»^;v-^ •f ■■ »/^^ .f 'A' V *H - -^-V 'i'^.r • *»» •^.. "• 7<.'i'!^;'»v,v. ; "" SÄ,. f-»-' . ■ ), ^;5< ■,y^^.?4 m^^ UNIVERSITV ,^^ :^.v^ \n QV' ' T %A^ '^^^ ^..%A , fr< ,-.'*t K~^*S-' ^-^^ ,'?-^-/^ ^>^>.9- >rS.^ •. ^ ■J " Vi ,^ ^^; >f;^. \<^\ ^^.^■-^ /V ^v ^,,/ ^^■:rc^^ ii-^-^ .-<\- ^/^ .'VA©* » Jt-.A^, . .-/I^^ '^ .>fc^vv> ^■'#.^^ne.i <#■ -^ .r^^J^ ai;a^/' *^i ^/> r - ; "'^^v ■" ."f "'?, »^.,'i: - ^!^^f .. -^v / Jß i. Weigand Deutsches Wörterbuch Erster Band A bis K ic:\v3\. -1-/ Deutsches Wörterbuch von Fr. L. K Weigand Fünfte Auflage in der neusten für Deutschland, Österreicli und die Schweiz gültigen amtUchen Rechtschreibung Nach des Yerfassers Tode vollständig neu bearbeitet von Karl von Bahder Herman Hirt Karl Kant a. 0. Prof. a. d. (iiiv. Leipzig a. o. Prof. a. d. Univ. Leipzig Privatgelehrtem in Leipzig Herausgegeben von Herman Hirt Erster Band A bis K Ter lag von Alfred Töpelmann (vormals J. Rick er) Gießen 1909 Druck von C. G. Röiler G.m.b.H., Leipzig; Vorwort zur fünften Auflage. F. L. K. Weigands Wörterbuch hat eine lange Geschichte. Es ist ur- sprünglich eine Bearbeitung des „Kurzen deutschen Wörterbuchs für Etymologie. Synonymik und Orthographie'' von Friedrich Schmitthenner, 1834, 2. Aufl. 1837 gewesen. Aber wie schon Jacob Grimm dem Verfasser schrieb: ..In Ihrem -Wörterbuch ist nicht mehr Schmitthenner, sondern bloß Weigand", so war es in der Tat, und so durfte und mußte mit Recht dieser Name auf dem Titel stehen. Das Werk hat dann zu Lebzeiten des Verfassers, dank dem aus- gezeichneten Inhalt, drei Auflagen erlebt; während des Druckes der vierten starb der Verfasser, es konnten aber noch die zahlreichen in seinem Xachlaß vorgefundenen Notizen für die neue Auflage benutzt werden. Daß es sich bei einer weitern Auflage nicht nur um einen etwas ver- besserten Abdruck handeln konnte, sondern, daß den Fortschritten der Wissen- schaft entsprechend eine gründliche Umarbeitung stattfinden mußte, war dem Verleger klar. Leider hat diese manche Schwierigkeiten gehabt. Zunächst hatte sie Prof. v. Bah der übernommen. Er hat nach mehrjährigen Vorarbeiten, die in umfangreichen Sammlungen bestanden, A bis Fleckeil geliefert und diesen Teil auch später bei der Drucklegung noch einmal durchgearbeitet. Dann ist, da er die Arbeit im Jahre 1896 aus Gesundheitsrücksichten aufgeben mußte, Dr. Kant, der längere Zeit neben Hildebrand am Deutschen Wörterbuche gewirkt hatte, eingetreten, und dieser hat die weitern Teile bis stark im Manuskript fertig- gestellt (init Ausnahme des Buchstaben P). Leider hat Dr. Kant das Werk nicht so fördern können, wie man wohl hätte wünschen müssen. War doch das Buch schon seit langem vergriffen, und der Wunsch nach einer neuen Auflage dringend. Meine eigene Tätigkeit hat »lamit begonnen, daß ich mich auf Wunsch von Prof, v. Bahder und auf Veranlassung des Verlegers im Jahre 1902 verpflichtete, den etymologischen Teil des Werkes durchzusehen und zu er- gänzen. Es war dies um so mehr unbedingt nötig, als Dr. Kant auf dem Gebiete der indogermanischen Etymologie kein Fachmann war. Unter diesen L^m.ständen hat der Satz begonnen. Bald darauf mußte aber auch Dr. Kant von der Überwachung der Herau.sgabe und der weitern Bearbeitung zurücktreten. Da ich bei der Bearbeitung der Etymologie und der Durchsicht des fertigen Manuskriptes den hohen Wert des bisher Geleisteten kennen gelernt hatte, so habe ich mich unter diesen Verhältnissen, namentlicli VI Vorwort. um das Neuerscheinen des Weigand nicht wieder auf unabsehbare Zeiten zu verschieben, und um das bisher Geleistete bald zugänglich zu maclieu, ent- schlossen, im Einverständnis mit Prof. v. Bahder in die Bresche zu treten, und meinerseits die Herausgabe und Fertigstellung des Werkes zu übernehmen. Ich war mir sehr wohl bewußt, daß ich dadurch auf Jahre hindurch von mir lieb gewordenen Ar])eiten Abschied nehmen mußte, aber ich habe das gern getan, weil ich auch der Wissenschaft einen Dienst zu leisten glaubte, wenn ich den Weigand wieder allgemein zugänglich machte. Durch diese verschiedenen Hände, die an dem Werke beteiligt sind, mögen namentlich im Anfang einige Ungleichmäßigkeiten in das Werk ge- kommen sein, die indessen, wie ich bestimmt glaube, seinem Wert keinen Ab- l)ruch tun. Im übrigen ist meine Arbeit an dem fertigen Manuskript im Laufe der Zeit immer stärker geworden. Ich habe es, namentlich in den Teilen, die Dr. Kant bearbeitet hat, noch einmal gründlich durchgearbeitet, Artikel ver- ändert und nach bestem Ermessen gestrichen und zugesetzt, und diese Arbeit wird vermutlich in den spätem Teilen immer noch zunehmen. Trotzdem wird vielleicht doch manches stehen bleiben, was, wenn ich es selbständig gemacht hätte, anders ausgefallen wäre. Während anfangs die Xeuausgabe in einem Bande geplant war, hat es sich jetzt doch als wünschenswert herausgestellt, sie in zwei Bände zu teilen, namentlich da dies bei künftigen Auflagen, wo der Umfang wohl noch wachsen wird, doch nötig geworden wäre. Außerdem ist es dadurch möglich geworden, schon jetzt das Verzeichnis der Abkürzungen und die Angaben über die Ein- richtung des Werkes zu geben. Auch die Benutzung des nunmehr abgeschlos- senen bis zum Schluß von K reichenden ersten Bandes wird in gebundenem Zustand angenehmer sein als in den Lieferungen. Nach Erscheinen der einzelnen Ijieferungen sind mir von den verschieden- sten Seiten Ergänzungen und AVünsche mitgeteilt Avorden. Sie sind, soweit es möglich war, benutzt worden, und ich kann den Schreibern hier nur meinen besten Dank aussprechen und die Bitte hinzufügen, mich durch weitere Mit- arbeit zu unterstützen. Über die Ziele und Einrichtung des Buches sei nun noch zum Teil unter Wiederholung des im Vorwort früherer Auflagen ausgeführten, folgendes bemerkt; 1. Weigands Werk war das erste, das die Etymologie genügend berück- sichtigte, und es hat sich dadurch hauptsächlich sein Ansehen erworben. Dieser Teil mußte natürlich besonders gründlich erneuert werden, um den Anforde- rungen der Zeit zu entsprechen. Man kann das sagen, ohne Weigand zu nahe zu treten, dessen etymologischen Scharfsinn und Takt man nur bewundern kann. Die Bearbeitung der Etymologie rührt, soweit andre indogermanisclie Sprachen heranzuziehen waren, von mir her. Mir schien es nun ein unabw^endbares Be- dürfnis zu sein, auch die Literatur der etymologischen Forschung anzuführen. Die Rücksicht auf den verfügbaren Raum gebot mir aber, mich kurz zu fassen, und so habe ich mich bemüht, solche Stelleu zu geb^n, wo Aveitere Literatur über die betreffenden Fragen zu finden oder wo ausführlich über die betreffende Etymologie gehandelt ist. Insbesondere genügten oft die Hinweise auf Waldes l Vorwort. VII vortreffliches lateinisches etymologisches Wörterbuch. Vollständigkeit konnte schon wegen des Raummangels nicht durchgeführt werden. Die Etymologie wird freilich immer ein Feld bleiben, auf dem man oft nicht zur Sicherheit kommen kann. Bei der Aufklärung der aus dem Orient entlehnten Wörter hat mich mein Kollege Prof. Stumme auf das dankenswerteste unterstützt. 2. Was die aufgenommenen Wörter betrifft, so enthält das Werk die gegen- wärtigen gangbaren Wörter des neuhochdeutschen Sprachschatzes mit der durch den Umfang des Buches gebotenen Beschränkung, besonders in Hin- sicht der Ableitungen und Zusammensetzungen. Neben diesen gangbaren AVörtern aber hat Weigand eine große Zahl von weniger üblichen und seitnern, die in Luthers Bibelübersetzung und bei den mustergiltigen Schriftstellern aus der Blütezeit der neuhochdeutschen Literatur, namentlich bei Schiller und Goethe, sich finden, aufgenommen, auch bezeichnende, und zumal hier und da in Schriften vorkommende mundartliche Wörter. In dieser Beziehung kann man, glaulje ich, in einem solchen Werke gar nicht weit genug gehen. Schon Prof. v. Bahder und Dr. Kaut haben sehr viel nach dieser Richtung hin getan. Ich selbst habe, namentlich in den spätem Lieferungen, noch manchen in der norddeutschen Umgangssprache üblichen Ausdruck hinzugefügt, wobei das reichhaltige Wörter- verzeichnis im Buchdrucker-Duden dankbar benutzt wurde. Das Verbreitungs- gebiet derartiger landschaftlicher Wörter ist nach ^Möglichkeit mit Heranziehung der Idiotika gegeben worden, ohne daß freilich Vollständigkeit erzielt werden konnte. Auf eine Angabe der Werke, aus denen geschcipft wurde, ist meist ver- zichtet worden, da die unten gebotene Liste (S. XI) die Quellen angibt. Die Aufnahme der Fremdwörter wird stets eine Schwierigkeit bleiben, da man dem einen zuviel, dem andern zu wenig bietet. Immerhin wird man Ijemerken, daß je länger, je mehr Fremdwörter aufgenommen sind, und es wird das Buch auch nach dieser Richtung hin nicht im Sticli lassen. Die Zeiten sind ja glücklicherweise vorüber, in denen man die Fremdwörter in der Geschichte der deutschen Sprache ungestraft vernachlässigen zu können glaubte. Weigand hat auch die Vornamen berücksichtigt und auch oft eine Er- klärung versucht. Da es meine feste Überzeugung ist, daß die alten Namen keine bestimmte Bedeutung gehabt haben, so habe ich diese Erklärungen ge- strichen, und hätte am liebsten die Namen überhaupt fortgelassen. Da dies aber nicht mehr angängig war, so sind wenigstens keine neuen melir aufge- nommen worden, und man hat infolgedessen einige vermißt. „Übrigens herrecht bei allen verzeichneten Wörtern alphabetische Ord- nung, und dieselbe wird selbst in den den Wurzel- und Stammwörtern gleich beigefügten abgeleiteten und zusammengefügten Wörtern nicht gestört, ausge- nommen, daß die abgeleiteten zuerst stehen und dann die zusammengesetzten." Man suche also Ableitungen und Zusammensetzungen unter dem Grundwort. Doch ist durch häufige Verweise an der richtigen alphabetischen Stelle dafür gesorgt, daß man ein Wort auch dann findet, wenn man den obigen Grundsatz nicht beachtet. 3. Weigand hatte die Bezeichnung der Betonung durch den Akzent {/), in Wörtern, die den Ton nicht nach deutscher Weise auf der Stammsilbe tragen, durchgeführt. Ich habe es gleichfalls getan. Da dies aber anfangs nicht be- YJJJ Vorwort. absichtigt war, so fehlt es im Buchstaben A und im Anfang von B. Die Wörter auf -ieren haben, da sie stets auf dem i betont sind, keinen Akzent bekommen. Ebenso habe ich die Länge der Vokale in deutschen Wörtern, wo diese nicht durch die Regeln der Rechtschreibung von selbst gegeben ist, nach den Vorschriften der deutschen Bühnenaussprache, vgl. Siebs Deutsche Bühnen- aussprache, 2. Aufl. 1901, durch einen - bezeichnet, allerdings auch nicht gleich vom Anfang an. Eingeklammerte Buchstaben bedeuten, daß die Schreibung mit ihnen und ohne sie erlaubt ist, z. B. Kram(me)tsvogel heißt, man kann Kramtsvogel und Kramnietsvogel verwenden. Was die sonstige Umschreibung der fremden Sprachen betrifft, so habe ich für das Indische, Awestische, Altbulgarische, Russische, Litauische, Lettische, Armenische und Albanesische die einheitliche L^mschreil)ung der fremden Alphabete durchgeführt, wie ich sie Lidogermanische Forschungen 21, 145 ff. schon im Hinblick auf dieses Werk vorgeschlagen habe. Es bedeutet also: 1. ~ die Länge des Vokals. Nur in althochdeutschen und mittelhochdeutschen Worten ist ^ beibehalten worden. 2. ' und ^ auf einem Vokal bezeichnen die Stelle des Haupttons. 3. ' hinter einem Konsonanten drückt die PalataHsation (Erweichung) aus. 4. Abgesehen von den deutschen Dialekten bezeichnet s den stimmlosen Zischlaut (deutsch SS, ß), z den stimmhaften (deutsch s), s den scha-, z den entsprechenden stimm- haften Laut (franz. §), c ist gleich ts, c = tsch, j == dsch. 5. Die sonstigen Sph-anten sind durch ß (engl, stimmloses th), ä (der entsprechende stimmhafte Laut), / und b (deutseh iv), x und y (deutsch cli und ndd. gr) bezeichnet worden. 6. )d = dem gutturalen Nasal, deutsch ng. 7. ^ unter einem Vokal z. B. a^ drückt die 'Nasalierung aus, franz. on. 8. d ist ein unbestimmter Vokal (sog. schwa). 9. Im Litauischen bezeichnet ' den Stoßton: * auf Diphthongen, ' auf einfachen Längen den Schleifton. 10. Im Indischen bezeichnet ein . unter dem Konsonanten, z. B t die Zerebrali- sierung; g ist ein palataler Zischlaut, der etymologisch einem k entspi'icht. 4. Die Biegung der Wörter ist angegeben worden, bei den männlichen und sächlichen Substantiven mit Angabe der Endung des Genitivs im Singular und des Nominativs im Plural, bei den weiblichen bloß des letzten, bei dem Pronomen, wo es nötig schien, durch alle Kasus des Singulars oder des Plurals, bei den starken Verben mit Anführung der Hauptformen, sowie des Präteri- tums im Konjunktiv oder des Imperativs, und bei den schwachbiegenden nur dann, wenn ihre Unterscheidung von gleichlautenden starkbiegenden hervorzu- heben war. Die Steigerung der Adjektive und Adverbien ist stets angegel)en, wo sie in derselben den Umlaut bekommen, aber auch sonst gelegentlich angeführt. Wie schon in den frühern Auflagen ist auch in dieser auf die Entwicklung der neuhochdeutschen Wortbiegungen hingewiesen; diese Beiträge zu der immer noch fehlenden historischen neuhochdeutschen Grammatik werden willkommen sein. 5. Die Rechtschreibung ist natürlich die heute durchgeführte einheit- liche, und zwar geben die fettgedruckten Wörter diese wieder. Doch sind am Vorwort. J5[ Anfang die Abweichungen der bayrischen und österreichischen Schreibung, so- wie erlaubte Doppeischreibungen noch nicht regelmäßig mit angeführt worden. Später ist dies unter ausdrücklicher Hervorhebung der amtlichen Schreibung nach Dudens Orthographischem Wörterbuch geschehen. 6. Weigand hat außer auf die Etymologie besonderes Gewicht darauf gelegt, das erste Auftreten eines Wortes nachzuweisen. In diesem Punkt ist die neue Auflage dank den umfassenden Vorarbeiten Prof. v. Bahders, die sich auf das ganze Werk erstrecken, dank der Belesenheit Dr. Kants und infolge der Fortschritte, die das Grimmsche Wörterbuch in den letzten 30 Jahren ge- macht hat, über das von Weigaud geleistete hinausgekommen. Xatürlich werden eine Anzahl der angeführten Belegstellen mit der Zeit noch durch ältre ersetzt werden können, weil eben hier das Wort gilt: dies diem docet. Ich selbst habe, da ich eine Reihe bisher unbenutzter Werke einsehen konnte, manchen Beleg, der früher war als die bisher bekannten, anführen können. Die Weiland sehen Zitate sind natürlich, soweit sie wichtig waren, bewahrt worden. Bei der Um- schreibung dieser auf die neuern, jetzt maßgebenden Ausgaben — eine müh- same und zeitraubende Arbeit, die ich z. T. erst durchgeführt habe, — hat sich aber herausgestellt, daß sie nicht in allen Fällen zuverlässig waren, z. T. haben sich bei der Drucklegung der vierten Auflage Druckfehler gegenüber der dritten eingeschlichen, z. T. aber müssen direkte Versehen vorliegen. So waren einige Zitate bei H. Sachs nach den alten Ausgaben nicht auffindbar. Ich habe sie aber in [] stehen lassen, weil vielleicht ein andrer den Fehler ermittelt, der hier vorliegt. Ebenso ergaben sich bei dem Xachschlagen der Zitate, die Kant vielfach ohne Nachprüfen dem Grimmschen AVörterbuch entnommen hat, nicht nur unauffindbare Angaben, sondern auch direkt falsches, was natür- lich beseitigt wurde. Seitdem ich dieses bemerkt habe, ist der Nachprüfung der Zitate eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet Avorden, so daß nunmehr alles, was nur irgend zugänglich ist, nachgesehen werden wird. Nachträglich wird dies auch noch für die frühern Lieferungen geschehen, und es werden etwaige Fehler am Schluß berichtigt werden. Für den Nachweis irgendwelcher Versehen bin ich sehr dankbar. Im übrigen hat sich natürlich die überwiegende iSfcnge der Anführungen als richtig ergeben. 7. Ein weitrer Vorzug des Weigand bestand in der genauen Angabe der Bedeutungen des Wortes. Hierbei hat Weigand meist auch die der gewöhn- lichsten Wörter angegeben, was nur durch etwas schwerfällige Umschreibungen möglich war. Man kann zweifeln, ob eine Erklärung des Auges als ^ Seh Werk- zeug des menschlichen und tierischen Körpers" nötig ist; da aber die Bearbeiter diese Eigentihnlichkeit Weigands beibehalten haben, so konnte ich nicht davon abgehen. Mancher wird vielleicht auch eine eingehendere Darstellung der Be- deutungsentwicklung vermissen. Da aber die meisten heutigen Bedeutungen, die selbständigen durch ; getrennt, außerdem die mittel- und althochdeutschen genau angeführt sind, so wird man sich bei einigem Nachdenken die Be- deutungsentwicklung leicht klar machen können. — In den Ansichten über die Bedeutungsentwicklung scheint sich indessen gerade heute ein prinzipieller Fort- schritt zu vollziehen, und daher ist es vielleicht ganz gut gewesen, daß mit einer y Vorwort. gänzlichen Umarbeitung dieses Punktes noch gewartet wurde. Der Kundige wird erkennen, daß bei der Zurückführung auf die vorgeschichtlichen Sprach- stufen nur selten die früher so beliebten allgemeinen Bedeutungen der Wurzeln angenommen sind, j Das Nacharbeiten und Durcharbeiten des fertigen Manuskriptes ist jedenfalls mühsamer und undankbarer gewesen, als die eigne Arbeit sein wird. Vorläufig muß ich es mir gefallen lassen, daß das Lob für den Weigand den beiden andern Bearbeitern dieses Bandes zuteil wird, der Tadel aber auf meine Schultern fällt. Ich werde das im Bewußtsein dessen, was ich an dem Werke getan habe, zu ertragen wissen. In Druck und Format hat sich die neue Ausgabe dem heute üblichen angeschlossen. Trotz allem, was bisher angeführt worden, ist die neue Auflage des Weigand eben doch der Weigand geblieben. Möge sie sich in der neuen Form die alten Freunde bewahren und viele neue gewinnen. Die weitern Lieferungen werden, wie ich bestimmt glaube, in demselben Zeitmaß wie bisher erscheinen können, so daß der zweite Band am Schluß des nächsten Jahres fertig vorliegen wird. Leipzig, im Fel)ruar 1 909. H. Hirt. Angeführte ünelleii. Das Yei-zeichnis i-utliält dit- wichtigsten Quellen, soweit sie nicht im Text selbst ausführlich bezeichnet sind. Bei vielen altem Werken, die kurz angeführt sind, gibt Goedekes Grundriß (s. n.i genauere Auskunft. Das Weigandsehe Verzeichnis zur 4. Auflage ist im •wesentlichen wieder abgedruckt. Was Prof. v. Bahder benutzt hat, hat er mir kurz angegeben. In bezug auf die Kantischen Angaben war der Herausgeber auf die Sammlung aus dem Manoski-ipt angewiesen. Es kann daher einiges übersehen sein, was am Schluß des 2. Bandes leicht nachgeholt werden kann. Dr. Kant hatte aber die Güte, die Korrektur durchzusehen und seine Ausgaben genau festztistellen. H. Hirt. Abraham a Santa Clara Sämmtliclie Werke. Passau 1835 ff. Auch nach den ersten Drucken. Adelung Versuch eines vollständigen gram- matisch-kritischen 'Wörterbuches der hoch- deutsciien Mundart. Leipzig 1775 — Sd Zweite Auflage 1793—1801. Adrian ilitteilungen aus Handschriften und seltenen Druckwerken. Frankfurt 1846. AfdA. = Anzeiger für deutsches Altertum. Agricola oder Georg Agricola, Beschrei- bung des Bei-gwerks. Basel 1557. Bermannus sive de re metallica dialogiis. Basileae 1530. 1546. Ahd. Gl. = Althochdeutsche Glossen, hrsg. von Steinmeyer und Sievers. Berlin 1879 fg. Albertinus Der Kriegßleut Weckuhr. Mün- chen 1601. Landstörzer. München 1615, 1616. W^eiblicher Lustgarten. 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Historien 1585. Münchhausen Reisen. Münster, Coämographey 1567. 1628. Murner, Geuchmatt, hrsg. von Uhl. Luthe- rischer Narr. hrsg. von Kurz. Schelmenzunft. Narrenbeschwörung nach den Neudrucken. M usäus, .Johann Karl August, Volksmährcheu der Deutschen. 5 Teile. Gotha 1787. 1804. 1826. Moralische Kinderklapper. Ebd. 1788. Der deutsche Grandison 2 Teile. Eisenach 1781 f. Physiognomische Eeisen. 4 Hefte. Altenburg 1788. Mtiskatblut. Lieder. Hrsg. von E. v. Groote. Cöln 1852. Myst. = Mystiker, hrsg. von Pf eiffer. Leipzig 1845—57. Nas, J., Practica Practicorum. 1571. ndl. 1598. 1599. = Kilian. Nehring, Joh. Christoph, manuale juridico- politicum diversorum tenninorum vocabu- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. loruni usw. Frankfurt u. Leipzig 1694. 1697, 1710, 1717. Nemnich, Wörterbücher der Naturgeschichte. Hamburg 1798. Polyglottenlexikon. 1793—95. Neues Teutsch-Frantzösisch-Lateinisches Dic- tionarium oder Wort-Buch. Genf, in Ver- legung Wiederhol ds 1669. Auch Wieder- holds Dicionarium genannt. Neues Dictionarium oder Wörter -Buch Für einen Reisenden. Teutsch-Frantzösisch- und Lateinisch. Genf 1683. Eine neue mit erst aufgekommenen Wörtern vermehrte Auflage erschien ebd. 1695. Neukirchs Sammlung = Herrn von Hoff- mannswaldau und anderer Deutschen auser- lesener . . . Gedichte erster Teil. Leipzig 1697. Dann noch 5 Teile 1703—27. Nib. oder Nibel. Nibelungenlied. Ausg. von Karl Lachmann. Nicl. V. Wyle s. Wyle. Niebergall, Ernst Elias, des Burschen Heim- kehr, oder: der tolle Hund. Lustspiel in vier Aufzügen. Li der Mundart der Darm- städter, Worms, 1837. Niebergall schrieb unter seinem Studentennamen Streff. Nieremberger, Benedikt Friederich, Deutsch- lateinisches Wörterbuch. Kegensburg 1753. Nomenciator Latinogermanicus novus. Ex optimis quibusque authoribus, juxtu vaiias rerum classes digestus. Tiguri 1556. Von Frisius (s. d.). Von S. 149a— 203b ist ein Nomenciator Germanicolatinus beigefügt. Noreen, Urgermanische Lautlehre. 1894. Notariat und teutsche Khetorik. 1565. Notker, Ps. = Notker Psalmen. Notker Boethius, Martianus Capella, aristo- telische Abhandlungen, die Ausgabe von Graff. Nouveau dictionnaire AUemand-Franfois. Straß- burg 1762. Nürnberger Polizeiordnungen, hrsg. von Baader, Stuttgai-t 1861. Oheims Chronik von Keichenau. hrsg. von Barack. Stuttgart 1866. Olearius, Adamus, newe orientalische Eeise- beschreibung. Schleßwig 1647. Angehangen mit eigner Seitenzahl ,.Ein Schreiben des Wol Edlen, Gestrengen und Vesten Hohen Albrecht von Mandelslow". Schleßwig 1645. Moskowitische und Persianische Keisebe- schreibung, Hamburg 1696, darin: Persiani- sches Eosenthai. Persianischer Baumgarten. Ölinger. Albert. Vnderricht der Hoch-Teut- schen Spraach (Grammatica). Argento- rati 1574 am Ende 1573), zitiert nach dem alten Druck, dessen Seitenzahlen im Neu- druck von W. Scheel Halle a. iS. 1897 ange- geben sind, z. T. auch übertragen. Opel und Cohn. Der dreißigjährige Krieg. Eine Sammlung von historischen Gedichten. Halle 1862. Opitz, Martin, opera poetica 1629. Amst. = Amsterdam. I. 1646. TL. 1646. JH. 1645. Das Buch von der teutschen Poeterey. Nach dem Neudruck bei Braune. Ein paar Mal nach Witkowski. Ordnungen, s. Eeichsordnungeu. b XYIII Quellen. Orthographisches Handbuch. Bonn 1873. Ortnit, Im deutschen Heldenbuch III. Osthoff Etymologische Parerga. Leipzig 1901. Oswald V. AVolkenstein , hrsg. von Schatz, Göttingen 1904. Otfr. Otfried, Evangelienharmonie (Krist), Ausg. von Kelle. Eegensburg 1856. Ottokars österreichische Reimchronik, hrsg. von Seemüller. Hannover 1890. Overbeck, Vermischte Gedichte. Lübeck 1 794. Paracelsus, Opus chirurgicum. 1565. Passional, s. Hahns Passional und Köpke's Passional. Passionsspiel, s. Alsfelder Passionsspiel und Eriedberger Passionsspiel. Paul, Jean, Sämmtliche Schriften. Berlin 1826 f. Auch nach den ersten Ausgaben. Pauls Grd. = H. Paul Grundriß der germani- schen Philologie. PBrBtr. s. Btr. Pegius Dienstbarkhaiten. Ingolstadt 1559. Persianischer Baumgarteu. Hambg.1696. Ein Teil des Werkes von Olearius, s. d. Peypus. Nomenclatura rerum domesticarum. Norimb. apud Er. Pe3'pus. 1530. Pfeffel poetische Versuche. Basel 1789— DO. 4. Auflage. Tübingen 1802—9. Pf ist er, Chattische Stammeskunde. Kassel 1880. Picander, emst-, schertzhaffte und satyrische Gedichte. 5 Bände. 1727—51. Pistorius thesaurus paroemiacus 1716. Platen, Aug. von, gesammelte Werke. Stutt- gart 1843. Platter, hrsg. von Boos. Leipzig 1878. Pomey (Pomai), Franciscus, Das Grosse König- liche Wörterbuch, I. Teutsch-Frantzösisch- Lateinisch. Frankfurt am Majni 1690. Etliche Beschreibungen (diverses descriptions) , als Anhang zu „11. Frantzösisch-Lateinisch- Teutscla'-. Auch 1709, zitiert als Grand dict, Prätorius Mägdetröster 1663. Preciosa, s. Wolff. Pudor, Christian, der Teutschen Sprache Grundrichtigkeit und Zierlichkeit. Colin an der Spree 1672. Raben er, Gottlieb Wilh., Satiren. 4 Teile. Leipzig 1755. 1766. Rabenschlacht, im deutschen Helden- buch III. Rachel Sat. = Joachim Rachels Satyrische Gedichte hrsg. von K. Drescher. Halle 1903. Rädlein, europäischer Sprachschatz. Erster Teil. Leipzig 1711. Ramler, Karl Wilhelm, poetische Werke. Berlin 1800 u. 1801. Gedichte. Berlin 1779. Rauwolff, Beschreibung der Raiß ... in die Morgenländer. Laugingen 1582. Rebhun,P. Susanna. Zwickau 153G. Dramen, hgb. von Palm. Stuttgart 1859. Regel, Karl, die Ruhlaer Mundart. Weimar 1 868. Das mittelniederdeutsche Gothaer Arznei- buch. Gotha 1872 f. Reichel, Eugen, Kleines Gottsched -Wiirtev- buoh. Berlin 1902. Reichsordnungen = des Heyligen Römi- schen Reichs Ordnungen. Worms 1536. 1539. Mainz 1579. Reinwald, hennebergisches Idiotikon. Berlin 1793—1801. Renner, s. Hugo von Trimberg. Reuter, Christian, nach den Neudrucken bei Braune, 1696 erste Fassung, 21696 oder 1697 zweite Fassung des Schelmufsky. Richey , Idioticon Hamburgense. Hamb. 1743, 1755. Richthofen, Karl v., altfriesisches Wörter- buch. Ringwald t. Christliche Warnung des Trewen Eckharts. 1590. Die lauter Wahrheit. 1586. 1598. Evangelia 1581. Robinson Crusoe, Leben und Begebenheiten des. Leipzig 1720. Vgl. Goedeke^ 3, 263. Röding, J. H., Allgemeines Wörterbuch der Marine. Hamburg 1793 ff. Rolle nhagen Froschmeuseler. Ein paarmal nach der alten Ausgabe von 1599 auf der Leipziger l'niversitätsbibliothek, dann nach Buch, Teil, Kapitel (Vers). Romanische Forschungen. R o n d e a u Neues Teutsch-FranzösischesWörter- buch. Verbesserte Auflage. Leipzig 1765. Rößlin Kräuterbuch 1533. Rost, Johann Christoph, Versuch von Schäfer- erzählungen 1744, Als vermehrte Aiiflage: Versuch von Schäfergedichten 1768. Das Vorspiel 1742. Rot, Simon, Ein Teutscher Dictionariiis, Augspurg 1571, 1572. Roth, J, F, , gemeinnütziges Lexikon, Neue Auflage. iSTürnberg 1791. Rothe Düringische Chronik, hrsg. von Lilien- cron 1859. rot\^elsch, s. Kluge. Rückert Poetische Werke. Frankf. a.M. 1868. Gesammelte Gedichte. 6 Bde. Erlangen 1834. Rüdiger Neuester Zuwachs der teutschen Sprachkunde. Leipzig 1782 — 93, Sachs, Hans, zitiert ohne Zusatz nach Keller, Ein paarmal sind alte Zitate AVeigands, weil nicht auffindbar, stehen geblieben. W. be- nutzte I, Nürnberg 1590, U. 1591. JIl. 1588. IV. 1578. V. 1579. Die Fastnachtsspiele und Fabeln und Schwanke auch nach den Goetze- schen Neudrucken (Halle, Niemeyer), zit, Fastn., Fab. S a c h s e n s p i e g e 1 . nd. hrsg. von Horae3'er, md. von Hildebrand. Salis, Gedichte. Zürich 1800. Sallust. übersetzt V. Pleningen. Worms 1513. 1515. Salomönis hüs, in Adrians Mitteilungen aus Handschriften usw. S. 417 — 455. Sattler Teutsche Orthographey. Basel 1607. 1616. Schaidenroisser Odyssea. Augsburg 1538. Schambach. Geoi'g, Wörterbuch der nieder- deutschen Mundart der Fürstentümer Göt- tingen lind Grubenhagen. Hannover 1858. Schede, Paul (Melissus), Die Psalmen Davids in teutischeGesangsrevmen. Haidelberg 1572 Quellen, XIX fauch in den Neudrucken Nr. 144 — 148, lirsg. von Jellinek, Halle 1896;. Scheible, Das Kloster. Stuttgart 1845. Das Schaltjahr. Stuttgart 1846. Scheibner Galant interprete. 1685. Seh ei dt Grobianus. Neudruck. Halle 1882. Schelmufsky s, Eeuter, Chr. Scherff er,W. Gedichte. 1652. Der Grobianer. Brieg 1640. Schiller, Friedrich von. Es sind die ein- zelnen Werke und Gedichte zitiert und die Stellen den ältesten Drucken oder Karl Goedekes kritischer Ausgabe entnommen. Die Braut von Messina wurde, weil ohne Abteilung in Aufzug und Auftritt, nach der Seitenzahl des ersten Druckes (Tübingen 1803) zitiert. Schiller Karl, zum Thier- und Kräuterbuche des mecklenburgischen Volkes. 3 Hefte (Pro- gramme). Schwerin 1861 — 1864. Beyträge zu einem mittelniederdeutschen Glossar. Schwerin 1867. Schiller undLübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch. Bremen 1875 — 81. Schiltberger. Hans, Beisetagebuch. Heraus- gegeben von Langmantel. Tübingen 1885. S chiltb ergers Keisen von 1394 — 1427. Hrsg. von Neuniann. München 1859. Schmeller* = Schmeller - Frommann, Bay- risches Wörtei'buch. 2. Ausgabe. München 1872. Schmid, J. Chr. v., schwäbisches Wörterbuch. Stuttgart 1831. Schmidel Reise nach Südamerika (1534 — 54). hrsg. von Langmantel. Tübingen 1889. Schmidt (Prediger zu Werneuchen), Friedrich Wilhelm August, Gedichte. Berlin 1797. Almanach romantisch -ländlicher Gemähide. Ebenda 1798. Almanach der Musen und Grazien für das Jahr 1802. Ebenda 1802. Schmidt Klamer Eberhard Karl, poetische Briefe. Dessau 1782. Neue poetisch. Briefe. Berlin 1790. Ohne Beisetzung des Namens erschienene Erzählungen aus der Geschichte der Actäontischen Nachkommen. Berlin 1789. Komische und Humoristische Dichtungen. Berlin 1802. Schmidt wQsterwäldisches Idiotikon. Hada- mar 1800. Schnabel, Ludwig, Wunderliche Fata einiger Seefahrer. I. Noi'dhausen 1731. IL Halber- stadt 1772. IIL Nordhausen 1739. IV.Ebd.l743. Soweit der Neudruck, die Insel Felsenburg, hrsg. von H. Ullrich vorliegt, danach ange- führt. Schönsleder , Wolfgang, promptuarium ger- manico-latinum. Augustae Vindelicoriun 1618. Monachii 1647. Dillingen 1663. Schöpf, tirolisches Idiotikon. Innsbruck 1866. Schottelius, Justus Georg, Teutsche Sprach- kunst. Braunschweig 1641. Die 1663 er- schienene dritte Auflage, auch bloß Schotte- lius zitiert, unter besonderem Titel, ,,aus- führliche Arbeit von der Teatschen Haubt- Sprache". Schrader, Otto, Eeallexikon der indogerma- nischen Altertumskunde. 1901. 1 Schröer Yocab., lateinisch -deutsches Voca- bular von 1420. Presburg 1859. Beitrag zu einem Wörterbuch der deutschen Mund- arten des ungrischen Berglandes. Wien 1857 bis 1859. Gottscheewer Mundart. Wien 1869. Schubart, Christian Friedr. Daniel, Gedichte, 2 Bde. Frankfurt a. M. 1787. Schulze, W., Zur Geschichte lateinischer Eigennamen. Göttinger Ges. d. Wiss. (Schummel, Joh. 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Herausg. von Zingerle. Innsbruck 1874. Virginal, Im deutschen Heldenbuch. V. voc. oder vocab. vocabularius, vocabularium. voo. ex quo, Eltuil 1469. voc. gemma gemmarum. Köln 1495. Straß- burg 1505. 1508. Hagenau 1610. Vgl. Gemma. voc. incip. teut., vocabularius incipiens teu- tonicum ante latinuni. Gegen oder um 1500. voc. opt. = vocabularius optimus, aus dem 14. Jh., hrsg. von W.Wackei-nagel. Basel 1847. vocabularius optimus. Liptzk 1501. voc. praed. = Melber. vocabula pro juventute scholastica 1517. voc. rerum s. Brack. voc. theut. = vocabularius theutonicus. Nürn- berg 1482. Voß, .Johann Heinrich. Luise, Königsberg 1823. Idyllen, Leipzig. Gedichte, Königsberg 1802. Die tausend und eine Nacht, arabische Erzählungen. Aus dem Französischen (des Herrn Anton Galland) übersetzt. 6 Bände. Bremen, 1781—1785. Briefe. 1829-38. Wächter, Georg, Glossarium germanicum. Leipzig 1737. Wächtler Commodes Maniial oder Handbuch 1711. 1714. (Soeben wird mir eine ältere Ausgabe von 1703 zugänglich, die fast den gleichen Stoff zu enthalten scheint, so daß die meisten Belege auf dieses Jahr zu setzen sind). Wackernagel, Wilhelm, altdeutsches Lese- buch. Fünfte Aufl. (1873), auch die vierte Aus- gabe (1861). Wörterbuch zum altdeutschen Lesebuch. Die Umdeutschung fremder Wör- ter. Basel 1863. Altdeutsche Predigten, s. Altdeutsche Predigten und Gebete. Wagner, Heinrich Leopold, die Kindermör- derin. Neudruck Heilbronn 1883, in dem die Seitenzahlen des ersten Druckes ange- geben sind. Walde, Lateinisches etymologisches Wörter- buch. Heidelberg 1906. Waldis, Burkhard, Esopus, nach Buch und Nummer der Ausgabe von H. Kurz. Leip- zig 1862. Streitged. = Streitgedichte gegen Herzog Heinrich den Jüngern von Braun- schweig. Hrsg. von Koldewey. Halle 1883. Wallhausen, Corpus militare. 1617, Kriegs- kunst zu Pferde 1616. Kriegß Manual 1616. Walther, Walther von der Vogelweide, hrsg. von Karl Lachmann. Weber, Johann Adam, Teutsch-Lateinisches Universal -Wörter -Buch (Zweiter Teil des kurz gefaßten Lateinisch - Teutschen und Teutsch - Lateinischen Universal - Wörter- buches). Chemnitz 1734. Die Seitenzahlen sind nach dem deutsch -lateinischen Teil zitiert. Verglichen ist die dritte von Johann Daniel Heyde besorgte Ausgabe in 3 Teilen (Dresden 1770), deren dritter das deutsch- lateinische Universal -Wörterbuch enthält. Weckherlin, G. E., Gedichte, herausg. von Fischer. Tübingen 1894—1907. Wedels Hausbuch. Tübingen 1882. Weim. Jahrb. = Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache. Hannover 1854. Weinhold, Karl, Die Deutschen Monats- namen. Halle 1869. Beiträge zu einem schle- sischen Wörterbuch. Gießen 1857. Weise, Chr., Die drei ärgsten Erznarren in der ganzen Welt. Abdruck der Ausgabe von 1673. Halle 1878. Politischer Näscher. Catharina bei Kürschner. Der betrogne Betrug. 1678. "Weis m a n n , Erycus, lexicon bipartitum, latino- gennanicum et germanico-latinum. Stutt- grardiao 1715. Auch 1703 in der ersten Aus- Quellen. XXI gäbe des deutsch-lateinischen Teiles zitiert, mit welcher ganz der von 1713 stimmt. Weisth. = Weisthümer , gesammelt von J. Grimm. Göttingen 1840fg. Weiße, Christian Felix, Gedichte. 3 Bände. Leipzig 1772. Trauerspiele. 5 Teile. Ebd. 177B_1780. Lustspiele. 3 Bände. Ebd. 1783. Komische Opern. 3 Teile. Ebd. 1777 (ver- glichen die Ausg. 1768 — 1772;. Der Kinder- freund. 12 Teile. Ebd. 1780—1782. Jagd. Well er Dichtungen des 16. Jh. Tübingen 1874. W e 1 s e r - Werlichius Augsburgische Chronica. Frankf. 1595. Werlhof. Paul Gottlieb. Gedichte. Han- nover 1749. Werner, Eechtschreibung 1629. Wickram, Eollwagenbüchlein, hrsg. von Kurz. Werke, hrsg. von J. Bolte. 8 Bände. Tübingen 1901—6. Wiedemann, Mich., bist, poetische Gefangen- schaften. Leipzig 1690. Monatsweise zitiert. Wieland, Christoph Martin. Comische Er- zählungen. 1768. Dieselben sind einzeln mit der Yerszahl zitiert. Idris. Leipzig 1768. - Der neue Amadis. 2 Bände. Ebd. 1771. Die Abderiten. 2 Teile. Ebd. 1781. Oberon. Ebd. 1792. Nach Gesang und Strophenzahl zitiei-t. Horazens Briefe. Übersetzt. 2 Teile. Dessau 1782. Horazens Satyren, aus dem Lat. übersetzt. 2 Teile. Leipzig 1786. Ge- heime Geschichten des Philosophen Pere- grinus Proteus. 2 Teile. Ebd. 1791. Sämmt- liche Werke. Leipzig 1794 ff. Dazu 6 Supple- mentbände 1797—98. Wiener S. B. = Sitzungsberichte der K. Akademie der Wissenschaften in Wien. Phil.- hist. Klasse. Wierstraat = des Stadt-Secretarius Christia- nus Wierstraat Eeimchronik der Stadt Xeuss. Herausg. von G^rote. Köln 185.5. Auch in den Chroniken der deutschen Städte XX, 479 ff. Wigalois, Ausg. v. Franz Pfeiffer. Leipzig 1847. Wilhelmi, .Joh. Gerlacus, Lexicon Germanico- Latinum, als zweiter Teil seines Lexicon proso-metricum Latino-Graeco-Germanicum. Francofurti ad Moenum 1706. Williram. Ausg. v. H. Hofimann. Breslau 1827; von J. Seemüller, Straßburg 1878. Wilwolt von Schaumburg. 1507. Hrsg. von Keller. Stuttgart 1859. Withof, Johann Philipp Lorenz, academische Gedichte. 2 Teile. Cleve und Leipziir 1782 und 1783. Wolf dietrich, im deutschen Heldenbuch LQ. 'Wolff. Christian. Vollständiges mathemati- sches Lexicon. Leipzig 1716. 1734. 1746. : Wolff. Pius Alexander. Dramatische Spiele. I (worin 59—200 Preciosa). Berlin 1823. W^olfram v. Eschenbach Parzival. hrsg. von Lachmann. Berlin 1854. \ Wtbch. d. d. Syn. Weigands Wörterbuch der deutschen Synonymen. Mainz 1852. Württembergische Zollordnung von 1661. jWyle, Translationen von Niclas von Wyle, ! hrsg. von Keller. Stuttgart 1861. I Zachariä, Friedrich Wilhelm. Scherzhafte Epische und Lyrische Gedichte. 2 Bände. Braunschweig und Hildesheim 1761. Die einzelnen epischen Gedichte sind mit Na- I men und Verszahl zitiert. Die Tageszeiten. I Zweyte Aufl. Eostock 1757. Die vier Stufen des weiblichen Alters. Ebd. 1757. Eenommist. Poetische Schriften. Braunschweig 1772. Zauber -Lex. = Onomatologia curiosa artifi- ciosa oder ganz natürliches Zauber-Lexicon. 2. Aiifl. Xürnberg 1764. Zehner Xomenclator 1622. Zeiller Episteln 1644. Zeit. -Lex. = Christian Weisens Curieuse Ge- danken von den Xouvellen oder Zeitungen . , . und dann Ein . . . Zeitungs- Lexikon. Frankfurth u. Leipzig 1703. Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. Z e r n i t z , Christian Friedrich . Versuch in mora- lischen und Schäfer-Gedichten. Hamburg u. Leipzig 1748. Zeruitz stai'b am 1. Febr. 1745. Zesen. Deutscher Helikon 1641. 1649. Adria- tische Eosemund 1645. Xeudruck von .Jelli- nek. Halle 1897. Eosenmänd. 1651. Ibrahim. 1645. Dögens Kriges Baukunst 1648. ZfdA. = Zeitschrift für deutsches Altertum. Z f h d M a. = Zeitschrift für hochdeutsche Mund- arten. ZfdPh. ^ Zeitschrift für deutsche Philologie, hrsg. von Ernst Höpfner und Julius Zacher. Halle 1869 ff. ZfdW. = Zeitschrift für deutsche Wort- ' forschung. Zimmerische Chronik, hrsg. von Barack. 2. Aufl. Freiburg 1881. i Zincgref Apophthegmata 1626. 1631. 1639. Auch Amsteldam 1653, fünf Teile. j Zupitza, Ernst, Die germanischen Guttvirale. i Berlin 1896. Bei Anführung von Schauspielen deuten die beigesetzten Zahlen Aufzug und Auftritt an. Verzeichnis Yorkoininender Abkürzungen. a. . . = alt . . . a. a. O. = am angefülirten Ort. ABL. = Ableitung;. ab(uljg. = altbulgarisch (auch altkirchenslavisch genannt). adj. = adjektiv(isch). adv. = adverb(ial). afr(än)k. = altfränkisch afr(an)z. = altfranzösiscli. afr(ie)s. = altfriesisch. agerm. = altgermanisch. ags. = angelsächsisch. ahd. = althochdeutsch (hoch- deutsch Yom 7. bis ins 1 2. .Jh.) ai(ud). = altindisch. a(lt)ir. = altirisch. aisl. = altisländisch. ai'lt)kelt. = altkeltisch. Akk. = Akkusativ. akymr. = altkj^mrisch. alb. == albanesisch. alem. = alemannisch. älternhd. = älterneuhoch- deutsch. an. = altnordisch. a(lt)rom. = altromanisch. an. s. anord. and(d). = altniederdeutsch (die kleinern altniederdeutschen Sprachdenkmäler bezeich- nend). andfr(än)k. = altniedei'fräu- kisch. andl. = altniederländiscli an(ord). = altnordisch. Anm. = Anmerkung. apers. = altpersisch (Sprache der pers. Keilinschriftenj. apreuß. = altpreuBisch (die Sprache der alten Preußen, s. o. Berneker). arab. = arabisch. aram. = aramäisch. arm. = armenisch. Art. = Artikel. asächs. = altsächsisch fSprache des Heliand). aw(est). ^ awestisch. bayr. = bayerisch. Bch. = Buch. bed. =- bedeutet, bedeuten. Bed. = Bedeutung. Bedd. = Bedeutungen. bes. = besonders. Bez. = Beziehung, Bezug. bildl. = bildlich, Bl. = Blatt. bret. = bretonisch. chin. = chinesisch, czech. = tschechisch. d. vgl. s. d. d. i. = das ist. dän. = dänisch. Dat. = Dativ. dial. = dialektisch. • dim. = diminutiv. ebd. = ebenda, eig. = eigentlich. els(äss.) = elsässisch. engl. = englisch. entl. = entlehnt. f., F(em). = Femininum. Fakt. = Faktitivum. ff. = folgende, flekt. = flektiert, flg. = folgend. fr(än)k. = fränkisch. fr(an)z. = französisch, fries. = friesisch, frühnhd. ^= frühneuhoch- deutsch. gall. = gallisch. Gen. == Genitiv, germ. = germanisch, gew. = gewöhnlich. gl(eich)bd. = gleichbedeutend, got. = gotisch. gr. = griechisch. Gramm. = Grammatik. Grdbed. = Grundbedeutung. H. = Hälfte, z. B. 1. H. = erste Hälfte. hd. = hochdeutsch. ' hebr. = hebräisch. hess. = hessisch. I hochd. = hochdeutsch. holst. = holsteinisch. Hs. = Handschrift. Id. = Idiotikon. Imp. = Imperativ, impers. = impersonal. Inf. = Infinitiv, insbes. = insbesondere. Interj. = Interjektion, intrans. = intransitiv. ion. = ionisch. ir. = irisch, isl. = isländisch. I ital. = italienisch. ! Jh. = Jahrhundert. I I Kaj). = Kapitel. j kämt. = kämtisch. kelt. = keltisch. Komp(ar). = Komparativ. Konj. = Konjunktion. Konj. = Konjunktiv. körn. = kornisch. kurhess. = kurhessisch. kymr. = kymrisch. lad. = ladinisch. laus. = lausitzisch, lat. = lateinisch, leipzig. = leipzigerisch. lett. = lettisch. Lex. = Lexikon, lit. = litauisch. m. . . == mittel . . . m. :^ Maskulinum. M(ask). = Maskulinum. Ma. = Mundarten, md. = mitteldeutsch (Sprache I Mitteldeutschlands vom 12. bis ins 15. Jahrhundert), mengl. = mittelenglisch. Abkürztmo:en. XXIJJ mhd. = mittelhochdeutsch (hochdeutsch von 1150 bis gegen 15Ö0). mlat. = mittellateinisch. mnd(dj. = mittelniederdeutsch (s. Schiller und Lübben, und Lübben). mndfrk. = mittelniederfrän- kisch. mndl. = mittelniederländisch, mrhein. = mittelrheinisch, mundaitl. = mundartlich. n. . . == neu . . . n. N. = Xeutrum. nass. = nassauisch. nd. . . ^ nieder . . . nd(d). = niederdeutsch ('platt- deutsch). ndfränk. = niederfränkisch. ndh = niederländisch. nengl. = neuenglisch. nfr(an;z. neufranzösisch. nhd. = neuhochdeutsch. nlat. u. (;^neul.;:^ neulateiniscli. nnd. = neuniederdeutsch. nndl. = neuniederländisch. Nom. = Xominativ. nordd. = norddeutsch. Xorddtschld. = Xordeutsch- land. norw. = norwegisch. npers. = neupersisch. n(eu)prov. = neuprovenzalisch. n('d)rhein. = niederrheinisch. Xtr. = Neutrum. ob(er)d. = oberdeutsch. ob(er)hess. = oberhessisch, obsäclis. = obersächsisch, od. = oder, omd. = ostmitteldeutsch, osk. == oskisch. oss. = ossetisch. Ost. = östen-eichisch. ostfrfänlk. = ostfränkisch. Part. = Partizipium. Pass. = Passiv. Perf. = Perfektum. Pers. = Person. PKttr,. = Plural, polab. == polabisch. poln. = polnisch, pomm. = pommerisch. portfug). = portugiesisch. Präp. = Präposition. Präs. = Präsens. Prät. = Präteritum, preuß.^ preußischi'die Sprache der Provinz Preußen), provienz). = provenzalisch. RA. = Redensart, rätorom. = rätoromanisch, refl = reflexiv, rhein. = rheinisch, rom. = romanisch, russ. = russisch. S. = Seite, auch sieh. s. == siehe. Sachs. = sächsisch. SB. = Sitzungsberichte. schles. = schlesisch. schw. = schwachbiegend. Schwab. = schwäbiscli. schwed. = schwedisch. Schweiz. = schweizerisch. s. d. = siehe dieses. seit. = selten. sem. = semitisch. serb. = serbisch. Sg. = Singular. skr. == sanskrit. slav. ^ slavisch. slov. = slovenisch. sorb. = sorbisch. span. = spanisch. spätahd. = spätahd. spr. = sprich. st. = statt. stk = starkbiegend. I Subst. = Substantiv. I südd. == süddeutsch. 1 Süddtschld.= Süddeutschland. Sup. = Superlativ. ! s. V. = sub V. ce 'unter dem i Wort). '■ s. V. a. = soviel als. s. V. w. = soviel wie. thür. ^ thüringisch, thrak. = thrakisch. tirol. =^ tirolisch. , trans. = transitiv, tschech. = tschechisch, türk. = türkisch. I u. = und. übertr. = übertragen. umbr. = iimbrisch. u. o., u. ö. = und oft, und öfter, i unpers. = unpersönlich. 1 urspr. = ursprünglich. urverw. ^ urverwandt. . usw. = und so weiter. V. = Verb. I V. = Vers. Vb. = Verbum. verw. ^ verwandt, vgl. = vergleiche. wend. = wendisch, westfl. = westfälisch, wetterau. = wetterauisch. Wtbch. == Wörterbuch. Wz. = Wurzel. zgs. = zusammengesetzt. ZUS. = Zusammensetzung. Zss. = Zusammensetzungen, zuw. = zuweilen. * = erschlossene, nicht be- legte Form. — = bis, z. B. 1.5.— 18. Jh. ( ) in Wörtern, z. B. ahd. (h)linen bedeutet, daß Minen und liiicit vorkommt. Notiz der Verlagsbuchhandlung. Diese Lieferung kann zur Einsichtnahme aufgeschnitten werden. Das Vorwort wird zusammen mit Titel, Quellenverzeichnis, usw. der Schlußlieferung nochmals beigelegt. Vorwort des Herausorebers. Die Neubearbeitung des Weigandschen AVörterbuches hat manche Schwierig- keiten gehabt. Da es von mehreren Gelehrten Ijearbeitet ist, so muß ich hier über diese Tätigkeit Bericht erstatten. Herr Prof. von Bahder hat A bis Flecken geliefert. Dann ist, da er die Arbeit im Jahre 1896 aus Gesundheits- rücksichten aufgeben mußte, Herr Dr. Kant eingetreten, und dieser hat die weiteren Teile bis stark ausgearbeitet (mit Ausnahme des Buchstabens P). Den Rest hat der Herausgeber übernommen, nachdem auch Herr Dr. Kant die Be- arbeitung nicht weiter fortführen konnte. Meine Tätigkeit hat damit begonnen, daß ich mich auf Veranlassung des Verlegers im Jahre 1902 verpflichtete, den etymologisxihen Teil des Werkes durchzusehen und zu ergänzen. Da Weigands Werk das erste war, das die Etymologie genügend berücksichtigte und sich dadurch hauptsächlich sein Ansehen erwarb, so mußte dieser Teil natürlich besonders gründlich erneuert werden, um den Anforderungen unsrer Zeit zu ent- sprechen. Es schien mir dabei ein unabwendbares Bedürfnis, auch die Literatur der etymologischen Forschung anzuführen. Um aber den Umfang nicht durch zahlreiche Zitate noch mehr anzuschwellen, habe ich mich bemüht, solche Stellen zu geben, wo weitere Literatur über die betreffenden Fragen zu finden ist oder wo ausführlich über die betreffende Etymologie gehandelt ist. Bei dieser Arbeit an der Etymologie habe ich den hohen Wert des bisher Geleisteten schätzen gelernt und bin daher gern bereit gewesen, nach Dr. Kants Rücktritt, meiner- seits auch den Rest der Neubearbeitung sowie die Durchsicht der bereits abgeschlossenen Teile auf mich zu nehmen, wobei ich mich des Rates nnd der Beihilfe Prof. von Bahders erfreuen konnte. Vorwort zu Weigand. Deutsches Wörterbuch. Weigand hat außer auf die Etymologie besonderes Gewicht darauf gelegt, das erste Auftreten eines Wortes nachzuweisen. In diesem Punkt ist die neue Auflage dank den umfassenden Vorarbeiten Prof. von Bahders, die sich auf das ganze Werk erstrecken, und der reichen Kenntnis und Belesenheit Dr. Kants weit über das von Weigand Geleistete hinausgekommen. Natürlich werden eine Anzahl der angeführten Belegstellen mit der Zeit noch durch ältere ersetzt werden können, weil eben hier das Wort gilt: dies diem docet. Ein weiterer Vorzug des Weigandschen Werkes, den kein anderes Werk hat, bestand darin, daß es auch die Fremdwörter mit heranzog. Dieser Vorzug war natürlich beizubehalten. Freilich konnte nicht die ganze Flut der Fremdwörter angeführt werden, und eine Auswahl muß immer subjektiv bleiben, aber ich hoffe, daß man nicht allzuviel wichtige Fremdwörter ver- missen wird. Für unsere Kulturgeschichte sind die Fremdwörter und ihre Aufnahme in den Sprachschatz von ganz hervorragender Bedeutung, und des- halb erhalten sie mit Recht einen Platz in einem deutschen Wörterbuch. Außerdem hat Weigand zahlrsiche seltene und landschaftliche Wörter auf- genommen, was in keinem andern kurzen Wörterbuch der Fall ist. Die Be- arbeiter haben sich bemüht, die reichen Ergebnisse der mundartlichen Forschung in den letzten Jahren in dieser Beziehung zu verwerten. Auch die Ab- weichungen in dem Sprachgebrauch von Luthers Bibelübersetzung sowie der Schriftsteller aus der Blütezeit unserer Literatur hatte Weigand berücksichtigt und dadurch ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel für das Verständnis der altern Sprache geschaffen. Auch das ist beibehalten und nach KJräften ver- mehrt worden. Zum Schluß aber muß ich betonen, daß das Werk eben doch, wenn auch die Anordnung des Stoffes innerhalb der einzelnen Artikel eine andere ist als in den frühern Auflagen, in den Grundlagen doch Weigands Werk bleibt. Insbesondere ist darum auch die genaue Bestimmung der Be- deutungen, wie sie Weigand gegeben hatte, beibehalten worden. Soviel diene zur Vorbemerkung. Weiteres auszusprechen, das Quellen- verzeichnis anzuführen, wird sich am Schluß des Werkes Gelegenheit finden. Leipzig-Gohlis, Sommer 1907. H. Hirt. Verzeichnis der wichtigsten Abkürzungen. a. . . = alt . . . adj. = Adjektiv. ABL. = Ableitung. ab(l)g. = altbulgarisch. adv. = Adverb. AfdA. = Anzeiger für deut- sches Altertum, afranz. = altfranzösiscb. afr(ies). = altfriesisch, ags. = angelsächsisch, ahd. = althochdeutsch. ai(nd). =* altindisch. air. = altirisch. alb. = albanesisch. alem. = alemannisch, anord. = altnordisch, apers. = altpersisch, apreuß. = altpreußisch, arab. = arabisch, arm. = armenisch, aw. = awestisch. Bezz.Beitr. = Bezzenbergers Beiträge zur Kunde d. indo- germanischen Sprachen. bret. = bretonisch. Btr. =^ Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. czech. = czechisch. dän. = dänisch, dim. = diminutiv. DWB. = Deutsches Wörter- buch der Brüder Grimm. elsäss. --= elsässisch. engl. = englisch. f. = Femininum, fränk. = fi-änkisch. franz. = französisch, fries. = friesisch. Gen. = Genitiv, germ. = germanisch, got. = gotisch, gr. = gi-iechisch. hd. = hochdeutsch. hess. = hessisch. Id. = Idiotikon. Idg. Forsch. = Indogermani- sche Forschungen, ital. = italienisch, ir. = irisch. Komp. = Komparativ, kymi-. = kymrisch. lat. = lateinisch, lett. = lettisch/ lit. = litauisch. m. . . = mittel . . . m. ^ Maskulinum, md. = mitteldeutsch, mhd. = mittelhochdeutsch, mlat. = mittellateinisch. nmd. = mittelniederdeutsch. n. . . = neu . . . n. = Neuti-um. nass. = nassauisch. nd. ndd. = niederdeutsch. ndl. = niederländisch. ndr.- = nieder-. nhd. = neuhochdeutsch. obd. = oberdeutsch, oss. = ossetisch. Part. = Partizipium. PI. = Plural. poLn. = polnisch. portug. = portugiesisch. ! Prät. = Präteritum. j prenß. = preußisch. ! provenz. = provenzahsch. russ. = nissisch. s. = siehe. SB. = Sitzungsberichte. Schwab. = schwäbisch, schwed. ^ schwedisch. Schweiz. = schweizerisch, serb. = serbisch, skr. = Sanskrit, slaw. = slawisch, slov. = slowenisch. Span. = spanisch, südd. = süddeutsch. Sup. = Supei'lativ. V. = Verb. ZfdA. = Zeitschrift für deut- I sches Altertum. ZfdPh. = Zeitschrift für deut- sche Philologie. ZfdW. = Zeitschrift für deut- sche Wortforschung. ZUS. = Zusammensetzung. Zur Umsclireibuiig der fremden Alphabete. In diesem Werke, das sich an weitere Kreise wendet, ist im allgemeinen die einheitliche Umschreibung der fremden Alphabete durchgeführt worden, wie ich sie Idg. Forsch. 21, 145 ff. schon im Hinblick auf dieses Werk vorgeschlagen habe. Es bedeutet also: 1. "die Länge des Vokals. Nur in althochdeutschen und mittelhochdeutschen Worten ist ^ beibehalten worden. 2. ' und ^ auf einem Vokal bezeichnen die Stelle des Haupttons. 3. ' hinter einem Konsonanten drückt die Palatahsation (Erweichung) aus. 4. Abgesehen von den deutschen Dialekten bezeichnet s den stimmlosen Zischlaut, z den stimmhaften, s den scha-, z den entsprechenden stimmhaften Laut (franz. j), c ist gleich ts, c == tsch, j = dsch. 5. Die sonstigen Spiranten sind durch p (engl, stimmloses th), d (der entsprechende stimmhafte Laut), f und 8 (deutsch w), x und y (deutsch cli und ndd. g) bezeichnet worden. 6. 19 = dem gutturalen Nasal, deutsch ng. 7. unter einem Vokal z. B. (j drückt die Nasalierung aus, franz. on. 8. 9 ist ein unbestimmter Vokal (sog. scivwa). 9. Im Litauischen bezeichnet ' den Stoßton; '*' auf Diphthongen, '^ auf einfachen Längen den Schleifton. 10. Im Indischen bezeichnet ein . unter dem Konsonanten, z. B. t die Zerebrali- sieining; g ist ein palataler Zischlaut, der etymologisch einem k entspricht. Aas a, der erste Buchstabe des Alphabets. Re- densart: das Ä und das 0, «das Erste und das Letzte» (Offenb. Joh. 1, 8), denn Ä ist der erste und das lange 0 der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. -a, -ach, Endung bei Fluß- und danach bei Ortsnamen, z. B. Fulda, Salzach. Mhd. -ä und -ahe, ahd. -ä und -aha. Urspr. ein selbständiges Wort (als Flußname Äa, Achet noch erhalten), inder Bedeutung «fließen des Quellwasser», mhd. ahe, ahd. aha f. «Wasser, Fluß » ; dazu asächs. aha, ags. ea, anord. ä, schwed. ä, dän. aa, got. aha f. «Fluß». Verwandt ist lat.a^itaf. «Wasser»; viel- leicht aind. agva- in ägvävant- «wässerig» und kam «Wasser». Vgl. Zupitza Gntt. 60, Walde s. V. aqua, dagegen Uhlenbeck Btr. 30, 257. Eine Nebenform ist -äff, z. B. in Aschaff (ndd. -ep, z.B. in Lennep), ahd. -aff'a, die auf ein kelti- sches apa (p für qic eingetreten) zurückgehen soll. Doch vgl. Bremer Pauls Grd. ^ i, 774. 801 f. ä, Interj. des Verabscheuens (pfui! was ist das ein ä Geschmack, Goethe Satyros 1), Schon 1573 bei Ölinger Gramm. 165 äh als Adv. (Interj.) des Spottens, Höhnens neben pftty, pfudich und häh: ä als Interj. des Scheltens 1541 bei Frisius 399% auch des Nachrufens und Klagens bei Maaler 11^. Aal, m. (-S, PI. -e), schon bei Dasypodius 1537 Aal. Aus mhd. ahd. älm.; dazu ndl. aal, ags. ^l, engl, eel, anord. all, schwed. äl, dän. aal m. Kaum nach E. Schröder Zf d A. 42, 63 aus *edlos «der eßbare Fisch» oder «der Fresser», vielmehi* besteht wohl Verwandtschaft zu dem 2. Teil von lat. angu-illa f. gr. ^Yx-e^uc f. «Aal». Der PI. lautet älternhd. wie im mhd. gewöhn- lich Äle (so noch 1773 Goethe im Götz, d. j. Goethe 2, 344), doch Aale schon bei Henisch 1616, seit Adelung (der Äle nur aus der j Schweiz kennt) Regel. | Aalbauni, -beere, s. Albaum, -beere. | Aalraupe, f. (PI. -n): breitmäuliger und | breitköpfiger aalähnlicher Fisch, gadus Iota. Mhd. bloß rupe (rüpe?), ruppe, ahd. ruppa, da- ! neben mhd. rutte f., entlehnt aus lat. rubeta f. «Frosch, Kröte», wohl wegen Ähnlichkeit in der Weigand, Deutsches Wörterbuch, ö. Aufl. Kopfgestalt mit der Froschbrut. Zusammenges. Alrup bei Alberus Fab. 19, 144, Aalrupp 1563 in Forers Fischbuch 172 neben Bup, Raup, später wird Aalraupe herrschend (doch Aal- ruppe noch bei Adelung 1793). Im Ndd. gleich- bedeutend Aalquappe, s. Quappe. Aar, m. (-S, PI. -e): (dichterisch) Adler. Aus mhd. ar, ahd. aro m. ; dazu anord. are, got. ara, daneben (mit andrer Suffixbildung) mhd. ahd. am, ndl. arend, ags. earn, anord. schwed. örn, dän. örn. Verwandt sind abg. orilü, lit, erelis, preuss. arelis, kymr. eryr, bret. er «Adler»; das griech. öpvic m. f. scheint als Grundbedeutung «Vogel» zu erweisen (vgl. auch mnd. duf-arne m. «Täuber»). Luther ge- braucht das sonst im 16. Jh. häufige Wort (z. B. bei Hans Sachs, Aventin, Mathesius, Fischart, Arn bei Waldis, Ringwald, Rollen- hagen) nicht (nur das Komp. Fischar), daher wird es später ungebräuchlich (Schottel, Stieler, Dentzler, Rädlein, Steinbach verzeichnen es nur in der schon im 15. und 16. Jh. auftre- tenden Bed. «Falke, Habicht, Sperber», oder «Geier», Frisch 1741 «jeder große Raubvogel, besonders Adler»), in der zweiten Hälfte des 18. Jh. lebt es (im Anschluß an das im Ndd. erhalten gebliebene Arn) als poetisches Wort wieder auf, von Bürger, Voß u. a. gebi'aucht, während es Schiller nm- 11, 295, Goethe im Faust 5462 verwendet. Vgl. v. Bahder Btr. 22, 520 f. Die ursprüngliche schwache Flexion ist fast ganz der starken gewichen (Adelung 1793 verlangt noch den PI. Aaren). "'Aas, n. (^Gcen. Aases, PI. Äser) : verwesendes Fleisch; Schimpfwort. Aus ahd. mhd. äs n., dazu mnd. äs, ndl. aas, ags. ces n., altes ^Parti- zipium {*etto-) von essen, also eigentl. «Speise der Raubtiere und Vögel». Bei Luther aß mit gleichlautendem PL, bei Dasj^podius 1537 aaß, bei Gueintz 1645 Aas. ABL. aasen, v.: das Fleisch von dem FeUe schaben beim Gerben (bei Frisch 1741); (in etwas a.) in unrein- licher Weise in etwas, z.B. einer Speise, herum- wühlen, es vergeuden (norddeutscher, von Heynatz 1775 verzeichneter Ausdruck). Aas Abele -Aas, n. (Gen. Aases; besser Aß zu schrei- ben): Viehfutter. Mhd. ahd. «5 n. ist allge- meiner «Speise». Dazuasächs.auord. äf D., ags. ^f m. «Speise» Dehnstufige Bildung von essen, entspricht abg. jadi f., lit. edis m. «Speise». Vgl. auch Walde s. v. jejunm. ABL. aaßeu, V. : fressen (vom Wilde). Als weidmänn. Aus- druck bei Jablonski 1721. S. äsen. ab: weg von, nieder von. 1) Präp. mit Dat., veraltet und nur noch obd. (bei Hebel, Gotthelf) z. B. ah den Bergen «nieder von den Bergen». Das kaufmännische ah Hamhurg ist verkürzte Ausdrucksweise füi* von H. ah. In Zusammensetzungen: abhanden, abseifen (s. d.). 2) Raumadv. In der verbalen Zu- sammensetzung bezeichnet es auch bloß die Vollendung der Tätigkeit, z. B. ablaufen, ablehen, ahscMießen, die Erschöpfung der Tätigkeit in bezug auf ein Objekt, z. B. ah- ängstigen, ah füttern, ahprUgeln, sowie die Üljertragung auf ein anderes, z. B. abbilden, abdrucken. In der nominalen Zusammen- setzung kann Ab- zur- Bezeichnung des Ver- kehrten, Minderwertigen, Negativen stehen, so schon ahd. in abgot und weiter ausgebreitet im Mhd., indem es vielfach an Stelle eines altern n- tritt, so mhd. abegunst f. «Mißgunst» neben ägunst, abekust f. «Schlechtigkeit» neben dkiist, abeicitze f. «Torheit» neben äwifze (vgl. aber-, after-). Viele Zusammensetzungen wie Abbild, Abdruck haben sich von den verbalen aus entwickelt. 'Mhd. abe, ah, ahd. aha; dazu asächs. ndl. af, ags. engl, of, anord. schwed. dän. af, got. af «von», verwandt mit ski-. dpa «ab, hinweg», gr. dirö «von», lat. ab, a\h. 2}rapd «wieder, zurück» (ans *2iera2)9'), lit. in apaba «der untere Teil». Bei Luther und sonst im altern Nhd. kommt auch noch die Form ahe vor, die archaisierend auch Goethe, Faust 11191 (abestürzf), Pandora 762 (mit ahegewendetem Blick) braucht faber ahe als Ausruf bei Schiller Räuber 4, 3 ist dialektisch für abhin = hinab). Abart, f. (PI. -en): (veraltet) herunterge- kommene Art (so noch Schiller Räuber 1, 1); Nebenart, Spielart (von Adelung 1774 als naturwissenschaftlicher Ausdruck angeführt). Von abarten, v.: aus der Art schlagen. Bei Comenius 1640. abäscheru, v.: sich abmüden. Eig. sich beim Äschern (s. d.), «beizen mit Asche» müde machen. Bei Adelung 1774 aheschern. Abbild, n. [-es, PL -er) : Wiedergabe eines Bildes. Schon frühnhd. vorkommend (1515 Sallust N 6 abpild), aber erst in der neuem Dichtersprache üblicher geworden. Von ab- bilden, V.: frühnhd. fauch bei Luther). Abbiß, m. (Gen. Abhisses): die Pflanze scabiösa succTsa. Eig. Teufels A. Der Name, weil die unten wie abgebissen aussehende stumpfe Wurzel nach dem Volksglauben vom Teufel abgebissen ist. In frühnhd. Glossaren ( Dief.- Wülcker 4). abblitzen, v.: ohne Erfolg abziehen, mit einem Anliegen schroff abgewiesen werden. Erst in der neuem Spi-ache. Bildlich aus der bei altern Schießgewehren vorkommenden Bed. «aufblitzend ohne Erfolg veiüiegen» (das Pulver auf der Pfanne, das Gewehr blitzte ab). abbrCTÜeren, v. : Wörter in der Schrift abkürzen. Aus mlat. abbreviäre «abküi'zen». In der frühnhd. Kanzleisprache. ABL. Ab- breviatur, f. : Abkürzung (Reichsordnungen 82 '^ vom J. 1512), aus mlat. ahbreviatüra. Abbruch, m. (-es, PI. Abbruche): das Ab- brechen ; Schädigung, Beeinträchtigung. Spät- mhd. äbehruch m. Die 2. Bedeutung (jetzt nur noch in A. tun) schließt sich an mhd, abebrechen, älternhd. abbrechen (mit Dat.) «wegnehmen, entziehen, schädigen» an. Abc, n. (-S, PI. -e): die (nach den drei ersten benannten) Buchstaben in ihrer Reihenfolge (1452 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 118); die Anfangsgiiinde einer Wissenschaft. ZUS. Abcbucll, n. (in frühnhd. Glossaren). Abc- schütz, m. {-en, PI. -en): Anfänger im Lesen- lernen (bei Stieler 1691). Im 15./16. Jh. wurden die Jüngern Schüler, die von den altem unter- richtet wm'den, Schützen genannt fSchmeller- 2, 493 von 1418.) Abdachung, f. (PI. -en) : allmähliche Nei- gung einer Fläche wie bei einem Dache. 1616 bei Londoii? Acta publica 1, 153^. abdanken, v. : 1) intrans. (veraltet) eine Dankrede halten, bes. bei einem Leichenbe- gängnis; sein Amt (eig. dankend) niederlegen. 2) trans. jemand (eig. mit Dank) verabschie- den. Das ältere Nhd. kennt dies a. nur mit dem Dativ, der trans. Gebrauch tritt zuerst bei Comenius 1640 auf; a. «sein Amt nieder- legen» bei Stieler 1691. Abdecker, m. (-s, PI. wie Sg.) : Schinder. Eig. der dem gefallenen Vieh die Decke d. i. Haut abzieht. Im 16. Jh. Von dem veralteten abdecken «die Haut abziehen, schinden» (Lilien- cron 4, 56, v, J. 1532). abdrieselu, s. ahtröseln. Abele, f. (PI. -n): Pappel. Von Voß aus I Abend abermal dem Ndd. (schon mnd. abele) aufgenommen. Verkürzt rheinfränk. Belle f. Mit ndl. abeel m., engl, abele aus afranz. mibel (auf lat. (übellus füi- alhulus . ABL. abgöt- tisch, adj., spätmhd. abgötisck. Abgötterei, f., spätmhd. abgöten. Abgrund, m. (-s, PI. Abgründe): in die Tiefe hinabgehender Grund. Spätmhd. ab- grunt m. neben häufigenn abgründe n., ahd. äbgrunti n., ndl. afgrond. Got. afgnmdipa f. «Abgrund» mit andrer Ableitung. Abgunst, f.: die von jemand abgewandte freundliche Gesinnung. Mhd. abegunst, ge- wöhnlich abegimste f. ABL. abgünstig, adj., 1482 abgunstig (voc. theut. a 3^). abhanden, adv. : nicht zu Händen, weg, verloren. 'Mhd. abe lianden, ahd. aba liantum. Aus der Präp. ab mit dem Dat. PL von Hand (s. d.). Ältemhd. bei Mitteldeutschen selten und noch von Adelung und Hejnatz Antib. 1, 30 als oberd. Redensart bezeichnet. Abhandlung, f. (PI. -en), im 17. Jh. von Schottel gebildet für lat. tractatus. Abhang, m. (-s, PI. Abhänge): nieder- wärts gehende Seite einer Fläche. Wohl von Zesen (inDögens Kriegsbaukunst) gebildet. Von abhängen, durch Vermischung mit dem tran- sitiven Verbum auch abhängen, v.: nieder- wärts hangen (frühnhd.); wodurch bestimmt werden, etwas zur Voraussetzung haben (nach frz. dependre in der 1. Hälfte des 18. Jh. ent- wickelt, bei Xieremberger 1753 verzeichnet). ABL. abhängig, adj. Tum 1480 im voc. ine. teut. a 2^ abhängig, «acclivus», in der über- tragenen Bed. bei Adelung). abhold, adj.: abgeneigt. Spätmhd. abholt. ürspr. oberd. Wort, aber seit 1700 allgemein in den Wörterbüchern, doch noch bei Hey- natz Antib. 1, 33 beanstandet. Abhub, m. {-es, PI. Abhübe) : was wovon aufgenommen und weggetan wii-d. Von ab- heben. Im 18. Jh. erscheinende Neubildung (Jablonskil721, übertragen bei Goethe 21, 259). äbicht, adj.: verkehrt. Nur mundartlich (auch äbisch, äbsch, entsprechend ndl. aafsch). Mit angetretenem t aus mhd. ebich, ahd. abuh ; dazu asächs. abuh, anord. öfngr, auch engl. awk- in aiükward «ungeschickt». Von ab abgeleitet, also eig. «abgewendet». Abiturient, m. {-en, PI. -en): der nach vollendeter Schulzeit von der Schule Ab- gehende. Aus abiturieyis (Gen. abittirientis), Part. Präs. von neulat. äbiturire «abzugehen verlangen». abkauzeln, v. : tüchtig ausschelten. Eig, von der Kanzel herab eine Strafpredigt hal- ten. Als Wort der Umgangssprache bei Ade- lung erwähnt vxnd von Voß 1, 67 gebraucht. abkapitelu, s. kapiteln. abkappen, v.: zui-echtweisen (Schiller Räuber 4, 3). Eig. tüchtig mit Kappen d. i. Ohrfeigen (s. DW 5, 193) versehen. Schon im 16. Jh. (Fischart Nacht Rab 8641). abkarten, v.: heimlich verabreden. Eig. die Karten nach heimlicher Verabredung mischen oder geben. Bei Rädlein 1711. Abklatsch, m. {-es, PI. -e) : genaue Nach- bildung ohne eigenen Wert. Moderne Bil- dung. Von abklatschen, v.: (bei den Buch- druckern usw.) eine Nachbildung durch Auf- klopfen herstellen. Abkomme, m. (-», PI. -n): Nachkomme. Zuerst bei Campe 1807 verzeichnet, von älter- nhd. abkommen «abstammen». — Abkömm- ling, m. (-.s, PI. -e). Bei Schottel 370 ab- kömling. Im Mhd. erscheint nächkomelinc. Abkommen, n.: Übereinkommen. Zuerst bei Steinbach 1734. Urspr. subst. Inf. des V. abkommen i^mit einem a. «übereinkommen»). abkonterfeien, s. Konterfei. abkratzen, v. : durch Kratzen wegbringen oder von etwas befreien; sich entfernen, ster- ben. In der 2. Bed., die der neuem Um- gangssprache eigen ist, geht kratzen auf das Scharren mit den Füßen beim Weggehen, vgl. abschurren. Abkunft, f.: Abstammung (bei Stieler 1691); Übereinkommen ferst bei Adelung 1774). abküpsen, v. : (der Feder) die Spitze ab- schneiden (Lessing 3, 308); küpsen ist eine Weiterbildung von kuppen «die Kuppe, Spitze abhauen», obersächs. die Feder abkippen. Ablaß, m. (-sses, PI. Ablässe): Erlassung der Sünden; Lossprechung von Kirchenstrafe. !Mhd. abeläß, abläß m., seltener n. (auch bei Luther n.), ahd. ablag m. neben ablägi n.; dazu mnd. aflät n. und got. aflets m. «Erlaß, Vergebung» neben afletan v. «erlassen», ags. oflöetan, ahd. oblä^^an «entlassen». ablassen, v. : l ) intrans. sich von der Fort- setzung einer Tätigkeit abwenden. 2j trans. 11 Ablativ Abriß 12 weglassen, gehen lassen; (Flüssigkeit) weiter laufen machen; (einem a.) überlassen. Mhd. äbeläßen, abelän. Ablativ, m. ('S, PI. -e), der im Deutschen durch Präposition mit Dativ ersetzte Kasus der lat. Deklination, Aus lat. ablativus (näm- lich casus), zu auferre «wegnehmen». Ablaut, m. {-es, PI. -e): gesetzmäßiger Wechsel des Wurzelvokals bei Verben und Nominibus, z, B. hinäe band gebunden, Binde Band Bund. ABL. ablauten, v.: diesen Wechsel des Wurzelvokals an sich haben. 1819 von Jac. Grimm eingeführte gramma- tische Kunstausdiücke. ablegen, v.: l) trans. weg-, beiseitelegen, mhd. abelegen; (eine Pflicht usw.) erfüllen (mhd. «Geld erstatten», also wohl eig. vom Niederlegen der überbrachten Zinse usw.); (Arbeiter) entlassen (mhd. und ällernhd. mit Dativ, vgl. das Handtcerk legen). 2) intr. schwach werden, versagen (aus älternhd. einem a. «im Stiche lassen», nach Rüdiger 2, 63 ein ober- sächsischer Ausdi'uck, Adelung «im gemeinen Leben», Goethe 25, 165 1. H.). ABL. Ab- leger, m. (-s) : durch Niederlegen in die Erde gebildeter neuer Pflanzentrieb. BeiFrischl741. ablehnen, v.: etwas von sich wegwenden, entfernt halten, zurückweisen ; auf einen Vor- schlag nicht eingehen, ausschlagen (diese ab- geblaßte Bed. erst um die Mitte des 18. Jh., z. B. bei Nieremberger 1753). Das Wort, noch nicht mhd., erscheint in der frühnhd. Kanzlei- sprache, z. B. Reichsordnungen 68 als ableinen (mhd. leinen neben lenen, s. leimen), daneben auch ablehnen, z. B. bei Luther; ableinen auch später bei Oberdeutschen (noch von Heynatz 1796 erwähnt und von Wieland gebraucht). abluchsen, v.: einem etwas listig (mit Luchsaugen) abspähen; einem etwas listig ab- und sich zuwenden. Von Luchs, vgl. beluchsen. Bei Adelung 1774 fälschlich ablugsen (mit Anlehnung an kujen) geschrieben. abmachen, v.: wegmachen; fertigmachen, festsetzen. Schon mnd. afinaken «fertig ma- chen», aber im Hochd. zuerst bei Dentzler 1709 angeführt (mit einem a.) und noch von Hey- natz 1796 als nicht edel bezeichnet. abmarachen, v. : abmatten. In der nordd. Umgangssprache (im bremisch -nieders. Wör- terbuch 3, 129 wii'd marakken «ermüden», bei Rüdiger 2, 116 als obersächsisch Schmarach m. «schmutzige, beschwerliche Arbeit» und da- von schmarachen aufgeführt), aus. dem Rot- welschen aufgenommen. 1801 beiReinwald2, 19. abmeiern, v.: den Meier (s. d.) d. i. Bauer von seinem Hof vertreiben. 1768 bei Moser (patr. Phant. 1, 145). abmergeln,v.: ki-aftlos machen. Frühnhd. (Franck teutsche Chronik 270 a). S. mergeln. Vgl. Liebich Btr. 23, 223. abmurksen, v.: heimlich umbringen. Aus der Studentensprache bei Heine 2, 324. Das md. murksen l^edeutet «schlecht arbeiten, an etwas heiTimschneiden, würgen». Anklingend abmucken, elsäss. abmuckse, s. mucken. abmüßigen, v. : von einer Beschäftigung frei (zur Muße bestimmt) machen. Im 17. Jh. Wohl in der Kanzleisprache entwickelt, vgl. mhd. müe^egen «befreien». abnehmen, v.: l) intrans. mehr und mehr schwinden, 2) trans. wovon tun; wovon her- unter tun; von jemand sich dargeben lassen, z. B. eine Rechnung; wovon als Erkenntnis ziehen, z. B. aus jemandes Worten abnehmen (in der frühnhd. Kanzleisprache, z. B. Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 448 von 1486). Mhd. abenemen ist «geringer werden, abschaffen usw.», ahd. abaneman «wegnehmen». abnorm, adj.: von der Regel abweichend. Aus lat. abnormis (s. Norm). Wohl erst im 18. Jh. entlehnt. ABL. Abnormität, f. (PI. -en) : Regelwidrigkeit. Aus neulat. äbnormitas f. (Gen. abnormitatis). abonnieren, v. : worauf voraus bezahlend unterzeichnen. Aus dem gleichbed. franz. a&ow- ner, ital. abbon'are (aus ad und bonne, einer Nebenform von hörne «Grenze»). Kaum vor 1770—80 entlehnt, bei Adelung 1793 — Abon- nent, m. {-en, PI. -en) : der mit Vorausbezah- lung Unterzeichnende. Nach franz. aboiinant, Part. Praes. von abonner, aber mit der sonst bei lat. Bildungen üblichen Endung -ent. Abort, m. {-es, PI. -e): abgelegener Ort (Ludwig 1716), heimliches Gemach (erst Campe 1807, vielleicht aus dem Ndd., wo es 1755 Richey für Hamburg als Af-Ort verzeichnet). abrackern, refl. v. : sich abschmden (s. Backer). Aus der nordd. Umgangssprache bei Campe 1807. Abrede, f. (PI. -n) -. Festsetzung durch Be- sprechung; Entgegensetzung durch Rede (na- mentl. in A. stellen). Mhd. aberede f abrichten, v. : völlig gerade machen ; eine Fertigkeit wozu beibringen. In der altern Sprache überhaupt «unterrichten»; mhd. abe- rihten «gut, recht machen, abschaffen». Abriß, m. (Gen. Abrisses, PI. Abrisse): nur in den Hauptlinien gemachtes Bild wovon 13 Absage abseiten 14 (1562 bei Mathesius Sar. 60**). Von abreißen, V. in der Bed. «ein Bild im Umriß entwerfen > (bei Luther). Vgl. reißen, Biß. Absage, f. (PI. -n): Aufkündigung der Freundschaft und Ankündigung von Feind- seligkeit. Spätmhd. absag, aber erst neuerdings wieder in die Sprache aufgenommen (nach Heynatz Antib. 1, 46 ungebräuchlich). Von absagen, v. : Gesagtes wideniifen ; {einem a.) die Freundschaft auf- imd Fehde ansagen; (bildlich) sich wovon lossagen. Mhd. ahesagen. Daher ein abgesagter Feind: einer der sich als Feind erklärt hat». Absatz, m. (-es, PI. Absätze): Aufhören und Wiederanfang wovon, dann das soWieder- anfangende selbst (bei Luther ) ; Zufernsein des einen vom andern bei Vergleichung (Wieland Idris 7); Abgeben von Ware gegen Bezahlung (bei Frisch 1741). ^Mhd. ahesaz m. ist «Ver- ringerung^). äbsch, s. abteilt. Abschach, n. {-s): Schach, das den König beim Wegziehen eines Steines durch eine hinter diesem stehende Figur angreift (1616 bei Sele- nus Schach- oder Königspiel 111). Auch Aber- schach (vgl. ab- und aber-). Schon mhd. ab- scMch, Yü,r. aberschäch n., und dann bei Lessing Nathan 2, 1. Vgl. v. Bahder Btr. 22, 522. abschätzig, adj. u. adv. : geringwertig; ge- ringschätzig. Frühnhd. (Wickram Rollw. 128) und auch später in oberd. Quellen ; von Wie- land gebraucht (als erklärungsbedürftig bei Lessing 6, 32 erwähnt). Abschaum, m. (-s, ohne PI.) : von wallender Flüssigkeit ausgestoßene, oben wegzuräumende ünreinigkeit ; als zu schlecht und verächtlich ausgestoßener Mensch. Bildlich bei BrantXarr. o4,19 abschürn, wie schuni^l-amev Genchm.Bl'i. Abscheu, m. (-es, ohne PI.); das Zurück- schrecken vor etwas ; Gegenstand, vor dem man zurückschreckt; heftige Abneigung, Wider- wille. Frühnhd. abschew (Keichsordnungen 180 von 1531), abscheueh m., seltener f. (z. B. Harsdörfer Gesprächspiele 1, 2), daneben ab- schewen, n., vgl. Scheu. ABL. abscheulich, adj. u. adv.: abschreckend (frähnhd., z. B. Fischart Barfüßermönche 4557, zum abscheu- lichen Exempel Carolina), Wider\^alIen erre- gend (bei Maaler 1561 abscheüchlich). Abschied, m. (-es, PI. -e) : das Weggehen aus der Mitte eines Kreises; die Beurlaubung bei diesem Anlaß; Dienstentlassung; richter- licher Ausspruch als Endurteil in einer Rechts- angelegenheit; Willenserklärung des Staats- oberhauptes zum Schlüsse einer in öffentlichen Landesangelegenheiten gehaltenen Versamm- lung, z. B. Landtagsa. Spätmhd. abeschif, häufiger abescheit m. «Abschied, Tod, Ent- scheidung, Bescheid, Beschluß eines Reichs-, Städtetags», auch im altem Nhd. oft Äb- scheicl m. Abschlag, m. (-es, PI. Abschläge): abge- hauenes Holz, mhd. abeslac: Zurückweisimg eines Angriffs (im Teuerdank 82, 6 «Zurück- weisung, abschlägige Antwort»); Geringer- werden des Preises wovon (mhd. abeslac «Er- niedrigung der Fordening»); vorläufige Min- derung der Schuld (im 16. Jh., zu spätmhd. dbsiahen «abbezahlen»), z. B. auf A. zahlen. ABL. abschlägig, adj: entschieden von sich weisend (1562 bei Mathesius Sarepta 192^). abschläglich, adj.: wie abschlägig: zahlend zu vorläufiger Mindening der Schuld (1509 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 767). — abschlagen, v.: l) trans. durch Schlagen wovon trennen; an einer Rechnimg abziehen; zum Entfernen nötigen; entschieden von sich weisen, verweigern. 2) intrans. im Preise geringer werden. ^Ihd. abeslahen, abe- slän in allen Bedd., ahd. abaslahan «weg- schlagen». abschmiereu, v.: tüchtig pi-ügeln, eig. mit Schlägen salben. Bei Duez 1642. abschrecken, v.: einen durch eingeflößte Furcht von etwas abbringen, m\i(\.abesclir ecken; Warmes oder Kaltes durch Hinzutun von Kal- tem oder Warmen in der Temperatur um- springen machen (schon frühnhd.). Vgl. wegen dieser Bed. schrecken. abschurren, v.: hinweggleiten; abfahren, sterben (s. schurren). Aus der nordd. Um- gangssprache bei Voß 2,81. Vgl. abkratzen. abschüssig, adj.: stark abhängig. Erst beiDentzler 1709 verzeichnet (doch früher «&- schießig, Opitz Poeterey 181). Von Abschuß m. in der Bed. jähe Neigung einer Erdfläche, daß sich darauf ein Körper schnell und heftig niederbewegt (bei Ludwig 1716). Abseite, f. (PI. -n): überwölbter Neben- raum des Schiffes der Kirche; Nebengebäude (Flügel) am Hauptgebäude. Aus mhd. absite (mit Anlehnung an ab und Seite ), ahd. absita, absida f., entlehnt aus gr.-mittellat. absida, gr. ävpic. Gen. ötnjiboc f. «Verbindung, Rundung, Gewölbe». abseiten, adv.: (veraltet) abseits, von selten (mit Gen.). Spätmhd. absiten, Verbindung der Präp. ab mit dem Dat. PI. siten. 15 abseits abstoßen 16 abseits, adv,: weg zur Seite, auch mit Gen. ; verbunden. Erst bei Stieler 1691 verzeichnet, mit angetretenem genet. -s, früher äbseit, vgl. j diesseits, jenseits. \ Absicht, f. (PL -en): (veraltet) abrei- ! chende Richtung der Augen worauf, z. B. j beim Zielen; Richtung des Geistes worauf,! z. B. in Absicht (mit Gen. oder auf) in Be- \ tracht; die als ein zu Erstrebendes gesetzte Vorstellung. Absicht (verzeichnet bei Frisch 1712, noch nicht bei Stieler 1691 und Rädlein 1711) ist in der 2. Hälfte des 17. Jh. für den subst. Inf. Absehen eingetreten; dies Wort bezeichnet auch konkret das Visier an Meßwerk- zeugen (bei Goethe 50, 107 1. H.) und Gewehren (daher sein Ä. auf etwas richten). ABL. ab- sichtlich, adj. u. adv., erst bei Adelung 1793. Absinth, m. (-es, Pl.-e) : Wermut; Brannt- wein daraus. Ans franz. absinthe m., aufgr.-lat. apsinthium, gr.dnJiv6iovn.«Wermut» beruhend. absolut, adj. u. adv.: unbedingt; unum- schränkt. Aus lat. absolütus, Part. Perf. Pass. von äbsolvere s. u. Um 1700 in der phi- losophischen Sprache (Thomas Einleitung 195). — Absolution, f. (PI. -en): Losspre- chung von Sünden. Spätmhd. (Liliencron 2, 205). Aus lat. absolutio, Gen. absolrdiönis. — absolvieren, v.: lossprechen von Sünden, beendigen. Mhd. absolvieren. Aus lat. äb- solvere «ablösen, losmachen». absonderlich, adj.: getrennt von andern (frühnhd.); eigentümlich (Ludwig 1716), selt- sam (Eichendorff Taugenichts 74). Als Adv. : vor allem (1664 bei Duez). •'abspannen, v. : der Spannung benehmen, mhd. abespannen: schlaff machen; von Fort- zuziehendem losmachen. S. spannen. ^abspannen, v. : Gesinde durch Verlockung von jemand abziehen. Bei Luther. Vermischt mit dem vorigen Worte, während es spätmhd. abspenen, bei Hans Sachs abspennen heißt. S. Spänen. abspenstig, adj.: durch Verlockung eine Verbindung verlassend. 1566 bei Hans v. Schweinichen (Script, rer. Sil. 4, 74), häufiger erst im 18. Jh. (bei Frisch 1712 erwähnt). Zu- sammengesetzt mit dem ahd. Kdi}.spenstig «ver- lockend», abgeleitet von spans^ f. «Verlockimg». absprechen, v.: jemand etwas durch entschiedene Erklärung entziehen, mhd. abe- sprechen; womber sich entschieden erkläi'en, daß es nicht so sei; womber bis zu Ende und zu gegenseitiger Zustimmung sprechen (erst bei Adelung «besonders in Nieder- sachsen üblich», von Heynatz 1796 empfohlen). — Absprache, f. (nach der 3. Bed. von ab- sprechen). Bei Ludwig 1716 Absprach, aber nicht bei Adelung und Campe. Abstamm, m. (-es, ohne PL): Abstam- mung; Nachkommenschaft, Abkömmling (Her- der Cid 33). Jägerwort des 18. Jh. Abstand, m. (-es, PI. Abstände): Weg- treten, Verzichtleistung auf ein Recht (früh- nhd., erhalten in A. nehmen); Entfemtstehen wovon (Zesen in Dögens Kriegsbaukunst). abstatten, v.: an der dazu bestimmten Stelle anbiingen. Frühnhd. Kanzleisprache. abstechen, v.: l) trans. durch Stechen wovon entfernen oder trennen, mhd. abe- stechen; (Tiere) tot stechen, schlachten; über- treffen, eig. im Tui'nier beim Gegenrennen vom Pferde stechen; im Kartenspiel durch eine höhere Karte zum Untern machen; durch Stechen nachbilden. 2) intrans. in die See stechen (eig. mit der Schifferstange), fort- fahren (Fischart Garg. 117); sich merkbar unterscheiden (bei Ludwig 1716, gleichzeitig auch sich a. : diese Bed. scheint von der von a. oder abstecken «abgrenzen» aus entwickelt). Abstecher, m. (-s, PI. wie Sing.) : kurze Nebenreise. Nach Heynatz Antib. 1,35 zuerst von Bode und Mylius gebraucht und aus dem Nie- dersächs. aufgenommen, wo es als dialektischer Ausdrack 1781 bei Dähnert verzeichnet ist. abstehen, v.: l) intrans. (veraltet) wo- von niederstehen, z. B. vom Pferde, mhd. abestän, -sten: wovon entfernt stehen; aUzu lange stehen und dadm'ch schwächer werden, alle innere Kraft, die Lebenskraft verlieren, sterben, z. B. der Essig, Baum, Fisch ist abgestanden (bei Maaler 1561, mhd. mit dem töde abesfen); (von etwas a.) von etwas ab- lassen, darauf verzichten (mhd. eines ding es abesten). 2) trans. einem andern überlassen (nach Adelung 1774 besonders m Nieder- sachsen häufig). Abstich, m. {-es, PI. -e): Abgestochenes, z. B. von Torf, eines Budes; Sich -Hervor- heben gegen anderes im Widerstreit mit die- , sem, Kontrast (Wieland 9, 21, Schiller 10, lOl). abstimmen, V.: l)trans.gründlich stimmen, 1 z. B. ein Instrument. 2) intrans. abweichend stimmen, eine andere Meinung haben (bei Luther, noch bei Adelung 1793): seine Stimme abgeben (nach Heynatz 1796 obd. Ausdruck). abstoßen, v. : l) trans. weg- oder herunter- stoßen, m\\d..abestd^en\ (Verpflichtungen usw.) beseitigen durch Erfüllmig (erst bei Adelung 17 abstrakt Al)wesen 18 «im gemeinen Leben»): einen unangenehmen Eindruck auf jemand machen (Gegensatz an- ziehen, also übertr. von den Wirkungen des Magnets); Redensart: das Herz a. d. i. brechen, eig. vom Henker durch das Rad (schon spätmhd.). 2) intrans. (vom Schiff) ab- fahren, eig. durch Stoßen mit der Schiffer- Stange (schon mhd.). abstrakt, adj.: abgezogen in Gedanken, für sich allein betrachtet; nicht wh'klich, bloß gedacht. In der 1. Hälfte des 18. Jh. aufgenommen. Aus lat. ahstradus, Part. Perf. Pass. von abstr allere «weg-, abziehen». Abstreich, m. [-es, PI. -e): öffentlicher Zuschlag auf Mindergebot (Schiller Räuber 1, 2). Gegensatz Aufstreich (s. d.). abstufen, y. : in Stufen abbauen (beim j Bergbau) ; bestimmte Unterscliiede festsetzen | (nach Adelung 1793 neues Wort, von Heynatz ' 1796 empfohlen). Absud, m. {-es, PI. -e): Handlung des Absiedens; die durch Absieden gewoimene Flüssigkeit, s. Sud. Xeues, von Adelung 1793 verzeichnetes Wort. ■ absurd, adj.: lächerlich- widersinnig. Aus | lat. dbsurdus. Um 1700 in der philosophi- schen Sprache (Thomas Einleitung 127). Abt, m. {-es, PI. Äbte): Vorsteher einer Abtei. Mhd. abt, abbet, ahd. abbat von dem aus syrisch dbba «Vater» in die kirchhch-lat. Sprache aufgenommenen abbas, Gen.ahbatism. ABL. Abtei, f. (PI. -en) : höheres klösterliches Stift; Gebiet desselben; Wohnung und Pfründe eines Abtes, mhd. abtei, abbeteie, ahd. abba- teia von mJat. abbatia f. Äbtissin, f. (PI. -nen) : Vorsteherin emer Abtei, mhd. abtissin, eppetissin, ahd. abbatissa aus mlat. abbatissa f. abtakeln, v.: die gehörigen Taue, Segel, Blöcke, Rahen etc. vom Schiffe abnehmen (nach ndl. aftakelen bei Stieler 1691); (bild- lich) seiner Stellung entkleiden. Abtrag, m. {-es, PI. Abträge): was als übrig geblieben wovon hinweggetragen wird; Beeinträchtigung, Schmälerung; Beseitigung einer Verpflichtung durch Erfüllung, Ersatz, Genugtuung. Spätmhd. abctrac in der 2. und 3. Bed. Von abtragen, v.: wovon hinweg- tragen, mhd. abetragen: durch Ansichtragen abnutzen; etwas durch Wegtragen davon gleichmachen; durch Leistung einer Obliegen- heit genugtun (spätmhd. abetrage)i). abtreten, v.: l) intrans. beiseite gehen, mhd. abetreten; weggehen; {von einem a.) abfallen (bei Luther, mhd. mit Dativ); vom Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Pferde niedersteigend einkehren. 2) trans. durch Treten beseitigen, abnutzen oder wo- von trennen; {einem etwas a.) überlassen (mhd. eines dinges abetreten). Abtritt, m. (-es, PI. -e): das Weggehen wovon nach ausdmcklicher Erklärung (fi-üh- nhd.); Hinscheiden durch den Tod; einstwei- liges Weggehen wovon zur Seite; geheimer Ort zur Verrichtung natürlicher Bedürfnisse (schon beiKrämer 1678) : dasXiedersteigen vom Pferde zur Einkehr; Vorrichtung daß etwas tiefer aufgetreten wei'den muß ; Getrenntsein, bedeutsamer Unterschied (Haller Ged, 122). abtröseln, v. : faserartig abwinden (Thüm- mel Reise 4, 300). S. auftröseln. abtrumpfen, v.: mit Überlegenheit zu- rückweisen, eig. beim Kartenspiel eine Karte nait Trumpf stechen; {einem etivas a.) mit Gewaltsamkeit entziehen. Erst in der neuern Sprache. Vgl. auftrumpfen. abtrünnig, adj.: sich von einer Verbin- dung lossagend. Mhd. abetrünnec, ahd. aba- trunnig, mit mhd. trünne f. «abgesonderter Haufe, Schar» zu einem verlorenen starken V, trinnan, wovon auch trennen (s. d,), vgl. ent- rinnen. abwägen, s. abwiegen. abwamsen, v. : ein tüchtige Tracht Schläge geben, eig. das Wams (s. d.) vollschlagen. Bei Campe 1807. abwandeln, V.: verändern; abbüßen (nach der altern Rechtssprache bei Wieland, zu mhd. icandel «Buße, Strafgeld»); (in der Grammatik) flektieren. In dieser Bed. zuerst von Schottel (für deklinieren) gebraucht. ABL. Abwand- lung, f , 1748 bei Gottsched füi- Konjugation, 1672 bei Pudor (^DerTeutschen Sprache Gx'und- richtigkeit) für Deklination. abwärts, adv. : nach unten geiüchtet ; zur Seite. Spätmhd. abiverts. Abweg, ni. {-es, PI. -e) : vom rechten ab- führender Weg. jSIhd. abetoec m. Abwehr, f.: Fernhaltung durch Vertei- digung. Jung, noch nicht bei Adelung 1793 (gebraucht von Voß 2, 255); von abwehren. abwendig, adj.: sich abwendend, abfal- lend (nur noch in a. machen). Frühnhd. (Diefenbach gloss. 60^). abwerfen, v. : nieder- oder zur Seite wer- fen, mhd. abewei'fen; Ertrag bringen, eig. wohl von dem Früchte tragenden und herabwer- fenden Baum (Weise Erzn. 52). Abwesen, n. {-s) -. das Nichtdasein. Spät- mhd. abeu'esen, eig. subst. Inf. zu abetvesen 2 19 abwiegen Acht 20 «fehlen, mangeln», ahd. abaicesan. — abwe- send, Part. Praes. zu diesem Verbum. ABL. Abwesenheit (für Ahu-esendheit), f.: wie Älmesen. Zuerst bei Hulsius 1596. abwiegen, v.: die Schwere wovon prüfen und bestimmen. Jüngere Bildung (Stieler 1691) neben abicägen, mhd. ahewegen, bei Luther Sir. 42, 7 abivegen. abzirkeln, v.: genau abmessen, eig. mit dem Zirkel. Bei Luther. Abzucht, f. (PI. -en): Ableitung für un- reine Wasser (1562 bei Mathesius Sar. 211a). Auch Abzug m. (-es, PI. Abzüge). Durch Umdeutschung (Anlehnung an abziehen) aus lat. aquaeductus m. «Wasserleitung» hervor- gegangen, vgl. Anäauche. abzwacken, v.: kleinlich entziehen. Mhd. abezwacken, auch bei Luther. S. zivacken. Acc-, s. Akk- u. Akz-. ach! Äußerung der Schmerzempfindung, Anstrengung, Rührung, seltener der Freude. Mhd. ach, ahd. ah: nach Grienberger Unter- such, z. got. Wortkonde 17 mit got. ak «aber» zu verblöden. Vgl. aber auch lat., ital., span., portug. a/t. Substantiviert: Ach n., wie schon mhd. Redensart: mit Ach und Krach, d.i. mit Stöhnen aus gi'oßer Anstrengung, mit genauer Not, kaum. -ach, s. -a. Achat, m. (-es, PI. -f) : ein Halbedelstein. Mhd. achat oder achates. Aus dem gleichbed. gr.-lat. achates, gr. dxdxric m., von dem Fluß Achates in Sizilien benannt, an dessen Ufern dieser Stein nach Plinius bist. nat. 37, 54 zu- erst gefunden wurde. Achel, f. (PI. -n): Ähi-enstachel (Voß 2, 255); abgefallener Ähren stachelsphtter; Sten- gelsplitter bearbeiteten Flachses oder Hanfes. Aus dem Ndd., wo aggel mit (spirantischem g) gesprochen wird. Adelmig verzeichnet Achel als ndrsächs, neben dem hd. Agel, das friihnhd. (z. B. 1537 bei Dasypodius agel oder egel «festuca») erscheint, auch noch bei Schu- bart 2, 211 die Ageln (in der 3. Bed. von Achel). Dazu ahd. ahil f. «Ähre», vgl. auch ags. egle PI. «Ährenspitzen», engl. a?7 «Granne». S.Akne und Ähre. acheln, v.: essen. Li der Juden- und Gaunersprache. Aus hebr. äkhäl «essen». Schon bei Fischart (Pract. Großm. 50), als rotwelsch 1510 im Liber Vagatorum (Kluge 53). Achse, f. (PI. -n) : Stange, dann Linie, um die sich etwas im Kreise bewegt. Mhd.ahse, ahd. ahsa f. ; dazu ndl. as, ags. eax f. und mit Weiterableitung anord. öxidl, schwed. dän. axel m. «Achse». Urverwandt mit lat. axis m,, gr. äSuuv m., abg. osi f., lit. asls f., prenß. assis, kymr. echel, aind. ciksas m. «Achse». Ob das Wort weiter auf die Wurzel ag (in lat. agere, gr. äyeiv «bewegen», anord. afca «fahren, führen») zumckgeht, ist unsicher. Achsel, f. (PI. -n) : der Körperteil, der die bewegliche Verbindung des Armes mit dem Rumpf ausmacht. Mhd. ahsel, ahd. ahsala f.; dazu asächs. ahsla, ags. eaxl, anord. öxl, schwed. dän. axel f. «Achsel», abgeleitet von Achse. Lat. axilla «Achselhöhle» (auch äla «Flügel» aus *axla) ist urverwandt. Aus dem Germ, gehört noch (mit Ablaut) ahd. nohsana, mhd. uohse, üehse f., Schweiz, uechs «Achselhöhle» (dazu ndl. oksel m, «Achsel») hierher. Redensarten: über die A. ansehen, d. i. geringschätzig, stolz oder mit Hohn; auf beiden Achseln tragen «sich zweideutig benehmen, um es mit keinem zu verderben»; die Achseln zucken «unent- schlossen sein». ZUS. Achselbein, n. : Schul- terknochen, mhd. ahselbein, ahd. ahsalbein n. acht, Zahlwort. Aus mhd. o/«fe, ahd. a/«to; dazu asächs. ahto, ndl. acht^ afries. achta, ags. eahta, engl, eight, anord. ätta, schwed. ätta, dän. otte. Urverwandt mit lat. octo, gr. oktüj, altir. ochtn, ht. astuoni, abulg. osmt, arm. uth, aind. astau (ein alter Dual). Substantivisch: Acht f. "(1556 bei Frisius 913^ eyn achte). — ABL. achte, Ordnungszahl. Mhd. ahte, früher ahtocle, ahd. ahtodo; dazu asächs. ahtodo, ndl. achtsfe, afries. achtunda, ags. eahtoda, anord. ätti, schwed. ättonde, dän. ottende: 1540 bei AlbenisDict.rr 1^ der achtest. — Achter, m.: die Zahl 8, Münze von 8 guten Groschen, von 8 Pfennigen, bei Stieler 1691. ZUS. Achtel, n. (-S, PI. wie Sg.), geschwächt aus Achtteil: der achte Teil; ein aus 8 Teilen bestehendes Trockenmaß, mhd. ahtteil, ahtel. achtzig, s. -zig. •^Acht, f.: Richtung des Geistes worauf; Aufmerksamkeit, Füi-sorge. Mhd. aht, ahte, ahd. ahta f.; dazu ags. eaht f.; got. anord, nicht vorhanden, doch erscheint hier die Ab- leitung cefla (aus *ahtilön) «meinen». Die gleiche Wurzel (Grundbed. wohl «sinnen»), zeigen got. aha m. «Verstand», rt/y'a» «meinen» (zu gr. öcco|uai «im Geiste sehen»), ahnia m. «Geist». Die Verwandtschaft der germ. Worte mit lat. oculus, gi". öiruuTra, wird von Uhlen- beck, Btr. 17, 115 bestritten, aber sein eigener Vergleich der Worte nüt gr. ökv^u) «zaudern» ist kaum richtig. — achten, v.: den Geist I 21 Acht Adel 22 worauf richten; eine daraus hei*vorgehende Meinung wovon haben; in seiner Meinung höher oder tiefer stellen (ohne Adv. = hoch- achten erst bei Adelung 1774); Aufmerksam- keit und Fürsorge schenken. Mhd. ahten, ahd. dlltön; dazu ndl. achten, ags. eahtian. ABL. achtbar, adj. und adv.: höhere Meinung ver- dienend, mhd. ahtbmre. — achtlos, adj. und adv.: ohne Aufmerksamkeit, bei Stieler 1691. — achtsam, adj. und adv.: Aufmerksam- keit und Fürsorge zeigeiad, mhd. nur in iin- ahtsam. — Achtung, f.: Wendung der Auf- merksamkeit und Fürsorge worauf; aner- kennende Memung wofür, spätmhd. ahhmge, ahd. ahtunga f. "Acht, f. : Ausschließung vom Rechtsschutz. Mit Kürzung des Vokals (doch Aacht noch Oelinger S. 34) aus mhd. ähte, ahd. dhta f. «Verfolgung» : dazu ags. öht. Als germ. Gnind- form ist *cmlitö anzusehen, die kaum zu eng (s. d.), also eig. «Bedrängung», eher zu gr. ävÖTKri, altir. ecen «Zwang», kymr. angen «Notwendigkeit, Zwang», lat. necäre «töten», nocere «schädigen» usw. (vgl. Walde s.v. neco) gehört.. ABL. ächten, v. : außer Recht und Heimat setzen: der Verfolgung preisgeben. Mhd. cehten, ahd. ähten «verfolgen»; dazuasächs. ähtian, ags. ehtan «verfolgen». — Achter, m. (-S, PI. wie Sg.l: der in der Acht steht (üh- land Ernst von Schwaben 2, 1 ). Mhd. cehtcere, aber auch in der Bed. «Verfolger», ahd. ähtäri «Verfolger». Achterdeck, n. {-s, PI. -e|: Hinterdeck des Schiffes. In der niederd. Seemannssprache ; achter ist ndd. Form für after (s. d.). achtsam, Achtung, s. ^Acht ächzen, v.: ach schreien; tief aus der Brust gepreßte Schmerzenslaute ausstoßen. Mhd. ächzen, echzen. Von ach. Acker, m.[-s, Vl.Äcke^-}: Pflugland; einem Eigentümer angehöriges abgegi'enztes Stück Pflugland; ein gewisses Landmaß. 'Mhd. acker, ahd. acchar, ackar m.; dazu asächs. accar,\ ndl. akker, ags. cecer, engl, acre, anord. akr, schwed. äker, dän.ager m. «Acker». Es stimmt der Lautverschiebung gemäß mit den gleich- bed. lat. ager, gr. dfpöc m. und skr. djras «Flur, Ebene» und wird gewöhnlich zu der Wurzel gestellt, die sich in lat. ago, gr. afü), ai. äjämi «treibe, tue», anord. aka «fahren», zeigt, unter Annahme einer Entwicklung, wie in Trift zu treiben. Doch ist dies durchaus unsicher. Vgl. Hirt Idg. Forsch. Anz. 13, 9 f. ABL. ackern, v. : mittelst des Pfluges Land bauen, spätmhd. ackern (dafür früher ern^ s. Ernte). ZUS. Ackerbau, m., frühnhd. (bei Luther ). — Ackermann, m., mhd. acker- man, ahd. accharman, ags. mcermon. Dazu das Dim. Ackermännchen n., in vielen Gegen- den Benennung der Bachstelze, weil sie sich imFiühling ihrer Nahrung wegen beim Pflügen i Ackern) regelmäßig einfindet. 1517 bei Tro- chus H 4^ ackermenchen. Ackermennig, s. Odermennig. Acker würz, f.: der Kalmus, dessen Wurzel als Gewürz und Heilmittel dient. IMhd. acker- ivurz. Acker- geht hier auf den gr.-lat. Namen dieser Pflanze zurück: acorus, gr. oKopoc f. Adam, Eigenname, hebr. adam «Mensch», Redensart: der alte A. d.i.: der alte sündige Mensch, die angeborne sündhafte Natur (häufig bei Luther). ZUS. Adamsapfel, m.: der vorstehende Teil der Luftröhre (bei Jablonski 1721). Früher dafür Adamshiß; nach einem verbreiteten Volksglauben ist Adam beim Ge- nuß des verbotenen Apfels im Paradies ein Stück davon (meist wird an den Apfelbutzen gedacht) im Halse stecken geblieben. addieren, v. : zusammenzählen. Von lat. addere (aus ad «zu» und dare «geben» ge- bildet) «hinzutun». Schon 1514 bei Böschen- steyn A 3^^. ade, Interj.: lebe wohl! Substantiviert: Ade n.: das Lebewohl. Mhd. ade, verkürzt aus franz. adieu (eig. ä dieu «zu Gott! Gott befohlen»!). Diese franz. Form selbst wui-de wieder seit 1600 üblich (volkstümlich in adjes entstellt), während ade der poetischen Sprache verblieb. Adebar, Adebär (Claudius 3, 66;, m. (-n, PI. -en): in Niederdeutschland verbreitete (fiüher allgemeinere) Benennung des Storches. Aus mhd. odehar, odeher, ahd. odohero, dazu mnd. odevare, ndl. ooievaar m. Gewöhnlich als Glückbringer (od «Glück», s. Allod, hero «Träger, Bringer», s. gebären) erklärt. Adel, m. (-S, ohne PI.): Geschlechts- und Standesvorzug; Gesamtheit der so Bevorzug- ten: Erhabenheit über das Gemeine als sitt- licher Vorzug. Aus mhd. adel n., seltener m., ahd, adal n. «Geschlecht, von dem man her- stammt, besonders ausgezeichnetes»; dazu asächs. aäali n. «Geschlecht, Gesamtheit der Edeln», ndl. adel m., ags. ceäelu n. PI. «natür- hche Anlage, vornehme Geburt», anord. aäal n, «natürliche Beschaffenheit, natürhche Anlage». Grundbed. «Geschlecht» als Vorzug der im Stande höher Stehenden. Dazu noch (mit Ab- 2* 23 Adept adoptieren 24 laut) ahd. uodil nodal, asächs. ödü, ags. edel, anord. ödal n., «Erbgut, Heimat». ABL. adlig (eigentlich adlich zu schreiben, vgl. hülig), adj., mhd. adeUich, ahd. adallih. adeln, V.: in den Adelstand erheben; über das Ge- meineerheben. Bei Dasypodius 1537, während mhd. dafür edehi erscheint. Mit Adel- zus.- gesetzt sind viele Eigennamen: Adall)ert, ge- kürzt Albert, Albrecht, ahd. Adalbert, ur- sprünghch Adalperaht (ahd. peraht, «glän- zend»); Alfons, ahd. Adalfims (urspiüng- lich wohl Hadnfuns, ahd. liadu, «Kampf», funs «bereit», vgl. H. Kern ZfdW. 9, If.); Adelheid , ahd. Adalheit, franz. Adelaide (ahd. heit «Gestalt», s. heit); Adele, franz. Adele, geht zurück auf ahd. Adala «die aus- gezeichneten Geschlechtes ist»; abgeleitet ist der Familienname Adelung, ahd. Adahinc. S. edel. Adept, m. (-en, PI. -en): der in die ge- heime Kunst des Gohlmachens, der Bereitung des Lebenswassers usw. Eingeweihte. Von lat. adeptus «wer etwas erlangt hab>, Part. Perf. von adipisci «erlangen». Bei Sperander noch in lat. Form adepti (PI.). Ader, f. (PI. -n): den tierischen KöqDer durchziehender Gang, Sehne, Blutgang; sonst innerer Gang, z. B. des Erzes, im Holze; be- sondere Begabung wofür, z. B. dichterisclie A. (die Adern galten fiüher als Organe des Seelen- und Gemütslebens). ^Ihd. äder, ahd. ädara f.; dazu ndl. ader, aar, ags. ädre, schwed. äder, ädra, dän. aare f.; anord. cedr (r ist Nominativendung) entbehi-t des ableitenden r. Das Wori, das im Got. *ej>ra lauten wüi'de, gehört mit gr. rirop n. «Herz», firpov n. «Bauch» zusammen, also Grundbed. «Eingeweide» (diese Bed. hat das mhd. incedere n. noch). ABL. äderig, adj., spätmhd. ce(?enc. — ädern, v.: der Adern durch Herauslösen benehmen, mit Adeni künstlich versehen, mhd. cedern. ZüS. Aderlaß, m., seltener n., (Gen. Aderlasses, PI. Aderlässe und -lasse) : Ablassen von Blut dui'ch Einschnitt in eine Ader, spätmhd. dder- läg f. (?), gewöhnlich dderlce^e f. (wie auch einfach Ice^e f., alem. Ice^i); auch nhd. er- scheint ein fem. Aderlässe (bei Frisius 270% Maaler, Henisch, Frisch, sogar noch bei Schu- bai-t 2, 78, Schiller 9, 377 u. andern Schwaben) oder Aderlasse, -laß (noch bei Ludwig 1716), während Adelung für das Mask. eintritt (nach Analogie von Durch-, Einlaß usw.). — Ader- SChlag, m.: Schlag der Pulsader (Schiller Kab. u. L. 5, 2), mhd. äderslac. Adjektiv, n. (-es, PI. -e): aus niat. ad- jectivuni «was sich wozu setzen läßt», von adjicere «hinzutun». VonHelvicus durch «zu- ständiges Nennwort», von Zesen Helikon 1649 durch «beiständiges Wort», von Schottel durch «beiständiges Nennwort», von Gottsched durch «Beiwort» verdeutscht; in neuerer Zeit ist «Eigenschaftswort» beliebter. adj es, s. ade. Adjunkt, m. {-en, PI. -en): der beige- gebene Amtsgehilfe. Aus lat. adjunctus, Part. Perf. Pass. von adjungere «zu-, beifügen». Bei Frisch 1741 Adjuncte. Adjutant, m. (-en, PI. -en): Hilfsoffizier zur Befördening der Befehle. Aus lat. ad- jutans, Gen. adjufantis, Part. Praes. von ad- jutare «.helien». Schon 1617imteutschenMichel. I Adler, m. (-s, PI. wie Sg.): aus mhd. adelar, adlar, adler (Gen. adelarn etc.), auch adelarn m., wie ndl. adelaar, zusammengesetzt aus ahd.öw^aZi «edel» und aro «Aar» (s. d.). Bei Luther auch adeler, was sich in der poeti- schen Sprache bis ins 18. Jh. erhält (bei Voß). Die urspr. schwache Flexion ist schon bei Lu- ther der starken gewichen, der Akk. Adlern je- doch noch bei Hoffmannswaldau Verm. Ged. 3. ZUS. Adlerblick, m. : ausgezeichnet scharfer Blick (Gotter 1, 398). — Adlernase, f.: stark gebogene Nase (bei Henisch 1616 adler s nas). administrieren, v. : ein Amt verwalten. Von lat. administrare «hilfreich an die Hand gehen, besorgen, verwalten» (von ad und niinistrare «bedienen, besorgen»). Li der früh- nhd. Kanzleisprache. ABL. Administration, f. (Fl.-en): Verwaltung (Ordnungen SO^j. Von lat. administratio. Gen. -önis. \ Admiral, m. {-s, PI. -e): Flottenführer. Aus afi-anz. admiral, das auf arab. 'amir-almä «Befehlshaber des Wassers» beruht. Schon mhd. findet sich amiral, admirät als Titel des morgenländischen Kalifen, um 1500 erfolgte Neuentlehnung in der Bed. «Flottenbefehls- haber» (1507 bei Wilwolt von Schaumburg 118 fg. amirall. amerall, bei Fronsperger Ki-iegsbuch 1,109^ Admiral). ABL. Admi- ralität, f.: die Gesamtheit derer, die die Oberaufsicht über das Seewesen haben. Im , 17. Jh. Adolf, Mannsname, aus einem got. Namen, der latinisiert Ataulfus lautet und dessen ulfiis got. wulfs «Wolf» (s. d.) ist. adoptieren, v. : an Kindesstatt annehmen. Von lat. adoptare «annehmen, bes. an Kindes- statt» (von ad und optare «sich ausersehen»). 25 Adresse after 26 Fiühnhd. (Franck teutsche Chronik 26^). — Adoption, f. (PI. -en) : Annakme an Kindes- statt, fiühnhd. (Sallust 0 4). Von lat. adoptio, Gen. -onis. Adresse, f. (PI. -n j : Aufschrift auf einem Brief; feierhches Schreiben. Aus franz. adresse im 17. Jh. entlehnt (Weise pol. Näscher 34), in der 2. Bed. zugleich unter Einfluß des engl. address «Schreiben des Parlaments an den König». — adressieren, v.: wohin zum Emp- fang überschreiben. Aus franz. adresser, das auf dem mlat. directiare «wohin richten» (von directus, s. direkt) beruht. Advent, m. {-es, ohne Pl.i: die Zeit vom vierten Sonntag vor Weihnachten bis zu diesem als dem Feste der Ankunft Christi im Fleische d. i. seiner Geburt, iihd. ad.vent, advenfe m. von lat. adventus m. «Ankunft». Adyerb, n. (s, PI. Adverhien)-. das Be- stimmungswort des Verbums und des Adjek- tivs. Aus lat. adverhium, das nach ad verlyum «zumVerbimi (Zeitwort) gehörig» gebüdetist. Von Helvicus durch «Beiwort», von Schott el durch «Zuwort», von Gottsched durch «Xeben- wort» verdeutscht, in neuerer Zeit dm-ch «Um- standswort» (schon 1619 bei Helvicus allgem. Sprachkunde 10 üinhstandwort). AdTOkat, m. (-ew, PI. -en) -. wer als Eechts- gelehrter jemandes Sache vor Gericht zu führen hat, der Sachwalter, Anwalt, (schweizerisch) Fürsprech. Aus lat. advocatiis m. «"der zur Rechtshilfe Herbeigerufene», Part. Praet. Pass. von a von afficere (s. affizieren). Fmhnhd. (15.34 bei Franck Weltbuch a 4^j. ABL. af- fektieren, V.: zum Schein annehmen, be- sonders auf gezierte Weise, erkünsteln. Aus fi-anz. affecter, das auf lat. affedare beruht. Im 17. Jh. entlehnt, das Part. Praet. bei Günther 429 affediert, während bei Schupp 2, 183, der lat. Form näher, affedat. äffen, Äifiu usw., s. Affe. affizieren, v.: angi-eifend erregen, Ein- di'uck machend berühren. Aus lat. afficei-e (von ad und facere «tun, machen» gebildet) «hinzutun, Eindruck machen, in eine gewisse Stimmung versetzen». Schon bei Rot 1571 affidrn. Affodill, m. (-S, PI. -e) -. lilienartiges Gar- tengewächs mit vielen kleinen Wurzelknollen. Spätmhd. affodiUe m. Mit Anlehnung an Affe und Dill aus gleichbed. gr.-lat. asphodüus, gr. äcqpöbeXoc m. Affolter, m. (-5, PI. wie Sg.) : Apfelbaum (fast nur noch in Ortsnamen wie Ajfolterhadi erhalten). Von mhd. äff alter, ahd. affoltra, apholtra (ZfdWf. 2, 210) f.; dazu ags. apulder m. und apuldre, cepiddre f., anord. apaldr m., schwed. apel (früher apald), dän. ahild. Ab- geleitet von Apfel (s. d.); wegen der ange- tretenen Ableitung vgl. Hollunder, Maßhol- der, Wachholder. Afrusch, s. Äbeyraute. After, m. (-S, PI. wie Sg.): der Ausgang des Mastdarms. Mhd. after (Gen. aftern), ahd. aftaro, substant. gebrauchtes M. des ahd. Adj. aftaro, mhd. (selten) after «der hintere, nachfolgende, andere» von after (s. d.). Vgl. Hintere. Die ui'spr. schwache Flexion (noch bei Ludwig 1716) ist jetzt ganz der stai-ken gewichen. after (veraltet), Adv. und Präp. mit Dat., seltener Akk. : hinter, nach. Mhd. after, ahd. aftar «hinter, nach»; dazu nd. und ndl. achter 27 Agel ah! 28 (s. Ächterdeck), ags. ceßer, engl, after «nach», got.aftra «zurück, wiederum». Weiterbildung von got. af, s. ah und aber. In Zusammen- setzungen nimmt after- gern den Begi-ift' des Scheinrechten und Schlechten an; es kommt in dieser Bed. des Negativen, Verkehrten schon mhd. neben den gleiehbed. Präfixen ah- und aber- (s. d.) vor und verdrängt diese im nhd. bis auf einzelne Reste. ZUS. Afterbürde {b.Mos. 28, bl Äffterhihi) f.: die Xachgebui-t. Aftergröße, f. (Schiller 11, 323): Schein- größe, falsche Größe. Afterklaue, f. (auch Äberklaue): die kleine Hornspitze über dem Ballen an den Läufen des Wildes (bei Duez 1664). Afterkönigill, f. (vgl. Afterkönig bei Nieremberger 1753): unrechtmäßige und Scheinkönigin (Schiller Maria Stuart 1, 6). Afterlehen, n. (bei Henisch 1616): das von einem Lehnsträger an einen Dritten vergebene Lehen. Aftermiete, f. (erst bei Campe 1807) : Vermietung durch den zur Miete Wohnenden an einen Dritten. Aftermontag, m.; (im östl. Schwaben) der Tag nach dem Montag, der Dienstag, mhd. aftermäntac. afterredeil, V. (vgl. mhd. afterrede f.): verleumderisch nachreden (bei Luther). Aftersal)bath, m. (Luk. 6, 1) : der Tag nach dem Sabbath. After- TVeise, m. (bei Aventin afterweis): Schein- weiser. Afterwelt, f. : Nachwelt (Hoffmamis- waldau Heldenbr. .51). Agel, s. Acliel.- Agende, f. (PI. -n): Formularbuch für das, was der Geistliche bei seinen Amtshand- lungen vorschriftsmäßig zu reden hat. Aus lat. agenda, eig. «die vorzunehmenden Hand- lungen», N. PI, von dem Part. Fut. Pass. von agere «tun». In den Kii'chenordnungen von 1582 agend. Agent, m. (-en, PI. -en) : Geschäftsbesorger. Aus dem gleiehbed. ita\. agente, franz. agentva.., das auf lat. agens. Gen. agentis «tuend, aus- führend», Part. Praes. von agere «tun, aus- führen» beruht. 1586 bei Fischaxt Bodinus 336. ABL. Agentur, f. (PI. -en): die Geschäfts- besorgung als Gewerbe. Aus einem nlat. agentvra. Ägide, f.: kräftiger Schutz. Eig. der (mit einem Ziegenfell überzogene? oder aus Eichen- holz bestehende) schreckende SchUd des Zeus. Nach fi-anz.e'gfiJef.aus gr. lat. «e^/s, Gen.aegidis, gr. ai-fic, Gen. aiYiboc. Junge Entlehnung. agieren, v. : handeln, wh-ken; mit Ab- sicht sich benehmen als — . Aus lat. agere (s. Agent). Schon bei Bot 1571 agirn. Agio, n. (spr. äschjo): das Aufgeld beim Umtausche von Münzsorten oder Wechsel- briefen gegen bares Geld. Aus piemontesisch agio, ital. aggio m. eig. «Gemächlichkeit, gute Gelegenheit», dann «Erkenntlichkeit», die man dem Wechsler für den Umtausch gibt. Bei Nehring 1694 mit den Nebenformen lagio (mit dem Artikel l'), lazo, von denen die letzte schon van. die Mitte des 17. Jh. vorkommt, bei Krämer 1678 Lasch i. agitieren, v.: en-egend auf die Menge einwirken, bes. in politischer Absicht. Aus franz. agifer «eiTegen, (politisch) aufwiegeln», entlehnt aus \at.agitare, «in Bewegung setzen», abgeleitet von agere (s. Agent). Erst in der neuern Sprache. ABL. Agitator, m. (-s, PI. -en). Mit der lat. Endung -ator nach fi-anz. agitateur m. Aglei, f.: eine glockenblumenartig blühende Gartenzierpflanze. Mhd. agleie, ageleie, ahd. agaleia, agleia f., aus ital. aquilegia d. i. die wassei'ziehende (?). S. Akelei. Agnat, m. (-en, PI. -en) : Blutsvei-wandter von väterlicher Seite. Aus dem gleiehbed. lat. agnatus m. d. i. ad-gnatus. In der früh- nhd. Rechtssprache (Liliencron 2, 531). !Mhd. sagte man sicertmäc. Agnes, Fraueimame. Aus mlat. Agnes, dem Namen einer um 300 zu Rom enthaupteten jungfräulichen Heiligen, frtiher von lat. ag- nus m., agna f. «Lamm» abgeleitet, vielleicht zu gr. äfvii, Fem. des Adj. öiyvöc, ötvöc «rein, keusch, heilig». Agralfe, f. (PI. -n): die Hakenspange; Hutschleife. Aus dem gleiehbed. franz. agraffe, agrafef. von a^ra/er «zuhäkeln», gebildet aus ad und einem v. *grafer aus ahd. kräphön von krdplw «Haken», s. Krapfen. Im 17. Jh. ent- lehnt (1710 bei Nehring). Agrarier, (-.s-, PI. wie Sg.): Mitglied einer auf Begünstigung der Landwirtschaft ab- zielenden Partei. Neues seit 1874 aufkom- mendes Wort von lat. agrarius adj. «zum Acker (ciger) gehörig». Agtstein, m. {-s, PI. -e): Bernstein. Aus mhd. agestein. agetstein «Bernstein, Magnet»; aget- geht wohl auf rom. (ital. span.) agata f. «Achat» zuiiick, da Achat, Bernstein, Magnet hinsichtlich der großem oder geringem An- ziehungskraft venvechselt wm'den. Bei Agri- cola de re metalhca 1546 gagates, schwartzer agatstein oder aidstein. . ah! Ausmf des Staunens und Wohlge- I fallens. Mhd. a. Vgl. franz. ital. span. ah. 29 äh ähuelu 30 äh! Interj., s. ä. aha! Ausruf der Üben'aschung, mhd. aha. Das an a (hier kurz) angehängte ha ist wohl Ausdruck des Lachens. ahl! Ausruf der lebhaften Freude und der freudevollen YerwTinderung. Dichterisch (bei Goethe, Bürger, Hölty). Mhd. ahi, Aus- ruf des Schmerzes, des Vei-langens, der Ver- wunderung. Aus fi'anz. ital. ahi. Ahle, f. (PI. -n): an ein Heft befestigter stählerner Stachel zum Vorstechen bei Leder- arbeit. Aus mhd. ale, ahd. äla f.; dazu ndl. aal, ags, ml f. (daneben äicel, engl, awl), anord. alr m. «Ahle». Eine "Weiterbildung zeigt ahd. alansa (daher Schweiz.- schwäb. Alse), vgl. franz. alene aus alesne und ndl. eis f. «Ahle». Verglichen wird aind. ärä f. «Pfiiem, Ahle», lit. ila, preuß. ylo, lett. tletis «Ahle». Vgl. noch Liden Idg. Forsch. 18, 492. Die Schrei- bung AJil "bei Gueintz 1645, sonst im 17. Jh. auch oft Aal; AJiIe erst bei Xieremberger 17-53. Neben dem F. auch ein M. AJil (noch bei Heynatz 1775 imd Adelung, daneben nochX.). Ahm, f., s. Ohm. ahmen, s. nachahmen. Ahn, Ahne, m. (-n, PI. -n): (veraltet) Großvater; Vorvater eines Geschlechts (1626 bei Zinkgref Apophth. 1, 339). Ahne, f.: Großmutter, Vormutter eines Geschlechts. Der PI. AJmen : Voreltern. Mhd. an, ane, ahd. ayio m. «Großvater»: mhd. ane, ahd-. ana f. «Großmutter». Nicht in den andern germ. Sprachen, vgl. Enkel. Verwandt ist lat. anns «alte Frau», apreuß. rt«e«Altmutter/>, lit. a«i^a «Schwiegermutter», arm. han «avia», gr. dvvic «Schwester des Vaters oder der Mutter» Hesych. Die urspr. schwache Flexion des M. weicht jetzt im Sg. z. T. der starken (Gen. Alins, Platen 2, 246 : Dat. Ahn Schiller Teil 2, 2, LTiland 254; Akk. Ahn Goethe 2, 249, Heine 1, 33). Davon abgel. das Schweiz. Dim, Ähni {Ehni Schiller Teil 3,1, schon 1384 eni, 1448 äny «Großvater», 1541 bei Frisius 697 der äne, des großvatters vatter). ZUS. Ahnherr, mhd. anherre m. « Großvater, Voi^ater ». Ahn- fran, mhd. anvrouwe f. «Großmutter, Vor- mutter». Dafür bei Voß Luise 3, 1, 636 Ahnin f. ^ahnden, v.: (veraltet) seinen Unmut über ein zugefügtes tJbel äußern, rügen; rächend bestrafen. Mhd, anden, ahd. andön, anadön «strafen, rügen», mnd. anden auch «andeuten»: dazu ags. andian «zornig sein». Abgeleitet von mhd. a« de m. «erbitternde Kränkung», ahd. ando, anado m. «heftige Erbitterung, Aufwallung über Kränkung, Eifer»; asächs. ando m. «Aufgeregt- heit, Zorn ;, ags.anda m. «Haß, Arger, Eifei*», alle zurückgehend auf got. anan «hauchen, atmen» in usanan «sterben» vgl. anord. a«*^^' m., öndi. «Atem, Geist» (verwandt mit lat. animus «Geist», anima f. «Seele», gr. aveuoc m. «Wind»). Doch vgl. Brugmann Ber. d. sächs. Ges. d. W. 1897, 30, der gr. vöcoc «Krankheit» mit dem germ. Wort verbindet, auch lat. nota, noiäre «kenn- zeichnen, tadeln, rügen ^. läßt sich vergleichen. Das Wort lautet ältemhd. meist anden (so noch Frisch 1741, wähi-end Xieremberger 1753 ahnden hat) vmd entstammt dem Obd., wo es auch noch in der altem Bed. «sich über etwas beklagen»(Schönsleder 1618), «seinenUn- mut über etwas äußern» (Dentzler 1709) vor- kommt (vgl. auch das in md. und obd. Mund- arten verbreitete es ist mir and «es ist krän- kend für mich, tut mir leid», in Leipzig es tut mir ände): in der 2. Bed. ist es aus der Kanz- leisprache in die Schiiftsprache übergegangen (z. B. bei Moscherosch Phil. 2, 917j. ABL. Ahndung, f.: (veraltet) Äußerung des Un- muts, Zorn: Bestrafung. Frühnhd. (bei Franck Chron. 176^). -ahnden, v.: wie ahnen (s. d.). Dazu ahndeTOll, adj.undadv.: voll einer dunklen Vorempfindung wovon (Goethe 2, 65 u. ö.). ^Ahne, f.: Groß-, Vormutter, s. Ahn. -Ahne, f. (PI -n)-. StengelspHtter von Flachs oder Hanf: StachelspHtter vom Barte des Getreides. Zusammengezogen (bei Alberus Dict. Qq l'' und tt 1^ unrichtig aus der wetterauischen Mundart verhochdeutscht aun statt an) aus mhd. agene. agen, md. auch äne, aine, ahd, agana f. «Spreu»; dazu ags. egenu, anord. ögn «Spreu», schwed. agn f, «Granne», dän. avne «Spreu», engl, (entlehnt) aicn «Abfall von Ährenspitzen», got. ahana f. «Spreu». Aus der gleichen Wurzel yde Agel oder J.cÄeZ(s.d.)und.4Äre(s.d.). Verwandt sind lat. agna f. aus *acna «Ährenstachel», gr. a.-%yr\ f. «Spreu», preuss. ackons «Granne» und mit andrer Ableitung auch lit. aknotas «Granne». Ahne ist erst neuerdings schriftsprachlich; Stieler 1691 setzt Agen (daneben Aunen) an, Adelung Age f. und bezeichnet AJine als mundartlich. ähneln, v. : nur etwas ähnlich sein: einiger- maßen ähnlich machen (Goethe Faust 5079). Zuerst 1652 bei W. Scherffer Ged. 197, 1775 bei Heynatz als ein Wort aus dem gemeinen Leben angeführt, im altem Nhd. dafiü' ähn- lichen. 31 ahnen Akkord 32 ahnen, v.: dunkel vorempfinden. Auch unpersönlich mit Dat. oder Akk. (oft bei Klopstock) verbunden. Mhd, (in md. Quellen) mir anet und mich anet, daneben auch andet, aus dem aber anet nicht hei-vorgegangen sein kann, vielmehr Ableitung von der Pi-aep. ane also eig. «es kommt mich etwas an»; später mit anden (s. ahnden) vermischt. Im 16. Jh. bei Luther mir (mich) ahnt, bei Alberus Dict. V 2^ es anet mir, daneben wird anden (Formen wie ant, andt als 3. Sing, sind zweifelhaft) auch in der Bed. «vorempfinden» gebraucht, z. B. bei Hans Sachs. Im 17. Jh. tritt ahnen ganz hinter ahnden zurtick (in der Bed. «dunkel vorempfinden» bei Duez, Krämer; Stieler hat ahnen und anden). Im 18. Jh. stehen lange ahnen und ahnden nebeneinander, Heynatz 1775 im Handbuch und noch 1796 im Antibarbarus zieht ahnden vor, Adelung verwirft noch 1793 ahnen (in ndd. Dialektwörterbüchern mehr- fach verzeichnet) als niedersächsisch, während Campe 1807 in der jetzt üblichen Weise zwischen ahnen und ahnden unterscheidet. Goethe gebraucht ahnden (s. ahndevoll), doch in der Ausgabe letzter Hand meist ahnen. Aus dem Deutschen schwed. ana, dän. ane. ABL. Ahnung, f., bei Stieler 1691. ähnlich, adj. und adv.: der Überein- stimmung annähernd. Aus mhd. änelich, anelich, ahd. analih, gew. anagüih, abgeleitet von ana «an»; dazu got. analeikö adv. «ähn- lich». Mit diesem Adj. (bei Luther enlich, bei Frisius 129^, Maaler 12^ änlich, bei Dasypodius 296 Äenlichheijt) scheint ein md. einlich (z. B. voc. praed. x 8^ einlich vel glich machen «similare», einlicher Waldis 2, 22, 6, eynligkeyt Alberus Dict. o 2^^) ver- mischt zu sein, abgeleitet von oder angelehnt an ein. Vergl. Z. f. hd. Ma. 1, 299, ZfdW. 6, 100, ABL. ähnlichen, v.: ähnlich sein oder werden, mhd. anelichen. Ahorn, m. {-es, PI. -e): Platane. Mhd. ahd. ahorn (die Quantität des a ist unsicher) m., eigentlich ein Stoffadjektiv, vgl. Osthoff Parerga 188. Verwandt mit lat. acern. «Ahorn», gr. cxKacToc- y] c(p^vbaf.ivoc («Rüster, Ahorn») Hesych. ABL. ahornen, adj., mhd. ahornin. ZUS. Ahornbaum, m.: spätmhd. ahorn- houni, früher ahornenhoum. Ähre, f. (PI. -n): der oberste Blüte- und Fruchtteil der Gras- und Getreidearten. Aus dem PI. von mhd. äher, eher, ahd. ehir, ahir n. «Ähre»; dazu ndl. aar, ags. ear und cehher, engl, ear, ferner mit erhaltenem s der Ab- leitung, das sonst in r übergegangen ist, anord. schwed. dän. ax, got. ahs n. «Ähre». Verwandt ist lat. acus f.. Gen. aceris «Ge- treidestachel», lit. aküotas m. «Granne», und da als Grundbed. der Wurzel der Begiiff des Spitzigen anzusehen ist, auch lat. acies f. «Schärfe», acuere «schärfen», gr. ölkvjv m. «Wurfspieß» usw., s. Walde s. v. acus, vgl. Ecke. S. auch Achel und Ahne. Bei Luther ist das Wort schon Fem. (die Ehr, Eher), ebenso bei Henisch (die Ar, Ähr) und Gueintz (die Ähre), während z. B. Dasj^podius noch das N. (Äher) hat. Aiche, aichen, s. Eiche. Akademie, f.: Hochschule, Gelehrten-, Künstlervereinigung. Aus gr.-lat. Academia, gr. ÄKabriiLiia f., der angeblich nach einem Heros Akademos benannte, zu Leibesübungen bestimmte Platz zu Athen, auf dem Plato lehrte; dann die von Plato gestiftete Schule. Im 16. Jh. entlehnt (Mathesius Luther 70 Academie). ABL. akademisch, adj., 1586 bei Fischart Bodinus 39, nach lat. academicus, gr. dKabrmiKÖc. Akazie, f.: der Schotendorn. Aus gr.-lat. acacia, gr. dKOKia f. Akelei, f.: wie Aglei (s. d.). Spätmhd. ackeley, ahd. ackeleia und acoleia (Stein- meyer-Sievers ahd. Glossen 3, 402, 53), dazu mnd. acoleie, nid. akelei. Aus spätlat. aculegia stait aquilegia. Akklamation, f. (Pl.-en): Beistimmung durch Zuruf. Aus lat. acclamatio. Gen. accla- mationis f. «Zuruf», von acclamare (d. i. ad- claniare) «zurufen». Bei Sperander 1728. akkomodieren, v. : anbequemen. Aus lat. accomodare (d. i. ad-comodare) «anbequemen». Schon bei Rot 1571 acconiodirn. akkompagnieren, v.: in der Musik mit- spielend begleiten. Aus franz. accompagner «begleiten», s. Kompagnie. Um 1600 entlehnt (Albei'tinus Kriegsleut Weckuhr 48^). Akkord, m. (-es, PI. -e): Übereinkunft, abgeredeter Vertrag, im besondern der Lohn- vertrag; der stimmende Zusammenklang m der Musik. Aus dem gleichbed. franz. accord m. von mlat. accordum (d. i. ad-cordum) oder ac- cordium n., das auf lat. cor. Gen. cordis, «Herz» zurückgeht. Im 16. Jh. entlehnt. ABL. ak- kordieren,v.: vertragsweise übereinkommen; auf den Preis imterhandehi ; in Lohnvertrag übernehmen., Aus dem gleichbed. franz. ac- corder. Im teutschen Michel 1617 erwähnt, auch bei Moscherosch Phil. 1, 322. 33 akkurat Akzise 34 akkurat, adj. und adv.: sorgfältig, ganz genau. Aus lat. accuratus, eig. Part. Perf. Pass. von accurare (d. i. ad-curare) «Sorgfalt worauf verwenden, pünktlich besorgen». Im 17. Jah. entlehnt (Weise Erzu. 7). ABL. Akkuratesse, f.: Sorgfalt, völlige Genauig- keit im Tun, Pünktlichkeit. Mit der franz. Endung -esse nach ital. accuratezza f. ge- bildet, das lat. acciiratitia lauten würde. Bei Sperander 1728. Akkusativ, m. {-es, PI. -e): der auf die Frage wen? oder was? stehende Fall. Aus lat, accusativus «anklägerischer (Kasus)», von accusare «anklagen», eine Übersetzung des griechischen Grammatikerwortes airiaTiKr) f. (nämlich tttujcic). akquirieren, v.: erwerben. Von lat. acquirere (aus ad und ^waerere gebildet) «dazu erwerben, erwerben». Schon bei Rot 1571 aequirirn. . Akt, m. (-es, PI. -e): Handlung, Ver- handlung; Verhandlungsschrift (daher von einer Sache Ä. nehmen, d. i. zur Kenntnis nehmen, eig. schriftlich) ; Aufzug im Bühnen- spiel. Aus lat. actus, Part. Perf. Pass. von agere «handeln, tun». In der 1. Bed. bei Al- bertinus Lustg. 61, in der 3. Bed. schon im 16. Jh. in lat. Form actus, bei Opitz Akt. — Akte, f.: Verhandlung, Verhandlungsschrift, namentl. eines Parlaments. Bei Wächtler 1711. Aus lat. acta, Neutr. PI. von actus. — Akten, PI.: Verhandlungsschriften, Gerichtsschriften. Aus lat. acta. In der frühnhd. Kanzleisprache (Eeichs-Ordnungen 42^ von 1500 neben acta). Aktie, f. (PI. -n): Anteilschein als Ver- sicherungsurkunde bei einem auf Gewinn gegründeten gesellschaftlichen Unternehmen. Aus ndl. actie, das auf lat. actio «Handlung» beruht, zu agere. Bei Ludwig 1716. ABL. Aktionär, m {-s, PI. -e): Inhaber eines solchen Anteilscheins. Aus franz. actionnaire, das auf mlat. actionarius beruht, von actio, Gen. actionis «Handlung». Erst im Beginn des 19. Jh. aktiv, adj. und adv.: tätig, wirkend. Aus lat. activus «tätig», von actus, s. Akt. Bei Wächtler 1711 actif. Dazu Aktivum, n.: die Form des Verbums, in der es eine Tätig- keit ausdrückt, Tätigkeitsform. — Aktiva, PI.: tatsächliches Vermögen, ausstehende Schulden. Im 18. Jh. Aktuar, m. {-s, PI. -e)-. der zum Auf- schreiben amtlicher Verhandlungen oder Aus- sagen Angestellte. Aus lat. actuarius m. «Ge- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Schwindschreiber, Rechnungsführer», von actus, s. Akt. In dieser lat. Form schon bei Rot 1571, Akustik, f. : Wissenschaft von Schall und Ton, Klang- und Gehörlehre. Aus gr. cikou- cTiKr) «die zum Hören gehörige» (nämlich x^x^n «Wissenschaft»), F. des Adj. dKoucxiKöc von diKoüeiv «hören». Im 18. Jh. entlehnt. — akustisch, adj.: der Akustik gemäß. Akzent, m. {-es, PI. -e)-. hervorhebender Silben- oder Wortton; Redeton; Tonzeichen z. B. a a a. Aus lat. accentus m. von acci- nere (d.i. at^-dwere) «wozu singen». Um 1500 entlehnt (Luther 3, 58* Jen.). J.5Z/. akzen- tuieren, V., aus mlat. accentuare, im 18. Jh. entlehnt (Lessing 7, 37). akzeptieren, v.: anerkennend annehmen. Wie franz. accepter aus gleichbed. lat. accep- tare (d. i. ad-ceptare). 1403 acceptiren (Frankf. Reichscorresp. 1, 739). Akzeß, m. {-sses, PI. -esse): Zutritt zu einem Amt, um sich in Ausübung desselben vorzubereiten. Aus lat. accessus m. «Zugransf» von accedere (d. i. ad-cedere) «herzutreten, -kommen». Bei Rot 1571 in der allgemeinen Bed. «Zugang», unsre spez. Bed. erst im 18. Jh. ABL. Akzessist, m. {-en, V\.-en): der sich einem Akzeß Unterziehende (GotterGed. 1, 100). — Akzessit, n.: dem Hauptpreise für eine Leistung fast gleichgeltender Nebenpreis. Aus I franz. accessit «Nebenpreis», d. i. lat. accessit, I «es ist hinzugekommen», der 3.Pers. Sing. Perf, von accedere (d. i. ad-cedere) «her zutreten». Akzidenzien, PI.: Nebeneinnahmen in einem Amte. Aus lat. accidentia PI. «zufällig Zukommendes», eig. «Zufall», von accidens, Part. Praes. von accidere (d. i. ad-cidere) «zufallen». Bei Krämer 1678 verzeichnet. Akzise, f. (PI. -n)-. Zehr- und Waren- steuer; SteUe, wo sie in Empfang genommen wird. Aus dem gleichbed. franz. accise f., das auf mlat. accisia von accisum, Part. Perf. Pass. von accidere «an-, einschneiden» zui'ück- geht, also eig. «Einschnitt, nämlich in die Kerb- stöcke, auf denen der Steuerbetrag des Pflich- tigen eingeschnitten war» (diese Stöcke wurden gespalten und dienten, indem die eine Hälfte in der Hand des Steuerpflichtigen, die andere in der des Erhebers blieb, auch zur Quittung und Kontrolle). Schon seit 1300 nrhein. assise, accise, accinse u. dgl., allgemeiner im 16. Jh. (Schupp 1, 512 hat Accis als m., Schottel 1663 dagegen Accis f., bei Fischart Pract. Großm. 1607 C 6^ Acciser m. «Steuer- einnehmer)». 3 35 Alabaster Aldermann 36 Alabaster, m. (s, PI. wie Sg.): fein- körniger, harter, polierbarer Gipsstein. Mlid. ^ alabaster n. aus lat. alabastrum, gr. äXäßacrpov j n. (daher got. alabalstrawi), früher dXcißacTpoc m. «sinteriger faseriger Kalkstein, daraus ge- : arbeitetes Gefäß». Dies stammt vielleicht aus dem Orient. Ygl. Levy Sem. Fremdwörter 55. J.J5I/. alabastern, adj.: aus Alabaster; (bild- hch) blendend weiß. ^Alant, m. {-es, PI. -e): in schnellfließen- dem Wasser lebender, dickköpfiger, wohl- schmeckender Fisch vom Karpfengeschlecht, j cyprinus cephalus. Mhd. alant, ahd. alant, \ ahmt; dazu asächs. alund m. Dunkler Her- kunft, A-i eileicht mit Aal zusammenhängend. 'Alant, m. {-es, PI. -e): bei uns wild- wachsende Pflanze mit gewürzhafter, bitter i schmeckender Wurzel, die als magenstärkendes i Arzneimittel dient, inula helenium. Mhd. ahd. alant m. Wahrscheinlich von dem \'xilgär- lat. und span. port. ala (Isidorus orig. 17, 11, 9), ' vgl. Älbeere; die Pflanze (lat. inula f., gr. ^ ^\^viov n.) hat im Mlat. schwankende Be- nennung, z. B. anula, elna. ellenius. \ Alarm, m. {-es): aufregendes Geschrei i und Getöse. Aus dem gleichbed. franz. i alarme f., span. allarma f., ital. allarme m. «zu den Waffen!» Seit dem 15. -Jh. als Älerni, ' Älann, Alarmen, s. Lärm. ABL. alar- 1 mieren, v. : dm-ch Lärm beunruhigen oder i aufschi-ecken. Aus fi-anz. alarme^- . Im 17. Jh. Alaun, m. und n. {-es, PI. -e): weißes,] halbdurchsichtiges, zusammenziehendes Erd- salz. Mhd. alün m., aus dem gleichbed. lat. almnen n. (vgl. darüber Walde s. v.), woher auch franz. ahm, ital. alume m. ABL. alail- \ neu, V.: mittelst Alaun bearbeiten, mhd. alunen. ' Alb, s. Alp. ! AI bäum, m. {-s, Vl.Albäume): der Hecken- kirschbaum, die Hundsbeerstaude, lonicera 1 xylosteum. Frisch 1741 hat als schlesisch Aalkirsche-, die Frucht ist nach der Ähn- lichkeit mit der Albeere (s. d.) benannt, ^Albe, f. (PI. -n): das weiße Chorhemd | des Geistlichen. Mhd. albe, ahd. alba aus I dem gleichbed. kirchlich-lat. alba f., zu lat. albus «weiß». -Albe, f. (PI. -n): fi-üher Albel, f. (PI. -n): ^ der kleine Weißfisch, cyprinus alburnus. Mhd. i albel m. aus dem lat. albula, f. von albulus, Dem. von albus «weiß». Albeere, f.: die schwarze Johannisbeere. In Niederdeutschland (schon mnd. albere, ndl. aalbes f.). Auch Alantbeere; der Name wegen der Ähnlichkeit im Geschmack mit der Alantivurzel. Alber, f. (PI. -n)-. die Weißpappel, poprdus alba. Mhd. alber, ahd. albari m. «Pappel», entlehnt aus ital. albero (aus lat. albulus) «Weißpappel». Vgl. Abele. albern, adj.und adv.: (veraltet) natürlich- einfach und ohne verfeinernde Ausbildung; geistig unfähig, ungeschickt. Mit Antritt eines n aus mhd. alwcere «einfältig», ahd. alawäri aber «gütig, freundlich zugeneigt», im got. alawerei f. «volle Aufrichtigkeit» (dui'ch Konjektm- hergestellt), zusamraenges. aus einem verstärkenden ala- und -wärt «freundlich», auf welche Bedeutung auch das got. unwerjan «unfreundlich werden, unwillig sein», schließen läßt. Vgl. DWB. 13, 689. Die älternhd. Form (auch bei Luther) ist alber (so noch bei Krämer 1678 und Stieler 1691, hier aber daneben albern, und selbst bei Frisch 1741), das auch im 18. Jh. noch vorkommt {albre Haller Ged. 71, Akk. albern Lessing 2, 231). ABL. albern, v.: sich albern benehmen (bei Stieler 1691). Dazu Alberei, f. (bei Lessing). Albernheit, f (dafür Alberheit bei Krämer 1678). Albert, Albreelit, s. Adel. Album, n. {-s, PI. -s oder Alben): Stamm-, Gedenkbuch. Aus lat. album n. «das Weiße», biet das zu Beschreibende, subst. Neutr. des Adj. albus «weiß». Im 17. Jh. aufkommend, bei Nehring 1710 verzeichnet. Albus, m. (Gen. u. PI. ebenso): Weiß- pfennig, seit 1360 geschlagene Münze in Westdeutschland, zuletzt im Kurfürstentum Hessen im AVerte von 9 Pfennigen. Aus mlat. albus (näml, nummus) «weiße Münze, Silberscheidemünze ». Alchimie, f.: die Goldmacherkunst. 1512 bei Murner Narrenbeschw. 