, 11), aber auf dem Wunsche seines Vaters auf- geben musste. Plutarchos, Cicero Cap. 24, 6.
we Aristoteles a. a. O. (pag. 979 a. 13. Bekker. od lv pnoıv oscer. ed 8’ Eorıv, dyvasıov alwaı" ed d} xal farı wol yvo- &r6», HR 00 Anlorov &rloss. B. Strümpell, Geschichte der theoretischen Philosophie der Griechen, $&. 85, 8. 100 #f.
LX EINLEITUNG.
In den späteren Jahren scheint sich Gorgias ausschliesslich auf die Pfiege der Rhetorik verlegt zu haben. Sein Unterricht ent- wickelte nicht ein streng wissenschaftliches System, sondern bestand in der Mittheilung gewisser rednerischer Kunstgriffe und in prakti- schen Redeübungen. Darum ist der (oben besprochene) Vorwurf Platon’s, die sophistische 6nrogıx7) sei weiter nichts als eine &Aoyog zeıßn nal dunsıpla (pag. 501 a. 8. 148 u. ö.), vollkommen berech- ügt. Die Schüler erhielten über die Gegenstände, welche am häu- figsten zur Sprache kamen, Gemeinplätze zum Auswendiglernen und machten sich gewisse Trugschlüsse eigen um den dialektisch un- ‚geübten Gegner und die Volksmenge zu verwirren. Auf diesem Wege gelangten sie allmälich zu der Fertigkeit nach dem Muster ihres Meisters über jedes beliebige Thema aus dem Stegreife zu reden (vgl. pag. 447 c. 8. 3. Einleitung zum Protagoras $. 28). Die Hauptsache hierbei war, den Faden der Rede nicht ausgehen zu lassen, sondern von dem eigentlichen Fragepunkt geschickt ab- lenkend mit geistreichen Uebergängen auf irgend einen nicht allzu weit abliegenden Gegenstand, worüber man eben Worte in Bereit- schaft hatte, zu kommen. Darin besteht die von Sokrates so oft gerügte uwaxgoloyia der Sophisten (vgl. pag. 449 c. fin. 8.10; 461d. 8. 45; Protag. pag. 329 a, b; 334 c. fin. f.; 335 b.).
Dass die glänzenden Reden des Gorgias — und natürlich in noch höherem Masse die seiner Schüler — an Gehalt sehr arm und dürftig waren, darf nicht verwundern. Diese Inhaltslosigkeit suchte er durch äusseren Prunk zu verdecken. Er liebte es besonders, poetische Worte * anzuwenden ; daher verfiel er häufig in Schwaulst. ‚Auch Provincialismen mied er nicht (s. pag. 450 b. med. S. 13, wo der Scholiast ausdrücklich bemerkt: Xeıgovoynua xal xvom- v5 oöx eiomar, al Ö& Askeıg Topylov Eyrweıoı‘ Asovrivog yag 7P).
Seine Hauptstärke aber besass Gorgias in dem Gebrauche der rednerischen Figuren, durch deren Entwickelung er sich um die formale Vervollkommnung der Rhetorik allerdings verdient machte. Vor allem wurde eine gewisse Symmetrie im Satzbau angestrebt,
* Aristoteles, Rhetorik 3, 1, 9. &zel Ö’ ol zoınral Adyovıss sundn dıa nv Askıv Edonovv nopioacdeı nvös ruv Öokar, dıan zovro roınrıxn gan dyevero n Atkıs, olov n T'og-
. ylov. xal vüy noAlol av araıdsvrav ToLovVroug olovra
. draltyscdaı xallıora * toüro d' 00x Lorıy url.
EINLEITUNG. LXI
wodurch die Prosa ein Analogon des Rhythmus erhielt. Die Sätze slbst bekamen möglichst gleichen Ausgang. Die einzelnen Glie- der,. in der Länge einander genau entsprechend, traten in Gegen- ıätse; denn darin kann Witz und Scharfsinn vorzüglich bewiesen werden. Dies sind die drei berühmten oynuar« des Gorgias: ma- vlesacıc, zapopolmoıg, avrifecıs. Cicero, orator 49, 164 fin. quae sive casus habent in exitu similes, sive paribus paria redduntur, sive opponuntur contraria, suapte nalura numerosa sunt... I Äujus coneinnitatis consectatione Gorgiam Juisse principem accepimus, 0, 167 fin. Hoc genere (näml. cum contrariis opponuntur contraria) antigwri jam ante Isocratem delectabantur et maxime Gorgias, cujus in Oratione plerumque efficit numerum ipsa concinnitas. 52, 175. paria veridus adjuncta et similiter definita itemque contrariis relata con- reris . . . Gorgias primus invenit: sed is est usus inlemperantius, Yeintilianus 9, 3, 74. Magnae veteribus curae fuit gratiam dicendi e yersbus contrarüs acquirere.- Gorgias in hoc immodicus .. . fuit. Jasu kamen noch einige untergeordnete Figuren, von denen der Heichklang einzelner Worte (zaenznoıg) und das Wortspiel (xag- wonaclce) am häufigsten angewendet wurden. Alle diese Figuren Inden sich im Unmasse in dem vorerwähnten Bruchstücke aus dem KirdpLog.
- Platon parodiert die Manier des Gorgias an vielen Stellen un. wres Dialogs. Allein wie er — was im Obigen umständlich erör- ert wurde — die sittlichen Mängel des alten Sophisten nicht so- rchl an diesem selbst als vielmehr an seinen Jüngern , besonders nKallikles, kritisiert; so rügt und verspottet er auch die geschmack. vs6 Schönrednerei bei denselben, namentlich bei Polos, der ja dem feister seine ganze Kunst abgelernt haben will (pag. 462 a. med. 46). Parodie der &vr/deoıg sehen wir unter andern pag. 448 c. .6 (dumeigla — ansıgla; TEyvny — TUynV), pag. 461 c. fin. S. 45 sad 2v Zoyoıs nal dv Aöoyoıs); der zaenynoıs pag. 465 d. S. 55 voAy — Iloie), pag. 467 b. fin. S. 60 (Auore IIwAs), der rago- puxole pag. 193 a, b. S. 127 (nıdavov — nidov; avontovg — uuntovs ; "Audov — aeıdks; one — cjue), s. die Anmerkung ı 463 e. 8. 51.
Polos, der bedeutendste von den Schülern des Gorgias *,
* Isokrates, ebenfalls ein Schüler des Gorgias, hat zwar unstrei- tig weit mehr literarische Bedeutung; aber zur Zeit, als dieses Gespräch statt fand, war er — kaum 20 Jahre alt — mit demselben noch gar nicht in Verbindung.
LU EINLEITUNG.
wurde zu Akragas (Agrigentum) auf Sicilien geboren. Das Geburts- jahr lässt sich kaum annäherungsweise bestimmen, wie denn über- haupt ‚die Nachrichten über seine Lebensumstände sehr spärlich sind. In dem vorliegenden Gespräche wird zu wiederholten Malas (pag. 461 c. med. S.45; 463 e. int. 5.51; 466 a. fin. 8,56) auf seine Jugend angespielt. Indessen da sich der Zeitpunkt, in wel- cken die Unterredung verlegt ist, nicht mit voller Sicherheit ent, nehmen lässt — s. das Betreffende im folgenden Abschnitte — und der Begriff veog, an und für sich schwankend, bier durchweg im Vergleich zu den jedesfalls weit älteren Männern Gorgias und So krates genommen wird; so lässt sich wenig folgern. Gewiss war er um; einige Deeennien jünger als sein Lehrer. In dessen Gesellschafs dürfte er (bei der zweiten Beise) mit nach Hellas gekommen sein. Vermuthlich blieb er auch sein Begleiter auf den Wanderungen durch die verschiedenen hellenischen Städte. Ueber seine späteren Schicksale wird nirgends etwgs gemeldet.
Polos übte die Rhetorik in der Manier des. Gorgias; nur hat man Grund au glauben, dass er, nach der gewöhnlichen Art der Nachahmer, die aben bezeichneten Fehler seines Vorbildes noch, übertrieben hat ohne des Gorgias Vorzüge zu. erreichen. Nament- lich bildete er die von jenem begründet«-Figurenlehre weiter aus *. Er gab, in Griechenland umherziehend, den jungen Leuten rhetori- schen Unterricht **. Bei Festversammlungen (z. B. bei den olym- pischen Spielen u. dgl.) trat er mit Prunkreden auf ***. Nebstbei bearbeitete er die Rhetorik auch schriftlich. Pag. 462 b. fin. S.47 wird sein Lehrbuch der Redekunst ausdrücklich erwähnt. Pag. 448 c. med. S. 6 sind die Worte des Polos &uzsıgla uEv ri. aus dem- selben entlehnt, wie durch Aristoteles, Metaphysik «&, 1; pag. 981 a 3 Bekker. 7 udv yag Euzsıgla zöyvn® Enolnaev, @g Yynzol IIwkog, öodüg Atyav, n Ö' aneıgla ruynv — bewiesen wird. Ob er aus- serdem noch Bücher verfasst, bleibt zweifelhaft. Wahrscheinlich wurden einige seiner Prunkvorträge auch in Abschriften verbreitet. Bruchgtäcke haben sich nicht erhalten.
* So viel, und schwerlich mehr, lässt sich aus der dunklen Stelle im „Phaidros“ pag. 267 co. int. entnehmen. z0 d} IIoiov zug Podoousv av uovasia Aöymv, ög dımlacıoloylav xal yva- uoloylav nal elnovoloylas, öveudıav TE Amnvuveiov & &xelvo döwerjoaro noög nolmoıv svsnelag;
** 'Theages pag. 128 a.
*** Lukianos, „Herodotos“ Cap. 3. pag. 834 Reitz.
EINLEITUNG. LXIH
Chairephon, der enthusiastische Freund des Sokrates, war aus Athen, und zwar aus dem zur Akamantischen Phyle gehörigen Demos Sphettos, gebürtig. Von Jugend an * mit Sokrates befreun- det nahm er auch an dessen philosophischen Bestrebungen den leb- haftesten Antheil. Da er. indessen ungleich mehr guten Willen als geistige Befähigung ** besessen zu haben scheint, so gewann er aus diesem Umgange nicht sowohl dialektische Ausbildung als viel- mehr moralische Veredlung. Xenophon, Memorabilia 1, 2, 48. alle Kolzov. ze Zwmngarovg 77 'öuıinens al Xaıgepov .... od Iulvo ovväjcav, oUy Äva dnunyogınol 7 dinavınol yEvoıyro, el Diva aulol TE nayadol ysvouevor nal olnw nal olaeraıg nal olnsloıg “al gplloıg al ndieı nal aolltaıg Övvaıyro ale Küche‘ xal rovrwv oVdelg OodTE vEwregog ode mEECBUTEgog as oor dnolnoe xaxnov ovötn ovr alrlav Üeyev. Leidenschaftlich wie er war ***, Ausserte er seinen Enthusiasmus für Sokrates mitunter in excentrischer Weise und zog sich den Beinamen uavıxog zu. Platon erzählt ein Beispiel im „Charmides“ pag. 153 b. Sokrates kehrt nach langer Abwesenheit aus dem Lager bei Potidaia zurück. Er besucht eine Palaistra und findet daselbst viele Bekannte. ef pe oc 2ldov sloıovra EEE anpoodonntov, SUdUS BOpEWwdEV 7orc- lovro @ilog @lloder" Xaıpgepwv de, Ars nal uavınög ®n, dvannönous Ex uEowv Zdsı npog us, xui uov Außousvog
* Apologie pag. 21 a. int. odrog 2uog Eraigog Ki &x vEon. Wahrscheinlich war er mit Sokrates (geb. Ol.77, 4; 469 v. Chr.) in gleichem Alter.
* Zur entgegengesetzten Annahme liegt keine einzige Belegstelle vor. Die Rolle, welche Chairephon im „Gorgias“ spielt, un- terstätzt die obige Auffassung. Er beweist in dem (freilich sehr kurzen) Gespräche mit Polos, pag. 447 e. fin. — 448 c. med., dass er das dınliysodaı besser versteht als die hoch- weisen Sophisten. Der Contrast wird durch die Annahme, dass Chairephon ein ziemlich beschränkter Kopf war — gegen welche sich kein positiver Grund geltend machen lässt — nicht wenig verschärft.
.. Apologie pag. 21 a. med. xal Lore ön, olos nV Xaıgepür, os opodgög Ep 6 rı ögunosıe. Xenophon, Memorabilia 2, 3. theilt ein Gespräch mit, worin Sokrates den Chairekrates, den Bruder des Chairephon , welcher mit diesem in Feindschaft lebte, zur Aussöhnung ermahnt. Man gewinnt daraus höchst wenig Aufschlüsse über den Charakter des Chairephon, da im Allgemeinen über den Vortheil der Eintracht geredet wird; aber so viel geht hervor, dass sein hitziges Wesen oft Miss- helligkeiten mag angestifiet haben.
LXIV EIBRLEITUNG.
rüs zeigös 6 Zeizgares, 9 3° 05, zus dead La rüc nedrns; sel. Er war es, der das delphische Orakel fragte, ob jemand we- ser wäre, als Sokrates?*? Darum ist auch leicht erklärlich, warum er von den Komödiendiehtern gleichsam als Schildknappe des So- krates verspottet wurde **. Dazu kömmt, dass seine äussere Br- seheinung sich für die komische Bähne gut eignete.e Er war sehr
”®#®_ von bleicher Gesichtsfarbe + und hatte auffallend grosse Augenbrauen. Ueberdiess scheint er in Kleidung u. dgi. ziemlich sachlässig gewesen zu sein. Dass er seinem bewunderten Freunde auch in Aecusserlichkeiten nachahmte, dürfte sich von einem so schwärmerischen Anhänger voraussetzen lassen. Er mag also eben- falls in der Regel unbeschuht, wie Sokrates, gegangen sein }}-
Von Chairephon’s Lebensumständen ist nur noch bekannt, dass er während der Tyrannis der Dreissig zu Athen sich gleich- falls unter den zahlreichen athenischen Flüchtlingen befand und nach dem Sturze der Tyrannen zurückkehrte. Platon, Apologie 21 a. esrog...%7...zal daar ıa ainde Eraigos 12 nal Euripuye cur yoyır zavıny zal mE” var zarjlde. Die Rückführung der gefiüchteten. Demokraten durch Thrasybalos geschah Ol. 94, 2 (403 v. Chr.). Bei dem Processe des Soerates Ol. 95, 2 (399 v. Chr. lebte Chairephon nicht mehr. Apologie 21 a. fin. zal rovrew zig 6 adelpös (der oben erwähnte Chairekrates) vniy auroo ewroel paorvonjos, Exsıdn Exeivos vereleurnae Mithin starb er um 400 v. Chr. -
® Apologie 21 a. med. xai dn zors xal el; Aslyous Zider drolunse zovro narızvoacdar...el rıs fuod Ein sopeirzeog. dveilev 009 Ilvdia undsva ooypareeov eivaı.