6, 39 alchimey, mhd. alchemie, alchamie aus mlat. alchimia f., dieses aus gr. xnM^ia (mit Aussprache des T] = i) «die Chemie» (von xvpiöc m. «Saft, Flüssigkeit» gebüdet, von x^eiv «gießen») durch Vermittlung der Araber und daher mit dem arab. Artikel al, arab. alkimijä, woraus auch span. alquimia. ABL. Alchimist, m.: der die Goldmaclierkunst beti'eibt, mhd. alchiniiste von mlat. alchimista m. Aldermann, m. {-s, PI. -männer): Älte- ster in seiner Würde als Ratsherr oder über- haupt als Vorstand. Schon mhd. (in mitteld. Quellen) aldirman, aber erst wieder in den 37 Ale Alkoven 38 70 er Jahren des 18. Jh. auftauchend, und zwar entlehnt aus engl, alderman «RatsheiT», ags. ealdorman «Fürst, Vornehmer», zusammenges. aus ags. ealdor «Ältester, Herr» und man «Mann». Ale, n. (spr. el) : das englische ungehopfte, süße Weizenbier. Das engüsche ale, ags. ealu n., asächs. alo (in alo-fat n. «Biergefäß»), anord. schwed. dän. öl «Bier» gehört zu abg. olü «sicera» lit. alüs, lett. alus «Bier», Stamm alu-, von dem auch wohl lat. cdUmen «Alaun» (s. d.) abgeleitet ist, vgl. Walde s. v. Alemanne, m. (-w, PI. -n): Name der am Oberrhein wohnenden Völkerschaft, die zuerst im Anfange des 3. Jh. n. Chr. genannt wird. Lat. Alemannus aus ahd. Alaman, zu- sammenges. aus ala- (in Zusammensetzungen) «all, ganz» und man «Mann», vgl. got. alamans, PI. «alle Menschen, Menschheit». Daraus franz. Ällemand, ital. Älamanno, span. Aleman (mit erweitertem Begrüf) «Deutscher», danach auch mhd. Ahnan. Das Adj. alemanniscll als Bezeichnung des am Oberrhein gespro- chenen Dialekts erst im Anfang des 19. Jahrh. (durch Hebel). alert, adj.: flink, munter. Aus franz. alerte, span. alerto «muntei*, wachsam», zu- sammengerückt aus franz. ä Verte, span. al erta «auf der Hut», eig. auf der Höhe, wo man von nahenden Feinden nicht überrascht werden kann. Im 17. Jh. entlehnt., Alexandriner, m. {-s, PI. wie Sg.): aus 6 Jamben bestehender Vers mit einem Ein- schnitt in der Mitte. Nach franz. {vers) alexandrin, zuerst angewandt in dem franz. Heldengedicht Alexander der Große (roman d'Alixandre) und danach benannt (im 12. Jh.). Alfanz, m. (-es, PI. -e): Possenreißerei; falsche Vorspiegelung, Betrug. Mhd. alefanz «Betrug, Schalkheit»; auch persönlich «Schalk». — alfanzen, v.: Possen reißen. Betrug üben (bei Luther). Man vergleicht ahd. giana- venzön «Gespött treiben», ganavenzöd «Spöt- terei» (vgl. hess.-thür. fanzen «Possen treiben», bayr. fenzeln «zum besten haben», gefenz «Spott»), mhd. anvanz «Betrug», die zurück- gehen auf ein Masc. vanz «Schalk» (mhd. Dem. vänzelin «junger Schalk», vgl. auch Fant), dazu anord. fantr «Vagabund, Gaukler». Alfanz erscheint aber zunächst in der Bed. «Betrug» (bes. in der Redensart den alefanz slahen) und geht daher wohl auf ital. alV avanzo «zum Vorteil, zum Gewinn» zurück, indem es zunächst ein betrügferisches Ver- fahi-en beim Handel bezeichnet, erst später erfolgte Anlehnung an Fanz. Vgl. Firlefanz. ABL. Alfanzerei, f. (bei Luther). Alfons, s. Adel. Alfred, Mannesname. Aus ags. Alfred (ahd. Albrät), zusammenges. aus ags. (elf m. «Alp» (s. d.) und red, rced «Rat». Algebra, f.: die Buchstabenrechnung. Nach span. ital. algehra, franz. algebre f. aus arab. (mit dem Artikel al) al-jahr (bei den arab. Mathematikern) « Zurückführung gebro- chener Zahlen aufs Ganze», eig. «Verbindung getrennter Teile zu einem Ganzen», von arab. jabara «Getrenntes an einander befestigen, verbinden». Alizarintinte, f.: schwarze Tinte mit anfangs blaugiliner ^Färbung, imter Zusatz von Krapprot zuerst 1855 durch Leonhardi in Dresden hergestellt. Zusammenges. mit Alizarin n. «Krapprot», von span. alizari ni. «levantischer Krapp», einem aus dem Morgen- land stammenden Worte (arab. 'osära «aus- gepreßter Saft» von \isara «auspressen»). Alkali, n. (-S, V\. Alkalien): das (aus der Pflanzenasche gezogene) Laugensalz. Im 16. Jh. bei Paracelsus (Opera 1, 697) Alkali, 1594 bei Fischart Onomast. 389 Aleali. Nach franz. alcali, span. alcali m. aus arab. (mit dem Ar- tikel aT) al-qäli «die salzhaltige Asche aus der bes. in Südspanien wachsenden Pflanze Glas- schmalz (salicornia)», von arab. (j'fl^ä «im Tiegel kochen, rösten». Alkohol, n, und m. (s, PI. -e) : der reinste Weingeist. Aus span. alcohol von arab. (mit dem Artikel al) alkuhl «feines Spießglanzpulver zum Färben der Augen» (daher engl, alkool «Antimonschminke» und frühnhd. bei Thur- neysser Onomast. 1583 alcofol Puder, 1574 in Fischarts Onomastica 388 Alcohol est pulvis ' suhtilissimus), dann auf den feinsten Wein- j geist übertragen (bei Fischart a. a. 0. Alcohol ; vini). Vgl. Mahn Etymol. Unters. S. 107. Alkorau, m. {-s, PI. -e): der Koran, die heilige Schiift der Mohammedaner. Nach span. I franz. alcoran, ital. alcorano aus arab. (mit dem Artikel al) alquränu «Lesung, Buch», von arab. garaa «lesen». 1562 bei Mathesius Sarepta 94'' Alcoran. S. Koran. Alkoven, m. {-s, PI. wie Sg.) : zum Schlaf- cremach bestimmte Seitenvertiefung eines Zim- mers. Aus franz. engl, alcove, ital, alcova, span. alcoha f. «Schlafgemach», entlehnt aus arab. (mit dem Artikel al) al-qohha «Wölbung, ge- wölbtes Gemach, Zelt» (daher atVanz. aucuhe 3* 39 all allerhand 40 und daraus mhd. bei Wolfram Willeh. ekub «Zelt») von arab. qabba «abschneiden, aus- höhlen». 1711 bei Wächtler als Älcove, Al- coven und 1716 bei Ludwig als Alcove m. ; diese Form findet sich auch noch später, z. B. bei Uhland 78 (bei Voß Luise 2 zu ÄlJcov verkürzt). all, adj.: die einzelnen zusammengenom- men, so daß nichts fehlt; zuweilen auch wie ganz (alle Gegend Goethe 16, 47) und jeder (mid so schläft nun aller Vogel Goethe 6, 220, allen Augenblick Goethe Egm. 1). Mhd. ahd. al (Gen. alles); dazu asächs. ndl. al, ags. eall, engl, all, anord. allr, schwed. dän. all, got. alls. Verwandt ist altir. uile «ganz, jeder, all», lit. al- in alvienas «ein jeder» (Mikkola, Bezz. Btr. 25, 73). Da neben all auch ein ahd. ala- in Zusammensetzungen (s. albern) steht, wird das zweite / in all durch Assimilation eines suffixalen n erklärt, vgl. Bnigmann Die Aus- drücke für den Begriff der Totalität 66 ft'. all flektiert stark, daneben kann wie mhd. ein un- flektiertes all in allen Kasus stehen. Außerdem gibt es (schon bei Luther) ein unflektiertes alle (auf das auch all z. T. zurückgeführt werden kann), dies ist aus dem urspr. nur nach Präp. gesetzten alten mask.und neutr. Instrumentalis mhd. alle, ahd. allu hervorgegangen, z. B. nach alle dem, mit alle dem Heere (l.Mos. 33, 8), der dann auch adverbiell (wie mhd. mit alle, bei alle «vollständig») verwendet worden ist, z. B. alle dis volck (2. Mos. 18, 23) d. i. «voll- ständig, ohne Ausnahme dies Volk», dann ganz entsprechend dem unflekt. all verwendet. Auch in alle machen, alle sein, alle werden (seit Luther vorzugsweise bei Mitteldeutschen) geht alle auf den advei'biell gewordenen Instnimen- talis zurück, also eig. «vollständig», dann «ab- geschlossen, vorbei, nicht mehr vorhanden». Subst. All, n. (-s): die gesamte Schöpfung. Im 17. Jh. In Zusammensetzungen steht all- (mhd. al-, ahd. ala-) höchst verstärkend, z. B. allgegenwärtig, allwissend, s. auch albern. allaf! es lebe hoch! Niederrheinisch, z.B. Allaf Köln! Eig. «alles ab», wie mhd. ivol ab, das in der Bedeutung «Hurra hoch» um 1280 bei einem schwäb. Spruchdichter in einem gegen Rudolf von Habsburg gerichteten Spruch begegnet (Kluge ZfdWf. 2, 71). allda, adv.: das demonstrative räumliche da, verstärkt durch all. Mhd. aldä. alldieweil, s. dieweil. alle sein, werden, s. all. Allee, f. (PI. -n): Baumgang. Aus franz. allee f. «Lustgang zwischen zwei dazu ange- legten Baumreihen», urspr. allata, von franz. aller «gehen». 1644 bei Zeiller Episteln 4, 261. Allegorie, f. (PI. -n)-. sinnbildliche Dar- stellung. Mit gleichbed. franz. allegorie aus gr.-lat. allegoria, gr. äWriTopia f. eig. «was anders gesagt ist, als es verstanden werden solb (äWoc «andrer» und dYopeiv «reden»). Schon frühnhd. (Luther 3, 76^ Jen.), allegorisch, adj., 1586 Fischart Bodinus Vorr. 13. allein, alleine (dichterisch, z. B. bei Goethe, ühland), adj. (nur prädikativ): ohne ein anderes. Aus mhd. aleine (mit schwacher Flexion) «ganz für sich seiend» (auch das un- verstärkte schwache eine, ahd. eino hat die Bed. «allein»); entsprechend ndl. alleen, engl. alone. allein, adv.: ausschließlich, nur; auch in allein daß = «nur daß» und (dem sondern auch voraufgehend) nicht allein = «nicht nur». Als satzeinleitende Partikel bezeichnet allein Entgegensetzung und Beschränkung = « doch, aber» (von Luther gebraucht, aber später nicht allgemein, noch 1755 vonDomblüth bekämpft). allemal, adv.: jedesmal ohne Ausnahme; so und nicht anders, gewiß ; doch wohl, gleich- wohl (Geliert Fab. 1, 51). Gebildet aus den aneinandergefügten Akk. PI. mhd. alliu mal. allenfalls, adv.: eintretendenfalls, mög- licherweise. Mit angetretenem adverbialischen -s gebildet aus den aneinandergefügten Akk. Sg^ allen Fall, also eig. «auf jeden Fall, ohne Ausnahme, alle möglichen Fälle ins Auge ge- faßt»; bei Stieler 1691. A-BL.allenfalsig,adj.: nur in der Kanzleisprache; 1775 bei Heynatz. allenthalben, adv.: auf allen Seiten. Mhd. allenthalben, aneinandergerückte Dat. PI. mit eingeschobenem t, ahd. allenhalbon. zu mhd. halbe, ahd. halba f. «Seite, Richtung», aller-, der zur Verstärkung vor den Super- lativ eines Adj. oder Adv. tretende Gen. PI. von all, z. B. allererst, allerliebst, wie mhd. aller, das aber noch nicht mit dem folgen- den Wort fest verbunden ist. allerdings, adv.: (veraltet) in allen Stücken, gänzlich; gewiß und wahrhaftig, (konzessiv gebraucht) freilich. IVIit angetre- tretenem adv. -s aus den aneiniuidergemckten Gen. PI. aller dinge (so bei Luther und noch im 17. Jh.); tritt um 1600 auf (Albertinus weibl. Lustgarte 179). allerhand, adv., auch attributiv mit einem Subst. verbUiiiden: von jeder Art, mancherlei. Aneinandergei-ückte Gen. PI. mhd. aller hande, aller hende, worin hende s. v. a. Art, eig. die 41 Allerheiligen Allotria 42 durch die Hand bestimmte Richtung (mhd. z. B. auch dner hande «dreierlei»). Allerheiligen (unverändert, weil eig. Gen, PL): das allen Heiligen gewidmete, hohe Fest der römisch-kath. Kirche am 1. Nov. Mhd. aller heiligen tac. allerlei, adv., auch attributiv mit einem Subst.: in Vielheit verschiedenartig. An- einandergerückte Gen. PI., mhd. edler leige, aller lei. s. lei. Substantiviert: Allerlei, n. Allermanusharnisch, m. [-es): die Pflanzen allium victorialis und andrösaces. Benannt, weil sie nach dem Volksglauben unverwundbar machen. Schon bei Rößlin 1538 S. 292 d Allermannharnisch. allerorten, allerorts, adv.: an allen Orten. Die 1. Form (z. B. bei Albertinus weibl. Lustgarte 59^) geht auf die aneinander- i gerückten Gen. PI. aller ort mit angetretenem adverb. -eu, die 2. (erst junge) Form auf dieselbe Grundform mit angetretenem adv. -.s zurück. i Allerseelen (unverändert, weil eig. Gen. j PI.) : in der römisch-katholischen Kirche der Gedächtnistag der Verstorbenen (2. Nov.). Urspr. Aller Seelen Tag. allerseits, adv.: auf, nach, von allen Seiten oder Richtungen. Auf die aneinander- gerückten Gen. PI. aller seifen (daher das veraltete Adv. allerseiten) zurückgehend, mit angetretenem adverb. -s. Um 1600., ABL. allerseitig, adj., 1663 bei Schottel 347 ä. allerwärts, adv.: nach, in allen Rich- tungen. Verbindung des Gen. PI. aller mit wärts (s. d.). Erst in der 2. Hälfte des 18. Jh. von Niederdeutschen, z. B. Klopstock ge- braucht, aber von Hejnatz 1775 beanstandet. allerwegen, adv, : an allen Orten. jVIhd. (in md. Qaellen) aller wegen. Aus den an- einandergerückten Gen. PI. aller wege mit angetretenem adverbialen -n. allewege, adv.: stets fort, immer. Die aneinandergerückten Akk. PI. mhd. alle icege, von räumlicher Bezeichnung in zeitliche über- gegangen. ^ alleweile, adv. : zu jedem Zeitpunkt, eben. Nur mundartlich (ober- und mitteld.). Aus dem Akk. Sg. mhd. alle teile, s. Weile. allezeit, allzeit, adv.: zu jeder Zeit. Aneinandergerückte Akk, PI, mhd. alle zite, ahd. allo ziti. allgemein, adj. und adv.: Allen gemein- schaftlich. Mhd. findet sich nur das adv. algemeine «insgesamt, auf gemeinsame Weise». Das Adj. fi-ühnhd. (1541 bei Frisius 180'', 1561 bei Maaler). alliieren, refl. v.: sich vereinigen. Aus dem gleichbed. franz. s'aUier, dessen allier aus lat. alligare d. i. ad-ligare «an-, festbinden, verpflichten». Bei Krämer 1678. — Allianz, f. (PI. -en): Bündnis. Aus franz. alliance f., das auf ein mlat. alligantia (vom Part. Praes. alligans, Gen. alligantis gebildet) zurückgeht. Schon 1617 im teutschen Michel. Alligator, m. (-.9. PI. -s): das amerika- nische Krokodil. 1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 45 Allegarden, Crocodil. Aus franz. engl. alligator, entstellt aus span. el lagctrto (eig. el lagarto de Indias), vom lat. lacerfus m,, lacerta f. «Eidechse». Alliteration, f. (PI. -en) : der gleiche An- laut verschiedener Wörter. Nach dem gleich- bed. franz. alliferation aus einem neulat. allite- ratio (aus ad-liferafio), von litera «Buchstabe». Allmacht, f: Macht über alles. Ahd. alamahf f., aber mhd, nicht belegt, erst wieder bei Henisch 1616 (nicht bei Luther), Wohl neu gebildet von dem Adj, allmächtig, mhd. almähtec. almehtec, ahd. alamaht ig; dazuasächs, alamahf ig. ags. celmihtig, engl, almighty, anord. almätfigr. allmählich, adv.: ganz bequem, ohne alle Geschwindigkeit. Aus mhd. (in einer mitteld. Quelle) ahnechlich, später auch algemechlich, aus al und gemechlich, woraus mit Anlehnung an Mal, die auch bei gemechlich vorkommt (gemählig Moscherosch Phil. 1, 225), aUgemäh- lich und allmählich (allmählig) wurde. Beide bei Stieler 1691 verzeichnet. Vgl. mählich. Allmende, f. (PI. -n): gemeinheithcher Grund imd Boden zu Nutzung, besonders Gemeinweide, Gemeindebezirk (Goethe 16, 47). In Südwestdeutschland noch übHch. Aus mhd. almende, almeinde (daneben auch almeine, algemeine), hervorgegangen aus algemeinde f., zu gemeine «gemeinschaftlich» (vgl, bayr, die Gemein « Gemeinweide »). AUod, n, {-es, PI, -e): das Ganzeigeu, das echte (vererbhche) Eigentum, im Gegensatz zu Lehngut, Aus gleichbed. mlat. allodium, das auf ahd. alöt, afränk. alödis zurückgeht, dies aus al «ganz» und 6t n, «Besitz» (davon ahd, ötag «reich», vgl. asächs. öd, ags. eaä n., anord. audr m. «Reichtum, Besitz» got. auda- haffs «beglückt»). ABL. allodial, adj.: frei erb- und eigentümlich, aus mlat. allodialis. Allotria, PI.: ungehörige Dinge. Aus gr. dXXöxpia, N. PI. von äXXÖTpioc «fremdartig, 43 alls Alphabet 44 nicht zur Sache gehörig», abgeleitet von äXXoc •;;der andere». Im 18. Jh. aufgenommen (der j. Goethe 2, 449). alls, adv.: in einem fort, immer; wieder- holt. Nur noch mundartlich (in Südwest- Deutschland, Hessen, Thüringen, auch bei Schiller in Kab. u. Liebe 1, l). Aus mhd. alle^ «immer», dem adverbiell gebrauchten Akk. Ntr. von aJ. Alltag, m. (s, PI. -e): der gewöhnliche Werktag, den Feiei-tagen entgegengesetzt. In der altem Sprache nur das Adv. alitag, alltags «täglich» (vgl. mnd. aldages) aus den aneinandergerückten Akk. PI. alle tage mit angetretenem adv. -s entstanden, das dann in Zusammensetzungen wie AlltagsM eider (Stieler 1691) erscheint, daraus erst das Subst. Alltag. ABL. alltäglich, adj. : werktäglich (aber all- tä^glich ist das durch all verstärkte täglich). Allvater, m. (s): Vater des Weltalls, Gott. Nach anord. alfaäir (der Bezeichnung Odins) von Klopstock gebildet. allzumal, adv.: allinsgesamt. ^l\idi.aXzemal. Alm, f. (PI. -en): Gebirgsweide. Neben- form von Alpe (s. d.), mhd. alhe, Gen. alhen, woraus im Bayrischen der Nom. alm, der schon in frühnhd. Quellen des 15./16. Jh. erscheint. ZTJS. Almrausch, m. {-es): Alpenrose. Bayrisch. Almauach, m. (-es, PI. -e): Jahrbuch. Aus franz. ahnanacli, das auf griech.. alls. "als, adv.: 1. vergleichend. So noch oft bei Luther und im älteren Nhd., jetzt aber diu"ch wie (daneben als icie ) zurück gedrängt : erhalten hat sich als in Bez. auf ein voraus- gehendes so (so tinscJmldig als ein Lamm), auf ein vorausgehendes negierendes Wort {nietyiand als du, nichts als Kleinigkeiten), femer wird es nach Komparativen (dafür ältemhd. denn) und zui* Einleitung von Ver- gleichssätzen (als icenn, als ob) gebraucht. 2. demonstrativ, bei Aufzählungen (die edeln Metalle als Gold, Silber usw.) und beim prädikaten Attribut (er kam als ein Bote, ich achte dich als einen Freund). 3. zeit- bestimmend, eig. vergleichend in der Zeit, als Satzeinleitung {als er kam, war es zwölf Uhr). Mhd. als, alse, geschwächt aus also, das durch al verstärkte $ö. alsbald, adv.: gleich nach dem Augen- blicke. Das Mhd. verwendet also balde, also oder so als Konj. = sobald als, bei Luther findet sich alsbald in gleicher Verwendung, aber gewöhnlich als Adv. alsdann, adv. : verstärktes dann, aus also dann. Frühnhd. (als dann in den Ordnungen S. 73 V. J. 1512, als denn bei Luther). Alse, s. Alose. also, adv.: 1. hinweisend, z. B. sprich zu ihm also. 2. folgernd, z. B. also ist er tot? Mhd. also, durch al verstärktes so: dazii ndl. alzoo, ags. ealsivä, engl. also. Alt, m. (-es, PI. -e): die tiefe Frauen- stimme. Spätmhd. Aus ital. gleichbed. alto vmd dies aus lat. altus «hoch». alt, adj. (Komp. älter, Sup. ältest): hoch an Jahren; länger der Zeit nach da als an- ' deres; an Jahren zählend: vor langen Jahren: vorhergewesen (nach dieser Bed. z. B. auch I in der Schweiz Altammann «gewesener Am- mann», in Baden Altbürger meis f er usw.). Ahd. mhd. alt: dazu asächs. ald, ndl. oud, ags. eald. ; engl, old, anord. im Komp. ellri "älter» (sonst für «alt» gamall), got. aljjeis. Eig. «durch Xahrung groß geworden, aufgewachsen» von dem starken V. got. alan «aufgenäkrt werden , anord. ala «nähren, hervorbringen» (das mit lat. alo, altii'. alim < ernähre ;> übereinstimmt), von dem es (wie lat. altus «hoch»j vermittelst des partizip. Suffixes -to- gebildet ist. Weiter sind verwandt gr. ävaXxoc «unersättlich», ir. alt «Höhe: Ufer, Küste >;, kymr. allt .rupes», ir. altram «nutritio:. Vgl. Eltern. Altan und Altan (^Schiller 11, 228j m. [^s, PL -e), Altane, f. (PI. -n): Austi-itt ins Freie hoch an einem Gebäude. Aus dem gleich- bed. ital. altana, von altus «hoch». Das Fem. oltan um 1-170 in Österreich von Beheim ge- braucht, später z. B. von Hans Sachs (Fab. 8, 280); das Mask. erscheint im 16. Jh., bei Pe- gius Dienstbarkhaiten (Ingolstadt 1557) 60^, 1598 bei Hutteras Lexic. harmonicum 533 ein AJfhan. Altar, m., selten n. i-s, PI. Altäre): der Kirchentisch. Mhd. altäre, gewöhnlich aber mit deutscher Betonung älter, ahd. altari, alter i, aus lat. altare n. «Opfertisch». ImNhd. überwiegt die mit dem Lat. übereinstimmende Betonung Altar (so auch 'üe Bühne), doch kommt auch (dichterisch und in der nordd. Umgangssprache^ Mtar vor. altbacken, adj.: trocken als Backwerk. backen ist hier das Part. Praet. (statt ge- backen). Mhd. zufällig nicht belegt (erst 1593 bei Colerus Hausbuch 1, 153), doch nach dem Gegensatz niubachen «neubacken» als alfbarhen anzusetzen. S. backen. altdeutsch, adj.: den alten Deutschen eigen, nach Art der alten Deutschen. Erst nhd. (alt-teutsch 1648 bei Weckherhn 2, 261. 437 Fischer, alt teutsch 1588 bei Fischart Peter v. Stauffenberg V. 79). Altenteil, m. n. (-s, PI. -e): der den Eltern nach Abtretung des Gutes verbleibende Teil, der Auszug. Norddeutscher, von Voß gebrauchter Ausdruck. ABL. Alteuteiler, m. (s): der Auszügler, Altsitzer. Alter, n. (-5, PI. wie Sg.): höhere Lebens- zeit; Zeit des Daseins; Zeitabschnitt, Zeit- alter; vergangenes Zeitalter (in der Redens- art vor Alters). Aus rnhd. alter, ahd. altar 47 alterieren Amberg 48 n.; dazu asächs. aldar «Lebenszeit, Leben», aCTs. ealdor «Leben», anord. aldr m. «Lebens- zeit, hohe Lebenszeit», schwed. älder, dän. alder m., got. in framaldrs «in Jahren vor- gerückt» enthalten. Wie alt (s. d.) von got. alan abgeleitet. ABL. altern, v.: alt werden. Erst bei Steinbach 1734, während älternhd. mhd. alten, ahd. alten gesagi wird. alterieren, v.: in schädigender Weise beeinflussen. Refl. sich a. «sich in Unruhe des Gemütes versetzen». Aus franz. alterer «schädigen, eine Gemütsbewegunghervorrufen >> usw., von lat. alterare «anders machen», von aZfer «der andere». Im 17. Jh. entlehnt (Schupp Schriften 1, 567). Ältermiltter, f. (PL -matter): Groß- mutter, Urahne. Mhd. (in md. Quellen) eltermüter f. Älteryater, m. {-s): Groß-, Yorvater. Mhd. eltervater m. Beide zu- sammenges. mit dem Kompar. ■ elter. Altertum, n. (-.9, PI. Altertümer): (im 17. Jh., bei Krämer 1678, jetzt veraltet, doch z. B. noch bei Klopstock Oden 75) Hoch- sein in Jahren; (seit etwa 1700, z. B. bei Günther Ged. 312) längst vergangenes, fernes Zeitalter; aus alter Zeit Herrührendes, mit dem PI. Altertümer «Denkmäler jenes fernen Zeitalters» (bei Steinbach 1734). ABL. alter- tümeln, v.: die Art des Altertums haben oder diese zu geben suchen (Goethe 41,1,109). altertümlich, adj., erst am Ende des 18. Jh. gebildet (bei Kl. Schmidt und Yoß). Altervater, s. Ältermutter. altfränkisch, adj.: veraltet u. der Gegen- wart nicht angemessen. Mhd. altfremch d. i. altfrenkisch. Wahrscheinlich zur Ritterzeit in rheinischen Landen aufgekommen, wo man die an der einfachen Sitte der Vorfahren fest- haltenden Franken in Gegensatz stellte zu den durch die neumodischen, aus Frankreich kom- menden Sitten Beeinflußten, vgl. Hugos von Trimberg Renner 22267. Vgl. ZfdWf. 7, 15. Anders bei Leibniz Unvorgreifl. Gedanken § 32 das Alt-Fränckische und das Alt- Säcksische, ohne tadelnden Beisinn, von der Sprache. Althee, f., auch m. {-s, nach Tee) : das Ei- bischkraut, eine Malvenart. Aus gr. -lat. althaea, gr. d\eaia, eig.«Heükraut», von äXöeiv «heilen». altklug, adj.: (veraltet) durch Alter klug; für finihes Alter zu klug. Ei-st 1711 bei Rädlein verzeichnet. ältlich, adj.: ein wenig alt. Mhd. altlich. Altmeister, m. (-s, PI. wie Sg.): hervor- ragender Meister (1807 bei Campe, auchGoethe 47, 98 LH.). Eig. der unter den Meistern (einer Zunft) der älteste und deshalb erste ist. Altreiß, m. (-en, PI. -en) : der alte Schuhe flickt; Ti'ödler. Mit Übergang von eu in ei aus mhd. altriii^e. Vgl. Biester. Altyater, m. (-.§. PI. -väter): ehrwürdiger, alter Vater, Patriarch. Mhd. altvater m. ABL. altvaterisch, adj.: nach Art der Vorfahren, altfränkisch. Frühnhd. altvettelisch, adj.: nach Art der alten Weiber. Bei Luther. S. Vettel. Altvordern, PI.: die Urväter. Mhd. alt- vordern, ahd. altfardoron, PI. zu fordoro adj. «der frähere», mit alt verstärkt. Der später veraltete Ausdruck ist in der 1. Hälfte des 18. Jh. durch die" Schweizer Schriftsteller wieder aufgebracht worden (Schönaich ver- spottet ihn, Adelung 1793 führt ihn noch nicht an, Heynatz 1796 kennt ihn nur aus «einigen Gegenden»). Altweihersommer, m. (-s, PI. wie Sg): die zur Herbstzeit im Freien fliegenden Spinnenfäden; schöne späte Herbsttage. Erst bei Campe 1807. Eig. Sommer, der den alten Frauen zufällt (ebenso bayi*. änlsumnier), der für die Jugend nicht srut genug ist. am vor einem Subst., aus an dem zusam- mengezogen. Mhd. ame, aus an deme. Amalgam, n. (-es, PI. -e): die chemische Verbindung von Metall mit Quecksilber zu eineV weichern Metallmasse (1594 bei Fisch- art Onomast. 390 Amalgama): (bildlich) Ge- menge durch Verbindimg. Aus gleichbed. span. ital. amalgama f., von gi\ ^dXaYMa «Er- weichungsmittel, weicher Körper». Amarant, m. {-es, PI. -e): der Garten- fuchsschwanz. Aus gr.-lat. amarantiis, gr. ä|udpavToc m. «nicht welkende Blume, Papier- blume», dem als Subst. gesetzten Masc. desgr. Adj. d)ndpavToc «unverwelklich», dann wegen der Dauer der Blüten auf den Gai-tenfuchs- schwanzübertragen. BeiMaaler IbQl Amaranth. Amarelle, f. (PI. -«): die Weinkirsche. Spätmhd. von dem gleichbed. mlat. amarel- lum n., dem Neutr. des mlat. Adj. amarellus, das, von lat. amanis «bitter» abgeleitet, zuerst «bitter» und dann etwa «weinsäuerlich» be- deutet. Amazone, f. (PI. -n): Helden weib eines fabelhaften Weiberstaates in Skythien; über- haupt kriegerisches Heldenweib. Nach franz. amazone aus gr.-lat. Amazon, gr. 'A,uaZ;iüv f. Schon mhd. amazone f. Amberg, s. Anhöhe. 49 Amboß Ammer 50 Amboß, m. (-es, PI. -e) : der eiserne Häm- merblock einer Schmiede. Aus mlid. amhö^, aribö^. anebo^, ahd. andbo^ m., zusammenges. aus ana und mhd. ho^ m., «Schlag» von hö^en. ahd. hö^an ^schlagen, stoßen», wozu auch ags. heatan. engLbeaf. aisl. &a?(/a c< schlagen, stoßen». Letzteres ist wurzelverwandt mit fu in lat. con- fufäre «niederschlagen , refutäre «widerlegen , fustis «Knüttel», s. Walde s. v. s. v. Die Länge des ö in der 2. Silbe nur noch landschaftlich. Ambra, m. (-.si, Aniber, m. (s): ein wohlriechendes Erdharz. ^Ihd. amber. ämer m. aas mlat. ital. ambra f., das auf gleichbed. arab. 'amhar zuiückgeht. Ambrosia, f.: Götterkost. Aus gr.-lat. amhrosia, gi-. öiußpocia, eig. die unsterblich machende Götterspeise, Fem.desAdj.äußpöcioc «unsterblich». ABL. ambrosisch, adj.: himmlisch süß. Ameise, f. (PI. -ny. Älit Entwicklung eines s aus ß in zweiter Silbe aus mhd. ämei^e, ahd. ämeiyi, dazu ags. öemette f., engl, emmef und ant. Dunkler Herkunft; wird gewöhn- lich zu ahd. ema^ig «emsig», Grundbed. also «das geschäftige Tier» gestellt, was aber kaum das richtige trifft. Eher als Zusammensetzung zu ahd. ))iei^an, got. maifan «hauen, schneiden» (s. Meißel) zu stellen (wegen des Präfixes o- s. Ohnmacht, vgl. auch mhd. äschröt «Abge- schnittenes», äsirinc «Abfall von Flachs»), so daß auf eine Bezeichnung des aus kleinen Holz- tt'ilchen bestehenden Waldameisenhaufens zu- rückzugehen wäre. ImFrühnhd. erscheint ebd. (mit Übergang des a in 6 vor Nasal) Omeis (noch im 17. Jh. z. B. bei Harsdörfer Ge- sprächsp. 1, 25 vorkommend), im Md. gewöhn- lich mit Umlaut (_wie in Erheit] Emeis und Emmeis, bei Luther (wahrscheinlich mit An- lehnung an ein, dessen n als assimiliert be- trachtet wurde) Eimmeis, worauf die Formen Ämse (Wieland 18, 94 1, Emse und (mit dialekt. Verwandlung des umlautenden (p in f) Imse (Goethe Faust 7585) zurückgehen. In den mundartlichen Formen (die z. T. auf a- in der 1. Sübe' führen) vielfach durch Volks- etymologie umgestaltet. Amelmehl, n. {-s, PL -e)-. Kraftmehl. Mit Wandlung des r zu l aus mhd. amer (auch schon amel), ahd. amar n. «Sommer- dinkel», 1546 bei Bock 245 *> Ammeikorn. Engl, amelcorn «Dinkel» ist rein gelehrt, vgl. MuiTay New Engl. Dict. s. v. amen, als gewöhnUcher Gebetsschluß: wahrhaftig I so soll es sein I Subst.: Amen, n. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Mhd. amen, nach lat. amen, dies aus gr. duriv aus dem gleichbed. hebr. Adv. amen. Amethyst, m. (-es, PI. -e): ein violett- farbener Edelstein. Mhd. ametiste m. nach franz. amethyste f. aus gr.-lat. amethystus, gr. äueOucToc f., eig. Adj. in der Bed. icnicht trun- ken, den Rausch stillend», da diese Eigenschaft dem Edelstein beigelegt wurde. Amiant, m. (-e.s, PI. -e): der feinfaserige, biegsame, weiße Asbest. Aus gi'.-lat. amianhis, gr. d.uiavToc m., eig. Adj. in der Bed. «unbe- fleckt, rein» und als Subst. Name des Steines wegen seiner schimmernden Weiße. Ammann, m. (-es, PI. Ammänner): (in der Schweiz i höchste obrigkeitüche Person einer Gemeinde oder eines Landes. Mhd, (in alem. Quellen) animan «Diener, niederer Be- amter, urteilsprechende Gerichtsperson», zu- sammengezogen aus mhd. amhetman . ahd. amhahtnmnn, s. Amtmann. Amme, f. (PI. -?n: Aufnährerin und Mut- terstelle einnehmende Pflegerin eines Kindes. Mhd. amme, ahd. amma. Eig. wohl Mutter, ^vie noch jetzt schwäbisch fdamach Wieland 18, 127 ), vgl. auch anord. amma «Großmutter»; weitverbreitetes Lallwort der Kindersprache wie Mamu (s. d.), vgl. gr. ctinudc, äjniaia, d^^la (bei Hesych) «Mutter, Amme», bask. amu «Mutter», altrom. amma, span. port. aina «Amme» und mit Ableitung lat. annta «Vaters Schwester :. Ammeister, m. (-.s, PI. wie Sg.): (noch im 18. Jh. in Straßburg) der bürgerliche Obervorstand der Stadt. Mhd. (in elsäs- sischen Quellen) ammeister. ammemeister. ammanmeister, eig. der Meister, der Am- mann (s. d.) ist, der Obermeister (Vorsteher der Zünfte). ^Ammer, f. (PI. -n): ein Singvogel, embe- nza citrinella. Mhd. amer, ahd. amaro m. Vielleicht von amer «Sommerdinkel», also Vogel, der gern Sommerdinkel frißt [wieHänf- ling eig. Hanfsamenfresser, von Hanf) vgl. Liebich PBr. Btr, 23, 223. Mlat, amarellm stammt entweder aus dem Deutschen oder ge- hört zu span. aniariUo, port. amarello «gelb ■. ABL. Ammerliug, m. wie Ammer. Mhd. (mit einfachererAbleitung) amerinc m. "Ammer, f. (PI. -«) : die große säuerliche Kirsche, die schwärzliche wie die hellrote oder Amarelle (s. d.). Scheint geküi-zt aus ital. amarisca f. «Weichselkirsche» von ital. amaro dat. amdnis) «bitter, herb», hier «säuer- Uch . Vgl. Liebich PBr. Btr. 23, 223. Schon i 51 Ammer Amt 52 im 14. Jh. amerhoum, mlat. amarillus «Ama- rellenbaum». ^Ammer, f. (PI. -n): Punkenasche; in der Asche erhaltener Funke, Bei Luther, jetzt noch mundartlich. 1482 im voc. theut. f 7^ der Plur. eymeren «lieisze asche», mhd. einiere, ahd. eimurja f., dazu ags. cemyrje f., engl. enibers, anord. eimyrja f., dän. emmer, zu anord. eimr m. «Rauch, Dampf» und an. ysja f. «Feuer». Ammonshorn, n. {-es, V\.Ammonshörner) : das gleich einem (dem Jupiter Ammon bei- gelegten) Widderhorne gewundene, verstei- nerte, vorweltliche Schneckengehäuse (Schiller Teil 4, 3). Amnestie, f. (PI. -n): (öflfentlich erklär- tes) Vergeben und Vergessen eines Vergehens. Aus gr.-mlat. anmestia, gv. dinvricreia f. «das Nichteingedenksein, besonders eines erlittenen Unrechts« (d «un-, nicht»; juväcGai «einer Sache gedenken»). Schon 1643 im unartigen teut- schen Sprachverderber. In der altern Sprache dafür ündacht Ampel, f. (PI. -n): Hängelampe. Ober- deutsch. Mhd. ampel, ampulle, ahd. ampla, ampulla, mit ags. ampelle f., anord. ampli m. «Gefäß» aus lat. ampulla f. «Flasche, Gefäß», vgl. Pulle. ampeln, v.: wonach strebend zappeln; überhaupt wonach streben. Ein ndd. Wort, schon mnd., im 18. Jh. mehrfach als dialektisch aufgeführt, auch von ndd. Schriftstellern wie Voß Briefe 2, 105 und Göckingk Ged. 2, 128 gebraucht. Vgl. Hampelmann. Ampfer, m. (s, PI. wie Sg.): eine sauer schmeckende Pflanze, lat. rumex. M.h.d.ampfer, ahd. ampharo m., dazu ags. ampre, ompre f. «Ampfer». Eig. subst. Mask. eines Adj., das ndl. amper «scharf, bitter, unreif», anord. apr (für *awtpr) «scharf, kalt», schwed. amj)er «scharf», lautet. Wenn das p als eingeschoben zu gelten hat, so kann man lat. amärus «bitter» (s. Walde s.v.), skr. aw?as «sauer» (als subst. Mask. «Säure, Sauerklee»), alh. 9nibl' 9 «süß», tdmWd Galle ver- gleichen. Anders Johansson Idg. Forsch, 3, 240. Amphibie, f. (PI. -n)-. beidlebiges (im Wasser wie auf dem Lande lebendes) Tier. Aus dem gleichbed. gr.-lat. anipJiibium, gr. d|uq)ißiov, dem Neutr. des Adj. di|uqp{ßioc «beid- lebig» (gr, ä|uq)i- «rundherum, von beiden Sei- ten», ßioc m. «Leben»), Im 18, Jh. entlehnt. Amphitheater, n. {-s, PI. wieSg.): halb- runde Schaubühne. Aus dem gleichbed. gr.- lat, amphitheatrum , gr, diucpie^aTpov n., zu- sammenges,ausc(|uq)i «rundherum» und G^axpov n, «Schauspielhaus». Im 18, Jh, entlehnt, amputieren, v.: ein Glied des Körpers abschneiden. Aus dem gleichbed. franz. am- puter von lat. amputare «abschneiden», aus am(hi) «herum» \mdi putäre «schneiden». Erst bei Pampe 1801. Amse, s. Ameise. Amsel, f. (PI, -n)\ die Schwarzdrossel, lat. mex'ula. Mhd. amsel, ahd. amsala, amsila, amsla, auch amfsla (daher jetzt mundartlich anspel, wie wespe aus ivefse) f.; dazu ags. (mit ausgefallenem Nasal) ösle f., engl, ousel «Amsel», Verwandt ist vielleicht das gleichbed, lat, merula (für *mesula) f, Fick I* 515, Hirt Ablaut 132 (Bedenken dagegen bei Kluge**, Walde s. v. merula). Im altern Nhd. und mundartlich erscheint auch die Form Amschel (vgl. Geischel neben Geisel). Amt, n. {-es, PI. Ämter): Inbegriff der Obliegenheiten, die eine Stellung mit sich führt; Gebäude zur Ausübung dieser Obliegen- heiten; Behörde zur Verwaltung und Recht- sprechung; gottesdienstliche Verrichtung des Geistlichen. Aus mhd. ampt, amhet, amheht, ahd. amhahf. amhahti n. «Dienst, Amt», dazu ein persönliches ahd. amhahtm. «Diener»; aus den verwandten Dialekten gehört hierher asächs. amhaht «Dienst» (in amhahtman m. «Diener», amhahtskepi m, «Dienst»), ndl, am- bacJit n. «Handwerk», amht n. «Amt», ags. amhiht, ombilit n. «Dienst» (dazu omhilit m. «Diener»), got, andhahti n. «Dienst» (dazu andhahts m. «Diener»), vgl. auch anord, am- bätt f. «Sklavin», Das persönliche Mask, geht zurück auf keltisch-lat. amhactus (Cäsar bell, gall. 6, 15, 2) eig. «Herumgesandter, Bote», ge- bildet von gall. amb- «herum» und einer Bil- dung von der Wurzel ag (s. Acker) «treiben», hier «senden» (mlat. ambactia ambactiata «Auf- trag», ital. ambasciata, franz. ambassade f. gehen erst wieder auf das germanische zu- i-ück). Vgl. Baist ZfdWf. 9, 33. Das Lehn- wort ist im Got. an die Bildungen mit der Vorsilbe and- angelehnt worden (nicht etwa selbständige Bildung mit einer Ableitung von germ. bak «Rücken», also der im Rücken stehende). ABL. amtieren, v. (dafür in der älteren Sprache amten): ein Amt verwalten. Junge, bei Campe 1807 noch nicht verzeichnete Bildung mit der fremden Ableitungsendung -ieren. amtlich, adj., spätmhd. ambetlich. ZUS. Amthaus, n., mhd. ambethüs, ahd. ambahthüs n. Amtmann, m.: Vorsteher 53 Amulett Anarchie 54 eines landesherrlichen Amtes (PI. amtleute bei Luther, aber 1532 bei Birck Öusanna 474fg. amptlüte «Gerichtsknechte»); (in Nord- deutschland auch) Vorsteher eines Gutes. ^Ihd. amhefman, ahd. amhahtman m. -^^ Beamter, Auf- seher». S. SLXich Ärmttann, Ammeister. Amts- genOSSe, m.-. Verdeutschung des lat. coUega m., 1579 bei Calepinus amptgenossen. Amulett, n. (-es, PI. -e): am Kör]oer ge- tragener Schutzgegenstand gegen Zauberei oder zukommendes Übel. Mit franz. armdette, ital, amulefo m. aus dem gleichbed. lat. amu- letum, auch amoletum und amolimentum n., als Nachbildung des gr. cpuXaKxripiov von lat. amoliri «abwenden, entfernen, beseitigen», also eig. Abwendungsmittel, Präservativ gegen das Böse. Vgl. Schrader Reallexikon 729, Walde s. V. Die deutsche Form ÄiHulet wird erst im 18. Jh. üblich. amüsieren, v.: unterhalten, belustigen. Aus franz. amuser «miterhalten, aufhalten, hinhalten», eig. «die Zeit vertrödeln lassen», gebüdet aus a-, lat. ad und muser «gaifen», eig. «das Maul aufspeiTen», zu ital. miiso, franz. niuseau «Maul, Schnauze», das noch unaufge- klärt ist imd von Sainean im 1. Beiheft der Zeitschr. f. rom. Phil. 75 zu nmse, einem Namen der Katze, gezogen wird. Das Wort erscheint schon im 17. Jh. in der Bed. «aufhalten», die auch im 18. Jh. anfangs herrscht (noch bei Nieremberger 1753 erscheint sie aiosschüeß- lich); später wird die Bed. «unterhalten» die gewöhnliche (Lessing 6, 15, Wieland Amadis 136, auch 1775 bei Heynatz). an: nahe zu oder bis zur Berührang mit — ; (abstrakt) was betrifft. 1. Präp. mit Dat. (auf die Frage wo?) und mit Akk. (auf die Frage wohin?). 2. Raumadv. Li der verbalen Zusammensetzung bezeichnet an auch den Anfang einer Tätigkeit, z. B. an- bohren, anbrennen, anreißen, oder eine nur geringe Tätigkeit, z, B. anfeuchten, ferner auch eine anhaltende Tätigkeit, z, B. anfüllen, anbauen, andauern oder eine erfolgi'eiche Tätigkeit, z, B, anblasen; vielfach ist es (na- mentlich in der Kanzleisprache) vor schon zu- sammengesetzte Verba verstärkend getreten, z, B, anbelangen, anempfehlen, angehören. Li der nominalen Zusammensetzung kann an den Anfang oder einen geringern Grad be- zeichnen, z, B, Anbeginn, Anhöhe, viele Zu- sammensetzungen wie Anfall, Anklang haben sich von der verbalen aus entwickelt. Mhd. ane, ahd. ana: dazu asächs. an, ndl. aan. ags. engl, on, anord. (mit Tilgung des n) ä, schwed. a, dän, aa. Verwandt ist gr. ävd «auf, an», avest. ana «über-hin», lat, an in an- heläre «aufatmen», abulg, fj-, vü- «auf, an». Vgl. Walde s. v. Neben der jetzt herrschen- den Aussprache mit Kürze findet sich auch gedehntes an (Zesen im Reimverzeichnis zum Hehkon reimt an auf Wörter mit langem a). Anabaptist, m. (-en, PI. -en): Wieder- täufer. Aus dem gleichbed. lat. gr. anabap- tista, gr. ävaßaiTTicTric m. zu ctvaßaTTTiZuu «wie- derholt untertauchen». Daneben auch Anti- baptist (Schiller Wallensteins Lager 485), da die Wiedertäufer Gegner der Kindertaufe sind (gr. dvTi «gegen»). Anagramm, n. (-es, PI. -e): Buchstaben- versetzung als W^ortspiel, z. B. Regen in Neger, Dame in Made usw. Aus dem gleich- bed. gr.-mlat. anagraninia, gr, ävd-fpauiua n., zusammenges. aus ävd, in Zusammensetzungen «auf, aufwärts, wieder, zuiiick» und Ypäiu|Lian, «Buchstabe». Im 18. Jh. aufgenommen, bei Jablonski 1721 noch Anagramma. analog, adj.: gleichförmig, wie ein an- deres sich verhaltend. Aus gr. dvdXoYoc «der Vernunft (gr. Xöyoc m.) entsprechend, über- einstimmend.» Im 18, Jh. erscheint dafür analogisch (Lessing 4, 117, noch bei Adelung 1793), Analogie, f. (PI. -n): Übereinstim- mung, Gleichförmigkeit. Aus gr,-lat. ana' logia, gr. dva\o-fia f. vom Adj. dvdXoYoc. Bei Ludwig 1716. analysieren, v. : auflösend zergliedern. Aus dem gleichbed. franz. analyser v., ge- büdet von analyse f. «Auflösung», das auf gr. dvdXucic f. (von dvaXüeiv «wieder lösen, auflösen») beruht. Bei Wächtler 1711. Ananas f. Aus span. port. ananas, das aus dem Peruanischen stammt. Das Wort erscheint um 1600 in deutschen Schriften (z. B. bei Hulsius Schiffahrten 7, 155, neben Ananasos 7, 85, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1724 Ananas). Anapäst, m. {-es, PI. -e): der Versfuß ^ ^ — Aus lat. anapaestus, gr. avdxraicToc zuiückgeschlagener d, i, umgekehrter Dak- tylus, dem als Sahst, gesetzten Mask. des gr. Adj. dvdTTaicToc «zuiückgeschlagen» von dva- Traieiv « zurückschlagen ». Anarchie, f, (PI. -n) : Regierungslosigkeit, Nach franz. anarchie von gr.-mlat. anärchia, gr.dvapxiaf «Herrschaftslosigkeit» vonävapxoc adj. «ohne Oberhaupt» (dv- «un-, ohne», dpxöc m. «Führer, Oberhaupt»). Bei Wächtler 1711, 4* 55 Anatomie Andauche 56 ABL. anarchisch, adj. Anarehist, m. (-en, PI. -en) schon im 18. Jh. Anatomie, f. (PI. -n): die Kunst Leichen zu zergliedern; das zur Leichenzergliederung bestimmte Gebäude. Aus lat. anatomia l, dies aus gr. ävaTOian f. (äva- und TO|uri «Schnitt») «Aufschneiden, Zergliedening». Schon im 16. Jh. (1565 bei Paraeelsus Op. chirui'g. 611 Anatomey). ABL. anatomieren, \., 1551 bei Scheidt Grobiauus 4270. anatomisch, adj., bei Krämer 1678. anbahnen, v. : einer Sache den Weg be- reiten, sie ins Werk setzen und fördern. Bei Campe 1807, als landschaftliches Wort. Anbeginn, m. (-es): der erste Beginn. Mhd.(md.) anhegin m., gewöhnlich anheginnen. anbei, adv. : (veraltet) zugleich, daneben; hiebei. Aus der Kanzleisprache von Stieler 1691 aufgenommen, von Adelung 1793 und Heynatz 1796 noch als oberdeutsch empfunden. anbelangen, v. : betreffen, eig. bis an et- was heranreichen. Aus der obd. Kanzlei- sprache bei Krämer 1678 angeführt; bei Ade- lung und Heynatz 1775 noch beanstandet, 1796 aber im Antibarl)arus zugelassen, vgl. belangen, anlangen. anbequemen, v.: anpassen. Eine am Ende des 18. Jh. (nach Heynatz 1796 «bei neueren Schi-iftstellern») auftretende Ver- deutschung von franz. accomoder, vgl. be- quemen. anberaumen, v.-. von etwas festsetzen, wann es sein soll. Mit Verwandlung eines ä in au (unter Einfluß von Baum) aus an- beramen, so noch Adelung 1793 (wähi-end Heynatz 1775 und 1796 anberaumen vorzieht), spätmhd. berämen, von mhd. ramen, ahd. rämen «zum Ziele nehmen, worauf hin sich richten», dazu asächs. rämön «trachten, streben». Aus der Kanzleisprache bei Stieler 1691. anbeten, v. : aufs höchste verehren. Mhd. anebeten, ahd. anabeton. ABL. Anbeter, m., mhd. anebetcere, ahd. anabetäri. An- betung, f., spätmhd. anebetunge f. Anbetracht, m. : erwägende Anschauung, Erwägung ( nur in der Verbindung in A.). Aus der Kanzleisprache bei Gottsched 1758, Adelung 1793, Hej'^natz 1796 angeführt, aber als oberdeutsch bekämpft. anbinden, v.: durch Binden anheften, Mhd. anebinden, ahd.anabintan. Redensarten: mit einem a. «mit jemand Streit anfangen» (abgeschwächt «überhaupt sich mit jemand einlassen»), dafür in der altern Sprache mit einem aufbinden (s. DW. 1, 622), was auf das Aufsetzen und Festbinden des Helmes von selten dessen, der sich zum Kampf rüstet, ^eht [mit einem a. zuerst bei Krämer 1678); kurz angebunden d. i. bald in Harnisch kom- mend, leicht gereizt, zum Streite geneigt (zuerst bei Schönsleder 1618). Aus der Bed. «festbinden» geht die von «beschenken» her- vor (z. B. bei Fleming 42), da Geschenke an den Hals, Arm usw. gebunden zu werden pflegten. Redensart: einen Bären a. «Schulden machen» (so 1781 bei Kindleben); früher heißt einetti einen Bären a. «einen belügen» (so schon bei Grimmeishausen Simpl, 243 und noch bei Wieland) eig. einem eine ei-logene Jagdgeschicht« aufbinden, woraus dann wohl die Bed. «durch Vorspiegelungen Geld aus jemand herauslocken» hervorgegangen ist. Anblick, m. (-es, PI. -e): worauf ge- richteter Blick; Angeblicktes. ^Ihd. aneblic m. — anblicken, v.: den Blick worauf richten. Mhd. aneblicken. anbrechen, v.: l. trans. etwas wovon abzubrechen anfangen, z. B. einen Kuchen, eine Flasche. 2. intrans. als Zeit oder zeit- liche Erscheinung (mit Geschwindigkeit, mit Macht) anfangen zu sein, z. B. der Morgen, das Jahr, die Schlacht bricht an. Frühnhd. (auch bei Luther). — Anbruch, m.: der Anfang etwas wovon abzubrechen, sowie dieses Abgebrochene selbst; der Anfang des Über- ganges zur Verderbnis an sonst Gesundem, z. B. Anbruch des Obstes, Weines; der Be- ginn einer zeitlichen Erscheinung. Frühnhd. ABL. anbrüchig, adj. (bloß nach der 2. Bed. von Anbruch), bereits im 16. Jh. AnchOTi, f. (PI. -s): eine Sardellenart. Nach ndl. ansjovis f., engl, anchovy, aus port. anchova, span. anchoa, franz. anchois f., das 1 aus dem Baskischen abgeleitet wird. Bei Anchinoander Gramm. Ital. Vocab. c 2*^ 1653 Anschioven, bei Duez 1664 Anchove. Andacht, f. (PI. -en): die feste betrach- I tende Richtung der Gedanken, insbesonders ' auf Gott und Göttliches; inniges Gebet. Mit Kürzung des zweiten a aus mhd. anedäht, ahd. anadähtt, von denken. A5L. andächtig, adj., mhd. anedcehtec, ahd. anadähtir. Andauche, f. (PI. -»): überdeckter Ab- zugsgraben an Gebäuden, auch an nassen Äckern. Am Mittelrhein. Spätmhd. ädüche ; (1304 fluxum et motum per aqueductum qui dicitur aeduche Böhmer cod. dipl. Francofur- i tanus S. 360), ädücht, mit Anlehnung an das 57 Andenken Anfall 58 aus mhd. ahe f. zusammengezogene a (s. -a) aus lat. aquaedudus f. '^< Wasserleitung». \^ Ahzucht. Andenken, n. i-s, PI. wie Sg.): Richtung der Gedanken auf jemand oder überhaupt einen Gegenstand, um ihn sich wieder vor- zustellen; was zum Andenken gegeben wird. Spätmhd. andenken n. «Erinnerung, Wissen», substantivierter Inf. des Y. mhd. anedenken, ahd. anadenken. Die 2. Bed. (nach franz. Souvenir) bei Stieler 1691. ander, adj.: (veraltet) Ordnungszahlwort der Zweizahl: über bereits Bezeichnetes vor- handen: außer dem Bezeichneten vorhanden und davon verschieden. Mhd. ander, ahd. andar, dazu asächs. ääar, ödar, ndl. ander, afries. öther, ags. öder, engl, other, anord. annar, schwed. annan, dän. ander, got. anpar. Eine komparativische Bildung, übereinstim- mend mit Jit. rt/7f/-a.9, preiLß. änters, lett. otrs «der andere», ^^.anüiräs «ein andrer, verschie- dener/-^ (zu anjäs «der andere»). ABL. ändern, V. : anders machen, mhd. endern, andern. anders, genetiv. adv.: auf andere Weise, sonst, mhd. anders, spätmhd. auch änderst, vgl. einst, was auch nhd. selbst schriftsprach- lich vorkommt (Haller Ged. 58. Wieland Aurora u. Ceph. 583. Schiller Eäuber 3, 2), ZUS. anderseits, adv. (bei Gombert 5, 9 Belege von 1610 und 1618): mit angetretenem genetiv. -s aus mhd. andersit. Ein^ Neben- form, die auch den 1. Bestandteil des Wortes genetivisch gestaltet, ist andrerseits (bei Gombert mit Beleg von 1661 1. anders WO, adv.: mhd. arulerswä, zusammenges. mit dem genet. Adv. anders, anderthalb, adv. Mit eingetretenem t aus mhd. anderhalp, auch anderthaip. anderwärts, adv.: anderswo- hin, anderswo, zum andern Male (in der letzten Bed. von Dasvpodius 1537 angeführt): davon anderivärtig, adj. (bei Gombert 7, 5 von 1618 andericertig). anderweit, adv.: (veraltet) zum zweiten Male; an andrer Stelle, anders. Mhd. anderweide (ebenso dri weide «dreimal» usw.j in der 1. Bed., wie amleriveyt bei Luther; daneben mhd. auch in der 2. (heil. Ehsabeth 3774 andertceit «anderwärts», 6526 <^^^auf eine andere Art»). Davon anderweitig, adj. (bei Gombert 7, 6 vom J. 1641 ), in der Kanzleisprache, wo aber auch andertceit als Adj. verwendet wiid, wie 1663 bei Schottel Vorr. u. S. 344. andeuten, v.: etwas durch einen Hin- weis zu verstehen geben: nur obenhin be- zeichnen. Im 16. Jh. aufgekommen (belegt z. B. bei Albertinus weibl. Lustgai-te 246). Andorn, m. {-es, PI. -e^•. die Pflanze marrubium. Mhd. ahd. andorn m. n. Dunkler Herkunft. Anekdote, f. (PI. -«): unterhaltendes (neuesj Geschichtchen aus jemandes Leben. Aus dem gleichbed. franz. anecd.ote f., das auf gr.-lat. anecdota, gr. dveKbora, Xtr. PI. von dvexboToc «nicht ausgegeben, nicht be- kanntgemacht» (dv- «un-, nicht», bibövai «ge- ben») beruht. Um die Glitte des 18. Jh. auf- genommen (Gottsched, Lessing 7, 225; Ade- lung hat noch die Bed. «eine unbekannte Be- gebenheit»). Anemone, f. (PI. -n)-. Windröslein, Wind- bliime. Aus dem gleichbed. gr.-lat. anemone, gr.dveuujvrif., abgeleitet vondveuocm. «Wind»; die Benennung, weil sich die Blume nui- bei wehendem Winde öflEnet (Plinius bist. nat. 21, 94). Doch vgl. Levy Die semit. Fremdw. im Griech. 49. 1546 bei Bock Kreuterb. 49^ Anemonerößlin und Anemone. Anerbe, m. (-n, PI. -«): der Erbe, der den nächsten Anspruch an ein hinterlassenes Gut hat. Mhd. anerbe m. Vgl. Ganerhe. Anerbieten, n. (-.s, PI. wie Sg.); an je- mand gerichtetes Erbieten. Ln 17. Jh. aufge- kommen ( Harsdörfer Gesprächspiele 2, AIII^). Eig. substantivierter Lif. des V. anerbieten, bei Schönsleder 1618 verzeichnet, stammt wohl aus der Kanzleisprache. anerkennen, v.: etwas durch bestimmt-e Erklärung als richtig und giltig annehmen, insbesondere bei Gericht: etwas ausdi-ücklich billigen. Erst bei Adelung 1774. anfachen, v. : zum volleren Dasein auf- regen, eig. anblasen. Wie fachen (s. d.) erst der neuem Dichtersprache geläufig, bei Gott- sched, J. E. Schlegel u. a., von Wieland seit 1751 (Suppl. 1, 145) gebraucht (bei Xierem- berger anfacheht). anfaliren, v.: l. intrans. zu Schiff oder Wagen dicht herankommen. 2. trans. zu Wagen heranbringen; sich mit harter Rede gegen jemand wenden (bei Luther). Mhd. anevarn «ein Gut in Besitz nehmen», ahd. anavaran «herangehen, jemand anfallen». Anfall, m. {-es, PI. Anfälle): das plötz- liche Herankommen z. B. von Feinden, mhd. aneval m.; plötzlicher Anstoß von Krank- heiten, Gemütsbewegungen; unvermutetes Zu- fallen von Eigentum und das Zugefallene selbst (auch schon mhd.). 59 Anfang angenehm 60 Anfang, m, (-es, PI. Anfänge) : das Erste wovon. Mhd. anevane, ahd. anafang m. Von anfangen, früher anfallen ( s. fangen), v. : am Beginn wovon sein (eig. Hand woran legen zum Halten, woran tätig werden); im Beginn be- griffen sein. ]yilid. anevähen, ahd. anaßhan. ABL. anfangs, genetivisches adv., frühnhd. anfänglich, adj. und adv.: bei Luther. ZUS. Anfangsgründe, PL: 1710 vom Philosophen Chr. Wolff gebraucht, s. Gombert 6, 3. anfechten, v.: (veraltet) mit Waffen wo- rauf eindringen: worauf empfindlich ein- wii-ken, beunruhigen; besti'eiten. Mhd. ane- vehten, ahd. anafehtan. Anflug, m. i^-es, PI. Anflüge) : da.s Heran- kommen durch die Luft, sowie das Heran- gekommene selbst; (veraltet) eine äußerlich wahrnehmbare Ki-ankheit. z. B. ein Gesichts- ausschlag; eine schwach ausgeprägte Eigen- schaft, vorübergehende Stimmung (erst bei Campe 1807j. anführen, v. : an der Spitze stehend leiten; (veraltet) worin unterweisen, (dann) mißleiten, hintergehen (nach Gombert 6, i schon 1557 mit geschmierten Worten a.): zum Beweise für- Gesagtes beibringen, z. B. Woiie eines andern (bei Gottsched). ]SIhd. anevüeren «an sich tragen», ahd. anafuaren «herbeibringen». ABL. Anführung, f. (nach der L und 4.Bed. von anführen). Damit zusammenges. Anfüh- rungszeichen, n., bei Adelung 1774. Anfurt, f. (PI. -en) Landeplatz. Bei Luther als m. und f. Wie Furt (s. d.) zu fahren. angehen, v.: l. intrans. (beim Karten- spiel) zuerst geben; Töne hervorbringen (von Instrumentenj. 2. trans. ansagen, vorbringen; veranlassen, anordnen; zur Bestrafung an- zeigen, mhd. anegebeyi. ABL. angeblich, adj, und adv. (nach der 1. Bed. des trans. V.), bei Frisch 1741, aber von Adelung 1793 noch beanstandet. Angebinde, n. (-s, PI. wie Sg.): Fest- geschenk (eig. Gebui-tstagsgeschenk, das dem Feiernden an den Hals oder Ann gebunden wurde). Im 1 7. Jh. aufgekommen, vgl. anhinden. angedeihen, v.: zuteü werden, nur in der Redensart a. lassen. In der altern Sprache ist an mich oder mir gedeihet es «gerät an mich, widerfährt mir, wü'd mü- zuteü». Angedenken, n. (-s): wie Andenken (s. d.). Im 14. Jh. angedenken «Erinnerung» (bei dem Mystiker Eckhart). angehen, v. : l. intrans. anfangen, in einen Zustand geraten, z. B. (vom Feuer und Brennbarem) entbrennen, mhd. anegan, gen, ahd. anagän, gangan; erträglich, hinreichend sein (bei Luther und im altem Nlid. nur mit dem Dat.: »mV gehet an '. (Germ. Grundform *arhna-.) ABL. arnien, v.: arm machen (in Almosen gehen armet nicht), dafür mhd. ermen (armen ist «arm sein oder werden», vgl. verarmen), ahd. ermen. ärmlich, adj. und adv.: Armsein kundgebend, mhd. erme- lich, ahd. armalth. armselig, adj.: be- mitleidenswert, jämmerlich. Im 15. Jh. auf- tretend, abgeleitet von mhd. armsal n. «Elend». Armut, f. : Mangel am Nötigen, mhd. armuot f. und armuote, armuot n., ahd. armuoti, aramuoti: dazu asächs. armödi, ndl. armoede schwed.- dän. armod n. Ableitung von arm (dazu das ahd. Adj. armuoti «unvermögend, düi-ftig»), doch trat fmhzeitig Anlehnung an Mut ein. Luther gebraucht das Wort als F. und N., und als N. erscheint es auch später häufig (nur vereinzelt als M., z. B. bei Weise Drei klügsten Leute 8) imd selbst gegen- wärtig noch in der Bed. «arme Leute» (Les- sing Nathan 4, 3). ZTJS. Armeritter, PI.: in Butter gebackene Semmelschnitten, schon mhd. arme ritter. Armesünder, PI.: zum Tode verurteilte Missetäter. Armada, f.: Kriegsflotte. Aus span. ar- niada f. «Kriegsflotte, Kriegsheer», ital. armata f., franz. armee f. (s. Armee). Um 1500 ent- lehnt (Armad bei Liliencron 3, 38, Armada bei Fronsperger 157 = Kriegsflotte, daneben die Bed. «Kriegsheer», z. B. bei Albertinus Kriegsleut Weckuhr 112, wofiii' später Armee). Armatur, f. (PI. -en) -. Kriegsgerät zur Aus- rüstung. Aus ital. lat. armatura f. «Rüstung», von lat. armare «bewaffnen». Rot 1571. Armbrust, f. (PI. Armbrüste)-, aus Bogen und Schaft mit Drücker bestehendes Gewehr zum Abschießen von Pfeilen und Bolzen. Mhd. (seit dem 12. Jh.) armhrust n., selten f., durch Anlehnung an Arm volksverständlich gebildet aus mlat. arhalista, araihalista f. «Bogen-, Wuifmaschine» (schon im 4. Jh. bei Vegetius), einer Zusammens. aus lat. arcus m. «Bogen» und dem von gi\ ßdXXeiv v< werfen» abgelei- teten mlat. hallista. balista f. «Warfmaschine». Armee, f. (PI. -n): Kriegsheer. Aus franz. armee f. (s. Armada). Anfang des 17. Jh. ent- lehnt (1617 im teutschen Michel als modisches Fremdwort, auch bei Wallhausen Corp.mil. 63). Ärmel, m. (-s, PI. wie Sg.): Armbeklei- dung. Mhd. ermel, ahd. armilo (mit schwacher Flexion), armil m., dimin. Ableitung von [ Arm,. armen, s. arm. armieren, v.: ausrüsten, bewaffnen. Aus dem gleichbed. lat. armare, v. zu arma N. PI. «Waffen». Frühnhd. (Liliencron 3, 38). ärmlich, armselig, Armut, s. arm. Arnold, Mannsname. Ahd. Aranolt, aus : ahd. am «Adler» und -alt aus -loalt «Walten- der, Walter». Koseform dazu Arno. Aroma, n. (-s, PI. -s): würziger Geruch. Aus gr.-lat. aröma, gr. äpuj)aa n. (Gen. dpiü- luaroc) «Gewürz». Frühnhd. (ein jetzt unüb- licher PI. Arumaten bei Franck Weltb. 66*'). ABL. aromatisch, adj. : nach dem gleichbed. gr.-lat. aromäticus, gr. dpouiaariKÖc. Aron, m. n.: Natterwurz; deutscher Ing- wer. Aus dem gleichbed. gr.-lat. aron n., gl', äpov n. In friihnhd. Glossaren. Arrak, m. {-es, PI. -e): Reisbranntwein. Aus arab. 'araq «Schweiß, Saft, geistiges Wasser», woher auch engl, arrack, rack, franz. arack, rack, span. arac, daher auch bloß Back (s. d.). Das aus Ostindien stammende Getränk wird um 1600 in Deutschland erwähnt (Hulsius Schiffahrten 11, 31), von Jablonski 1721 als eine art brantweins in Indien besprochen. arrangieren, hl Ordnuncr bringen. Aus franz. arranger, zusammengesetzt aus lat. ad «zu, bei, an» und fi'anz. ranger «in Ordnung stellen, ordnen», abgeleitet von franz. rang m. «Reihe, Zeile, Rang», das auf deutsch Bing zumckgeht. Bei Wächtler 1711. Arras, s. Basch. Arrest, m. {-es, PI. -e): gefängliche Haft; gerichtlicher Beschlag. Aus afranz. arrest, nfranz. arret m., ital. arresto m. «Rechtsspinich, Beschlagnahme, Verhaftung» von mlat. arre- stum m. zu arrestare (s. d. folg.). Schon in der Rechtssprache des 15. Jh. — arre- tieren, V.: gefänglich einziehen, verhaften. Aus franz. arreter, afranz. arrester, ital. arre- stare von mlat. arrestare d.i. adrestare '^ein- halten, hemmen, verhaften». Frühnhd. (z. B. Janssen Frankfurts Reichskorr. 2, 878 von 1512) arrestieren, üblich bis ins 18. Jh. (noch bei Adelung 1793) und dann erst durch das dem Franz. angeschlossene arretieren (Hey- natz 1775 arrestiren imd arretiren) ersetzt. Von jenem arrestieren kommt Arrestant, 6* 87 arrogant artig 88 m. {-en, PI. -en): gefänglich Eingezogener, Verhafteter (auch frühnhd.), das fälschlich statt des Part.. Pass. (Ärrestaf) verwendete Part. Präs. (afranz. arrestant, ital. arrestante) von afranz. arrester, ital. arresfare. arrogant, adj.undady. : anmaßend, dünkel- haft. Aus dem gleichbed. fi-anz. arrogant von lat. arrogans (Gen. arrogantis), Part. Präs. des aus lat. ad «zu, an» und rogare «verlangen, ft-agen» zusammengesetzten arrogare v., «sich an-, zueignen, sich anmaßen». "Wohl schon im 16. Jh. entlehnt. ABL. Arroganz, f.: Anmas- sung, aus dem gleichbed. franz. arrogance, lat. arrogantia f. (In der Zimmerschen Chronik). Arscll, m. {-es, PI. Ärsche): mit Deh- nung des a (vgl. bei Schottehus S. 1277 die Schreibung Aars und Alirs) und Übergang des s in seh nach r, wie in hir sehen, heiT- schen, Kirsche (doch hat noch Luther Ars, PI. Erse und so bis ins 17, Jh.), aus mhd. ars (PI. erse), ahd. ars (PI. ersi) m.; dazu ndl. aars und (mit vorgetretenem n) naars, fries. ers (in ersknop m. «Steißbein»), ags. ears, engl, arse, anord, ai'S und (mit Umstellung des r) rass m., dän. ars: genau entsprechend gr. öppoc m. aus opcoc «Steiß, Bürzel, Steiß- beinende». ABL. ärschlings, adv. (Goethe 15, 322; 16, 59): hinter sich, rückwärts, mhd. erslingen. ZUS. Arschbaeken, m. (s. '^Backen), im 15. Jh. arshacJc (mhd. dafüi- arsbeUe f.). Arschkerbe, f. : im voc. theut. b 7 * arßkerhe. Arschkitzel, f. : Hagebutte, im voc. theut. a. a. 0. arßkutzel. Der Xame daher, daß die ionem behaai-ten Kerne der Hagebutte mit dieser, die gefi'oren gegessen wird, genossen, im After kratzen (im Franz. entsprechend gratte-cid m. cki-atze den Hin- tern»). Arscllleder, n.: halbrundes Leder der Bergleute vor dem Hintern (1557 bei Agricola Bergw. 177 Arsleäer, dafür bei Ludwig 1716 Arschfell). ArSChloch, n., mhd. ahd. arsloch. Arsenal, n. {-s, PI. -e): Zeughaus. Aus dem gleichbed. ital. arsenale, span. arsenal m. «Schiffszeughaus», mgi"iech. dpcrivdXric, abge- leitet von mlat. arsena f., auch altital. noch arsena, darse)ia, die hervorgegangen sind aus arab. dar eccinaa «Haus der Fabrikation». Ln 16. Jh. entlehnt (1594 bei FrischünXomencl. Kap. 171 Arsanal). Arsenik, n. (-.s): aus gi-.-lat. arsenicum, gr. dpceviKÖv, ctppevixöv n., dem Neutr. des adj. dppeviKÖc «männlich», zu gr. c(ppr|v, cipcriv «männlich, stark, kräftig», also eig. «das stark wirkende Gift». Doch vielleicht auch aus syr. zarnik «Arsenik», Levy Sem. Fremdwörter 55. Bei Dasypodius 1537. ■^Art, f. (PI. -en): Geschlecht; natürliche Beschaffenheit; Eigentümlichkeit nach Ange- hören oder Erscheinen: Gesamtheit dessen, was sich durch seine Eigentümlichkeit von anderm unterscheidet; gute Manier, Geschick (vgl. Unart). Mit Dehnung des Vokals aus mhd. art m. f. «Geschlecht, Herkunft», dann «eigentümhche Xatui- und Beschaffenheit», dazu mnd. art f. «Abstammung, natürliche Beschaffenheit». In den altern Dialekten in dieser Bed. nicht vorhanden. Zusammenhang mit dem folg. Art ist möglich, da sich die Bed. «Abstammung», dann «angestammte Art» aus der von «angestammter Landbesitz» ent- wickelt haben kann, vgl. Meringer Idg. Forsch. 17, 123; andre knüpfen an lat. ars (Gen. artis) «Art. und Weise, Kunst», skr. rtäm n. «rechte Art» an. Wiedemann Bezz. Btr. 27, 221 verbindet Art mit abulg. rodii «Ge- schlecht», arm. ordi «Sohn». ABL. arten, V.: die natürliche Beschaffenheit wovon an sich tragen, in die Art schlagen, mhd. arten «angestammte Beschaffenheit haben, gute Art annehmen, gedeihen», artig, adj. und adv.: zum Ganzen passend und gefällig; gute Le- bensart zeigend; (mundartlich) auffallend eigentümlich, sondei'bar (Wagner Kinder- mördeiin 1, 1, häufiger in dieser Bed. art- lich). Dafür mhd. (umgelautet) ertic «edle Xaturbeschaffenheit habend» (bei Luther ar%). "Art, f. (PI. -en) : gepflügtes Feld, namentl. in Artacker, Art fehl, Artland, eig. s. v. a. Bebauung, Bearbeitung mit dem Pfluge. Mhd. ahd. art f. «Bejiflügung» (davon ahd. arton «bebauen, bewohnen»), asächs. ard m. «Auf- enthalt», mnd. art f. «Ackerbestellung, ge- ackertes Land», ags. eard m. «angebauter Boden, Stammgut, Wohnort», gebildet von dem V. mhd. ern (noch jetzt alem. eren), ahd. erien, mndl. eren, anord. er ja, got. arjan «pflügen», das zu lat. arare, gr. dpöeiv, air. 1. Sg. airim, lit. ärti, abg. orati «pflügen» gehört. Vgl. noch gr. äpoxpov n., lat. arätrum, ir. arathar, anord. ardr, lit. arklus, abulg. ralo, serb. rälo, ai-m. araur «Pflug». Vergl. Schrader Idg. Forsch. 17, 32, Meiinger ebd. 121 ff. Arterie, f (PI. -n): Pulsader. Aus lat.- gr.arteria, gr. dpTr)p(a f. «Schlag-, Pulsader». Im 16. Jh. entlehnt (Gombert 6, 5 mit Beleg von 1532). artig, s. ^Art. 89 Artikel Asbest 90 Artikel, m. (-s, PI. wie Sg.): Abschnitt als Glied eines Schriftstückes; Hauptsatz; Handelsgegenstand; in der Sprachlehre das Geschlechtswort. Schon spätmhd. artikel in der 1. Bed. (doch später auch noch Ärticul), entlehnt aus lat. articulus na. «Gelenk, Ghed, Abteilung, kleiner Redesatz, Geschlechtswort», dem Dimin. Ton lat. artus m. «Gelenk». ABL. artikulieren, v. -. gegliedert, d. i. nach Silben bestimmt und deutlich aussprechen, aus lat. articulare, bei Sperander 1728. Artillerie, f. (PI. -n): das schwere Ge- schütz: Geschützmannschaft eines Heeres; Geschützkunst. Aus franz. ariillerie, prorenz. artüJiaria, span. artüleria, ital. artiglieria f. «Geschütz» von franz. artüler, sipan. artülero, itaii. artigliere m. «Stückgießer, Geschütz- soldat», die auf provenz. artilha «Festungs- wei'k» zurückgehen, gleichsam lat. artiada,eiae Ableitung von lat. ars (Gen. artis) «Kunst», im Mittelalter auch s. v. a, Geschütz. Seit 1500 in Deutschland in verschiedenen Formen übhch (1510 bei Janssen Frankfurts Eeichscorr. 1, 815 artler ey, 1523 bei G. Rixner Teütscher Nation nodtui-fift E 3^ artalary, 1585 bei Liliencron 4, 120 artellerey, 1678 bei Krämer Ärtollerey, bei Hans Sachs 2, 392 arculey, bei Fronsperger Kriegsb. arkeley usw.). ABL. Artillerist, m, (-e«, PI. -en)-. der schweres Geschütz bedienende Soldat. Mit der frem- den Ableitungsendung -ist in Deutschland gebildet (bei Nieremberger 1753 verzeichnet). ArtiscllOCke, f. (früher m., z. B. bei Duezl664): in Gärten gezogenes Distelgewächs mit eßbaren Köpfen, welsche Distel. Aus ital. articiocco, franz. artichaut m., das wie neuprov. arqiiichaut entstellt ist aus span. alcarchofa (vgl. die ital. Nebenform carciofo m.), das auf arab. (mit dem Artikel al) alcliarsuf zurückgeht, während das arab. arde- söke aus dem italienischen Worte umgestaltet ist. Zuerst 1556 bei Frisius Nomencl. 180* Ärtischock, WältscMistel , Cactos, dagegen 1546 Bocks Kreuterb. 327 *> Strohüdorn, hei den Walen Card choffil. Umgedeutet in Erd- schocke, bei Stoppe, neue Fab. 1, 189. Artist, m. (-en, PI. -en): Künstler. Aus mlat. artista m. von ars (Gen. artis) Kunst. Bei Maaler 1561. artlich, s. ^Art. Arve, f. (PI. -n) : Zirbelkiefer, pinus cembra L. In der Schweiz üblich, wo arte, arve seit dem 16. Jh. vorkommt. Dunkler Herkunft, viel- leicht mit mhd. arf «Wui'fspieß» zusammen- hängend. Arznei, f. (PI. -en) : Heiltrank. Aus mhd. arzente und (mit Umlaut) erzenie (daher bei Luther auch ertzney) f., abgeleitet von dem j V. mhd. erzenen, ahd. erzinen und gi-arzinon j «heilen». Mit Unrecht wird an den berühmten, j aus Apamea in Syiien gebürtigen Arzt Ar- clxigenes angeknüpft (in Vokabularen findet sich allerdings Arckigenes, Archienes, Arcienes geradezu mit Arzt glossiert); vielmehr sind arzinon und arzenie als Umbildungen von arzätSn und arzätie (was mhd. vorkommt) zu betrachten unter Einfluß der echtdeut- schen Ausdrücke lähhinon «heüen» (zu ahd. lähhin n. «Heilmittel», lähhi m. «Arzt», ent- sprechend ags. löece, got. lekeis) und lächenie f. «Heilung dui-ch Besprechung oder Zauber». ABL. arzneien, v.: Arznei eingeben (mit Akk.); Arznei einnehmen, mhd. arzenien, erzenien. Arzt, m. (-es, PI. Äi-zte): Heilkundiger. Mit Dehnung des a aus Mhd. arzet, arzt, arzät, ahd. arzät m., dazu mnd. arste, ndl. arts m. Nicht von mlat. artista m. «Künstler, Heilkünstler», sondern mit Wegfall des aus- laut. r von lat. archiater (archi- wie arci- gesprochen, vgl. erz-) «Ober-Leibarzt», das auf gr. dpxiarpöc m. zurückgeht, zusammen- gesetzt aus dpxi s. erz- und larpöc m. «Arzt». Die vollere Formen zeigen noch andd. ercetere, mnl. arsatre, ersatre m. Die Benennung war am fränkischen Hofe übhch und wurde später allgemein, indem sie die echtdeutsche Benen- nung (s. unter Arznei) zui'ückdrängte. ABL. ärztlich, adj. und adv., mhd. arzätlich. As, n. (Gen. Asses, PI. Asse): die Eins auf Würfel oder Spielkarte; kleinstes Gold- und Sübergewicht; das Apothekerpfund von 24 Lot. Aus franz. as m. in der 1. Bed., aber zugleich aus lat. as m. (Gen. assis), «teil- bare Einheit in Münz- und Gewichtssystem, Pfund». !Mhd. dafür esse n. (aus dem dem lat. assis = as entsprungenen ital. asse), deshalb auch ältenihd. Äß (noch bei Nieremberger 1753 Eß neben Aß). Asant, m. (-es): Teufelsdreck, sowie Benzoe, jener stinkend, diese wohlriechend. Gebildet aus mlat. asa f. «starkriechendes Harz». Ludwig 1716 hat Asand, Jablonski 1721 Assand. Ashest, m. (-es, PI. -e): Steinflachs, woraus unverbrennHche Gewebe gearbeitet wurden. Aus gr.-lat. asbestus, gr. äcßecroc f., 91 Asch assekurieren 92 dem subst. gebrauchten F. des gr. Adj. äcßecToc «unauslöschlich» (d- «un-», -cßecröc von c߀vvO€iv «löschen»). Im 18. Jh. aufge- nommen. Asch, m. (-es, PI. Äsche): tiefes topf- artiges Gefäß. Nur mundartlich (ostmd.). jVIhd. asch m. «tiefe Schüssel»: der Name, weil das Gefäß ursprünglich aus dem Holz der Esche (s. d., mhd. asch, ahd. asc m.) gedreht war, wie denn auch noch baj-r. Asch, mhd. asch m., afränk. (latinisiert in der lex salica 21, 4) ascus, ags. cbsc, anord. askr m. «Wasserfahr- zeug, Schiff» (von Eschenholz). ZUS. Asch- kuchen, m.: in einer Form gebackener Kuchen. Bei Adelung 1774. Asche, f. (PI. -n): der von verbrannten oder auch verwesten Körpern zurückbleibende Staub. Mhd. asche f. m. (alem.-fränk. esche), ahd. asca f.; dazu ndl. asch, ags. asce, cesce, engl, ash, anord. schwed. asha, dän. aske, got. azgö f. Ableitung von einem Stamme as, der in lat. ärere «trocken, dürr sein», aind. äsas m. «Asche», gr. äleiv «dörren» u.a. vor- liegt, vgl. Osthoff Btr. 13, 396, Walde s. v. äreo. Die gotische Form muß gegenüber denen der andern Dialekte einen Mittelvokal verloren haben, also aus *az9gö entstanden sein. Asche, f. (PI. -«): gi-auer forellenähn- licher Flußfisch, thymallus. Mit Wechsel des Geschlechts (doch thür. noch asch, äsch m.) aus mhd. asche (im 15. Jh. auch äsche), ahd. asco m. Wohl nach der aschgrauen Farbe benannt, oder zu gall. esox «Hecht». Aschenbrödel, m. n. {-s, PI. wie Sg.): Küchenjunge, dann überhaupt zu allen schmutzigen, staubigen Verrichtungen im Hause verstoßener Mensch. Mhd. aschen- hrodele m. (dafür 1482 im voc. theut. b 7^ ascherprudel «Küchenjunge»), zu brodeln, v. «wühlen und stauben in der Asche». Daneben hess. Aschenputtel, zu piitteln «in Flüssigem oder Staub hin und her schütteln», schweiz.- elsäss. Aschengrüdel zu gr adeln «scharren, wühlen» u. a. Formen. Äscher, m. (-s, PI. -wie Sg.) : ausgelaugte Asche: gelöschter, mit Asche vermischter Kalk zum Gerben. Spätmhd. äscher, escher m., von Asche abgeleitet. ABL. Ascherich, m. (-s): wie Äscher, bei Mathesius Sar. 120* Ascherich, äschern, v.: mit Asche beizen (vgl. ahäschern) ; in Asche vervv^andeln (nur in Zusammens.) ; mit Asche bestreuen. Frühnhd. Aschermittwoch, m. und f.; der 7. Mitt- woch vor Ostern, an dem der katholische Piiester die Gläudigen mit geweihter Asche bestreut, um sie an den Tod zu erinnern. Im 15. Jh. aschermifwoche m., daneben in gleicher Bed. schon im 14. Jh. aschtac (im 16. Jh. auch der äscherige mitwoch). Ascher- kann nicht auf das Y. äschern zumckgeführt werden, sondern ist als Nebenform von Asche zu betrachten, die mhd. in Zusammensetzungen wie ascherknoche m., aschervar erscheint und der Ableitung ascheric. escheric, adj. zu- grmide liegt. äschern, s. Äscher. aschgrau, adj.: grau wie Asche. Bei Ludwig 1716. Redensart: das geht ins Asch- graue «in die graue Ferne, üljer den Horizont und so ins Unglaubliche». Aschkuchen, s. Asch. Aschlauch, m. (-es): die Lauchzwiebel, Schalotte. Bei Liune aUium ascalönium, d. h. Lauch von der Stadt Ascalon in Palästina, bei den Römern caepa ascalonia. Auf asca- lönium geht mhd. aschlouch, ahd. asclouh zurück. äsen, V.: fressen (vom Wilde gesagt). Mhd. ce^en.^^ Vgl. aasen. Aser, Äser m.: Tasche zum umhängen. Speisesack, Jagdtasche. Ba3'r., schwäb.-alem., hess. Mhd. äser, ceser und (mit vorgetretenem n) ncßser. Wahrscheinlich zu essen, von mhd, aj «Speise» gebildet. Asket, m. (-en, PI. -en): strenge Fröm- migkeit Übender. Aus mlat.-gr. asceta, gr. dcKriTrjC m. «wer h'gend eine Kunst, ein aus- schließliches Geschäft übt». Im 18. Jh. Aspe, s. Espe. Aspekt, m. (-es) : Anblick : (PI. Aspekten) Aussichten, Vorzeichen ; (in der Stemdeutung) Anzeichen nach den Stellungen der Planeten gegeneinander. Aus lat. aspectiis m. «Anblick, Aussicht», abgeleitet von dem V. aspicere (aus ad-spicere) «ansehen, anblicken». Bei Para- celsus (t 1541) Schriften (1616) 1, 712 Aspect. 1 Asphalt, m. (-es, PI. -e): Erd-, Juden- I pech. Aus dem gleichbed. gr.-mlat. asphältum, j gr. äcqpaXxoc f. Neue Entlehnung. Aspirant, m. (-en, PI. -en) : Amtsbewerber. Nach lat. aspirans (Gen. aspirantis), Part. Präs. von aspirare (aus ad-spirare) eig. «an- hauchen», dann s. v. a. «wonach streben». Im 18. Jh. aufgenommen. assekurieren, v. : versichern zu Schaden- ersatz. Nach, ital. assicurare, das auf mlat. assecurare «durch Unterpfand sicherstellen» beruht, zu.sammenges. aus lat. ad «zu» und 93 Assel Astrolog 94 dem von dem lat. Adj. securus <^ sicher* abge- leiteten mlat. semrare «sichern». Bei Wächtler 1711. ABL. Assekuranz, f.: Versicherang zu Schadenersatz. Assel, m. (-8) f. (PI. -n): Kellerassel, oniscus. Spätmhd. assel m., bei H. Sachs 4, 408, 5 auch als «Fingerwurm» (Krankheit). Man knüpft gewöhnlich an lat. asellus m. an, das als Dim. von lat. asinus m. «Esel» eig. «Esel- chen» bedeutet, dann aber auf das Insekt wegen seiner gi-auen Farbe übertragen wor- den sein soll (vgl. die Benennungen Kelle)'-, Maueresel, gr. övickoc). Da aber 1517 bei Trochus prompt. H 6^ die Form atzel er- scheint (auch bei GoHus 1579 or-atzel), in andren Quellen Ossel und (mit vorgetretenem n wie auch in der Xebenfonn Xassel, 1563 in Gesners Fischbuch 157'') Xossel, so dürfte als mhd. Form dzel und ä^el anzusetzen sein (vielleicht ju essen, ■ vgl. mhd. wunncezec «wurmstichig-j). Assessor, m. (-.?, PI. -en): beisitzendes Mitglied einer Behörde, eines Gerichtes. Aus lat. assessor «Beisitzer», von assiäere urspr. ad-sidere «bei jemand sitzen». In der frühnhd. Eechtssprache * (Reichsordnangen 40^ vom J. 1500. Lilieneron 4, 180). assimilieren, v.: ähnlich machen, ver- : ähnlichen. Aus lat. asshnüare, urspr. ad- similare «ähnlich machen». Im 18. Jh. auf- genommen. ABL. Assimilation, f.: Ver- ähnlichunsf, Ano-leiehung. Assisen, PI. : Gerichtssitzimg, insbesondere Tacfung eines Schwurcrerichtshofes. Aus franz. assises, PI. des F. des Part. Parf. assis «sich ! gesetzt, niedergelassen habend», von assire «sich setzen», das auf lat. assidere urspr. ad- sidere «sich setzen» beinxht. Neue Entlehnung. ; assistieren, v. : beistehen, unterstützen. Von lat. assistere, urspr. ad-sistere «bei je- mand stehen, jemand unterstützen». Im 16. Jh. entlehnt. — Assistent, m. (-en, PI. -en) : wer jemand beisteht: Gehilfe. Aus lat. assistens (Gen. assistentis), Part. Präs. des Y. assistere. \ assortieren, v. : mit Sorten versehen und ' in diese ordnen. Nach franz. assortir, das mit lat. ad von Sorte (s. d.) abgeleitet ist. Bei Sperander 1728. assoziieren, refl. v.-. sich vereinigen. Aus gleichbed. franz. s'associer, von lat. asso- ' ciare «vereinigen, verbinden», urspr. adsociare zu socius m. «Gefährte». Bei Sperander 1728. Ast, m. (-es, PI. Äste): dem Stamm ent- sprossener BaumteU ; Holzknoten als Ast- wurzel; (urspr. in der Gaunersprache") Buckel ' (namentl. in der Redensart sich einen A. lachen d. i. sich bucklig, krumm lachen). Mhd. ast (PI. este), ahd. ast fPl. esfi) m.; dazu got. asts m. «Ast». Mit Vokalwechsel gehört hierher ndd. öst, ndl. oest (spr. üst) «Knorren , im Holz», ags. Öst m. «Knoten, Knorren». i Im Griech. entspricht öZoc m. (aus öcöoc) \ «Ast, Knoten, Auge am Zweig», arm. osf «Ast», doch wird die Zugehörigkeit des griech. Wortes bestritten, zuletzt von Lagercrantz Zur giiech. Lautgeschichte 139 f. Bartholomae ■ Idg. Forsch. 5, 355 stellt noch ai. ädgas m. 1 «Rohrstab, Stengel», gr. öcxoc m. «Zweig» als wurzelverwandt dazu. ABL. ästen, v.: Aste treiben, mhd. asten, esten. Davon ästein, fi-ühnd. ästig, adj.: Äste habend, spätmhd. i astic, estic. ZUS. Astloch, n. : Loch im Brette von einer ausgefallenen Astwurzel, bei Stieler 1691. Aster, f. (PI. -n): die im Herbst blühende Sternblume. Mit Übergang zum F. (im Ge- danken an Blume) aus gr.-lat. aster m. gr. dcTnp m. «Stern». Im 18. Jh. aufgekommen. Ästhetik, f.: die Wissenschaft von dem Schönen und der Kunst, Geschmackslehre. Aus nlat.-gi". aesthetica, gr. aicGriTiKr) (^näm- [ lieh T^x^Ti «Kunst»), F. des gr.-neulat. Adj. aestheticiis , gr. aic6riTiKÖc «zum Empfinden, zum WahiTiehmen geschickt», abgeleitet von gr. aicödvecöai «empfinden, durch die Sinne wahrnehmen». Das Wort geht auf den Philo- sophen Baumgarten zurück, von dem 1750 — 58 Aesthetica erschienen. Davon Ästhetiker, m.: Geschmackslehrer. — ästhetisch, adj., durch Baumgarten und Meier (seit 1748) ein gern gebrauchtes Wort der Kunstrichter, von dem angeführten Adj. aestheticus. Asthma, n. (-s): Engbmstigkeit. Aus dem gleichbed. gr. 5c0,uan. Im 18. Jh. üblich. ästimieren, v.: wertschätzen, -nürdigen. Aus franz. estimer «schätzen, achten, hoch achten» und dies aus lat. aestimare, mlat. estimare «abschätzen», dann auch «gehörig würdigen, anerkennen». Danach schon 1403 estimieren, 1444 estumieren «abschätzen». Dann 1571 bei Rot in der Bed. «schätzen, achten ». Astrolog, m. (-en, PI. -en): Sterndeuter. Aus gr.-lat. aströlogus, gr. dcxpoXÖTOc «Stern- kundiger, Sterndeuter», subst. M. des Adj. dcTpoXö-foc «sternkundig» (äcrpov n. «Gestirn, Stern», -Xotoc zu \lyeiv, hier «berechnen»). 1573 in Luthers Tischreden 414*. ABL. 95 Asyl Attacke 96 Astrologie, f.: Sternlmnst. Aus gr.-lat. astrologia, gr. dcrpoXo-f ia f. « Sternkunde». 1531 bei Hedio Josephus, Yorw. 1^ Astrology, 1534 bei S. Franck Weltb. 235 ^ Astrologei, 1586 bei Fiscbart Bodin. 140 das Adj. astrologisch. Astronom, m. {-en, PI. -en): Stemkundiger, Steraseber. Aus gleicbbed. gi-.-lat. astronomus, gr. cicTpov6)noc, subst. M. des Adj. dcTpovöiuoc «die Sterne in Sternbilder verteilend, ordnend» (äcTpov n. «Gestirn», -vo|noc zu v^ueiv «ver- teilen»). ABL. Astronomie, f.: Stern-, Himmelskunde. Aus gi'.-lat. astronomia, gr. äcTpovojaia f. Scbon mbd. «sfo'OWomCe f., 1573 in Lutbers Tiscbreden 413^ Astronomey, 1586 bei Fiscbart Bodinus 137 Asfronomy und 139 das Adj. astronomisch. Asyl, n. (-S, PI. -e): Freistatt. Aus dem gleicbbed. gr.-lat. asylum, gr. äcu\ov n., eig. N. des Adj. äcuXoc «unberaubt» (ä- «un-», cuXäv «wegnebmen, nacb Kriegsrecbt berauben»), dann «unverletzlich, sieber». Bei Heynatz 1775 nocb in der lat. Form asylum. Atem, m. (-s): die eingezogene und aus- gestoßene Luft. Mbd. ätem, mitteld. (mit grammatischem Wecbsel) auch ädern, ahd. äturrir ädiim m. ; dazu asäcbs. äf/iom, ndl. ädern, afries. ethnia, ags. (Mm m. Verwandt siad ai. ätma m. «Hauch, Atem, Geist», ir. athach «Hauch, Wind», aber nicht gr. dTjLiöc «Dunst, Rauch», da dies wohl auf deT.uöc zmückgeht. Luther bedient sich der Formen Athem und Adern, sowie (mit mund- artlichem 0 = ä) Odem, was als feierhche Form später im Nhd. verblieben ist (bei Dichtem auch abgeschwächt Oden, Dusch Schoßbund 73, Goethe 6, 43, aber schon 1440 oten bei Diefenbach gl. 547^). ABL. atmen, V., mbd. ätemen (auch cetemen), ahd. ätumön. i atmig, adj. in kurz-, schwer- usw. atmig. ZUS. atemlos, adj., mbd. atemlos. Atem- zug, m., mbd. ätemzuc. \ Atheismus, m.: Gottesleugnung. Aus neulat. atheismus m. Im Anfang des 17. Jh. | gebraucht (Moseherosch Lasomnis cura par. | 126). — Atheist, m. {-en, PI. -en): Gottes- leugner. Aus neulat. atheista m., einer Fort- bildung von gl'. äOeoc «gottlos, die Götter verwerfend» (d- «un-», Geöc «Gott»). 1617 im teutschen Michel als modisches Fremdwort angeführt, atheistisch, adj., 1673 bei Chr. Weise Erznan-en 151, dafür früher im 17. Jh. atheisch (Gombert 7, 7 vom J. 1622). Äther, m. (-5, PI. wie Sg.): die Himmels- luft; flüchtiger, geistiger Stoff (so 1730 von Frobenius gebraucht). Aus gr.-lat. aether m., gr. aiGrip m. f. «die obere, reinere Luft, das reine Himmelslichb. Li der poetischen Sprache von Bodmer und Klopstock zuerst verwendet (Gombert 6, 6, 7, 8). ABL. ätherisch, adj. (1748 bei Klopstock). Athlet, m. (-en, PI. -en): W^ettkämpfer, körperkräftig ausgezeichneter Mann. Aus gr.- lat. athleta, gr. dOXrixric m. «Kämpfer, Wett- kämpfer», von dOXoc m. «Kampf». Im 18. Jh. entlehnt. ABL. athletisch, adj. : die Körper- kraft betreffend, riesig groß. "^ Atlas, m. (Gen. Atlasses, PI. Atlasse und Atlanten^. Landkartensammlung. Benannt nach einem mauretanischen König Atlas (Gen. Atlantis), der als Freund der Astronomie be- kannt war. Nachdem Mercator 1595 das Wort für eine Sammlung von Landkarten verwendet hatte, setzte es sich in dieser Bed. fest und erscheint bei Ludwig 1716 als eingebürgert (dafür 1734 im math. Lex. Atlant). "Atlas, m. (Gen. Atlasses, PI. Atlasse): glattes, glänzendes, rauschendes Seidenzeug. Spätmhd. Überkommen mit dem Handels- artikel aus dem Morgenlande, wo türkisch, persisch und m'sprünglich arab. atlas «glattes seidenes Tuch», eig. s. v. a. «abgerieben, kahl», dann «glatt». ABL. atlaSSen, adj., im 16. Jh. atlassin. atmen, s. Atem. Atmosphäre, f. (PI. -n): die Erde um- gebender Dunstkreis. Nach einem neulat. atmosjihaera aus gi: OTiaocqpaipa f., zusammen- ges. aus driuöcm. «Dunst» und cqpaipaf. «Kugel, Erd-, Himmelskugel». Im 18. Jh. entlehnt (Zachariä Renommist 3, 321). Atom, n. (-5, PI. -e): L'rstofFteilcben. Aus gr.-lat. atonius f., gr. otoiuoc «ürstoff, unteil- bares Körperchen», dem F. des Adj. äroiuoc «unteilbar» (d- «un-», -TO|ioc von x^iuveiv «schneiden»). Der PI. wird auch als Atomen gebildet (Goethe Nat. Tochter 1494). Atout, n. (-S, PI. S-) (im Kartenspiel) : aus frz. ä tont «für alles», zur Zeit des 30jährigen Krieges aufgenommen, für deutsch Trwnvpf. ätsch, Interj. der neckenden Verspottung. Im 17. Jh. etsch! Gewöhnlich mit der Ge- bärde, als wenn man eine Rübe schabte, da- her auch ätsch, schabe Rübchen! Attacke, f. (PI. -n): feindlicher Angriff. Aus dem gleicbbed. franz. attaqne f., von attaquer (s. d. folg.). — attackieren, v.: feindlich angi'eifen. Aus dem gleicbbed. franz. attaquer, ital. attaccare, eig. «anheften, be- 97 Att« Auditorium 98 festigen», von ital. tacca, franz. tache f. «an- haftender Flecken ;>. Als modisches Fremd- wort (atiaquieren) 1617 im teutschen Michel erwähnt, auch bei "Wallhausen Corp. mil. 220. Atte, m. (-n, PI. -n): Vater. In oberd. Mundarten (alem. ätti) in der Kindersprache (in andern Gegenden nur jüdisch). ^Mhd. ätte m., eine dimin. Bildung zu atte, ahd. atto m., got. (das gewöhnliche Wort fiii- «Vater») atta m., wovon als Dimin. der Eigenname Ätiüa, e'ig. «Väterchen» (ahd. Ezzüo, mhd. Eizel). Dazu gehört lat. atta, gr. äxTa m. «Vater», ir. aite «Pflegevater», ablg. oüd m. (Demin.) «Vater», vgl. auch ai. attä f. «Mutter» (nur bei Lexikographen belegt). Attentat, n. {-es, PI. -e): gewaltsame Eechtskränkung des andern: gewaltsamer An- griff auf andrer Leben. Aus dem gleichbed. lat. attentatum n., dem N. des Part. Perf. Pass. von attenfare, uiSTpr.ad-tentare «antasten, angreifen». Schon in der Kechtssprache des 15. Jh. (attemptat Fontes habsburg. II, 2, 345, attentat Reichs-Ordn. 97^). ABL. Atten- täter, m. (s, PI. wie Sg.): der ein Attentat begeht. Xach 1844 aufgekommene Bildung, mit Anlehnung an Täte^\ v^l. Hildebrand Sprachunterricht S. 116, Ladendorf Schlagwb. Attest, n. (-es, PI. -e): schriftliches Zeug- nis, Bescheinigung. Im 18. Jh. gekürzt aus dem gleichbed. Attestat n. (noch bei Hej-- natz 1775), das auf lat. attestatum «Zeugnis > beruht, eig. N. des Part. Perf. von attestari (s. d. folg.). — attestieren, v.: bezeugen, besonders schriftlich. Aus lat. attestari, urspr. ad-testari «bezeugen, durch Zeugnis kräftigen». Im 17. Jh. entlehnt. Attich, m. (-S, PI. -e): Ackerholunder, sambucus ebulus. Mhd. atich, atech, ahd. atak, atnh m. Mit Angleichung des et zu tt (vgl. Dattel) von dem gleichbed. lat. acte (Plinius bist. nat. 26, 73), von gr. dKxea, zusammengez. üKTfi f. ''Holunderbaum». attrapieren, v.: worüber ertappen. Aus franz. attraper, ital. attrapare, eig. «in einer Falle fangen», zusammenges. aus lat. ad und ital. trappare, franz. trajyper, von franz. trappe, mlat. trappaf. «Falle», das auf dem gleichbed, ahd. trapa f. (auch trapo m.) beruht. Im 17. Jh. entlehnt. Attribut, n. (-es, PI. -e) -. beigelegte Eigen- schaft; Beizeichen. Aus lat. attributum eig. «Zugeteiltes», dann auch s. v. a. Eigenschaft, subst. N. des Part. Perf. Pass. von attribuere, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. urspr. ad-trxbuere «zuteilen, beüegen». Bei , Sperander 1728. I Atzel, f (PI. -n): traulicher Name der : Elster; (wegen der verschiedenen Farben der i Elster, ursprünghch mehr im Scherz) falsches Scheitelhaar, Perücke (1788 bei Fulda). Mhd. atzel f., eine dimin. Ableitung von ahd. agazza f. «Elster» (s. d.). ätzen, V.: abweiden; zu essen geben (in diesen beiden Bedd. auch atzen ; dies auch refl.); einfressen machen, von Säuren fschon zu Ende des 15. Jh.). Mhd. atzen und etzen, ahd. azzön und ezzen: dazu got. atjan in fraatjan «zur Speisung austeilen». Faktitiviun von essen. Atzung, f : was zu essen dargeboten wird. Mhd. atzunge f, von atzen. S. ätzen. au! Ausnif des Schmerzes. Mhd, ou!, abgelöst von ouwe aus oice. Au, s, Aue. auch, Conj., die eine Vermehrung anzeigt. Mhd. oucli, ahd. ouh; dazu asächs, ök, ndl, ook, afi-ies. äTi, ags. eac, engl. eTie, anord. auk «dazu», schwed. ock, dän. og, got. auk «denn, aber», "Wahrscheinlich Imperativ (urgerm. auke) zu dem neben ahd, ouhhon, asächs. ökian, ags. eaeian stehenden st. V. got. aukan, anord. auka «mehren», die der Lautverschie- bung gemäß stimmen mit lat. augere, gr. auEeiv, auEdv€iv «mehren, vermehren», vgl. lit. äugfi «wachsen», ai. öjas n. «Kraft». Oder auch zu gl", aö-fe «wiederum», lat. aut «oder», ai. Uta «und, aber, auch», zu stellen, vgl. "Walde s. v. aut. Audienz, f, (PI, -en)-. Gehör, das jemand gegeben wird; Verhör, Aus franz, audience, ital. audienza, lat. audientia f. «Gehör, An- hörung», von aud.iens( Gen. audienti-s) «hörend», Part. Präs. von audire '< hören». In der Rechts- sprache um 1500 eingebürgert (Reichs-Ord- nungen 61^ von 1507, "Wüwolt von Schaum- burg 96, Liliencron 2, 33 1» von 1493). Auditeur, m. (-s, PI. -e): rechtsgelehrter Richter beim Heerwesen. Aus dem gleich- bed. franz. auditeur m., das auf lat. aiuUtor m. «Hörer, Zuhörer», im Mlat. auch «Richter», beruht. Im Anfang des 17. Jh. entlehnt (1622 bei Londorp Acta pubHca des Teutschen Krieges 1, 1047''). Auditorium, n. (PI. Auditorien): Hör- zimmer, Hörsaal; Gesamtheit der Zuhörer. Aus dem gleichbed. lat. au^itorium, subst. X. des von auditor m. «Hörer, Zuhörer» abge- leiteten Adj. aiuJitorius «zum Hören gehörig». Im 17. Jh. entlehnt. 7 99 Aue aufbiudeu 100 ^Aue, Au, f. (PI. Änen): wasserumflos- senes Land, Flußinsel; wasserdurchflossenes, feuchtes, gewächsreiches Gelände. Mhd. oitive, ou, ahd. omva f. «Wasser, Strom, Wasserland, wasseiTeiches Gelände»: dazu ags. eg, ig f., anord. ey f., schwed. dän. ö «Insel», Mlat. erscheint augia, avia (z. B. in Scadinavia). Das vorauszusetzende got. *aivi (Gen. *aiijös) steht mit Verlust eines Gutturals für "^agwi und kommt von got. aJva f. «Fluß», ahd. aha (s. -a), lat. aqi(a f. «Wasser». -Aue, f. (PI. -n): Mutterschaf. Li obd. Mundarten. 'Mh.d. (selten) oiiice, ahd. ou, ouwi f.; dazu ags. eoivii, engl, eice f. «Schaf», got. nur in Ableitungen wie awistr n. «Schaf- stall», awepi n. «Schafherde ». Dazu stimmen lat. OVIS f., gr. öic m. f., air. öi, öe, lit. avls f., aind.ävis m. f., abg. abgeleitet ovica «Schaf», lit. äw««.s «Widder», lett. auns, apreuß. aivins, abg. ovinü «Schaf», vgl. Walde s. v. ovis. Auer, m. (-S, PI. wie Sg.): meist zu- sammengesetzt Äuerochs m. Mhd. ahd. ür m. (daher altertümlich Ur, s. d.), neben mhd. ürohse, ahd. ürohso m; dazu ags. ür, anord. ürr m. «Auerochse». Man vergleicht skr. usräs m. «Stier», eig. «rötlich», germ.-lat. ürus m. Auerhahu, m. (s, PI. Auerhähne, frtlher Äuerhahieri). ]\Ihd. urhaa neben orhan m., ahd. kommt orlmoii, orrelmon f. «Auerhenne» voi\ Auch frühnhd. noch orhan (voc. ine. teut. p 1*), urhan (voc. theut. 1482 mm 5^), 1616 bei Henisch uhrhan, ohrhan, selbst noch bei Voß TJrhahn (daneben schon im 16. Jh. aurhan). Da im Altnord. Schwed. orre n. «Birkhuhn» als selbständiges Wort vorkommt, muß erst später Anlehnung an ür, ürohse eingetreten sein. Das nord. orre bringt man mit skr. vrsan «zeugungski'äftig, männlich», dann auch «Stier», ferner lat. verres (für Verses) m. «Eber», lit. versis m. «Kalb», lett. ve'rsis «Ochs, Stier», zusammen, so daß die urspr. Bed. «männliches Tier» sein würde. Auf,^ m. {-es, PI. -e): Xachteule, Uhu. Weidmännisch, 1763 beiHeppe wohlred. Jäger. ^Ihd. üve, ahd. üfo, üvo m., dazu das gleich- bedeutende ags. üf, anord. nfr, schwed. üf m. auf, 1) adv.: zur Höhe; vonemander aus dem Zustand des Zuseins. In auf! auf und davon! und in Zusammensetzungen wie frisch-, voll-, dar-, her-, hinauf, sowie in Verbindung mit Verben und Nomina. Bei der Verbindung mit Verben haben wir a) die urspiüngl. Bedeutung in aufbrausen. Dann die Bedeutungen b) anregen zu einer be- stimmten Tätigkeit, aufmuntern, c) Wider- hersteUung eines fiühern Zustandes, auf- lüärmen, aufbraten, d) die Beseitigung des Objekts durch die Tätigkeit, z. B. aufessen, aufreiben, und schheßlich e) ganz abge- schwächt den Eintritt einer Handlung be- zeichnend aufblühen. Die Nomina schließen sich in ihrer Bedeutung den entsprechenden Verben an. 2) präp. a) mit Dat. (auf die Frage «wo») in der Höhe von und zugleich in Berührung mit — ; während. b) mit Akk. (auf die Frage «wohin») zur Höhe; über- hin; als Ziel habend; nach: die Art und Weise bezeichnend. Dies auch in den ad- verb. Verbindungen : aufs baldigste, aufs beste, aufs neue usw. Mhd. ahd. üf adv. u. präp. ; dazu asächs. up, ags. üp, upp, engl, tip, got. (mit abweichendem Vokal) iup adv. «auf- wärts». Verwandt mit oben und über (s. d.), doch vgl. Zupitza Die germ. Gutturale 29. aufbäumen, v. : auf einen Baum fliegen, klettei'n, springen. Weidmännisch, 1763 bei Heppe wohlred. Jäger. aufl)äumeu, refl. v.: sich (baumähnlich) zur Höhe biegen; sich auflehnen (urspr. von Pferden gesagt). Friihnhd. (1482 bei Eych- mann 0 3^ sich vffbeymen «insultare», mhd. bloß sich boumen). Davon das Part. Prät. auf- gebäumt «zur Höhe gerichtet, aufgehäuft». aufbauscheu, v. : schwellend in die Höhe gehen machen; (bildlich) etwas größer er- seheinen lassen, als es in Wh-klichkeit ist. Erst bei Campe 1807. S. bauschen. Früher dafür aufbansen (Kramer 1719) oder auf- pausen (Ki'ämer 1678) s. d. aufbegehren, v. : trotzig auffahren. Erst im 19. Jh. durch schweizerische Schriftsteller aufgekommen (in der Schweiz in der Bed. «sich auflehnen» schon 1582 nachgewiesen, s. Schweiz. Id. 2, 404). Nicht zu gären. aufbieten, v. : kundmachen, namentlich Verlobte auf der Kanzel (mhd. üfbieten «in die Höhe heben», dann, eig. durch Hochhalten, «zur allgemeinen Kenntnis bringen»): zu einer Leistung auffordern, namentüch zur Heeres- folge (mhd. und älternhd.mitDat.): (bildlich) zu Hilfe nehmen, z.B. seine Kräfte (Schiller 4, 38). aufbinden, v.: in die Höhe binden (mhd. üf binden): worauf festbinden (auch mhd.); (bildlich) vom Auflnnden eines Geschenkes auf den Ax'm oder Ärmel Unwahres glauben machen (Schupp 394, 634 einem einen a., 1691 bei Stielör einem eins a.); aus dem Zu- stand des Gebundenseins befreien (auch mhd,). 101 aufbrechen Aufgebot 102 aufbrechen, v. : 1 1 intrans. sich gewalt- sam öffnen (z. B. 1. Mos. 7, 11); sich er- ] heben zum Weg- oder Weitergehen, mhd. i üfhrechen, auch refl. sich ufbreclien. 2) (ur- spr. mit Gewalt) öffnen (auch mhd.). — i Aufbruch m. (nach allen Bedd. von a.). Mhd. üflyruch. aufbringen, v.: in die Höhe bringen,: mhd. üf bringen: großziehen, pflegen (auch mhd.): durch Tätigkeit sich verschaffen (auch spätmhd. ) ; finden und vorbringen (auch mhd.) ; in die Mode bringen ; erregen, in Zorn bringen (im 15, Jh. z.B. bei Janssen Frankf. Reichskorr. i 1, 459 V. J. 1487); aufgehen machen. Nach ' der vorletzten Bed. das Part. Prät. aufge- bracht als Adj. (nm* prädikativ) «erzürnt», ' bei Gottsched, Reichel 7). Aufbruch, s. aufbrechen. auf daß, Absicht anzeigende Konj. ^Ihd. (in mitteld.. Quellen des 14., 15. Jh.) üf da^, urspr. üf da^ da^ (Mystiker 1, 376, 6), dann bei Luther auff das. aufdonnern, refl. v.: (von Frauenzim- mern) sich aufputzen. Aus der Studentenspr. in die neuere Umgangssprache gekommen. aufdrieseln, aufdröseln (Goethe 18, 290. 24, 149 j, auch auftröselu (Goethe 6, 160j, V.: auf- und umwinden; abwindend lösen. dröseln geht zuiiick auf ein dialektisches md. ndd. triseln (^auch trüsehi, z. B. schles. und in ndd. Mundarten) v. «im Kreise drehen, rollen», dazu trisel m. «Kreisel» (schon nind. triseUn «rollen, kollera»), 1469 im mrhein. Yoc. ex quo drisslichte «tomabilis»), die wohl gehören zu mnd. trisse, tntse f. «Tau, das sich um eine Drehscheibe windet und diese selbst. Winde», trissen, tritsen (vgl. triezen) «mit einer Winde aufziehen, hissen» (dazu die gleichbed. ndl. trijsen, engl, trise, dän. trid.se). Vgl. abtröseln. aufdunsen, s. aufgedunsen. aufeinander, Raum- u. Zeitadv., nach seiner Bildung s. v. a. «ein auf das andere». Schon bei Luther zusammengerückt. Aufenthalt, m. (-s, PI. -e): Vei-weilen; Oii; des Yerweilens. Spätmhd. üfenthalt m. <: Aufrechthaltung, Stütze, Unterhalt, Woh- nung», von mhd. üfenthalten «aufrecht halten, erhalten, Nahrung, Wohnung gewähren», sich üfenthalten «sich zuiiickhalten, verweilen». auferstehn, v.: vom Tode oder aus tod- ähnlichem Zustand sich erheben. Mhd. üf erstän «sich erheben, entstehen, vom Tode erstehen», ahd. üfarstantan. Ebenso sind ge- bildet auferbaueu, mhd. üferbüwen, auf- erregen (^Goethe 9, 278), auf erwecken, mhd. üferwecken, auferziehen (bei Luther), die alle das auf- in der Flexion von dem übrigen Worte nicht trennen. Auffahrt, f. (PI. -en)-. Fahrt zur Höhe, besonders die Himmelfahrt : feierliche Schau- fahrt. Mhd. üfvart f. «Himmelfahii. Fahrt stromaufwärts», ahd. üffart f., zu auffahren mhd. üfvarn, ahd. üffaran. auffallen, v.: l) intrans. worauf fallen; (mit Dat.j Anstoß geben, die Empfindung des Ungewöhnlichen hervornifen (ei'st bei Adelung 1774, doch schon 1753 bei Xierem- berger der Wein fällt a^t/" «gewinnt Säui-e»). 2) trans. durch Fallen auf machen. ABL. auffällig, adj. u. adv. (nach der 2. Bed. von auffalleti). Bei Campe 1807. aufflirren, v.: mit Flitterstaat aus- schmücken (Voß Werke 228). Von ndd. flirre f. ; Flitter, Kopfschmuck einer Frau». auffretzen, v. : auffressen machen, ab- füttern; ganz abweiden. Bei Luther (z. B. 4 Mos. 22, 4). S. fretzen. aufführen, v. : in die Höhe richten,insWerk richten (mhd. ü feueren «nach oben führen»): zur Schau, zum Sehen, Hören usw. bringen oder vorbiingen (bei Maaler 1561 in der Bed. «feierlich einholen»); zur Wahrnehmung an- fühi-en (Schiller 4, 271, 14). Refl. sich a.: sich in den Lebensverhältnissen zeigen, sich betragen (bei Frisch 1712;. ABL. Auf- führung, f. (zu aufführen u. sich aufführen): Vorstellung eines Theater- oder Musikstücks (Lessing 7, 214); Betragen (Felsenbui-g 1, 87 i. Aufgang, m. (-es, PI. Aufgänge): Gang zur Höhe, besonders das Hervorkommen von Sonne, Mond, Sternen über den Gesichtskreis, Anfang von Tag oder Nacht; Ost; Anfang, voniehmlich erfolgreicher: Eröffnung. Mhd. ahd. üfganc m. aufgeben, v.: zu erledigen, zu besorgen geben, z. B. ein Rätsel a. (fi-ühnhd., auch bei Luther); (mit Dat.j ein Lehen usw. in die Hand eines andern übertragen, eig. bei der symbolischen Handlung hochhalten mid übergeben (mhd. üfgeben); sich entäußeni, fahren lassen, unterlassen (auch schon mhd.). aufgeblasen, adj., eig, Part. Prät. von sich aufblasen: eine übertrieben hohe Mei- nung von sich zur Schau tragend. Schon mhd. üf geblasen. Aufgebot, n. {-es, PI. -e): öffenthche Be- kanntmachung z. B. einer zu schließenden 103 aufgebracht aufkommen 104 Heirat (Lessing 1, 530); Einberufung von Heeresmannschaft und diese Mannschaft selbst (Luther 3, 355^ Jen. neben außot n. 356 b); (übertragen) Zuhilfenahme z. B. der Kräfte. Zu dem älternhd. V. aufgebieten (bei Luther), = aufbieten (s. d.). aufgebracht, s. aufbringen. aufgedunsen, adj., eig. Part. Prät. des verlornen V. sich aufdinsen: (von innen) ge- haltlos ausgedehnt (Wieland 4, 102). -dinsen geht zurück auf mhd. dinsen «ziehen», sich dinsen auch s.v. a. «anschweEen», dazu ahd. dinsan, asächs. thinsan, got. at-pinsan «heran- ziehen» zu lit. t^sti «durch Ziehen dehnen», ai. tc{säjati «er schüttelt, bewegt hin und her. Aus diesem aufgedunsen scheint ein V. auf- dunsen «gehaltlos ausdehnen» (Maler Müller, Schubart) entwickelt, doch schon bei Stieler 1691 dumsen, aufdumsen «anschwellen». aufgehen, v.: in die Höhe gehen, mhd. üfgän, -gen, ahd. ufgangan, üfgän; (von Ge- stirnen) hervorkommen, sichtbar werden ; (mit Dat.) deutlich werden ; sich öffnen : (von Geld) verbraucht werden (schon mhd.); völlig in ein gi-ößeres Ganze aufgenommen werden; (rechnerisch) sich heben (bei Schupp 59). aufgehoben, s. aufheben. aufgeklärt, s. aufklären. Aufgeld, n. {-es, PI. -er): das bei Aus- wechslung von Münzen hinzugezahlte Geld, Agio; bei einem geschlossenen Handel oder Vertrag sogleich dargegebenes Geld, damit er fest ist und nicht zurückgehen kann. Spätmhd. üfgelt n. aufgelegt, Pai-t. Prät. von auflegen: in Stimmung etwas zu tun, wie ital. disposto, franz. dispose. Um 1700 üblich geworden (Günther 315). aufgeräumt, adj.: in reiner, heiterer Seelenstimmung. Eig. Part. Prät. von auf- räumen, mhd. üfrümen, «wegschaffend Raum machen; alles Unangenehme und Beengende wegschaffen». Bei Krämer 1678 mit Adv. übel, wol a. und urspr. (wie noch bei Stieler 1691) mit persönKchem Dat. aufgeweckt, adj.: lebhaften Geistes. Im 17. Jh. üblich (Fleming 136). Eig. Part. Prät. von aufwecken in der Bed. «geistig ermun- tern, anregen» (bei Luther). aufhalten, v.: in die Höhe halten, mhd. üf halten ; auf einem Punkte verweilen machen, zurückhalten, hemmen (auch schon mhd.); offenhalten. Refl . sich a. : verweilen (bei Luther, neben sich aufenthalten); sich mißliebig über etwas oder über jemand äu£em (bei Nierem- berger 1753). aufhängen, v.: in die Höhe hängen, mhd. üfhengen neben üfhdhen, s. hangen; als Last an jemand hängen; einem etwas a.: ihn zur An-, Übernahme von etwas bringen (wie auf- halsen, z. B. Lessing 3, 6), zum Glauben an etwas bringen (wie aufbinden, bei Kind- leben 1781). aufheben, v.: zur oder in die Höhe heben, mhd. üf heben, ahd. üfheffen; auf- nehmen und wegbringen (mhd. üf heben «er- gi'eifen»); zur BewahiTing wohin tun; auf- hören machen, ungültig machen, abschaffen (im 15. Jh. ein urtel uf heben, bei Luther allgemein); {mit einem a.) abrechnen. Refl. sich a.: sich gleichkommen, eig. beim Wiegen zu gleicher Höhe heben. Das veraltete Part. Prät. auf gehaben (dafür jetzt aufgehoben, s. heben) kommt noch im 18. Jh. in der Bed. «zm* Höhe gehoben, emporgehoben» vor (bei Klopstock, Wieland, Lessing). Der subst. Inf. Aufheben, n. hat auch die Bed.: schau- tragendes Hervorheben vor andern (nament- lich in Aufhebens machen), eig. Fechteraus- druck von dem (oft mit prahlerischen Reden verbundenen) Erheben der Waffen als Vor- spiel des Kampfes (bei H. Sachs 4, 213 wird das Aufheben als ein Teil der Fechtkunst er- wähnt, vgl. Lessing 10, 239). aufhören, v.: worauf hören (selten, 1691 bei Stieler); in einer Tätigkeit nicht fort- fahren. Li der letzten Bed. im Mhd. zu- nächst bloß hoeren, wohl im Sinne von «ge- horchen, auf jemand hören», dann auch üf- hcBren, völlig dui'chgedrungen im 15. Jh. aufklären, v.: klar, hell machen (nament- lich refl., so bei Stieler 1691); verständlich und deutlich machen; (eine Gegend) aus- kundschaften (in der neuern Heeressprache nach franz. eclairer); im Geiste erleuchten. Nach dieser Bed. das Part. Prät. aufgeklärt als Adj. «erleuchtet im Geiste», namentlich in religiösen Dingen (1752 von Wieland ge- braucht, Suppl. 1, 414. 424, vgl. auch ReichelS). ABL. Aufklärung: bei Adelung 1774, vgl. Ladeudorf Schlagwb. aufknüpfen, v. : eine Schlinge aufmachen ; mittelst einer Schlinge, eines Stranges auf- henken (bei Duez 1664, Fischart hat auf- knipfen in beiden Bed., Garg. 76 u. 458). aufkommen, v.: in die Höhe kommen, mhd. üfkomen, ahd. üfqueman; zum Wachs- tum, zur Gesundheit kommen (auch schon 105 aufkrampen aufrecht 106 mhä.); zum Dasein kommen: üblich werden (frühnhd.). auf krampen, v.: die Krampe (s. d.) ! öffnen, um die Thüi' aufzumachen. Bei Toß Luise 3, 203 aus dem Xdd. auf krampen (bei Goethe 26, 299 auf- i krempen i, v. : in die Höhe krümmen oder biegen, z. B. den Hutrand. Aus dem Xdd. i im 17. Jh. eingedrungen Tbei Rädlein 1711). Mnd. upkrempen «sich in die Höhe biegen». ABL. auf krämpeln, v. : in gleicher Bed., 1793 bei Adelung. aufkratzen, v.: durch Kratzen auf- machen; durch Kratzen fiisch machen rfriih- ■ nhd.); aufputzen i namentlich sich a.): in gute : Stimmung versetzen {aufgekratzt bei Kind- ■ leben 1781 als studentisch). i Auflage, f. f PI. -n) : (im Kanzleistil) amt- 1 Ucher Auftrag Tfrühnhd. ) ; der Obrigkeit zu Entrichtendes, namentlich an Geld i frühnhd ) ; Zusammenkunft der Handwerker, eig. inso- fern in ihr die Beiträge zu entrichten sind (Adelung 1774); Beschuldigung (bei Luther 6, 6'' Jen.); die zusammen gefertigten Abdrücke einer Schrift als aus der Presse hervorge- cranofen und zum Verkaufe zur Messe auf- gelegt (bei Frisch 1712j. auf lassen, v. : in die Höhe lassen, mhd. üflä^en: feierhch aufgeben (s. d.) und einem andern übertragen, z. B. ein Lehen (mhd., auch mnd. upläten im Sachsensp.); (ein Berg- werk) zu bearbeiten aufgeben, verlassen (Frei- berger Bergi-echt des 14. u. 15. Jh.). | Auflauf, m. {-es, PI. Aufläufe) : geschwin- des in die Höhe Gehen; über und zugleich unter Kohlen in die Höhe gehendes Gericht; Zusammenlaufen von Menschen, besonders feindseliges, Aufruhr, mhd. üflouf. ' auflaufen, v.: l) intrans. sich mehrend j anwachsen, mhd. üfloufen-. aufkeimen: an-' schwellen (auch schon mhd.) : ( in der Schiff- fahrt) sich auf dem Grunde festfahren. 2)trans. durch Laufen öffnen, wund laufen. ; auflehnen, v. : von der senkrechten Rich- tung auf einen Halt Gebendes abweichen. Refl. sich a., auch in der Bed. «sich zum Widerstand entgegenwenden». ^[hd. üßeinen, in md. Quellen auch üflenen. Bei Luther aufflehnen, bei Obd. bis ins 17. Jh. aufleinen, vgl. ablehnen. ' aufmachen, v.: in die Höhe richten, mhd. üfmachen: aufspielen ifiühnhd.); offen machen (bei Lutherj. Refl. sich a.: sich erheben, auf den Weg machen (schon mhd.). aufmutzen, v.: (fi-üher) reines schönes Aussehen geben, aufputzen, mhd. üfmutzen, wie auch das einfache mutzen diese Bedeutung hat rfi'ühnhd. namenthch von Waren, z. B. 1537 bei Dasypodius auffmutzen zum kauff): (dann) als vorzüglicher (in die Augen fal- lender) nennen, herausstreichen, doch auch als ungut, zum Tadel herausstreichen ( Luther Sir. 1-3, 27): (mit Dat.) einem etwas mit Xach- dnick vorhalten oder zum Vorwurf machen (schon fiühnhd.). S. mutzen. aufnehmen, v.: l") trans. in die Höhe nehmen, mhd. üfnemen (daher es mit einem a. « es auf einen Streit mit jemand ankommen lassen», eig. die Waffen erheben, um mit je- mand Kampf zu beginnen, vgl. Aufhellen): bei sich zulassen, Eintritt, Raum usw. ge- währen (auch schon mhd.); an sich nehmen, z. B. entliehene Gelder (mhd. üfnemen «in Besitz nehmen, einnehmen »J : angreifen, um zu beginnen, z. B. eine Arbeit: entwerfen, z. B. ein Büd, eine ürkutuJe : geistig auffassen und beurteilen, z. B. gut a. (bei den Mystikern ist üfnemen '< erkennen//). 2) intrans. (ver- altet) zunehmen, gedeihen (auch mhd.l Da- von der subst. Inf Aufnehmen, n., nament- lich in i)i A. bringen, woföi- jetzt gewöhnlich in Aufnahme brvigen gesagt wird. auf neu, v.: aufbringen, in die Höhe bringen, bessera, mehren. Schweizerisch (bei G. Keller, Schweiz. Id. 1, 123 seit 1424 be- legt). Älternhd. auch aufen, mhd. v.fen, ahd. üffan und üßn neben kiüffinm, ags. uppian. Zu ahd. mhd. üf «auf». aufpassen, v.: l) intrans. worauf acht- habend warten: worauf achthaben. Früh- nhd. (H. Sachs Fab. 196, 92). 2) trans. wo- zu passend machen. S. passen. aufpausen, v.: (die Backen) aufblasen 1678 bei Krämer. Zu pausest, oberd. pfausen «blasen, pusten». Vgl. aufbauschen. aufl'appelu, refl. v. : sich von sitzender oder liegender Stellung empomchten, auch bildlich. Seit dem 18. -Jh. übliches Wort (bei Goekingk 2, 227) mit ndd. Lauten für hd. aufraffeln (bei Luther), abgeleitet von aufraffen (wofüi- Stieler 1691 aufrappen hat, das auf mnd. uprappen beruht). aufrecht, adj. und adv. : in die Höhe gerichtet, in die Höhe gerade, mhd, ahd. üf- reht (s. recht) : geradsinnig, offenherzig (auch schon mhd.). In dieser 2. Bed. aber schon im 18. Jh. völlig verdrängt durch aufrich- tig, mhd. üfrihtic, das auch zuerst jene 107 aufreiben Aufsehen 108 1. Bed. von aufrecht hatte (mhd, und bei Luther Pred. 1, 30. Apostelg. 14, 10). aufreiben, v. : durch Reiben öffnen ; durch Eeiben verbrauchen; (dann, wie zermalmen) zugrunde richten, vertilgen (friihnhd., z. B. bei Murner Karr. 10, 31 und bei Luther). aufrichten, v.: zur Höhe, emporrichten, mhd. vfnhfen, ahd. üfrihtan; ins Werk setzen, zu Dasein und Bestehen bringen; aus ge- drückter Stimmung in eine das Gemüt er- hebende versetzen. Refi. sich a. : sich empor- richten; sich aus gedrückter in gehobene Stimmung versetzen (J. Faul Hesp. 2, 168). aufrichtig, s. aufrecht. aufrücken, v. : in die Höhe rücken, höher rücken, mhd. üfrücken, -rucken, ahd. (Notker) üfrucchen: (mit Dat. der Person) beschwerend und empfindlich bemerkbar machen (in md. Quellen des 15. Jh. und bei Luther). Aufruf, m. {-es, PI. -e): Ruf zur Erhe- bung, Meldung usw., sowie ein diesen Ruf enthaltendes Schriftstück. Erst bei Adelung 1774 als Handlung des Aufruf ens, doch schon mnd. uprop m. «Berufung». Aufruhr, m. {-s, PI. -e): heftige Bewe- gung, besonders eine feindsehge Unterge- ordneter gegen Übergeordnete. Im 15. Jh. üfruor f., zusammengesetzt mit mhd. ruore, ahd. hruora f. «Bewegung», s. Ruhr und rühren. Älternhd. überwiegt noch das F. (das M. zuweilen bei Luther und bei Alberus Dict. dd 2^* voll vffrhurs), auch im 17. Jh. voi'kommend (Gryphius Trauersp. 360) und noch 1755 von Dornblüth S. 828 verlangt. Bei Herder 24, 462 der seltene Plm\ Auf- rühre. ABL. Aufrührer, m. (um 1480 im Yoc. ine. teut. b 2^ auffrurer). aufrüh- risch, adj. (bei Luther auffrurisch), wofür später aufrührerisch (Heynatz 1775). aufs, zusammengezogen aus auf das. Schon mhd. üfe^, ä/j, zusammengez. aus üf da^. aufsagen, v.: der Reihe nach hersagen (frähnhd.); als aufhörend ansagen, aufkün- digen, mhd. üfsagen. aufsässig, adj. und adv.: feindselig ge- sinnt gegen jemand und nach seinem Schaden trachtend. Mit Kürzung des Vokals von einem nicht zu belegenden mhd. üfsäge f. «Hinterhalt, Lauern auf jemand» (vgl. das einfache säge f. in gleicher Bed. und mnd. upsäte f. «Anschlag, hinterlistiger tlberfall»). Frühnhd. (H. Sachs 13, 150, 27), aber spä- ter durch aufsätzig (s. d.) zurückgedrängt; Adelung 1793, Heynatz 1796 und noch Campe 1807 erklären a. für unrichtig. Aufsatz, m. (-es, PI. Aufsätze) : (veraltet) Nachstellung, lauernde Feindschaft, mhd. fif- saz m.; auferlegtes Gebot (Luther Matth. 15, 2 usw., mhd. üfsaz ist «Gesetz, Festsetzung, Bestimmung, namentlich schriftliche»); (dar- aus abgeschwächt) in zusammenhängenden Sätzen schriftlich Verfaßtes (bei Ludwig 1716); zur Erhöhmig und Verzierung aufgesetztes Ge- bilde (Kant 7, 187 H.). ^Biv-^aufsätzig, adj.: feindselig gesinnt (nach der 1. Bed. von A.). Spätmhd. üfsetzic «hinterhstig, ver- schlagen», so auch 1482 im Voc. theut. c 1* aufsetzig, im 16. Jh. dann «Nachstellung be- reitend, feindselig», vgl. aufsässig. aufschieben, v.: durch Bewegung zur Seite oder aufwärts öffnen; zeitlich hinaus- rücken, mhd. üfschiehen. — Aufschub, m. {-es, PI. Aufschübe) : zeitliche Hinausrückung. Mhd. üfscMqj m. Aufschlag, m. [-es, PI. Aufschläge): auf- treffender Schlag; klappenartig umgeschla- gener Teil eines Kleidungsstückes (Krämer 1678); rasch öffnendes Voneinandei'legen ; schnelle mit Schlagen verbundene Errich- tung; rasche Bewegung in die Höhe; Stei- gerung des Preises; Auflage durch Besteue- rung, namentlich ei'höhte (mhd. üfslac m. «Erhöhung einer Abgabe, des Preises»). Aufschluß, m. {-sses, PI. Aufschlüsse): Offnen mittelst eines Schlüssels; Aufkläning über etwas (mhd. üfslug m. «Auflösung eines Rätsels»). aufschneiden, v.: zum Offensein schnei- den; woi'auf einschneiden; (eig. mit dem großen Messer a. d. i. wohl «mit dem Weidmesser», übertreibende Jagdgeschichten erzählen, oder S.V.W, große Stücke auftischen, vgl. Borchardt- Wustmann 32 mit Beleg von 1621, auch Mo- scherosch Phil. 1, 149) in Reden lügenhaft großtun. Davon Aufschueider, m. : lügen- hafter Großtuer (1646 bei Moscherosch 2, 107). Aufschneiderei, f.(Opitz 1, 251). aufschnei- derisch, adj. (Grimmeishausen Simpl. 114). aufschnoppern (bei Goethe 33, 168 auf- schnohern), s. schnoppern. aufschrecken, v. : furchtsam auffahren. Mhd. üfschrecken «aufhüpfen». Dagegen trans. aufschrecken, v. : furchtsam auffahren machen, mhd. üfschrecken, s. schrecken. Aufschub, s. aufschieben. Aufsehen, n. {-s), substantivierter Inf. des V. aufsehen: Schauen auf etwas, Auf- 109 aufsetzen aufwerfen 110 merksatnkeit, Acht (Luther Weish. Sal. 3, 9, schon spätmhd. tifsehen n.j: die dm-ch einen auffallenden Vorgang hei'vorgerufene Aufmerksamkeit, staunende Verwundening (namentlich in Ä. machen, bei Ludv?ig 1716). In der 1. Bed. ist Aufsehen jetzt dm-ch Auf- sicht f. verdrängt, das erst im 16. Jh. vor- kommt (ßingwaldt laut. "Wahrh. 311). aufsetzen, v. : in die Höhe setzen oder | richten; worauf setzen, mhd. üf setzen, ahd, | üfsezzan; aufs Haupt setzen; aufs Spiel i setzen (spätmhd., noch bei Schiller Picc. 4, 1): (nach der 1. Bed. von Aufsatz) verleiten, täuschen, eig. Nachstellung bereiten (Luther 2. Kön. 18, 29. 19, 10); "(nach der 2. Bed. von Aufsatz) festsetzen, bestimmen, anordnen (Luther Mark. 7, 13 und schon mhd.); schrift- ; lieh entwerfen (bei Ludwig 1716). Aufsicht, s. Aufsehen. aufspielen, v.: ein musikalisches Spiel beginnen (bei Stieler 1691). Refl. sich a.: sich in einer angenommenen Eigenschaft zei- gen (in der neuern Sprache, vom Schau- spiel ausgehend). Aufstand, m. {-es, PI. Aufstände): Er- hebung vom Platz oder Lager, namentlich mehrerer, spätmhd. üfstant m.: Erhebung gegen die Obrigkeit (bei Duez 1664). aufstecken, V.: in die Höhe stecken, mhd. üf stecken-, worauf stecken; ein Ende machen womit, aiifgeben (in der neuem üingangs- sprache, wohl eig. Handwerkswort, eine Ar- beit, die man nicht fortsetzt, in der Höhe befestigen, vgL an den Nagel hängen, viel- leicht auch vom Aufheben der Eßgeräte, vgl. 1767 im Bremisch-ndsächs. Wörterb. den lepel upstecken «sterben», Löffel am Hut bei H. Sachs Fab. 855, 25). aufstöbern (bei Luther aufsteuhern), s, stöbern. Aufstreich, m. (-es, PI. -e)-. öffentlicher Zuschlag auf Meistgebot (Schiller Räuber 1, 2. 2, 1). Gegensatz Abstreich (s. d.). Von attf- str eichen, v. : zu Mehrgebot ausrufen, ein Mehrgebot schlagen. aufstutzen, v. : äußerlich vor anderm zier- lich machen (bei Adelung 1774). S. ^stutzen. Bei Lessing 5, 324 usw. unrichtig aufstützen. Auftrag, m. (-es, PI. Aufträge): was aufgetragen wird: Befehl. Dies im 17. Jh. (Zesen Jbr. 207) von auftragen in der Bed, j «anempfehlen» (mhd. üftragen, bei den My- stikern, ist « darbringen », dann in der frühnhd. Rechtssprache «übertragen, verleihen», vgl. aufgehen , auflassen). auftreiben, v.: in die Höhe treiben, mhd. üftrthen: aus der Ruhe, von der Stelle trei- ben, z. B. Wild (mhd. uftriben ist auch «auf- scheuchen, beunruhigen»); (darnach) durch an- gestrengtes Suchen sich verschaffen (frühnhd., 1618 bei Schönsleder;. auftreten, v. : l) intrans. auf den Boden treten, mhd. üftreten: sich öffentlich zeigen (auch schon mhd.): sich in einer Ai*t und Weise öffentlich benehmen (im 18. Jh.) 2) trans. durch Treten öffnen. Auftritt, m. (-es, PI. -e): Tritt in die Höhe (mhd. üftrit «die Höhe selbst»); Tritt auf den Boden: öffentliches Ei'scheinen; der Unterabschnitt eines Bühnenstückes, die Szene (seit Christian Weise j 1708, vgl. Aufzug) und davon dann, wie franz. scene, «auffallender Vorgang» (Ew. v. Kleist). auftrumpfen, v.: (mit Dat.) durch ge- wichtige Reden einem zusetzen (Schiller Kab. 1, l), eig. einen Trumpf auf eine niedere Karte werfen. Bei Rädlein 1711 (schon im 16. Jh. aufdrumpfen Crecehus 64). aufwägen, v.: in der Wage zur Höhe biingen; gegen andi-es schwerer ins Gewicht fallen. Dafür seit dem 18. Jh. auch aufwiegen (s. u'iegen). Mhd. üfwegen ist intrans. «sich in die Höhe bewegen», trans. «in die Höhe heben, mittelst der Wage piüfend messen». Aufwand, m. (-es): was aufgewandt wird, besonders insofern es viel ist. Bei Steinbach 1784. Jange Bildung von dem V. aufwenden: zu einem Zwecke verwenden, vgl. Versand zu versenden. aufwarten, v.: urspr. in die Höhe oder auf etwas schauen, vgl. warten; (mit Dat.) des Befehls gewärtig bedienen (so schon spätmhd. üfwarten): zu Dienste sein, na- mentlich bei Hofe (Opitz Poet. 8, Chr. Weise Erzn. 113): besuchen, um seine Ehrerbietung zu bezeigen ('Weise Erzn. 28). ABL. Auf- wärter, m. : Diener, namentlich bei Tisch (bei Fischart Garg. 201 auffwarter «höfischer Diener, Hofmann»). aufwärts, adv.: zur Höhe, in die Höhe. Mhd. f(fwert, im 15. Jh. auch mit der ge- nitivischen adv. Endung -es üfwerts vfwarts. aufwerfen, v.: in die Höhe werfen, heben oder ziehen, mhd. üf werfen; durch Werfen öffnen (auch schon mhd.); aufstel- len, zur Erledigung vorlegen (häufig bei 111 aufwichsen Auge 112 Luther); zu hervorragender Stellung erhe- ben (spätmhd.) Refl. sich a.: sich zu hervor- ragender Stellung erheben, namentlich in unberechtigter Weise (spätmhd.) aufwichseil, v.: mit Wachs glänzend machen, aufputzen; (in der Studentensprache, übertragen vom A. der Kanonenstiefel, vgl. Wichs) in die Augen fallend herausputzen (bei Augustin 1795); (ebenfalls studentisch) zu einem Zechgelage oder glänzender Be- wirtung vorsetzen, auftragen lassen (bei J. M. ' Miller Walther 148 ein Hospiz aiifwixen, bei Tieck in Musäus' Straußenfedern 4, 5 man h'auche das Geld um aufzuwichsen und er wichste auf, bis das Geld alle war; schon bei Kindleben 1781). aufwiegeln, v.: zur Erhebung gegen jemand vermögen; nach und nach heftig aufregen, -wiegeln ist eine Ableitung von icegen (s. wägen) und bedeutet eig. «in Be- wegung bringen»; mhd. kommt einmal ein intr. wiegelon «wanken» vor, vgl. auch ahd. kewigilit «instruit». Das Wort erscheint am Anfang des 16. Jh. und zwar zuerst in der Kanzleisprache {aufwigler Reichsordnungen 148 V. J. 1529, aufwigeln bei Lilienci'on 4, 579, Mathesius Luther 49^, verzeichnet bei Maaler 1561), vgl. auch die Adj. aufwegig (Franck Chr. 26 ^'j Aventin), aufwegisch «auf- rührerisch». Gleichbedeutend mit aufwiegeln erscheint im 16. u. 17. Jh. auch aufwickeln. aufwiegen, s. aufwägen. aufziehen, v.: l) trans. in die Höhe ziehen, mhd. ufziehen, ahd. üfziohan; her- anziehen, bei der Entwicklung leiten, z. B. Kinder (auch mhd.); zum Tanz auffordern (16. Jh.); auf etwas ziehen; durch Ziehen öifnen; hinziehen, aufhalten (schon mhd. und bei Luther); (wohl nach der veralteten Bed. foltern, eig. durch In die Höhe ziehen, vgl. triezen) necken, verspotten (Ayrer 423*', Opitz 1, 186). 2) intrans. sich erheben, in der Höhe bewegen, z. B. der Mond zieht auf; einhergezogen kommen (Opitz Ps. 75). Aufzug, m. (-es, PI. Aufzüge) : das In die Höhe ziehen und was dazu dient (mhd. üf- zuc «Vorrichtung zum Aufziehen»); als Grund eines Gewebes beim Weben aufgespanntes Garn; (vom Aufziehen des Vorhanges der Schaubühne) Hauptabschnitt eines Bühnen- stückes, Akt (im 17. Jh. oft im Sinne unseres Auftritt, z. B. bei Harsdörfer Gesprächsp. 2, 332. 3, 369, Andr. Gryphius) ; feierliches Auf- treten von Personen in einer Schauhandlunar (Zincgref Ap. 2, 96); äußere Erscheinung, Bekleidung (Krämer 1678). Augapfel, -braue, s. Auge. Auge, n. (-S, PI. -n): Sehwerkzeug des menschlichen und tierischen Körpers; Knospe einer Holzpflanze (Hohelied 2, 18. 7, 12); schwimmender Fettropfen; Zahlpunkt auf dem Würfel (daher die Redensart: auf seinen 5, 9, 11 usw. Augen stehen bleiben, gleichsam «bei der geworfenen Zahl recht- haberisch, eigensinnig beharren»). Mhd. ouge, ahd. ouga n. ; dazu asächs. öga, ndl. oog, afries. äge, ags. eage, engl, eye, anord. auga, schwed. öga, dän. öie, got. augö n. Füi- ur- verwandt hält man gewöhnlich abulg. oko n, lit. akis f., arm. akn m., lat. oculus m., gr. öcce (aus ÖK^e) Dual (auch öq)9a\|Liöc), aind. aksi n. «Auge»; den für zu erwartendes a in got. augö eingetretenen Diphthong au pflegt man durch Anlehnung an ausö n. «Ohr» zu erklären. Doch befriedigt dies nicht, und die Gleichung ist daher besser aufzugeben. Erklärungsversuche bei Osthoff' Btr. 8, 362; Stokes KZ. 45, 151 f., Zupitza Germ. Gutt. 79 (stellen es tadellos zuir. uag f. «Höhle, Grab» aus augä), Uhlenbeck Got. WB. s. v. (zu aind. öhate «wahrnehmen, beachten», ebenfalls möglich), Hirt Btr. 22, 231 (zu gr. ÖTTiUTrri) u, a. Eine Entscheidung ist nicht zu treffen, doch sollte man sich von dem Wahn los- machen, daß äuge zu lat. oculus gehören muß. Das Wort flektiert im Mhd. schwach, ■ doch im Sg. mit den Nebenformen Gen. ouges, \ Dat. ouge, danach schon älternhd. fast aus- j schließlich Auges, Auge. Der PI. bewahrt I die schwache Flexion. ABL. äugeln, v. : I freundlich, zärtlich zublicken, mhd. äugeln j (als subst, Inf.) «Liebäugeln»; trans. «das i Auge eines Baumes in die aufgeschnittene Rinde eines andern setzen, okulieren» (bei Stieler 1691 eiigelen). Nach der 1. Bed. Augeier, m. : Augendiener (Goethe Reineke 9, 76 nach mnd. ögeler). äugeu, v. : blicken, \ schauen (vom Wilde). Mhd. öugen ist trans. ! «sehen lassen», während vanä.ögen auch «sehen, i schauen» ist (bei Stieler 1691 auseugen). Vgl. aucheigen. -äugig,adj.: Augenhabend inein-, j schwarz-, blau-, triefäugig usw. ZUS. 1) mit I Aug- : Augapfel, m. : die häutige, das Licht empfangende Kugel im Auge ; Liebstes, was man sorgfältig schützt wie das Auge. Mhd. ougapfel, ahd. ougaphul, auch bloß aphul m.; ' dazu ndl. oogappel, ags. eagappel m., engl. eyeapple. Augbraue, -punkt, s. Augen- 113 Auge Auktion 114 braue, Augenpunkt. 2) mit Augen- : Augen- 1 arzt, m.: in Vokabularen des 15. Jh. oug- \ arzet, augenarczt Diefenbach nov. gl. 270*. ! AugeuMick, m.-. Blick der Augen; kleinste, ' einem Blick der Augen gleiche Zeitdauer, j Mhd. ougenUic m., im 12. Jh. noch ougon j hlich, also Zusammensetzung mit dem Gen. ! >> • • I PI. ahd. ougono. Davon das genetivische Adv. ; augeu])licks, frühnhd., und das Adj.augen- l)licklicll, mhd. ougenblicklich neben ougen- hlickic. Augenbraue, Augeubraune, f. (beide Formen bei Goethe), selten Augen- braue f. (Herder krit. Wälder 1, 176), Augen- braun n. (Schiller Räuber 4, 3) und Augen- bran n. (Herder Humanität 6, 54), auch in älterer Zusammensetzung Augbraue, Aug- hraune f. und Aughraun n. (alle drei Formen bei Goethe, die letzte Naturw. Sehr. 1, XTVT!): Haarstreifen quer über den Augen. Älhd. ongebrä, mich'ä, ahd. ouchrä f.; dagegen anord. augabrün f. (s. Braue). Spätmhd. er- scheint auch ougenhrä und in frühnhd. Glos- saren neben aug-, augenbraw (mit Antreten des n der obliquen Kasus) oug-, ougenbrähen, -hrän, -brawen, worauf die spätem Formen Äug-, Augenhraune, -hrane f., Aug-, Augen- braun, -bran n. beruhen. Stieler 1691 führt auch Augenhrame f. an, was später z. B. Gesner gebraucht, aber schon 1615 bei Al- bertinus Landstörzer 379 Augenbräm (Ver- mischung mit Brame «Rand», s. d-)- Bei Luther erscheint im PI. die augbrün (Hiob 3, 9), an den Augh-unen (3. Mos. 14, 9). Augendiener, m.: Schmeichler. Fiühnhd. (um U80 Voc. ine. teut. b 2*^). Augen- glas, n.: verschärfendes Glas für die Augen, BriUe, im 15. Jh. aug-, augenglas n. Augen- licht, n.: Sehkraft; (dichterisch) Auge, im 17. Jh. Augenlid, n. : Augendeckel. Zu- sammenges. mit mhd. lit (Gen. lides), ahd. Mit n. «Deckel», mhd. ougelit n., engl, eyelid. Augenmerk, n., auch m. (bei Goethe): Ziel der Augen (Drollinger 66). Augen- punkt, auch Augpunkt (Goethe 49, 1, 80, schon bei Frisch 1712 verzeichnet), m. : Ziel- punkt des Sehens, Gesichtspunkt. Augen- schein, m. : das Voraugensein, Beschauen (im 15. Jh.). Davon augenscheinlich, adj. und adv.: vor Augen klar (1514 bei Keisers- berg Trostspiegel 87*' ougen scheinlich). Au- genstern, m.: der Sehfleck im Auge. Mhd. ougesterne m. Augentrost, m.: die Pflanze euphrasia, weü die Augen erfreuendes Wie- senblümchen und von heilkräftigem Saft für Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. dieselben. In der 2. Hälfte des 15. Jh. (1471 bei der Hätzlerin und in Vokabularen, z. B. Brack Voc. rer. 48^). Augenweide, f : was die Augen dauernd anzieht und erfreut. Mhd. ougenweide, selten ougeiveide f., eig. «Umherschweifenlassen der Augen», dann «Erquickung der Augen». AugeUTVlnk, m.: (zunächst s. v. a. Bewegung der Augenwim- pern und danach dann) wie Augenblick als Zeitteil. Im 17. Jh. Dafür mhd. ougenicanc m. Augenwinkel, m.: Eckpunkt, an dem das obere und untere Augenlid verbunden sind. In Vokabularen des 15. Jh., z. B. 1482 im Voc. theut. c 1^. Augenzahu, m., Be- zeichnung der beiden Hundszähne im obern Kinnbacken, deren Wurzeln nach dem Auge zu gehen. Bei Maaler 1561 Augzan. Augen- zeuge, m. : wer das zu Bezeugende mit eigenen Augen wahrgenommen hat. Bei Stieler 1691. Augit, m. {-es, PI. -e): schönglänzender, meist dunkel-lauchgrüner Stein aus dem Kieselgeschlechte. Aus gr. lat. augites m. f., von gr. aufii f. «Licht, Glanz». ^August, Mannesname. Aus \?ii. Au gustus, dem Beinamen des ersten römischen Kaisers Octavianus seit seiner Alleinherrschaft und nach ihm aller römischen Kaiser. Das Wort ist das als Subst. gesetzte Mask. des lat. Adj. augustus «erhaben, geheiligt» von lat. auger e «vermehren, erheben, verherrlichen». "August, m. {-es): der achte Monat im Jahr. Aus lat. augustus, d. i. mensis Augustus, wie der Monat sextilis nach dem Kaiser Augustus genannt wurde (Suetonius Octav. 31). Der ahd. von Karl d. Gr. eingeführte Xame ist aranmanoth m., nhd. Erntemonat. An SteUe der dem Lat. angenäherten Form August findet sich älternhd. Äugst, mhd. ougest (und ouivest) m. «Erntemonat, Ernt?»; ahd. kommt augusto m. vor. Auguste, Frauenname, abgeleitet von dem Mannesnamen August (s. d.), eig. aus lat. augusta, dem Fem. des Adj. augustus « erhaben, geheiligt ». Davon das Dem. August- chen, gekürzt Chistchen (oberd. Chistel, Schil- ler Wall. Lager 124). Auktion, f. (PI. -en) : Versteigerung. Aus lat. auctio (Gen. auctionis) f. «Vermehrung, Versteigerung» von augere «vermehren». Schon bei Rot 1571. ABL. auktionieren, V.: versteigern. Im 17. Jh. Aus lat. auctio- näri «auf Mehrgebot ausbieten, versteigern». Davon Auktionator, m. (-s): Versteigerer aus nlat. auctionätor m. 115 Aiirikel Ausdruck 116 Aurikel, f. (PI. -n)- Bergschlüsselblume. Aus lat. aiiricula f. «Öhrchen» (Dem. von lat. auris f. «Ohr»), wie man denn die von den Gebirgen der Schweiz und Steiermark stammende Pflanze, nach der Form ihrer Blätter, im Deutschen auch genauer Bären- öhrlein nannte. Im 18. .Jh. aufgenommen (1736 bei Brockes 5, 32). aus, 1) adv. und damit auch interj.: von innen her, hervor, her (z. B. von Haus a., von Grund a.); hervor und fort (z. B. ein und a., Trumpf a.!); fort, weg (z. B. a. mit dir!); bis zu Ende, zu Ende (das Theater, das Stück ist a.). Dies Adv. steht in Ver- bindung mit andern Adv. wie hinaus, durch- aus, garaus und mit Subst. und Verben, wo es als erstes Wort den Ton hat. In der ver- balen Zusammensetzung bezeichnet a. auch die Beendigung einer Tätigkeit, z. B. aus- hlühen, austoben, ausarbeiten, eine anhaltende, zum Ziel kommende Tätigkeit, z. B. aus- dauern, ausreichen, auslachen, ausbilden, aus- prägen, sowie die Beseitigung des Objekts durch die Tätigkeit, z. B. ausblasen, aus- füllen, auslöschen, auswischen. 2) Präp. mit Dat.: von innen hervor, von — her (im Ge- danken an das Innere); entnommen (z. B. einer a. dem Volke): hervorgegangen oder veranlaßt durch — (a. Gottes Befehl, bei Luther; a. Kummer, a. Not). Mit Übergang von 5 in s (ältemhd. auch auß) aus mhd. ahd. ü^ adv. und (ahd. noch selten) präp.; dazu asächs. üt adv., mnd. üt auch präp., ndl. uit präp., ags. anord. üt adv. «her-, hin- aus, außen, außerhalb», engl, out adv. ^ schwed. ut adv. u. präp., dän. ud adv. u. präp., got. üt adv. Im präp. Gebrauch hat mhd. ü^ das ahd. ar, ir, got. us verdrängt (s. er-); fniher erscheint es zur Verstärkung vor an- dern Präp., z. B. got. üt US, ags. üt of, ahd. «5 fon. Verwandt ist vielleicht aind. ud als Verbalpartikel «in die Höhe, heraus», air. ud-, od- Verbalpräfix. ausbaden, v.: fertig baden. Redensart etwas a.: unfreiwillig abbüßen, eig. wohl s. V. a. «das Bad austragen», was dem letzten, der im Bad betroffen wurde, zufiel. Das Gleichnis ist schon im 15. .Jh. geläufig, vgl. Hermann v. Sachsenheim Mörin 660 ich hoff es sol im werden laid e man das bad werd giessen uß, 4170 ich vorcht zuo jungst es bring in pin, so man das bad nsgiessen iverd. ausbeißen, v. : durch Beißen wegschaffen, mhd. ü^bigen; durch Beißen vertreiben, z. B. ein Huhn aus dem Korbe; (bildlich) durch Gehässigkeit verdrängen (schon bei Luther). Ausbeute, f.: (ehedem z. B. Rieht. 5, 29) dem Feind im Krieg Abgenommenes; (im Gegensatz zu Einbuße) Gewinst als Ertrag wovon, namentlich bergmännischer {Auspeute 1556 bei Agricola de re metallica, Äußbeute 1562 bei Mathesius Sar. 2*'). Ausbruch, m. {-es, PI. Ausbrüche): ge- waltsames Herv'or- und Durchdringen, mhd. Umbruch m. ; vorzüglichster "Wein, nämlich aus Beeren, die als die reifsten und besten vor den übrigen an den Stöcken ausgebrochen wurden (urspr. vom Ungarwein zu Anfang des 18. Jh., Brockes 5, 117). Ausbund, m. (-es, PI. -e): das Muster, Höchste, Ausgesuchteste seiner Art, eig. das zur Probe, zum Muster für den Käufer her- ausgebundene Schaustück an einer Ware als das vorzüglichste Stück derselben. Frühnhd. (bei Keisersberg und Luther). Mhd. kommt dafür überbunt m. vor. ABL. ausbüudig, adj. und adv.: musterhaft, höchst (außhündig Städtechron. 3, 171 vom J. 1488). Ausbürger, m. (-s, PI. wie Sg.) : wer an anderm Orte wohnt, als wo er erworbenes Bürgerrecht hat. Spätmhd. ußburger m. Ausdauer, f.: die Fähigkeit, eine An- strengung usw. auszuhalten. Junge Bildung, noch nicht bei Campe 1807, deren sich Goethe 1809* bedient. Von ausdauern. Ausdruck, m. (-es, PI. Ausdrücke): dem Innern entsprechende bestimmte äußere Ge- staltung; bestimmte wörtliche Bezeichnung. Mhd. (bei Mystikern) u^fruc m., das aber später unüblich wird; erst Ludwig 1716 ver- zeichnet wieder A. neben Ausdruckung (letz- teres schon bei Luther, aber spätmhd. ü^- drückunge «Ausdünstung»). — ausdrücken, V.: herausdrücken, mhd. Umdrucken; drücken bis das Innere völlig heraus ist, z. B. eine Zitrone; aufdrückend, äußerlich gestalten (mhd. vereinzelt); dem Innern entsprechend bestimmt oder doch erkennbar äußern, be- sonders s. V. a. bestimmt erkennbar, wört- lich bezeichnen (fnihnhd. z. B. 1501 im Voc. opt. k 5*^ außdrucken «exprimere, manifes- tare» imd bei Luther). Ältemhd. erscheint dafür auch ausdrucken (noch bei Goethe 2, 160 usw. und bei Campe 1807), jetzt nur noch in der Bed. «fertig drucken» oder «im Druck abnutzen». S. drucken. ABL. aus- drücklich, adj. und adv.: bestimmt und entschieden. Frühnhd. (1514 bei Keisersberg 117 aiisecken ansgeben 118 außirücklich, ußtrucklich, 1482 im Yoc. theut. : c 2^ ausgefrucklich). ansdrnckSTOll, adj. ' und adv., Verdeutschung von franz. expressif aus dem Ende des 18. Jh. (vgl. Gombert 7, 9). | auseckeil, v. : alle Ecken wovon ermessen | d. i. vmtersuchen oder ausarbeiten; sorgsam i (bis ins einzelnste) untersuchen oder über- denken. Im 15. Jh. (Erb 1, 82). auseinander, ein die Trennung des einen vom andern bezeichnendes, aus aus ein ander statt ein aus dem andern, also mit vorge- lückter Präp. zusammengeschobenes Adv., das häufig in der Zusammensetzung mit Subst. oder Verben erscheint. auserlesen, v. : mit genauer Priifung aus- wählen, mhd. überlesen. Davon das Part. Prät. auserlesen und auserlesen, auch s. v. a. «ganz vorzüglich», mhd. überlesen. Die Vor- silbe aus- ist hier untrennbar, z. B. ich aus- erlese. Ebenso auserkiesen (im Präs. ver- altet), mhd. ü^erkiesen nur im Part. Prät. ü^erkoren, «auserkoren, auserwählt, vorzüg- lich»: ausersehen . (bei Duez 1642); aus- erwählen, mhd. üßerweln usw. Dagegen in auserzählen «bis zu Ende erzählen» ist aus- trennbar, z. B. ich erzähle aus. ausfallen, v.: l) intrans. aus einem Innern herausfallen, mh(\.n^vallen: wegfallen, unter- bleiben; einen Angriff nach außen machen; mit Worten empfindlich angi'eifen (bei Campe 1807); geraten, ausschlagen (beiLudwig 1716), eig. von dem Herausg-ehen des Züngleins der Wage nach der einen oder andern Seite (s. Ausschlag). 2) trans. durch Fallen beschä- digen oder entfernen (auch schon mhd). ABL. ausfällig, adj. (nach der 4. Bed. von aus- fallen). Neue Bildung (Freytag Joum. 3). ausfenstern, v.: tüchtig ausschelten. Eig. mit Scheltworten abfertigen vmd zwar urspr. den nachts unter dem Kammerfenster eines Mädchens um Erhörung flehenden Liebhaber. S. fenstern. Erst bei Adelung 1793 verzeichnet, aber schon vorher in der Umgangssprache (Schelmufsky 90, Gottsched, Lessing 7, 289). ausfertigen, v. : zur Ausgabe, öffentlichen Verbreitung fertig machen, z. B. eine Schrift, eine Urkunde. Spätmhd. ti^vertigen «ent- senden», vgl. abfertigen. ausfilzen, v.: mit Filz besetzen oder aus- stopfen; (dann da bei den Hutmachem ßXzen «Filz walken», auch bildlich) derb ausschelten, gleichsam mit Scheltworten vöUig bearbeiten (schon bei Luther). ausfindig, adj. u. adv.: durch Nach- und Aufsuchen erkannt (besonders in der Redens- art etwas a. machen). Richtiger ausfündig geschrieben (so noch Adelung 1793), 1482 im Voc. theut. c 2^ ausfündig machen «diffinire», abgeleitet von ältei-nhd. Äusfund m. «durch Nachforschen gemachte Erfindung». Ausflucllt, f. (Tl. Ausflüchte): (veraltet) Flucht aus einem Orte (im 15. Jh. ußfluchi); heimlicher Ausgang zur Entfernung; (ehedem im Rechte) Wenden an ein höheres Gericht um Recht zu suchen: Vorwand zur Verteidi- gung (schon um 1500 in der Kanzleisprache, z. B. Janssen Frankf. Reichskorr. 2, 625). Ausflug, m. [-es, PI. Ausflüge): das erste Fliegen aus dem Neste, dann überhaupt aus einem Orte, mhd. ü^vluc m. ; kleine Reise von einem Ort aus. In letzter Bed. hat Adelung, auch Goethe 34,1,413 und schon 1731 Schnabel Insel Felsenburg 1, 7. 46 Ausflucht f. ausfolgen, s. verausfolgen. Ausfuhr, f.: das Verfahren aus einem Ort anderswohin, der Export. Bei Rädlein 1711: daneben (noch bei Adelung 1793) auch Ausführe. Von ausführen in der Bed. aus einem Orte führen», mhd. ü^vüe7-en, ahd, (i^fuoran. Ndl. uifvoer m. ausführlich, adj. und adv.: über alle Teile des Ganzen sich verbreitend. Fiühnhd. (um 1480 im Voc. ine. teut. b 3^ ausfurlich «divertilis»). Von ausführen in der Bed. «bis zu Ende führen». Ausgabe, f. (PI. -»): das Von sich weg- geben an jemand; (im Gegensatz zu Ein- nahme) Betrag des Geldes, das man, ohne , es "wäeder zu empfangen, von sich gibt, spät- mhd. ü^gabe f.; das Ausgegebene und %o Aus^ ' gäbe eines Buches, insofern dieses als in be- stimmter Zahl von Abdrticken erschienen, ' zum Verkaufe geboten ward , vgl. Außage. ausgattern, v. : heimlich ausspähen, urspr. durch ein Gatter. Ein sächs.-thüi-. Wort, bei Räd- lein 1711 verzeichnet, dann bei Weiße Jagd 1,2, Lessing Nathan 1, 5 u. a. Vgl. ergattern. ausgehen, v. : von sich weg, aus seiner Gewalt geben, fortgeben, mhd. umgeben, ahd. üggeban; eine Tochter verheiraten (l. Mos. ' 29, 26) : (eine Schrift, ein Buch) durch den Druck zum Verkauf bringen; (im Gegensatz zu empfangen) selbsttätig von sich geben, produzieren (Goethe 28, 208): (jemand, etwas , ICO für a.) eine Bestimmung davon geben, j deren Zuverlässigkeit nicht gesichert erscheint (schon bei Luther). Refl. sich a.: durch 119 Ausgeburt Ausland 120 Geben des Geldes sich von diesem entblößen j (Lessing 1, 514, Goethe 36, 175). Intr. als in natürlicher Weise hervorgehenden Gewinst j von sich geben (1697 bei Ettner unwürd. ; Doctor 5), z. B. das Mehl gibt gut {viel Brot) \ aus. Oberd., von Dentzler 1709 verzeichneter ; Ausdruck, nach Adelung 1793 nur im ge- ' meinen Leben einiger Gegenden. Davon das Adj. ausgiebig (bei Adelung 1793). Ausgeburt, f. (PI. -en): Erzeugnis, Pro- dukt von etwas, namentlich im Übeln Sinn. Bei Adelung 1793. Ausgedinge, n. (-s, PI. wie Sg.) : das von einem abgehenden Wirt ausbedungene Alten- teil (s. d.). Erst bei Campe 1807. ausgelassen, Part. Prät. von auslassen als Adj.: lebhaften Empfindungen unein- geschränkt hingegeben, eig. jedem Zwang entrückt, freigelassen (ui'spr. vom Vieh, das aus dem Stall auf die Weide gelassen ist, 1561 bei Maaler ausgelassen werden «laxari a vinculis»). Schon im 16. Jh. (Kirchhof Wend. 333^). ausgenommen, adj., dann präp. mit Akk. und adv.: nicht mitbegriifen. a. daß, wenn, wo erscheinen als Konjixnktionen. Mhd. wj- ge^iomen ist ziinächst Part, Prät. von ü^- nemen, dann nach dem Vorbilde von mlat. excepto, frz. excepte, im 15. Jh. Partikel und zwar Präp. mit Akk., welchen Kasus bereits ausnehmen ei-foi'dert, oder auch stan-e Par- tikel, auf die jeder andre Kasus folgen kann. ausgepicht, s. pichen. ausgiebig, s. ausgehen. Ausgleich, m. {-es, PI. -e) : Vergleichung, Vereinbarung. Ganz junge Bildung von aus- gleichen, «gleichmachen», eig. durch eine nach außen gehende Tätigkeit (bei Stieler 1691, der daneben auch eingleichen hat). ausgrätschen (Goethe [Egmont] 8, 246): auswärts spreizen. S. grätschen. aushalten, v. : bis zu Ende durchmachen (bei Luther); ausdauem; ausstehen, ertragen; Unterhalt gewähren, mhd. ü^halten «ver- pflegen». aushändigen, v.: aus der Hand geben, übergeben. Kanzleiwort, 1645 bei Zesen adr. Kos. 19. Vgl. einhändigen. ausheben, v. : durch Bewegung in die Höhe aus seiner Lage bringen (bei Luther): ausnehmen, z. B. ein Nest; (Soldaten) als geeignet zum Kriegsdienst auswählen (bei Adelung 1774): auswählen und vorbringen (J. Paul Flegelj. 1, 72). Intr. sich heben (vom Hammer der Schlaguhr). Mhd. nur refl. sich ü^hehen «sich aufmachen.» aushecken, v.: brütend aus den Eiern schlüpfen machen (so 1482 außhecken im Voc. theut. c 2^); dann überhaupt zahlreiche Junge zeugend sich fortpflanzen (Jes. 34, 15); (nach dem Sitzen des Vogels über den Eiern bild- lich) darüber heimlich sinnend hervorbiingen (Stieler 1691). ausholen, v. : durch weithin reichenden Schwung oder weites Ausstrecken führen, z. B. die Axt (5. Mos. 19, 5), einen Schlag usw.; (eine Person, Gedanken) dui'ch Herauslocken ausforschen (Sir. 13, 14). Mhd. ü^Jwln ist «auswählen». aushunzen, v.: jemand mit Worten be- handeln, daß nichts Gutes an ihm bleibt (Lessing 12, 47). S. hunzen. Auskehricht, n. (-s): das Hinausgekehrte. Frühnhd. (1482 im Voc. theut. c 2^ außkerecht «Feilspäne, Hammerschlag»). S. Kehricht. ausklauben, v. : mit den Fingern müh- sam auslesen (mhd. ü^klühen), auch bildlich (im 15. Jh., Fastnachtsp. 988, 17). S. klauben. auskneifen, v. : sich heimhch davon (hin- aus) machen (eig. indem man den Köi-per zu- sammenpreßt, um nicht gesehen zu werden, vgl. sich drücken), nd. Utkmpen. In der neuem Umgangssprache (urspr. wohl studentisch), auskommen, V.: aus einem Innern heraus- komrnen, mhd. u^komen, ahdi.ü^gueman; sich nach außen verbreiten, z. B. von Feuer, einem Gerücht (auch schon mhd.); bekanntwerden; bis zuEnde kommen, (mit Geldmitteln) reichen (schon frühnhd.) ; (mit einem a.) mit ihm fertig werden, sich vertragen (frühnhd.). Dazu der subst. Inf. Auskommen, n. (nach der 4. und 5. Bed. von a.) und auskömmlich, adj.: ausreichend (von Adelung 1774 als obd. Wort angeführt, früher auskommenlich). auskratzen, v.: durch Kratzen austilgen, mhd. abkratzen: (in der neuern Umgangs- sprache) rasch weglaufen, eig. mit schan*enden Füßen (bei Campe 1807), vgl. abkratzen. Auskunft, f. : Weg und Kaum zum Heraus- kommen aus etwas, Ausweg (Goethe Götz 2); Bescheid, um sich in einer Sache zurechtzu- finden (bei Adekmg 1774). J.BL. Auskunftei, f.: Auskunftsamt. In neuerer Zeit gebildet Ausland, n. {-es): Land außerhalb der Heimat. Erst nach 1750 aufgekommen (z. B bei Klopstock ,Oden 272, Goekingk 1, 186) nach Adelung 1793 zwar im Ober- und Nieder deutschen üblich, aber dem Hochd. fremd, 121 Anslant anspntzen 122 dagegen von Heynatz 1796 empfohlen (mhd. üglant n. ist «außerhalb der Gemarkung ge- legenes Gut», mnd. rdland n. «Land außerhalb des Deichs»). — Ausländer, m.: Fremder, aus der Fremde stammender, spätmhd. u^- lender m. ausländisch, adj., spätmhd. u^- lendiscJi. Auslaut, m. i-es): der Schlußlaut eines Wortes. Wie Anlaut (s. d.) grammatischer Kunstausdruck Jacob Grimms. auslegen, v. : aus einem Orte nach vomen legen, mhd. umlegen; aus zum Verkaufe legen (auch schon mhd.); zum Verständnis bringen (mhd. nach lat. exponere): für einen andern bezahlen gegen Wiedererstattung (bei Ludwig 1716, ältemhd. ist a. überhaupt s.v. a. «aus- geben, bezahlen», so schon 1501 im Voc. opt. E 4** außgelecht «expensus», auch mnd. üt- leggen, die jetzige Bed. hat sich aus für einen a. entwickelt; dazu das Subst. Auslage f.: ausgelegtes Geld (Gombert 7, 10 mit Beleg von 1600); bei Kunstarbeiten von festem Stoff eingegrabene Vertiefungen ausfüllen (im 1 5. Jh. «verbrämen, schmückend besetzen»). ausmachen, v. : zu Ende bringen, fertig, vollständig machen, mhd. üpnachen (daher das Part. Prät. ausgemacht «vollkommen»); zur Entscheidung biingen, namentlich durch Kampf; (es mit einem a., später auch einem, einen a.) zur Vernichtung bringen (bei Luther, vgl. Garaus); tüchtig ausschelten (frähnhd.^ noch Lessing 4, 411); durch Verabredung fest- stellen (bei Stieler 1691); ergänzend zustande bringen, entscheiden fSchupp 642); aus etwas herausbringen (Goethe an Knebel Bß9). ausmergeln, v. : völlig kraft- und saftlos machen. Frühnhd. (z. B. Hug Schapler 48). Vgl. Liebich Btr. 23, 223. S. mergeln. ausmerzen, v.: (urspr.) unter der Schaf- herde als untauglich ausscheiden (1562 bei Mathesius Sar. 153* außmertzen): dann über- haupt als untauglich ausscheiden und aus- tilgen, vornehmlich Worte. Wohl von dem Monat März, in dem die schwachen und die zur Zucht untauglichen Schafe ausgeschieden werden (vgl. bei Frisch Merzschaf «als un- tauglich ausgeschiedenes Schaf»). So findet sich auch z. B. im Spanischen marzear (im März, Span, marzo m.) die «Schafe scheren». Dieser Erklärung steht jedoch entgegen, daß das Ausmerzen der Schafe hauptsächlich im Herbst geschieht; deshalb verweist Neubauer (Ztschr. d. Ver. f. Volkskunde 1903, S. 100), von der Art und Weise aussehend, wie die Schafe ausgesondert werden, nämlich von der Kennzeichnung durch einen farbigen Strich, auf bayr. Schafe merken d. h. zeichnen, wozu merzen die Iterati\-form wäre, verkürzt aus merkzen, wie blitzen aus Nickzen, schmatzen aus schmackzen, vgl. auch engl, ynark out «ausmerzen». ausmitteln, v.: durch Mittel ausfindig machen, ermitteln. Bei Adelung 1774 als oberd. verzeichnet, auch in der Bed. «aus- sondern». ausmustern, v. : bei sorgfältiger Prüfung auswählen; bei sorgfältiger Prüfung ausschei- den. ]^amtl. militärisches Wort. Frühnhd. (in der 1. Bed. schon 1507 bei Liliencron 3, 8), S. mustern. Ausnahme, f. (PI. -n)-. das Ausscheiden und Absondern; Ausgeschiedenes und Abge- sondertes. Bei Krämer 1678 Ausnahm. ausnehmen, v. : heraus nehmen; des In- halts benehmen: besonders herausnehmen, hervorheben, auszeichnen; auserwählen, er- wählen; von allem andern ausscheiden und absondern. Mhd. ü^nemen in allen Bedd., ahd. üpieman «herausnehmen, ausscheiden und absondern». Refl. sich a.\ sich auszeichnen, sich in einer hervortretenden Eigenschaft zei- gen (bei Klopstock 12, 218, Wieland 2, 245, mhd. sich üpiemen, vom Heerführer, «aus dem Heere heraustreten, um voraneilend sich im Kampfe auszuzeichnen», Eolandsl. 209, 10, Parz. 72, 29); (abgeschwächt) überhaupt «sich zeigen, aussehen» (1783 bei J. Paul grönl, Proc. 6). Nach der 1. Bed, das Part. Präs, ausnehmend (und ausnehmend) als Adj. u. Adv. : vor anderm sich hervorhebend, vor- züglich. Seit der 1. Hälfte des 18. Jh. üblich, nach Adelung besonders in Obersachsen (z. B. bei Liscow 144, Geliert 4, 288) ; von Domblüth S. 89 als Ei-findimg der Zeitungsschreiber be- kämpft. S. ausgenommen. ausposaunen, v.: laut verkündigen, eig. mit Posaunenschall (nach Matth. 6, 2). Bei Steinbach 1734. ausputzen, V.: von allem, was hinwegmuß, gründlich reinigen ; mit Schmuck, Flitterstaat ein völlig glänzendes Aussehen geben (so bei Luther) ; in wahren oder falschen Glanz setzen {die Unwissenheit a. bei Goethe 23, 303) ; was sich nicht gebührt, derb verweisen zu gründ- licher Unterlassung (bei Keisersberg Bilg. 141 mitDat. im ußbützen). ABL. Ausputzer, m. : derber Verweis. Bei Henisch 1616 Außhutzer. 123 ausrangieren ausschweifend 124 ausrangieren, v.: jemand, etwas aus der Ordnung ausscheiden. Das Pai-t. Prät. aus- rangiert «ausgemustert». Rangier en aus franz. ranger «ordnen». In der neuern Sprache. Ausrede, f. (PI. -n): Rede, um sich aus einer Verlegenheit zu ziehen, Ausflucht. Bei Luther 7, 310 Weim. ausreißen, v.: l) trans. durch gewalt- sames Ziehen aus seiner Lage bringen, mhd. v^ri^en. 2) intrans. ausbrechen (fiühnhd., z. B. 1501 im Voc. opt. K 2** außreissen «erum- pex'e»): davonlaufen (bei Luther). ABL. Aus- reißer, m.: der davonläuft/flüchtiger Soldat (WaUhausen Corp. mil. 131). ausreiten, v.: l) intrans. anderswohin oder fortreiten, mhd. ü^riten. 2) trans. (ein Pferd) ins Freie reiten; bis zu Ende reiten (Schiller Rätsel 15); mit Reiten auf der Tenne aus- treten machen, z. B. Hafer. ausreuten, v.: bis in die Wurzel weg- arbeiten und tilgen. Mhd. üpiuten. S. reuten. Dasselbe bedeutet (mit md. ndd. d = t) aus- roden, das aber nie abstrakt verwendet wird. Mhd. in md. Quelle üpvden, mnd. Fctroden, im 16. Jh. noch nicht bei Hochdeutschen, aber im 17. Jh. schriftsprachlich geworden und bei Stieler 1691 verzeichnet. S. roden. Dagegen ausrotten: (jetzt nur abstrakt) mit Gewalt völlig tilgen. Frühnhd. ausrutten (um 1480 im Voc. ine. teut. b3^ außrutten «eradicare»), ausrotten (bei Luther) auch «ausroden», aus- rodennnd ausrotten haben ausreuten allmählich zurückgedrängt, Heynatz 1796 weist letzteres nur der edlern Schreibart zu; noch Dornblüth 1755 S. 64 wollte es nur allein gelten lassen. ausrichten, v.: durchaus gerade machen (spätmhd. ü^rihten «schlichten, in Ordnung bringen»); (eme Geldschuld u.dgl.) berichtigen, bezahlen (mhd. und bei Luther); abfertigen (bei Keisersberg) ; (spätmhd. «loben, rühmen», daher ironisch) verspotten, heruntermachen (schon spätmhd.) ; ausführen, ins Werk setzen, vollbringen (mhd. und bei Luthei", mit subst. Objekt jetzt beschränkt, z. B. ein Mahl); (ab- geschwächt) als Auftrag bestellen (bei Ade- lang 1774). J-B-L. ausrichtig, adj.: gewandt auszurichten oder etwas zu verrichten (z. B. 1. Kön. 11, 28), anstellig. Mhd. ü^rihtec. ausroden, -rotten, s. ausreuten. Aussatz, m, (-es): im Spiele zu Gewinn oder Verlust gesetztes Geld ; ansteckender Haut- ausschlag. Li der 2. Bed. um 1300 Umsatz m. f. (Renner 21419), im 14. Jh. auch umsehe f., gebildet von dem subst. Adj. in schwacher Form mhd.ü^setze{auch.ü^setzel), ahd.ü^sazzo, ü^sa^^eo m.: der mit dem Aussatz Behaftete, urspr. der wegen dieser ansteckenden ekel- haften Krankheit von den andern Menschen Abgesonderte, an einem besondern Ort Aus- gesetzte, weshalb ein solcher auch bezeich- nend mhd. sundersiech hieß und in dem vom Ort abgesondert erbauten siecliliüs «Haus für die Aussätzigen» leben mußte. Aussatz (bei dem später nicht mehr an aussetzen gedacht wurde ) verdrängte ältere Benennungen: mhd. miselsuht, ahd. misalsuht f., ahd. kruf m. und hriohsuht f., got. prutsfill n. eig. «Verdruß- fell, Hautbeschwerde». ABL. aussätzig, adj. und adv.: mit Aussatz behaftet. Mhd. üßsetzic, gebildet von umsetze. aussaugen, v. mit starker und schwacher Flexion und in bildlicher Anwendung schon im 16. Jh. (1557 bei Sleidanus übers, v. Stamler 26 a). Ausschlag, m. (-es, PI. Ausschläge): was nach außen kommt; junger Baumschöß- ling; aus dem Körper herauskommende Haut- unreinigkeit (dafür bei Maaler 1561 auß- schlecJit); Herausgehen des Züngleins der Wage infolge der schwerern Belastung einer Wagschale (schon im 15. Jh. großen oder deinen ußschlag gehen, s. Diefenbach-Wülcker 132, auch Luther gebraucht Ausschlag mit Bez. auf das Zünglein der Wage, ebenso ausschlahen^; (danach bildlich) Entscheidung (im 16. Jh. z. B. bei Maaler 1561, wie auch in dieser Zeit ausschlahen als «geraten, eine Wendung nehmen» vorkommt); Ergebnis, Ende (Opitz 2, 20). Ausschnitt, m. (-es, PI. -e): das Aus- schneiden und Ausgeschnittenes; ellenweiser Verkauf gewebter Ware (Reichsordnungen 175'' V. J. 1530), zu spätmhd. außsnülen «ellen- weise abschneiden und verkaufen», davon Ausschnitter m. -. Schnittwarenhändler, ( da- für im 15. Jh. bei Beheim 16, 31 ausz Schnei- der des geivants). Ausschuß, m. (Gen. Ausschusses, PI. Ausschüsse): das als vorzüglich oder minder- wertig Ausgeschiedene (in letzter Bed. bei KJi'ämer 1678); eine Anzahl ausgewählter Personen (schon im 15. Jh., Basler Chron. 1, 72 ußschutz). Zu ausschießen in der Bed. «aussondern» (spätmhd. von minderwer- tigen Geldstücken), eig. «herauswerfen», mhd. ü^schie^en. , ausschweifend, Adj. eig. Part. Präs, von ausschweifen (s. schweifen): über die Grenzen 125 aussehen aussetzen 126 der Sitt- und Schicklichkeit hinausgehend, eig. unhäushch umher schweifend (bei Maaler 1561, dafür im 15. Jh. ußschweiffig, älternhd. außschweiffig): zu -weit gehend, übertrieben. aussehen, v. -. l) trans. u. refl. mit den Augen auswählen, ausersehen: dui'ch Sehen verderben. 2) intrans. hinausblicken, mhd. umsehen: sich in einer bestimmten äußeren Gestalt den Augen (übertragen dem Ver- stände) zeigen (bei Schönsleder 1618). Dazu der subst. Inf. Aussehen, n. (bei Duez 1642j. S. Aussicht außen, adv. : von dem Eaume, der als innerer bezeichnet oder gedacht wird, hinweg. Aus mhd. v^en, ahd. ü^ana. ü^än; adv. und auch präp. in der Bed. «außerhalb, ohne», mit der Endung -ana von ü^ (s. atis) ab- geleitet. Dazu asächs. ütan adv., ags. ütan, üton adv. und präp., anord. ütan adv. und präp., got. fitana adv. und präp. Xdl. hat sich das Wort mit vorgesetztem &e- in dem Adv. und der Präp. hiiiten «außen, außer» erhalten, a. erscheint in Zusaromensetzungen wie Außending n., Außenseite f., Außenwelt f. (Withof Acad. Ged. 1, 178 vom J. 1745), und mit Verben wie aiLßenbleiben (Goethe 12, 90. 50, 256, jetzt gewöhnlicher ausbleiben), außenlassen, mhd. ü^en lägen (jetzt aiis- lassen), außensein, mhd. ügen sin. außer, präp. mit Dat. (mit Gen. mir in außer Landes, schon mhd. uger landes) : nicht in, sondern vor oder weg von — . Aus gleich- bed. mhd. üger, ahd. ügar: dazu asächs. Utar, afries. fiter. Abgeleitet von üg (s. aus). Hier- her auch a. sich sein «vor Aufregung seiner nicht mächtig sein» (bei Ludwig 1716). a. wird auch als Konj. verwandt s. v, a. «aus- genommen» und mit andern Konjunktionen verbunden: a. daß, a. wenn. außerdem, adv. und Konj., zusammenge- rücktes außer (/^w «mit Ausschluß davon noch». äußere, adj.: außen befindlich (Gegensatz zu innere); das Ausland angehend, z. B. die äußern Angelegenheiten. Aus mhd. (ohne Cmlaut, der erst im 15. Jh. hervortritt, bei Luther eussere) ügere, ahd. ügaro. Dazu der Superl. äußerste: entferntest (so daß räum- Hch nichts weiter ist); dem Grade nach über alles gehend; mhd. ügereste, ahd. ügarösto. äußerst, als Adv. : in dem Grade, daß nichts darüber geht (bei Lessing 1, 20. 22) ; dasselbe bed. das adverbiahsche aufs äußerste (bei Krämer 1678); zu äußerst, adv.: am ent- legensten Ende (bei Aler 1727). außerhalb, adv. u. präp. mit Gen., seltner Dat.: vor, an, auf der äußern Seite. Aus mhd. ügerhalp, Präp. mit Gen. und Dat., ahd. (bei jS^otker) ngerhalb, auch getrennt ugara. üzerun halb. äußerlich, Adj. und Adv. : bloß das Äußere angehend, bloß im Äußern. Mhd. (früher ohne Umlaut) ügerlich «körperlich (im Gegen- satz zu geistig), außer der Ordnung, uner- laubt, fremd». äußern, v.: (eig. außer sich geben, dann) zu erkennen geben, besonders mit Worten (erst bei Nieremberger 1753 verzeichnet, wohl aus der nordd. Kanzleisprache). Vgl. mnd. ütern «hinaustreiben, veräußern, herausfor- dern, äußern, dartun», engl, utter «äußern, entdecken, veräußern». Refl. sich a.: (ver- altet) von sich abtun (Philipp. 2, 7 sich eus- sern), sich wessen enthalten, spätnihd. (selten) sich ügern (auch schon sich eussern), neben sich u^enen, «sich entäußern, sich enthalten, sich entfernen»; zum Vorschein kommen (bei Ludwig 1716); mit Worten deutlich werden (bei Adelung 1774). Mnd. sik ütern ist «sich zeigen, versichern, sich entäußeni, enthalten». ABL. Äußerung f. (nach der 2. u. 3. Bed. von sich äußern). Bei Adelung, aber schon im 14. Jh. alemann, übrige f. «Äußerung, Rede» und md. ügerunge f. «Entfernung, Ausweisung/,, bei Luther eußerung «Lossagung, Trennung». außerordentlich, adj. und adv.: außer der abgeschlossenen Ordnung und über die- selbe hinausgehend; über das, was Regel und Gewohnheit ist, sich erhebend. Bei Stieler 169L Äußerung, s. äußern. außerwäl'ts, adv.: auswärts (Goethe an Frau v. Stein 3, 140). Schon 1540 bei Al- berus Dict. kk 3** aussericerts, mit genet. -s gebildet von mhd. ugericert «auswärtig, äußerlich». aussetzen, v. : von einem Orte nach außerhalb setzen, mhd. umsetzen-, (Töchter j ausstatten und weggeben (^ Rieht. 12, 9, schon mhd.) ; ans Land setzen : (ein Kind) ins Freie setzen und hilflos zuräcklassen: preisgeben, bloßstellen: zu einem Zweck bestimmen, z. B. einen Preis oder anderes von Geldes- wert (älternhd. ist a. überhaupt «bestim- men»); tadeln, rügen (bei Rädlein 1711), vgl. ausstellen: unterbrechen, ausfallen lassen (bei Ludwig 1716). Li trans. stocken: (bei Aus- führungen) von einem Punkte ausgehen (bei Lessing, Goethe). 127 Aussicht Ausweis 128 Aussicht, f. (PI. -en) : Blick nach außen ; was vor Augen liegt; als bevorstehend zu Ervrartendes. Um 1700 aufgekommen (bei Dentzler 1709 und Ludwig 1716 erwähnt.) aussöhnen, s. versöhnen. ausspintisieren, v.: durch Nachgrübeln ausfindig machen, nachgrübelnd herausbrin- gen. 1551 bei Scheidt Grobianus 4366 auß- spüntesieren. S. spintisieren. aussprengen, v.: nach außen springen machen; (Gerächte) überallhin verbreiten (schon bei Luther). ausstaffieren, v.: mit Zutaten versehen. Mnd. ütstofferen, auch hd. schon am Ende des 16. Jh., bei Duez 1664. S. staffieren. ausstaken, v.: ein mit Lehm zu ver- klebendes Fach vorher mit kurzen Stangen verbinden. Bei Adelung und Heynatz 1796 als niedersächs. Wort aufgeführt. S. Staken. Ausstand, s. ausstehen. ausstatten, v.: mit dem versehen, was dazu taugt oder gehört; (zur Heirat) als Vermögen geben, um den neuen Hausstand zu gründen. Zu statten. 1640 beiComenius 593. ausstechen, v.: durch Stechen heraus- nehmen oder entfernen, mhd. umstechen; von seinem Platze verdrängen, um die früher inne- gehabte Stellung bringen, eig. beim Turnier mit der Lanze vom Pferde stechen (bei Krämer 1678). ausstehen, v.: l) intrans. außerhalb sein, namentlich von Geldforderungen, die noch nicht eingegangen sind (vgl. spätmhd. ü^- stant m. «ausständiges Geld»); außerhalb des Dienstes sich befinden (dazu Ausstand m.: «Entfernung vom Dienst», das Adelung und Heynatz 1796 nur als obd. Wort kennen, vor einigen Jahren nebst dem Adj. ausständig von Süddeutschland aus allgemein üblich geworden); öffentlich zur Schau stehen, sich öffentlich zeigen. 2) trans. aushalten, er- tragen (bei Luther). ausstellen, v.: nach einem Orte außer- halb stellen (frühnhd.) ; ausfertigen, z. B. eine Urkunde (bei Stieler 1691); zur Schau stel- len; der allgemeinen Beurteilung aussetzen; auf etwas hinweisend tadeln (dies nach Ade- lung, Heynatz 1796 und selbst Campe 1807 nur obd. Wort, doch bei Schiller Picc. 1, 4, jetzt allgemein). Aussteuer, f. : Mitgabe bei Verheiratung zu eigener selbständiger Einrichtung; über- haupt Mitgabe. Bei Ludwig 1716 Äussteur. Von aussteuern, v.: ausmsten, mhd. ü^- stiuren. S. Steuer. Auster, f. (PI. -n): eßbare Seemuschel. Mhd. (bei Megenberg) oster, ahd. aostar (in aostarscala f.). Aus lat. ostrea f. und ostreum n. «Meerschnecke, Muschel», auf dem gleich- bed. gr. öcTpeov n. beruhend. Im Nhd. hält sich die Form Oster bis um die Mitte des 17. Jh. (z. B. noch bei Harsdörfer Gespr. 3, 4, Schupp 1, 302), daneben kommt im 16. Jh. nach ndl. oester m. die Form üster auf (z. B. Fischart Garg. 393), auf der dann wieder das um 1600 auftretende Auster be- ruht (bei Hulsius Schiffarten 14, 29, auch bei Henisch verzeichnet). Austrag, m. {-es): Schlichtung einer Sache, wodurch diese zu Ende kommt, mhd. ü^trac m; Schlußurteil, dem Folge gegeben wird; (mit dem PI. Austrage, woraus der mlat. PI. austregae) schiedsrichterliche Ent- scheidung, aber auch Schiedsmann, der einen Streit zu Güte oder Recht beendigt (Goethe Tasso 2, 4); ausbedungene Nutznießung (wie Auszug), daher Austrägler m.: Auszügler, Altsitzer. Von jenem austregae die barba- risch-deutschen Wörter Austrägalgerlcht n. «Gericht zui- Schlichtung der Streitig- keiten deutscher Fürsten»; Austrägalin- stanz f. «Ani-ufung selbstgewählter (Aus- tragungs-) Gerichte». auswärts, adv.: nach außen hin; über den Grenzen dessen, was als das Linere an- gesehen wird ; nach außen gekehrt, z. B. a. gehen. Mit angetretenem genetiv. -s für mhd. ahd. Unwert. Dies a. zuweilen als Adj. ver- wendet (z. B. bei Goethe Naturw. Sehr. 7, 62, nach auswärtser Richtung). — auswärtig, adj.: außerhalb befindlich, mhdi. ü^wertic, ahd. üpoertig. Ausweg, m. {-es, PI. -e): nach außen führender Weg; Rettungsmittel. Mnd. Tit- wech m. «nach außen führender Weg» (bei Maaler 1561 ist außwäg s. v. a. «Abweg»), hd. seit Rädlein 1711 (auch in der 2. Bed.) ver- zeichnet. ausweiden, v.: die Eingeweide heraus- nehmen. Frühnhd. (1501 im Voc. opt. K 4* außweiden «exinterare»). S. weiden. Ausweis, m. (Gen. Ausweises, PI. Aus- weise): deutliche Anzeige; schriftliche Aus- kunft über eine Person. In der Kanzlei- sprache (vgl.,Gombert 7, 10 v. J. 1619) von austveisen gebildet, wie gleichbed. mhd. u^- wisunge f. I 129 auswendig Anto- 130 auswendig, adj.: nach aoßen gekehrt; auf der Außenseite befindlich, äußerlich. Mhd. ü^wendec, worin -wendec zu wende f., nhd. Wende (s. d.). Davon das Adv. a., «auf der Außenseite; aus dem Gedächtnis». Diese Bed. erscheint frülinhd. in der Verbindung mit lernen (Mumer Geuchm. 53), können (Luther) oder sagen (Maaler 1561). Ahd. entsprechend ügana «außen» (Otfrid 1, 1, 109 ü^ana gisingan). auswerfen, v. : aus etwas (einem Innern) herauswerfen, sei dies durch Tätigkeit von atißen (so z. B. vom Ausnehmen der Ein- geweide bei Wild) oder von innen, mhd. umwerfen, ahd. ü^werphan; verwerfend aus- scheiden oder ausstoßen; (Geld) zu einem Zweck bestimmen, aussetzen (im 17. Jh.); intr. (vom Perpendikel) im Schwung einen weiten Zirkelbogen durchlaufen. auswirken, v. : (bei Handwerkern) durch Arbeit herausbringen oder fertig machen; (Wild) aus der Haut nehmen; erwirken, aus- richten. Mhd. ü^ivürken. auswischen, v.: durch Wischen besei- tigen; durch Wischen reinigen, mhd. üg- wischen; einen raschen Schlag geben (in einem eins a. eig. ein Auge auswischen?); intrans. davonlaufen, eig. rasch über den Boden dahingleiten (Schiller 1, 351). Auswuchs, m. {-ses, PI. Auswüchse): krankhaft Herausgewachsenes an Körpern, Bäumen usw., auch bildlich. Für .älteres Auswuchs am 1750 gebildet. Vgl. Anwuchs. Auswurf, m. (-es, PI. Auswürfe): die Handlung des Auswerfens (Apostelg. 27, 18); was ausgeworfen wird, spätmhd. mi^wurf va. «das durch den After Ausgeworfene»; als verabscheut ausgestoßener Mensch oder als verabscheut ausgestoßene Menschen. ABL. Auswürfling, m. (nach der letzten Bed. von Auswurf), spätmhd. ü^ivurfelinc m. auszehren, v. : l) trans. völlig verzehren (frühnhd.). 2) intrans. völlig verzehrt wer- den, erschöpft, im Schwinden begriffen sein; mit dem Verzehren zu Ende sein (Sir. 14, 17), Davon Auszehrung f.: völlige Ver- zehrung (1727 bei Aler); auszehrende Krank- heit, Schwindsucht (1774 bei Adelimg). Auszug, m. (-es, PI. Auszüge): Zug aus einem Orte, Lande usw., mhd. ü^zuc m.; was herausgezogen wird, Kraftauszug (Extrakt) wovon, Feinstes, Bestes aus etwas (bei Opitz, Fleming), namentlich Wesentlichstes aus einer Schrift (bei Luther) ; (veraltet die recht- liche Bed.) Angabe, um sich aus etwas her- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. auszuziehen (l. Macc. 8, 26), Aus- und Ein- rede, Einwand, Ausflucht (mhd. ü^zuc m., lat. exceptio); (jetzt in der Rechtssprache) was beim Abtreten liegenden Gutes, vornehmhch eines Hauses (airf Lebenszeit) ausgenommen und vorbehalten ist (so schon spätmhd.). Davon Auszügler, m.: der diesen Vor- behalt gemacht hat. aut: etwas (Gegensatz waw^« nichts»). Nur in den mundartlichen Redensarten: aut oder naut (entweder) «etwas oder nichts» (in der Zimmerschen Chronik 1, 48, 31 weder ut noch nut); man spricht von naut, es kommt von aut. Vgl, engl, ou^ht or nought. aut geht mit der westmd. Mundarten eignen Verwandlung von iu in ü (später au) zurück auf mhd. iut (für gewöhnliches iht), abgeschwächt aus iuwet, iuiveht, ahd. eowiht, eig. «irgend ein Ding», ebenso naut auf mhd. niut (für gewöhnliches niht), abgeschwächt aus niuwet, niuweht, ahd. neowiht, eig. «nicht irgend ein Ding». S. nicht. authentisch, adj. und adv.: echt, glaub- würdig. Nach gi-,-lat. authenticus, gr. auOev- TiKÖc «bestimmten Urheber habend», gebildet von gr. auöevTTic m. «unumschränkter Herr, Selbstherrscher». Schon im 16. Jh. entlehnt (Fischart Garg. 153). Auto-: erstes Glied vieler Zusammen- setzungen, die in deutscher Form erst seit dem 18. Jh. vorkommen und durchweg der ge- lehrten Sprache angehören. So Autochthone m. (-W, PI. -n): Ureinwohner (zu gr. x^^"^ ^^ «Erde, Land»), bei Campe 1813. — Auto- didakt, m. (-e^i, PI. -en): durch Selbstunter- richt Gebildeter. Aus gr.-mlat. autodidäctus, dem als Subst. gesetzten M. des gr. Adj, aÜTobibaKTOC «durch sich selbst unterrichtet» (von -biboKToc zu bibdcKciv «lehren»). — Auto- graph, n. (-es, PI. -en) : eigenhändige Schrift. Aus gi'.-lat. autögraphum, gr. aürÖYpaqpov «Ur- schrift», dem als Subst. gesetzten N. des gr. Adj. aÜTÖYpacpoc «selbst (eigenhändig) ge- schrieben» (zu -fpacpoc von YPÖqpeiv «schrei- ben»). Bei Nehring autögraphum. — Auto- krat, m. (-en, F\.-en): SelbstheiTscher. Aus franz. autocrat m., gebildet vom gr. Adj, aÖTOKpaxric «selbstherrschend» (-Kpaxric von Kpareiv «obheri'schen»). Davon Autokratie, f.: Selbstherrschaft. Ausgleichbed. franz. auto- cratie f. (-cratie nach gr. -Kpäreia f. «Herr- schaft»). — Automat, m. n. (-en, PI. -en): sich von selbst bewegende Maschine, Selbst- triebwerk. Aus gleichbed. gr.-lat. autömatum, gr. aÜTÖiaaTov, dem subst. gesetzten N. des gr. 9 131 Autodafe Azur 132 Adj. auTÖ|LiaTOC «von selbst handelnd». Bei Nehring 1710 Äut07nataV\. — Automobil, n. {-s, PL -e): Selbstfahrer, zu lat. mobile N. des Adj, mobilis «beweglich», ganz junge Bildung. — autonom, adj.: selbständig (von gr. vö)uoc m. «desetz», eig. «sich selbst Gesetze gebend»), bei Nehring 1710 mitonomia. Autodafe, n. {-s, PI. -s): feierliche Hin- richtung von Ketzern, aus portug. auto da fe, Span, auto de fe d. i. Akte des Glaubens, lat. actus fidei, ursprüngHch nur die öffentliche Verkündigung der durch die Inquisition wegen Ketzerei erlassenen Urteile, dann deren Voll- streckung. Im 18. Jh. Autor, m. (-S, PI. -en): Urheber; Ver- anlasser; Verfasser, Schriftsteller. Aus lat. autor, fiüher audor m., abgeleitet von augere «vermehren, vergrößern, befördern». Im 16. Jh. üblich (bei Nas, J. Nasen Esel 31 '^ author), auch bei Rot 1571 verzeichnet. ABL. autorisieren, v.: wozu die Macht geben, ermächtigen; gültig machen, gutheißen. 1524 bei Emser (Germania 29, 347) auctonsiren. Wie franz. autoriser aus mlat. auctorizare, bekräftigen. Autorität, f. (PI. -en): das persönliche gewichtige Ansehen: anerkannte Glaubwüi'digkeit ; bewährendes Zeugnis; ge- walthabende Behörde. Aus lat. auctoritas (Gen. aucforitätis) f. «Gültigkeit, Gewähr, fördern- der Einfluß». Schon im 15. Jh. autoriiet (Voc. ex quo) und auctoritet (1461 bei Nicl. v. Wyle 121, 3), mhd. aiictoriteit t Autorschaft, f. : Urheber-, Schriftstellerschaft. Erst bei Ade- lung 1774. autsch! derberes au! bei körperlichem Schmerze. Bei Alberus (Barfüßer Eulen- spiegel Nr. 558) ausch! Maaler 1561 kennt ufsch als Spottwort, Frisius 52^ (1541) als Klageruf eines betrübten Weibes. auweh! Interj. des lebhaften, tiefen Klage- rufes. Aus mhd. oiiwe, Nebenform von otve (s. au). Das jüdische auweih! geht auf mhd. ouivt, otoi zurück. avancieren, v.: vorwärts kommen, na- mentlich in der Berufsstellmig ; vorwärts rücken. Aus franz. ai'aHce>' «vorwärtskommen, vorwärts bringen», gebildet von avant «vor- wärts», das auf lat. ah ante benäht. 1617 im teutschen Michel als modisches Fremdwort. Aversion, f. (PI. -en) : Abneigung, Wider- wille. Aus dem gleichbed. franz. aversion f., das auf lat. aversio (Gen. aversiönis) f. be- luht, von avertere. «ab-, wegwenden». Im 17. Jh. entlehnt (1670 bei Leibniz 1, 225, Guhrauer). Avis, m. n. (Gen. Avises, PI. Avise): An- zeige, Bericht, Meldung. Aus franz. avis, ital. avviso m. «Ansicht, Gutachten, Meldung», abgeleitet von altital. viso «Meinung, Ansicht», aus lat. ad «an, zu» und visum Neutr. des Part. Perf. Pass. von videre «sehen». 1664 bei Duez 1, 56^ Avis, 1, 471** die avisen oder getruckte zeitunge. ABL. avisieren, v.: anzeigen, benachrichtigen, aus franz. aviser, ital. avvisare. 1565 avisirn (Notariat und teutsche Rheloric 16*). Aviso, m. (-S, PI. -s): Eilschiff zur Mit- teilung wichtiger Nachrichten. 1712 beiHübner Avis- Jagd (d. i. Jacht), «leichtes Postschiff», ital. harca d'aviso. Axiom, n. (-S, PI. -e): keines Beweises bedüi'ftiger Satz, unbez weif elter Lehrsatz. Aus dem gleichbed. gr.-lat. axiöma, gr. ä£iuu|ua n., «unbezweifelter Lehrsatz», aber eig. «Würde, «Ansehen», dann «Dafürhalten)^, von gr. äEioöv «wüi'digen, nach voraufgegangener Würdigung anerkennen». Im 17. Jh. entlehnt. •Axt, f. (PI. Äxte): das aus einem schnei- denden metallenen (eisernen) Keile, mit längerm hölzernen Stiele, bestehende Hauwerk- zeug. Mit angetretenem t aus mhd. ackes, ax, seit dem 18. Jh. auch axt, ahd. acchus f.: dazu asächs. akus, ndl. aakse, ags. cex, engl. axe, anord. öx, schwed. yxa, dän. ökse, got. aqizi f. Verwandt ist gr. ötEivr) f. «Axt, Streit- axt» und lat. ascia (wohl aus ac-scid) f. «Zimmeraxt, Maurerkelle». ZTJS. Axthelm, n.: Axtstiel, frühnhd., s. " Helm. Azur, m. [-S): die himmelblaue Farbe. Aus franz. azuv, span. azul m., ital. azzurro adj. mit Abfall eines (als Artikel betrach- teten) l aus pers. läjvärd «lasurähnlich», wo- raus arab. läzvärd. Im Anfang des 18. Jh. entlehnt, mhd. sagte man lä^i^r (s. Lasur). ABL. azurn, adj.: himmelblau. 133 Bachstelze 134 B b, der zweite Buchstabe des Alphabets. Redensart: wer a sagt (oder gesagt hat), muß auch h sagen «wer einmal etwas anfängt, maß darin, komme auch, was da wolle, fort- fahren» fl716 bei Pistorius thesaur. paroem.). babbeln, v.: (von kleinen Kindern) die ersten Sprechversuche machen; viel und ge- haltlos sprechen. Das Wort geht lautnach- ahmend auf ba ha zuinick, womit das früheste Sprechen und Plaudern des Kindes beginnt. Entsprechende Worte sind weit verbreitet, so ndl. habhelen, engl, babble, franz. babüler, ital. babbolare, lat. babulus «Schwätzer». Schon im 16. Jh. in der Form babbeln, bappeln, päppeln vorkommend ; Henisch 1616 verzeichnet babelen. Babe, Bäbe, f. (PI. -n) •■ ein Backwerk. In Oljei-sachsen, Schlesien und Posen ein Asch- kuchen, Gugelhopf, in einer Form gebackener Kuchen mit einem von oben bis unten gehenden Loche. Mhd. babe f. ist «Großmutter, altes Weib» ( in letzterer Bed. noch bayrisch _Brt&ew f. ) und gehört zu slav. poln. baba «Frau» lit. boba «altes Weib», vgl. ahd. Baba als Eigenname Hebendem männlichen J5abo. Diese Bedeutung könnte zugrunde liegen, da das Backwerk viel- fach menschliche Formen nachahmt. Viel- leicht aber auch Kinderwort, vgl. schwäb. Babe «Brot», Schweiz. Babi «Gericht aus Brotschnitten und Äpfeln». Babusche, f. (gew. im PI. Babuschen): leichter Hausschuh. Aus franz. babouche f., von türk. bahudsch, pers. päpüsch «leichter Pantoffel zum Gebrauch im Hause». Bacchant, m. [-en, PI. -en): wüster, sich beti'unken umhertreibender Mensch (so bei Rot 1571 j; wohlgenährter, vom Trinken im Gesichte roter Schwelger; (im 15. bis 17. Jh.) fahi-ender Schüler, ein nicht mehr zu den untersten Schülern (den Schützen), aber auch noch nicht zu den eigentlichen Studenten gehöriger junger Mensch (in Vokabularen zu Anfang des 15. Jh. bacimnt, bachante bei Diefenb. 65''). Aus lat. bacchans, Gen. bac- chantis, Part. Präs. von bacchari «wild um- herschweifen», auch «sich übervoll saufen», eig. « das Bacchusfest feiern ». ABL. bacchan- tisch, adj., frühnhd. (bei Luther). Bach, m. (-es, F\. Bäche): kleines fließendes Wasser. Mhd. bach m. (in nid. Quellen auch f.), ahd. bah m.; dazu asächs. beki, biki, mnd. beke f., ndl. beek f., ags. becc m., engl, beck, anord. bekkr m., schwed. bück, dän. bäk. Bugge Btr. 13, 171 f. vergleicht gr. T^r]v'] f. «Quelle», doch stimmt die Lautverschiebung I nicht. Nach Zimmer Z. f. kelt. PhU. 1, 98 I zu ah', büal (aus *bhogla) «Bachwasser». Von I LTilenbeck Aind. WB. zu niss. bagnö, poln. bagno «Sumpf», aind. bhagnas «gebrochen» gestellt. Am ehesten ist es eine Ableitung zu I einem Verbum «laufen», das in alg. bSzq «ich fliehe», lit. begu «laufe», gr. qpeßojuai «fliehe» vorliegt. Das Geschlecht ist bei Luther über- wiegend Mask., seltner z. B. Hiob 6, 15 Fem., bei den mitteld. Schriftstellern des 16. und 17., selbst noch des angehenden 18. Jh. Fem. (^noch bei Günther 141 und noch jetzt mundartlich md. und ndd.), während die Grammatiker seit Schottel das Mask. verlangen. Bachauner (auch Bachüner, obersächs. Bachömer), m. {-s, PI. wie Sg.): Schwein aus dem Bakonyer Wald im westlichen Ungarn. Bachbunge, f.: Name zweier in Bächen und still fließenden Wassern wachsenden Ehren- preisarten. Im 14. Jh. bachbiüige'fhexvlm'DiGiQw- bach 12^, bei Dasypodius 1537 Bachpunge, im 15. Jh. nd. bekebunge, woher neulat. becca- bunga, ital. beccabungia f. -bunge wohl wegen der Fruchtknöpf chen, denn mhd. bunge, spätahd. pungo m. ist «Pflanzenknolle»: dies Wort ist verwandt mit skr. bahüs (für *bhahu), gr. naxüc (für *qpaxoc) «dicht», zu an. &m^?' «Haufen». Bache, f. (Pl.-w): das wilde Mutterschwein. Weidmännisch. Im Mhd. erscheint hache m., ahd. baliho m. « Speckseite, Schinken» (noch Schweiz. - schwäb. -bayr. Bachen m.; aus dem Deutschen stammt afranz. bacon, engl, bacon), im 1 6. Jh. auf das ganze Schwein übertragen (Eber oder Sau, doch zunächst noch als Mask., wie selbst bei Stieler 1691), im 17. Jh. dann auch das Fem. Bache « Mutterschwein »(Harsdörfer Gespräch- spiele 3, 115). Zur Etymologie vgl. ^Backen. ABL. Bacher, m. {-s, PI. wie Sg.): zwei- jähriger wilder Eber. Bei Stieler 1691. Bachminze, f.: die Pflanze mentha aqua- tica. Spätahd. bachminza (ZfdWf. 6, 189), 1482 im Nürnberger Voc. theut. pachmintz. Bachstelze, f. fPl. -n): dünn- und hoch- beiniges, au Bächen laufendes Vögelchen 9* 135 Back backen 136 mit langem, wippendem Schwänze, motacüla. Spätmhd. in md. Quellen (Schröers Voc. v. J. 1420 No. 1577) lachstelze (auch 1482 im Nüi-nberger Voc. theut. y 2^ pachsteltz und 1501 im Leipziger Voc. opt. K 3^), früher er- scheint wa^^er stelze, ahd. waß^arstelza f., das auch später im Obd. bleibt (noch von Adelung erwähnt), -stelze ist eig. «Stelzengängerin» (im 15. Jh. stelz m. «einer der mit einem Holzbein gehen muß»), s. Stelze. Dafür mnd. quek-, quakstert «der Vogel mit dem beweg- lichen Schwänze» (s. queck und Sterz), jetzt nd. wipstert (engl, wagtail). Backen, {-es, PI. -e) : tiefe, hölzerne Schüssel, in der einer bestimmten Zahl der Schiffsmann- schaft die Speise aufgetragen wird; Vorder- schanze (vorderer innerer Eaum) des Schiffes (bei Ludwig 1716 angeführt). In der niederd. Schiffersprache. Nd.??acA" «große tiefe (hölzerne) Schüssel, Kumpf, Kasten, kastenartiger Be- hälter»; ndl. lak m. «Trog, Mulde, Kasten», (bei Kilian 22) «Kahn»; engl, hack «Kufe, niedriges Fahrzeug»; franz. hac «Trog, Bottich, Fähre». Als Grundlage wird spätlat. hacca «Wassergefäß» (bei Isidor) angesehen, dessen Herkunft unbekannt ist, Backbord, n. {-es, PI. -e): (vom Steuer- ruder aus gesehen) die linke Hinterseite des Schiffes (bei Ludwig 1716 angeführt). In der ndd. Schiffersprache. Der Name daher, daß der Steuermann beim Halten des Steuerruders mit der rechten Hand der linken Seite des Schiffes den Rücken (ndd. hack, s. Backen 1) zukehrt (die rechte heißt nach dem Steuer- ruder Steuerhord). Über den Ort, an dem das Steuer angebracht ist, vgl. E. Werner Gott. Anz. 1897, 361, Liebich Btr. 23, 224. Bord (s. d.) ist hier Schiffsrand. Entsprechend ndl. hakboord n., woher franz. häbord m. ^Backen, m. {-s, PI. wie Sg.), zuweilen Backe f. (Bürger II. 5, 66): die fleischige Erhöhung zu beiden Seiten des Afters, in Ärsch-, Hinterhacken. Mhd. hacke in arshacke m. (das ck ist nicht ndd., sondern erklärt sich aus Assimilation eines w), das mit hache «Speckseite, Schinken» (s. Bache) zurückgeht auf ahd. bach n. «Rücken, Rückseite» (mhd. nicht mehr vorhanden), dazu asächs. hak n,, ags. hcec n., engl, hack, anord. hak n., schwed. hak m., dän. hag «Rücken». Etymologisch gehört ahd. hach wohl zu air. bacc «Haken, Hacke, Krummstab», abg. hokü «Seite», vgl. Zupitza KZ. 36, 234. Eine weitere Anknüpfung bei Persson Wurzelerw. 190. ^Backen, m. (-s,Pl.wieSg.) und Backe, f. (PI. -w) : Gesichtsfläche zwischen Auge, Nase, Ohr und Hals. Mhd. hacke, ahd. hacko, hahho m. «Backen», ursprünglich «Kinnlade» (häufig zu- sammen ges. mhd.kinnehacke, -hache, ahd. kinni- hahho, dazu asächs. kinnihako m., ndl. kinne- hak f.). Mit dem vorigen Wort nicht verwandt; nicht zu lat. huccaf. «Mund, Backe», sondern zu gr. qpaYibv «lünnbacken» (Hesych), R. Much ZfdW. 2, 283. Im altem Nhd., auch bei Luther, herrscht dasMask.5acÄ:en (früherBacke, Back), daneben dringt vom Ndd. aus das Fem. Backe vor, schon bei Schottel (aber nicht bei Stieler, Ludwig, Frisch, Steinbach); bei Adelung und Heynatz als regelrechte Form. J._Biv.l)äckig, adj. in dick-, rothäckig. ZUS. Backenbart, m., erst bei Adelung 1793; dazu ndl. hakke- haard m. Backenstreich, m., frühnhd. (1482 im Vocab. predic. B 1 '^ ), dafür mhd. hacken- slac m. Backenzahn, älter Backzahn, m. : einer der vier hintersten Zähne auf jeder Seite des Kinnbackens, mhd. hackzan, -zant, ahd. hacchozan, dazu ndl. haktand. Backpfeife, f. : Ohrfeige (Immermann Münchh. 1, 203). backen, v. (Prat. buk, häufig backte, Part. gebacken): 1) in trans. durch Hitze (oder Frost) fest aneinanderklebend hart werden, 2) trans. durch Hitze in kui-zer Zeit fest und hart machen. Mhd. hacken (das ck erklärt sich durch eine Präsens -Verstärkung, wahrscheinhch assimi- lierfes ti) und bachen, ahd. hacchan und bahhan ; dazu ndl. hakken und (der 2. hochd. unver- stärkten Form entsprechend) ags. bacan, engl. hake, anord. schwed. haka, dän. hage und mit Ableitung ndl. hakeren «wärmen». Ver- wandt ist gr. qjiÜYeiv «braten, rösten», aber kaum lat. focus m. «Feuerstatt, Herd», vgl. Walde s. v. Im altern Nhd. findet sich in obd. Quellen die Form bachen (noch von He- nisch und selbst von Krämer 1678 neben backen angefühi-t), hacken ist durch Luther herrschend geworden. Das Prät. mhd. buoch erhält sich auch im altem Nhd. als buch; diese Form gibt noch Bödiker als die regelrechte (auch noch beiHeynatz 1775), während sich Gottsched für huck, Adelung für buk entscheidet. Das Part. Prät. mhd. gebacken ist im Nhd. dem Präs. an- geglichen worden (schon bei Luther gebacken). Seit dem 18. Jh. kommt auch schwache Flexion vor (namtl. bei dem intrans. backen). ABL. Beck, m. {-en, PI. -en): Bäcker. Nur noch süddeutsch , (als Familienname verbreiteter). Mhd. hecke, ahd. hecko, heccho (in brothbecco). Dafür jetzt Bäcker, m. (-S, PI. wie Sg.), im 137 Backpfeife Bagger 138 altem Nhd. Becker. Mhd. (seit dem 12, Jh.) hecker; dazu asächs. hakkeri, ndl. hakker, ags. hcecere, engl, haker, anord. bakari, schwed. ha- gare, dän. hager. Davon Bäckerei, f. (1482 im Voc. theut. y 4^ peckerey). ZUS. Back- flsch, m.: Fisch zum Backen, aber zu jung zum Absieden: noch unausgewachsenes Mäd- chen (schon 1555 in Bebeis facetiae 393, vgl. auch Alberus Fab. 40, 129, wo Backfisch für Baccalaureus gesagt wird). Vgl. EickhoflF ZfdU. 14, 213 f. Backofen, m.: gewölbter Ofen zum Einschieben und Backen von Brot, Kuchen usw., mhd. hachoven, hackoven m. Backstein, m. : gebackener künsthcher Stein aus Lehm oder Ton, gebrannter Ziegelstein (Henisch 1616). Backwerk, n.: kleines fei- neres Gebäck, mhd. hacwerc. Backpfeife, -zahn, s. Backen 2. Backschich, n.: Trinkgeld, in neuerer Zeil entlehnt aus pers. bachschisch «Geschenk», arab. hachscMsch «Trinkgeld». Bad, n. (-es, PI. Bäder): Reinigung des Köi^persdui-chHineinsteigenin eine Flüssigkeit; diese Flüssigkeit selbst; Ort mit heilkräftigen Quellen und Anlagen zum Baden. Mhd. hat, Gen. hades, ahd. had n.; dazu asächs. had, ndl. had, ags. hced, engl, hath, anord. had, schwed. - dän. had n. Altes to-Partizip zu höhen (s. d.); verwandt ist abg. hanja «Bad», hanjati «waschen, baden». Redensart: das Kind mit dem Bade ausschütten «etwas ganzUnbedachtes tun. das Gute mit dem Schlechten verwerfen». Daher der Orts- und Landesname Baden, eig. Dat. PL, ahd. Badun, urspr. aj hadun «zu der Warmbädern». Vom Landesnamen abgeleitet das Adj. l)adiscll, wofür auch badenisch, hadnisch; Badner, m. : wer aus Baden ist, auch mit fremder Endung Ba- denser n. Vgl. ZfdW. 1, 60, 366; 3, 102. — baden, v. Mhd. baden, ahd. hadön-, dazu ndl. baden, ags. hadian, engl, hathe. ABL. Bader, m. (-s, PI. wie Sg.) : wessen Geschäft es ist, eine öffentliche Badstube zu halten und (zunächst in dieser) zur Ader zu lassen und zu schröpfen, dann auch Bart und Haare zu scheren. Mhd. hadcere, hader; dazu asächs. hathere. ZUS. Badehre, f.: Schamtuch, Schürze beim Baden (Wieland 11, 221, schon bei Dasypodius 1537 Badehr; noch Schweiz, für «Badehemd»). Ehre war in ältrer Zeit Be- nennung eines Schleiers oder Tuches, mit dem man Gesicht (Keisersberg Postill 3, 46*) oder andre Teile des Leibes (Dasypodius 318° ) sitt- sam verhüllte. Badereise, f.: Reise zum Besuch eines Badeorts. Erst bei Campe 1807, mhd. dafür hadevart, älternhd. Badenfart. Badestube, f. : mhd. hadestube f., dazu anord. badstofa f. Bafel, m.: nutzloses Gerede; wertloses Zeug, oberd. Md. Babel. VieUeicht zu häbheln (s.d.). baflf, s. pa/f. bäifen, v. : mit schwachem kurzen Tone bellen. Spätmhd. he/fen «zanken, schelten, widerbellen», ui'spr. aber (wie 1541 bei Fri- sius 579* und 388^, danach bei Maaler 1561) «bellen» (vom Hund oder Fuchs). Zugrunde liegt die SchaUinterj. baff vom bellenden Laute des Hundes, s. paff. Auch ndl. baffen «bellen», mengl. baffen. ABL. bäffzen, v., wie häffen (1541 bei Frisius 507* bäfftzen). Bagage, f.: Reise-, besonders Heergepäck; (nach dem übelbeleumdeten Heerestroß über- tragen) Gesindel, Pack. Aus franz. bagage, ital. bagaglio m., das auf dem gleichbed. mlat. bagagium n. beruht, von mlat. baga f. «Ka- sten, Sack», prov. hagua, afranz. hague f. «Bündel», span. baga f. «Packseil, Last des Saumtiers» (die vielleicht auf anord. haggi m. «Bündel, Tracht, Last» zumckzuführen sind, s. Johansson KZ. 36, 361, vgl. Pack). Ein um 1600 ganz geläufiges Fremdwort (vgl. Gombert 6, 9), das 1557 bei F. Platter 281 als hagaie, 1617 im Teutsehen Michel nr. 33 als Bagaschi und bei Wallhausen Coi-p. mil. 131 als Bagage erscheint. Bagatelle, f.: nicht zu beachtende Klei- nigkeit. Aus dem gleichbed. franz. hagatelle f., nach ital. hagatella f. «Kleinigkeit, Ta- schenspielerei», was als diminutive Bildung zu roman. baga (s. Bagage) anzusehen ist, also eig. «kleiner Pack», dann «Lumperei, Kleinigkeit». Im 17. Jh. entlehnt (Fischer 1, 575, Beleg von 1611. bägern, v. : quälen, plagen (Wieland an Merck 1, 108). Schwäbisch. VieUeicht als Ableitung zu mhd. bägen, ahd. bägan «streiten, zanken» anzusehen, das ühlenbeck Btr. 20, 37 zu air. bägim «ich streite», skr. hähate «drängt, dmckt» stellt; oder aus dem Rot- wälschen, wo sich pegern «krepieren, tot machen» (zu hebr. pegei' '< Leichnam») findet (daher Schweiz. ?)ei^ere «plagen»), i%YneY Paget' «vergiftete Brocken zum Töten der Hunde». Bagger, m. {-s, PI. wie Sg.): Werkzeug zum Ausschöpfen und -werfen des Sandes und Schlammes aus einem Wasserbette. Bei Jablonski 1721 und Frisch 1741 Baggert. Von baggern, v.: Sand und Schlamm von 139 bah Bake 140 dem Grund eines Wasserbettes ausschöpfen und -werfen. Dies ist das ndd. baggern, ndl. baggeren von ndl. hagger f. «Schlamm auf dem Grunde des Wassers», unsichrer Her- kunft. Vgl. Franck s. v. bah! Interj. der Geringschätzung und Abweisung (bei Voß). Auch pah! (bei Pla- ten 4, 197). Vgl. franz. hah! bähon, V. : in Wärme erweichen ; am Feuer gelind rösten. Mhd. bcßjen, bcen, ahd. bäjan, bähan, bäen. Dazu Bad (s. d.), viel- leicht zu lat. fovere «wärmen, warmhalten, baden», also aus *bhwe, doch s. Walde s. v. Bahn, f. (PI. -en) : gemachte ebene Fläche zum Fortbewegen auf derselben : Linie, Rich- tung einer Bewegung. Mhd. hane, ban f. und ban m., dazu ndl. baan f., schwed. ban, bana, dän.feane (entlehnt). Es gehört vielleicht zu höhnen (s. d.), dann mit der Grundbed. «Glätte, glatte Fläche» oder zu einer germ. Wurzel ban «schlagen», ahd. bano «Mörder»: dann wäre dieGnindbed. «diefestgeschlaffene». Luther hat ban, bahn; sonst in altern md. Quellen oft noch die vollere Form Bahne (z. B. Zesen Helikon -"^ L7^, Fleming 342, Lohenstein Ibr. 45, Günther 152. 222). ABL. bahnen, v.: Bahn machen, zur Bahn ma- chen. Mhd. banen, aber bei Luther benen, behnen, wie auch bei den schlesischen Dich- tern bahnen (noch bei Günther 393, auch 1775 von Heynatz und 1793 von Adelung als obd, noch erwähnt), aber 1642 bei Duez bahnen (so auch bei Gryphius Trauersp. 410). ZUS. Bahnhof m., Bahnwart, Bahn- wärter m. und andre Eisenbahnwörter seit den 30 er Jahren dieses Jh. Bahre, f. (PI. -n): langes wagerechtes Gestell zum Tragen für zwei oder mehr Personen; besonders ein solches Gestell, den Sarg zum Grabe zu tragen: (daher, aber selten) Sarg, z. B. bei Schiller Räuber 4, 6. Mhd. bare, ahd. bära f.; dazu ndl. baar, ags. bare, beer f., engl, bier, schwed, bar m,, dän. baare; mit abweichendem Vokal anord. harar PI. (weitergebildet auch in engl, barrow und ndl. berrief.) «Bahre»; eine 3. Vokalstufe zeigt bayr.-schwäb.-alem.-hess. bere f. (daher franz. biere). Gehört zu got. bairan, ahd. beran «tragen» (s. gebären), wie lat. feretrum n. «Bahre» zu dem entsprechenden /erre« tragen», vgl. die gleichartige Bildung in aind. bhärns m. «Bürde, Last» und auch wohl in lat. feralis adj. eig. «zur Bahre, zum Toten gehörig». Bei Luther bare; sonst im altern Nhd. oft ohne e (Baar bei Duez, Krämer, Frisch, j5aÄr bei Lud- wig, Frey er). ZUS. Bahrrecht, n. : Art Got- tesurteil, das darin bestand, daß man, wenn der Totschläger unentdeckt war, alle Ver- dächtigen an die Bahre treten und den Leichnam berühren ließ, indem man glaubte, die Wunde fange bei dem Schuldigen an zu bluten (vgl. Nibelungen 984 fg.). Bahr- tuch, n. : Sarg-, Leichentuch, mhd. bärtuoch. Bai, f. (PI. -en): weit in die Breite sich ausdehnender Meerbusen: (mhd. beie, jetzt veraltet) vorspringendes Fenster an den Zinnen. Zugrunde liegt franz. baie, mit bei- den Bedeutungen, entsprechend ital. baja «Bucht, Hafen», alti'om. (bei Isidor) baja «Bucht, Hafen», wahrscheinlich auf den Orts- namen Bajae zuriickgehend, vgl. Schuchardt Btr. 19, 541 ff. Ins Deutsche gekommen aus engl, bay «Meerbusen», vermittelt durch das Ndl. (baeye «Bucht, Hafen» bei Kilian 29^). Ndd.-Hochd. erscheint Bay am Ende des 16. Jh. bei Hulsius Schiffahrten 3, 9, daneben früher auch Baye. ZUS. Baisalz (auch Boi- Salz), n.: Meersalz. Nach engl, bay sali, 1546 bei Georg Agricola 484 Baisaliz (im 16. Jh. nd. boisolt). Bajazzo, m. (-s, PI. -s): der gemeine Lustigmacher umherziehender Spieler und Gaukler. Aus mailänd. pajazz (Chembini, voc. milanese-ital. 3, 239''), entsprechend ital. pa'gliaccio m. «Hanswurst, Gaukler», eig. «Strohsack», von mailänd. pa;a, iial. paglia f. «Stroh» abgeleitet, das auf lat. pal ea f. «Spreu» zuinickgeht. Bei Campe 1811. Mundartlich, z. B. obersächsisch, Baiatz, Baiäs m. Bajonett, n. (-es, PI. -e): Flintenspieß. Aus franz. baionette f., urspr. bayonnette, weil (im 16. Jh.) zu Bayonne in Südfrank- reich erfunden. Noch im 17. Jh. entlehnt. Bake, f. (PI. -n): sichtbares Schiffer- zeichen zu Anfurt und Hafeneinfahrt oder zur Warnung vor Untiefen. Das ndd. bake f., ndl. baak f., entlehnt aus fries. baken n., dazu asächs. bökan «Zeichen», ags. beacen n. «Zeichen», engl, beacon «Bake, Signalfeuer, Leuchtturm», ahd. bouhhan, mhd. bouchen n. «Zeichen, Signal» (noch jetzt Schweiz. ^awcA^, böche m. «Boje»), das wohl zu gr. iriqpaucKeiv «erscheinen lassen, ein Zeichen geben» ge- hört. Schon im Anfang des 17. Jh. auch im Hochd. (Wallhausen Corpus mil. S. 107 hat Fewerbqacken, Stieler 1691 Bahk «pha- rus»). Der Wechsel des Geschlechts erfolgte vom Plur. aus (wie bei Wolke, mhd. wölken n.) 141 Bakel Balg 142 Bakel, m. (s, PI. wie Sg.): Schulstock zur Züchtigung. In der Schulsprache aus lat. baculus m. «Stock». Bei Krämer 1618 Backel. baken, v.: schlagen, z. B. Flachs nach dem Dörren, Gerste usw. (Brockes 7, 571). Aus mnd. hohen «klopfen, schlagen». Bakkalanreus, m.: Gelehrter des nie- drigsten akademischen Grades. Mit Anleh- nung an laureits «Lorbeer» umgedeutet aus mlat. haccalarius «Ritter, der einem andern untergeordnet ist. Knappe», dann «Inhaber der dem Doktorgrad untergeordneten aka- demischen Würde» (1420 haccalerer Diefenb. 64 ^'j 1482 im Voc. theut. cS''' haccalari, «halb- meyster der freyn kunst»), woher franz. hacheliei' «Edelknappe, Bakkalaureus», engl. harhelor «Junggeselle, Bakkalaui-eus». ABL. Bakkalaureat, m. {-es, PI. -e): Wüi-de des Bakkalaureus. 1520 bei Luther christl. Adel L -3 '^ Baccalariat. balancieren, v.: das Gleichgewicht hal- ten. Aus dem gleichbed. franz. halancer, von halance f., mailänd. venetianisch span. halanza f. «Wagschale, Gleichgewicht, Schwebe», eig. «Wage», mit Übergang des ursprünglichen i in a (wie denn noch ital. hilancia f. «Gleich- gewicht, Wage») hervorgegangen aus dem Akk. Sing, hilancem von lat. hi-lanx «zwei Wagschalen habend». S. auch Bilanz. Baibier, s. Barbier. Balche, s. Belche. bald, (dichterisch wie älternhd. auch) bal- de, adv. (Komp. hälder, Sup. häldest): ohne Aufenthalt; in kurzer Zeit: in kurzer Ent- fernung; beinahe; ohne Mühe. Gebildet vom Adj. mhd. halt (Gen. haldes) «rasch, schnell» und (ursprünglicher) «külm, tapfer, freimü- tig, dreist», ahd. hat fast nur diese Bedeu- tungen, ebenso asächs. hold-, dazu noch ndl. houd (aus *hald) «trotzig, frech», ags. heald, bald, engl, bohl, anord. ballr «kühn, tapfer, frech», got. *balps (im Adv. balpaba «kühn, dreist»). Hierher der Name des westgotischen Adelsgeschlechtes der Balthae, d. i. got. hal- ßai und des Gottes anord. Baldr, ahd. Paltar (vgl. ags. bealdor, anord. haldr m. «Fürst»), auch der Eigenname Balduin, mhd. Balde- win, dessen zweiter Teil mhd. wine, ahd. wm «Freund, Geliebter» ist, «kühner, schnel- ler Freund» (im Tierepos der Name des Esels). Verwandt ist nach einigen lit. hältas «weiß», danach als Grundbed. wohl «licht, hell, offen, freimütig» anzunehmen. Vgl. aber Meringer IF. 18, 285, nach dem Verwandt- schaft mit Bild, Bohle, engl, hill usw. vor- liegt und von eiiier W. hei mit der Bedeu- txmg «hauen» auszugehen ist. Das Adv. mhd. holde, ahd. haldo bedeutet «ungestüm, keck- lich lind schnell, sogleich». ABL. Bälde f. (in Bälde «sogleich»). Der Form nach dem mhd, beide, ahd. haldt, got. balpei f. «Kühn- heit, Zuversicht, Dreistigkeit» entsprechend, in Wirklichkeit aber Neubildung zu bald (nach Heynatz 1796 nur in obd. Schriften). baldig, adj. Schon 1420 (Schröer Voc. 2159) baldig «sich überstürzend, schnell», als Ersatz des Adj. bald erst in der neuern Sprache üblich, von Adelung 1793 noch beanstandet. Baldachin, m. {-s, PI. -e): Trag-, Thron- himmel. Mhd. haldekin m. ist kostbarer, sei- dener, mit Goldfäden durchwirkter Stoff, Teppich von Baldac, entsprechend mlat. baldakmus, ital. baldacchino. Baldac, ital. Baldäcco, ist aus arab. Bagdad entstanden, dessen Seidenstoffe berühmt waren. Die nhd. Bed. daraus, daß die Thronhimmel mit sol- chen Seidenstoffen bedeckt waren, sie kommt schon im 14. Jh. vor (s. Diefenbach-Wülcker S. 152), das der ital. Form angenäherte Bal- dachin aber erst im 17. Jh. Baldrian, m. (s, PI. -e): das Katzen- ki-aut. Mhd. baldrian, mit Einschiebung eines d aus dem mlat. Namen der Pflanze, Vale- riana f., hervorgegangen. Im 15. Jh. finden sich die deutschen Namen katzenkrüt, katzen- lieh, weil die Katzen dem Wasserbaldrian (Valeriana officinahs) des Geruches wegen, der dem des Katzenharns ähnelt, nachgehen. Balduin, s. bald. Balg, m, {-es, PI. Bälge): aufgeschwellte Fruchthülle; abgestreifte (aber nicht abge- zogene) Tierhaut; (ehedem auch) Menschen- haut, (dann verächtlich, auch als n. mit dem PI. Bälger) Mensch, besonders unzüchtige schlechte Weibsperson, böses Kind (1564 bei Glaser Gesindteufel E6^): schwellendes Geräte zum Windausstoßen. Mhd. hole m. (Fhbelge) «Blumenhülle, Hülse, Haut, schlech- tes Weibsbild», ahd. bälg (PI. belgi) m. «Ge- treidehülse, Haut, Blasebalg»; dazu ndl. balg m., ags. hcelg m. «Balg», engl, belly «Bauch» und bellows PI. «Blasebalg», anord, belgr m. «Balg» fauch auf Menschen angewandt), schwed.-dän. bälg «Balg», got. balgs m. (PI, balgeis) «Schlauch». Zu dem Verbum ahd. belgan «aufschwellen», meist (refl.) «aufge- bracht, zornig sein», wie mhd. ndl. beigen, asächs. belgan, ags. belgan, anord. Part. Prät. 143 Balge Ballast 144 holginn «geschwollen». Vgl. auch Polster. Verwandt ist lat. follis m. «lederner Schlauch, Blasebalg», gall.-lat. bulga f. «lederner Ean- zen», irisch holg «Blasebalg», altir. holgaim «schwelle», preuß. po-halso «Pfühl», halsinis «Kissen», slov. Uazina «Federbett», serb. hla- zina «Kissen, Polster», aind, harhü n. «Opfer- streu», upa-barhanam n. «Decke, Polster». Vgl. Meringer Wiener SB. 144, 6 S. 102. ABL. halgeUf V.: den Balg abziehen. Refl. sich bälgen: die Haut oder Hülse von sich ab- gehen lassen. Balge, f. (PI. -n): Waschkübel. Aus dem Ndd. halje, mnd. hallye, bälge «Tonne, Kufe, Schöpfgefäß», mit ndl. balie f. «Zuber», schwed. balja f. «Eimer», entlehnt aus franz. haille f. «Kufe», und dies wohl aus bret. bal dss., vgl. Hatzfeld-Darmsteter. balgen, v.: (veraltet, noch in obd. Mund- arten) zornig reden, zanken. Reü.sicA &. «ringend und zerrend die Leibeskraft aneinander ver- suchen» (bei Luther). Gebildet von dem älternhd. Balg m.: «Streit, Zank, Handge- menge» (Fleming 112), zu beigen «zornig sein» (s. Balg). ABL. Balger, m.: Zänker, Raufer (bei Fischart Nacht Rab V. 1496). Davon Balgerei, f. (Fischart Garg. 306). bälgen, s. Balg. Balken, m. (-s, PI. wie Sg.) : mittelst der Säge oder Axt bearbeitetes Stück Bauholz, sowie diesem Ähnliches. Mhd. balke, ahd. balko, balcho; dazu asächs. balko, ndl. balk, fries.-ags. halca m., engl, balk und (mit ab- weichender Ablautstufe) anord. bjalki m., schwed. bjälke, dän. bjelke m. «Balken». Hier- her auch ags. bolca m. «SchifFsgang», viel- leicht auch Bohle (s. d.). Zu gr. cpäXajl «Holzstamm, Glied», lat. sufflämen aus *sub- flägmen «unter das Rad gelegter Balken», lit. balz'ena «Längebalken an der Egge», russ. boJozyio «großes Brett», ai. bhunjäu «Schnitz- bank». Vgl. Walde s. v. und unter fulcio. Im Got. dafür ans m. Die urspr. schwache Flexion ist nhd. der starken gewichen; doch älternhd. noch Balke (Freyer 263), Balk. Balkon, m. (s, PI. -e): erhöhter Balken- vorsprung am Hause, zu Austritt und Sitz im Freien. Nach ital. balcone, venezianisch und paduanisch wie franz. (entlehnt) balcon m., gebildet aus ahd. balko m. «Balken», mlat. balco (Gen. balconis). Im 17. Jh. entlehnt. ^Ball, m. {-es) : Anschlag der Jagdhunde. Weidmännisch. Spätmhd. bal (Gen. balles) m. «Gebelle, GekläÖ'e», zu bellen. ^Ball, m. (-es, PI. Bälle): kugeli-under Körper. Mhd. bal (Gen. balles), spätahd. bal (häufiger in arsbelli PI. «die Hinterbacken, der Hintere»), daneben das schwache M. mhd. balle, ahd. hallo (s. Ballen), aus dem aber hal nicht hervorgegangen ist, das vielmehr nach anord. böllr m. «Kugel, Hode», schwed. boll, dän. hold «Ball» m. als M-Stamm (got. *ballus) anzusetzen ist. Verwandt ist noch Bolle (s. d.) und gr. qpaWöc, air. ball «mem- biTim virile». Weiteres bei Johansson PBr. Btr. 15, 225, Walde s. v. follis. Franz. balle, ital. balla f. «Kugel», ist aus dem Deutschen (ahd. balla f. neben hallo ra.) entlehnt. ZUS. Ballspiel, n.: Spiel mit dem Ball. Zu An- fang des 15. Jh. ballespil. Davon Ballspieler, m., 1482 im Voc. theut. palspiler. ^Ball, m. (-es, PI. Bälle) : Tanzfest. Schon mhd. vereinzelt für den mit Ballspiel ver- bundenen Reigen (Athis 105, 94), in der jetzigen Bed. im spätem 17. Jh. eingedrungen (Stieler 1691 verzeichnet das Wort als N., als M. wird es z. B. gebraucht von Hagedorn Oden 133). Aus ital. hallo, franz. hal m. «Tanz» von ital. ballare, afranz. baller «tanzen» Dies ist wahrscheinlich von germ. ball (s. ^Ball) abgeleitet, da im Mittelalter das Ballspiel ein nait Gesang und Tanz verbundenes Spiel war. Andre knüpfen an das in Großgriechenland und Sizilien übliche gr. ßaWiceiv «tanzen, hüpfen, springen» (von ßdWeiv «werfen») an. Ballade, f. (PI. -n): mit lyrischer Emp- findung erzählendes Gedicht. Aus franz. hal- lade f., das auf prov. balada, ital. ballata f. «Tanzlied» beruht, dem substantivisch ge- setzten F. des Part. Prät. von ital. ballare «tanzen» (s. ^Ball). Nach dieser Bed. bei Fischart Garg. 304. Der jetzige Begi'iff ist nach dem Vorbilde der englischen und schot- tischen ballads geltend geworden, aus denen Bürger und andre schöpften. Bällast und Balläst, m. (-es): Unter- ladung im Schifte, damit es im Gleichgewicht bleibe und tiefer gehe; Untaugliches und Überflüssiges (eig. über Bord zu Werfendes). Aus ndd. ndl. bailast m., woher auch engl. hallast, schwed. barlast, dän. haglast m. «Bal- last». Die Formen des Schwed. und Dän. beruhen auf einer Ausdeutung des Wortes; barlast (früher auch im Ndd.) als «bare, bloße Last» (im Gegensatz zur eigentlichen Schiffs- ladung) gen9mmen, haglast (hag = ist ndl. \ hak, schwed. back «hinter», vgl. ^Backen) als «Hmterlast, Last hinter oder unter der eigent- 145 Bailei Balz 146 liehen Ladung. Mhd. sagte man bloß last m. Falls hol- ursprünglich ist, so ist dies zu ndd. ndl. hol-, asächs. talii-, ags. bealu-, ahd. halu-, got. halwa- (in Zusammensetzungen) «schlecht» zu stellen, also «schlechte, gering- wertige Last» (im Gegensatz zui- wertvollen Schififslast). Hochd. erscheint das Wort schon in frühnhd. Glossaren (im md. Voc. ex quo, auch 1501 im Voc. opt. Aa 3^), in der Lite- ratur seit Anfang des 17. Jh. (vgl. Hulsius Schiffart 9, 15). Bailei, f. (PI. -en): ein Ordensbezirk der deutschen Ritter. Mhd. hallte aus mlat. hällia neben halliva,halHviat, «Bezirk eines hallivus» d. i. dem Rechtspflege und Yerwallung eines Bezirkes, einer Stadt usw. übertragen ist. Dies hallivus (franz. hailli, ital. halivo) m. kommt von mlat. hälius m. (d. i. hajulus) «Träger, Geschäftsträgei-, Vorsteher, Vormund». Ballen^ rn. (-s, PI. wie Sg.): rundlicher an- einander haftender und meist weicher Körper ; (mehr mimdarthch) Spielball (Goethe 11, 22); rundliche Erhöhung an Hand und Fuß bei Menschen und Tieren; in einem Umschlag zusammengepackte Masse; Maß einer Wareu- masse, z. B. ein B. Papier = 200 Buch. Mhd. halle m., ahd. hallo m. und halla f. (daher franz. halle, s. -Ball). Die m-sprüngliche schwache Flexion ist im Nhd. der starken mit dem X. Sg. auf -en gewichen. ballen, v.: zu einem Balle machen. Mhd. halleyi. Meist refl. sich hallen. Ballett, n. {-es, PI. -e): Schautanz auf der Bühne. Aus ital. haletto m., dem Dim. von hallo m. «Tanz, Tanzfest» (s. '^Ball). Im Anfang des 17. Jh. gebraucht, z. B. 1609 bei Gödeke Grundr. ^ 2, 61, ^'"r. 17 und bei Weckherhn. ballhornisiereii, besser verhallhornen v: (eine Schrift) durch vermeinthche Verbesse- rungen verschlechtem, verschlimmbessern. Das Wort kommt von dem Namen eines vom Jahre 1531 an tätigen Buchdruckers zu Lübeck (nach Schuppius Schriften S. 588 zu Soest in Westfalen) Johann Ballhorn, der in einem Abcbuche, das er oft herausgab, mancherlei ungeschickte Veränderungen anzubringen und auf dem Titel beizufügen pflegte «vei'mehrt und verbessert*, «auctior et cori'ectior», wes- halb er im 17. Jh. allgemein sprichwörtlich war. hallhornisieren zeigt die undeutsche Endung -isieren, franz. -iser. Ballon (spr. Ballung), m. {-s, PI. -s): großer Ball, zum Schlagen usw.; mit Luft gefüllter Ball zum Aufsteigen in die Luft, Weigaud, Deutsches Worte rbnch. 5. Aufl. , Luftballon. Aus franz. hallon nach ital. hallone ' m., dies mit der Vergrößemng ausdrückenden , Endsilbe von halla f. (s. -Balt). Schon im ' 16, Jh. ndl. halloen, palloen (Küian 695 '*) und am 1600 auch hochd. z. B. 1616 bei Henisch und 1618 bei Schönsleder D 7^ (als Ballon : bei Fleming 117). ballotieren, v.: mittelst Stimmkugeln wählen. Aus dem gleichbed. franz. hallotter. \ von hallotte f. «Stimmkugel», dem Dim. von , halle f. «Kugel, Ball». Bei Duez 1664 in der Bed. «Ball spielen», in der jetzigen bei Adelung 11793 (Schweiz. Id. 4, 1156 Beleg von 1610). I Ballspiel, s. -Ball. \ Balsam, m. (-s, PI. -e): wohlriechender i Saft aus destillierten Ölen; Wohlgeruch; j linderndes Heilmittel. IVIhd. haisame, balsem, ahd. balsamo m., entlehnt aus gr.-lat. halsa- mum, gr. ßdXcaiuov n. «Harz des Balsam- baumes». Dies stammt aus arab. hasäm, halsam «Balsamstrauch». Got. halsan n. X Banse, f. m. (PI. -n)-. weiter Scheunen- raum zur Seite der Tenne. Im 15. Jh. in md. Quellen hanse m., später z. B. bei Tscher- niüg Ged. Fiühling 124 belegt, bei Stieler 1691 aus dem Thüringischen als Bans, Banse m. ver- zeichnet, ^uch im Nd. vorkommend. Dazu ags. hös (aus *hans) m. «Krippe», nordengl. höose, anord. häss (aus *hans) m. «Krippe im Kuhstall», schwed. häs, dän. haas m. «Ständerpfosten im Stall»; got. abweichend hansts m. «Scheune». Vielleicht urspr. «Ge- flecht zur Aufnahme von Getreide» und dann zu binden zu stellen (band mit angetretenem Suffix -ta- konnte hansa- ergeben), vgl. franz. hanse f. «großer Korb». Windisch Idg. Forsch. 3, 76 stellt das Wort zu air. bess, hes m. «Gewohnheit, Sitte». Im ,aind. ist bei Lexikographen hhäsa- «Kuhstall» über- liefert. ABL. bansen, v.: in die Banse schichten. Bei Stieler 1691. bar (früher gewöhnlich haar), adj.: unbe- deckt; den Blicken frei (z.B. bares Geld «vor Augen aufgezähltes»); durch nichts andres ver- deckt, nichts anders als bloß (z. B. bare Er- findung): entblößt, gänzlich benommen (z. B. aller Ehren h. Schiller Teil 2, 2). Das Wort ist in der neuern Dichtersprache hauptsäch- lich durch Wieland (vgl. sein Glossar zum Oberon) wieder aufgekommen, während es ältemhd. fast nur in bezug auf Geld gebraucht wird. Mhd. bar (flektiert barer, md. verein- zelt, durch Verwinaing der Schreibung, barwer), ahd. bar (flektiert barer) ; dazu asächs. (in Zu- sammensetzungen) bar, ndl. baar, ags. beer, engl, bare, anord. berr, schwed.-dän. bar. Das r geht auf s zurück (got. ist baza- zu vex*- muten); verwandt sind abulg. hosü, lit. hasas «barfüßig», urspr. «nackt», arm. bok aus *boskos «nackt». Weiteres bei Walde s. v. fänum. -bar, Suffix für Adjektive in der Bed. «tragend, an sich tragend, bringend», dann auch die Möglichkeit bietend zu — , z. B. achtbar, dankbar, fruchtbar, kostbar, lastbar. Mhd. -beere, ahd. -bäri, urspr. ein selb- ständiges Adj., von ahd. heran «tragen» (s. gebären) gebildet, vgl. ai. -bharin- «bringend». Die Form -bar (dafür älternhd. oft -her, aber Luther -bar) hat sich unter Einfluß des Adv. mhd. -bare festgesetzt. Die Endung tritt an Subst. und Verba, kaum an Adjektive an [offenbar geht von mhd. offen n., kündbar von Kunde aus). Die Bildungen von Verben, wie brauchbar, eßbar, trinkbar, zahlbar gehören zum großen Teil erst der neuern Sprache an, ■"Bär, m. (-es, PI. -e): schwerer Klotz zum Einrammen der Pfähle, Eammklotz. Bei He- nisch 1616 (mhd. erscheint her f. «Schlag, Streich»). Ableitung von mhd. bern «stampfen, schlagen», ahd. feeriaw «treten, stampfen» i dazu anord. herja «schlagen»), die zu lat. ferire «stoßen, schlagen, hauen» stimmen. "Bär, m. (-en, PI. -en): das vierfüßige Raubtier, lat.ursus; dichtbehaarte Raupe (1721 bei Frisch Insekt. 2, 38 Bärenraupe) und deren Schmetterling; die Sternbilder der große und der kleine Bär, d. i. der große und der kleine Himmelswagen, 1616 bei Henisch Großbär, Xordbär nach griech.-röm. Uberheferung, schon bei Homer 'ApKToc «Bär» und äuaEa f. «Wagen» für das größere Sternbild. In urspr. Bed. bei Dasypodius 1537 Bär, bei Luther Beer, mhd. her {Gen. bern), ahd. hero m.; dazu ndl. beer fGen. beers), ags. hera, engl, hear, anord.-schwed.-dän. (mit ableiten- dem n, urspr. nu-) hjörn m. Verwandt ist wohl lit. beras «braun», Grundbed. also «der braune», wie der Bär auch im Tierepos den Namen Brün führt und weiter zu ai. bhallas aus *hharlas «Bär», russ. berlöga «Wild- lager, Bärenlager», vgl. Uhlenbeck Btr. 20, 37. Seit dem 17. Jh. kommt vereinzelt starke Flexion vor (besonders im Sg., Lessing 1. 108 auch PI. Bare). Redensart: einen Bären an- binden, s. anbinden. ABL. Bärin, f., mhd. herin, älter birin f. ^ßär, m. {-s, PI. -e): Zuchteber. Mhd.- ahd. her m.; dazu asächs. her (in berswin n. «Eber»), ndl. beer, ags. här m., engl, hoar «Eber». Vgl. auch longobard. pahir, pair als zweites Wort in einigen Zusammensetzungen. Dunkler Herkunft. *Bär, m. (-S, PI. -e): starkgemauerter Querdamm mit scharfem Rücken in oder an 155 Baracke Bardiet 156 fließendem Wasser. Wohl nicht entstellt aus Wehr n., sondern eher aus mhd. har «Riegel, Schranke» (s. Barre). Bei Henisch 1616 neben I Barre angeführt (vgl. auch Schmeller'- 1, 257). Baracke, f. (PI -n): Feldhütte der Sol- 1 daten; elendes Gebäude. Aus franz. haraquet «Feldlagerhütte» und dies aus ital. haracca f., abgeleitet von provenz.-span.-ital. barra f. «Querstange». Im 17. Jh. entlehnt. Barbar, m. (-en, PI. -en): roher, wilder Mensch. Spätmhd. harhar, harher (so auch noch älternhd.) aus gr.-lat. bdrharus «Aus- länder, Fremder», gr. ßdpßapoc «Nichtgrieche, roher, ungeschliffener Mensch», dem substan- tivisch gebrauchten Mask. des Adj. ßdpßapoc «nichtgiiechisch». Im 17. und 18. Jh. ist B. in engrer Bed. «Bewohner Nordafrikas» (bei Stieler 1691), dafür jetzt Berber (s, Barber- roß). Der Ton lag bis ins 18. Jh. (Uz, Ramler) nach gr.-lat. Vorbild auf der ersten Silbe, dann drang allmählich die fi'anzösische Betonung auf der zweiten Silbe durch (bei Geliert 1, 139 W.). Dazu der Name Barbara, volkstümlich Bärbel, Bärbchen. ABL. Barbarei, f. A us lat. barbäria f. ;< Ausland; üngebildetheit, Roheit». Spämhd. barbarie hat nur die 1. Bed., während 1558 bei Lindener Katzipori Kap. 49 Barbarey im abstrakten Sinne steht. Im 16. bis 18. Jh. in engrer Bed. «das Land der Berbern, Nord- afrika» (1530 bei Seb. Franck Cron. d. Türkey L 2^, 1561 bei Maaler), auch die Barbareskeil, pl. : die Raubstaaten Algier, Tunis und Tripolis (aus dem ital. Adj. barbaresco «berberisch»). barbarisch, adj.: ausländisch (spätmhd.); roh und grausam (1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 266^). Nach gr.-lat. barbaricus, gr. ßapßapiKÖc «nichtgriechisch, ausländisch, un- gesittet». Barbe, f. (PI. -n): der Bartfisch aus dem Karpfengeschlecht. Mhd. barbe f. ('?), ahd. barbo m. aus dem gleichbed. lat. barbus (Au- sonius Mosella 94. 134) von lat. barba f. «Bart», denn die Barbe zeichnet sich durch vier Bart- fäden aus. Aus jenem lat. Wort auch gleichbed. ital. barbo, barbio, span. barbo m. und franz. barbeau m. (aus dem mlat. Dim. barbellum). bärbeißig, adj.: zänkisch, auffahrend. Nach Adelung 1774 ein Wort des gemeinen Lebens. Wohl nicht zusammengesetzt mit Bär («bissig wie ein Bär oder wie ein Bärenbeißer (?)»), sondern entstellt aus bernbeißig, zu Bern m. «Krippe», Nebenform von Barn (s. d,), also eig. vom Pferde gesagt und s. v. a. Krippen- beißer (s. d.). Barberroß, n.: Pferd aus der Barbarei (Schiller Jungfr. v. 0. 5, 11). Barber ist iden- tisch mit Barbar (s. d.) und geht hier auf die Bewohner der nordafrikanischen Küstenstriche (dafür jetzt Berber). Heynatz 1775 kennt noch das einfache Bai bar, Barber (mit Ton auf der 1. Silbe) für «Pferd aus der Barbarei». Barbier, m. (-s,P\.-e): Bartscherer. Aus \ franz. barbier, ital. barbiere m., das auf mlat. barbarius m. (von barba f. «Bart») beruht. Spätmhd. barbierer, das von dem ebenfalls spätmhd. Y. barbieren abgeleitet ist, erst älternhd. Barbier. Im älternhd. und noch jetzt mundartlich auch sehr häufig Baibier m. und balbieren v. durch Dissimilation der beiden r. Barch, m. [-es, PI. Barche) : verschnittenes männliches Schwein. Mhd. bare (Gen. barges) und barch, ahd. barug und barh; dazu ndl. barg, ags. bearg und bearh, engl, barrow, anord. börgr m. Im Nhd. schwankt Barch und Barg und außerdem Borch und Borg. Nicht zu lat. porcus. Wie sich slav, bravü «Schöps» oder « geschnittener Eber» dazu ver- hält, ist unklar; beide gehören vielleicht zu einer Wurzel bher «schlagen», lat. ferire, falls die Bedeutung «verschnittenes Tier» die ur- spriingliche ist. Barchent, m. {-s, PI. -e): auf der einen Seite rauhes Baumwollenzeug, dessen Kette Leinen ist. Mhd. barchant, barchent, barchat, barchet, urspränglicher barkän, aus mlat. bar- canus, barracanus «Art Zeug aus Kamelshaaren» (Camelot), abgeleitet von arab. barrakän «Art langen schwai'zen Gewandes», bardauz, (bei Goethe 36,1 12 l.H. baradauz) Interj.des schallenden Falles. Lautnachahmend, vgl. ndl. pardoes, perdoes, schwed. burdus, dän. bardus und weiter zu baiiz! gehörig. Bei Lauremberg 2, 693 pardues, bei Grimmeis- hausen Vogelnest 1, Kap. 20 pordutz. Ähnlich lit. Imrdilngst (Idg. Forsch. 13, 190). Barde, m. (-w, PI. -n): altkeltischer Dichter und Sänger. Aus kelt.-lat. bardus, ir.-kymr. bard. Schon im 17. Jh. auch auf deutsche Dichter angewandt (vgl. Schottelius S. 1018 Barden sind die alten Tichfere oder Poeten bey den Teutschen gewesen), seit den 60er Jahren des 18. Jh. besonders durch Klop- stock üblich geworden. bärdeu, s. gebärden. Bardiet, n. {-es, PI. -e): altdeutscher Kriegsgesang. Durch Klopstock (und zwar alsM.) mit der «; Herrmanns Schlacht» (^Ham- 157 Bärenbeißer barmherzig 158 bürg u. Bremen 1769), wo zugleich auf dem Titel Ein Bardiet für die Schaubühne (s. auch daselbst die Anmerkung S. 138), eingeführt (aber fälschlieh als «Bardengesang» genom- men), aus germ.-lat. harditus m. «Sehlacht- gesang der alten Germanen mit dem zur Ver- stärkung des Schalles an den Mund gehaltenen Schilde» (Tacitus Germ. 3). Bärenbeißer, m. (-s\: Hund besondi-er Art zur Bärenhatz. Bei Steinbach 1784. Bärendreck, m. {-es}-. Lakritzensaft. In der Schweiz, Elsaß, Schwaben usw. Kach der Farbe des Arzneimittels. Fiühnhd. Bärenhäuter, m. {-s): fauler Nichtstuer: verächtlicher, fauler Mensch. Schon im An- fang des 16. Jh. (bei Bebel). Der Ausdruck beniht auf der Redensart auf der Bärenhaut liegen (1579 bei Hans v. Schweinichen 2, 14) «ein tatloses Leben führen», eig. von KJriegern, di^, die kampflosen Tage auf Fellen hinge- streckt, mit Nichtstun verbiingen. Bäreil- klan, f.: Pflanzenart mit einer Bärenklaue vergleichbaren Blättern oder bärenklauartiger Blüte. ^[h.d. bernkläwe, mlat. «brancaursina». Bärenlappe (Wieland 20, 216), s. Bärlapp. Barett, n. (-es, PI. -e): schirmlose rimde oder eckige Kopfbedeckung bei Geistlichen, Doktoren usw. Im 15. Jh. harete (1469 voc. ex quo), auch hirete, hiret(l4S2YOC. theut. 22**), aus mlat. harretum, eig. hirrettum n., ital. herretta, franz. barrette f. «Mütze», von lat. birrus m., birrum n. «Oberkleid, Mantel, Bi- schofskleid». Barfrost, m.: Frost ohne das Land be- deckenden Schnee. 1663 bei Schottel S. 1281 baarfrosf. Zu bar. barfuß, adj. undadv. : an den Füßen bloß. Mhd. barvuo^ xmd (mit Ableitungsendung) barvüe^e; dazu mndd, barföt, afries. berföt, ags. bcerföt, engl, barefoot, anord. barfätr. Eine schon altgerman. Zusammensetzung aus bar (s. d.) und dem adjektivisch verwendeten Subst. Fuß, vgl. ahd. einfuo^i «einfüßig», fiorfuo^i «vierfüßig». ABL. Barfüßer, m. (-S, PI. wie Sg.): in bloßen Füßen Gehender; Mönch vom Orden des heil. Franziskus. Von Luther gebraucht, mhd. dafür barvüe^e m., 1482 im Voc. theut. c 6 * barfuß m. barfüßig, adj., spätmhd. barvüe^ic. Barg, s. Barch. barhaupt, adj. und adv. : unbedeckten Kopfes. Spätmhd. barhoubet. Eme Zusammen- setzung, bei der wie in barfuß das Subst, ad- jektivisch steht. Bariton, m. (s, PI. -e): Singstinune zwischen Tenor und Baß, tiefer Tenor, Hoch- baß; (um 1700 erfundene j Art Baßgeige. Aus dem gleichbed. ital. baritono m., dem M. des xVdj. baritono, das auf gr. ßapüxovoc «tief, betont» ( ßapüc «schwer, tief» und -tovoc von reiveiv «spannen»j beruht. Bei Adelung 1774. Barke, f. (PI. -n): kleines Wasserfahr- zeug. Mhd. barke f., mit engl, bark und anord. barki m. aus spätlat. barca, barica (Ableitung von griech. ßäpic «Xachen», ent- lehnt aus dem gleichbed. koptisch bari), wo- raus auch ital. barca, franz. barque f. Bärlapp, m. {-s): die Moosart lycopo- dium, deren gelbhcher entzündbarer Samen- staub Hexenpulver heißt. In Rößlins Kräu- terbuch 1533 als berlapp, bei Alberus Dict. EE4* als beerlapp vei-zeichnet. Zusammen- ges. aus Bär und ahd. lappo m. «Euder- schaufel, unterster breiter Ruderteil», eig. xHand» und hier «vorderste Tatze». Dem- nach s. V. a. «Vordertatze des Bären» nach dem Aussehen der Pflanze, wie diese denn auch Löwenfuß, Drudenfuß und neulat. ly- copodium «Wolfsfuß» (dän. ulvefod) heißt. Bärlatsche, f. (PI. -n): plumper Filz- schuh. Obersächsischer Ausdruck, von Gel- iert 1, 342 gebraucht. Eig. Latsche «Pan- toffel», den man im Gehen am Boden hin- schleift, wie der Bär seine Tatzen, von latschen (s. d.) «die Füße beim Gehen am Boden hinschleifen». Barlaufen, s. Barre. Bärme, auch Barme f.: Bierhefe; Bier- schaum. Xiederd. Wort, frühzeitig auch schon im Hochd. (^bei Schönsleder 1618 Bermen). Mnd. berm, barm m., ndl. berm m., ags. beorma (eo = ahd. e), engl. barm. Entweder zu ahd. beran «tragen, tragen machen, sich heben» (vgl. gebären), wie Hefe zu heben oder zu lat. fermentum n. «Gärung, Sauerteig». barmherzig, adj. u. adv.: mild gesinnt aus innigem Mitgefühl bei fremdem Leiden: solches Mitgefühl erregend (Lessing 1, 461). Mhd. barmherzec, mit dem adj. Suffix -ec abgeleitet von mhd. barmherze adj. Dieses ist nicht zusammengesetzt mit mhd. -ahd. barm «Schoß, Busen», sondern muß wegen ahd. armherzi, got, armahairts adj. «barm- herzig» (^^dazu auch got. arman sik «sich erbarmen») aus bi-armherzi erklärt werden (vgl, bange, binnen). Es liegen Nachbildungen lateinischer Ausdrücke in der christlichen Kirchensprache vor, got. arman sik ist zu 159 BärniTitter Barsch 160 arms adj. «arm» gebildet, wie sich lat. misereri «erbarmen» zu miser «arm» verhält; ahd. arniherzi gebildet nach lat. misericors. Vgl. erbarmen. ABL. Barmherzigkeit, f., mhd. barmherzecheit Bärmutter, f.: Gebärmutter; Mutter- beschwerde. Mhd. bermuoter f., zu bern «tra- gen, gebären». Barn, m, (-s, PI. -e): Krippe, Raufe; Abteilung der Scheuei-, wo das Futter auf- bewahrt wird. Nur noch in obd.und md. Mund- arten (s. auch Paar). Mhd. barn (in späten md. Quellen auch hern, vgl. bärbeißig), barne, ahd. barno m.; dazu ags. bern n., engl, barn «Scheuer». Abzuleiten von dem im Adj. barizeins ei'haltenen got. baris m. «Gerste», ags. bere m., engl, barley «Gerste», die zu lat. far n. «Getreide, Spelt», abg. ferasfwo «Speise» stimmen, also eig. «Gerstenfutterbehälter», vgl. Banse oder einfacher zur Wz. ber «tragen». ABL. Baruheißer, m.: s. v. a. Krippen- beißer (s. d.). Vgl. auch bärbeißig. harock, adj.: schiefrund; unregelmäßig, seltsam, . wunderlich. Aus franz. baroque «schiefrund» (von Perlen), dann «sonderbar», von portug. barroco m. «rohe, ungleiche Perle», eig. «unebener Fels», span. barrucco m. «ungleiche runde Perle», berrucco m., «Warze, Fels, nicht recht runde Perle», deren Herkunft bestritten ist (kaum zu lat. Verruca f. «Warze, Auswuchs an Edelsteinen»). Zuerst in der 2. Hälfte des 18. Jh. als ba- rockisch. Barometer, m. n. (-s, PI. wie Sg.): Wetterglas. Aus einem gr.-neulat. barome- trum n. «(Luft-) Schwermesser», gebildet aus gr, ßdpoc n. «Schwere, Druck» imd gr. la^xpov n. «Maß, Maßstab». Das Instrument wurde von Evangelist a Ton-icelli (f 1647) zu Florenz erfunden. Baron, m. (-s, PI. -e): Freiherr. Aus franz. baron, das mit ital. barone m. zunächst auf mlat. baro (Gen. baronis) zuräckgeht. Dies ist nicht das altlat. baro m. «Dumm- kopf», dann «Troßknecht», sondern entstammt dem German., daher häufig in den Volks- rechten (auch bei Isidor durch Vermittelung des Westgot.) in der Bed. «Mann, Krieger, Lehensmann», vgl. mhd. bar «Mann», zu anord. bei~jask «streiten», abg. borjq^ «streite». Vgl. Uhlenbeck Btr. 19, 329. Mhd. erscheint barün m., nur in ndrhein. Quellen baron; Baron ist unter dem Einfluß des Nfranz. seit dem 16. Jh. herrschend (z.B. bei Rollen- hagen Froschm. 3, 1, 4). Der PI. wurde fiüher auch schwach gebildet [Baronen bei Goethe Reineke 4, 100). Barre, f. (PI. -n): Stange; Querstange, Riegel; Schlagbaum. Mhd. barre f. «Riegel, Schranke» mit mhd. bar f. «Stange, Balke, Schranke», ndl. baar, im 16. Jh. ndl. bei Kilian 23^ baere f. «repagulum», aus franz. barre f., ital.-span. &arra f., mlat. fcarra «Stange, Querstange, Schlagbaum». Dies wird von Walde s. v. als germanisch angesehen und zu lat. forus «Schiffsgang, Sitzreihe, Gang um ein Beet, Spielbrett» gestellt. ABL. Barlaufen, n.: ein turnerisches Spiel, 1618 bei Schönsleder parlouffen «cursum certare», mhd. die b. loufen\ dazu 1597 ndl. bei Ealian de baere jaeghen «cursu ad metas contendere», baerenspel «ludus gymnicus». Barren, m. (-s, PI. wie Sg.): Stange; Metallstange; (durch Jahn eingefühi-t) ein Turngerät, das durch zwei Querstangen ge- bildet wird. Aus Barre f. (s. d.) entwickelt und schon frühnhd. vorhanden (Murner Narr. 11, 106). Barriere, f (PI. -n): Schlagbaum, Schutz- gatter. Aus franz. barriere, ital. barriera f. «Schlagbaum», dann «Pfahlwerk zum Schutz», aus dem F. eines auf lat. -arius ausgehenden Adj., das abgeleitet ist von franz. barre, mlat. barra f. (s. Barre). Bei Wächtler 1711. Barrikade, f. (PI. -n): Straßensperre mittelst Verschanzung. Aus dem gleichbed. franz. barricade, ital, barricata f. «Schlag- baum, Schutzgatter», span. barricada f, «Ver- rammelung gegen feindlichen Angriff», ab- geleitet von span. barrica f., franz. barrique f. «mit Sand oder Erde gefülltes Schanzfaß zum Schutz im Kriege, großes Warenfaß», das vielleicht von mlat. barra (s. Barre) aus- geht. Im spätem 17. Jh. entlehnt. Barsch, m. (-es, V\. Barsche und Barsche), selten Bars, Bors (obd. nur weitergebildet bärsich, bärsching usw.): ein schmackhafter Raubfisch, lat. perca. Mit Dehnung des a und Übergang des s nach r in seh aus mhd. (in späten md. Quellen) bars, berse und (abge- leitet) bersich, spätahd. bersih m.; dazu ndl. baars, ags. bcers, bears m., engl, barse, aschwed. zusammenges. agborre [rr aus rs, Vokal abweichend urspr, u), nschwed. dän. aborre m. Man knüpft an die mlat. Be- nennung parca, perca an, gr.-lat. perca f., gr. Tt^pKri f. d. i. die Dunkelfarbige, denn gr. TT^pKoc ist «schwärzlich, dunkelfarbig», 161 I)arscli Base 162 welches Adj. mlat, zu persus, ital. per so, franz. pers wurde; doch ist das Wort wohl germ. Ursprungs und zu Borste (s. d.) zu stellen, der Fisch hieße also nach seinen stacheligen Floßfedern «der Borstige». barsch, adj. u. adv.: (mundartlich) von scharfem Geschmack, ranzig : hart mit Wor- ten anfahrend. Ein ndd. Wort (mnd. im 16. Jh. 'basch aus harsch, noch bei Overbeck Ged. 155 hasch im Reim auf rasch, ndl. harsch, schwed.-dän. harsk entlehnt), das hochd. zuerst von Stieler 1691, dann 1716 von Ludwig angeführt wird, während es Frisch 1741^ und Adelung 1774 (1793 führt er es als ein niedersächsisches Provinzial- wort in den Bedd. «scharf von Geschmack, rauh zum Anfühlen, mürrisch» an) noch nicht kennen. In übertragener Bed. wird es von Bürger 392 und andern Niederdeut- schen verwendet, aber von Heynatz 1796 noch als nicht schriftsprachlich bezeichnet. Die Grundbed. ist jedenfalls «scharf», so daß Zusammenhang mit Borste, Bürste, wohl auch Barsch (s. d.), wahrscheinlich ist. Barschaft, f.: bares Geld. AIhd. har- schaft f. (Germ. 28, 360 vom J. 1363). Bart, m. {-es, PI. Barte): Kinn- imd Backenhaar; dem herabhangenden männlichen Kinnhaar Ähnliches. Mit Dehnung des a aus mhd.-ahd. hart m.; dazu ndl. haard m., ags.- engl. heard m., afries. herd m. (anord. dafür skegg n.). Vei-wandt ist abg. hrada, lit. harzdä f. und (mit h für dh) lat. harha f. «Bart». Vgl. noch Pedersen Idg. Forsch. 5, 72 f., Walde KZ. 34, 505. Redensart: um des Kaisers Bart streiten d. h. um Dinge, die sich nicht entscheiden lassen. ^ Barte, f. (PI. -«): Beil mit breiter Schneide (Luther Ps. 74, 6, noch jetzt obd. und md.). Mhd. harte, ahd. harta f., dazu asächs. harda f., anord. barda f. «Axt». Ab- leitung von Bart, weil das Eisen vom Stiel in Bartgestalt herabhängt (ebenso anord. skeggja f. «Barte» von skegg n. «Bart»); andre Auffassung bei Walde s. v. fastigium. Vgl. Helleharde. ^Barte, f. (PI. -w): Fischbeinzahn in der oberen Kinnlade des Walfisches. Bes. im PI. Barten, entsprechend ndl. baarden, schwed.- dän. harder. Auch franz. les harhes, span. las harbas zvi franz. harbe f., span. barba f. «Bart». Der Xame, weil die aus der oberen Kinnlade herabhängenden Zähne den Bart- haaren verglichen wurden. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 3. Anfl. Barthel, Kürzung der Personennamen Bartholomäus oder Barthold (ndd. füi- Bert- hold, s. d.). Redensart: der weiß, wo B. den Most holt (schon im 17. Jh.), d. h. er versteht sich auf alle Kniffe. Aus der Gauner- sprache vgl. DWB. s. V. Most. Bartholomäus, Mannsname. Aus gr.- lat. BartJiolomaeus, dies aus hebr. bar talmai «Sohn des Furchen- oder Landreichen». härtig, adj.: einen Bart habend. Dafür mhd. hartoht. Barütsche, Birütsche, f. (PI. -n): halbbedeckter Wagen in Österreich. Aus ital. harocdo m. «zweiräderiger Karren», aus dem gleichbed. mlat. härrota f., lat. bhota f. «leichtes zweiräderiges Fuhrwerk», eig. F. des als Subst. gebrauchten Adj. birotus «zwei- räderig». Bei Blumauer An. 2, 22 Pirutsch, 1, 14 Pierutsch n., bei Thümmel Reise 7, 250, 253 Perutsche f. j Bas, m. : «Meister» als ehrende Anrede I (des Gesindes an den Herrn, der Gäste an den Wirt), auch ndl. haas, dän.-schwed. (ent- ! lehnt) has «Obmann». Im Friesischen und j Westnd. heimisch, 1597 bei Kilian als baes '«amicus, herus, paterfamilias» und 1767 im brem. Wb. 1, 58 als Baas «Meister» ver- zeichnet, später z. B. bei Immermann Münch- hausen 2. Buch 5. Kap. Man bringt Bas mit Base (s. d.) in Verbindung, so daß es urspr. Kosewort für Vater oder Oheim wäre. Basalt, m. {-es, PI. -e): dichte, aus Augit, Labrador (einer Feldspatart) und Magneteisen bestehende vulkanische Felsart. Aus gr.-lat, basaltes m. (Phnius hist. nat. 36, 11), urspr. afrikanisch. In deutscher Form erst im 18. Jh. Basar, m. {-s, PI. -e), (früher Bazar ge- schrieben) auch Bäzar (Schiller Br. v. Messina V. 813): Reihe kostbarer Warenläden urspr. an orientalischen Handelsplätzen. Aus frz. bazar ra., das auf persisch häzär «Marktplatz» beruht. Schon 1582 bei RauwolfF Reise 36 Batzar, bei Hulsius Schiffart 15, 61 Basart; Jablonsky 1721 erklärt B. als eine aus Kauf- mannsläden und Gewölben bestehende Straße, später auch in erweiterter Bed. hasch, s. barsch. Base, f. (PI. -n) : Verwandte, Tante (auch als ehi-ende Anrede üblich), Geschwisterkind. Mhd. base, ahd. basa f. «Vaterschwester», wäh- rend mhd. muome, ahd. muoma f. (?. Muhme) «Mutterschwester». Doch schon 1482 im Voc. theut. c 6 '"^ und bei Keisersberg J5ase «Vater- und Mutterschvvester»,beiTrochusE2'^ eine medder 11 163 Base Bastard 164 oder wasze, «soror matris», bei Luther Wase «Vaters- oder Mutterschwester (7, 230 •"» Jeu.), Frau von des Vaters Bruder» (3. Mos. 18, 14), aber bei dem gleichzeitigen Alberus Dict. ee 3^ was f. «Vaterschwester» und überhaupt «Ver- ; wandte» (lat. cognata), auch Fab. 46, 11 Wase, Was f. Dies Wase findet sich schon im 10. Jli. als wasa und mhd. (bei dem Hessen Herbort V. Fi-itzlar) als luase: später noch öfter bei "Mittel- und Niederdeutschen (Geliert 3, 335, noch Heynatz 1775 erwähnt die Form). Base und Wase gehören urspr. wohl der Kinder- sprache an und sind vielleicht durch Kürzung j aus ahd. faterswestar entstanden, vgl. ags. ! faäu, afries. fethe «Vaterschwester» zu Vater, vgl. Bas. Anders, aber gar nicht überzeugend Wiedemann BB. 27, 225. Base, l)asiereu, s. Basis. Basilikum, n. ( -s) -. das Königskraut. Das gr.-mlat. hasilicum n., eig. das als Subst. ge- brauchte N. des lat. Adj. hasiliais, gr. ßaciXiKÖc «königlich» (von ßaciXeüc m. «König»). Der Name wegen des edlen, gewürzhaften Duftes, den das ganze Gewächs von sich gibt. Mhd. finden sich die Formen hasilie f., hasilig m. f. Basilisk, m. (-en, PI. -671): die fabelhafte, Kopf, Flügel und Füße des Hahnes an sich tragende Schlange, deren Blick tötet. Mhd. hasiliske aus gr.-lat. basüisais, gr. ßaciXicKoc m, «die asjatische Königseidechse» (von ßaciA,eüc m. «König») und der Name daher, weil man sie wegen eines weißen Flecks auf dem Kopf als gekrönt ansah (Plinius bist. nat. 8, 33). Basis, f. (PI. Basen): Fußgestell, Grund- lage, Gnindfläche, Grundlinie, Grund, worauf etwas beruht. Mhd. hasis f. aus gr.-lat. hasis f. «Fuß-, Untergestell, Grundmauer», gr. ßdcic f. «Schritt, Gang», dann «Fuß, Fußsohle, Grund- lage, Grundgestell», von ßaiveiv «gehen». Dar- aus auch franz. hase f. (das als Base «Scha&t- Gesimse» 1716 in Wolifs math. Lex. und 1787 bei Goethe 31, 112 erscheint). ABL. basieren, V.: worauf gründen. Aus franz. haser, einer Ableitung von base. Erst um 1800. Baß, m. (Gen. Basses, PI. Bässe): die tiefste Stimme; dieser Stimme gemäßes großes Streich-Tonwerkzeug. Aus dem gleichbed. ital. basso m., das auf mlat. bassus «dick, fett», dann «niedrig» zurückgeht. Im 15. Jh. entlehnt. ABL. Bassist, m. (-ew, PI. -en): Baßsänger (1517 bei Trochus prompt. C 4^ bassiste m.). baß, altertümliches Adv.: besser; mehr, leichter, eher; (als Positiv genommen) tüchtig, sehr. Mhd. ahd. &aj: dazu asächs. bat, bet, ags. bet, anord. betr: got. *batis (nach dem Adj. batiza) ist nicht erhalten. Es ist (im Westgerm, mit abgefallenem Komparativ- suffis) das Adv. zu dem Adj. besser (s. d.), als Positiv gilt wohl. Dazu mit Ablaut Buße (s. d.). iVls verwandt stellt man hin- zu skr. bhadräs «glücklich, vorzüglich», doch ist dies wenig wahrscheinlich, da das ind. a auf 71 zuiückgeht. BaSSiu, n. (-S, PL -.9): Wasser-, Brunnen- becken. Aus franz. bassin m. «Becken», das mit ital. hacino m. aus dem gleichbed, mlat, bacimim n. (s. Becken) beruht. Im 18. Jh. entlehnt. Bast, m. {-es, PI. -e), selten n. (Bürger 246) : die unter der äußern Rinde liegende innere, besonders insofern sie zum Binden und Flechten dient; als Binde- und Flechtmittel taugliche Pflanzenhaut: Haut des Menschen, bei den Jägern des Hii-sches usw. ]Mhd. bast m. n. (ahd. nicht belegt); dazu ndl. bast m. ags. b(Bst m., engl, hast, anord.-schwed. hast n,, dän. bast m. Dazu mhd.-ahd. besten «binden, schnüren» und (mit Ablaut) &« ^ beinig, adj. : knochig ; Füße (Beine) habend ! in zicei-, langbeinig usw. Mhd. -beinec. Beinkleid, n. {-es, PI. -er)-. Hose als I Bekleidung der Beine. Der Ausdruck kommt schon im 16. Jh. vor (1557 bei Mathesius Syrach 3, 51^) und erscheint auch im 17. u. 18. Jh. in Wörterbüchern (z. B. bei Comenius, Rädlein, Frisch), aber ohne sich zunächst recht einzubürgern, da ihn noch Adelung 1793 als neugebildet bezeichnet. Beinling, m. (-s, PI. -e): Hosenbein (im 15. Jh., s. Diefenbach-Wülcker 227); der obere Strumpf; (bei den Gerbern) der Teil der Tier- haut, der unmittelbar über den obern Beinen gesessen hat. Beinschwarz, n.: Schwärze aus ver- brannten Knochen. Bei Stieler 1691. Beinwell, m.{-es): die Wallwurz, symphy- tum. Ahd. heinwalla, heinwelle f. (ZfdWf. 3, 281), zu icallen, hier in der Bed. «zusammen- heilen von Knochen bei Knochenbrächen»; die Pflanze heißt auch Beinheil n. beipflichten, v.: (mit Dat.) einem zu- stimmen, eig. sich mit jemand verbinden, sich ihm (seiner Meinung) anschließen. Mhd. bed. das einfache ,phlihten, mit den Präp. m«^, an, zuo «sich mit jemand verbinden», von phliht (s. Pflicht), hier in der Bed. Anteilnahme, Vei-- 193 beisammen Beiwort 194 binduDg. Jedenfalls in der frühnhd. Kanzlei- sprache vorhanden (Luther hat Beipflichter m. «Zustimmender», das Adj. 'beipflichtig bei Diefenbach-Wülcker 223 v. J. 1553). beisammen, adv.: zugleich da. j^Ihd. selten hesamen (aus Msamene). Frühnhd. (Liliencron 3, 338 v.J. 1519, auch bei Luther). Beisaß, m. (Gen. u. PI. Beisassen): wie Hintersaß (s. d.); Ortsangesessener ohne Bür- gen'echt. Mhd. Msä§e, Msce^e m., zusammen- ges. mit dem als letztes Wort in Zusammen- setzungen stehenden mhd. säße, ahd. säp, s. ^Sasse. : beiseit, beiseite, auch mit angetretenem genet. -s beiseits, adv.: zur Seite. Mhd. M Sit. Bei Luther heiseid (Hiob 6, 18), ge- wöhnlich mit Abschwächung des hei- heseit, auch heiseits, heseits. beisetzen, v.: neben andi-es setzen; be- statten, eig. den Sarg in der Gruft neben andre setzen. In der 2. Bed. bei Krämer 1678. Beispiel, n. (-es, PI. -e): (veraltet) zur Belehrung erdichtete Erzählung, Fabel; Gleich- nis, Begebenheit zui- Yeranschaulichung oder Richtschnur des Verhaltens. Spätmhd. Mspil (mit Anlehnung an spil «Spiel», mit dem das Wort urspr. nichts zu tun hat), früher mhd. ahd. aber Mspel (Gen. Mspelles) n. «belehrende dichterische Erzählung, Fabel, Gleiclmis», zu- sammenges. aus M «bei» und mhd. ahd. spei n. «Rede, Erzählung, Sage», dazu asächs. ags. spell n., engl, spell, got. spill n. (wovon ahd. spellon, got. spillön «erzählen»). Eig. eine neben der Lehre und zu deren Veranschau- lichung gegebene Erzählung. Die Etymo- logie von spell ist unbekannt. Vgl. E. Schröder ZfdA. 37, 241, Kögel Idg. Forsch. 4, 318, Fröhde Bezz. Btr. 19, 241 f. beißen (Prät. hiß, Part, gebissen), v.: mit den Zähnen fassen, durchdringen; die Emp- findung eines stechenden, scharfen Durch- dringens verursachen. Aus mhd. bi^en, ahd. hi^an, dazu asächs. hUan, ndl. hijten, ags. bUan, engl, hite, anord. Mta, schwed. hita, dän. bide. In der altern Sprache auch vom Einschneiden oder scharfen Durchdringen des Schwertes. Entsprechend lat. findere, Perf. /?dz «spalten», aind.ftÄZfZ «spalten, durchbohren». Vgl. auch beizen, bitter. ABL. beißig, adj: zum Beißen geneigt, mhd. M^ec. S. bissig. Beißker, m. (-s, PI. wie Sg.) : ein kleiner, eßbarer, im Schlamm und zwischen Steinen lebender und an diese sich ansaugender Fisch, cobitis fossüis. Auch Peißker. Mit Anlehnung Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. an heißen (denn der Fisch beißt sich scheinbar an Steine an, heißt auch als von Schlamm oder daiin Befindlichem lebend der Schlammbeißer) aus poln. piskorz m., böhm. piskof m., russ. piskär m., d. i. eig. Pfeifer, von poln. pisceö, hohxn. piskati «pfeifen», abg.j^isÄ;a^^ «flöten», wohl nach einem Tone, den der Fisch mit dem Maule hei-vorzubringen scheint. Das Wort ist vom östlichen Mitteldeutschland ausge- gangen, ist aber im 15. u. 16. Jh. schon weiter bekannt, findet sich als peysker in einem Glossar des 15. Jh. (Diefenbach 330*), als Beißker bei Alberus Fab. 19, 151 und bei Forer Fischb. 160^. In bayr.-österr. Quellen (auch bei H. Sachs) erscheint dafür Bißgurre. Beißzange, f. (PI. -n): eine vorn scharfe Zange zum Kneipen und Festhalten kleiner Gegenstände. Bei Stieler 1691 Beißzänglein. Beistand, m. {-es, PI. Beistände): Hilfe bei und für jemand; persönlich s. v. a. Hilfe bei und für jemand Leistender, Spätmhd. bistantm. in der l.Bed. ABL. beiständig, adj.: hilfeleistend, behilflich. Mhd. btstendec. — beistehen, v.: (mit Dat.) Hilfe leisten, eig. neben jemand stehen (im Kampfe, vor Gericht), um ihn zu unterstützen. Mhd. bistän, histen, ahd. histantan, bistdn, auch noch in der ursprünglichen Bed. wie got, histandan. Beistrich, m. {-es, PI. -e): das Komma. Schottel Sprachk. S. 669 gab für dies die Verdeutschung Bey strichlein, was auch von Harsdörfer Gesprechsp. 4, 412, Bödiker u. a. gebraucht wü'd. Beitrag, m. (-s, PI. Beiträge): Beisteuer. Bei Stieler 1691. Von beitragen, v.: her- beibiingen, dann abgeben zui* Unterstützung, mhd. hitragen «herzutragen». beitreiben, v. : herbeiti-eiben ; (übertragen von den herbeigetriebenen Zins-Tieren usw. auf geforderte Gelder) einziehen, beischafifen (bei Frisch 1741). Beiwesen, n. (-.s) : das Zugegensein. Eig. subst. Inf. zu mhd. hiwesen, ahd. biwesan «da sein, zugegen sein». Als Subst. in der Kanzlei- sprache des 15. Jh. vorhanden (Janssen Frankf. ReichskoiT. 2, 161). beiwohnen, v.: (veraltet) bei einem an- dern wohnen; ehehchen Verkehr mit jemand haben; wobei zugegen sein; (von Dingen) wo vorhanden sein, (mit Dat.) innewohnen. Mhd. btwonen (in der 2. Bed. erst bei Luther). Beiwort, n. {-es, PI. Beiwörter): Adjek- tivum. Schon in der mhd. Schulsprache aus 13 195 Beize beklommen 196 dem Anfang des 14. Jh. begegnet Mwort für Adverbium (Eckhart 271, 11), während sonst mhd.-ahd. hiwort die Bed. «Sprichwort, Gleich- nisrede» hat. Auch ndl. hijwoord ist «Adver- bium» (schon 1719 bei Kramer). Dagegen schlug Helvicus 1619 Beiwort für Adjektivum vor, und diese Verdeutschung ist später viel- fach angenommen worden, auch von Gott- sched, aber schließlich doch durch andre zu- rückgedrängt worden. S. Adjektiv. Beize, f. (PI. -n) •■ Jagd mit abgerichtetem Raubvogel oder auch einem andern Fang- tiere; zur Zubereitung nötiges Durchdringen- lassen und Mürbemachen von einer scharfen Flüssigkeit, sowie diese selbst. Älternhd. meist (auch bei Luther, noch jetzt dialek- tisch) Beiße, mhd. beige, beize, ahd. beiga f. (auch Alaun). Von beizen, v. : beißen machen, sowohl einen Jagdvogel, einen Hasen usw. durch emen abgerichteten Fansfvogel, als auch etwas durch scharfe Flüssigkeit zum Mürbe- machen usw. Älternhd. meist beißen. Mhd. beigen, beizen, ahd. beigan; dazu ags. bcetan «zäumen», eig. «beißen machen», anord. beita «zäumen, füttern, beizen» (daher engl, bait), got. wäre *baitjan anzusetzen, beizen ist das Faktitiv zu beißen. Bei der Flexion mußten sich Formen mit z und solche mit g ent- wickeln, worauf dann Verallgemeinerung ein- getreten ist ; im Mhd. überwiegen die Formen mit j, in der Schriftsprache seit dem 17. Jh. die mit z. Vgl. heizen, reizen, Weizen, mhd. meist heigen, reiben, weige. beizeit und beizeiten, adv.: früh in Hinblick auf einen Zeitpunkt. Mhd. bi zite, auch mit Schwächung des bi bezite und be- ziten, bi mit dem Dat. Sg. oder PI. von zit. beizen, s. Beize. bejahen, v.: zu etwas ja sagen. Mhd. dafür das auch von mhd. ja abgeleitete be- jäzen (im 16. Jh. auch bejachzen), auch ein- fach jäzen. bejahen zuerst bei Henisch 1616, aber in der Bed. «bewilligen», später auf «ja sagen» (auf eine Frage) beschränkt. bejahrt, adj.: hoch in Jahren seiend. Mhd. bejaret, eig. Part. Prät. zu dem V. be- jären «die Jahre hinbringen». Vgl. betagt. bekannt, adj.: zur Kenntnis gekommen; nicht fremd, vertraut. Eig. Part. Prät, von mhd. bekennen, ahd. bikennen in der im Nhd. verloren gegangenen Bed. «kennen, erkennen». Davon das substantivische Bekannte, m. f. (mit adjektivischer Flexion). ABL. be- kanntlich, adv. Im Mhd. erscheint bekant- lich und bekentlich (von den beiden Formen des Part. Prät. von bekennen gebildet) als Adj., ebenso im altern Nhd. bekanntlich (noch bei Steinbach 1734); bekanntlich als Adv. zu bekannt wird von Adelung den Kanzleien zu- gewiesen, aber von Heynatz 1796 empfohlen. Bekanntschaft, f., bei Krämer 1678. ZUS. Bekanntmachung, f.: Kundmachung, erst 1807 bei Campe. Bekassine, f. (PI. -n)-. Wasserschnepfe. Aus franz. becassine f., von bec m. (gallisch- lat. becciis) «Schnabel». Neue Entlehnung. bekehren, v.: vom Unrechten zum Rechten wenden, besonders in geistlicher Beziehung. Mhd. bekeren, ahd. bikeren «anderswohm wen- den, umkehren», besonders in Hinsicht des Glaubens und der Sitte. Nachbildung von lat. convertere. bekennen, v.: erkennen mid seine Er- kenntnis aussagen ; nach Bewußtsein aussagen ; ein Geständnis ablegen: kundgeben. Refl. sich wozu b.: sich als Urheber oder als Zu- getaner erklären. Mhd. bekennen, ahd. bi- kennen ist zunächst «kennen, erkennen» (s. bekannt), mhd. bekennen aber auch schon «zu erkemien geben, eingestehen». ABL. Be- kenntnis, n., selten f. (Liscow 446). Mhd. bekantnisse, bekentnisse f. n., abgeleitet von dem Part, bekannt, weshalb bis ins 18. Jh. auch Bekänntnis geschrieben. bekleiben, v. : woran fest haften, -hangen. Veraltet, aber noch bei Lessing, Wieland, Goethe, Rückert, Platen. S. kleiben. bekleiden, v.: am Körper mit Kleidung versehen ; kleidartig überziehen oder bedecken : [ein Amt, eine Stelle b.) darin eingesetzt sein, eig. für dasselbe mit den Zeichen der Amts- würde bekleidet (investiert) sein. Mhd. be- kleiden. Die 3. Bed. bei Stieler 1691. beklemmen, v. : einengen und zusammen- pressen, eig. wie bildlich. Mhd. beklemmen «zusammenpressen», ahd. biklemmen «ver- sperren, eindämmen, verstopfen»; dazu asäcbs. biklem.mia7i «e'ms-perren», ags. beclemman «ein- schließen, einsperren». Das Faktitiv zu dem altern V. beklimmen (s. d. f.). beklommen, adj.: angstvoll wie einge- preßt, Mhd, in md, Quelle beklummen (vom Herzen), das Part, Prät, des starken V, be- klimmen, das wie das in md, Quellen er- scheinende einfache klimmen und mnd, be- klimmen «einengend zusammenziehen» be- deutet (vgl, auch mhd. verklummen «krampf- haft zusammengepreßt» und klamm. «Krampf», 197 bekommen Beleg 198 s. Klamm). beJclommen fehlt im altern Nhd. (dafür in gleicher Bed. heklemmt) und ist erst im 18. Jh., nach Heynatz 1796 aus Nieder- sachsen, eingedrungen, es wird von Hagedorn, Klopstock, Bürger gebraucht. bekommen, v.: l) intrans. zum Gedeihen gereichen, überhaupt s. v. a. gereichen, Wir- kung haben. 2) trans. durch Überkommen von außen haben. Mhd. fast nur intrans. «bei- kommen, gelangen, hervorkommen, wachsen, gedeihen, (mit Dat. der Pei'son) begegnen, zukommen, (mit Gen. der Sache) erhalten, gewinnen»; dies bei Luther schon häufig mit dem Akk. Ahd. hiqueman auch mit Akk. «überkommen, ergreifen»; vgl. asächs. hiku- man, ags. hecmnan «zu etwas kommen, ge- langen», engl, become «werden, zukommen», got. hiqiman «überfallen». ABL. bekömm- lich, adj. : was wohl bekommt: was zu ei'- langen ist. In der 2. Bed. bei Maaler 1561 bekömmlich, die 1. gehört der neuesten Sprache an (noch nicht bei Campe). Mhd. bekomen- lich, gebildet von ' dem Part. Prät. bekomen, ältemhd. bekömmlich ist «passend, bequem». S. auch bequem. bekräftigen,v. : kräftig machen (Hiob4, 4) : zuverlässig, sicher machen (auch bei Luther). Gebildet von dem Adj. kräftig. Mhd. be- kreften «stärken», gebildet von kraft. bekümmern, v.: Kummer verursachen, mit Sorge quälen. Reil. sich b.: Kummer empfinden, sich sorgend mühen, sich umtun. Mhd. bekumbern, bekümbern «in Not bringen, belästigen, beschäftigen», (in derRechtssprache) «mit Beschlag belegen », vgl. mndl. bekommer en. Gebildet und zum Teil entlehnt von dem aus lat. incumuläre gewordenen franz. encom'brer, prov. encombrar, ital. ingombrare, mlat. in- cumbrare «(durch Schutthaufen) den Weg versperren, verhindern». S. Kummer. ABL. Bekümmernis, f., mhd. bekumbemisse f. beknnden, v. : kundgeben, ofienes Zeug- nis womber geben. Erst bei Adelung 1793 als der Rechtssprache Niedersachsens angehörig. Belag, s. Beleg. belagern, v.: durch ein Lager einschließen und bedrängen. Spätmhd. belegern, auch ältenihd. belegern (bei Luther), belägern (noch bei Stieler 1691). Belang, m. {-es): Bedeutung, Wichtigkeit, eig. was weit reicht (s. belangen). Verschieden von mhd. belang m. «das Verlangen, Sehnen wonach», dagegen ist mnd. belang (substant. Form eines Adj., das im Mndl. als belang ^zu- gehörig, verwandt, gemäß, abhängig, darauf ankommend» erscheint) «Bedeutung»; das Wort diiogt in die Kanzleisprache ein und wird nach der Mitte des 18. Jh. allgemein, von Heynatz 1775 noch beanstandet, doch schon vorher von Lessing und Klopstock gebraucht. belangen, v.: l) impers. sich worauf er- strecken, etwas betreft'en {himüger anbelangen). 2) trans. klagend vor Gericht ziehen eig. mit der Klage erreichen. Mhd. mich, selten mir belanget «mich verlangt», doch auch intrans. «sich erstrecken» und trans. «erlangen, er- reichen», älternhd. dann «betreffen» und «jem. mit etwas angehen». Vgl. ndl. belangen «be- treä"en, anbelangen», engl, belong «zugehüren, betreffen». belästigen, v.-. lästig, beschwerlich fallen. Im 15. Jh. belestigen (Wyle 15, 1). Mhd. da- für belesten, gebildet von last. ^Belebe, f. (PI. -n), auch Beleben m. (-s, PI. wie Sg.): eine Salmart, salmo lavaretus. Daneben auch Balche (schon mhd. balche), Bolche und mit anderm Anlaut Felchen (s. d.). Dunkler Herkunft. ^Belebe, f. (PI. -n): Wasser-, Bläßhuhn, fulica atra. Älhd. belche, ahd. belihha f., da- neben belihho m. Das laX.fulicai. ist verwandt, auch gr. cpaXripic f. «Wasserhuhn». Der Name von dem weißen Flecken auf der Stirn des sonst schwarzen Tieres, denn ahd. belihha gehört mit -ihha als Endung (vgl. Habicht, Kranich) zu gr. cpaXöc, q)dA.ioc, abulg. belü, lit. bältas «weiß»; mhd. erscheint Belche auch als Name eines (weißen) Rosses. Vgl. Blesse. Beleg, m. (-es, PI. -e): beigefügte be- weisende Urkunde, beigebrachter Beweis, ur- spr. namenthch die unter die Grenzsteine ge- legten dauernden Zeichen der Markmeister und Feldgeschworenen. Belege, n. (-s, PI. wie Sg.): an den Rand des Kleides gesetzter Streifen, um jenen steifer zu machen. Schon 1541 bei Frisius 502 '^ die belege eins kleyds oder leyste. Aus diesem Wort (urspr. über- haupt «das Beigelegte, Beigefügte») geht auch Beleg hervor, bei Frisch 1741 und Adelung 1793 noch N. (doch kennt dieser das schon bei Rädlein 1711 angeführte M. «aus einigen Gegenden»); bei Heynatz 1775 Belege f. Da das meist im PI. gebrauchte Wort auch Be- läge geschrieben wurde, so folgerte man da- raus auch fälschlich einen Sg. Belag, der schon 1673 bei Mühlpforth Leichenged. 155, sowie bei Lessing vorkommt. Von belegen: (ehedem) ringsum legen, belagern (2 Sam. 11, 13* 199 l)elegeu Bellhammel 200 1), mhd. belegen, ahd. hüeggen; auflegend über- decken (auch mhd.-ahd.); zu urkundlichem Beweise beilegen, beweisend beigeben (im 15. Jh. mit dem eide belegen); durch Auf- legen eines Zeichens in Anspruch nehmen; zu tragen bestimmen; (von Säugetieren) aus Geschlechtstrieb besteigen. belegen, adj.: gelegen, der Lage nach be- findlich. Eig. Pai't. Prät. von beilegen, mhd. beiigen «liegen bleiben, ruhen, fest woran haften», auch «beiliegend umfangen» (so ahd. büiggen). belehnen, v. : mit einem Lehen versehen, in ein Lehen einsetzen. Mhd, belelienen. beleiht, adj.: feisten Leibes. Der Form nach Part. Prät., gebildet wie behaart, bejahrt. Älternhd. ist beleibt «mit einem Leib, Körper versehen» (so bei Stieler 1691) in der Bed. von «beleibt» erscheinen schwer b., ivohl b. (dies aber bei Albertinus weibl. Lustg.2'2^ von schönem Körper), das einfache beleibt, das Adelung nicht kennt, bei Campe 1807. beleidigen, v.: (veraltet) Leid zufügen, (dann) in Schmerzgefühl versetzen: durch Worte oder Handlungen verletzen. Mhd. beleidigen, zusammenges. aus be- und leidegen, ahd. (bei Notker) leidegön «betrübt machen, betrüben», abgeleitet von ahd. (bei Notker) leidig «leidig» (s. d.). ABL. Beleidigung, f.: beschwerendes, Besorgnis erregendes Übel (Apostelg. 27, 10); Kränkung durch Worte oder Taten. Frühnhd. belemmern, v.; dui-ch kleine Kniffe be- trügen, übers Ohr hauen. So zuerst bei Ludwig 1716. Die Angaben von Duez 1664 {belemmeln «sordidare») und Krämer 1678 {belemmeren «bedrecken», in gleicher Bed. belampern bei Grimmeishausen Simpl. 3, 428, Kurz) weisen darauf hin, daß die ursprüng- liche Bed. «beschmutzen» ist (vgl. bescheißen). Doch vgl. mnd.-ndl. belemmeren «hindern, kraftlos machen», verlemert «verspielt» bei H. Sachs Fab. 246, 62. belesen, adj.: durch vieles Lesen viel wissend. Eig. Part. Prät. des ältenihd. V. belesen «durchlesen, gründlich lesen». Bei Duez 1664, aber Wolbelesenheit schon bei Fischart Garg. 7. belfern, v.: schnell wiederholt bellen; (bildlich) sich in vielen Worten und wieder- holt scheltend auslassen. Mit der Frequen- tativendung -ern abgeleitet von belfen «bellen» (Goethe 2, 237), das durch Vermischung von bellen mit dem gleichbed. beffen (s. baffen) entstanden zu sein scheint. 1542 bei Luther beluern (belvern) neben bellen. belieben, v.: l) intrans. (mit Dat.) dem Gefallen entsprechend sein. 2) trans. nach Gefallen wofür geneigt sein; nach Gefallen ausfuhren. Davon das Part. Prät. beliebt: nach Gefallen getan (Günther 258); allge- mein gefallend (17. Jh.) und der subst. Inf. Beliehen, n. : Gefallen. Mhd. dafür das ein- fache lieben (mitDai.) «gefallen», anth gelieben; belieben ist erst finihnhd. (16. Jh., das Subst. im 17. Jh.). ABL. beliebig, adj.: nach Ge- fallen, behaglich, angenehm (bei Grimmeis- hausen Simpl. 1, 78 Kurz); ganz dem Belieben überlassen (bei Rädlein 1711). bellen, v. : (vom Hund und Fuchs) den ihrer Stimme eig'nen schallenden Laut hören lassen; (bildlich) Worte und Töne heftig und gellend herausstoßen. Mhd. bellen (Prät. ball, PI. bullen, Part, gebollen), ahd. bellan; dazu ags. bellan (grunzen, vom Schwein), engl, bell (schreien, vom Hirsch). Als Grundbed. muß etwa «tierische Töne von sich geben» an- gesehen werden. Hierher noch ags. belgian, engl, belloiv «bellen» und anord. belja «beUen»; vgl. auch beilen. Man sieht aind. bhas (für bhals) «bellen», lit, baisas m. «Stimme» als verwandt an, dann müßte -II- aus -Is- ent- standen sein. Der Übergang zur schwachen Flexion begmnt im 17. Jh.: 1690 hat Bödiker S. 04 schon im Prät. bellete und boll, im Part, gebellet und gebollen, Gottsched setzt die schwachen Formen an und Adelung be- zeichnet sie als weit gewöhnlicher, die starke Biegung als obd. ; doch kommt sie bei Dichtern des 18. Jh. noch häufig vor (bei Goethe 2, 208 billt, 28, 77 boU). Belletrist, m. {-en, PI. -en): wer sich mit den schönen Wissenschaften (franz. les belles-lettres), d. h. der Rede- und der Dicht- kunst beschäftigt und sie ausübt. Um die Mitte des 18. Jh. in Deutschland aufgekommen (bei Goethe 19, 92, Werther). ABL. Belle- tristik, f.: die auf die schönen Wissen- schaften bezügliche Literatur, Schönschrift- stellerei. belletristisch,adj. (Goethe28, 177). Bellhammel, m. {-s, PI. Bellhämmel)-. Leithammel, d. i. der Hammel der Herde, der eme ScheUe am Halse trägt. Zu thü- ringisch, ndd. belle «Schelle», ndl. bei, ags. belle f., engl, bell, altnord. bjalla f. «Glocke», das unsicherer Herkunft ist. Bei Henisch 1616. Auch ndl. belhamel m., dafüi- engl. bell-tcether. 201 Belt benamen 202 Belt, m. (-es, PI. -e): ileerenge der Ost- see zwischen Schleswig und Fünen, sowie zwischen Fünen und Seeland, iihd. Ijeltemer n. ist «Ostsee» (noch P. Fleming und Ramler 1, 43. 63 meinen mit Belt die Ostsee). Kaum zu ags. helt m., anord. helti n. «Gürtel», son- dern dem lat.-germ. Baltia (bei Plinius 4, 13) entsprechend. S. haUisch. beluchsen, v.: hinterlistig (luchsartig spähend) übervorteilen. Am Anfang des 18. 'Jh. belegt (1706 bei Menantes allem. Art 588 und bei Rädlein 1711 beUtxen, bei Adelung fälschlich ielugsen). S. abluchsen. belustigen, v.: lustig, heiter machen, Vergnügen erwecken. Bei Dasypodius 1537 belustigen. Belyedere, n.: Oi-t, von dem aus man eine schöne Aussicht genießt. Das ital. bel- vedere d. i. «schöne Aussicht». Um 1700 auf- genommen "(Günther 728, auch bei Sperander 1 728 vei-zeichnet), aber in derBed. Schauspiel, Schaustück schon 1607 bei Scheible Schalt- jahr 5, 648 Bellvider n. bemächtigen, refl.v.: sich wessen mächtig machen, es in seine Gewalt bringen. 1616 bei Henisch 277. bemäkeln, s. mäkeln. bemängeln, v.: Mängel in etwas finden. Junges, bei Adelung und Campe noch nicht verzeichnetes T\'ort, wohl aus der obd. Kanz- leisprache stammend. bemannen, v.: mit Mannschaft besetzen oder versehen. Mhd. bemannen. bemänteln, v. : einen Mantel (der im alt- deutschen Recht als Sinnbild des gewährten Schutzes gebraucht wirdj um etwas hängen; verdecken und zugleich einen guten Anschein geben. Frühnhd. (vgl. Gombert 6, 14 aus Emser vom J. 1524, auch bei Luther), in gleichem Sinne vermenteln fAlbei-us Barfuser Münche Nr. 601, Mathesius Sar. 229 »). bemeiern, v.: eig. ein Gut mit einem Meier besetzen: jemand betrügen. In der 1. Bed. bei Campe. bemeistern, v.: Meister werden über etwas. Refl. sich b. «sich bemächtigen». Bei Krämer 1678. bemerken, v.: durch festes Richten der Sinne auf etwas wahrnehmen; einen aus solcher Wahrnehmung hervorgegangenen Gedanken äußern. Mhd. bemerken «beobachten, beob- achtend prüfen», ABL. Bemerkimg, f., bei Stieler 1691. bemitleiden, v.: Mitleid haben mit je- mand. Zuerst bei Rädlein 1711 aufgeführt, : noch von Adelung 1793 den niedrigen Sprech- arten zugewiesen; nach Heynatz 1796 kommt , es auch bei guten Schriftstellern in Aufnahme. bemittelt, adj.: die Mittel habend, um bequem leben zu können (bei Grimmeishausen Shnpl. 4, 287 Kui-z). Eig. Part. Prät. eines Y. bemitteln «mit ^Mitteln wozu versehen». (1677 bei Butschky Pathm. 25). Bemme, f (PI. -n) -. Brotschnitte, nament- lich in Bidterbemme «Butterbrot». Im öst- lichen Mitteldeutschland. Luther hat Putter- pomme, Zehner 1622 Xomenclator S.408, Duez 1664 und Ki'ämer 1678 Butterbamme, dies auch bei dem Sachsen Weise (Erznarren 71) und dem Schlesier Stoppe, auch bei Ludwig 1716 und Steinbach 1734. Stieler 1691 hat das einfache Bamwe, Bamm (daneben Barns «Brei»). Etwa zu thüiing. bammen «essen;, Schweiz, bampen «wohl behaglich und fast be- ständig essen», ein lautnachahmendes Wort, das eig. auf das Schmatzen mit den Lippen beim Essen geht. Xach Heyne WB. auf gr. ßduua n. «Brühe» zurückgehend und in den Schülerkreisen der Humanistenzeit auf- gekommen. Vgl. noch E. Schröder AfdA. 23, 154. bemoost, adj.: (studentisch in bemoostes Haupt u. dgl.) alt, eig. grau geworden wie ein mit Moos bewachsener Stein. Wohl nicht vor Anfang des 19. Jh. aufgekommen (bemooster Herr bei Goethe Faust 6638j. bemüßigen, v.: Muße wozu geben, in- stand setzen, veranlassen Spätmhd. bemüe- gegenist «erledigen, frei (mhd. müe^ec) machen» : dieselbe Bed. hat b. in der älternhd. Kanzlei- sprache (vgl. Schmeller - 1, 1678), später ist das T. durch müssen beeinflußt worden. Im 17. Jh. in der jetzigen Bed. benachteiligen, v.: in Xachteü bringen. Xoch nicht bei Adelung. Xach Heynatz 1796 von einigen versucht (doch steht es schon 1663 bei Schottel S. 624). benamen, v.: mit einem Namen belegen. Mhd. benamen. Außerhalb der Dicht^rsprache veraltet. Im Ablaut dazu steht das von den schlesischen Dichtern (noch von Günther, Menantes) gebrauchte beniemen, urspr. be- nümen, mhd. (in md. Quellen) benuomen, be- niiemen, ndl. benoemen. ABL. benamsen: wie benamen. Frähnhd. (Franck Weltb. 59 ''j. Jetzt nui- noch in altertümelnder Rede Vgl. namsen unter Nam£. 203 l)enaiieu bequem 204 Genauen, v.: in die Enge bringen, hart bedrängen, beängstigen. Aus dem Niederd. (nind. henomven) ins Hochd. gedi-ungen, bei Stieler 1691 verzeichnet. S. genau. Von Heine (6, 355 henaut «beklommen») gebraucht, bei dem auch 3, 179 das abgeleitete Subst. Benauigkeit, f.: Beklommenheit. Bendel, m. n. (s, PI. wieSg.): das kui'ze Bindband, besonders das schmale. Mhd. heiiäel, ahd. bentil m., mit Suffix -il von haut abgeleitet, dazu anord. hendül, mengl. hendel. beiie, adv. in sich h. tun (Bürger 168), auch sich ein h. tun «sich etwas zu gut tun», ist das lat. Adv. hene «gut», das sich in der Studentensprache in bestimmten Wendungen festsetzte, wohl schon im 16. Jb. (vgl. Amadis ed. Keller S. 8 ein h. erlangen). benebelt, adj. (eig. Part. Prät. zum Yerb. heneheln): von Nebel umhüllt (17. -Tb.); (bild- lich) getrübt, tiiibe (bei Stieler 1691); tranken, leicht bezecht, wie sich heneheln «sich be- trinken» (im 18. Jh., z. B. bei Lichtenberg, vgl. Stieler der Wein hat ihm seine Vernunft h.). benebst, adv. : wie nebst. In der frühnhd. Kanzleisprache als henehenst, henebest. benedeien, v.: segnen, ürspr. kirch- licher Ausdruck. Mhd. heneäien, entlehnt aus dem gleichbed. lat. henedlcere eig. «wohl sagen, Gutes wünschen». Benediktenkraut, n.: die besonders in ihrer Wurzel heilkräftige Pflanze herba be- nedicta, d. i. gesegnetes Kraut. Spätmhd. heneäictenkrüt n. Benefiz, n. (-es, PI. -e)-. Vorstellung zu- gunsten eines Schauspielers. Aus franz. henefice m., das aus lat. heneficium n. «Wohl- tat» stammt. Bei Campe 1813. benehmen, v.: (mit Dat. der Person und Akk. der Sache) hindernd oder abhaltend wegnehmen; (mit Akk. der Person und Gen. der Sache) dui-ch Einwirkung erledigen. Mhd. henemen , ahä. hineman; dazu as.-ags.-got. hiniman «wegnehmen». Eefl. sich h. «sich aufführen» (erst bei Adelung 1793); {mit einem) sich mit jemand verständigen. Der Inf. als Subst. Benehmen, n. (nach Adelung «in den Kanzelleyen»). beneiden, v.: voll Neid auf jemand sein (mit Akk. der Person oder Sache, im 18. Jh. nach lat. oder franz. Vorbilde auch mit Dat. der Person und Akk. der Sache, z. B. Lessing 6, 224. Schiller Braut v. Mess. 1243). Mhd. (selten) heniden, gewöhnlich in gleicher Bed. niden, s. Neid. benennen, v. : mit einem Namen belegen; namhaft machen; namentlich bestimmen. Mbd. henennen. Das Part. Prät. im altern Nhd. auch benennt (Lessing 12, 1 1), benennet (Goethe 30, 211), s. nennen. Benennung, f., mhd. (Germ. 28, 360 mit Beleg von 1354). Bengel, m. (-s, PI. wie Sg.): ein kurzes stangenartiges Holz; naturwüchsiger derber, dann grober Mensch. Mhd. hengel m., in der 1. Bed. als «Holz zum Schlagen», von einem nicht belegten V. *hangen (dazu mit Ablaut mhd. hunge f. «Trommel»), das dem engl. to bang «schlagen, prügeln» (davon hangle «Prügel»), anord. />a«<7a «schlagen» entsprechen würde. Dies vielleicht zu lit. hüoze «Keule, Klöppel am Dreschflegel». Die 2. Bed. er- scheint frühnhd. (Lüiencron 4, 32 v. J. 1531 Milchbengel von Schweizer Bauern, auch bei Hans Sachs Fab. 288, 112 Bengel von einem Bauern). Auch ndl. hengel m. «Prügel»; dän. beuget, schwed. hängel (entlehnt) als Schimpfwort. benlemen, s. henamen. Benne, f. (PI. -n): Wagenkorb, -kästen, Sitzkasten eines Schlittens. Oberd. (bei Dasy- podius 1537 als henn angeführt). Nach franz. benne f. «Wagenkorb, Tragkorb», ita\. bennat «Korbschlitten», die auf gall.-lat. henna «Art Wagen» (bei Festus) beruhen. Auch ndl. ben i. «Korb», engl, bin «Kasten». Benno, Mannesname. Aus ahd. Benno, Koseform von Bernhard (s. d.), seltener von Bernger, Beringär. benötigen, v.: notleidend (mhd. ncetec), bedürftig machen; nötig haben. Mhd. benö- tegen (neben benceten) ist «in Not bringen, bedrängen, zwingen». Das Part. Prät. be- nötigt «bedürftig» (schon bei Luther), «nötig». benschen, jüd. den Segen sprechen. Aus lat. benedicere. Als Gaunerwort 1737 belegt. Benzoe, n. (-s): gewürzhaftes Harz des Benzoebaumes. Bei Franck Weltb. 1534 S.219b Benzui, bei Lonicerus 1587 Benzoi, aus span. benjui m., franz. benjoin m., ital. helzuino, balgivi m., wohl aus arab. luhän dschäwl «javanischer Weikrauch». beobachten, v. : in Obacht nehmen ; streng einhalten; anhaltend wonach sehen. Im 17. Jh. (Harsdörfer Gespr. 