** In den „Wolken“ V. 104 wird er allein neben Sokrates ge- nannt; V.503 als der vollkommenste aus des Sokrates Schule erklärt. In den „Vögeln“ V.1364 Bergk. erscheint die Seele des Chairephon als Fledermaus (svaxreeis),
*+ Wolken 503, 4. Sokr. ovdtr diolssıs Xaipzporroc nV V-
sy. Streps. olpoı zaxodalums, NULFTNS yernsopeı. + Wolken V. 104 wird er als @r0ı07 bezeichnet. In den Scho-
lien zu Platon (Apologie 20 a) heisst es: Evrolıg mi» ovr &v Iloiscı dıa 77 zo01a9 zUELT07 avıov xalsi
tt Dafür spricht Aristophanes, „Wolken“ 103. Den Scholien zu Platon (Apologie 20 a.) zu Folge machte ihn Kratinos in der „Weinflasche“ (zvriyn) als evzuneos lächerlich. Aristo- phanes kann in seinen „Horen“ mit dem Ausdrucke swxrög zais etwas ähnliches gemeint haben.
EINLEITUNG. LXV
V. Zeitbestimmung des „Gorgias*.
Bei allen Dialogen Platon’s ist, wie bei Dramen, die Abfas- angszeit von der Zeit, in welcher die Unterredung statt fand (oder itatt gefunden haben soll), wohl zu unterscheiden.
Verfasst kann der „‚Gorgias‘‘ erst nach dem Tode des Sokra- es sein, also nach 399 v. Chr. Denn die darin ausgesprochenen Prophezeihungen über das tragische Geschick des Philosophen sind Menbar vaticinia ex eventu. Aber dies muss sehr bald nach 399 — rielleicht noch in demselben Jahre — geschehen sein. Denn der Totaleindruck des Dialogs drängt die Ueberzeugung auf, dass diese in eigenthümlich bitterem Tone gehaltene, von-Ingrimm gegen die Widersacher überströmende Schrift der Erguss des noch frischen, unüberwundenen Schmerzes ist.
Schwieriger lässt sich der Zeitpunkt ermitteln, in welchen wir uns das Gespräch selbst verlegt zu denken haben. Wie es bei Dramendichtern — die besten nicht ausgenommen — eben keine seltene Erscheinung ist, dass Anspielungen auf Ereignisse, welche erst lange nach der dargestellten Begebenheit vorfielen, für den Dichter aber gleichfalls schon in der Vergangenheit lagen, sich in das Drama einschleichen; so begegnen uns auch in den meisten platonischen Dialogen dergleichen Anachronismen *. Doch in den wenigsten lassen sich die chronologischen Data so schwer vereini- gen, als in dem vorliegenden.
Ohne Zweifel muss der Leser gleich im Anfange in den Stand gesetzt werden sich wie über Personen und Ort, so auch über die Zeit zu orientieren, damit er im Geiste an der Unterredung, als an iner vergegenwärtigten, wahrhaft Antheil zu nehmen vermag. Des- ıalb sind die zuerst gegebenen Andeutungen am me’sten zu be- ‚chten. Im Eingange des Gespräches erscheint Sokrates noch un- jekannt mit Gorgias. Er will erst erfahren, was für eine Kunst lieser übt (pag. 447 b, c. S. 8). Kallikles tbeilt ihm als Neuigkeit nit, dass der Sophist auf jede beliebige Frage Rede und Antwort teht. Dies alles hat nur dann Sinn, wenn das Gespräch bald nach
* Diesen Fehler rügten schon im Alterthame die Tadler Platon’s. Unter ihnen ist Athenaios einer der heftigsten. Deipnos 5, 57. pag. 217 Casaubon, sagt er (indem er viele Einzelnheiten her- vorhebt): örı dt moAia 6 Iliaros Haga Todg E0v0vS Apagsaveı, 6710v desıy ix zollcr.
Plat. Gorgias. e
NG EINLEITUNG.
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EINLEITUNG. LXVI
v, Chr. conststiert ist *. Dass Boktates nur die Abstimsrung über die Feldherren in der Seeschlacht bei den Arginusen im Sinne ha- ben kann, geht aus seiner eigenen :ehr unzweideutigen Erklärung Apologie 32 b. int. hervor. yo yao, @ &rdges Ad'nvaloı, Mlinv plv Kozne evdenlar vamozs noka dv ıj zölsı, EBoulsvan di xıl, Und dass dieses ßovisveıs nur ein einziges Mal statt gefankden, fulgt daraus, dass er die a. a O. erwähnte Verhinderung der Abstimmung nu oline weiteres als die denkwürdige That während seiner Wirk- samkeis im sthenischen Staatsrashe berichtät, Wäre ar .öfter Raths- mitglied gewesen, so hätte er ohme Frage die Zeit näher Bestimmen müssen. Dazu kömmt, dass keine Befegstelle für ein wiederholtes Bovisvsıv des Sokrates beigebracht werden kann.
Lassen sich gleich diese beiden Angaben mit dem oben beseich- neten Zeitpunkte schlechterdings nicht vereinigen, so sind sie doch keineswegs Grund genug um jene Annahme als verfehlt abzuweisen. Wir haben also das im „Gorgias‘‘ mitgetheilte Gespräch um das Jahr 420 v. Chr. — eher früher als später — gehalten su denken.
Bokretes wer damals en Mann von ungefähr fünfsig Jahren. Er war demnach alt genug um den Polos mit Beziehung auf die Ingand desselben znrechtzuweisen; aber andrerseits noch rüstig ge- ang, sam von Kallikles su einer radicalen Geosianungsänderung er- nahat wertien zu könuoh. Diefaniuen Erklärer **, welehe, lediglich inrch pag. 473 e. f. bestimmt, das Jahr 405 v. Chr. als‘ die Zeit, n welche Platon die Unterredung verlegt, annahmen, haben nicht yedacht,: dass einen fsreis Von 64 Jehren zu einer, von der bisher folgten. gänzlich verschiedenen:, politischen Laufbahn zu bewegen vohl schon verspätet scheint.
-# An snsführlichsten Xenpphon, Heflenika-t;, 7. Diodoros 13, 101. . Xenopfon, Memorsdili@ 7, 1,18; 4, 4, 2, Allianos, =. E. ‚17. Athensios 8,98. pags 217 Casauboil, Valeridd Maximus $, 8. eztern. 8. Der‘ pseudoplatonische Axiochns pag. 368 d. *+ Er. Ast, Platon’s Leben und Schriften, 8.137. Stallbaum in der praefabio ad Garyiam 8. 4. ©. T. Henmankl, Geschichte und ‚System der. pläatonischen Philosophie I. 3. 476 (vgl. jedoch S. 634, Anm. 800):
Verzeichniss der Abweichungen von Ü. Fr. Hermann’s Textesrecension.
pag. 462 e. int. S. 48, ravuröv &g nach Stallbaum und Bekker. — Hermann: ra&vrov Ö. „ 465 b. med. 8. 54, Zo®njoıw nach B. — H. ds nosı. n 466 c. fin. 5. 58, Zlsyeg, Orı nach der Vulgata. — H. Zieyss, el oöyt. »„ 467 b.8. 8, 00x 009... Bovlovraı; nach eigener Vermuthung. Heindorf 09x00»... .Bovlovzaı; — H.ovxoöv.. „Bovlovran. „ 469 d. fin. S. 66, Holuarsov nach St. vgl. Krüger 8. 13, 7, 2. *H. Hormarıov. „ 472 a. int. S. 73, elval zı nach d. V. — H. elvaı wi. „ 483 e. int. S. 103, 7 — @Al& nach eigener Vermuthung. — H.n7 — älle. „ 485 b. S. 107, ovrm, Yeilıfoussos xal naikov nach Hdf. und St. — H. oyro Y. xal m. „ 486 a. int. S. 109, Acaxoıg nach Conjectur von H. Bonitz. — 'H. Aaßoıs. „ 490 b. int. S. 118, zoAiol &9000s nach d. V. — H. zeilol [@8000:]. „ 491 d. S. 123, rd 8; avrary, @ £rmige, Koyovrag N dozous- vovs ; nach eigener Vermuthung, um die sehr verdorbene
Stelle lesbar zu machen. — H. ri d$ avrav, d draigs; tl oleı; &oxovrag 7) doxousvovg ; nach unhalıbarer Con- jectur. "
„ 494 e. med. 8. 131. ToVrmv ToL0vrmv OvTwv TO XEWAAKLOY, nach eigener Vermuthung. Hdf. zö rovrwo» ruLodrar ür- zav x5palaıov. — H. rovrav roLeurwV xEyaAmıon.
„ 506 d. med. S. 162. ovy odrag alu nach Hädf., B. und den früheren Ausgaben. — H.'0% ı@ eixj.
506 e. int. S. 162, rafsı &ga nach d. V. — H. rafeı apa.
510 d. fin. 8. 172, önog Orı nach B. — H. Onog 0 rı.
520 d. 8. 297, auto, u zore nach St. — H. eure pnxore. 523 b in. S. 204, of dmsuelntal 2x u. v. nach B. und den Ausgben vor Huf. — H. of Eziusintel ol du u. W.
527 c. fin. 8 214, ag ö Aoyog nach B, Häf. und Findeisen. —
H. ag 6 oög Aoyog.
Die von H. durch Klammern bezeichneten Interpolationen (pag. 451 b; 451 d; 460 C; 467 d; 477 d; 478 b; 483 0; 498 c; 499 d; 502 b.) sind aus dem Texte entfernt worden.
Statt meıy79 (x. B. pag. 494 b. fin. S. 130) und ähnlichen
Infinitivendungen ist überall die richtige Form ohne Jota subscri-
ptum hergestellt.
——
' TOPTIAZ.
TA TOT JIAAOTOT IIPOZAIILA
KAAAIKAHE, ZQKPATHEZ,
XAIPEBRN,
TOPTIAZ, I2A0R.
St.I.
’ \ - ’ P- l IloAguov al UAXNS PaoL xKonvaı, co ZWHOUTES, 447
[22 0vTrO WEraÄAnyyavsıv.
ER. ’AAR m To Asyousvov xaromıv Eogrig nRouev
xl VOoTEpYoVusv;
KAA. Kal udia yes aorelag Eogris.
roAla yagı
xal »aicd Topyias nuiv OAlyov mgoteoov Enedeikaro.
447 A. In den ersten Worten des Dialogs begrüsst Kallikles vor seinem Hause den Sokrates und seinen Begleiter Chairephon, von denen er richtig voraussetzt, dass sie kommen um den eben schon beendigten Vortrag des Gorgias mit anzuhören. zmoA&uov al warn... wird durch gacl als sprichwörtlich bezeichnet. Der Sinn ist: An Krieg und Kampf (d. h. an unangenehmen Dingen, nicht aber an erfreuenden, wie der Vortrag des Gorgias war) hat man auf diese Weise (d. h. wie ihr jetzt, au spät kommend), Theil
zu nehmen. — ueralayyaverv: - mit den Genitiv. C. 419. a. Kr. 47, 15. — aA 7. N (nurin di-
recter Frage; Er. 5, ur 8.) drückt
Sträuben gegen die Anerkennung
dessen aus, wornach man fragt.
Dazu passt das entgegensetzende Plat. Gorgias.
dAAc. “Aber kommen wir denn wirklich zu spät?” vgl. Prot. 309 c. — To Asyousvov: Apposi- tion zum ganzen Satze AUTOTNLV EogTNs NRousv nal ÜorTEgoV- uEV. ‚Br. 57, 10, 12. — xuro- nıv Eoprüg: post festum,. Die Bedeutung dieses sprichwörtli- chen Ausdruckes wird durch das binzugefügte xal voregoönev er- klärt, wie häufig einem trop. Aus- drucke der eigentliche beigefügt wird. — xal uale ye: setzt die einfach bejahende Antwort schon voraus; also: MAETE KORTOmıV gogrijs xal (und zwar) wol ye dotelag Eogriig. Kr. 64, 5, 4. — zoAla yao xul wald: multa enim et praeclara ; “viel schönes. — Enedeldoro: dmidei- nvvoHo: ist terminus technicus von den Prunkvorträgen der So- phisten. vgl. Prot. 328 d. —
1
2 MAATQNOZE
4
447 B
Z2. Tovıov uevro, & Kallixisıs, altıos Xaı- 0EPoV Ode, Ev Ayop& avayxdsas nuäs Ötargivaı.
B XAI. Ovötv noäyua, & Zuxgares‘ Eya yao xal ldsoueı. YlAog yag yoı I'opyias, wor dmideikerar nuiv, el ulv Öoxei, vüv, &av Öt Bovin, sloaddıs.
KAA. Ti dt, @ Xaıgepav; Enıdvuei Eoxoaıns
e E axoVocı T'opyiov;
XAI. ’Er avro yeroı ToDdro mapsouEV. KAA. Ovxoiv Orav Boviyade mag Eub Nasıv oixade‘ ag Zuol yap Iopylas xaraiveı zul Enıöcike-
zei vuiv.
tovrwv: “analle dem, d.h. dass wir zu spät kommen und so in- teressantes versäumten. — Xaı- espav ode: "Chairephon da.’ Kr. 50, 11, 22. — Ev ayop&: wo sich Sokrates viel mit belehren- den Gesprächen beschäftigt auf- hielt. Vgl. Apl. 23 b. Xen. Mem. 1, 1, 10. Ale un® Eusivog ye (Sokr.) «el ulv 79 &v To gaveoo. ngwi TEyaQ Eis TOVS megındrovg nal Ta yvuvdoıa Ye, nal nin- HPovons &yogag Exei pavegog nv, »al To Aoınov del Tjs MuEgag nv, Onov nisloroıs uelloı 0VV- &0sodaı, nal Zisys uv og kr oA, toig Ö: BovAousvoıs EEnv Knovsv. —
B. ovötvV noayuc: zuweilen hat zgayun die prägnante Be- deutung Sache von Bedeutung, vonWichtigkeit; also 090: zod- yuc &otıv ‘es hat nichts zu be- deuten.” Her. 7, 150, 2. ravr«
dnovoavrag Apysiovg Akyeraı zejyua noınoaodar: "sie sollen sich viel daraus gemacht haben. Dagegen 6, 63, 2. todro NAov- cav usv ol Epogoı, noNyua uEvroı 0VÖLV Enoınoavro. — &ya y. nal lacoucı : ‘ich werde auch (näml. wie ich die Wunde schlug) Heilung bringen; d. b. ich werde
den zugefügten Schaden, näm- lich dass Sokrates durch mich aufgehalten den Vortrag des So- phisten versäumte, dadurch er- setzen, dass ich meinen Freund Gorgias zur Wiederholung seiner &midsıdıg bewege. Der Ausdruck erinnert an das sprichwörtlich gebrauchte Orakel, das dem Te- lephos, dem Könige von Mysien, nach seiner Verwundung ‚durch Achilleus gegeben wurde: 0 T_Q@- cas xal Laceraı. Ov. Met. 12, 112 f£ — Emiösikeron: ohne Ob- ject, wie häufig. “Er wird uns einen Beweis seiner Kunst geben. — Öonxsi: ergz. cool, wie das nach- folgende BovAn beweist.
dr avro...: &ni mit dem Accusativ zur Bezeichnung der Absicht. Kr. 68, 42, 3. — ao Zus nreıv olxads: nämlich in das Haus hinein, vor dessen Ein- gang sie stehen. Als Nachsatz ist zu ergänzen Nxere. — ara» Avesı: ‘ist eingekehrt.. Ueber die Auslassung des Objectes 66009, gzogelav vgl. Kr. 52, 1, 3. C 476. Ueber die scheinbare Per- fectbedeutung Kr. 53, 1, 3. vgl. Prot. 31 a; 315 d. — &BdeiN- 82V av: ÖOptativus potentialis in zweifelnder Frage. C. 516. Kr.