1, 287). bequem, dichterisch auch noch bequeme (Goethe 2, 268), adj. und adv.: zukommend, passend, nach Wunsch sich fügend; ange- messen zum Gebrauch ohne Beschwerlichkeit; Beschwerlichkeit scheuend. Mit Abfall eines 205 beramen bereuen 206 e aus mhd. hequceme (obd. meist heJcceme, hekoeme), ahd. biquämi, dazu mnd. bequeme, ndl. hekivaam, vgl. ags. geaveme «passend». Zu bekommen (Prät. ahd. biquam, PI. biquämun) in devBed. «zukommen, passend sein». ABL. bequemen, v.: passend machen. Meist refl. sich bequemen, v.: sich leicht in etwas fügen. Frühnhd. (1482 im Voc. theut. d2^ bequemen, J bequem machen «aptare»). bequemlich, adj., mhd. bequcemelich und Bequenilichkeit, f., mhd. becj^ucemelicheit. berameu, s. anberaumen. berappen, v. : (studentisch) bezahlen, eig. Rappen (s. d.) geben. Aus der Gaunersprache. beraten, v. (Prät. beriet, Part, beraten): womit versehen; worüber zu Rate gehen, etwas mit jemand besprechen; an jemand Rat erteilen. Mhd. beraten «mit rät (Gerät, Von'at, Zuiüstung) versehen, ausmsten»; in rät (erwägende Besprechung) ziehen, über- legen, ahd. birätan, «mit etwas vollauf ver- sehen, ganz anfüllen». beräuchern, >.: woran Rauch gehen lassen; schmeicheln. Bei Luther bereucliern, während mhd. ohne das ableitende -ern. be- r Glichen . berauschen, v. : in einen Rausch ver- setzen. Refl. sich b., davon das Part. Prät. auch adjektivisch. Bei Krämer 1678. Berberis oder Berberitze, f. (PI. -n): der Saurach, Sauerdorn. Aus neugr. -lat. berberis f., das auf dem gleichbed. arab. ber- häris beruht. Im älteren Nhd. dafür Berber- staude, während sich die Form Berberitze nicht nachweisen läßt (doch vgl. mnd. beve- ritte bei Diefenbach - Wülcker S. 230). Unter den Entstellungen von Berberis im Munde des gemeinen Mannes führt Adelung auch Berivitzen auf. berden (Jes. 61, lO), v.: sich gebaren, sich benehmen. S. Gebärde. berechtigen, v. : das Recht wozu geben. , Bei Luther. Spätmhd. berehtegen neben dem I gewöhnlichen berehten ist «rechtlich anspre- 1 chen; vor Gericht entscheiden, richten». bereden, v.: wovon reden; etwas durch mündliche Besprechung festsetzen; jemand durch mündliche Rede zu einem Glauben bringen oder wozu vermögen. Mhd. bereden «worüber reden», dann in den angegebenen Bedeutungen, aber auch s. v. a. «beweisen, dartun, überführen». Beredsamkeit, f.: Fertigkeit in der Rede; Redekunst. Von älternhd. beredsam, das von bereden gebildet ist; früher auch (mit Anleh- nung an beredt) beredtsam und Beredtsamkeit geschrieben, was noch Adelung zuläßt. Um 1600 auftretend neben Beredtheit, das 1599 bei Albertinus Sendschreiben 2, 4* steht. beredt, adj. und adv.: fähig zu bereden (wozu durch Redefertigkeit zu bestimmen), redegewandt. Eig. das Part. Prät. von bereden, aber in der ältenihd. Form mit unterdräcktem e der Endung (auch oft mit kui'zem Vokal gesprochen). Mhd. beredet, bei Luther beredt (fiüher auch bered, wie er auch gesand für gesandt schreibt). Bereich, m. (-es, PI. -e)-. Umki-eis, Raum, so weit die Befugnis, die Macht reicht. Bei Campe 1807 noch nicht verzeichnet; nach Heynatz 1796 von ihm eingeführt und zuerst gebraucht, dann auch von Goethe. Von älter- nhd. bereichen «reichen bis an — , erreichen». bereichern, v.: reicher (mhd. riclm') machen. Erst um 1600 (Albertinus Ki-iegsleut Weckuhr 2, 187). Frtiher bereichen, mhd. berichen «reich machen». bereit, adj. und adv.: gertistet, gerichtet zur Tat: zu Diensten stehend. Mhd. bereite, bereit, ahd. bireiti. Urspr. wohl «weg-, reise- fertig», zu reiten gehörig (wie fei'tig zu fahren). Vgl. in andrer Zusammensetzung ags. gercede, (woraus engl, ready «bereit, feiiig»), mhd. gereite, anord. greidr «bereitstehend, bequem», got. garaids «bestimmt, angeordnet». ABL. bereiten, v. : wozu richten, anordnen, mhd. bereiten. Bereiter, m.: wer Pferde zureitet (bei Henisch 1616), Kunstreiter; beaufsichtigender reitender Beamte (in Land-, Forst-, Zoll- bereiter). bereits. Gen. des Adj. als Adv.: schon (vgl. mit gleicher Bedeutungsentwicklung ndl. reeds, alreeds zu reede, engl, already zu ready) ; (in obd. Umgangssprache) beinahe. Bei Luther und bis gegen Ende des 17. Jh. (z. B. bei Lohenstein Hyac. 77) dafür bereit (auf das mhd. Adv. bereite zuiückgehend) , was auch Stieler 1691 noch anführt; bereits erst bei Krämer 1678. Bereitschaft, f., mhd. bereitschaft «Ausrüstung, Gerätschaft, bares Geld» (in der jetzigen Bedeutung bei Krämer 1678). bereitwillig, adj. und adv. Bei Krämer 1678. bereuen, v.: Reue worüber empfinden. ^Ihd.beriuwen nur vmpersönlich (mich beriuwet eines dinges), was auch älternhd. vorkommt. Luther verwendet bere^ven auch als trans. V. 207 Berg Berserker 208 Berg, ra. (-es, PI. -e): bedeutende Erd- höhe. Mhd, herc (Gen. herges), ahd. berg, herag m. ; dazu asächs.-ndl. herg m., ags. heorh (Gen. beorges) m. «Grabhügel», anord. berg und bjarg n., schwed. berg, dän. bjerg n., got. *bairgs m. zu erschließen aus bairgahei f. «Berggegend». Berg vielleicht zu bergen (s. d.). Zunächst gehört es aber mit Burg, arm. berj «Höhe», kymr. bry «hoch», altir. bri, Akk. breg «Berg», zu aind. brJiant, awest. bardzan- «Höhe», so daß als Grundbed. «das Hohe, Erhabene» anzunehmen wäi'e. ZuBerge : aufwärts, stromaufwärts (schon mhd.^e berge). Dazu die Adv. bergab, bergan, bergauf (schon mhd.). ABL. bergig, adj.^ mhd. bergiht ZUS. Bergknappe, m., mhd. bercknappe m. Bergmann, m., 1482 im Voc, theut. y b^perckmann; dazu bergmänniscb, adj., 1590 bei Albinus Meißn. Bergchron. 80. Bergwerk, n., mhd. b&'cwerc. Bergamotte, f (PI. -n): eine Birnenart. Aus franz. bergamot, ital. bergamotta f. Aus türk. beg-armiidu «Fürstenbirne». Im 17. Jh, üblich (1652 bei Eist Parnaß 81 Bergamotten- birne). bergen (Imp. birg, Prät. barg, Part, ge- borgen), V.: wovor wahrnehmend in Sicher- heit halten; der Wahrnehmung entziehen. Mhd. bergeniYxäi.barc, Vl.burgen, Konj.bürge, Part, geborgen), ahd. bergan; dazu asächs. bergan, ags. beorgan, anord. bjarga, schwed. berga, dän. bjerge, got. bairgan «bewahren». Mit Ablaut gehört hierher ags. byrgan, engl. bury «begraben», asächs, burgisli, ags. byrgels n., engl, burials (PI.) «Begräbnis». Aus dem Slav. wird abg. bregq «bewahre, behüte» ver- glichen, das aber vielleicht entlehnt ist. Be>'g (s. d.) könnte verwandt sein, weim das Verbum von dem Nomen abgeleitet ist. Vgl. noch Meringer Idg. Forsch. 18, 262. Bergfried, m. (-es, PI. -e): Kampftm-m, der bewegliche hölzerne, wie der steinerne zur Verteidigung. Mhd. bercvrit, mit Ausfall des c bervrit m. «hölzerne Verschanzung auf einem Berge, Bollwerk, Turm», zusammenges. aus mhd. berc und vricle «Schutz». Aus dem deutschen Worte das mlat. ber-, belfredus, afranz. berfroi, beff roit «Wachtiurm-», ital. (mit Anlehnung an battere «schlagen») battifredo ra. bergig, Bergknappe, -mann, -werk, s. Berg. Bericht, m. (-es, PI. -e)-. (veraltet) be- lehrende Zurechtweisung; mündhche oder schi-iftüche Darlegung woiniber, namentHch eines üntem an seinen Obern. Mhd. beriht m. und f. (dies auch noch bei Luther) «Mit- teilung, Belehrung, Versöhnung». Von be- richten, V.: zurechtweisen, zui-echtweisend belehren ; Kunde wovon oder woiüber geben ; mündlich oder schriftlich darlegen. Mhd. be- rihten «recht machen, in gehörige Ordnung bringen, eimichten, bestellen, schlichten, unter- weisen, belehren». berichtigen, v.: richtig machen. Zuerst bei Adelung 1774 verzeichnet. Früher erscheint in gleicher Bed. berichteil (s. d.). Schon spät- mhd. berihtigunge f. «Vertrag, Vergleich». beritten, adj.-. zu Pferde sitzend; mit einem Pferde zum Reiten versehen. Mhd. beriten. Eig. Part. Prät. von bereiten, mhd. beriten « (das Reittier) aufsitzend in Bewegung setzen, (eine Fläche) reitend durchziehen». Berkän, m. (-es, PI. -e): Zeug aus Ziegen- haar und Wolle. Mhd. barkän m. s. Barchent. Berline, f. (PI. -n): bedeckter Reise- wagen, der zurückgeschlagen werden kann. o ■ CO Im 18. Jh. aus dem gleichbed., bereits 1712 vorkommenden franz. berline f, eig. «Berliner (zuerst von Berlin nach Paris und da in Gebrauch gekommener) Wagen». Berlocke auch Brelocke, f. (PI. -n): Uhrgehängsel. Im 18. Jh. aus franz. breloque, hennegauisch berloquei., «zierliche Kleinigkeit geringen Wertes, Anhängsel», das man aus lat. iis und anord. lökr m. etwas «Herab- hangendes» erklärt. Bernhard, Mannsname, mhd. Bernhart, ahd. Berinhart. Bernstein, m. (-s): gelbes brennbares Erdharz. Von ndd. bernen (mit Metathese, vgl. bersten) «brennen, schmelzen», also eig. Stein, der im Feuer schmilzt, vgl. börnen. Älternhd. Nebenformen sind Bornstein, Barn- stein (auch ndl. barnsteen m.). Schon im 13. Jh. erscheint mnd. bornsten, 1475 im Teuthonista bern-, barnstein, auch in hd. Glossaren des 15. Jh. schon bernstein (selten brenn-, brennenstein). Bornstein im 16. Jh., z. B. bei Mathesius Sar. 61*, Fischart Garg. 397, auch noch bei Henisch 1616 neben Barn- stein; 1598 bei Hutterus Dict. 792 Börnstein. Schottel S. 512 hat nur Bernstein. Im Ahd. heißt der Bernstein gismelzin., von schmelzen, im Mhd. agestein eig. Magnet, auch älternhd. oft Ägstein (s. d.). Vgl. auch Glas. Berserker, m. (-5, PI. wie Sg,): von Kampfeswut erfüllter Krieger (bei Goethe 29, 87 Berserkerwuth). EuÜehnt aus dem 209 bersten Besanmast 210 ffleichbed. anord. herserkr m., eig. «Bären- kleid» (her- «Bär», serkr «Kleid»), dann «Männer in Bärengewand, die von tierischer Wut befallen und mit unwiderstehlicher Ge- walt sich auf alles Lebende stürzen, um es zu vernichten». bersten (Imp. hirst, Prät. barst, Part. geborsten), v.: auseinanderbrechen. Mit Um- stellung des r (entsprechend dem Md. Ndd.) aus mhd. bresten (Prät. brast, PI. hrästen, md, auch brüsten, Part, gebrosten), ahd. hrestan, unpers. anch «mangeln, gebrechen» (s. Ge- bresten): dazu asächs. hrestan, anord. bresta und mit gleicher Umstellung wie im Xhd. ndl. barsten, afries. bersta, ags. berstan, engl. burst. Gehört zu brechen oder zu air. hrissim «breche», gr. trepOuj «zerstöre». S. Walde unter frustum. Das Wort ist von Luther aus dem Md. eingeführt und dem Obd. urspr. fremd (bei Dasypodius, Maaler und selbst Dentzler nicht angeführt). Das Prät. lautet ältemhd. auch borst (Schottel S. 581 erborst, auch noch Brockes 1, 151, Bürger 203), davon noch jetzt der Konj. börste. Imp. birst, Präs. birstet, birst auch schwach gebildet: berste, berstest, berstet. -bert, an Mannsnamen wie Ädelbert, Albert (s. Adel), Hubert usw., bed. s. v. a. «glänzend, leuchtend». Aus mhd. herht, ahd. beraJit «glänzend, leuchtend»; dazu asächs. berht, ags. beorht, engl, bright, anord. bjartr, got. bairhts «offenbar». Weiter vergleicht man lit. birsti «wird weiß», s. Wiedemann Idg. Forsch. 1,512, gr. cpopKÖv XeuKÖv, iroXiöv, ^ucöv Hes., Grienberger Wiener SB. 142, 43. Vgl. auch -brecht. Davon der Frauenname Berta, mhd. Berhte, ahd. Berahta, Berhta. Zusammenges. mit bert ist auch der Mannsname Bertold, mhd. Berhtolt, ahd, Berahtolt, in dem -olt auf -walt zurückgeht. Bertram, m. oder n. [-es, PI. -e): die Geifensurz, lat.-gr. pyrethrum. Frühnhd. auch noch berchtram, brechtram, mhd.ahd.herhtram an den deutschen Mannsnamen Berhtram, Bertram d. i. «glänzender Rabe, Glanzrabe» angelehnt und so mit deutschem Klang aus dem gr.-lat. Namen der Pflanze pyrethrum, gr. TTÜpeepov n., abgeleitet voniröpn. «Feuer» und nach dem scharfen brennenden Geschmack der Wurzel benannt. Der Name Geifer- oder Speichebcurz , weü die Wurzel gekaut den Speichel stark zusammenzieht. berüchtigt, adj.: worüber übles Gerede (Gerücht) umläuft. Eig. das Part. Prät. von Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. beriichtigen «in übles Gerede bringen», das aus dem Ndd. stammt (mnd. heruchtigen, berochtigen neben der einfacheren Bildung beruchfen), aber im 15. Jh. auch in md. Quellen zu finden ist (1469 heruchtigen im mittelrhem. Voc. ex quo «infamare», 1501 im j Leipziger Voc. optimus, vgl. auch Diefenbach- 1 Wülcker 195). Über rüchtigen s. ruchbar und Gerücht. berücken, v.: Hstig täuschend fangen, eig. das Netz über die gefangenen Vögel rücken (Pred. 9, 12); unvermutet überfallen und zu Schaden bringen, betören. Durch Luther eingeführt. berücksichtigen, v.: Rücksicht worauf nehmen. Zuerst von Campe 1807 als Wort der Umgangssprache angeführt. Beruf, m. {-es, PL -e): (veraltet; Ruf, spätmhd. feer?«?/ «Leumund»; Stellung, in die man eingewiesen ist, Bestimmung, Amt fbei Luther); innerer Antrieb. Von berufen, v.: herbei, zusammenrufen, zu etwas rufen, mhd. beruofen, ahd. hihruofen; zur Rede setzen, tadeln (nxhd. beruofen mit Gen. oder von, umbe): etwas unzeitig und zumUnheü nennen (frühnhd., wie beschreien, eig. nur laut von , etwas reden, vgl. mhd. beruofen «laut aus- i rufen»). ReÜ. sichber-ufen (mit auf): jemand anrufen, an jemand appellieren, jemand oder etwas zm* Bekräftigung einer Behauptung heranziehen (mhd, sich beruofen mit an, in, auch inti*. beruofen). Davon das Part. Prät. ; berufen auch s.v.a, «berühmt» (bei Luther); ' bemchtigt, verrufen (bei Fleming 586). berühmt, adj.: mhmlich bekannt. Bei Luther. Eig. Part. Prät. von herühmen, mhd. berüemen «rühmen» (später nur s-ich herühmen mit Gen.). Beryll, m. {-es, PI. -e): ein meergrüner Edelstein. Mhd. herille fGen. berillen), harille aus dem gleichheä.gv.-lAt.heryllus, gr. ßnpuXXoc m.f., das ausprakYit.velurijam.veru^ijam. aind. vaidürja stammt. S. auch Brille. besabbern, s. sabbern. besage, präp. mit Gen.: nach Wortlaut. Im Kanzleistil, schon frühnhd., gekürzt aus spätmhd.nacÄ besage, woraus sich ein spätmhd. besage f. «Wortlaut, ausdrücklicher Lihalt» ergibt, abgeleitet von besagen, ahd. hisagen «aussagen». , Besanmast, m.: Hintermast, Besänsegel, In.: Hintermastsegel. Jenes das ndl. hezaans- mast f., zusammenges. mit ndl. hezaan f. «nächster Mast am Hinterteil des Schiffes». 14 211 Besatz Bescheid 212 Das Wort ist wohl schon im 16. Jb, ein- gedrungen, da Fischart im Garg. 117 hesanet Schiff «mit der Besan ausgestattetes» bat: Ludwig 1716 verzeichnet znerst Besaant Da- neben erscheint eine Form mit anlautendem m (im 16. Jh. bei Chytraeus Moysahn, bei Fleming 584 Meysan «Besansegel»), die dem ital, mezzana, franz. mizaine, engl, mizzen entspricht und als urspiünglicher anzusehen ist; zugrunde liegt lat. mediana «die in der Mitte befindliche». Besatz, m. {-es, PI. Besätze): das womit etwas eingefaßt (besetzt) wird. Junge, bei Adelung 1793 noch nicht verzeichnete Bil- dung von besetzen (wie Verlag von verlegen, Versand von versenden). Besatzung, f. (PI. -en)-. die in einem Orte liegende Mannschaft. Zu besetzen, mhd. besetzen «mit der nötigen Mannschaft ver- sehen, bevölkern», wie Bestallung znbestellen. Spätmhd. besatzunge (neben besetzunge) f. ist «Befestigung»; Besatzung in der jetzigen Bed. erscheint bei Fronsperger Kriegsb. 1, 115, wäh- rend Luther dafür Besetzung hat (l.Makk.4,2). besaufeu, v.: (veraltet) völlig trunken machen. Mhd. besüfen (Prät. besouf, Part. besoffen) «versinken, ertrinken», vermischt mit dem Faktitivum besoufen (Prät. besoufte), ahd. bisoufen «ertrinken machen, ertränken, eintauchen». Jetzt nur refl. sich b. (zuerst bei Krämer 1678). beschaffeil, adj.: nach den Merkmalen erscheinend. Mhd. beschaffen, Part. Prät. von beschaffen «erschaffen», ist «vorhanden, be- findlich, existierend, durch das Schicksal be- stimmt», während geschaffen, Part. Prät. des einfachen schaffen, auch die Bed. von «ge- staltet, gebildet» hat, die bei beschaffen im 17. Jh. hervortritt. ABL. Beschaffenheit, f.: bestimmte Art des Erscheinens nach den Merkmalen. Bei Henisch 1616. Mhd. be- schaffenheit ist «Schöpfung». beschäftigen, v.: tätig (geschäftig) ma- chen. Gebildet von einem unbelegten, aber nach ndd. besehe ftich «geschäftig» vorauszu- setzenden md. Adj. bescheftic (belegt ist nur in md. Quellen scheftic «geschäftig, tätig» und gescheftic). Bei Krämer 1678. In mhd. Zeit erscheint dafür md. besehe ften. beschälen, v.: dieStute befruchten. ABL. Beschäler, m. : Zuchthengst. U^lbescheler im Voc. theut. d 3 ^^ neben scheler cc 4% wofür mhd. einfacher sehet, ahd. scelo m. «Schell- hengst» (s. d.). beschaulich, adj. : auf innere Betrachtung gerichtet. Spätmhd. beschouivelich (in der deutschen Theologia), von beschourven, das bei den Mystikern (nach lat. contempläri') von der inneren seelischen Betrachtung ge- sagt wurde. Bescheid, m. (-es, PI. -e): genaue unter- scheidende Kenntnis; genaue Auskunft wor- über; schlichtende Erkenntnis in einer Rechts- sache; zukommende Erwiderang (auch beim Trinken, vgl. bescheyd thun bei Dasypodius 1587, Alberus Fab. 8, 60). Mhd. bescheit m. n. und bescheide f. Von bescheiden, v. : (ehe- dem völlig scheiden, dann) gehörig ausein- andersetzen; worüber genauen Bericht geben, bestimmt benachrichtigen ; ein die Rechtssache schlichtendes Erkenntnis erteilen; vorladen; zuteilen. Refl. sich bescheiden «zui* klaren Erkenntnis wovon kommen, in einsichtsvoller Weise sich in seinen Wünschen und An- sprüchen beschränken». Mhd.bescheiden «völlig scheiden, entscheiden, schHchten, einrichten, bestimmen, benachrichtigen, zuteilen». Davon das alte Part. Prät. bescheiden als Adj. (aber sonst beschieden s. scheiden): 1) (ver- altet) Bescheid wissend, erkenntnis-, einsichts- voll (Schiller Teil 1, 4. 5, 1), mhd. bescheiden; 2) zum Refl. (ebenfalls veraltet) zurückhaltend, maßhaltend, züchtig (so zuweilen schon mhd., z. B. Wigalois 155, 1, dann in friihnhd. Glos- saren, z.B. 1482 im Voc. theut. d4^ bescheydener «tranquillus», in andern Glossaren «modestus», bei Maaler 1561 «züchtig»); mäßig in Wunsch und Anspruch (im 17. Jh.). ABL. Be- scheidenheit, f. : Mäßigkeit in Wunsch und Anspruch. Mhd. bescheidenheit ist dagegen «richtige (alles wohl auseinanderlegende und haltende) Einsicht und Beurteilung, Verstän- digkeit» (so noch Luther, doch schon 1501 im Voc. opt. R 2^ «meßigkeit, modestia», bei Maaler 1561 «moderatio, verecuudia»). be- SCheidentlich, adj.undadv.: der Mäßigkeit in Wunsch und Anspruch gemäß. Mit ein- getretenem t aus mhd. bescheidenlich «ver- ständig, den Umständen angemessen, ge- bührlich, deutlich». -^?7?): Böttcherschlegel zum Antreiben der Reife. Bei Adelung 1774. Zusammenges. aus Beute f. «Ständer, hölzernes zuberartiges Gefäß» (s. ^Beute) und ohä. Heie f. «Ramme, hölzerner Hammer», mhd. heie, ahd. heia f. «Sturmbock». BeTÖlkerung, f. (Pl-en): die Besetzung eines Landes mit einer Volksmenge; die Volksmenge selbst. Bei Adelung 1774, der die 2. Bed. aber nur einigen Neuern zu- schreibt. Von bevölkern, v.: mit Volk besetzen. Bei Stieler 1691 neben dem altern bevolken, gebildet von dem PI. von Volk. bevor, adv.: vordem, vormals, zuvor; nahe zukommend; voraus. Dann im 17. Jh. auch als Konj. verwandt («ehe»), wobei eig. als hinter bevor zu ergänzen ist. Mhd. bevor, ahd. bifora, adv. u. präp.: angesichts, früher, in Zukunft. Zusammengerücktes bi «bei» (zu bi-, be- geschwächt) und fora «vor». Vgl. asächs. biforan, ndl. bevoren, ags. beforan, engl. before. bewahren, v.: worauf mit Sorge sehen, daß es erhalten oder behalten werde. Mhd. bewarn, ahd. biwarön. S. wahren. Der Konj. bewahre auch als Ausruf «nicht doch, keineswegs», eig. Gott bewahre mich. bewähren, v.: als wahr, wirklich, gut be-, erweisen. Refl. sich b. Mhd. bewceren, ahd. biwären, biwärran (aus biwärian) «wahr machen, als wahr, wirklich zeigen, beweisen». Das Part. Prät. bewährt als Adj. gesetzt in der Bed. «durch Erfahrung tüchtig ge- funden» (schon mhd. bewceret). bewahrheiten, v.: als wahr erweisen. Im 18. Jh. (bei Lavater, Goethe), wohl nach ndl. bewaarheden. 1793 von Adelung als «albernes Wort einiger Neulinge für beweisen» ab- gelehnt. bewältigen, v. : sich einer Sache mächtig {geioaltig) zeigen, überwältigen. Im 15. Jh. beweltigen und (ohne Umlaut) bewältigen, mhd. dafür geivaltigen, geweitigen «in seine Gewalt bringen». bewandert, das Part. Prät. von bewan- dern als Adj. gebraucht: aus eigner Anschau- ung bekannt womit, eig. s. v. a. vielgereist. Frühnhd. (Froschmeus. unbewandert, 1631 bei Zincgref 2, 41 bewandert, dafüi- bei Maaler 1561 bewandelt). bewandt, als Adj. erscheinendes Part. Prät. von bewenden (s. d.): endlich beschauen, eig. zu Ende gebracht oder gekommen. Mhd. be- want «beschafleu», namentlich mit Adv. tvol, bag, iibele bewant. ABL. Bewandtnis, f., im 17. Jh. (Harsdörfer Gesprechsp. 1, 283 Betvantniß). ■^bewegen (Prät. bewog, Part, bewogen), v.: am-egend den Willen bestimmen, zum Ent- schlüsse bestimmen. Mhd. beivegen (Prät. be- wac, Pai-t. bewegen), fast immer refl. sich b.: «sich wozu wiegen» d.i. «auf die Glückswage legen und somit wozu hinneigen, sich aufs Geradewohl wozu entschließen, seinen Willen bestimmen», dann auch mit Gen. s. v. a. «sich seitwärts bewegen, abwenden, sich eutschlagen», ahd. biwegan «aus dem Zustand der Ruhe 229 bewegen bezeugen 230 bringen, wägend prüfen». Das nhd. stark flek- tierte hewegen hat sich wohl nicht aus mhd. sich h. entwickelt, sondern vielmehr aus dem schwachen hewegen (s. d. folg.) abgezweigt, unter Einfluß des nnnd. hewegen, das stark und schwach flektiert. Luther hat ein starkes hewegen «abwägen und zu einem Entschlüsse bringen», doch flektiert in dieser Bed. das V. auch schwach, wie öfter im altern Nhd. (noch bei Schiller 11, 282); umgekehrt kommen von hewegen «in Bewegung versetzen» älternhd. auch starke Formen vor. Im Präs. ist die starke Flexion überhaupt nicht durchgedrungen (nur im 16. Jh. Formen wie heioiegst, heiviegt, he- wieg, auch bei Luther). Das Prät. lautet schon älternhd. hewog, das Part, hewogen, s. wägen. "bewegen (Prät. bewegte, Part, bewegt), v.: aus dem Zustand der Ruhe bringen (daher refl. sich b. «außer dem Zustande der Ruhe, in einer Veränderung -im Räume sein»); in eine Stimmung versetzen, bei der das Gefühl ergriffen ist (daher das Part. Prät. bewegt «ergriffenen Gefühls»). Mhd. bewegen «wozu aus der Ruhe bringen, antreiben», eig. be- wegen machen, also das Faktitiv des vorher- gehenden stark flektierenden b.; Refl. sich b. «sich auf den Weg machen». ABL. h^W^g- ]ich,3idj.n.ai.dY.,mhd.bewegelich. Bewegung, f , mhd. bewegunge. ZUS. Beweggrund, m. Nach Gombert 7, 13 im Anfang des 18. Jh. auftretend (dafür im 17. Jh. Bewegung^grund, z. B. 1663 bei Gryphius Trauersp. 386). bewehren, v.: mit Wehr d. h. Waflen zu Schutz und Tx'utz versehen. Bei Henisch 1616. Von Wehr (s. d.) gebildet, nicht das mhd. bewern, ahd. biwerian, biwerran, «wovon be- wahrend abhalten, verteidigen, verwehren», das mit wehren zusammengesetzt ist. Beweis, m. (Gen. Beiveises, PI. Beweise) : ausreichende Begründung und was dazu dient. Frühnhd. Von beweisen (Prät. bewies, Part. bewiesen), v.: belehrend, begründend dartun, tätlich zeigen, Mhd. bewisen (urspr. m. Gen.) «zurechtweisen, wessen kundig machen, be- lehren, dartun, bestimmt zeigen, aufweisen» usw. Die Flexion ist urspr. schwach, wie noch bei Luther u. a., doch schon im 15. Jh. obd. auch stark; Schottel setzt die starken Formen an. bewenden, v., nur noch im Inf. gebräuch- hch in der Bed. «verbleiben» und «beruhen». Mhd. bewenden, ahd. biwenten «völUg weg-, äih-, zum Ende wenden, zu Ende biingen und kommen, um-, anwenden, verwandeln, ge- stalten». Vcjl. bewandt. bewerkstelligen, v.: werkstellig d. h. ausführbar machen, zur Ausführung bringen. Im 17. Jh. (1677 bei Butschky Pathmos 611). Beruht auf einem mhd. ze werke stellen «zur Ausführung bereiten». bewilligen, v.: l) intians. sich willig erklären, einwilligen. Im 15. Jh. und oft bei Luther. 2) ti-ans. sich wozu willig erklären, namentlich zur Erfüllung einer Bitte. Bei Maaler 1561. bewillkommen, V.: willkommen heißen, als willkommen begriißen. Bei Krämer 1678. Gebildet von mhd. willekome (neben wille- komen), ahd. luillikomo, s. willkommen. Da- für jetzt gewöhnlich (von tvillkommen aus gebildet) bewillkommnen, das Campe 1807 noch nicht verzeichnet und Schiller, Goethe nicht gebrauchen. bewirken, s. wirken, bewogen, s. bewegen. bewußt, adj.: wissend, geistig gegenwär- tig. Das als Adj. gebrauchte Part. Prät. von ahd. biiüi^^an «geistig inne haben», 1562 bei Mathesius Sar. 201*^ sich hewissen «Bescheid wissen». Mhd. beivist, bewest kommt wie das V. bewi^^en nicht vor: Luther hat bewust, S.Franck (Weltb. Vorr. a 2^ u.ö.) u. A. hewist. ZUS. bewußtlos, adj., zusammenges. mit dem substantivischen Betoußf m., älternhd. und noch bei Adelung 1793 angeführt. Be- wußtsein, n., 1720 bei Chr. AVolff Metaphys. bezähmen. nach Willen oder Gefallen tun. Vex'schieden von bezähmen «willfährig, lenksam machen». Bei Luther (der bezemen schreibt), z. B. 2. Sam. 16, 11 in bezähmen lassen. Schon im 12. Jh. in md. Quelle einen bezemen lä^en, ndd. hetemen laten «einen tun lassen was ihm ansteht, wie ihm gefällt». Zusammenges. mit mhd. zemen (s. ziemen). bezecht, das als Adj. gesetzte Part. Prät. von bezechen: durch vieles Zechen trunken geworden. Fiühnhd. (Wickram von guten Nachb., Hans Sachs Fab. 256, 15). bezeichnen, v.: das Zeichen wofür sein, sich als sinnliches Zeichen worauf beziehen; vorstellig machen: durch ein Zeichen merk- bar machen. Mhd. hezeichenen «mit einem Zeichen ausdiücken, bildlich vorstellen», ahd. bizeihhenen und hizeihhinön, wofür häufiger das einfache zeihhenen, abgeleitet von zeihhan n. bezeigen, v.: zu erkennen geben. Mhd. bezeigen «anzeigen, bezeichnen, kund tun». bezeugen, v.: durch Zeugnis bewähren. Mhd. beziugen «mit Zeug d. i. Waflen und 15* 231 beziehten Bilberwnrz 232 Wehr versehen, ausrüsten», dann «durch Zeug- nis erweisen», (mit Gen. der Sache) «durch Zeugnis überfühi-en». beziehten, v.: wie hezichtigen (s. d. folg.). Bei Goethe Reineke 9, 112 dafür (mit An- lehnung an Zucht) hezücliten. Abgeleitet von älternbd. Bezieht, mhd. hiziht f. «Beschuldi- gung», ahd. &m7i^f. «Kennzeichen der Schuld, Verdachtszeichen», zu hezeihen, mhd. hezihen, ahd. bizihan «als der Tat verdächtig und schul- dig bezeichnen». — bezichtigen, V.: (mitAkk. der Person und Gen. der Sache) als der Ur- heberschaft, der Vollbringung von Straffälligem verdächtig in Gedanken haben oder bezeichnen. Finihnhd., wohl zunächst in der Kanzleisprache (auch bei Luther), friih auch schon in der Schreibung hezüchtigen (1524 bei Emser Anm. z. K Test. 0 1 *), wie bei Schiller Karlos 3, 10. Wohl auf ein ahd. Adj. hizihtic «beschuldigt» zurückzuführen, wie ahd. ginziliticjön mit vor- getretenem gl- auf ahd. inzihttc, mhd. inzihtec, von ahd. inziht (s. Inzicht), zurückgeht. beziehen (Prät. bezog, Part, bezogen), v.: zum Darübersein ziehen auf — , zum Bedecken ziehen über — , mhd. beziehen, ahd. biziohan; zum Dasein sich bewegen auf —^ oder in — (mhd.-ahd. kommen zu — , eiTeichen, got. bitiuhan «umherziehen in — , umherführen»); als regelmäßig sich wiederholende Einnahme empfangen (mhd. an sich nehmen, einziehen); woher durch Zusendung kommen lassen; wo- rauf hin in gewisse Verbindung denken (im 18. Jh.); überlisten, fangen, eig. mit Netzen überziehen (1690 bei Happel, noch 1770 bei Lessing 12, 248). Refl. sich beziehen: (auf, älter an einen) wofür beweisend usw. anführen (seit dem 17. Jh., urspr. an einen Richter appelüeren, dafür älternhd. sich ziehen auf einen, bei S. Franck Weltb. Vorr. a4^, mhd. an einen etw. ziehen) ; auf etwas hin in gewisser Verbindung oder in gewissem Zusammenhange stehen. Von dem Part. Präs. beziehend ist be- ziehentlich (erst im 19. Jh.) als Übersetzung von «respective» gebildet. J.BJ>. Beziehung, f., bei Krämer 1678. Davon das Adv. be- ziehungsweise (von Gombert 1, 14 aus d. J. 1755 belegt. Stieler 1691 bat dafür bezieh- licher Weise). Bezirk, m. {-es, PI. -e): das von einer Kreis- linie Umschlossene, Gebietsumfang. Spätmhd. bezirk m., zusammenges. mit mhd. zirc m., ahd. cirh in umbincirh, umbizirg m. «Kreis», dann «Kreisgebiet, Uniftmg», entlehnt aus lat. circus m. «Kreis»; die Bildung geht zunächst von dem Verbum spätmhd. bezirken «im Umfang bestimmen» aus. bezüchten, bezüchtigen, s. beziehten, bezichtigen. Bezug, m. (-es, PI. Bezüge): Auf- und Darüberhinziehen ; Ziehen zum Darauf- oder Darübersein (im Mhd. findet sich bezoc m. «Unterfatter»); das Stehen des Einen zum Andern in gewisser Verbindung und gewissem Zusammenhange. Ei'st bei Adelung 1774. ABL. bezüglich, adj. Von Campe 1807 als neues Wort verzeichnet. bezwecken, v.: zum Zweck haben. Von Adelung 1793 als schlechte Bildung einiger Neuerer bezeichnet, auch von Heynatz 1796 getadelt mit dem Bemerken, daß das obd. Wort auch von vielen Niederdeutschen an- genommen werde; von Campe 1807 nicht mehr beanstandet. Bibel, f. (PI. -7i) : die heilige Schrift alten und neuen Testamentes. Mhd. bibel, ursprüng- licher biblie f., aus dem gleichbed. kirchhch- lat. biblia f., das urspr. gr.-lat. PI. von gr. ßißXiov n. «Buch» (aus Blättern vom Bast der Papyrusstaude) eig. «Büchlein». S. auch Fibel. ABL. biblisch, adj., frühnhd. (1531 bei Hedio Josephus Voxt. 4 ^.) Biber, m. (-s, PI. wie Sg.) : das am Wasser lebende Bautier, gr.-lat. castor; (schon im 16. Jh. auch) biberfellartiges Wollenzeug. Mhd. biber, ahd. bibar, bibur m.; dazu ndl. bever, ags. beofor, engl, beaver, anord. björr, schwed. bäfver, dän. bäver m. Urverwandt mit lat. fiber, gall. in Bibrax, kom. befer, bret. bieuzr «Biber», lit. bebrus, abg. bebrü m., aw. baicra- «Biber»; nach aind.&a&/fn?s «braun», alsM. eine Ichneumon art bezeichnend, ist die Grundbed. «braunes Tier» gewesen, s. braun, auch Bär. Bibergeil, n. {-es): starkriechende ölige Masse, die der Biber in zwei zusammenhängen- den Beuteln unter dem Schwänze hat. Mhd. bibergeil n., zusammenges. mit geil n. (neben geile f.) «Hode», weil jene Beutel als die Hoden des Bibers angesehen wurden, von denen man glaubte, daß er sie bei Verfolgung abbeiße, um zu entkommen. S. auch Biebertvurz. Biberklee, -kraut, s. Bieber. Biberneil, Bibernelle, f. (PI -n): die Pflanze pimpinella L. Schon mhd, bibernelle, mit Anlehnung an Biber deutsch geformt aus mhd. bibinelle, ahd. bibinella f., die aus dem unverständlichen mlat. Namen jener. Pflanze pipi-, pipenella f. Biberwurz, s. Bieber. 233 Bibliothek biegen 234 Bibliothek, f. (Pl.-e«): Büchersammlung, Bücherei. Aus gr.-lsit.hibliotheca, gr. ßiß\io6riKri f. «Bücherbeliälter, -saal, -Sammlung» (ßißXiov n. «Buch», BriKTi f. «Behälter»). Um 1500 auf- genommen (ibZl bei Hedio Josephus Voit. 4^ Bibliothec). ABL. Bibliothekar, m, (s, PL -e): Aufseher einer Bibliothek. Aus lat. hihliothecärms. Im 18. Jh. noch oft in dieser lat. Form. Bickbeere, f. (PI. -n) : Heidelbeere. Mund- artlich in Norddeutschi. Schon mnd. Inckhe^-e, auch 1599 bei Kilian. Unbekaimter Herkunft. 'Biekel, Pickel, m. {-s, PI. wie Sg.), auch Bicke, Picke, f. (PI. -n): Spitzhacke mit langem Stiel. Mhd. bickel «Spitzhacke» neben dem gleichbed. bicke m. ; dazu ags. becca m. «Spitzhacke». Von mhd. hicken, auch hecken «stechen, hacken, hauen», ahd. bicclian «angreifen, wonach stechen». Die Schreibung PzcÄ-e/, Picke steht unter Einfluß von picken (s. d.), zu dem aber die Subst. nicht unmittelbar gehören. Diese schließen sich viel- mehr zunächst an gall.-lat. heccus, it. becco, fi'anz. bec m. «Schnabel», it. beccare, franz. becquer «mit dem Schnabel hacken», franz. beche f. «Grabscheit», beclier «graben» u. a. -Bickel, m. (-5, PI. -vvie Sg.): Schusser, Schnellkügelchen. Mundartlich, z. B. in Hessen. Mhd. bickel «Wüi^fel» in Zusammensetzungen wie bickelspil n. «Würfelspiel», bickelsfein «Würfel, Fangstein von Knochen beim Spiel». Das nhd. Bickel also urspr. «Schnellküchelchen aus Knochen gedreht»; auch ndd. bickel m. «beinerne Spielkugel der Kinder», mnd. bickel «Knöchel», ndl. bikkel. Die Bed. «Knochen» auch in den Zusammensetzungen bickelfest, adj.: knochen-, beinfest, bickelhart, adj.: knochen-, beinhart (bei Frisch 1741). Ob Zu- sammenhang mit ^Bickel besteht, ist zweifel- haft, dies müßte dann eig. ein aus Knochen hergesteUtes spitzes Instrument bezeichnet haben und die Benennung dann auch auf andre aus Knochen hergestellte Dinge über- gegangen sein. Bickelhaube, s. Pickelhaube. ' biderb, s. bieder. bidmen, v. : beben. Veraltet, aber von Goethe 2, 155 wieder gebraucht, nachdem Wieland 18, 18 erbidmen verwendet hatte. Mhd. bidemen, gewöhnlich auf ein mhd. hi- benen, ahd. bibinon zurückgeführt, einer Ableitung von beben (s. d.), was aber Be- denken unterliegt. Eher geht es auf das Subst. bideni zurück, das eine Ableitung von der Wurzel bi «beben» sein könnte (schwäb. steht biseni neben bidem). Bieber, n.: Fieber, nur in Bieberklee m. «Bitterklee», Bieberkraut n. «Tausend- güldenkraut», Bieberwurz f «Aron», Auch Fieberklee, Fieberkraut, Fiebericurz crenannt (1482 byferkraut «centhauria» im Voc. theut. d 8^). Mhd, steht biever n. neben vieber (s. Fieber). Die Pflanzen dienten als Heilmittel gegen das Wechselfieber und sind davon be- nannt, also nicht von dem Tier Biber. Da- gegen heißt die Osterluzei nach dem stai-ken widrigen Geruch Biberwurz, ahd. bihiricurz, lat. castoreuni, castorium (im 12. 13. Jh. auch bibergeile). bieder, adj. u. adv.: wahr und zuverlässig in Wort und Tat; edeldenkend und treuherzig. Aus mhd. biderbe und biderbe, ahd. biderbi, bidarbi und biderbi, von Sachen s. v. a. «nütze», von Personen s. v. a. «wozu geschickt, tüch- tig, treflPlich, edeldenkend», zusammenges. aus dem betonten und daher ungeschwächt ge- bliebenen bi- und -darbi, das zu ahd. durfan «woran Not, Bedürfnis haben, nötig haben» ge- hört, also eig. «einem Bedüi-fnis entsprechend, ein Bedürfnis erfüllend». Die verkürzte Form bider schon spätmhd., dann bei Luther bidder (in bidderinann, bidderleute), in der spätem Zeit selten. Erst nachdem 1759 Lessing 5, 309 in Anknüpfung an Logau das Schwinden des Wortes bedauert hatte, wii-d es wieder auf- genommen, 1767 von Bürger 25, dann nament- lich von Dichtem des Hainbundes (auch in Zusammensetzungen wie Biederstamm Joh. Fr. Hahn im Gott. Musenalm. 1773 S. 177, Biederzeit Fr. L. Stolberg Ged. S. 192, Bieder- seele, Biederton Büi'ger usw.), von Lessing selbst in der Em. Gal. 1, 4. Auch die auf mhd. biderbe beruhende Fonn biderb wird wieder vei-wendet. Während 1775 Heynatz meinte, bieder sei kaum wieder einzuführen konstatierte 1781 Kindleben, daß es wieder anfange Mode zu werden, ABL. Bieder keit, f. Nicht die Fortsetzung des mhd biderbekeit, ahd. biderbecheit, sondern ein neu gebildetes Wort, das 1796 Heynatz aus Mode schriftsteUem neben Biederheit kennt. ZUS^ Biedermaun, m. {-es, PI. Biedermänner) mhd. bider man aus biderbman, auch in der spätem Zeit üblich geblieben. biegen (Prät. bog, Part, gebogen), v. : von der geraden Linie abweichen oder abweichen machen; in seiner Wortform ändern zur Be- zeichnung gewisser Verhältnisse (flektieren). 235 Biene bieten 236 ReÜ. sich h. : von der geraden Linie abweichen. Mhd. biegen, ahd. hiogan; dazu ndl. huigen, ags. hügan, engl, low, got, Uugan. Urver- wandt sind, aber mit g an Stelle des zu er- \ wartenden k (s. Bühel), aind. hhuj {j für g) «biegen», femer gr. (peüreiv, lat. fugere «fliehen», «eig. den Rücken wenden, aus- biegen», (auch ags. Tmgon «sie flohen»), lit. hügti «erschrecken», haugüs «furchtsam». Im Präs. älternhd. Ind. Sg. 2. 3. beugst, beugt, Imp. Sg. beug, die auch Grottsched Sprachk. 344 (bis auf Imp. bieg) noch verlangt, doch treten schon früher die Formen mit ie öfters auf, die in der Mitte des 18. Jh. völlig durch- dringen. ABL. Biege, f.: Krümmung, bei Stieler 1691. l)iegsam, adj. u. adv., bei Stie- ler 1691. Biegung, f., bei Dasypodius 1537. S. auch beugen. Biene, f. (PI. -w) : Das Honig und Wachs bereitende Insekt. Bei Luther Biene, Gen. Bienen, sonst ältemhd. auch Bien. Mhd. bin, bine f., ahd. aber bini n. Daneben ohne das ableitende n (aus der schwachen Dekl. heiüber- genommen?) mhd. bie (noch jetzt alem. bi), ahd. Ua f.; dazu ndl. bij, ags. beo f., engl. bee, anord. by (in by-fluga), schwed.-dän. bi n. Endhch auch mhd. bin mit langem i (bayr. bein neben beij). Mhd. bie n. ist «Bienen- schwarm», dafüi* jetzt schwäb.-hess. der Bien. Verwandt mit preuß. bitte, lit. bitis f. «Biene», lat. ßcus m. aus '^bhoikos «Brutbiene, Drohne», ir. bech «Biene». Vgl. Walde s. v. ZUS. Bienenbrot, u.: von den Bienen bereitete Nahrung außer dem Honig. I^Ihd. biebröt n., auch andd. bibrot, ags. beobread n., engl, bee- bread. Bienenkönigin, f.: Weisel, dafür spätmhd. bynenkunig. Bienenkorb, m., mhd. binkorp, auch binenkorp m. Bienenschwarm, m,, spätmhd. &mest^'arwtm. Bienenstock, m., urspr. hohler Holzklotz zur Aufnahme eines Bienenschwarms, dann bevölkerter Bienenkorb, mhd. binestoc m. Bienen vater, m. : Bienen- pfleger, bei Frisch 1741. Biensaug, m. n. (-es, PI. -e) : die Pflanze stachys (Roßpolei). Mhd. binsüge, ahd, bini- süga f. d. h. Pflanze, an deren Blüte die Biene gern saugt, ist zunächst Benennung des Thy- mians, der als Lieblingspflanze der Bienen auch Inmienkraut heißt. Bier, n. (-es, PI. -e): aus Getreide und Hopfen gebrautes Getränk. Mhd. bier, ahd. bior n.; dazu andd. bior, ndl. bier n., ags. beor m., engl, beer; anord. entlehnt björr m., während das einheimische Wort öl n. (aus *alu, engl, ale zu ht. aliis m. «Bier») ist. Die Etymologie ist sehr umstritten. Vielfach wird das Wort zu andd. beo, ags. bSow, anord. bygg n. «Gerste» gestellt, also eig. «Gerstensaft». Andre sehen eine Ableitung von brauen da- rin (ahd. bior aus *brior) ; nach E, Kuhn K. Zschr. 85, 313 ist es aus dem slav. pivo n. entlehnt, vgl. dazu 0. Schrader Idg Forsch. 1 7, 32. Nach Wackernagel geht es auf ein roman, bevere, lat. bibere «Trinken, Getränk» zurück. AUes nicht überzeugend. ZUS. Bierbank, f., spätmhd. bierbanc f. Bierbrauer, m., spät- mhd. bierbriuwer , gewöhnlich bierbriuwe, m, (s. Bräu). Bierhaus, m., mhd. bierhüs. Biese, s. Bise. biesen, v.: (vom Rindvieh) mit aufge- recktem Schwanz wie toU hin- und herrennen, vornehmlich bei großer Sommerhitze, wenn es von Bremsen {Bieswürmern) geplagt und verfolgt wird. In obd. Mundai-ten (schweiz. : mit i, entsprechend henneberg. beiern mit j r aus s), auch ndd. (schon mnd.) bissen, .dän. I bisse. Mhd. bisen, ahd. bisön, bisen «in : Brunst hin- imd herrennen, voll Unruhe 1 hin- und herrennen». Biest, m. (mundartlich auch) f. n. (-es) oder Biestmilch, f.: die erste dicke un- ' reine Müch der Kuh unmittelbar nach dem I Kalben. Mhd. biest, ahd. Most m.; dazu I ndd. best m., ndl. biest f., ags. beost m., engl. abgeleitet beestings PI. Daneben erscheinen ; Formen mit r, schweiz.-elsäss. briest, briesch, bayr.-schwäb. briester, auch isl. ä-brystur PI. j «Biestmilch»; falls diese ursprünglicher sind, ' würde das Wort zu Brust (s. d.), andd. b>-iost , gehören. Doch sind auch die gleichbed. gr. itüöc m., aind. pijüsa- m. n. (vgl. Bugge PBrBtr. . 12, 421) zu berücksichtigen, mit denen aber nur ein indirekter Zusammenhang durch Ent- ! lehnung aus einer dritten Sprache bestehen I kann. S. auch Brös-chen. biester, s. verbiestem. Bieswurm, m.: Eier in die Haut des j Rindviehes und Rotwildes legende stechende ! Bremse. Spätahd. bisetimrm m., 1482 im ! Voc. theut. d S'' bißwurm. Zusammenges. mit biesen (s. d.). bieten (Prät. bot, Part, geboten), v.: dar- bringen, -geben, -legen; wofür als Preis dar- ■ zugeben erklären. Mhd. bieten, ahd. biotan; [ dazu asächs. biodan, ndl. bieden, ags. beodan, i engl, bid, anord. bjöda, schwed. bjuda, dän. byde, got. biudan (in andbiudan «befehlen», farbiudan «verbieten»). Verwandt sind gr. 237 Bifang Bill 238 iruvGdvoiaai (ir aus qp wegen des folg. ö) «fragen, forschen, erfahren», abg. hüdeti, ht. hud£ti, «wachen», aind, biidh «wachen, Acht haben, beschenken». Die Bedeutungsentwicklung ist nicht leicht klai-zulegen. Wahrscheinlich hatte schon das Idg, eine verzweigte Bedeutung. Ältemhd. erscheinen im Präs. Ind. Sg. 2. 3. die Formen beutst, heut, Imp. beut, die noch Gottsched Sprachk. 344 verlangt, während sie Adelung füi* obd. erklärt; in der poetischen Sprache auch später durchaus üblich. Blfang (-es, PI. Bi-, Befänge), auch Be- fang, m.: das schmale erhabene Ackerbeet zwischen zwei Furchen. Mhd. bivanc, ahd. hifanc m. «das Äußere was einen Eaiim ein- fängt, Umfang, Umgrenzung, eingegrenztes Ackerbeet», zusammeng. aus dem wegen der Betonung ungeschwächten bi- und -vanc. Zu mhd. bevähen, ahd. bißhan «umfassen, be- grenzen ». Bigamie, f. (PI. -h): Doppelehe. Aus ralat. bigamia von lat- bi (bis) «zweimal, doppelt» und dem gr. weiblichen Adj. fajAxa «ehelich». Schon im 16. Jh. entlehnt. bigott, adj.: streng fromm. Aus franz. bigot «abergläubisch fromm», dessen Ursprung bestritten ist; wahrscheinHch iaachs\:>an.hoinbre de bigote «Mann von ernstem festem Charakter», eig. der einen Knebelbart (sTpan-bigote m.) trägt. Vergl, Baist Roman. Forschungen 7, 407. Bei Adelung 1774. Bilanz, f. (PI. en): Rechnungsabschluß in Einnahme und Ausgabe. Aus ital. biläncia f. eig. «Wage», dann s. v. a. «Gleichgewicht», hier zwischen Einnahme und Ausgabe, von lat. büanx (Gen. bilancis) «zwei Wagschalen habend», vgl. balancieren. Im spätem 16. Jh. entlehnt (Fischart Garg. 288). Bilcb, f. (PI. -e) oder Bilchmaus, f.: große Haselmaus, Siebenschläfer. Mhd. Mich, ahd. hilih f. Verwandt sind afranz. bele (wo- von nfranz. das Dim. belette) «Wiesel», kelt. (kymrisch) bele «Marder», kaum aber russ. belka «Eichhorn». Vielleicht ist auch lat. ßles «Katze, Marder, Iltis» verwandt, vgl. Walde s. v. Aus dem Deutschen stammt abg. plüchü m. «Bilchmaus». Bild, n. (-es, PI. -er): sichtbare Dax-- und Vorstellung wovon; sich darstellendes Wesen, Person, z. B. Frauen-, Manns-, Weibsbild. Mit Abstoßung eines e (doch kommt Bilde noch bis ins 17. Jh. vor, z. B. bei Harsdörfer, Gespr. 3, 256) aus mhd. bilde, ahd. biladi, bilidi n. ; dazu asächs. bilithi, ndl. beeld, afries. bilethe n., im Engl.-Nord. nicht vorhanden (schwed. bild, dän. billede n. sind aus dem Deutschen entlehnt). WahrscheinHch ist in ahd. biladi, bilidi bil- als Stammsilbe anzu- sehen, sie hängt dann zusammen mit dem Subst., von dem billig (s. d.) gebildet ist und das urspr. «Ebenmäßigkeit, Gleichheit» bedeutet hat, so daß die Grundbed. von Bild «das Entsprechende» wäre, vgl. TJnbüde und das mnd. abgeleitete büdelik «billig». Vgl. Detter ZfdA. 42, 54. Anders Meringer Idg. Forsch. 18, 286, der, wie früher Weigand, eine 1 Wurzel bil- mit der Bedeutung «spalten, be- ' hauen» ansetzt. Bild \\ äre dann « das Gehauene » Kluge sieht in bilidi eine Zusammensetzung aus bi- und einem Wort, das zu got. lipus m. « Glied » gehört. Der PI. lautet bei Luther Bilde und Büder, später nur die letzte Form. ABL. bilden, v.: zur Dar- und Vorstellung geeignet machen, ausgestalten, geistig ver- edeln. Mhd. bilden, ahd. bilidön. bildern, V. : in einem Bilderbuch blättern (bei Adelung 1774); sich in Bildern ausdrücken. bildlich, adj. u. adv., mhd. bildelich. Von bilden sind abgeleitet: Bilder, m. (Schiller 11, 318), gewöhnlich Bildner, m.: der zu sichtbarer Darstellung schaflende Künstler, der geistig Veredelnde. Mhd. bildcere, auch schon bildenaere m., ahd. bilidäri. Davon Bildnerei, früher Bilderei (beiLuther) f. und bildnerisch, fmher bilderisch (bei Stieler 1691) adj. Bildnis, n.: wiedergebendes Bild, mhd. bildnisse n. bildsam, adj.: was sich bilden läßt. Erst um 1750 gebüdet, Klop- stock hat 1748 im Messias 2, 387 unbildsam gebraucht, Wieland seit 1751 bildsam yer- wendet (Gombert 7, 15). Bildung, f.: Ge- staltimg; Gestalt (im 18. Jh., jetzt veraltet): geistige Veredlimg (bei Goethe). Mhd. bil- dunge f. «BUdnis», ahd. (bei Notker) bildunga «Vorstellung, Einbildung». ZUS. l) mit Bild. Bildhauer, m., in frühnhd. Glossaren (1495 ; im voc. rerum f. 2* bildhamver). Bildsäule, ' f., bei Luther bildeseul. BildstOCk,m. : Stock, ; Säule mit der Statue eines Heiligen, spätmhd. ' büdestoc m. Bildwerk n., mhd. bildewerc n. 2) mit dem PI. Bilder. Bilderbuch, n., bei Stieler 1691. Bilderschrift, f., im 16. Jh. (Fischart Garg. 189). Bilderstürmer, m., bei Luther bildstürmer. Bill, f. (PI. -s): vor das Parlament ge- brachter Gesetzentwurf. Das engl. &z7Z «Zettel, Schein, schriftlicher Aufsatz, Parlamentsakte», zurückgehend auf mlat. hilla, bulla f. «Blase, 239 Billard Binde 240 Knopf, Kapsel, Siegelkapsel, dann eine (urspr. mit einem Siegel versehene) Schrift». Vgl. Billett. 1703 im Zeitungslex. (Büle) und bei Sperander 1728 (^«Y^ «Recht» bei Schottel 1663 und Stieler 1691 gehört nicht hierher, sondern ist aus Unhill erschlossen). Billard, n. (s, PI. -s, -e): Spiel mit Ku- geln, die auf einer ebenen Tafel gestoßen werden; diese Tafel selbst. Aus dem gleichbed. franz. billard m., von franz. hille, ital. biglia, span. billa f. «beinerne Kugel», die vielleicht auf das deutsche Eichel (s. Bickel') zurück- gehen. Bei Fischart Garg. 262. Bille, f. (PI. -n): Hacke (Querbeil) zum Schärfen der Mühlsteine. Aus mhd. hil (Gen. hilles) n. «Spitzhacke», ahd. hül n. «Schwei-t»; dazu asächs. hil, ags. fci7^ n.« Schwert», engl, j hill «Axt, Hacke». Wahrscheinlich zu Beil ] (s. d.) zu stellen, so daß also hill- mit Assi- ' milation auf hideJ- zui'ückginge, Sievers Idg. Forsch. 4, 339, dagegen E. Schröder ZfdA. 42, 60; s. auch Meiinger Idg. Forsch. 18, 283. ABL. l)illeil, V. : mit der Hacke Mühlsteine schäi-fen. , Mhd. hillen, ahd. hillon «mit spitzem j Werkzeuge hauen oder hacken». Billett, n. (Gen. -es, PI. Billette, Billets): Zettel, Handbrief chen. Aus dem gleichbed. franz. hillet m., das von mlat. hilla (s. BilT) abgeleitet ist. Bei Henisch 1616. Schon im 15. Jh. (Diefenbach-Wülcker S. 246) begegnet ein gleichbed. Bollet (noch jetzt mundartlich im Obd.), das auf ital. holletta f. «Zettel» zu- lückgeht, einer Ableitung von mlat. hiilla. l)illig, adj. u. adv. : verbindlicher Anforde- rung, besonders der mildern des Rechtes eben- mäßig ; im Verhältnisse des Wertes mäßig. Mit Eintreten der Endung -kj (hillig schon bei Stieler 1691, doch daneben hillich bis ins 18. Jh.) aus mhd. hillich, ahd. (im 11. Jh.) hillich «eben- mäßig, angemessen, geziemend», mit der En- dung -lieh von einem Subst. gebildet, das als hili- zu Anfang von Personennamen erscheint, auch dem ags. hilewit «einfach, unschuldig» (dem mhd. hileivi^, hilwig m. «Kobold, eig. guter Geist» entspricht) zugrunde liegt und wahrscheinlich zu gr. cpiXoc «lieb» gehört. Ndl. hillijk. Vgl. auch Bild, Unhüde, Unhill, Weichhild. J-ßL. Mlligeil, v.: der Anforde- rungebenmäßig, für angemessen erklären. Mhd. hillichen. Billigkeit, f., spätmhd. hillicheit f. Billiou, f. (PI. -en): eine Million million- mal. Das franz. nach million gebildete hillion m. Im Anfang des 18. Jh. aufgenommen (Brockes ird. Vergn. 4, 382). Bilse, f. (PI. -n): Pflaumenschlehe, dicke Schlehenart. Wetterauisch. 1540 bei Alberus im Dict. Gg. 2^ der PI. Bilsen, aber schon 1471 im Grüninger Kirche nzinsbuch S. 13No.38 hylsenhecken. Dunkler Herkunft. Bilsenkraut, n. : das Tollkraut hyoscy- amus. Mhd. hilsenkrüt, auch bloß hilse, ahd. hilisa f. Das s gehört einer Ableitung an, wie sich aus der dialekt. Form Bilme mit anderm Suffix ergibt; dazu noch mnd. hilene (Steinmeyer-Sievers 3, 719, 36) und hille (in hillensät f.), mndl. heelde f., ags. heolene f., dän. hulmeurt, schwed. holmört und weiter russ. helend f., poln. hielun. Vgl. auch lat. felix, filix «Farnkraut», s. Walde s. v. bimmeln, v.: in feinem, hellem Tone (himl himl) läuten. Ein lautnachahmendes Wort, schon mnd. himmelen, dann bei Schottel 1663 verzeichnet. Bims, m. (Gen. Binises, PI. Bimse) oder Bimsstein, m.: leichte, löcherige Steinart. Mit i für ü (schon bei Dasypodius 1537 Bimß- stein) aus mhd. hümeg, ahd. punii^, die auf dem gleichbed. lat. püniex (Gen. pümicis) be- rahen. ABL. bimsen, v.: (mit Bimsstein) reiben, abputzen. 1482 im voc. theut. dS** himßen. bin, s. sein. Binde, f. (PI. -n): Streifen zum Binden. Mhd. binde, ahd. hi^ita f. Von binden (Prät. band:, Part, gebunden), v.: zusammenfügen, woran fügen, wodurch festmachen ; durch Bande unfrei machen. Mhd.hinden, ahd.bintan. Dazu asächs.-ags.-got. bindan, ndl. binden, engl. bind, anord.-schwed. binda, dän. bitide. Urver- wandt ist aind. bandh (für *hhandh) «binden», lat. -fend- in offendimentum n. «Binde», gr. -TTCvO- (für -qpevO) in ireiciiia (füi* *TT€v9c|Lia) n. «Tau». Älternhd, lautet wie mhd. der Prät. Plur. blinden (auch zuweilen Sg. hund), Konj. bnnde, die jetzigen Formen bei Bödiker. ZUS. Bindewort, n.: die Konjunktion, das Sätze verbindende Wort. Schon im 17. Jh., (bei Stieler 1691), dann von Gottsched verwendet. Bindestrich, m.: der zwei zusammenge- hörige Wörter verbindende Strich. Erst im 19. Jh. aufgekommen. Bei Adelung 1774 Bindezeichen n. Bindfaden, m., fi-ühnhd. (1491 im Voc. rer. 15*^ bindt faden «licium»). iSindrienien, m. Mhd. hintrieme, ahd. hintriomo m. Redensart: es geht an die Bindriemen «es wird Ernst mit der Sache», eig. es wird die letzte Hand an die Kleidung, Rüstung gelegt. 241 Binetsch Bischof 242 Biuetsch, m. (-es): Spinat (s. d.). Wie dies Wort aus mlat. spinacea f., ital. spinaccio m. Obd. In finihnhd. Glossaren (Diefenb. nov. gloss. 345'^ vom J. 1466), dann auch 1537 bei Dasypodius und 1533 in Rößlins Kräuter- buch 290^. Bingelkraut, n. : die Pflanze mercurialis. Bingel- mit / statt ü aus mhd. hüngel, ahd. hungil n., das aber Xame einer andera Pflanze, und zwar einer mit knolliger Wurzel, der Mauerraute, ist, von mhd. hinge, ahd. hungo m. «Knollen». S. Bachhunge. Die Übertragung auf mercurialis schon bei Maaler 1561, viel- leicht wegen der FruchtknöUchen der Pflanze. binnen, Präp. mit Dat., selten Gen.: in den Grenzen von — . Fast nui- noch zeitlich; räumlich jetzt als Adv. in Zusammens. wie Binnenland usw. Mhd. (vorwiegend md.) hinnen, wie mnd. und mnl., dazu afries. binna, ags. hinnaiL Zusammeng. aus hi (mit Unter- drückung des Vokals, vgl. hange) und imien. Von Luther (aber nur räumlich) gebraucht, während es dem altem Obd. fremd ist. Binse, f. (PI. -n): Flechtpflanze mit mar- kigem Schafte, juncus. Mit s für ß hervor- secfancren aus dem Plural des gleichbed. mhd. hineß, hin^, ahd. hinu^ m.; dazu asächs. hinit (in dem Adj. hinitin), ags. heonet, engl. hent. Älterahd. und jetzt in obd. Mundarten auch hinz, hinze; Schottel 1663 hat Bintz und Bins (PI. Bintzen, Binsen), Stieler 1691 nur Binz m., Rädlein 1711 Binse neben Bintz (das Fem. Binse schon bei Rollenhagen Froschm. 8, 2, 5). Das Wort besteht wohl aus hi (wegen der Betonimg ungeschwächt erhalten) und dem Worte na^, das aber kaum zu nass, sondern eher zu Netz, Xessel gehört. Xicht verwandt ist das gleichbed. ndl. hies f. ABL. Bin- sicht, n. Mit angetretenem t, da ahd. hi- nugahi, hin^alii n. ZUS. Binsenwahrheit, f.: selbstverständUche Wahrheit. Erst in neuerer Zeit aufgekommen. Eig. wohl Wahr- heit wie eine Binse dünn und dürftig. ZfdW. 5, 286. 6, 358. Biograph, m. {-en, PI. -en): Lebensbe- schreiber. Aus dem gleichbed. gr.-lat. hio- graplms, gr. ßiöypaqpoc m., zusammenges. aus ßioc m. Leben und --fpaqpoc «Beschreiber»-zu Ypdqpeiv «schreiben». Im 18. Jh. aufgenommen (Lessing 6, 298). ABL. Biographie, f. «Lebensbeschreibung». Aus gi'.-lat. hiogra- phia, gr. ßiOTpaqpia f. Birke, f. (PI. -n): der Waldbaum lat. be- tula. Mhd. birke, hirche, ahd. hircha, hirihha Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. f.; dazu ndl. herk m., ags. beorc und hirce f., engl, hirch, anord. björk, schwed. björk, dän. hirk f. Urverwandt ist aind. hhürjas m. «Art Birke», osset. bärz «Birke», abg. hreza f., lit. birzas m, «Birke», vielleicht auch lat. fraxinus und farnus «Esche». Auch Borke ist wohl verwandt. ABL. birken, adj. (auch IQ Birkenholz usw.). Mhd. hirkin, ahd. hircMn. ZUS. Birkhuhn, n.: Birkenknospen und Zäpfchen gern fressendes Waldhuhn. Mhd. birklmon, ahd. hirchuon, hirichlmon n. Birne, f. (PI. -n) -. die Kernobstfrucht lat. pirum. Hervorgegangen aus dem PI. (mhd. bim) des mhd. hire, bir, ahd. hira f., von dem PI. des lat. pirum n. Vgl. auch got. baira- bagms m. «Maulbeerbaum». Während hier p zu h geworden, ist in dem auf roman. (ital.- span.) pera (franz. poire f.) beruhenden ndl. peer f., engl, piear das urspr. ^j festgehalten. Das ältere Bir findet sich im 16. Jh. (Luther hat Bim- in Zusammensetzungen) und noch jetzt mundartlich (alem.-schwäb.-rheinfränk.), doch kommt Birne schon im 15. Jh. vor (Diefenbach-Wülcker S.250). Die gewöhnliche älternhd. Form (noch bei Adelung) ist Bir7i. Ein PI. Bim 1774 bei Goethe (D. j. Goethe 8, 295). ZUS. Birnbaum, m., dafür mhd. bir- houm, ahd. hiräboum m. Birsch, f. (Pl.-e?i) oder Pirsch: Waldjagd mit Spürhunden. Im 16. Jh. Von birschen, V.: mit Spürhunden im Walde jagen. Mit Übergang eines s in seh nach r aus mhd. hirsen, das auf dem noch unerklärten afranz. herser «mit Bolzen oder Pfeü jagen und schießen» beruht. Auch pirschen und bürschen (so bei Adelung), pürschen geschrieben. ""^bis, Imp. (altertümUch und dichterisch): sei, s. sein. ^bis, den Zielpunkt in Raum oder Zeil be- stimmendes Adv., dann Konj. Mit s füi* ß aus mhd. hi^, Adv. Präp. und Konj., von Mittel- deutschland aus vordringend und das echthd. unze, unz allmählich verdrängend. Zusammen- ges. aus bi und ahd. a^ «zu», das dem asächs. at, ags. at, got. at, lat. ad entspricht, urspr. also bi-az. Im Älternhd. auch bitze, das ähnlich auf bi und ze zurückgeht. Bisam, m. (-s): Moschus. Mhd. biseni (so auch bei Luther), ahd. bisam, bisamo m., aus mlat. bisamum n., das auf hebr. besem, syrisch besmö «Wohlgeruch, Salbe» beruht. bis-chen, s. bißchen. Bischof, m. {-s, PI. Bischöfe): höchster Geistlicher: (seit der Mitte des 18. Jh., z. B. 16 243 Bise bitzeln 244 1773 bei Amaranthes) eine Art Rotweinpunsch. Mhd. hischof (PI. hisdwve), auch (wohl durch Einwirkung von Namen auf -olf, wie Rudolf usw.) Uscholf, ahd. hiscof m., nach ital. ves- covo aus dem gleichbed. gr.-lat. episcopus m. Dies beruht auf gr, eiricKOTroc m. eig. «Auf- seher», dann «Obwalter», weiter kii'chlich s. V. a. «Obwalter als Geistlicher, geistlicher Vorgesetzter», zusammenges. aus gr. d-rri «auf, über» und ckottöc «Schauer, Aufseher, Acht- geber» von cKOTTCiv «schauen, spähen». Auf dem Lat. beruht auch ndl. hisschop, ags. his- cop, engl, hishop, anord.-schwed. hiskop, dän. hisp m., got. mit engerem Anschluß an die Grundform aipiskaupus m. ABL. bischöf- lich, adj., mhd. hischo flieh. Bise, f. (PI. -n): Nordostwind. Schweize- risch, mit erhaltenem i (doch älternhd. Beis- tvind) aus mhd. hise, ahd. hisa f., daher franz. hise f. Vielleicht verwandt mit biesen (s. d.) mit der Grundbed. «Sturm». Biskuit, n, (-S, PI, -s, -e): Zuckerge- backenes. Aus franz. hiscuit m. eig. «Zwie- back», das auf mlat. hiscoctus «zweimal (pis) gebacken (coctus)» beruht. Älternhd. ge- wöhnlich das auf ital. hiscotto m. beruhende Biskott (z. B. 1601 bei Albertinus Kriegsleut Weckuhr 2, 164, Bißkotte 1598 bei Hutter Dict. 300, Biscott 1574 bei Fischart Onoma- stica 118^) oder das aus dem Dimin. his- cottino m. hervorgegangene Biskotten (z. B. 1595 bei Hulsius SchifFart 1, 10, noch jetzt ebd.), daneben seit dem Anfang des 17. Jh. auch Biscuit, 1613 bei Hulsius Schiffart 11, 2, 154, 1672 bei Grimmeishausen Vogelnest 2, 6 Bisquit. bislang, adv.: bisher. Norddeutsch, zu- sammengezogen aus älternhd. hissolang (bei Luther 8, 488 W. hissolange), das in der Kanz- leisprache schon am Ende des 15. Jh. vor- kommt, zusammengeiückt aus bis so lange. Biß, m. (Gen. Bisses, PI. Bisse): Hand- lung des Beißens; Spur vom Beißen. Mhd. hi^, daneben mhd.-ahd. auch hiz m. Zu heißen. hißchen: ein klein wenig. Eig. Dem. von Bissen (s. d.). Seit dem 16. Jh., anfangs ge- wöhnlich mit der obd. Dim.-Endung als biß- lein (Ludwig 1716 hat ein bißgen, das schon vorher von Weise u. a. gebraucht wird). Bissen, m. (-s, PI. wie Sg.): soviel als man auf einmal abbeißen kann. Aus mhd. hi^^e, ahd. hi^p mit schwacher Flexion; da- zu ags. bita, engl, bit, anord. biti m. Von beißen. hissig, adj.: gern beißend. Frühnhd., dafür mhd. bi^ec «beißig» (s. d.). Bistum, n. {-s, PI. Bistümer): Gebiet eines Bischofs. Mhd. bischtuom, bistuom, ahd. biscetuom, gekürzt aus biscoftuom n. bisweilen, adv. : von Zeit zu Zeit. Mhd. bi^ wtlen kommt noch nicht vor, dagegen in gleicher Bed. bi wilen und ze wilen, so daß vielleicht bisweilen aus biziveilen zu erklären ist; weilen ist der Dat. PI. von Weile (s. d.). Das Wort tritt erst im 16, Jh., vorwiegend bei norddeutschen Schriftstellern (Mathesius Luther 90, Eingwald Eckh. E 7^^, Rollen- hagen Froschm. 1, 2, 22), doch auch bei Fisch- art (Binenk, 58) auf. Bitte, f, (PI, -n) : ausgedrücktes Verlangen an jemandes Güte, Spätmhd. bitte (Wyle 19, 8) neben gewöhnlichem mhd. bete, ahd. selten bita neben beta, got. bida f. Von bitten, v. (Prät. bat, Part, gebeten): an je- mand ein Verlangen richten in Hoffnung gütiger Gewährung. Mhd. biten, bitten, ahd. bitten; dazu asächs. biddian^ ndl. bidden, ags. biddan, engl, bid, anord. bidja, schwed. bedja, dän. bede, got. bidjan. Man stellt es zu gr. •nreieo) (ir für qp wegen des folgenden 6) «durch Zureden wozu bestimmen, überreden, erbitten», lat. fido «vertraue», so daß das V. urspi'. der t- Reihe angehört hätte und zur er Reihe übergetreten wäre (Osthoff Btr. 8, 140), besser aber zu ai. badhate «drängf, verdrängt, bedrängt», lit. bädas m. «Hungers- not, Hunger». Im letzten Grunde können allerdings beide Wurzeln zusammengehören. bitter, adj. u. adv.: beißend scharf. IVJhd. bitter, ahd. bittar: dazu asächs. bittar, ndl. bitter, ags. biter, anord. bitr, engl,- seh wed,- dän. bitter, got. mit Ablaut baitrs. Zu beißen, aber mit bewahrtem t, da t vor r nicht ver- schoben wird, ABL. Bitterkeit, f., mhd, bitterkeit f. bitterlich, adj. u. adv., mhd. bitterlich. Bitze, f, (PI. -n): Baum-, Grasgarten. In der Schweiz, Schwaben, Hessen, der Wetterau, Nassau, Spätmhd, bitze f,, abgeschwächt aus biziune n,, ahd, bizüni n, und bizüna f, «ein- gezäuntes Grundstück», zusammeng. aus dem wegen der Betonung ungeschwächt gebliebenen bi und einer Ableitung von z'ün, «Zaun». bitzeln, v,: schnell wiederholte fein- stechende Empjfindung haben. Frühnhd. (bei Keisersberg, H. Sachs), abgeleitet von mhd. ahd. biz m, «Beißen, Biß». 245 Biwak Blase 246 Biwak, n. (s, PI. -s): militärische Feld- wache, Feldlager. Aus dem gleichbed. franz. hivouac m., das auf einem ndd. Mwake «Bei- wache» beruht. Im 17. Jh. entlehnt. bizarr, adj. u. adv.: auffallend seltsam und wunderlich. Aus dem gleichbed. franz. bizarre, dies aus span. hizärro «tapfer, mutig, ritterlich, prächtig», dem baskisch hizarra «Bart» zu gründe liegt. Vgl. higott. Im 17. Jh. entlehnt (1697 bei Thomasius Sitten- lehre 455). blach, adj.: weit und breit ohne Erhaben- heit, namentlich in Blacllfrost «Frost ohne Schnee», Blachfeld (bei Luther) «das flache Feld». Mhd. selten hlach, identisch mit flach, dessen Anlaut f hier weiter zu h verschoben wurde. Blackflsch,m. (-es, PI. -e) : Tintenschnecke. 1563 in Forers Fischbuch 112. Aus ndd. hlak- fisk; ndd, hlak n. ist wie ags. Ucee, schwed.- dän. hläk n. «Tinte» (auch älternhd. placke 1482 im Voc. theut. z3% ahd. Nach n.), zu ags. hlcec, engl, hlack, ahd. hlah «schwarz», das vielleicht zu gv.jj.iXac «schwarz» gehört, (germ. hla- aus mla-) Hirt PBrBtr. 23, 307. blaff, interj. Knall und Fall! Lautnach- ahmend, vgl. haff, paff. ABL. blaflfen, v. : bellen (Lessing 10, 231). Spätmhd., auch ndl. Uaffen, vgl. häffen. Blähe, f. (PI. -n)-. großes grobes Leintuch (zur Bedeckung von Wagen, zum .Trocknen von Friichten, als Fenstervorhang usw.). Spät- mhd. hlahe f. «grobes Leintuch, dann über einen Wagen gespanntes Tuch». Auch. Flache, Plane, Flaue (s. d.). Wohl nicht von hLplaga f. «Jagdnetz, ausgespanntes großes Tuch, Teppich, Bettvorhang». Die mundartlichen Formen (auch Blähe mit Anlelmung an Mähen) führen auf ein got. *hlahwa, *hlaiva; verwandt ist anord. hlceja f. «gefärbtes Stück Tuch», schwed. hlöja f. «Wickeltuch», dän. hie «Leintuch, Windel». blähen, v.: durch Luft ausdehnen. Refl. sich blähen: dick (stolz) tun. Aus mhd. hlcejen, hlcen, ahd. hldjan, hläen; dazu mit urspr. reduplizierendem Prät. ags. hläwan (Prät. Ueoio), engl, hlow (Prät. hlew) «wehen, hauchen, blasen». Das Wort stimmt der Lautverschiebung gemäß mit lat. fläre «bla- sen», vgl. blasen, Blatter. blaken, v.: flammen, qualmen. Ein ndd. Wort (mnd. u. mnl. blaken), das Heynatz 1796 aus der Berliner Sprache anführt und Campe 1807 verzeichnet. Verwandt mit gr. (pAcreiv «brennen, leuchten», qpX.öE f. «Flamme», lat. flagräre (s. Walde s. v.) «brennen», fulgur n. und fulmen n. «Blitz», aind. MräJ «leuchten», vgl. blecken. ABL. Blaker, m. (-s, PI. wie Sg.): Wand-, Hängeleuchter. Das nd.-ndl. blaker, von Frisch 1741 angeführt und von Voß 1, 117 gebraucht; vgl. auch ags.blcecern m. «Leuchter». blamieren, v.: beschämen. Refl. sich h.: sich der Beschämung aussetzen. Aus franz. blämer, ital. biasimare, altsp. fcZasmar «tadeln», das auf mlat. blasimäre, blasmäre beraht, einer Zusammenziehung des kirchlich-lat. blasphe- inäre, das selbst wieder auf gr. ßXaccprmeiv «von jemand ehi-enriihrig reden» zuriickgeht, vgl. Blasphemie. Im 17. Jh. entlehnt, aber zunächst in der Bed. «beschimpfen», die jetzige Bed. wohl nicht vor der Mitte des 18. Jh. ABL. Blamage, f. (PI. -n). Im 18. Jh. mit der franz. Endung -age im Deut- schen gebildet, vermutlich in der Studenten- sprache, vgl. Renommage. blank, adj. u. adv.: glänzend weiß; weiß; glänzend rein. IVIhd. hlanc, ahd. Manch; dazu ags. blanc, ndl.- engl, blank, anord. blakkr, schwed.-dän. (entlehnt) blank. Ins Romanische aufgenommen, ii'am.blanc, ital. &mwco« weiß». Zu blinken. Mit Einfügung eines n zu der Wurzel, auf die blaken, blecken zurückgeht. blänkeln, s. plänkeln. Blankett, n. {-es, PI. -e)\ leeres mit Namensimterschrift versehenes Papier zum Ausfüllen für einen Bevollmächtigten. Aus dem gleichbed. franz. blanquet m., von blanc «weiß», eig. weißes Papier. Schon im Anfang des 16. Jh. entlehnt (Luther 7, 358^ Jen. &ZawÄ;e^). Blankscheit, n. (-es, PI. -e): linealartiges Miederbrettchen. Das durch Anlehnung deutschverständlich gemachte gleichbed. franz. planchette f. (gespr. plangschett) , das Dim. von pZanc/ie f. «Planke». Um 1700 in Mittel- deutschland üblich (1715 bei Amaranthes Blanck- Scheit, bei Günther 537 Blanck- Scheit, bei Gellei-t Lustsp. 317). Blase, f. (PI. -n) : durch Luft oder Flüssig- keit rundlich aufgeblähte Haut oder haut- artige Fülle; (studentisch) freie Vereinigung. Mhd. blase, ahd. bläsa f. «Harnblase» (jede andre Blase heißt mhd. blätere, ahd. blätara, s. Blatter); dazu ndl. Maas, schwed. bläsa f. Von blasen, v. (Prät. Mies, Part, geblasen): Luft forttreiben, stark, hörbar wehen. Mhd. blasen, ahd. bläsan: dazu ndl. Mäzen, anord. bläsa, schwed. Mäsa, dän. blase, got. blesan. 16* 247 blasiert blau 248 Im Ags. hat bläican, engl, hlow (s. blähen) ' die Bed, von blasen: in diesem ist das s als [ ein Ableitungselement anzusehen, es gehört mit j blähen zu lat. fläre. ABL. Bläser, m. (s, PI. wie Sg.), mhd. bläsmre. ZUS. Blasebalg, m. (vgl. Balg), mhd. bläsebalc m. Blasrohr, n., | bei Schweinichen 1, 30 vom J. 1562. blasiert, adj.: abgestumpft, teilnahmlos, j In neuerer Zeit aus gleichbed. franz. blase umgebildet, dessen Herkunft unbekannt ist. blasonnieren, v.: ein Wappen kunst- mäßig ausmalend schmücken; ein Wappen ^ kunstgerecht piiifen und erklären. Mhd. | blasenieren aus franz. blasonner «Wappen malen», von blason m. «Schild, Wappen, Wappenkunde», dessen Herkunft unsicher ist. Blasphemie, f. (PI. -;/) : Gotteslästerung. Aus dem gleichbed. kirchlich-lat. blasphemia, gr. ßXacqpriuia f. « ehrenmhrige Rede, gottes- lästerliche Rede», von gr. ßXacqpri.ueiv (s. bla- mieren). Früh im 16. Jh. entlehnt (z. B. ; 1524 bei Emser, vgl. Gombert 6, 17) und bei Rot 1571 verzeichnet. I bla£, adj. (Komp. blasse^', blässer, Sup. blassest, blässest) : weißHch; schwach an Farbe. Mhd. blas (flekt. blasser), ahd. blas «weiß, weiß- lich, besonders an der Stirne» (ahd. blas ros); «bleich, farblos» (bei Nicolaus v. Jeroschin und Brun V. Schonebeck); «kahl, kahl an Ansehn, Wert, gering» (vereinzelt seit dem 13. Jh.), vgl. ndl. bles «kahl». In der jetzigen Bed. ist blaß im 16. Jh. selten (Luther hat nur er- blassen) und dringt im 17. Jh. von Mittel- deutschland aus vor, Schottel 1663 verzeichnet es. Der wahrscheinliche Gnindbegriff «schei- nen, leuchten» (die Bedeutungsentwicklung wie bei bleich, s. d.) zeigt sich in mhd.-mnd. blas n., ags. blcese f., engl, blaze «brennende Fackel». J-Bi^. Blässe, f.: Farbenschwäche, erst im 17. Jh. zu blaß «bleich» gebildet | und bei Stieler 1691 verzeichnet, blassen, v.: j an Farbe schwächer werden oder machen. ! Im 17. Jh. Vgl. Blesse. Blatt, n. (-es, PI. Blätter) : dünner ebener | Pflanzenteil, der sich aus Wurzel oder Stengel entfaltet; ähnlicher dünner breiter flacher I Teil wovon; Papierblatt. Mhd. blaf (PI. blat u. Meter), ahd. blat (PI. bletir), n.: dazu asächs. blad, ndl. blad, ags. blced, engl, blade «Blatt- } chen, Hälmchen», anord. blad, schwed.-dän. blad n. Das Wort stimmt in seiner Wurzel mit lat. folium, gr. qpüXXov n. «Blatt»; es ist als eine partizipiale Bildung mit dem Suffix -to- und schwacher Wurzelstufe zu blühen anzusehen, doch sind auch andre Verglei- chungen möglich, Hirt Btr. 23, 356. Luther hat Blat, PI. Bletter, und die Form Blat mit gedehntem Vokal ist auch später sehr häufig, z. B. bei den schlesischen Dichtern (Logau 3, 50, Fleming 93, Günther 148), sie wird 1737 von Freyer S. 267 verlangt und noch 1775 von Heynatz erwähnt. Redens- arten: kein B. vor den Mund nehmen «gerade heraus i'eden», eig. wohl vornen in den Mund tun, um seine Sprache zu verstellen (schon mhd.); das Blättlein ic endet sich «das Glück schlägt um», wohl von den Kunst- stücken der Gaukler ausgegangen (1534 bei S. Franck Weltb. Vorr. a4^ das blätlin ^virt sichumbkören). AB L. l) mit Blatt, blatten, V.: Blätter zahli'eich abpflücken, durch Ab- pflücken überflüssiger Blätter derselben ent- ledigen; (weidmännisch) Wild durch Pfeifen auf einem Blatt locken (bei Rädlein 1711, oft blaten geschrieben). Mhd. blaten. 2) mit dem PI. Blätter. blätterig, adj., mhd. bleteroht. blättern, v.: Blätter umschlagen, mhd. bleiern in Überbietern: wie blatten. ZUS. Blattgold, n.: dünngeschlagenes Gold, 1678 bei Krämer. Blattlaus, f., 1730 bei Frisch Insect. 8, 84. Blatter, f. (PI. -n): kranker rundlich aufgeblähter Hautfleck. Mit Kürzung des Vokals (bei Luther Blatter) aus mhd. blätere, bläter, ahd. blätara f. «Blase»: dazu ndl. (mit ausgefallenem d) blaar, ags. blcedre, engl. bladder, anord. blaära, schwed. blädra, dän. bläre f. «Blase, Blatter». Aus einer Wurzel mit blähen und blasen (s. d.). ABL. blatterig, adj.: voll Blattern, mhd. Uäterec. blätterig, blättern, s. Blatt. blau, adj.: luftfarbig. Aus mhd, blä (flekt. bläwer), ahd. bläo: dazu ndl. blaauic, ags. bläiu, engl, blue (aus franz. bleu?), anord. blär, schwed. bld, dän. blaa. Zusammenhang mit bleuen (s. d.), so daß blau urspr. die Farbe der Haut infolge einer Quetschung ausdrücken würde, ist kaum möghch; ebensowenig der mit lat. flävus «blond» wegen der ganz ab- weichenden Bedeutung. Am ehesten zu gr. iue\ac «schwarz», ht. melvias «blau», wenn bl aus ml entwickelt ist. Redensarten: der blatte Montag eig. «der (durch blaue Altar- umhängung in den Kirchen ausgezeichnete) Montag vor Aschermittwoch, an dem nicht gearbeitet wurde, dann jeder Montag, den die Handwerker zu einer Nachfeier des Sonn- tags machen» (1719 bei Kramer, dafür im 249 Blänel Bleiche 250 16. und 17. Jh. der gute Montag); ins Blaue hinein reden eig. in die Bläue des Himmels, in die unbestimmte Feme: einem einen blauen Dunst vor die Äugen machen: (eig. von den Dämpfen, die die Zauberer bei ihren Be- schwörungen aufsteigen ließen) ihn durch Vorspiegelungen betragen (schon 1492 ain plahen tunst machen Liliencron 2, 197): eben- falls von den Gaukelbildeni der Zauberer herrührend sein blaues Wunder sehen (1645 bei Zesen adr. ßosemund 97). ABL. Bläne, f., mhd. blcewe f. blauen, v.: blau werden, bei Stieler 1691. bläueu, v.: blau machen, mhd. blceiven. bläulich, adj. u. adv.: ein wenig blau, frühnhd. blaulichf. Bläuel, s. Bleuel, bläuen (schlagen), s. bleuen. Blaustrumpf, m. (-es, PI. Blaustrümpfe) : Angeber, Verräter. Im 17. Jh. (Weise Cath. 260). Bei Schüler Räuber 2, 3 der höllische Blaustrumpf «der Teufel». Eig. Spottname der Gerichtsdiener, die vielfach verpflichtet waren, blaue Strümpfe zu tragen. Erst im 19. Jh. B. «gelehrtes Frauenzimmer» nach engl, blue-stocking; blue-stockings hieß ein Kreis, der sich um 1750 in London im Hause der Frau Montague versammelte, nach einem Mitglied, das blaue Stiümpfe zu tragen pflegte, später besonders die weiblichen Teil- nehmer an den Zusammenkünften. Blech, n.: dünn geschlagene .oder ge- walzte Metallplatte; Geld; (seit etwa 1840 im gemeinen Leben nach dem studentischen Blech reden) schlechtes Geschwätz. Mhd. blech, ahd. bleh n.; dazu ndl. blik, blek, schwed. bleck, dän. blik n. «Blech», aber anord. buk n. «leuchtender Glanz», dann «Gold, Gold- blech». Zu bleichen (s. d.), die ui'sprüng- liche Bed. also «das Glänzende». Die 2. Bed. nach den ehemahgen Hohlmünzen aus Gold- oder Silberblech; sie findet sich schon im 16. Jh., und zwar zunächst im Kotwelschen 1510, dann bei Fischart Garg. 70 vil Ämter und wenig Plech. ABL. blechen, v.: Blech d. i. Geld geben, zahlen (Goethe Götz 2, Schiller Kab. u. L. 5, 6 heraus blechen). Als idiotischer Ausdruck bei Adelung 1774 und Kindleben 1781 (fm- die Studentensprache) angeführt, blechern, adj. und adv.: aus Blech bestehend. Dafür spätmhd. blechen aus urspr. blechtn, 1616 bei Henisch blechin neben blechern, noch bei Voß Idyll. 16, 96 die blechene Dose. Blechner, m.: Klempner. In Südwestdeutschland. blecken, v.: sichtbar machen, bes. die Zähne. Mhd. blecken (Prät. blacte) «sichtbar werden, sich entblößen», sowie «bloßlegen, sichtbar machen», ahd. blecchen «hervor- leuchten, blinken, schimmern», b. gehört als Faktitiv zu einem nach der e-KIasse flek- tierenden nicht erhaltenen ahd. blehhan (vgl. bleichen), das zu gr. qpXexeiv «brennen, leuchten» und weiter zu lat. flagräre «brennen)., aind. bhräj «leuchten» gehört. S. blaken, blicken. 'Blei, n. (-es, PI. -e): sehr weiches, schwe- res, bläuhch weißes Metall; Richtblei, Lot. Mhd. bli (Gen. bliwes) n. m., ahd. blio n.; dazu anord. bly, sehwed.-dän. bly n. Dunklen ür- spnings; Persson Bezz. Beitr. 19, 273 vergleicht schwerhch mit Recht lit. blaivas «licht, klar», Braune Btr. 24, 195 stellt es wieder zu blaic. Vgl. noch Hii-t Btr. 23, 354, der es auf '^'mliwom zuiückführt und an einen durch Entlehnung vermittelten Zusammenhang mit gl-. ,u6\ißoc, lat. plumbum «Blei» denkt. -Blei, m. (-[eis, PI. -e) : ein Fisch, s. Bleihe. bleiben, v. (Prät. blieb, Part, geblieben): an einem Orte verharren; in einem Zustand vei'haiTen: von Dauer, Bestand sein; außerdem da sein (übrigbleiben); unterlassen werden (in bleiben lassen^, nicht mehr von der Stelle kommen (das Leben vei'lieren). Mit Unter- drückung des e in der Vorsilbe be- aus mhd. belihen, bliben, ahd. biliban : dazu asächs. biUban, ndl. blijven, ags. bellfan, got. bileiban, ent- lehnt schwed. blifva, dän. blive. Das einfache nicht vorkommende ahd. -liban gehört wohl zu gr. XiTToc n. Fett, Xiirapöc «fett, glänzend», abg. lljmqti, Kt. Upti «kleben bleiben», so daß sich also (wie in gr. XmapeTv «behan-en») die Bed. des Verharrens aus der des «Klebens» entwickelt hätte. Vgl. noch Leib, leben. Das Part. Prät. mhd. beliben im 17. Jh. noch sehr häufig blieben (doch verlangt schon Schottel 1663 geblieben), auch noch im 18. Jh. dich- terisch (Goethe 1, 112. 295), selten in Prosa (Lessing 11, 84). bl eich, ad j. u. adv. : matt glänzend : schwach an Fai'be, weißlich. Mhd. bleich, ahd. bleih; dazu ndl. bleek, ags. bläc, engl, bleak, anord. bleikr, schwed. blek, dän. bieg. Zu ^bleichen. ABL. Bleichsucht, f.: 1741 bei Frisch bleiche suht. 'Bleiche, f. (PI. -n): Kunst zu bleichen: Bleichplatz. Mhd. bleiche f. Zu ^bleichen. "Bleiche, f.: bleiches Aussehen. Mhd. bleiche, ahd. bleicht f.; dazu mndl. bleke f. Zu bleich. 251 bleichen Bleuel 252 ^bleichen, v. (mit schwacher Flexion): worauf wirken, daß es bleich, weiß wird. Mhd. lleichen (entsprechend ags. blcecan, anord. bleikja) «blichen machen», Faktitiv zu dem starkbiegenden bleichen (s. '"^bleichen). "bleichen, v. (mit schwacher Flexion): bleich werden. Mhd. bleichen, ahd. bleihhen, abgeleitet von bleich. ^bleichen, v. Prät. blich, Part, geblichen) : matt glänzend, weiß werden. Mhd. blichen «glänzen» (oheY erblichen ist «erblassen»), ahd. (bei Notker) in erblichen «erbleichen» und f erblichen «verbleichen»; dazu asächs. blikan «glänzen», ndl. blijken «erheUen, oflenbar werden», ags. blican «glänzen», anord. blikja (Prät. bleik) «erglänzen, glänzen, leuchten». Die Wurzel gehört zu abg. bliskati aus *blig- skati «funkeln», bleskä m. «Glanz». Ygl. auch Blech, bleich, blicken, blinken. Bleichert, m. (-5, PI. -e): rötlicher (blaß- roter, bleicher) Wein. Abgeschwächt aus Bleichart, Bleichhart (vgl. -ert in Bankert), bei Fischart Garg. 84 bleichart. bleiern, adj.: von Blei; (bildlich) schwer- fällig. Bei Luther, während sonst älternhd. auch bleien (noch bei Yoß Shak. 2, 51), ent- sprechend mhd. blijin, ahd. blnn, abgeleitet von Blei (s. d.). Bleifeder, f.: Bleistift. 1773 bei Ama- ranthes (3. Aufl.). Blei(h)e, f. (PI. -n), auch Blei m.: eine Art breiter Weißfische. Aus dem Ndd., wo mnd. bleie f., dazu ndl. blei, ags. blcege f., engl, blaij. Der Ursprung des Wortes mit den Nebenformen (schweiz.) Bliegge (schon ahd. blieka). Blicke liegt im Dunkeln. Schwer- lich ist nach ahd. bleiclm, dem das anord. bleikja f. entspricht, an bleich anzuknüpfen, vgl. dän. biege {-eg- aus -eik) «Bleibe». Bleilot, n.: Senkblei. Bei Frisch 1741. Bleischnur, f.: Schnur unten mit Blei- gewicht als Maß- und Richtschnur beim Bauen. Bei Luther. Bleistift, m. {-es, PI. -e), südd. auch n.: Schreib-, Zeichenstift aus Reißblei. 1653 bei Harsdörfer mathem. Erquickstunden 3, 179 Bleijstefft m. Bleiweiß, n.: ein aus Blei zubereitetes weißhches Pulver, als Farbe, Salbe usw. Spätmhd. bliwiz. Bleiwage, f. : Setzwage mit einem Bleilot, um die senk- rechte Richtung der Mauer zu messen. 1495 im Voc. rerum f 2^^ blywag. Bleiwurf, m.: Bleilot, Senkblei. Bei Luther (Apostelg. 27, 28 Bleyiüurff). Blende, f.: Vorrichtung, den freien Bhck zu benehmen; Scheuleder beim Pferde; vor- geschobene Anlage zur Verdeckung einer Be- festigung dahinter (bei Ludwig 1716); blindes Fenster, blinde Türe, Mauer-, Wandvertiefung, Nische (bei Frisch 1741); glänzendes Mineral ohne Erzgehalt (1546 bei Georg Agi-icola). Von blenden, V.: blind oder wie blind machen. Mhd. blenden (Prät. blante), ahd. bleuten; dazu ags. blendan. Das V. ist ein Faktitiv, das wohl unmittelbar vom Adjektivum blind ge- bildet ist, da ein Verbum blindan nicht vor- liegt (got. ist gablindjan «verblenden», anord. blinda «blenden»). Blendling, m. {-s, PI. -e) -. Tier gemischter Rasse, Mischling; uneheliches Kind. Li der 1. Bed. als Jägerwort im 17. Jh. aufgeführt. Von mhd. blanden (Prät. blient), ahd. blantan «anstiften», urspr. «mischen», wie asächs.-ags. blandem, engl, blend, anord. blanda, got. blan- dan «vermischen» zeigt. Blendwerk, n.: Vorrichttmg zum Blen- den; Vorgespiegeltes zur Täuschung. Im 17. Jh. Blesse, f. (PI. -w): weißer Stimfleck; Pferd oder Kuh mit weißem Stirnfleck (vom Pferde 1691 bei Stieler Bläße f., 1575 bei Fischart Garg. 206 Blasse m., 1447 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 97 blessiger hengst): schwarzes Wasserhuhn mit einem weißen Fleck über dem Schnabel (auch Bläßhtihn). Spätmhd. und im 16. Jh. blasse f. «(weiße) Stirn»; dazu nd. bles, engl, blaze, anord. blesi m. «weißer Stirnfleck» und (mit Übergang von s in r) ndl. blaar f. «weißer Stirnfleck, Bläßkuh». Ableitung von blaß, richtiger daher Blässe. blessieren, v.: verwunden. Aus dem gleichbed. franz. Messer, afranz, bieder, das vielleicht auf das deutsche bletzen (s. d.) zuriickgeht. Im 17. Jh. entlehnt (bei Nehring 1710). ABL. Blessür, f.: Verwundung. Aus dem gleichbed. franz. blessure f. bletzen, v.: handwerksgerecht flicken. Südd. {wich. pletzen). Mhd. bletzen, abgeleitet von dem im Obd. erhaltenen mhd. bletz, ahd. blez m. (daneben mhd. bletze, ahd. blezzo m.) «Fleck, Lappen zum Aufnähen», das mit dem gleichbed. got. plats meist auf abg. platü m. «Tuchfetzen, Lappen» zuräckgeführt wird. Doch ist eher das umgekehrte Verhältnis anzunehmen und got. plats von bletzen zu trennen. Vgl. .Johansson KZ. 36, 372 f. Bleuel, m. (-S, PI. wie Sg.): flaches Holz mit Stiel zum Schlafen. Älternhd. auch Blauet. 253 Blick Blitz 254 Mhd. hliuwel, ahd. hlüil m., dazu ndl. hlouwel m. Yon l)leuen, v. : heftig schlagen. Mit An- lehnung an hlau auch oft hläuen geschrieben (bei Goethe 2, 89 hleien). Ältemhd. findet sich namentlich in md. Quellen (wie brauen für brauen, kauen für käuen) auch blauen (1691 von Stieler angeführt. 1773 bei Goethe Götz 1 planen, d. j. Goethe 2, 244 ). Aus mhd. bliuwen (Prät. bloii, PI. blüwen, Vart.gehlüiven). ahd. bliuwan, dazu ndl. blouwen «Flachs schla- gen», engl, blow, got. bliggwan «schlagen». Zusammenhang mit blau (s. d.) ist unwahr- scheinlich, vielmehr ist das Wort zxi lat. fligere «schlagen» zu stellen, vgl. Walde s. v. An Stelle der starken Flexion ist die schwache getreten, doch kommt ältemhd. (nicht bei Luther) noch das Pai't, Prät. geblauen vor. Blick, m. (-es, PI. -e): schnell auskom- mender wie schwindender Schein ( z. B. mit blicken des blitzes Luther Hab. 4, 1, den Blick vom Pulver Goethe 19, 190); (bergmännischj Aufleuchten des Silbers beim Schmelzen und die Masse selbst; woraufhin schnell fahren- der Augenstrahl. Mhd. blic (Gen. blickes) «Glanz, Blick, Blitz», ahd. blicch, blic m. «schnelles Glanzlicht, Wetterstrahl, Blitz». Dazu ndl. blik m. «Blick» (früher «Blitz»). Von l)lickeil, V.: Licht ausstrahlen, beson- ders schnell schwindendes. Mhd. blicken, ahd. blicchen «Licht ausstrahlen, leuchten, glänzen, bhcken». Mit einer Ableitungsendung von der Wurzel des ahd. blihhan «leuchten» (s. ^bleichen) gehMet, \gl. Blitz. ABL. Blick- feuer, n.: auf leuchtendes Feuer. Schon ahd. (bei Xotker) bligfiur n. Blicksilber, n. (s. die 2. Bed. von Blick). Fiühnhd. (1562 bei Mathesius Sar. 90 '^ Blicksilber, 196^ Blick- silber). blind, adj.: aller Sehkraft unfähig; licht- los; bloß scheinbar, nicht wirklich, des rech- ten Wesens entbehrend, z. ß. blindes Fenster, blinder Lärm. Mhd. blint (flekt. blinder), ahd, blint; dazu asächs.-ndl.-ags.-engl.-schwed.- dän, blind, anord. blindr. Dazu blenden (s. d.). Verwandt ist anord. blunda «schlafen, die Augen zutun» und vielleicht got. blandan «mischen, trüben, der Klarheit benehmen» (s. Blendling). Auch gehört lit. blista «es wird dunkel» hierher. Weiteres bei Liden Ups. Stud. 78. Vgl. noch blinzeln. ABL. Blindheit, f., m)i(i.blintheit f. blindlings, adv., im 17. Jh. (Zesen Ibr. 490j, dafür ahd. blintilingön. ZUS. Blindschleiche, f.: eine früher für blind gehaltene Schlangenart. Mit Wechsel des Geschlechts (bei Luther 3 Mos. 11, 30 der Blindschleich und noch jetzt obd.) aus mhd. blintsUche, ahd. blintslihho m. blink, adj., als Ablautsbildung zu blank von Bürger geschaffen (blink und blank 854). blinken, v,: hellen Schein von sich geben: blickweise winken. Mhd. nicht vorhanden, aber mnl. mengl. blinken (daher engl, blink). Aus dem Xdd. zunächst ins Md. eingedrungen, wo es bei Luther und bei Alberus Dict. u ' 1* und Ki 3** erscheint; allgemein wird es erst im 17. Jh. (bei Stieler 1691 verzeichnet), fehlt aber noch den obd. Mundarten, b. ge- hört zunächst zu blank, beide gehen mit Einfügung eines n auf die Wurzel zurück, der blaken, blecken zugrunde liegt. Andere verbinden blinken direkt mit dem der i-Reihe angehörigen bleichen, asächs. bUkan und be- trachten das schon altgenn. blank als Neu- bildung. bliuzeu, V. und mit dim. Ableitung blinzeln, v.: mit fast zugezogenem, win- kendem Auge bhcken. Mhd. Minzen (daneben auch schon blinzeln) geht mit Unterdrückung des mittleren e zurück auf blindzen, blindezen (abgeleitet von blind) oder eher auf blinkzen (vgl. bayr. blinkezen Schmeller 1, 328). Blitz, m. (-es, PI. -e): ausschießender Glanzstrahl; Wetterstrahl. Mit Ausfall eines k (doch ältemhd. auch noch blix, selbst bei Luther, vgl, Schweiz, blitzg) aus mhd. blickeze, blikze, auch schon blitze m. «Blitz» (ahd., auch noch mhd, dafür blic, s. Blick). Dazu das weitergebildete asächs. blicsmo, ndl. bliksem m. « Blitz ». An Stelle der mhd. flachen Flexion ist die starke getreten, doch bei Luther im Sg. auch noch blitzen und durchgehend so ; im PI., auch im 17. Jh. kommen noch schwache Formen vor (Hoffmannswaldau Held. 7 Akk. Sg. den blitzen, Gryphius Trauersp. 149 PI. blitzen). Von blitzen, v.: glänzend aus- strahlen; den Wetterstrahl schleudern; unpers. es blitzt «der Wetterstrahl zuckt durch die Luft». Mhd. blitzen, früher blikzen, blekzen. ahd. blecchazzen. bleckazen «schimmern, leuch- ten, wetterleuchten, blitzen», ein mit der Endung -azzen, got. -atjan (vgl. lauhatjan «blitzen») gebildetes Frequentativ von mhd. blicken (s. blicken). ZUS. blitzblau, adj. ganz blau. Blltzbub, m. (Schiller Räuber 3, 2). Blitzmädel, n. (Lessing 1, 416j. blitz- ist hier nur verstärkend (wohl vom Fluch potz Blitz ausgehend), vne in vielen anderen Bilduncren. 255 Block Blume 256 Block, m. {-es, PI. Blöcke): roher Holz- klotz; Holz zum Daranschließen der Füße; rohe, unförmliche zusammenhangende Metall-, Steinmasse. Älternhd. (auch bei Luther) Bloch, mhd. Uoch n., gewöhnlich hergeleitet mit Unterdi-ückung des e der Vorsilbe he- aus ahd. hiloh, auch schon hloh n. «Ab-, Ein-, VerschlieJßung, Eiegel», das zu ahd. hüühhan (entsprechend asächs. hüükan, ags. helücan) «schheßen» gehört. Die Grundbed. wäre also «Absi^errung», dann zum «Absperren, Ein- schließen dienender Balken», schließlich über- haupt «Balken, Klotz» und dem ähnliches. Doch erhebt E. Schröder AfdA. 24, 32 mit Recht dagegen Bedenken. Die Form Block (obd. meist hloch) braucht nicht aus dem Ndd. (mnd. hlock m. n.) aufgenommen zu sein, sondern kann sich durch eine angetretene Ableitungsendung erklären ; sie begegnet schon vereinzelt mhd. und bei Hans Sachs (plock m. Fab. 308, 13). An Stelle des mhd. Neutr. herrscht seit Luther das M. (doch noch das Bloch Grimmeishausen Simpl. 56 und schweiz.- elsäss. Uoch n.). Blockade, f. (PI. -n) -. Einschließung durch Besetzung der Zugänge. Aus dem gleich- bed. ital. hloccata f., dem als Subst. gesetzten Part. Perf. von ital. hloccare, franz. hloquer (s. d. f.). Bei Stieler 1691, Simpl. 444 hloc- quada. l)lockiereil, v. : belagernd ein- und durch Besetzung der Zugänge verschließen. Im teutschen Michel 1617 Nr. 7 hloquieren als modisches Fremdwort angeführt (auch bei Zincgref 1, 35). Aus franz. hloquer, abgeleitet von hloc m,, das auf das deutsche Block(s. d.) zurückgeht. Blockhaus, n. : ein roh aus Baumstümpfen und Pflöcken gezimmertes Haus. Spätmhd. hlochhüs n. (Lüiencron 2, 259). Blockwageu, m.: roh gearbeiteter Wagen mit großen un- beschlagenen Rädern. Spätmhd. hlochivagen m. blöde, adj.: zurückhaltend an Tatkraft und Mut; schwach an Seh- oder geistiger Kraft. Mhd. hloede «gebrechlich, schwach, zart, zaghaft», ahd. hlödi; dazu asächs. hlödi, ndl. hloode, ags. hleap, anord. hlaupr «schwach, zart», schwed. hlöt, dän, hlöd (got. *hlaupus ist aus *hlaiißjan «aufheben, abschaffen», eig. «schwach, ungültig machen» zu erschließen). Dunkler Herkunft, vielleicht zu aind. mlätäs «erweicht», ii'. mläith, hläith «weich, sanft», wobei das germanische Wort hl- aus ml- hätte und das ganze eine azi -Wurzel wäre. ABL. Blödigkeit, f., mhd. hlcedecheit. ZUS. BlÖdsinu, m., bei Adelung 1774, während das Adj. blödsinnig schon am Anfang des 17. Jh. vorkommt (Gombert 7, 15 v. J. 1617). blöken, v.: (von Rindvieh, Ziegen, Schafen) schreien. Ein lautnachahmendes Wort, das dem Obd. anfangs fremd ist; in md.-ndd. Glos- saren des 15. Jh. hlecken (auch vom Bellen des Hundes), bei Luther hlecken und blocken, auch bei Schottel 1663 noch hleeken und hlöcken (die Form hlecken, die von Gueintz u. a. auf das Geschrei der Schafe beschränkt wird, bei Hoffmannswaldau Schaf. 6), hlöken bei Stieler 1691. blokieren, s. blockieren. blond, adj.: (vom Kopf haar des Menschen) gelblich, hellfarbig. Aus dem gleichbed. franz. Mond, ital. hiondo, mlat. hlundus, das deutscher Herkunft ist undzuaiad. &rad/mas «rötlich gelb, falb» gehört. Schon mhd. vereinzelt Munt, doch setzt sich das Wort erst im 17. Jh. dauernd fest, verzeichnet bei Krämer 1678. Blonde, f. (PI. -n) -. feine seidene Spitzen. Aus dem gleichbed. franz. Monde f., nach der Farbe, denn das Wort ist Fem. des Adj. Mond. 1773 bei Amaranthes (3. Aufl.) 1, 472. Blondine, f. (PI. -n) : blondhaarige Frau. Aus dem gleich- bed. franz. hlondine f. Bei Rädlein 1711 ein Blondinigen. bloß, adj.: unbedeckt, unverhüllt; alles ausschließend, was noch da oder dabei sein könrite. Redensart: sich h. gehen, stellen, urspr. Fechterausdruck. Mhd. hlo^; ahd. fc/öj ist «stolz» (diese Bed. könnte sich aus der von «leer» entwickelt haben, vgl. eitel); da- zu ndl. hloot, afries. hlät «nackt, arm», ags. hleat «arm, elend», anord. hlaiitr «weich, frisch, zart». Dunkler Herkunft, vielleicht verwandt mit Mode (s. d.), vgl. auch hlutt Davon das Adv. bloß: nichts weiter als (mhd. noch nicht vorhanden, erst in den Fastnachtsp. 284, 8 und bei Keisersberg). ABL. Blöße, f.: Unbedeckt-, Nacktheit, unbedeckte Stelle, mhd. Moe^ef. bloßen, v.: bloß machen, jnhd. Müßten. blülien, V.: die Knospe zur Befruchtung entfalten; sich zu voller, frischer Schönheit enfalten. Aus mhd. hlüejen, blüen, ahd. hluo- jan, hluoen; dazu asächs. hlöjan, ndl. hloejen und mit starker Flexion ags. hlöivan (Prät. hleow), engl, hlow (Prät. Metv). Der Laut- verschiebung gemäß stimmend zu gleichbed. lat. flörere, s. Blume, Blust. Blüte, auch Blatt. Blume, f. (PI. -n): die für Auge oder Geruch entfaltete Knospe; Zierpflanze ihrer 257 Blnmenkolil Blut 258 Blüte wegen; (bildlich) das Allerschönste, Allerbeste: feinster Weinduft : f weidmännisch) Schwanz oder Scbwanzspitze des Wildes. Mhd. bluonie m. f., ahd. Vluomo na. und hluoma f, (im Alem.- Schwab, noch jetzt vielfach m.); dazu asächs. biomo m., ndl. hloem f., engl. hloom, anord. hlömi m. und blöm n. fauch weiter abgeleitet hlömstr m., schwed.-dän. hlomster n.). Neben diesen Formen stehen andre, in denen der Ableitungsendung ein s vorausgeht, ndl. hloesem ra., ags. hlösma, blöstma, blöstmm., engl.hIossom;sie teilen diese Erweitening dui'ch s mit lat. flös m. (Gen. flöris aus *flom) und flörere. S. auch Blust mit der gleichen Ei-weiterung, dagegen blühen, Blüte. J^L.MÜmeiljV.: mit Blumen versehen (davon geblümt), mhd. blvenien. blumig, adj., älternbd. auch blumicht, mhd. hluomeht. Blumenkohl, m.: Kohl mit eßbaren Blütenbüscheln. Nach ital. cavol fiore (cävolo m. «Kohl»), Span, coliflor, vgl. auch Karfiol. Pflanze und Name kamen nach Deutschland um 1600 (1605 bei Hulsius Dict. Blumköl, 1616 bei Henisch Blumenköl), und zwar aus Italien, wohin jene im 16. Jh. aus der Levante gebracht worden war. blümerant, adj. u.adv.: mattblau. Volks- tümhche, an Blume angelehnte Umbildung des franz. bleu mourant «sterbendes Blau» d. i. blaßblau, die bis in die ^Mitte des 17. Jh. zurücki-eicht (bei Grimmeishausen Vogelnest 1, 2 plümerant). Redensart: mir vird blü- merant, d. h. schwindlig. blumig, s. Blume. Blumist, m. {-en, PI. -en) : Blumenzüchter und -kenner. Aus ndl. bloemist m., mit latini- sierender Endung von hloem «Blume». Bei Adelung 1774. Blust, m. f. n.: Blüte. Obd., besonders alem.-schwäb. Mhd. bluostt., vgl. ags. blöstma m. (s. Blume). Blut, n. (-es): die Flüssigkeit in den Adern des tierischen Körpers; (bildhch) Geschlecht, Herkunft; Verwandtschaft; Mensch. 'Sihd.bluot n. (auch schon s. v. a. Mensch, z. B. dag un- schuldige bluot), ahd. blu^t n.; dazu asächs. blöd, ndl. bloed, ags. blöd, engl, blood, anord. blöd, schwed.-dän. blöd, got. blöp (Gen. hlöpis) n. Dunkler Herkunft; Zusammenhang mit blühen ist denkbar. In Zusammensetzungen ist blut- vielfach verstärkend, wobei z. T. wohl an blutt «bloß» (s. d.) anzuknüpfen ist, vgl. mhd. bluttMcket; femer ist auch zu be- rücksichtigen, daß beim Blut (nämlich Christi) Weit, and, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. geschworen zu werden pflegte, so daß das verstärkende kreuz- (kreuzbrav, kreuzfidel) zu vergleichen wäre. ABL. bluten, v.: Blut von sich geben : (in der Umgangsprache) Geld hergeben (bei Kindleben 1781 als studentisch]. Mhd. bluoten, ahd. bluoten. blutig, adj.: Blut an sich habend (dagegen in Zusammen- setzungen, wo die Eigenschaft des Blutes be- zeichnet werden soD, -blutig, z. B. kalt-, rot-, vollblütig). Mhd. bluotec, ahd. bluotag; dazu asächs. blödag, ndl. bloedig, ags. blödig, engl. bloody, anord. blödugr. S. auch bh(tt. ZUS. 1) mit Blut-: blutarm, adj.: arm bis aufs Blut, d. h. nichts als das Blut (Leben) habend, sehr arm (oder zu blutt?), frühnhd.; arm an Blut (noch nicht bei Campe ). Blut- bad, n.: Metzelei, eig. Waten im Blut fmhd. im bluofe baden), bei Luther. Blut- bann, m.: Gerichtsbarkeit über Leben und Tod, mhd. bluotban m. Blutdurst, m.: Drang nach blutiger Tötung (vgl. mhd. nach bZwofe(//ö-.sfe>i). BeiLuther, nebst blutdürstig adj. Blutegel, m.: blutsaugender Wurm, mhd. einfach egele, egel f., ahd. egala f., mnd. egel m., bei Luther (Spr. Sal. 30, 15) Eigel f.: später im 16. Jh. Blutegel (bei Fischart 2, 9 Kurz Plutägel) und seit dem 17. Jh. durch Vermischung mit Igel Blutigel m. (Schupp ! 2, 52), was später allgemein geläufig wird, ! doch erhält sich daneben das z. B. von Ade- I lung verlangte Blutegel, zuweüen selbst als Fem. (Ägel f. Lohenstein Soph. 40). blut- fremd, adj.: gänzlich fremd, im 17. Jh. Blut- gang, m. : Abgang von Blut auf natürlichem Wege, spätmhd. bluotganc «geschlechtliches Abgehen von Blut», namentlich als Ki^ank- heit (bei Luther). Blutgeld, n. : durch Blut erworbenes Geld, bei Luther. Blutgericht, n.: Gericht über Leben und Tod, bei Luther. Blutgier, f.: wie Blutdurst, erst bei Ade- lung 1774, während blutgierig adj. schon bei Luther erscheint. Bluthund, m.: Schweiß- hund; blutgieriger Mensch, Wüterich (im 15. Jh, bei Beheim Wien. 35, 26); dicke Blut- wurst (Fischart Garg. 77, noch Schweiz.). blutjung, adj.; gar jung, bei Steinbach 1734. Blutrache, f.: Rache für vergossenes Blut, : namentlich für Venvandtenmord, bei Stieler 1691 (aber schon bei Luther Blutrecher m. «der für vergossenes Blut Rache nimmt»). blutrünstig, adj.: vei-wundet, daß das Blut fließt. Spätmhd. bluotrünstec (neben mhd. bluotrunsec), abgeleitet von mhd. bluotrunst neben bluotruns f. «Abrinnen des Blutes, blut- 17 259 Blüte bocken 260 fließende Wunde», zusammenges. mit Runs (s. d.). Älternhd. (auch bei Luther) meist Uutrüstig, mhd. 1335 bluotristic (durch Ein- fluß von mhd. bluotrisec «blutiünstig», -risec zu risen «fallen»), blutsauer, adj.: sauer bis aufs Blut, bei Luther. Blutschande, f.: geschlechtliches Verbrechen bei Blutsver- wandtschaft. Bei Luther. Blutsclireier, m.: (im mittelalterlichen Gerichtsverfahren) der Mordio hinter dem Totschläger und vor dem Blutgericht ruft, 1741 bei Frisch. Blut- schuld, f.: Schuld durch verbrecherisches Blutvergießen. Bei Luther, blutwenig, adj. u. adv.: sehr wenig. Um 1700 (Schel- muffsky 116). Blutwurst, f.: mit Blut ge- füllte Wurst. Fi-ühnhd. (1517 bei Trochus Q 1* Uuetworst). Blutwurz, f.: blutstillen- des Kraut, tormentilla, ahd. hluotwurz. Blut- zeuge, m.: Märtyrer, im 17. Jh. 2) mit dem Gen. Bluts-: Blutsfreund, m.: Blutsver- wandter, bei Luther Blutfreund. Blüte, f. (PI. -n): Entfaltung der Knospe zur Fruchtbildung; eine solche aufgegangene Knospe; (bildlich) Zustand ganz nach Wunsch. Aus dem PI. (hlüete) des mhd. -ahd. hluot f.; dazu ags. Med (aus *hlödi-) f. Zu hluhen. Bei Luther Blüet, landschaftlich noch vielfach Blut, z. B. obersächs. Baunihlut. Blutegel, -gang, -geld usw., s. Blut. blutt, adj. u. adv.: bloß, entblößt, ohne alle Bedeckung, kahl (ühland 818 hlutt und bloß). Mundartlich (bayr.- schwäb.- schweiz.- elsäss., am Rhein und ndd.). Spätmhd. ver- einzelt Mut, dann bei Keisersberg, Brant, Murner u. a., auch von Dasypodius und Maaler angeführt. Weiter scheint ein land- schaftliches Mutig (Weise Erzn. 11, Schel- muffsky 80 keinen Mutigen Heller) hierherzu- gehören, wofür obd. Muttig vorkommt. Da- zu ndl. Mut, Muts, Mutsch «kahl, leer», dän. (entlehnt aus dem Nd.) Mot. Das Verhält- nis zu Moß ist unsicher; wahrscheinlich ist Mode (mit Ablaut) zunächst verwandt, das ndd.-hd. Mutt könnte aus *Muppa- (assimiliert aus *Mupna-) erklärt werden. blutwenig, Blutwurst, Blutzeuge, s. Blut. Bö, f. (PI. -en): heftiger Windstoß. Aus ndd. höe, unbekannter Herkunft; dazu ndl. hui, schwed. hy, dän. byge f. «Regenschauer, Sturm, Windstoß». Bober^ll, Bobereile, f. (PI. -w) : Juden- kirsche. Spätmhd. hoborell aus dem uner- klärten mlat. Namen bohorella f. Bocher, m. (-s, PI. wie Sg.): Jüngling, Student. Im Judendeutsch, aus hebr. hächür «Jüngling». •'Bock, m. (-es, PI. Böcke) : das Männchen der Ziege, dann auch der Gemse, des Rehes, Schafes; den steifen Beinen des Ziegenbockes vergleichbares Werkzeug oder Gerät; hoher Kutschersitz am Wagen (Zachariä Renom- mist 319); Balken oder Klotz zum Stoßen. Mhd. hoc (Gen. hockes), ahd. bocch, bock m. ; dazu ndl. hok, ags. hucca, engl, huck, anord. bokkr und bokki, schwed. bock, dän. buk m. Frühmlat. huccus m. Entlehnung aus dem Kelt. (altir. bocc) ist ebenso möglich, wie um- gekehrt des Keltischen aus dem Germanischen (franz. bouc m. entstammt dem Kelt.). Doch vgl. auch awest. bUza «Bock», armen, huc «Lamm», mit denen das Wort urverwandt sein dürfte. Vgl. auch Hahergeiß. "Bock, m. (-es, PI. Böcke): unangenehmer Verstoß. Einen B. schießen «einen Verstoß, Fehler machen», aber auch, wie wohl ui'spr. «zu Boden fallen», vgl. älternhd. Burzelbock wie Burzelbaum. Zu mhd. bocken «zu Boden fallen», buc m. «Sturz», die mit bücken zu biegen gehören. ^Bock, m. (-es) und Bockbier, n.: eine Art besonders starken Bieres in Bayern. Der Name findet sich hier schon zu Anfang des 16. Jh., gekürzt aus Äimbock, d. i. (mit Ver- derbnis des -beck in -bock) Bier aus Eim- beck in Hannover. Man führte nämlich ehe- dem von dort starkes Bier nach Bayern ein und braute es hier allmählich auch. Zur Entstehung mag mitgewirkt haben, daß auch sonst Biersorten und Getränke mit Tiernamen belegt werden, z. B. Broylian, Büffel, Ente, Kalte Ente, Gause (zu Gans?), Geiß, Hähn- chen, Hund, Kälberzagel, Kater, Schöps, vgl. die reiche Sammlung bei Kluge Deutsche Studentensprache 22. bockbeinig, adj. u. adv.: wie ein Bock die Beine steifend ; starr widerspenstig. Schon im 16. Jh. in der 1. Bed. ^bocken, v.: wie ein Bock springen; nach dem Bocke verlangen und von ihm bespningen wei'den; nach dem Bock oder wie ein Bock riechen (vgl. böckseln). Mhd. bocken «wie ein Bock stoßen». "bocken, v.: den Flachs auf der Bock- d. i. Stampfmühle stampfen. Aus dem Ndd., 1663 bei Schottel boken. Aus mnd. haken «klopfen, schlagen», das mit pochen (s. d.) identisch ist. 261 bockig Bogen 262 l)OCklg, adj.u. adv.: wie bockbeinig: nach dem Bocke verlangend; nach dem Bocke rie- chend oder schmeckend. Älternhd. bockicht, mhd. dafüi- böckisch (noch 1678 bei Krämer). Bockpfeife, f.: Dudelsack mit Bocks- hörnern. Bei Krämer 1678. Bocksbart, m.: herabhangendes Kinnhaar des Bocks; (nach der Ähnlichkeit) Name meh- rerer Pflanzen (in tmhnhd. Glossaren). ^Bocksbeutel, m.: Hodensack des Bocks (bei Stieler 1691): (nach der Ähnlichkeit) Flasche zu Würzburger Steinwein. -Bocksbeutel, m.: der steif bewahrte alte Brauch, das steife Kleben an einmal vor- handener Gewohnheit. Zuiiickgehend auf das ndd. boksbüdel (zusammeng. aus dem Gen. Sg. von bok «Buch» und büdel «Beutel»), das als hamburgisch mehrfach in der Mitte des 17. Jh. bezeugt ist. Die Benennung stammt daher, daß fi-üher die Hamburgerinnen an der Seite einen Beutel hängen hatten, wo- rin sie ihr Gesangbuch und andres trugen und diesen Beutel hei'kömmlich anbehielten, so daß er dann zum Sinnbild für- das Haften an alter Gewohnheit wurde (vgl. Heitmüller in seiner Ausgabe von Borkensteins Bookes- beutel S. IX fg.). l)Öckselll, auch böckseru, v.: bockartig riechen oder schmecken. Statt böckzeln, ab- geleitet von mhd. bockezen «stinken wie ein Bock» (noch bei Schottel 1663, ßädlein 1711 bökzen, bei Duez 1664 und bei Stieler 1691 dafür bocke uzen, älternhd. auch böckeln, bei Maaler 1561 böckelen). Bockshorn, n.: Hörn eines Bocks; Name mehrerer Pflanzen, namentlich des Johannis- Ijrotes und der cassia fistula (beides schon spätmhd.). Redensart: ins B. jagen «in Angst versetzen, kleinmütig machen» zuerst bei Brant Narrensch. 160 ''j im 16. Jh. sehr gewöhnlich). Vielleicht eine Nachbildung der ital. Redens- art dar Verba cassia (dafür altital. auch caccia) a qualchedutio «jemand den Laufpaß geben, ihn wegjagen», mit Beziehung auf caccia Jagd (dergl.Wendungenmit Anspielungauf Pflanzen- namen waren sehr gewöhnlich); im Deutschen wäre cassia (cacdd) dnrch Bockshorn übersetzt, außerdem noch durch jagen wiedergegeben. Anders Borchardt -Wustmann 75. ZfdW.4,330. Boden, m. (-s, PI. Böden)-, der unterste Raum wovon als Unterlage ; Raum unter dem Dach als Aufbewahrungsort. Mit Abschwä- chung des Suffixes -ew zu -en (schon bei Luther in der Bibel B., doch daneben Bodem bis ins 18. Jh., sogar noch bei Rückert, so- wie mundarthch) aus mhd. bodem, auch schon boden, ahd. bodam m.; dazu asächs. bodam, ndl. bodeni und (mit ITbergang des d in t) ags. botniy engl, bottom, ferner mit einem n- Suffix anord. botn, schwed. botten m., dän. bund (aus budn). Urverwandt sind (ebenfalls mit w- Suffix) lat. fimdus, aind. budhnäs, soAvie gi\ TTueinriv (tt für qp wegen des 0) m. «Grund, Boden». Ln PL ist Umlaut eingedrungen (Luther hat noch J5.), doch nicht durch- gängig; Adelung weist die Form B. haupt- sächlich dem Niederdeutschen zu. Bodmerei, f. (PI. -en) -. An- und Darlehen auf den Iviel eines Schifles oder auf dieses selbst zu hohen Zinsen, wenn das Schiff glück- lich den Ort seiner Bestimmung erreicht, aber zum Verluste der Anforderung des Darleihers im unglücklichen Fall. Aus dem gleichbed. ndd. bodmerü, ndl. bodemerij f., engl, bottomry, von ndd.-ndl. bodem m., engl, bottom «Kiel (unterster Boden, Grundbalken) des Schiffes». Bofist, BoYist, m. (-es, PI. -e): zischend platzender Staubschwamm. Gnindlage des mundai'tlich in verschiedenen Formen auf- tretenden Wortes ist wahrscheinlich das in Glossaren des 15. Jh. belegte vohenfist, zu- sammenges. aus vohen- (zu mhd. vohe f. «Füchsin») und fist m. «leiser Bauchwind». Derselbe Schwamm heißt gr.-neulat. lycoper- don n. «Wolfsfist» (ndl. wolfsveest f.). Das später unverständlich werdende vohen- wurde mehi'fach umgedeutet, so entstand ndd. bo- fist (zu bove «Bube»), das später ins Hochd. eindrang, und poflst (zu po «Pfau»), beide auch in hd. Form als Bubenfist (1546 bei Bock 3, 1*^), Pfauenfisf. Bogen, m. (-S, PI. Bogen u. Bögen) : Krüm- mung als Abschnitt einer Kreislinie; Watte mit solcher Kiäimmung; zusammengelegtes (gebogenes) Papier von einer bestimmten Größe. Aus mhd. böge, ahd. bogo m.; dazu ndl. boog, ags. boga, engl, bow, anord. bogi, schwed. bäge, dän. bue m. Zu biegen. An Stelle der schwachen Flexion im Mhd. ist die starke getreten; doch älternhd. N. Sg. auch noch Böge (bei Luther, doch Hiob 20, 24 Bogen), Bog. Der PI. nimmt jetzt Umlaut an, namentlich süddeutsch (auch bei Goethe, Schiller), doch steht daneben das nicht um- gelautete Bogen. ABL. bogig, adj.: Bogen- form habend. Bei Stieler 1691 bögicht. Bog- ner, m. : Verfertiger von Bogen zum Schießen, mhd. bogencere m. 17* 263 Bohle -hold 264 Bohle, f. (PI. -n): breites dickes Brett. Mhd. (in md. Quellen) hole f.; dazu anord. holr m. «Baumstamm, Rumpf». Dunkler Her- kunft, vielleicht mit Balken (s. d.) verwandt. ABL. hohlen, v.: mit Bohlen belegen. Böhmen, mhd.-ahd. Beheim. Aus kelt.- lat. Boioliemum n. Wohnsitz des keltischen Volksstammes der Bojer. Davon Böhme m. und höhmisch, adj., mhd. behemisch. Redensart: höhmische Dörfer «fremde, unver- ständliche Dinge», wie die slavischen Namen böhmischer Dörfer einem Deutschen vorkom- men (schon bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 15). Boh^merweih, n.: Zigeunerin (bei Schiller Jungfr. V. Orl. 1, 3), nach franz. Bohemien m. «Zigeuner», eig. Böhme. Bohne, f. (PI. -n) : längliche Schotenfrucht. Mhd. hone, ahd. bona f.: dazu ndl. boon, ags. hean, engl, hean, anord. baun f. Das Ver- hältnis des Wortes zu den anscheinend ver- wandten lat. fäba f., abg. hobü m. «Bohne» oder gr. cpoKÖcm. «Linse» ist schwierig zu be- urteilen, vgl. Hirt Btr. 22, 235, E. Schröder ZfdA. 42, 71. höhnen, v. ; mit Wachs glänzend reiben. Dafür mhd. büenen «glänzend machen, mit Glanz überziehen». Die nhd. Form kann aus dem ndd. bönen abgeleitet werden ; dazu ndl. hoenen, ags. bönian «eine Heizfläche blank reiben». Doch kann auch nach obd. Laut- gesetzen (s. versöhnen) höhnen aus einem nicht uragelauteten mhd. buonen hervorgegangen sein (ponen schon bei Hans Sachs Fab. 30, 229, hone «Getäfel» 1482 im Voc. theut. e l''). Die Wurzel stimmt der Lautverschiebung ge- mäß mit gr. q)aiveiv «leuchten», aind. bhänus m. «Licht, Strahl», air. bän «weiß»; vielleicht ist Bahn (s. d.) verwandt. Bohnenlied, n. Redensarten: einem das B. singen ihm sagen, daß er sich entfernen soll, weil man seiner nicht mehr bedarf; das geht übers B. «weit über Gebühr». Schon in der 2. Hälfte des 15. Jh.: es ist mir übers hohnenlied (Mone Schausp. 2, 406, 78. Fast- nachtssp. 845, 28) d. i. «zu arg». Das, Bohnen- lied ist ein weit verbreitetes Volkslied, in dem allerlei Torheiten geschildert werden, mit dem Kehrreim nu gang mir aus den Bohnen (vgl. Uhland Volksl. 2, 614 fg.). bohren, v.: stechen, daß es ein Loch gibt; drehend stechen. Aus mhd. born, ahd. borön: dazu ndl. hören, ags. borian, engl.- ' 7 O 7 0 dä,n. bore, anord.-schwed. hora. Der Lautver- schiebung gemäß stimmt ]ni. foräre «bohren», gr.qpapdeiv «pflügen», aind. bÄ^{r^j' f. «Scheere». ABL. Bohrer, m.: Bohrwerkzeug. 1482 im Voc. theut. e l'' horer. Boi, m. (-es, PI. -e): Wollenzeug, feiner als Fries und gröber als Flanell. Aus dem ndd. baje f., ndl. haäi f., engl, bay und baize, schwed. boj n., dän. boi, hai n., die alle auf franz. boie, afranz. baie f. zm'ückgehen. Bei Henisch 1616 Bayh, Bay, bei Duez, Krämer und Ludwig Bay und Boy. Boie, f. (PI. -n) : Wiege. In Mitteldeutsch- land, 1668 beiPrätoriusMagdetröster406Boije, 1752 bei Frisch teutsch-frantz. Wb. 136 Boye f., obersächsisch auch Boheie f. Dazu hoien, V.: wiegen, 1711 bei Rädlein hoyen. Boileine, s. Boje. Boisalz, s. Baisalz. Bojar, m. (-en, PI. -en): adeliger Guts- besitzer in der Walachei. 1585 bei Laur. Müller polnische etc. Historien M. 4^^ Boiar. Rumänisch ftoiarm «Edelmann», aus serh.boljär der «Vornehme, Große», von bolji «besser». Boje, f. (PI. -n): schwimmendes, mit einem Seil an einen Anker befestigtes Stück Holz oder Tönnchen, zum Zeichen, wo der Anker liegt; dann auch wie Bake (s. d.). 1720 im Robinson 1, 420 Boy. Aus dem gleichbed. ndd. boje f., ndl. boei f., engl, buoy, die aus dem Romanischen entlehnt sind, wo franz. bouee, afranz. hoye, span. boya, port. boie f. Diese aber stammen urspr. wie auch das bereits entlehnte mhd.-mnd. boie s. v. a. «SeU, Kette, Fessel», aus altlat.fcöja f. «Lederriemen, Fessel». ZUS. Boileine f., Boiseil, n. : Leine, Seil, woran die Boje befestigt ist. ^Bolch, m.: Belebe (s. ^Belche). ^ Bolch,m. (-es, PI. -e): Kabeljau. Als Fisch- name begegnet bollich bereits 1329 (Diefen- bach-Wülcker S. 275), ebenso in frühnhd. Glossaren bullich (1482 im Voc. theut. e 4* «polipus»), bulich, bolich, bolch mit verschie- dener Bestimmung; 1561 bei Maaler Bolch «Kahlen». Dazu mnd. bullik, bulik, bulk m. «Kabeljau», ndl. bulk m. «eine Art Schell- fisch». Kaum zum vorausgehenden zu stellen; vielleicht von Bolle (s. d.) abgeleitet wegen der rundlichen, massigen Form des Fisches, vgl. engl.-dän. bulk «Klumpen, Masse». -hold bezeichnet in Zusammensetzungen die Person, die dem in dem ersten Worte Ausgedrückten nachhängt oder so ist, wie jenes anzeigt, e. B. in Rauf-, Trunken-, Tücke-, Witzbold. Mhd. -holt in trunkenholt, wankelbolt «Wankelmütiger», hetzebolt «Hetzhund», ent- 265 Bole Bomhe 266 spricht dem in Hainen erscheinenden -holt und geht zurück auf das Adj. mhd. halt, ahd. bald «kühn». Daraus ist von Dichtern ein Subst. Bold, m.: kleines Wesen (Rückert 3, 145) geschaffen worden. Bole (bei Voß), f. : Kumpf für Speise oder Getränk, nach engl, ioivl (s. Boivle). bölkcn, V.: schreien, biüllen (vom Eind- vieh usw.). Aus dem gleicbbed. mnd. holken, auch ndl. hdken und in Mitteldeutschland im 15. Jh. hiilken; Henisch 1616 verzeichnet holken und hölken. Lautnachahmendes Woii, wohl Nebenform zu hlöken. Tgl. auch mhd. bullen, hüllen, ahd. hullön «brüllen, bellen». boll, l)Ollig, adj.: steif, ungeschmeidig (bes. bei den Lohgerbern vom Leder). Aus dem Ndd. (mnd. hol «hohl»), aus dem Henisch 1616 hol und Schottel 1663 boll «hohl, geschwollen, aufgeblasen» verzeichnen. Wohl zu5o//e(s.d.). ^''S.Boll-eiseil, n. : ungeschm eidiges, sprödes Stangeneisen. Bei Adelung 1774. Bolle, f.: (PI. -n): Zwiebel, überhaupt Wurzelknollen: Blütenknopf der Pflanze; Samenknopf des Flachses: langrundes, mul- denartiges Gefäß. Mhd, holle f. m. «Knospe und oben wie unten enges, in der Mitte weites Gefäß zum Auffüllen und Abziehen des Weines», ahd. holla f. «Fruchtbalg oder Knoten des Flachses» und m hirniholla f. «Hirnschale»; dazu ndl. hol m. «Kugel, Ball, Blumenzwiebel», ags, holla m. «Gefäß,.Becber» und in heafodbolla f. «Hirnschale», engl, bowl «Gefäß, Napf, Becher», anord. bolli m. «Schale». Das Wort gehört zu mhd. boln, ahd. bolön «wäl- zen», dann «schleudern» und bezeichnet urspr. überhaupt einen rundlichen Gegenstand. Ver- wandt ist Ball (s. d.). Bolleisen, s. boll. Böller, m. (-S. PI. wie Sg.): kleiner Mörser zum Schießen. Älternhd. auch Böler (noch bei Ludwig 1716, bei Duez 1664 und Krämer 1678 Böhler), obd. Polier. Spätmhd. boler m. «Wurfmaschine, Schleuder», zu mhd. boln, ahd. holön in derBed. «schleudern», ui'spr. «wälzen». bolllg, s. boll. Bollwerk, n. (-es, PI. -e); WaU und Schanze zur Veiieidigung; Festvmgswerk vor dem Hauptwalle. Mhd. holewerc, bolwerc n. «Gerüste (Werk) zum Werfen oder Schleudern, Wurfraaschine», dann «Gerüst oder Befesti- gungsanlage zurVei'teidigung einer Feste» usw., gebildet von mhd. boln «schleudera, werfen» und werc n. hier «Vorrichtung zuc Arbeit, Maschine, Gerüst». Daher franz. boulevard m. Bolz, m. (-es, PI. -e) und Bolzeu, m. (-S, PI. wie Sg.): kui-zer dicker Pfeil (danach auf ähnlich gestaltete Eisen übertragen, z. B. Schließnagel, Plättstahl). Mhd. bolz, selten bolze m., ahd. bolz m.; dazu mnd. holte «Pfeü, Fußeisen», ndl. bout «Bolz, eiserner Schließ- nagel», ags. holt m., engl, holt «Pfeil, Eiegel, Fessel», schwed. bult, Island, holtiva. «eiserner Schließnagel», dän. holt «Bolz». Man ver- mutet ümdeutschung von lat. catapulta f, «Wurfmaschine», dann auch «Wurfgeschoß», doch kann das Wort auch germanischen Ur- sprungs sein, vielleicht zu ahd. bolön «schleu- dern, abschnellen» (s. Böller), doch macht da- bei die Ableitung Schwierigkeiten. Lit. heldu «anklopfen, anpochen» ist kaum verwandt, da dies zu poltern (s. d.) gehört. Bolzen hat sich aus dem mhd. schwach flektieren- den bolze entwickelt und hat Bolz jetzt fast ganz verdrängt (dies z. B. bei Heine 1, 311). Boml)ärde, f. (PI. -n): großes Steinge- schütz, Donnerbüchse. Aus afranz. hombarde, einerAbleitungvongr.-lat.&om?msm.(s.5om&e). Bei Wächtler 1711. ABL. Bombardement, n, (-S, PI. -s): Beschießen mit Bomben. Aus gleicbbed. ft-anz. bombardement m. Bei Spe- rander 1728. Bombardier, m. (-5, PI. -e): Feuerwerker. Aus franz. bombardier , mlat. hombardarius m. Bei Rädlein 1711 Bomhardir- Gesellen. bombardieren, v.: mit Bomben beschießen. Aus franz. hombarder, mlat. honibardare. Bei Stieler 1691. Bombasin, m. (-5): Art baumwollen- seidenes Zeug. Aus dem gleicbbed. franz. bombasin m., das mit ital. hombagino m. auf ein mlat. bombaciniicm n. zurückgeht, einer Ableitung von mlat. bombax (Gen. hombacis) m. f. «Baumwolle», das seine Grundlage in gr.-lat. bombijx (Gen. bomhycis), gi\ ßö|ußut «Seidem'aupe» hat. Schon 1556 bei Frisius S. 1425* Bombasin «xylinum» (mhd. kommt dafür wammasin vor), Bombast, m. (-s) -. Wortschwall, Schwulst. Aus engl, bombast «Wortschwall, aufgeblähte Rede», eig. mit Baumwolle ausgestopftes Zeug, von mlat. homhax m. f, «Baumwolle» (s, Bombasin). Im 18. Jh. entlehnt (Gott- sched, Liscow 77). Bombe, f. (PI. -n)-. große gefüllte Hohl- kugel zum Schießen. Bei Krämer 1678. Aus franz. bombe, ital.-span, bomba f., gleichsam «summendes Geschoß», von gr.-lat. bombus, gv. ßöiLißoc m. «dumpfer, tiefer Ton, Summen, Rauschen». 267 Bonbou Bordell 268 Bonl)011, n. (PI. -s): eine Art Zucker- werk, aus franz. bonbon, dem doppelgesetzten bon «gut». Im 18. Jb. entlehnt. Boumot, n. (-S, PI. -s): Witzwort, wit- ziger Einfall, aus franz. bon «gut» und mot «Wort». Anfang des 19. Jli. entlehnt. BÖllhase, m. (-n, PI. -n): Pfuscher, Un- berechtigter zum Handwerk. Aus ndd. bön- hase m. Handwerker, besonders Schneider, der, weil er nicht Meister ist, heimhcb auf dem obersten Hausboden (ndd, böne f.) ar- beitet, wo ihn die Zunftmeister aufsuchen oder wie man sagt, jagen (deshalb Hase). Schon im 16. Jh. vorkommend (1568). Ent- lehnt ndl. beunhaas, schwed. bönhas, dän. bönhase m. Vgl. Walther ZfdW. 8, 191. Bonne, f. (PI. -n): dienendes Mädchen, namentlich zur Kinderwartung. Aus franz. bonne f. «Dienstmädchen», eig. F. des Adj. bon «gut», urspr. trauliche Anrede der Kinder. Neue Entlehnung. Boot, n. (-es, PI. -e, auch Böte): kleines leichtes ofienes Wasserfahrzeug. Wie andre Seemaunsausdrücke (s. Flotte, Tau) aus dem Ndd. entlehnt. Mnd. bot m. n., mndl. boot, entlehnt aus mengl. bot n. (nengl. boat), dies aus ags. bat n.; dazu anord. beit n., häufiger aber (nach dem Ags.) bätr m., schwed. bat m., dän. baad. Auch franz. bateau m. «Fahr- zeug, Boot» beruht auf dem ags. Wort. Das anord. beit gehört vielleicht zu biti m. «Balken» und weiter zu avra.phait «Balken», Liden Uppsalastudier 34. Im Hochd. zuerst 1595 in Hulsius Schiffart als Boot m. n., z. B. 1, 19, dann auch bei Henisch 1616 ver- zeichnet, ferner 1657 bei Beilin S. 119 als Boot n. «ein kleines schiflein», bei Schottel 1663, bei Stieler (als Bot m. n.), bei Ludwig 1716 (als Bot, Boot, Both n.) usw.; in der Literatur z. B. bei Fleming 580 Both, häu- figer im 18. Jh. Der PI. zuweilen als Böte gebildet (wohl von dem älternhd. M. Boot aus). Für die Zusammensetzungen Boots- knecht, Bootsmann usw. «Schiffer» er- scheint schon im 16. Jh. Boßknecht, Boß- gesell, Boßleute, deren Boß- (beruhend auf ndd. bös- aus bots-) allmählich durch Boots- verdrängt wird (Potsgesell bei Fischart Binenk. 103, Bootsmann bei Henisch 1616, doch kennt noch Stieler 1691 auch Bosmann, daraus entlehnt das gleichbed. frz. &ossewianm.). Borax, m. (-es, PI. -e): die natürlich vorkommende Verbindung der sogenannten Borsäure mit Natron. Älternhd. Boraß (1562 bei Mathesius Sarepta 80^ Borros), schon spätmhd. buras, aus mlat. borax f. (woher ital. boracem.), das auf arab. hätiraq beruht. Borch, s. Barch. ^Bord, m. (-es, PI. -e): umfassender oberer äußerer Rand; Schüfsrand und damit bildlich auch s. v. a. Schiff. Mit d durch ndd. Einfluß (Adelung hat noch Bort). Mhd.- ahd. bort m. n. «Rand, Schiflfsrand»; dazu asächs. bord m. «Rand, Schiflfsrand, Schild- rand, Schild», ndl. boord m. «Rand, Schiflfs- rand, Ufer, Saum», ags. bord n. «Schiflfsseite, Schild», engl, board «Rand, Schiflfsrand», anord. bord, schwed. -dän. bord n. «Rand, Schiffsrand». Damit berühren sich Worte mit br- im Anlaut, ahd. brort und brart m. «Rand, Schiösrand, "\^orderteil des Schiffs», ags. brord m. «Spitze, Ährenstachel» und breord m., anord. broddr m. «Spitze». Wahr- scheinlich sind zwei Wörter zusammenge- fallen, ein bord, das eigentlich «Brett» be- deutet und mit diesem verwandt ist, und ein durch Schwund eines r aus brord «Rand» entstandenes bord, das zu abg. brazda f. «Furche» gehört und «Rand» bedeutet. Vgl. noch Borte. ■Bord, n. (-es, PI. -e): Brett. Rheinisch, auch ndd., hd. eigentlich Bort. Aus dem gleich bed. mhd. bort n. (selten, vgl. auch Diefenbach-Wülcker S. 278 u. Alberus Dict. BB*2^ bort «asser»); dazu ndl. -ags. feor(?, engl. board, anord. 6or(f, schwed.-dän.feorcZn. «Brett, Tisch, Tafel», got. -baurd in fötubaurd n. «Fuß- brett, -bank». Jedenfalls zu Brett gehörend, dem gegenüber B. Umstellung des r und ab- weichende Ablautstufe zeigt. Vgl. ^Bord. Borde, s. Borte. Börde, f.: sich hinziehende fruchtbare Ebene, besonders an einem Fluß, eine Fluß- ebene, z. B. Soester, Magdeburger Börde. Aus mnd. borde, boerde, auch geboerde f., das wohl nicht zu ndd. bord «Rand» (Fluß- rand) gehört, sondern zu mnd. boren, ho&ren «gebüliren», also eig. «Gebührlichkeit, Kom- petenz», dann «Gerichtsbezirk». Borden, n. (-es, PI. -e) : örtentliches Haus zur Unzucht. Aus dem gleichbed. franz. bordel, ital. bordello m., einer dimin. Bildung von afranz. borde, span. horda f. «Bretterhütte, Bude», die auf das deutsche -Bord (s. d.) zurückgehen. 1475 findet sich klevisch im Teuth. bordeel, dann bei Fischart Garg. 90 bordäl, 1615 bei Albertinus Landstörzer 401 Bordel, Henisch 1616 verzeichnet Bordeel. 269 bordieren Borst 270 bordieren, bortieren, v.: den Eand besetzen, einfassen. Aus dem gleichbed. franz. horder, von hord m. «Eand, Saum», dem das deutsche Bord, Borte (s. d.) zu- grunde liegt. Bei Krämer 1678 hordiren, bei Erasm. Francisci 1668 hortiren. ■^Borg, m. (-es, Vl.Börge): Sehwein, s.Barch. "Borg, m. (-es): Dargabe oder Annahme auf Zurückgabe fin der Redensart auf Borg, bei Schiller und Hebel auf Borgs durch Vermischung mit einem adv. horgs. Mhd. bore (Gen. horges) m.: was auf Zurückgabe dargegeben oder angenommen wird. Von borgen, v.: dargeben oder annehmen auf Zurückgabe; auf spätere Bezahlung geben oder nehmen. Mhd. borgen «bürgen, Bürge sein», daneben aber in ursprünglicherer Bed. «Nächsicht haben, schonen, Acht worauf haben», ahd. boragen «sich wovor hüten, Acht worauf haben, schonen»; dazu ndl. borgen, ags. horgian, engl, borrow «borgen». Zu bergen und abg. brega^ «ich sorge füi- etwas», falls dies nicht aus dem Deutschen entlehnt ist. Borke, f. (PI. -n) : die rauhe äußere Baum- rinde. Aus dem 2s dd., wo mnd. borke f.; dazu engl, bark, anord. börkr m. Dunkler Herkunft. Häufig zu Birke gestellt, was aber keineswegs sicher ist. Bei Henisch 1616 Borcke, Barcke. Borkirche, f.: erhöhter ZuhöreiTaum oder Chor in der Kirche. Spätmhd. borjcv'che f., zusammenges. mit ahd.-mhd. bor f. «Höbe, oberer Eaum», das mit mhd. bürn, ahd. burian «erheben» wohl zu ahd.&eraw «tragen» gehört; ebenso Borscheune, f.: der Scheunenboden über der Tenne, Borwisch, m. : runder Kehrbesen mit langem Stiel, um damit hoch hinauf wischen zu können. Vgl. empor. Born, m. {-es, PI. -e): wie Brunnen, Quell: Quellwasser. Dichterisch, auch mund- artlich in Älittel- und Xiederdeutschland. Mit Abfall eines -e aus mhd. (in md. Quellen) bume, borne, dann auch born (so 1469 im Voc. ex quo, 1482 im Voc. theut. e 1** neben prun)\ entsprechend mnd.-mnl. &orne m., ndl. born f., afries. burna m., ags. burn i., burna m. und bume f. Identisch mit Brunnen (s. d. ), nm- mit Umstellung des r. Luther gebraucht Born neben Brun, auch ist es verzeichnet 1540 bei Alberus, dann 1616 bei Henisch. , Die urspr. schwache Flexion ist der starken gewichen; Luther bildet den PI. Börne. börnen, v.: brennen. Bei Luther (Hiob 30, 28j und mimdartlich in Mitteldeutschland. Mhd. in md. Quellen bilrnen, börnen, auch 1482 im Voc. theut. e 1^ börnen oder brennen, 1540 bei Alberus Dict. Pp 4^ ich börn «brenne»; entsprechend mnd. burnen (neben bernen), ags. byrnan, engl. h.irn «brennen». Gegenüber brennen (s. d.) zeigt b. Umstellung des r und abweichende Ablautsstufe. \ ^.aMchBernstein. borniert, adj.: beschränkt. Eig. Part. Prät. von bornieren «begrenzen, beschränken», das aus dem gleichbed. franz. &orner von franz. borne f. «Grenzzeichen, Ziel». Im 18. Jh. ent- lehnt (von Campe 1795 besprochen). Borretsch, m. (-es): als Salat und Ge- müse dienendes Gartenkraut mit behaarten Blättern und hellblauer Blüte, Gui-kenkraut, borago officinalis. Spätmhd. burretsch, bor- retsch m., aus ital. borragine, franz. bourrache f., die auf der spätmlat. Benennung borägo, borrägo f. beruhen ; dieser hegt das lat. burra f. «zottiges Gewand», ital.-prov.-span. borra, franz. bourre f. «ScheerwoUe» zugrunde. Der Xame wegen der haarigen Beschaffenheit der Blätter. Bors, s. Barsch. Borsdorfer,m.: eine aus dem meißnischen Dürfe Borsdorf stammende veredelte Apfel- art. Schon bei Luther. Bei Musäus (Kinder- klapper 79) verkürzt Borsterapfel. Börse, f. (PI. -«): Geldbeutel; Versamm- lungsort und Gebäude zur Besprechung im Geldhandel usw. Spätmhd. burse f. ist «Geld- beutel, Kasse» (1385 die Nebenform borse, borsen Gombert6, 19), auch «zusammenlebende Genossenschaft und deren Haus», ahä.burissa f. «Tasche», dazu mndl. burse, ndl. beurs f. Vgl. a.uch. Bursche. Zugi-unde liegt mlat. bursa, ital.borsa, franz.boursef. «Beutel» (von Leder j, diese aus gr. ßupca f. «abgezogenes Fell», dann «Leder». B. beraht in seiner Lautform zunächst auf dem Ndl. (in Brügge bezeichnete B. zuerst das Versammlungshaus der Kauf- leute, vgl. WB. d. Volkswirtschaft - 1, 500) und wird in dieser Bed. (aber auch als Studentenhaus) als Bors zuerst von Schottel 1663 und Krämer 1678 verzeichnet, während Henisch in gleicher Bed. noch Burs hat. Börse «Geldbeutel» wird zuei-st von Adelung 1774 angeführt. Vgl. Bursche. ^ Borst, m. {-es, PI. -e): auseinanderge- brochene Stelle. Aus dem Md. Ndd., mnd. hurst, borst m.; dazu ags. byrst m., engl. burst «Riß, Bruch». Zu bersten. Dafür bei Luther Borste f. ■^ Borst, ra. {-es, PI. -e): Gesamtheit starrer Haare. Oberdeutsch (Schubart 2, 53 mit dem 271 Borste bosseln 272 B. der Wimper). In diesem Kollektiv hat sich mhd.-ahd, hörst erhalten (s. d. folg.). Borste, f. (PI. -n): ein starres Haar. Mhd. horste, auch hürste, ahd. lursta f., da- neben mhd. hörst m. n., ahd. hörst, hurst m. n. ; dazu ags. hyrst n., anord. hnrst f., schwed. hörst m. und mit weiterer Ableitung ndl. horstet m., ags. hrystl f., engl, hristle. Urver- wandt ist aind. hhrstisf. «Spitze, Zacke, Ecke», lat. fastigium aus *farstigium «Giebel, Spitze». Das M. N. Borst verschwindet im ältei'n Nhd. ^SL. borsten, weiter gebildet borsteln, V.: borstenartig emporrichten; refl. sich horsten, horstein: die Borsten sträuben. ßeiFrischl741. borstig, adj., im 16. Jh. horstig, hörstig, mhd. horstoht. Bort, s. -Bord. Borte, f. (PI. -n): starkes, aus Seide und Goldfäden gewirktes Band, zunächst ein den Rand eines Kleides usw. zum Schmuck um- fassendes Band. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. horte m. «Einfassung, Rand, aus Seide und Goldfäden gewii'ktes Band für sich oder als Besatz», ahd. horto m. «Besatz, Saum, stark- und dichtgewirktes Band», zu mhd.- ahd. hört m. «Rand» (s. ^Bord). Bei Luther noch als M. Borte, ebenso bei Henisch 1616 und oft im 17. Jh. Borte, Borten, bei Stieler 1691 Borte f. In der Bed. Einfassung gern Borde geschrieben (z. B. Schiller Räuber 2, 3), vgl. hordieren. bös, s. höse. böseben, v.: abhängig machen. Davon Böschung, f.: schräge Senkung, Abdachung. h. ist urspr. s. v. a. mit Rasen belegen von Schweiz. Bosch, Posch m. «Rasen, Rasenstück» bei Maaler 1561 (auch graspösch), zu husch gehörig. Böschung ist am Anfang des 17. Jh. als militärischer Ausdruck geläufig (1599 bei Speckle Architectui-a). In nordd. Aussprache und auf der Bühne jetzt mit o. böse, gekürzt bÖS (Goethe Iph. 1877), adj.u. adv.: gehalt- und haltlos; nichts wert; unnütz; nachteilig zuwider seiend; feindhch mißgestimmt. Mhd. hüese, ahd. hosi; dazu mnd. u. mndl. höse, nndl. boos, afries. häse. Vergl. ferner engl, to hoast «prahlen, sich rühmen», norw. haus «hitzig, heftig, über- mütig», schwed.-dial. hös «wild, verwegen daherfahrend» (Wadstein Btr. 22, 238). Für die Grundbed. ist ahd. hosa f. und gibosi n. «Possen», hoson «lästern, scherzen», sowie das entlehnte prov. hauzaL «Betrug» zu beachten. Herkunft noch nicht aufgeklärt. Vielleicht zu ahd. hö^^an, engl, to heat «stoßen, schla- gen», aus *bauttjo (s dann aus tt). AVadstein geht von einer Bedeutung «schwellen» aus, die in einigen Fällen im Slavischen vorliegt, O 0 7 russ. huhnut' «schwellen, sich werfen» u. a. ABL. boshaft, adj. u. adv., 1535 bei Schwartzenberg Cicero 134, 1, älternhd. ge- wöhnhch hoshaftig (auch bei Luther, schon 1470 im m]at.-hochd.-böhm.Wb.l75 hoßhafftig). Bosheit, f., mhd.-ahd. hösheit f., auch in der Bed. «Nichtigkeit, Gehalt-, Wertlosigkeit». böslich, adj. u. adv.: auf böse, d. i. schlechte, tadelhafte Weise, mhd. hoßsliche adv., selten hoßslich adj. ZUS. bösartig, adj. u. adv., bei Dentzler 1709 hösärtig. Bösewicht, m. {-es, PI. -e und -er): nichtswürdiger Ver- brecher. Mhd. hoeseiviht (auch noch mit Flexion von hoßse) m., zusammenges. mit wiht «Wesen», dann «Elender» (s. Wicht). Der PL lautet schon bei Luther auch Bösewichter. böswillig, adj, u. adv., spätmhd. hoestvillic. Boskett, n. (-es, PI. -e): Lustgebüsch. Aus dem gleichheä.hanz.hosquet, ital. hoschetto m., von ital. hosco m., das auf Busch (s. d.) zurückgeht. Im 18. Jh. entlehnt. böslich, s. höse. Boße, m. {-n, PI. -n) u. f : Gebund Strohes, Flachses u. dgl. Mhd. hö^e, ahd. hö^o, mnd. hote m. «Büschel», dann s. v. a. «Gebund Flachs». Davon BÖßel, m.: kleines Gebünd- chen- Flachs, deren eine Anzahl einen Boßen ausmachen, und bößeln, v.: den gerafften Flachs in Büschel (Bößel) binden. Wohl zu ahd. hö^an «stoßen», in Hinsicht auf festes zusammenstoßendes Binden, ygl.Stoß «Haufe». ^bosseln, v.-. Kegel schieben, kegeln. Mit Kürzung des Vokals aus älterm boßehi (bei Stieler 1691 hoselen), von dem dialektischen Boßel m. «Kegelkugel», abgeleitet von mhd. hogen «Kegel schieben», eig. «stoßen» (s.Am- hoß). Davon Bosselleich, m.: Kegelbahn. Bei Luther Bosseleich, Bosleich. S. Leich. ^bosseln, v.: in Kleinigkeiten arbeiten, zusammenflicken, künsteln. Vielleicht mit Kür- zung des Vokals aus spätmhd. hobeln, hoßgeln «klopfen, schlagen», Iterativ zu bogen «schla- gen» (s. Amboß), im 16. Jh. auch in der Bed. «künsteln, ausbessern, zusammenflicken, klein- lich arbeiten» (z. B. Hans Sachs Fab. 193,24. Scheidt Grob. 1528). Doch ist auch nd. pöseln «sich mit Kleinigkeiten beschäftigen» zu be- rücksichtigen. Davon BosSCl, m.: Haus- knecht, eig. der kleinliche Arbeit macht (Hans Sachs Fastn. 85, 143). 273 bosseln brach 274 ^bosseln, v. : halb oder ganz erhabene Arbeit machen. Aus dem gleichbed. franz. hosseler, von hosse f. «Beule, Erhabenheit» (s. d. folg.). bossieren, v. : in weicher Masse (Wachs, Gips) erhaben formen. Mit fremder Endung gebildet von franz. hosse, ital. hozza f. «Beule, Erhabenheit», die mit ahd. bögan «schlagen» als «durch Schlagen entstandene Geschwulst» zusammengebracht werden. Schon frühnhd. böswillig, s. höse. Botanik, f.: Pflanzenkunde. Aus nlat. hotanica, gr. ßoraviKr] «Pflanzen betreffende» (nämlich ^iricTriuri «Wissenschaft»), von ßoxdvri f. «Pflanze;^ Im 18. Jh. aufgenommen. Davon' Botaniker, m. {-s, PI. wie Sg.): Pflanzen- kundiger.— botanisch, adj. : pflanzenkundig, zur Pflanzenkunde gehörig. Nach dem gr.-lat. botanicus, gr. ßoxaviKöc. botanisieren, v. : Pflanzen suchen zu wissenschaftlichem Zwecke. 1728 bei Stoppe Ged. 1, 151 hotanisireti. Bote, rn. (-W, PI. -n): der zum Überbringen oder Ausrichten Abgeschickte. Mit Dehnung des Vokals (doch heißt es älternhd. im Obd. Bott, noch bei Dentzler 1709) aus mhd. böte, ahd. boto m. ; dazu asächs. bodo, ndl. bode, ags. boda, anord. bodi m. Zu bieten. ABL. Botin, f., erst im 18. Jh. gebildet (z. B. Lessing 3, 316), bei Adelung 1793 noch nicht verzeichnet. Botschaft, f.: übersandte Mit- teilung, aus mhd. boteschaft, ahd. (bei Notker) botoscaft, früher botascaf f.; dazu asächs. bodskepi, a.gs.bodscipe m. Dazu Botschafter, m.