'D TOPTIAZ. 3
ER. Ev Atyasıs, & Kaikinisıs. air aom &deir- ‚ev Av nulv dieisydivar; BovAouaı yag nudeoheaı E avrod, tisn Övvanıg tig reyvng Tod Avdgosg, zul C &orıv 6 Enayylilsrel rs nal dıdaazeı‘ nv Ok ül- w Enlösıfıv eloaüdıs, WansE UV Asysıg, NOINOAadm.
KAA. Ovötv olov To avröv dgwräv, @ Zuxpa- g. xal yag adıa Evrodrnvrig emidelkeng‘ Eneieve vv vov 67 Eowrav 6 ı tig Bovioıro av Evdov OV- ıv, xal POS anavıa pn amoxgıveioheı.
ZR. H xaAög Akysız. @ Xaıpepov, £goÖ avıov.
XAI. Ti Egwuaı; 32. "Osorıs Eorlv. XAI. IIos Atyaıs;
ZR. Nonep av el Ervpyavev av vroönudtov Ön-D
‚3,9, — nuiv dınleydnvar: iber den Dativ s.C.436 a. Kr.
‚.—
C. zog’ avzod: naga mit Ge- iv bei Verben des Empfangens ch des geistigen ; Vernebmens, mens u. s.w.) zur Bezeichnung rPerson, von welcher man et- s empfängt. C.465, B-a; Kr. ‚34,1. — tig N Övvanız...: w die. Kunst des Mannes ver- g, und worin ihr Wesen be- ht’ — tig teyuns: die Rhe- ik ist‚gemeint. — 0 dzayysi- as: Enayyeilscodoı ist ter- sus technicus von Öffentiichen ırern in Bezug auf den Gegen- nd, den zu lehren sie erklären. 1, das lat. profiteri und pro- or. Men. 95 b. fin. oi 00- al G0L 0VTOL, OirEQ WovoL wydllovıaı, dorovoı dıöc- or elvaı dosıng; vgl. Prot. \a. — ınv allnv Eniöcıkın übrige, nämlich den Prunk- trag. s. unt. zu 454 b. — Ev 0lov To auroVv Eowrav:
“nichts ist so wie ihn selbst fra-
gen; d. h. am besten ist’s ihn selbst zu fragen. Ueber diese For- mel, in welcher &or/v regelmäs- sig wegbleibt, s. Kr. 62, 1, 3. — iv... Emidelkewg: "das war ein Theil seiner Epideixis. — yodv: aus'y& und 0vv entstanden vereinigt es die restringierende und die folgernde Bedeutung in sich. Vgl. C. 641,1. — vöv 67: "jetzt eben. C.642,c. Kr. 69,17, 1. — av &udov Övrwv: näml. im Hause des Kallikles.. — © Xougsp@v...: Mittlerweile sind Sokrates und Chairephon, von Kallikles geführt, in den Saal ein- getreten, wo Gorgias sich befin- det. — 2000 «vrov: näml. den Gorgias. &örog bezeichnet häufig die Hauptperson. s. zu Prot. 314 d. Kr.51,5,4. — fowuaır: Con). dubit. C. 511. Kr. 54, 2, 3..— D. ooneo av el...: die ge- wöhnliche Einleitungsformel bei Aufzählung analoger Fälle. Vgl. Prot. 311 b; 318 b; 327 e;
1*
4 NAATQNOZ Ari
iovoyog, ansxpivaro dv dj mov 001 örı Gxvroröno
N od wavddveıg ds Adyaz
XAI. Mavddvo xal &grjoopaı. sine wor, @ To yla, dAmd Adysı Kollınajg Ode, Orı dmapyeidsı dan zolveosdaı 6 tı Äv vis 08 &pwrä;
448
TOP. ’Aly$i, 6 Xuugepäv‘ zul yag vov in ai
zadra Emmpyeiköunv, zul Ayo Orı oVdeig wE a ig: Tnxe auıvov ovötv noAAdv Erav. X4l. ’H zov ägn 6eding dmoxgıwet, & T'opyla TOP. Ilgsou tovrov zeiguv, & Xuıgspav, Au
Baveıv.
M24. Nm Jin‘ üv di ys Bovin, & Xargsps Zuod. Togyiag ulv yüg xal ansıpyrevaı or doxi moAAd yüg ägprı ÖusAnAvdev.
XAI. Tiö&, 6 Hole; oleı'od #dAAıov dv Togyı
dnoxglvaodeı;
341 c. dv gehört zu drexglvaro, wo es wiederholt ist., C. 639, 3. Kr. 69, 7.3. — dn mov lässt mit Bestimmtheit Anerkennung des ausgesprochenen Satzes er- warten. C. 642, 5. Kr. 69, 19. — Zomncone: mit Bezug auf &g05 wadrov. Die bisherigen Worte ha- ben Sokrates und Chairephon be- reits im Saale gesprochen, aber von Gorgias noch entfernt und unbemerkt. Nun tritt Chairephon zu dem Sophisten und knüpft das Gespräch an. — 6 rı dv zig oe &gor&: über Egurdv zıva zı 8. C. 4025 Kr. 46, 15. Der Conj. mit &v im hypothetischen (und dadurch verallgemeinernden) Re- Iativsatze nach vorausgegangenem Haupttempus (dmayyelkeı), C. 554. Kr. 54, 15.
AB A. ul ydo...: nal ge- hört zu »öv dm. Kr.69, 32, 21. — moAAav dev: temporaler Ge- nitiv zur Bezeichnung des Zeit- raums, in dessen Verlauf etwas
statt, findet. C. 426. Kr. 47, 2 — 3 zov: Partikel der kräfti Versicherung. C. 643, 9. Kr. 28, 1. Ironisch wird diese \ sicherung hier wie öfters dt den Zusammenhang. — &ga: ] gerungspartikel. C. 637,1. Kr. 8. Die Annahme, dass Gor leicht auf die vorliegende Fı zu antworten vermöge, wird der vorhergehenden Aousser erschlossen. — N Ale: e mügeorl cor meigev Top: Anußeveıw. — ÖE ys: der di 82 bezeichnete Gegensatz eı durch yE noch mehr Nachdr — Topylag ulv: das ents chende Gegenglied mit dg ist r ausdrücklich gesetzt, lässt
aber aus. dem Zusammenhı leicht, ergänzen, etwa: Zyd odx dmeigmae. So findet
u» ohne nachfolgendes &8 sonders nach Pronomen. Vgl 09, 35, 2. — dv... dmoxg o®«ı: der Infinitiv hat &v,
8.B TOPTIAZ 5
IIQA. Ti ö% toüro, &av vol yes Ixavas; | B XAl. Ovödev‘ air Ensıön ov Bovisı, anoxgivov.
124. ’Egore.
XAI. 'Egwro On. ei Eruyyavs Iopylas Emisrnumv ) n T e ,ı» N 3 ee ’ N VENS TEeyvns nonso 0 absApog avrov Hoodıxos, Tiva v avıcv wvouatousv Öıxalas; 05y OmEQ Eusivov;
II2A. IIavv yE-
XAI. Iargov &oa Yaaxovrss avrovV eivaı „uAos
v EAEyousv. II2A. Nat.
XAI. Ei d£ yes nonso Agısropav 6 AyAaopavrog 0 adsApog avrod Eunsıgog Av Teyung, viva dv aü-
u 009g Lxakoüusv ;
in directer Rede heissen müsste oxgivaro dv. C.575, 1. Kr. ‚6, 6. — B. 000: näml. diapsger. — wog: näml. anoxelvaucı. — ey: naml. diapegs. — &oo- 7: ‘nun 80 frage ich denn;' .8n üblich ist, wenn in Er- derung auf einen Imperativ gleiche Verbum wiederholt d. Vgl. C. 642, 4, 6. Kr. 69, 4. — tiva. . Gvondgousv: Örouateıv zıvd nroga lärt sich ziva dv auıov Övo- ‚Ey; Aus Ovouaßev zıva Ö- vo tı oder bloss ‚Hvowasev x zı erklärt sich Onso &xei- ' Övouatousv (Kr. 46, 18), ehe Ausdrucksweise sich an erstere ohne genaue gram- ische Beziehung auf das Mas- num tiva anschliesst. Kr. 61, . Durch ze in, Oro (wie h im folgenden n70xse) wird Einerleiheit mit dem vorher- enden hervorgehoben. Kr. 69, C. 641. — Yaoxovreg: das otbetische Partieipium (= el xopEv) vertritt den Vorder- ‚ zu Elyouse dv — 8.8
ya... ordne el dE ye „(tavens ns) TEyUnS Eumreigos, nv (Tog- ylas) noneo (kuzeıgds dorıy) A. Tv. h—
"Agıoropav: Aristophon, der Sohn des Aglaophon, war, wie sein Vater, ein nicht unbedeuten- der Maler. Als seine vorzüglich- sten Werke werden angeführt: An- kaios vom Eber verwundetund von der Astypalaia beweint, und ein figurenreiches Gemälde, auf wel- chem Priamos u. Helena die Haupt- figuren waren. Weitere Kundevon ibm mangelt uns. — ’AyAaop@v- rog: Aglaophon nahm unter den Malern seiner Zeit einen hohen Rang ein. Ueber seine Arbeiten fehlt es an näheren Angaben. — Ö döeApos aurov: der berfihmte Polygnotos. Er stammte aus Tha- sos, erhielt aber (um 460 v.Chr.) das Bürgerrecht zu Athen. Um die Vervollkommnung der Maler- kunst erwarb er sich besondere Verdienste. Zu seinen vorzüglich- sten Werken gehörten die Fresco- gemälde in der Stoa poikile zu Athen, Scenen aus der Schlacht bei Marathon darstellend, und die
6 NAATANOZ
448C
C IIQA. Jükov orı oygagyov. XAI. Nüv ö’ Ensıön Tivog Teyvng Enıornuw@v. Eoti, tiva &v Haloüvrssg aUrOv 0gdag xakolusv ; TI2A. Q Xaıgepov, moAlal veyvaı Ev dvdgwnos elolv Ex av Eumegpıov Zunsigws svonusvaı " Eunei- oil ulv yag moLsi Tov alave Nucv nogsveodar xard
teyvnv, ansıola ÖF xXara TUynv.
Exacstmv ÖF TovTWVv
usralaußevovaıv aAAoı KAAmv KiAws, wmv ÖL KgLaTav ol &gıoroı‘ av aa Togylag Eoriv Ode, nal werdysı Ti
xaAklarns TÜV TEXVOV.
in der Lesche des delphischen Tempels, wo mit mehr als hundert Figuren der Untergang Troia’s ab- gebildet war. Auch als Bildhauer soll er sich ausgezeichnet haben. C. 61109 Orı: regelmässig ist in diesem oft adverbial gebrauch- ten Ausdrucke (‘natürlich C. 633 a. Kr. 69, 48, 2.) die Auslassung des Verbums. Kr. 62, 1, 3. Vgl. Prot. 8l1 c; 312 a. — viv Ö ...: über die Anwendung der directen Frage im abhängigen Satze und die Verbindung meh- rerer Fragen in demselben Satze (beides im Deutschen nicht nach- zubilden) vgl. C. 606. Kr. 51,17, 6. und 7. — xalovvrsgs: = &l noAoiusv 8. ob. zu Paoxovreg. — moAlal Teyvar .. .: diese Stelle hat Platon aus dem Buche des Polos über die Redekunst entlehnt, auf welches 462 b. Be- zug genommen wird. — dv @v- Howmoıs: Kr.68, 12, 3. vgl. C. 456 a. Ueber den Mangel des Artikels Kr. 50, 3, 6. — &unsigıov dumeigws: beach- tenswerth ist in der ganzen Rede .des Polos das augenfällige Stre- ben nach zaglowoıg (Gleichheit im Ausgange der Satzglieder) und ragowuolncıs (Verbindung mehrerer Worte desselben Stam-
mes); was zwar überhaupt die Sprache der Sophisten charakte- risiert, vor allen aber dem Gor- gias, und so seinem Anhänger Polos eigen ist. -Sokrates ver- spottet diese Manier 467 b. fin. — noıei 0v alava Numv n0- oeveodaı: über den Acc. c. Inf. bei zoıeiv s. Kr. 55, 3, 11. mopsvechaL in der sehr seltenes Bedeutung ‘vor sich gehen’ passt recht gut zu der affectierten Aus drucksweise des Polos. — „peralaußevovav dAAoı KALY a@lAmg: "nehmen die einen an die- sen, die andern an-jenen (Kün- sten) Theil auf verschiedene (diese oder jene) Weise.‘ Kr. 50, 4, 9%. Ebenso im Latein: alii alias (ar- tes) aliter conseguuntur. F. Schultz lat.Spr. $.225. A.6. Diese Con- struction des &AAog ist nur eine Art der im Griechischen wie auch im Lateinischen so beliebten Ver- bindung desselben Wortes in ver- schiedenem Casus (besonders als Subject und Object), vorzüglich in sprichwörtlichen Redensarten, 2.B. yeio zeipa vi£sı, manus ma- num lavat, eine Hand wäscht die andere. Ueber ueraolaeußavo mit dem Gen. s. C. 419 a. Kr. 47, 15. — ou... . dorlv: der par- tit. Gen. prädicativ gebraucht be-
TOPTIAZ 7
ER. Kalos ye, @ Iopyia, galvsraı IIoAog nag-D oda sis Aoyovg‘ ala yap 0 UrEoysro Xaıps-
U) s 0v TOLEl,.
TOP. Ti uciıore, @ Zwxparss; ER. TO domrwuevov 0% navv uoL palvsraı Ano-
oBaı.
TOP. ’Aiha ov, el Bovisı, &g00 avrov.
ER. Oüx, el auıa yes 00) Boviousvo dorlv ano- oDaı, aAAa moAv av ndıov od. ÖfAog yag uoı Ilo- al 2E @v elonxev, Orı ruv aaAovuevnv Gyrogianv E ww usueidrnaev n Ölaldysadaı.
t die Gattung, in welche ein Specielles gehört. Kr. . — 008: Ueber den deik- ı Gebrauch dieses Pron. s. 2. u . waloc ye: C.641; Kr. 69, — dile yao...: "aber er ı nicht n. 8. w. Der durch ingeführte Einwand, des- ıgründung durch yag ge- wird, ist wie in dem ent- snden Falle im Deutschen em at enim des J.ateins (z. ‚pro Coelio cp. 4; Terent. 4, 3, 21; sed enüun Virg. i, 19; 2, 64.) aus dem Zu- nhange zu ergänzen: “aber handelt es sich hier nicht, 1.8.w. Kr. 69, 14,4. Vgl. 10e. — z udlıcıa: ud- dient zur nachdrücklichen "hebung des Interr.; "was igentlich ?” quid potissimum? ravv: "nicht gar sehr, nicht — si Povleı: eine sehr nliche Höflichkeitsformel als z zum Imperativ, um den snden Ton zu mildern. — aber den Accent s. C. 98; 2,4. vgl. 64,5, 4. — El... dveodaı: = El würög ye sAsı anoxglveche:, "wenn
es dir selbst nach Wunsche (ge- nehm) ist; si tibi volenti est. Das der Sache zugehörige Prädicat ist durch eine der Person gegebene nähere Bestimmung bezeichnet. AehnlichIlias », 108. &uol ddnev aousvo ein. Odyssee y, 228 00% av Euoıys BArousvo Ta yEvoıro. Kr. 48, 6, 4. vgl. z. Th. ©. 435 Anm. Ueber die Nachahmung im Latein vgl, Schultz lat. Spr. 8.268, A4L—
Ale woAd...: d.h. 00x wv- 109 (IloAov) &onoouaı,jeAla ro- Av av ndıov 0% kootenn. — dj- 2og... IIodog..., Orı: Kr. 56, 4, 8. Mit dem noch üblicheren önAog wor IIorog... weuslstn- og (C. 590. Kr. 56, 4, 7.) in Bedeutung gleich. — xal: Kr. 69, 32, 19. — BE 0» elonnev: d.i. &x tovrov, & elonnev. s.C. 597. Kr. 51, 10, 1. —
E. nv xalovusrnv g.: “die sogenannte Rhetorik. Welche An- sichten Sokrates (oder vielmehr Platon selbst) von der wahren Redekunst hat, wird ausführlich im Dialoge Phaidros entwickelt. — ueueltennev: uelerav, medi- tarı, ist terminus technicus von wissenschaftlichen (besonders red-
8 NAATSNOE
48E
I12A. Ti 9; o Zungares;
ER. "Or, @ IIöie, &gousvov Kuugepävros zivos Topyias Enorijumv TEyuns; Eynauuagzug usv adroö av teyvmv @OTEQ TIvög YEyovros, Arıs ÖE &orıv, 0U%
ENERELVO.
IIQA. Ob yag ansngıvaunv Orı em N xaAhlorn;
z2.
Kal udiu yes. aAl ovöclg NoWre, mola rıs
ein n Tooylov reyvn, aAla tig, xal Ovrıva Ödoı xakslv
rov I'ogyiav'
WORTE Ta Eungocdev 601 Uasrelvaro 449 Xaıgsparv nal avro naAdg zal dıa Bgaydam dnsngivo'
5 e xal vüv ovrog eine, vis n Teyvn al viva T'ogyiav xu-
nerischen) Vorbereitungen. Der Gegenstand derV orbereitung kann durch den Accusativ eines Sub- stantivums oder durch einen In- finitivus (Kr. 55, 3, 11. vgl. C. 560, 3.) bezeichnetwerden. Beide Constructionen finden sich hier verbunden. — ri 67: ‘wie so denn? ön, einzelne Begriffe ur- gierend (Kr. 69, 17, 2; C, 642, 4. a.) lässt, wenn es bei Interro- gativen steht, die Frage als Aus- druck der Verwunderung, der Be- fremdung, wohl auch des Unwillens erscheinen. — &gou&vov...: näml. oben c.— @onso r. Yy.;—= BOrER el zıs Eipeyev. Ueber @oree beim Participium s. C. 588. Kr. 56, 12, 2. vgl. 56, 9, 10.
örı eim: der Optativ im ab- hängigen Aussagesatze nach einem historischen Tempus im Haupt- satze (Emengıvaunv) C. 528 a. — xal ualo ye: 8. zu 4472. — zoia tıs: qualis fere. Das Inde- finitum zig verallgemeinert die Bedeutung des Adjectivums oder Pronomens, dem es beigefügt wird (Kr. 51, 16, 3), lässt also das Interrogativum nur nach einer ungefähren Qualitätsangabe fra- gen. Es war nicht im mindesten nach den Eigenschaften dieser
Kunst geforscht worden, sondern nach der Begriffsbestimmung («@4- Aa zig), nach der Definition. — 0v T'ogyiav: der Artikel beim Eigennamen weist (als abge- schwächtes Demonstrativum) auf die bereits vorangegangene Nen- nung desselben zurück ; er be- zeichnet diePerson als eine schon bekannt gewordene. Vgl. C. ‚37 a. A. — ra Eumopoochev: "das Frühere, d. i. die früheren Fra- gen; ist Object zu VNETELVATO. — vrersivoaro: "eine Frage vor- legte; quaestionem proposuerat. vroTeliveohe:, ungefähr mitöp7- yeioyaı gleichbedeutend, hat den Nebenbegriff: die Fragen geflis- sentlich so stellen, dass der Ge- fragte auf die gewünschte Ant- wort hingelenkt wird. — zig xal övrıva: die directe und die in- directe Form des Fragepron., die beide in der abhängigen Frage zulässig sind, finden sich nicht selten verbunden.
+49 A. dia Boaylor: = Bou- gzwg. — nal vov: dem allge- meinen Gedanken, dass Polos g% hörig (xaAdg) und präcis (dıa Boaxxswv) antworten kann, wel- cher aus der gemachten Erfahrung (ons ca Eunooocdev x. r. A.)
9B
TOPTIAZ. 9
iv yon nuäs. ucAAov dd, @ Iopyia, avrog nulv eine, va GE xon xaAslv @g Tivog Emiornuova TEyvns;
TOP. Tis 6nrogınns, @ Zwxpares.
: 22. "Pnroga pa yon ve xahsiv;
TOP. ’Ayadov yes, @ Zoxpares, el 67 6 ya Euyo- u eivar, og Zpn Oungos, Bovisı us xaleiv.
ER. Ara Bovkowen. TOP. Kaisı Ör.
ER. Ovxodv xal KAlovs GE PwuEv Övvarov eivaı B
01eiv;
TOP. Enayyeikouai yes Ön taüra 0V uovov &v-
eds ala zul KAAodı.
ZR. ’Ao 00V EdsAnoaıg &v, @ I'ooyia, GonEg vüv wAsyousde, Öıareidscı TO uLv Epwrov, Ta Ö' ano- Kvousvog, TO Ö8 uNxos av Aoymv Toüro, olov xal
rrorgeht, wird nun mitxal v»0% ı besonderer einschlägiger Fall sumiert. Kr. 69,32,8. — oV- s: näml.xalag xal dia foua- 0». — uüllov Ö8: ‘oder viel- hr; imo vero (sed potius). Der dende corrigiert sich selber, — z.&x.: Ueber ag s. zu 448 e. s und ag stehen auch beim sen Nomen ohne ®». Kr. 56, ‚3. — dyadov ye: (ja, einen dner,) und zwar einen guten; bonum quidem. Vgl. zu xel Aa ys in 447 a. vgl, Prot. 310 340 0. —
sö ön: wenn wirklich, wenn ers. ön hebt das Bedingungs- ise der Behauptung (nänl. An- ach auf denNamen eines gu- n Redners zu haben) nachdrück- bh: hervor. Kr. 69, 17, 2. — yopoı: mit Bezug auf &yadovV. innerung an die homer. Formel VENS Tor yevenjg Te nal alua- g söyonaı elvaı. I. & 2115 13; Od. 180.u.0. — aAlc:
at; abbrecbend die Worte des an- dern. ©. 629, A. 2. Kr. 69, 4, 4. vgl. Prot. 314 d. — aalaı Ön: ‘so nenne mich denn so. Vgl. zu 448b. —
B. g@uesv: Conj. delib. im Fra- gesatz 8. zu 447 c. — zO0LEiv: nämlich 6nTogas ayadovs.— Er. ve ön: Ueber die Bedeutung von dnayyeilsohaı 8. zu 417 c. Gor- gies untwortet nicht gradezu Öv- varog zluı, sondern beseheidener dnayyeiloucı (Övvarög eivaı); daher ist ya beigefügt. 67 'aller- dings’ — xal &Alodı: Nament- lich in Thessalien hatte sich Gor- gias viel Beifall erworben. — $Belnocıs av: s. zu 447 b. — to Ö8 uNXog... Todro: weist auf die ua@xgoAoyio der Sophisten hin; s. Prot. 334 e. — olov xal: 'd. h. wie ihr Sophisten insgesammt den Kunstgriff der Makrologie anzuwenden pflegt, so fieng auch Polos au u.s.w. Vgl. Kr. 69, 32, 12. —
10 NAATQNOE
!
#49 B
IloAog ng&aro, eisavdıs anodEcdar; AAA 07EE UrIo- wwel, un vevon, aAla &9EAN00v xara Boayv To Eom-
TWWEVoV dnongiveodan.
TOP. Eiel ulv, ® Ziongarss, Evıaı Tov exoxgl- 00V avayxalaı dLa uaxgMv Tovg Aoyovg noısiadeı' Cov unv alla neıpdsonal ys @g Öıa Boayvrdrov. xul yao av xal roüro Ev dorıv av pnul, undeve av dv Boayvregoıg Euod a avıa einsiv.
ZR2. Tovrov unv Öei, ® Togyia: zul wor Exids- Eiv avrod Tovrov nolnocı, tig Boaxvioylas, 1URxgQ0-
Aoylag de sioavdıs.
anodeoden: “dir aufbeben. — un Yevon: un mit der zweiten Person des Aoristus Conjunctivi als Abmahnung von dem noch nicht Eingetretenen. C. 518. Kr. 54, 2, 2. Vergl. im Lat. den äbnlich gebrauchten Conjunctivus Perfecti. — nase Boayd: adverb- artige Formel, dergleichen durch «are mit Aceus. viele gebildet sind. Vgl. Kr. 68, 25, 5; z. Th. C.459,B, c. Der Bedeutung nach ist es dem obigen dia Poayen» gleich. — TO dowruusvov ano- noiveodar: “die Frage selbst be- antworten; d.h. nicht- durch die weitläufige Form der Beantwor- tung dem eigentlichen Frage- puncte ausweichen. Dieses ist die stete Forderung des platoni- schen Sokrates für die Führung eines auf Erforschung der Sache gerichteten Gespräches. — eiol ...zortiodar: "Es gibt Fragen, bei denen es nöthig ist, die Erör- terung in Ausführlichkeit zu ge- ben; sunt quidem responsiones quaedam necessario pluribus ver- bis exeguendae. Ueber die persön- liche Construction von avaynalog s. zu 448d. Ueber dıa unge vgl. unter 449 a. zu dıa Pouyew».
rtovg Aoyovg moueiohear: d. i. die auf die Frage bezüglichen. — 08° unv allc: d.h. ‘jedoch werde ich deine Forderung nicht ausser Acht lassen, sondern versuchen u. s. w.; also: gleich- wohl werde ich versuchen. Bei 00 unv ist die Ellipse durch ein solches Verbum auszufüllen, welchem der Adversativsatz pas- send gegenübersteht; hier: 0® une Toüro xwiAvaeı 0.&. O. 622,
. Kr. 67, 14, 2. —
°C og 8. Bo.: Ueber og beim Superlativ s. C. 631 a. Kr. 49, 10. — xal ydo ad xal zovro: xal yao (vgl. 448 a.) bezieht sich auf den ganzen Satz. Kr. 69, 32, 21. Das zweite al (Kr. 69, 32, 20.) gehört zu einem bestimmten Satztheile (zoöro). — ©v: 8. zu 448 d. — gpnul profiteor (de me); synonym mit Enayyilkoueı 8. zu 447. — undeva.. .; Epexege- sis zu todro. Ueber & &v beim In- finitiv s. zu 448 a. — TOVTOV unV dei: der Genitiv beim imperso- nalen dei. Kr. 47, 16. und Anm. 1. C. 418. — dmidsıkıv: 8. zu 447 a. — uonxgoloylag Ö8 elo.: Man beachte für den weiteren Gang des Dialogs die wiederholte
ID TOPTIAZ. 1
TOP. Alla nomeo, xal oVösvog prosıg Boayv-
YyaTEgov Kx0Udaı.
22. Degedn‘ 6mroginns Yyao ps Ermiarnumv rey- s elvaı xal nojoaı dv aal KAAov Hnroga' N GnTo- xn zepl Ti TV OVrWv Tupyaveı 0000; WONEE N Vpav- D wm eol nv tav luaziov Epyaclav‘ 7 yag;
IOP. Ni.
22. Ovxoüv xoln wovou«n zegl nv Tov usAov
Yndıv; TOP. Nüvi.
22. Nn tv Hoav, © Iopyia, Ayaual ye rag ano- WOEIS, OTi ANoxgiver @g 0l0v rs da Bgayvrarov. TOP. Ilavv yao oluaı, @ Zuxgareg, Emisinag
UTo ToLElV.