(-s, Pl.wieSg.): der im Auftrag eines Staates Abgesandte. Von mhd. boteschaften «eine Botschaft ausrichten oder verkündigen». Bei Krämer 1678 Bottenschafter, allgemein «Bote», seit 1700 als «Staatsgesandter», dem franz. ambassadeitr entsprechend, üblich werdend. botmäßig, adj.: zu Dienst unter- oder bloß ergeben. Spätmhd. potmce^^ig (in der Kanzleisprache) «sich nach den Geboten zu halten verpflichtet, Untertan», zusammenges. mit mhd. bot n. «Gebot, Befehl». ABL. Botmäßigkeit, f.: die Macht zu gebieten. Botin, Botschaft, -schafter, s. Bote. Böttcher, m. (-s, PL wie Sg.): wer hölzerne Getäße mit nur einem Boden macht. Gekürzt aus Bötticher, spätmhd. botecher. Von Bottich, m. {-es, PI. -e): hohes höl- zernes, oben oflenes, aus Dauben zusammen- gesetztes Gefäß beim Bierbrauen. Aus mhd. botech, boteche m., botecJie, bofege, botige f., ahd, bofuhha f., das auf mlat. buiica zurück- Weigand, Deutsclies Wörterbuch. 5. Aufl. geht, gebildet von buta f. (s. Bouteille). Der Übergang zum M. erfolgte unter Einfluß von mhd. botech, ahd. botah m. «Rumpf, Köi'per», dem ags. bodig m., engl, body entspricht. Bottelier, m. (-s, PL wie Sg.): der die Mundvorräte auf den Schiffen verteilt. Aus ndl. bottelier, das mit engl, hutler auf franz. houteillier m. «Kellermeister» (s. Bouteille) zm-ückgeht. Bei Adelung 1774. Bouillon, f. (PL -s): Fleischbrühe. Das franz. houillon m., das eig. s. v. a. Aufkochen, Wallen, von franz. bouillir faus lat. hullire) «sieden, aufkochen». 1715 bei Amai-anthes246. Bouteille, f. (PL -?i): gläserne Flasche. Das franz. bouteille f., das auf das gleichbed. mlat. buticida f. zumckgeht, das Demin. von mlat. huta, hofa, span.-port. bota, franz. boute f. «Faß, Kübel, Schlauch, Wassergefäß», die wahrscheinlich gr. ßüric, ßoOxic «Flasche» zur Grtmdlage haben. Vgl. auch Bottich, Bütte. Im 17. Jh. entlehnt. Bowle, f. (PL -«): PuDSchnapf; Punsch. Aus engl, bowl «Kugel, Schüssel, Xapf». S. Bolle. Bei Voß (Horaz. Sat. 2, 8, 86) in deutscher Schreibung Bole. boxen, v.: mit geballter Faust zu Leibe gehen. Aus dem gleichbed. engl, box, einer Ableitung zu dem unter pochen behandelten Verbum für «schlagen, stoßen»; entsprechend wird zu mhd. buc m. «Stoß, Schlag» spätmhd. buxen «stoßen» gebildet. Vgl. auch haxen. Boykott, m. i-s, PL -es) : Verruferklärung, dazu boykottieren, v.: in Verruf erklären. Nach James Boykott, einem Gutsverwalter in Irland, über den im J. 1880 die üische Landliga zuerst den Bann verhängte, was die Folge hatte, daß jedermann den Verkehr mit ihm abbrach. brach, (sprich brach) adv. : nach der Ernte umgebrochen ruhend, ohne bestellt zu werden. Zuerst bei Henisch 1616, sonst älternhd. ge- wöhnlich brache. Von Brache, f. (PL -n): erstes Umgebrochensein und Ruhen des Bodens nach der Ernte: Land, das nach der Ernte umgebrochen ist und unbesäet ruht. Mhd. hräche, spätahd. brächa f.; dazu mnd.-mul. brake f., zu brechen. Aus in der Brache oder im Brach liegen hat sich das Adv. brach entwickelt; entsprechend ndl. braaÄ;, diin.brak. ABL. brachen, v.: den Boden pflügen zum Ruhen nach der Ernte. Bei Luther dafür brochen (Hiob 39, 10). Mhd. brächen, ahd. brähhön. ZC/'5.Brachfeld,n., mhd. u. spätahd. brächvelt n. Brachmonat, m.: Juni (Zeit 18 275 Brachse Brand 276 des Brachlegens), mhd. hrächmänot, ahd. hräh- mänöt m. Im Schwab.- Alem. noch volks- üblich, daneben Brächet m. BrachTOgel, m., Nanae mehrerer sich geni auf Brache und Saatfeld aufhaltender Vögel, mhd. Iräch- vogel, ahd. hrähvogel m, j Brachse, s. Brasse. \ Brack, n. (-es, PI. -e): Ausschuß, als un- tauglich Abzusonderndes. Mit Übergang eines w iah aus ndd. vjrak «untauglich, beschädigt», als Subst. jedes Untaugliche, als untauglich Ausgeschossene, besonders durch Schiffbruch untauglicher Schiffsrumpf (s. Wrack), Schiffs- trämmer: entsprechend ndl. ?üraÄ;, ah-ies.ivrak «schadhaft geworden, untauglich», entlehnt ins Engl, als Subst. ?t'rec/[; «Schiffbruch, Wrack» und schwed. vraJc, dän. wag u, «Ausschuß, Wrack». Zuerst bei Steinbach 1734 verzeichnet. ABL. hracken, v.: als untauglich ausson- dern, z. B. Schafe. Aus mnd. wraken «für untauglich erklären, ausschießen, verwerfen»; entsprechend ndl. wraken, schwed. vraka, dän. , vrage. ZUS. Brackschaf , n. (dafür bei ' Auerbach .Brac/t- m.). Brackware, f. Bracke, m. (-», PI. -w) : Leit-, Spürhund. Mhd. hracke, ahd. hraccJw : dazu andd. hracka (Eigenname eines Jagdhundes), mnd.-mnl. hracke. Daraus entlehnt mlat. hracco, ital. hracco, franz. brache m. Dunklen Ursprungs, Die alte Yergleichung mit lat. fragräre «stark riechen, duften», vgl. Walde s. v., scheint nicht überzeugend. Brackwasser, n. : in einen Fluß einge- brochenes Seewasser, durch welches das süße Flußwasser verdorben wird. Aus ndd.-ndl. hrakwater n., zusammenges. mit ndd. hrak (1475 im Teuthonista) «bittersalzig, salzig«, dazu ndl. hrak «salzig», engl, hrack «Salz». : Bei Ludwig 1716. Kaum zu hrechen (dann m-spr. s. V. a. eingebrochen vom Seewasser und später auf den Geschmack übertragen), sondern eher zu Meer, also aus mrak-, Hirt Idg. Forsch. 1, 475. Doch unterliegt auch diese Ableitung Bedenken. hrägeln, V. : mit hörbarem Geräusch sieden, schmoren ; prasseln. Mundartlich in Ober- und Mitteldeutschland. Auch prägein geschrieben (bei Maaler 1561 präglen, 1562 bei Mathesius Sai*. IM^pregeln). Schon mhd. hregJen «hräten, schmoren», auch «schwätzen», später nament- lich bei Obersachsen, auch bei Rädlein 1711. Vielleicht verwandt mit mhd. -ahd. hraht m. Lärm (s. Pracht), doch wohl eher lautnach- ahmendes Wort. Brahne, s. Brame. Brakteät, m. (-e«, PI. -en): Hohlmünze von Gold- oder Silberblech. Aus mlat. hrac- teatus (nämlich nummus «Münze»), abgeleitet von lat. hractea f. «dünnes Metallblech, Blech». Bei Adelung 1774. Bram, m, {-es, PI. -e) und Brameii, m. (-S, PI. wie Sg.): Besenginster, Pfriemkraut. Aus ndd. hräni «Ginster», entsprechend ags. hröm m., engl, hroom «Ginster, Besen», während mhd. hränie m., ahd. hrämo m. und hräma f. «Dornbusch» bedeutet, s. Bromheere. Bramarbas, m. (Gen. Bramarhasses, PI. Bramarhasse): Großprahler mit Heldentaten, Urspr. der Xame eines Großsprechers in einem auon3'^men satirischen Gedichte, das Philan- der von der Linde (Burkhard Menke) im An- hang seiner „Vermischten Gedichte" 1710 mit- teilte; danach gab Gottsched in der „Deut- schen Schaubühne" der Dethardingschen Über- setzung des Holbergschen Lustspiels „Jakob von Tyboe" den Titel „Bramarhas oder der großsprecherische Offizier". Bei Pfeffel4, 136 der PI. Bramarhen. ABL. bramarbasieren, V.: mit Heldentaten gi-oßtun (Schiller 2, 36). Brame und Bräme, f. (PI. -n)-. Rand, Randbesatz ; mit Laubholz bewachsener Wald-, Feld-, Wiesenrand. Bräme mit Wechsel des Geschlechts (Stieler 1691 hat noch Bräm n,, Schottel 1663 aber Bräm f,) aus spätmhd. hrem n. «Randbesatz, Einfassung, Rand» (jetzt obd. hram, hräm) ; dazu ags. hrimnie m., engl, hrim «Rand» und (mit Ablaut) anord. harmr m. «Rand, Kante, Ufer. Vgl. auch verbrämen. In der 2. Bed. erscheint meist Brame oder Brane (Brahne), deren Verhältnis zu Bräme nicht aufgeklärt ist; vielleicht ist das seit dem 17. Jh. auftretende Brane ganz von Bräme zu trennen (kaum durch Einfluß von Brane «Braue» auf Bräm, Bräme zu erklären, während allerdings die Nebenform Augenhrame, s. d., auf Ver- mischung mit Brame zurückzuführen ist), Bramsegel, n. : Segel an der Bramstange. Aus dem gleichbed. ndl. hramzeil n. Bei Apinus 1728. Bramstauge, f.: der kleine spitzzulaiifende Mast, der auf der ersten Ver- längerung des Mastes steht. Aus ndl. hram- stang f. Beide sind zusammenges. mit ndl. hram n. «Bramsegel, Segel am Obermast, d. i. dem Mast auf dem großen Mast», dessen Herkunft dunkel ist. Brand, m. ,(-es, PI. Brände): brennendes Stück Holz; verwüstendes Feuer; Zustand eines Gegenstandes, daß dieser brennt; (bild- 277 Brand Brassen 278 licli) zerstörende Entzündung; zerstörendes Schwai-zwerden an Pflanzen. Mhd. brant (PI. brende), ahd. hrant (PI. brenti) m. in den bei- den ersten Bedd.; dazu ndl.-afries.-ags. brand m., engl, brand, anord. brandr («brennendes Holzstück»), schwed.-dän. brand m. Mt einer Ableitungsendung zu brennen (s, d.) gebildet. ABL. branden, v. : (von Meeres- und Land- seewellen) aufbrausen und sich brechen. Aus dem Xdd., vgl. ndl. branden «in Brand stehen, flammen, in Feuerwellen sich bewegen»; in der jetzigen Bed. von den ndd. Dichtei'n Klopstock (Oden 2, 54) und Voß eingeführt, aber Adelung 1793 noch nicht bekannt. Schon früher findet sich das abgeleitete Brandung, f : Aufbrausen und Brechung der Wellen an der Küste oder verborgenen Felsen. Aus ndd. brandung f , entsprechend ndl. Iranding f. Im Robinson (l720j 1, 420 und bei Stembach 1734 verzeichnet. Brander, m.(-s, Pl.wieSg.j: mit Brennstoffen angefülltes Schiff zum Anzünden feindlicher Schiffe. Aus dem gleichbed. ndl. brander m. Bei Krämer 1678 (1613 bei Hul- sius Schiffart 10, 38 begegnet dafür Brauner oder Brandschiff). brandig, adj.: braad- artig, älternhd. brandicht; den Brand habend (prandig 1562 bei Mathesius Sarepta 176^ vom Brand im Getreide). ZUS. Brandbrief, m. : Brief, der mit Schädigung durch Brand droht, spätmhd. (vom J. 1402) brantbrief m.: (bild- lich) dringlich gehaltener Brief (Goethe Br. 1, | 104); Bettelbrief, eig. mit Berufung auf er-' littenen Brandschaden (als studentisch bei Kindleben 1781 angeführt). Brandfuchs, m. : Fuchs mit schwarzem Bauche, schwarzer Schwanzspitze und schwarzen Läufen; dunkel-, fuchsrotes Pferd (1644 bei Duez 153); Student j im zweiten Halbjahr (bei Kindleben 1781 neben Brande^-). Brandmal, n.: Zeichen des Bran- des. Bei Luther. Brandmark, n. u. Brand- marke, f.: eingebranntes Zeichen. Dafür älternhd. Bra-ndmerk (1616 bei Henisch, auch noch 1678 bei Krämer Brandmärck , aber ' Brandmarck bei Ludwig 1716), vgl. ndl. brand- merk n.; Brandmarcke bei Steinbach 1734. Davon brandmarken, v.: mit einem ein- gebrannten Zeichen kenntlich machen, insbe- sondere als einen Verbrecher. Bei Krämer 1678. Brandmauer, f: feuerfeste Mauer. I Bei Stieler 1691. Brandopfer, n.: ein bis auf die Eingeweide zu verbrernendes Tieropfer. Bei Luther, brandschatzen, v.: eine Geld- auflage festsetzen zur Abwendung feind- i liehen Niederbrennens, spätmhd. brantscMtzen. I Brandsohle,f.: innere Sohle unter deräuüem. , Bei Ludwig 1716 Brandsole. Brandstifter, jm.: der einen Brand erregt. Friihnhd. (loOl im Voc. opt. N5^ brantstiffter «incendiarius»), entsprechend ndl. brandstichfer m. Branke, s. Franke. Branntwein, m. (-es, PI. -e): aus Wein- hefen, Flüchten oder Gewächsen ab^ezofrene geistige Flüssigkeit. Spätmhd. (^zuerst 1360 in Frankfurt a. M. erwähnt, s. ZfdA. 6, 269) brantvnn, zusammengerückt aus brant (ge- küi-zt aus gebrant) icin «der gebrannte Wein», urspr. mit Flexion des ersten Wortes (noch bei Schiller Eäuber 2, 3 gebt mir ein Glas Brandtemcein), dann in fester Verbindung Branntewein (Goethe 12, 93) oder Brannt- tvein. Die Nebenform Brandwein erklärt sich aus dem Part. Prät. gebrand bei Luther, sie findet sich im 16. Jh. (z. B. bei Rollenhagen Froschm. 3, 1, 13) und wird noch von Frisch 1741 angesetzt. Bei Adelung Branntwein. Entlehnt ndl. brandeicijn m., dän. brändeviin m., schwed. brännvin u. Braute, s. Pranke. Bra£, m. {(jen. Brasses): Masse wertloser, lästig fallender Dinge. Aus dem Ndd., wo mnd. bras m. «Schmaus» (s. prassen), dann «Lärm, Gepränge»; das Wort diingt gegen Ende des 15. Jh. auch ins Hd. ein mid nimmt hier auch die Bed. «Gemengsei», dann «Haufe wertloser Dinge, Wust» an, bei Stieler 1691 verzeichnet und in der Umgangssprache des 18. Jh. sehr gewöhnlich. Auch nicht selten Praß geschrieben (z. B. Weiße Lustsp. 1, 197, Lessing 7, 234, Goethe Faust 10322j. Ferner findet sich in gleicher Bed. Brast (Lessing 8, 168), Prast (Günther 698), wohl mit ange- tretenem t aus Braß entwickelt (schon 1482 im Voc. theut. e3* brast «pompa»), zugleich auch beeinflußt durch älternhd. und mund- artlich Brast m. «Kummer, Sorge», zu mhd. bresten «auseinanderbrechen, gebrechen, er- mangeln». Li gleicher Bed. ndl. bras m. Brasse, f. fPl. -n)-. Seil an dem Ende der Segelstangen, um sie nach dem Winde zu richten. Aus dem gleichbed. ndl. bras m., das auf das ebenfalls gleichbed. fi-anz. bras m., urspr. «Ai-m» zuriickgeht. Bei Adelung 1774. brassen, v.: die Brassen oder (das Segel) vermittelst der Brassen anziehen und so richten. Aus dem gleichbed. ndl. brassen, von dem gleichbed. franz. brasser, eig. «mit den Armen oder einer Stange rühren». Brassen, m. {-s, PI. wie Sg.) u. Brasse, 18* 279 Braten brauen 280 f. (PL -n): ein karpfenähnlicher Fisch, cy- prinus latus. Urspr. und noch mundartlich im Obd. Brachsen, Brachsem (bei Dentzler llOQBrachsmen), mit Abschwächung des m der Endung zu n aus mhd. hrahsem, brasme m. und hrahsme, hrahse f., ahd. hrahsenia, hralisa f. ; dazu andd. hressenio, ndl. brasem m., engl. brasse, schwed. braxen, dän, brasen. Aus dem Deutschen entlehnt franz. breme f. Dunkler Herkunft, kaum zu mhd. brehen «glänzen». ^Braten, m. (-s, PL wie Sg,): zu braten- des oder gebratenes größeres Fleischstück. Aus mhd. brate (Gen. braten) «Fleisch, Weichteile am Körper», ahd. hräto m. (auch von Teilen des menschlichen Körpers, z. B. den Lenden), lat. (entlehnt) brädo «Schinken», andd. brädo «Wade», daneben mhd.-ahd. brät n.; dazu ags. brcede m., anord. bräd f. «rohes Fleisch». Wahrscheinlich hat dieses Braten nichts mit dem folgenden zu tun. Grundbed. zunächst «Weichteil». Die urspr. schwache Flexion ist der starken gewichen, doch N. Sg. älternhd. noch Brate, Brat (PL im 17. Jh. öfter Bräter, zu dem N. Brat?). Redensart: den B. riechen «einen Anschlag merken», mhd. den braten smecken. ZUS. Braten- rock, m. Rock, der bei Festlichkeiten ge- tragen wird, wohl nach engl, roastmeetclothes. 'braten, v. (Prät. briet, Part, gebraten): über, an, in Feuer dui'ch äußeres Hartwerden oder Hartmachen mürbe und genießbar wer- den oder machen. Mhd. braten, ahd. brätan; dazu ndl. braden, ags. brcedan. Hierher ge- hört noch anord. bräär «hitzig», sowie Brodem (s. d.); verwandt mit brühen (s. d.), das Ab- laut zeigt, brüten, und weiter vielleicht lat. fretmn «Brausen, Wallen, Hitze», fretäle «Brat- pfanne», gr. ßpoiccu) «siede, brause» mit an- derem Wurzelauslaut, wenn germ. &r- aus mr- entstanden ist. ABL. bräteln, v. : langsam braten. Bei Voß. ZUS. Bratspieß, m., zusamm enges, mit Spieß (s. '^ Spieß), urspr. Spiß, mhd.-ahd. spi^ m. «Spitze, auch Brat- spieß» (verschieden von Sjneß m. « Stech walFe»). Bratwurst, f., mhd.-ahd. hrätwurst f. Bratsche (mit ä), f. (PL -n): Arm-, Alt- geige. Aus ital. viola da braccio; braccio ist das lat. brachium n. «Arm». Bei Krämer 1 678. Bratspieß, -wurst, s. braten. Bratze, s. Pratze, jbratzeln, s. brotzeln. Bräu, n. (-es, PL -e): eine bestimmte Menge gebrautes Bier; Brauhaus. Aus mhd. briuive f. n. «das Brauen und was auf einmal gebraut wird». Älternhd. auch Brau; Bräu ist die obd. Form, die sich von Bayern aus ver- breitet hat. Von brauen (s. d.). Brauch, m. (-es, PL Bräuche): (veraltet) Verwendung wovon; herkömmliches Üblich- sein. Ahd. (einmal heil^ otker) prüh m., mhd. nicht nachzuweisen und erst im 15. Jh. (bei Nie. V. Wyle) auftauchend. Von brauchen, V. : im Genüsse wovon sein ; wozu verwenden ; wozu nötig haben (im 17. Jh., bei Logau 3, 4, 92). Aus mhd. brüchen, ahd. hrühhan; dazu asächs. brükan, ndL bruiken, ags. brücan mit starker Flexion, «genießen, sich einer Sache erfreuen, ertragen», engl, brook «er- tragen, sich begnügen mit», schwed. (ent- lehnt) bruka, dän. bruge, got. brükjan «wo- zu anwenden, gebrauchen». Urverwandt ist lat. frui, fructus «genießen». ABL. brauch- bar, adj. Bei Henisch 1616. bräuchlich, adj.: wie brauchbar; im Gebrauch. Bei Luther breuchlich. Braue, f. (PL -n), auch Braune, f. (PL -w) : Haarstreifen über dem Auge; Wimper. Aus mhd. bräwe, brä, ahd. bräwa, brä f. «Augen- braue, Augenlid»; dazu asächs. bräwa, bräha, ags. brcßw, anord. brä f. Mit abweichendem A''okal acrs. brü, anoi'd. brün f., die der Laut- Verschiebung gemäß mit aind. bhrfis, gr. 6q)püc, abg. brüvi f. «Braue» übereinstimmen. Ahd. bräwa zeigt Ablaut zu ags. brü usw. Über die Nebenform Braune, sowie Bran (bei Schottel 1663), Brane, selbst Brame s. Augenbraue. brauen, v. : über Feuer bei aufsteigendem Wasserdampfe bereiten, zunächst Bier (auch bildlich vom wallenden niedrigen Nebel, bei Gökingk, Goethe). Mit Übergang eines in in u, später au (doch älternhd. auch oft breuen, noch jetzt obd.) aus mhd. briuwen (Prät. brow, Part, gebrüwen), ahd. briuwan; dazu ndl. brou- wen, ags. breowan (mit starker Flexion), engl. breiv, anord. brugga, schwed. brygga, dän. brygge. Auf die gleiche Wurzel gehen zurück ahd. brod, ags. broß n., engl, broth «Brühe, Suppe»; dazu lat. defrutum n. «Mostsaft», phryg.-thrak. ßpOrov «Bier, Obstwein», air. bruthe «Brühe». Der urspr. Begriif des Wortes scheint also «kochen» gewesen zu sein, vgl. auch Brot. Man könnte auch braten, brüten, Brühe, Brei u a. im letzten Grunde mit un- serm Worte verbinden, da der gleiche Anlaut einer Reihe von Worten, die alle auf die Speisebereitung gehen, kaum Zufall sein kann. Die starke Flexion findet sich älternhd nur noch vereinzelt beim Part. Prät. gebrauen 281 l)raiui bray 282 (Logau 1, 51). ABL. Brauer, m.: der Bier braut, mhd. briuiver m., daneben hrmive m. (daher jetzt bayr. Bräu m.). Davon Brauerei, f., bei Duez 1664. braun, adj.: aus Rot und Schwarz ge- mischt. Aus mhd.-ahd. hrün: dazu ndl. hruin, ags. hrün, engl, broivn, anord. hrünn, schwed. brun, dän. bruun. Ins Romanische aufge- nommen als ital. bruno, franz. bru7i. Auch lit. br'Ünas nebst slav. hrunatmü «caeruleus, fuscus» dürften entlehnt sein. Dagegen geht auf die gleiche Wurzel zurück lit. beras «braun ;>, aind. babhrü-s «braun» (dem das deutsche Biber entspricht, s. d.), vermutlich gr. q)pijvri f., qppövoc ra. «Kröte», vgl. auch Bär. ABL. Bräune, f.: braunes Aussehen, mhd. briune: erstickende (braunrote) Entzündung der Luftröhre (bei Hans Sachs Fab. 144, 135 Preun). bräunen, v.: braun machen, mhd. briunen. -bräunlich, adj.u.adv.: etwas braun, bei liUihaY bräwiUcht ZUS. Braunkohle, f., 1781 bei Jacobsson technol. Wb. 1, 283. Braune, s. Braue. Braus, m. (Gen. Brauses): rauschendes Getöse. Mhd. ^rwsm. «Brausen, Lärm». Von brausen (s. d.). Ndl. bruis n. «Schaum, Gischt». Brausche, f. (PI. -n): mit Blut unter- laufene Beule. ]VIhd. (selten) brüsche f., ndd. brüs, brUsch. Vielleicht mit schwäb. brausch «spröde, brüchig», ndl. &roos (ausmndl.brösch), anord. breyskr «gebrechlich, schwach» zu ags. brysan «brechen», engl, bruise «quetschen»; die urspi-ün gliche Bedeutung müßte «schla- gen» gewesen sein. ABL. brauschig, adj.: (Goethe 18, 324) geschwollen, wulstig. Brause, f. (PI. -w): der das Wasser brau- send durchlassende seihartige Aufsatz am Rohr der Gießkanne und diese selbst; Dusche. Mhd. vereinzelt brüscheL «Dusche», älternhd. kommt Brause nur in der Bed. «Gärang» vor, die jetzige bei Voß Ged. 1, 44. Von brausen, V.: als heftig bewegte Luft oder Flüssigkeit stark hörbar sein. Aus mhd. brüsen (auch brüschen): dazu ndl. bruisen (iriiher britischen, auch ndd. brüsken) «schäumen, brausen», aschwed. brüsa «einherstürmen». Die Bed. «rauschen» hat sich wahrscheinlich aus «sieden, wallen» entwickelt, so daß brausen eine «-Er- weiterung der Wurzel von brauen wäre. Braut, f. (PI. Bräute): durch Ehever- sprechen Gebundene. Aus mhd. brüt (PI. briute), ahd.brütf. «Verlobte, Neuvermählte»; dazu asächs. brüd, ndl. hruid, ags. bryd, engl. brüle «junge Frau», anord. hrüdr, schwed. -dän. brud f. «Verlobte», got. brüßs f. «Schwieger- tochter». Lis Mlat. entlehnt bruta f., woher afranz. bruy, franz. bru f. «Schwiegertochter». Die Etymologie war umstritten, vgl. Wlede- mann Bezz.Btr. 27, 205ff. Nach den Auseinander- setzungen von Braune aber, Btr.32, 30 ff. ist lat. /riTfas «Beinahme der Aphrodite» zu vergleichen. ABL. bräutlich, adj., mhd. briutelich, ahd. brv.tWi. ZUS. Brautbett, n., mhd. brütbette, ahd. brüthetti n., entsprechend ags. brydbed, n., engl, bridebed. Brautführ er, m., fiühnhd. (Albertinus weibl. Lustg. 99*^). Bräutigam, m. (-.s, PI. -e) : Mann der Braut. Bei Luther Breutigam, Breutgam, aus mhd. briutegome, entstellt briutegoume, briut€game(davau.s Bräu- tigam, da e vor g in unbetonter Silbe zu i wird), ahd. brütigomo m.; dazu asächs. brüdi- gumo, ndl. briiidegom, bruigom, ags. brydguma, engl, bridegroom (mit Anlehnung an groom «junger Mann»), anord, brudgumi, schwed. brudgum, dän. brudgom, zusammenges. mit ahd. gomo, asächs. gunio, anord, gunii, ags,-got. guma m. «Mann» (verwandt mit lat. homo m.): im Got. dafüi' brüßfaßs m. (-faps stimmt der Lautverschiebung gemäß mit gr. iröcic (aus *iTÖTic) «Gatte», aind. ^a^?s «HeiT, Gatte», lit., patis m. «Ehemann»), Der PI. wird zuweüen als Bräutigams (Goethe Götz 1) gebildet. Brautlauf, m. (Schiller Teil 4, 3 nach dem Schweiz.): Vermählungsfest, Hochzeit. Mhd. brütloufm.f., brütlouft m.f.n., ahd. brütlouftm. n., brütloufti f.; dazu ags. brydhlop n. anord. brüdlaup n., schwed. bröllop n., dän. bryllup n. «Hochzeit», ein gemeingerm. Wort, das wohl urspr. die feierliche Einholung der Neuver- mählten bezeichnet. bray, adj. u. adv.: tatkräftig, tüchtig; sitt- lich vorwurfsfrei. Aus franz. brave, ital.-span. bravo (daher bravo ! als Ausruf, aus der ital. Oper stammend) «tapfer, wacker», die wahr- scheinlich auf lat. bärbarus «barbarisch», dann «wild, unbändig» zumckgehen. Das Wort ist in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. auf- genommen worden (ndl. schon 1599 bei Kilian), und zwar zunächst in der Bed. «tapfer», (1617 bei Opitz Aristarch 93) auch «ungestüm, un- bändig» (z.B. Logau 1,100), dann auch «wacker, tüchtig» (vereinzelte Belege aus dem 16. Jh. bei Fischer 1, 1376). ABL. brayiereu, v. : Trotz bieten, mit Verachtung begegnen. 1615 bei Albertinus Landstörzer 470 braviren. Aus ital. bravare, fi-anz. braver «trotzen». Davon Brayäde, f. (PI. -n): Großsprecherei. Aus franz. bravade, ital. bravata f. «ig. «Trotz- 283 bravo Bremse 284 bieten». Im 17. Jh. entlehnt. BraTÖur, f.: Tapferkeit. Aus dem gleich bed. franz. hra- voure f. Bei Wächtler 1711. brayo! s. hrav. Breche, f. (PI. -n): Werkzeug zum Brechen des Flachses oder Hanfes. Mhd. breche f., von ^brechen. ^breclieiijV. (Prät. hrach, Växi. gebrochen): sich auseinandertun; entzweigehen oder ma- chen; auflösend vernichten. Refl. sich h.: sich mit Gewalt zerteilen; aus dem Magen durch den Mund gewaltsam von sich geben. Mhd. brechen, ahd. brehhan; dazu asächs. hre- kan, ndl. breken, ags. h'ecmi, engl, break, schwed. (entlehnt) bräcka, dän. bräkke, got. brikan. Es stimmt der Lautverschiebung ge- mäß mit dem gleichbed. lat. frangere, dessen n, wie das Peif. fregi zeigt, Präsensverstärkung ist. S. brach, Brocken, Bruch. ZUS. Brech- stange, f., 1663 bei Schottel 532. "brechen, v. (Prät. &rec/i^e, Fart gebrecht) : brechen maich.en(^Flachs,Hanfb)'echen). Früh- nhd. (1482 im Voc. theut. e 3^ brechen, flachs- prechen), abgeleitet von Breche. brechlich, adj. (Claudius 6, 52 u. ö.): gebrechlich. Aus dem Ndd., wo mn, engl. hought und hight «Bucht, Bug, Krümmung», schwed. bukt, dän. btigt m. «Krümmung, Bucht». Zu biegen mit Dentalsuffix gebildet, wie Flucht zu fliehen. ABL. buchtig, adj. Buchweizen, m. (s): MehLfrucht aus dem Geschlechte des Wegebreites, das Heide- kom (s. d.). Die Pflanze kam erst im 15. .Jh. nach Europa und wurde Buchweizen genannt, weil die Frucht in ihrer Gestalt der Buch- ecker und nach ihrem Geschmacke dem Weizen ähnelt. Die Benennung stammt aus dem nördlichen Deutschland, sie kommt schon im 15. Jh. in L'rkunden vor (v. Fischer-Benzon altd. Gartenflora S. 170), 1517 verzeichnet Trochus zuei-st Buchweiß, 1537 Dasypodius Butziceyß, 1561 Maaler Butzweissen, im 17. Jh. steht Buchweifzen bei Duez, Krämer u. a. ^Buckel, f. (PI. -n): erhabene Metallver- zierung. Mhd. buckel f. m. «erhabener Erzbe- schlag in der Mitte des Schildes», aus dem gleichbed. afranz. bocle, nfranz. boucle f., die zurückgehen auf lat. buccnla «Backen», dann «Erhabenheit, Erhöhung», das Dimin. von lat. bucca f. «der (volle, aufgeblasene) Backen». "Buckel, m. (-S, PI. wie Sg.): Rücken- auswuchs; der Rücken selbst. Früher auch Puckel geschrieben, namentlich bei nordd. Schriftstellern. Zu hucken ^bücken «biegen», also eig. «Krümmung» (nach andern aus ^Buckel geflossen). Erst frühnhd,, zunächst in der 1. Bed. (um 1480 im Voc. ine. teut, d4^ bickel. verdinickt für buckel «Höcker», 1515 bei Hüpfutt" buckel, 1561 bei Maaler das Dim. bügkele n. «kleiner hoger»), dann auch in der 2. (1546 bei Liliencron 4, 391 der puckel Mt sie gejuckt). Das Wort scheint aus dem Obd. zu stammen, hat sich später auch im Norden festgesetzt, wobei für das anl. stimmlose b p gesetzt worden ist. Vgl. auch Bühel. ABL. buckelig, bucklig, adj., ältemhd. bucklig (um 1480 im Voc. ine. teut. 17'') und huckelicht, spätmhd. pugklocht «höckerig». Buckelörum, m. : Buckliger (Goethe 1.3,300). Aus der rheinischen Umgangssprache, eig. Gen. PI. von einem halblat. buckelus. bücken, v. : vorwärts niederbiegen. Mhd. hucken, bücken. Als Intensi^nim zu biegen gebildet. Bücking, Bückling, m. (-s, PI. -e): ge- räucherter Hering. Spätmhd. bücking (Nümb. Polizeiordn. 168 pücking, 14. .Jh.), auch schon bückling (um 1480 im Voc. ine. teut. d4*' buckling), wie das ndl. bokking m. abgeleitet von Bock, weü der Fisch einem Bockshorn ähnelt, weshalb er mnl. neben buckinc auch boxhoren heißt. 1616 bei Henisch 440 Böck- ling (auch Gargantua 80), Bockshering. Mit geschwächtem Vokal 1537 bei Dasypodius Bicking, 1616 bei Henisch 368 Bickling, Pick- ling, in md. Mundarten auch Bittling und Bittlich. Vgl. Pickelhering. bucklig, s. Buckel. Bückling, m. (-S, PI. -e): Verbeugung. Von sich bücken. Erst im 17. Jh. l'bei Grim- melshausen Simpl. 304). 303 buddeln Buhle 304 buddeln, s. pufteln. Bude, f. (PI. -n) : Bretterhütte ; Kramladen ; Zimmer (student.). Mhd. (in ostmd. Quellen) hüde,buode; dazu mnd.&ö^e, mengl. böße, nengl. hoofh «Bude», schwed.-dän. hodf. «Kramladen». Zu haue7i, aber mit auffallendem germ. 6 für ü, dagegen anord. büä f. «Wohnung, Aufenthalt, Zelt, Hütte». Im Nhd. anfangs wenig üblich, zuerst bei Krämer 1678. Vgl. auch Baude. | ABL. Büdner, m. (s, PI. wie Sg.) : Inhaber 1 einer Bude; (in Norddeutschland) Häusler. ! Büfett, n. (-S, PI. -e) : Kiedenztisch, An- 1 richte. Schon 1556 Schweiz, puffet n. «An- rieht mit silbernen und goldenen Geschirren » (Frisius 1347*', Dictionariolum 182^, huffet^o- menclator 109^), aus dem gleichbed. franz. hu ff et, ital. huffetto m. Unbekannten Ur- sprungs, kaum von ital. huffare «aufblasen», also eig. pomphaftes, prunkhaftes Ding. Büffel, m. (-S, PI. wie Sg.): eine Art wilder Ochsen. Spätmhd. hüffel m., aufge- nommen aus franz. hufle, das aus ital. Mfolo, Mfalo stammt, mlat. Mifalus, gr.-lat. Mibalus, gr. ßoüßaXoc m., welches letzte eig. eine afrika- nische Ga^ellenart, später eine Art wilder Ochsen bedeutet. ABL. büffeln, v.: sehr angestrengt arbeiten. Wohl eigentlich Dim.- Bildung zu mhd. buffe7i (s. puffen) «schla- gen» (vgl. 1571 bei Mathesius Sar. 40** hart und lang püflen und schlagen), später aber an Büffel angelehnt, was dann auch die Nach- bildung ochsen hervorgerufen hat. Schon bei Luther hüffelerbeit«h.a,vte, mechanische Arbeit». Bug, m. (-es, PI. Büge und Buge) : Stelle, wo eine Krümmmig ist; Körperteil mit Wirbel- knochen ; breites Vorderteil des Schiffes. IVIbd. buoc (PI. büege), ahd. buog m. «das obere Ge- lenk des Armes (die Achsel) und der Vorder- beine bei den Tieren, das obere Gelenk des Schenkels (die Hüfte)»; dazu ndl. boeg «Schiffs- bug», ags. bog, böh «Schulter, Arm, Ast», engl, bough «Ast» und boio «Schitfsbug», anord. bögr «Bug», schwed. bog, auch «Schiffs- bug», dän. bov und boug m. «Schiffsbug». Übereinstimmend mit aind.&äMs (Jüv^bhäghu) «Arm», aw. bäzav- «Arm», gr. irf|xuc m. (für *q)rix»Jc) «Bug zwischen den beiden Hörnern des Bogens, Ellenbogen, Unterarm», armen. bazuk «Ellenbogen». Die Bed. «Schiffsbug» stammt aus dem Ndl. (sie beruht wohl auf einem Vergleich des Schiffes mit einem Pferde) imd ist von hier aus ins Deutsche, wie Eng- lische und Skand. gedrungen, sie findet sich hd. schon bei Duez 1642. Bügel, m, (-S, PI. wie Sg.): ringförmig Zusammengekrümmtes. Dem Hd.urspr. fremd, mhd. (vereinzelt) bügele f. «Steigbügel», dann um 1480im Voc.inc.teut.c4^ &M^eZ«armillus», bei Luther bügel und bögel m. «Reif eines Kranzes», bei Henisch 1616 bügel, bigel usw. Dazu mnd. bogel, ndl. beugel m. «großer me- tallner Ring, Steigbügel». Zu biegen. ABL. bügeln, V.: (Wäsche, Zeug) glätten durch Daräberhinfahren mit dem heißen Glätteisen {Bügeleisen). Bei Krämer 1678 bögelen, pögelen, bei Stieler 1691 biegelen (biegein auch noch bei Goethe 1, 304), bei Steinbach 1734 bügeln. Bei Krämer 1678 auch Bögel- oder Pögeleisen «Bügeleisen», nach der ringförmigen Krüm- mung des Glätteisens benannt. bugsieren, v.: (ein Schiff) durch Ruder- bote an Tauen vorwärts ziehen. Aus dem Ndl., wo jetzt boegseeren, aber bei Kilian 1599 boechseerden, entlehnt aus portug. puxar «ziehen, schleppen», Liebich Btr. 23, 226. Bei Ludwig 1716 bogsiren. Bugspriet, n. {-es, PI. -e): die über dem Vorderteile des Schiffes schräg in die Höhe ragende Stange. Aufgenommen aus ndl. boeg- sjn'iet f. (auch ins Engl, entlehnt als bow- sp'it, ins Schwed. als bogspröte n.), das zu- sammengesetzt ist aus boeg «Vorderteil des Schiffes» (s. Bug) und spriet f. «schräg gehende Segelstange am Mäste» (s. sprießen). Im Hd. erscheint das Wort als Buchsbred bei Hulsius Schiffarten 11, 85 und ist bei Ludwig 1716 als Boogspret und Bugspreet verzeichnet. Bühel, Bühl, m. {-s, PI. wie Sg.): natür- liche Erhöhung des Bodens in einer Ebene, mäßiger Hügel ; (bildlich) Auswuchs an Leibes- gliedern (bei Musäus Volksm. 4, 106 Ulrich mit dem Bühel d. i. der mißwachsenen ver- renkten Schulter; schon mhd. Flore 6911). Oberdeutsch; Luther und den meisten Wörter- büchern fehlend, aber von Wieland gebraucht (auch von Goethe 2, 36). Mhd. bühel, ahd. buhil m. Mit grammatischem Wechsel zu biegen gehörig, s. auch Beule und Buckel. Eine oberd. Nebenform ist Pohl m. Buhle, m. (-n, PI. -7i): Geliebter. Mhd. buole m. «geliebte männliche Person, z.B. naher Verwandter, Bruder, Gatte, lieber Freund, dann auch auf eine Person weiblichen Ge- schlechts bezogen, Gehebte, Beischläferin» (hier- für erst spätmhd. auch buole f.); dazu mnd. böle m. trauliche Bezeichnung von Verwandten oder sonst durch Beruf nahestehenden oder befreundeten Personen, Dim. böleken «leib- 305 Bnlme bnm1)s! bnms! 306 liehe Geschwister». Man sieht ia B. eine Koseform zu Bruder, die später überhaupt in der traulichen Anrede verwandt wurde und schließlich die Bed. «Geliebter» (im ge- schlechtlichen Sinn) annahm. Entsprechend nH.hoelm. undlett. hälelin's, hälin's «Brüdei-- chen». ABL. buhlen, v.: mit jem. ein Liebesverhältnis haben, dann sich um eine Gunst bewerben. Mhd. huolen (auch umh eine huolen «sich um ihre Gunst bewerben»). Davon Buhler, m. mhd. huolcere, Buhle- rin, f. (bei Luther Bulerin) und bnhlerisch, adj. (bei Luther hulerisch), sowie Blllllerei, spätmhd. hnolrle f.. Blllllscliaft, mhd. huol- schaft f. ZUS. Buhldirue, f., 1730 bei Gott- sched crit. Dichtkunst 14. Bnhne, f. (PI. -n, Goethe Faust 11545): gegen das Wasser emchtete Schutzwehr aus HolZj Reisig u. dgl. (danach Ufermauerwerk, Kai und in Seestädten ein umschlossener Hof, in dem die gelöschten Waren so lange auf- gehoben werden, bis man sie in den Speicher bringt, 1793 bei Röding Wb. der Marine 1, 411). Mittel- und norddeutsch. Zu hd. Bühne «Brettergeiüst». Mnd. hune f. «Fischwehr», ndl. hun f., im Hd. vor dem 17. Jh. nicht ZU belegen (1641 bei Zesen D. Helikon J. 4^, 1781 bei Ejndleben aufgeführt). Bühne, f. (PI. -n): erhöhter Fußboden von Brettern; Brettergerüste; erhöhter Schau- platz im Theater und dieses selbst; (dialek- tisch auch) Zimmerdecke, Bodem-aum, Spei- cher. Mhd. hüne, hün f «erhöhter Fußboden, Decke eines Zimmers», um 1480 im Yoc. ine. teut. t 8^ pun «solarium», 1482 im Yoc. theut. aa'Z'' puny «solarium», puny in einem schiff «tabulata»; dazu mnd. hone f. «Fußboden, Decke, Söller, Speicher», ndl. heun f. «Fuß- boden, Fischbehälter». Vielleicht mit Boden verwandt, falls Ausfall eines d vor n ange- nommen werden darf. Vgl. Bönhase. ABL. bühnen, v. : mit Brettern belegen. Mhd. in verhilnen. Bukett, u. (-5, PI. -s): Blumenstrauß. Das franz. houquet m. «Blumenstrauß», eig. «kleiner Busch», Demin. von franz. hois, ital. hosco m. «Busch, Wald, Holz», die auf das deutsche Busch (s. d.) zurückgehen. Bei Wächtler 1711. Bulge, f. (PI. -71): Wasserbehälter von Leder. Mhd. hulge, ahd. hulga f «lederner Sack» (mhd., ebenso mnd. und noch bei Luther auch «Woge»). Nicht entlehnt aus dem gleich- bed. gall.-lat. hulga, sondern mit diesem Worte Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. luwerwandt und zu Balg (s. d.) zu stellen: also eig. «Schwellung». Dazu noch engl, hulge, hilge «Bauch eines Fasses, Schitfsbauch», anord. hylgja, schwed. hölja, dän. hölge f. «Woge». ^Bulle, m. (-n, PI. -n): Zuchtstier. Nord- deutsch. Aus dem Ndd., wo mnd. hülle m.: dazu ndl. hui, engl, hüll (erweitert hullock «junger Ochse», ags. hulbic), altn. holi m. Lit. hid'us m. stammt wohl aus dem Deutschen. Weitere Anknüpfungen bieten sich mannigfach. Von Schulze KZ. 29, 293 zu gr. qpdUoc «Ghed» gestellt, vgl. ferner Bezzenberger Bezz. Btr. 19, 248, Johansson Btr. 15, 225, LTilenbeck Btr. 26, 290. Abgeleitet ist wohl mhd. hüllen, ahd. huUdn «briülen». 1616 bei Henisch verzeichnet. Bei Schiller Fiesco 2, 8 Bulle für Bullenheißer (s. d.). -Bulle, f. (PI. -n): angehängte Siegel- kapsel, dann die damit versehene Urkunde; Verordnung mit dem päpstlichen Siegel. Mhd. hidle f., aus lat. hullaf. eig. «Wasserblase», dann «Knopf, Kugel, Kapsel». Vgl. auch Bill. ^ Bulle, f: Flasche, s. PuUe. Bullenbeißer, m. {-s, PI. wie Sg.): Art großer Hunde, die gegen Stiere gehetzt wird (bei Steinbach 1734 Bullenheißer , 1719 bei Fleming teutscher Jäger 170 Boll-Beißer), nd. hullenhiter •. bildUch auf einen grimmig bissigen Menschen angewandt (beiLessing 1, 286, Bollen- heißer 1729 bei Stoppe Ged. 2, 161). Bulleuflnke, m. {-n, PI. -n)-. Ochsen- ziemer. 1779 bei Schummel Spitzbart 168. Schles. Bullfinke f., zusammenges. aus Bulle i «Zuchtstiei"» und nd. Finke «männliches Glied». bullern, v.: Blasen werfend geräuschvoll aufwallen: ein dumpfes Geräusch machen. Wohl nicht entlehnt aus lat. hdläre «Blasen werfen, aufsprudeln», sondern lautnachahmen- des Wort, zu poltern (s. d.) gehörig, spätmhd. hollern neben holdem. Erst bei Heynatz 1795 und Campe 1807 verzeichnet. Bult, m. [-en, PI. -en) und Bülte, f. (PI. -n), Bulten, m. {'S, PI. wie Sg.): be- wachsener Erdhaufe. Aus dem Ndd., wo mnd. hidte m. «Haufe, Hügel, Bündel», ditmars. und mark. Biüt, BiUten: dazu ndl. Indt m. «Höcker, Geschwulst, Erdhügel». Dunkler Herkimft. Ins Hochd. von Voß eingeführt. bumbs! bums! Interj. des dumpf schal- lenden Aufschiagens oder Falles auf etwas (bei I Schiller Kab. 1, 2 humhs, 1767 imBrem.Wb. 1, 162 hums). Lautnachahmend. Vergleichen läßt sich gr.-lat. homhus, gr. ßö|ußoc m. «tiefer, dumpfer Ton», das aber nicht als Grundlage anzusehen ist. Vgl. 2?Mrnp, Pumpes, auch plump. 20 307 bummeln Burg 308 bummeln, v. : hangend hin und her schwe- ben; im Nichtstun umherschlendern, Ablaut- bildung zu bammeln (s. d.). In der 1. Bed. von Ludwig 1716 und Frisch 1741 verzeich- net, von Voß Ged. 1, 13 gebraucht. Die 2. Bed. findet sich im 18. Jh. mehrfach in ndd. Dialektwörterbüchern und ist erst in neuerer Zeit allgemein geworden. Davon Bummel, f. (PI. -n): hin und her schwe- bendes Anhängsel und Bummel, m.: ge- mächlicher Spaziergang, beide der neueren Sprache angehörig, wie auch Bummler, m. «umherschlendernder Nichtstuer». Bund, m. (-es, PI. Bünde): Vereinigung zu einem Zwecke; Bindemittel, Kopf binde; Kuchen in Form eines Turbans; (gewöhn- lich als n.) miteinander Verbundenes. Mhd. hunt m. (Gen. hundes) «Fessel, Zusammen- gebxmdenes, Bündnis»; dazu ndl. hondva.. Zu linden. ABL. Bündel, m. n. {-s, PI. wie Sg.): Zusammengebundenes zum Tragen. ]\Ihd. hündel n. (auch gehündel, ahd. gibimtili n.); dazu ndl. hundel m., ags. hyndele f., engl. hundle. Älternhd. auch m. (1541 bei Frisius 776^ der püntel, auch Stieler und noch Hey- natz 1775 setzt das M. an, das Adelung auf das Obd. beschränkt, bei Goethe der und das Bündel), bei Luther dafür das Bnndlin. bündig, adj. : verbindend, fest überzeugend, kurz zusammengedrängt und kräftig. Mhd. hiindec «verbündet», frühnhd. bündig «ver- bindend, kräftig». Bündnis, n.: feste Ver- bindung zu einem Zwecke. Spätmhd. bunt- nisse n. Bundschuh, m. {-es,F\.-e): grober derber Schnürschuh mit langen Riemen (Bundriemen), Bauernschuh; Meuterei, Empörung. M.h.ä.bunt- schuoch m.; da dieser Schuh schon um die Mitte des 15. Jh. von den Bauern bei Auf- i'uhr als Standes- und Feldzeichen aufge- hangen wui'de, so entstand die Bed. «Em- pörung» schon am Ende des 15. Jh. ^Buuge, f. (PI. -n): Trommel; trommel- ähnliche Fischreuse. Mhd. bunge, auch mnd. bunge, aschwed. bunga f. «Pauke, Trommel». Im Ablaut stehend zu engl, bang, anord. banga «schlagen». S. Bengel. ^Bunge, f. (PI. -n): Pflanzenknolle, s. Bachbunge. Bunkel, m. (-s, PI. wie Sg.): gedrungene, kurze, dicke Person. Mhd. bunkel m. Schlag, Stoß, Beule, woraus sich die Bed. «bauschige Masse,Bündel» und «Kind von kurzem, dickem Körperbau» (schweiz. Id. 4, 1380, Schmeller ^ 1, 394) entwickelten. Von obd. blinken «klopfen, stoßen, pauken». Dafür schwäb. Bimkes. bunt, adj. u. adv.: mannigfarbig. Bei Luther und sonst älternhd. bund, bundt. Mhd. bunt (flekt. bunter, nicht blinder) «schwarz und weiß getüpfelt oder gefleckt, schwarz und weiß gestreift»; dazu nd. bunt, ndl. bont. Wegen des in der Flexion beibehaltenen t als entlehnt anzusehen, und zwar aus lat. pmictus, Part. Perf. Pass. von pungere «ste- chen», also eig. «gestochen», dann «punktiert, getüpfelt»; ein entsprechender Ausfall eines c vor t auch in Tinte (s. d.) aus tincta. Nach Heyne stammt es aus den Klöstern, wo punctus das mit verschiedenen Farben Gestickte bezeichnete. Als Subst. bezeichnet mhd. buntn. «mehrfarbiges Pelzwerk» (ebenso mnd. bunt n.) im Gegensatz zu grä n. «graues, einfarbiges Pelzwerk», weshalb häufig grä unde bunt verbunden vorkommt. ZUS. bunt- scheckig, adj.: überladen bunt. Gegen Ende des 17. Jh. (bei Weise Erzn. 88 bund- scheckigt), zunächst wohl von einem mehr- farbigen Pferde (Stieler 1691 hat Buntschack «buntes Pferd» neben dem Subst. Bunt- schäckigkeit, Ludwig 1116 Buntschack «hxmtes Pferd»). Buntwerk, n. : geflecktes Pelzwerk, mhd. buntiverc n. Buuzen, s. Punzen. Bürde, f. (PI. -%): Hebe-, Traglast; (bild- lich) 'Schwerzutvagendes. Mhd. bürde, ahd. burdi f.; dazu anord. byrdr, schwed. börda, dän. byrde, got. baurpei f. und mit weiterer Ableitung asäcbs. burthinnia, ags. byräen, engl. bürden f. Mit Dentalsuffix zu. ahd. beran «tra- gen» gebildet, s. Bahre und gebären. ABL. bürden, v. : als Last aufladen, mhd. bürden. Büre, f. (PI. -"): Bett-, Kissen-, Polster- überzug. Aus dem Ndd,, wo mnd, bure «Kissenzieche». Das Wort wii'd 1775 von Heynatz als Büre verzeichnet und von Voß (z. B. Ged. 1, 45) öfter gebraucht. Bureau (spr. Büro), n. {-s, PI. -s) : Schreib- tisch oder -pult zur Besorgung der Geschäfte ; Schreib- und Geschäftsstube. Aus franz. bureau, afranz. burel m., urspr. «grobes wollenes Tuch, Teppich», dann «ein mit einem solchen Tep- piche gedeckter Tisch», weiter «Geschäfts- tisch und -stube», abgeleitet von franz. bure f. «grobes, wollenes Tuch», das auf lat, btira (für burra) f. beruht. Um 1700 entlehnt. Burg, f. (P|. -en): befestigter Ort; (früher) Stadt (vgl. Bürger). Mhd. bure (PI. bürge), ahd. burug, bürg f. «mit Mauern umschlossener 309 Bürge Bursch 310 Ort, Stadt»; dazu asächs. burug, hurg, ndl. hurg, ags. hurh (PI. hyrg), engl, horough, anord.- schwed.-dän. borg, got. baurgs f. Das spätlat. burgus m. nebst ital. horgo, franz. hourg ist aus dem (jrerman. entlehnt. Burg entspricht den Lauten nach genau air. bri, Akk. brigh «Berg, Hügel», das wieder in der Bedeutung zu d. Berg stimmt, so daß also Berg und Bnrg im Ablaut stünden. Der Bedeutungs- wandel erklärt sich daraus, daß man die Niederlassungen gern auf Bergen des Schutz- bedürfnisses wegen anlegte. Andre, vgl. Heyne Deutsche Hausaltertümer 1, 66, stellen btirg zu bergen, es wäre dann eme Abstrakt- bildung mit der Bedeutung « Schutz, Bergmig». Der PI. lautet älternhd. wie mhd. Bürge, noch Adelung verlangt diese Form, doch kommt schon früher das von ihm als obd. bezeichnete schwach flekt. Burgen vor. Bürge,- m. (-n, PI. -n): der wofür Sicher- heit Leistende. Mhd. bürge, ahd. burigo, burgo m.; dazu ndl. borg, ags. borg m. Mit borgen zu bergen gebildet, Bürge daher urspi'. «wer wofür stehend schont, erhält, vor Schaden hütet». ^-BL. l)ürgen, V. : wofür Sicherheit leisten, mhd. bürgen. Bürgschaft, f., mhd. bürgeschaft f. Blirgeiiieister, s. Bürgermeister. Bürger, m. (s, PI. wie Sg.): Vollbe- rechtigter einer Stadt (Burg), Ortschaft, eines Staates; Staatsangehöriger außer dem Adel und der Geistlichkeit. Mhd. bürgcere, burgcere, ahd. burgäri m. «Stadtbewohner»; aus dem Deutschen entlehnt ndl. burger, schwed. bor- gare, dän. borger m. Got. mit andrer Endung &aurgr/am. «Stadtbewohner». Älternhd. auch oft (obd.) Bürger (noch bei Frisch 1741). ABL. bürgerlich, adj., spätmhd. bürgerlich. Bürgerschaft, f., spätmhd. burger schaft f. Bürgertum, n., erst im 19. Jh. gebildet. ZUS. Bürgerkrieg, m., im 17. Jh. (Gry- phius Trauersp. 424) nach lat. bellum civile. Bürgermeister, m., spätmhd. (auch bei Luther) burgermeister, daneben aber mhd. (mit Burg zusammengesetzt) bürge-, burge- meister, die auch älternhd. oft vorkommen (Stieler 1691 führt Bürgemeister, Rädlein 1711 Burgemeister an) und noch von Goethe {Burgemeister Faust 846, Herm. u. Dorothea 4, 21) gebraucht werden. Entlehnt ndl. burgemeester, engl, burgomaster. schwed. borg- tnästare, franz.bourgmesfre m. Bürgerrecht, n., mhd. burgerreht n. Bürgerschule, f., bei Campe 1807 als ein neugebildetes Wort, die erste Leipziger Bürgerschule wurde 1804 eröffnet. Bürgerworthalter, m.: Stadt- verordnetenvorsteher. In Holstein. Burgfriede, m. (-ns, PI. -n): Vertrag zu Sicherheit und Rulie des Burggebietes, sowie diese Sicherheit und Ruhe selbst; der nach seinen Grenzen bezeichnete Burgbezh'k. jVIhd. burcvride m. Burggraf, m. (-en, PI. -en): erwählter Oberherr eines Ganerbenschlosses; Schloß- pfleger; (ehedem auch) Stadtvogt. Mhd. biircgräve, ahd. burcgrävo m. ZUS. Burg- grafschaft, f., mhd. burcgräveschaft f. Bürgschaft, s. Bürge. Burliliard, Mannesname. Ahd. Burchari. burlesk, adj.: possen-, spaßhaft, kui'z- weilig. Aus franz. burlesque und dies aus ital. burlesco, von ital.-span. burla f. «Posse, Spaß, Spott», das auf einem lat. burrula f. beruht, Dimin. zu biirra «zottiges Gewand», PI. «läppisches Zeug, Possen». BeiSperander 1728 burlesque. Burnus, m. (Gen. Burnusses, PI. ohne Endung und Burnusse): Mantel ähnlichen Schnittes wie die maurischen weißen wollenen Mäntel mit Kappe. In den dreißiger Jahren dieses Jh. entlehnt aus franz. btirnous m., dies mit span.-port. albornoz (cd ist der arab. Artikel) aus arab. burnus «längliche Kappe muhamedanischer Mönche, Kleid mit Kapuze». Bursch {-en, PI. -en und -e), Bursche (-«, PI. -n), m : jrmger lediger Mensch ; Student nach dem ersten Studienjahre. Früher auch Pursch (Günther 162, Schiller 11, 314). Mit Übergang des s in seh nach r, in ähnlicher Begi'iffsentwicklung wie bei Frauenzimmer (s. d.) hervorgegangen aus Burs, Bursch f. «beisammen wohnende Genossenschaft männ- licher Personen», das aus mlat. bursa f. (aus gl", ßüpca «Fell, Leder», s. Börse, mit dem Bursche eig. identisch ist) «Geldbeutel», dann «Stiftungskasse zu gemeinsamem Unterhalte vornehmlich der Schüler in den königlichen Schulen, der Hochschule in Frankreich» (ein solcher Stipendiat hieß deshalb ein bursarius), endlich s. v. a. zusammenlebende Genossen- schaft, besonders eine solche, deren Mitglieder aus gemeinsamer Stiftungskasse Unterstützung empfangen. Daraus dann schon in der 2. Hälfte des 13. Jh. mhd. burse f. «Geldbeutel», dann «Kasse», im 15. Jh. auch «zusammenlebende Genossenschaft, namentlich studentische, und gemeinschaftliches Haus derselben»; im 16. Jh, bezeichnet Burs überhaupt eine Schar zu- 20* 311 Bürste Büse 312 samraenlebender oder auch nur gelegentlich zusammengekommener, namentlich junger Leute (Dasjrpodius 1537 hat Burß «contu- bernium, kriegsleut», ebenso Maaler 1561, Berghur ß bei Mathesius Luther 105^, sonst ist Btirs auch oft «eine Zechgesellschaft»). In der 2. Hälfte des 17. Jh. wird das kollektive die Burs, Bursch auch mit dem Prädikat im Plural verbunden, z. B. bei Opitz Judith 2, 4, Moscherosch Phil. 1, 383, Grimmeishausen Simpl. 84, und daraus dann ein Sing, de^^ Bursch gefolgert, z.B. Moscherosch Phil. 2, 208, neben dem aber die Biirsch sich lange er- hält; Duez, Schottel und Krämer kennen nur das kollektive Burs, Bursch (doch verzeichnet letztrer Burschgen n. «giovanetto»), während Stieler 1691 Burs vulgo Bursch als Ehren- name der Studenten, dann aber allgemein für junger Mensch in Handtverks- , Jäger- hursch etc. anführt. Die Flexion ist anfangs stark und schwach, PI. meist Bursche, wie auch von Adelung und von Heynatz 1775 verlangt wird (noch bei Goethe Faust 2150), jetzt häufiger Burschen. ABL. Burschen- schaft, f., die 1815 zur Pflege vaterländischer Gesinnung geschlossene Studentenverbindung. Davon Burschenschafter, m. hlirschikös, adj. u. adv.: studentisch-flott. Um 1700 zu- nächst als Adv. mit giiech. Endung -ikoic als halbgelehrte Bildung aufgekommen (ältester Beleg von 1720 bei Meier Studentenspr. S, 27, bei Heynatz 1775 besprochen), dann auch als Adj. gebraucht; früher mehr in übler Bed. «studentisch-liederlich», Wallensteins Lager 459, wie studenticos lehen bei Eädlein 1711. Bürste, f. (PI. -n): Reinigungswerkzeug aus Borstenbüscheln. Mhd. hürste f., von Borst, Borste (s. d.) abgeleitet. ABL. bürsten, V., auch s. V. a, trinken, gleichsam die Gurgel putzen, zugleich unter Einfluß von Burs^= «Zechgesellschaft». Schon im 16. Jh., dann bes. schwäbisch, z. B. bei ühland 53. 270. Eine obszöne noch jetzt übliche Bed. bei Kindleben 1781. ZUS. Bürstenbinder, m. Redensart: saufen wie die Bürstenbinder (im Anschluß an bürsten «trinken»), schon bei Fischart Barf. 2255. bürtig, adj.: woher der Geburt nach seiend (Goethe 11, 66). Noch in eben-, voll- bürtig, sonst üblicher gebürtig. Mhd. bürtec, ahd. burtig von mhd.-ahd. burt f. «Geburt». ^Bürzel, m. (-s, PI. wie Sg.): die Pflanze portulaca. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. burzel, purzel, ahd. hurzela, purzela f., von lat. portulaca, das auch umgestaltet zu porcilaca (an porcus «Schwein» angelehnt), porcellana (so ital.) erscheint. ^Bürzel, m. (-s, PI. wie Sg.): kleiner dicker Mensch, s. Purzelbaum. Bürzel, m. (-S, PI. wie Sg.:) Steißende mancher Tiere. Bei Luther 8, 85 Jen. Pirtzel, bei Maaler 1561 Bürtzel. Von südd. borzen, bei Hans 8acbs pürtzen «hervorstehen», wahr- scheinlich abgeleitet von mhd. bürn, ahd. burian «in die Höhe halten oder recken». (Daher bedeutet B. mundartlich auch «Erd- erhöhung»). Busch, m. {-es, PI. Büsche) : Strauchwerk, sowie diesem vergleichbares. Alternhd. auch Pusch (bei Luther, den schlesischen Dichtem des 17. Jh., Steinbach 1734, noch jetzt im schles. Dialekt). Mhd. husch, bosch, md. auch pusch m., ahd. nur in brämälhusc m. «Brom- beerbusch»; dazu ndl. bosch n. und bos m., engl, bush, schwed, huske m., dän. husk. Ent- lehnt aus mlat. buscus, boscus m. «Strauch- werk», woher ital. bosco, span.-port. bosque, franz. bois m. «Gehölz, Wald», Redensart: auf den B. klopfen «Nachrichten etc. aus jemand herauszulocken versuchen», eig. «das Wild durch Klopfen aus seinen Schlupf- winkeln auftreiben». ABL. BÜSChel, m. (-5, PI. wie Sg.), bei Luther auch Pusschel (2. Mos. 12, 22), mhd. huschet m. buschicht, buschig, adj., spätmhd. puscheht. ZUS. Buschklepper, m.: wegelagernder Räuber. Bei Zesen Jbr. 1, 417 mit ö für e Busch- klöpper (so noch bei Frisch 1741), bei Schupp 1, 305 mehr hd. Buschklöpffer. Es bezeichnet eig. den, der durch den Wald reitet, den Heckenreiter, denn Klepper (s. d.) ist urspr. sowohl «Pferd» als «Reiter». ^Buse, f. (PI. -n), auch Dim. Bus-chen, u,: feine kurze wollige Härchen wie Flaum; Pflanzenwolle an den Weidenkätzchen. Ober- sächsisch, dazu das gleichbed. Schweiz, busi, büseli (Schweiz. Id. 4, 1740) und wohl auch nd. Pose f. «Feder». "Buse, f. (PI. -n): Katze. Mundartlich, so Schweiz, das Demin. Busi, Büsi n., schwäb. Busi f. Dazu näd. jms, nd.\. poes, engl, puss, dän. puus, norw. puse. Nach dem Lockruf für die Katze. ZUS. Busekatze, f. Büse, f. (PI. -n): leichtes Fahrzeug, bes. zum Heringsfange. 1703 im Zeitungslex. Aus ndl. buis f. «Fischerboot»; dazu engl, buss, altnord. büza, auch schon mhd, (im Rolands- lied) hü^e f. «eine Art Schifl'», ahd. few^o m. 313 Büsel Butte 314 «Seeräuberschiff». Zugrunde liegt mlat. huza «größeres Fahrzeug», woher afranz. Jmce, husse f., altspan. huzo m. «Ruderschiff». Büsel, n. (-S, PI. wie Sg., Goethe Dicht. u. Wahrh. 27, 265): kleines Geldstück. Für Biesel, Bezeichnung einer franz. Silbermünze im Elsaß, aus franz. piece f. «Stück». Busen, m. (-s, PI. wie Sg.): Vorderteil des menschlichen Leibes vom Halse bis zum Magen; Öffnung und bauschiger Teil des Kleides davor; Meer-, Seearm. Bei Luther hosam, hosem, hosen, bei Alberas Dict. Dd2'^ huosam, im 17. Jh. häufig Busem (so noch bei Ludwig 1716). Mhd. huosem, auch schon huosen, a.h.ä.huo»uni, huosam m., auch «Schoß»; dazu asächs. hösom, hösm, ndl. hoezem, afries. hösm, ags. hösm «Schoß» m., engl, hosom, im Xord. u. Got. fehlend. Dunkler Herkunft. Zusammenhang mit Btig ist kaum möglich. ABL. busig, adj. in hoch-, vollbusig. ZUS. Buseufreund, m.: vertrauter Freimd. Bei Ludwig 1716 Busemfreund. Bu£, m. (Gen. Busses, PI. Busse): Kuß. In der Kindersprache. Bei Luther 5, 268^ Jen., schon etwas früher begegnet hussen «küssen». Im Bayr. ist Kiiß durch Büß ganz verdi'ängt worden. Vgl. engl, huss, \ schwed. puss «Kuß», Mit lat. bäsiäre, franz. 1 haiser besteht kein Zusammenhang, vielleicht aber mit ir. hus «Lippe», gäl. hus «Mund». Bussard, m. (-s, PI. -e) -. der Mäusefalke. Mit engl, huzzard, ndl. huizert m. aus franz. husard m., das von lat. hüteo m., dem Namen einer Habichtsart, mit der dem deutschen -hart nachgebildeten Endung -ard abgeleitet ist. Im Mhd. dafür hüsant m. Bei Maaler 1561 in halbdeutscher Foi^m Bußhart (so noch bei Rädlein 1711), bei andern in An- lehnung an Aar Bußaar (bei Henisch 1616 Bußarn, noch Adelung setzt Bußaar an). Buße, f. (PI. -n): (kirchliche oder recht- liche) Genugtuung wofür. Mhd. huo^e, huo^, ahd. huo^a f. «Besserung, Heilung, Abhilfe, Vergütung, Buße, Strafe»; dazu asächs. höta «Besserung, Heilung», ndl. hoete, afries. höte, ags. höt f. «Besserung, Ersatz», engl, hoot «Nutzen, Vorteil», anord, höt f. «Besserung, i Buße», schwed. hot m., dän. hod, got. höta f. «Nutzen». Im Ablaut zu haß, hesser, hest : (s. d.) stehend. ABL. büßen, v.: ein Übel, heben oder wegschaffen ; wieder cmtmachen, i bessern (z. B. die Lücken hiißen) ; genugtun, ; namentlich durch Erduldung von Strafe; zur j Genugtuung mit Strafe belegen. Mhd. hüe^en, \ ahd. &«02fen, auch «ausbessern, flicken, heilen»; dazu asächs. hötian, ndl. hoeten, ags. hetan, anord. höeta, schwed. höta, dän. höde, got. hötjan «nützen». Davon Büßer, m., spät- mhd. hüe^er, auch «FHcker», schon ahd. scuoh- htw^äri «Schuhflicker». ZUS. bußfertig, adj. u. adv.: Buße zu tun bereit; über Be- gangenes mit der Absicht dafür genugzutun, schmerzerfüllt, mhd. huogvertic. Bußtag, m., bei Stieler 1691. Bussöle, f. (PI. -«): Magnetbüchs-chen, Seekompaß. Das franz. houssole, ital'. hüssola f., welches aus mlat. huocula «Büchs-chen», von mlat. huxis statt gr.-lat. pyxis, gr. iruEic f. «Büchse». 1 7 1 6 in Chi-. Wolffs math. Lex. 268. Büste, f. (PI. -n) : aus Stein, Gips, Wachs usw. geformtes Brustbild ; Oberkörper bis zur Brust. Aus dem gleichbed. franz. huste, ital.- span. busto m., die, wenn das Wort urspr. das auf dem Grabmal aufgestellte Brastbild bedeutet hat, aus lat. hustum u. «Leichenbrand- stätte, Grabmal» abgeleitet werden können. Im 18. Jh. entlehnt (Wieland Am. 2, 27). Butlke, f. (PI. -n): Bude; elende Hütte, Das franz. houtique f. «Kramladen», ital. hodega f., mit Abfall des anlautenden Vokals aus gr.-lat. apofheca f. «Vorratskammer» (s. Apo- theke). Im 17. Jh. entlehnt. butt, adj.: stumpf; km-z und dick; unan- sehnlich klein; stumpfsinnig, dumm. Aus dem Ndd., wo hutt «stumpf, plump» und das Subst. Butt «kui'zes, dickes Ivind»; ndl. hot «stumpf, plump, dumm». Fischart gebraucht hott von den Holländern, ebenso führt Henisch hot als ndl. Wort an, dagegen Stieler 1691 und Rädlein 1711 hutt als hd. Wohl zu ahd. hö^an, ags, heatan «schlagen» (s, Amboß) zu stellen, eig. also «abgeschlagen, abgestoßen». Vgl. noch Meringerldg. Forsch. 16, 155, Zupitza KZ. 36, 243. Die bedeutungsverwandten span. hoto «stumpf», franz. hotte f. «Klumpen», ital, hottone, franz. houton m. «Knopf, Knospe» gehen auf das Germ, zuiiick. S. auch Butzen. ABL. butten, v., auch verhütten (Voß Horaz Sat. 1, 3, 46) «im Wachstum zuiückbleiben, verknorzen, verkommen». ^Butte, f. (PI. -n): plattleibiger stumpf- köpfischer Seefisch. Bei G. Agricola putte, bei Forer S. 50^ Meei'hutt, aus der ndd, Be- nennung butte f., ndl. bot f., engl. but. Wohl von ndd. hutt, ndl. hot «stumpf». ^ Butte in Hagebutte, s. d. ^ Butte und Bütte, f. (PI, -n) : oben offenes Daubengefäß; hohes Rücken- Traggefäß von 315 Büttel büxen 316 Dauben. Die umlautlose Form jetzt nament- lich in Mitteldeutschland (hei Luther Buffe7i); zuweilen wird zwischen Bütte «größrer Zuber» und Butte «kleinres Daubengefäß mit Hand- griff», namentlich «Rücken- Traggefäß» unter- schieden. Mhd. hüte, gekürzt aus hüten, ahd. hutin, hutinna f.; dazu ags, hyden f., daneben hytt f. «Schlauch», engl, hutt «Faß», anord. hytta «Butte», schwed. bytta f., dän. hotte. Mit ital. hotte f. «Faß», span.-port. hofa f. «Schlauch», franz. hotte f. «Weingefäß» aus gr.-mlat. hntina f. «Flasche»; gr. iruTivri, taren- tinisch ßurivri f. Vgl. dazu Meringer Idg. Forsch. 16, 155. Vgl. auch Bottich, Bouteille. Büttel, f. (PI. -n): Flasche. Aus dem Ndd., "WO Büttel, Buddel: wohl mit ndl. hottel f. aus engl, hottle, das auf mlat. hotilia f. (statt *huticula) beruht, woher auch franz. houteille f. S. auch Bottelier. Büttel, m. (-S, PI. wie Sg.): niedriger Gerichtsbote, Häscher. IMlid. hütel, ahd. hutil m. «Gerichtsbote, entbietende Gerichtsperson»; dazu ndl. he\d (aus beudel), ags. hydel m., engl. headle. Mit Bote zu hieten. l)Utteln, V.: schäumend sprudeln (Goethe 33, 73). Aus dem Ndd. (1767 im bremisch- ndsächs. Wörterbuch verzeichnet), vielleicht lautnachahmend. Butter, f. : das aus Milchrahm durch Ab- sonderung des Wässerigen gewonnene Fett. Im Obd. Butter m. Mhd. huter m. f., spät- ahd. hutera f., dazu ndl. hoter f., afries. hutera, ags. hutere f., engl, hutter. Entlehnt wohl durch Vermittlung der Klöster aus dem gleich- bed. gr.-lat. hutyrmn n. (zuerst bei Columella 6, 12), gr. ßouTupov, das nach Plinius bist, nat. 28, 9 aus dem Skythischen stammt und an ßoöc f. «Kuh» und xupöc m. «Käse» an- gelehnt wurde. Ins Hd. drang das Wort von Norden ein und verdrängte die echtahd. Benennungen anko m., anka f. (s. Anke), kuosmero m. «Kuhschraeer», mhd. auch milch- smalz n. ABL. buttern, v.: Butter machen. 1482 in außputtern (Voc. theut. aa 1 *). ZUS. Butterbemnie, s. Bemme. Butterbrot, n., bei Duez 1664. Buttermilch, f., mhd. hutermilch f. Butterschnitte, f., von Gom- bert 7, 16 aus dem J. 1627 belegt. Butter- VOgel, m.: Schmetterhng, von dem man glaubte, daß er Butter stehle (1517 bei Tro- chus H 6* hottervogel); vgl. ndl. hotervlieg f., engl, hutterfly. Butterweck, m.: Butter in Weck- d, i. Keilform. Mhd. huterivecke m. ■ Butterwocbe, f.: die fette Woche vor den Fasten; (übertragen) Flitterwoche der Neuvermählten. Büttner, m. (-s, PI. wie Sg.)-. Böttcher, Küfer. In Thüringen, Franken, Oberpfalz usw. Mhd. hütencere m., von hüten f. «Bütte» (s. d.). Butzen, m. (s, PI. wie Sg.): Klumpen; verdickte Feuchtigkeit in Nase, Auge, einem Geschwüre; Schnuppe am Licht; Kerngehäuse im Obst. Mhd. hiitze m. (selten) «Klumpen», dazu auch gehütze n. «Eingeweide», dann 1482 im. Voc. theut. z 8^ putz in der nasen, putz am ohß. Wohl mit der hochd. Verschiebung zu ndd. few^^ «abgestumpft, stumpf, kurz und dick». Vgl. noch Zupitza KZ. 36, 248. ZVS. Butzensclieibe, f. (PI. -n)-. runde, gewöhn- lich grüne Fensterscheibe, die in der Mitte eine ziemlich starke schlackenartige Erhöhung [einen Butzen) hat. ürspr. in Nürnberg ge- bräuchliche Bezeichnung. Butzenmanu, m. [-es, F], Butzenmänner) -. gespenstische, vermummte Schreckgestalt. Mhd. das einfache hutze m. «Polter-, Klopf- geist, ausgestopfte Menschengestalt, Lai-ve»; das zusammenges. Wort erscheint bei Luther als Potzmann, bei Alberus Dict. p 1 ^ hutzen- man und Hb 3* hotzenman. Mhd. hutze viel- leicht zu ahd. hö^an «schlagen» (s. Amboß), also «Klopf-, Poltergeist» oder wohl eher mit dem vorausgehenden identisch, also eig. «kurze, dicke, verkrüppelte Gestalt» (auch das schw'eiz. bök ist «Butzenmann» und «Butzen») wie noch nhd. Bützel m., obersächs. und Schweiz. BUz m. «kleines, unvollkommen ge- staltetes Geschöpf», mhd. bützel m. «Wichtel, Zwerglein», butzig (Rückert 1, 110), s. putzig. Butzkopf, m. [-es, PJ. Butzköpfe): der Nordkaper (Walfisch). Benannt nach der ab- gestumpft aussehenden Schnauze, zu ndd. hutt «stumpf». Buxe, f. (PI. -n): Hose. Aus dem Ndd., wo hoxe, büxe, ndl. bokse f.: daraus entlehnt Island, (im PI.) huxur, schwed. byx, ^dän. buxe. Von Bock abgeleitet, also eig. «Hose von Bocksleder», vgl. engl, buckskins «bock- lederne Hose». Helvig 1611 hat Buchsen als ndsächs. Wort, ebenso verzeichnet Adelung Büchse als ndsächs., 1616 bei Henisch Bixen « Pluderhosen, Schitferhosen ». büxen, v.: behende heimlich entwenden. Aus dem gleichbed. ndd. huxen, ndl. hoksen, eig. wohl s, v.^a. «behende ungesehen in die Hose (Hosentasche) stecken». Bei Schiller da- für bixen in iveggehixt (Räuber 2, 3). 317 CslU Charivari 318 AVörter, die man hier nicht findet, suche man unter K und Z. Cafe, s. Kaffee. Canaille, f. (PI. -n): niedriger Pöbel; ver- ächtlicher Mensch. Aus dem gleichbed. franz. Canaille nach ital. canaglia f., eig. «Hunde- volk», Kollektiv zu lat. canis «Hund». Im 17. Jh. ganz geläufig (bei Schupp 1, 427 Canalie, bei Stieler 1691 Kanalje); die persönliche Bed. schon bei Wächtler 1711. CailCan, m. (-5): ein unzüchtiger Tanz. Aus franz. cancan, das aus lat. quanquam «obwohl». Zunächst wurde es in der Be- deutung einer «Universitätsanrede» gebraucht, weil diese meist mit quanquam begannen. Neue Entlehnung. Cerevis, n.: kleine runde Studentenmütze, die bei Bierkommersen getragen wii'd. Aus lat. cerevtsia, urspr. cervisia f. «Bier». In der neuern Studentensprache, abgekürzt aus Cerevismütze. Chaise, f. (PI. -w): Halbkutsche. Aus franz. chaise f. eig. «Stuhl», das urspr. Pariser Aussprache statt chaire f. «Lehrstuhl, Stuhl, Sessel» aus gr.-lat. cathedra f. (s. Katheder). Im 17. Jh. entlehnt. Chalzedöu, m. {-s, PL -e) oder Chalce- donier, m. (s) : milchbläulicher Halbedelstein. Mhd. calcedon, aus gr.-mlat. chalcedonius, d. i. lat. achates chalcedoyiius «Achat von Chal- cedon» in Kleinasien. Chamäleon, n.: farbenwechselnde Ei- dechse; (bildlich) ungetreuer Yerstellungs- künstler. Aus g]\-lat. chamaeleon, gr. xctM"i- Xeoiv m. d. i. «Erdlöwe» (xaiaai «an der Erde», \eujv m. «Löwe»). Im 16. Jh, entlehnt (1571 bei Heyden Plinius 173 Chameleon m., 1595 bei Hulsius Schiffahrten 1, 17 Chamelion). Früher auch als M. (Hagedorn Oden 55, Goethe 1, 62). Champagner, m. (-s): Schaumwein aus der Champagne. Nach franz. vin de Cham- pagne, auch bloß Champagne m. Um 1750 eingebürgert (Goethe Br. 2, 105, bei Aler 1727 Champagnier wein) . Champignon, m. (s, PI. -s): eßbarer Feld-, Rasenschwamm. Das franz. Champignon m., aus neulat. campinio m., von lat. campus m. «Föld». 1715 bei Amaranthes Sp. 1474. Champion, m. (s, PI. -s) -. Kämpe, Meister. Aus gleichbed. franz. Champion, das auf ein vulg.-lat. campio «Kämpfer», abgeleitet von campus m. «Feld», zurückgeht. 1710 bei Nehring. Chaos, n. : verworrene gestaltlose Urmasse zur Weltbüdung; Wirrsal. Das gr.-lat. chaos, gr. xöoc n. eig. «der gähnende leere maßlose Raum», von gr. xaiveiv «gähnen». Im 17. Jh. entlehnt. Vgl. Gas. Charakter, m. {-s, PI. Charaktere)-, (auf- geprägtes) Kennzeichen; eigentümliche Ge- sinnungsweise;" Gesinuungsfestigkeit; Titel, Rangstellung. Aus gr.-lat. charäcter, gr. xapaKTrjp m. «Eingegrabenes, Eingeprägtes, Kennzeichen, aufgeprägte Eigentümlichkeit», von gl". x«P"cceiv «einritzen, einprägen»; da- her schon mhd. kar acter m. «Buchstabe, Zauberschrift, Gepräge, Mei'kmal». In der 2. und 4. Bed. bei Wächtler 1711. ABL. charakterisieren, v.: kennzeichnen; be- titeln. Aus franz. caracteriser , von gr. XapaKxripiZieiv «mit einem Merkmal oder Ge- präge versehen, schildern», charakteri- stisch, adj. Nach dem gr, Adj. xapaKTripi- cTiKöc «bezeichnend». Beide im 18. Jh. auf- genommen (1749 bei P^yra und Lange 400 characteristisch). Charge, f. (PI. -n): dienstliche Stellung. Aus franz. Charge f. eig. «Last», zu charger (s. d. folg.). Im Anfang des 17. Jh. ent- lehnt. ABL. chargieren : laden ; belästigen : einen Angriff unternehmen. Aus dem gleich- bed. franz. charger, von einem mlat, *carri- care «auf den Wagen laden, belasten», das auf carrus m. «Wagen» zurückgeht. Schon 1617 im teutschen Michel 8 als charschieren angeführt. Das Part, als Subst. der Char- gierte, studentischer Würdenträger, bei Kluge Wb. d. Studentenspr. aus dem J. 1831 belegt, dafür 1795 Chargenträger. Charivari, n.: Katzenmusik, Aus dem gleichbed. franz. charivari m., eig. s. v. a. «Polterabend», afranz. (14. Jh.) caribari, chali- vali, mlat. charivarium, chalvaricum n. «un- harmonische Musik, die einer zur zweiten Ehe schreitenden Person gebracht wurde». 319 Chaussee Chor 320 Dunklen Ursprungs (1664 bei Duez franz. charivari «Koi^fschmerz», aus dem gleichbed. gr. Kapnßapia f., eig. «Schwere des Hauptes»). Bei Wächtler 1714. Chaussee, f. (PI. -n): Kunststraße. Das franz. chaussee aus mlat. calciata «mit Kalk gemauerte Straße», dem als Subst. gesetzten F. des Part Perf. Pass. von mlat. calciare «mit Kalk (lat. calx, G. calcis) aufmauern». Um die Mitte des 18. Jh. aufgenommen (1779 bei Goethe Br. 4, 94) und bei Adelung 1793 verzeichnet. Chauvinfemus, m. : übertriebener Natio- nalstolz. Nach franz. chauvinisme m., ein Aus- druck der eig. die Schwärmerei für Napoleon bezeichnet; er soll auf den Veteranen Nie. Chauvin aus Eochefort zurückgehen. Chef, m, (-S, PL -s): Oberhaupt, Vorge- setzter. Das franz. chef m. , von lat. caput n. «Kopf, Haupt». -Im Anfang des 17. Jh. entlehnt (1616 bei Wallhausen Kriegsmanual). Chemie, f.: Scheidekunst. Aus gr. xn^^i«, Nebenform von x"|Lteia f. «Vermischung», das auf X'JMoc m. «Saft, Flüssigkeit» zurückgeht. Älternhd. meist Chimie, Chyniie (dies noch bei Adelung). Vgl. auch Alchimie. ABL. Chemiker, m. Aus gr. x^^miköc «die Säfte betreifend», chemisch, adj. Chemisette, f. (PI, -n): Vorhemdchen. Das franz. Chemisette f.. Dem. zu chemise f. «Hemd» aus lat. camisia f. 1773 bei Ama- ranthes^ 1, 717. -chen, Verkleinerungsendung des Sub- stantivs. Nach ch und g steht, um den Miß- klang zu vermeiden, -eichen, z. B. Bächelchen, Trögelchen, vgl. Wilmanns Deutsche Gramm. 2, 319. Im 16., 17. Jh. auch -ichen, -ichin, mhd. -ichin, aber nur in md. Quellen. Da- neben auch hd. das unter flämischem Ein- fluß eingedrungene -ekin, z. B. gehürektn «Bäuerlein». Im altern Nhd. tritt -chen über- all hinter -lein zurück, Luther hat in der Bibel nur Caninichen und Saltzirichen (Rand- glosse zu 4. Mos. 7, 14) «Salzfäßchen», häufiger Bildungen auf -ichen in seinen Briefen. Auch sonst bei Mittel- und Norddeutschen erscheinen anfangs solche Bildungen nur ausnahmsweise (Opitz Seelichin, Wäldichin, die Schlesier haben sonst fast durchaus -lein, öfter -chen, -gen bei Rist, Dach, dann bei Chi'. Weise u. a.); unter den Grammatikern hält sie Schottel (S. 820 -ichen mag etiva spielweis oder sonst im gemeinen Reden schertzivegen gebrauchet werden) noch fern, während 1690 Bödiker S. 132 -chen für die im Hd. üb- Hchste Endung erklärt. Chenille, f. (PI. -n): Samtschnürchen. Das franz. chenille f. «Raupe», dann wegen der Ähnlichkeit jene Schnur. 1715 bei Ama- ranthes Sp. 344 Chenellen, deutsch Schönellgen. Cherub, m. {-s, PI. Cherubim): Thron- träger Jehovas. Das hebr. cherüb. Mhd. ent- lehnt (aus dem PI.) cherubm m. Chiffre, f. (PI. -n)-. Namenszug; Geheim- schrift. Das franz. chiffre m. «Zahlzeichen» (s. Ziffer), Geheimschrift. Bei Nehring 1710. ChigUOn,m. {-s, PI. -s) -. hinaufgeschlagenes Nackenhaar; Haarwulst. Das franz. chignon m., das auf franz. chaine aus lat. catena f. «Kette» zurückgeht. Im spätem 18. Jh. auf- genommen (1773 bei Amaranthes'^ 1, 720). Chiragra, n. (Schiller Wall. L. 488): Hand- gicht. Aus gr.-lat. cMragra, gr. xexpd'xpa f. «Handgicht». Chirurg, m. (-en, PI. -en): Wundarzt. Aus gr.-lat. chirurgus, gr. xeipoupYÖc m. eig. «mit der Hand arbeitender Arzt», das als Subst. gebrauchte M. des Adj. x^ipoupT^^c «mit der Hand arbeitend» (xeip «Hand» und eine Bildung von ^pyov «Werk»). Im frühern Nhd. meist in lat. Form. ABL. Chirurgie, f.: Wundarzneikunst. Aus lat.-gr. chlrurgia, gr. xe'poupYia f. «Arbeit mit der Hand, Wund- arzneikunst». Schon frühnhd. (Mumer Narr. 30, 1 Cirurgy). chirurgisch, adj., nach gr.-lat. cMrurgiais, gr. xeipoupYiKÖc «zur Hand- arbeit, Wundarzneikunst gehörig oder ge- schickt». Bei Fischart Bodinus (1586) 137. Chlodwig, s. Ludwig. Chlothar, s. Lothar. Cholera, f. : Brechruhr. Das gr.-lat. cholera, gr. xo^^pa f. «Galle, Gallensucht», von gr. Xo\r| f. «Galle», Schon spätmhd. colera f. «Ruhr», 1727 bei Aler Choler f., vgl. auch Koller. ^5L. cholerisch, adj.: zornsüchtig. Nach gr.-lat. cholericus, gr. xo^ep"<öc «gallen- süchtig». Bei Henisch 1616 cholerisch, 1615 bei Albertinus Landstörzer 440 kolerisch. Chor, m. (-es, PI. Chöre): Sängerkreis; vollstimmiger Gesang; hintrer Teil der Kirche; Eraporkirche; Schar. Aus gr.-lat. chorus, gr, Xopöc m. «Rundtanz, Reigen, Sängerschar», im Mlat. auch «Kirchensitz der singenden Geistlichen», woraus schon mhd. kör, ahd. chor m. «Sängerschar, Geisthchenschar in der Kirche, der Kirche hintrer Teil als Sitz der singenden Geistlichen». In der neuern Sprache 321 Chrestomathie Conr 322 auch zuweilen Xeutr., namentlich in der letz- ten (übertragnen) Bed. ABL. Choral, m. (-S, PI. Choräle): "Weise eines Kirchenliedes. Aus mlat. choralis «zum Chor gehörig». Früh- nhd. (Ringwald getr. Eckh. D 4^), auch bei Rot 1571 verzeichnet. Als Xeutr. bei Hage- dom Fab. 185. Dazu Choralhuch, 11., 1562 bei Mathesius 147^ Coralbuch. Chorist, m. (-en, PI. -en): zum Singechor eines Theaters Gehöriger. Aus mlat. cliorista m. «Chor- sänger». Bei Adelung 1774. ZUS. Chor- rock, ni.: langes geistliches Amtskleid, ur- spr. im Chore der Kirche getragen, iihd. korroc m. Chrestomathie, f. (PI. -n): Mustersamm- lung aus Schriften. Aus gl*. xPn<^T0,ud9eia f. «Sammlung des Brauchbarsten aus Schrift- stellern», von gr. xpncTÖc «brauchbar» und laaGeiv «lernen». Im spätem 18. Jh. aufge- nommen. Chrisam, n.m. (-5): geweihtes kirchliches Salböl. Mhd. krisem, kresem, ahd. chrisamo, chresamo m. aus kii-chlich-lat. chrisma n. «Sal- bung», im Mlat. «geweihtes Salböl», gr. xpicua n. «Salböl». ^Christ, m. (-es): Christus; Weihnachts- geschenk (als Geschenk von Christus). Mhd. nach der Aussprache Krist, ahd. Christ, asächs. Krist, ags. Crist, anord. Kristr «Chri- stus», aus dem kirchlichen gr.-lat. Christus, gr. XpicTÖc eig. «der Gesalbte», d. h. der vom Königsstamme Davids hei'vorgegangene König, von xpieiv «salben». ZUS. Christ- abend, m.: der Abend vor "Weihnachten, mhd, kristähent m. Christkind, n.: Chri- stus als neugebomes Kind; Weihnachtsge- schenk. Bei Luther. Christmette, f.: Messe, dann Gottesdienst zur Feier der Geburt Christi mit AnbiTJch des Christtages. Spätmhd. krist- mettin f. Christmonat, m. : Monat des Festes der Geburt Christi, Dezember, späimhd.christ- män, -mänet. Christtag, m.: Tag zur Feier der Geburt Christi, mhd. krisftac m. ^Christ, m. {-en, PI. -eii): der in Chiisti Namen Getaufte. Ältemhd. auch Christe (noch Lessing 4, 59, Schiller Räuber 4, 2), im 16. Jh. mitunter noch Christen (l. Petr 4, 16). Mhd. kristen, kristcene, ahd. christäni m,, eig. Adj. aus dem kirchlichen gr.-lat. christiänus gr. Xpicriavöc «Bekenner Christi» (daher die Eigennamen Christian und Chri- stine), abgeleitet von gr. Xpicröc (s. ^ Christ). Als Adj. asächs, kristin, ags. cristen, anord. kristinn. Das "Wort ist im Mhd, zur schwachen Weigand, Deutsches Wörterbuch, ö. Aufl. Dekl. Übergetreten. ABL. Christenheit, f., mhd. kristenheit, ahd. christanheit f., dazu, andd. cristinhed i. «Christlicbkeit, Taufe». Christentum, n., mhd. kristentuom m. n., dazu anord. kristindömr m. Christin, f. Mhd. dafür kristen f., doch auch schon kri- steninne f. christlich, adj. u. adv., älter- nhd. auch christenliclt. Mhd. kristenlich, ahd. christanlih. Chronik, f.: Zeitbuch. Mhd. krönike, kronik f., aus dem gr.-lat. PI. chronica, gr. XpoviKci (wobei ßißXia «Bücher», zu ergänzen ist) «Zeit- d. i. Geschichtsbücher», PI. des Xeutr. von xpoviKÖc «die Zeit betrefiend», abgeleitet von xpövoc m. «Zeit», — Chronist, m. {-en, PI. -en): der die Zeitereignisse ver- zeichnet. Aus nlat. chronista m. Frühnhd. (Albertinus weibl. Lustg. 35). — Chrono- logie, f.: Zeitkunde. Aus gx*. xpovoX.OYia f. «Zeitrechnung», abgeleitet von xpovoXÖYoc i «die Zeit berechnend» (-Xotoc zu Xe'-feiv hier «berechnen»). Bei "Wächtler 1711. Davon chronologisch, adj. Chrysolith, m. {-es, PI. -e): gelblich- grüner Edelstein. Mhd, chrysolit, crisolit, \crisolt m, aus gr.-lat, chrysolithus m, f., gl-. XPucöXieoc f. «Goldstein», zusammenges. aus xpucöc m, «Gold» und XiOoc m. «Stein». Chrysopras, m. {-es, PI, -e): apfelgrüner Halbedelstein. Eig. gold-, lauchgi-üner Stein, Mhd. crisoprassis , crisoprasse, crisopras m. n, aus gi\-lat, chrysoprasiis, gr. xpucöirpacoc, zusammenges. aus gr. xpucöc m. «Gold» und einer Bildung von irpdcov n. «Lauch». Clique, f. (PI, -w): Spießgesellschaft, Das franz. clique f., das von cliquer «klatschen» (wie cJaque von ciaquer). Im spätem 18. Jh. aufgenommen. Coupe, n. {-s, PI. -5) : Halbkutsche ; Wagen- abteilung. Das franz. coupe m., von couper «schneiden, abteilen, hauen», abgeleitet von coup m. «Streich, Schlag», das auf gr.-lat. colaphus, gr. KÖXaqpoc m. «Faustschlag, Backen- streich» zurückgeht. — Coupon, m. {-s, PI. -s): Zinsschein, Zinsleiste. Das fx'anz. coupon, ital, cupone m., von couper «schnei- den». Beides neue Entlehnungen. Cour, f.: Hof, Hoftag, Aufwartung bei Hofe; höflichkeitsvolle Gunstbewerbung {die C. machen). Das franz. coiir f., dies wie ital. Corte m. «Hof» zeigt, aus mlat. cortis f, «fürstlicher Hof», lat, cors (Gen, cortis) «Hof- raum, Hof», füi' älteres cohors f. Bei "Wächt- ler 1711. 21 323 Courage Dackel 324 Courage, f.: Herzhaftigkeit, Mut. Das franz. courage, ital. coraggio m,, das eine Ab- leitung von franz. coeur, ital. cuore m. (aus lat. cor n.) «Herz» ist. Um 1600 entlehnt (Wallhausen Corp.mil. 67, Coraß'va. einem Lied von 1619 bei Hartmann bist. Volksl. 1, 122). Cousin, m. {-s, PI. -s): Vetter. Das franz. cousin, ital. cugitio m., zusammengez. aus lat. consoh'inus. Cousine, f.: Base. Das franz. Cousine, ital. cugina f., aus lat. consobrma f. Beide in der ^Vlitte des 17. Jb. aufgenommen {Cousin bei Schupp 1, 274). D ^da 1) demonstratives räumliches Adv.: an dem Orte. 2) relatives räumliches Adv.: wo, nur noch altertümlich und dichterisch. Mhd. da, mit Abfall des ausl. r aus dar (wie in e «ehe», wä «wo»), ahd. dar; dazu asächs. tliar, ndl. daar, afries. ther, ags. pmr, engl, there, anord. par, schwed. ther, dän. der, got. par. Von dem Stamme des Demonstr. der; in der Bildung ist zu vergleichen aind. tär-Tii «damals». Älternhd. auch do (durch Vermischung mit dem folg. Wort) ; eine Form dar (unter Einfluß der Zusammensetzungen daran, darauf usw., in denen sich vor Vokal das urspr. r erhielt) findet sich nicht nur im 17. Jh., z. B. Gryphius Travxersp. 41. Lohenstein Rosen 97, sondern noch im 18. in hier und dar (Drollinger 44, auch bei Rückert Ged. 3, 478), femer von dar (Lessing 3, 35. Bürger 194). "da l) demonstratives Zeitadv.: zu der Zeit. 2) relatives Zeitadv.: zu welcher Zeit, im Anschluß an Substantive und dann auch als Konj.: indem, als. 3) als kausale Konj.: weil. Mhd. -ahd. dö und duo; dazu asächs. thä, ags.-anord. pä, schwed. da, dän. da. Von dem Stamme des Demonstr. der. Die Form da setzte sich fest, weil Zusammenfall mit dem lokalen ^da eintrat, ältemhd. aber auch do, noch im 17. Jh. bei Tob. Hübner. dabei, Adv., das auf ein ^S^ahesein hin- weist. Älternhd. auch darbei (noch bei Steinbach 1734), mhd. därht, däU, ahd. darin, asächs. fhärhi, ndl. daarbij , engl, thereby. Zusammengerückt aus ^da vmd bei. Dach, n. {-es, PI. Dächer): Bedeckung, unter der man sich aufhalten kann. Älter- nhd. (noch oft im 17. Jh.) auch Tach, mhd. dach, später tach, ahd. dah n.; dazu ndl. dak, ags. pcec, engl, thatch «Strohdach», anord. Jjak, schwed. tak n. Zu lat. tegere «decken», wozu tectum n. «Dach» und (im Ablaut mit Dach übereinstimmend) toga f. eig. «Hülle», gr. T^-foc «Dach», air. tech n. «Haus», ferner von einer anlaut. s zeigenden Wurzel, gr. ' CT^Y^iv «bedecken», c^i^oc n. ct^yi f. «Dach», lit. stögas m. «Dach». Redensart: einem zu Dache, aufs Dach steigen (bei Kindleben 1781 I als studentisch verzeichnet) «ihm zu Leibe j gehen» (früher zu Dache sein oder sitzen). ABL. dachen in ab-, bedachen, mhd. dachen. j S. auch decken. ZUS. Dachreiter, m.: auf dem Dache sitzendes Türmchen. 1781 ! bei Jacobsson techn. Wb. 1,385^ Dachreuter. ! Dachstuhl, m.: Dachgebälke, Frühnhd. Dachtraufe, f., mhd. dachtroufe f., meist dacht rouf m. n. Dachs, m. (Gen. Dachses, PI. Dachse und seltner Dachse). Mhd.-ahd. dahs, ndl. das m. Ins Mlat. entlehnt als taxus, daher ital, tasso, span. texon, franz. taisson m. Ge- wöhnlich zu mhd. dehsen «den Flachs schwin- gen», urspr. aber «schlagen, hauen» gestellt; dazu femer aind. taks «behauen, zurecht ma- chen», täksä m. «Zimmermann», gr. t^ktujv m. «Zimmermann». Das Tier würde dann seinen Xamen von seinen kunstvollen Bauten erhalten haben. Doch kann natürlich auch etwas ganz andres darin stecken. Vgl. auch Palander Memoires de la soc. neophil. ä Helsingfors 2, 99. Dächsei, m. {-s, PI. wie Sg.): Hundeart zum Dachsfange. 1719 bei Fleming teutsch. Jäger 185'', bei Adelung 1774 Tächsel. Von dächsein, v.: nachts den Dachs hetzen und fangen. 1763 bei Heppe wohlred. Jäger 91*. Dachstuhl, s. Dach. Dachtel, f. (PI. -n): Schlag mit flacher Hand an den Kopf. Frühnhd. (LTilands Volksl. 41, 23), auch Tachtel. Das mhd. tahtel, Nebenform von tattel f. «Dattel», in spottender Anwendung, wie Feige in Ohr- feige, Kuß (wenn auch nui- im Anklang an die Frucht) in Kopfnuß, ndl. muilpeer f. (Maulbirne), «Maulschelle». Dachtraufe, s. Dach. Dackel, s. Teckel. 325 dadnreli Dambocli 326 dadurch, adv. Mhd. dar durch, da durch, ahd. dar durh. dafür, adv., bis ins 17. Jh. auch noch darfür. Mhd. dar mir, der vür, da vür, ahd. dara fiiri, dar furi. ZUS. d. halten, v.: von etwas meinen, wie es sei. In der frühnhd. Kanzleisprache (Janssen Frankf. ßeichskorr. 1, 764). Der Inf. als Subst. Dafürlmlten, n. dagegen, adv., älternhd. auch dargegen (noch bei Steinbach 1734). Mhd. dar-, der- gegene, da gegen, ahd. dara gagani. daheim, adv. : zu Hanse. Älternhd. auch noch daheime, erweitert daheimen (l. Sana. 18, 10). Mhd. da heime, ahd. dar keime, s. heim. Nach Hejnatz 1796 veraltet und nur für die scherzhafte Schreibart zu empfehlen, jetzt aber wieder durchaus schriftsprachlich, wenn auch in der Umgangssprache nicht überall gebräuchlich. daher,' adv.: zu dem Orte her (in dahe)'! und in der Verbindung mit Verben, aber oft mit Zuriicktreten der lokalen Beziehung, z. B. daher fahren); von dem Orte her; in- folge und durch Wirkung dessen. Mhd. da her «bis zu diesem Orte, Zeitpunkte»: das auf den Ursprung und Grund hinwei- sende daher bei Luther. Älternhd. auch daher 0, s. hero. dahier, adv. : hier am Orte. Nach Adelung 1774 oberdeutsch, im Hochd. ungewöhnlich. dahin, adv.: von dem Orte weg, mhd. da hin (nur noch in der Verbindung mit Verben, meist mit Zurücktreten der lokalen Beziehung, z.B. d. sein «weg, verloren sein», d. schwinden, sterben usw.); zu dem Orte hin; zu dem Ziele. dahlen, v. : einfältig, albern reden; spiel- haft tun, zwecklos tändeln (Goethe 19, 64), In der 1. Bed. frühnhd. dalen (Hans Sachs Fastn. 83, 109), auch dallen (Seb. Franck Sprichw. 2, 80^); hochd. urspr. mit anlaut. t, tollen bei Seb. Franck mor. encom. 29^, Tallmann \XTi.({ Tallmatz m. «inaniloquus» 1727 bei Aler 1873% schles. thalen (Günther 241. 436) und tallen (Scherffer Grob. 84. 213, Steinbach 1734); daneben älternhd. im 16. Jh. talmen, bei Stieler 1691 dalmen, Schweiz, talmen, dalmen neben talen, dalen «einfältig reden», thüring. dalmen «tändeln». Vgl. engl, dally «tändeln». Dazu im Ablaut ein tillens tellens und unnütz gepleuder bei Luther 3, 446* Jen. Vielleicht wurzelverwandt mit got. dwals «töricht», dwalipa f. «Torheit», dwalmön «töricht, verrückt sein», ahd. gitwola f. «Be- törung, Ketzerei», ahd. toi, asächs.-ags. dol «töricht» (s. tolV). Daktylus, m. (PI. Däktylemmä Daktylen) : der Versfuß ~^ ^■. Das gr.-lat. däctylus, gr. bciKToXoc m. eig. «Finger», weil der Vers- fuß den drei Finsrercrliedern versflichen wm-de. ABL. daktylisch, adj. Dälle, s. Teile. Dalles, m.: Unglück, Verderben, Armut. In der Judensprache. Eig. «das Totenkleid» (als talles schon 1534 bei Franck Weltbuch 153*'), das am großen Yersöhnungstage an- gelegt wurde. Aus hel)r. talith, oder von hebr. dallnth «Armut». Dallinger, m. (auch Dollinger, Dalcher): Henker, Schai-frichter. Ein bereits im An- fange des 16. Jh. im Liber vagatonam vor- kommendes Gaunerwort, von hebr. täläh «aufhängen». damalig, adj. Im 17. Jh. (bei Grimmeis- hausen Simpl. 10). Von dem älternhd. Adv. damal «zu der Zeit», wofür jetzt damals, mit mals, mhd. mdles, dem adverbiell ge- brauchten Gen. von mhd. mal n. «Zeitpunkt»: schon in der frühnhd. Kanzleisprache (donials Reichs-Ordnimgen 140^ vom J. 1527). Damast, m. {-es, PI. -e)-. Zeugstoff mit eingewebten Bildern. Aus ital. damasto neben daniasco m., franz. damas ra., d. i. geblümtes Seidenzeug von Damaskus (ital. Dawasco, franz. Damas) in Syrien. Danach im 15., 16. Jh. die Formen Damast (dammasf Murner Narr. 19, 63), Damaseh (schon um 1400), Damascht (bei Mathesius), Damask (mnd., bei Ringwald Wahrh. 92 Damaschke), 1596 bei Fronsperger Kriegsb. 3, 214^ Damaßkat, noch bei Schott el 1663 Damaskt. Auch be- tont Damast {Dänmast bei Voß Luise 2, 82. 107). ABL. damasten, adj. Im 16. Jh. auch damasken. Damaszener, m.(-s): Stahl von Damaskus. Abgeleitet von gr.-lat. Damascenus «damas- zenisch», von Damaskus in S^^ien. — da- masziereu, v. : (vom Stahl) flammend ätzen. Nach dem gleichbed. franz. damasquiner, ital. damaschinare, abgeleitet von Damascenus, da in Damascus zuerst Stahl flammig geätzt wurde. Bei Henisch 1616 damaskeneren, bei Duez 1664 damaßkieren und damaßkenieren (bei Fischart Garg. 295 Damascanirer m.). Damhock, m. {-es, PI. Damhöcke): Männ- chen des Damw^ildes. Dam- ist mhd. täme m. und tum n., ahd. tämo m. und tarn n., verkürzt ags. da f., engl, doe «Rehkuh», dän. 21* 327 Dambrett Dämmer 328 äaa. Von gleichbed. lat. dama m. f., woraus mit Wandlung des m in n afranz. daine m. (nfranz. daine f. «Damhirschkuh»), ital. daino m. «Damhirsch» und daina f. «Damhirsch- kuh». Auf diesen roman. Formen beruht mhd. tenisch n. «Leder von der Haut des Damwilds», im 16. Jh. Tänlein, Dänlein (Schmeller ^ 1, 512) «Damhirsch», sowie das ■/Mssunmenges. Deuhock, auch Dannhock, später dui'ch Dambock verdrängt. Dambrett, auch Damenbrett, n. {-es, PI. -er): Brett zum Damenspiel (s. Dame). Bei Duez 1664 Dambrett, hei Rädlein 1711 Damenbret. Dame, f. (PI. -w): vornehme weibliche Person; zwei übereinander gesetzte Steine im Spiel auf einem in 64 Felder abgeteilten Brett (bei Duez 1664 daher D. spielen, eig. in oder auf der D. spielen, Goethe 37, 53, bei Duez im dam spielen); die Königin in der Karte und im Schachspiel. Aus franz. dame f. (woraus ital. dama f.), das auf lat. domina, mlat. domna beruht. Das Wort kommt im Anfang des 17. Jh. auf, wird schon 1617 im teutschen Michel 19 als mo- disches Fremdwort aufgeführt, 1629 von Opitz Ged. 2, 217, 1638 von Zincgref 2, 126, 1642 von Homburg Clio C 6, dann von Rist, Logau u. a. gebraucht und von Schottel 1663 als deutsch verzeichnet. Anfangs daneben auch das ital. dama {madamahei Albertinus weibl. Lustg. 131). dameln, dämelll,v.: sich kindisch, töricht benehmen; im Kopfe verwirrt, unklar sein. Aus dem Ndd. In den Wörterbüchern vor Campe nicht verzeichnet, aber schon im 16. Jh. als dammein belegt, kommt dann seit der Mitte des 18. Jh. durch die nordd. Umgangs- sprache auf (döm,eln, auch Dömelei bei Hermes Sophiens Reise 1, 413, zusammendämmehi bei Goethe Jery u. Bat. 18, 20, dammein bei Voß Ged. 2, 218; in Norddeutschland unterscheidet man heute dämeln in obiger Bed. und dammein «spielen, tändeln, scherzen, schäkern»). Ver- glichen wird aind. tämjati «ermatten, betäubt werden», lat. temulentus «trunken», ahg. tomiti «mühen, abquälen», ir. famam« ruhe». ABL. dämelig, dämlig, adj.: töricht, gedankenlos. Bei Frisch 1741 dämlich. ZUS. Dämelack, m. (-s): Dummkopf, Träumer. Verstärkend statt der einfachen Bildungen Dämel m. und Lack m. «dummer Mensch» (Fulda Id. 249), fränk. Lacks m. «ungeschickter großer junger Mensch», westf. Lacks m. «LafFe», östr. Lackl m. «unbeholfner Mensch». Damenbrett, s. Damhrett. Damhirsch, m., wie Damhock (s. d.). Bei Maaler 1561 Damhirtz, sonst älternhd. auch DannJiirsch (noch 1773 von Goethe im Götz gebraucht, d. j. Goethe 2, 316). damisch, adj.: betäuben, unklaren Geistes seiend (dann in übertragener Bed. «unbe- holfen, plump und groß» ein damischer Kerl). Im 15. Jh. im Oberd. erscheinend (Osw. V. Wolkenstein 122, 24 tämisch, Schmeller- 1, 603 tämisch, temisch neben daumisch, um 1480 im Voc. ine. teut. r6^ tämisch «hebes, ineptus, stultus»), noch jetzt im Baja-. als «betäubt, schwindelig, nicht recht bei Sinnen», daher wohl nicht zu dem md.-ndd. dämeln, dämelig gehörig, doch frühzeitig damit ver- mischt, deshalb auch dämlich geschrieben. Abgeleitet von mhd.-ahd. toum m. (ou zu ä, vgl. Bahm, mhd. roum), vgl. Taumel. damit l) adv. : mit dem, mit welchen], womit, mhd. da mite, ahd. dar miti 2) konj.: in der Absicht daß (bei Luther). Älternhd. auch darmit. dämlig, s. dameln. Damm, m. {-es, PI. Dämme): in die Länge aufgeschüttete Erde usw., besonders zum Abhalten des Wassers. Älternhd. meist Tamm (1507 bei Wilwolt von Schaumburg 80 tarn, tamh, bei Luther Tham, bei den schle- sischen Dichtern Tha^nm, Tamm, diese Form auch* bei Stieler 1691, während Schottel 1663 Damm hat); die Form mit d wird hier aus dem Ndd. stammen, findet sich aber auch obd. im 16. Jh. Redensart: auf dem Damme sein «sich wohl befinden», eig. geschützt sein gegen Wassergefahr. Mhd. tarn (Gen. tammes) m., dazu mnd.-fries.-engl. dam «Damm», anoi'd. dammr m. Von E. Schröder ZfdA. 42, 66 aus *dahma- erklärt und zu tapfer (s.d.) gestellt. ABL. dämmen, v.: dui-ch einen Damm aufhalten, hemmen, hindern. Mhd. temmen,dLaza ags.demman, got. in faurdammjan «verhindern». ZUS. Dammerde, f. (dem Damme Festigkeit gebende) fette Erde zu Pflanzenwuchs. Bei Frisch 1741. dammein, s. dameln. dämmen, s. Damm. Dämmer, m. (-s), selten n: Übergangs- zustaud von Licht zu Dunkel oder von Dunkel zu Licht, Zwielicht. Mit dem urspr. e entspricht mhd. (bei Nie. v. Jeroschin) demere f., ahd. demar n.; das nhd. Wort setzt indes wohl nicht diese Formen fort, sondern ist in der neuern Dichtersprache 329 Dämon dappeln 330 von dämmern npu gebildet TGoethe hat das bei Adelung und Campe noch nicht ver- zeichnete Wort seit 1776 gebraucht [d. j. Goethe 3, 142, Faust 395], Morgenäämmer bei Claudius 4, 121). Verwandt ist zunächst asächs. thimm «dunkel» und mhd. dinster, ahd. dinstar «finster» (s. d.), weiter noch aind. tamräs «finster», tämas n. «Finsternis», tämisräf. «Xacht», ]it.famsä f. «Dunkelheit», ir. temel «Dunkelheit», lat. fenebrae (aus *tenesrae) PI. «Finsternis», dämmern, v.: Zwielicht werden. Bei Schott el 1663 demmern, früher nicht zu belegen. Davon Dämmerung, f. 3»Ihd. (bei Nie. v. Jeroschin) demerunge f., ahd. dafür demenunga f. Dämon, m. (-s, PI. Dämonen) : böser Geist. Von gr.-lat. daemon, gr. bai.uuuv m. «Geist», besonders kirchlich s. v. a. «böser Geist». Bei Sperander 1728. dämöniscll, adj.: von einem bösen Geiste besessen, teuflisch. Nach gr.-lat. daemonicus. Dampf, m. (-es, PI. Dämpfe): dicker Rauch; dick aufsteigende nebelartige Feuch- tigkeit: (bUdlich) Bedrängnis, Pein, Angst. Mhd. dampf, tampf, ahd. damph m.: dazu ndl. daynp, engl, damp «Feuchtigkeit, Dunst», anord. dampi m... dän. damp. ^lit Ablaut zu dem starken V. dimpfen CPräX. dampf, Part. gedumpfen) «rauchen», von Brennendem, wie auch von erhitzten Menschen, Tieren usw. Die Herkunft ist unsicher. Das .deutsche Verb könnte man auf idg. *iemh zurückfühi-en und zu gr. äxeußuj «betöre, schädige» stellen. Dann müßten aber die nicht hochdeutschen "Worte davon getrennt oder als entlehnt an- gesehen werden. Ist der Anlaut germ. ä, idig.dh, so ließe sich aind. (?a&A«ö^i «beschädigt, versehrt, betrügt y^ vergleichen (aus *dhubh), doch stimmt dann der auslautende Konsonant nicht. Vielleicht liegt eine Vermischung zweier Wurzeln vor. ABL. dampfen, v.: Dampf von sich geben; Dampf hervorbringen ; mittels eines dm-ch Dampf getriebnen Schiffes oder Wagens fahren. In der 1. Bed. mhd. dempfen, ältemhä. dämpfen. Davon Dampfer, m.: Dampfschiff", dampfig, adj., spätmhd. temphig (um 1430 tampfg -vaporosus» im Voc.inc.teut.reb). Zt^S. Dampfnudel, f., bei Stieler 1691 Dämpfnudel. Dampfschiff, m. Dampfwagen, m. Neue Bildungen. dämpfen, v.: rauchen oder (Feuer) er- löschen machen; ersticken machen; unter- drückend schwächen; durch Dampf kochen. Mhd. dempfen, fempfen, ahd. demphen, femphen «erlöschen, ersticken machen, den Atem be- nehmen, würgen». Das Faktitiv zu dem starken V. mhd. dimpfen (s. Dampf ■. Davon Dämpfer, m.: Homspitze oder Blechnapf mit Stiel zum Löschen der Lichter (bei Adelung 1774): ein Werkzeug, den Ton musi- kalischer Instrumente zu mildem, zunächst die auf den Steg der Violine gesteckte kleine Klammer (1781 bei Jacobsson techn. Wb. 1, 396*), daher bildlich einen Dämpfer aufsetzen. dämpfig, adj.: engbrüstig, schweratmend. In frühnhd. Glossaren. Von mhd. dempfe f. «Engbrästigkeit», wofüi- frühnhd. auch dampf. Dampfnudel, -schiff, -wagen, s. Dampf Damwild, n. : Rotwildart mit etwas schau- feligem Geweih. S. Damhock. danach, darnach, adv.: nach diesem. i Mhd. dar nach, da nach., ahd. dara näh, dar näh. danieder, darnieder, mhd. da nidere, dernider, ahd. dar nidare. Daniel, Mannesname, aus hehr. Dämel, d. i. «mein Richter ist Gott», zusammenges. aus hehr, däm «mein Richter» und el «Starker, Gott». Dank, m. \-es, PI. -e): anerkennender AusdiTick der Verpflichtung wofür. Mhd- ahd. danc m.: dazu asächs. thank, ndl. dank, afries. thank, ags.ßanc, engl, thanks PL, anord. pakkir PL, schwed. tack, dän. tak, goi.ßagks m. Die urspr. Bed. ist «Gedanke, Meinung, Ab- sicht» (noch in der veralteten Redensart ohne meinen D. d. i. Willen), wie sie bei denken zugnmde liegt , vgL noch dünken. ABL. danken, v., mhd. danken, ahä.danchön: dazu asächs. thankön, ndl. danken, ags.pancian, engl, thank, anovi. ßakka, schwed. tacka, dän. takke. dankhar, adj. u. adv., mhd. danchcere, \ ahd. danchäri. Zl'S. danksagen, r., zu- sammengeschoben aus mhd. danc sagen. dann, adv., weist auf eine Folge in der Zeit, der Ordnung. !Mhd. danne imd denne, gekürzt dan, den, ahd. danne und denne, selten denni; dazu ndl. dan, ags.ßonne.ßcenne, engl, fhen «damals». Von dem Stamme des demonstrativen Pron. der gebildet. Von denn ( s. d.), das mit dann urspr. eins ist, scheidet sich dieses genauer um die Mitte des 18. Jh. dannen, demonstr. Pronominaladv., nur ! noch in V07i d. «weg von dem Orte, weg von da». Mhd. dannän, meist dannen, danne, dan, ahd. danana, danän ; dazu asächs. thanan, ags. ßanon, engl, (weitergebildet) thence. Von dem Stamme des demonstr. Pron. der. dappeln, (Goethe 1, 180), s. tappen. 331 dar dasig 332 ^dar, altertümliche Nebenform von ^ da (s. d.). Außerdem in der Zusammens. mit vokaUsch anlautenden Lokaladv., z. B. dar- aus, mhd. dar mj, da üß, ahd. dar ng; darin, mhd. dar in, da in, ahd. dar in; darunter, mhd. dar under, ahd. dar untari. Dies dar- erscheint dann auch vor konsonantischem An- laut, z. B. ältemhd. darhei, darmit. "dar, adv.: dahin, jetzt nur noch in Zu- sammensetzungen. Mhd. dare, dar, ahd. dara, dazu asächs. fha.r, engl, there. Von dem Stamme des demonstr. Fron. der. Mit Verben zusammenges.: darhieten, -hingen, -geben usw. (mit ausgelassenem Y. bei Schiller Eäuber 1, 2 auf mich dar). ]\Iit Lokaladv. zusammenges. : daran, mhd. dar ane, ahd. dara ana; darein, mhd. dar in, ahd. dara in: darüber, mhd. dar über, ahd. dara ubiri. Vor konsonan- tischem Anlaut ist meist da- dafür einge- treten (durch Mischung mit da = ^dar), so dagegen, danach, dawider, dazu, dazwischen, die älternhd. aber noch mit dar- begegnen, wie noch jetzt darnach. darben, v. : das Notwendigste entbehren, Mangel leiden. !Mhd. darben, ahd. darben; dazu asächs. tharbön «entbehren», ags. ^ear- fian «ermangeln», got. in gaßarban «sich wo- von enthalten», neben dem Adj. ßarbs be- dürftig. Zu dürfen. Darge, f. (PI. -n): Angel von Messing, an die zum Fange der Hechte ein roter Lappen gesteckt wird, den dieselben für ein Rotauge halten (1692 bei Canitz 118. 59). In der Mark Brandenburg, Auch Derge, Terge. Von dar- gen, V.: mit der blinkenden Angel und dem roten Lappen reizen und fangen, das aus ndd. targen, tergen, hd. zergen «reizen, necken», von zerren abgeleitet. darinnen, drinnen, adv. Am Ende des 15. Jh. weitergebildet aus drinne, mhd, dar inne, ahd. dar inne. darlegen, v.: wohin legen, offen wohin legen, mhd. dar legen, auch noch bei Luther; eröffnen, klarmachen (bei Luther). Darlehen, Darlehn, n. (-.s, Fl. wie Sg.) : zu Wiedergabe in Benutzung gegebenes Geld. 1663 bei Schottel 626 Darlehn. Von dar- lehnen, wofür jetzt gewöhnlich darleihen, das schon in der frühnhd. Kanzleisprache vor- kommt (Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 781 vom J. 1509), aber von Adelung 1774 noch für obd. erklärt wii'd. Darm, m. {-es, Fl. Därme): häutiger Schlauch im Leibe zur Aufsaugung des Nah- ningssaftes und Abfühning des Unrats. Mhd. darm, ahd. darm, daram m.; dazu ndl. darm, afries. therm, ags. pearm, anord. Fl. parniar, schwed.-dän. tarm m. Verwandt ist gr. Tpfma n. «Loch», Tpäjuic f. «After». ZUS. Darm- gicht, f.: Leibgrimmen. Mhd. darnigiht f. S. Gicht. darnach, s. danach. daroh, droh, adv.: dar-, worüber, des-, weshalb. Mhd. dar obe, da obe, ahd. thär oba «darüber». Darre, f. (Fl. -n): Ort und Vorrichtung (Horde) zum Dörren; Handlung des DöiTcns: Krankheit des Ausdorrens (Darrsucht). Mhd. darre, ahd. darra f. S, Dörre. darstellen, v.: offen wohin stellen (auch refl. sich d. «sich öffentlich zeigen»); vor Augen stellen (refl. vor Augen sein); zum Ausdruck biingen; vergegenwärtigen, schil- dern. Bei Luther in der 1. u. 2. Bed. dartun, v.: (veraltet) wohin tun; auf- wenden, ausgeben (bei Luther); beweisen, klarmachen (auch schon fiühnhd.). darüber, adv., s. -dar. darum, adv.: im Kreise von etwas; in Beziehung dar- oder worauf; aus dem Grunde. ÄIhd. dar umbe, da umbe, ahd. dar umhi «in Beziehung darauf, deshalb». darunter, adv., s. ^dar. das, Neutr. zu der, eig, identisch mit der Konj.* daß (s. d.). Dase, f. (Fl. -n): Bremse, blinde Stech- fliege. Niederdeutsch. Auch Dassel f. Dunk- ler Herkunft, vielleicht zu mhd. dase f. «Un- holdin». Dasein, n.: Gegenwart, dauernde Wirk- lichkeit. Der substantivische Inf. sein mit ^da. Von Christian Wolff' gebildet. daselbst, adv.: an dem Orte. Spätmhd. da selbes, daselbs, vereinzelt auch schon da selbest, um 1480 im Voc. incip. teut. d 2"^ daselbst (Luther hat noch daselbs). dasig, adj.: an dem Orte befindlich. Von der Partikel da mit einem zwischen den Vo- kalen eingeschalteten s gebildet, vgl. hiesig. Die Bildung tritt gegen Ende des 15. Jh. auf (Decameron 272, 19; 406, 30, vgl. Gom- bert 7, 17), bürgert sich aber wenig ein, da sie von Stieler 1691 und noch Frisch 1741 als neugeschaffen bezeichnet wird; Adelung und Campe weisen sie den gemeinen Sprech- arten, Heynatz 1796 in der schon früher vorkommenden Bed. «derselbe» den hochd. schreibenden Juden zu. Daneben auch daig. 333 daß Danm 334 daß, konj. !Mlid. da^, ahd. da^, dazu asächs. fhat, ags. Jjcef, engl, that, got. ßafa mit angetretener Pronominalpartikel ei ßatei. Die mit dem Xeutr. das (zu der) identische Konj. wird auch in der Schreibung von ihm frühnhd. nicht gesondert (für beide das oder daß). Die Grammatiker Clajus und Ölinger haben ohne Unterscheidung das. Dagegen unterscheidet 1561 Maaler das Pronomen und den Artikel das von der Konj. daß in der Schreibung, die dann entschieden für dieses mit ß und jenes mit s 1629 von Werner Rechtschreibung S. 74 und 1641 von Schottel Sprachkunst S. 212 in der Grammatik fest- gesetzt wii'd. datieren, s. Datum. Datir, m. {-s, PI. -e) -. Fall auf die Frage wem? Aus lat. datlvus (nämlich casus) eig. c< Geben anzeigender Fall». Battel, f. (PI. -n): süße Frucht einer Palmenart. Mhd. tatele, tatel f. Wie ital. dattüo, Span, datil m, aus gr.-lat. dacfylus, gr. bdKTuAoc m. eig. «Finger» und dann der fingerartigen Gestalt wegen die «Dattel». Im 16. Jh. auch Dactel (z. B. 1574 bei Fischart Onomastica 85^ Dattilen, Dacteln) und mhd. tahtel, woraus unser Dachtel (s. d.). dattern, s. tattern. Datum, n. (-S, PI. Daten): Zeitangabe eines Schreibens. Im 14. Jh. mhd. datum n. m. aus lat. datum «gegeben», das ehedem in gerichtlichen Aktenstücken vor die An- gabe des Tages gesetzt wurde. ABL. da- tieren, V. Aus franz. dater, mlat. datare. Bei Rot 1571. Daube, f. (PI. -n)-. Seitenbrett eines höl- zernen Gefäßes. Aus franz. douve, mailändisch dova, ital.-mlat. doga f., die auch «Graben», sowie «Fassung des Grabens, Seitendaram», im Ital. selbst «rings als Einfassung des Kleides umlaufender Streifen » bedeuten. Danach wäre Daube zunächst «Einfassung des Gefäßes», urspr. aber ist mlat. doga geradezu «Gefäß» und geht so wohl auf gr. boxr\ f. «Behälter, Gefäß» zurück. Auf ital. doga geht mhd. düge, Schweiz, (bei Maaler 1561) Dauge, schwälj. Faßtauge (württemb.Zollordn.von 1661 Tit. 10, vgl. auch Fischer 2, 111), ndl. duig f. «Faß- daube» zurück, auf franz. douve «Daube» (schon bei Luther, aber bei Keisersberg tauwe, bei Mathesius Sar. 119^ taube, bei Aventin 5, 290, 20 nach dem Bayr.-Öst. taufeJ f ) unser Daube. Die Ableitung von mlat. doga be- zweifelt Fischer a. a. 0. däuchteil, v.: dünken. Hei-vorgegangen aus dem Konj. Prät. von dünken, mhd. diuhte, gekürzt diuht, was dann als Ind. Präs. ge- nommen wird. So schon spätmhd. mich (mir) deucht und häufig im 16. Jh. (bei Luther in der Bibel nui" Sir. 3.3, 14), zuweilen sogar deuchtet. Der Inf. deuchten, däuchten 1616 bei Henisch und dann häufig in Gramma- tiken und Wörterbüchern, da der Zusammen- hang mit dünken nicht mehr empfunden wird. Daudistel, f.: Gänsedistel. 1429 düdistel (lib. ord. rer.), spätahd. düdistel m., dazu ags. püßistel m. däuen,v. (Claudius 4, 47): verdauen (s. d.). ^ Dauer, f : Fortbestand. Mhd. vereinzelt (bei Xic. V. Jeroschin) dür f., bei Krämer 1678 Daur, bei Stieler 1691 dagegen Taure, bei Christian WolflF Daure. Von dauern, v.: fortfahren zu sein. Mhd. (zuerst im 12. Jh. und nicht allgemein) türen, düren, wie ndl. duren, afries. dv.ria, engl, dure, schwed. dura entlehnt aus lat. düräre «fortbestehen». Im altem Xhd. nicht häufig, 1562 bei Mathesius Sarepta 284^ außtauren, von Henisch 1616 als dauren verzeichnet, von Stieler 1691 als tauren, auch Ludwig 1716 kennt noch tauern. ABL. dauerhaft, adj., bei Stieler 1691 tauer- haft, dafür 1562 bei Mathesius Sar. 2^ thauer- hafftig, bei Henisch 1616 daurhafftig. "Dauer, f.: mitleidige Stimmung worüber. Xhd. ungewöhnhch (bei Maler Müller 1, 299), mhd. türe f. Von dauern, v.: zu Unlust und mitleidiger Stimmung bewegen, unper- sönlich mich dauert. ^Yhä. mich türet, ver- wandt mit tiure «kostbar», also eig. «viel kosten, kostbar sein, allzu kostbar sein», was dann in die Bedeutungen des «An-dem-Herzen- liegens» und dann des «Schmerzlichseins» hin- überspielt. Ndd. duren, mengl. douren, sonst im Germ, nicht vorhanden. Bei Luther noch tauren, während schon Maaler 1561 dauren hat; tauern hält sich namentlich bei Schle- siem und Obersachsen und \\"ird noch von Lessing (l, 133; 6, 107) gebraucht. Daum, m. (-es), gewöhnlich Daumen, m. (-.s, PI. wie Sg.): der erste Finger. Mhd. düme, ahd. dümo m.; dazu ndl. duim, afries. thüma, ags.püma, engl, thinnb, schwed. tumme m., anord. abgeleitet pümall, ßümalfingr m. (dän. tommelfinger). Gewöhnlich als «derstarke, dicke» erklärt, zu lat. tumere «schwellen», tumulus m. «Hügel», aind. tütumas «stark», tumräs «fett». Das urspr. schwache M. hat im Nom. Sg. n angenommen, daneben mit Ver- 335 Danne Decke 336 kürzung und Übergang ziir starken Flexion I Daum, das im altern Nhd. häufiger, jetzt j wesentlich auf die poetische Sprache be- schränkt ist. ABL. Däumling, Däumer- ling (Goethe 16, 64 u. ö.), m.: Daumen (früh- nhd.); Überzug über den Daumen, Finger- hut (bei Henisch 1616); daumengroßer d. i. allzu kleiner Mensch; Zaunkönig. Entsprechend ndl. duimeling, anord. pümlungr m. Daune, f. (Fl. -n): weichste Flaumfeder. Aus ndd. (schon mnd.) dune f., das mit engl. doivn auf anord. dünn m. (schwed. diin, dän. dun n.) zumckgeht. Bei Schottel 1663 noch mit dem ndd. Vokal Dunen (und Donst), das noch heute in der bayrischen und öster- reichischen Rechtschreibung gilt, bei Stieler 1691 auch als Daunen. S. Eiderdaune. ■"Daus, m.: in Redensarten wie ei der Daus!, ivas der Daus!, wie ein Daus, bei denen die Bed. «Teufel» durchschimmert. Entsprechend nd. de Düs! «der Teufel!», engl, the deuce! (deuse), die man entweder auf lat. deiis «Gott» oder auf gall.-mlat. dusius «aufliegender diu ckender Geist» zurückführt; vielleicht ist das Wort aber wie dithmars. Deusen, nd. Dukes, Duks, Düker, Deuker, hd. Deuster, Deixel u. ähnl. nur eine ver- hüllende Entstellung für Teufel. Zuerst im 16. Jh. bei Ringwald (laut. Warb. 368 gleich- wie ein D.) vorkommend. ^Daus, n. (Gen. Dauses, PL Däuser) : je ein Aucre auf einemWürfel; die Zwei der deutschen Spielkarte; das As. Alternhd. auch Taus. Mhd. tüs, düs, spätahd. düs n., entlehnt aus afranz. doues, prov. duas, nfranz. deux «zwei». David, Mannsname, aus hebr. David d. i. «Geliebter». davon, adv. Alternhd. (noch bei Stein- bach 1734) auch darvon, mhd. da von. Dazu ndl. daarvan. Däz, m. (-es, PI. -e): Kopf. Niedriger Ausdna ck in Nord- und Mitteldeutschland, bei Kleist zerbr. Ki-ug 980 Detz. Wohl aus ital. testa, frz. tete f. «Kopf». dazumal, adv.: wie damals (s. d.). Aus einem mhd. da ze male. In der fmhnhd. Kanzlei- sprache {dozemal Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 284 V. J. 1473), auch von Luther gebraucht. -de, Ableitungssilbe für Substantiva. Schon mhd. -de, das entspricht 1. einem ahd. -ida in den Fem. Begierde, Behörde, Beschwe^'de, Freude, Gebärde, Gefährde, Liehde. 2, einem ahd. -idi in den Neutr. Gebäude, Gehöfte, Ge- lübde, Gemachte, Gemälde, Getreide. Debatte, f. (PI. -n): Wortgefecht. Aus dem gleichbed. franz. debat m., von debattre «bestreiten, verhandeln». Im Zeitungslex. 1703 (noch bei Nieremberger 1753) erscheint wie im Franz. Debat, bei Sperander 1728 aber mit dem PI. Debatten, aus dem der Sg. De- batte als F. gebildet ist. ABL. debattieren, V. : in Worten hin- und herstreiten. Schon im 17. Jh. z. B. Weise Erznarren 154. Debit, m. (-s): Warenabsatz, Vertrieb. Aus franz. debit m. «Verkauf», von lat. de- bitum «verpflichtet», im Mlat. s. v. a. «Be- trieb ». debitieren, v. : verkaufen, vertreiben, absetzen. Aus franz. debiter. Bei Nehring 1694. Debüt, m. n. {-s, PI. -s): das erste Auf- treten auf der Bühne usw. Aus gleichbed. franz. debut m. Schon bei Nehring 1710 «d^r erste Schuß oder Anfang zu schießen nach der Scheibe». Dechanef, f.: Amtsbezirk, Wohnung des Dekans. Mhd. techanie, techenie f., aus mlat. decaniat «Amtswürde eines Vorgesetzten über 10 Mönche», von lat. decänus (s. Dekan). — D^chant oder Dechänt, m. (-en, PI. -e»): Obergeistlicher eines Stiftes, Bezirkes. Mhd. dechent, techant, ahd. techant m., mit ange- tretenem t aus lat. decänus. Dechärge, f.: Entlastung, Anerkennung der Richtigkeit einer Rechnung. Aus franz. gleichbed. dechärge f., zusammengesetzt aus de hier soviel wie «ent» und charger «laden». Bei Campe 1813. Decher, m. {-s, PI. wie Sg.): 10 Stück Felle (aber 40 Stück bei russischen Rauch- waren). Mhd. techer, mnd. deker, engl, dicker m., aus lat. decuria f. «Zehnt». Dechsel, f. (PI. -n): Breitbeil, Queraxt, Krummhaue. IVfhd. dehse und dehsel, ahd. dehsa und dehsala. Obd. meist mask., nd. Dessel f. Die Formen Deichsel, Dächsei und Dachsbeil beruhen auf falscher Anlehnung an Deichsel und Dachs (daher deicliseln, v.: mit der Dechsel bearbeiten, zurecht hauen). Zu mhd. dehsen «den Flachs schwingen» eig. «schlagen», ai. täksati «behaut», lat. texo «webe», gr. t^ktuuv m. «Zimmermann». Deck, n. (-s) : Verdeck (s. d.). Aus dem Ndd.-Ndl. Zuerst 1716 bei Ludwig verzeichnet. Decke, f. (PI. -n) -. über etwas Befindliches, das es dem Blicke, der Kenntnisnahme ent- zieht. ]\Ihd, decke, ahd. decchi, decki f. Von decken, V. : zu Entziehung für Wahrnehmung, zum Schutz etwas damber oder davor machen. Wcidi. decken (Vr'üi.dacte, Vari.gedact, gedecket), 337 dedizieren degradieren 338 ahd, decchen, decken; dazu ndl. deJcken, afries. thekka, ags, ßeccan, engl, thatch, anord. ßekja, schwed. täcka, dän. däkke. Zu Dach (s. d.), mittelst eines ^-Suffixes gebildet. Das Prät, dackte (bei Luther deckte, decket) kommt noch im 16.U. 17. Jh. zuweilen vor; das VdA'i. geduckt hat sich als technischer Ausdi-uck (bei den Orgelbauern) erhalten. ABL. Deckel, m. (-S, PI. wie Sg.), spätmhd. Deckung, f., von Adelung 1793 noch nicht angeführt. ZTJS. Deckbette, meist Deckbett n., 1482 im Voc. theut. e 7*^ deckpef. Deckmantel, m., mhd. deckemantel m., auch schon über- tragen (vgl. hemänteln). dedizieren, v.: \\ädmeu, jemandem zu- eignen. Aus dem gleichbed. lat. dedicäre. 1531 bei Hedio Josephus Ant. 188^ dediciern. ABL. DedikatiÖn,f.: Widmung, Zueignung. Im 16. Jh. bei Fischart 2, 284 (Km-z) dedi- cation, aus lat. dedicätio f. deduzieren, v.: durch Schlußfolgerung herleiten und dartun. Aus lat, dedücere, eig. «herabführen». Schon bei Rot 1571 deducirn. ABL. Deduktion, f.: Herleitung dui-ch Schlüsse; Beweisführung (Script, rer. Siles. 4, 256 vom J. 1579 deduction). Aus lat. deductio f. Defekt, ni. {-es, PI. -e): Mangel worin. Aus dem gleichbed. lat. defectus m., von defi- cere «fehlen». Bei Rot 1571 Defect (Ger- mania 28, 364 ein Beleg von 1531), — De- fizit, n. : Ausfall an Geld, Fehlsumme. Aus der 3. Sg. Präs. Ind. deficit von deficere. 1729 in Stoppes Ged. 2, 121 bereits in bildlicher Anwendung (Mangel an Körperfülle). defensiv, adj.: der Verteidigung dienend. Aus dem gleichbed. mlat. defensivus, abge- leitet von lat. defensio f. «Verteidigung», von defendere «verteidigen». Frühnhd. (1541 bei Liliencron 4, 180 defensiven weis). Defen- sive, f.: Verteidigung, 1626 bei Stettier Schweizerchronik 2, 189^. Defensivkrieg, m., 1617 bei Wallhausen Corp, mil. 4, defilieren, v.: reihen-, zugweise vorbei- marschieren. Aus franz. defiler «in einer Reihe hintereinander gehen», von file m. «Fa- den, Reihe», das aus lat. filum n. «Faden». 1703 im Zeitungslex. Davon Defil^e, n. (-s, PI. -s): Enge, Engpaß. Aus franz. defile m. 1703 im Zeitungslex. defilees «enge, verhauene, schlammigte Wege». definieren, v.: unterscheidend erklären, einen Begriff bestimmen. Aus lat, deflnire «ab-, begrenzen, im Begriffe bestimmen», wor- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. aus schon mhd. diffinieren «bestimmen, fest- setzen». Definition, f. : Begriffsbestimmung. Aus lat. definUio f. Frühnhd. (Luther 5, 276 *> Jen.), definitiv, adj.: abschheßend, unwiderruflich. Aus lat. deßmtnms « bestimmt, begrifi'sbestimmt». Bei Wächtler 1711. Defizit, s. Defekt. deftig, adj.: tüchtig, trefflich. Aus dem Xdd. in die hd. Umgangssprache eingedrungen, auch ndl. deftig. Zu ags. gedceft «passend», engl, deft «niedlich, geschickt», abgeleitet von dem V, got. gadahan «passen». Bei Schottel 1663 verzeichnet. ^ Degen, m. (-s, PL wie Sg.): tüchtiger Kriegsmann. Mhd. degen, ahd. degan m. «männhches Kind, Knabe, Diener, Gefolgs- mann, tapfrer Kriegstnann, Held»; dazu asächs. thegan m. «Knabe, Diener, Mann», ags. ßegn «Diener, Mann, Ritter», engl, thayie «Frei- herr», anord. ßegn m. «freier Untertan, freier Mann». Das Wort bedeutet urspi-. «Knabe» und stimmt der Lautverschiebung gemäß mit gr. xeKvov n. «Erzeugtes, Kind», zu TiKxeiv «erzeugen, gebären». Xicht zu -Degen. Es wurde im 15. bis 18. -Jh. nur selten gebraucht und Stieler, Steinbach, Frisch führen es nur als veraltet auf; 1759 wurde es aber von Lessing im Anschluß an Logau empfohlen und von ihm (Em. Galotti 1, 4), sowie von Wieland, Bürger, Goethe, Schiller (Jungfr. V. Orl ProL 3), Uhland, E. M. Arndt usw. wieder als edler Ausdruck aufgenommen. Aus der Anlehnung an -Degen erklären sich Bildungen wie Hau-, Raufdegen. ^ Degen, m. {-s, PL wie Sg.): Ehren- und Standes waffe. Zuei'st im 15. Jlo., aber in der Bed. «Dolch», 1507 bei Wilwolt von Schaum bürg 124 langer legen; auch von Luther ge braucht, aber nicht in der Bibel (Rieht, 3 16 änderte er stoßdegen in Schwert), bei Dasy podius 1537 als dägen «gladiolus» verzeichnet Entsprechend franz. dague, ital.-span. daga engl, dag, mlat. dagga f., deren Herkunft un- sicher ist. Im Älternhd. auch Dege, Deg (Tag Gryphius Trauersp, 40). degenerieren, v.: ausarten. Aus dem gleichbed. lat. degeneräre, vom Adj. degener «entartet». Schon bei Rot 1571. degradieren, v.: der Würde entsetzen. Mhd, degradieren, digradiei'en «der Würde entsetzen», namentlich bei Geistlichen, «der Weihe benehmen», aus dem gleichbed. mlat. degradare, dessen gradare von lat. gradus m. «Stufe, Rang». 22 339 dehueu deklinieren 340 dehnen, v. : in die Länge ziehen, ausein- ander ziehen. Mhd. denen, auch dennen, ahd. dennen; dazu asächs. thenian, ags. penian, anord. J>enja, schwed. tänja, got. panjan (in ufpanjan). Verwandt mit gr. reiveiv «spannen», aind. tanöti «dehnt, spannt», lat. tendere, «spannen» usw. mit reicher Verzweigung. S. auch dinsen, Dohne, dünn. ABL. dehn- bar, adj., bei Adelung 1774. Dehming, f., bei Henisch 1616. Deich, m. (-es, PI. -e): Schutzdamm gegen Wasser. Mhd. tich, dich m. aus dem gleich- bed. mnd.-mnl. dik m. (schon andd. dik), da- zu afries. dlk, ags. dik m., engl, dike (auch ditch «Abzugsgraben»), anovd. diki n., dän. dige. Eig. identisch mit Teich (s. d.), aber in halbndd. Lautform (doch älternhd. auch oft Teich, so noch beiLudwigl716 und Frisch 1741, während das reinndd. Diek bei Schottel 1663 steht und auch Ludwig 1716 bekannt ist). ABL. deichen, v. : einen Schutzdamm errichten. Mndl. diken. ZUS. Deichgraf, Deichgräfe, m.: Oberaufseher über das Deich wesen einer Landschaft, Deichhauptmann. Norddeutsch, 1591 bei Spangenberg Adelsspiegel 1, 323 Teichgrave. Mnd. dikgreve m. S. Graf. Deichsel, f. (PI. -n)-. Wagenstange zwi- schen den Zugtieren. Mhd. dihsel, ahd. dih- sala f.; dazu andd. tMsla, ndl. dissel m., ags. ßixl, ßlsl, anord. ßisl f. Grundform *pinhslä und daher zu lat. temo (aus *tenxmo) m. pr. teansis «Deichsel», aus *tenksis. Vgl. noch Osthoff Idg. Forsch. 8, 36. Im altern Nhd. die Nebenformen Deistel (auch bei Luther) und Deisel. deichseln, s. Dechsel. ^dein, erweitert deiner: Gen. Sg. von du (s. d.). Mhd.-ahd. din, asächs.-afries. thin, ags.-anord. ßin, got. peina. Seiner Bildung nach zu dem possessiven '^dein gehörig. Das erweiterte deiner, schon mhd. vereinzelt diner, ist bei Luther noch selten (in der Bibel nur 5. Mos. 13, 17), doch führen es die Gram- matiker Ölinger und Clajus neben d. an und Schottel gibt der längern Form den Vorzug. ^dein, besitzanzeigendes Pron, der 2. Per- son. Mhd.-ahd. din, asächs.-afries. thm, ags. ßin, engl, thy, thine, anord. J)in7i, schwed.-dän. din, got. ßeins. Von du (s, d.) abgeleitet. deinesgleichen, erstarrte Genetivform, mhd. di7ies geliehen. Im Mhd. ist in dhi geliche «der dir gleich ist» sowohl das Possessiv als das substant. geliche mit Flexion versehen, z. B. er vant dinen geliehen. deinet- in deinethalhen , -wegen, -willen, hervorgegangen aus dem im Frühnhd. noch vorkommenden deinent-, mit angetretnem t aus deinen, das in deinethalhen (aus deinen halben) und deinetwegen (aus deinen ivegen) als Dat. PL, in deinetivillen (bei Luther noch vmh deinen tvillen) als Akk. Sg. anzusehen ist. deinig, adjektivische Bildung, die immer den Artikel vor sich hat. Am Ende des 16. Jh. entstanden; 1663 bei Schottel S. 541 an- geführt, Deise, f. (PI -n): Gestell im oder am Schornsteine zum Trocknen von Holz oder Fleischwaren. Im 15. Jh. thüring. und 1469 mittelrhein. (Voc. ex quo) deyse, auch mnd, deise (Crecelius 260). Jetzt in Hessen, Elsaß, Kärnten usw. Deist, m. (-en, PI. -en): Gottgläubiger ohne OiFenbarungsglauben. Aus engl, deist, franz. deiste m., abgeleitet von lat, deus m. «Gott», Bei Sperander 1728. Vgl. Ladendorf Hist. Schlagwb. 47. ABL. deistisch, adj. Deixel, m., Entstellung aus Teufel (s. d.) Schon im 17. Jh. Dekade, f, (PI. -n): Zahl von 10. Aus dem gleichbed. franz. decade f. von gr. bcKclc (Gen. beKöboc) f. «Abteilung von 10». Im spätem 18. Jh. entlehnt. Dekagramm, n,: lO Gramm, Deka- meter, n,: 10 Meter. Durch Reichsgesetz von 1868 eingeführte Benennungen, entlehnt aus franz. decagramme m. und decametre m., deren deca aus gr. biKa «zehn». Dekan, m. (-s, PI. -e): Obergeistlicher; Fakultätsvorstand. Mhd, und spätahd, dechan. techan m., aus lat. decänus m. «Vorgesetzter von 10, z. B. 10 Mönchen». S. auch Dechant. ABL. Dekanat, n.: Amt und Amtsbezii'k des Dekans. Aus mlat. decanatus m. Bei Wächtler 1711. deklamieren, v.-. im Redeton laut vor- tragen. Aus lat. declämäre. Schon bei Rot 1571 declamirn. ABL. Deklamation, f,: Redevortrag. Aus lat. declämätio f. deklarieren, v.: sich woi-über erklären. Schon mhd. declariren (Mon. Boica 43, 401 vom J. 1381), von lat. decläräre. ABL. De- klaration, f. Aus lat. declärätio f. 1495 Declaration (Reichsordn. 19^). deklinieren, v.: nach Zahl (Numerus) und Fall (Kasus) biegen. Schon mhd. de- cliniren, aus lat. decHnäre eig. «abbiegen». ABL. Deklination, f. Aus lat. decllnätio f, Frühnhd. (Luther 7, 20^ Jen.). 341 dekolletieren Demut 342 dekolletieren, v.: den Hals entblößen. Aus franz. äecolleter, zusammengesetzt aus de, lat. dis «weg von, ent-» und collet «Kragen», von lat. Collum u. «Hals». Xeue Entlehnung. dekorieren, v.: verzieren, schmücken. Aus dem gleichbed. lat. decoräre. Schon bei Rot 1571. ABL. Dekoration, f.: Verzie- rung; Ehrenzeichen. Aus dem lat. decorätio f. «Ausschmückung». — Dekorum, n.: Wohlanständigkeit, Anstand. Das lat. de- cörum n., das Neutr. des Adj. decönis «zier- lich, fein, wohlanständig». Im spätem 18. Jh. üblich geworden und bei Campe 1811 ver- zeichnet. Dekret, n. (-es, PI. -e) : gerichtlicher Be- scheid; obrigkeitliche Verordnung. Schon mhd. decret n., aus lat. decretum n. «Ent- scheidung», dem Neutr. des Part. Perf. Pass. von decernere «entscheiden». ABL. dekre- tieren,-v.: Bescheid erteilen, beschließen. Aus mlat. deo'etare. Frühnhd. decretiren (Script, rer. Siles. 4, 252 vom J. 1579). delektieren, refl. v.: sich woran erfreuen. Aus dem gleichbed. lat. deledäre. 1643 im Sprachverderb er als modisches Fremdwort angeführt. delikat, adj.: fein und wohlschmeckend; zartfühlend; heiklig. Aus dem gleichbed. franz. delicat, das auf lat. delicdfus «üppig, verzärtelt, wählerisch» beruht. In der l.Bed. 1653 bei Harsdörffer mathem. Erquickstun- den 3, 563, in der Bed. «heikel» 1598 bei Al- bertinus Sendschreiben 1, 114^. ABL. Deli- katesse, f.: Leckerei (1668 bei Erasmus Francisci ost- u. westind. Staats- und Lust- garten 1, 318*); Zartgefühl (bei Weise Erz- narren 123). Aus franz. delicatesse f. Delinquent, m. {-en, PI. -en): verhafteter Verbrecher. Aus lat. delinquens (Gen. delin- quentis), dem Part. Präs. von delinquere «sich vergehen ». 1626 bei Stettier Schweizerchronik 2, 496* Delinquant, 1655 bei Abele Gerichts- händel 252 Delinquent. Delle, s. Teile. Delphin, m. (s, PI. -e): eine Walfisch- art. Schon mhd. delfm, telfhi, aus gr.-lat. delpMnus, gv. be\qpiv m. Bei Schiller 11, .270 Neutr. Demagög, m. (-en, PI. -en): Volksführer, Volksverführer. Aus gr. brmafuuYÖc (bfnuoc ra. «Volk», -aYUj-foc zu äyeiv «führen, leiten»). Im 18. Jh. entlehnt (bei Heynatz 1775j. ABL. Demagogie, f. Aus gr. briua-fuj-fia f. «de- magogisch», adj. Demant, s. Diamant. demnach, adv., das eine Folge anzeigt. Fiühnhd., zunächst wohl in der Kanzlei- sprache (im 15- Jh. bei Nicl. v. Wyle 352, 27, ferner 1509 bei Janssen Frankf. Reichs- kon-. 2, 763), auch in temporaler «nachher, nachdem» und kausaler. Verwendimg «weil», doch bei Luther schon in der jetzigen «des- halb, mithin, folglich». demnächst, adv.: unmittelbar danach; in kurzer Zeit. Im 16. Jh. aufkommend (Galmy 1588 demnechst). demohngeachtet, s. demungeachtet. Demokrat, m. (-en, PI. -e«): Anhänger der Volksherrschaft. Aus dem gleichbed. franz. deniocrate m., das aus gr. briuoRpoireia (s. d. folg.) gebildet ist. Im 18. Jh. ent- lehnt (Klopstock Oden 171). — Demokratie, f.: Volksherrschaft. Aus franz. democratie. das auf gr. briuoKpdTeia (bfjiuoc m. «Volk», -Kpareia zu Kpareiv «herrschen») beruht. Bei Wächtler 1714. demokratisch, adj. demolieren, v. : niederreißen, schleifen. Aus dem gleichbed. franz. demolir oder auch wie dieses aus lat. demö Irre. Bei Krämer 1678 und fiiiher. demonstrieren, v.: hin-, erweisend ver- anschaulichen. Aus lat. demonsträre «vor Augen stellen, dartun, zeigen, weisen, be- haupten». Schon bei Rot 1571 demonstrirn. ^-Bi. Demonstration, f.: Darlegung; Droh- bewegung. Aus lat. demonstratio f. Im 18. Jh. entlehnt. demoUStratlT, adj. Aus lat. demonsträtivus. Im 18. Jh. entlehnt. Daher das Demonstrativ, lat. (pronomen) demon- strätivum, das hindeutende Fürwort. demungeachtet, Konj., die einen Gegen- satz anzeigt «trotzdem». Älternhd. auch in der entstellten Form demohngeachtet (noch bei Lessing 2, 559). Wohl friih im 17. Jli. aufgekommen. Demut, f.: Selbsterniedrigung. Mhd. die- miiete, diemuot, demuot (mit demselben Laut- übergang wie in Demant, s. Diamant), ahd. diumuoti, deomuoti f., von dem Adj. ahd. diu- muoti, deomuoti, mhd. diemüete, diemuot. de- muot, eig. «die Gesinnung eines Dienenden habend, demütig, herablassend», das zusammen- ges. ist aus ahd. deo, got. pins m. «Knecht, Diener» (s. dienen, Dirne) und dem von ahd. mMO^« Mut» abgeleiteten Adj. -muoti -, schwed. ting, dän. ting, thing n. (auch in Storthing und Folkething ;< Reichstag in Nor- wegen und in Dänemark»j; dazu auch lango- bard. f/iiw.'c «rechtliche Schenkung». Das Woii: wird zu got. peihs n. (aus *pinhs) «Zeit;> zu stellen sein, so daß die Bedeutungsentwick- lung: Termin, Tagsatzung, rechtliche und ge- richtliche Verhandlung gewesen sein ^vird. Es würde dann zu lat, tempus n. gehören können, wenn man das unregelmäßige j? (für ^w) durch Entlehnung des Wortes aus dem Sabinischen erklären könnte. Die Bed. < Verhandlung» schimmert noch bei dingen (s.d.) durch. Wegen der weitern Bedeutungsentwicklung vgl. >SacAe. Vgl. auch Dienstcuj und verteidigen. Der PI. lautet bei Luther auch Dinger (Luk. 20, 26), jetzt nur, wenn das Wort die Bed. «gering- wertiger Gegenstand» hat oder herabsetzend von Menschen (bes. Mädchen) gebraucht wird, z. B. Lessing 1, 222, Wieland 21, 203, Goethe 6, 258, Schiller 13, 368. Das Dimin. lautet meist Dingelchen (bei Rädlein 1711 Dingelgen), im PI. auch Dingerchen. S. Dings. dingen, v.: woniber verhandeln, insbe- sondere über den Preis von etwas; vertrags- mäßig für Lohn in Dienste nehmen. Mhd. di)igen, ahd. dingön und dingen «vor Gericht wofüi- reden, gerichtlich verhandeln, unter- handeln, besprechend emen Vertrag schließen, vertragsmäßig festsetzen, vertragsmäßig für 23* 359 dingfest diskret 360 Lohn in Dienste nehmen»; dazu asächs. thingon «verhandeln», ndl. di7igen (Prät. dong, Part. gedongen «dingen»), afries. thmgia« gerichtlich verhandeln», ags. pingian besonders «schlich- ten, einen Streit beilegen» und pingan «einen Vertrag schließen», anord.pmga «verhandeln», besonders «gerichthch». Abgeleitet von Di7ig (s. d.). Das V. hat früher nur schwache Flexion, im 17. Jh. dringt nach der Ähnlichkeit von singen, springen usw. auch starke ein, die aber Schottel 1663 noch nicht kennt. Stieler 1691 indes verzeichnet ich dünge und dingte, gedungen und gedingt. Adelungsetzt die starken Formen (Prät. düng, jetzt auch dang) als regel- mäßig an, doch haben sich die schwachen daneben erhalten. dingfest, adj.: rechtlich (gerichtlich) in Haft gesetzt; überhaupt s. v. a. haltbar fest. Wie es scheint, nicht vor 1830 und aufge- nommen im Gegensatz zu dem Adj. ding- fiüchtig «sich durch Flucht dem Gericht oder einer Vertragserfüllung entziehend», mhd. dincflühtic. dinglich, adj.: was einer Sache zukommt im Gegensatze der Person. Erst bei Ade- lung 1793. Mhd. dingelich, ahd. ditidih ist «gerichtlich», Dings, m. f. n., als unbestimmte Bezeich- nung einer ungenannten Person oder Sache, eines ungenannten Ortes. Hervorgegangen aus dem Gen. Sg. von Ding, wenn dies bei einem andern Subst. steht, z. B. ein stück dings, vil dings. Schon bei Henisch 1616 als selbständiges Wort angesetzt. dinieren, s. Diner. Dinkel, m. (-s, PI. wie Sg.): eine Weizen- art, Spelz. Mhd. dinkel, ahd. dinchil, dinkil m. Dunkler Herkunft. Dinte, s. Tinte. Diözese, f. (PI. Diözesen): Kirchsprengel, Bezirk. Aus gr.-lat. dioecesis f. «Landbezirk», im 5. Jh. n. Chr. auch s. v. a. «Kirchsprengel», gr. bioiKricic f. «Land-, Gerichtsbezirk». 1703 im Zeitungslex. Dioeces. Diphtliöni?, m. (-es, PI. -e): Zweilaut. Aus gr.-lat. diphthongos, gr. bicpBoYToc f. «Zwei- laut, Doppelvokal», dem als Subst. gesetzten Adj. bicpOoYYoc «zweifach lautend» (b(c «zwei- mal» und einer Ableitung von qpGdYT^ceai «einen Laut von sich geben»). Schon um 1522 in Ickelsamers Grammatik p. 44 der PI. Diphthongen nach der früher übUchen schwa- chen Deklination, 1478 bei Nicl. v. Wyle 351, 14 des diptongons ai. Diplom, n.: Emennungs-, Bestallungsur- kunde. Aus gr.-lat. diplöma, gr. biTrXiu^a n. «Beglaubigungsschreiben, Gnadenbrief» eig. «doppelt Zusammengelegtes», von gr. biTrXoOv «doppelt zusammenlegen, falten». Bei Wächt- ler 1711, früher Diploma. ABL. Diplomat, m. (-en, Ph-en): Staatsgeschäftskundiger, eig. der mit Urkunden iimzugehen weiß. Aus franz. diplomate m. Davon Diplomatie, f., aus franz. diplomatie f., und diplomatisch, adj. nach franz. diplomatique. Alle im 18. Jh. aufgenommen. Diptam, m. (-s, PI. -e): zitronenartig riechende Pflanze. Mhd. diptam neben dictam m. Aus mlat. diptamus m., verderbt aus gr.- lat. dictämnus m., dictamnum n., gr. biKxaiuov n., biKTOiLivov n. und biKxaiavoc f. direkt, adj. u. adv.: in gerader Richtung worauf, stracks, geradezu. Aus lat. directus, dem Pai't. Perf. Pass. von dlrigere «gerade richten, lenken, leiten». Bei Rot 1571 (bei Fisch art Garg. 29 dir echt). Direktion, f.: Richtung, Leitung. Aus lat. dnectio f. Direk- tor, m. (-S, PI. -en): Leiter, Vorsteher. Aus nQviai. director m. Bei Rot 1571. dirigieren, V. : lenken, leiten. Aus lat. dirigere (s. oben). Bei Rot 1571 dirigirn. Dirne, f. (PI. -w): dienende weibliche Person; junge unverheiratete weibliche Per- son; leichte, feUe Weibsperson. Mit Kürzung des Vcrkals (schon bei Luther) aus mhd. dierne, ahd. diorna f.; dazu asächs. thiorna, ndl. deern, anord. (aus dem Deutschen) perna f. Jeden- falls von ahd. deo, got. pius m. «Knecht» (s. dienen) abgeleitet; ein vorauszusetzendes got. *piwairnö (nach widmvairna m. «Waise», eig. «Witwensohn», zu widmvö f. «Witwe») könnte die Bed. «Knechtstochter» gehabt haben. Nach Adelung im Hochd. fast ver- altet, aber von Niederdeutschland und Bayern aus, wo es volksüblich ist, gegen Ende des 18. Jh. wieder in die Schriftsprache einge- di'ungen. Diskant, m. (-es, PI. -e): höchste Sing- stimme. Mhd. discante m. aus mlat. discan- tus m., ursprünglich wohl Gesang von zwei Stimmen und dann auf die obere beschränkt. Diskont, m. und Diskonto, m, (-es), Abzug bei Zahlung vor dem Ziele. Aus ital. disconto, jetzt sconto m. «Abrechnung, Ab- zug», aus einem mlat. discomputus m. (s. Konto). La der 1. Hälfte des 17. Jh. entlehnt. diskret, adj. u. adv.: besonnen unter- scheidend, rücksichtsvoll, zurückhaltend. Aus 361 disknrieren dito 362 lat. discretus, dem Part. Prät. Pass. von dis- cernere «absondern», Wohl schon im 16. Jh. entlehnt (im 17. z. B. bei Logau 2, 14). ABL. Diskretion, f.: Eücksichtnahme; Zurück- haltung; Gutbefinden. Aus lat. discretio f. «Absonderung». Im 16. Jh. (Script, rer. Siles. 