ZR. Ev Akyeıs. id ÖN wor dnoxowvai ovro xal ol vis Gnrogınns, zeol Te ToV Ovroav Earlv Emıoryun;
TOP. Ilsgi Aoyovs.
fforderung zur Brachylogie, die eits oben in den Worten zo ö% KG ... amoMEodur gegeben — alla now: 8.zu 449 — 0ovöEvög p. Boayvioyw- 'ov: Genitiv der Person bei pveıv. Kr.47, 10, 11. vgl. C, . —
pegs ö7:"wohlan! age! Ueber s. zu 4498. — 0. yaQ...: sründet vorläufig die Berech- ung zur folgenden Frage. — ı]ocı ar: 5. zu 4484. — D. zeol we... 0900: elvaı 174 zı, ‘sich womit beschäfti- 1, [2 Kr. 68, 33, 2. C.466C. zov OyT@V: die allgemeinste zeichnung des Existierenden, ng, Gegenstand u. dgl. Im utschen: "womit befasst sich ıRr — BonEg: ‘zum Bei ele’ — 7 yao: nicht wahr?”
Kr. 69, 14, 8. C. 608. — vn tnv”H.: C. 643, 15. Er, s9. 34, A. — üyanci ye rt. : Kr.
47, 10, 9. Vgl. Prot. 361 e. — Ey oldv "ze did Bo.: guantum quidem fieri potest brevissime. Ue- ber diese dem Superlativus bei- gefügte Formel und über ihre Stellung vor der Präposition s. Kr.49, 10, 1.0.3. — dıa Bou- yvraoyı ironisch, weil G. bloss val erwiedert, welche Antwort freilich an Kürze unübertrefflich ist. Aber G. versteht die beis- sendeBemerkung nicht; das iro- nische Lob nimmt er für ernst- gemeintes auf. — nawv: gehört zu Emieinog. —_— © Atyeıg: du hast Recht. — idı ön u. am.: idı ön zur Einleitung des Imper. Kr. 54 4, 1. vgl. oben (c fin.) zu
pEge di. —_
450 -
12 NAATQNOE
E
[4
449 E&
3. IIolovg rovrovg, @ Iopyia; a&ga. of ÖnAoüce
" [2 1 ’ N . TOVE xauvovras, WS Av Ölnırauevor Vyıalvorsv;
.- - TOP. ©.
ER. Oda üga mepl mavras ys Tovg Aoyovg 1 6N-
rogian Eorıv. TOP. O3 dire.
ZN. Alla unv Akysıv yes HoLei ÖvVvarovg.
I'OP. Nat.
ER. Ovanodv nepl wvneg Akysır, nal poovVeiv;
TOP. Ilös yag 0v;
ER. Ag ovV, MV vv ön EAdyouev, n largızn negl
2 [4 x R TÜV KaUVOVTWV Övvarovg eivaı Ygovelv xal Akysıv;
x TOP. Avayan.
22. Kal n largınn üge, wg Eoıxs, megl Aoyovs
eoriv. IOP. Ne«i.
22. Tovs ye negl Ta voonuare;
TOP. MeAıore.
ZN. Ovxodv xal n yuuvasıınn meol Aoyovg &orl tous negl eveflav re Tav Omudımv xul nayskiev ;
IOP. Ilavv ye.
E. nolovg rovrovg: der Ac- cus. hängt von dem vorausgehen- den zeol ab. Das interrogative Pronomen als Prädicat des de- monstrativen: zo2ol sloıw odroL of Aoyoı, nsol od5 dorı u. r. A. Kr. 57, 3, 6. — ToVg nduvor- tag: Prolepsis. Kr. 61, 6. uw A. 2. C. 519, 5. A.2. — 09 Ö7- ta: Önta nachdrücklich anerken- nend; daher 09 dyjr« lebhaft ab- lehnend. Vgl. C. 642, 6. Kr. 69, 20. Anmk. — Ale unv: umv, vero, verstärkt die Adversation. Kr. 69, 39, 1. Vgl. C. 643, 12. vgl. Prot. 359 d. — A&yaıvy Ö.:
Övvarovs ist Prädicat; als Object ist ein allgemeiner Personsbegriff zu denken: zoVg uavfavorras ö.dgl. — weol... pooveiv: d.i. neol @vrneg Adysıv, neol Tovrav xal pogoveiv worsi Övvarong. 450 A. ag’ 009 .. . ordne ae ovv n largınn. Nrv.d.8., el r. auv. xtk. Als Verbum finitum ist aus demOÖbigen zoısi zu er- gänzen. zoısi Övvorovg slvaı. Vgl. zu 4480. — avayını: gr wöhnlich fehlt 2ori. Kr. 62, 1, 3. vgl. Prot. 309 a. — rovg ye...: d. h. Eorıv n larpınn meol Toos nepl TE Vvoonuata Ovrag A0-
350C
TOPTIAE. 43
ZR. Kal unvaalaiariaı reyvar, & Iopyia, ourasg iyovaıı Endarn avrov zegl Aoyovs eorl Tovzong, oiB Tuygdvovaıv OVrss MEEL TO nodyun, od Exdorn Eoriv
7 Teyvn. TOP. Deilveraı.
ER. Ti oUV ön more ag Gldag reyvag oV OnTo- ginug xuleis, odaag ‚megi. ‚Aoyovs, EinEE Tavıyv $nTo- pınnv aalesis, N &v 7 meol Aoyovg; | TOP. "Orı, & Zoxoures, tov ulv dllav Teyvav NEL xEıgovpYlas TE Kal Toiavrag nockeıs, ag Eos eineiv, NO0R E0TIv % Enıoraun; tig 68 Önroguais 0V- dev eorı TOL0UTOvV yeıgovoynun, ala züce 7 aoddıs zul 7 RUpWoıg dia Aöoyav Eori. dıa tadrT Eya mv 6n-C voguamv reyvyv abıo eivaı nepl Aoyovs, dedag Adymv,
os &yo pnut.
7 ’ \ ’ d 20. de ovv uavddvo olav avınv Bovisı xaksiv; yovg. — mavv ye: s. zu 449a. schen Relativsatze. C. 554. Kr.
— xal unv: Kr. 69, 32, 20.
B. &x&orn adtav...:-Asyn- detisch werden gewöhnlich Er- klärungssätze angeschlossen, wel- che durch ein vorangehendes De- monstrativum (0Uza, od8, toL- 0570, tavrov u. dgl.) angekün- digt sind. Kr.59, 1,5. — 00... teyyn: Genitiv der Angehörig- keit, des Zusammenhanges, vgl. Kr. 47, 6, 9. Der Artikel kann bei Eraorog stehen oder fehlen. Kr. 50, 11, 23. — ti o®V Ön zore: die Frage erbält durch an gehäuften Hervorhebungsparti- keln den Ausdruck dringender Ungeduld; durch 099 wird sie als Folgerung aus dem Vorher- gehenden bezeichnet. — 0Voag: concessives Participium. Kr. 56, 18, 1. ©. 582. — Tavınv näm). nv regvnv. — ‚Navy: der Con- junctivus mit &v im hypotheti-
54, 15.
megl yeıgoveyiag . dotıv: “hat es mit Handleistungen (äus- serlichen, ‚Verrichtungen) zu thun.’ — os #005 eineiv: zu n&oa ge- hörig, beschränkt die zu ‚unbe- dingt ausgesprochene Behaup- tung. Vgl. Kr. 55, 1,2. — yeı- gOvEynu«: dieses Wort, mit y&ı- vovoyia gleichbedeutend, findet sich sonst nirgends bei. Platon. Ebenso verhält es sich mit %U- ewoıs, wofür nur “ügog im Ge- brauche ist. Vgl. 450 e.
©. &y&: man beachte den Nach- druck, welcher an dieser Stelle auf das Pronomen gelegt wird. Gleicherweise ist das . folgende
Ag ,eyo yru gesagt. —
ae, .. .ı gewöhnlich setzt die mit do« eingeleitete Frage ver neinende Antwort voraus. 69, 9. Dagegen C. 607+b. —
14 ITIAATSNOZ
CC
Tage 2 sioouaı oap£oregov. aAl dmoxgıvar‘ elolv nut
reyvaı. N yao; IOP. Net.
ZQ2. Ilacov Ö£, oiucı, Tov Teyvov rav ulv do- yaoia ro moAv Eorı xal Adyov Boayeog Ödovran, Zviar Ö3 ovVÖEvog, AAAR TO Tg TEYUNS neQKlvorto av xal dur D oıyüs, olov yoapıan nal avögıavronoula xal @Alcı noA— Aal. Tag TOLaVTag WoL doxeig Aeyeıv, nEOL üg 0% png nv 6nTogLnnv eivaı* n 0V;
TOP. Il&vv ubv oUv xaAdsg Ömolaußdves, o Zu-
HORTES.
ER. Ereoaı dE yE slcı Tov Teyvav al dia Aoyov av nEgaivovoı, nal &oyov, wg Eros eineiv, 1 oVÖdEvug rooodgovreı 1 Boayeos navv, 0lov agıdunran al Aoyıorıan nal yenusrgian nal nertsvran yexal aAdcı
elolv nuiv r.: Dat. eth. des Per- sonalpron. C. 433. Kr. 48, 6, 5. — nydo: 8s.zu 449d. — oluaı: parenth., wie im Lat. puto, credo. — n000V. . TEYV@V: der Gen. part. wird regiert von TOvV WEV. Kr.47, 28, 2. — to noAd: Sub- jectsnom. ; “der Haupttheil, die Hauptsache, das Wesentliche.’ _ zo eng teyvnns: "die Aufgabe der Kunst. Ueber die mannigfache Bedeutung des substantivischen ro mit dem Genitiv eines Nomens s.
Kr. „a7. 5, 9. C. 410. — xel d.
6.: ‘sogar. C. 624, 3. Kr. 69, 32,18. — oluv: zum Beispiele. Vgl. Prot.323 d. Die Construction ‚schliesst sich unmittelbar an &vıaı Öt oVÖEvog an, und Aid... cıyns ist als Parenthesis zu be- trachten,
D.yoagırnn ... .: Die Benen- nungen der Künste und Wissen- schaften können den Artikel ent- behren. Vgl. Kr. 50, 3, 5. — 0 gpns: negas. Kr. 64, 5,4; 67,1,
2. 7 ov: erg. Tag TOLadTaS AEyEIS. — ÖE yE: 8.2u 448. — @g Enog eineiv: mit Bezug auf ovdsvög s. oben zu b. —
rooodkovzaı: 700g hat hier in der Zusammensetzung dieselbe Bedeutung, wie in Verbindung mit dem Dativ (roö5 To A0y@ ovdevög £oyov Ökovrar). C. 467 fin ; Kr. 68, 46, 16. — Boaz£os navv: häufig erscheint zavv dem Adjectivum oder Adverbium, zu dessen Verstärkung es dient, nach- gestellt. — Aoyıorınn: ‘die Re- chenkunst, ars computandi. Wor- in sich diese von der “Zahlen- kunde, agıdunrınn. unterschei- det, wird 451 c gezeigt. — xal z. ye: damit wird ein Glied an- geschlossen, auf welches der Spre- chende besonderen Nachdruck legt. —. nertevrıann: auch Phaidr. 274 c. wird das Brettspiel unter den Künsten aufgezählt und sammt der Rechenkunst, Geometrie, Astro- nomie und Buchstabenschrift eine
TOPTIAZ. 15
reyvaı, @v Evi oyedov rı laovg Tovg Aoyovg taisg noakecın, al 65 noAkal wAelovg xal To av nüoe 7 moäbıs xal TO xUpog avreis Öıa Ad- rl. TOV ToLovrmv Tıva uoı Öoxelg Adyaıv mvE
nv. OP. "Aindn Akyaıs.
N. AA ovro TovTwv yes oVÖEulav oiual os BoV- . 6nroginnv nakelv, 00% OT TO Önpearı oVrag ori n dıa Aoyov TO Kügpog Zyovan Hntogıxn dor, roAaßoı avrıg, el Bovioıro Övaysoulvev Ev rolg , mv apıduntamv don entoginnv, ® Toopyia, ; aAk 00% oipei 68 OVTE nV agıduntanv odVrE IW@UETELRV Önroguxnv Aeyeıv.
OP. ’Oodus yag olsı, @ Zwxoures, xal dınalag 451
ußavaıs.
ıg des ägyptischen Gottes genannt. v rı: ri bei Adverbien, :s 04800v und ndvv, be- t in gleicher Weise, wie Adjectiven (s. zu 448 e) mmtheit des Ausdruckes. 16, 5. vgl. Prot. 345 d. 'g: Prädicat. C. 387. — ‚d£ecıv: über den Dativ ‚8. C. 436b. Kr. 48,13, [ ö: noAleal: “die Mehr- 'urch den Artikel gewinnt im Gegensatze zu den zeiten, eine scheinbar su- ‚deutung. Kr. 50, 4, 12. ovS: ergz. Tovg Aöyovg :6v nodbswv. — TO TU- adverbartiger Acc. C. Kr. 46, 3, 3. — nü0o poog: n&ca kann auch zu 95 gezogen werden. Kr.
)ro1: zuversichtliche Ne- u welcher man aufdie Bei- ıg des Unterredners rech- l. Kr. 69, 55. C. 643,
10. Prot. 360 e. — ovdenlan: Fortsetzung der Negation. Kr. 67, 12. C. 619. — 09% Orı: “ob- gleich. Diese seltenere Gebrauchs- weise von 0vy Orı erklärt sich aus einer Ellipse dieser Art: oUx olual ce ovdsulav Tovrav 6. Bodlsodn aalsiv, Otı TO ON- parı %. z. A. vgl. Prot. 336 d. Kr. 67, 14, 3. — To Snpere : im Gegensatze zu dem ßov- 1E0deı nakeiv. — Eyovoa: ergz. zeyvN. — dnolaßor Av rıs: d.i. ‘ich könnte annehmen. So weist rls, wie unser "man, oft auf die redende Person hin. vel. „bes. Ilias & 287 ff. &A2 06° ‚Eve (Achilleus) &d&isı negl mavrov Eunevaı allmv, MEvav EV ngazteıv EEE, mavızeceı Ö dvaoosıy, mäcı Öb onueivew, & tiv 09% nelocodaı ol (d.h. ich, Agamemnon). Ueber den Optativus potentialis in beschei- dener Behauptung vgl. zu 447 b. 451 A. Oodag yao: yao steht in Antworten oft elliptisch mis
16 TAATANOZ iA
ZR. "Id vöv al 09V nv anoxgıomv nv nodum 6 dinmegavov. enel yoo 7 Gnroginay Tuyyavsı ulv 0vOR TOVTWV TIg Tav Tegvav av To noAv Aoy@ YompEva, Tuygavovoı Öt xal aAAcı ToLadrat ovaaL, zE0@ elneiv,
n negi Ti Ev Aoyoıs TO #Ug0g Eyovoa HnToguan Earw. BonEE av el vis we Eooıo wv vov Ön EAsyov zegl NoTIVodoöVv TÄv Teyvov' @ Zwxontes, Tis dorıv agıduntıan reyvn; eilnoım av auro, WONEE CU üpti, orı t@v da Aoyov tig TO xDg0g Eyovaav' al sl us
B enavegoıro‘ av nEol Ti; sinoılw Av OrL T@v meol 10 KETLIOV TE Hal NEgLTTOV Yvaoıs, 00% &V Exdrspa TUy- yavn Ovra. el Ö’ av Egoıo‘ mv O8 Aoyıorıscnv Tive xaksis teyvyv; elnoıw av Otı nal avın Earl av Aoyo . To nÄdv xvgovusvoav' nal el Emavegoıro" 7 meet ti; | sinoıw &v WONEE Oi Ev TO HNUW Gvpygapopsvor, Of
Bezug auf eine nicht ausdrück- lich gesetzte Bejahung (wie hier) oder Verneinung. Kr. 69, 14,7.
Du: 8 zu 449d. — nv end- 2010. NV ngöunv: "die Antwort auf meine Frage. — TÜV Teyvav tov...:C. ‚385 b. Kr. 50, 8. u. A. 1. — 10 molv: 8. zu 450 dd — nmeo...Sorv: Die
Stellung des Fragepron. im Par- ticiplalsatze macht in der .deut- schen Uebersetzung eine Abwei- chung und eine gewisse Unge- nauigkeit nothwendig, etwa auf welchem Gebiete muss eine Kunst durch Reden ihre Aufgabe erfül- len, um Rhetorik zu sein?” Ue- ber die Frage im Participialsatze s. C. 606, A. 2. Kr. 51, 17, 4. Ueber den Ind: im abhängigen Fragesatze nach vorangehendem Haupttemp. (zeıoo) C.526 a. Kr. 54, „>: u. 6. —
@gmEQ av el. „.:8.2u 447d. — 01... Teyvav: ordne zegl NITLVOCOVV TOV TEXVAV, MV vv
ön EAsyov. Ueber die Attraction e. zu 448 d. — Norıvocovv; C. 600. Kr.51,15,2; 25, 9, 2. vgl. Prot. 313 e; 323 23; u.0.— örı: zur Anführung directer Wor- te. Kr. 65, 1, 2. vgl. Protagoras Bıze —
£ravegoıro: “noch weiter kraie; ‚Kr. 68, 46, 17. 0.463. — megLTToV: als mathem. Term.
“ungerad, impar ; das Gegentheil
ist &orıog. fr. Prot. 356 e. — 608 &v Tuyyaon: s. zu 450 b- — 1vE0vUEVoV: KAvgoVoHaı (als Med. selten) hat hier u. unt. d (welche Stelle nur die Wiederho- lung von dieser ist) die Bedei- tung von xögog fyeıw. — ol br T. 6. ovyyoYQ.: d. i. diejenigen, welche in der Volksversammlung einen Antrag stellten und schrift lich abfassten. Wenn nun jemand in der Volksversammlung einen Antrag stellte, der mit einem bereits vorgebrachten theilweise übereinstimmte; so trug er nur
TOPTIA2. 17
‚ardıa aedanee n apıdunzsen n Aoyıoran &ysı' :6 @UTO Yyag Eoti, TO TE Kpriovaeal To KEpITToV'C 381 08 ToGodroV, ATı xl EOS avra zul müs x nös Eysı mANdovg Enioxomei To negLTroV Hal swov 9 Aoyıorızy. zul Ei Tig Tv aoreovoulav 0, E&uod Aeyovrog Orı xal avrn Aoy@ xUgoütas vra, ol’ ö8 Aoyoı ol Tig dargovoulag, &l Yaln, i slow, @ Zongares; sinorm av OT mepl TnV sT9WmV Yogdv zul nAlov xul GeAnvng, Hg NO0S x tayovg &yaı.
OP. 'Oodos ys Adymv 0V, m Ziwxgureg. 2.19. 67 xal 0v, @ Topyla. tuyyavsı ubv yag Smrogıxn 0V0R av Aoya ra navra dLengnzro-
3 ’ TE KL KVOOVUEVOV' N yaQ;
erenzpunkte vor und er- ich mit dem früheren An- er einverstanden. Z. B. dotos hat seinen Vorschlag „ Menexenos beantragt zelne Punkte anderes. Er also seinen eigenen An- it den Worten: r& us» wadaneg Knyıoodoros, ı folgen die Modificationen. aren die angeführtenWor- ınde Formel. — &v zo 6.: Versammlung des Volkes; ı Volke. S. Kr. 68, 12,3. a. vgl. Prot. 309 a.
60 te dorıov: "nämlich ade u. s. w. In der Ap- wird diese Part. im Griech. ig als im Lat, ausge- Kr.57,10, 5. F. Schultz . 8.229. A.4. — TO00v- ahaltsacc. Ueber diesen er Pronom. bei dıagpe- Kr. 48, 15, 14. vgl. Prot. — Om...: gibt die Er- von To00Vr0V. — nal en: ordne Or 7 Ayora. Gorgias.
Enıononsi wog nAndovg TO nıe- girzov “al 0 Ggrıov Eyeı vol no0g avra nal noög dAlnia. — Andovg: der Gen. regiert von zog. C. 415. Kr. 47, 10, 5. — j| 3 3
nv Korgovoulav av.: Acc. der Sache bei einem Verbum des Fra- gens. Kr. 46, 15. C. 402. — AE- yovrog: causales Partic. C. 581. Kr. 56, 12,1. — ob ö} Aoyoı... eioıv: Die Frage wird direct ge- geben; “worüber handeln denn aber dieReden u. s. w.; daraus erklärt sich Ö& bei of Aoyoı in Beziehung auf das vorausgehende Aoyo, und die Wiederaufnahme des ed &v&goıro durch el paln. — g0og«av: von der Bewegung der Himmelskörper. — ög®üg ye: 8. zu 449 a. —
D. i$ı ön nal 00: Uebergang von der Induction auf den eigent- lichen Gegenstand. Ueber ?dıdn, einleitend den Imper. A&ye ön, wo ön der Zwischensätze wegen wie- derholt ist, 8. zu 449d. Ueber 67 beim Imper. 8. zu 449 a. — r.
2
16 MNAATRQNOZ
Z2. "Id vöv nal 09 nV anorgıomv yv np diamegavov. erel yao m Gmrogiag TVyyavsı uEv TOVTMVTIS Tav reyvav Tav To noAv A0yD XomwE Tuygdvovan Ö: xal KAlaı ToLadraı oda, neugo ei: n zegi Te &v Aoyoıg TO #Ugog Eyovoa 6nroginn &ı VonEE av el tig us Eopoıro mv vor dm EAsyov NOTEVOGOOV TÜV Teyvav' ® Zwxgareg, is &oı agıduntıxn Teyvn; sinoLw dv aUro, W@OnEE 00 i orı av ÖLa Aoyov tig TO KÜgog E&yovaav' xal &
BEeravegoıro‘ av nEol Ti; einoıw dv Or TOV eg KOTLIOV TE Hal NEgLTTOV Yvadıs, 000 KV Exdreon ' yavn ovroe. el Ö av Egoıo‘ av ÖL Aoyıarınyv' xaAsig teyvnv; einoıw av OTı Hal aurn Earl rav 4 To nüv nvgovusvav' nal El Emavegoıto' N TEpi einoıw dv WONEQ ol Ev TO ÖNUW Ovyyoapousvor,
Bezug auf eine nicht ausdrück- lich gesetzte Bejahung (wie hier) oder Verneinung. Kr. 69, 14,7.
id: 5 zu 449d. — NV Ano- xgL0. nv nodumn: “die Antwort auf meine Frage. — TV Teyvov ToV...:C. ‚385 b. Kr. 50, 8.
u. A. 1.— 10 moAv: 8. zu 450 da — nmel. orıv: Die Stellung des Fragepron. im Par- ticipilalsatze macht in der .deut- schen Uebersetzung eine Abwei- chung und eine gewisse Unge- nauigkeit nothwendig, etwa auf welchem Gebiete muss eine Kunst durch Reden ihre Aufgabe erfäl- len, um Rhetorik zu sein? Ue- ber die Frage im Participialsatze s. C. 606, A. 2. Kr. 51, 17, 4. Ueber den Ind: im abhängigen Fragesatze nach vorangehendem Haupttemp. (zeıoo) C.526 a. Kr. 54, „I U 6. —
@omEQ av el. „.: 8.2u 4470. — DV... teyvav: ordne megl NOTLVOCOUV TaV Texv@v, MV vüV
ön EAeyov. Ueber die Attre 8. zu 448 d. — 1701190000 600. Kr,51, 15, 2; 25, 9, 2 Prot. 313 e; 323 a; u | ori: zur Anführung directer te. Kr. 65, 1, 2. vgl. Prota 3l7e —
B. &ravegoıto: "noch ı fragte” Kr. 68, 46, 17. O.41 megLTToV : als mathem,
“ungerad, impar ;, das Gege
ist &gruog. er. Prot. 356 000 av Tuyyaup: s. zu 4 — XVEOVUEVOV: KVEO0UCHA Med. selten) hat hier u. ı (welche Stelle nur die Wied lung von dieser ist) die B tung von #Vgog Fyeım. — rt. 6. ovyyoQ.: d. i. diejer welche in der Volksversamı einen Antrag stellten und lich abfassten. Wenn nun je in der Volksversammlung Antrag stellte, der mit « bereits vorgebrachten theil übereinstimmte; so trug e@
451 D TOPTIAZ. 17
u ulv Kl aadaneo 7 agıdunzxn n Aoyıorınn E&ysı' xepl TO aUro Yyao darı, TO TE Kgrıovxel To rEgiTToV'C diapspsı 6} Tosoürov, Arı al MEOg avra xul TEUg Mini ng Eysı MANdovg Enioxonei To negırrov Kal so Kprsov 7 Aoyıorınn. Hal el Tig TV aorpovouiev avegoıro, Euod Ayovrog Orı xal aürn Aoya KUpodraı va navıa, ol’ 8 Aoyoı ol ng aarpovoulag, el paln, zspl di slcıv, & Zoagareg; einoım av Or XEgl nV av Korpmv Yopdv al nAlov xal oeAmvng, TÜg 7Q08
aAAmia tayovg Eysı.
TOP. 'Oo9aös ys Atyav ov, & Liwngareg.
ZR.’Idı 6% xal 0V, @ I'opyia. ruyyaver ubv yag dn n Önrogimn ovo« av Aoym ra wave ÖLangEaTro- KEvav Ts xal Kugovusvav' n yao;
die Differenzpunkte vor und er- klärte sich mit dem früheren An- tragsteller einverstanden. Z.B. Kephbisodotos hat seinenVorschlag gemacht. Menexenos beantragt fiber einzelne Punkte anderes. Er beginnt also seinen eigenen An- trag mit den Worten: z& ulv ale nadeanseg Krnpıoddoros, und nun folgen die Modificationen. Somit waren die angeführten Wor- te stehende Formel. — &v @ 6.:
‘'m der Versammlung des Volkes; vor dem Volke” S. Kr.68, 12,3. C, 456 a. vgl. Prot. 309 a.
C. zo re agrıov: nämlich das Gerade u. s. w. In der Ap- position wird diese Part. im Griech. so wenig als im Lat. ausge- drückt. Kr.57, 10, 5. F. Schultz lat. Spr. 8.229. A.4. — rooov- os: Inhaltsacc. Ueber diesen Acc. der Pronom. bei dıage- eu» s. Kr. 48, 15, 14. vgl. Prot. 339 a. — Orı...: gibt die Er- klärung von zo0oUro». — xal loyısrıny): ordne Ozı 7 Ayorn.
Plat. Gorgias.
Enıononsi it zAmdovg TO n8- gırrov „al zo ügrıov Eysı nal ngög aura nal mgös Klinka. — nimdovg: der Gen. regiert von zog. C. 415. Kr. 47, 10, 5. — nv KoTgovoulav dv.: Acc. der Sache bei einem Verbum des Fra- gens. .Kr. 46, 15. 0.402. — A8- yovTog: causales Partic. C, 581. Kr. 56, 12,1. — of ö} Aoyoı . eioıv: "Die Frage wird direct ge- geben; “worüber handeln denn aber dieReden u. s. we; daraus erklärt sich Ö& bei of Aoyoı in Beziehung auf das vorausgehende A0oyo, und die Wiederaufnahme des el &vegorro durch & gain. — gogav: von der Bewegung der Himmelskörper. — öo®ög ye: s. zu 419 a. —
D. i8ı ön nal 09: Uebergang von der Induction auf den eigent- lichen Gegenstand. Ueber fd: ön, einleitend den Imper. A&ye ön, wo ön der Zwischensätze wegen wie- derholt ist, s. zu 449d. Ueber ö7 beim Imper. 8. zu 449 a. — T.
2
18
I'OP. "Eorı teDra. 22.
NIAATQSNOZ
41D
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Akysıs nal oder X GapeEg. olouaı yap de axnnodsu E &y roig Ovunooloıs adovrav dvdEÄTmv Toüro TO 080- Aıov, Ev @ narapıduoüvraı Kbovrss, Orı Uyıalvew pl &g10T0v Eorı, To Ö: Ödevregov xaA0v yevdodeı, Toltov ÖE, DS Ynoıv 6 rommig Tod 0x0A1od, To zAovrew
&d0Ams.
TOP. ’Aunnoa yag' aAla gög Te Toüro Adyaıs; ZR. "Or 001 avrin dv nagaoratev ol Önwovgyol
ptv yae Ön: die Partikeln u» Br bilden häufig den Uebergang zu einem neuen Abschnitte. yag bezeichnet den ganzen Satz als vorläufige Begründung der fol- genden Frage (A&ys d. zav zegl zi). — tov A.: Ueber den Gen. partit. s. zu 449 d. — zov OV- tov: regiert von ze. — ra uE- yıora...: Gorgias begeht den nämlichen Febler, welchen Sokr. (448 e. fin.) an Polos gerügt hatte,
E. gdöövrov d.: über den Genit, bei E%0VD 8. zu 449c. — oroAdıy: Die Skolien waren kurze Lieder, theils Preis von Göttern od. Helden, theils Sprüche der Lebens- weisheit enthaltend, welche man in Athen beim Symposion zu sin- gen pflegte. Der Singende accom- pagnierte sich auf einem Saiten- instrumente, oder hielt einen Lor- beer- oder Myrtenzweig in der Hand. Nach Beendigung des Lie- des reichte er dieLyra oder den Zweig einem Malesgenossen auf
der entgegengesetzten Seite, wel- cher hierdurch zum Singen auf- gefordert wurde. Von diesem Hin- und Herspringen leitet man ge- wöhnlich den Namen 0x04:0» ab. Besonders beliebt war ein patrio- tisches Skolion auf Harmodios und Aristogeiton. — naregıduodVreL adovrsg: “sie zählen in ihrem Gesange auf. — örı vy.: Das Skolion lautet (Bergk. post Iyr. p. 1012): Tyı- alvsıy uEv &gıorov avdgl Ovo- zo, Jsvregov Öb Pvay mals yevdohan Tö roltov db z100- teiv adolmg, nal To Teragror nBav perd zov pllov. — 6 zoınıns: wahrscheinlich (vgl. Bergk. a. a. O.) Simonides aus Keos; über diesen Dichter s. zu
Prot. 339 a., und den Anhang 8.