4, 274 vom J. 1581 Discretion). diskuri ereil, v. : hin- und heiTeden. Aus franz. discourir, das aus lat. disairrere «aus- einanderlaufen, sich woiüber ergehen». Um 1600 gebraucht (Albertinus Kriegsleut Weck- uhr 2, 16% aber das Adj. diskuri erlich schon bei Fischart Garg. 275). — Diskürs, m. (Gen, Diskurses, PI. Diskurse): Untei-redung. Aus fr'anz. discours m. «Unterhaltungsge- spräch», das aus lat. discursus m. «Bün- und Herlaufen». Um 1600 fAlbertinus weibl. Lustg. 200 b). Dispens, m. (-es, PI. -e): Erlassung. Aus 'franz. dispense f. Erst im 18. Jh. dispen- sieren, v.: austeilen, wovon freisprechen, entbinden. Schon mhd. dispensieren, aus lat. dispensäre eig. «austeilend abwägen». ABL. Dispensation, f.: Erlassung. Aus lat. dis- pensätio, woraus schon im 14, Jh. dispen- säcie, bei Luther christl. Adel 60 Dispen- sation. disponieren, v.: anordnen, bestimmen. Aus lat. dispönere «in Ordnung bringen, ein- richten, bestimmen». Schon bei Rot 1571. ABL. Disposition, f.: Anordnung; Stim- mung, Geneigtheit. Aus lat. dispositio f. Im 16. Jh. (Fischart Garg. 169). Disput, m. i-es, PI. -e): Wortwechsel, Woi-tstreit. Aus franz. dispute, ital. disputa f. 1694 bei Nehring (fiüher erscheint dafür Disputat, z. B. Albertinus weibl. Lustg. 196). disputieren, v. : wissenschaftlich besprechend kämpfen: Worte wechselnd streiten. Schon mhd. disputierest aus \a.t. disputdre «mit Worten auseinandersetzen». ABL. Disputation, f.: gelehrtes Streitgespräch. Aus lat. disputätio f., woraus schon mhd. disputäzie f. und in Ottokars Reimchronik 91352 disputacion. Dissertation, f. (PI. -en): Erörtemngs-, gelehrte Streitschrift. Aus lat, dissertätio f., abgeleitet von dissertäre «auseinandersetzen». Bei Rot 1571 Dissertation «lange red». Dissident, m. (-en, PI. -en): der nicht der Staatskirche angehört. Aus lat. dissi- dens, Part. Präs. von dissidere «nicht über- einstimmen, getrennt sein». Zuerst 1573 von den beiden sich streitenden Religionsparteien, seit 1632 Benennung der Nichtkatholiken. Dissonanz, f. (PI. -en) : Mißklang. Aus lat. dissonantia f., woraus im 15. Jh. dissonantz f. Distanz, f. (PI. -en): Abstand. Aus lat. distantia f. Bei Rot 1571, Distel, f. (PI. -n): eine stachlige Pflanze. I Mhd. distel m., ahd, distü m. und distila f. : , dazu ndl. distel f., ags. pistel m., engl, thistle, ' anord. pistill m., schwed. tistel m., dän. tidsel. ' Wenn distil aus *dihstil entstanden ist, könnte I man es zu aind. tiktäs «scharf», gr. cjiZew I «stechen» d. stechen stellen. Got. dafür deinö f. (in wigadeinö «Wegedistel»). Alternhd. auch als Mask. (bei Luther, sowie Rollenhagen Froschm. 3, 1, 5). ZUS. Distelfink, m. (-en, 1 PI. -en) : der Distelsamen fressende Fink, mhd. distelvinke, ahd. distilvincho , distilvinko m., dazu ndl. distelvink f. Distelkoll)en, m.: Blüte und Samenkapsel der Distel, mhd. distel- kolhe m. Distichon, n. (-s, PI. Distichen): aus einem Hexameter und einem Pentameter be- stehendes Yerspaar. Das gr.-lat. distichon, gr. bicTixov, X. Sg, des Adj. bicxixoc «zwei- zeilig». Im 18. Jh. I distinguieren, v. : mit Auszeichnung be- handeln. Aus lat. distinguere «absondern, ] ausschmücken». Im 16. Jh. (1524 bei Emser j Annot. Ji 7^ in der Bed. «unterscheiden», 1593 : bei Helber 16 das Part. Prät. disfm^tVf «unter- schieden»). Distinktion, f.: Unterscheidung: Auszeichnung, Rang, Stand, Aus lat, distinc- tio f. «Absonderung, Unterscheidung». Bei Luther 8, 135^ Jen. Distinction «Unterschei- dung», (vom J. 1543) und schon 1524 bei Emser Annot. R 5*. Distrikt, m. (-es, PI, -e): Gebiet, Land- bezirk. Aus mlat. districtus m. «Gerichts- zwang, -gebiet», abgeleitet von lat. distrin- ' gere. Schon bei Rot 1571. Disziplin, f. (PI. -en) : Lehrzweig, Wissen- schaft; Zucht und Ordnung, besonders Manns-, Schulzucht. In der 1. Bed. 1520 bei Luther chnstl. Adel L2% in der 2. Bed. schon mhd. discipline f. «geistliche Züchtigung, geistliche ; Zucht». Aus lat. disciplina f. «Lehre, Wissen- schaft, Zucht». Dithyrambe, f. (PI. -n): begeisterungs- voller Lobgesang. Aus gr.-lat. dithyrämhus, gr. biöüpaußoc m., urspr. ein Gesang, dessen Gegenstand Bacchus war. Im 18. Jh. (Wil- lamov Dithyramben 1763). dito, adv.: desgleichen, als Subst.: das eben Genannte, Mit franz. dito aus ital. detto eig. «das Gesagte», Part. Perf. Pass. von dire 363 divers Docke 364 «sagen». Am Anfang des 16. Jh. üblich (in der Augsburger Chronik des W. Kern). divers, adj.: verschieden, mancherlei. Aus lat. diversus eig. «nach mehreren ßichtung'en gekehrt», von divertere. 1703 im Zeitunglex. Dividende, f.: Verhältnisanteil an dem zu teilenden Gewinste. Aus franz. dividende m., das beruht auf lat. dwidendus, dem Part. Fut. Pass. von dividere «zerteilen». Im spätem 18. Jh. entlehnt, dividieren, v.: eine Zahl durch eine andre teilen. Neben addieren, multiplizieren 1514 in Böschenstayns Rechenbuch A4^ (schon spätmhd. dividieren als musikalischer Ausdruck). Aus lat. dwi- dere. Division, f.: Zahlenteilung durch Untersuchung, wievielmal eine Zahl in einer andern enthalten ist: Heei-esteil. Aus lat. dwisio f. «Teilung», von dwidere «teilen». Die 2. Bed. (nach franz. division f., das am Anfang des 18. Jh. aufkam) bei Ludwig 1716. Diwan, Divan, m. (s, PI. -s,.-e): (per- sischer) Gerichtshof; geheimer Staatsrat des Sultans; (morgenländischer) Polstersitz, Sofa. Aus franz. divan, ital. divayio m., dies aus arab.- pers. diwän «Buch von mehreren Blättern, Rechnungsbuch, Schriften Sammlung (Samm- lung von Gedichten bei Goethe), Ratsver- sammlung, Prachtzimmer mit niedrigen Sofas». Im Zeitungslex. 1703 in der 2. Bed., bei Neh- ring 1710 «großes Zimmer», die 3. findet sich erst im 19. Jh. ^DÖbel, m. {-s, PI. wie Sg.): dickköpfiger Weißfisch. Bei Albems Fab. 19, 154. Im Altpreußischen kommt schon im 15. Jh. dube- lis «Halbfisch» vor. Vielleicht verglich man den dicken Kopf des Fisches einem Zapfen (s. d. folg. Art). "Döbel, m. (-S, PI. wie Sg,): eingefügter Pflock, Zapfen; (mundartlich) Klotz. Obd. dafüi- dühel, bayr. düpel. Mit d für ur- sprüngHches t und md. ö für ü aus mhd. tühel m., ahd. tuhila f., tuhili n. (auch in gituhila, gitubüi n.) «Zapfen, Zapfenverbin- dung»; dazu engl, dowel und (mit anderm Suffix) ndl. deiivik m., vgl. auch schwed. duhh m. «Zapfen». Verwandt mit gr. rüqpoc (für *0uq)oc) bei Hesjch m. «Keil». Ins Lit. ent- lehnt als dnbelis m. «Nagel». döbern, s. dibhem. doch, Adv. u. Konj. zur Hervorhebung einer Entgegensetzung. Mhd. doch, ahd. doh mit Küi-zung eines urspr. langen Vokals; da- zu asächs. thoh, ndl. doch, ags. ßeah, engl. though, anord. ßö, dän. dog (entlehnt), got. ßauh «wenigstens, etwa, wohl». Dies ist aus der Partikel fau «oder, doch, wenig- stens» mit angehängtem h entstanden, das dem lat. que, gr. re, ai. ca «und» entspricht. Docht, m. (-es, PI. -e): der zum leuch- tenden Brennen mit F«tt getränkte Körper im Lichte. Mit Verkürzung des zu o ver- dumpften Vokals aus mhd.-ahd, täht n. m.; dazu anord. ßättr (tt aus hf) m. «Faden, Lichtfaden». Man erwartet daher ahd. däht. Dazu vielleicht Schweiz, tägel, dägel «brennen- der Docht, Licht, Lampe». Dunkler Her- kunft. Bei Luther Tocht n. (auch noch bei Zachariä Renommist 2, 12), bei Günther Dacht, Tacht n., auch jetzt noch zuweilen Docht n. Auch die Lautform ist im altem Nhd. schwankend: die Länge zeigt sich noch in Daacht bei Henisch 1616, auch jetzt noch mundartlich Docht; mit dem ursprtinglichen a noch im 18. Jh. Dacht (Brockes 9, 55; Lessing 1, 171 ; 2, 562; Thümmel, Göekingk) und Tacht (Günther 379; Haller 5: Voß Ged. 2, 59; Büi'ger 124); noch Heynatz 1775 entscheidet sich fiii- Dacht, während Adelung nur Docht zuläßt. Dacht, Tacht, Tocht aber für mimd- artlich erklärt. Dock, n. (-S, PI. -s): gemauerter Wasser- behälter in einem Hafen oder bei einer Schifi's- werft zum Bauen und Ausbessem der Schiff'e. Das engl, dock, ndl. dok, dän. dokke, schwed. docka f., das vielleicht zurückgeht auf mlat. doga, doha f. «Graben, Grabenmauer, Ein- fassung eines Wasserbehälters», von gr, bcxn f. «Wasserbehälter, Gefäß» (vgl. Daube). Auch als Fem. Docke (bei Adelung). ^Docke, f. (PI. -n): Puppe; (übertragen) junges Mädchen; puppenartiges Gewundenes, Bündel; rund Gedrechseltes, kurze dicke Säule, Zapfen. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. tocke (auch in der 3, u. 4. Bed.), ahd. toccha, tocka f, «Puppe»; dazu mnd. docke, schwed, docka f. Dunkler Herkunft; auch die Grund- bed. des Wortes ist unsicher, ^ Docke, f. (PI. -en): Art eines sehr hohen weiblichen Kopfputzes. Mhd. tocke f. aus franz. toque f. «Haube, Mütze», ital. tocco m. «Reisehut», span. toca f. «Haube». Ob das gleichbed. kymrische toc die Grundlage oder nicht vielmehr selbst aixs dem Franz. entlehnt ist, bleibt unklar. ^ Docke, f. (PI. -n): Tastenharamer des Klaviers. AVohl von ital. tocchare, älterfranz. toquer berühren, hier vom Anschlagen an die Saiten. Bei Adelmicr 1774. 365 Dogge Bolman 366 Dogge, f. (PI. -n): Art großer englischer Hetzhunde. Aus engl, dog, woher auch ndl. (log, schwed. dogg, dän. dogge. In der 2. Hälfte des 16. Jh. entlehnt, anfangs als schwach- flekt. Mask. (Docke bei Fischart Garg. 295, 341, Dogg' m. noch bei Voß Id. 16, 151) und m der Schi-eibung schwankend (Docke noch bei Adelung 1793, auch z. B. bei Schiller 11, 277, während Henisch 1616 dog, dogg, doggen m., Schottel 1663 dogge neben dokk m. hat und Heynatz 1775 Dogge verlangt). Dogma, n. (-S, PI. Dogmen) : Lehrmeinung, Lelirsatz. Das gr.-lat. dogma, gi\ böyiaa n., abgeleitet von boKeiv «meinen». ABL. Dog- mätik, f.: Gebäude der Lehi-satzungen, bes. des christlichen Glaubens. Aus gr.-lat. dog- ynatica, dem Fem. des gr.-lat. Adj. dogma- ticus, gr. boTMctTiKÖc «die Lehrsätze betreffend». Beide im 18. Jahrb. Dohle, f. (PI. -/i): ein krähenartiger Vogel. Mit d für urspi-üngliches t aus mhd. takele, zusammengez. täle, ahd. tahala f. (davon ital. taccola f; «Elster» zu obd. dachet), abgeleitet von dem einfachen (in obd. Mundarten er- haltenen) mhd. tahe, ahd. taha f., das wohl zu apreuß. doacke «Star» gehört. Daneben erscheint mhd. tul, auch fi-ühnhd. häufig Tul, Dul. An Zusammenhang von mhd. tul mit dem zweiten Bestandteil von lat. mone- dula darf man nicht denken, vgl. Niedermann Idg. Forsch. 10, 235. Das nhd. Dohle scheint beiden Formen zu entsprechen, es kommt schon im Spätmhd. als tole, dole f. vor, bei Luther als Thole, Dole, 1537 bei Dasypodius 88^ doli und 316 a Dohl, 1540 bei Alberus Dikt. z2*' dol. Doch erhält sich daneben die Form mit a (bei Schottel 1663 als Dale, Duez 1664 als Thale, Dohle, bei Ludwig 1716 als Dale, bei Steinbach 1734 als Dahle). 'Dohne, f (PI. -n): Bügel mit Schlinge zum Vogelfange. Eig. gespannter Zweig; die Zweiggeschosse an Waldbäumen werden zu Bügeln umgebogen, in die man Schlingen hängt. Mhd. do7ie, don f. ist «Spannung», spätahd. done f. «Spannader, Nerv» (davon donen, ahd. donen «sich spannen, strecken»), ahd. dona f. «Rebschoß, Schoß, Ranke»; da- zu ags. pona m, ßone f. (in celfpona m., odf- ßone f. «Alpranke, Geißblatt»). Zu dehnen (s. d,). Vgl. die zu gr. xeiveiv «spannen» ge- hörigen gr. T^vujv m. «Sehne», lat. temis n. «ausgespannte Schnur, Dohne», aind. fäntus m. «Schnur», abg. teneto «Strick», lit. tinklas «Netz», -Dohne, f. (PI. -n)-. Zimmerdecke und , bes. Tragebalken derselben. Nur mimdart- lich (wetterauisch, oberhessisch usw.). Von mhd. don, ahd. dono m. «Ausgespanntes, Decke» in mhd. Überdon, ahd. uhardono m. «überge- breitetes Tuch, Totentuch». Mit mhd. don ■ f. «Spannung» (s. ^ Dohne) zu dehnen. Doktor, m. (-S, PI. -en): mit der höchsten von einer Fakultät erteilten Gelehrtenwüi-de Bekleideter ; Arzt. Aus lat, doctor m. « Lehi-er ;>, von docire «lehren». In der 2. Bed. schon im 16. Jh. (Scheidt Grob. 1259). ABL. dok- ; torn, V. : den Arzt gebrauchen ; ohne Arzt zii heilen versuchen. Dokument, n. (-5, PI. -e): urkundhches j Beweismittel, Beweisschrift. Aus lat. docu- I mentum n. «Beweis», von docere. 1703 im ' Zeitungslex., der Plur. bei Ludwicr 17 16 Documenten. Dolch, m. [-es, PI. -e): messerartige zwei- schneidige Stichwaffe. Um 1500 tolch. tolchen (bei Dasypodius 1537 dolch, bei Hans Sachs dollich), dazu ndl.-dän. -schwed. dolk m., nicht i entlehnt aus dem gleichbed. böhm. und poln. j (veraltet) tulich m., vgl. Mikkola Bezz. Btr. 25, ; 74, vielleicht aus lat, dolo «Art Stock degen», I das ins Niederländ, (mndl. dol) und von da ■ weiter vordrang. Doch macht auch das Schwierigkeiten. Eher vielleicht unter dem Einfluß des lat. Wortes aus einem deutschen i umgestaltet, das in aisl. dälkr m. «Nadel um I den Mantel über der Achsel zu befestigen: ; Dolch Messer», ags. dale, dolc m. vorliegt. Alternhd. auch mit schwacher Flexion. Dolde, f.: Blumenbüschel. Mit d für ursprtingHches t aus mhd. tolde f. m., ahd. toldo m. Wohl eines Stammes mit ahd. tola f. j «Weintraubenkamm», das -d ist also ableitend. I Verglichen wird noch gl", GöXoc f. «Kuppel- dach» oder GoiWu) «blühe», GciXoc n. «junger , SprößUng, Zweig». Frtihnhd. häufig weiter- gebildet tolder, dolder m. (jetzt schwäb.-alem.), Dole, f, (PI, -n): unterirdischer Abzugs- ! graben, Kanal, Im 15. Jh, dol (1482 im Voc. theut. f 1^) «Mine», ahd. dola f. «Röhre, Erd- röhi'e». Zu gr.cuj\r)v ra. «Rinne, Röhre, Kanal», i abg. tulü m. «Köcher», ai. tünas m. «Köcher», ' vgl, Ehrismann Btr, 20, 60, Dolman, m. {-s, PI. -s): schnürenbesetzte ; Jacke unter dem Pelze des Husaren. Aus türk. dölämän «Unterkleid von Tuch». 1645 bei Zesen Ibrahim 3 Doliman, aber schon um 1500 in Quellen zur Geschichte Sieben- bürgens (s. Gombert 8, 7). 367 Dolmetsch Donner 368 Dolmetsch, m. [-en, PI. -en, -e): Über- setzer. Mit d für ursprüngliches t aus spät- mhd, (schon gegen 1300) tohnetsche, tulmet- sche m., aufgenommen aus dem gleichbed. poln. tiumacz, böhm. tlumad, abg, tlüniaci, das auf das Tüi-Msche zurückgeht, dol- metschen, V.: aus fremder Sprache in eine bekannte übertragen; dui'ch Rede verständ- lich machen. Spätmhd. tolmetschen, tulmet- schen. Davon Dolmetscher, m. (schon bei Luther). Das gleichbed. mhd. tolJce m. geht auf lit. tulkas m. «Dolmetscher», abg. tlükü m. «Dolmetschung» zurück. Dom, m. (-es, PI. -e): bischöfliche Haupt- kirche; Kuppelturm. Wie franz. dorne, ital. duomo m. entlehnt aus lat. domus f. «Haus», hier von Gottes Hause (domus dei), dem Tempel, verstanden. Die echtdeutsche Form ist Thuni, mhd.-ahd. ttioni, ebenfalls aus lat. ! domus entwickelt, aber schon in ahd. Zeit. Im altem Nhd. wechseln Thum und Dom j (Luther hat nur Timm, aber Henisch 1616 Dom), noch Frey er 1722 S. 273 setzt Thum an. ZUS. Domherr, m. Dafür mhd. tuom- herre m. Dompfaffe, m.: (veraltet) Dom- geistlicher, mhd. tuompfaffe m.; Blutfink oder Gimpel (wegen seines schwarzen Scheitels, der der Kappe eines Domgeistlichen ähnelt). 1557 bei Heußlin 21 ^^ Tlmmpfaff. Domäne, f. (PI. -n)-. landesherrliches Gut, Krongut. Aus franz. domaine m., das aus lat. dominium n. «Hen'schaft worüber, Eigen- tum», abgeleitet von dominus m, «Herr, Ge- bieter, Besitzer». ImZeitungslex.1703 Domaine. Domestlk(e), m. (-n, PI. -n): Diener, Dienstbote. Aus franz. gleichbed. domestique, das des lat. domesticus «zum Hause gehörig» ist. Im 17. Jh. Domherr, s. Dom. dominieren, v.-. beherrschen. Aus lat. dominäri, von dominus m. HeiT. Schon bei Rot 1571. Dominikaner, m. (-s, PI. wie Sg.) : Mönch von dem 1215 gestifteten Orden des heil. Dominicus (von lat. dominus «Herr», d, i. dem Herrn [Jesu] gehörig). Domino, m. (-s, PI. -s): das lange Mas- kenkleid; eine Art Spiel. Das ital, und span. domino m. «seidener Mantel zum Maskieren, eig. verhüllende Winterkleidung des Geist- lichen», von lat. dominus m. «Herr», im Mlat. auch s. v. a. höherer Geistlicher. Um die Mitte des 18. Jh. aufgenommen (Zachariä poet. Sehr. 1, 135). Domizil, n. (-s, PI. -e): Aufenthaltsort, Wohnsitz. Aus lat. domicilium n., von domus f. «Haus». Bei Wächtler 1711, Sperander 1728 noch in lat. Foi-m. Domniel (Goethe Faust 4334), s. Rohr- dommel. Dompfaffe, s. Dom. Donlage, Donlege, f. (PI. -n): abhängige Richtung eines Ganges, einer Fläche. Berg- männischer Ausdi-uck 1562 bei Mathesius Sarepta52* danleg, 51^ danlag, 204^ dohnlege, bei G. Agricola 1546 donlege). Zusammen- gesetzt aus l) dan, don, das wohl mhd. dane, ahd. dana in danatrib m. «Forttreiben, Schei- dung», dananww/if f. «Hinausnehmen, -tragen», das mit dannen zusammenhängt. 2) mhd. lege f. «Legung, Lage, Niedersenkung» (bei Stieler 1691 Läge f. «Bodenneigung» und das Adj. Adv. läge «abwärts sich neigen», mnd. lege). Donner, m. (-s, PI. wie Sg.): heftig schallende Lufterschütterung. Mhd. donei; ahd. donar (auch als Name des heidnischen rotbärtigen Blitz- und Donnergottes Donar) m.; dazu asächs. thuner (nur als Name des Gottes Thuner belegt), ndl. donder, afries. thuner, ags, panor, engl, thunder, anord. J5örr (nur als Name des Donnergottes), dän. (ent- lehnt) dunder m. Von einem V., das im Ags. ahpunian «donnern» erscheint; vei'wandt mit Idt.tonäre «donnern», dazutonitrusm. «Donner», weiter aind. tan «tönen, rauschen». ABL. donnern, v., mhd. donern, ahd. donarön. ZUS. Donnerhart, m.: Hauswurz (die, auf das Dach gepflanzt, vor dem Einschlagen des Gewitters schützen soll). 1538 in Rößlins Ki-äuterbuch \U^ und 1546 bei Bock 142» donderhar «barba Jovis». Donnerheseii, m.: auf Bäumen gewachsenes (angeblich vom Blitz erzeugtes) wirres Strauchwerk, im 17. Jh. DonnergUge, m.: Hirschkäfer, nach dem Aberglauben, daß in ein Haus, in das ein solcher Käfer (schweiz. guege) getragen wird, der Blitz schlägt. Dounerkeil, m.: keil- förmiger Stein, den das Volk sich vom BHtz geschleudert denkt; Blitzstrahl. Bei Luther. Donnerschlag, m., mhd. donreslac m. Donnerstag, m.: der fünfte Wochentag, eig. der dem Gott Donar geweihte Tag. Mhd. donerstac, ahd. toniris (d. i. donares) tac m.; dazu ndl. donderdag, ags. _piinresd.(Bg, engl, thursday, ßchwed.-dän. torsdag m. Eine Nachbildung des lat. di&s Jovis. Dafür bayr. Pfinztag m., im 13. Jh. bei Berthold v. Regens- 369 doppel Dorre 370 burgl, 58, AipMnztac; durch kirchlich-byzant. (got.) Einfloß aus gr. -rreuTTTri (fjuepa) der fünfte (Tag). Vgl. Ch-ündonnerstag. doppel: eins und das Gleiche mitein- ander verbunden (s. doppelt), nur noch in Zusammensetzungen wie Doppeladler, m. (bei Adelung 1774): Doppelbier, n.: stärker gebrautes Bier (im 17. Jh. i: Doppelgänger, m.: ein an verschiedenen Orten zugleich er- scheinender Mensch (von Jean Paul gebildet, Siebenkäs 1, 66); Doppelhakeil, m.: große Hakenbüchse, Wallbüchse, die beim Abfeuern aufgelegt wurde, im 16. Jh. (^bei Fronsperger 2, 106*): Doppelpunkt, m.: das Satzzeichen : (1641 bei Schottel Sprachkunst 526): Doppel- sinn, m.: mehrfacher Sinn (bei Adelung 1774, aber das Adj. doppelsinnig schon bei Gry- phius Trauerspr. 57); doppelzüngig, adj.: von mehrfacher, sich widersprechender Rede (bei Heniseh 1616). Davon doppeln, v., 1475 clevisch diibhelen (Teuthonista 84), 1537 bei Dasyijodius doppeln, bei Luther u. a. dupeln, dvppehx. doppeln, V. : mit Würfeln im Brett spielen ; im Spiele beträgen. Mhd. toppein «würfeln», von toppel m. «Würfelspiel», das aus fi'anz. doublet m. (von double «doppelt», s. d.) «Wurf mit gleichen Augen». Entsprechend ndl. dob- belen, aisländ. dubia, dän. doble. doppelt, adj., älterahd. doppel (s. d.). Aus franz. double, das auf lat. duplus «zweifach» beruht; mhd. vereinzelt daraus dublin (in Wolframs Willehalm 410, 21). 1475 clevisch im Teuthonista dobbel, dubbel und sonst in niederrhein. Quellen, am Anfang des 16. Jh. auch hd. dopel, doppel, dupel, duppel (so auch bei Luther 6, 846 W), doppel bei Mumer Schelm. 5, 29. Auch in der Kanzleisprache (Reichs- Ordnungen 78* V. J. 1512 duppel). Daneben findet sich die Fonn doppelt (wohl tmter Einfluß des Part, gedoppelt) schon 1537 bei Dasypodius und wird dann z. B. von Ring- wald, Rollenhagen, Albertinus gebraucht. Die beiden Formen doppel (duppet) und doppelt (duppeli) erhalten sich lange nebeneinander: die schlesischen Dichter gebrauchen meist duppel, auch duppelt; Rädlein 1711 führt noch doppel an, Ludwig 1716 dagegen nur doppelt, doch ist doppel auch noch später, z. B. von Voß, gebraucht worden. Dorf, n. {-es, PI. Dörfer) : Ortschaft ohne höhern Rang. Mhd.-ahd. dorfn.; dazu asächs,- afries. thorp, ndl. dorp, ags. ßorp (auch prop, prep), engl, thorp (in Eigennamen) «Dorf», Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. .\afl. in der Bed. abweichend anord. porp «Ge- höft» (auch «Menschenmenge»), schwed. torp «Landgut»; got. ßaftrp n. ist «Bauland, Feld». Verwandt sind lat. trdbs f. «Balken», osk. tritbüm m. «Gebäude», air. treb «Dorf», umbr. trebeit&er verweilt», lit. tröbä f. «Gebäude» mit ganz gewöhnlichen Bedeutungsübergängen, nämlich von «Haus» zu «Niederlassung», dann «die Menge im Dorf». ÄJBL. Dörfer, meist Dörfler, m. (-s, PI. wie Sg.): Dorfbewohner. Mhd. dorfcere, im 16. Jh. auch dörfler. Vgl. auch Tölpel, dörflich, adj., frfihnhd. dorflich. Dorfschaft, f., mhd. dorfschaft. dorlen, v. (Goethe 5, 179): sich im Kreise herumdrehen. Aus dem Thüringischen. Wahr- scheinlich mit Ausfall des m aus mhd. tur- mein (auch schon turlen), tilrmeln «schwin- deln, taumeln». Davon Dorl, m. (-s, PI. -e): Kreisel, bei Goethe Drehdorl (5, 193). Dorn, m. (-.s, PI. -e?i): stechende Spitze an einer Holzpflanze; stachlige Holzpflanze; jener Spitze Alinliches. Mhd.-ahd. dorn m; dazu asächs.-afries. thorn, ndl. doorn, ags.- anord. ^orw, engl, thorn, dän. torn, got.paumus m. Der Lautverschiebung gemäß entspricht abg. trünü m. «Dom», aind. tJTia- m, n. «Grashalm». Der PI. mhd. dorne, ahd. dorna lautet im Nhd. seltner Dome (namentlich in der poetischen Sprache, z. B. bei Uhland, Rückert); Luther, der einmal (Micha 7, 4) ' den Sg. Dome hat, bildet den PI. Domen ; (vereinzelt Dornen) und diese Form bleibt I auch später gewöhnlich; daneben tritt im 16. Jb. Dörner auf (Hans Sachs Fastn. 8, 892; Ringwald tr. Eckh. B%^; Opitz 2, 17 und die andren Schlesier). ÄJ3L. dornen, adj., mhd. dürnin, ahd. durnin: dazu ags. pyrnen, got. ßaurneins. doruiclit, adj. mhd. nur weitergebildet dornehtic, ahd. dornohti. Bei Luther dörnicht, jetzt durch dornig ver- drängt, dornig, adj., mhd. dornec, ahd. domac, dazu ndl. doomig. Dornicht, n. : Domgebüsch. Mit angetretenem t aus mhd. dorruich, spätahd. thornahe n. Dorothea, Frauenname, aus gr.-lat. Doro- I thea, gr. AuupoGea «Geschenk Gottes», von gi\ \ büjpov «Gabe, Geschenk» und öeöc m. «Gott». i Verkürzt Dortchen. Dörre, f. (PI. -n) -. Vomichtung zum Trock- I nen. 1469 derre (voc. ex quo). Von dörren, •V.: dürr, d. i. ausgetrocknet machen. Mit ö I für ursprüngliches e (bei Luther noch derren) aus mhd. derren, ahd. derren, darren (aus darjan); zugleich geht aber dörren auch auf 24 371 Dorsch Douane 372 dürren zuiiick, das in md. Mundarten dörren ausgesprochen wird, dörren erscheint obd. schon im 16. Jh. und findet sich bei Henisch 1616 angegeben, während Stieler kein dörren kennt und Eädlein und Ludwig unter dörren avd dürren verweisen; Schotte! 1663 und Frisch 1741 aber setzen dörren an. Ahd. derren ist Faktitiv zu einem starken V., das im Got. als pairsan (in gapairsan) «ausgetrocknet sein» erscheint. Dies stimmt zu gr. x^pcccGai «trocken werden», auch lat. torrere (aus tor- ser e) «dörren». Weiter sind verwandt aind. frsjati «dürstet», awest. tarsav- «trocken», ir. fir, tirim «trocken» u. a. S. auch Darre und Durst. — dorren, v.: dürre werden. Mhd. dorren, ahd. dorren; dazu asächs. thor- rön, ndl. dorren, im Got. dafür gapaursnan, eine Inchoativbildung. Dorsch, m. (-es, PI. -e): Art Schellfisch in der Ostsee. Aus dem Ndd., schon mnd. dorsch, dors, 1610 bei Colerus Hausb. 3, 260 dorst m.; dazu ndl. dorsch, anord. porskr, schwed.-dän. torsk m. Dunkler Herkunft, viel- leicht zu russ. treskd «Stockfisch». Dorsche, f., auch m. (PI. -n) : Kohl-, Salat- stengel. MundartHch am Rhein, Schwaben, Bayern. Mhd. torse, turse, ahd. torso, turso m. «Stengel», wohl entlehnt aus roman. (ital.) torso m. «Strunk», das aus gr.-lat. thyrsus, tursus, gr. öüpcoc m. «Stengel, Strunk». Dort, m. (-es): ährentragendes Unkraut im Getreide. Mit d für urspmngliches t aus mhd. turt, ahd. turd m.; dazu asächs. durth n. dort, vei'längert dorten, demonstratives Pronominaladv.: an jenem Orte. Mhd. dort, ahd. dorot, in älterer Form darot [tliarot im Ludwigslied) «dorthin, dahin»; entsprechend asächs. tharod, afries. tJiard «dorthin», sonst nicht vorkommend. Das Adv. mhd. dar, ahd. dara «dorthin» mit angetretenem -ot, das vielleicht zu lat. uta in alnita «irgend anders» gehört. Die verlängerte Form dorten kommt schon um 1500 vor (Fastnachtssp. 4, 22). ABL. dortig, adj. Frühnhd. (Aven- tin 1, 448, 18 vom J. 1511), aber erst bei Adelung 1774 verzeichnet. Dose, f.: Büchse mit Deckel zu Tabak, Zucker usw. Aus dem Ndd. -Ndl.; schon 1475 clevisch im Teuthonista dose f. «Behälter zum Tragen, Lade, Koffer», ndl. doos und dooze f., dazu dän, daase. Schottel 1663 führt Doos «capsa» als ndd. an. Stieler 1691, Rädlein 1711 usw. als Schriftdeutsch Dose. Daneben oribt Frisch 1741 Dese «Waschfaß auf drei Füßen» an, Adelung Döse: die Form findet sich in bayi'.-öst. Mundarten für «Holzgefäß». In ostmd. Dialekten deise, teuse «Schachtel, Dose». Ursprung und Entwicklung der For- men dunkel. dösen, v.: in Betäubung sein, gedanken- los dasitzen, schlummern. Mit d für urspr. t Frühnhd. dosen (Schm eller ^ 1, 548), schon im 14. Jh. verdcesen «überhören»; dazu ndd. dösen, dän. döse, engl, doze «schläfrig sein, schlummern». Obd. dosen, auch dosein, dos- men. Verwandt mit Dusel (s. d.). In den Wörterbüchern ist das nur der Umgangs- sprache angehörige Wort nicht verzeichnet. ABL. Döserei, f. (bei Lessing 10, 86 Töse- rey). dÖsig,adj. gedankenlos, halb im Schlafe. Dosis, f. (PI. Dosen): Gabe Arznei. Aus gr.-lat. dosis, gr. böcic f. «Gabe», von bibövai «geben». Im 17. Jh. Dost, m. (-es) und Dosten, m. (-s) : eine majoranartige Pflanze, gr.-lat. origanum ge- nannt. Mhd. doste, ahd. dosto, tosto m. u.nd tosta f. Urspr. wohl s. v. a. buschartig wach- sende Pflanze, denn spätmhd. doste m. «Strauß» und bayr. Dosten «Busch, buschartig sich Ausbreitendes» sind wohl verwandt. Dote, s. Tote. dotieren, v. : ausstatten; mit Einkünften versehen. Schon mhd. dotieren, aus lat. dö- täre «ausstatten», abgeleitet von dös f. (Gen. dötis)'«Gahe, Mitgift». ABL. Dotation, f.: Ausstattung durch Schenkung; Schenkung. Aus mlat. dotatio f. ■^Dotter, m. (-S, PI. wie Sg.), seltner n.: das Gelbe im Ei. Mit d für m-sprünghches t (bei Luther noch totter) aus mhd. totere, ahd. totoro m. und zusammengesetzt tutarei, dazu andd. dodro, ndl. dooier, ags. abgeleitet dydring m. Die Grundbed. scheint «Verdickung, Klumpen» zu sein; dazu gehört ndl. dot f. «Knäuel», ags. dott m., engl, dot «Punkt, Fleck» und wohl auch mhd. tutte m. f., ahd. tutto m. und tutta f. «Brustwarze». ZUS. Dotterblume, f., Name mehrerer dotter- gelb blühenden Pflanzen, der Caltha palustris (1546 bei Bock 54^), des Löwenzahns (bei Bock 100 b), der Trollblume. "Dotter, m. (-s): flachsartiges Unki'aut. 1482 im Voc. theut. gg 7* todter. Dazu engl.- dän. dodder, schwed. dodra f. Kaum mit ^Dotter verwandt (etwa wegen des kleinen gelben Samens), Donane, f.: Maut: Zollhaus, Zollamt; Ge- samtheit der Zollwächter und -beamten. Das 373 dozieren Drang 374 franz. douane, ital. dogäna, span.-port. aduana f., das zurückgeht auf arab, dlvän, addlvän «Reclinungsbuch, Bureau, Kanzlei, Maut- bureau». Bei Sperander 1728. dozieren, v.: vorti-agend lehrend. Aus lat. docere «lehren». Bei Rot 1571. ABL. Dozent, m. i-en, PI. -en): vortragender Lehrer einer Hochschule. Aus lat. docens (Gen. docentis), dem Part. Präs. von docere «lehren». Drache, m. : fabelhafte fliegende Schlange : Kinderspielzeug. Mit d für urspininghches t (durch Einfluß des gi'.-lat. Grundwortes) aus mhd. trache, ahd. frahho m., auch mhd. tracke, ahd. traccho m.; mit ndl. draak, ags. draca, schwed. drake m., dän. drage, entlehnt aus gi-.-lat. draco (daneben dracco), gr. bpctKuuv m. «fabelhafte große Schlange», lat. auch «Kohortenzeichen» in Form eines Drachen, vgl. Dragoner. Drachme, f. (PI. -n)-. 7^ Lot (4 Gramm). Aus gr.-lat. drachnia, gr. bpaxuri f. «Be- nennung eines sehr kleinen Gewichtes». Dragoman, m. {-s, Pl.-s, -e): Dolmetscher bei den Tüi'ken. Aus franz.-span. dragoman, ital. dragomanno, mlat. dragumanus, droga- mundus (woraus mhd. Trougemunt), die zu- inickgeheu auf arab. tardschumän «Ausleger», von iardsclianm «übersetzen, dolmetschen». Bei Spei'ander 1728. Gleichen ürspiiings, aus roman. trucheman, im 14. und 15. Jh. trüfzel- niann m. «Dolmetscher». Dragoner, m. (-.s, PI. wie Sg.): Art leichter Reiter, urspr. ein Fußsoldat, der das Pferd zum schnellen Fortkommen braucht. Gebildet von franz. dragon m. «Drache» (s. d.), also D. eig. Angehöriger einer Schar, in deren Standarte sich ein Drachenbild befand. Um 1600 aufgekommen (1617 bei Wallhauseu Corp. mil. 10 Dragoens, im teutschen Michel 22 Tra- goner), wähi-end in Frankreich die Arkebusiere zu Pferd schon im 16. Jh. dragons hießen. Dragün, m. (-s): Kaisersalat, Schlangen- kraut, eine als Gewürz an Speisen dienende Pflanze. Mit wallen, dragonn, franz. targon (daneben estragon ra. aus port. estragqp m.), ital. targone m., span. taragona, taragontea, dragontea von lat. draco m. «Drache» in der Bed. dracünculus wie unsre Pflanze bei Plinius heißt. 1712 bei Hübner Naturlex. 430. Draht, m. (es, PI. Drähte): zusammen- gedrehter dicker Faden; (Gaunersprache) Geld. Mit Dehimngs-Ä zu mhd.-ahd. drät m.; dazu ndl. draad m., afiies. thred, ags. ßr(ed m. «Faden», engl, thread, anord.prädr m., schwed. träd m., dän. traad. Zu drehen, formell ge- nau gr. xpriTÖc «durchbohrt» entspi'echend. ABL. drähtig, adj., in zwei-, dreidrähtig. drall, adj.: wohlgedreht; elastisch fest (Lessing Nathan 2, 5); hurtig; rasch, munter, kräftig und gedrungen aussehend. Aus dem Xdd. (schon mnd. dral «rasch sich drehend, rasch»), in die Schriftsprache von Lessing eingeführt; Adelung erwähnt das Wort nur gelegentlich als ein niedersächsisches, Hey- natz 1796 spiicht sich dagegen aus, während Campe es empfiehlt. Fmher erscheint das auch von Adelung verzeichnete ndd. drell, z. B. bei Caniz 124 hey deiner liebsten Dr eilen, wobei in einer Anmerkung gesagt wird, daß man in der Mai'k z. B. sage eine drelle Dirne, das ist «ein frisches, derbes Mädchen», auch bei Hermes Sophiens Reise 4, 166. Zu ^drillen. Drama, n. (-s, PI. Dramen) : BühnenspieL Aus dem gleichbed. gr.-lat. dränia (Gen, drä- matis), gr. bpä|ua n., das urspr. s. v. a. «Tat, Handlung», abgeleitet von bpäv «tun». In der Mitte des 18. Jh. aufgekommen. ABL. dramatisch, adj. Xach gr.-lat. drämaticus, gr. bpaiiOTiKÖc. Bei Gödeke Giiindriß ^ 3, 226, 75 vom J. 1676. dran, gekürzt aus daran, wie drauf, draus, drein, drin, droh, drüben, drüber, dnmter usw. aus darauf, daraus, darein usw. AUe diese Adverbien sind urspr. Zusammenschiebungen des dar, mhd. dar «dahin», oder des dar, mhd. dar (vor Adverbien geschwächt dar), da, da mit einem Präpositionaladv. Jene dar- gingen mhd. auch in tonloses der- über und wurden endlich bloßes dr-. So findet sich bereits mhd. drane, dran aus derane, darane, ahd. därana wad dara ana; drüfe, drüf aus dar üfe, dar üf, ahd. dar uf usw. Drang, m. {-es): Zudringen, Bedrängnis; starkes Getriebensein wozu. Mhd. dranc m. «Gedi'änge, Bedrängnis»; dazu ndl. drang m. «Gedränge, Drang», ags. ßrong (in geprong n.), engl, throng «Gedränge», anord. pröng f. «Gedränge», dän. trang «Gedränge, Bedräng- nis». Zu dringen. Die 2. Bed. erst bei Ade- lung. ABL. Drangsal, f., seltenern. (Bürger, Schiller, Goethe usw.), spätrahd. drancsal m., wohl von dem später verschwTindenen mhd. drangen « drängen» abgeleitet. Davon drang- salieren, V. Neue Bildung mit der fremden Endung -ieren (nach dem Muster von tribn- lieren u. dgl.). 24* 375 drängen drei 376 drängen v. : di-ingen machen, Drang aus- i^eÄ;Är m., schwed. träck m., dän. dräk n. üben. Älternhd. drengen (wie Preyer 1722 Vielleicht verwandt mit gr. xpuE (Gen. rpuföc) vorschreibt und noch Lessing 2, 180 hat), mhd. f. «Hefe, ünreinigkeit». Sehr ansprechend drengen (häufiger drangen, ahd. drangön, engl, vergleicht Sommer Idg. Forsch. 11, 91 spätlat. thronq). Wie anor ä. ßrengja, schwed. ^rängra, , froia «Sau» aus *fro^ja mit unserm Wort. Doch dän. tränge das Faktitiv zu dringen. ABL. ; hat gi\ Tpäyoc «Bock» fernzubleiben. Eedens- drängeln, v. in frequentativer Bed. Bei art: Dreck am Stecken haben: Unsauberes, Campe 1807. Hinterhaltiges in geheimer Absicht. ABL. drapieren, V.: mit Gewändern bekleiden. drecMg, adj. Friihnhd. (bei Dasypodius Aus dem gleichbed. franz. draper, von drap, 1537, Alberus A A2* hat dreckicht, 1475 cle- spätlat. drappus m. «Tuch». ABL. Dra- visch im Teuthonista dreckich). perie, f.: Bekleidung der Figuien. Aus drehen, v.: im Kreise bewegen; mittelst franz. draperie f. Beides 1712 bei Hübner Kreisbewegung eines Werkzeuges und durch Naturlex. 430. Ursprünglich Malerausdruck. Meißel rund formen (drechseln). Mit e für drastisch, adj. u. adv.: kräftig wirkend, urspr. öß (schon bei Luther drehen, obd, an- Mit -isch gebüdet nach dem gr.-neulat. Adj. fangs dafür dräjen, dräen, drähen, noch bei drasticiis «geschwind wii-kend, kräftig wir- Ludwig 1716 drähen), aus mhd. drcejen, drcen, kend», gr. bpacTiKÖc urspr. «tätig», dann «kräf- ahd. dräjen, dräen; dazu ndl. draaijen, ags. tio- wirksam», abgeleitet von bpäv «tun», prätvan (mit starker Flexion), engl, throw, Früher (noch bei Campe 1811) nur von Arz- schwed. (aus dem Deutschen) drej'a, dän.dreje. neien crebraucht. | Verwandt sind gr, cuvTpfjcai «durchbohren», dränen, s. drohen. ' Tpfiua n. «Loch», xepeTv «bohren, drechseln», drauf, draus, s. dran. lat. terehra f. «Bohrer», ir. tarafhar «Bohrer», dräuschen, V. : heftig rauschen, besonders abg. treti «reiben». ABL. drehbar, adj. von Regen u. dgl. Ein md.-ndd. Wort, ober- Junge Bildung, noch nicht bei Campe 1807. Sachs, dreschen, Prov, Sachsen (^räs'cAew, schon Dreher, m. {-s, PI. wie Sg.): Drechsler (in bei Hans Sachs dreussen «heftiges Geräusch frühnhd. Glossaren des 15. Jh. bei Diefenb. machen», auch ndl. drMWCÄen «rauschen». Viel- 588^); Türgriff (ndd.); langsamer Walzer, leicht zu got. driusan, asächs. driosan, ags. drei, Zahlw. Mhd. drt (Xeutr. driu), ahd. dreosan «fallen, niederfallen», so daß das V. dri, drte (F. drio, N. drm); dazu asächs. thria, urspr. das durch Fallen (z. B. der Eegen- \ ndl. drie, ags. pri, preo, engl, three, anord, tropfen) verursachte Geräusch bezeichnete, prlr, schwed.-dän. tre, got. preis (F. prijös, Doch wohl eher laut nachahmend, vgl. trat- IST. prija). Der Lautverschiebung gemäß stim- schen. Bei Stieler 1691 dreuschen. mend mit lat. tres (N. tria), gr. xpeic, aind. draußen, adv.: außerhalb. Gekürzt aus tri- (Xom. M. träjas), abg. trije, lit. tris, daraußen, mhd. dar uzen, ahd. dar üg^ana, altir. tri. Bei substant. Gebrauch wird das daneben mhd. dar ü§e, ahd. dar üga, woher Wort flektiert N. A. drei, seltner dreie, G. unser drauß (auch zusammengezogen mhd. ' dreier, D. dreien; steht es attributiv ohne dü^e, daher das volksübliche dauß, 1593 bei Artikel vor einem Subst., so ist beim Gen. Helber 30 daussen). die flektierte Form üblich, beim Dat. dagegen drechseln, v. : Dreherarbeit machen. Mhd. jetzt veraltet (zu dreien malen Schiller Jungfr. drcehseln, mit gekürztem Vokal drehsein, ab- Prol.). Davon Drei, f. : Dreizahl ; 3 Augen geleitet von drcehsel, drehsei, ahd. drähsil m. im Würfelspiel; die Ziffer fiü- drei. Schon «Drehhandwerker». Dies kann nicht zu (Zre/iew mhd. (in den beiden ersten Bedd.) drie f. gestellt werden, dem, wie mhd.-ahd.flra^ zeigt, ABL. Dreier, m. (-5, PI. wie Sg.): Drei- urspr. kein h zukommt, sondern gehört zu pfennigstück. Im 15. Jh. Dreiheit, f., mhd. einer sonst nicht im Germanischen vertretenen, driheit f. Dreiling, m. (-5, PL -e):ein Maß, aus drehen erweitei-ten Wurzel, die lat. tor- der dritte Teil von etwas oder das Dreifache gwere «drehen», gr. xp^TTecGai« wenden» zeigen, von etwas (Luther zu Jes. 40, 12 «ein Maß ABL. Drechsler, m., spUtmhd. drehsler m. dreier Finger breit»), spätmhd. drUinc m.; Dreck, m. {-es, PI. -e, -er) : Um-einigkeit ; Dreipfennigbrötchen. Vgl. auch Drell, Drü- als wertlos Verachtetes. Mhd. drec (Gen. lieh, Drilling,, dritte. ZUS. Dreieck, n. dreckes) m. «ausgeworfener Unrat von Men- i Mhd. driecke als Adj. dreieinig, adj.: als sehen oder Tieren: dazu ndl. drek m., anord. 'ein Wesen, in drei Personen bestehend. Im 377 drein drillen 378 17. Jh., während das dazu gehörige Dreieinig- 1 Jceit schon mhd. als drieinekeit vorkommt. dreierlei, aneinandergerückte Gen. PI. als Adv. (s. -lei). dreifach, adj., bei Luther, j dreifaltig, dreifältig, adj., mhd. dnval- fec. Davon Dreifaltigkeit, mhd. drivalte- j keit f. Dreifuß, m.: dreifüßiges G-estell. mhd. driinio^ m. Dreimaster, m.: Schilf mit drei Masten ; steifer länglich dreieckiger '' Hut (bei Campe 1807). dreißig, Zahlw. , (s. -zig), mhd. dri^ec, dri^ic, ahd. dri^uc; da- | zu asächs. thrltig, ndl. dertig, afries. thntich, ' SLgs.prüig, engl.thirty, anord.ßrjätigi, schwed. . trettio, dän. tredive, got. ßreis tigjus. Davon ' dreiiSigste, Ordinalzahl, mhd. dri^igeste, ahd. ; dripcgösto. dreizehn, Zahlw., mhd. drizehen, \ ahd. drizehan, ndl. dertien, ags. preotyne, engl. thirteen, anord. ßrettän, schwed. tret&n, dän. treten. Davon dreizehente, Ordinalzahl, mhd. driz-ehende. drein, adv. Mhd. drin aus dar tu, ahd. ■ dara in. [ dreißig, s. drei. | dreist, adj. u. adv.: aus Zuversicht und Selbstvertrauen fui'chtlos. Aus dem Ndd., schon mnd. driste, drtst, asächs. thristi, ndl. j driest, ags. priste. Von Kluge unwahrschein- ' Hch zu lat. trlstis «traurig» gestellt, vgl. ! daorecren Osthoff Parercra 1, 163. Im Hochd. erscheint das Wort zuerst 1616 bei Henisch 760, 59 als dryste, driest, 751, 57 fg. als drieß, j dries, driessig, 1663 bei Schott el als driest, I dreist, 1691 bei Stieler als drüst, dreist, driest (dies ndd. driest noch bei Frisch 1741). Im 18. Jh. häufig in der Form dreust (zuerst 1711 bei Rädlein), die von Lessing 3, 307, Herder 1, 23, Weiße, Thümmel, Musäus, Schiller Fiesko 4, 14 gebraucht wird (auch noch bei Goethe Faust 6688 im Reim e7'- ; dreiisten); Adelung 1774 und Heynatz 1775^ haben dreist. ABL. Dreistigkeit, f. Mnd. j dristicheit, gebildet zu dem von drist ab- geleiteten Adj. dristich. Stieler 1691 hat Driestigkeit, Rädlein 1711 Dreustigkeit. \ dreizehen, s. drei. \ drell, s. drall. Drell, m. (-S, PI. -e): leinenes Gewebe i aus dreifachen Fäden. Aus dem Ndd, (mnd. im 15. Jh. drei). Vgl. Drillich. D. ist nach [ Bnigmann Abb. Sachs. Ges. d. Wiss. 25 No. 5 S. 34 aus drinal entstanden, entsprechend einem ahd. zwinal, zwinel, zivenel «gemellus». dreschen, v. Prät. drasch und drosch, | Part, gedroschen: mit dem üblichen Werk- zeucre die Frucht aus den Hülsen schlafen. Mhd. dreschen, ahd. drescan; dazu ndl. dor- schen, ags. perscan (beide mit Umstellung des r), engl, thrash, thresh auch «prügeln», aisl. pryskua, schwed. tröska, dän. tärske, got. priskan. Verwandt sind ht. tresinti «schlagen» oder trasketi «rasseln», abg. treskü «Ki'ach». Vgl. auch die entlehnten ital. tres- care, afi-anz. trescher «tanzen», span.-port. triscar «mit den Füßen unruhig sein». Die Grundbed. scheint also «lärmend mit den Füßen stampfen» gewesen zu sein ; das Ge- treide wu-rde früher ausgetreten. Das V. wird von Voß dröschen geschrieben. Das Prät. lautet mhd. drasch, PI. dräschen, da- neben (vgl. das im Ahd. belegte dhruscun) druschen, nach diesem PI. schon älternhd. neben drasch, drusch {drusche Schupp 1, 397) und drosch, Schottel S. 582 setzt drasch und drosch an, ebenso Stieler und Bödiker, Gott- sched und Adelung geben der Form drosch den Vorzug, doch hat sich drasch daneben erhalten. Zuweilen auch schwache Flexion des V., bei Luther im Präs. (Imp. dresche Mich. 4, 13), später manchmal im Prät. {dreschte Haller Ged. 106). ABL. Drescher, m. {-s, PI. wie Sg.), spätmhd. dr escher m. ZUS. Dreschflegel, s. Flegel. dressieren, v. : abrichten, einschulen. Aus franz. dresser, ital. dirizzare, eig. «gerade richten, wohin richten», abgeleitet von einem aus lat. directus «gerade» abgeleiteten, aber nicht nachweisbaren mlat. directiare. Bei Sperander 1728. ABL. Dressur, f. Bei Campe 1813. Driesch, m. n. f. {-es, PI. -e): zu Gras- wachs undHutung ungepflügt liegendes Acker- land, auch als Adj. driesch «brach». Ein ndd. u. rhein. Wort mit anlaat. d für hochd. t und schwankendem Vokal. Mndl. driesch, 1475 clevisch dryesch, mnd. drisch, drisch, auch in mrhein. Quellen (Diefenbach-Wülcker 369, Crecelius 297) drisch, dris, jetzt hessisch dreisch (ei aus ie), drisch, schwäb. dreisch, nd. dresk, dresch (im brem. Wb. 1, 263 drusk). Dunkler Herkunft. ABL. Drieschliug, m.: Champignon. \A:loc\ex\^ch.dryeslyng. Häufiger Drüschling (1546 bei Bock Druschling «daruml:) das sie auff den druschen gern wachsen»). d rieseln, s. auch aufdrieseln. Drift, s. Tnft. ^drillen, v.: kreisend hemmbewegen. Frühnhd. Ein mhd. *drellen ist aus dem starken Part. Prät. gedr ollen «rund gedreht. 379 drillen droheu 380 drall» zu erschließen; es ist wahrscheinlich ! aus dredl- entstanden und gehört zu drehen. ' Doch ist in drillen wohl noch ein andres Wort eingeflossen, das dem däu. trille, schwed. trilla «rollen, wälzen», engl, trill entspricht (s. Triller) ; dies ist wahrscheinlich aus trizl- < entstanden und gehört zu nd.-md. triseln, s. aufdrieseln. Häufig trillen geschrieben ; (bei Bürger, Voß, Schiller, Rückert). S. auch | drall und drollig. "drillen, v.: bohren; überlästig plagen, quälen, necken. Auch trillen (bes. in der 2. Bed.). Aus ndd.-ndl, (schon mndl.) drillen «bohren», dazu engl, tlirill «bohren», dän. (aus dem Nd.) drille, schwed. drilla. Eig. mit ^drillen identisch. Die 2. Bed. schon im mnd. drillen (auch ndl. und dän.-schwed.); sie könnte auch aus drillen «drehen» abge- leitet werden, indem sie vielleicht urspr. eine Strafe für oferinffe Versfehen, das Ge- drehtwerden im Drehkäfig, dem Driller (Triller), bezeichnete. ZUS. Drillbohrer, m. (-s): mittels einer Schnur in Bewegung gesetzter Bohrer der Stein- und Metallarbeiter. Aus dem Ndd., auch ndl. drillhoor f. ^drillen, v.: zum Soldaten einüben. Wohl aus ^drillen hervorgegangen. Schon am An- fang des 17. Jh. (Soltau Volksl. 2, 298 V. J. 1606.) So auch ndl. drillen. Drillich, Drilch, m. (s, PI. -e): leinenes Gewebe aus dreifachen Fäden. Spätmhd. drillich m., aus dem mhd. Adj. drillicli, drilch, ahd. drilih «dreifach, dreifädmig», das Nach- bildung des gleichbed. lat. trilix (Gen. tri- licis) ist, vgl. Zwillich. S. auch JDrell. ^Drilling:, m. (s, PI. -e): zu gleicher Zeit mit zwei andern Kindern von einer Mutter geborenes Kind; dreiläufiges Jagdge- wehr. Nach Zwilling gebildet, bei Stieler 1691, während früher Dreiling gesagt wurde, vgl. ndl. drieling. Schwed.-dän. trilling wird direkt von anord. ßrennr «dreifach» abgeleitet. "Drilling, m. (-s, PI. -e): zweischeibiges Triebrad einer Mühle. Von ^drillen. Bei Adelung 1774. drin, adv. Mhd. drin, gekürzt aus dar in, ahd. dar inne. Vgl. drein. dringen, v. (Prät. drang, Part, gedrungen) : mit treibender Gewalt sich bewegen, dann sich bewegen machen (wie drängen). Mhd, dringen, ahd. dringan; dazu asächs. dringan, ndl. dringen, ags. pringan, anord. pryngva, got. preihan (aus *ßrinhan). Der Lautver- schiebung gemäß übereinstimmend mit lit. trenkti «dröhnend stoßen», tranksmas m. «dröhnendes Getümmel». Das Prät. mhd, dranc, PI. drungen kommt im 17., 18, Jh. auch als drung vor. ABL. dringentlicli (von dem Part. Präs. gebildet), bei Wieland 18, 64, von Adelung 1793 noch nicht er- wähnt, dringlich, adj. u. adv. Frühnhd, (1482 im Voo. theut. f2a). driune, adv. (Luther Jer, 32, 43. Goethe 31, 208). Mhd. drinne, gekürzt aus dar inne, ahd. dar inne. Vgl. ^dar und inne, sowie drin. drinnen, adv. (schon bei Luther), ge- kürzt aus darinnen. Vgl. ^dar und innen, mhd. innen, ahd. innana, vinän. Drischel, m. {-s, PI. wie Sg.) und f. (PI. -n): Dreschflegel. Veraltet (noch jetzt obd.). Mhd. drischel, ahd. driscila f., dazu ags. perscel m. Von dreschen. dritte, Ordnungszahlwort zu drei. Mhd, dritte, ahd, dritto; dazu asächs. thriddio, ndl. derde, ags. ßridda, engl, third, anord. ßride, schwed.-dän. fretZie, got.ßridja. Es entspricht genau lat. tertius (aus Hritjos) (gr, rpiToc, aind, trtljas weichen etwas ab), oder lit. trei'as, abg. tretiji «dritter». Davon drittens, adv. Hervorgegangen aus dem schwachen Gen. dritten mit angetretenem adverbialischen s. Zuerst bei Nieremberger 1753, von Adelung aber noch als ein Wort des gemeinen Lebens bezeichnet. ZUS. drittehalb, dritthalb 2^/.,, 'spätmhd. drithalp. Dritteil, gekürzt Drittel, n., mhd. dritteil n. droben, Raumadv., gekürzt aus dar oben (voc. ex quo 1469, dar oben noch bei Herder zur Lit. 15, 77). Bei Luthei-, Goethe (l, 93 da d., 16, 59 dort d.). Dafür mhd. dar obe, drobe (s. oben). Droge, f. (PI. -n): Spezereiware. Aus dem gleichbed. franz. drogue, ital.-span.-port. droga f., das gewöhnlich mit engl, drug auf das ndl. droog «trocken» zurückgeführt wird, also eig. «getrocknete Ware». Um 1600 entlehnt (Hulsius Schifi'. 9, 42 Drogen). ABL. Drogist, m. [-en, PI. -en): Spezereiwaren- händler. Aus franz. droguisfe, ital. droghista m. Um 1600 {Drogist Hulsius Schift'. 3, 19, Triigist Moschei'osch Phil. 1, 344). drohen, v. : zu erkennen geben, daß man etwas Übles antun wolle. Mit der Nebenform dräuen, mhd. drömcen, dreuwe^i, dromoen, ahd. drewen, drottwen: dazu asächs. thröön (in githröön), ags.prean. Die alte Verbindung mit lat. torvus «wild, finster» ist unsicher. Eher gehört das Wort zu gr. TirpöiCKeiv 381 Drohne Drossel 382 «verwunden, schädigen». Ygl. noch Karstea Beiträge zur germ. Wortkunde 1 ff. Neben dieser altem Form wurde auch in engrer Anlehnung an das Subst. mhd. (^neben drouwe) drö, ahd. (neben drawa, drouwa) drö, droa f. (danach bei Rückert 1, 458 altertümelnd Drohe f.), mhd. dron, auch schon ahd. dröan geschaffen. Luther gebraucht nur dreiven, dräuen, was auch sonst im 16. Jh. das ge- wöhnliche ist; dron, drohen sind selten (bei Dasypodius, Maaler nicht angeführt); Henisch kennt auch drohen und im 17. Jh. wird diese Form die übhche, doch erhält sich dräuen in der poetischen Sprache. ABL. Drohimg, f. Mhd. dafür drmicunge f., ahd. draivunga, dröunga f. Drohne, f. (PI. -n)-. Bienenmännchen, Bi-utbiene. Mit o für urspmngliches a aus dem Xdd., schon asächs. drän, ags. drän f., engl, drone, dän. (aus dem Xdd.) drone. Das "Wort kommt schon im 16. Jh. bei Nord- deutschen vor (Thronen Eollenhagen Froschm. 2, 3, 7) und wird von Schottel 1663 als Drone f. angesetzt; Stieler, Ludwig, Rädlein, Frisch aber kennen diese Form nicht und noch Adelung bezeichnet sie als ndd. Die urspr. hochd., noch in Österreich und Sachsen üb- liche Form des Wortes ist Trene f. (bei Das3'podiusl537 tren, bei Maaler 1561 tränm., noch bei Adelung Thräne), mhd. trene, tren, ahd. treno m., mit asächs. drän ini Ablaut stehend. Zu griech. revöprivri f. und xevGpribibv m. «eine Bienen- oder Wespenart», dvöprivri f. und dvöprjbdiv m. «wilde Biene», lakon. öpüjvaE m. «Drohne». dröhnen, v.: erschütternd tönen. Aus dem Ndd., schon mnd. dronen: dazu ndl. dreunen, anord. drynja, das zu drynr, got. drunjus m. «Schall» gehört. Weiter ver- bindet man gr. Gpfivoc m. «Totenklage, Klage- lied», aind. dhränati «tönt» (im Dhätupatha). Das Wort dringt im 17. Jh. ins Hochd. ein (drönen bei Schupp 1, 20, auch von Schottel 1663 verzeichnet), ist aber im 18. noch nicht völlig eingebürgert: nach Adelung ist es nur im Niedersächsischen einheimisch, und Kindleben 1781 nimmt es als mundartlichen Ausdruck mit auf. Drohnng, s. drohen. drollig, früher droUicht (Lessmg 1, 106), adj. u. adv.: wegen Sonderbarkeit ergötzlich. Aus dem gleichbed. ndd. drullig, ndl. drollig, abgeleitet von ndl. drol m. «Kegel, Klumpen, Knirps, Possenmacher», zu ^drülen «drehen». Daraus sind auch entlehnt engl, droll «Schalk», franz. dröle «possierlich». Zuerst bei Schottel 1663 und Krämer 1678 verzeichnet. Ein älteres nhd. drollicht {drollet bei Hans Sachs) bedeutet «mnd gedreht, rundlich, drall» (^so noch bei Geliert 3, 279). Das mhd. trolle, trol m. «plumper Mensch, Tölpel, Ungetüm», dazu anord. troll, troll n. «Dämon» scheint nicht dazu zu gehören, s. auch Trulle. Dromedar, m.n. (-s, Pl.-e): einhöckeriges Kamel. Mhd. tromedar, dromedar m., aus lat. dromedärius m. eig. «Schnelläufer» von gi\-lat. dromas (camelus) «Dromedar», gr. bpoudc «laufend». S. Trampeltier. Drommete, f.: Trompete. Alt und dichterisch, bei Luther Dromete, s. Trompete. ABL. drommeten, v.: die Trompete blasen. Bei Luther. Droschke, f. (PI. -n): vien-äderiges Miet- fuhrwerk. Aus gleichbed. xnass. droski, poln. drozka f. um 1800 übernommen. Ygl. ZfdW. 8, 124. 879. Dröselei, f. (Goethe 5, 178): Tiftelei. Von dröseln, s. aufdrieseln. Drossard, m. (-s): Drost (s. d.). Das ndl. drossaard m. Bei Schiller 7, 217. ^Drossel, f. (PI. -/*): Art größerer Sing- vögel. In der jetzigen Form aus dem Ndd. Rhein., schon im 11. Jh. in andd. Glossen drossela, mittelrhein. im 11. — 12. Jh. drosla (ZfdA. 6, 331. 277), im 15. Jh. im Voc. ex quo drossel, drussel, druyssel, 1475 clevisch droissel. Die gewöhnliche mhd. Form ist droschet, ahd. dröscala f., abgeleitet von ahd. drösca f.; hierzu mit abweichendem Vokal ags. Prysce f., engl, thrush. Eine 3. Form ist mhd. drostel (1482 im Voc. theut. f 3* trostel) f., dazu ags.pröstlet., engl. throstle(aus*ßramst) vmd ohne das ableitende l (mit abweichendem Vokal) anord. pröstr ( Ans'prastu-) m. Im Nhd. überwiegt zunächst Drostel (bei Oberdeut- schen) und Dröschet, Henisch 1616 hat auch Drossel, Schottel 1663 und Stieler 1691 Drossel neben Droschel, Ludwig 1716 Drossel neben Droschel, Drostel: doch setzt noch Frisch 1741 Drostel (bei einigen Drossel, Droschel) an, das auch noch von Voß (Horaz Ep. 1, 15, 41) gebraucht wird, während Adelung nur Drossel zuläßt. Es besteht wohl Ver- wandtschaft mit lat. turdus m., mlat. turdela f. «Drossel», lit. sträzdas m. «Drossel». Ver- wandtschaft mit gr. CTpoüGoc m. «Sperling» ist zweifelhaft. Doch vgl. Solmsen Idg. Forsch. 13, 138. Indes ist nicht völlig klar, in welchem 383 Drossel drum 384 Verhältnis die deutschen Formen zu diesen Worten und untereinander stehen. 2 Drossel, f. (PI. -n): Kehle. Veraltet. Mhd. dru^^el, drü^^el m., von dem gleiehbed. mhd. dfOßße f. m., ahd. drog^a f.; dazu ags. ßrofu f., engl, throat, auch wie im Hd. weiter- gebildet throttle «Kehle». Daneben steht mit anlaut. s mhd. stro^ge f. «Kehle», dazu andd. strota, ndl. stroot f., auch entlehnt ins Ro- manische (ital. strozza f. «Kehle»). ABL. drosseln, v. (Lessing 2, 237, Goethe 16, 176. 49, 1, 88), häufiger erdrosseln, v.: an dem Halse würgend töten. Um 1480 im Voc. ine. teut. d 5^ droßlen. Drost, m. {-en, PI. -enj : Amtshauptmann, Landvogt (früher in Hannover). Das ndd. droste, spät-altndd. drossete, ndl. drost, afries. drusta, latinisiert drossatus, auch anord. dröttseti m., übereinstimmend mit dem hd. Truchseß (s. d.). S. auch Drossard. ABL. Drostei, f.: Bezirk oder Wohnung eines Drosten. drüben, adv., zu dem gleiehbed. altern drüber gebildet nach dem Verhältnis von drunten zu drunter. 1711 bei Rädlein. drüber, adv., gekürzt aus darüber (s. "dar). Druck, m, {-es, PI. -e): Wirkung durch Schwere, drängende Kraft; das Auftragen einer Schrift mittels der Presse, sowie das Aufgetragene selbst. Mhd. druc (Gen. druckes, PI. drücke), ahd. druc (Gen. drucches) m. ; dazu ndl. druk m., ags. prycc m., schwed. tryck, dän. tryk n. Von drücken, v.: durch Schwere, drängende Kraft einwirken. Refl. sich drücken auch s. v. a. «sich zurückziehend gering machen»; «sich still wegbegeben» (aus der Studentensprache bei Augustin 1795). Daneben drucken, jetzt nur noch vom Auf- tragen einer Schrift, von Figui-en, Bildern u. dgl. mittels einer Presse (also Bücher, Zeuge u. dgl. drucken). Beide Verba gehen zurück auf mhd. drucken (obd.), drücken, spätmhd. (wie älternhd.) auch trucken, trücken ahd. drucchen ; dazu ndl. drukken, ags. ßryccan, anord. prykja, schwed. trycka, dän. trykke. Drucken ist eine Intensivbildung (vgl. schmü- cken zu schmiegen) zu anord. ^r%a «drücken», das wohl mit lit. trükti «entzweireißen, entzweigehen», träukiti «zerren» zu ver- binden ist. Von Büchern steht drücken seit 1460 — 70 und hat sich in dieser Bed. in der obd. Form festgesetzt (daneben anfangs drücken), weü die ältesten Druckorte meist auf obd. Gebiet gelegen sind. Auch in andrer Bed. wird obd. anfangs drucken (trucken) gebraucht, md. aber meistens drücken. So hat Luther in der Bibel meist drücken, aber Prät. druckte, Part, gedruckt, wie auch Clajus Gramm. 162 ansetzt. Drucken in der Bed. von drücken erscheint noch bei Rädlein 1711, Ludwig 1716 und Nieremberger 1753, während Frisch 1741 und Adelung wie jetzt unter- scheiden. Doch hat noch Goethe öfters drucken = drücken gebraucht, altertümelnd auch noch Rückert (z. B. 1, 297. 3, 13). ABL. 1) von drücken: Drücker, m. (-s, PI. wie Sg.): Werkzeug zum Drücken. Bei Stieler 1691, 2) von drucken: Drucker, m. (-s, PI. wie Sg.). Bei Brant im NarrenschiflE" 65, 64 drucker. Davon Druckerei, f. (bei Brant 103, 99 truckery f.). Drucker, m., als Malerausdruck: Pinsel- strich von tiefer, starker Farbe zur nachdrück- lichen Hervorhebung, aufgesetzter Schatten. Bei Sulzer 1773. drucksen, v. (Goethe Jery 12): zurück- haltend langsam wozu sein. Als Frequen- tativ von drucken = drücken gebildet. Von Adelung 1774 als neues Wort aufgeführt. ABL. Druckser, m., bei Goethe 1, 143. Drude, f. (PI. -n): Hexe, Zauberm, Un- holdin. Spätmhd. irute f. (dazu dän. drude, goÜänä.druda «liederliches Frauenzimmer»?), älternhd. drute, drutte. Falls das anlaut. t des mhd. Wortes auf d zuiückgeht (wie in tausend) könnte Verwandtschaft bestehen mit anord. ßrüdr f. «göttliches Wesen, Walkyre, Jungfrau», eig. «gewaltige», zu prüd- (in Zusammensetzungen) «Kraft, Macht», ßrüdugr «gewaltig», ags.ßrydt «Kraft, Stärke» (auch in Zusammensetzungen). Verwandtschaft mit traut ist nicht recht wahrscheinlich, ZUS. Drudenfuß, m.: dreifaches ineinander ver- schlungenes Dreieck als Fünfwinkelzeichen. Spätmhd. trutenvuoß m. Druder, f. (PI. -n): wie eine Latte zu gebrauchende Stange; Dachlatte; Querlatte im Weinberg. Am Mittelrhein. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. truoder (auch drudel Weisth. 1, 453 v. J. 1449, bei Alberus Dict. Nn. S'' der PL trudeln). Vielleicht aus lat. trudis f. «Stange». Druide, m. (-w, PI. -n): altkeltischer Priester. Aus dem kelt.-lat. PI. drüidae und drüides, von keltisch (gälisch) draoi, draoidh, druidh «Druide». drum, adv., gekürzt aus darum (s. d.), schon mhd. drumbe, drumme. 385 dnmten Duckmäuser 386 drunten, adv., gekürzt aus daninten (bei Luther 6, 393* Jen. darunden, Jes. 14, 9 drun- den), mhd. derunden und ohne auslautendes n dar unde, spät.-ahd. diruntini, s. ^dar. drunter, adv., gekürzt aus darunter (s. ^dar\ schon mhd. drunder. Drusch, m. {-es, PI. -e und Dräsche): Handlung des Dreschens; das Ausgedroschene. 1776 bei Krünitz 9, 563. ^Druse, f. (PI. -n) : löcheriges, yei-wittertes Erz, leerer Raum im Gestein, dessen Wände mit Kristallen bedeckt sind. In der Berg- mannsprache des 16. Jh. (1546 bei Georg Agricola drusen «Höhlchen der Adern und Klüfte», 1562 bei Mathesius Sar. 45^ usw.). Wohl zu Drüse gehörig, vgl. Liebich Btr. 23,226. .-LBi^. drusig, adj. 1557 bei Bechius vom Bergkwerck 56 drußig. "Druse, f. (PI. -n): in Gestalt kleiner Kristalle angeschossenes Gestein, czech. di-uza f. 1727 bei Hübner. ^Druse, f. (PI. -n)-. Geschwüi-; Drüsen- geschwulst mit Xasenausfluß des Pfei'des (so auch ndl. droes m.). S. Drüse. Drüse, f. (PI. -n): schwammiger Körper- teil zur Absonderung gewisser Feuchtigkeiten. Mhd.-ahd. druos f. (daher unser Druse) imd mhd. drüese, ahd. druosi f., auch s. v. a. «eichelartige Geschwulst, Beule, Geschwür» (daher die Verwünschung daß dich die Drüs! «daß dich die Pestbeule, die Pest befalle!»). Dunkler Herkunft. JJBL. drüsig, adj. Drusen, PI.: Bodensatz, Hefe. Veraltet, noch im Alem. Mit d für ursprüngliches t aus mhd. truosen, ahd. truosana f. «beim Keltern zuerst abfließender Schaum», dann «Bodensatz, Hefe»; dazu ndl. (/roesem m., ags. drösne f. «Bodensatz, übriggebliebner Rest von Gekeltertem, Trester». Verwandt mit Trester, s. d. Das gleichbed. engl, dregs, apreuß. dragios scheint Ausfall eines h zu erweisen. Eine 3. Ablautstufe neben Druse und Trester zeigt Schweiz, trost «Überreste im Bienenstock», schwäb. tros, trost «Hefe», preuß. dross, drost «Hefe, Wachs», drusig, s. Druse, drüsig, s. Drüse. Dschonke, f. (PI. -n)-. SchiflF. Aus dem Chines. 1703 im Zeitungslex. Juncke. Dschungel, m. (-s, -n), eigentlich nur im Plural Dschungeln. In neuster Zeit durch das Englische aus dem indischen jangalas m. «menschenleere Gegend» entlehnt. du, Personalpronomen der 2. Person. Mhd. du (betont du, duo), ahd, du; dazu Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. asächs.-afries. thu, nöl.du, ags.-anord.-got. ^, engl, thoii, schwed.-dän. du. Der Lautver- schiebung gemäß stimmend zu lat. tu, gr. cu (dorisch Tü), aind. tvam, lit. tu, abg. ty. Die übrigen Kasus sind: Gen. dein (s. d.); Dat. dir, mhd.-ahd. dir (mit r aus s), got. ßus: Akk. dich, mhd. dich, ahd. dih, got. ßuk. Dual, m. (-5, PI. -e): Bezeichnung des Numerus, der die Zweizahl ausdrückt. Aus lat. duälis «von zweien, zwei enthaltend», zu ergänzen numerus «Zahl». Neuere Ent- lehnung. Von lat. duälis ist abgeleitet Dualismus, m.: HeiTSchaft von zweien. Bei Kant. Dublette, f. (PI. -71): Doppelstück, z. B. zweimal in demselben Besitze befindliches I Stück (Buch usw.), zwei auf einmal erlegte I Stück Wild. Aus dem gleichbed. franz. doublet m., von double (s. doppel). Im 18. Jh. entlehnt. Duhlone, f. (PI. -n): eine Goldmünze, . Doppeldukaten. Aus dem gleichbed. franz. doublon, und dies aus span. doblon m., von double (s. doppel). Um 1600 entlehnt (Do- I hlone Albertinus weibl. Lustg. 46, Dublone 1 Zincgi-ef 1, 309). Goethe gebraucht dafür I auch Double (12, 8) oder Duhbel (12, 35). ' Ducht, f. (PI. -en): Ruderbank. See- männischer Ausdruck, aus dem Xiederd. ent- I lehnt, wo er im mnd. belegt ist. Das cht j ist aus ft entstanden. Die hd. Form ist I Duft, aus ahd. dofta f. «Ruderbank» (mhd. • nicht belegt): dazu mndl. dofte, dochte, anord. ßopta f, und die Zusammensetzimgen ahd. gidofto, ags. gepofta, an, ßofti m. «Genosse I auf der Ruderbank, Genosse». Nach Schade I zu lit. tupeti «hocken». Unsicher. ducken, v. : jemand niederdrücken; sich j niederwärts zusammenbiegen. In dieser Bed. häufiger refl, sich d. Mit d für urspriing- liches t (noch bei Frisch 1741 tucken) aus mhd. tucken, tUcken «eine schnelle Bewecrunor j machen, besonders nach unten». Verwandt I mit mhd. tüchen «tauchen» (s. d.), zu dem j d. Intensivbildung sein wird. Luther ver- j wendet ducken und tucken, und auch sonst ; erscheint ältemhd. oft ein umgelautetes ducken, tucken: noch Freyer 271 verlangt \ ducken, Adelung hat nur ducken. Duckmäuser, auch Tnckmäuser, m. (-s, I PI, wie Sg.): hinterlistig Heimlicher; Kopf- hänger. Bei Brant NarrenschifF 105, 19 ducket- I muser, von dem spätmhd, Verb tockelntüsen ! «Heimlichkeit treiben», zusammenges. aus 25 387 Duckstein dnmm 388 dem mit tuckeln (s, d.) zusammengehörigen tockel- und einem mhd. mnsen «langsam und leise gehen» (s. -mausen). Im 16. Jh. er- scheinen die Formen dockmeuser (z. B. bei Hans Sachs Fastn. 6, 183) und (mit Anleh- nung an Tücke) tückmeuser (Alberus Dialog. E 3^), Henisch 1616 hat duckmauser: du ekel-, dockehnäuser u. ä. noch jetzt im Schwäb.- Alem. ABL. duckmäuserig, auch duck- mäiisig, adj. (1669 bei Giimmelshausen Simpl. 476 dockmäusig). Dafür duckmäusisch bei Fischart die Gelehrten 638, tockmeuserisch 1697 bei Thomasius Schlitten 1, 367. duck- mäusern, v., fi-ühnhd. duckmausen {dock- mawsent bei Hans Sachs Fab. 204, 104). Duckstein, m.: Tuffstein, s. Tuff. dudeln, v.: auf einem Blasinstrumente schlecht blasen. Wohl gebildet nach poln. dudliö «dudeln», von dem PI. dudy «Sack- pfeife», 1651 bei Mich. Franck dudeln, bei Stieler 1691 dudeln. ABL. Dudelei, f. Im 18. Jh. Dudeldei, m. {-s): unbedeutende Kleinigkeit, Spottgeld. Im 18. Jh. ZUS. Dudelsack, m.: Sackpfeife, bei Stieler 1691. Duell, n. (-S, PI. -e): Zweikampf. Aus dem gleichbed. lat. duellum. In der 1. Hälfte des 17. Jh. entlehnt (Moscherosch Phil. 1, 109; bei Schottel 1267 als m.). ABL. duellieren, refl. V. Aus mlat. duellare. Bei Krämer 1678. Duellant, m, (-en, PI. -en): Kämpfer in einem Zweikampf. Aus duellans (Gen. duel- lantis, dem Part.-Präs. von duellare. 1694 bei Nehring. Duett, n. (-es, PI. -e) : Gesang zu zweien. Aus dem gleichbed. ital. duetto m., abgeleitet von due «zwei». Bei Adelung 1774. duff : matt, glanzlos, dumpf. Bei Campe. Niederdeutsch. Dazu ndl. dof. Wahrschein- lich mit toben verwandt (s. d. und Duff). Düffel, m. (-S, PI. wie Sg.): ein zottiger WollenstoflF. Neue Entlehnung aus dem gleichbed. ndl.-engl. duffel, das von dem Orte Düffel bei Antweqjen seinen Namen hat. Duft, m. {-es, PI. Düfte): gefromer Dunst; feine Ausdünstung; feiner Geruch. Mit d für ursprüngliches t (Rädlein 1711 kennt noch tufft f.) aus mhd. tuft m., seltener f. «Dunst, Nebel, Reif, an Bäumen usw. han- gender gefromer Dunst», alid. einmal duft «Frost»; ins Ndd. eingedrungen duft «übler Geruch», woher dän. duft «Geruch». Dazu anord. dupt n. «Staub», norweg. duft, dyft f. «Mehlstaub». Das Wort ist wohl weiter verwandt mit aind. dhüpas m. « Rauch ei" werk. Rauch»; kaum gehört das Wort zu ndl. dof, ndd. duffig «dumpfig, feucht, matt». Vgl. Much ZfdW. 2, 286. ABL. duften, früher auch duften, V. Mhd. tiiffen (noch bei Rädlein 1711 tüfften). duftig, adj. Finihnhd. tüftig, düftig. düfteln, s. tüfteln. Dukaten, m. (-s, PI. wie Sg.): Gold- münze. Aus spätmhd. ducate m., von mlat. ducatus, ital. ducato m.; der Name daher, weil ein italienischer Herzog (ital. duca m.), man sagt der König Roger II. von Sizilien, als Herzog von Apulien zuerst, und zwar 1140 diese Münze mit der Inschrift sit tibi, Christe, datus, quem tu regis, iste ducatus prägen ließ. Früher auch Ducat f. (Giimmels- hausen 4, 134 Kurz). dulden, v.: -näUig oder ergeben zu- oder auf sich lassen. Mhd. dulden, diäten, ahd. dulfen, dazu ndl. dulden: abgeleitet von mhd. - ahd. dult f. (s. Geduld). Dies geht zurück auf mhd. doln, ahd. dolen, dolon «dulden»; dazu asächs. tholian, tJiolon, afries. tholia, ags. polian, engl, thole. anord. ßola, schwed. täla, dän. taale, got. Jmlan. Diese stimmen in der Wui'zel überein mit lat. toleräre «er- tragen», tuli «ich habe getragen», gr. T\f|vai «auf sich nehmen», aind. tuldjati «hebt auf», lit. tiUti «schweigen»: die Grundbed. ist «tragen, ertragen». ABL. Dulder, m. (-s). Erst in der Dichtersprache des spätem 18. Jh. (bei Klopstock), bei Adelung 1793 (noch nicht 1774) als von einigen neuern Schrift- stellern versuchtes Wort angeführt, duld- sam, adj. Bei Henisch 1616 dultsam. Dul- dung, f. Bei Henisch 1616. Dult, f.: Jahrmarkt. Bayrisch. Urspr. durch ü-gend ein örtliches Fest (z. B. Kirch- weih) veranlaßt oder mit einem solchen in Verbindung stehend. jVIhd. tult, ahd. tidd f., dazu got. dulps f. «Fest, Feier». Wie sich apreuß. tuldlsnan «Fest» dazu verhält, ist unklar. Dulzinea, f. (PI. Dulzineen und- -s): Liebchen, GeUebte, eigentüch der Name der Geliebten des Don Quichotte Dulcinea von Toboso. Im 18. Jh. eingebüi-gei't. dumm, adj. (Komp. (/»»imer, ^vi^.dümmst): an Verstand imkräftig, zu Einsicht und Kenntnis unfähig; kraftlos, verdorben (Matth. 5, 13); ärgerlich, unangenehm. Altemhd. meist mit ursprünglichem t tumm (tumb) imd tJmmm (thumb, bei Luther thum); Stieler, Steinbach, Frisch setzen tumm an, das auch noch bei Günther 18, Brockes 1, 158, Haller 67 389 dninpf dunkel 390 und zuweilen selbst bei Lessing steht. I»a- gegen spricht sich Bödiker Sprachl. für duuim aus, dem Rädlein, Ludwig usw. folgen. Mhd. himp fflekt. tumher) «unklug, uneirfahi-en (ohne Welt- und Menschenkenntnis), unge- lehrt», ahd. tump «stumm, taub, stumpfsinnig, töricht»; dazu and. ditmfe « dumm, unnütz '>, ndl. domh, ags.-engl. dumh, anord. dumbr, schwed.- dän. dum, got. diimhs (stummj. Die vertretenen Bedd. «taub, stumm» lassen an «stumpfsinnig» als Grundbed. denken; als verwandt haben zu gelten taiih, toben (s. d.). Aus dem Griech. ■«-ird TuqpXöc (für *euq)\öcj «blind» verglichen (xg\. dazu anord. dumha f. «Xebel, Finsternis», eig. Blindheit?). Doch sind auch andere Er- klärungen möglich, vgl. J. Schmidt Kritik 65, Siebs KZ. 37,^311. ABL. Dummheit, f. Mhd. tumpheiti., and. dunqihed. Dümmling, m. (-S-, PI. -e). Spätmhd. tummeUng m. ZTJS. Dummfeart, m.: Dummkopf (Bürger 323). Aus dem Xdd. (1755 bei Richey Idiot. 46 ange- führt). Dummerjan, Dummrian, m.: Dumiukopf. Bei Seb. Franck Spricbw. 2, 49^^ noch in zwei Worten dummer Jan. Jan ist die ndd. Form von Johann. Dummkopf, m. Bei Nieremberger 1753. dumpf, adj. u. adv.: feucht moderig: den Schall beengend, tief und gedämpft; (bezüg- lich des Gefühlslebens^ ohne klare Besinnung. Erst im 17. Jh. (1678 bei Krämer der Komp. dumpffer, aber noch nicht bei Schottel 1663 und Stieler 1691), hervorgegangen aus dem altem Xd}. dumpfig, dumpficht, schon im 15. Jh. dumjjfig «engbiüstig», 1668 bei Schottel, 1691 bei Stieler s. v. a. «schimmelig», 1711 bei Rädlein «engbrüstig, feucht, schimmeHg», 1716 bei Ludwig «betäubt, feucht, muffig, heiser», auch ndl. dompig «enge, finster, feucht». Dies Adj. gehört zu mhd. (bei X. v. Jeroschin) dttmpfe m. «Dampf» (vom warmen Blut), ' nmd. dumpe «catarrhus», bei Schottel, Stieler Dumpf m. «Schimmeb, sowie zu mhd. dumpfen, dumpfen «dampfen, ersticken». Zu mhd. dimpfen, timpfen und dampf, tampfd. Dampf ). Die Grundbed. ist wohl «durch Rauch, Dunst beengend, feucht riechend, feucht», dann «eng- brüstig», weiter mit IJbertragung auf das Gehör «heiser, hohl»; diese Bed. ist Adelung i bei dump ficht geläufig, während er sie bei dumpf nur aus der neuern Dichtersprache kennt. ABL. Dumpfheit, f. Xoch nicht bei Adelung 1793, aber von Goethe öfter gebraucht, dumpfig, früher auch dumpficht, | adj., s. oben. 1 Dune, s. Daune. Düne, f. (PI. -n): Sandhügel an der Meeresküste. 1616 bei Henisch Duni. Auf- genommen aus dem ndd. düne f., mnd. saiit- dune f., ndl. duin m. «Sandhügel»; dazu ags. dün f. «Hügel», engl, down «Sandhügel». Schon ahd. aus dem Xd. entlehnt düna f. «Vorgebh-g». Verwandt ist air. dün «Hügel» (aus dem dann zäun [s. d.] entlehnt wii-d i und vielleicht gr. 9ic, Gen. öTvöc f. «Sand- hügel am Meer». Dünung, f. (PI. -en): starke Wellenbe- wegung des Meeres bei verhältnismäßig stillem Wetter. Aus dem ndd. und weiter aus fries. dining «starker AVeUengang der See», ndl. deining f. «Brandung, heftige Bewegung der See». Herkunft unbekannt. • Dung, m. (-es, PI. -et: Stoß' zur Besserung des Bodens und zui- Pflanzennahrung. Älter- nhd. auch mit dem ui-spiiinglichen t tung. ]Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. tunge (auch tünget), ahd.tungaf. und tungln f. «Düngung», vgl. auch mhd.-ahd. tunc f. «im Wiiiter mit Mist bedeckte miterirdisehe Webstätte/ ; dazu afries.-ags. düng f., engl, düng «Dünger». Her- kunft unsicher. VieDeicht zu gr. Tctqpoc «Grab» (aus *9d(poc), lit. dengti «bedecken», vgl. Zu- pitza Gutt. 99. Das M. erst bei Steinbach 1734 (neben dem F. Dung) imd Frisch 1741, fi-üher Dung f. (bei Henisch 1616, bei Grim- melshausen Simpl. 31 Tung) und das um- gelautete Dünge f. (1540 bei Alberus Dict. AA2^ düng, noch Rädlein 1711 hat Düng, Ludwig 1716 Dünge, das noch von Heynatz 1796 angefühlt wird). Auffallend ist die obd. Nebenform Dumm. ABL. düngen, v., ältemhd. auch tüngen (Lohenstein Cleop. 6 ), mhd. tungen. tüngen; dazu ags. dyngan, engl. düng. Dünger, m. (-s), spätmhd. tunger. dunkel, adj. u. adv.: des Lichtes er- mangelnd. Bei Luther und sonst ältemhd. mit dem ursprünglichen t tunkel (z. B. bei den schlesischen Dichtem, noch bei Ludwig 1716). Mhd. tunkel, ahd. tunchaJ. tunkal: dazu anfr. dunkal, schwed.-dän. (entlehnt) dunkel. Daneben mit andrem Suffix älter- mhd. tunker wie asächs. dunkar, mnd. dunker, ndl. donker, afries. diunker, und ohne Ab- leitung und mit abweichendem Vokal afries. diunk, anord. d^kkr (urspr. dinkwa-). Dunkler Herkunft. Vielleicht wurzelvenvandt mit aind. dhväntds ::dunkeL , gr. öcivaroc m. «Tod». Davon substantiviert Dunkel n., bei Luther tunckel n., mhd. dafür tunkel f., ahd. tunchali. 25* 391 Dünkel düpieren 392 fiiukaU f. ABL. Dunkelheit, f , mhd. funkelkeit f. dunkeln, v.: dunkel werden, mhd. ttmkeln, alid. tunclmlen. Dünkel, m. (-s): herabsehende hohe Meinung von sich. Bei Luther diinckel und (hmckel, funckel «Bedünken, Einbildung»; auch bei Henisch 1616 Dunckel. Die jetzige Bed. zuerst bei Schottel 1663, aber erst um die Mitte des 18. Jh. allgemein üblich. Ge- bildet von mhd, dune m. «Bedünken» (da- neben auch dunkel- in dnnkelbilde n., vgl. mnd. dunkelgöd «dünkelhaft»), zu dünken (s.d.). ABL. dünkelhaft, adj. u. adv. Noch nicht bei Adelung 1793, aber 1774 von Klopstock gebraucht. dunkeln, v. (Goethe Faust 2630). Dunkelheit, dunkeln, s. dunkel. dünken, v. (Prät. auch däuchte, Part. gedäuclit): nach Ansehen und Bedenken wahr- scheinlich sein, nur unpers. mich (mir) dünkt imd refl. sich d.: von sich der Meinung sein. Mhd. dünken (im Obd., auch noch frühnhd.), dünken, ahd. dünken; dazu and. thunkian, ndl. dünken, ags.pijncan, engl, fhink, anord.pykkja, schwed. tycka, dän. tykke, got. ßugkjan. Mit mhd. dune m. (s. Dünkel) im Ablaut zu denken und Dank (s. d.) stehend; verwandt ist lat. tongere «kemaen», pränest. tongitio «Kenntnis», osk. tanginüd «Meinung». Das Prät. lautet mhd. dühte, Konj. diuhte, Part, gedüht, daneben auch dünkte, gedünkt Nhd. entwickelt sich aus dem Konj.-Prät. deuchte ein Präs. deucht (s. däuchten); als dessen Prät. gilt dauchfe, das im 18. Jh. veraltet, aber noch von Klopstock, Voß, Bürger gebraucht wird, da- für dann däuchte, das auch noch als Prät. von dünken (neben dünkte) empfunden wird, uiid das Part, gedäucht dünn, unverkürzt (bei Luther, jetzt na- mentUch noch poetisch) dünne, adj. u. adv.: von geringer Dicke, von geringemUmfang; (von Flüssigkeiten) leicht fließend. Mhd. dünne, ahd. dunni; dazu and. thunni, ndl. dun, ags. pynne, engl, thin, anord. Jtunnr, schwed. tunn, dän. fynd. Der Lautverschiebung gemäß über- einstimmend mit lat. tenuis «dünn, zart», gr. Tavu- (in Zusammensetzungen) «gestreckt, lang, schlank», ravaöc «lang», air. tana, abg. tinükn, aind. tam'is «lang, schmal, dünn». Zu dehnen (s. d.), also Grundbed. «ausge- dehnt». ABL. Dünne, f., mhd. dünne, ahd. dunni f. dünnen, v., mhd. dünnen «dünn machen» (daneben «dünn sein», ahd. dünnen). Duns, m. (-es, PI. -e) : von Gelehrsamkeit Aufgeblasener, eig. sich in Grübeleien und überfeinen Spitzfindigkeiten gefallender Ge- lehrter. Wohl von dem Philosophen Joannes Duns Scotns (f 1308), der die auszeichnende Benennung doctor suhtüis erhielt. Vgl. engl. dunce «Dummkopf», das ebenfalls auf Duns Scotus zurückgeht. Ei'st gegen die Mitte des 18. Jh. vorkommend. dunsen (Voß Ovid Nr. 49, 201), s. auf- gedunsen. Dunst, m. {-es, PI. Dünste): feine auf- steigende in der Luft schwebende Flüssigkeit; dicke verdorbene Luft; feinstes Schrot (1727 bei Hübner); feinstes Mehl. Selten Dunst f. (Geliert verm. Schriften 1, 23). Mhd. dunst, urspränglicher tunst m., md. auch f. «Aus- dünstung, feuchter Dampf», aber ahd. tunisf, dunist, dornst m. «üngewitter, Sturm» (noch Schweiz, dunst, düst, tust «Wind durch Er- schütterung, z. B. von einer Kanonenkugel, Lawine, vom Einsturz eines Hauses»). Da diese Bed. (Staubwind) als die urspmngliche anzusehen ist, wird das Wort auf dieselbe Wz. zurückgehen wie aind. dhvaß- «zerstieben», dhvastis f. «das Zerstieben». Vgl. Dust. Daß Duft dazu gehört (wie mhd. verminst neben Vernunft, vernuft steht) ist wegen der ahd. Formen nicht wahrscheinlich. ABL. dunstig, früher auch dunstig (noch bei Wie- land Idris2,53), adj. Mh.d..dunstec «dampfend», ahd. (!Mms%«stürmisch». dunsten, dünsten, V.: Dunst von sich geben, dampfen; zum Dampfen bringen. Mhd. dunsten, dünsten nur als Intrans. ZUS. DunstkreiS, m.: der einen Himmelskörper zunächst umgebende Luftkreis, Atmosphäre. 1754 bei Reimarus vornehmste Wahrh. d. natürl. Eel. 259. Dunzel, f. (PI. -li): lebhaftes, munteres, ausgelassenes Mädchen ; leichtfertiges Mädchen. Aus franz. donzelle (und dies aus ital. donzella), Span, doncella f., das auf mlat. dom{i)nicella, eine diminutive Bildung von doniina f. «Herrin, Frau» zuräckgeht. Am Mittelrhein (Maler Müller 1, 229). Duodez, n. (-es): (urspr.) Format, wenn der Bogen in 12 Blätter gefalzt ist, die Zwölftelgröße, (jetzt) kleines Format; in Zusammensetz, lächerlich klein. Aus lat. in duodecimo (duodecimus «der zwölfte»). Bei Sperander 1727. dupfen, s. tupfen. düpieren, v,: täuschen, überlisten. Um- bildung von gleichbed. franz. duper, das un- bekannter Herkunft ist. Bei Roth 1791. 393 dupliereu Durchlaucht 894 duplieren, v.: verdoppeln. Aus dem gleichbed. lat. dupläre. 1478 bei Nicl. v. Wyle 349, 20. Dazu Dupllk, f. (PI. -m): die Entgegnung des Beklagten auf die Replik des Klägers. Aus franz. gleichbed. duplique f., einer Ableitung von dupliquer, das aus lat. duplicäre «verdoppeln» stammt. 1710 bei Xehring noch in franz. Form. Duplikat, n. (-6-, PI. -e): Abschrift eines Schriftstücks. 1728 bei Apinus duplicata. Duplum, n. {-s, PI. Dupla) : das Doppelte. Aus gleichbed. lat. duphim. Davon in duplo*. doppelt. Beides 1728 bei Apinus. Dur, s. Moll. durch, adv. sowie präp. mit Akk. : so, daß Trennung da ist; in — hin und aus — (z. B. er geht durch die Tür = in die Tür hin und aus ihr): von einem Ende bis zum andern hin : auf Ursache oder Wirkung von — . 5Ihd. durch, dur, alid. dunih, durah durh: dazu asächs. thurh, ndl. door, deur, ags. ßurh, engl, through und thorough «durchaus», da- neben mit anderni Ablaut got. pairh, dem ahd. fZeWt« durchbohrt» (vgl. derha «r)tfnung») entspricht. Wegen der Bed. ist noch got. ßairkö f. «Loch, Öhi-» und ahd. durhil, mhd. dürhel, dürkel «durchlöchert» heranzuziehen, j Falls der auslaut. Guttural in (/. als ableitend betrachtet werden kann, ist gr. xepeiv, ropeiv «durchbohren», gr. xpdjYA^n f. «Loch, Hölüe» als verwandt anzusehen. In der Zusammen- setzung hat d. mit Substantiven verbunden den Hauptton, z. B. Dnrchgatig, Durchlaß; mit Verben verbunden nur dann, wenn es von diesen in der Flexion getrennt werden kann, z. B. durchbrechen, ich breche durch, durchgebrochen usw.; ist es aber untrennbai', so ruht der Hauptton auf der Stammsilbe des Verbums, das dann im Part.-Prät. ge- nicht annimmt, z. B. durchbrechen, ich durch- breche, durchbrochen usw. Auch als erstes Wort in der Zusammensetzung mit Partikeln, hat durch den Hauptton nicht, sondern diese erhalten ihn, z. B. durchaus, durchhin usw. durchaus, adv.: (veraltet) hindurch und auf der andern Seite heraus; bis zum Ende (bei Luther); ganz und gar; unter allen Um- ständen, schlechterdings (bei Ludwig 1716). durchbrennen, v.: mit Brand durch- dringen oder durchdrungen werden; davon- laufen. Diese Bed. taucht um 1840 in der Studentensprache auf (zunächst «die Univer- sität verlassen») und ist wenig später auch in die Umgangssprache eingedrungen. durcheinander, adv., Zusammem-ückung von durch und einander (s. d.). Schon bei Keisersberg. Davon Durcheinander, n. (Schiller Eäuber 2, 3). Durchfall, m. (s): die bekannte Krank- heit. 1711 bei Rädlein. Von durchfallen, v. : durch eine Öffnung fallen; (bei einer Bewer- bung usw.) nicht bestehen. Diese Bed., die Lessing 8, 413 aus «der gemeinen Spi'ache» anführt (auch Adelung 1774 vei'zeichnet sie) sreht zuiiick auf die schon fmhnhd. Redens- art durch den Korb fallen, was eig. auf den Liebhaber, der im Korbe zum Gemach seiner Geliebten emporgezogen wii-d, geht (vgl. DW. 5, 1802) und die Bed. «bei der Liebes- werbung keinen Erfolg haben» hat. Durchgänger, m. (s, PI. wie Sg.): Aus- reißer. Ursprüngl. von Soldaten, so 1691 bei Stieler. Jetzt von Pferden und flott lebenden Menschen gebraucht. durchgängig, adj. u. adv.: von Anfang bis zu Ende, ohne Unterschied. Bei Nierem- berger 1753 als Adv. «überall», bei Adelung 1774 auch als Adj. Nicht das mhd. durch- gengic, ahd. duriihgengic «einen Durchgang habend», abgeleitet von mhd. durchganc, ahd. dnruhganc m., sondern eine jüngere Bildung, die sich au durchgehen anlehnt. Älter ist das gleichbed. durchgehends, genetivisches Adv^ Bei Krämer 1678, Durchlaucht, f.: fürstliche Person. Als hoher Titel schon zu Anfang des 16. Jh. Substantivierung des Adj. durchlaucht: fürst- lich erhaben. Dies ist urspr. Pai't, Prät. von durchleuchten, mhd. durchliuhten «dui'ch- strahlen», Part, durchliuhtet, geküi'zt durch- linkt, das seit dem 14. Jh. als Ehrenbeiwort iürstlicher Personen für das lat. illustris (das in der spätem römischen Zeit Ehrenbezeichnung von Beamtenwürden war) steht; daneben namentlich md. (mit Einführung des Rüek- umlauts) durchlüht. Älternhd. findet sich durchleucht und durchlaucht, entsprechend beim Subst.; Durchleucht, das noch 1741 von Fx-isch angesetzt wird, während es Adelung 1774 nur «aus einigen Gegenden» kennt, noch bei Schiller Kab. 1, 6. ABL. durchlauchtig, adj. Mhd. durchliuhtec «durchscheinend, strahlend, hellglänzend», spätmhd. durchliuhtig , durch- lühtig als Titel, älternhd. auch durchlauchtig (1722 bei Freyer 47), durchleuchtig (1741 bei Frisch). Davon Durchlauchtigkeit, f. 'Spidmhd.durchlühtigkeit als Ehrentitel. Später durch das einfache Durchlaucht zurückge- 395 Durchmesser dürr 396 drängt, nach Adelung nur Kanzleiwort (doch noch bei Schiller WaU. Lag. 11). Durchmesser, m.: eine gerade Linie, die eine Figui- in zwei gleiche Teile teilt. Als Übersetzung von Diameter m., gr. bid- |Li€Tpoc f. 1670 bei Joh. Christoph Sturm teutscher Archimedes. durchs, zusammengezogen und verschleift aus durch das. Mhd. durch ^. dnrche^ aus durch da§. Durchschlag, m. {-es, PI. Durchschlage) : siebartiges Gerät zur Absonderung des Flüs- sigen, Feinem vomGröbern: Kopie der Schreib- maschine. Spätmhd. durchslag m., von dvrch- slahen, ahd. duruhsiahan « durchlöchern, durch- drücken». Durchschnitt, m. {-es, PI, -e): Durch- schneidimg (1561 bei Maaler); eine durch- schneidende Linie (Beleg voll 1684 beiGombert 8, 9), im 17. u. 18. Jh. Durchmesser (1653 bei Harsdöröer mathem. Erquickstunden 3, 394); Darstellung eines durchschnitten gedachten Gegenstandes (bei Ludwig 1716): Mittelzahl, Mittelwort (Brockes 3, 233). ABL. durch- schnittlich, adj. u. adv. (nach der letzten Bed. von Durchschnitt). In der neuern Sprache. Durchsicht, f.: Blick dm-ch etwas hin- durch; zu einem solchen Blick geeigneter Ort; prüfendes Durchlesen. Erst bei Stein- bach 1734. Gebildet von dem Adj. durch- sichtig, mhd. durchsihtec. durchstankern, durchstänkern, v.: in kleinHcher Weise durchsuchen, eig. durch- schnüffeln, durchriechen. S. stankern. Im 17. Jh. in Mitteldeutschland (z. B. bei Weise Hauptverd. 28), aber von Geliert 4, 20 als nicht schriftsprachHches Wort geiiigt. Durchstecherei, f.: in heimUchem Ein- verständnis mit andern bewii'kte Betrügerei. Bei Frisch 1741 aus älterer Quelle belegt. Von dem älternhd. mit eitlem durchstechen (noch bei Lessing 10, 209): mit einem andern Betrügerei heimlich verabreden, eig. wohl '• Tor m. (s. d.). ABL. duselig, dusselig (Goethe 27, 371), adj. Dazu ndl. duizelig «schwindelig», duseln, dusseln, v.: betäubt sein, schlummern : geistesbetäubt, geistesdumpf handeln. Dazu ndl. duizelen «schwindehg sein». ZUS. Duseltier, n. : Schimpfwort in Nordd. düsseln, v.: leise reden (ScbiUer 1, 343); sich still verhaltend worauf sinnen (Schüler Piäuber 1, 2). Aus dem Schwab.- Alem., wo düsle neben düseme steht, vgl. dus. Mhd. tü§ «stni», tü§en «stül sein», tützen, ahd. tutzea «zum Schweigen bringen» {^.verdutzt) sind wohl fernzuhalten. Dust, m. i-es): Staub. Bei Goethe Faust 1116 und 6758. Aus dem Ndd. (mnd. dust m. «Staub, Spreu», daher bei Schottel 1663 dust «Dampf, Rauch»); dazu ndl. duiM n,, ags. dust, engl, d^ist, anord. dust n. «Staub». In allen diesen Formen ist n vor s weg- gefallen, das Wort ist also eig. mit Dunst (s. d.) identisch. düster (mit u), adj. u. adv.: dunkel, tmbe, Uchtlos. Aus dem Ndd., schon mnd. dnster: dazu asächs. thiustri, ndl. duister, afries. thius- tere, ags. pystre, peostre «dunkel». Kaum entsprechend dem von thimm (s. Dämmer) abgeleiteten asächs. thimstar, ahd. dimstar (s. finster), wiewohl sich ein Übergang zeigt in ältemhd. dünster (von dumpfem Geklingel, Simpl. 3, 98, 31 Kurz). Das Wort ist im 16. Jh. hochd. noch selten, Luther hat ver- einzelt düster, Mathesius tuster, Henisch 1616 duste)', im 17. wird es häufiger (z. B, Mo- scherosch Phil. 2, 585), auch von Schottel und Stieler verzeichnet, doch weist es noch Adelung 1793 den gemeinen Mundarten zu. Jetzt ins Pfalz, und Schwab.- Alem, als duster eingedrungen, hess.-nass, mit regelrechter Ent- wicklung des alten Ti zu eu deuster. Davon Düster, n. Am Ende des 18. JIi. (Voß 2,233). ^-Bi^, Düsterheit, daneben D»5/em- heit, f. Bei Stieler 1691. düstern, v.: düster werden (Goethe 6, 182, unpersönlich 8, 19), düster machen (Goethe 16, 352), Ndd. im 15. Jh. dustern. Düsternis, f. Ndd. u. md. im 15. Jh. düster nis. Düte, s. Tüte. 399 Düttcheu Eber 400 Düttchen, s. Deut. Dutzend, n. (-5, PI. -e): zwölf an der Zahl. Spätmlid, totzen, tutzen n., woraus mit angetretenem Dental tutzend, dutzend, früher auch tutzet, dutzet Aus dem gleichbed. franz. douzaine, ital. dozzina f., woraus auch ndl. dozijn n., engl, dozen. duzen (mitw), v.: mit du anreden. Mhd. duzen, duzen (woraus älternhd. auch dauzen), abgeleitet von du. ZUS. Duzbruder, m., frühnhd. (Ringwald getr. Eckh. F 4). dwatsch, s. tivatsch. Dynamit, n. (-s): sehi- starker Spreng- stoff. Ein 1867 von A. Nobel gebildetes Wort, abgeleitet von gr. büvainic f. «Kraft, Gewalt, wirkendes Vermögen», das auch sonst noch in vielen wissenschaftlichen Fremdwör- tern wie Dynamik, Dynamomaschinen usw. auftritt. Einzelne davon schon im 18. Jh. Dynast, m. {-en, PI, -ew): abhängiger Machthaber eines kleinen Landes. Aus gr.-lat. dynastes, gr. buvctcTric m, «Machthaber». Bei Roth 1791. ABL. Dynastie, f.: Herr- schergeschlecht. Aus gr.-mlat. dynastia, gr. buvacxeiaf. «Macht, Herrschaft». Bei Wächtler 1711. Dys-, aus gr. buc- «schlecht» entlehnte Vorsilbe, mit der viele Fremdworte zusammen- gesetzt sind, z. B. Dysenterie, f. (PI. -n)-. Ruhr. Aus gleichbed. griech. buc-evxepia f., dessen zweites Glied «Inneres» bedeutet. 1710 i bei Nehring. Dyspepsie, f. : schlechte Ver- dauung. Aus gr. buc-TreH^ia f. «Unverdaulich- keit». 1727 bei Hübner. Ebbe, f.: regelmäßig weichende Meerflut: (bildhch) Leere nach Abfluß. Aus dem Ndd., mnd. ebbe i., andd. in ebhiunga f.; dazu ndl. ebbe f., afries.-ags. ebha m., engl, ebb, (entlehnt) schwed. ebb m., dän. ebbe. Das echtnor- dische Wort in dän. evje, aisl. efja f. «Moor, Schlamm». Da das e umgelautet, vielleicht zu ahd. aba «weg von» — (s. ab), abuh «abgewendet» (s. äbicht), also «die abge- wendete, zurückweichende Flut», oder zu aber, aber «leer, trocken». Vielleicht aber auch eine alte Zusammensetzung *ap-ijä «das Zurückgehen des Wassers». Vgl. auch Wiede- mann Bezz. Btr. 28, 74. Jedenfalls ist das Wort alt. Bei Henisch 1616 als sächsisch, dann bei Schottel 1663 als hd. verzeichnet. ABL. ebben, v., mnd. ebben, and. in firebben «verwallen, wallend weichen (von Zorn)», mhd. (vereinzelt im Md.) eppen, ags. ebbian. eben, adj.: geradlinig, ohne merkliche Er- hebung und Vertiefung. Mhd. eben, ahd. eban; dazu asächs. etan (and. emnia), ndl. even, ags. efen, engl, even, anord. jafn, schwed. jämn, dän. jävn, got. ibns, vielleicht ans *ininos (wwwird zu bn) und zu lat. aemulus «nacheifernd», imitor «komme gleich», imägo «Ebenbild», gehörig, vgl. Walde s. v. Davon das Adv. eben: gleichmäßig; genau; in diesem Augen- blicke. Mhd. ebe7ie, ahd. ebano. ABL. Ebene, f., mhd. ebene, ahd. ebani, ebem f. ebenen, ebnen, v., mhd. ebenen, ahd. ebanön; dazu anord. jafna, schwed. jämna, während got. ibnjan (in ga-ibnjan) andere Ableitung zeigt. Vgl. auch neben. Ebenbaum, m.: ein Baum, der ein feines steinhartes schweres schwarzes Holz hat, das Ebenholz. Mhd. ebboum, meist in lat. Form ebenus, aus gr.-lat. ebenus f. «Ebenbaum und Ebenholz», gi\ ^ßevoc f., dies aus hebr. hob- mm, dem PI. von hobni statt obni «steinern», von ojben d. i. eben «Stein». Ebenbild, n.: genau Entsprechendes. Mhd. ebenbilde n. — ebenbürtig, adj.: aus gleichem Stande geboren. Mhd. eben- bürtic. — ebenfalls, genetivisches Adv. : in übereinstimmender Weise mit dem Vorher- gehenden. Bei Stieler 1691 ebenfalls, 1598 bei Albertinus Sendschreiben 3, 158^ ebens- falls, 1652 bei Gombert 8, 10 ebenes Falls. Ebenmaß, n.: Gleichmaß. Mit Wechsel des Geschlechts (s. Maß) aus mhd. ebenmä^e, ahd. ebanmä^a f. ABL. ebenmäßig, adj, u. adv., mhd. ebenmcegec, adj. Ebenholz, s. Ebenbaum. Ebenist, m. {-en, PI. -en) : Tischler, der ein- gelegte Arbeit (urspr. Ebenholzarbeit) macht. Aus franz. ebeniste, ital. ebanista m., von lat. ebenus f. (s. Ebenbaum). Bei Roth 1791. Ebenteuer, s. Abenteuer. Eber, m. {-s, PI. wie Sg.): männliches Schwein. Mhd. eber, ahd. ebar, ebur m., dazu and. evur-, ags. eofor, anord. jöfurr m. (über- tragen «Fürst, 'König») und weiter lat. aper, abg. vepri m. «Wildschwein». Vgl. Walde s. v. 401 Eberesche eckig 402 Eberesche, f.: Vogelbeerbaum, der der Esche ähnlich ist. Eberasch bei Cordus 1534, Eberaschen 1588 bei Camerarius 161, Eber- esche 1599 in Colers Hausbuch 15, 22. Eber- könnte hier auf Aber- zurückgehen, Avie auch mxm^divxMch. Aberesche vorkommt (1652 schle- sisch bei Scheröer Abresch), d. h. unechte, geringwertige Esche, doch vgl. auch im 15. Jh. eberboum, es hängt daher das Wort eher mit ir. ibar «Eibe, Eberesche» zusammen, vgl. Schrader Reallexikon S. 784. Eberhard, Mamaesname, ahd. Eburhart, zusammengesetzt aus Eber und Jiart «stark». Eberwurz, f.: die auf den Bergen wach- sende Kreuz-, Karlsdistel. Mhd. und spät- ahd. ebervmrz f. Ebritz, m. {-es): die Aben-aute (s. d.). 1482 eberitz (Voc. theut. f 5'') neben eber- tcurz. Mit Anlehnung an Eber aus der gr.- lat. Benennung abrötannm, gr. äßpörovov n. ebsch, s. äbicht. echappieren, v. : entwischen. Aus gleich- bed. franz. echapper, zusammenges. aus e, lat. ex «aus» und cJwpe aus mlat. cappa «Be- deckung», also «aus der Bedeckung, dem Ge- fängnis herauskommen». 1710 bei Behring. echauffieren, v. : erhitzen. Meistens refl. sich e. Aus gleichbed. fi-anz. echauffer, das auf lat. excalfacere «erhitzen» zurückgeht, zusammenges. aus ex und cal-facere «warm machen». 1710 bei Nehring. Echo, n.: Widerhall. Aus gr.-lat. eclw, gr. rixiü f. Schon im 16. Jh. entlehnt, zu- nächst als F. (Fischart Garg. 63), was bis ins 18, Jh. noch vorkommt (Schiller 6, 303), dann im 17. Jh. auch Mask. und Neutr. (s. Gombert 8, 10). ABL. echoen, v.: wider- hallen (von Goethe gebildet, Faust 9598). Echse, f. (PI. -n): eine den Schlangen verwandte Art von ReptiUen. Ein von den Naturforschern um 1840 aus Eidechse fälsch- lich abstrahiertes Woi-t. echt, adj. u. adv.: ehelich; probehaltig als das, was es sein soll. Aus dem Ndd., mnd. und mndl. echte (daher nndl. echt m. «Ehe»), dann auch ins Ostmitteldeutsche ein- gedrungen, wo es durch die aus dem Sachsen- spiegel abgeleiteten Rechtsbücher mehr und mehr in Umlauf kam. Es entspricht (mit Zusammenziehung und Ersatz des ft durch cht) dem mhd. and. ehaft «gesetzlich, rechtsgültig, ehelich geboren», afries. äft (daher äfte f. «Ehe»), abgeleitet von e f. «Gesetz» (s. Ehe). Das Wort fehlt noch bei Luther und in den We i g a n d , Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Wörterbüchern des 16. Jh., erscheint 1616 bei Henisch in der Rechtsformel e. und recht, im 17. Jh. sich dann weiter verbreitend. Stieler 1691 schreibt (mit Anlehnung an achten) acht, was auch später üblich bleibt, dagegen er- klären sich Freyer und Adelung für e. ABL. Echtheit, f, erst bei Adelung 1793. Eck, n. {-es, PI. -en), meist Ecke, f. (PI. -n): hei-vorstehender scharfer oder spitzi- ger Teil eines Körjjers; innerer Raum, wo Flächen zusammenstoßen: (in nordd. üm- gangsspr.) eine geringe Entfernung {ein Eck- chen bei Weiße Jagd 1, 11). Mhd. ecke, egge f., selten ecke n., ahd. ecka f.; dazu asächs. eggia, ags. ecg f., engl, eäge, anord. egg f. «hervorstehende Spitze wovon. Schneide der Waffe.. Das Wort entspricht genau lat. acies f. «Schneide, Schärfe», zu dem viele andere Worte gehören wie acuere «spitzen, schärfen», acus f. «Nadel», gr. ctKri f., otKic f. "Spitze», s. auch Ahne, Ähre. Das N. Eck kommt, wie auch Adelung angibt, wesenthch dem Obd. zu (daher auch 1561 bei Maaler, während es Stieler u. a. nicht kennen), all- gemein jetzt in Drei-, Viereck usw. ABL. ecken, v.: Ecken bilden: an die Ecke stoßen, z. B. in anecken. Spätmhd. ecken auch «als Ecke hervorstehen, in eine Ecke bringen». eckig, früher eckicht, adj., mhd. eckeht. ZUS. Eckstein, m.: Stein emer Ecke; ein ein Bauwerk tragender Stein unter der Ecke : in der Spielkarte das franz. caiTeau. Mhd. eckestein m. in der 1. Bed. Ecker, f.: Eichel; Spielkax'te mit dem Zeichen der Eichel: Buchel (in Buchecker). Mhd. eckern und ecker n. «Frucht der Eiche oder Buche», md. und ndd. auch ecket' f., daneben ohne Umlaut (der eig. dem PI. an- gehört) ackeran, ackeram n. m. (PI. eckern); dazu ndl. aker m., ags. cecern n., engl, acom «Eichel», anord. akarn n., dän. agem «Wald- frucht», got. akran n. schlechtweg «Frucht», zu Vymr. aeron «Früchte», eirynen «Pflaume», kom. aeran «Pflaume», ir. äirne «Schlehe» (Zimmer bei Zupitza Gutt. 213), aber nicht zu Ackeii-, also eigentlich «wilde Frucht», sondern zu einer Wurzel äg «wachsen», zu der noch lit. üoga «Beere, Kirsche», abg. vin-jaga f. «Weinbeere» gehört. Vgl. Liden Idg. Forsch. 18, 503. Von Karten gesagt findet sich noch die Form Eckern, auch in Zusammensetzungen wie Eckerndaus; sonst ist (vom PI. die Eckern aus) das F. Ecker durchgednmgen. eckig, Eckstein, s. Eck. 26 403 edel Egge 404 edel, adj. u. adv.: von Geschlecht mehr als bürgerlich (von Adel); anerkannt ausge- zeichnet vor anderm seiner Art. Mhd. edele, edel, ahd. edili, durch Umlaut aus adali; da- zu asächs. edili, afries. ethele, ags. (Bdele, schwed.-dän. (aus dem Deutschen) ädel. Ab- geleitet von Adel (s. d.) in der Bed. «aus- gezeichnetes Geschlecht». ABL. edeln, v.: edel machen. Mhd. edelen, vgl. auch adeln. ZUS. Edelknabe, m.: adeliger Knabe, der dient um Eitter zu werden. Mhd. edel- knappe m. Edelknecht, m., mhd. edelkneht m. Hier hat Knecht die Bedeutung wie Knabe (s. d. und Knecht). Edelmann, m., mhd. (erst im 15. Jh.) edelman m., das Adj. edel- niännisch.1598 bei Albertinus Sendschreiben 1, 134''. Edelmut, m., erst bei Stieler 1691, während das Adj. edelmütig schon mhd. (in der Ableitung edelmüetecheit f.) vorkommt. Edelstein, m. : der zu Schmuck verwendete Stein, mhd. edelstein m., bei Luther mit Flexion von edel. Edelweiß, n.: Edelraute, filago leontopodium, eine Pflanze der Alpen. Edgar, Mannesname, engl, Edgar, ags. Eadgar; dafür ahd. Ötker (daher franz. Ogier). Von ags. ead, asächs. öd, ahd. ötn. «Besitztum, Vermögen», und Ger (s. d.) «Wuif spieß». Edikt, n.: landesherrliches Ausschreiben, Verordnung. Aus lat. edictum n. urspr, «Aus- sage, Befehl», dem als Subst. gebrauchten N. von edictus, dem Part. Perf. Pass. von lat. edicere «aussagen». In der frühnhd. Kanzlei- sprache (Reichs-Ordnungen 119 ** vom J. 1522). edieren, v. : herausgeben, bekanntmachen. Aus gleichbed. lat. edere. Schon in der 1. Hälfte des 16. Jh. geläufig (Schwartzen- bach Syn. 12 ä). Edition, f.: Herausgabe, Ausgabe (eines Buches). Aus lat. editio f. 1572 bei Rot. Edmund, Mannesname, engl. Edmund, ags. Eadmund, von ags. ead, asächs. öd n. «Besitztum, Vennögen», und Mund (s. d.) «Schutz». Eduard, Mannesname, engl. Edivard, ags. Eadweard, Vermögenswart (s. d. vor.). Efeu, m. (-s): Wintergrün, ein Ranken- gewächs. Selten Neutr., z. B. 1615 bei Alber- tinus Landstörzer 364 und 1735 bei Stoppe Pamass 32, noch seltener Fem. (1521 bei Judas Nazarei 26). Mhd. ephöii, ehehöu n., ahd. ebeheivi, ehihomvi n., daneben aber auch ehah m., ehahhi, spätahd. ebewe, ebowe n. und andere Formen (vgl. Björkmann ZfdW. 2, 226), so daß die erstem Formen wohl An- lehnung an mhd. höu, ahd. hewi, houwi er- fahren haben werden; dazu mnd. (mit löf «Laub» zusammenges.) iflöf, ndl. eiloof, ags, ifegn, ifig n., engl, ivy «Wintergrün». Die Grundlage des Wortes, das nicht mit Eppich (s. d.), mit dem es vermischt worden ist, aus lat. apium abgeleitet werden darf, ist dunkel. Hoops Idg. Forsch. 14, 484 vergleicht lat. i&ejc «Steinbock» unter der Annahme einer Grmidbedeutung «Kletterer». Ältenihd. findet sich die Form Ebheu (noch bei Schottel 1663), Epheu, und in dieser Form drang die Aus- sprache ph = f durch im 17. Jh., wie die Schreibung Efeu (Harsdörfer Gespr. 3, 406) zeigt. Sie stammt aus dem Ostmd., während sich Ebheu n. im Obd. erhalten hat, Effeif, n,, s. FF. Effekt, m. {-es, PI. -e): Wirkung, Er- folg. Aus lat. effectus m. «Ausführung, Wir- kung, Erfolg», von efficere «ausführen, be- wirken». Bei Rot 1571, ein Beleg von 1540 bei Gombert 8, 11. Eifekten, PI.: Hab- seligkeiten; Staatspapiere. Nach franz. les effets, aber im Laut an lat. effectus ange- schlossen. Von Gombert 8, 11 aus dem J. 1680 belegt. egal, adj.: gleichförmig; gleichgültig. Das franz. egal aus lat. aequälis. 1694 bei Nehring, Egart, f. : migebrochenes Grasland, Brach- land. Aus mhd. egerde, egorte f., ahd. egerda f. «Brachland». Unbekannter Herkunft, vgl, Lexer mhd. WB., Schweiz. Id. 1, 129, In Oberdeutschland noch volkstümlich, Egel, s. Blutegel. ■^Egge, f. (PI. -n): gewobene Leiste des Tuches, Seihende (s. Salband). Aus dem Ndd., mnd. egge f., nl. egge, eig. mit egge «Spitze, Kante» (s. Ecke) identisch. 1716 bei Ludwig angeführt, auch im 18. Jh, von nord- deutschen SchriftsteUem gebraucht. ^Egge, f. (PI. -n) : Zinkengerät zum Acker- bau. Spätmhd. ege f., so auch bei Luther, 1537 bei Dasypodius (aber das V, eggen), 1540 bei Alberus Dict. L 2^, auch noch häufig im 17. Jh. (z. B. Lohenstein Hyac. 69); bei Stieler 1691 Ege und Egge, ebenso bei Ludwig 1716, bei Frisch 1741 dagegen nur Ege und auch Adelung erklärt sich für Ege, da er in Egge eine niedersächs. Form sieht, wäh- rend Campe Ege, das noch vielfach in den Mundarten lebt, nicht mehr hat. Die Form Egge ist im Anschluß an eggen = egen (s. unten) geschaffen, schon mnl. egghe f. (nnl. egge, eg f.), egge 1495 in der Kölner Gemma, 405 Egoismus Ehehaften 406 ebenso hd. 1462 bei Mone Anz. 7, 154 fg., auch 1561 bei Maaler aus dem Scbweize- rischen, Egken 1577 bei Junius 194 **. Mhd. dafür gewöhnlich egeäe, ekle f. (das 1. noch alem.-schwäb., das 2. hess.), mnd. ebenso, md. 1517 bei Trochus QS*' eyden, ahd. egüla, and. egicla, ags. egede. egde f. Verwandt ist lat. occa f. (aus *oteka) «Egge», occäre «eggen», lit. aketi «eggen», dazu akic'os PI. «Egge», preuß. aketes, kom. oket, kynu-. oged «Egge» gr. öEivr). ABL. eggen, V. Älternhd. auch egen. Mhd. egen und eggen, ahd. egen, ecken (beide Formen aus *agjan). Egoismus, m.: Selbstsucht. Mit lat. En- dung aus franz. egoisme m., abgeleitet von lat. ego «ich». Bei Roth 1791. — EgOlSt, m. {-en, PI. -en): der Selbstsüchtige. Aus franz. egoiste m. Zu Anfang des 18. Jh. bei Chr. Wulff Vernunft. Gedanken § 944 Egoiste m.- als philosophischer Ausdruck. Davon egoistisch, adj.: selbstsüchtig. eh, Interj. des Auffordems, leichten Stau- nens. Wohl aus der franz. Interj. eh! Bei Xicl. V. Wyle ä. ehe, eh, l. adv. (jetzt fast nur mit kom- parativischer Endung eher): früher; lieber. 2. konj.: früher als, bevor. Mit Anfügung eines adverbiellen e (h ist dann hiatusfüllend zwischen getreten) aus mhd. e, geschwächt aus er, ahd. er, adv. (auch konj. und präp.) «früher»; dazu asächs.-afries. er, ndl. eer, ags. cer, engl, ere, got. airis «früher». Dies ist das Adv. des Komp. (mit abgefallener Komp.-Endimg außer im Got.) und steht neben dem adjektivischen got. airiza, ahd. eriro, mhd. irre, erre «der frühere». Der Positiv findet sich als got. air, ags. ter, anord. är, adv. «frühe». Vgl. auch erst und ehest, ehe gehört weiter zu gr. äpicxov n. (aus *äi€picTov) «Frühstück», fipi «in der Frühe», aw. ajard «am Tage». Die Form ehe in md. Quellen des 15. Jh., dann der Kanzleisprache geläufig, wird auch von Luther gebraucht (Dasypodius 1537 hat eh, Maaler 1561 ee). In dem Adv. eher ist die Komp.-Endung angefügt, bei Luther noch selten neben ehe, Stieler 1691 hat (S. 359) für das Adv. eher. Als Präp. ist ehe- nur noch in ehedem, ehedessen, ehegestern, ehemals (s. d.) erhalten. Ehe, f. (PI. -n): gesetzliche Verbindvmg von Mann und Weib, ^ßt Anfügung der Endung -e (h ist hiatusfüllend zwischen- geschobenj aus mhd. e, früher ewe f., ahd. eiva, ea f. «E-\vigkeit, endlos lange Zeit», (eig. seit undenklichen Zeiten geltendes?) «Recht, Gesetz, Vertrag», (dann, zuerst bei Xotker) «Rechtsverhältnis zwischen Mann und Weib», asächs. eo m. «Gesetz», afries. eiva f. «Gesetz» (unser Ehe ist im Afries. äfte f. wie ndl. echt m., s. echt), ags. ce, cew f. «Leben, Gesetz, Ehe», got. aiws m. «Zeit, Ewigkeit». Es entspricht lat. aevum n. «Zeit, Lebenszeit, Ewigkeit», aetas (aus aevitas) f. «Zeitalter», aeternus (aus aeviternus) «ewig», gr. aiiüv m. «Ewigkeit», aiei, aiec «immer», aind. ajus n. «Lebensdauer». Die Bed. «Ge- setz, Vertrag, Ehe» kann im Genn. entwickelt sein, vgl. Ding, doch trennen manche das Wort in dieser Bed. ganz und stellen es so zu aind. evas m. «Gang, Wandel, Sitte» oder recht unwahrscheinlich zu lat. aequus «gleich», wobei dann ein Guttural im Germ, ausge- fallen sein müßte. Vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 295. ABL. ehelich, adj. u. adv. :Mhd. elich: ahd. eoUh. elih ist «gesetzmäßig». Da- von ehelichen, v., spätmhd. elichen. ZUS. Ehebett, n. Bei Luther, ehebrechen, v. : die eheliche Treue verletzen, mhd. ebrechen. Davon Ehebrecher, m., mhd. ehrechcere, und Ehebruch, m., spätmhd. ehruch m. Ehefrau, f., mhd. evrouwe f. Ehegespons, m. n. {-ses, PL -n): s. Gespans. Ehehaften, PL: rechtsgültiges Hindernis. Mhd. ehafte, ahd. ehafti f. ist «Recht, Pflicht», abgeleitet von mhd.-ahd. ehaft «gesetzmäßig, rechts- gültig», s. echt. Ehehalt, Ehalt m.: Person, die vertragsmäßig der Dienstbote eines an- deren ist; PL Ehehalten «Hausgesinde». In Schwaben, Bayern, ÖsteiTeich. Mhd. ehalte, ahd. elialto m.: der das Gesetz Haltende, (a) das göttliche: «Priester», (b) das eines andern: «Dienstbote». Ehekrüppel, m.: gebrech- Hcher Ehemann. Bei Henisch 1616. ehelos, adj. u. adv. Bei Luther, mhd. elös ist «außer- halb des Gesetzes stehend». Ehemann, m., mhd. eman m. Ehepakten, PL: gegen- seitiger Heiratsvertrag. Bei Ludwig 1716. Vgl. Pakt. Ehestand, m. Bei Luther. ehedem, adv.: vor dieser Zeit. Erst bei Adelung 1774. Friiher dafür ehedes, ehe- ' dessen (Geliert verm. Sehr. 1, 24), mhd.-ahd. e des. ehe hier als Präp. wie häufig mhd. e. I ehegestern, adv.: vorgestern. Mhd. egester, spätahd. er-, egestere, egesteren, d. i. ' e, er als Präp. mit dem Dat. gester e, gesteren; dazu ndl. eergisteren, ags. cergistrandceg. Ehehaften, -krüppel, -lieh usw., s. Ehe. 26* 407 ehemals Ehre 408 ehemals, adv. Mlid. e mäles, d. i. e als Präp. mit dem Gen. von mal «Zeitpunkt» (s. Mal), bei Luther noch getrennt ehe mals. sonst auch ältenihd, ehenicd. ABL. ehe- malig, adj. Bei Stieler 1691. Ehemaun, s. Ehe. eheilder,adv. : eher. Oberdeutsch (älternhd. auch in der Literatui-, z. B. bei Albertinus, Grimmeishausen). Mit Anlehnung an ehe und angetretener Komparativendung zurückgehend auf mhd. end, ent, konj. «ehe, bevor», ahd. enti «früher»; dazu ags. end, anord. äär «vorher», lat. ante «vor» usw. Ehepakten, s. Ehe. eher, s. ehe. Vgl. auch wannehr. ehern, adj. : aus Erz bestehend. Bei Luther ehrn und (unter Einfluß von kupfern, steinern usw.) ehem. Aus mhd.-ahd. erin, abgeleitet von er, s. Erz. ehest, Superlativbildung zu ehe. In der Kanzleisprache des 16. Jh. Davon ehestens, adv.: in nächster Zeit. Entstanden mit an- getretenem s aus dem Gen. des ehesten (da- neben auch ältenihd. ehestes). Ehestand, s. Ehe. Ehre, f.: das Ansehen, das jemand auf Grund seiner Stellung oder seiner Vorzüge genießt, sowie die Bekundung dieses Ansehens durch andere, Auszeichnung; das auf dieses Ansehen begmndete Selbstbewußtsein. Schon bei Luther und DasyjDodius 1537 mit dehnen- dem h Ehre. Mhd. ere, ahd. era f.; dazu asächs. era f. «Ehre, Schutz, Gnade, Gabe», ndl. eere f., ags. är f. «Ehre, Glanz, Gnade, Hilfe», anord. eir f. «Gnade, Barmherzigkeit», (entlehnt) schwed. ära, dän. äre f. Got. wäre aiza f. anzusetzen, zu dem aistan «sich vor jemand scheuen, ihn achten» gehört, das mit lat. aestimäre «würdigen» verwandt ist. Dazu weiter gr. mboiuai «scheue, verehre», aibdic «Ehrfurcht, Scheu, Scham», und viel- leicht auch ai. ide «verehre, preise, flehe an». Doch bleiben lautliche Schwierigkeiten. Vgl. Walde s. v. Ehren, Ehrn vor Namen (z. B. Ehren Loth Bürger 226) gehört urspr. nicht hierher, sondern geht zurück auf mhd. ern (zum Nom. er), abgeschwächte Form aus herren (zu herre). ABL. ehrbar, adj. u. adv. Mhd. erhcere, dazu ndl. eerhaar. ehren, V., mhd. eren, ahd. eren, erön; dazu asächs. erön, ags. ärian. ehrlich, adj. u. adv. Mhd. erlich, ahd. erlih «anständig, herrlich, ehren- haft»; dazu asächs. erlik, ags. ärlic. Ehrlich bedeutet im altem Nhd., z. B. bei Luther, noch «ansehnlich, vornehm; redlich, ohne Falsch: ziemlich, anständig», während heute neben der allgemeinen Bedeutung «zuver- lässig in bezug auf fremdes Eigentum» die von «tüchtig, ordentlich, ziemhch» vorliegt. ehrsam, adj. u. adv., mhd.-ahd. ersam «ehr- bar», so auch im altern Nhd., besonders in Titeln üblich und dann im Gefühlswert sinkend. ZUS. 1) mit Ehr-: ehrerbietig, adj. u. adv. Schon im 15. Jh., wie auch Ehrerbietung, f. (Germania 28, 365), Ehr- erbietigkeit, f. 1562 bei Mathesius Sa- repta 131^. Von mhd. einem ere erbieten. Ehrfurcht, f., am Ende des 17. Jh. auf- gekommen (1698 bei Chr. Gryphius poet. Wälder 303), aber noch 1759 von Domblüth 139 als neu ersinnt bezeichnet. Dagegen das Adj. ehrfürchtig schon im 16. Jh. Ehr- geiz, m. Bei Luther, während sonst im Iß. Jh. noch oft Ehrgeit (Alberus Dict. cc 3*), s. Geiz. Davon ehrgeizig, adj., bei Luther, daneben ehrgeitig, wie bei Alberus und Maaler. ehrlos, adj. u. adv. Mhd.-ahd. erlös, ags. ärleas. Ehrsucht, f. Bei Luther. Ehr- WÜrde, f., im PI. Ehrwürden, Titel geist- licher Personen. Lu 16. Jh. Davon das Adj. ehrwürdig, mhd. ertvirdic, auch als Ehi-- bezeichnung für geistliche Personen üblich. 2) mit Ehren-: Ehrenamt, n., 1536 bei Polychorius fiueton iS^ ehrenämpter. ehren- fest*, adj. Spätmhd. erenvest als auszeich- nendes Beiwort. Ehrengericht, n.: Ge- richt, das -in Ehrensachen entscheidet. Bei Adelung, ehrenhaft, adj. u. adv., 1598 bei Sebiz Feldbau 404 ehrnhafft, dafüi- mhd. erhaft. Ehrenmann, m., frühnhd. (Murner Narr. 13, 74). Ehrenpreis, m., die (vor andern heilkräftige) Pflanze veronica. 1500 in Brunschwygs Kunst der Destillirung und 1540 in Bocks Kräuterbuch 76*^ erenhreiß, 1571 in Cai'richters Kräuterbuch und 1574 bei Fischart Gnom. 42 Erenwerdt, auch Grund- heil {Grundtheyl bei Fuchs 1542) und _He?7 aller Schaden, Heil aller Welt (schlesisch). ehrenreich, adj., mhd. erenrich. ehren- rührig, adj., frühnhd. Ehrcnsold, m., von Campe gebildet. ehreUTOll, adj., 1616 bei Henisch 811. ehrenwert, adj. u. adv,, bei Luther. Ehrenwort, n.: Aussage, für die man seine Ehre zum Pfände setzt, 1789 bei Ludwig; fiiiher in der Bed. «höfliche Redensart», 1661 bei Maaler Eerenwort, wäh- rend Henisch 1616 Ehrwort hat und schon 1512 Mumer Narrenbeschw. 88, 17 Erwort. 409 £i Eichhorn 410 Ei, u. [-es, PI. -er ) : sieh aus dem weiblichen Organismus ablösender, den Keim zu einem jungen enthaltender minder Körper. !Mhd. ei (PI. auch eiger), ahd.-and. ei, PI. eigir n.: da- zu ndl. ei, ags. ceg, engl, (aus dem Xord.) egg, anord. egg. schwed. ägg, dän. eg n., got. nur im Krimgot. als ada belegt. Als verwandt sieht man an lat. Ovum n., griech. iLiov, ujov n., altir. og, altbulg. jaje n., obgleich die Laut- verhältnisse nicht ganz klar sind. Das germ. Wort geht auf ajoyn oder ajjotn zurück, wäh- rend im gl', und lat. ein w in dem Worte steckt. VieDeicht ist ic idg. geschwunden, j Redensart: sich um ungelegte Eier kümmern schon im 16. Jh. (Gombert ZfdW. 1, 354). -ei, betonte Ableitungsendung weiblicher Substantiva, die eine Eigenschaft des Grund- wortes, das Gewerbe der Person oder den Ort, wo es betrieben wird, eine Gesamtheit eine Wiederholung (oft mit tadelndem Sinn) usw. bezeichnen, z. B. Kinderei. Bäckerei. Reiterei, Bettelei. Aus älterm -eie, mhci. -te, entlehnt aus der altfranz. Endung -ie, die von fremden Wörtern auch auf deutsche Bildungen übertragen ist. Erweitert -erei und -elei (z. B. Zankerei, Liebelei). ei! Interj. der Verwunderung, der Freude, des Spottes. 'Süid. ei, daneben eia, vgl. das gleichbed. lat. eia, gr. eia, eia. Dazu eia popeia. eieil,v.: liebkosen. In derKinderspr. Eibe, f. (PI. -n): der Taxus, ^lit Ver- wandlung eines w ia h aus mhd. iwe «Eibe», auch «Bogen aus Eibenholz», ahd. twa und iga f., igo m., dazu and. ich, ags. iw und eoh m., engl, yew, anord. yr m. Diese Formen fühi'en auf eine gemianische Grundform ihivö mit Guttural, der auch noch in Schweiz, iche, ige vorliegt. Die Wörter der verwandten Sprachen zeigen dagegen nui* iv, altir. eo, kjmr. i/iv «Eibe», abulg. iva f. «Weide», lit. jievä f. «Faulbaum;, preuß. iuwis «Eibe». Sind also die Worte nicht aus dem Germa- nischen entlehnt, was unwahrscheinlich ist, und hängen sie überhaupt zusammen, was man kaum wird ablehnen können, so muß der Guttui-al des Germanischen sekundär entstanden sein, vgl. .Tugend. Ins Romanische wurde das Wort aufgenommen als franz. if m., span.-port. iva f., mlat. ivus. ABL. eiben, adj. Mhd. iidn. Auch in Eiben- ] bäum, mhd. iwinboum m. Eibisch, m. {-es, PI. -e): eine raalven- artige Pflanze. Mhd. ibesche, ahd. ibisca f., aus griech.-lat. ibisaim n., griech. ißicKoc m. ^ Eiche, f., der Waldbaum lat. quercus. Mit Anfügung eines e (bei Luther) aus mhd. eich, selten eiche, ahd. eih f.; dazu and. ek, ndl. eik, eck, ags. äc, engl, oak, anord. eik (all- gemein «Baiun»), schwed. ek, dän. eg f. Auf die gleiche Wurzel gehen wohl zui-ück griech. aiYcipoc f. «Schwarzi^appel» (?), aiTiX.uJHJ m. «Eichenart mit süßen Früchten», lat. aesculus f. «Bergeiche». Vgl. Walde s.v. ABL. Eichel, f.: Fracht der Eiche : eichelähnlicher Köiioer: Karte mit dem Bilde der Eichel. Mhd. eichel, ahd. eihhila f.; dazu ndl. eikel, ekel m. Ge- wöhnlich als diminutive Bildung erklärt, weil die Frucht der Eiche gleichsam Kind des Baumes ist, vielleicht aber aus aiki-kila und letzteres zu lit. gile, abg. zeloßi, lat. glans, gr. ßciXavoc f. «Eichel». Als Farbe imKai-ten- spiel Eicheln, 1575 im Theatrum diabolorum 439^ Eycheln (von 1561), 1559 bei H. Sachs 23, 167 Aicheldaus. eichen, adj. ^Ihd. eichin, ahd. eihMn, ndl. eiken. Auch in ZUS. ^^■ie Ei- chenholz. Eichicht, n.: Eichenwald. Mit an- getretenem t aus mhd. eichach, ahd. eihhahi n. -Eiche, f. (PI. -n): Handlung, Amt des Eichens: Eichzeichen. Spätmhd. tche f. Von eichen, v.-. ein MaßgeschiiT von Obrigkeits- wegen abmessen und dem gesetzlichen Maße gleichmachen. In der 1. Hälfte des 15. Jh. ichen, daneben auch ichten, kaum aus ächten, Nebenform von achten «bestimmen, abschät- zen», mit dem das Wort nur zusammenge- worfen wurde. Mnd. ike f. ist «Eichzeichen, Eichinstniment», aber auch «Lanze», daher wohl als Gnuidbed. «spitzes Instniment» an- zusehen, ndl. ijk m. «Eichzeichen» und ijken. Entlehnung aus lat. aequäre «eichen» ist un- wahrscheinHch. Somit unbekannter Herkunft. Die Schreibung Aiche, aichen erst bei Frisch 1741. Adelung verlangt Eiche, eichen. Eichel, 5. Eiche. Eichhorn, n., das von Baum zu Baum springende Waldtier, lat. sciunis. Mhd. eichorn, ahd. eihhoim m.; dazu ndl. eekhoren m., ags. äcwern n., äcweoma, anord. ikorni m., schwed. ekorre, ikom, dän. egern m. Im Hd. an Eiche xind Hörn angelehnt; die Grundform war wohl *aik-wern, dessen zweiten Bestand- teil Much ZfdA. 42, 166 mit Recht zu abg. veverica, preuß. vevare, lit. vovere f. «Eich- horn», lit. vaivaras m. «Männchen vom Iltis und Frettchen», lat. viverra f. «Frettchen» gestellt hat. Vgl. noch Zubaty Arch. f. slav. Phil. 16, 418 f. Gewöhnlich als Dim. Eich- hörnchen n., auch Eichkäfzchen. 411 £id eigen 412 Eid, m. {-es, PI. -e): feierliclie Ver- sichening bei etwas, was uns heilig ist, zu voller Bekräftigung; die Formel dieser Ver- sicherung. !Mhd. eit (gen. eides), ahd. eid m., dazu altsächsisch eth, ndl. eed, ags. äß, engl. oath, anord. eidr, schwed.-dän. ed m. Es entspricht aü-. oeth. Vgl. über weitre Er- klärungen ühlenbeck Btr. 30, 258, Meringer Idg. Forsch. 18, 295. ABL. eidlich, adj. u. adv. Bei Stieler 1691. ZUS. eidbrüchig, adj. Bei Henisch 1616. Eidgeuoß, m. (ssen, PI. -ssen) : Eideshelfer, Schwurgenosse ; einer durch einen Eid verbundenen staat- hchen Gemeinschaft Angehöriger. Mhd. eitgenöge, eitgenö^ m. Davon Eidgenossen- schaft, f. Spätmhd. eifgenoßschnft f. Eid- SChwiir, m. Bei Dasypodius 1537, ahd. dafür eidsicart f. Eidam, m. {-S, PI. -e): Tochtermann. Bei Luther auch Eidem, sonst älterahd. Eiden (Alberus Dict. Hh4'^ eyden, 1537 bei Schaidennreiszer 12^ ayden). jVIhd. eidem m. «Tochtermann, auch Schwiegei'vater», ahd. eidum, eidam m.; dazu mnd. eidnm, afiies. äthom, ags. ädinn m. «Schwiegersohn». Ge- wöhnlich zu Eid gestellt, also «dui'ch Eid Verbundener», vgl. engl, son-in-laiv, aber dabei wird die Ableitung nicht erklärt, und der Ursprung ist daher wohl anderswo zu suchen. eidbrüchig, s. Eid. Eidechse, f., nach dem Obd. auch Eidechs, m. (Wieland Oberon 11, 19): vierfüßiges Amphibium mit langem Schwänze. Mit Auf- lösung eines g aus mhd. egedehse, ahd. egi- dehsa f.; dazu and, egithassa und ewidehsa, mndl. eggedisse, nndl. hagedis, haagdis, ags. ädexe f., engl. ask. Der 1. Teil ei- des zu- sammengesetzten AVortes gehört kaum zu mhd. ege, ahd. egi f., got. agis n. «Fui-cht, Schrecken» (wie ahd. egetier n. «Ungeheuer, eig. Tier des Schreckens»), sondern eher zu griech. öcpic, skr. ahist «Schlange», der 2. Teil ist dunkel. Indem man fälschlich Eid-echse teilte, kam man zu dem Wort Echse (s. d.). Eider, m. (-.s, PI. wie Sg.), f. (PI. -n): Eidergans, anas moUissima. (Das Mask. bei Voß Luise 3, 2, 604). Durch das Nd. aus dem Nord, entlehnt, Island, ce^r (gesprochen eißer) f. «Eidergans», vgl. engl, eider, eiderduck, schwed. ejder m., dän. ederfugl. Eider, f. (Haller Alpen 2) tmd Eider, n. (Schiller Räuber 1,3): Flaumfeder der Eidergans. ZUS. Eider- daune, f. Aus dem nd. eiderdune, (entlehnt) schwed. ejderdnn, dän. ederduun n. Bei Hübner 1727 Eiderdune, auch noch bei Voß a.a.O.; Eiderdaun n. bei Göckingk 2, 55, Eiderdon n. bei Wieland 18, 87. Eidgenoß, -schwur, s. Eid. Eierklar, n.: Eiweiß. Mhd. eierklär n. «das Helle (Klare) des Eies». Eierkuchen, m., spätmhd. eierkuoche m. Eierweck, m.: Weck (Gebäck) aus Teig, der mit Eiern mürbe gemacht ist. Bei Wagner Kinder- mörderin 1. Eierweiß, s. Eiweiß. Eifer, m. (-s) : leidenschaftUche En-egung, besonders aus Streben wonach; Fleiß. Bei Luther eiuer, wie. auch sonst älternhd. bei Mitteldeutschen, z. B. Gryphius. Zuerst 1494 yfer m. «Eifersucht» (Brant Narr. Nr, 89, 19), schon frülier begegnen obd. eifern, Eifrer, eifrig s. u. Bei Luther zuerst allgemein für leidenschaftliche Erregung (namenthch Zorn) ge1)raucht, vgl. darüber die Stelle bei Dietz 1, 492. Aus dem Hd. entlehnt nd. iver, ndl. ijver, schwed. ifver, dän. iver m. Grund- bed, wohl «Herbigkeit», da ahd, eibar, eivar, ags, äfor «herb» verwandt zu sein scheint, — eifern, v., im Anfang des 15. Jh. iferen als Subst. «Eifersucht», um 1480 im Voc. ine. teut. d 6*^ eifern «zelotipare», 1482 im Voc. theut. f 6^ eyffern, auch später obd. in der Bed. «eifersüchtig sein» (Albertinus Lustg. 17^^), bei Luther in der jetzigen, S. auch üferh. ABL. Eiferer, m,, schon im 14, Jh, bei Megenberg eifrcer m, «Haustyrann, Eifer- süchtiger», auch öfter im 15, Jh, eifrig, adj, u, adv.: leidenschaftlich, heftig; fleißig. Im altern Obd. «eifersüchtig», wie nhd. bei Keisersberg und Luther. Zr*S. Eifersucht, f. Bei Hans Sachs (z. B. Fastn. 17, 27), eig. «Ki'ankheit des Eiferns» (entsprechend bei Hans Sachs lastersucht u. a.), sonst älternhd. dafür oft Eifer (Fischart Ehez. G 2^). Davon eifersüchtig, adj. Bei Stieler 1691. eigen, adj.: angehörig; ausschließlich an- gehörig: sonderbar (Adelung «im gemeinen Leben»). Mhd. eigen, ahd. eigan; dazu asächs. egan, ndl. eigen, ags. ägen, engl, oivn, afries. eigin, anord. eiginn, schwed.-dän. egen. Eig. das starke Part. Prät. des V,, mhd. eigen, ahd. eigan, asächs. egan, ags. ägan, got. aigan (Präs. aih, Prät. aihta) «haben, besitzen». Verwandt ist aind. Ig «besitzen» mit dem Part. Igänas, aw. isan- «Herr über etwas». Davon Eigen, n. j\Ilid. eigen, ahd. eigan n,: dazu asächs, egan n,, anord, eign f., got. aigin n. «Eigentum, Vennögen». eigens, 413 eignen ein 414 gemtivisches Adv. Bei Adelung 1774. ABL. eignen, v.: zu eigen machen, mhd. eigenen, ahd, eiganen; eigen sein (frühnhd., jetzt nur poetisch). Kefl. sich eignen «wozu passen» (von Campe für sich qualifizieren gebildet). Eigenheit, f. (zu eigen in der 2. u. 3. Bed.), mhd. eigenheit f. Eigenschaft, f., mhd. eigenschaft, spätahd. eiginscaß f. «Eigentum, Eigentümlichkeit». Damit zusammengesetzt Eigenschaftswort, n., bei Adelung 1793. eigentlich, adj. und adv. Mit eingeschobe- nem t aus mhd. eigenlich «eigentümlich, aus- drücklich, bestimmt»; in der letzten Bed. namentlich das Adv. eigenliche. Eigen- tum, n., mhd. eigenhiom, n. Davon Eigen- tümer (spätmhd.) und eigentümlich, adj.: als Eigentum angehörig (frühnhd.); überhaupt «eigen, sonderbar» (noch nicht bei Campe 1807). ZUS. eigenartig, adj. Bei Campe 1807. Eigenbrötler, m.: Son- derling, eig. der eigenes Brot backt, einen eigenen Haushalt führt. In dieser Bed. schon im altern ]S'hd. Vgl. mhd. einhrcetec «der sein eigenes Brot hat». Eigenliehe, f., bei Stieler 1691. Eigenloh, n., bei Luther als eigen loh. eigenmächtig, adj., im 16. Jh. Eigenname, m., bei Luther als eigen name. Eigennutz, m., im 15. Jh. (Liliencron 1, 558), bei Luther getrennt eigen nutz. Davon eigennützig, adj. Eigen- sinn, m., bei Luther als eigen sinn, wälu-end das Adj. eigensinnig schon im 14. Jh. vor- kommt als «freiwillig», im 15. in der jetzigen Bed. Eigenwille, m., im 15. Jh. als eigen tvill, während das Adj. eigenwillig, schon mhd. erscheint. ■^eignen, v.: zu eigen machen, s. eigen. "eignen, refl. v. in es eignet sich «zeigt sich geisterhaft an» (Musäus Volksmärchen •2, 79, Goethe Faust 11417). Mit ei für eu aus mhd. öugenen, gewöhnlich äugen «zeigen», ahd.r/iigan, augan «vor Augen bringen, zeigen», ags. eowan, got. augjan «zeigen»; refl. mhd, sich öugenen «sich zeigen», bei Luther »ich engen. S. ereignen. Eigner, m. (-s) -. Eigentümer, Besitzer. Bei Logau 2, 7, 98, Eigener 1663 bei Schottel 333. Eiland, n. (-es, PI. -e): wasserumflossenes Land, Lisel. Mhd. (erst in der höfischen Poesie) eilant, meist einlanf, n. «Insel», gleich- sam «isoliertes, abgesondert liegendes Land», aber wohl nur angelehnt an ein und entlehnt aus mndl. eiland (das selbst aus dem Fries, entnommen ist), mnd. eiland, eland, oland, ags. ealand, egland. igland, engl. isJand, anord, eyland, dän. eiland n. «Insel», die zusammen- gesetzt sind mit einem Worte, das unserm Aue (s. d.) entspricht, also eigentlich s, v. a. «im Wasser liegendes, von diesem umflossenes Land/. Eile, f.: Eifer, Geschwindigkeit wozu. Mhd. 7le, ahd. ila f. Von eilen, v.: auf ein Ziel hin geschwind sein, mhd.-ahd. ilen: dazu asächs. Üian, ndl. ijlen «sich strebend bemühen, wonach mit Eifer tätig sein», aus dem Deutschen schwed. ila, dän. ile. Viel- leicht mit ags. ile m., anord. u. noch norw. il f. «Füßsohle», afries. ile «Fußballe, Schwiele», zur Wurzel aind. i ..gehen», lat. ire, griech. ievai. Von Sievers Idg. Forsch. 4, 340 aus Hdlä ei'klärt, und zu anord. f), dann bei Luther. Aus dem Deutschen ndl. eenzam, schwed. eusam, dän. ensom. Gebildet von ein «allein, für sich abgesondert». ABL. Einsamkeit, f. Im 15. Jh. einsamcheit f. (Diefenbach a. a. 0.). einschalten, s. schalten. einschärfen, v. : scharf, entschieden sagen. Im 17. Jh. (Moscherosch ins. cur. par. 26). VgL bei Stieler 1691 einem das Gesetz schärfen «eindringlich ermahnen». Einschiebsel, n. Von Gottsched Sprachk.^ 504 für Parenthese gebildet. einschläfern, v.: in Schlaf bringen. Bei Krämer 1678. Älterahd. einschlafen (noch bei Wieland), zu mhd. slcefen (in entslcefeii «schlafen machen»). Einschlag, m. (-es): das Hineinschlagen und was eingeschlagen wird; bei den Webern der in den Aufzug, Zettel, eingeworfene Fa- den, auch Einschuß, Eintrag (s. d.). In dieser Bed. schon mnd. mslach, auch 1599 bei Kilian 214 inslagh. Hd. bei Stieler 1691. einschlägig, adj. : in Betracht kommend. Von Campe 1807 als landschaftliches Wort an- geführt. Von einschlagen: sich in ein Gebiet hineinerstrecken, betreifen (bei Frisch 1741). einschließlich, adv. Von Campe für lat. inclusive gebildet. einschreiten, v.: gegen fngesetzüches die gesetzlichen Maßregeln treffen. Noch nicht bei Adelung 1793, aber bei Heynatz 1795 als ein Wort des Reichskanzleistils erwähnt, einschüchtern, v,: schüchtern machen. Bei Campe 1807 als neues Wort. einschürig, adj.: nur einer Schur jähr- lich unterworfen. Bei Frisch 1741 einscherig, das auch Adelung und Heynatz noch keimen. einschustern, v.. im Schustern (Schuh- flicken) zusetzen; überhaupt aus eignem Ver- mögen zusetzen; in Vennögensvei'fall kommen. Bei Stieler 1691. Vgl. zuschustern. einschwärzen, v.: Waren heimlich über die Grenze bringen; (übertragen) unvermerkt hineinbrmgeu. Urspr, obd. Wort, s.schwärzen, aber in der 2. Bed. im 18, Jh, auch in Nord- deutschland üblich (Hermes Sophiens Reise 3, 889). Einsicht, f.: das Hineinsehen; Erkennt- nis, Verständnis. Lim 1700 aufgekommen (Günther 734), aber noch 1759 von Dorn- blüth 65 bekämpft. Älternhd. dafür Ein- sehen, n. (jetzt noch in ein Einsehen haben), schon mhd. (bei den Mystikern) tnsehen n. ABL. einsichtig, adj.: verständig. Von Adelung als Wort des gemeinen Lebens an- geführt. Einser, m., s. Einer. Einsiedel, m. (-s, PI, wie Sg,): entfernt von Menschen, still, einsam religiöser- Betrach- tung lebender Mensch, Eremit. Mhd. ein- sidele, einsidel, ahd. einsidilo m., zusammen- ges. aus ein «allein, für sich abgesondert» und sidilo m. «der sich wo ansässig macht», s, siedeln. Nachbildung von lat, monacus, s. Mönch. ABL. Einsiedelei, f. Bei Stieler 1691, in der Bed. «Einsiedlerleben» schon 1622 bei Londorp acta publica 2, 1258^. ein- siedeln, v. Erst im 18. Jh. Einsiedler, m. Spätmhd. einsidelcere , das das ältere Einsiedel verdrängt. einsilbig, adj.: nur eine Silbe habend: karg an Worten. In der 2. Bed. erst im 18. Jh, (Hagedom Fab. 61 eynsilhigt). einsmals, s. einstmals. einspannen, v.: ein Pferd usw. in die Deichsel spannen: einziehen (die Nase ein- gespannt bei Schiller). ABL. Einspänner, m.: ein Wagen mit einem Pferd; ein geringer Fuhrmann, der einen solchen Wagen hat; wer allein lebt. In der letzten Bed. im 18. Jh. einspännig (vom Bergbau, wer allein baut). einst, adv.: zu einer (vergangenen oder zukünftigen) Zeit. Bei Luther (Richter 16, 28) noch einest. IVIhd. einest, ahd. (bei Notker) einest, imter dem Einfluß superlati^nscher Bildungen hervorgegangen aus dem adver- bialen Genitiv eines (s. eins) «einmal», im Mhd. auch «zu irgendeiner (vergangenen oder künftigen) Zeit». Vgl, ahd. (bei Notker) änderest «wiederum», mhd, änderst, das eben- so aus dem adverbialen Genitiv ahd. andei'es hei'vorgegangen ist. Weiter gebildet zu einsten (schon spätmhd., auch noch nhd., z, B, bei Schiller 1, 107. 211) und mit angetretenem adverbialischen s einstens (bei Geliert 1, 65. 196). ABL. einstig, adj. Erst bei Campe 1807. ZUS. einstweilen, adv.: bis zu fester Bestimmung bestehend. Zusammenges. mit weilen, mhd. wilen, s. weiland. Von Adelimg 1774 und Heynatz 1775 noch getadelt. Bei Wieland auch eins weilen. Davon einstweilig, adj. (bei Heynatz 1796). Einstand, ,m. {-es, PI. Einstände) : Amts-, Dienstantritt; Eintritt in die Rechte eines Käu- fers; Eintrittsgeld, Eintrittsleistung (Goethe 425 einstehen Einwurf 426 31, 71; bei Stieler 1691 «Eintrittsschmaus»). Mhd. instant m.«Vorreclit beim Kaufen, Näber- kauf». einstehen, v.: in eine Gemein-, Genossen-, Mitgliedschaft eintreten (fmhnhd.): in einen Dienst eintreten; gewährleistend eintreten, gewährleisten (bei Adelung 1774); (vom Züng- lein an der Wage) nach keiner Seite neigend stehen (Goethe 1, 131, schon bei Stieler 1691): bevorstehen (Goethe49,l, 109, schoniml7. Jh.). einstellen, v.: hineinstellen, namentlich zur Aufbewahrung oder Rast, zur Arbeit, mhd. instellen: (mit Ergänzung von Pferd) einkehren: unterwegen lassen, aufgeben (spätmhd.). Refl. sich e.: sich einfinden. Frühnhd. (Luther 3, 49 »^ Jen.). einsten, einstens, einstig, s. einst. einstimmen, v.: in den Klang einer Stimme einfallen; lieifallen, zustimmen. In der 2. Bed. bei Luther. — einstimmig, adj. und adv.: mit einer Stimme; überein- stimmend. Bei Ludwig 1716. einstmals, adv.: zu einer (vergangenen oder künftigen) Zeit. Fräher einsmals (noch bei Schiller Räuber 4, 5), mhd. eines mäles, Gen. Sing, von mal «Zeitpunkt» (s. mal), mit unbestimmtem Artikel. Stieler 1691 hat einst- mals, doch läßt Adelung eins- und einstmals nur im gemeinen Leben zu. einstweilen, s. einst. einsuckeln (Goethe 39, 243), s.. suckeln. einte, . energisch, adj.: tatkräftig, dui'chgi-eifend. Nach franz. energique. Nach der Mitte des 18. -Jh. eng, früher auch enge. adj. u. adv. : wenig Raum bietend. ^Ihd. enge, ahd. engi, aiigi; dazu asächs. engi, ndl. eng, ags. enge, ange, anord. öngr, got. aggwus. In der Wurzel übereinstimmend mit lat. angustus «eng», angere «zusammendiücken», gv. ä^xeiv «zu- schnüren», aind. ahüs «eng», aw. qzak n. : Bedrängnis :>, abg. qziikü «eng», vgl. Angst. ABL. Enge, f., mhd. enge, ahd. engi f. engen, v., mhd.