122 ff. — ı6 mlovısiv adoAmg: vgl. „Borat. Epist. 1, 1, 65, 66. — Axrjnoa ya: über yag s. ob. unter & —
452. ot Önwoveyol: hier in der allgemeinen Bedeutung ‘Be-
|
TOPTIAZ. 19
mv 8Vv Enyjvsosv 6 TO GxoALöv monde, larpos Ts sudorgißns ve gonuearıoris, al simos noWrov ö latoög Or © Zoxparsg, eamard 08 Togytag 9 Eorıv n Tovsov reyvn mepl TO ueyıorov dya- Tois avdowmoıs, aAR 7 dun. El 00V avrov Eye iv‘ ou öl Ti av radıa Akysıg; einoı av Lowg arpog. le oUv Akyaıg; 7 TO vis ons reyvng Eoyov 10V darıv dyadov; züg yap od, gQaln av Ioac, upatsg, Uyleue; ei ö’ dor ueifov Eyadov avdow- vyıslasz el 0 av pera ToUToV 6 masdorglßns eimoı B avuckorul viv, © Zwxparsg, ul adrds, el 001 Toeylag weikov dyadov Emiöeldar is avrod Ter- n &yo tig dns" einoım dv ad xal E05 Toürov‘ 3 ön uis el, © avdpwne, xal ve ro 00V £pyov; orolßns, paln &v, v6 6’ ägyov noV dorı nakovg TE 'OYVEODG ToLElv ToVÜS AVFEWMOUS Ta Opera. Era ;v nawdoreißnv sinoı av 6 Xonnarıorıs, ag &ya- KEVV KATEPEOVEV Aanavımv" Gronsı Öne, @C parss, 2av 00 nÄA0ovrov Yavi) vı welfov ayadov
ielliger, vgl. Prot. 312 b; dargov. — av: d.i. zol @v. — rovrov av: C. 597, 2. Ueber das versichernde ro? s. C. ‚ 10. vgl. Prot. 8313 d.— 643, 10. Kr. 69, 61, 1. — aa
s: "nämlich der Arzt u. s.zu 452 c. — raudorgl- der Turnlehrer. Ueber seine tung s. Prot. 326. b. c. — Z.: 8. zu 451 a. — tToig unoıs: als Dat. des Inter- zu 70 dyadov zu construie- „431 a. Kr. 48, 4. — tig ». zu 451 a. Das causale . @» begründet das neyeis. C. 607 b. Kr. 69, 28, 2. lea: d. i. OS yao 00 7 1, TÖ Tis us teyvng &o- co uEyıorov ayadov Eorıyz oylsız ohne Art. s. zu
era Toürov: näml. 70V
avrog: et ipse. Er. 51, 6, 6. F. Schultz lat. Spr. $. 290, A. 1.— Enıdeidar mit offenbarem Bezug auf die dnlösıdıg des Gorg. vgl. zu 447 a. — Ö$ 87: urgierende Kervorhebung des Gegensatzes. Kr. 69, 17, 5. vgl. Prot. 312 a; 312; 358 b.u.6. — maudorgr- Bns: näml. elul. — Ta owuare: ©. 404. Kr.46, 4 —
C. &navrov ist Masc. ‘alle (namentlich largeog und zaudo- teißng.) die ausser ihm das höch- ste Gut glauben verschaffen zu können. — ox. düta: "so erwäge denn,’ s. zu 449e. — dav: ‘ob. C. 610. Kr. 69, 21, A. Ueber den
2%
0 TAATQNOZ 45°C
0v 7 xepa Topyle n rag AAO Orwodv. palusv dv ovv mods aurov" dlÜR N; N U Tovrov Önmovgyög; pain
"&v. vis @v; yonnaricınis. tlovvV; xolveis ad ußyıorov
"avdomnoıs Aayadov elvaı nA0UTOV; POOWEV. Kg y&o 00x; £oel. xal unv augpıoßnrei ye I'ooylas öde nv zap nur reyvnv uelbovog Ayadoo alriav elvar n mv onv, palusv dv nuels. dijAov 0VV Or TO wer& Toüro
Eooit’ &v° «ul ui dorı Toüro ro ayadorv; anoxpıwdade
‚DT'ogyias. Idı 0vV voulons, o Togyia, epwraohaı nei vn Enelvov nal dr Euod, anoxgıvar Ti dorı Toüro 0
"ons 06V uEyıorov'ayadov eivaı Tols avdommoıg xal 0}
" Önwiovoyov elvar aurov.
TOP. "Onso dorlv, © Ziuingares, 7 aAndelg ue- yıorov Ayadov nal altıov kun ulv EAsvdeglas avrols rols avdgWmoıs, Aua dE Tod AAAwv Koysıv dv ci) av- tod noAsı Exdoro.
ZR. Ti oUV.ön Toöro Akyaıs;
“ ähnlichen Gebrauch des si im Lat, vgl. F. Schultz lat. Spr. $. 232. A. 2, — 09: über palvouaı mit dem Partic. s. C. 590. Kr. 56, 4,5. — | ti 0o0v: ‘wie nun? d. i. "was folgt daraus?” vgl. C. 637, 2. ‘Erklärst du etwa den Reichthum . für das höchste Gut?’ — xal unv: verbunden leiten diese Par- tikeln häufig einen Einwurf ein. Kr. 69, 39, 1. — aupıoßnrei: “macht dagegen den Einwand gel- - tend, erklärt dagegen; vgl. Me- nex. 242 D. Vergleichbar damit ist der gerichtliche Gebrauch von augıoßnreiv in dem Sinne“ ‚An- spruch auf etwas machen. _ öde: s. zu 447 a. — nv mg euro veyynv: ‘seine Kunst?’ eigtl. “die in seinem Besitze befindliche Kunst. Ueber diese Bedeutung des z&e& mit Dat. der Person s.
Kr. 68, 35 vgl. 465 A. — dj- Aov: ohne ori. s.2u 448 c. — zo usr& todro: adverbialer Accus. Kr. 50, 5, 12; vgl. C. 405 A.2.
D. idı: 5. zu 449 d. — om &nelvov: mitBezug auf die drei redend eingeführten Personen {«- rgög, meaıdorgißng, zonnan- orns. — xnalok... «00V: Der gewöhnliche Uebergang aus dem Relativsatze in den demonstrati- ven. C. 605 A. Kr. 60, 6 u. A. 2.1.4. — Guaulv .. . Aue Öf
..: simul. . simul. Kr. 59, l, 4. vel. Prot. 310 e. ud. — ev- toig toig &.: “den Menschen für sich allein; im Gegensatze zu &A- Aov, s. zu Prot. 209 a. fin. — T0d &Alwv deysıv: bei der Sub- stantivierung wird der Inf. mit allen seinen Bestimmungswörtern, so hier dem Objecte @AAw», zu- sammen als ein Ausdruck betrach-
A
TOPTIA2Z. \
28
TOP. To zeldsıv Eyoy olov T slvaı rolg AoyoısE zul &v Öuxaornoio Öınaoras zul Ev PovAsvrnoig Bov- ksvrag xol dv „Ernhmoig ExnAmoLagras nal £v alıp Evi- loyo zavel, 00TIg av moÄAıtixög EvAAoyog piyvnron. ulroı Ev Tavım :M Övvansı doüAov ur Ebsig 70V la-
‚00, dovlov Ö} Tov maudoreißnn
068 xEnnarıorng
obzog aA Kvayavajasraı xonuetifousvog Hal oUy au, aAld Col To Övvausvo Asysıv nal melde za
xÄndn- 8 2m.
Nvv uoı Ödoxeig OnAmoaı, @ Topyia, &yyv- 453
Tea nv OnTogiunv Avrıva TegunV nyei eivar, al ei 1 &yo ovvinut, Aeyeıg ori neudoüg Inwovgyög Eorıv y Ömrogıny, xal n mgayunrela aveng nace xal TO padaıov sis Toüro teAsvre‘ 7 &yaıs vı Adysıv El xlE0v nv 6nTogianv Övvaodaı n sido Toig ax0Vvov-
v Ev Ti Yyuyy noreiv;
tet, vgl. C. 379. 574, 3. — ze . Tovro A.; vgl. nolovg Tov- tovg 449 e. —
E. zo neidEv...: ordne TO olov 7 elvaı meideıv toig Ad- yoıg. — &v All EvAloyw wave: näml. „T0ds Evileyivrag. — 00- DBg 0aV... . yiyynrai: 8. zu 450 b. In hypothet. Relativsätzen wird Ootig häufig gebraucht. 8. 453 d. — xairo: in seiner ein- fachen Grundbedeutung: “ und für- wahr; vgl. Hom. Il. v. 267. Xen. Kyr.3, 3, 19. 7, 3, 10; häufiger verbindet sich mit nairoi die ad- versative Bedeutung ° und doch. — dv zavım ıy Övvansı: “auf Grund dieser Fähigkeit, ein Ge- brauch der Präp. v, die dem dy- namischen Dat. nahe kömmt. Kr. 68, 12, 6. — dodlov ud... 80510» 63 . ...: Ueber uev und ös in der Anaphora s. Kr. 59, 1, 4. Beachtung verdient das hy- perbolische dovlog. — xenua-
tıorns odrog: Nicht selten dient odrog, entsprechend dem lat. iste, zum Ausdruck der Geringschät- zung. vgl. Krit.45 a; ABc. ‚Apol. 17 b. u. d. — dvayavroeraı xonuearıgowevog: über das Par- tic, vgl. das unter c bei gel- vechaı Bemerkte. — dA 008: die Worte 097 wur eben An- lass, dass durch «Ai& cool der schon mit &AAw bezeichnete Ge- danke in genauerer Fassung wie- der aufgenommen wird. — rd An®n: der Plural in Bezug auf die vorgenannten verschiedenen Versammlungen.
453. eis tovro. näml. vo zei- Dev. — nöysıg rı Aöysıv: über den adrerbartigen Acc. rl =. Kr. 46, 4, 4. C.404a. vgl. auch zu 450.d. (bei oysdov ri). — Ex) nı£&ov: gehört zu dvvaodaı, ei- gentlich ‘über einen weitern Unı- kreis hin (Kr. 68, 42, 1) Einfluss haben, also amplius valere. — &-
7 TOPTIAZ
453D
TOP. Ov dire, m Ziingarss, AAAR ndvrov ud-
Aıora weide:. Z32..
IIdkıv ö7 end roV avrav Teyvov Adyanen
avzeQ vOv on N agıd gun ov dıdadaası Nuüs; 008 dor) ra Tod apıduoD, xal 6 dgıdunrıxog üvdgmmos;
I'OP. Nevv ye.
ER. Ovaodv xol melde;
I'OP. Net.
32. Ilsıdoög fo Ömwovpyds Eorı al n agqıd-
unzıam. IOP. ®alvsrau.
22. Ovnodv ddv rıs. Eomrä nwäs, zoias nadoüc xad zeol Ti, aroxngıvovusdd nov adra Or ig dıda— oxalınns is neol TO Ggrıov TE Hal TO nEpLTrOV 06087 54. 8oti‘ xal rag aAlas üs vov On EAkyousv reyvas and—
0as Ekousv anodeikaı weıhoüg Norıvog zul neol 6 u’ 7 00;
IOP. Nat.
ZR. Our üga bnrogian
KLOVEYOR. TOP. ’AAn$ Atysıs.
Jatur. u. 6. Ueber den Art. bei zoı0de Kr. 50, 4, 6. — 00- rıg: über die hypothet. Beden- tung Kr. 51, 13, 1. vgl. Prot. 324b. ud. — önta: Nega- tion des 7 00. — rzdvrov ud- kıora: Kr. 64, 5, 4. vgl. Prot. 327 a. —
E. in} zav.. .: bei Alysıv heisst &x! mit Gen. von. Kr.68, 40, 5. — ovzeg: d.h. Ep ÖVv- seo, denn die Präpos. wird vor dem Rolat. regelmässig nicht wiederholt. Kr. 68, 9. vgl. Apol. 27 d. — ov dıddansı: 0W (nonne) in der Frage lässt Bejahung er- warten. .C. 608. Kr. 64, 5, 3. —
ÖnuovgyoVg oVoas Xu
uovn neıdoög Earl Ön—
00%: alles, was; guaecungue. — To Tod ‚Gerd od: 8. zu 450.0. — al 6 agıdn. vd. : ergz. oo dıdaoxeı nung Ark. — Or züs Ö.: s. zu 15la — zus ö 76:
5. zu 451 a. — GoLIoV. . . Rs g:TToV: 8. zu 451 b. A54. nal ras...rexgvan: swi-
schen Artikel oder Adjeet. und Subst. eingeschoben erhält der Relativsatz (der in diesem Falle von geringem Umfange ist) den Charakter eines attributiven Ad). Kr. 50, 8, 20. Aehnlich im Lat. omnes, quas modo referebamus, artes. — odoag: über das prädl- cativc Partic. bei dalveuı u. C.
FOPTIAZ. 26:
2. ’Exeidn volvuv 09 uovn dxepyalsrı Toüro ov, all xal ale, dızalas GoxEp ep} Toü Pov Hera Toro dravegotusd av rov Adyovza, 7 msidoüs xol zig zepl ve wsıdoüg n byrogıen zun: N 00 Öoxel coı Öixaov eivoı Enavspdchar;B OP. "Euosye.
32. "Anoxgıva 69, @ Iopyla, Ensıdn ya xal sol oVrws.
OP. Tavrng rolvvv wis nudoög Adyo,. © Zw- „ TS Ev volg Öinaornolois xai dv Tolg @Adoıg ‚.@0xsp xal &prı Elsyov, zul zEEl rovcmv & Isaac Te anal adıza.