-ahd. engen, got. aggicjan (in gaaggwjan). engern, v. : enger machen (5. Mos. 27, IT). Von dem Komparativ ge- büdet. ZUS. Engbrüstigkeit, f., 1541 bei Frisius 504 b. engagieren (spr. qgaztren), v.: verbind- lich machen; anwerben; in Sold und Dienst nehmen. Aus franz. engager, eig. «verpfän- den», (davon engagement m., Avoraus Enga- gement n.) zusammenges. aus en «in», und dem von gage m. abgeleiteten afranz. gager «pfänden». Beide 1694 bei Nehring. Engel, m. (-5, PI. wie Sg.): Gott oder dem Teufel dienstbarer Geist. Mhd. en^el, ahd. engil, angil m. : dazu asächs. engil, ndl. und ags. engel, engl, angel, anord. engül, got. aggüus m. Entlehnt aus gr,-lat. angelus, gr. ä-pfeXoc m. ■ Bote, Gesandter». ABL. eng- lisch, adj., mhd. engelisch, nach gr.-lat. an- geliciis. ZUS. Engelmacherin, f.: Weib, das neugebome Kinder in Pflege nimmt, um sie langsam verkommen zu lassen (zu Engeln zu machen). Im 19. Jh. Engelsverstand, ra.: äußerst heller, dm-chdringender Verstand. Bei Campe 1807. Engelsilß, n.: eine Farmki-autart mit sehr süßer Wurzel, polypodium. Spätmhd. engelsü€§e n.; dazu ndl. engelzoet n., dän. engelsöd. Der Name wohl, weil die süße Wurzel als Mittel gegen Schlaganfall im Volksglauben von den Engeln gegeben schien. engen, s. eng. Engerling, m. [-s, PL -e) : Maikäfen-aupe ; Hautmade, die Larve der Viehbremse (oestrus bovis). Mhd. engerinc, auch bereits mit ein- getretenem l engerlinc, ahd. engirinc m. «Korn- made», abgeleitet von dem gleichbed. ahd. angar, angari, mhd. anger, enger m., noch jetzt alem. enger (neben engerig etc.). Viel- leicht zu poln. ivagry «Schweinfinnen», lit. ankstirai PI. «Finnen, Engerlinge». engern, s. eng. England, gekürzt aus Engelland (Schüler Maria St. 1, 7), mhd. Engellant, ahd. Engillant, ags. Engla land, d. i. von den Angeln (ags. Angle, Engle) bewohntes Land. ABL. Eng- länder, m., auch noch EngellämJer (Schiller Jungfrau v. 0. 2, 1. 3, 10), mhd. Engellender. engländisch, adj. (engellündsch bei ScbiUer J. V. 0. 1, 5 u. ö.), wofür üblich englisch, schon mhd. englisch. Englischleder, n. (-5): starkes Baum- wollgewebe. 1834 belegt. enhinder (Luther 2. Mos. 3, 1), abge- schwächt aus mhd. hinhinder «zurück, rück- wärts». Enke, m. (-//, PI. -«); unter dem Groß- knecht stehender Vieh- oder Ackerknecht. Mhd. enke, ahd. encho m. In Mittel- und Norddeutschland noch üblich. Verwandtschaft mit lat. anculus «Diener», a«.ci7/a «Magd» ist unwahrscheinlich, da jenes zu gr! djLiqpiiroXoc «Diener» gehört, auch stimmt die Lautver- schiebung nicht. Formell mit ahd. anihho «avus» übereinstimmend, doch besteht kaum ein Zusammenhang. 1 Enkel, m. {-s, Pl.wieSg.): Fußknöchel. Mhd. enkel m., ahd. enchil, anchal m. und enchila, anchala f., ferner weitergebildet aii- chläo; dazu mnd.-ndl. enkel m. und weiter- gebildet enklauw m., wie auch afries. onklef n. und ags. ancleoiv f., engl, ankle, anord. ökkla n., schwed.-dän. ankel. Zu ahd. encha f. «Schenkel, Schienbein, Knöcheb; und ancha f. «Nacken» (s. Anke) und weiter mit Wechsel von g und gh zu gr. övuE, lat. unguis m. «Nagel», Ht. nagä «Huf», abg. noga f. «Fuß», aind. nrggam n. «Glied, Körper», angidis f. «Finger, Zehe:>. "Enkel, m. (-.s, PI. wie Sg.): Kindesldnd. Ältemhd. auch Enickel [Enicklehi), mhd. enikel, mit Ausfall des zweiten n aus enenkel, eninkel, spätahd. eninchli n., das in ähnlicher Weise wie ahd. lewinckili n. «Löwchen» von lewo «Löwe» und huonichlin n. «Hinkel» (s.d.), von hu/)n «Huhn», zweifache Diminutivbüduug von ahd. ano m. «Großvater» (s. AJm) ist und so urspr. «kleiner Großvater» bedeuten wird. Entsprechend gebildet ist lat. avuncidus m. «Oheim», zu avus m. «Großvater». Ver- wandt sind noch lit. anukas (aus dem Slavi- schen) m., abg. vünukü m, «Enkel». Vgl. 443 Enklaye entbrennen 444 W. Schulze KZ. 40, 408, Hirt lag. Forsch. 22, 84. ABL. Enkelin, f., bei Ludwig 1716. Enklaye, f. (PI. -n): von fremdem Ge- biet umschlossenes Land. Das gleichbed. franz. enclave f., eig. «eingenageltes» (ew, lat. in, clave zu lat. clävus m. «Nagel»). Erst im 19. Jh. ennuyieren, v.: langweilen, belästigen. Aus gleichbed. franz. ennuyer, das auf ein volkslat, inodiare, zusammengesetzt aus w imd einer Ableitung von odiuni n. «Haß, Abscheu» zurückgeht. Ln 18. Jh. Verdeut- schungsversuche bei Campe 1813. enorm, adj. u. adv.: ungemein, über- mäßig. Aus franz. enorme «ungeheuer», das auf lat. enormis «unregelmäßig, unverhältnis- mäßig groß» ((?. ex «aus», normis Yon normaf. «Winkelmaß, Richtschnur, Regel») beruht. Bei Sperander 1728, aber Enormität f. be- reits 1699 von Gombert 8, 19 nachte wiesen. Enqnete, f. (PI. -n): Untersuchung, Er- mittlung. Aus gleichbed. franz. enquete f. Neuere Entlehnung. ent-: Yorsübe, mit der Grundbedeutung «gegen». Danach bezeichnet ent in vielen Verben das Werden, Herv^orkommen eines neuen Zustandes, z. B. entblühen, entsprießen, sowie das Versetzen in einen solchen, z. B. entbrennen, entzünden, anderseits in einer noch größern Anzahl von Verben das Aus- treten aus dem alten Zustand («weg», ent- kommen, entweichen, entgleiten, entwachsen, entführen) und gewinnt so beraubende (pri- vative) Bed., z. B. entarten, entdecken, ent- fesseln, enthaupten in Verben, die oft vom Substantiv aus gebildet sind. Vor Labialen geht einigemal ent- in emp- über, s. empören, empfangen, empfehlen, empfinden. Den Sub- stantiven, in denen die Vorsilbe eat- erscheint, liegen Verba gleicher Zusammensetzung zu- grunde, während bei ursprünglicher Zu- sammensetzung mit Substantiven noch die ungeschwächte Form ant- (s. d.) sich erhielt. Mhd. ent-, gewöhnlich gekürzt en-, ahd. ant-, int-, gekürzt in-, unt-; dazu asächs. and-, ant-, ndl. ont-, ags. on (aus ond-, and-), anord. and-, got. and-, vor Substantiven auch anda-. Als selbständiges Wort erscheint die Vorsilbe in der got. Präp. and «worauf hin, entlang, entgegen», asächs. and «bis». Über die Urverwandtschaft s. ant-, Z. T. liecrt dem heutigen ent aber auch die Vorsilbe in zugrunde, namenthch bei den Verben der zweiten Klasse, wie entbrennen. entäußern, v.: von sich geben, meist refl. sich e. Spätmhd. entiu^ern, daneben entiugen, entü^enen, s. äuße^-n. entbehren, v.: nicht haben und es ver- missen; ermangeln, Urspr. mit Gen, (noch bei Goethe 50, 220), später auch mit Akk. (schon bei Luther 6, 16^ Jen.). Bei Luther entberen, auch mit Assimilation (Sir. 38, 36) emperen, bei Stieler 1691 entbären, sonst im 17. Jh. e. Mhd, enbern, ahd, inberan «ermangeln», mit starker Flexion, die auch ältemhd, noch vor- kommt; dazu mnd, entberen, ndl, ontberen, (entlehnt) schwed, undvara, dän. undväre. Das Wort gehört wohl zu ahd. beran «tragen» und bedeutet urspränglich «nicht tragen», andi-e denken an Zusammenhang mit bar, s, d, ABL. entbehrlich, adj. Bei stieler 1691 entbärlich. Entbehrung, f. Bei Stieler 1691 Entbärung. entbinden, v.: losbinden, von einem Bande freimachen (insbesondre durch die Geburt, bei Luther Hauspost, 221 % bei Mone Ztschr, 8, 55 vom J, 1379 e diu frow von ir arbait enbunden wirt). Mhd, enbinden, en- pinden, ahd, intbintan, got, andbindan. ABL. Entbindung, f, Frühnhd. Freisprechvmg von Sünden. 1741 bei Frisch Gebären. entblöden, v.: der Blödigkeit benehmen, in Beherztsein versetzen. Meist refl. sich e.: sich außer Blödigkeit setzen, sich getrauen, sich * erkühnen. Im 17. Jh. (Harsdörfer Gesprächssp. 2, 105), daneben in gleicher Bed. sich nicht e., in welchem sich e. kaum in der Bed. «in Blödigkeit geraten, blöde sein», genommen werden darf, vielmehr nicht als Zusatz anzusehen ist. Ludwig 1716 hat sich nicht e., während Steinbach 1734 und Frisch 1741 sich e. verlangen, das auch von Wieland, z. B. Amadis 2, 171, gebraucht wu-d. entbrechen, v.: hei-vorbrechen. Mhd. enbrechen. Meist refl. sich e. «sich wovon losmachen oder zurückhalten», jetzt nur ne- giert sich nicht e. (Lessing 1, 350) ^■> hat. Bei Adelung 1774 entziefern, 1771 bei Wieland Amadis 9, 27 entziffern. entzücken, v.: im Geist oder Gefühl hinreißen. Mhd. entzucken, entzücken ist «wo- von wegzucken, wegi'eißen»; die jetzige Bed. bei Luther. ABL. Entzückung, f. Fiüh- nhd. (bei Trochus Prompt. Ol^ entzuckung «extasis»). entzünden, v.: in Feuer setzen. ]Mlid. entzünden, ahd. intzunten. Bei Th. Könier (Schreckenstein V 63), A. Giün und H. Heine im Part. Prät. nach der Volkssprache stark flektiert entzünden. entzwei, adv.: zerbrochen, zerrissen. Mit ent füi- frühres en aus mhd. enzwei, ahd. in zwei, d. i. in mit dem Akk. Plui\ des neu- tralen zwei, urspr. «in zwei Teile». ABL. entzweien, v.: uneins machen, refl. sich e.: uneins werden, spätmhd. sich enzweien. -enzen, Ableitungsendung an Verben, bei denen sie ein Ahnlichsein, ein Hingeneigtsein zu oder ein Riechen und Schmecken nach dem mitteilt, was das Stammwort ausdrückt (s. faulenzen). Mhd. -enzen, ahd. enzön. Material für diese früher häufigere Bildung bei Kluge ZfdW. 6, 40. Enzian, m. (-5, PI. -e): die Bitterwurz, lat. gentiana. Im 15. Jh. (Diefenbach. Gl. 260 b, 1491 bei Brack 47); aber schon ahd. encian, genciane. Aus lat. gentiana f. Enzj'klika, f. (PI. -en): Rundschreiben des Papstes. Fem. des nlat. Adj. encyclicus, das auf gr. cykukXoc (s. d. f.) zmückgeht. Enzyklopädie, f. (PI. -n) -. Lehrkreis der Wissenschaften, auch nui* der zu einem Fache gehörigen. Aus dem gleichbed. franz. ency- clopedie, das auf gr. eYKUKXoTraibeia f. (efKUKXoc «kreisförmig» und naibeia «üntenicht») zu- mckgeht. Im 18. Jh. entlehnt (in lat. Form 1727 bei Hübner), in kürzrer Form bereits 1582 bei Hayneccius Hans Pfriem 3322 Cyclo- pedeyi., wie engl, cyclopaedia. ABL. enzy- klopädisch, adj., nach franz. encyclopedique. 1772 in den Frankf. Gel. Anzeigen 583. Epaulett, n. {-s, PI. -en), Epaulette, f. (PI. -n): Achselstück. Das gleichbed. franz. epaulette f., Dim. von epaule f. «Achsel». Im 18. Jh. entlehnt (Wagner Kinderm. 289). ephemerisch, adj.: einen Tag dauernd, eintägig, von Campe mit «dauerlos» ver- deutscht. Aus gr. ^qprmepioc, zusammenge- setzt aus eqp- (eiTi) «für» und einer Ableitung von- >T|iiepa f. «Tag». Im 18. Jh. Epidemie, f. (PI. -n) -. hen-schende Ki-ank- heit, Seuche. Aus mlat. epidemia, dem Fem, des Adj. epidemius, gr. ^inbriiuioc «über ein Volk verbreitete» (gr. ^tti «dai'auf, daiüber», bf|]uoc m. «Volk»), nänil. vöcoc f. «Krankheit». Bei Sperander 1728. ABL. epidemisch, adj.: seuchenartig. Von Gombert 8, 20 aus dem J. 1681, epidemialisch vom J. 1574 nach- gewiesen. Epigonen, Plur.: Nachgeborene, Nach- kommen. Von dem gleichbed. gr. ^ttitovoi {ini «darauf, danach», yövoi PI. von tövoc «Ge- borener» zu YiTveiv «gebären»). Bei Adelung. Epigramm, n. (-s, PI. -e): Sinngedicht. Von gr.-lat. epigramma, gr. eiriYpom-ia n., eig. «Aufschrift» (von i-ni [s. oben] und YpctMM« zu Ypäqpeiv «schreiben»), dann «Sinngedicht».. Im 18. Jh., meist mit dem Plm-. Epigrammen (Lessing 12, 119. 8, 469 u. ö.). ABL. epi- grammatisch, adj. Nach gr.-lat. epigram- maticus. Bei Lessing 5, 60, Aber epigram- matisieren bereits 1668 bei Erasm. Francisci ost- und westind. Staats- u. Lustgarten 1, ISS'*. 453 Epilepsie er- 454 Epilepsie, f. (PI. -w): Fallsucht. Aus' givlat. tpüepsia, gr. emXriH'ia f. «Anfassen, Anfall, bes. Fallsucht». Bei Wächtler 1711. ■ ABL. epileptisch, adj.: fallsüchtig. Nach gr.-lat. epilepficiis, gr. eiriXriirTiKÖc. Epilog, m. (-es, PL -e) : Schlußrede, Xach- wort. Aus gr.-lat. epüogus, gr. eTriXo-foc m. «Schluß, Schlußrede*, aus ^tti (s. o.) und Xö-foc «Eede». Im 18. Jh., aber epilogisieren bereits 1581 bei Joh. 2s as examen concordiae 417. episch, adj.: das Heldengedicht betreffend, ihm angehörig. Xach dem gleichbed. gi'.-lat. epiciis, gr. ^itiköc, von tiroc n. «Wort, Er- zählung», dann wie gr.-lat. ejjos «Heldenge- dicht». Im 18. Jh. Episode, f. (PI. -/<): Zwischenhandlung in etwas, ZwischenspieL Aus dem gleich- bed. franz. episode m., das auf gi-. eireicöbiov n., eig, «von außen hinein Gekommenes, Ein- schiebsel, zwischen den Chorgesängen ein- geschaltete Handlung» beruht, zusammenge- setzt aus eiri (s. o,), eic «in» und einer Ab- leitung von öböc f. «Weg». Im 18. Jh. f Les- sing 3, 95; 1727 bei Hübner Episodhun). ABL. episodisch, adj., nach dem franz. episodique. Bei Campe 1813. Epistel, f. (PI. -n): Sendschi-eiben, Brief. Als biblisches Wort bei Luther, schon spät- mhd. epAstole f., aus gr.-lat. episfola, gr. im- cToXrj f., eig. «Übersandtes», von gr. ^tricTeX- Xeiv «zu-, hinschicken». \ Epoche, f. (PI. -n): bedeutsamer Zeit- punkt (in E. machfii): Zeitabschnitt. Bei Hübner 1121 Epocha. Aus gr.-mlat, epocha; gr. ^TToxr) f., eig. «Anhalten.), dann (bedeutsamer) ; «Haltpunkt in der Zeitrechnung». Daraus franz. epoque f., wonach bei Klopstock 12, 186 und Musäus Volksm. 4, 120 Epoke. Epopöe, f. (PI. -n): Heldengedicht. Aus gr. ^TtoTTOüa, eig. «Verfertigung eines Epos», (^noc s. Epos und n-oüa zu -rroieiv «machen») dann dieses selbst. Im 18. Jh. (Lessing 5, 56). Epos, n. fPlur. Epen): Heldengedicht, s. episch. Eppich, m. (-6-, PI. -e): die auch die Petersilie und den Sellerie umfassende Dol- denpflanzenart, lat. apium, woher das deutsche Weit. Mhd. epfich. ahd. ephih m., daneben ohne die Ableitung ahd. ephi, mhd. epfe, auch eppe, effe m. (jetzt obd. epf. epficJt). Schon am Anfang des 16. Jh. wm-de das Wort auch für Efeu (s. d.) gebraucht, Equipage, f. (PI. -«); Schiffsbesatzung; Kriegsgepäck; Ausriistung zur Reise (Schiller Br. 1, 87j; Eeisegerät. Kutsche und Pferde. Aus franz. equipage m., von equiper (s. das Folg.), Im 17. -Jh. entlehnt, zunächst in den drei ersten Bedd.. doch bei Sperander 1728 auch schon «das zui' Reise nötige Fuhrwerk und Geräte;.. — equipiereu, v.: ein Schiff ausrüsten oder bemannen; ausriisten, aus- statten, mit allem Nötigen (zunächst Reise- gerät) vei-sehen. Aus dem gleichbed. fi-anz. equiper, afranz. esquiper, von franz. esquif, span.-poit. esquife, ital. s'-hifo m. «Boot», die auf unser Schiff, nd. skip zurückgehen. 1643 bei Harsdörffer Gesprächsp. 3, 430. Er, verküi'zt aus Serr (bei Lutherj, in Titel und Am-ede, z. B, Glück zu, Er König (2. Sam. 16. 16). !Mit Flexion Em, worauf unser Ehren vor Xamen (s. Ehre) zurückgeht. er, sie, es, Pronomen der 3. Pers, iihd. er, Fem. siu, si, ]^eutr. ej, ahd, ir, er (fränk. auch her, he), Fem, siu, si, Xeutr. i^, ej; dazu asächs. he. hie, Fem. siu, Xeutr. if, ndl. //()'. zij. het, afries. hi. he. hiu. hit, ags. he. heo. hit, engl. he. she. if, anord. hatin, Fem. hon, hun (Xeutr. fehlend), schwed. M. han. F. hon, dän, han, hun, got. is. si. ita. In er. es liegt die Wurzel i zugmnde, die auch in dem verwandten lat. is, ea, iä, lit. jis, abg. J/, aind. X. iJ-ihn erscheint; sie gehtauf eine andre Wiurzel zurück, gr. t] «die» (aus *sä), aind. sjä, apers. hjä «sie». Schon mhd. auch substantiviert der er. Der Xom. Sing, er in der Anrede kam (mit dem F. sie) im 17. Jh. durch Einfluß der französischen und italie- nischen Gesellschafts- und Höflichkeitssprache auf und zwar in Vertretung von Herr oder einer andern männlichen Benennung, sinkt aber im Lauf des 18. Jh. zur Anrede an eine Person geringen Standes herab, indem der Plur Sie als ehrende Anrede an eine Per.-on von Stand dafür eintrat. ^er-, unbetonte, untrennbare Partikel, in Zusammensetztmgen von Verben, woraus dann Substantiva usw. abgeleitet werden können. Sie hat den Gnindbegriff'« hervor, aus», woraus sich die Bed. des «herauf, auf», z. B. erbauen, erwecken, des «Beginnens und Wei'dens», z. B. erblassen, erblinden, des «^viede^», z. B. er- innern, ^'setzen, des «zu sich her», z. B. er- borgen entwickeln, sowie die Bezeichnung des Beginnes der auf einen Gegenistand hin er- gehenden Handlung, z. B. ergreifen, erzeigen, und endlich die Fähigkeit, transitiven Begriff zu bewii'ken oder doch hei-vorzuheben, tmd das momentane Eintreten der Handlung an- 29* 455 er- Erbe 456 zudeuten, z. B. erblicken, erlauben. Die urspr. mit der Partikel zusammengesetzten Subst. und Adj. wahren dagegen die betonte, ur- sprünglichere Form ur-, z. B. Urahn, uralt, urbar, Urbild, Urheber, Urkunde, Urlaub, ur- 2)lötzlich, Urquell, Ursache, Urschrift, Ur- sprung, Urteil usw. In neuena Bildungen hat ur-, mit Substantiven verbvmden, den Be- griff des Anfänglichen, Ersten. Mhd. er-, ahd. ur-, ar-, ir-, er-; dazu asächs. ä- (aus ar-), betont ur-, ags. a-, betont or-, anord. nur vor Substantiven und Adjektiven er-, got. US-, uz-, ur-. Im Got. und Ahd. auch für sich stehend, und zwar als Präp. mit Dat. in der Bed. «hervor, aus, von». ^er-, gekürzt aus her-, bei Luther erab (2. Mos. 11, 8) «herab», erauf (2. Kön. 3, 23) «herauf», eraus (2. Mos. 8, 18; Jos. 8, 5) «her- aus», erein (l. Mos. 27, 5) «herem» usw. ^ -er, an Namen von Orten, Gegenden, Län- dern, z. B. Frankfurter Bürger, das Mecklen- burger Land, Pfälzer Weine. Es ist urspr. der Gen. Plur. männlicher Substantiva auf -er (mhd. -(cre, -ere, ahd. -äri, -ari), z. B. Thüringer Mark, ahd. Duringäro marca, d. i. Grenzland der Thüringer. "-er, Komparativendung der Adjektiva, mhd, -er, ahd. -iro und -oro, asächs. -iro (-ero) und öro, ags. -ra, anord. -ri und -ari, got. -iza und -öza. Die Endung ahd. -iro bewii'kt Umlaut des Wurzelvokals. erachten, v.: dafür halten. Mhd. er- ahten, ahd. irahtön «ermessen, erwägen, be- stimmen». Davon der Inf. als Subst. Er- achten n., in meines Erachtens, 1535 bei Micyllus Tacitus 340% 1545 in Schertlins Briefen 38. eräugen, eräuguen, s. ereignen. erbarmen, v.: zu tätigem Mitgefühl be- wegen. Kefl. sich e. und unpers. es erbarmt mich mit Gen. des Gegenstandes (bei Luther, 2. Mos. 33, 19). Mhd. erbarmen {mich oder mir erbarmet ein dinc, auch refl. sich er- barmen undtrans. «bemitleiden», selten unpers.), ahd. irbarmen, zurückgehend auf ir-bi-armen, got. arman, s. barmherzig. Davon der Inf. als Subst. Erbarmen n., auch schon mhd. ABL. Erbarmer, m., mhd. erbarmcere m. erbärmlich, adj. u. adv. Mhd. nur als Adv. erbermeliche , ahd. (bei Notker) erbarmeWi «zu bejammernd». Erbarmung, f , mhd. erbarmunge f.; dazu and. erbarmunga f. erbauen, v. : baulich bearbeiten, anbauen ; durch Bau hervorbringen oder gewinnen; durch Bau auf-, errichten; (bildlich) geistig aufrichten oder erheben; durch Fortpflanzung oder Nachkommenschaft bestehen machen (1. Mos. 30, 3, 5. Mos. 25, 9). Mhd. erbüwen, erbiuwen, erbouwen «an-, bebauen, durch Bau hervorbringen, baulich aufrichten (eig. wie bildlich), beizeiten, ausrüsten». Refl. sich e. «sich geistig aufrichten oder erheben». Bei Ludwig 1716. ABL. erbaulich, adj. u. adv. (zu sich e.). Bei Stieler 1691. Er- bauung, f. Bei Stieler 1691. Erbe, m. (-n, PI. -n): wer ein Erbe zu erwarten hat oder übei'kommt. Mhd. erbe, ahd. erbo, eribo, erbeo, arbeo m.; dazu anord. arfi, got. arbja m. Von Erbe, n. (-s): nachgelassenes Grundeigentum, hinterlassenes Stammgut; was auf den Sterbfall an einen andern übergeht. Mhd. erbe, ahd. erbi, arbi n.; dazu asächs. erbi, ndl. erf, ags. yrfe n., anord. (ohne j-Suffix) arfr na.., schwed, arf, dän. arv n., got. arbi n. Da man mit Sievers Btr. 12, 174 von dem Ntr. Erbe «be- wegliche Hinterlassenschaft» ausgehen muß, so kann man lat. orbus m. «Waise», orbäre «verwaist machen, berauben», gr. öpcpavoc m. «Waise» (ohne Ableitungssuffix in öpqpoßörnc «Waisen erziehend»), altir. comarpi «Äüterbe» vergleichen; die Grundbed. von Erbe wäre, «was zum Verwaisten gehört». Ob die Bedeu- tung «Vieh», anord. arfr m. «Ochse», ags. yrfe orfu. «Vieh», aus der von «Erbe» entwickelt ist, oder umgekehrt, ist nicht ganz sicher. ABL. erben, v.: eine Nachlassenschaft zum Besitz ei'halten; als Nachlassenschaft auf jemand übergehen. Mhd. -ahd. erben, ndl. erven, schwed. ärfva, dän. arve. erblich, adj. u. adv. Mhd. als Adv. erbelichen, im 15. Jh. auch als Adj. erblich. Erbin, f. Bei Pomey 1690, während vorher der Erbe auch von der Erbin gesagt wird, z. B. Spr. Sal. 30, 23. Erbschaft, f., mhd. erbescJmft f. ZUS. Erbfall, m.: Anfall eines Erbes, mhd. erbeval m. Erbfeind, m., mhd. erbe- vint m. Erblasser, m..- wer beerbt wird. 1663 bei Schottel S. 333. Vgl. mhd. da§ erbe län «das Erbe hinterlassen». Erbschichter, m.: wer ein Erbe ab-, einteilt (Luk. 12, 14). Mhd. erscheint erbeschichtunge f. «Erbteilmig», vgl. schichten. Erbschleicher, m.: der sich in unredlicher Weise um em Erbe bemüht. 1696 bei Thomasius Ausübung der Sitten- lehre 292. Erbsünde, f : die angebonie Neigung zur 'Sünde als Erbe Adams. Mhd. erbesünde f. 457 erbittern Erde 458 erbittern, v.: zu Bitterkeit, Zora und Haß treiben. 3>Ihd. erbittern. ABL. Er- bitterung, f. Bei Duez 1664. erblassen, v. : blaß werden (bei Luther); sterben. \ Erblasser, s. Erle. erbleichen, v. (Prät. erUeichte, Part, er- ' bleicht i: bleich werden; totenbleich werden, sterben. Mhd. erbleichen, ahd. irUeihhen. S. -bleichen. In gleicher Bed. erbleichen, Prät. erblich, Part, erblichen, mhd. erblichen «den Glanz, die natürliche Farbe verlieren». erblieh, s. Erbe. erblicken, v.: den Blick wohin richten und mittelst Blickes wahrnehmen. Mhd. er- blicken, auch intrans s. v, a, erglänzen, vgl. , blicken. i erbosen, v.: böse machen; böse werden.} Dafür meist refl. sich e.: böse werden, in Bösheit kommen, Mhd. erbosen ist wie das einfache mhd. bösen, ahd. boson «schlecht wer- den», auch «Böses tun»; die jetzige Bed. bei Stieler 1691. Für das trans. erbosen wäre eig. erbösen zu erwarten, das auch bei Schottel S. 630 steht. erbötig, adj.: sich erbietend. In der frühnhd. Kanzleisprache erbötig, erbütig, ab- geleitet von frühnhd. erbot n. «Anerbieten», daneben auch urbütig (Brant Laiensp. V4^), abgeleitet von mhd. tirhot n. «Anerbieten», Erbschaft, -schichter. -Schleicher, s. Erbe. Erbse, f. (PI. -n)-. die Schotenfrucht lat, pisum, sowie die Pflanze selbst. Alternhd. Erbs (Erbse erst bei Frisch 1741), fiüher noch Erbes, Erbeis (so bei Luther), mit b für ursprüngliches iv aus mhd. arwei^, erwei^, ertci^, ahd, arawei^, araivi^ f. ; dazu and. erit, ndl. erwt, ert, anord. ertr f. Plur., schwed. ärt m,, dän. ert. Dazu auch ohne Ableitungs- endung ags. earfe «Erbse», das wohl direkt aus lat. ervum stammt. Zu lat. ervum n, «Hülsenfrucht», gr, ^pdßivGoc m,, öpoßoc m, «Kichererbse». Es handelt sich dabei um ein uraltes Kulturwort, bei dem aber die An- nahme einer unmittelbaren Entlehnung auf lautliche Bedenken stößt. Vgl, Hoops Wald- bäume S, 464. Erbsünde, s. Erbe. Erchtag, s. Dienstag. Erdapfel usw., s. Erde. Erde, f (PI. -«): der Weltkörper, worauf wir wohnen; die Oberfläche desselben, worauf man wandelt; die von Meer umgebene Ober- fläche: der Stofl" dieser i|Lioc «ein- sam». Bei Rot 1571, Heremit schon 1521 bei Judas Nazarei 58. ABL. Eremitage, f. : Einsiedelei. Mit Anlehnung an lat. ereniHa aus dem gleichbed. franz. ermitage m. Im 17. Jh. (Grimmeishausen Simpl. 510). Eren, s. Em. erfahren, v.: fahrend erwei-ben; (bildl.) durch eigne Anschauung zukommende Kunde vernehmen. Mhd. ervarn, ahd. irfaran «durch- ziehen, durchwandern, erforschen, erreichen». Das Pai-t. Prät. erfahren, als Adj.: be- wandert. Im 15. Jh. (Voc.theut. g7a). ABL. Erfahrung, f. MhA.ervarunge f., eig. «Durch- wanderung», dann «Erforschung; Wahrneh- mung; Kenntnis» (so in E. bringen). erfinden, v.: aus-, auffinden; durch Ver- such erkennen, als ein bisher Unbekanntes hervorbringen. Mhd. ervinden, ahd. irfindan «ausfinden, gewahr werden». ABL. Erfin- der, m., frühnhd. Davon erfinderisch, adj. Bei Adelung 1774. erfindlich, adj. Bei Luther. Erfindung, f. Im 15. Jh. ervindung f. Erfolg, m., 1619 bei Helvicus Sprach- kunst 35. Vom älternhd. erfolgeil in der Bed. «eiTeichen», mhd. ervolgen «erreichen, erlangen, erfüllen» (mit Dat. «zuteil werden»). erfordern, v. : verlangen, bedürfen, nötig haben. jVIhd. ervordern ist «fordern, gericht- lich verfolgen». ABL. erforderlich, adj.: nötig. 1741 bei Frisch. Nach Adelung obd. und im gemeinen Leben. Erfordernis, n. f. Bei Frisch 1741. Früher nur f. erfrören, v.: erfrieren machen. !Mhd. ervroeren. Jetzt nui- noch obd., während in der Schriftsprache das intr. erfrieren dafür eingetreten ist. erfüllen, v, : voll machen ; zu Ende bringen, ausführen, verwirklichen. Mhd. ervüllen. ABL. Erfüllung, f., mhd. ervüllunge f. ergattern, v.: heimlich, spähend aus- findig machen und in seine Gewalt bekommen. Urspr. wohl vom Geier, der seine Beute durch das Hühnergatter erspäht. Im 16. Jh. (D. AV, 3, 894 vom J. 1594). S. gattern und ausgattern. ergeben, v.: aus-, herausgeben; einträg- lich sein, eintragen (ui'spr. wiedergeben. Auf- gewandtes vergelten). Refl. sich e.: sich in jemandes 'Gewalt geben; als Folge her- vorgehen. Mhd. ergehen, ahd. irgehan; da- zu asächs. ägetan, ags. ägifan, got. nsgiban 461 ergötzen Erker 462 «ausgeben, wiedergeben, vergelten, bezahlen, erweisen». Mhd. sich ergehen auch «sich zeigen, zum Vorschein kommen». Das Part. Prät. ergeben als Adj.: hingegeben, sich hin- gebend. Bei Maaler 1561. Davon Ergeben- heit, f., bei Steinbach 1734. ABL. Er- gebnis, n. (zu sich ergehen): was sich als Folge ergibt. Bei Campe 1807 als neues Wort verzeichnet. Ergebung, f.: Übergabe einer Stadt usw., frtihnhd. (bei S. Franck Weltb. 18*); Gesinnung eines Ergebenen, Hin- gebung, Geduld, 1691 bei Stieler. ergiebig, adj. Bei Stieler 1691 (doch «sich eingebend»), bei Frisch 1741 wie jetzt, ältemhd. dafür ergihlich (Albertinus Lustg. 5^), ergehlich (Maaler 1561). ergötzen, ergetzen, v.: (mit Gen.) ent- schädigen (Jer. 8, 18): zu einem innerhch behaglichen Wohlgefühle stimmen. Mhd. er- getzen, ahd. irgefzcii «eines Dinges vergessen machen, wofür entschädigen, vergüten. Ge- nüge tun, vergnügen, vergnügheh stimmen», das Faktitiv zu ahd. irge^^an «vergessen». Die Schi-eibung ergötzen kommt schon im 16. Jh. bei Oberdeutschen vor, im 17. Jh. auch zuweilen bei ^litteldeutschen, z. B. Fle- ming Ged. 218, und ist im 18. Jh. sehr ge- wöhnlich, doch schreibt Adelung ergetzen. während Heynatz 1796 sich für ergötzen ent- scheidet ; bei Goethe ist in der Ausgabe letzter Hand ergetzen durchgeführt. ABL., ergötz- lich, adj. u. adv., bei Luther ergetzlich. Da- von Ergötzlichkeit, f. Schon im 15. Jh. ergetzlichait f. «Vergütung, Belohnung». erhaben, adj. und adv.: hei-vorragend; (abstr.) unerreichbar und so zu Ehrfurcht und Bewunderang stimmend. Mhd. erhaben, das Part. Prät. von mhd. erheben, ahd. ir- heffen, asächs. ähebbian, ags. ähebban, got. ushafjan, «zur Höhe heben, anheben». Dies Part, ist sonst im Nhd. durch erhoben er- setzt (doch kommt e. noch im 17. Jh. z. B. bei Harsdörfer, Schupp, Gryphius vor), während sich im adjektivischen Gebrauch e. erhalten hat. Das Prät. von erheben lautet erhob und erhuh (s. heben), früher auch erhebte, Part, erhebt (Luther Randglosse zu Rieht. 11, 35 hoch erhebt). ABL. Erhabenheit, f., mhd. erhabenheit f. erhalten, v.: aufrechthalten; in einem Zustand bewahren : Unterhalt geben : erlangen, bekommen. In allen diesen Bedd. bei Luther, mhd. noch nicht nachzuweisen. Erhart, Mannsname, ahd. Erhart. erhärten, v.: hart, fest machen; bekräf- tigen. In der 2. Bed. schon mJid. erherten, doch noch von Adelimg dem Obd. zugewiesen. erheben, s. erhaben. erheblich, adj. u. adv.: von Gewicht, von Belang. Frühnhd. T Albertinus Lustg. 203*). ^Bi.." Erheblichkeit, f., bei Stieler 1691. erholen, v. : (veraltet) heraus-, herbei- ' holen; erwerben (es erholen Lessing 3, 62). ' Refl. sich e. : sich verschaffen (in sich Rats e.); Verlorenes, Versäumtes zurück-, nach- ! holen, wieder einbringen, gutmachen; frische j Kraft gewinnen, eig. wohl «wieder Atem holen». Mhd. erholn, ahd. irhalön, irholön, refl. mhd. sich erholn. ABL. Erholung, f. Bei Luther. erinnern, v. : machen, daß jemand wessen wieder inne wird: iemand auf etwas auf- ! merksam machen, bes. tadelnd. Refl. sich e.: \ wieder inne werden. Frühnhd., auch bei Luther, mhd. dafür bloß innern, ahd. innarön, i abgeleitet von innaro «der Innere», daneben I mhd. erinnen «inne werden». ABL. erinner- I lieh, adj. Bei Stieler 1691. Erinnerung, f. I Im 15. Jh. erkalten, v.: kalt werden. Mhd. erkalten, ahd. irkalten. Dagegen erkälten, v. : kalt machen, mhd. erkelten. ABL. Erkältung, f., bei Rädlein 1711. erkennen, v. : durch Sinji oder Geist wahr- nehmen, sich eines bereits Wahrgenommenen wieder bewußt werden: seine Überzeugung wovon dartun, vgl. anerkennen; sich richter- lich äußern ; beiliegen (oft in der Bibel). Mhd. erkennen, ahd. ar-, irchennan in den obigen Bed.; ags. äcennan «zeugen», got. iiskannjan «jemand etwas kundtun, empfehlen». ABL. von dem Part. Prät. mhd. erkennet, erkant: erkenntlich, adj. u. adv.: erkennbar; Dank- barkeit an den Tag legend. Mhd. erkantlich «erkennbar, bekannt», frühnhd. erA'en^^/cÄ (voc. ine. teut. e2''), älternhd. oft erkänntlich; in der 2. Bed. im 17. Jh. (erkantlich bei Grimmels- hausen Simpl. 2, 147, 12 Keller). Davon Er- kenntlichkeit, f., bei Stieler 1691. Er- kenntnis, f. n. Mhd. erkantnisse f. n. «Hand- lung, Begiiff des Erkennens», bei Luther Er- kentnis f. n., auch im 18. Jh. noch oft als Neutr., z. B. bei Haller, Klopstock, Schiller, Kant, während jetzt (nach Adelung) Erkennt- nis n. nur «nach Untersuchung und Befund sich ergebende und ergehende Bestimmung». Erker, m. (-s, PI. wie Sg.): vorspi-ingen- der Ausbau oben an einem Hause oder an 463 erkiesen Erlkönig 464 der Vorderseite einer Mauer. Mhd. ärker, erker m., mnd. auch arkener, erkener m,, aus mlat. ärcora f. von lat. arcus m. «Bogen», im Mlat. auch s. v. a. «Zimmerwölbung, bogen- förmiges Zimmer». erkiesen, v.: erwählen. Mhd. erkiesen, ahd. irkiosan; dazu asächs. äkiosan, ags. äceosan, got. uskiusan. Die Flexion ist wie bei kiesen (s. d.) stark (Prät. erkor, Part. erkoren) und schwach. erklären, v.: klarmachen; der Einsicht öffnen; bestimmt kundgeben. Mhd. erMeeren «klar, hell, deutlich machen»; die 3. Bed. frühnhd. (in Glossaren des 15. Jh. bei Diefen- bach 168*). ABL. erklärlich, adj. Bei Rädlein 1711. Erklärung, f. Im 15. Jh. (Lexer Nachtr. 157 vom J. 1497). erklecken, v.: wozu ausreichend sein; zum Vorteil, zum besten gereichen, förder- hch sein. Mhd. erklecken. ABL. erkleck- lich, adj. Frühnhd. S. klecken. erkohern, v.: für verlorene Kraft frische sammeln. Noch oberdeutsch und in der Sprache der Bienenzüchter. Mhd. erkoheren, erkoveren «erlangen, gewinnen, zusammen- halten, zu frischer Kraft anregen», refl. «sich erholen», ahd. irkohorön verlangen, erreichen». Wie mhd, koberen, koveren, ahd. kohorön ent- lehnt aus lat. recuperäre «wiedererlangen», refl. «sich wieder erholen», mlat. cuperare «erwerben», woher auch afranz. coubrer «be- kommen», recovrer und recouvrer «wieder- bekommen, genesen», prov.-span. cobrar «be- kommen», iproY. recobrar und span. reco&rarse «sich erholen», sowie mndl. koeveren «er- werben», ags. äcofrian «wieder genesen», engl, recover «sich wieder aufraffen», schwed. förkofra «aufhelfen». erkoren, s. erkiesen. erküren, neuere Bildung (um 1730) statt des älteren erkiesen, s. küren. erkundigen, v.: Kunde wovon erwerben. Mhd. dafüi- et^kunden, dies noch bei Luther und bis ins 18. Jh. neben erkündigen. erlangen, v.: abreichend woran kommen; strebend erhalten. Mhd. trans. erlangen «er- reichen». Erlaß, m. (-sses, PI. -sse): Nichtanrechnung ; zur Befolgung Verfügtes oder Befohlenes. Bei Adelung 1774 (dafür ahd. urlä^ m. «Entlas- sung»). Von erlassen, v. : nicht anrechnen, von Anzurechnendem befreien; von sich aus- gehen lassen. Mhd. erlägen, erlän, ahd. ir- lägan «wovon freilassen»; dazu asächs. älätan, ags. älätan, got. usletan «ausschließen». Die 2. Bed. bei Adelung 1774. erlauben, v.: Recht und Freiheit geben, etwas zu tun oder zu lassen. Bei Luther, auch sonst früher bei Mitteldeutschen, erleuben. Mhd. erhüben, e^iöuben, ahd. irlouben; dazu ags. älyfan, got. uslaubjan. Vgl. glauben. ABL. Erlaubnis, f. Fmhnhd. (um 1480 im Voc. ine. teut. e2^ erlaubniß). erlaucht, adj.: hoch und hen-lich, als Titel, im besondeni bei Reichsgrafen, «er- haben». Davon als Subst. Erlaucht, f.: Erhabenheit, Titel der Reichsgrafen. Das zum Adj, gewordene Part. Prät. von er- leuchten, mhd. erliuhten, ahd. irliuJiten, mhd. (mit Einführung des Rückumlauts) erlühtet (für erliuhtet), erlüht, das schon im 14. Jh. als fürstliches Titelbeiwort verwendet wird, ABL. erlauchtig, adj., mhd. erliuhtic, er- lühtic (auch als Titel). Vgl, durchlaucht. erläutern, v.: erklären, klarmachen. Mhd. erliutern «hellmachen, erklären», von lauter (s. d.). Erle, f. (PI. -n): der auf Sumpfboden wachsende Baum, lat. alnus, Mhd, erle, ahd, erila, umgestellt aus elira f, (s. Eller); dazu ags, alor, engl, alder, anord, ölr m., elrir m., elri n. und mit Erhaltung des sonst zu r gewandelten s ndl, eis (s, Else). Verwandt ist lat, alnus aus *alsnus f,, abg, jelicha f, «Erle*», lit. eiksnis m. «Erle». ABL. erlen, adj,, mhd. -ahd, erlin. Auch in Erlenholz usw, erledigen, v, : ledig, d. i, frei, leer machen, mhd. erledigen «völlig zu Ende bringen» (erst von Adelung 1774 als obd. angeführt). erlegen, v.: niederlegen, zu Falle bringen, mhd. erlegen «bezahlen», eig. «auf den Zahl- tisch legen» (fmhnhd.). erleiden, s. leideyi. erlesen, adj.: ausgesucht, ganz vorzüglich. Frühnhd., eig. Part. Prät. von erlesen, mhd. erlesen, ahd. irlesan «auslesen, das Beste her- auslesen». erliegen, v.: danieder liegen, völlig bis zum Nichtwiederaufstehen entkräftet werden wovon. ÄIhd. erligen, ahd. irliggan, irligan, ags. alicgan. Erlkönig, auch Erlenkönig, m.: Elfen- könig. Beide 1779 von Hei'der in seinen Volksliedern gebildet als Übersetzimg des dän. ellekonge, ellerkonge, d. i. elvekonge, elver- konge «Elfenkönig, Beherrscher der Elfen», in welchem Wort er eile aus Mitverständnis für eil, in Zusammensetzungen eile «Erle» nahm. 465 Erlös Ernte 466 Erlös, m. {-es): das gelöste oder einge- nommene G-eld. Erst bei Campe 1807 als obd. angeführt. Von erlösen, in der Bed. «Geld gewinnen», schon mhd. erloesen auch «erzielen, gewinnen». erlöschen, v. (Prät. erlosch, Part, er- loschen): aufhören zu leuchten: (büdl.j auf- hören sichtbar, wirksam, tätig zu sein. Mhd. erleschen (Prät. erlasch), ahd. irlescan. Da- gegen erlöschen (Prät. erlöschte, Part, er- löscht): erlöschen machen. Mhd. erleschen (Prät. erlaschte), ahd. irlescan, irlesken, das Faktitiv von irlescan. S. löschen. Erlöser, m. (-s, PI. wie Sg.): Befreier, nam. von Christus als Befreier von der Sünde. Mhd. erloescere (auch bloß Icescere), ahd. ir- lösari m. erlnstleren, retl. v. : sich in Wohlgefühl, heitere Stimmung versetzen. Bei Luther, mit fremder Endung, dagegen mhd. erlusten, wie neben erlusten bei Luther; bei Maaler 1561 erlustigen. ABL. Erlustlgung, f., 1538 bei Schaidenreißer Paradoxa 8*. ermächtigen, v. : wozu Macht, Vollmacht geben. Bei Wieland, wohl aus dem Obd. (noch nicht bei Adelung). Dagegen refl. sich e.: sich bemächtigen. Von Adelung 1774 als obd. angeführt, noch bei Schüler (Jungfr. V. Orl. 1,^10. Teil 2, 2). ermannen, refl. v.: Mut fassen, eig. zum Mann werden. Mhd. (ohne sicK) ennannen. ermessen, v.-. ausmessen, mhd. ernie^^en, ahd. irme^^an: erwägen, beurteilen. In der 2. Bed. in der frühnhd. Kanzleisprache (Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 317), von Adelung und Heynatz noch als obd. empfunden. Davon das Subst, Ermessen, n. erniitteln,v. : feststellen, ausfindig machen, ausmitteln (s.d.j. Erst um 1800, bei Campe 1807 noch nicht verzeichnet. Früher in der Bed. «durch angewandte Mittel möglich machen», 1619 bei Londorp acta publica 1, 698 ^ ermuntern, V. : munter machen, erwecken, anregen. Mhd. ermuntern «aufwecken». j Em, Eren, auch Ähren, m. {-s, PI. wie : Sg. j : der Hausraum zwischen der Haustür und den Zimmern desselben Stockes. Ln westlichen Süd- und Mitteldeutschland, auch Thüringen üblich (bei Schiller Käuber 4, 4 Ohm, Schweiz, u. schwäb. auch Ervi). Mhd. | eren, em «Fußboden, Tenne», ahd. arin, erin\ m. «Fußboden, Altar»: dazu ags. am n. «Haus», anord. arenn, dän. arne m. «Herd». Wohl urverwandt mit lat. ärea f. «Tenne, innerer Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. freier Hofraum». Weiteres bei Walde s. v. ärea, Meringer Idg. Forsch. 17, 122. Zu- weilen auch ÄJire f. (Klopstock Messias 20, 144 und 152, auch bei Adelung). ernennen, v.: zu einer Stelle bestimmen, Mhd. ernennen «namhaft machen»; die jetzige Bed. bei Krämer 1678. ^ Ernst, das Appellativum Ernst (s. d.) als Mannesname, ahd. Ernust. "Ernst, m. (-es): Festigkeit des Wülens- entschlusses; Festigkeit der Gesinnung. In es ist, ivird Ernst, mhd. ynir ist ernest, in adjektivische Bed. übergehend, dann auch attributiv verwendet «im Wülensentschlusse fest: scherzlos» (schon bei Luther). ^Ihd. ernest, ernst (auch «Kampf»), ahd. ernust f. n.; dazu ags. eornost f. «Kampf, Zweikampf», ndl. ernst m., engl, earnest (auch Adj.). Ver- wandt ist mit Vokalablaut got. amiba adv. «fest, sicher»: femer vielleicht aind. ärnas n. «wallend, flutend, Woge. Kampfgewühl, Strom», arnäväs «wallend, flutend», aw. armav- m. «Kampf, Wettkampf», Bartholomae ZfdW. 6, 355. ABL. ernsthaft, adj. u. adv. Mhd. ernesthaft (auch «kampfbereit»), ahd. ernust- haft. Davon Ernsthaftigkeit, f., mhd. ernesthafticheit f. ernstlich, adj. u. adv., mhd. emestlich auch «streitbar», ahd. emustlih, and. ernusfHko (ernstlich, wirksam). Ernte, f.: Einsammlung des Boden- oder Baumertrags; die eingesammelten oder ein- zusammelnden Früchte; die Zeit der Ein- sammlung: (büdl.) Gewinn, Ertrag wovon. Bei Luther ernd, erndte, sonst ältemhd. meist Emd, Emde, erst bei Adelimg 1793 Ernte. Mhd. ernede, ernde f., hervorgegangen aus dem Plur. arnödi des ahd. arnöd m., das eine Ab- leitung von dem Verbum ahd. arnon, mhd. arnen, ags. earnian, engl, earn ist, vgL Mond aus mhd. mänöt. Das gewöhnliche Wort für Ernte ist mhd. erne f. (auch noch älter- nhd. und jetzt dialektisch), hervorgegangen aus dem Plur. erni des ahd. aran m. «Ernte»; dazu got. mit dem lu-sprüngl. s asans f. «Erntezeit, Emtefeld», anord. önn (aus *azna) f. «Erntezeit, Arbeitszeit, Arbeit». Dazu ge- hört noch got. asneis m. «Mietling, Tage- löhner», ahd. (nait bewahrtem s) asni m. «Mietling», ags. esne m. «Knecht, Jüngling», and. asna f. «Lohn, Abgabe». Nicht zu lat. annöna f. «Jahresertrag an Getreide», das nur auf "^atnona zurückgehen kann, vgl. Walde s. v., vielmehr zu apreuß. assanis «Herbst» (aus dem Gotischen?), ahg. jeseni 30 467 erobern erschrecken 468 m. «Herbst». ABL. ernten, V. Bei Luther erndten, dafür mhd, amen, 1482 im Voc. theut. hl* erneu. ZUS. Erntemonat, m.: August. Ahd. arcmmcwoth m., die von Karl d. Gr. eingeführte Benennung. erobern, v.: durch (Waffen-) Gewalt zum Herni wovon werden. Eig. «der Obere wo- von werden», mhd. auch einfach ohern, ahd. oharon, spätmhd. erobern «übertreffen, über- winden, eriibrigen», intr. «übrigbleiben», frühnhd. dann «behaupten, erwerben» und bei Luther (auch eröhern) in der jetzigen Bed. erörtern, v.: von allen Enden (Seiten) betrachten, darlegen. Im 15. Jh., daneben auch bloß örtern «genau untersuchen», ab- geleitet vom Plur. Örter des mhd. ort n. m. «Spitze, Ende, Seite», also eig. «bis an die äußersten Spitzen verfolgen», vgl. ausecken. erotisch, adj.: die Liebe betreffend. Nach dem gleichbed. ,gi\ ^pujtiköc, von ^ptur m. «Liebe». Im spätem 18. Jh. Erpel, m. (-S, PI. wie Sg.): Enterich. Ndd., schon mnd. erpel, arpel m. Vgl. anord. jarpr «Haselhuhn», eig. «der Braune», ahd. erp/'«fuscus», russ. rjahu «bunt», lett. ierhe f. «Haselhuhn». erpicht, adj.: durch Leidenschaft woran gefesselt. Eig. vom Vogel, der am Pech (Vogelleim) hängen geblieben ist. Seit dem 17. Jh. (Fleming Ged. 390), daneben auch verpicht (Gryphius Trauersp. 483). erpressen, v.: durch Zwang erlangen, 1595 bei Pistorius anatomia Lutheri Vorr. 54 erbressen. erquicken, v.: zu fnschem Leben er- wecken. Mhd. erquicken, auch erkücken, er- kicken, ahd. irquicchen, auch irchucchen «wie- der lebendig machen, vom Tode erwecken», dann «erneuern», dessen quicchen abgeleitet von dem Adj. quec «lebendig», s. auch keck; dazu asächs. äquikön, ags. äcividan. ABL. erquicklich, adj. u. adv. Frühnhd. Er- quickung, f. Frühnhd. erratisch, adj.: verirrt, zerstreut, bes. in der Verbindung erratischer Block: Wander-, Findlingsblock. Aus lat. e>Täticus «umher- irrend» von erräre «irren». Kunstwort der neuen Geologie, durch Scheffel allgemein be- kannt geworden. erregen, v.: rege machen, in Bewegung bi"ingen; (von Gefühlen usw.) hei'vorrufen. Bei Luther. ABL. Erregung, f. erreichen, v.: bis woran reichen; wozu gelancren. Mhd. erreichen. erretten, v.: einer Gefahr oder Not ent- ziehen. IVIhd. erretten, ahd. irretten, ags. ähred- dan, urspr. «heraus-, wegreißen, entreißen», s. retten. ABL. Errettung, f. Bei Luther. Errungenschaft, f.: Erwerbung, Vor- teil. Urspr. Rechtswort, 1663 bei Schottel 380 nur i. d. Bed. «in der Ehe erworbene Güter», so auch bei Adelung als Kanzlei- ausdiiick, die allgemeine Bed. gehört der neusten Zeit an, s. Ladendorf. Ersatz, m. (-es). Im 15. Jh. in der Schweiz ersatz m. «gleichgeltende Strafe», erst nach 1750 in der jetzigen Bed. allgemein gewor- den. Von ersetzen, s. d. ersaufen, v.: zum Verderben saufen (Jesaia 28, 7); in Flüssigkeit das Leben ver- Ueren. Bei Luther: dagegen mhd. ersüfen. ahd. irsüfan «sich voll trinken ». Dazu als Faktitiv das schwach flektierende ersäufen, V.: ersaufen machen, mhd. ersoufen, ersöufen, neben mhd. -ahd. soufen «ertränken», Faktitiv von ahd. süfan «saufen» (s. d.). erschallen, v.: einen starken, weithin gehenden Laut zuriick- oder von sich geben; in solchem Laute sich kundgeben. Dafür mhd. erschellen (Prät. erschal, Plur. erschullen, Part, erschollen), ahd. irskellan als intr. Ver- bum, das ein trans. erschellen (Prät. erschalte), ahd. irskellen «Schall hervorrufen», und ein seltenes von schal gebildetes mhd. erschallen «durch Schall erwerben» neben sich hat. Bei Luther im Präs. erschallen, Prät. erschall, seltener erschallte (1. Sam. 4, 5), Part, er- schollen, sonst älternhd. auch erschellen im Präs., 3. Sing, er schult, im 17. Jli. von den Schlesien! gebraucht und noch bei Adelung angefühi-t (auch ein trans. erschellen, s. zei'- schellen). Das Prät. erscholl 1663 bei Schottel 584 (aber Konj. noch erschülle). erscheinen, v. : zum Vorschein kommen, sichtbar werden, mhd. erschinen, ahd. irskinan: deutlich werden, erhellen (frühnhd.) ; in einer gewissen Gestalt sich zeigen. ABL. Er- scheinung, f., mhd. erscMnunge f. erschöpfen, v.: ausschöpfen (mhd. er- sehe}) fen, 1541 bei Frisius erschöpfen): zu Ende bringen; vollständig behandeln. Refl. sich e.: zu Ende gelangen. Im 17. Jh. (1696 in Lokmans Fab. 16). erschrecken, v. (Prät. erschrak, Part. erschrocken): infolge einer heftigen Wirkung auf die Seele auf-, zusammenfahren. In nordd. Umgangssprache auch refl. (ich habe mich er- schrocken, besser ich bin erschrocken). Mlid. 469 erschüttern ersuchen 47u erschrecken, daneben erschricken, ahd. ir- scricclian «aufspringen», dann «erschüttert auf-, zusammenfahren», s. Schreck. Die starke Flexion dringt erst vom 11. Jh. an durch, daneben noch mhd. erschricken mit schwacher Flexion. Dazu erschreckeu, ^■. (Prät, er- ' schreckte): erschrecken machen, in Schrecken' setzen. Mlid. erschrecken (Prät. erschrahfe, erschracte), ahd. (bei Notker) irscrecchen, das Faktitiv von irscricclmn. ABL. er- SChrecklich, adj. u. adv. Mhd. erschrecke- lieh. Älternhd. oft erschröcklich, das auf mhd. erschrockenlich (vom Part. Prät. er- schrocken) zurückgeht. Erschreckiiis, f. n. Mhd. erschrecknis f. erschüttern, v.: in Bewegung geraten (noch im 18. Jh.; bei Luther erschüttern); in Bewegung versetzen. Mhd, ohne AbleituHg erschütten, ahd. irscutten «erschüttern, er- ; schüttert -werden». ' I erschwingen, v.: schwingend in Bewe- gung setzen, mhd. erswingen; im Schwünge reichen (so mhd., auch büdlich) ; (von Kosten) «aufbringen» (Hans Sachs 4, 343). ABL. erschwinglich, adj., nach der letzten Be- deutung des Verbs, 1774 bei Adelung. ersetzen, v.: wiedersetzen, d. h. den gleichen Wert erstatten. !Mhd. ersetzen, ahd. irsetzen in dieser Bed., dagegen ags. äsettan «zusammensetzen, errichten, einrichten», got. ussattjan «aussetzen, ausschicken, draufsetzen, pflanzen, gründen, zeugen». ersprießen, v.: wachsend zur Höhe! sich heben; förderlich sein. Mhd. er sprießen. : ABL. ersprießlich, adj. u. adv.: gedeihHch, forderlich. In der friihnhd. Kanzleisprache (Janssen Frankf. Reichskon-, 1, 502), 1524 von Luther noch bekämpft (Bindseil 7, 315). erst, mit dem bestimmten Artikel der, die, das erste: Ordnungszahlwort von eins. Mit Präp. in attfs erste, fürs erste, am ersten, zum ersten adverbial. Davon Akk. Sing, des Neutr. erst als Adv. : vor aUem andern, vor 1 allen andern ; vor allem ; vor allem einmal ; | anfangs; nicht friiher; nicht weiter oder mehr [ als. Mhd. erest, erst, ahd, erist: dazu asächs. erist, ndl. eerst, afries, erosf, ags. (erest, der Superl. zu eher, s. ehe. Davon erstens, i genitivisches Adv. für früheres am, zum ersten. Erst bei Adelung als Wort des ge- , meinen Lebens angeführt, erstcrer, der ' erstere. Mit Komparativendung von erst gebildet. Im 17. Jh., zunächst ohne strenge Scheidung von der erste, dann zum Hinweis ; auf das erste von zwei genannten Personen oder Dingen gebraucht. ABL. erstlich, adv.: am ersten, zum ersten. Bei Luther. Erstling, m. {-s, PI. -e): das zuerst Her- vorgebrachte. Bei Luther. erstatten, v.: ergänzend geben (bei Luther); schadlos machend geben: überhaupt geben (in Bericht e.). Mhd. erstaten «ersetzen». S. statten. erstaunen, v.: in Staunen versetzt wer- den (1541 bei Frisius 818^); in Staunen ver- setzen (zunächst das Part., erstaunend «staunen machend» bei Steinbach 1734 und Frisch 1741, danach die übrigen Formen, z. B. bei Cloethe, SchiUer usw.). S. staunen. ABL. erstaun- lich, adj. u. adv.: Staunen eiTegend. Bei Stieler 1691. erstecken, s. ersticken. erstehen, v.: sich erheben, mhd. erstan, ersten, ahd. irstantan, ebenso asächs. ästan- dan, got, iisstandun: überstehen, aushalten (friihnhd.); am Auktionstisch stehend er- werben (mhd. durch Stehen vor Geincht er- werben); überhaupt erwerben, kaufen. erstens, ersterer, s. erst. ersticken, v.: l) intr. mit sein: aus Mangel an Luft aufhören zu leben. 2) trans. mit haben: durch Entziehung der Luft auf- hören machen zu leben, Mhd. ersticken, ahd. irsticchen ist intr. «ersticken», urspr. wohl dui'ch Steckenbleiben des Atems zum Tode benommen sein. Ein transitives mhd. ersticken findet sich in der Bed. «aus-, vollstopfen», dann im Mitteldeutschen des 14. Jh. wie unser transitives ersticken, so auch von Luther ge- braucht. Es verdrängte das üblichere mhd, erstecken (Prät. erstahte), das noch im 17. Jh. bei den schlesischen Dichtem und noch jetzt dialektisch im Bayr. vorkommt. erstlich, Erstling, s. erst. erstummen, v.: stumm werden (Luk. 1, 20). Mhd. erstumynen, ahd. ir stummen. erstunken, adj, : übelriechend geworden, in erstunken und erlogen «verabscheuenswert gelogen» (bereits bei Mumer Geuchm. 46 und bei Luther). Das Part. Prät. von älternhd. erstinken, mhd. erstinken «in Gestank oder Fäulnis übergehen, stinkend werden». ersuchen, v.: aussuchen (1, Sam. 13, 14); inständig bitten (bei Luther): in förmhcher Weise bitten (aus der Kanzleisprache). Mhd. ersuochen ist «ausforschen, ergründen, unter- suchen, heimsuchen», ahd, irsuochen «ver- suchen, ei*proben», got. ussökjan «untersuchen». 30* 471 ertappen £rz 472 ertappeil v.: wobei überraschen, eig. ifacÄ;f, rröpoc m. «Dui'chgang», iropeüeiv «fahren, übersetzen», -rropeuecGai «i'eisen, gehen», lat. (übertragen) peritus «erfahren», abg. prati «fahren, springen», aind. piparti «führt hin- über», aw. par- «hindurch-, hinübergehen». S. auch Fahr. Fährgeld, n. (-es, PI. -er)-. Lohn des Schifi"ers für die Überfahrt. Bei Luther (Jon. 1, 3 fehrgeld), dafür mhd. verlön, zusammen- ges. mit mhd. vern «übersetzen», s. Fähre. fahrig, adj.: nicht gehalten, unbeständig. Dialektwort, das Adelung 1798 noch nicht kennt, von Goethe oft gebraucht, abgeleitet von fahren. (Bei Maaler 1561 ferig «hurtig», mhd. veric «fertig»). fahrlässig, adj. u. adv.: aus Unachtsam- keit unterlassend, aus Säumigkeit unachtsam. Ln voc. praed. q 2^ varlessig «negligens» (aber bei Eychmann 1483 n7^ verlesig), dann bei Keisersberg bilgerschafft 1^2^ farlessig, später als Rechtswort oft gebraucht. Kaum ge- bildet von fahren lassen «geschehen lassen, nachlassen, aufgeben», sondern wohl mit An- lehnung an fahren entstellt aus einem mhd. verlcegec, vürlcegec, abgeleitet von verlaß, vürläg m. «Lässigkeit, Versäumnis», vgl. die Bildungen hinlässig, nachlässig usw. ABL. Fahrlässigkeit, f., im voc. praed. q 2^ var- lessigkeit (dagegen bei Eychmann 1483 nl^ verlassigkeyt), bei Keisersberg sünd. d. munds 78^ farlessigkeit , in Wedels Hausbuch 281 u. 0. fahrlosigkeit. Fährlichkeit, s. Fahr. Fährmann, m. (-s, PI- -männer): Ferge. Zusammenges. mit mhd. vern «übersetzen», s. Fähre. Bei Comenius 1640. 493 Fahrnis Falke 494 Fahrnis, f. : fahrende Habe, bewegliches 1 Eigentum. Bereits im 16. Jh. (Luther Tischr. 420 a). Fahrt, f. (PI. -en): die Foitbewegung ^ wohin; Durchgang, Weg für Fuhrwerk. Mhd. I vart, ahd. fart f.; dazu asächs. fard f., ndl. vaart m., ags. ftp-d, ferd f., anord. ferd f., schwed. ßrd m., dän. fcerd. Abstraktbildung mit f-Suffix zu fahren. S. auch Fährte. Fährte, f. (PI. -«) : Wildspur. Aus dem Gen. Dat. Sing, oder Plur. verte des mhd. vart f. in der engem Bed, «Weg des Wildes, Wildspur», wie noch weidmännisch auch Fahrt gesagt wird, ahd. fart f. «Weg, Spui-». Bei Stieler 1691 Fürte. Fahrzeug", n. (-es, PI. -e)-. von Holz ge- machtes hohles Werk zum Fahren auf dem Wasser: auch Fuhrwerk zu Lande. Im 17. Jh., 1703 im Zeitungslex. und 1711 bei Kädlein. Faksimile, n. (s, PI. -s): ^Fachbildung einer Handschrift. Das nlat. facsimüe {fac, Lnp. von facere «machen», simile, Neutr. von similis «ähnhch»). Im 18. Jh. ^ Faktiön, f. (PI. -en): Partei, poUtische Meinungsgenossenschaft. Aus lat. fadio f. ' 1538 bei Franck Chron. d. Teutschen 194^ u. 0., bei Eot 1571. — faktisch, adj. u. adv.: tatsächlich. Gebildet von lat. factum n. «Tat», eig. Xeutr. des Part. Perf. Pass. f actus von facere «machen». In der neuern Sprache, bei Hejnatz 1796. — Faktor, m. (-s, Plur. Faktoren) : Vervielfältigungszahl; eine im Pro- dukt wirkende Ki-aft; Geschäftsführer. Auslat. factor m. «Verfertiger», im Mlat. auch s. v. a. «Geschäftsvorsteher» und in dieser Bed. ist Factor im 16. Jh. geläufig (Cod. dipl. Sües. 20, 178 von 1510). Davon Faktorei, f. (PI. -en): Wohnung und Geschäft eines Fak- tors, dann Handelsniederlassung; bei H.Sachs. — Faktotum, n. (-s, PI. -s): der aUes in allem ist, namentl. allseitig nützlicher Diener. Das nlat. factotum {fac, Imp. von facere, tötum «alles»). Schon im 16. Jh. (Wedel , Hausbuch 246 u. 313, Fischart Barf. 3523). — Faktum, n. (-s, PI. Fakta): Tatsache. Das lat. factum, s. o. 1703 im Zeitungslex. — Faktur, f. (PI. -en): Warenverzeichnis! nebst Preisberechnung; Rechnung. In der 1. Bed. bei Krämer 1678. Fakultät, f. (PI. -en): körperliche oder geistige Kraft zu tun; Vermögen wozu; Fähig- keit, mhd. fakvltet f.; Gesamtheit der Profes- ' soren von einer der vier Hauptwissenschaften einer Universität (im 15. Jh.). Von lat. facul- tas (Gen. facultätis) f. «Vermögen, Kraft, Be- fähigung», im Mlat. auch s, v. a. «Zunft» usw. ABL. fakultativ, adj. u. adv,: be- fähigend, ermächtigend wozu; beliebig. Aus franz. facultatif, nlat. facultativus. Noch nicht bei Campe 1813. falb, adj.: blaJßgelb, weißHchgelb. Der Falbe, ein Falber (Goethe [?] 4, 355), «blaß- gelbes Pferd», s. auch ^ Falke. Eig. identisch mit fahl (s. d.), und aus der flektierten Form des mhd. val (flekt. valwer), ahd. falo (flekt. falawer) mit Übergang des w in b hervor- gegangen. Fiühnhd. falb, z. B. um 1480 im voc. incip. teut. f 6^, danach von Luther 3. Mos. 13, 31. 37 neben falh (Off. Joh. 6, 8) gebraucht, bei Alberus Dict. E 2 '', nebenein- ander fal, falb. ABL. falben, v.: falb wer- den, aus mhd. valwen, ahd. falaxoen. Falbel, f (PI. -n): Faltenbesatz an Frauen- kleidera. Bei Nieremberger 1753 (1715 bei Amaranthes 523 noch Falbala). Aus franz. falbala m., ital. falbala f., span. falbala, auch farfala f. falben, s. falb. Fälber, s. Felber. Falge, s. -Felge. Falkaüne, f. (PI. -n): Geschütz zu 4- bis 5 pfundigen Eisenkugeln. Aus mlat. falcöna f., von lat. falco m. «Falke», welchen Raub- vogelnamen man wie Drache, Schlange auch auf ein schweres Geschütz anwandte. Im 16. Jh. Falkelan (Liliencron 3, 384 v. J. 1521), Falcon (ebend. 4, 367 v. J. 1546), Falchana (bei Fronsperger 1, 59 *j. ^ Falke, m. {-n, PI. -n): blaßgelbes Pferd, blaßgelber Ochse, blaßgelbe Kuh. Oberdeutsch, Von obd. falch, Nebenform zu den gleichbed. fahl, falb (s, d,), die mit lit. pälsas «fahl» übereinstimmt. "Falke, m. [-n, PI. -n): eine Art Raub- vögel, Auch gekürzt Falk, dann zuweilen im Sing, stark flektiert (Dat. Falk Herder Cid Nr, 7, Akk. Falk Schiller 13, 329), Älhd. valke, ahd. falcho m.; dazu ndl.valk, engl. falcon (aus dem Deutschen), anord. falki, schwed,- dän. falk m. Wahrscheinlich echt deutsch und daraus entlehnt das um 340 vorkom- mende lat. falco m. Der deutsche Ursprung wird namentlich durch die alten Eigennamen, Falchovarii, ahd. Falco, ags. Wester falcna wahrscheinlich. Das Wort gehört am ehe- sten zu falch (s. d.) «fahl» und weiter zu lit. pälsas, abg, pelesü «gi-au». Vgl. Baist bei Kluge EWB. s. v.. Kluge Zschr, f franz. 495 Falkouett falsch 496 Spr. VL. Lit. 13, 2, 185, Körting Lat.-roman, WB.3. ABL. Falkner, m. {-s, PI. wie Sg.), mhd. valkencBre. Aus mlat. falconarius m. «Falken zur Jagd übender und abrichtender Jäger». Daneben auch mit engerm Anschluß an das lat. Wort Falkenier m. Falkon^tt, n. {-s, PI. -e): kleine Fal- kaune. Aus franz.-engl. falconet, ital. falco- netto m. mit verkleinerndem -etto von mlat. falcona f., s. Falkaune. Im 16. Jh. (Lilien- cron 3, 474), daneben auch Falkenet (ebend. 3, 74). Fall, m. {-es, PI. Fülley Äfhd. val (Gen. volles), ahd. fal m.; dazu asächs.-afries. fal m., ndl. val m., ags. feal m., engl. /aW, anord.- schwed. fal n., dän. fald n. In der gram- mat. Bed. für lat. casus hat «Fall» zuerst der Gießner Professor Christophorus Helvicus (Helwig) in seinem 1619 erschienenen Werke Sprachkünste. S. auch falls. Falle, f. (PI -n): Fangwerkzeug mittelst Zufallen von et- was. jMhd. volle, ahd. and. falla f. ; dazu ndl. val, ags. feall f. Von fallen, v. (Prät. fiel, Part. gefallen): vermöge seiner Schwere sich nie- derbewegen; mit Geschwindigkeit, gewaltsam sich wohin bewegen; tot niederfallen; Exi- stenz, Ehre usw. verlieren ; an Umfang, Wert verliei'en; wozu kommen; wohin geraten. MM. vollen, ahd. fallan; dazu asächs. follan, ndl. Valien, afx'ies. falla, ags. feallan, engl. fall, anord.-schwed. falla, dän. falde. Ver- wandt ist lit. p'iolu «falle», Inf. piilti, aber kaum lat. faller e «betmgen, täuschen», gr. ccpdXXeiv «fällen, zu Boden werfen», cqpdWecem «sich täuschen, fehlen», aind. 5p/iaZ-« wanken». Vgl. Walde s. v. ZUS. Fallbrücke, f., 1626 bei Opitz Argenis 2, 58. fällen, V.: faUen machen; zu Boden-, niederwerfen. Mhd. vellen, ahd. fellan; dazu asächs: fellian, ndl. vellen, afries. fella, ags. fella, engl, feil, anord. fella, schwed. fälla, dän. fälde, Faktitiv zu fallen. fallieren, v.-. öffentlich zahlungsunfähig werden. Aus ital. follire «betrügen, fehl- schlagen, bankrott werden», das auf lat. fäller e «betrügen, täuschen» zurückgeht. Bei Rot 1571 falliren «betmgen», sonst im 16. Jh. auch in der jetzigen Bed. fällig, adj.: zu Falle kommend, z. B. in. hau-, fußfällig; zu festgesetzter Zeit zu fallen (zahlen) bestimmt. Mhd. vellec «fallend, bau- fällig, gerichtlich verfallend, vor Gericht im Kampfe überwunden», ahd. fellic «zu. Falle bringend, in Trümmer fallend». Falliment, n. {-s, PI. -e): öffentlich er- klärte Zahlungsunfähigkeit. Aus ital. falli- mento m., von fallire, s. fallieren. Bei Fisch- art Garg. 79 Fallement, bei Krämer 1678 Falliment Fallreep, n. (-s, PL -e) -. türartige Öffnung in der Bordwand des Schiffes. Seemanns- ausdruck und daher nd.-ndl. Ursprünglich eine Imperativbüdung aus fall «laß fallen» und reep «Tau», mit der Bedeutungsentwick- lung «Tau, Strickleiter, Leiter, Treppe, Trep- penöffnung». Bei Röding. Bei Campe Fall- reif «Falltau». falls, bedingende Konjunktion, eig. Gen. Sing, von Fall m.: im Falle daß. Bei Stieler 1691, nach Adelung und Heynatz 1796 nur im gemeinen Leben. Fall hat hier die Bed. «eintretende Möglichkeit», die vom Fallen der Würfel ausgegangen ist. Häufig in Zusammen- setzungen -falls. Fallstrick, m. (-es, PI. -e) : woräber fal- lender Strick, Schlmge zum Fang vonWüd; Nachstellung. Bei Luther, auch bildlich. Fallsucht, f.: die fallende Sucht, Hin- fallen unter Zucken und Schäumen. Mhd. vallensuJit f., aus vollende suht, ahd. fallendiu suht. Im 16. u. 17. Jh. dafür auch Follühel, zusammengez. Falbel n. Falltor, n, (-S, PI. -e): von selbst zu- fallendes Zauntor über einem Fahrweg. Mhd. volletor n., abgeschwächt voltor, voller. falsch, adj. u. adv.: anders scheinend, als wirklich ist; innerlich feindselig. Mhd. vals, meist volscli, mit ndl. volsch, ags.-anord. fols, engl, false, entlehnt, trotz E. Schröder AfdA. 23, 156, aus dem gleichbed. lat. falsus, eig. das Part. Perf. Pass. von f ollere «täuschen, betrügen». Davon substantiviert mhd. vals, volsch m. «Fehl, Bosheit, Unrecht, Betinig», jetzt noch in ohne Falsch, mhd. äne volsch. Das seh in volsch kann rein lautlich entstan- den sein wie in feilschen ; da aber auch mnd. volsch neben vals, ndl. volsch, dän. (entlehnt) folsk vorkommt, so wird es erklärt aus dem Einfluß des schon im Ahd. vorhandenen Ver- bums fälschen, v.: falsch machen, d. h. verfälschen, der Richtigkeit benehmen. Mhd. velschen «verfälschen, füi' falsch erklären», ahd. felscen, falskon, meist gifelscen, gifalscön «für falsch erklären, zurückweisen, wider- legen», wahrscheinlich eine Umbildung des lat. gleichbed. falsificäre (falsicore, fals- core?). ABL.' Fälscher, m. (-s, PI. wie Sg.), mhd. valschcere, velschcere. Falsch- 497 Falsett famos 498 heit, f., mhd. valschheit. fälscMich, adj, u. adv., mhd. valschlich. velschlich. ZUS. Falschmünzer, m. {-s, PI. wie Sg.). Bei Campe 1808. Goethe 34, 1, 369 sagt noch falscher Münzer. Falsett, n. {-\e]s, PI. -e): Fistelstimme, Kopfstimjne. Aus ital. falsetto m. «Fistel». 1791 bei Roth. -falt, jetzt altertümlich (z. B. mannigfalt, vgl. auch Einfalt), häufiger das abgeleitete -faltig (z. B. mannigfaltig, dreifaltig in Drei- faltigkeit f.), am übüchsten mit durchge- drungenem Umlaut -fältig (z. B. ein-, zwei-, drei- usw., vielfältig) wird mit bestimmten und allgemeinen Zahlwörtern zusammengesetzt lind bed. «soviel mal genommen (urspr. ge- faltet), als das als erstes Wort der Zusammen- setzimg stehende Zahlwort anzeigt». Mhd. -valt, ahd. -falt; dazu asächs. -fald, ags. -feald, engl, -fold, (nur in twofold), anord. -faldr, got. -falßs; mit den davon abgeleiteten mhd. -valtic, -veltic, ahd. -faltic ebenso von falten (s. d.) entsprossen, wie das in gleichem Sinne stehende lat. -plex, z. B. simplex, duplex usw. von lat. plicäre «falten». Im Griech. ent- spricht -trX.äcioc aus -irXäxioc, biTraXxoc «zwie- fach geschwungen». Falte, f. (PI. -n), mhd. valte f., daneben valt m., ahd. (bei Notker) vald m.; dazu ndl. (mit Ausfall des d) vouw f., ags. feald m., anord. faldr m., dän. fold. Von falten, ,v.: mit- telst einer Übereinanderbiegung zusammen- legen, mhd. valten (Prät. vielt, Part, gevalten), valden, ahd. faldan, faltan; dazu ndl. vouwen, ags. fealdan, engl, fold, anord. falda, schwed. fälla, dän. folde, got. falpan, Prät. faifalp. Verwandt ist aind. putas m., putam n. (mit t aus It) «Falte, Tüte, Tasche», gr. biiraXxoc und biTrXdcioc «zweifach», ohne f-Ableitung alhaxi.pal'd f. «Falte, Reihe, Joch, Paar». Die urspr. starke Flexion ist im Nhd. der schwa- chen gewichen, doch findet sich noch zu- weilen das Part, ge falten, in der Redensart mit gefaltenen Händen (Claudius 4, 39; Schiller Räuber 1, 1 ; Goethe 2, 101). ABL. fälteln, V.: in Fältchen legen. Spätmhd. velteln. Falter, m. (-s, PI. wie Sg.): Schmetter- ling. Mhd. nur in mvalter m.; daneben auch pfivalter, pfivolter (s. Pfeifholter) und zwi- valter (s. Zweifalter), ahd. fifaltra f., das ein- fache valter (aus diesen Zusammensetzungen entnommen) erst bei Adelung 1774, aber noch jetzt obd. Feifalter; dazu and. vivoldara f., ndl. (umgestaltet) vijfwouter ra., ags. ftf- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. fealde f., anord. (umgestaltet) flfrildi u. Eine reduplizierte Bildung (wie z. B. mhd. wiwint «Wii'belwind» zu wint), mit der lat. päpllio ra. (aus *paptilio), vespertilio (aus -ptilio) zu vergleichen ist. Wahrscheinlich zu einer Wurzel pel «flattei'n», die wir mit t erweitert, in flattern, Fledermaus haben. Vgl. Detter ZfdA. 42, 55, Walde s. v. faltig, adj.: Falten habend oder werfend. Bei Dasypodius 1537. S. auch -falt. ^Falz, m. (-es, PI. -e): regelmäßig ge- brochene und geglättete Umbiegung; zum Anfügen mit dem Hobel abgestoßene Kante. IVIhd. valz (Plur. valze und velze), valze m. «geschlacrene längliche Öffnung: rinnenartige Vertiefung längs der Fläche oder dem Rücken des Schwerts; Riefe, z.B. einer Wunde; Fuge, zusammengebogene Öffnung», ahd. falz nur in anevalz m. «Amboß»; dazu ags. anfilte, engl, anvil, ndl. (umgebildet) aanheeld n. Hier- her gehört auch das starke Verbum mhd. valzen (Part, gevalzen) «biegen, krümmen», und mit Ablaut Tah(\.. velze m. «Riefe, sichtbarer Lang- streifen an der Schwertklinge, Rücken der Klinge». Die Bed. der Wurzel wird «sehlagen, hämmern, durch Schlagen zusammenfügen» I sein ; als verwandt wird angesehen lat. pellere I (axis*peldere) «stoßen». J.5Iy. falzen, v.: regel- I mäßig umschlagen und fügen; Fugen hobeln. I Dafür mhd. umgelautet velzen «kinimmend j schlagen, verbinden, einfassen», ahd. (ohne i Umlaut) falzen «befestigen, zur Ki-ümme biegen, sichelförmig biegen». ZUS. Falz- bein, n. (-5, PI. -e): zum Falzen dienendes Gerät aus Knochen. Bei Duez 1664 faltbein oder falzbein. "Falz, falzen, s. v. a. Balz, balzen (s. d.). Mhd. (bei Hadamar von Laber 212) valz m. «Begattung wüder Vögel», bei Aler 1727 Faltz der aurhanen. Daneben auch Pfalz. Familie, f. (PI. -n): Hausgenossenschaft: Geschlechtsverwandtschaft. Aus dem gleich- bed. lat. familia f., urspr. «Gesinde». Im 17. Jh., zugleich unter Einfluß des franz. famille f. eingebürgert (Schupp 152). ABL. familiär, adj. u. adv.: wie heimisch; ver- traut. Aus lat. familiäris «zum Gesinde, Hause gehörig». 1601 bei Albertinus geistl. Spiegel 153^ familiär, substantivisch schon in der Zimm. Chron. 1, 313. Familiarität, f., 1703 im Zeitungslex. famos, adj.: berühmt, berüchtigt (schon im 16. Jh., z. B. Nas Pract. Bl^); prächtig, herrlieh (in der neuern Studentensprache). 32 499 Famnlus Farce 500 Aus lat. fäniösus «berähmt, berüchtigt», von lat. fäma f. «Leumund, Gerücht». Famulus, m. (PL Famuli und Famu- lusse): Diener, Gehilfe. Aus gleichbed. lat. famulus m. Bei Sperander 1728. Fanatiker, m. {-s, PI. wie Sg.): schranken- loser Glaubensschwärmer. Aus dem lat. Adj. fänäticus, abgeleitet von fänum n. «gottge- weihter Ort, Tempel». Im 18. Jh. — fana- tisch, adj.: glaubenswütig. Nach lat. fänä- tims. 1588 bei Joh. Nas (Wackernagels Kirchenlied 548^). — fauatisiereu, v.: zui- Glaubenswut aufregen. Aus dem gleichbed. franz. fanatiser. — • Fanatismus, m. : Glau- benswut. Mit lat. Endung nach franz. fana- tisme, ital. fanatismo m. gebildet. Im 18. Jh. Fanfare, f. (PI. -n): Trompetensignal. Aus dem gleichbed. franz. fanfare f., das mit franz. fanfaron m. «Prahler», ital. fanfano, Span, fanfarron «prahlerisch» urspr. lautnach- ahmend ist. Bei Roth 1791. Fang, m. (-es, PI. Fänge): Habhaftwer- den und Halten sowie das Gefangene selbst; Einrichtung zum Fangen der Tiere; Eaub- tierzahn, Eaubvogelklaue ; letzter tötender Stich bei gejagtem Wilde (schon frühnhd.).Mhd. vanc (Gen. vanges) m. «Fang, das Auf-, Um- fangende», ahd. and./awgf in Zusammensetzungen wie anafang «Anfang»; dazu ndl. vang m., ags. feng m. «Griff», engl, fang «Fangzahn, Klaue», anord. fang n., schwed. fang m., dän. fang. Von fangen, v. (Prät. fing, Part, ge- fangen): festnehmend oder -haltend in seine Gewalt bringen. Älternhd. fahen, mhd. vahen, van (Prät. vienc, vie, Part, gevangen, gevän); dazu asächs. fähan (Prät feng), auch (in den Psalmen) fangan, ndl. vangen, afries. fän, ags. fön, anord. fä, auch fanga, schwed. fa, dän. faa, got. fähan. Das Präs. fo.ngen erklärt sich durch Ausgleichung mit dem Prät., noch nicht mhd., wohl aber öfter mnd. und mndl. vangen, bei Luther vereinzelt neben gewöhn- lichem fahen, im 17. Jh. schwankend (Schottel und Bödiker setzen beide Formen an), bei Gottsched nur fangen, doch verbleibt fahen der poetischen Sprache (Klopstock Mess. 2, 6; Goethe Eein. 6, 38, SchiUer Teil 4, 1; Uhland 269). Das Prät. älternhd. fieng (noch bei Gottsched, während Adelung sich für fing erklärt) hat Verkürzung erfahren, wie schon in altern md. Quellen, sowie mnd. und mndl. vinc erscheint. Verwandt ist aind. pägas «Strick», lat. pacisci. «einen Vertrag schließen», ferner wohl auch, da die Wurzel idg. *pak und *pag lautete, die bei Fach (s. d.) angeführten Wörter. ABL. Fänger, Fanger (Schiller Räuber 4, l), m. {-s, PI. wie Sg.): fangende Person, Hund zum Fang auf der Saujagd, Waife zum tötenden Stich bei Wild. Mhd. dafür väher, bei Luther in der 1. Bed. fenger. Fant, m. {-es, PI. -e): junger, bes. flatter- hafter oder eitler Mensch. Mhd. dafür vanz (so noch jetzt obd. neben Fant), im Dimin. venzelin n. «junger Schalk» (s. Älfanz, Firle- fanz); dazu anord. fantr m. «Gaukler». Die Form Fant erklärt sich aus dem Einfluß eines ndd. Wortes, mnd. vent m. «Knabe, Knecht» (auch im Dim. venteken), das eben- so wie ndl. vent m. «Knabe» zurückzuführen ist auf veim-genöt, eig. «Mitglied einer Ge- sellschaft» (s. Fehme), was mit Verkürzung vemnot und das noch jetzt im Ndl. vor- kommende vennoot m. ergeben hat (Bedeu- tungsentwicklung wie bei Bursche, s. d.). Dies Fent vermischt sich in der Bedeutung mit Fanz. Vgl. von Bahder Btr. 22, 527. Henisch 1616 setzt Fante (diese Form wohl unter Einfluß des ital. fante m. «Knabe, Knecht»), Stieler 1691 Fante, Fente, Fent «Knabe, leichtsinniger junger Mensch» an, in der Literatur findet sich öfter Fäntchen, das von Kindleben 1781 als niedersächsisches Wort bezeichnet wird (auch Adelung kennt nur* das Dim., das er von Fant ableitet), Fant gebraucht Wieland im' Oberon 4, 47 und erklärt es im angefügten Glossar. Farbe, f. (PI. -n): die durch Brechung der Lichtstrahlen hei-vorgebrachte Empfindung des Auges. Mit 6 für w aus mhd. varwe, ahd. farawa f.; dazu and. faraivi, ndl. verf, ags, fcerhu f., aus dem Deutschen schwed. färg, dän. farve. Dunkler Herkunft. ABL. -farl), mhd. -var (flekt. -varwer), ahd. faro (flekt. farawer), and. missivaro «verschiedenfarbig», weiter gebildet -färben (bei Luther), farbig (älternhd. auch farhicht), färbig (Goethe Faust 3901 tausendfärhig), bei Luther ferbig. färben, v., mhd. verwen, ahd. faraiven. Da- von Färber, m. {-s, PI. wie Sg.), mhd. ver- locere m., und Färbung, f. (1482 im voc. theut. h6^ ferhung). Farce, f. (PI. -n): Füllsel; Mengstück, Possenspiel. Das franz. farce f., aus lat. farsus «ausgestopft», von farclre «stopfen». In der 1. Bed. 1715 bei Amarauthes, in der zweiten 1600 bei Albertinus Sendschreiben 3, 69* Farsse. 501 Farinzncker faseln 502 Farinzncker, m. (-s): Mehl-, Küchen-, Speisezucker. Zusammenges. mit lat.-ital. farmai. «Mehl», Farin 1715 bei Aniaranthes. Farm, f. (PI. -en): Meierhof, Landgut (in Amerika). Das engl, farm, das zurück- geht auf afranz. /erwe f. «feste Rente, sicherer Besitz», von lat. firmus «fest». Im 19. Jh. Farn, m. (-es, PI. -e), meist Farnkraut, n. (falsch Farrenkrauf) : die Pflanze filix. Mhd. farm und farn m. n., ahd. faram, faran n.; dazu and. farn, ndl. varenkruid, ags. fearn m., engl. fern. Verwandt sind aind. parna- m. n. «Flügel, Feder», dann «Laub, Blatt», aJso eig. «federförmiges Blatt»; dazu wohl noch niss. päporoti, ht. papärtis m., PI. paparcai «Famkraut». S. auch Rainfarn. Farre, na. (-«, PI. -n): unverschnittener Ochse. Mhd. varre, ahd. farro m. neben dem stark flektierenden mhd. var, ahd. far (Plur. fdrri) ; dazu ndl. var, ags. fearr, anord. farri m. Mit n* aus rs, vgl. Färse; vei-wandt ist gr. TTÖpic, TTÖpTic f. «junges Rind, Kalb, junge Kuh». Färse, f. (PI. -n): das noch nicht träch- tige erwachsene Rind. Aus dem Nd., mnd. (in Glossaren des 15. Jh.) verse, mndl. verse, ndl. vaars f., im 15. Jb. auch in einem hd. Glossar (Diefenbach Gl. 313^) kalbes verse, im 17. Jh. wird Fährse von Zesen im Heli- kon 74 als in Meißen sekr üblich angeführt. Abgeleitet von ahd. far (s. Farre), farzen, v. : einen lauten Bauchwind lassen. Spätmhd.t'ar^en neben dem stark flektierenden mhd. verzen, ahd. ferzan; dazu ags. feortan, engl, fart, anord. (mit Umstellung des r) freta, schwed. fjerta, dän. fjerte, und weiter dazu die gleichbed. gr. irepöeiv, v\iss.perdeti, lit. perdzUjpersti, aind. pard nebst den Worten, die auf idg. pezd zurückgehen, lat. pedere, slow. pezdeti, lit. hezdgti, gr. ßbeuu, mhd. visten. Idg. Grundform perzd. Fasan, m. [-s und -en, PI. -e und -en): ein schöner fremder, hühnerartiger Vogel. Mhd. fasän, fasant m., ahd. fasän m., ndl. fazant m. Durch franz.-span. faisan, prov, fassan, ital. fagiano m. überkommen aus gr.- lat. phasiänus m. d. i. «Vogel vom Flusse Phasis in Kolchis». Mhd. auch volksver- ständlich gemacht als vasehan, vaselhan; da- zu vase-, vaselhuon n. ABL. Fasanerie, f.: Fasanengehege, nach franz. faisanderie f., bei Frisch 1741. Schon Henisch 1616 hat Fasaner «der die Fasanen zeucht und er- nehrt». Fasch, m. {-es, PI. -e): eine Elle breites und zwei EUen langes Stück Sohlleder. Mhd. (um 1400) vasch f. «Binde». Aus franz. fasce, ital. fascia f. «Binde, Zeugstreifen», und diese aus dem gleichbed. lat. fascia f. Fäs-cheu, n. (Goethe Herm. u. Dor. 9, 18, bei Aler 1727 Fäsichen), Dim. von Fasen, s. d. Faschine, f. (PI. -n): Reis- oder Strauch- weUe bei Wasser-, Feldschanzen-, Batterien- bau. Aus franz. fascine, ital. fascina f. «Reis- bündel», von dem aus lat. fascis m. «Bund» abgeleiteten ital. fascio m. «Bündel». Bei Krämer 1678. Fasching, m. (-s, PI. -e) -. Fastnacht (s. d.). Bes. in Österreich üblich. Mit Abschwächung des zweiten Wortes aus mhd. vasnaht, vasch- naht entwickelt, indem die häufige Ableitungs- silbe -ing eingetreten ist; spätmhd. vassang, vaschang zeigt noch das ursprünghche a der zweiten Silbe. Kaum entspricht vaschang dem mnd. vastgang (neben vasting), anord. föstu- gangr m. «Beginn, eig. Herannahen der Fastenzeit». Fase, s. Fasen. Fasel, m. (-s): Junges, Zucht wovon. Auch in Faseüiengstm. «Zuchthengst», Fasel- ochse m. «Zuchtocbse», Faselschicein n. «Zucht- schwein», Faselvieh n. «Zucht\'ieh». Mhd, vaselm. «Zuchtstier, -eher», überhaupt männ- liches Tier, um zu befruchten (auch in Zu- sammensetzungen, wie vaselkalp, vaselstvin, vaselvihe), daneben ahd. (bei Notker) fasel m. «Junges wovon, Nachkommenschaft»; dazu ags. fcesl n. (?), anord. fösull m. «Nachkommen- schaft». Vgl, auch friihmhd. fesil «fnichtbar». Verwandt mit mhd. (mit Ablaut) visel m. «penis», das zu lat. penis (aus *pesnis) m., gr. TT^oc n. (aus *pesos), Bmd. päsas n. «penis» gehört. Vgl. Osthofl' Btr. 20, 94; Prusik KZ. 35, 601. ABL. faseln, v.: Junge werfen, sich fortpflanzen (frühnhd.); gedeihen (im Sprichwort unrecht Chit faselt nicht Luther Tischr. 143 ^j. Fasele, s. Faseole. "^faseln, v.: tändelnd, ausgelassen, leicht- sinnig gebaren (Goethe 3, 193); unüberlegt, verwirrt reden. In der 2. Bed. von Frisch 1741 als neues Wort bezeichnet, gebraucht z. B. von Hermes Sophiens Reise 2, 601. Ab- geleitet von dem ältemhd. fasen (bei Stieler 1691) «mit dem Geist irr umherschweifen, ohne Überlegung rmd wie träumend denken und reden, Alberaheiten, Possen treiben», das auf ahd. fasdn «suchen, aufsuchen, auf- 32* 503 faseln Faste 504 spüren» zurückgeht (mhd. nicht belegt). S. auch Fastnacht. ABL. Faselei, f., 1734 bei Weber 255^. ZUS. FaselhanS, m. Fasel-Hanß abend. 'faseln, v..- sich fortpflanzen, s. Fasel. Fasen, m. {-s, PI. wie Sg.), Fase, f. (PI. -n) : sich absondernder Faden oder Faden- artiges. Mhd. vase m. f. «Faser, Franse, Ein- fassung, der Saum eines Gewandes», ahd. faso m, und fasa f.; dazu mnd. vese, vesen f. «Faser», ags. foes n. «Franse». Auch er- weitert zu Fasel (Alberus Dict. Q 3^, noch bei Ludwig 1716), entsprechend ndl. vezel f. Dazu das Dimin. Fäs-chen (s. d.). Hierher wohl auch (mit Ablaut) mhd. vese, ahd.-and. fesa f. «Fruchtbalg, Spreu, unenthülster Spelt». Weitere Anknüpfungen bei Osthoff Btr. 18, 249 (unwahrscheinlich), Pedersen Idg. Forsch. 5, 67 zu russ. päsmo n, «Gebinde, Fitze, Strähne», Prusik KZ. 35, 601, Uhlenbeck Btr. 26, 290. ABL. fasen, auch faseln, v.: Fäden aus- und abzupfen, refl. sich fasen: Fäden, die sich lostrennen, gehen lassen. Spätmhd. vase?i. ZUS. fasenuackt, fasel- uackt, adj.: nackt bis zum letzen Fasen am Leibe. Im 17. Jh. Faseole, f. (PI. -n): eine Art Bohnen. Mhd. phasol, vasol, vasoel f., aus gr.-lat. phaseolus, gr. qpacrioXoc, cpacioXoc, Nebenform von gr.-\a.t.phaselus, gr. cpctcriXoc m. «Schwert- bohne». Auch Fasele und Fisole (s. d.). Faser, f. (PI. -n) ■■ sich ablösender Faden ; Fadenartiges, z.B. an Pflanzen; fadenförmiger Körperteil. Spätmhd. vaser f. «Franse». Ab- geleitet von Fasen, s. d. ABL. faserig, adj.: sich ablösende Fasern an sich habend. Bei Krämer 1678 fasericht, bei Rädlein 1711 fäsericht. fasern, v.: Fasern ausziehen, refl. sich f.: sich ablösende Fasern gehen lassen. Bei Krämer 1678. Fasnacht, s. Fastnacht. Faß, n. (Gen. Fasses, PI. Fässer): hohler, tiefer, beweglicher Behälter zur Aufnahme von etwas. Mhd. vag, ahd. fag n. «Faß, Ge- fäß, Schrein, Bienenkorb» usw.; dazu asächs. fat, ndl. und danach engl, vat^ ags. fcet, anord.-schwed. fat (Plur. föt «Kleider»), dän. fad n.; dazu das Koll. mhd. (mit Ablaut) gevcege, ahd. givägi n. (s. Gefäß), das in seinem Vokal mit ags. fößtels n. «Gefäß», fmted «ge- schmückt», und got. ßtjan «schmücken», eig. «umhüllen» übereinstimmt. Verwandt ist lit. püodas m. «Topf, Gefäß». Weitei-e Vermu- tungen bei Walde s. Y.patro. Die ursprüng- liche Bed. war allg. «Hülle, UmschHeßung», vgl. fassen. ZUS. Faßbinder, m.: Büttner, spätmhd. vaghinder. Fassade, f (PI. -n): Stirn-, d. i. Giebel- seite. Aus dem gleichbed. fi-anz. facade f., von franz. face f. «Gesicht, Vorderteil eines Gebäudes», das auf lat. fades f. «Antlitz» beruht. Bei Wächtler 1714. fassen, v.: worein zusammenpacken: wo- rein befestigend umgeben; (körperlich oder geistig) zusammen in sich aufnehmen; wo- mit (abstrakt mit einem Sinne oder dem Ver- stände) festnehmen und -halten; in seine Ge- walt bekommen oder bringen. Refl. sich f.: sich zusammennehmen, sich zu festem Sinne sammeln. Davon das Part. Prät. gefaßt als Adj.: gertistet, mit festem Sinne bereit. Mhd. vaggen, ahd. fag^ön «zusammenpacken, auf-, beladen, umschließen, in sich aufnehmen, kleiden, bekleiden, liisten», refl. sich vaggen auch «gehen», eig. «sich wohin fertigmachen»; dazu ndl. vatten, fries. fatia, ags. fatian, engl. to fetch, (entlehnt) schwed. fatta, dän. fatte. Abgeleitet von Faß (s. d.), also eig. «mit einer Hülle versehen und in eine Hülle, üm- schheßung aufnehmen, in einer Hülle zu- sammenhalten machen», woraus sich die Bed. von «ergreifen» usw. entwickelt hat. S. auch Fessel, Fetzen. ABL. Fassung, f.: Hand- lung des Fassens; (zum refl. sich f.) Samm- lung, und Haltung des Gemütes. Mhd. vag- zungef. «Umkleidung, Bekleidung, Schmuck». Die 2. Bed. erst bei Adelung. faßlich, adj. u. adv.: im Geiste aufnehm- bar, der Fassungskraft angemessen. Bei Stieler 1691. Fasson, f. (PI. -s): Gestalt, Form; An- stand. Aus franz. fagon f. «Art und Weise des Tuns», ital. fazione f. «Gestalt», das auf lat. f actio f., das «Machen» zurückgeht. Bei H. Sachs 7, 187 Meidung seltzamer art und faction; 1562 bei Mathesius Sareptal4* u. 69^ Fazon, auch noch bei Moscherosch 2, 113. fast, adv.: stark annähernd. Älternhd. auch in der Bed. «sehr, tüchtig» (oft bei Luther, altertümelnd noch bei Schiller Teil 2, 2). Mhd. vaste, ahd. fasto, fest «eng sich anschließend, dicht, hart an, nahe an» (wo- her der heutige Sinn von «beinahe»), «sehr, schnell», ist das Adv. von mhd. veste, ahd. festi, s. fest. Faste, f., meist im Plur. Fasten: Ent- haltung von 'aller Speise oder doch von Fleischspeisen, sowie die Enthaltungszeit, bes. 505 Fasteltag faul 506 die 40 Tage unmittelbar vor Ostern. !Mlid. vaste, ahd, fasta f. ; dazu asächs.-anord.-schwed. fasta f., dän. faste, und mit abweichender Bildung asächs. fastunnia, ndl. rasten, ags. fcesten f., got. fastuhni n. Von fasten, v.: sich der Speise enthalten, mhd. rasten, ahd. fasten: dazu ndl. rasten, ags. fcestan, engl. fast, anord.-schwed. fasta. dän. faste, got. fastan, das auch noch die ursprüngliche Bed. «beobachten, halten, bewahren, festhalten» hat. Abgeleitet von fest, s. d. Fasteltag, s. Fasttag. fasten, s. Faste. Fastnacht, f.: der Tag vor Aschermitt- woch, Beginn der großen Fasten. Ältemhd. auch sehr häufig Fasenacht, Fassenacht (Al- berus Fab. 193), Fasnacht, Faßnacht (Schüler WaU. Tod 4, 7, Teil 1, 3), so im 16. -Jh. bei Luther, Seb. Franck, H. Sachs, Fischart, auch vielfach in den Wörterbüchern (noch Ade- lung führt Fasenacht als Form des gemeiaen Lebens an) und noch jetzt fast in ganz Ober- deutschland. Mhd. steht vasenaht, vasennaht, vasnaht, raschnaht (s. Fasching) neben vast- naht f., auch vastelnaht, diese Foith ist aber, vne mnd. rastavend, rastelavend m. «Tag vor der Fastenzeit» (s. Sonnabend) zeigt, die ursprüngliche und hat nur verschiedentlich (nachdem mundartlich das t in rastnacht viel- fach ausgefallen war) eine Ümdeutung er- fahren, namentl. mit Anlehnung an fasen «umherschweifen, sich albern benehmen», s. faseln. Eedensart: kommen wie die alte Fastnacht: hintennach, zu spät kommen, weil wer zm- alten Fastnacht (so hieß der erste Fastensonntag, der sechste Sonntag vor Ostern) noch kam, um zu tanzen und zu springen, zu spät kam, denn da war laute Lustbarkeit nicht mehr erlaubt. Fasttag, m. {-es, PL ~e): Tag, an dem gefastet wird. Mhd. rastetuc, rasttac, ahd. fastatag m. : dazu anord. föstudagr m., schwed.- dän. fastedag. Zusammengesetzt mit Faste, s. d. Daneben Fasteltag fJer. 36, 6), schon mhd. auch rasteltac, mnd. lasteldach. Faszikel, m. (-s, PI. wie Sg.): Bündel, Heft. Aus lat. fasciculus m. «Bündel», dem Dim. von fascis m. «Bund» (s. Faschine). Bei Wächtler 1714 Fascicid. fatal, adj.: verhängnisvoll, unheilbringend; widrig, unsehg. Von XaX.fätälis «vom Schicksal bestimmt, verhängnisvoll, verderblich», abge- leitet von fätum n. «Götterspnich, Schicksal, Verhängnis^. Schon im 17. .Jh. in der 2. Bed. (Schupp 245). ABL. Fatalität, f. (PI. -en): unvermeidhches Schicksal, Mißgeschick. Aus dem gleichbed. lat. fätälitus f. 1634 in den Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 7, 223. Fata Morgäna, f. (PI. F. m/yrganen und niorganas): Luftspiegelung. Schon mhd. fa- murgän als Eigenname. Aus ital. fata morgäna f., dessen erster Bestandteil «Fee» bedeutet (s. d.), während der zweite der arab. Frauen- name Morjäna. Morgäna ist. fatzen, v. : scherzen, Possen treiben ; zum besten haben: plagen, foppen. Seit dem Ende des 15. Jh. Von Fatz f. «beißender Witz, Spötterei», bei Stieler 1691, Plur. Fatzen «Lotterbuberei», bei Duez 1664, und dieses gekürzt aus lat. facetia f. «Witz, Scherz», PI. facetiae «witzige Reden». Vgl. auch ital. fazio m. «Possenmacher». ABL, Fatzke, m. f-n, PI. -n): läppischer Mensch. In der neuern Berliner Umgangssprache, mit der bei Eigennamen häufigen Endung -ke gebüdet. Im altem Xhd. bestand Fatzmann, Fatzhub, Fatznarr m. «Possenreißer, Hansnarr». Fatzeuetlein, s. unter Schnupftuch. fauchen, v.: (von Katzen, Eulen usw.) blasen, schnaufen. Mhd. dafür pfüchen, das auch nhd. noch als pfauchen vorkommt und in Osterreich und Bayern noch so geschrieben wird. Lautnachahmend. faul, adj. u. adv. : sich in Verwesung auf- lösend: Mangel an Kraftanwendung äußernd; nichtsnutzig, ^fhd. vfd «verwesend, träge, schwach», ahd. fxd nur ia der 1. Bed.; dazu ndl. vuü «schmutzig», ags. fül, engl, foul, anord. füll, schwed.-dän. fid, got. füls, urspr. s. V. a. «Ven^esungsgeiTich von sich gebend, stinkend». Die Wurzel zeigt sich ohne das ^Suffix in anord. fvi m. «Fäulnis», füinyi «verfault», feyja «verfaulen lassen», füna «faulen». Es gehört zu aind, püj «verwesen, stinken», aw. pujeiti <;wird faul», arm. hu «eiteriges Blut», lit. püvü. püti «faulen», pül'ai m. PI. «Eiter», lat. pütere «faul riechen, stinken», püs n. «Eiter», gr. trüGeiv «faulen machen», irOov n. «Eiter». ABL. Fäule, f., mhd. viule, ahd. fvli f. faulen, v.: faul- werden, mhd. vulen, ahd. fulen. faulenzen, V., mit dem Suffix -enzen gebildet (s. d.), urspr. «nach Faulsein riechen», dann «der Neigung zum Faulsein sich hingeben». Nach Heynatz 1796 obd., frühnhd. (auch bei Luther), schon spätmhd. erscheint videzen «faulicht schmecken» (vulazen im Voc. Schröer 32), 507 räum fechten 508 dann auch faulenzen: früher auch faullenzen geschrieben, indem das Wort als zusammenges. mit dem Eigennamen Lenz betrachtet wurde, vgl. der faul Lenz bei H. Sachs Fab. 48. Davon Faulenzer, m., auch «Hilfsbuch, -tafel zum mühelosen Rechnen usw.». Bei Luther, sonst frühnhd. auch Faulenz. Faulheit, f., mhd. vfdlieit f. faulicht, faulig, adj., mhd. dafiir vüllich, mit -lieh gebildet. Fäulnis, f., ahd. fülnussi, dann erst wieder im Nhd. aul'kommend (bei Frisch 1741 Fäulnüß). ZUS. Faulhaum, m.: die Holzpflanze rhamnus frangula, nach dem fauligen Geruch der Rinde bei ihrem Absud zur Gewinnung eines Heilmittels benannt; ahd. fülboum m. Faul- bett, n.: Bett, worauf man sich der Un- tätigkeit hingibt; bei Luther. Faulpelz, m. : der Faulheit hingegebener Mensch, urspr. der Pelz, die Haut, die Faulendes überzieht. Bei Campe 1807 noch nicht verzeichnet, aber in der Schweiz schon in alter Zeit belegt, vgl. Schweiz. Id. 4, 1224. Faultier, n.: ein außerordentlich träge sich bewegendes Säugetier. 1775 bei Adelung. Faum, s. Feim. Faun, m. (-es, PI. -e) -. bocksfüßiger Feld- und Waldgott; Lüstling. Aus lat. Faunus m. Tm 18. Jh. in deutscher Form, aber im lat. Gewände schon im 14. Jh. bei Megenberg 1-57, 25. ABL. fauuisch, adj. u. adv., bei Wieland Idris 5, 83. Fauna, f. (PI. Faunen): die Tierwelt eines Landes. Yon Faunus. Im 18. Jh. Faust, f. (PI. Fäuste): geballte Hand. Mhd. vüst, ahd. füst f.; dazu ndl. vuist, ags. fyst f., engl, fist, nord. nicht vorhanden. Als Gnindform wird *funhsti- anzusetzen und Verwandtschaft mit dem gleichbed, aibg.p^stt f. anzunehmen sein, weiter dazu Finger (s. d.); andre vermuten unwahrscheinlich Zusammen- hang mit gr. TTUT.uri f., lat. pugnus m, «Faust». ABL. Fäustel, m. (-S, PI. wie Sg.) : schwerer eiserner Hammer der Bergleute. Bei Agricola und Mathesius Sar. Fäustling, m. (-s, PI. -e) : Handschuh ohne Finger, mhd. viustelinc, ahd. füstilinc m.; Saclq3ufi"er, Pistole, bei Stein- bach 1734. ZUS. Fausthammer, m.: Streit- hammer, im 16. und 17. Jh.; Gerichtsdiener, früher am Oberrhein, benannt nach der Wafi'e, die er führte, noch bei Wagner Kinder- mörderin (5. Akt). Faustpfand, n.: in die Hand gegebenes Pfand. Noch nicht bei Campe. Faustrecht, n. : bloßes Recht des Stärkern, bei Luther. Fauteüil (-s, PI. -s): Lehnsessel. Aus gleichbed. franz. fauteüil m., afranz. faldestuel, das auf ein germ. *faltstuol (s. Feldstuhl) zurückgeht. 1727 bei Sperander. Favorit, m. {-en, PI. -en): Liebling. Aus dem franz. Adj. favori, favorite, das aus ital. favorito stammt, von lat. fävor m. «Gunst». Schon 1601 bei Albertinus geistl. Spiegel 13^. Davon Favorite oder Favoritin, f., 1791 bei Roth. Faxe, f. (fast nur im PI. Faxen): spaß- hafter Einfall; Narrensposse; närrische oder wunderliche Gebärde (Goethe 31, 209 hinter jemand F. schneiden). Späte Bildung (im Bremischen Wbch. 1767, bei Adelung 1775), die wie die gleichbedeutenden Fixfax m. und westfäl.-hess. Fiksefakse f. zeigen, auf fickfacken (s. d.) zurückgeht. Fayence, (räher Faience, f. : Halbporzellan. Das franz. fai'ence, früher fayence f., genannt nach dem Fabrikorte Faenza (lat. Faventia) in der heutigen Romagna. Bei Jacobsson techn. Wb. (1781) Fajanze, fajanzer Geschirr. Fazit, n. (-S, PI. -s): Ergebniszahl einer Rechnung, Das lat. facit «es macht». Be- reits 1514 in Böschensteyns Rechenbuch A4*. Februar, m. (-s, PI. -e) : der zweite Monat im Jahre. Aus lat. februärius ra., benannt nach dem jährhchen Reinigungs- und Sühn- fest [fehrua, PI.), das in der 2. Hälfte des Mon'ats stattfand. Der deutsche Name ist Hornung, s. d. Fechdistel oder Fehdistel, f.: Marien- distel, Carduus marianus. Mhd. vechdistel m., j zusammenges. mit vech «mannigfaltig» (s.jPeÄe), der Name wegen der schönstreifigen gefleckten I Blätter. i Fechser, m. (-s, PI. wie Sg.): Rebzweig ' als Setzling. Frühnhd. (1482 im voc. theut. b 5^ f echser), bei Luther mit md.-nd. Schwinden des ch Feser. Wohl zu mhd. vehsenen «einernten, -heimsen, -nehmen», bayi'.-öster. fechsen «ernten». I fechten, v. (Prät. focht, Part, gefochten) : j mit der Wafle tätlich entgegen sein; über- I haupt Kampf bewegungen machen; (von den Handwerksburschen) betteln. Die 3. Bed. I (schon bei Krämer 1678 angegeben) stammt wohl noch aus der Zeit, wo, namentl. zu \ Nürnberg und Breslau, eigne Fechterspiele 1 und Fechtschulen für Handwerker bestanden, zu denen diese hin- und herreisten. Mhd. I vehten, ahd. fehtan; dazu asächs. fehtan, ndl. I rechten, afries. fiuchta, ags. feohtan, engl, fight, 509 Feder Fehde 510 anord.-got. fehlend. Verwandtschaft mit gr. ttOE «mit der Faust», -rruYMn f-> Isit. pugnus m. «Faust», ist möglich auch ohne die Annahme, daß das Verb urspr. der w-Klasse angehört habe und vom Prät. Plur. und Part, aus zur e-Klasse übergetreten sei, wenn man idg. *peii}ek ansetzt. Beziehung zu lat. pectere, gr. TT^Keiv «kämmen», lit. pesti «rupfen» ist unwahrscheinlich. Vgl. Osthoff Parerga 1, 369 ff., Beitr. 27,343, Lagererantz KZ. 34^401, der gr. ■n-6UKd\i,uoc, Ixe-nevKic vergleicht. Das Prät. flektiert ahd. faht, Plur. fuhtum, mhd. x^aht, vuhten, aber auch vähten, im altem Nhd. facht, fochtest, Plur. fochten (so bei Clajus), dagegen später focht, z. B. Fischart Garg.297, Zesenibr. 1,527, bei Schottet /bcMe. Das Präs. gibt zuweilen den Vokalwechsel auf und bildet fechtest (schon bei Schottel neben flehtest), Im^p. fechte. J_Biv. Fechter, m. (-S, PI. wie-Sg.), mhd. vehtcere, ahd. fehtäri m. 2njS. Fechthoden, m., im 17. Jh. (Schupp 268). Fechtmeister, m., bei Dasypodius 1537. Fechtschule, f., 1540 bei Albenis Dict. J2a fechtschuol und 1521 bei Emser (Neudruck Nr. 83) S. 9 fechtschul. Die Redensart es stinkt in der Fechtschule bed. «die Sache geht übel, es ist nichts dahinter», eig. «es entspricht der Ankündigung oder Erwartung nicht». Feder, f. (PI. -n): einzehier Teil der natürlichen Körperbekleidung des Vogels; zum Schreiben bereiteter Gänsekiel, dann dessen Ersatz von Stahl; elastisches Stück Stahl. Mhd. vedere, veder, ahd. fedara f.; dazu asächs. fethara, ndl. veder, ags. feder, engl, feaiher, anord. fjöär, schwed. fjäder f., dän. fjär und weiter mit Ablaut gr. iTTepöv n. «Flügel», zu TrexecGai «fliegen», aind. -patra'm catäpatras «100 Federn habend», pdtatram n. «Flügel», zur Wurzel *pat «fliegen», akymr. atar «volucres», abg. pero n. «Feder», viel- leicht auch lat. penna f. «Feder» aus *petna vgl. Walde s. v. ABL. federn, v.: elastisch sein, bei Adelung; älter ist fiedern in befiedern usw. ZUS. Federbett, n., mhd. vederhette, ahd. fedarhetti n. Feder- husch, m., bei Dasypodius 1537. Feder- fuchser, m. (bei Schiller Kab. u. L. 1, 2 Federn fuchser): Schreiber, eig. wohl der an- gestrengt mit der Feder arbeitet, s. fuchsen. federleicht, adj., im 17. Jh. (Harsdörfer Gesprächsp. 2, 372). Federkraft, f.: Ela- stizität, bei Adelung. B^derlesen, n.: niedrige Schmeichelei, eig. das Ablesen an- sreflogener Flaumfedern von den Kleidern höherstehender Personen. Schon mhd. reder- lesen als substantivierter Inf. Jetzt nur noch in den Wendungen ohne Federlesen «ohne Rücksicht», nicht viel Federlesens machen «nicht viel Umstände machen». Feder- messer, n.: Messer mit kleiner Klinge, eig. zum Federaschneiden, bei Henisch 1616. Federpose, s. Pose. Federspiel, n.: zm- Beize abgerichteter Vogel, mhd. veder spil, vgl. Spiel. Federyieh, n.: Geflügel, 1551 bei Petrarca Trostb. 56^ Federvieh, im 15. Jh. bei Diefenbach nov. gl. 18^ vederre. Feder- weiß, n.: Federalaun, Asbest (1562 bei Ma- thesius Sarepta 173^. Von\ a?*); am Rhein der schäumende milchig-trübe Most. Feder- wisch, m., mhd. vederwisch m., vgl. Fleder- wisch. Fee, f. (PI. -n): geisterhaftes, Schicksal bestimmendes weibliches Wesen. Aus dem gleichbed. franz. fee, ital. fata, span. fada, hada f., zurückgehend auf das im 3. Jh. n. Chr. vorkommende lat. fäta «Schicksals- göttin, Parze», Plui-. von fdtum n. «Götter- ausspnich, Schicksal». Schon mhd. nach einer afranz. dialektischen Form feie, auch feine f, auch älternhd. noch Fei, Feie, bei Adelung als mundartlich neben Fee. Verl. feien. ABL. feenhaft, adj., l)ei Campe 1807 als neugebildetes Wort. fegen, v.: schön, glänzend, rein, sauber machen; schnell laufen (im 16. Jh.). Mhd. vegen, and. vegon «putzen, plätten», mnd.-ndl. vegen, sonst nicht vorhanden. Dazu das Fak- titiv anord. /i^^ja «glänzend machen, reinigen», schwed. feja «polieren», dän. feie «kehren», ferner mhd. vager, ahd. -asächs. fagar, ags. fceger, engl, fair «schön, glänzend, lieblich», got. fagrs «passend, geeignet», sowie viel- leicht auch mhd. vagen, ahd. fagön «will- fahren», ahd. -got. faginön «sich freuen». Weitre Vermutungen bei Walde s. v. paciscor. ABL. Feger, m. (-s, PI. wie Sg.) : wer fegt ; Schläger, Raufer, tüchtiger Kerl. In der 1. Bed. im 17. Jh., in der 2. Bed. bei Campe. ZUS. Fegefeuer, n.: das Feuer der Rein- machung von Sünden nach dem Tode, mhd. vegeviur n. Feh, s. Fehe. Fehde, f. (PI. -n)-. erklärte, nach Genug- tuung trachtende Feindschaft; Zwietracht. Mhd. vehede, zusammengezogen ueJe, ahd. ßhida in gafehida f. «Haß, Feindschaft, Streit»; dazu ndl. veede f. «Fehde», ags. föehd f. «Streit, Rache». Dies ist abgeleitet von dem Adj. 511 rehe Feifalter 512 mhd. vech (in gevecli), ahd. feli (in gifeh) dinges «es mangelt»), wie mnd. veilen, ndl. «feindselig», ags. fäh «verfehmt, der Kache feilen, engl, faü, schwed. fela, dän. feile, ent- und Verfolgung ausgesetzt», engl. /be «Feind», lehnt aus franz. faillir «iiTen, mangeln, fehl- dazu das abgeleitete Verbum mhd. vehen schlagen», das mit ital. fallire auf lat. fallere «feindselig sein, hassen, verfolgen», ahd. fehen, «täuschen» zumckgeht. Luther hat feilen, asächs. a-fehian «verarteilen». Weiter gehört aber Dasypodius 1537 fehlen. ABL. fehlbar, crot. faili n. «Beti-ug» hierher. Verwandt ist i adj., bei Stieler 1691. Fehler, m. (-.s, PI. altir. oech (aus *poikos) «Feind», lit. piktas \ wie Sg.), urspr. s. v. a, Fehlschuß im Gregen- «böse», peikti «tadeln», paikas «töricht, dumm», ! satz zum Treffer (so fäler bei Keisersberg, aind. pigunas «böse gesinnt, veiTäterisch, ver- 1 Fischart Garg. 285, bei H. Sachs Fastnachtssp. leumderisch», lat. piget «es verdrießt mich», | 24, 174 Fehler), dann in der jetzigen Bed. s. Walde s. v. Im altern Nhd. ist das Wort bei Maaler 1561 fäler, später das ältere Fehl (das z.B. in der Carolina, vorkommt) wenig | zurückdrängend. Davon fehlerhaft, adj., gebräuchlich (doch führen es die Wörter- 1763 bei Niereraberger 2^. ZUS. Fehl- bücher meist an), und erst in der Lit. des SChluß, m., 1739 bei Liscow 771. 18. Jh. wird es wieder aufgenommen. ABL. Felim, m.: Heuschober, s. Feimen. fehdeil, v., in befehden, mhd. veheden «be- ^Fehme, f.: Buchen- und Eichelmast. Aus kriegen». ZUS. Fehdehandschuh, m., s. dem Nd., schon mnd. veme f. Da das Wort Handschuh. sonst nicht belegt ist, läßt sich seine Her- Fehe, Feh, auch Fähe f. (PI. -n): das kunft nicht ermitteln, gr. -rroiiuriv m. «Hirt» sibhische graue Eichhörnchen, sowie sein könnte verwandt sein. ABL. fehmeil, v.: Fell, dessen Haar verschiedene Farben- in die Buchen- und Eichelmast treiben. Schattierung hat. Die neue Orthographie ^Fehnie, Freigericht, s. Feme. wirft Fehe und Fähe (s.d.) zusammen. Mit; Fehwanime, f.: Bauchfell des sibirischen Wechsel des Geschlechts aus mhd. vech n. ' Eichhörnchens. Zusammenges. aus Fe/je (s. d.) «buntes Pelzwerk», eig. das substantivisch ' und Wamme (s. d.). Bei Adelung, gesetzte Xeutr. des Adj. mhd. vech, ahd.-and. feien, v.: Körper oder Waffen durch feh, ags. fah «verschieden-, mehrfarbig, bunt», got. faihs in filufaihs «mannisffach». Ver- Zauber fest machen. Von Feie, mhd. feie, s. Fee, Erst seit Anfang des 19. .Jh. (Rückert wandt ist gr. ttoikiXoc «bunt», aind. puru-pegas j 1, 199). Vgl. mhd. feinen «mit Zauberkraft «vielgestaltig, bunt», pecaläs «künstlich ver- ! begaben». ziert» und lat. pingo mit seiner Sippe. Vgl. Feier, f.: durch Ruhe von Arbeit be- Walde s.v. gangene und ausgezeichnete Zeit; Festlichkeit. Fehl, m. {-es, PI. -e): Mangel, Mangel- Mhd. vire, ahd. ftra, firra f. «kirchliches haftigkeit, Versehen, Vergehen. Mit Wechsel j Fest, Ruhe von Arbeit», mit i für verlängertes des Geschlechts (nach Mangel) aus mhd. j e aus mlat. feria (lat. im PI. feriae) «Ruhe- vmle, vcel f. (namentlich in äne, sunder -yce?), 1 tag» (s. -Fmm), «mit gottesdienstlicher Hand- zurückgehend auf afranz. faille, ital. falla, 1 lung begangener Tag». ABL. feierlich, altital. faglia f. «Fehler» (abgeleitet von lat. adj., mhd. virelich. Davon Feierlichkeit, fallere «täuschen»). Luther hat die Form , f., bei Adelung, feiern, v.: l) intr.: von feil, die auch noch im 17. Jh., z. B. bei Arbeit nahen: arbeitslos sem; (mit Dat.) Gryphius, vorkommt, dagegen Alberus Dict. Verehrung, mcksichtsvolle Höflichkeit be- y 1^ feel, Dasypodius und Maaler fäl m. ! zeigen (noch im 18. Jh.). 2) trans.: arbeitslos Dies Fehl erscheint bereits frühnhd. auch lassen; durch Ruhe von Arbeit begehen und in Zusammensetzungen mit Substantiven, z.B. auszeichnen; verherrlichen. Alternhd. feiren, Fehlbitte (bei Luther feilbitte), Fehlgriff 1 mhd. viren, ahd. firön, and. firion, aus mlat. (bei Luther feügriff), Fehlschuß (bei Luther ; feriare «feierlich begehen», lat. feriäri «Ruhe-, feilschuß), Fehltritt (Mathesius Luther 74^ Feiertag haben». ZiJS. Feierabend, m., mhd. feiltritt), dann auch mit Verben, z. B. fehl- virabent m. «Vorabend eines Festes», früh- gehen, fehlschlagen (bei Krämer 1678). nhd. auch «Beginn der Ruhezeit am Abend» — fehlen, v.: ohne Erfolg woraufhin tätig i (Liliencron 3, 408), dazu ndl. vieravond m. sein, nicht treffen; unrecht für recht handeln j Feiertag, m., mhd. viretac, ahd. firatag m., oder tun; nicht dasein, mangeln. Mhd. vcelen, ; ndl. vierdag. selten veilen (auch unpersönl. e§ vcelet eines -, Feifalter, Schmetterhng, s. Pfeifolter. 513 Feifei Feim 514 Feifei, f. (PI. -n)-. Speichel-, Drüsen- kfankheit der Pferde. Spätmhd. vtvel f., bei Duez 1664 feihel, aus ital. (Plur.) vivöle, mlat. vivolae (neben vivae). feig, feige, adj. u. adv,: mutlos aus Furcht. Mhd. veige bedeutet wie asächs. ßgi, nd. veege, ndl. veeg, ags. fcege, engl, fey, anord. feigr «vom Verhängnis zum Tode, zum Unglück bestimmt, sterben sollend und müssend», dann auch «verhängnisvoll, unheil- bringend, verflucht, nichtswürdig» (so auch vereinzelt ahd. feigi), im 16, Jh. auch «frech»; spät und selten erscheint die Bed. «furcht- sam» (eig. «der Todesfuixht hingegeben»), «schüchtern» (auch in nberveigen «einschüch- tern»). Herkunft unsicher; vielleicht besteht Verwandtschaft mit den bei Fehde angege- benen Worten, so daß die Grundbed. «den Göttern verhaßt», dann «zum Tode, Ver- derben bestimmt» sein wird. Anders Zupitza Germ. Gutt. 189 zu fech «bunt», eig. «mit einer Maj-ke versehen»: Bezz.Beitr. 27, 176 (zu lit. paikas «dumm»). Die Verbindung mit aind. pakväs «reif» (OsthoflF Kuhns Ztschr. 23, 427) ist lautlich unmöglich. Vgl. noch Walde s. v. piget. Auf die Gnindbed. «dem Tode ver- fallen» führt die beim Bergwesen übliche Bed. «nicht fest zusammenhaltend, den Ein- sturz drohend» (vom Gestein) zuiäick. Bei Luther häufig in der jetzigen Bed., die dem Obd. urspr. fremd ist, dann aus dei* Bibel- sprache allgemein geworden. ABL. Feig- heit, f., mhd. veicheit f. bedeutet «ünseKg- keit, Unheil». Feigling, m., erst gegen Ende des 18. Jh. gebildet, bei Campe 1807 als neues Wort verzeichnet. Feigbohne, f. (PI. -n) -. die Pflanze lupinus. Mhd. mchone, ahd.-and. fighöna f., d. i. Bohne, die, gepulvert auf die Feigwarze (s. d.), mhd. mc m. n., gelegt, diese vertreibt. Feige, f. (PI. -n): die süße Fracht des Feigenbaums. IMhd. vige, ahd. figa f., dazu asächs. figa, ndl. viig f., durch das Romanische (franz. figue f., span.-port. figo m.) aus lat. ficus f. Im Got. dafür smakka m., das zum abg. smokü f. gehört. Vgl. Schrader Real- lexik. 238. Redensart einem die F. tveisen «die Gebärde machen, daß man die zwischen dem Zeige- und Mittelfinger vorgestreckte Spitze des Daumens sehen läßt», zur Abwehr böser Zauberei und zu Spott und Verachtung (schon mhd. die vigen Meten, zeigen), nach dem ital. far le fiche; ital. fica f. bedeutet «das weibliche GHed» und bildete sich neben Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. fico m. «Feige», ^vie gr. cökov n. beide Bedd. vereinigt. ZUS. Feigenbaum, m., mhd. vtgenhouni, auch in eigentlicher Zusammen- setzung mcboum m. Feigenblatt, n., mhd. vigenhlat n. Weidmännisch ist Feigenblatt, auch Feighlatt, das Geburtsgüed des Wildes oder Jagdtieres; zusammenges. mit Fei^e «weibliches Glied», s. oben. Feigwarze, f.: geschwüriger Blutknoten am After, mhd. vicwarze, zusammenges. mit dem gleichbed. mhd. vic m. n., aus der lat. Benennung fiais m., urspr. «Feige», weil der Knoten feigen- ähnlich schien. feil, adj. u. adv.: käuflich, verkäuflich. !Mhd. veüe, veil, ahd. feili, in altera Quellen fali (oder fäli), feli, mit altem Ablaut, vgl. Meringer Idg. Forsch. 16, 151; dazu ndl. veile, aber anord. fair, schwed.-dän. fal. Verwandt ist gr. TTUj\eiv «Waren gegen Waren umsetzen, verkaufen», 7ruj\ri f. «Verkauf», aind. panas (aus *palnas) m. «der versprochene Lohn, Einsatz, Wette», abg. plenü «Beute», lit.peinas m. «Verdienst». ABL. Feilheit, f.: leichte Käuflichkeit wozu, 1794 bei Friedr. L. Stolberg (9, 186). feilschen, v.: um etwas kleinlich in betrefi' des Preises handeln. Wohl mit seh für s nach l aus feilsen, das noch älter- I nhd. vorkommt, mhd. veilsen, veüschen. Feile, f. (PI. -n): eisernes, stälilernes i Werkzeug mit schräg gezahnter Oberfläche zur Bearbeitung metaUner usw. Körper dui'ch , Hin- und Herreiben. Alternhd. auch Feiel, Feihel (bayr. Feichel), mhd. vihele, zusammen- gez. vUe, ahd. fihala, fila f., dazu and. fila, ndl. vijl, ags. feol f., engl, file, anord. aber mit an- derm Spiranten J5e/ f., schwed. aus dem Deut- schen fil f., dän. fil. Herkunft rmsicher. Wegen ; des anord. pel wird man von urgerm. *ßii9hla \ ausgehen müssen. Vgl. zur Etymologie Mik- kola Idg. Forsch. 6, 312, Zupitza Gutt. 64, ; Meringer Idg. Forsch. 16, 161. ABL. feilen, j V., mhd. mhelen, vtheln, vüen, ahd. filialön, \fUdn. Feilicht, n.: Abfälle beim Feilen, \ bei Henisch 1616 für älteres Feilich. ZUS. Feilenhauer, m.: Feilenmacher, weil die Zähne der Feüe eingehauen werden. Bei , Stieler 1691. Feilheit, feilschen, s. feil. Feim, m. {-s, PI. -e): obenauf sich setzender Schaum, Unreinigkeit. Mhd. veim, ahd. feim m.; dazu ags. fäm n., engl. foam. Nebenforai Faum, 1605 bei Hulsius, Faumlöffel im 15. Jh. bei Tucher Baumeisterb. 289, 2. Verwandt sind, (mit idg. AVechsel von m und n) üt. 33 515 Feimen Felch 516 pienas m. «Milch» (eig. wohl «Milchschaum»), abg. pena f., aind. phinas m. «Schaum» und mit s im Anlaut lat. spüma f. «Schaum, Gischt» (dazu pümex «Bimsstein»), apreuß, spoayno «Schaum», lit.spame «Schaumstreifen». ABL. feimen, v.: den Schaum abnehmen, mhd. veimen, ahd. feimön in üzfeimon. Neben- formen faumen (1691 bei Stieler) und feumen (1616 bei Henisch). Vgl. ab feimen. Aus dem älternhd. faumen, feumen, hat sich dann ein Subst. Faum (s. o.) entwickelt. Feimen, m. {-s, PI. wie Sg.), Feim, m. (-S, PI. -e) : aufgeschichteter Haufe von Garben oder Heu. Zunächst aus dem Nd., mnd. vime m. f., mit der Nebenform vine, dazu ahd. fina in wituftna, ags.wudufin f. «Holzhaufe»; femer das mnd. gleichbed. dime m. (jetzt landschaftlich Diemeti), das auf Wechsel des Spiranten im Anlaut (s. Feile) hinweist. Un- klar ist das Verhältnis zu ndl. vim f. «Haufe», mnd. vimme m. f. aus asächs. fimha in aran- fimha f. «Getreidehaufe». S. auch Feme. Unbekannter Herkunft. Im Hd. findet sich Feimen bei Comenius 1640, dagegen bei Schottel 1663 Firne, Adelung hat Fehm, Fehmen und weist Feim, Feimen den ge- meinen Mundarten zu. fein, adj. u. adv.: dünn, zart; zart in Wahrnehmung oder Empfindung; ausgezeich- net an Reinheit und Vorzüglichkeit bis ins kleinste. Mhd. (seit dem Ende des 12. Jh. aufkommend) vin «dünn, zart, kunstreich, schön»; mit ndl. vijn, engl, fine, anord. fnm, schwed. fin, dän. fiin entlehnt aus franz. fin, ital.-span. fino, urspr. «vollkommen, echt, lauter», zurückgehend auf eia mlat. finus, das für lat. finitus, Part. Perf. Pass. von flnlre «endigen» eingetreten ist und die Bed. «vollendet, vollkommen» angenommen hat. ABL. feinern, v., in verfeinern, gebildet vom Komp. feiner. Feinheit, f., 1482 im Voc. theut. h 6» feynlieit. ZUS. feinfühlig, adj., 1808 bei Campe. Feind, m. {-es, PI. -e)-. Gegner aus Haß. Dann auch adjektivisch felnd in prädika- tivem Gebrauch. Mhd. vint, zusammengez. aus vient, vtant, ahd. fiant m.; dazu asächs. fiund, ndl. vijand, ags. feond, engl, fiend, afries. ffand, anord. fjändi, schwed.-dän. fiende, got. fijands, eig. das als Subst. erhaltene Part. Präs. von ahd. fien, ags. ßon, got. fijan «hassen», vgl. Freund, Heiland, Weigand. Dies gehört mit got. faian «tadeln» zu aind. pij- «schmähen, hassen». ABL. feinden, v.: in an-, he-, verfeinden, mhi.vienden. Feindin, f., mh.ä.vtndin,viendin, ahd. fiantin. Feindio, Interj.: Feinde da! Mhd. würde vientä ent- sprechen, vgl. Feurjo, Mordio. feindlich, adj. u. adv., mhd. vmtlich, vientlich, ahd. fiantlih, ags. feondllc. Feindschaft, f., mhd. vmtschaft, vientschaft, ahd. fiantscaft f., asächs. fiundscepi, ags. feondscipte m. feind- selig, adj. u. adv. Auf ein mhd. nicht er- haltenes vintsal n. zui'ückgehend, erst frühnhd. (bei Brack 1495, auch bei Luther). Feinsliehchen, n.: zartes, schönes Lieb- chen. Im 16. Jh. Feinslieb, Zusammenschie- bung mit dem Nom. Sg. feins, der in andern Kasus unverändert bleibt. Das Dim. F. wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrh. ge- läufig. feist, adj.: fett, dick. Im altern Nhd. auch feißt, mhd. vei^et, vei^t, ahd. fei^it, and. feitit, ein ohne gi- gebildetes Part. Prät. von dem seltenen mhd. vei^^en, ahd. fei^^en, anord. feita «fett machen, mästen», das abgeleitet ist von dem mhd. Adj. vei^e, vei^ «gemästet, beleibt, fett» (noch jetzt in obd. Gegenden feiß), ahd. fei§, and. feit, anord. feitr. Ebenso wie ahd. feitit ist ge- bildet ags. fceted, fcett, daraus engl, gekürzt fat, ebenso ndl. vet, schwed. (entlehnt) fet, dän. fed, das aus dem Nd. ins Hd. aufge- nommene fett (s. d.). Verwandt ist viel- leicht gr. iribüeiv «aufquellen». Vgl. noch Walde s.v. opimus. ABL. Feistigkeit, f., I spätmhd. vei^techeit f. i feisten, v. : einen leisen Bauchwind gehen j lassen. S. Fist, fisten. ' feixen, v.-. giinsend das Gesicht ver- ziehen, urspr. wie ein Blödsinniger. Von Feix, Nebenform von Fex (s. d.), urspr. «Blödsianiger». Erst im 19. Jh. Felbel, m. (-s), auch f.: Halbsamt von Seide und Garn. Von dem gleichbed. ital.- span .-port. felpa f., das nicht aufgeklärt ist. Bei Jacobsson technolog. Wb. 1784 Velpen, Velpel, Felbel. Feiher, m. (-s, PI. wie Sg,), bei Voß (Id. 12, 25) Fälber, f.: hochstämmige Weide, Salix alba. Spätmhd. velwer, spätahd. velare, feiwar «Weide, sambucus, paliurus, vibix, vincus», abgeleitet von mhd. velewe, velwe, ahd. felawa, fekoa f. «Weide», und dies zu osset. färw, farwe «Erle». Felch, Felchen, m. (-s, PI. Felche, Felchen), auch Felche, f.: eine im Bodensee vorkommende Salmart, Mhd. velche m. Da- 517 Feld Felleisen 518 neben auch Belch, Belchen, mhd. balche. Dunkler Herkunft. Vielleiclit mit l aus r wie in dem alem. Küche aus Kirche aus Ferch zu Forelle (s. d.). Feld, n. {-es, PI. Felder): Erdlläche; Fläche zum Fruchtbau; Schlachtfeld; Fläche in etwas. 'Mhd. velt (Gen. veldes), ahd. feld n.; dazu asächs. feld, ndl. veld n., afries.-ags. feld m., engl, field: ferner gehört hierher mit Ablaut asächs. folda, ags. folde, anord. fold f. «Erde, Erdboden, Land». Verwandt ist aind. prthivt f. «Erde», das Fem. zu aind. prthüs »breit», gr. irXaTÜc, Ut. platüs «breit», kelt. Letavia, ir. Letha, kymi*. Litau «Armorica», eig. «breites Land». Auch ahg.poljen. «Feld» ist vielleicht wurzelverwandt. ZUS. Feld- bett, n.: in Feldlagern übliches, sägebock- artiges Bettgestell, bei Henisch 1616 Feldbeth. Feldflasche, f., im 16. Jh. (Fischart Garg. 317). feMflÜchtig, adj.: fahnenflüchtig, im 15. Jh., während Feldflucht, f. früh im 16. Jh. vorkommt. Feldgeschrei, n.: er- mutigendes Geschrei beim ersten Angiiff ia der Schlacht (Jos. 6, 10. 16, 20); Losungs- wort der Soldaten als Erkennungszeichen untereinander. Feldgeschütz, u., im 15. Jh. bei Ehingen 27 und 1546 in Scheiiüns Briefen 91 als Kollektiv. Feldherr, m., bei Dasj- podiusl537. Feldhuhn, n.: Rebhuhn, mhd. velthiwn, ahd. feldhuon n. Feldkümmel, m.: wüder Kümmel, mhd. veltkümel m., auch s. V. a. Quendel, füi' das mhd. veltkonele, veltquenel, ahd, feldkonala, feldquenela f. (s. Quendel) eingetreten. Feldmarschall, m. Im 16. Jh. dafür Feldmarschalk (Liüeneron 4, 612, vom J. 1554, Schertlins Briefe 134 u. 164 von 1546), s. Marschall. Feldmesser, m. Verdeutschung des lat.-gr. geometer. 1616 bei Henisch neben Landmesser, was heute als amtlicher Ausdmck durchgedrungen ist. Feldprediger, m., 1617 bei Wallhausen coi-p. mil. 98. Feldscher, m.: Wundarzt beim Heer. Gekürat aus dem schon im 16. Jh. vorkommenden Feldscherer (H. Sachs Fab. 161, 83). Feldstuhl, m.: Stuhl zum Zu- sammenklappen. Entstellt aus Faltstuhl, mhd. vaitstuol m., worauf das franz. fauteuü m. zu- rückgeht, and. faldistöl m. Feldwebel, m.: erster Unteroffizier. Ln 16. Jh. dafür Feld- weibel (1535 bei Micyllus Tacitus 295 ^j, 1583 Feldwäbel (Mone Anz. 8, 169), s. Weibel. Feldweg, m., bei Henisch 1616. Feld- weges bei Luther, mit vorstehender Zahl, z. B. 1. Mos. 38, 19, 2. Kön. 5, 19, gehört i nicht hierher, sondern ist durch Anschieben i des abhängigen Gen. Weges an Feld ent- standen, das hier, wie mhd. veld im Anno- lied 796, ein Bodenflächenmaß bedeutet, (in [ der griech. Bibel crdbiov). Feldzeichen, !n.: Fahne. Bei Luther, Feldzeug, n.: Ge- ' schütz, 1663 bei Schottel 486; bei Krämer 1678 als Mask. Daher Feldzeugmeister, m.: Artilleriegeneral, im 16. Jh. bei Frons- perger 2, 36*^, noch jetzt in Österreich. Feld- [ zng, m., 1545 in Herbersteins Selbstbiographie I Fontes rer. austr. I, 1, 366. ^Felge, f. (PI. -n): eins der knimmen Holzstücke des Radki-eises: Ring des Metz- I gers zum Ausspannen des Dannes beim i Wurststopfen. Mhd, velge, ahd. felaga, felga f., i auch and. felga, ndl. velg, ags. feig f., engl. felly, dän. (entlehnt) fälge in der 1. Bed., 1482 feig (voc. theut. h 5*) in der 2. Bed. Vielleicht mit Ablaut zum folgenden, indem mau von der Bedeutung «Krummholz» ausgeht, vgl. Wiedemann Bezz.Btr. 28, 20. -Felge, f. (PI. -n), Folge: das zweite oder dritte Pflügen; Aullockern des Bodens mit der Hacke ; Bi-achland, das zum zweiten- ' mal gepflügt ist. Das ahd. felga f. «Egge», dessen e durch Umlaut entstanden ist; dazu i mnd. valge f, «Eggen des Brachfeldes, Brach- feld», ags. fealh f. «Egge», mengl. falge f. «Brachfeld». ABL. feigen, folgen v., zum zweiten- oder drittenmal pflügen, den Boden ^ auflockern, mhd, velgen (Prät. valcte), valgen , «umackern»; dazu engl, fallow «nach der Brache zum erstenmal pflügen». Fell, n. {-es, PI. -e): Tierhaut, im ver- ächtlichen Sinne auch Menschenhaut. Mhd. vel (Gen, velles), ahd. fei n, «Haut, auch vom Menschen»; dazu asächs. fei, ndl. vel, ags. -engl, feil, anord. fjall (in Zusammen- ' Setzungen), got. fill in ßrutsfill n. «Aussatz». Übereinstimmend mitlat.pellisf. «abgezogene I Tierhaut», und weiter zu gr. -rreXua n. «Sohle am Fuß» (vgl. ags, fylmen n, («Häutchen auf I dem Auge, Vorhaut», engl. film). Vgl. Walde ' s. V. pellis, J. Schmidt Kritik der Sonanten- theorie 102. Felleisen, n. i-s, PI. wie Sg.): lederner \ Reisesack. Angelehnt an Fell und Eisen, j ältemhd. aber meist Felles, Fellis, Felleis (so noch bei Stieler 1691, neben Felleisert, schon bei Comenius 1640), mhd. veUs, ver- einzelt auch schon velisen. Mit ndl. valies j aus dem gleichbed. franz. valise, ital. valigia f., ' deren Herkunft noch dunkel ist. 33* 519 Felonie fergen 520 Felonie, f. (PI. -«)■ ^^^^^> ^'^^ gegen Rittersitte verstößt; Bruch der Lehnstreue von Seiten des Lehnsmannes, Treubruch am Heri-n. Aus franz. felonie f. «Verletzung der Yasallenpflicht», ital.-altspan. fellonia f. «Ruchlosigkeit», von ital. fellone m., altspan. fellon «großer Bösewicht», abgeleitet von ital. fello, afranz. fei «grausam, gottlos, treu- los», eig. wohl «Schinder», von ahd. fllen «schinden, geisein». Bei Nehring 1710. Fels, m. (Gen. u. PI. Felsen), Felsen, (-S, PI. wie Sg.): große Steinmasse. Mhd. vels, ahd.-asächs. felis m. (umgelautet aus falls) mit starker Flexion, daneben mhd. velse, ahd. feliso m. (auch felisa f.) mit schwacher Flexion. Ob anord. fjall n. «Berg» (mit Ablaut aus *filza-?), schwed. fjäll n., dän. fjeld «Gebirg, hoher Fels», hierher gehört, ist zweifelhaft. Herkunft unbekannt. Viel- leicht zu aind. päsänäs m. «Stein, Probier- stein» aus *pälsams, gr. -rr^Wa «Stein» (Hesych), falls aus *Tre\ca. Vgl. J. Schmidt Kuhns Ztschr. 32, 387. Bei Luther steht Fels mit starker Flexion neben dem schwach flektierenden Felse. Felsen (im PI. nur Felsen) ; jetzt sind von F. starke Kasusformen außer dem Dat., Akk. Sg. Fels nicht mehr üblich, während Felsen einen Gen. Felsens bildet, doch auch noch öfter Felsen. ABL. felsig, felsicht, adj., mhd. velseht. Felüke, f. (PI. -n): kleines Ruderschiif ohne Verdeck, Aus fi-anz. felouque, ital. feluca, Span, faluca f., das auf arab. folk «SchifiF», zurückgeht. Bei Krämer 1678 Fe- lucque f., bei AI er 1727 Falucke. Feme, f. (PI. -n) -. auf roter, d. h. west- fälischer oder sächsischer Erde gehegtes heimliches Freigericht. Mhd. veime, in md. Quellen auch veme f. «Strafe, Strafgericht», aber auch mnd. veme, veime f. Vielleicht zu lat. poena, gr. iroivri f. (mit p aus kw), aw, kaend «Strafe» zu stellen (dazu auch gr. Tiveiv «rächen»), oder auch zu mhd. vehen «feindselig behandeln», asächs. a-ßhit «straf- fällig», s. Fehde. Andre sehen mit Rück- sicht auf mndl. veime, veme f., nndl. veem f. n. «Vereinigung, Zunft» (s. auch Fant) als urspr. Bed. die von Vereinigung an (woraus die Bed. «Vereinigung um Übeltaten zu rächen» hervorgegangen wäre) und vergleichen Feim «Haufe», s. d. Das Wort ist im altern Nhd. fast verschollen (Stieler 1691 hat nur Feym- stat «locus suplicii», Frisch 1741 vei'zeichnet es als Fehm) und wird später durch die Ritterstücke wieder bekannt. ABL. femeu, V., in verfemen: einen als außer allem Ge- richtsschutze stehenden Missetäter erklären, mhd. vervemen, verveimen. Femel, s. Fimmel. Fench, m. (-s, PI. -e): Art wilder Hirse, mhd. pfenech, fenech, ahd. phenih, fenih m. mit and. penik n., aus mlat. panicium n., von lat. pänicum n. «italienische Hirse». Fenchel, m. (-s): eine Dillart, anethum foeniculum. Mhd. venechel, ahd. fenahJial mit ags. finol m., engl, fennel aus der lat. Be- nennung feniculum, foeniculum n., die auch ins Rom. übergegangen ist (franz. fenouil, ital. finocchio m.). Fenn, auch Fehn, n. (-es, PI, -e)-. Sumpf- land mit Graswuchs; Moorkolonie. Mhd. in rheinischen Quellen venne n., aus mnd.-afries. fenne n. «Moorland, -weide», ndl. veen n., ags.-engl, fen, anord. fen n. «Sumpf, Morast», zu got, fani n, «Kot», vgl. die entlehnten ital. fango, franz. fange m. «Schlamm». Auch ahd. kommt fenni, fenna f., and. feni «Sumpf» vor. Diese gehören weiter zu ^i^venSi.pannean «Moorbruch», gaU. awa- «Sumpf». Vgl. Liden Bezz.Btr. 21, 93. Fenster, n. (-s, PI, wie Sg.): das Tages- licht einlassende Öffnung, bes. mit Glas- scheiben, von Zeesen mit «Tageleuchter» verdeutscht, Mhd. venster, ahd. fenstar n., nd\.' venster n., mit Wechsel des Geschlechts (durch Einfluß der altern Benennung ahd. augatora, got. augadauro n.) eig. «Augentor» (s. dazu Meringer Idg. Forsch. 16, 125) aus lat. fenestra f., das auf gr. cpaiveiv «sichtbar machen» zurückgeht oder mit diesem urver- wandt ist. ABL. fenstern, v.: vor dem Fenster der Geliebten stehen. Fmhnhd. (H. Sachs Fastnachtssp. 9, 109), jetzt meist (bayr.) fensterin. S. ausfenstern. Ferdinand, aus span. Fernando und dies aus span. Hernando, d. i, ahd. Herinand (zu got. nanßjan in anananpjan «wagen, sich erkühnen»), Ferge, m. (-w, PI. -n): Fährmann. Mhd, verje, verige, verge, auch vere, ver, ahd. ferio, ferigo, ferro, fero, zu ahd. ferian, ferran, mhd. vern, asächs.-ags. ferian, got. farjan «schiffen, überführen» zu fahren, s. d. In der Bibel (Hes. 27, 27) und wieder bei neu- ern Dichtem; landschaftlich z. B. am Mittel- rhein immer üblich geblieben. fergen, v, : mit Anstrengung fortschaffen, fördern; abfertigen. Schweizerisch, auch 521 Ferien Fes 522 schwäbisch. Schon im 15. Jh. vergen, dann 1541 bei Frisius 252'', 342'' ferggen, fercken, zusammengez. aus vertigen. ABL. Ferger, m. (Gen. -s, PI. wie Sg.) : Fertiger, Abfertiger, Mittelsperson. Schweizerisch. Im 16. Jh. belegt. Ferien, PL: arbeitsfreie Tage. Aus lat. feriae, s. Feier. Schon in der frühnhd. Rechtssprache (Reichsordnungen 100^ vom J. 1521) als Tage an denen nicht Gericht gehalten wird, im 17. Jh. auch in allgemeiner Bedeutung. Ferkel, n. (-s, Pl.wieSg.): junges Schwein. Mhd. värkel, värhel, ahd. farhili neben mhd. värkelin, värhelin, varhelin, ahd. farhilm, diminutive Ableitungen von mhd. varch, ahd. farah, farh n. «junges Schwein»; dazu ags. fearh m., engl, farrow. Übereinstimmend mit Idii.porcus m., gr.-rröpKoc «junges Schwein», altir. orc (aus *porc), ]ii. parsas(pivii.parselis) m., abg. jp-asgn. «Schwein». -^Z7/S. Ferkel- Stecher, *m. : Winkeladvokat. Am Mittel- rhein, Im 17. Jh. Ferkenstecher «unzünftiger Metzger». Ferken, n.: Ferkel. Bei norddeutschen Schriftstellern (1678 bei Krämer). Aus mnd. verken «Ferkel», dazu näl.varkenn. «Schwein», wie Ferkel diminutive Ableitung von farh (asächs. *farlün). Ferman, m. (-5, PI. -s): schriftHcher Befehl des türkischen Kaisers. Spät im 18. Jh. Ferman, Firman, aus pars, fermän «Befehl, königlicher Erlaß». Fermate, f. (PI. -n): Halt, Ruhepunkt, Ruhezeichen. Aus gleichbed. ital. fermata f. Ferment, n. (-5, PI. -e): Gärungsstoff, -mittel. In der zweiten Hälfte des 18. Jh., aus lat, fermentum n, «Gärung, Sauerteig», des zu d. Bärme gehört. ABL. fermen- tieren, V.: gären. Bei Nehring 1710 «ver- dauen». fern, ferne, adj. u. adv.: durch bedeu- tenden Raum oder bedeutende Zeit wovon getrennt. Mhd. verre (noch ältemhd. bei Oberdeutschen ferr), ahd. ferro sind zunächst Adv., dann Adj.; dazu asächs. fer, adv. u. adj., ags. feor, engl, far, anord. fjarri, adv., got. fairra, adv. u. präpos. Das nhd. fem geht wohl zurück auf das ahd. Adv. ferrana, asächs. ferrane, ags. feorran «fernher», wofür mhd. meist verren, in md. Quellen aber auch verne, wie auch mnd. veme. Die ursprüngl. Bed. wäre dann erhalten in von ferne, mhd. von ve)~ren, dafür bei Luther auch von fernen und von ferns. Verwandt sind lat. porro «in die Ferne, in der Feme», gr. iröpptu «vorwärts», rcdpav «jenseits», a.iad.pards «ent- fernt», mit dem Adv. parä «weg, ab, fort, hin». Der Komp. femer drückt die Fort- dauer oder Fortsetzung von etwas aus. ABL. Ferne, f., dafür mhd. virre, ahd. ferri f. fernen, v.: fem machen, in Raum oder Zeit wovon trennen; fem sein; von fern vorteil- haft auffällig sein (bei Goethe, vielleicht nach dem wetterauischen gleichbed. /erwsew). Mhd. verren, selten vemen, ahd. ferren. ZUS. Fernglas, n., 1643 bei Harsdörffer Gesprächsp. 3, 378 (erfunden 1608 von Johann Lippersheym in Middelburg). Fernrohr, n., 1676 bei Er. Francisci Lusthaus der Ober- u. Niederwelt 389. Fernsicht, f., bei Campe 1808. Fernsprecher, m., seit 1876. . fernig (Hohelied 7, 9. 13), adj.: vorjährig. Abgeleitet von dem mhd. Adv. verne, vem, auch verne7it, vert «im vorigen Jahre», das zu firn (s. d.) gehört. Ferse, f. (PI. -n) : hinterer, hervoiTagender Teil des Fußes. Bei Luther fersen, auch ferschen, mhd. versene, versen, auch schon verse, ahd. fersana, fersna f. ; dazu and. fersna, ndl. verzen, ags. fyrsn, got. fairzna f. Über- einstimmend mit 'Amdi. pärsnisvß..i., aw. päsna n. «Ferse», gr. TTxepva f. «Ferse, Schinken», lat. perna f. «Hinterkeule». ZUS. Fersen- geld in Fersengeld gehen «davonlaufen», schon mhd. versengelt geben. Fersengeld scheint urspr. ein Rechtsausdruck zu sein, der die Strafe dessen, der dem Feinde die Ferse zeigte, d. b. im Kampfe floh, bezeichnete; mnd. versnepennink (Sachsenspiegel 3, 73, 3) ist die Buße, die der Wende an die ver- lassene Ehefrau zu zahlen hatte. Anders Borchardt -Wustmann 139. fertig, adj. u. adv.: zur Fahrt bereit; zu Ende gebracht; zu einer Tätigkeit geschickt (gewandt). Mhd. vertic, vertec «gangbar, fahrbar, in Ordnung befindUch, gut, geschickt», ahd. fartig, fertig, ndl. vaardig, abgeleitet von ahd. fart f. «Fahrt», also urspr. s. v. a, «sich auf die Fahrt begebend, zur Fahrt ge- rüstet», vgl. bereit. ABL. fertigen, v.: fertigstellen. Mhd. vertigen, vertegen «zur Fahrt bereit machen, zustande bringen, fort- schaffen, entsenden». S. fergen. Fertigkeit, f. (nach der 3. Bed. von fertig), 1541 bei Frisius 404''. Fes, m. n. (Gen. u. PI. wie Nom. oder Fesses, Fesse): rote, wollene Mütze. Nach dem Namen der Stadt Fez in Marokko, wo 523 fesch fett 524 diese Mützen hergestellt werden. Neuere Entlehnung. fesch, adj.: elegant und flott. Aus der Wiener Umgangssprache etwa seit den sieb- ziger Jahren vorgednmgen. Gekürzt aus dem seit den zwanziger Jahren des 19. Jh. verbreiteten engl, fashionahle «fein, modisch», abgeleitet von engl.fashion «Lebensart, Mode», das gleichen Ursprungs wie Fasson ist. Vgl. Ladendorf. Fesen, m. (-s), auch Fese, f.: Getreide- hülse; Spelt, Dinkel. Mhd. vese, ahd. fesa f. Noch obd. Das Wort gehört zu aind. pinästi «zerreibt», ahg. pUeno n. «Mehl», lat. pinsere «stampfen», gr. ttticcuu «stampfe, schrote». Feser, s. Fechser. ^Fessel, f. (PI. -n): von der Kote bis zur Krone des Hufes reichender Teil des Fußes beim Pferde. Mhd. veggel m. (Erec 7361 handschr. fissel), 1588 bei Seuter Roß- arzn. fissel und füszl, dazu die koll, Bildung mhd. vi^^eloch, viszlach n. «Hinterbug des Pferdefußes», noch Schweiz, fisloch. Im Ab- laut zu Fuß stehend. ^Fessel, f. (PI. -n): hemmendes Band. Mhd. ve^^el, ahd. fe^^il m. «Band, woran etwas getragen oder gehalten wird», namentl. das Schwert. Dazu ags. fetel m. «Schwert- gehenk», anord. fetill m. «Binde, Schwert- gehenk», abgeleitet von fassen (s. d.). Das nhd. Fessel trat aber auch für ein älteres Fesser f. (z. B. noch bei Alberus Dict. i 4^) ein, das mhd. ve^^er, ahd. feg^ara f. lautet; dazu asächs. feter m. (im PI. feter ös), ndl. veter m. «Schnürriemen», ags. fetor f., engl. fetters PI., anord. fjöturr m. «Fessel, Bande». Dies stimmt in der Wurzel überein mit gr. Tilbr\ f. «Fessel, Schlinge», lat. pedica f. «Schlinge», compes f. «Fußfessel». Fessel in der jetzigen Bed. findet sich in Glossaren aus dem spätem 15. Jh., fehlt aber anfangs dem Obd. Bei Luther noch Mask., wie auch später häufig (selbst noch Adelung 1796 be- kannt), namentl. im PI, die Fessel (Günther 299. 850). ABL. fesseln, V. Dafür mhd. veggern, ahd. feggaron, ags. feterian, anord. fjötra: vesseln erst im 15. Jh. (1420 im Voc. Schröer). Fest, n. (-es, PI. -e): mit Verherrlichung begangene Zeit. Mhd. (seit dem 13. Jh.) fest n., aus dem gleichbed. lat. festum n., auf das auch ndl. feest n., ital. fesfa, franz. fete f. zuiückgeht. Das alte deutsche Wort ist Dult, s. d. ABL. festlich, adj. u. adv.. bei Henisch 1616. Davon Festlichkeit, f., erst bei Adelung 1796. ZUS. Festtag, m., bei Luther. fest, poetisch auch noch feste, adj. u. adv. : unbeweglich; unveränderlich; durch Zauber unverwundbar. Älternhd. oft vest geschrieben. Mhd. veste, ahd. festi, fasti-, dazu asächs. fast, and. festi, ndl. vast, ags. fcBst, engl, fast, anord. fastr, schwed.