2. Kal Eyo vor vaanısvVov Tavınv E Adysıv ud za weg) Tovrav, & Topyia’ dal iva un Ins, &av oAlyov Vorsgov roLoürov Ti 08 Avkow- doxsi uv ÖnAov elvaı, &yo Ö Enavepwea OmspC
yo, ToÜ Eing Evena zegalvschn Tov Aoyov dpwra,
.56, 7,2. — Öinaloas: ug auf 453 c. — dmane- av: Nachsatz einer hy- riode ; ; in dem Object von Wued” &v, näml. 269 A8- ‚st zugleich die Bedingung
n: ef rıs Aeyoı, erg. nv
ar nEeıdoVg ÖNuLovEyOV
avegeotar: 8. zu 451 bb. Koıvar Ön: 8. zu 449 a. a5: das Pron. demonstr. die epexeg. Appos. (eng koıg) an. Kr. 57, 10, 1
dv roig Alloıg Sraoıg: I den übrigen Versamm- des Volks’ Durch das log werden diese Ver- ıgen, sei es zum Recht- , sei es zu Berathungen, ‚eine grosse Menge von wzeichnet, weil eben die- kt für die weiteren Fol.
gerungen von Wichtigkeit ist. — al 2y0 ro UNOnTEvoV ...: näml. 453 b. — Ö4lyov Vorsgos: über den Accus. der Massbestim- mung beim Comp. 8. zu 453 b (006 öl» Nrrov). —
- ©. dyo 8’ inavagnrav: das Object hierzu ist aus d.zu ent- nehmen. In dem Vordersatse iva inaveowroistder grammatischen Form nach kein Nachsatz vorhen- den. Wie es in der freieren Satz- bildung des wirklichen Gesprächs geschieht, wird nach deretwas län- geren Ausführung der Bedingung ddv. ..Ezavsowra dieser Sats un- vollendet gelassen; was dem Sin- ne nach hätte Nachsatz werden sollen, findet sich in den Worten od yag Eins ari."damit du dich nicht wunderst, wenn ich u.8, w. —; wie gesagt nämlich ich frage, damit die Erörterung ihren ge-
296 TAATSNOZ
ETT
09 000 Evexa, aAk iva un ddıkloneda vrovooVvreg
xg0agmafeıv dlkaaov Ta „heyönsva, aAld GV ra Guv-
TOO xara iv Unodsaıv Onag dv Bovin wegaivng. TOP. Kal dedüg y£ wor doxsis zosiv, 0 Ziw-
HOUTES.
ZR.”IHı 60 al rods Enıoxsdausde. aalsig Tı
BEURdNKEVOL ; IOP. Keaio. Zn. TI'OP. "Eyoays.
Ti ö8; nenıorevaevar;
ER. IIoregov ovv radroöv doxsl coL elvaı ueue- Inxevar ac NEMLOTEUKEVOL, xuL ucdmaıs nal nilarıs, N
&Ado tı;
TOP. Oiouaı my Eyoys, © Zorpares, KAlo.
-
vis 05 Egoıro‘
ZR. Kaiog yap olsı" yvacsı 6} Evdevde. sl ya ag Eorı rıs, @ Iopyiea, nierıg vevöng
xal aAndng; Yalns av, os &yo oluaı.
IOP. Net.
ordneten Gang habe. — drzovo- oövreg... Asyoueva: d.h. nicht abwarten, bis der andere seine eigentliche Meinung deutlich aus- ‚gesprochen hat, sondern die nur halb verstandenen Worte des Mit- unterredners nach eigenem Gut- düuken ausdeuten. — Tg00gNd- geıv (bei Platon dma& elonue- vov) eine geflissentlich gewählte Hyperble statt des üblichen zgo- Aunponeın. Der comparative Be- dieses Verbums führt zur Constr. mit dem Gen. aamLo. ©. 424. Kr. 47, 23. — a Aeyo- veva: d.h. ‘das was ein jeder von uns mit den Worten, die er eben ausspricht (Part. Präs.), sagen will, darunter versteht. — alld 6: di. ar Bra 0 u. Tv... — xard anV ünoBeov: ex propo- sito. xara mit Acc. "gemäss. C.
459, B. c. Kr, 68, 25,2. — drug av Bosiy: &v verallgemeinert; ulcungue volueris. vgl. Prot. 336 b. — oedäg ye: vgl. zu 449 a.
— id dn: 8.zu 449d. — “00, dann Zy@ye, nachher unter d d- AndNn Akyaıs, Eorı tadra u, 8.: man beachte die Mannigfaltigkeit im Ausdrucke der Bejahung. —
D. olouaı ut» Eyaysı dem uEv folgt kein entsprechendes d$; man denkt gegenüber dem blos- sen Meinen (olec#eı) leicht den Gegensatz des sicheren Wissens, der dann in dem yvaosıvon Sokr. bezeichnet wird. — „alas yap: 8. zu #5la. — El yap...:
‘wenn nämlich. C. 636, 6 b.
Kr. 69, 14, 1. vgl. Prot. 319 b; 349 d; s5l cu. — &y: ‘ würdest du es bajahen.’ Kr.
165 A TOPTIAZ. 27
ZR. Ti dE; Emioryun dor Heuöns zul aAmdNnS ;
TOP. Ovdaucs.
22. Anov yao av OrL 0d zavrov darıv.
TOP. Andi Adysıs.
ER. ’AAIG unv ol xd ya usuadyxores neneıoudvorE
lol aa ol KErıoTsvnorss.
T'OP. "Eorı Tavra.
22. Bovisı ovv Övo elön Hanev zedo0s, To uev xlorıv napsyouEvov kvsv tod eldEvaı, TO Ö' dnıornunv;
TOP. IIavv ye.
22. Iorepav 00V 7 dyroginn neıdo noLet dv dı- Xaornoloıs re xalrols aAloıs Oydoıs zEpl rov dınalav TE zul aölanmv; EE ng To mıdrevemv ylyveraı &vsv ToÜ &dödvaı n EEns To eidlvar;
TOP. AiAov Önnov, @ Zungarsg, Orı EE ng To NıoTsvEvV.
32. H 6yrogıen apa, wg doıne, nEidoüg Önuiovg- 455 yog Eorı niorsvrınng, aAA ou Öidaoxaiınng epl To Öl- xaı0v TE nal RöıLXov.
I'OP. Nat.
ER. OVd’ apa dıdadxaiıros 6 Gnrop Earl dına- srnelov Te xal tov aAlmv OyAowv Öıxalmv rs nepı vol udlumv, aAAd meisTınög HOVoV. 0% rag önzov öyAov y dv Övvaııo Toooüdrov Ev dAlym 1p0vw@ dıdakeı 270) ueyailc noayuare.
64, 5,4. — djlov yag: wie ‚kurz Wiederholung der eigenen Worte
vorher xaAog yde, worauf &v Be- zug nimmt. —
. allg unv: s. zu 4490. — BovAsı ovv... Bauev: über den deliberat. Conj. s. zu 447c. Oft wird das fragende ßovAsı (oder bei mehreren Povlec#e) ohneVer- bindung mit dem übrigen Satze, gleichsam wie ein Adverb. voran- gestellt. Kr.54,2,3. vgl. zu Prot. 317c. — zude... Öyloıg:
des Gorgias (in b). — Öj40» dy- zov: über Ö7jAo» ohne dorl ». zu 448c; über dnnov 8. zu 447 d. — Or... zıorevsww: die Er- gänzung liegt in den Worten der Frage, also: örı ravımv 9 ned roLei, BE ng TO nioTeday yiyveraı üvev Tod eldevaı. — 455. rzıorevrınng: glaubenme- chend. — „ regt: C. 90. Kr. 68, 4,1. — dv Ödvaızo: s. zu 452
98 NAATANOZ
TOP. Ov Ira.
455A
.-
ZN. Deos dn, Idmuev ri mors za) Adyonsv ‚zegl1V Brig Öntagınis' eyo usv rag To 000 aurog za Övva- wa xaRTavondeL 0 Tı Ayo. OTav Xsgpl largev aigdosas q 77 noAsı OvAdoyog 9 KEgl vevanyav n megl &AAov zıvög Önuiovgyınod Edvovg, KARO Tu N Tore 6 6nTogi- x0g 00 Gvußovisvoe; ÖNjAov yap Otı Ev Exnaarn aige- ss TOV veyvınadrarov Ösi algsiodhear. 0Vd’ Orr Teıyav zepl olxodonmoEw@s N AupEvov AUTOONEVNS 7 veopiov,
aAA ol apyırenzoveg'
0V0” KV Orav srgarnyav aio:-
GR mE N Tabsug Tuvog güg molsulovg 7 XwpLav Cxaraindsog Ovußovin 7» AAN ol Grgaınyıxol TOTE Gvu-
b.— tocovrov: Man beachte die Gegensätze Tooovzov, ollyo, 0dTw ueydic. — 00 Öjza: 8.zu 449 e. —
o8os dn: ganzgleichbedeutend mit idı ön. 8. zu 449 d. — Ti note nal Aeyowev: was wir denn eigentlich sagen. x«l bei einem Interrog. dringt auf genaue Be- stimmung des fraglichen Begriffs. Kr. 69, 32, 16. —
B. eo) larowv aig&oewg: In vielen griechischen Städten waren Aerzte vom Staate mit einer be- stimmten Besoldung angestellt (largol Önuooıevovreg). Sie wur- den vom Volke gewählt. — «4- Aov tivög Önuiovpyınod Edvong: Die baegot wurden auch als ön- Wovgyoi angesehen. Odyss. 0; 382. wis yag Ön geivov nalei eb un car ol Önnosgyol
19, Wowzıw n Insjga nanav N tenzova dovgw», 7 nal DE- onıw aoıdov #. 3. A. Edvog be- deutet an einzelnen Stellen, Pla- tons ‘eine bestimmte Klasse. So- phist, 242 d. 6 ’Eiserınov 89- vog, “die.Eleatische Philosophen-
schule” Polit. 290 b. 0 xnovxi- noV Evo = 0b unovuss. —
&llo u: “nicht wahr 5’ nonne. C. 608. Kr. 62, 3, 7. Der Nach- drück liegt bei ‚Elo ri (nänl. Eozı, yiyvaraı) 7 auf dem zwei- ten Gliede; daher lassen diese Fragen immer Bejahung erwar- ten. vgl. Prot. 358 , — 6 &7- togınög (erg. dvnne, das unten 461 b beigefügt ist), der sich auf die Redekunst versteht, daher oft so ziemlich gleichbedeutend mit 6 Önrag selbst. — reızarv megl olnodounoswg: die Bedeutung von ofxodoungoıs ist in solchen Verbindungen eben so verallge- meinert, wie wenn man im Lat, schreibt aedificare navem. Kr. 46, 6, 7. —
venpiwv: vengıov (von Platon nur im Piur. gebraucht) Hallen an der Seite der Häfen, sowohl um Schiffe darin zu bauen oder auszubessern, als sie für die Win- terszeit dorthin ins Trockne zu bringen. —
‚©. ai orparnyırol: die sich auf die Heeresführung verstehen;
155 E TOPTIAZ. 09
BovAsvaovaıv, ol 6nropıxol Öd 00° N ng Adyaıs, © Togyla, ra rorwüra; Erneidn yap adrog Te ps Önroe . eivaı za) GRAovg morsiv byrogexovg, 8d Eyes rd ig 05 reyvns nuoa Jod nuvdaveodaL. nal Eub vüV vo- uoov xal To 009 Onsvdew‘ 'lomg yap xal Tupyaveı rıs av Evdov Ovrav uadnıns sov BovAousvog YE- veodaı, @s &yo Tıvag 0y8d0v al vrvoog alodavouaı, o? laws alsyvvovı’ &v 0E avspdodaı‘ Um. Euod oUVD AVEOWTWUEVOS vouıdov xal Tr Enslvav avsomraocdear zi zuiv, & I'ooyie, Zoraı, ddv 001 svvousv; neol Ti- vov Mn noAsı ovußovisvsw ololrs &oowsda; MoTEpoV zeol Öınalov uovov xal Adixav N nal neol -Wv vor dn Zwxodıng EAsye; neie® 00V adrois anoxelveoda:. TOP. ’AAR &yo 001 neıpdasouc, & Zwxgerss, da- yos amoxaAvpaı Tv Tüg Önrogınng Övvanıv ünacav' aUTOS yap naAus Upnyico. 0l0oda yap ÖnnNov Or ra vegie Tadra anal ra rein ra Adnvalov al N TOVE Auuevov xaraoxevun &n ns Osuiaroxikovg ovußoving
vgl. das oben bei dnrogınog Be- merkte. — ovußovisvoovaıv: du wirst finden, dass dann die... . Rathgeben; daher'dasFut. Eben so vorher ovußovievası. — wv- zog - . . Önrogınong: 449 a, b. — TE Ts ng Teyung: 8. zu 450 c. — Tö 00V onevdsıv: rem tuam agere. Ueber den Inhalts- acc. bei dem intrans, omavdeıv 3. Kr. 46, 6,3. vgl. Prot. 361 b. Krit. 45 c. — rov Evdov övrov: 8, zu 447 c. ‘der Anwesenden, der versammelten Gesellschaft. vgl. Prot. 317 c. — oysdov:, gehört zu aloParoucaı. nal corrigiert “und zwar. vgl. Apol. 23 a. ollel plv antydeınl uoı yeyovası Aal olaı yalenararaı nal Bagvre- tat. Kr.69, 32, 2. Vgl. im Lat. et und atque (Nägelsbach laı. Stilist. 2. Ausg. 8.539), — of
lowg: Beachtenswerth für den un- gezwungenen Conversationston ist die baldige Wiederholung des ?- 008. —
D. aloyvvovı’ &v: 8. zu 452 b, — ovvausv: ovveivaı ist ter- min. techn. vom Verkehr zwi- schen Schüler und Lehrer. Prot. 313 b. Apol. 19 e; 25b, eu. ö. Vgl. ovyyiyveodaı, ovvöıargi- Bew. — olol ze 8oousda: s.zu 4520. — meol wv: 8. zu 448 d. — al yo: 8. zu 449: — VÖ- pnynoo: “du hast den Weg rich- tig’ gezeigt. Kr. 54 e; vgl. die Ausdrücke dos, u&Nodog von den Verfahren in wissenschaftli- chen Untersuchungen. — oled« yag dnmov: über yao 8. zu 454 d; über dnnov 8. zu 447d. —
'E. t& veogie . . . Ilsoınie- ovg: Themistokles legte den Ha-
456
30
yeyove, t& Ö° Ex züg IlsgıwAsovg, AAN ou &u rav Ö1-
kLoVoYoV.
ER. Adysraı taüre, & Topyla, xepl Qepıoroxkt- ovg‘ Ilsgıxkdovg OF nal autos Mxovov Orte ovveßov- Asvev Hulv XEpl Tod Jıa MEOov Teigovg.
TOP. Kal Orav y& rıs aipscıs 7 av,dn ov Eleys, & Zuixpmreg, Opäs ori ol Grrogss eloıv ol avußov- Asvovrsg Hal ol vındvreg rag