-dän. fast, und weiter zu arm. hast «fest». Vgl. noch Walde s. v. postis. Dazu fasten, s. d. Das Adv. lautet ahd. fasto, mhd. vaste, unser fast (s. d.), das aber in eine andre Bed. übergegangen ist. AlBL. Feste, f.: Zustand des Festseins, dann bes. gegen feindlichen Angi'iff sichernder Ort; das Himmelsgewölbe. Mhd. veste, ahd. festi f. «Festigkeit, befestigtes Schutzwerk», daneben in der 2. Bed. auch mhd. vesten, ahd. festina f. festen, v.: befestigen, mhd. vesten, ahd. festen, daneben auch mhd. vestenen, ahd. festinon. Davon Festung, f., mhd. vestunge, häufiger vestenunge f., auch «Bekräftigung, Festigkeit, Grundfeste», festigen, v. Fiühnhd. Festig- keit, f., mhd. vestecheit f. Festivität, f. (PI. -en) : Festlichkeit. Aus lat. festlvitas (Gen. festivitätis) «Vergnügen, Festlichkeit», abgeleitet von dem Adj. festivus «vergnügHch», von festus «festlich, feierlich», dessen Neutr. festum (s. Fest) ist. Im 17. Jh. festlich, Festlichkeit, Festtag, s.Fest. Fete, f. (PI. -n): Fest. Aus franz. fite f. (s. Fest). ABL. fetieren, v.: jemand be- sonders gut bewirten; jem. ehren mit einem Fest. Beide bei Campe 1813. Fetisch, m. (-es, PI. -e)-. als Götze ver- ehrter Gegenstand der irdischen Natur. Aus I franz. feticlie m., welches Wort namentlich I durch die 1760 erschienene Schrift von Des \ Brosses Du culte des dieux fetiches in üm- i lauf kam ; es geht zurück auf port. feitigo «Zauber, Zaubermittel», eig. «künstlich», aus einem lat. factidus «nachgemacht». Danach I erscheint fräher Fetisso oder Fetissus (1,606 ; bei Hulsius Schiffahrten 7, 23). I fett, adj.: voU öliger Masse; gemästet, dick. Aus dem nd. fett, das seit dem 14. Jh. auch in md. Mundarten erscheint, namentl. im Obersächsischen, z. B. im Leipziger voc. : opt. X 1 ^ [vet «pinguis»), auch im Frank. (1469 I im mrhein. voc. ex quo feyt, fet), dann von i Luther gebraucht und durch ihn allgemein geworden. Eig, identisch mit feist (s. d.). Davon das substantivierte Fett, n. (-es, PI. -e). j Die Redensarten sein Fett kriegen «tüchtig 525 Fetthenne Fener 52ö gescholten oder gestraft werden», jemand sein Fett gehe^i gehen vielleicht eig. auf die ausgeteilten Schläge, wie auch schmieren, abschmieren '-< prügeln ;>, doch scheint zugleich eine Nachbildung des franz. donner ä quel- qii'un son fait «jem. sein Teil geben, ihn abführen» vorzuhegen. ABL. Fette, f., bei Luther, fetten, v.: fett machen, nmd. vetten, dann bei Stieler 1691. fettig, adj., bei Luther. Davon Fettigkeit, schon im Md. des 14. Jh. vettikeit. Fetthenne, f.: Bezeichnung des Haus- lauchs und andrer Pflanzen, bes. von sedum telephium. Schon im 16. Jh. Unklarer Her- kunft. Tgl. Schweiz, feißti henne, Schweiz. Id. 2, 1312. Fettmännchen, n.: ehemalige kölnische ^/^ Stüber (2^'o Pfennig deutscher Eeichs- währung) geltende Kupfermünze. Volks- tümlich umgebildet aus der im 17. Jh. vor- kommenden Benennung Fettmönch, die von einem auf die Münze geprägten Brustbild eines wohlgenährten Kurfürsten herrührt. Fetzen, m. (-s, PI. wie Sg.): wovon abgerissenes Stück. Ältemhd. Fetze (noch Lessing Nath. 2, 5), mhd. vetze m. Es ge- hört zu mhd. va^ n. (s. Faß), in der nach frühmhd. va^^en «kleiden, bekleiden» anzu- nehmenden Bed. «Kleid», anord. föt, Plur. «Kleider». ABL. fetzen, v.: in Fetzen reißen. Im 16. Jh. fencht, adj. u. adv.: ein wenig naß, Mhd. viuhte, ahd. fuhti, füht; dazu and. fuht, ndl. vocht, ags. fuht. Vielleicht zu anord. fjüka, st. V. «von dem Winde dahin getrieben werden, fliegen, stürmen, stöbern», fjük n. «Schnee- gestöber», fuki m. «Gestank», dän. fog «Ge- stöber», daher engl, fog ••; dicker Nebel» oder mit Liden Bezz.Btr. 21, 93 zu aind. pawka- m. n. «Schlamm, Schmutz, Sumpf» und weiter zu got. fani «Schlamm», s. Fenn, also aus *funhtuz herzuleiten. Noch anders Osthoff Btr. 18, 247. ABL. Fenchte, f., mhd. viuhte, ahd. fuhti f. fenchten, v., mhd. viuhten, ahd. fühten, and. fühtian. Fenchtigkeit, f., mhd. viuhtecheit, vom Adj. viuhtec gebildet. fendäl, adj.: ein Lehen oder das Lehns- wesen betreffend; vornehm. Aus dem gleich- bed. mlat. feudalis, von dem im 9. Jh. vor- kommenden feudum, feodum n. «Lehngut, Lehen», das mit eingeschobenem d (durch Anlehnung an allodium?) aus einem altem mlat. feum hervorging, daher ital. fio, prov. feu, afranz. fieu, nfranz. fief m.; zugrunde hegt das got. faihu n. «Vermögen, Habe», ahd. fihu, fehu n. «Vieh». Im 17. Jh. ent- lehnt. ZrS. Fendälrecht, n.: Lehnsrecht. Feuer, n. (-.§, PI. wie Sg.): das leuch- tende und wärmende Element. Ältemhd. Feur, mhd. viur, viuwer, ahd. fiur, älter fair n.: dazu asächs.-afries. fiur, ndl. vimr, ags. fyr n., engl, fire, anord. (poet.) fii.rr m., fyri n., got. dafür fön, Gen. funins. Über- einstimmend mit gl'. TTup n., umbr. pir, arm. hur «Feuer». ABL. fenrig, adj., mhd. viurec. feuern, v., mhd. viuren, ahd. viiiren «feuiig sein». Feuerung, f., spätmhd. viurunge «Feuer», mnd. vuringe f. auch « Feuer material». ZUS. l) mit Feuer-. Feuereifer, m., bei Luther (Hebr. 10, 27) fewereiue): Feuerfalter, m.: Schmetter- ling mit feueiToten Flügeln, bei Nemnich. Feuerkugel, f.: Feuergeschoß. Im 16. Jh. Feuerniauer, f.: Schornstein, 1517 bei Trochus P 2, auch bei Luther. Feuerprobe, f., in der Wendung die Feuerprobe bestellen, nach biblischem Bude (z. B. Sprüche Sal. 17, 3) von der Läuterung des Goldes her- ; genommen. Feuerrohr, n., bei Comenius 1640. Feuerschiff, n.: Brander (so im I DWB.); ein Schiff mit Feuer, um den Schiffen : den Eingang in den Hafen anzuzeigen (in I neuerer Zeit). Feuerspritze, f., 1586 bei Ruland dictionaiiolum 489 Feurspritzen (die erste in Deutschland wurde 1518 zu Augs- burg gebaut). Feuerstatt, Feuerstätte, f., mhd. viurstat «Herd, Brandstätte». Feuer- stein, m. : eine Quarzaii;, die zum Feuer- anschlagen diente. Schon mhd. viurstein m. [Feuertaufe, f.: nach Matth. 3, 11, jetzt (noch nicht bei Adelung) auf das erste Über- stehen der Gefahr im Feuer, im Kriege be- zogen. Feuerwehr, f., im 19. Jh. gebüdet. Feuerwerk, n., spätmhd. viunverc «Brenn- materiab, auch bei Luther; im altem Geschütz- wesen bezeichnet feuwerwerck «die Feuer- kugeln, Bomben, Pechkränze usw.», z. B. bei Fronsperger 1, 109^ fg., 2, 138*fg., danach ■ das Kunstfeuerwerk zur Lustbarkeit, schon jbei H. Sachs 2, 391, Fronsperger 1, 111». Feuerwerker, m.: höherer Unteroffizier I der Artillerie. Im 18. Jh. Feuerzauber, im.: Kunstfeuer. Im 18. Jh., aber erst durch R.' Wagner wieder bekannt geworden. Feuerzeug, n., mhd. viurziuc m. n. 2) mit Feuers-. Feuersbrunst, f., bei Comeniusl 640, daneben im 17. Jh. Feuerbrunst. Feuersuot, f., mhd. viurnot f. 527 feuerjo fickfacken 528 fenerjo (ScMler Käub. 2, 3), feurio: I Fibel, f. (PI. -n): Abcbuch. Mnd.fihel, nachdrücklicher Feuernif, im 15. -Jh. viurä, i auch in md. Glossaren des 15. Jh., z. B. 1469 fiurio (Gesamtabenteuer 2, 308. 688). Im I p/wM im voc. ex quo, seit Luther allgemeiner Mhd. wird zum Nachdruck ä an Substantive, gebraucht; da daneben in gleicher Bed. auch Imperative und Partikeln angehängt, z. B. hihel vorkommt, ist Entstehung aus diesem wäfenä auch wäfenö «Waffen herbei!», MIß Worte anzunehmen. Die ältesten Fibeln ent- «hilf!» neina «nein!». Gleicher Bildung sind hielten Lesestücke aus der Bibel, die Hilferufe diebjo, feindjo, mordjo, nach- Fiber, f. (PI. -n): Faser, Muskelfaser. harjo sowie der dem Fährmann geltende Aus lat. fihra f. «Faser». 1766 bei Lessing Ruf holla «hol über!». 6, 516. Feuersbrunst, Feuertaufe usw., s. Fichte, f.: (PI. -n): Nadelholzbaum mit ^^ßuer. vierkantigen x'ings um die Zweige herumge- Feuilletön (spr. föjetq), n. (-S, PI. -s): stellten Nadeln und hängenden Zapfen, in ünterhaltungsteil einer Zeitung. Das franz. Norddeutschland Bottanne genannt. Mit Kür- feuilleton, eig. «Blättchen», von feuille m. | zung des Vokals (im altern Obd. noch FiecÄfe) «Blatt», das von lat. folium n. stammt. Bei : aus mhd. viehte, ahd. fiohta und fiuhta f. (da- Campe 1813. nach bayi\ Feuchten), and. fiuhtia f., sonst Fex, m. (-e5f, PI. -e): Blödsinniger (Goethe im Germ, nicht vorhanden. Es gehört mit Faust 6199 Hexew/ea;); näiTischer Kerl; Spaß- ableitendem Dental zu dem gleichbed. gr. vogel; wer durch Sonderbarkeiten Aufsehen | ireÜKri, ]it. pusis t, iprenQ. peuse. ABL.Üch- erregen wül (Bergfex). In Bayern und i teu, adj., mhd. viehtin, auch in Zusammen- Östen-eich ist Fex (dazu das Fem. Feckin) ' Setzungen wie Fichtenbaum, Fichtennadel usw. zunächst s. v. a. «Kretin». In der Literatur ' Ficke, f. (PL -n): Tasche an einem Klei- des 17. Jh. erscheint Feix m. als «Stuben- dungsstücke. Niederdeutsches Wort (schon hocker, einfältiger Mensch», dann « angehender i im 16. Jh. belegt), auch im östlichen Mittel- Student» (s. Fuchs und feixen). In Wien deutschland verbreitet (Weise Erzn. 103, Gün- bedeutet das Fem. Fex «die Hexe» (Loritza ther 166, Weiße Op. 3, 6), von Schottel 1663 A2^). Ein schon im 15. Jh. übliches (Sachsen- 1 (jPifc/ce) und Stieler 1691 angeführt. Jetzt heim Mörin 263), auch im 16. vorkommendes auch obd. (schweiz. figge). Aus dem Nd. narrifex scheint nicht hierher zu gehören, i auch schwed. ficka f., dän. fikke. Wohl urspr. sondern Nachbildung lateinischer Formen wie 1 s. v. q-. ins Kleid ein- oder angehefteter Beutel, artifex zu sein. vgl. mlat. ficacium «Tragbeutel», von prov.- f[ s. f. j altspan.-port. ficar, ital. ficcare, . franz. ficher fl, interj. des Ab weisens, Absehens, Ekels. ! «an-, einheften», woraus auch mhd. vicken Mhd. vi, das aus dem franz.-ital. fi «pfui» «heften». aufgenommen ist. fickeu, v.: kurze, rasche Bewegungen hin- Fiaker, m. (-s, PI. wie Sg.): Lohnkutscher; und hermachen; Rutenstreiche geben. Älter- Mietkutsche. Nach dem franz. am Ende des nhd. ficken «jucken, kratzen, scharren, reiben» 17. Jh. üblichen ^acre. Von dem heiligen (schon 1558 auch obszön), 1475 clevischv?/cÄ;ew «mit Ruten schlagen» (Teuthonista), im 14. Jh. niederrheinisch vicken «reiben», ahd. mich vikchit «mich juckt». Vielleicht verwandt Fiacre (latinisiert Fiacrius), dessen Bild das Zeichen des in der Straße St. Antoine zu Paris gelegenen Hauses war, in dem man solche Metkutschen haben konnte, und das mit anor d. fika «eilen», schwed. /iÄ;a «streben der Franzose Sauvage, dem 1650 das Privi- legium zur Einrichtung öffentlicher Kutschen verliehen wurde, bewohnt haben wird. 1728 bei Sperander nur der Plur. Fiacres, im Sinne von «Mietkutschen auf den Straßen von Paris». nach etwas», daher engl, fidge «unruhig sein», acfs. ficol, engl, fickle «unbeständig» und weiter wohl zu lat. piget «es verdrießt mich, erregt Widerwillen», vgl. Schweiz, figge'"' «verdrießen». fickfacken, v.: ohne Absicht hin- und wiederlaufen; geschäftig sein; Bösesanzetteln; Fiasko, n. (-S, PI. -s), in der Redensart | Ränke schmieden; Blendwerk machen; unzu- F. machen «Mißerfolg haben». Nach dem | verlässig handeln oder reden; mit Ruten ital. far fiasco, eig. «eine Flasche machen». ! schlagen. Gebildet von fix:ken, s. d., das sich Über den Ursprung vgl. Hildebrand Vom ' in fickfacken ablautend wiederholt, vgl. Kling- deutschen Sprachuntenricht 156. 1 klang, Schnickschnack, Wirrwarr. Aus dem 529 Eickmühle fiUen 530 Nd., wo es schon im 16. Jh. erscheint, eben- ' so im Ndl., jetzt ndl. fikfakkm «Possen, Albern- heiten treiben». ABL. Fickfacker, m,: unbeständiger Mensch, Windbeutel (Bürger , 225); Känkemacher. Mnd. schon un 16. Jh. | Davon Fickfackerei, f., bei Stieler 1691. Vgl. Fixfax. Fickniühle, f. (PI. -n)-. im Mühlenspiel eine solche Stellung der Steine, daß man durch Öffnung der einen Mühle immer die andere schließen kann. Aus ficken «hin- und herfahren» und Mühle zusammenges. Schon bei Keisersberg Seelenparad. 101^ fickniül. Dafür auch Zwickmühle. Fideikommiß, n. (sses, PI. -sse): dm-ch Vermächtnis anvertrautes Gut zur Heraus- gabe an einen Dritten, der nicht selbst Erbe sein kann; unveräußerliches Stammgut. Aus lat. fideicommissum in der 1. Bed., eig. «auf Treu (fides) und Ehrlichkeit Anvertrautes (commissumy. In der frühnhd. Rechtssprache. fldel, adj.: lustig. Aus der Studenten- sprache. Zugrunde Hegt lat. fidelis «getreu». Die jetzige Bed. ist um 1750 in der Studenten- sprache üblich (auch bei Goethe ürfaust S. 23), vgl. Kluge Studentensprache 34, während z. B.' 1710 bei Nehring angeführt wird fidel «treu, aufrichtig, hold, ohne Falsch». Fidibus, m. (PI. -sse) : Papierstreifen zum Anzünden des Tabaks, Schon um die Mitte des 17. Jh. aufgekommen, scheint es urspr. Studentenausdruck, dessen Entstehen aber nicht sicher ermittelt ist; vgl. Kluge Stu- dentensprache 39. Nach M. Haupt Dat. Plui-. von lat. fides «Saite», entstanden durch üm- deutung von Horaz Od. 1, 36, 1 et iure et fidibiis juvat placare deos «mit Weihrauch und Saitenspiel die Götter besänftigen». FidÜZ, n.: Vertrauen (in der Redensart: ich habe kein F. dazu). Norddeutsch, lu- xemb., hess., elsäss., Schweiz, aus lat. fidücia f. «Vertrauen». Fieber, n. (-s, PI. wie Sg.): hitzige Krank- heit. Mhd. vieher, ahd. fi£bar n. Mit Ge- schlechtswechsel und aus lat. e hervorge- gangenem ie (wie span. fiebre, franz. fievre f.) aus dem gleichbed. lat. febris f., woraus auch ags. fefor n., engl, fever, schwed.-dän. feber m., wie auch das ält^rahd. Feber n. Das urspr. deutsche Wort für Fieber ist Bitten (s. d.). ABL. fieberhaft, adj. u. adv., bei Eädlein 1711. fieberisch, adj. u. adv., bei Ludwig 1716. fiebern, v., spätmhd. viehern. Fiedel, f. (PI. -n): Geige, namentlich in Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. verächtlichem Sinn. Früher auch Fidel ge- schrieben, bei Luther Fiddel. Mhd. videle, ahd. fidula f.; dazu ndl. vedel, veel, ags. fid£le, engl, fiddle, anord. fidla f , dän. fiddel. Wahr- scheinlich entlehnt und mit ital, viola, franz. violei. (s. HoZi»«) eines Ursprungs ; als Grund- wort gut mlat. vitula f. «streichbares Saiten- instrument», das zu lat. vituläri «sich lustig gebärden» gehört. ABL. fiedeln, v.: die Fiedel spielen, mhd. videlen. Davon Fiedler, früher auch Fiedeler (bei Goethe Faust 4339 Fideler) m., mhd. videlaere m. ZTJS. Fiedelbogen, m., mhd. videlboge m. fiedern, v.: Fedem ansetzen, Federn woran befestigen. Bei Luther fiddern, mhd. videren, ahd. (bei Xotker) fideren, ags. ge- fiderian «befiedem, beflügeln». Abgeleitet von Feder (s. d.). Fiek, m. (-S, PI. -e): Eingeweidewurm; Wurm am Finger. Aus dem Ndd., schon mnd. vik m. In Zesens Hehkon 4. Aufl. I x als fieg angeführt. Fiekchen, ndd. Abkürzung von Sophie. fiepen, v.: schreien der Rehe; einen dünnen schwachen Ton von sich geben. Lautnach- ahmend. Figur, f. (PI. -en): Gestalt: Linienum- riß: Xotengruppe mit bestimmter Anordnung: Wortbild; mhd. figure, figür f, aus lat. firgüra f. «Gestalt». ABL. figurieren, v.: im Bude darstellen; vorbilden; mhd. figurieren. figürlich, adj. u. adv.: durch Übertragung auf dem Grund einer Ähnlichkeit angewandt. 1469 im Voc. ex quo figuerlich. Filiäl, n. (-5, Pl.-e): Tochterkirche, Nebeu- kirche. Aus neulat. filiale, dem Neutr. des mlat. Adj. filicUis «kindlich», im Verhältnis der Tochter (filia) und des Sohnes (ßlius) zu Mutter und Vater stehend. Schon im 16. Jh. (1562 bei Mathesius Sarepta 195^. von Gombert 8, 30 aus einem Schreiben Luthers von 1539 nachgewiesen). Filiale, f. (PI. -n): Zweiggeschäft, Nebenstelle. Im 19. Jh. Filigran, n. {-[e]s): feine Arbeit aus Gold- und Süberfäden. Aus gleichbed. ital. filigräna f., zusammengesetzt aus lat. fllum n. «Faden» und gränum n. «Korn». Bei Campe 1813 filigrain. fillen, V.: die Haut (das FeU) abziehen, schinden; wund geißeln. Nur noch ndd., wo schon mnd.-mnl, vülen, ehedem auch hd. ge- läufig, mhd. Villen, ahd. fillen, abgeleitet von ahd.-mhd. vel «Fell» (s. d.). 34 531 rum Finanzen 532 Film, m. (-[e]s, PI. -e u. -s): dünnes Blättchen aus Zelluloid, Ersatz für Glasplatten beim Photographieren, junge Entleknung aus engl, film, s. Fell. Filou, m. (-S, PI. s): Spitzbube. Im 17, Jh. aufgenommen aus gleichbed. franz. filou m., das vermutlich aus engl, fellow «Bui'sche» entlehnt ist. filtrieren, v.: durchseihen. Aus franz. filtrer, ital. f eltrare. Im Anfang des 17. Jh. entlehnt (Moscherosch Phil. 1, 486). ürspr. «durch Filz laufen lassen, um alle Unreinig- keit abzusondern»; das Stammwort ist mlat. feltrum, filtrum n., ital. feltro, franz. feutre m. «dichtes Gewebe von Haaren», die aus dem Germanischen, ags. feit, ahd. filz m. «Filz» (s. d.), entlehnt sind. ABL. Filter, m. (s, PI. wie Sg.): ein Mittel zum Filtrieren, der Seiher. Junges Wort. Bei Campe 181.3 noch filtrum. Fiktion, f. (PI. -en): Erdichtung, An- nahme. Aus gleichbed. franz. fiction f. Bei Sperander 1727. Fil4t (spr. File), n. (-s, PI. -s): feines Netzwerk; Lendenbraten; Handschuhe aus feinem Stoff. Aus franz. filet m. mit den- selben Bedeutungen, eig. «dünner Faden», einem Dim. von lat. filum n. «Faden». Im 18. Jh. Filz, m. (-65, PI. -e): dichtes Gewebe von Haaren oder WoUe oder dem Ähnliches; im Geben zäher Mensch, Geizhals (in dieser Bed. auch mit schwacher Flexion, Schüler Räuber 1, 2); grober harter Verweis. Mhd. vilz, ahd. filz m.; dazu ndl. vüt n., ags.-engl, feit, schwed.-dän. filt n. Auch ins Roma- nische übergegangen (s. filtrieren). Von A. Erdmann üpsala skrifter 1, 3 (1891) zu ahd. anevalz, ags. anfilt «.Amhoß», lat. pello «stoßend in Bewegung setzen» mit der Grundbedeu- tung «Gestampftes» gestellt. Das Wort ist aber kaum von ahg.plüstl f. «Filz», lat. püleus «Füzmütze», gv. iriXoc m. «Filz» zu trennen. Vgl. aber Walde s. v. Spätmhd. vilz ist auch «bäurischer, grober Mensch» (wegen der Kleidung des Bauern in Filz? daher mhd. vilzgehür), woraus wegen des sprich- wörtlichen Geizes der Bauern die 2. Bed. hervorgegangen ist; die 3. Bed. erklärt sich vom Verb, filzen (s. u.) aus und erscheint auch schon im 16. Jh. ABL. filzen, v.: zu Filz machen, mhd. vilzen «einen groben, derben Verweis geben»; eig. wohl «walken wie einen Filz, schlagen» (frühnhd., vgl. auch ausfilzen), filzig, adj., früher filzicht, mhd, vilzeht, frühnhd. auch schon s. v. a. «geizig» (Hans Sachs 19, 1.34). ZUS. FilzlauS, f., spätmhd. vilzlüs f. ^Fimmel, m, (s, PI. wie Sg.): starker eiserner Keil der Bergleute ; großer Hammer. Bei Agricola Bergwerkbuch (1557) 83 feim- mell, 1562 bei Mathesius Sar. 196 ^ und 1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 110 Fimmel. ■Fimmel, m. (-s, PI. wie Sg.): die männ- hche Hanfpflanze. Schweizei-isch (auch Fim- melef.), bayr.-hess.-luxemb.i^emeZ, ehäss.Fceml, Feml. Aus lat. ßmella f. «Weibchen», dem Dim. von ßminai. «Weib». Man verwechselte nämlich vor der Erkennung des wahren Ge- schlechtes bei dem Hanfe die Geschlechter und hielt die männlichen Stengel, weil sie kleiner und zarter sind, für die Weibchen, diese dagegen, wie die für sie in der Schweiz OD / übUche Benennung Mäsch, Mäschel außer Zweifel setzt, ui'spiünglich für die Männchen. Schon 1546 bei Bock 132 ^ Femel, 1561 bei Maaler Fimmel «kurtzer hanflf». Dazu engl. fimhle-hemp. ABL. fimmeln, v,: die eher reifenden männlichen Hanfstengel besonders ausinapfen (1561 hei M aaler fimlen): dann über- haupt tastend aussuchen, herausklauben usw. Dazu ndd. fimeln (fimmeln), ndl, femelen und fijmelen. Finale, n. (-s, PI, -s): Schlußstück, bes. eine» Musikstückes, einer Oper. Aus gleichbed, ital. finale, final als Adj. 1727 bei Sperander. Finanzen, PI. : Staatseinkünfte, Staatsver- mögen; Vermögen an Geld. Der Sg. Finanz nur noch in Zusammensetzungen, z. B. Finanz- rat. Ältemhd. (zu Ende des 15, Jh., im 16. und zu Anfang des 17. Jh.) Finanz f. «un- redliches Geldgeschäft, Wucherei, Wucher- kniff, Betrug» (noch 1727 bei Sperander Finantien «allerhand Betrügereien undUnter- schleife»). Unter Einfluß von ital. finanza f. «Quittung», franz. finance f. «Barschaft» geht es mit dem bei'eits aus der 1. Hälfte "des 14. Jh. mehrfach nachgewiesenen kölnischen PI. finantie zurück auf mlat finantia f. «öflfent- liche Leistvmg, besonders an Geld», urspr, «Schlußleistung», gebildet von dem Part, Präs. des von lat. ßnis m. «Ende, Endzweck» abgeleiteten romanischen Verbums finare «be- endigen, aufhören», im Ital. s. v. a. «quit- tieren (eine Sache abschließen)», im Afranz. s. V. a. «bezahlen». Unser heutiger PI. Fi- nanzen hat niehr die Bed. des franz. PI, ^waMces, ital. /?Mar22re «Staatseinkünfte». So bei 533 FindeUians Fink 534 Sperander 1728 Financen, 1703 im Zeitungs- lex. Finances. Findelhaus, n.: Haus für Findlinge. Findelkind, n.: Findling, ürspr., zuerst im 15. Jh. erscheinend Fündelhaus, Fündel- kind, zusammengesetzt mit dem von Fund abgeleiteten südd. Dim, Fündel, Fündele (1556 bei Frisius Bl. 1071^), neben dem auch im 15. Jh. Fütidel f. «Findelhaus». Schon im 15. Jh. erscheint auch (mit Anlehnung an finden) Findelhaus, Findelkind (auch 1537 bei Dasypodius), doch kommt daneben die Schreibung mit ü bis nach Mitte des 18. Jh. vor. Vgl. Findling. finden, v. (Prät. fand, Part, gefunden): erstrebend oder unabsichtlich gewahr wer- den, auf etwas als ein Erstrebtes oder un- absichtlich kommen. !Mhd. vinden, ahd. fin- dan; dazu asächs. findan, fithan, ndl. vinden, ags. findan, engl, find, afries. finda, anord. finna, schwed. finna, dän. finde, got, findan «erkennen, erfahren». Wahrscheinlich zu ahd. fanden, ags. fundian «eilen», ahd. fendo, mhd. vende m. «Fußgänger», so daß die ursprüng- liche Bed. die «des Gehens nach, einer Seite» wäre. Verl. zur Bedeutuncrsent'wdckluncr lat. invenire «finden», eig. «hineinkommen». Ver- wandt ist noch die altir. "Wurzel et {siu.% peni) in con-etat «assequuntur» nnd weiter lat. pons m. «Brücke, Steig», gr. -iraTeu) «trete». Anders Sütterlin Btr. 18, 261. ,S. auch fahnden. Das Prät. flektiert mhd. vant, PI. vunden, und dieser Wechsel hat sich bis ins 17. Jh. erhalten, von da an wird fand und fiind (noch bei Haller 142) gebraucht, bis die letztere Form ganz verschwindet. Das Part mhd. viinden ohne ge- lautet auch älter- nhd. noch sehr häufig so, daneben gefunden (bei Luther seltner als funden), von den Grammatikern seit Clajus angesetzt; die poe- tische Sprache bewahrt funden, nicht allein im 17. Jh., sondern auch später, z. B. Gün- ther 844, Lessing 2, 304, LTiland 306, Rückert 2, 69. ABL. Finder, m. (-s), mhd. vindcere. findig, adj.: gewandt im Finden oder Erfinden. Aus mhd. vündec «erfinderisch», abgeleitet von vunt m. in der Bed. «Er- findung», neben dem schon im 16. Jh. (an finden angelehnt) findig steht: doch erhält sich daneben fündig bis ins 18. -Jh. (noch bei Steinbach 1734). ABL. Findigkeit, f., namentlich der Reichspost. Schlagwort seit den 70 er Jahren des 19. Jh. Findling, m. (-s, PI. -e)-. ausgesetztes und gefundenes Kind; von Gletschern ver- schleppter erratischer Block. Aus mhd. vundelinc (entsprechend ndl. vondeling, engl. foundling) abgeleitet von vunt m. (s, Findel- haus): gleichbedeutend auch vuntkint und vunden kint. Schon im 15. Jh. erscheint auch (an finden angelehnt) findling und diese Schreibung wurde allmählich herrschend, doch Fündling noch im 18. Jh., z. B. bei Justus Moser patriot. Phant. 2, 14. 308, Wieland, A. W. Schlegel poet. Werke 2, 123. Finesse, f. (PI. -«) : Verschmitztheit, feine List, Pfifi". Das franz. finesse f., urspr. «Fein- heit», von fin «fein (s. d.), listig». Bereits im 17. Jh. geläufig. FiDger, m. (-5, PI. wie Sg.): eins der fünf Handglieder zum Greifen. !Mhd. vinger, ahd. fingar m.: dazu asächs. /?w^ar, ndl. vinger, afries.-ags.-eugl. finger, anord. fingr,got.figgrsn\. Herkunft unsicher; vielleicht zn Faust (s. d.) oder fünf (s. d.) gehörig. ABL. fingerig, adj., in zivei-, drei-, langfingerig. Finger- lein, n., Dim., ehedem auch «Ring», mhd. vingerUn, ahd. fingarlin, daneben fingeri, fingerin n. fingern, v.: die Finger bewegen, mhd. vingern. ZUS. fingerfertig, adj. Jung (noch nicht bei Campe 1808). Finger- hut, m., ahd. vingerhuot m. (Gl. 3, 399), über- tragen «die Waldpflanze mit roten fingerhut- artigen Blüten», digitalis purpurea, 1542 bei Fuchs Kreuterb. 893 (1546 bei Bock 335 *> Fingerkraut). Fingerreif, m., bei Luther. Fingerring, m., bei Dasypodius 1537. Fingerzeig, m.: Hindeutung mit dem Finger; überhaupt Hindeutung, mhd. vinger zeic m., häufiger der substantivierte Lif. vingerzeigen n., auch vingerzeige f. fingieren, v.: erdichten, lügnerisch vor- geben. Aus dem gleichbed. lat. fingere. Um 1600 entlehnt (Albertinus weiblLustg. 154*). Fink, Finke, m. (-n, PI. -?i): der Sing- vogel; loser Mensch (so frühnhd. und noch 1808 bei Campe, daher noch heute Mistf, Schmierf, Schmutz f. In mrhein. Mundarten Finke f., z. B. bei dem Pf älzer Maler Müller in Voß Musen- almanach 1776 S. 205. Mhd. vinke, ahd. fincho, finko m. ; dazu ndl. vink, ags. finc, engl, finch. schwed. fink, dän. finke m. Ln Skandinavischen erscheinen auch Formen mit sp im Anlaut, wie schwed, spink «Sperling», norw. spucke «kleiner Vogel», die zu gr. cttit- foc m. bei Hesych, ciri^a f. «Fink» gehören. Das Wort ist klangnachahmend, und daher erklärt sich auch die abweichende Lautstufe 34* 535 Finkeljochem Firlefanz 536 in der romanischen Benennung (ital. pincione, franz. pinson). Im Sg. geht das Wort öfter zur starken Flexion über. In der Studenten- sprache «Student der keiner Verbindung an- gehört», seit den 20 er Jahren des 19. Jh. in Halle und Jena aufgekommen, vgl. Götze, ZfdW. 8, 100. Finkeljochem, m.: Branntwein. Bei Günther 925. Aus der Gaunersprache, wo es 1687 belegt ist, s, Jochem. Zu rotwelsch finkein, funkeln «kochen», FunJcert «Feuer». ^ Finne, f. (PI. -n): fleischige Floßfeder großer Seefische. Aus dem ndd. finne f.; dazu ndl. vin f., ags. finn m., engl, fin, schwed. fena, wohl verwandt mit dem gleichbed. lat. pinna f. (s. Pitme), air. ind «Ende, Spitze». Weitere Anknüpfungen bei Walde s. v. Bei Trochus 1517 J 2^ ein vinne von dem fische. ^Finne, f. (PI. -n): Bläschen mit Würm- chen im Fleische, besonders der zahmen Schweine; kleiae spitzige Blatter im Gesicht. Mhd. pfinne, vinne f., auch «fauler, ranziger Geruch»; dazu mnd. vinne, ndl. vin f. «Blatter». Dunkler Herkunft, vielleic}it dem vorigen gleich. Nach dem Ndd.-Ndl. ist die Form mit f ursprünglich, mhd. pfinne erklärt sich wohl durch Einfluß von pfinne «kleiner spitziger Nagel» (s. den folgenden Art. imd Pinne). Auch das ältere Nhd, kennt Pfinne (noch bei Frisch 1741). ABL. finnig, fln- nicht, adj.: voll Finnen, mhd. j?/?nwec, vinnec, auch vinneht; dazu mnd. vinnich, ndl. vinnig. ^ Finne, f. (PI. -n): kleiner spitziger Nagel oder Pflock. Mhd. pfinne f.; dazu mnd. pin, pinne, ndl. pin f. Mit tJbergang des Begriffes aus lat. pinna f. (s. Pinne). Finnflscll, m.: eine Art Walfisch, dän. finnefisk, schwed. finnfisk m. Der Name wegen der 3 — 4 Fuß hohen Fettfinne (s. ^ Finne) auf dem hintern Teil des Rückens. flnnicht, finnig, s. "^Finne. finster, adj. u. adv.: des Lichtes erman- gelnd. Mhd. vinster, ahd. finstar, ein nur hochd. und noch asächs. (asächs. finistar, n., finistrl f. «Finsternis») auftauchendes Wort, scheint eins mit ahd. dinstar, mhd. dinster, indem wie auch sonst (s. Feile) f an Stelle eines ursprünglichen ß (daraus hd. d) ge- treten ist, das noch asächs. thinini «dunkel» zeigt; finster entspricht dann genau lat. tene- hrae f. «Finsternis», aind. tamisrä f. «dunkle Nacht», s. Dämmer und auch düster. ABL. Finstere, f. (Schiller Räuber 2, 3) : Finster- nis, mhd. vinster, ahd. finstari, finstri neben dinstri (Hoffmanns Wüliram 32, 17 thimstre) f.; dazu asächs. finistri f. Finsterling, m.: Gegner geistiger Aufklärung. 1788 von Wie- land (29, 23) gebraucht und bei Campe 1808 verzeichnet. Vgl. Gombei-t ZfdW. 2, 66 und Ladendorf, finstern, v.: finster machen, in verfinstern, mhd. vinsiern, ahd. finstarren. früher auch «finster werden», mhd. vinstem, ahd. finstar en. Finsternis, f. (früher auch n., so bei Luther 1. Mos. 1, 4. Math. 4, 16). Mhd. vinsternisse f. n., ahd. finstarnessi, fin- starnissi n. Finte, f. (PI. -n) : Tmgstoß beim Fechten : Verstellung, Kjiiff. Zunächst in der 1. Bed. übernommen aus ital. finta f. «List», franz. feinte f. «Verstellung, Trugstoß», das urspr. das Fem. des Part. Prät. von lat.-ital. fingere «erdichten, fälschlich voi'geben, täuschen», franz. feindre ist. 1644 bei Duez 182 in der 1. Bed. «ictus simulatus», 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 344^ und bei Schottel 1663 in der 2. Bed. (ßnte machen «caUide aut insidiose agere»). finzelig, adj.: überfein. Li der Schweiz, aber auch in Norddeutschi. Herkunft un- bekannt, vgl. Schweiz. Id. 1, 877. fippern, v,: ängstlich und rasch umher- tasten. So bei Hermes Sophiens Reise 1, 427. Schon im 16. Jh. hochd. u. ndd. in der Bed. «sich in raschem Zittern bewegen», auch s. V. "a. «rasch zitterndes Licht von sich geben, glitzern». Wohl aus lat. vibräre in der Bed. «sich zitternd bewegen, zittern, schimmern, funkeln», s. auch vibrieren. Fips, m. (-es, PI. -e): Schneller mit dem Mittelfinger an die Nase, Nasenstüber. Wohl die substantivierte Interj. fipsl (Hermes So- phiens Reise 1, 683), die lautnachahmenden Ursprungs ist. Firlefanz, m. (-es, PI. -e): gebärden- volles, überhaupt unnötiges albernes Tun und Wesen; ein sich lächerlich Gebärdender (Goethe Faust 11670). Mhd. firlifanz, firla- fanz (bei Wolkenstein), in urspmnglicherer Form firlafei, fierleifei, firlei «ein lustiger rascher Springetanz der Dorfbewohner», be- ruht auf franz. virelai «Ringeltanz»; die Form Firlefanz erklärt sich durch Anlehnung an md. Firl «Kreisel», auch «hurtiger behender Mensch», und obd.-md. Fanz «Bossen, Possen- macher», vgl. auch Älfanz und Weise ZfdW. 3, 122, Die übertragene Bed. «geckenhaftes, al- bernes Zeug» fiindet sich schon im 16. Jh. (1582 bei Fischart Garg. 181 Firlefans). ABL. 537 firm Fisimatenten 538 flrlefanzen, v.: sich albern benehmen, bei Luther firlefentzm. Davon Firlefanzerei, f., bei Stieler 1691 Firlfantzerey. firm, adj.: fest. Aus lat. firmus «fest, zuverlässig», 1727 bei Sperander. — Firma, f. (PI. Firmen): Handlungsname, Name, unter dem ein kaufmännisches Geschäft geführt wird, Eig. s. v. a. (sichere) Handluiigsunter- schrift, denn diese Bed. hat der ital. Kunst- ausdruck firma, mlat. firma f., das als Subst. gesetzte Fem. des lat. Adj. firmus (s. o.). Im 18. Jh. entlehnt. Firmament, u. {-s, PI. -e): Himmels- feste. Mhd. firmament n., aus dem gleich- } bed. lat. firmänientum n., gebüdet von firmäre | «fest machen». i firmen, häufiger firmeln, v.: die Taufe ' durch Gebet, Handauflegung und Salbung bestätigen. Mhd. firmen, ahd. firmön «be- 1 festigen, bestätigen», aus lat. firmäre (s. Fir- mament), kommt schon in diesem Sinn vor, daneben spätmhd. das abgeleitete firmeln (aus ' firmelu7ige f. zn entnehmen). AB L.YirmXing, \ Firmelung, f., mhd. firmunge f. j fim, adj.: alt, hauptsächlich vorjährig. Mhd. virne «alt», auch «geübt, schlau», ahd. firni «alt»; dazu asächs. fern «vergangen (vom Jahr), ags. fyrn «alt», got. fairneis «alt, in der Zeit feragerückt, vergangen». Über die Verwandtschaft, s. /ei'n, vgl. auch anord. forn «alt», ahd. for7i, asächs. forn, furn,ags. fyrn adv. «ehmals». Für die Bed. «vorjährig», die sich aus Luther und dem spätem Mhd. belegen läßt, ist auch das Adv. mhd. verne, vernent, vernt, vert «im vorigen Jahre» her- anzuziehen; vgl. dazu auch gr. irepuci, aind. parut «im vorigen Jahre», air. onn-urid «vom vorigen Jahre», ]it. pernai «im vorigen Jahre». Firn, m. {-es, PI. -e), auch Fime, f. (PI. -n) oder Fimer, Ferner, m. .-.s, PI. wie Sg.): firner, d. h. vom vorigen Winter oder auch noch länger her, überhaupt alter auf Berghöhen liegen gebliebener Schnee; Berg mit solchem Schnee und Eis bedeckt im Hoch- gebirg. Alle die Wörter sind auf das Adj. fim (s. d.) zurückzuführen. Firn als Subst. findet sich in der Schweiz 1548 bei Stumpf 2, 248*^ und ist von SchiUer im Teil (l, 1 usw.) gebraucht. Firner, Ferne)' (mit Aus- lassung des Subst. Schnee) gehört dem bayr.- öst. Gebiet an. Firnewein, m.: der fime, d. h. der «vor- jährige» alte Wein. Bei Dasypodius 1537 Firnwein, auch schon mhd., aber getrennt, virner win. Firnis, m. (-sses, PI. -sse): glänzender Überzug; Anstrich; lackartige Flüssigkeit. Mhd. virnis, vernis (danach älternhd. auch Firneis), aus franz. vernis, ital. vernice, die unbekannter Herkunft sind. ABL. firnis- sen, V., mhd. virnisen. First, m, (-es, PI. -e) und f. (PI. -en), auch Firste, f. (Goethe 19, 224): die oberste LängenHnie des Daches, Dachgiebel ; Gebäude, z. B. Haas, Scheune; (Berg-) Gipfel. Mhd. vir st m., seltener f., ahd. first m., in md. Quellen (seit dem 15. Jh. belegt) auch vorst (mit Ablaut), -svie mnd. vorst, ndl. vorst f., ags. fyrst, first m. Verwandt sind aind. prsthäm «Rücken, Gipfel, Berggipfel», aw. parsta m. «Rücken, Rückgrat» und wahr- scheinl. auch lit.pifstas. ahg.priistü m.«Fingen>. Die Form Firste bei Adelung und Heynatz 1796 (hier neben Forst, Forste, noch jetzt hess.-thür. forst). Fis, n.: die Tonstufe, die Y^ Ton höher ist als f. Redensai't: ins Fis kommen , schwed. flacka, dän. flakke, auch Schweiz. -elsäss. flacken «lodern». Fladen, m. (-s, PI. wie Sg.): dünner flacher Kuchen. Mit angetretenem n (älter- nhd, auch noch Flade) und Übergang zur starken Flexion aus mhd. vlade m., ahd. flado m. und flada f., ndl. vlade, via f. Das Wort stimmt der Lautverschiebung gemäß mit dem Adj. aind. prthüs, gi*. -n-XaTÜc, lit. platüs «platt, breit» und gr. ttöXtoc m., lat. puls f. «dicker Brei». Flader, f. (PI. -n): hin- und herlaufende Holz-, Steinader. Spätmhd. vlader m. «Maser, geädertes Holz» (vom Ahorn, von der Eibe, Esche), dazu auch das Adj. vladerin, vlederin, z. B. vlederin holz fbei Luther Hes. 27, 5 543 Fladuse Flasche 544 fladernholtz), ferner mnd. vlader m. «geädertes Holz, Ahorn». Zu mhd. vledern «flattern» (s. Fledermaus) und liadern «flattern, flak- kern»; die hin- und hergehende Ader wurde der flackernden Flamme verghchen (äderiges Holz heißt auch flammig). ABL. fladerig, adj. Bei Maaler 1561 fladerechtig. Eladuse, s. Flöte. Flagge, f. (PI. -n) : große Schiff"sfahne. Aus dem ndd. flagge f., ndl. vlag f., engl. flug, dän. fla^i (entlehnt) n., schwed. flagg m, und flagga f. Im Hoehd. zuerst von Come- nius 1640 als Flagge aufgefülu't, sonst im 17. Jh. meist Flache (aber Schottel 1663 Flagge). Wohl abgeleitet von einem Stamm, der in engl, fl^g v. «schlaff hangen» vorliegt. ABL. flaggen, v., das ndd. flaggen, dän. flage, schwed. flagga, erst bei Campe. Flakön, m. (-s, PI. -s): Riechfläschchen. Das franz. flacon aus flascon, mlat. flasco m. (Gen. flusconis), s. Flasche. Im 18. Jh. entlehnt. Flamberg, m. {-s, PL -e) : breites Schlacht- schwert (Th. Körner Leyer u. Schw. 7811.). Frähnhd. (Aimon B 4^), urspr. Flamher ge f. (Gargantua 179), aus franz. flamherge f. Dies ist unter volkstümlicher Anlehnung an flambe «Flamme» entstanden aus Flöberge, dem Eigennamen eines Schwertes. Weitere Ab- leitung unklar. Flame, f. (PI. -w), s. Flome. flämisch, adj. u. adv.: verdrießlich, mür- risch, ürspr. s. V. a. flandrisch, die jetzige Bed. läßt sich seit dem 17. Jh. nachweisen. Der französische Einfluß, der sich seit dem 12. Jh. in Sitte, Tracht und Sprache Deutsch- lands geltend machte, wurde hauptsächlich durch das halb romanische, halb germanische Flandern vermittelt, weshalb dann ein fein- gebildeter Mensch auch als Vloeminc be- zeichnet wurde. Die Nachahmung der vlä- mischen Sitte und Sprache (vlcemen, eig. «vlämisch sprechen») drang selbst in die nie- deren Stände, bei denen sich die Zierlich- keit übel ausnahm und ins Lächerliche fiel, daher dann das Adj. vloemisch «fein gebildet» in die Bed. «auf rohe Art prunkend, an- maßend», überspielt, woi'aus wohl die weitere Bed. «nach Herrenart verdrießlich, mürrisch» hervoi'gegangen ist. Flamme, f. (PI. -n): zur Höhe schlagen- des Feuer. Mhd. vlamme f., auch m,, wie andd. flamma, ndl. vlam f. entlehnt aus dem gleichbed. lat. flamma f. Dadurch wurde der eig. deutsche Ausdnick ahd.-mhd. louc m. (s. leuchten) verdrängt. ABL. flammen, V., mhd. vlammen, auch ndl. vlammen. Da- von mit frequentativer Endung (vgl. flimmefrn) flammeru (Bürger Des Pfarrers Tochter von Taubenhain Str. 2), auch mit Umlaut flämmern (Goethe Faust 3651), schon im Mrhein. des 14. .Jh. flAinimeren. flammig, adj., mhd. vlammic. Flammeri, m. (-s, PI. -s): kalter Pud- ding. Neue Entlehnung aus engl, flummery « Hafermehlbrei ». Flanell, m. (-s, PI. -e): ein leichtes Wollenzeug. Zimächst aus engl, flannel, das auf dem gleichbed. franz. flanelle f., ital. fianella f. beruht, einer dimin. Ableitung von airanz.flaine «Wollzeug». 1715 bei Ama- ranthes 547 Flannell. Flanke, f. (PI. -n): Seite, Seitenlinie wo- von; Weiche, Bauchseite bei Tieren. Mit Geschlechtswechsel aus franz. flanc, ital. fianco m., das vielleicht auf ahd. hlanca [f für h eingetreten), mhd. lanke f., (noch 1678 bei Krämer Lanckenf. «Weiche, Lende») zurückgeht. Zuerst als Seitenwerk einer Festung (bei J. v. Wallhausen) belegt, von Krämer 1678 als Manche angeführt; Speran- der 1728 hat Flanquen auch als «Seitenflügel eines Regiments» und später erscheint es in der allgemeinen Bed. des franz. flanc. ABL. flankieren, v.: mit Seitenwerken versehen; einem Heere die Seite abgewinnen; sich umherbewegen, eig. an der Seite wovon. Aus franz. flanquer. Schon 1599 ndl. bei Kilian, dann 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 221 flanquiren, bei beiden als militärischer Ausdruck verzeichnet. Flaps, m. (-es, PI. -e): einfältiger Mensch (Kleist zerbroch. Krug 444). Aus dem Ndd. ; Kindleben 1781 verzeichnet Flabbs «grober Mensch», Danneil Flahhs «Lafie». Wahr- scheinlich mit ableitendem -s (vgl. Taps, Schnaps, Klecks) zu Flabhe, Flappe «Maul» (s. d.) gebildet. Flasche, f. (PI. -n)-. bauchiges Gefäß mit engem Halse für Flüssigkeit. Mhd. vlasche, alem. u. rheinfränk. vlesche, ahd. flasca f.; dazu ndl. vlesch, ags. flasce, engl, flask, anord.- schwed. flaska, dän. flaske f. Aus mlat. flasca, ital. flasca, afranz. flasche, dem Fem. zu mlat. flasco, ital. flasco. Vgl. Roethe AfdA.23, 157. .ABL. Flaschner, m. : Hand- werker, der blecherne Flaschen macht; (in Süddeutschland) Klempner. Spätmhd. ZUS. 545 Flaser Flanse 546 Flaschenfatter, n.: tragbares Flaschenbe- hältnis zu Keisen. Ln 17. Jh. (Fleming 582). Flaschenzug, m.: Hebewerkzeug aus zwei Flaschen oder Kolben. Bei Dentzler 1709. Flaser, f. (Goethe XW. Schi-, 9, 60): wie Flader (s. d.). Um 1480 flasir am schuch ^ Schuhriemen» Voc. incip. teut. g 2^. Das lautliche Verhältnis zu Flader ist dunkel. ABL. flasern, v.: in geflasertes Holz, bei Lohenstein Armin. 2, 317. Flatschen, m. (-s, PI. wie Sg.): breites Stück wovon, Haufen, Fetzen. Bei Lessing 12, 518. 522. 523. In ndd. und md. Mund- arten, auch als Flatsche, f. Mild, vlatsche, vletsche f. «Schwert mit breiter Klüige», wohl zu ahd. flaz «flach». Vgl. auch fletschen. Flatterie, f. (PI. -n): Schmeichelei. Bei Schiller Kab. u. L. 1, 5. Das gleichbed. franz. flatterie f., von fiaiter (s. flattieren). flattern, v.: mit schnellem Aufundnieder- schlagen sich durch die Luft oder in ihi- bewegen; sich unbeständig schnell hin- und herbewegen. Älternhd. fladern, bei Luther (Jer. 51, 27, Weish. 2, 3) fladdern, 1482 im Voc. theut. il^ flader n «hell auflodera» (so noch Schweiz.), spätmhd. (Fastnachtssp. 1277) flatern; daneben erscheint mhd. in gleicher Bed. vledern (s. Fledermaus) und vlodern (s. fl/ydern), im 16. Jh. auch flitteren, vgl. engl, flitter «flattern», flutter «flattern, flackerm) (aber ags. flx)trian ist zu fleotan «fließen» zu stellen). Der Stamm gehört mit Falter (s. d.) zusammen, s. auch Flader. Stieler 1691 und Steinbach 1734 führen noch fladern, Schottel 1663 und Ludwig 1716 fladdern an, daneben findet sich bei Maaler 1561 floderen, flotteren, flutteren, auch bei Schottel 1663 flotteren, flutter en und noch bei Ludwig 1716 flottern, flattern. ABL. Flatterer, m. {-s, PI. wie Sg.), im 16. Jb. flatterhaft, adj., im 17. Jh. flatterig, adj., im 16. Jh. fladericht. ZUS. Flattergeist, m., bei Luther Flad- d ergeist. flattieren, v. : schön tun, schmeicheln. Aus dem gleichbed. franz. flatter, das auf ein mlat. *fl^titare, eig. «anblasen» zurück- geführt wird, abgeleitet von lat. flatus m. «Hauch», Schon 1556 bei Frisius 44». 127^ ABL. Flattierer, m.: Schmeichler. 1556 bei Frisius a. a. 0. flau, adj. u. adv.: matt, schlatf, schwach (auch von Waren hinsichtlich ihres Absatzes). Aus dem gleichbed. ndd. flau (1767 im Bre- mischen Wörterb. als «lau, schal, kraftlos», Weigaud, Deutsches Wörterbuch, 5. Aufl. auch als Kaufmannsausdruck angefühi-t), ndl. flauw (1599 bei Kilian) «ohnmächtig, schwach, blaß, bleich, gleichgültig», das auf afranz. (picardisch und hennegauisch) flau, floi, nfranz, flau zurückgeht; dies leitet man von dem deutschen lau (s. d.), ahd. läo, fiüher hläo (mit Übergang des h in f, s. Flanke) ab. Im Hd. zuerst im 18. Jh. bei Winckelmann (t 1768) 5, 193 in der Bed, «matt» von einer Farbe, 1775 von Adelung ins Wörterbuch laufgenommen; Heynatz 1796 führt es aber noch als ndsächs. Ausdruck an. ABL. flauen, |V.: flau sein, werden, Flauheit, f., ndl, 1599 bei Kilian flauwheyd. Flaum, m. (-5): die weichen Bauchfedern, der erste zarte Federwuchs der Vögel ; erster Bartwuchs; weiche Wolle an Obst. Auch Flaume, (PI. -n)-. weiche Bauchfeder der Vögel. ^Ihd. pflüme, in md. Quellen plünie f. «Flaumfeder», wie ndl. pluim, ags. plimi in plümfedere f. entlehnt aus dem gleichbed. lat. plmna f. Im 16. Jh. findet sich neben Flaum, Pflaum auch (diux-h den Einfluß von Feder''!) Flaum (neben andern Formen bei Dasypodius, Maaler); doch erhält sich Pflaum I bis ins 18. -Ih, (Frisch 1741 verzeichnet es noch) und wird z, B, von Weiße, Wieland Ob. 10, 22, Hölty 17, 82, J. M. Miller, Göckingk (2, 51), H. L. Wagner, Schiller (Raub. 1, 2) und Goethe 6, 43, (vgl. die Anmerkung) ge- \ braucht, auch jetzt noch obd, ABL. flaumig, adj,, im 18. Jh., bei Keisersberg Büg. 10^ pflumig, noch bei Schiller 13, 56 pflaumicht. ZUS. Flaumfeder, f., mhd. pflümveder f., ags. plUmfectere, noch bei Kant 8, 191 und Herder zur Rel. 5, 385 Pflaumfeder, flaum- weich, adj.: weich wie Flaum. Flaus, Flausch, m. {-es, PI. -e): Büschel Wolle; dickwolliger Rock. Aus mnd. vl^s, I vlüscli «Schaffell, zottiges Fell», 1475 clevisch fluesch (Teuthonista). Zu Vlies (s. d.). Frisch 1741 und Adelung kennen Flausch nur m der 1. Bed., Kindleben 1781 führt aus der Studentensprache Flausch als «eine Art be- I quemer Überrock» (auch bei Heine 1, 26) an, I daneben ist auch die Form Flaus gebräuch- 1 lieh. ZUS. FlausrOCk, m., bei Voß 2, 188. I Flause, f. (meist im PI. -n): unrichtiges, irreführendes Vorgeben, Vorspiegelung, ins- besondere schwankartige. Die ältre Form ist das im 17. Jh. mehrfach belegte, auch jetzt noch mundartliche Fausen «Torheiten, Albernheiten, Schnurren» (bei Krämer 1678 und Rädlein 1711 seine Fausen haben «mond- 547 Flaute Fledermaus 548 süchtig sein»); dies berührt sich wieder mit dem nordd. Fusen, Kunkelfusen «Ausflüchte, Spiegelfechtereien, Schikanen», bei Stieler 443. Die Grundbedeutung von Pause (Flause) dürfte «Büschel Haare oder Wolle, Flocke, Zotte» gewesen sein (vgl. Zote und Schweiz, j fausel m. «Büschel von Haaren oder Fasen»), daraus hat sich die Bed. «Nan-heit, Albern- 1 heit, Vorspiegelung» entwickelt. Flause neben Fluse 1781 bei Dähnert und bei Adelung. Im Schweiz.-Elsäss. ist Maus auch «Ohrfeige». Flaute, jS'ebenform von Flöte (s. d.). . Fläz (mit a), m. (-es, PL -e) : dummgrober Mensch. In der Umgangssprache. Zuerst 1611 bei Helvig 124: Flöetz als pommersches Dialekt- wort aufgeführt, dann bei Schottel 1663 Flotz, bei Stieler 1691 Flätz, Flötz «unverschämter Mensch». Vielleicht zu mhd. vletzen «breit da liegen oder lagern», abgeleitet von vletze n. «Fußboden» (s. Fletz und Flöz), also eig. \ «der sich in flegelhafter Weise breit macht», j bei Mathesius Luther (1576) 136^ sich fletz- 1 sehen, noch obersächs.-ndd. sich hinfläzen «sich \ breit hinsetzen oder legen». Flechse, f. (PI. -n)-. spannende Muskel- und Gelenkfaser im Fleische. Erst im 17. Jh. (bei Henisch 1616 Flechs), fmher dafür Flachs- ader. Also von Flachs wegen der Feinheit des Fadens und des Bindenden. Flechte, f. (PI. -n): biegbares ineinan- der Geschlungenes; geflechtartig sich aus- dehnendes Laubmoos; geflechtartig um sich greifender Hautausschlag. Mhd. vlehte f. in der 1. Bed.; dazu got. (mit Ablaut) fl^hta f. «geflochtenes Haar, Zopf». Von flechten, V. (Prät. flocht, Part, geflochten): ineinander schlingend verbinden oder hervorbringen. Mhd. vlehten, ahd. and. flehtan; dazu andl. vlehten, anord. fletta. Übereinstimmend mit dem gleichbed. lat. plectere, abg. plesti und ohne das ableitende t lat. plicäre «zusammenbiegen, falten», gr. hX^kciv «schlingen, flechten», aind. pragnas m. «Geflecht, Korb», vgl. auch Flachs. Das Prät. lautet mhd. vlaht, PI. vlähten, md. aber vluhten, mnd. vlehten, darauf geht der nhd. Sg, fl/>cht zurück, dessen sich schon Luther bedient (flachte), während im Obd. anfangs flacht bleibt. Vereinzelt Übergang zur schwachen Flexion. ^ Fleck, m. (-es, PI. -e): Stück eines Ganzen; Stück Zeug, Lappen; Raumpunkt (selten als n. z. B. Schiller Turandot 2, 4, Goethe 18, 29). Mhd. vlec, auch vlecke m. «Zeugstück, Lappen, Fetzen, Stück Land, Platz, Raumpunkt», spätmhd. auch «Stück vom Magen oder Eingeweide» (s. Kuttelfleck), ahd. flec (Gen. flecches) m. «Stück Zeug, Lappen». Das Wort gilt als identisch mit dem folgenden, doch sind vielleicht ver- schiedene Worte zusammengeflossen. Dazu mit Ablaut anord. flik f. «Lappen». ABL. flecken, v.: durch einen aufgesetzten Fleck (Lappen) ausbessern; vom Flecke kommen, von statten gehen. Mhd. vlecken «vom Flecke schafi"en, fördern». S. auch flicken. -Fleck, m. (-es, PI. -e), meist Flecken, m. (-S, PI. wie Sg,): andersfarbige Stelle; andersfarbige Stelle als Fehler. Mhd. vlec und mit schwacher Flexion vlecke, ahd. fleccho, flecko m.; dazu ndl. vlek f., engl. fleck, anord. flekkr, schwed. fläck m. S. das vorige Wort. Luther hat Fleck und Flecke, woraus später mit angetretenem n und Über- gang zur starken Flexion Flecken (Flecke noch Herder Cid Nr. 11); daneben erhält sich die küi'zere Form Fleck, namentlich in Zu- sammensetzungen wie Schand-, Schmutzfleck. ABL. flecken, v.: Flecken geben, durch andersfarbige Stellen zeichnen. fleckig, fleckicht, adj.: Flecken habend. Mhd. vleckic und vleckeht (bei Boner Edelstein 96, 34 Hds. B flekig) «andersfarbige Stellen habend, beschmutzt» (bei Luther mit geschwundenem ch flecket). Flecken, m. (-s, PI. wie Sg.): Dorf städ- tischen Ansehens. Mhd. vlecke m., eins mit dem vorigen Flecken, mit angetretenem n. Die jetzige Bed. kommt im 15. Jh. und bei Luther vor (marktfleck schon am An- fang des 14. Jh. bei Ködiz 87, 24); sie ist ebenso wie bei Ort (s. d.) entstanden. Auch ndl. vlek n. Fledermaus, f. (PL -mause): fliegende Maus. Bei Luther F. und Fleädermaus, mhd. vledet'müs, ahd. fledarmüs f., daneben fledaremustro; dazu ndl. vledermuis f.", engl. flittermouse, im Ags. dagegen hreade- ' oder hreremüs f. Zu ahd. fledirön, mhd. vlederen-, bayr. fledern «flattern (s. d.), mit den Flügeln schlagen» und Maus trotz Koegelldg. Forsch. 4, 319, Auch auf den Schmetterhng über- tragen, mhd. vledermüs «NachtschmetterHng, Motte», 1469 im Voc. ex quo fleddermusche, aber von der Maus fleddermuße, bei Alberus dict. X X 3^ fledermausz, odder zweyf alter, fleugt inns Hecht, noch in der hess. Provinz Starkenburg, wo dann für die eigenthche Fledermaus die Benennung Speckmaus gilt 549 Flederwisch Fleiß 550 (s. d.). Dazu elsäss. Fledermäusel, tirol. flättr- maus «Schmetterling». Flederwisch, m. {-es, PI. -e): Gänse- flügel zum Abwischen. Mhd. vederwisch m., bei Keisersberg federwüsch, bei Luther fedder- ivüsch; dazu ndl. vederwisch f. Das l ist eingeschoben (wie in Mause, Geflügel) mit Anlehnung au fledern, gleichsam «Wisch zum Abfächeln», zuerst im 15. Jh. (Fastnachtssp. 73, 9). Bei Goethe Faust 3706 verächtlich für Degen. Flegel, m. (-S, PI. wie Sg.) : Stab mitKlöpfel zum Ausschlagen; (bildlichj derber, grober Mensch (vgl. Bengel). In der eig. Bed. mhd. vlegel (Nebenform phlegel noch 1615 beiMesser- schmid lust. Narrheit 175, ndd.plegel), ahd.flegil m. ; dazu ndl. vlegel, ags. fligel m., engl, flau, wahrscheinlich entlehnt aus lat. flagellum n. «Peitsche», um 400 n. Chr. auch «Dresch- stab», wotier auch franz. ^eaM, afranz. ^aeZ m. «Dreschflegel». Das ältre deutsche "Wort dafür ist Zh'ischel (s. d.). Die Bed. «Grobian» (1551 bei Scheidt Grob. 3129) urspr. wohl vom Bauern, der den Dreschflegel handhabt, bei H. Sachs 14, 61, ist Flegel Bauera- name. ABL. Flegelei, f , 1678 bei Krämer. flegelhaft, adj., 1691 bei Stieler. ZUS. Flegeljahr, n., gewöhnlich im PI.: die Jahre jugendlicher Ungesittetheit, 1804 durch J. Pauls gleichnamiges Werk eingebürgert, ZfdW.9, 280 aus dem J.1788 belegt. ■ flegeln, V.: dreschen, mhd. vlegelen, im 16. Jh. in Übertrag. Bed. «schlagen», 1716 bei Ludwig «jem. Flegel heißen»; intr. «Flegeleien be- gehen», bei Voß 4, 44: refl. «sich bäurisch benehmen». flehen, v.: angelegentlich, inbrünstig, de- mütig bitten. Mhd. vlehen, vlegen, ahd. flehön, flehan «schmeicheln, freundlich zureden», dazu and. flehon «liebkosen, schmeicheln», got. gaplaihan <' freundlich zureden, liebkosen, trösten», gaßlaihts f. «freundliches Zureden, Trost», anord. flär, ags. fläh «falsch, hinter- listig». Unbekannter Herkunft, kaum mit Osthoff Btr. 13, 399 zu gr. XaiKdc «Hure», lät. lena f. «Kupplerin», vgl. Walde s. v. Die Person, zu der man fleht, steht mhd. im bloßen Dat. oder Akk., dies hat sich bei Dichtem bis in neuere Zeit erhalten, der Dativ z. B. bei Klopstock Mess. 4, 182, Wie- land 28, 7, der Akk. bei Schiller Karlos 1, 2. ABL. flehentlich, adj., mhd. vlehelich, auch flehentlich, bei Luther flehlich, 1616 beiHenisct fleh-, fl.ehenlich, 1691 bei Stieler flehendlich. j Aus dem Part. Präs. gebildet (wie hoffentlich, , wissentlich). \ flei(h)en, v. : in Ordnung bringen, putzen, dialektisch im Nordd., besonders in der Zu- sammensetzung sich auffleie7i. Aus nd. flien, as. {gi)flllian «den Sinn auf etwas richten», ndl. vlijen, fries. flie «ordnen». Fleisch, n. (-es): die weiche Masse des tierischen Körpers, dann die saftige Masse der Pflanzen. Mhd. vleisch, ahd. fleisk n., dazu asächs. flesc, ndl. vleesch, afries. fläsc, ags. flcesc n., engl, flesh. Die urspr. Bedeutung scheint «fettes Fleisch» zu sein, da anord. flesk n. «Schinken, Speck», schwed. fläsk, dän. fleskn. «Speck» bezeichnet. Weiter sind wohl verwandt anord. flikki n., ags. flicce n., engl. ,flitch «Speckseite». Denselben Stamm ent- I halten möglicherweise lit. pältis «Speckseite», abg. plütü m. «Fleisch». ABL. fleischen, V.: Fleisch ablösen; Fleisch abschaben; mit Fleisch versehen; fleischliche Gestalt an- nehmen; mhd. vleischen, ahd. fleiscön in zu- I ^mcöw «zei-fleischen». Fleischer, m.: der ' handwerksmäßig Vieh schlachtet und das Fleisch zum Verkauf aushaut. In Norddeutsch- land (süddeutsch Metzger). 1470 fleischet' in Diefenbachs mlat.-hd.-böhm. Wbch, 61, da- sregfen bezeichnet mhd. im 14. Jh. vleischer «den Henker», während man den Schlächter vleischhouwer, fleischouwe^- oder vleischhacker, auch fleischel m. nannte. Dazu Flcischcr- gang, m.: vergebliche]- Gang (weil der Fleischer nach Kälbern oft vergebens über Land geht), 171 1 beiPädlein. fleischern, adj.: aus Fleisch bestehend, bei Luther (Hesek. 11, 19. 36, 26), mhd. dagegen vleischin, ahd. fleisMn. fleischig, adj., auch fleischicht, ^ spätmhd. vleischic «fett», fleischlich, adj. : körperlich; sinnlich; mhd. vleischlich, ahd. fleisclich, dazu and. fleskUk, afries. fldsklic, ags. flcesclü. .Z'ZJS. Fleischbank, f: Schlacht- bank, Schlachthaus, mhd. vleischhanc. Fleisch- brühe, f , 1482 im Voc. theut. h 7*^ flaischpru, bei Steinhöwel 221 flaischhrü. Fleischfarbe, f., 1616 bei Henisch. fleischfjirben, adj., 1711 bei Kädlein fleisch farh. Fleischtopf, m., bei Luther (2. Mos. 16, 3). ' Fleiß, m. (-es) : worauf verwandte eifrige : sorgfältige Tätigkeit. Mhd. vli§, ahd. vlig m. «Eifer, Sorgfalt»; dazu asächs. y^f^m. «Kampf, Kampfeifer», ndl. vlijt f «Fleiß», ags. flit n. «Ärgernis, Streit». Vielleicht mit lat. lis, litis 'f., alat. s^fe «Streit, Zank» zu verbinden mit s-losem Anlaut und anderm Auslaut (aus -tnT). 35* 551 flektieren fliehen 552 Dazu fleißeu, V. (Rom. 15, 20), jetzt befleißen (s. d.), rnhd. vligen, ahd. fli^an «Sorgfalt woran wenden», and. and flitan« sich bemühen, streben», ags. ^?faw «kämpfen, streiten», engl. fiite «zanken, streiten». ABL. fleißig, adj., mhd. vltgec, ahd. flipc, mndl. vlitech. Davon älternhd. fleißigen, V. refl., bei Luther, mhd. vlizigen, heute sich befleißigen. flektieren, v.-. biegen, insbes. ein Wort. Erst spät im 18. JTh. Aus gleichbed. lat. fledere. flennen, v.: mit verzogenem Munde weinen (Schiller Raub. 1, 2). Eig. den Mund ver- ziehen, zum Hohnlachen (Lohenstein Ibra- him 2) oder zum Weinen, ahd. flammen «den Mund verziehen», neben mhd. vlans m. «Maul». Unbekannter Herkunft. 1540 bei Alberus dict. Ji 3'^ ich flenn «strecke die Zunge heraus», 1559 bei S. Franck verbütschiert Buch 145*^ flannen «weinen», in gleicher Bed. 1691 bei Stieler flennen neben dem Subst. Flanner m. S. Flunsch. Flet, n. {-es, PI. -e), auch Flete f. (PL -n) : schiffbarer Kanal der Stadt. Aus mnd. vlet n. «Fluß, Rinnsal», von mnd. vielen «fließen». Bei Adelung flethe f. S. Fließ. fletschen, v.: ins Breite dehnen; flach, breit schlagen; die Zähne zeigen. Mhd. vletschen «die Zähne zeigen», vletzen «ausbreiten», zu ahd. flaz «flach, platt». S. Flöz, Fläz. ZUS. FletSChzahn, m. : hervorstehender, von der Lippe nicht bedeckter Zahn. Fletz, n., selten m. (-es, PI. -e): Fuß- boden, Hausflur. Altemhd. und noch in Bayern. S. Flöz. Flexion, f. (PI. -en): Biegung, insbes. Veränderung eines Wortes zur Bezeichnung grammatischer Verhältnisse. Erst spät im 18. Jh., aus lat. flexio f. «Biegung» (nur in 1. Bed.), von lat. flectere «biegen». S. flektieren. Flihüstier, m. {-s, PI. wie Sg.): See- räuber. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. auf den Antillen so benannt nach den leichten Schiffen, den Flibusten, deren sich diese Frei- beuter bedienten. Flihuste, f., aus engl. fiy-boat «fliegendes Eilboot», franz. flibot m., hoU. vlieboot. Flicken, m. (-«, Pl. wie Sg.), daneben Flicke, m. {-n, PI. -n): Stück Zeug zum Ausbessern. Aus nd.flikke. 1775 bei Adelung. Von flicken, v. : eine schadhafte Stelle aus- bessern, mhd. vlicken «einen Fleck (Lappen) aufsetzen», s. -^ Fleck. Dazu Flicker, m., bei Luther Tischr. 200^; Flickerei, f., 1664 bei Duez. Flickwerk, n., im 15. Jh. in den Fastnachtsp. 793, 10. Flickwort, n., 1641 bei Schottel 360. Flieder, m. (-s) : der Holunder, sambueus nigra. Aus dem Ndd. 1616 bei Henisch Fiederbaum und Fliederbeer, 1574 bei Fischart Onomast. 192 Flidder, Flier, Vlierbaum, mnd. vleder, 1420 bei Diefenbach Gl. 509 '^ vlieder, 1599 ebenfalls als nd. bei Kilian 626^ vledder, ndl. vlier. Dunklen Urspinmgs. A.ucb auf die Syringe übertragen, 1741 bei Frisch spanischer Flieder. Fliege, f. (PI. -w): das geflügelte Insekt lat. musca. Mhd. vliege, ahd. flioga, fliega, and. fliega, ndl. vlieg, ags. fleoge f., engl, fly, aber auch ahd. als Nebenform fliuga, mhd. fliuga, fleuge, älternhd. fleug, 1537 bei Dasy- podius T 1^ flieg, mit kurzem Vokal anord. fluga, schwed. fluga f., dän. flue. Von fliegen, V. (Prät. flog, Part, geflogen) : sich schwingend und schwebend durch die Luft bewegen und von derselben getragen werden. Mhd. vliegen, ahd. fliugan, fliogan; dazu ndl. vliegen, afries. flioga, ags. fleogan, engl, fly, anord. fljüga, schwed. flyga, dän. flyve. Obwohl infolge ilirer Begriffsverwandtschaft bis in neuere Zeit oft miteinander vermengt (Luther 5, 294^, Spr. Sal. 23, 5, Schiller 8, 167), sind fliegen und fliehen etymologisch nicht verwandt, wie der urspr. Anlaut im got. pliuhan «fliehen» und im got. Faktitiv usflaugjan «emporfliegen machen» zeigt. Etymologisch ist das Wort nicht sicher aufgeklärt. Einige stellen es zu lat. plüma f. «Flaumfeder, Flaum», lit. plünksna f. «Feder», vgl. Walde s. v. Andre denken an Ableitung von einer Wz. plu «fließen» (s. d.). Das Präs. flektiert in der 2. und 3. Sing, älternhd. bis in die 2. Hälfte des 18. Jh. und noch dichterisch im 19. Jh. fleugst, fleugt (Wieland Idr. 114, Schiller Teil 3, 1), der Imp. fleug (Lessing 1, 101, ühland 173), entsprechend dem mhd. vliugest, vliuget, vliuc; das Prät. mhd. vlouc, PI. vlugen, md. vlöc, vlög, danach die nhd. Formen fl/)g, PI. flogen gebildet. ZUS. Fliegengott, m.: Bezeichnung des Teufels nach der Übersetzung von Beelzebub in der Septuaginta. fliehen, v. (Prät. floh, Part, geflohen) :_ sich schnell wovor fortbewegen, davonmachen (mit sein, doch trans. mit haben). Mhd. vliehen, ahd. fliohan; dazu asächs. fliohan, ndl. vlien, ge^fv^öhnlich vlieden, afries. flia, ags. fleon, engl, flee, anord. fiyja, schwed. fly, dän. fly, got. mit urspr. p im Anlaut pliuhan 553 Fliese FUnte 554 (s. fliegen), fliehen ist von Osthoff Btr. 13, 412 zu lit. lekiü, lekti «fliegen», lett. lecu, lekt «springen, hüpfen», lat. locusta «Heuschrecke» gestellt, bei denen ein Dental im Anlaut ver- loren gegangen sein kann. Der abweichende VokaUsmus (auch in got.j5Za/jsjaw«erschrecken») beruht entweder auf germanischer Neuerung oder ist im Idg. entstanden. Die beiden Worte verhielten sich wie gr. qpeßonai zu cpeuYuu. Die 2. und 3. Sing, des Präs. lautet ältemhd. und dichterisch bis in die Neu- zeit fleuchst, fleucht (Klopstock, Voß), der Imp. fleuch (Schiller Käub. 3, 1) entsprechend dem mhd. vliuhest, vliuhet, vliuch; das Prät. mhd. vloch, PI. vluhen, noch ältemhd. im 16. Jh. floch und flouch, ältermd. vlö und danach die nhd. Formen floh (daneben flöhe, bei Luther und noch bei Schiller Karlos 1965), PL flohen. Fliese, f. (PI. -n)-. dünne viereckige Stein-, Tonplatte zur Bekleidung von Fußböden und Wänden. 1681 bei Scriver Seelenschatz 1, 700, aus dem gleichbed. nd. flise, ndl. vlijs, anord. flis f., schwed.-dän. flis «Spütter, Stück». Vielleicht verwandt mit ir. sliss «Schnitzel» aus *s(p)lissi. Fließ, m. n. {-es, PI. -e): kleiner Fluß. Mhd, vlie§ m. n., mnd. vlet (s. Fleet), ndl. vliet m. Von fließen, V. (Prät. floß, Konj. flösse, Part, geflossen): 1) mit sein: bei eigner Beweglichkeit in den Teilen zusammenhangend sich fortbewegen; von solchem sich Fortbe- wegenden mitbewegt werden. 2) mit haben: solches sich Fortbewegende von sich ausgehen lassen {sein Auge hat von Tränen geflossen). Mhd. vliegen, ahd. flio^an ; dazu asächs. fliotan, mnd. vielen, ndl. vlieten, afries. fliata, ags. fleotan, engl, fleet, anord. fljöta, schwed. flyta, dän. flyde. Das Wort gehört zu Ht. plüstu Prät. pludau «ich gerate ins Schwimmen», lett. plüdlt «ergießen, strömen», air. im-luadi «exagitat» und weiter zu gr. ttX^uu «schiffe, fahre», lat. pluit «regnet» usw. Das Präs. flektiert in der 2. und 3. Sing, ältemhd. und noch altertümlich fleußest, fleußt (Hagedom Od. 47, Wieland, Bürger), der Imp. fleuß, entsprechend dem mhd. vliuhest, vliuhet, vliuß; das Prät. mhd. vlog, PI. vlu^^en, nach dem Sing, der nhd. PI. flössen. Fließpapier, n.: fließendes, empfangene Tinte sich ausbreiten lassendes Papier. 1541 bei Frisius s. v. hibulus Flüßpapyr, 1561 bei Maaler Fließpapyr. Fliete, f. (PI. -n): scharfes Eisen zum Aderlassen. Spätmhd. vliete, flieten, im 12. Jh. fliedeme, ahd. fliedema, fliodema f., dazu ags. flytme f. aus gleichbed. gr.-mlat. fleotomum n., gr.-lat. Phlebotomus m., von gr, (pXevjj, Gen. (pXeßöc f. «Blutader», xeinveiv «schneiden». flimnieil, V.: zitternden Schein, Lichtblitze von sich geben. Erst im 18. Jh. im Ablaut zu flammen entstanden (Zachariä, Bürger 237 : es flimmt und flammt). Dazu das gleichbed. flimmeru,v., 1696 bei Reuter Schelmufsky65 {es flimmerte undflammerte): femer Flimmer, m.: beweglicher Glanz, zitternd glänzendes Metallteilchen, 1734 bei Steinbach in Gold- flimmer, 1741 bei Frisch «eine glänzende Berg-Art, die taub und ohne Halt ist». Flinder, m. {-s, PL wie Sg.): dünnes flimmerndes Metallplättchen. Zuerst nach- weisbar in einem Bericht von 1473 (Neue Mitteilungen des thüring.-sächs, Vereins 2, 84): mit t bei Goethe W. Meister 2, 4 Flinter. Wie flandern neben flattern (Schmeller - 1, 792), so Flinde)^ neben Flitter (s. d.), flinde^ni («flattem, in kleinen Stückchen umherfliegen», H. Sachs 9, 448, mhd, vervlindern «verflat- tern, verlöschen») neben flittern, s, d. flink, adj.: munter und mit Leichtigkeit geschwind. Aus dem Nd. 1691 bei Stieler, ndl. flink; aber 1716 bei Ludwig in der urspr. Bed. «glänzend». Von flinken, v.: flimmern, glänzen, 1663 bei Schottel (dazu mhd. kupfer- vlinke m. «flimmerndes Kupferschüppchen», bayr. fla7ik, flunken m. «Funke»). Daraus erweitert flinkem, v.: Lichtblitze von sich geben (und so ins Auge fallen), 1640 bei Zesen Helicon R3^, 1796 von Heynatz als niedersächs. bezeichnet, bei Schiller WaUenst. Lag. 3; vgl. flunkern. Dazu Flinker, m. {-s, PL wie Sg.): flimmernder Schmuck, bei Wieland 18, 140, Dim. Flinkerchen n. Flins, m. {-es, PL -e): Name mehrerer Steinarten. Mhd, vlins m., ahd. flins m. «Feuerstein, Kiesel, Fels», s. Flinte. Flinse, f. (PL -n): Läppchen als Abfall beim Zuschneiden. Aus dem gleichbed. nd. Flinse m., auch «Schnitzel». Flinte, f. (PL -n): Schießgewehr mit langem Rohre, 1663 bei Schottel. Von engl, flint, ags. flint, mnd. vlint, mhd. vlins, ahd. flins m. «Feuerstein, Kiesel», die zu gr. ttXivGoc m., air. slind «Ziegel», aind. pitidas m. «runde Masse, Klumpen» gehören, vgl. Liden Stud. 18. Der Name kam auf, nach- dem das Schießgewehr, das man sonst mittels eines mit einer Lunte versehenen Rades los- 555 flirren Floh 556 gebrannt hatte, mit einem Steinsclilosse ver- j sehen worden war, in das ein Feuerstein 1 (Homstein) eingefügt war, eine französische . Ei-findung um 1630, franz. fiisil ä silex, engl. flint-lock, flint-musket flirren, v.: in Zitterlicht, lichtblitzend auf- und abschweben. 1663 bei Schottel in der Bed. «hin- und herflattem». Zu diesem j Stamm Flirt, m.(-5): Courmacherei, Liebelei; Lehnwort aus engl, flirt. Um 1890 aufge- kommen. Vgl. Ladendorf. flispern, v.: flüstern, von Adelung er- wähnt, bei Tieck romant. Dicht. 2, 474. Vgl. fispern. flistern, s. flüstern. Flitter, m. (-5, PI. wie Sg.), auch f. (PI. -n): leichtes (fliegendes) dünnes, Zitter- licht werfendes Gold-, Silber-, Messingblech- Stückchen; gehaltloser Schimmer fürs Auge. Vgl. Minder. Die urspr. Bed. ist «unruhig glänzendes Metallblättchen» (flammule, flittern 1517 bei Trochus L4% die flittern als heubt- schmuck bei Luther Jes. 3, 20), dann vom Ende des 16. bis ins 18. Jh. «kleine blinkende Blechmünze», im 17. Jh. auch Benennung des Zittei-grases [Flittern, Flittergras 1663 bei Schottel 1318), endlich abstrakt im 18. Jh. (Klopstock 12, 186); dän.-schwed. flitter v. aus dem Deutschen. Von flittern, v.: sich unstät hin- und herbewegen (im 15. Jh. fiyttern «flattern», von Schwänen, Altd. Wälder 1, 133, vom Zittern des Espenlaubs 1595 bei Rollenhagen Froschm. 2, 4, 2, dazu mengl. fliteren «flattern»), daher unruhig glänzen (im 18. Jh.). In der altem Sprache flittren «flüstern» (Diefenbach mlat.-hochd.-böhm.Wb. 266 vom J. 1470), im 14. Jh. md. flettern «leise lachen, kichern» (Mone altd. Schausp. 154,344), wovon md. gevlittern. «unterdrücktes Gelächter» (Jeroschin 7884); ahd. mit weitrer Ableitung flitarazzan «liebkosen, schmeicheln», wonach flittern vielleicht urspr. auch s. v. a. «mit einem dem Zittern ähnlichen Bewegen der Flügel schöntun», nochbeiH.Sachs(l,320^) ^2f#ern«liebkosen,schmeicheln». ZZ7/S. Flitter- gold, n. {-es): in dünne Blättchen geschla- genes Messing, Rauschgold. Bei Stieler 1691. Flitterpappel, f. (PI. -n): Zitterespe. 1775 bei Adelung. Flitterstaat, m. {-es): mit Flittern besetzter, eitler Putz. Bei Lessing 6, 238. Flitterwoche, f. (PI. -n): die erste Woche Vermählter nach ihrer Hochzeit, die «Kosewoche». Zu flittern «liebkosen» (s. 0.). Bei H. Sachs (l, 388"^). Ähnliche Benennungen sind Kußtvoche, Zärtelwoche , bayr. Kuder- woche,\onkudern«'\ncherny>, Schweiz. Trütler- ivoche, von trüteln. «liebkosen». Flittich, m. {-s, PI. -e): Flügel, Fittich (sächs. Weichbildrecht 165, 40); Rockzipfel. In Mittel- und Oberdeutschland aus Fittich unter Einfluß von fliegen, Flügel. Flitzbogen, m. {-s, PI. wie Sg.): Bogen zu leichten Pfeilen. Ältemhd. flischbogen (Zimm. Chron. 2, 474, 10, flitschhogen 1556 bei H. Stade 187), auch pflitsch-, pflitzbogen, nd. flitzbagen bei Chj'träus 1582, ndl. flitsboog, zusammengesetzt mit älternhd. mnd. flitsch, flitsche, flitz, ältemltd. auch pflitsche f., ndl. flits m. «Pfeü» (auch tautologisch flitzenpfeil H. Sachs bei Liliencron 4, 168, flitzpfeil Fronsperger Kriegsb. 1, 138^, Fitschepfeil Rückert Ged. 3, 267), das auf franz. fleche, afranz. flesche f. «Pfeil» zurückgeht, dessen Herkunft nicht bekannt ist. flitzen, V.: sich pfeilschnell bewegen. Erst in der neuem Sprache. Von älternhd. flitz f. «Pfeib (s. Flitzbogen). Schweiz, flitschen «schwin-en wie ein Pfeil, wie ein Peitschen- schlag» (schon bei Frisius und Maaler), hess. flitschen (schon 1556 bei H. Stade 172), flitzen «mit Pfeilen schießen». Flocke, f. (PI. -n) : Büschel leichten Stoffes, z. B. der Wolle, des Haares, Schnees usw. Noch bei Steinbach 1734 und bei Frisch 1741 Mast., mhd. vlocke, ahd. floccho m.: dazu ndl. vlok f., engl, flock, (entlehnt) dän. flx)kke, schwed. flocka. Vielleicht aus gleichbed. lat. ^occMSm., möglicherweise aber echt germanisch und dann wohl zu fliegen. ABL. flocken, v. : in Flocken niederfallen, sich absondern usw., 1616 bei Henisch. flockicht, flockig, adj. u. adv.: flockenförmig. Bei Henisch 1616 flockig, bei Steinbach 1734 flockicht. flodern, v. (1517 bei Keisersberg Brösa7nlin 2, 91 ^ noch bei Schiller 1, 230), s. flattern. Floh, m. {-es, PI. Flöhe): das springende Insekt lat. pulex. Bei Luther 1. Sam. 24, 15 und noch 1722 bei Freyer 251 Floch, mhd. vlöch m. und mit geschwundenem Auslaut vlo f. (noch nhd. bei Dusch sowie Schweiz. Floh f.), ahd. flöh m.: dazu mnd. vlo f., ndl. vloo f., ags. fleak, flea f. (?), engl, flea, anord'. flö f. Das Wort wird gewöhnlich abgeleitet von ahd. fliohan, got. ßliuhan «fliehen», die urspr. Bed. also «der Flüchtige, schnell Fort- springende». Eher wird man aber lat. püIex m. vergleichen, das allein steht und auf ein *poulek zurückgeht, während das germ. Wort 00/ Flom Floß 558 auf *plouk weist. ABL. flohen, flohen, v.: ■ Flöhe suchen und fangen. Bei Henisch 1616 flöheyi, bei Ki-ämer 1678 flohen. ZUS. Flöh- krant, n. (-es): Polei, mentha pulegium, und andre Pflanzen, weil sie zur Vertilgxing der Flöhe dienten oder die Samen wie Flöhe aussehen oder die Blätter wie mit Flohstichen besprengt erscheinen. 1495 bei Brack 53^ flohenkraut,lblQ heiVimeisknus X8^ fiöchkrant. Flom, m. {-[e]s, PI. -en), auch Flaum und Flomen f-s): Bauch- und Xierenfett des Schweines. In Norddeutschland. Da- neben md. fleme, mhd. flcetne f. «innere Fett- haut», Schweiz, flamme f. «Seite Schwein- schmalz, wie man sie vom Tier abzieht». Dunkler Herkunft. •^Flor, m. {-es): Blüte, Blütenzustand, Blumenfülle. Im 16. Jh. in aller flore sein Zimm. Chr. 4, 256, 29, in bester Flom stehn 1588 bei J. Nas Glocke z. Erfurt 46, 1616 bei H. Ülr. Kralft 71 in flors Zeiten, bei Krämer 1678 im F. gehen, aus lat. in flwe, Ablativ von flos m. t Blume, Blüte». All- gemeiner erst im 18. Jh. Aber schon mhd. flore, flörie, ftöri f. aus dem Französ. ent- lehnt (Wolfi-am Parz. 796, 5). Auch im Plur. in Floribus: «im Blütenzustand, im größten Wohlleben» f Fischart Garg. 149, Moscherosch Phil. 2, 235), ursprünglich studentisch, wie man denn 1690 in der Studentensprache, wenn bei Biergelagen das Bierglas nach dem Trinkkomment so geschickt ausgetrunken wurde, daß es «von unten bis oben voller Schaum und kleiner Blümlein geblieben», einen solchen Trunk in Foribus nannte (TN'urm-Logia 62); dann allgemein 1728 bei Sperander. ^Flor, m. {-es, PI. Flore, Fore): ein dünnes durchsichtiges Gewebe, besonders schwarz zum Zeichen der Trauer (schon bei P. Fleming 309). 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 44 Für, nach dem gleichbed. ndl. floers n., das, wie es scheint, auf den franz. Plur. fleurs f. «Blumen», bildlich «die feinste, dünnste Sorte» (aus lat. flos m.. Gen. flöris m.) zurückgeht, vgl. auch ^Florett. ABL. floren, adj. (bayr. flören): aus Flor bestehend, erst im 18. Jh. ZUS. Florband, n. {-es, PI. -händer): flor- ähnliches gestreiftes Band, 1716 bei Ludwig. Flora, f. (PI. Foren): die Blumenwelt eines Landes. Aus lat. Flora f. «Name der Blumengöttin». 1813 bei Campe. : Florbeseu, m. {-s, PI. wie Sg.): Mädchen . vornehmer Eltern. Zu student. For m. *vor- \ nehme Damen». Aus der Studentensprache ' 1825 nachgewiesen, gleichzeitig bei Haufi" Memoiren des Satan 51. ^Florett, m. (-S, PI. -e): das obere grobe Gespinst des Seiden wurms; Abfall von guter Seide. 1678 bei Krämer Floret, wohl aus gleichbed. ndl. floret f. (bei Henisch in der Form Floröte), das aus dem gleichbed. franz. fleiiret m. (1466 mlat. floretum n.) aufge- nommen wurde, von franz. fl.eiir f. «Blume» in der Bed. «Abfall und Ausschuß des Ge- spinstes der Seidenraupe». ZUS. Florett- band, n. {-es, PI. -Milder) : Band von Florett- seide, bei Ludwig 1716 Forethand. Florett- seide, f.: Flock-, Kauhseide, 1678 bei Krämer Floretseide. -Florett, n. (-5, PI. -e u. -S): Stoßdegen zu Fechtübungen. 1678 bei Krämer Floret, 1742 bei Trichter Eeitlex. 804 Foret. Aus gleichbed. fi-anz. fleuret, ital. fioretto, span. florete m., so benannt wegen des blümchen- ähnlichen Knöpfchens an der Spitze, zu lat. flos m. (Gen. flöris) «Blume». Floribus, s. ^For. florieren, v.: blühen, in Aufnahme, ge- feiertem Ansehen sein. 1639 bei Micrälius 1, 92, ndl. floreren bei Küian 1599. Aus lat. flörere «blühen», von lat. flos m. «Blüte»; daneben mlat. florare «mit Blumen zieren», woraus mhd. florieren «blühen machen, zieren», noch bei H. Sachs 9, 160. Florin, m. {-s, PI. -e u. -.s): Gulden. Aus mlat. florenus, florimcs m. (woher itaL fiorino, franz.-span. floriii m.), die zuerst in Florenz mit dem Wappen der Stadt, der Lüie (ital. fiordaliso m., dessen fior aus lat. flos m. «Blume») geprägte Goldmünze, mhd. am Anfang des 14. -Jh. phenninge guldxn, die da hei^ent florin Ottokar 34665. Von F. da? Kürzungszeichen fl. Floskel, f. (PL -n): Redeblume, zierliche Redensart. Aus der Studentensprache (1781 bei Kindleben) allgemeiner geworden. Von lat. floscuhis m. «Blümchen», dann «Rede- zierUchkeit», dem Diminutiv des lat. flos m. «Blume». ^Floß, n. {-es, PI. Föße mit langem o), auch m. (Schiller 11, 297): zusammengefügte Baumstämme zum Weiterführen auf fließen- dem Wasser; (dichterisch) Schifi". Mhd. vlo^ m. und n. «Fluß, Strömung, Wasserfahrzeug», ahd. flo^ m. «Fließendes, Boot, Barke», fl6§- scef «Floßschifi». Daneben Fotz m, 1537 bei Dasypodius, noch 1678 bei Krämer. Zu fließen (s. d.). 559 Floß Flotflle 560 -Floß, n. (Gen. Flosses, PI. Flösser, mit kurzem o): kleines fließendes Wasser ; (wetter- auiscli) Straßeni-inne, Gosse. In der 1. Bed. 1540 bei Alberus, md. 1326 vlo^ Baur hess. Urk. 1, 289. Zu fließen (s. d.). Flosse, f. (PI. -n): grätenvolle federartige Schwimrahaut des Fisches: schwimmender Kork am Saume des Zugnetzes; burschikos auch «Hand». In der 1. Bed, mhd. vlo§^e, ahd.floß^at, von fließen «schwimmen». ZUS. Floßfeder, f. (PI. -n) -. Fischflosse. Spätmhd. im 15. Jh. vlogvedei'e, and. bloß vethera f. Flöße, f. (PI. -n) : Floß, zusammengefügte Baumstämme als Wasserfahrzeug; Anstalt zum Fortschafi"en von Holz auf fließenden Gewässern und das Recht dazu. Bei Luther Flösse «Floß», um 1480 Floße «Floß» Yoc. ine. teut. g2^, aber 1482 Flose «Gewässer zum Fortschafi'en der Flößen», mlat. traduc- torium Voc. theut. i 1% nd. flöte f. Von flößen, V.: fließen machen, (Holz) auf dem Wasser befördern, mittelst Floßes fortschafi'en. Mhd. vloß^en, ahd. flö^an, nd. flöten, Fak-titiv zu fließen (s. d.). Daneben ältemhd. flötzen (Hiob 14, 19), wie Flotz neben Floß. ABL. Flößer, m. (-S, PI. wie Sg.): Floßknecht, spätmhd. vlce^er, daneben älternhd. und noch Schwab. Flötzer. Floßfeder, s. Flosse. Floßgalle, s. Galle. Flöte, f. (PI. -n): Querpfeife mit Klappen; in Norddeutschland Trinkglas mit langem imten zugespitzten Kelche. In der 1. Bed. 1616 bei Henisch Föte, ältemhd. Feute (wie noch nd.), mhd. vloite, flaute f.; dazu 1475 clevisch fleute, nmdl. flute, ndl. fluit f. Aus dem gleichbed, afranz. flaute, später flute f., ital. flauto m. (daher bei Günther 588 und Platen Gas. 119 Faute f.), zu afranz. flaiiter «die Flöte blasen» (daher das gleichbed. mhd. vloitieren), das von lat. flatus m. «Blasen» stammt. Das mimdartliche Födüse, Fladuse «Schmeichelei», nd. Feidüs, bei Campe 1813 Föte duse, bei Amaranthes 1715 fleute dßuce f. ist das franz. flute douce «lieblich klingende Flöte». ABL. flöten, v.: die Flöte blasen, Flötenton hören lassen. 1616 bei Henisch flöten, älternhd. fleuten., mhd. floaten-, dazu mnd.-mndl. floiten, nd. fleuten, ndl. flutten. Flötist, m. (-e«, PI. -ew): Flötenbläser. Mit fremder Endung erst im 19. Jh., dafür früher i^öfer (bei Henisch 1616, Föuter bei Maaler 1561), mhd. floytere (Var. zu Pai-z. 19, 11), sonst floitiercere, floitierre n. flöten in f. gehen: verloren gehen; sich aus dem Staube machen. Erst im 18. Jh., zunächst nd. fleuten gähn (1743 bei Richey 9), dagegen in der Wetterau plete gehn. üm- deutschung des jüdischdeutschen pleite gehn «flüchtig sich fortmachen», dessen j?Zeiie (spr. plätte) das jüdische pletö «Flucht» ist, von hebr. pälät «er ist entwischt». flott, adj.: schwimmend (vom Schiffe); (bildHch) reichlich aufwendend, d. h. gleich- sam obenauf schwimmend, lebensfroh, flink. In der 1. Bed. 1716 bei Ludwig flott seyn, floß seyn «nicht am Gmnde festsitzen», 1695 in Stielers Zeitungslust «flott werden», aus nd. flot, ndl. vlot «auf dem Wasser treibend, schwimmend, fließend», von fließen (s. d.), nd. fleten, ndl. vlieten. Die 2. Bed. aus der Studentensprache in der 2. Hälfte des 18. Jh. allgemein geworden (1769 bei Bode Yorick 4, 100). ABL. flotten, V.: flott machen: schwimmen, fließen. Zu mnd. vloten «flößen, zu Wasser befördern, flott machen, fördern», anord. flota «flott machen». Flott, n. (-es): Müchrahm (als Obenauf- fließendes, 1763 bei Zachariä Hercynia Ges. l): auf stehendem Gewässer seh wimmende Wasser- linsen (Immermann Münchh. 2, 12). Aus dem gleichbed. nd. flot m., von fließen (vgl. flott). Auch sehwed. (entlehnt) flott n., ags. flet und flyte f. «Rahm», engl, to fleet «ab- rahmen». Flotte, f. (PI. -n): Anzahl Schiffe unter einem Befehlshaber. Erst seit dem 17. Jh. verbreitet (dafür im 16. Jh. Armada, Schiff s- zeiig), 1663 bei Schottel Motte, 1618 bei Schönsleder Flott, 1599 bei Hulsius Schiff". 4, 5 Flotta (als Fremdwort 1617 im Teutschen Michel 29 verspottet), aber schon um 1560 ; bei Ulr. Schmidel 24, 27 floet, 1507 ein ganze flut französische^' schiff Wilwolt v. Schaum- burg 121 ; dazu mndl. vlote, ndfl. vloot, sehwed. I flotta, dän. flode f. Aus dem gleichbed. franz. flotte (das erst im 16. Jh. statt des altem I navire, estoire übhch wird), ital. flotta, span. flota f., die wahrscheinlich aus der Normannen- zeit auf anord. /?ofi f. «Wasserfahrzeug, Floß», ! dann «Flotte» zurückgehen, abgeleitet von ' anord. fljöta «fließen», wie ags. flota und fleot m. «Schiß"», engl, fleet «Flotte» von ags. fleotan «fließen». flotten, V., s. flott. Flottille, f. (spr. Fottillje; PI. -n): kleine I Flotte. 1728 bei Sperander. Aus gleichbed. i span. flotilla f. 561 Flöz Flügel 562 Flöz, n. (-es, PI. -e): breites flaches Erz-, Stein- oder Kohlenlager im Bergbau. Bei G. Agricola 1546 fletze n., im Cod. dipl. ; Siles. 20, 158 aus dem Anfang des 16. Jh. I und 1562 bei Mathesius Sar. 307^ fletz: da- ; neben bereits im 16. -Jh. flötz. Aus mhd. vletze «geebneter Boden, Tenne, Hausflur, Stubenboden, Lagerstatt», ahd. flazzi. flezzi n. «Tenne, Hausboden»: dazu asächs. fletti, flet «Saal, Wohnung», nd. flet «Bodenfläche für die Betten im Hause», ags. flet «Estrich, Saal», anord. flet n. «Fußboden des Hauses». Abgeleitet von ahd. flaz, and. flat, anord. flatr «flach, platt/.. S. FUiz. Fluch, m. (-es, PL Flüche): Anwunsch eines Übels; Böses anwünschendes Schwur- Tvort. ^Ihd. vluoch, ahd. fluoh m.; dazu nd. flok, ndl. vloek m. Von fluchen, v.: Böses an wünschen; mhd. vluochen, ahd. flicochon mit einem erhaltenen starken Part, ahd.arfluahhan. farfluahhan «verworfen, böse», asächs. far- flöcan «verflucht», mndl. vloeken. ags. flöcan «schlagen». Wurzelverwandt mit dem nur im Prät. Plur. fcnflökun erhaltenen got. flökan «beklagen», der Lautverschiebung gemäß zu la,t. plangere «schlagen (an Brust und Arme), laut trauern^, pläga f. «Schlag», gr. TtXirfvüvai und TrXficceiv «schlagen», irXriTri f. «Schlag», und mit Tenuis im Auslaut wie häufig abulg. plakati «klagen, weinen», lit. plakü «schlage, züchtige» u. a. Aus dem Germ, stellt Holt- hausen Idg. Forsch. 17, 295 noch hinzu mengl. fliehen «reißen, schlagen», engl, flieh «stehlen, rauben ». ^Flucht, f.: eiliges Sichwegbewegen wo- vor. Mhd. vluht (Gen. vlühte), ahd. fluht f.; dazu and. fluht, mnd.-mndl. vlucht, ndl. vlugtf., engl, flight, aus dem Deutschen entlehnt seh wed. flykt m., dän. flugt «Flucht». Zu fliehen (s. d., sowie ^Flucht). Davon flüchten, v.: (trans.) eilig wovor fortbewegen ; (intr. und refl.) eilig wovor fliehen. ^Uxd. flüchten (nur als Litrans. Txad selten, dafür als Trans, und Refl. mhd. vlcßhen, vlcehenen, ältemhd. flöhen, flöhten), mndl. vluchten, ndl. vlugten, schwed. flykta «fliehen»; aber ahd. fluhten «fliehen machen, in die Flucht treiben», flüchtig, adj. und adv.: auf die Flucht sich begebend, auf der Flucht seiend, leicht oder schnell fliehend; danach schnell wie ein Fliehender, rasch vorübergehend, schnell verfliegend (1562 bei Mathesius Sar. 50*); oberflächlich. In der 1. Bed. mhd. vlühtec, vlühtic, ahd. fluhtig; dazu as. and. fluhtig, ndl. vhigtig. Davon Weig and, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Flüchtigkeit, f., I69i bei Stieler. Flücht- ling, m. (-.s, PI. -e): der Fliehende, 1691 bei Stieler. 'Flucht, f.: zusammenfliegende Schar Vögel, zusammenhängender Flug; (übertragen^) zusammenhängende Reihe, die Richtung einer geraden Linie, z. B. in Bauflucht f. Im 18. -Jh. Zu fliegen (s. d.). Aus dem gleichbed. nd. flugt ( brem. ^Vb. 1, 411), mnd. vlucht f. «Flug, Flügel, Geflügel»; dazu ndL vlu^t f., ags. flyht m., engl, flight «Flug», die, abgesehen vom ags., zugleich die Bed. von ^Flucht (s. d.) haben, wie sich auch fliegen (s. d.) und fliehen vermengen. ZUS. Fluchtlinie, f. Zu der 2. Bedeutung von F. Im 19. Jh. Fluder, m. n. (-s, PI. wie Sg., bayr. auch f.): breites viereckiges Brettergerinne zum Durchlaufen des Wassers im Berg- und Mühlenbau. ^Ihd. vloder, fluder n. m. f. «Mühlengerinne», auch «das Fließen, Fluten», und «das Holzfloß» (so noch bayr. Fluder f.), ahd. fluder «Strom von Schweiß», fludar cFloß:^. Desselben Stammes wie Flut, fließen und anord. flaumr m. «Strömung, Flut». ABL. fluderu, v.: Holz mittels eines Wetterbaches in einen beständigen Fluß flößen. Bayrisch. Flug, m. (-es, PI. Flüge): Schwung und Schweben durch die Luft ; zusammenfliegende Schar Vögel (1711 bei RädJein). In der 1. Bed. mhd. vluc (PI. vlüge), ahd. flug m. ; dazu and. flugi, ags. flyge m., anord. flugr m., flug n. Zu fliegen (s. d.). Vgl. -Flucht. ZUS. Flugblatt, n. (-es, PI. Natter) : fliegendes, schnell verbreitetes Blatt mit Nacha-ichten usw., 1808 bei Campe. Flugsand, m. (-es), 1775 bei Adelung. Flugschrift, f. (PI. -en): wie Flugblatt. 1808 bei Campe. Flügel, m. (-S, PI. wie Sg.): Flugglied und ihm Ahnliches (z. B. die Seitenteile oder Enden einer Truppe, eines Heeres [nach lat. äla] eines Gebäudes); großes Klavier in Flügel- gestalt (zu Anfang des 18. Jh.). In der urspr. Bed. mhd. liügel, md. vltigel, nrhein. im 14. Jh. vlogel, mndd. vloghel, ndl. vleugel m. Abge- leitet von Flug (s. d.). ZUS. Flügel horn, n. (-S, PL -hörner) : Signalhorn der Infanterie, urspr. Horn der Jägermeister, die die Flügel der Treibjagd kommandierten (1741 bei Frisch in urspr. Bed., ein einfach altvaterisch Horn 1719 Fleming teutscher Jäger 106). Flügel- kleid, n. {-es, PL -er) : Kinderkleid mit zwei breiten flügelartig hangenden Streifen auf dem Rücken (1735 bei Günther 439, bei Ama- ranthes 1715 Flügelkappe): wie zum Fliegen 36 563 flügge Flut 564 leichtes Gewand (Scliiller Jungfr. 5, 14). Flügelmann, m. (-es, PI. -inänner) : der am Anfang oder Ende einer Truppenreihe stehende Soldat, 1741 bei Frisch. Flügeltür, f. (PI. -en): Tür mit zwei auseinandergehenden Hälften oder Flügeln, im 18. Jh. (1772 bei Hölty Ged. 18 H.). flügge, adj.: befiedert zum Ausflug aus dem iseste; (bildlich) heiratsfähig, mannbar, auch heiratslustig. Der Form nach entlehnt aus nd. flügge (schon bei Luther Br. 2, 521 flügg), dafür älternhd. flücke, flück (noch bei Maaler Müller 2, 78, Rückert Rostem Nr. 16), mhd. vlücke, ahd. flucchi; dazu clevisch 1477 vhigg, vlugge, mndl. vlugghe, ndl. vlug, engl. fiedge. Abgeleitet von Flug (s. d.). flugs, ad 7. (in der Bühnensprache flügs): in Flugesschnelle, im Fluge. Bei Luther Luk. 16, 6, aber mhd. vluges, der adverbial gebrauchte Gen. von Flug (s. d.). Älternhd. auch fluchs, flucks, flux geschrieben (z. B. bei Luther) und als Adj. verwendet (bei H. Sachs 14, 173 der Komp. flüchser). Fluh, f. (PI. Flühe, ungebräuchlich Flühen): Felswand, Felsabsturz (Schiller Teil 4, 1). Schweizerisch. Mhd. vluoch, gekürzt vluo, ahd. fluoh f.; dazu ags. flöh (in flöh stänes «Steinmasse»). Verwandt mit gr. iTXdE f., Gen. TrXaKÖc «Fläche, Bergfläche, Plateau». Flunder, m, {-s, PI. wie Sg.), auch f. (PI. -n): Art Scholle, pleuronectes flesus. Nhd. Nebenformen Flunder, Flonder, Flinder. Spätmhd. Anfang des 15. Jh. flunder, flander neben fluider, flüder; dazu engl, flounder (entlehnt aus dem Nord.), dän. flynder, älter flundra, schwed. flundra f., anord. flydra f. Zu einer "Wiu'zel plat «breit, flach», die noch in Fladen (s. d.), lat. planta «Fußsohle», gr. TrXaTÜc «breit» vorliegt, also eig. «Plattfisch». flunkern, v. : Zitterschein von sich geben, schimmern (Voß Id. 11, 71, ndl. flonkeren); sich einen Schein geben, aufschneiden (Münch- hausen 95). Ln 18. Jh. aus dem Nd., im Ablautsverhältnis zu flinkem (s. d.) stehend. ABL. Flunkerei, f. (PI. en) : Aufschneiderei. Flunsch, m. {-es, PI. -e): aufgeworfener schmollender Mund. Li Mittel- und Nord- deutschland. Nebst mhd. vlans m. «Maul», bayr. flenschen «das Gesicht verzen-en», zu flennen (s. d.), schwäb. pflenne. Flur, f. (PI. -en): Landfläche voll Wachs- tum, Saatfeld, Laudgebiet eines Ortes; (auch) m. (Gen. -s, PI. -e) : geebneter fester Vorplatz im Hause. Mhd. vluor m. (noch bayr. Fluer i m.)« Saatfeld», statvluor, -vluore f. «städtische ' Feldflur», md. vlür f. «Saatfeld, Bodenfläche, . Landgebiet». Die 2. Bed., die von dem Be- griff «ausgedehnte geebnete Bodenfläche» aus- geht, ist mittel- und norddeutsch: nd. floor f. «gepflasterter Fußboden»: dazu ndl. vloer f. «Fußboden, Diele, Temie», ags. flör f. «Estrich, Vorplatz», engl, floor «Estrich, j Tenne», anord. flörr m. «Estrich, Stallfuß- boden». Zu lat. planus «platt, eben, flach», ir. lär, kymr. llaivr «Boden, Estrich», apreuß. plonis «Tenne» u. a. Wechsel von n und r , wie in gr. biltpov, lat. dönum «Gabe». ZUS. j Flurschütz, m. (-e«, PI. -en), mhd. vluor- schütze. fluschen (mit ü), v.: rasch und gut von- j statten gehen. Im 19. Jh. (Chamisso 6, 139) aus dem nd. fluschen, das im Ablaut zum gleichbed. nd. fluschen steht. ! Fluß, m. (Gen. Flusses, PI. Flüsse) : Fort- bewegung oder Lauf dessen, was fließt; Zu- stand des Fließens, Strömung (mhd. vlug, ahd. flug m.); stark fließend sich Dahinbe- wegendes, Metallgiiß (schon mhd.); fließendes Wasser von beträchtlicher Breite (erst nhd., z. B. 1522 bei Luther, für das ältere Äclie «Wasser», s. -a); Gliederreißen (schon mhd., nach gleichbed. gr. ^eO|aa n.). Abstraktbü- dung auf -i zu fließen. ABL. flüssig, adj., mhd. vlüggic, ahd. fluggig. Davon Flüs- sigkeit, f. (PI. -en), mhd. vlü^^icheit. ZUS. Flußgalle, s. "" Galle. Flußpferd, n.: Nü- pferd (s. d.), hippopotamus , 1777 bei Ade- lung. Flußspat, m. {-es, PI. -e): aus Kalk und Fluorwasserstofi"säure bestehendes Mine- ral, nach G. Agiicolas Zeugnis (1546) von den Berg- und Hüttenleuten darum Fluß genannt, weil sie diesen Spat (s. d.) ge- brauchten, um strengflüssige Erze in Fluß zu bringen. flüstern, v.: leise, heimlich reden. 1482 im Voc. theut. bb 5 ^ flistern und so noch j bei Adelung, Lessing, Schiller; dagegen f. bei i Wieland, Goethe, von Heynatz 1796 als be- [ sonders nsächs. bezeichnet. Die urspr. Bed. ! zeigt sich im ahd. flistiran «liebkosen, schön, zärtlich tun», 1482 im Voc. theut. i 1 * flin- \ stern «libekosen». Dazu noch ndl. fluisteren aus dem Ndd. Flut, f. (PI. -en): zuströmende, anschwel- lende, sich ausbreitende Wassermasse ; Gegen- satz der Ebbe. Mhd. vluot f. (PI. vlüete, noch 1613 bei Colerus Hausbuch 420=* Flute) vmd m., md. vlüt, ahd. fluot f.; dazu asächs. 565 Fock FoUänt 566 fiöd m., ndl. vloed m., ags. fiöd n. m,, engl. fiood, anord. fiöd n., schwed.-dän. fiod m., got, flödus f. in gleicher Bed. In dem germ. Wort sind wahrscheinlich mehrere idg. Stämme zu- sammen gefallen. Mit Ablaut zu gr. irXrieOc f, «Fülle, Menge», TrXricuTi, 7tXr)uuri f., TrXrjuuupic f., «Flut des Meeres», und zm- Vi'z.pleii «fließen, schwimmen», s. fließen, gi". ttXuutöc« schiffend». ABL. fluten, V., mhd. vluoten. Fock, Focke, f. (PL -n): dreieckiges Vordersegel, Segel am Tordermast. Im 17 Jh. aus dem gleichbed. nd. fokke f. entlehnt (bei P. Fleming 80), aber schon 1507 bei Wilwolt von Schaumburg 121 vockensegl: dazu mndl. focke f., anord. focka f., dän. fok, schwed. fock m. Zurückgehend auf clev. (1477) vocken «wehen», ältemhd. fachen «wehen, blasen», fache f. «Fächer (s. d.), Wedel, Blasbalg*, anord. fak in foksandr m. «Flugsand», die wohl zu an. fjUka (s. feucht) gehören. ZUS. Fockmast, m. (-es, PI. -e): Yordermast. Aus dem 2s d. 1716 bei Ludwig Fackemast. fodern, s. fordern. .Fohe, FÖhin, f.: Füchsin, s. Fuchs. Fohlen, n. (-s, PL -wie Sg.) : junges Pferd. Norddeutsch für das hochd. FüUen (s. d.). Mnd. volene, volne, vale n. u. m.. mhd. vole, vol, ahd. fola m.; dazu ags. fola m., engl. foal, anord. fole, got. fula m. 1716 bei Ludwig Fohl, Falen n., 1611 bei Colerus4, 23 Fahlen. Bei Schiller Äneide 4, 94 Fohle f. «weibliches Füllen», erinnernd an Schweiz. Fahle f. «Stute», das auch 1616 Henisch verzeichnet: aber schon mhd. viilhe, ahd. fulihha f. «weibliches Füllen». ABL. fohlen, V.: ein Füllen werfen. 1716 bei Ludwig. Föhn, m. i-.s, PL -ej: der Süd-, Eegen- wind in der Schweiz, wo neben Fön, Fö, Fü, auch Pßn, Pfa gesprochen wii-d und in der altern Literatur das Fem. vorhen-scht, z. B. 1556 bei Frisius Fön f. (das Mask. schon im 16. Jh. bei Paracelsus). Entsprechend mhd. fonne, ahd. phönno m. «Wirbelwind», fönne f. (Mone Anz. 8, 504*^) «Westwind». Nebst churwälsch. favougn, favaign, fuogn, schweiz.-franz, foe, foen, tess. fagn hervor- gegangen aus lat. favönius m. «Westwind». Fohre, f. fPL -n): Forelle, s. d. Föhre, f. (PL -n): die Kiefer, pinus sil- vestris. Bayrisch Forchen, Schweiz. Forch, mhd.i/OrÄe, ahd. /b>-aÄa, forha f.; dazu ags.furh- wudu, engl, fir (aus dem Dän. j, anord.-schwed. fura f., dän. fyr. Vei-wandt mit lat. quercus f. «Eiche» (aus *perquus), ahd. fereheih f. «Eiche», langob. fereha «aesculus», nhd. Vereiche f. («quercus robur», Nemnich 2, 1106), Schweiz. Ferch «Eichenholz». Weiter gehören wahr- scheinlich dazu aind.parÄrafts «Feigenbaum», nind. pargäi «Steineiche», got. fafrguni n. «Gebirge», eig. «Eichenwald», mhd. Virgunt. kelt. Herq/nia aus ^perkünia, lit. Perkünus. eig. «Eichengott». Vgl. Hirt Idg. Forsch. 1, 479, Hoops Waldbäume 118. ABL. f Öhren, adj.: aus Kiefernholz, kiefem; mhd. vorhin, vorhin. FÖhricht, n. (-s, PL -e): Föhrenwald; mhd. varliach. Folge, f. (PL -n): das Hinterdreingehen nach jem., Eeihenfolge; Befolgung; Erfolg; Folgezeit; Folgerung (Lessing 6, 438), Konse- quenz TGoethe Wahlverw. 1, 4). Mhd. volge f. «Gefolge, Heeresfolge, Leichenbegängnis, Verfolgung, Befolgung, Gehorsam, Bei-, Zu- stimmung, besonders bei Abfassung des Ur- teils im Gericht», ahd. selbfolga f. «Partei»; dazu mit andrer Stammbildung anord. fylgl n., schwed, följe. dän. fölge. Von folgen, v. : begleitend mitsein; hinterdrein kommen, nach- kommen; sich woraus ergeben. Mhd. volgen, ahd. folgen und folgön; dazu asächs. falgön, ndl. valgen, afries. fidgia, falgia, ags. folgian, fylgean, engl, folloiv, anord. u. norw. fylgja, schwed. föija, dän. folge. Die gewöhnliche Ansicht, daß folgen mit gehen zusammenge- setzt ist, wofür man ahd. folagen, andd. fal- gangan anführt, ist kaum haltbar, vgl. Wiede- mann Bezz.Btr. 28, 22, aber auch von den andern vorgebrachten Etymologien ist keine unmittelbar einleuchtend. ABL. folgern, V.: als Folge woraus ableiten, bei Luther neben folgern (dies in den Fastnachtsp. des 15. Jh. 491, 10 in der Bed. «folgen s); davon Folgerung, f., 1711 bei Eädlein (1735 bei Stoppe Parnaß 49 in der Bed. «Folge»), folg- lich, adv. und konj.: wie daraus folgt, in Folge davon, 1691 bei Stiel er, ahd. falglicho. folgsam, adj.: willig folgend, 1716 bei Lud- wig (dafür älternhd. folgig, bei Luther, mhd. gevolgic, ahd. gefalgig) ; als Adv. «folgerichtig» 1691 bei Stieler, «folglich» 1691 bei Abraham a. S. Clara Judas 1, 295. ZUS. folgerecht, adj., als Verdeutschung von konsequent, 1788 bei Knigge Umg. 1, 53. Ebenso folgerichtig, adj., 1808 bei Campe. Foliant, m. (-en, PL -en): Buch in Bogen- form (Folio). Im 17. -Jh. Folie, f. (PL -n): Glanzblatt von MetaU zur Unterlage unter Spiegeln und gefaßten Edelsteinen; (bildlich) hebende, Glanz wirkende Unterlage (Schiller 36* 567 Folklore fördern 568 Kab. 4, 7). In der uvspr. Bed. 1506 in Dürers Briefen 27 Folig, Folg f. vmd 1562 bei Mathe- sius Sar. Sl'' Folie, aus dem mlat. Plur. folia «Metallblättchen», ital. foglia f., woraus 1678 bei Krämer Folia f. Folio, n,: Blattform des Papierbogens, Papierbogengröße, (bild- lich) größte Form. 1678 bei Krämer in Folio, aus lat. in folio «in Blattgröße». Ital. foglio m. «Bogen Papier». Folklore, f. : Wissenschaft von der Volks- kunde; Volkskunde. Aus engl, folklore, 1846 von William T. Thoms vorgeschlagen und bald aufgenommen. Follikel, m. u. n. (-S, PI. wie Sg.): kleiner lederner Sack ; Drüsenbläschen ; (botan.) Balg- frucht. Aus lat. folliculus m. «Sack, Schlauch». Folter, f. (PI. -n) : Marterwerkzeug. Erst nhd, (1616 bei Henisch Folter, bei A. Gry- phius 1, 30 Folder, aber schon 1468 voUer- gerüst «eculeus» Diefenbach nov. gl. 144*). Aus mlat. poledrus, poletrus, puledrus m. «Fohlen, Füllen» (s. d.), woraus auch span.- port. potro m. «junges Pferd und Marter- gestell». Jenes Marterwerkzeug war urspr. ein schai-fkantiges Gestell mit vier Füßen nach der Gestalt eines Pferdchens, wie schon bei den Römern, die daher ihre Folter equuleus m. «Pferdchen, Füllen» nannten. Davon foltern, v.: auf der Folter martern. 1466 foltren Diefenbach nov. gl. 368% 1470 fultern Hätzlerin 2, 25, 160, dann 1526 bei Luther foltern. Fond, m. (spr. fy): Grund, Hintergrund, und Fonds, m. (spr, fq): Grundvermögen; Grundgeld, Geldvorrat. 1714 bei Wächtler Fond und Fondo, 1703 im Zeitungslex. Fond, aus franz. fond und fonds m., ital. fondo, von lat. fundus m. «Grund, Boden». Fontäne, f. (spr. fqtäne, PI. -n): Spring- brunnen. 1477 clevisch fonteine, mhd. fontäne, im 17. Jh. Fontäne, aus franz. fonfaine, von mlat.-ital. fontana f., dies von lat. fo7is m. (Gen. fontis) «Quelle». Fontanelle, f. (PI. -n), auch Fontanell, n. {-es, PI. -e) : künstliches kleines Ableitungs- geschwür. 1593 bei Helber 18 fontanell. Aus mlat. und ital. fontanella f. «Quellchen, Brünn- lein», dem Dim. von fontana (s. Fontäne). foppen, V.: zum besten haben, neckend plagen. Aus dem Rotwelschen (Gaunersprache), wo am Anfang des 16. Jh. vopen, voppen «beti-ügen, lügen» im liber Vagatorum (Kluge Rotwelsch 35, 78) vorkommt. Schon 1343 begegnet im Augsburger Achtbuch fopperin «die nement sich uusinne an und versagens» (Kluge 2), um 1450 vopper (Kluge 13) in den Basler Betrügnissen, 1457 bei Matthias von Kemnat ivopper, wapper (Kluge 26), 1561 bei Maaler voppen «praevaricari», 1618 bei Schönsleder foppen «vexirn», aber noch 1691 von Stieler als «vocabulum plebejum et sordidum», von Adelung 1775 als niedrig und niedersächsisch bezeichnet. ABL. Fopperei, f., 1561 bei Maaler vopper ey. Force, f.: Kraft. 1714 bei Wächtler aus franz. force f., gleichzeitig die volkstümliche Aussprache Forsche. S. forsch. ABL. for- cieren, V.: mit Gewalt nehmen oder durch- setzen, überanstrengen. 1673 bei Weise Erzn. 152. Aus gleichbed. franz. forcer. Förde (mit langem ö), f. (PI. -n): lang- gestreckter Meerbusen. Nd. aus dem Norden entlehnt, anord. fjördr m., dän.-norw. fjord, schwed. fjärd, schott. firth «Meeresbucht» (aus dem Nord.). Es gehört mit deutsch Furt zu lat. portus m. «Hafen» u. a. fordern, v.: zu erkennen geben, daß es womit vorwärts kommen solle, dann daß es man haben woUe oder müsse. Mhd. vordem, ahd. fordaron, abgeleitet vom ahd. Adj. for- dar «vorder», Adv. mhd. vorder «vorwärts». Daneben mit Ausstoßung des r, die auf Dissi- milation beruht (wie im 14. Jh. bei Megen- berg das Adj. voder «vorder», bei Luther das Adv. fodder «vox'wärts» und wie Köder aus mhd. querder), urspr. ostmd. fodern (beim Volke mit kurzem, im spätem Nhd. mit langem o), schon im 14. Jh. bei Megen- berg vodern, bei Luther gewöhnlich foddern, selten fordern, bei Henisch, Duez, Stieler, Ludwig fordern und fodern, letzteres nament- lich in der Dichtersprache festgehalten (Les- sing 1, 4, Schiller 12, 366, Goethe Tasso 1273, Rückei-t 1, 359). ABL. Forderung, f. (PI. -e7i), mhd. vorderunge, ahd. fordarunga f. fördern, v.: vorwärtsbringen; (bergmän- nisch) in und aus dem Schacht fortschaffen (1562 bei Mathesius Sar. 1963- fodern, s. u.). Älternhd. fürdern, mhd. vürdern, ahd. für diren, abgeleitet vom Adv. ahd. furdir, mhd. viir- der, nhd. für der, förder «vorwärts». Daneben mit Ausfall des r (wie schon spätmhd. fuder, füder statt fürder, vgl. auch fordern) md. fodern bei Ayrer 2049, 31, Opitz, Logau, Lessing Nathan 1, 1, spätmhd. 1445 füdern (Schmeller^ 1, 753), 1429 füederen (Lib. ord. rer. 25^=). ABL. Förderer, m., spätmhd. furderer, daneben fudrer. förderlich, adj., 569 Forelle Forst 570 bei Keisersberg Pred. 45% mhd. vürderlich, daneben vüderlich. Förderung, f., mbd. vürderunge, vurderunge, daneben im 14. Jh. fuderunge. Forelle, f. (PI. -n)-. der Süßwassei-fisch salmo fario. Ahd. forhana, and. farhna, mhd. vorhen, vorhe, nhd. Fohre (Ambraser Ldb. 182, ! noch bei Musäus VM. 1, 33), bayr. Förch f. ; ' durch Weiterbildung mit dem diminutiven -le und Betonung der Mittelsübe (wie bei j lebendig, Schlaraffe) entstand aus vorhe(n)le \ die Form Forelle (1549 bei Ebner- Peucer ; Voc. D 4'', 1562 bei Mathesius Sarepta 201 ^), gekürzt Forell (Alberus Fab. 42, 53, Forer i Fischb. 113^), andrerseits mit Wahrung der, Stammsilben-Betonung mhd. vorfiel, vörliel f. (1537 bei Dasypodius forhel, noch oberd. Förchel) und älternhd. Forel (Dasypodius, Schotte!). Ahd. forhana wird meist zu gr. TrepKvöc «Schwarzblau, dunkelfarbig», aind. prgnis «gesprenkelt, bunt» gestellt, so daß die urspr. Bed. «die bunte, getüpfelte» wäre, vgl. russ. pestrjüga f. zu pestryj «brmt». Außerdem gehören dazu ir. orc m. «Lachs», ir. erc «Forelle», gr. ir^pKri f. «Barsch». Forke, f. (PI. -n): große Gabel. Mhd. furke, ahd. furka f.; dazu mnd. vorke, nd. forkey ndl. vork, afries. furke, forke f., ags. forca m., engl, fork, anord. forkr m. Ent- lehnt aus lat. fiirca f. «Gabel». Forkel, f. (PI. -n), weidmännisch: Gabel- stange zum Aufstellen der Tücher und Netze. 1719 bei Fleming teutscher Jäger 106 Forkel, 1768 bei Heppe Jäger Fm'kel, Forchel, Furchel, 1482 im Voc. theut. 16=». 8^ furckel do mit nian die netze stellt, ahd. furcula f. «Haken». Aus lat. furcula f. «gabelförmige Stütze, Dim. von furca f. «Gabel». Form, f. (PI. -en): Gestalt, Weise der äußern Erscheinung: Muster, wonach etwas gestaltet wird. Mhd. (erst um 1250) und noch bei Luther forme f. aus gleichbed. lat. forma f. ABL. formen, v. : gestalten, bilden ; mhd. formen, förmig, in ein-, gleich-, kegel- förmig, 1469 mrhein. formig «gestaltet, ge- bildet» (Voc. ex quo), förmlich, adj. u. adv., mhd. formelich, förmelich, Adv. forme- liehe; davon Förmlichkeit, f., 1691 bei Stieler. formlos, adj. u. adv., mhd. forme- los. — Femer hierher gehörig: formal, adj. und adv.: auf die Form bezüglich, 1678 bei Krämer, aus dem gleichbed. lat. Adj. formälis; dazu Formalität, f. (PI. -en): Formwerk, 1694 bei Nehring, aus mlat. formalitas f. Format, u. (-es, PI. -e): Höhe und Breite eines Buches usw., 1594 bei Frischlin Nomencl. Kap. 78, 1558 bei Rivius geometr. Büxen- meisterey 3, 1, 29*, aus lat. formätum, dem substantivisch gesetzten Neutr. des Partiz. Prät. Pass. (formätus) von formäre. Formel, f. (PI. -n): im Worte gefaßte Vorschrift, 1571 bei Rot formel, 1616 bei Henisch noch Formul, aus lat. formula f. «Gestalt, Vorschrift, vor- schriftsartige Fassung», dem Dim. von forma. formell, adj. u. adv., im 18. Jh. aus dem franz. Adj. formel, von lat. formälis (s. formal). formieren, v.: gestalten, formen (s. d.); mhd. formieren, vom gleichbed. lat. formäre. Formular, n. {-s, PI. -e): als Vorschrift geltende Abfassung wofür, 1571 bei Rot; dazu ndl. 1599 bei Kilian formulaer n. formu- lieren, V.: in eine Formel (s. d.) bringen, erst im 19. Jh., wie es scheint. forsch, adj. u. adv.: kräftig, derb. Erst im 19. Jh., besonders durch die Studenten- sprache verbreitet, mit md. seh aus dem nd. fors, mnd. fors, von franz. force f. «Kraft». S. Force. forschen, v.: eifrig und genau wonach fragen oder suchen. Mhd. vorsehen, ahd. forscön. Verwandt mit lat. poscere (aus *porscere) «fordern, verlangen», amd.pracch- « fragen», mit Verlust eines Gutturals aus *forhsk- und zu fragen gehörig, s. d. sk war eigentlich Präsenssuffix. ABL. Forscher, m. (-S, PI. wie Sg.), mhd. vorschcere m. I Forschung, f., mhd. vorschunge, ahd. for- scunga f. Forst, m. {-es, PI. -e), in Norddeutsch- I land auch f. : bewii'tschafteter Wald. Mhd. I forst, vor st m. (selten vorste f.), ahd. forst VI. ; dazu afranz. forest f. (woraus entlehnt I mhd. forest, fores, foreist, foreis, foreht n.), nfranz. foret, ital. foresta, span.-port. (an flor langelehnt) floresta f., aus mlai.' forestis f. ! (zuerst in einer Urkunde des fränkischen Königs Childebert I. von 556 forestis nostra im Pariser Gau, bei Pertz Dipl. 1, 7). später forestus m., foresta, forasta f., forestum, fora- stum n. «der dem Herrscher vorbehaltene, dem Wildbann unterworfene, nicht einge- zäunte Wald». Dies wird abgeleitet von dem lat. Adv. foris, foras «außerhalb», wo- von auch das spätlat. Adj. forasticus «äußer- lich»; demnach die urspr. Bed. «was außer- halb liegt, ausgenommen ist, nicht betreten werden darf"». Meringer Idg. Forsch. 18, 259 und Wiedemann Bezz.Btr. 28, 18 erklären 571 Fort Frage 572 forst als echt german. Wort aus *forhst und i stellen es zu osk, pestlüm «templum». Das | Wort kann auch zu ahd. forha f. «Föhre» ; gehören. ABL. forsten in durchforsten, | V.: forstmäßig von auszuhauenden Bäumen i befreien. Förster, m. {-s, PI. wie Sg.), | mhd. vor Stare, spätahd. (12. Jh.) forstari, aus j mlat. forestarius m.; davon Försterei, f., 1413 forsterye, 1406 vorsterie (Germania 20, \ 31. 28, 366). ZUS. Forstmeister, m.: höherer, über eine Anzahl Förster gesetzter Beamter; mhd. forstnieister «Förster». Forst- ; wart, m. (-es, PI. -e): niederer Angestellter zum Schutze des Forstes, erst im 19. Jh., früher Holzwart (1580 bei Sebiz 563). Fort, n. (spr. för, Gen. -s, PI. -s) : kleine Festung, Beifestung. 1616 bei Henisch Fort (ebenso 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 78 mit dem Plui*. die Forten), nach dem ndl. fort aus dem gleichbed. franz. fort m. urspr. «Stärke», abgeleitet von dem lat. Adj. fortis «stark». fort, adv.: von einem Orte weg; ohne Aufhören in Bewegung, ürspr. in Nord- und ^Mitteldeutschland heimisch, mit der j Grundbed. «voi'wärts». Mhd. und vorzugs- weise md. vort «vorwärts, voran, weiter, \ fortan», mit der Nebenform fürt, wie noch i älternhd. fürt und fürt: dazu asächs. ford, '■ ndl. voort, afries. forth, ags. ford, engl, forth. Abgeleitet von vor (s. d.). Vgl. fürder. ZUS. fortan, adv., forthin, adv., beide bei i Luther, fortfahren, v. : gerichtlich weiter i verfahren, Idit.procedere (Schiller 9, 19); weiter ' fahren, in übertragner Bed. fortsetzen. Bei- ; des bei Luther, fortpflanzen, v. : pflan- zend weiter verbreiten. In eigentl. Bed. bei Luther Tischr. 251**, in übertragner 1691 bei Stieler. Davon Fortpflanzung, f , 1619 bei Albertmus Lustg. 124**. Fortschritt, m. (-es, PI. -e): das Fortschreiten (Wieland 30, 285); in übertragner Bed. um 1750 auf- kommend. Seit den di-eißiger Jahren des j 19. Jh. politisches Schlagwort. Vgl. Laden- dorf, fortsetzen, v., in übertragner Bed. 1616 bei Henisch. Fortepiano, s. Pianoforte. Fortiflkatiön, f. (PI. -en): Befestigung; Befestigungswerk. Festungsbauamt. Aus franz. gleichbed. fortification f., und dies aus lat. fortificatio f., zusamm enges, aus forte «stark» und ficatio von facere «machen». Bei Wall- hausen corp. mil. Schon bei Rot 1572 forti- 1 ficim «sterken, kreflftigen». [ Fossfl, n. (-[e]s, PI. Fossilien): Berg-, Grubengut; Versteinerung. Im 18. Jh. (1775 bei Adelung) aus nlat. fossile (PI. fossüia), dem substantivisch gesetzten Neutr. des lat. Adj. fossilis «ausgegi-aben», von lat. fodere «graben». FÖtzel, Fetzel, m.: elender Kerl, Lump. In der Schweiz und im Elsaß. Von Gott- helf und von KeUer gebraucht. Wohl Ab- leitung von fotz, s. Hundsfott. Goethe braucht als Schimpfwort Matzfotz. Foy6r (spr. foaje), m. u. n. (-s, PI. -s): Herd; Vor-, Wandelhalle (bes. im Theater). Aus franz. foyer m. «Versammlungszimmer», eig. «heizbarer Raum» aus lat. focärius «zum Herd gehöi'ig» von focus m. «Herd». Bei Campe 1813. Fracht, f. (PI. -en): Verdienst (Fahrlohn) für Güterverführung; Wagen-, Schiffsladung. 1616 bei Henisch aus gleichbed. nd. fr acht, ndl. vracht f. (1599 bei Kilian); dazu engl. fraught, freight. Eins mit ahd. freht f. «Ver- dienst, Lohn» (auch freiht in pa unfreihti «unverdient», eig. «bei ün verdientheit»), and. fre[hti] (?) «Verdienst», das zu eigen (s. d.) zu stellen und dessen fr aus ahd. far-, got. ■ fra- «ver-» gekürzt ist (vgl. fressen, Frevel). Auch ins Romanische gedrungen, franz. frei, port. frete, span. flete m. «Schiffsmiete». Doch werden diese auch anders erklärt. Davon frachten, v.: wohin verfahren, mit Ladung beschweren, Frachtschiffahrt ausüben. 1616 bei Henisch, aus gleichbed. nd. frachten, ndl. vrachten (1599 bei Kihan); eins mit ahd. frehton in gafrehtön «verdienen». Frack, m. {-es, PI. Fräcke, Fracks): an den Vorderschößen ausgeschnittener Leibrock. 1774bei Goethe Werther (6. Sept.). Um dieMitte des 18. Jh. dui-ch franz. frac, fraqae anglais m. aus engl, frock (leichter vorn ausge- schnittener Reitrock) entlehnt, das aus mlat. froccus, floccus m. «Kutte, Rock», " urspr. «flockiger Stoff» (siehe Flocke), franz. froc «Mönchskutte» entnommen ist; andre wollen das franz. froc nach mlat. hroccus auf ahd. kroch m. «Rock» zurückführen. Frage, f. (PI. -n), mhd. vräge, ahd. fräga; dazu ndl. vraag f. Von fragen, v.: durch Worte zu einem dieselben ergänzenden Gegen- wort oderGegenui'teil auffordern. ^Thd.vrägen, ahd. fragen und frähen: dazu asächs. frägön, mndl. vraghen,! ndl. vragen mit schwacher Flexion, zu gleichbed. stai-kflektiertem got. fraihnan (Prät. froh, PI. frehun), ags. frignan. 573 Fragment frankieren 574 anord. fregna (erkunden, Vrätfrä, Vl.frägum), auch asächs. Prät, fragn, 3. PI. frugnun. Aus der nd. Volkssprache machte sich bei nord- deutschen Schriftstellern im 18. Jh. das starke Prät. frug geltend (1732 bei Liscow 69, 1758 bei Ew. V. Kleist neue Ged. 57, auch bei Goethe venez. Epigr. di^, Schiller Kaiios 2, 8 und Picc. 4, 6), sowie der Ind. Präs. fragst, fragt (du fragest, er fraget, wie die Nieder- Sachsen gern sprechen Freyer 1722), auch bei Goethe, der auf Analogiebildung nach tragen, schlagen beruht (nicht auf der schwach flektierten mhd. und besonders md. Nebenform vregen), und den schon Freyer Orthogi-aphie 279 ver- wirft, ebenso Gottsched Grundlegung 271 und Adelung 1775, die sich auch gegen frug er- klären. Verwandt sind lat, precäri «bitten», preces f. «die Bitten», procus m. «Freier», ]it. prasiti «fordern, bitten», jnfsti «den Frei- werber m"achen», abg. prositi «bitten», aind. pragnäs «Frage», aw. pdrasaiti «er fragt», apers. aparsavi «ich fragte», arm. Aar? «Frage», JÜxrganem «ich frage». ABL. fraglich, adj.: in Frage stehend. Bei Campe, ahd. fragelicho adv. «in fragender Weise». ZUS. Frage- wort, n. {-es, PI. -ivörter), 1691 bei Stieler. Fragezeichen, n., um 1522 bei Ickelsamer 48 fragzeichen, fragwürdig, adj.: zweifel- haft, zuerst bei A. W. Schlegel Hamlet 4, 1 als Übersetzung des engl, questionable. Fragment, n. {-s, PI. -e)-. Bi-uchstück. 1571 bei Rot, aus gleichbed. lat. fragmentum n. ABL. fragmentarisch, adj.: in Bruch- stücken. Im 18. Jh. Fragner, m. (-s, PI, wie Sg.), eigenthch Pfragner: berechtigter Kleinhändler in Mehl, Gemüse u, a., in Bayern und Osterreich. Mhd. p fr agener, pfragner, pfregener, pfregner, vragener, fragner «Kleinhändler», ahd. pifrage- nari m. «Marktmeister», abgeleitet von ahd. pfragina f. «Schranke» (im 11. Jh.), mhd. pfragen m. «Markt, Handel, Wucher». Dies gehört wohl zu got. anapraggan «bedrängen», ndl.-ndd. prangen, mhd. p fr engen «driicken, pressen». Dazu schwed. prang «enge Gasse, Schlund», das Johansson KZ. 36, 346 mit gr. ßpÖYXoc «Luftröhre, Schlund» verbunden hat. Fraisen, PI., auch Sg. Frais u. Fraisch f. : krampfhafter An- und Zufall; Fallsucht; Schaueranfall bei einem Kinde; peinliches Gericht. In Franken, Bayern u. Osterreich. 1616 bei Henisch fraiß, freiß «Epilepsie», bei Musäus Volksm. 1, 96 Fräsch n., 1578 bei Lonicerus Freislich n. Aus mhd. vreise, ahd. freisa i. «Gefährdung, Gefahr, Schrecken, Verderben»; dazu asächs. fresa f. «Gefahr, Lebensgefahr», ndl. irees, früher vreese f. «Angst, Kummer, Furcht, Schrecken», zu got. fräisan «versuchen, in Versuchung führen», das vielleicht zu aind. ^resas m. «Antrieb, Be- strebung», pres- x\dj. «vordringend, di'ängend» gehört. Fraktion, f. (PI. -en): Teil einer poü- tischen Partei. Bei Campe. Aus lat. fractio f. «Brechung». Fraktur, f. (PI. -en): Knochenbrach; ge- brochene Eckschiift, gewöhnliche deutsche Druckschrift. 1571 bei Rot, aus Xai.fractürai. «Bruch» von \a.i. frangere «brechen». Redens- art F. mit jemand sprechen « derb, grob mit ihm reden»; über F. schreiben vgl. Gombert ZfdW. 7, 139. Franje, f., s. Franse. frank, adj.: unabhängig, frei. 1482 im im Voc. theut. i2^ franck, francko. Aufge- nommen aus franz. franc, ital.-span. franco, von dem ums J. 400 vorkommenden deutsch- lat. francus «fränkisch». S. Franke. Frank, auch Franken, m. {-en, PI. -en): französische Silbermünze im Werte von 80 Pfennigen. Bereits im 17. Jh. aus der franz. Benennung franc, von franz. J'Vawc «Franzose»; aber schon 1385 in deutschen Reichstagsakten kommt franke m. als Bezeichnung einer 21 V2 Weißpfennig geltenden Münze (Germania 20, 31), 1393 als Goldmünze (Städtechron. 9, 998, 27) vor. Franke, m. (-«, PI. -n), Volksname, der bei lat. Schriftstellern seit der zweiten Hälfte des 3. Jh. n.Chr. hervortritt; auch für Franzose (1616 bei Henisch, besonders seit der Revo- lution von 1789). Mhd. Franke, ahd. Francho: dazu ags. Franca, anord. Frakki m. Die Annahme, daß das Volk nach seiner Lieb- lingswaffe, ags. franca, anord. frakka, dann westgot. im 7. Jh. francisca, benannt sei, ist kaum haltbar. Vielmehr heißt die Waffe wohl nach dem Stamm. Franken, n., deut- scher Landesname, mhd. Tranken, Franken, ahd. in Frankon, ist Dat. PL des Volksnamens. ABL. fränkisch, adj., mhd. vrenkisch, fren- kisch, ahd. frenkisg. ZZ7S. Frankreich, n.: Landesname, mhd. Francriche, Frankenriche. frankieren, v.: versendungs-, postfrei machen. Im 17. Jh. (bei Schupp 256). Aus ital. francare «frei machen», von franko, adj.: versendungs-, postfrei. Im Anfang des 17. Jh. aus ital. franco «frei», s. frank. 575 Franktireur Fratz 576 Franktireur, m. {-s, PI. -s): französi- scher Freischärler. Aus franz. franctireur, abgeleitet von franc «frei» u. -tireur «Schütze». 1870 aufgenommen. Franse, f. (PL -n) - Faden-, Troddelsaum. Bei Luther Franße, um 1480 im Voc. incip. teut.eS** fransen «Stii-nband», spätmhd. franze f. (noch 1739 bei Amaranthes J^'ran^^'ew); da- zu ndl. franje n., nd. franje f. Aus franz. frange, ital. frangia, von mlat. fringia, das aus lat. fimhria f. «Faser, Franse», durch Wandlung in frinibia hervorgegangen ist. ABL, fransen, v.: mit Fransen besetzen; (intrans. und refl.) ausfasera. In der 1. Bed, mhd. franzen, aus gleichbed. franz. franger. fransig, adj., 1691 bei Stieler franzicht. Franz, Mannesname. Gekürzt aus mlat. Franciscus «der Franke». Dazu das Dim. Fränzchen. Franze, m. (-%, PI. -n) -. Franzose (s. d.). Mhd. Franze. ZUS. Franzl)and, m. (-es, PI. -bände) : französischer Ledereinband eines Buches. 1775 bei Adelung. Franzbrannt- wein, m, (-S, PI. -e): aus Weinhefe destil- lierter Branntwein, urspr. französischer Brannt- wein. 1716 bei Ludwig. Franzlbrot, n. {-es, PI. -e): Mundsemmel, urspr. eine fran- zösische Semmelpastete, 1715 bei Amaranthes. Franzmann, m. [-es, PI. -männer): Franzose, 1678 bei Krämer; dazu ndl. Fransnian vom Adj. frans «französisch». Franzobst, n. {-es): an Zwergbäumen nach französischer Art gezogenes Obst, 1773 bei Amaranthes (3. Aufl.). Franzwein, n. {-es, PI. -e): französischer Wein, 1691 bei Stieler. Franziska, Frauenname. Aus mlat. Francisca, dem Fem. von Franciscus «Franke» (s. Franz). Dazu das Dim. Fränzchen (Goethe 1, 43). Französe, m. {-n, PI. -n): Angehöriger Frankreichs. Mhd. Franzois, Franzeis, auch Franzoise, Franzose, aus franz. Frangois, heute Frangais «Franzose», hervorgegangen aus mlat. Franciensis (woher auch ital. Francese, span. Frances), das von lat. Francia «Frankenland» (woraus franz. France «Frank- reich») abgeleitet ist. Plur. die Franzosen: Lustseuche, Syphilis, so benannt seit der Belagerung Neapels durch die Franzosen 1493, in deren Lager die Krankheit epidemisch auftrat und sich von da rasch durch Italien 1495 nach Süddeutschland und dem Rheine ausbreitete (1519 bei Murner in Böckings Hütten 5, 400). ABL. Französin, f., mhd. Franzoisinne. französisch, adj., spätmhd. französisch (die falsch Beicht, Münchner Hs. B1.215''), 1507 bei Wilwolt von Schaum- burg 84 fg. /raw^^öisfscÄ, franzosisch. Abgeleitet von dem mhd. Adj. franzois, franzeis. Im Volksmunde französch (1671 bei Leucoleon Galamelite 149), 1646 bei Moscherosch Phi- lander 1, 112 und 1691 bei Stieler franzöisch. frappant, adj.: auffallend. 1774 bei Goethe Werther (d. j. Goethe 3, 298). Aus gleich- bed. franz. frappant, Part. Präs. von frapper «schlagen, klopfen, Eindruck machen», woraus frappieren, v.: stutzig machen, in der 1. Hälfte des 18. Jh. Fraß, m. {-es, PI. -e) : Fresser (bei Luther, jetzt nur noch in Vielfraß^, das Fressen, die Fresserei; Tiernahrung. Mhd. vräg (PI. vrä^e und vrcege) in den beiden ersten Bed., ahd. frag m. «Fresser»; dazu mndl. vraet, ndl. vraat m. «Vielfraß». ABL. fräßig, adj.: vielfressend (Lessing 1, 90), häufiger gefräßig. Mhd. vrcegic, ahd. frägig; dazu ndl. vratig. fraternisieren, v.: Bruderschaft schlie- ßen. Aus gleichbed. franz. fraterniser, ab- geleitet von lat. fraternus «brüderlich». Zur Zeit der französ. Revolution als politisches Schlagwoi't entlehnt. Vgl. Lädendorf. Fratschler, Frätschler, m. {-s, PI. i wie Sg.): Trödler, Zwischenhändler, Mäkler. j Österreichisch-bayrisch. 1482 im Voc. theut. y 8* jp/refenerm «Frätschlerin». Von österr.- bayr. frätschelu, V.: sich als Unterhändler, Mäkler, zum Aufkaufen von Eßwaren usw. brauchen lassen (urspr. wiederholt fragen, ausfrägeln, dann unterhandeln). fratt, adj.: wund durch Reiben. Neben- foi'm frät 1678 bei Krämer. Mhd. vrat. Da- von freuen (s. d.). Älternhd. auch in der Bed. «zerbröckelnd, halbfaul, abgerieben, durchtrieben». Noch obd. Fratz, m. {-en, PI. -en): abenteuerliche, alberne, kindische Person, Narr; ungezogenes Kind. Zuerst älternhd. (bei Fischart Garg. 251). Von Fratze, f. (PI. -n): lächerlich- abenteuei-liche Erzählung, Geschwätz; ins Lächerliche verzogenes, entstelltes Gesicht, Zerrbild {Fratzengesicht 1741 bei Fi-isch). Zuerst älternhd. (1521 bei Luther 3, 523 W. in der Bed. «Posse (so noch Goethe Faust 1739), albernes lächerliches Gerede», Waldis 1, 50 fratzen reißen); aus dem Deutschen ent- lehnt ndl. fratsen PI. «Possen, Albernheiten. Wunderlichkeiten». Wohl aus dem ital. PI. 577 Frau frei 578 frasclie «Possen, Albernheiten», (dessen Sg. f'rasca f. «belaubter Ast, Bierzeichen», dann «leichtsinniger Fratz»), dem auch franz. frasque f. «Posse» entstammt. Frau, f. (PI. -en): Herrin; Verehelichte (Hausherrin); erwachsene Person weibHchen Geschlechts. Im Gen. und Dat. Sg. noch mit Bewahrung der alten schwachen Flexion Frauen bei Dichtern (Wieland Oberon 12, 25, Goethe Iph. 1965, nat. Tochter 2289, Faust 9221) und in dem formelhaft erstai-rten Genitiv unserer liehen Frauen (Jungfrau Maria), selten im Akk. (Goethe Pater Brey 31). Alter nhd. fratve (altertümelnd noch bei Eichendorff Taugenichts 13 Fraue), mhd. vrouwe, gekürzt vrou, vor Xamen als Ehrentitel ver, fer, ahd. frouwa f.; dazu andd. früa, mndl. vrouwe, ndl. vromv, afries. frowe, anord. (der Name der Göttin) Freyja. Weibliche Form von ahd. fro, ,got. frauja, asächs. fräho, fröho, fröjo, ags.frea und frigea m. «HeiT» (s. fron), anord. (Name des Gottes) Freyr, abgeleitet vom Stanime fra «vom», wie ablautend aind. pärvas, pürvjns «vorderer», aw. pourva-, abg. prüvil «vorderer, erster» stimmen. Vgl. Fürst ZUS. Frauenbild, n. {-es, PI. -er), in eig. Bed. und in übertragener für Frau schon mhd. vrouivenhüde n. Frauenspersou, j f. (PI. -en), 1616 bei Henisch frauenperson. : ndrrhein. 1474 vrauwen persoen (Wienstraat ' S. 9 Groote), köln. im 15. Jh. vrauicenper- ' schone (Frommann 3, 57 *). Frauenzimmer, n. (-S, PI. wie Sg.) : abgesondertes Gemach für die Frauen und Dienerinnen am Hofe (spät- 1 mhd. im 15. Jh. vrouwenzimmer), dann (vom Anfang des 16. bis gegen Ende des 18. Jh.) Gesamtheit der darin wohnenden Frauen, weib- liches Gefolge (Liliencron 3, 74 vom J. 1512), Gesamtheit von Frauen (Teuerdank 20, 123), j endlich (seit Anfang des 17. Jh., 1622 bei Opitz 2, 257 Amst., 1648 bei Zesen Ibr. 478) ' Person weibhchen Geschlechts von Stande, heutzutage in Norddeutschland «Frauens- person» mit verächtlichem Nebensinne. — Frauen- in Tier-, Pflanzen- und Mineral- uamen ist fast immer gekürzt aus unserer lieben Frauen (s. o.), z. B. Frauendistel, f.: Mariendistel, spätmhd. frowendistel (Diefen- bach Gloss, 393^). Fraueneis, Frauen- glas, n.: Marienglas, ersteres 1612 bei Thur- neisser, letzteres 1741 bei Frisch. Frauen- haar, n.: die Pflanze Adiantum capülus Veneris, spätmhd. vrouwenhär (Diefenbach Gloss. 97 ^). Frauenkäfer, m, : Marienkäfer, , Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. lat. coccinella. Frauenschuh, m.: die Pflanze Cjpripedium calceolus, Marienschuh. Fräulein, n. (-s, PI. wie Sg,, auch -s): unverheiratete weibhche Person von Stande; Ehrenbezeichnung einer noch Unverheirateten (Schiller Picc. 3, 8). Im Gedanken an das natürliche Geschlecht auch Fem. (Opitz 1, 206 Amst., A. Gryphius Lustsp. 450 P., Goethe 19, 257), abgeschwächt Fräulen f. (Hagedom neue Fab. 128), oberd. Fräule f. (Goethe 2, 229), wetterauisch (auch bei 0. Ludwig) Fräle f. Alternhd. fräwelin, mhd. vrouwelin, vröuivelm, vröulin n. (Dim, zu vrouive f.) «Herrin, Frau oder Jungfrau von Stande, Dame», aber auch als schmeichelnde Anrede an Kinder, sowie an Mädchen niedern Stan- des, endlich sogar in der Bed. «feile Dirne»; im 14. Jh. bei Megenberg 116, 7 u. 9 «Tier- weibchen», so noch bei Luther Frewlin 1. Mos, 6, 19, aber 1. Mos. 1, 27 und Mark. 10, 6 auf den Menschen angewandt «Weibchen». frech, adj,: sich vordrängend wozu, allzu frei. Mhd. vrech «mutig, kühn, keck, leb- haft», ahd, freh «tmgezähmt begierig wonach, habsüchtig»; dazu got. friks «gierig» (nur in faihu friks «geldgierig»), ndl. vrek «frech», ags, free «begierig, kühn, verwegen», anord. frekr «habsüchtig, begierig»: schwed, fräck, dän, fräk (aus dem Deutschen). Auch ins Romanische gedrungen: afranz, frique, prov. fric, nprov. fricaud «munter, lebhaft». Ver- wandt sind femer asächs. frökan «wild, ver- wegen, frech», ags. frecen n. «Gefahr», frecne «gefährhch, schrecklich, kühn», anord, frökn, frokinn «mutig» und außerhalb des germ.- kymr. rhewydd «Geilheit», gr. cTrap-fäeiv «schwellen, strotzen, voll sein», lett. spirgt «frisch werden». ABL. Freche, f.: Ver- wegenheit (Goethe 1, 119); Geilheit, Brunst (bayrisch). Mhd. vreche «Kühnheit, Keck- heit», ahd. frechi «Habsucht», got. frikei f. «Gier» (nur in faihufrikei «Geldgier»). Frech- heit, f., mhd. vrecheit f. «Kühnheit». Fregatte, f. (Pl.-w): dreimastiges schnelles Kriegsschifi". 1578 bei Fronsperger Kriegsb. 157'' fg. Fragaite, Frogafe, Frugatte, Fre- gatten, 1616 bei Henisch Fregat «navigiuni exploratorium». Aus franz. fregate, ital. fre- gata, span.-port. fragata f,, urspr. «kleines Ruderschifi'». Dunkler Abstammung. frei, adj.: unabhängig, selbständig, durch nichts anderes beschränkt; die Schranke der Sittsamkeit übertretend. Mhd. vri (flektiert auch vrijer, vriger), ahd. fri (flektiert auch 37 579 frei freien 580 friger); dazu andd. fri, mndl. vri, ndl. vrij, afries. fri, ags. fri und freo, frig, engl, free, anord. in fria «freimachen», frtan f. «Be- freiung, Schonung», frjäls «frei», eig. «einen freien Hals habend», (da der Ring um den Hals den Sklaven kennzeichnete), (entlehnt) schwed.- dän. fri, got, freis, Akk. Sg. frijana. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit aind. prijns «liebend, geliebt, lieb, wert», als Subst. «Liebhaber, Ehemann», Fem. prijä «Gattin», auch «Tochter», denen wieder anord, fri m. «Liebhaber, Freier», asächs. fri n., ags. freo f. «Weib», got. frijön «lieben» (s. freien) entsprechen. ABL. freien, v.: freimachen oder geben. Mhd. vrien, vrigen; dazu ndl. t>rijden, ags. freogan, engl, free, afries. friaia, fria, anord. fria, schwed. fria, dän. fri. Frei- heit, f. (PI. -ew): Freisein; öffentlich aus- gesprochene Befi'eiung wovon als Sonder- recht, Privileg; von benannten Lasten und Beschränkungen freie Ortlichkeit (Moser patr. Phant. 1, 33); von einer gi-ößem Herrschaft ab- getrennter gefreiter Herrschaftsbezirk, öffent- licher Schutzort geflüchteter Verbrecher, Asyl; Ungezwungenheit, Anmut (Goethe Wahlverw. 1, 2). In diesen Bed. mhd. vriheit, ahd. fri- heit f. «Freisinn, Privileg»; dazu afries. fri- hed, ndl. vrißeid f. ZUS. Freibeuter, m. : plündernder Soldat, Seeräuber. 1579 bei Fischart Binenk. 29, Freibrief, m.: Frei- heitsbrief; Privileg; Reisepaß, 1775 bei Ade- lung. Freidenker, m„ als Übersetzung des engl, free-fhinker 1715 von Gombert 5, 11 nachgewiesen (bei Guhrauer Leibniz 2, 487). Freifrau, f.: Gattin eines FreiheiTn, 1678 bei Krämer, mhd. vrhrouive f. Freifräu- lein, n.: unverheiratete Tochter eines Frei- herrn, 1691 bei Stieler; für beide 1678 bei Krämer auch Freiin, f. (PI. -nen), Ende des 14. .Jh. bei Königshofen Städtechr. 9, 748, 18 frrjgin «Baronin», freigebig, adj.: gern und bereitwillig (mhd. mit vrier haut) gebend. 1534 bei S. Franck Weltb. 63*'. Freigeist, m. (-es, PI. -er): Freidenker; Religionsver- ächter. 1663 bei Schottel S. 448 (vgl. Laden- doif), bei Luther 1, 74** in gleicher Bed. der PI. die freien geiste: anders im 14. Jh. die valschen frien geiste (Vorrede der Theologia deutsch) mit Bezug auf die Sekte der Binider des frien geistes. Freiherr, m. [-en, PI. -en): Baron, mhd. vriherre m. «Edelmann, der nicht in einem Dienstverhältnis steht wie die Ministerialen». Freimaurer, m.: Mit- glied einer Gesellschaft zur sittlichen Hebung der Menschheit, unter symbolischen Formen, die dem Maiu-erhandwerk entlehnt sind. Im 18. Jh. als Übersetzung des engl, free-tnason aufgekommen, 1775 bei Adelung Freymäurer, 1780 bei Lessing 10, 288 Freywanrer. Frei- mut, m. (-es): freier offener Sinn, mhd. vrimuot m.; davon freimütig, adj., mhd. vrwiüetic. Freischar, f. (PI. -en), erst in den 40er Jahren des 19. Jh.; älter Frei- korps, n., 1775 bei Adelung. Freisinn, m.: fi'eie Gesinnung, bes. in religiöser und politischer Hinsicht; davon freisinnig, adj., von Campe 1808 als neue Wörter bezeichnet, aber schon 1643 bei Moscherosch Insomnie cura 20 Freysinnigkeit; anders bei H. Sachs 5, 305 freisinnig «geistig gesund» im Gegen- satz zu unsinnig. Freistatt, Freistätte, f.: öffentliche Schutzstätte für flüchtige Ver- brecher. 1678 bei Krämer Frey statt. Ähn- lich bei Luther Jos. 21, 27 Freistadt f. «Asyl- stadtfür Totschläger». Freistuhl, m.: west- fälisches Freigericht, spätmhd. 1420 vristiiol. freiwillig, adj., bei Luther. freidig, adj. u. adv.: mutig, kühn, zu- versichtlich, wohlgemut, getrost und fest. Bei Luther 1. Sam. 18, 17, Weish. 11, 18, 2. Makk. 10, 28, aber allmählich nicht mehr verstanden und bereits 1604 an manchen Stellen durch das völlig verschiedene freudig ersetzt. Noch mundartlich in Bayern, Tirol, Kärnten, Elsaß und Schlesien. Mhd. vreidec, vreidic «abtininnig, flüchtig, leichtsinnig, wild, trotzig, übennütig, keck, mutig, wohlgemut, munter», ahd. freidig «abtininnig, flüchtig», asächs. fredig «flüchtig, verbannt», abgeleitet von dem ahd. Adj. freidi «abtriinnig, flüch- tig», mhd. vreide «flüchtig, kühn, verwegen», andd. frethi * abtininnig, flüchtig». Dieses ist wohl das aind, pretja- «nach dem Tode, jen- seits» von pra- «fort» und einer Ableitung von i «gehen», vgl. auch prStis f. «Weg- gehen, Flucht». Davon Freidigkeit, f.: Mut, Kühnheit, Zuversicht, fester getroster Sinn und Entschlossenheit. Bei Luther 4. Mos. 23, 22, Apostelgesch, 4, 13. Mhd. vreidicheit f. «Übennut, Wohlgemutheit, Kühnheit». ^freien, v.: freimachen, s. frei. ^freien, v.: zu ehelicher Verbindung werben für sich selbst oder für einen andern. Dem Oberd. fremd, aus dem Nd. und Md. durch Luthers Bibelübersetzung zur Geltung gekommen. Im altem Md. vrieti «um ein Frauenzimmer aus Liebe werben», urspr. «lieben»; dazu mnd. vrieti, ndl. vrijen «Liebes- 581 Freifrau Frett 582 verkehr haben, umwerben />, ags. freogan, anord. frla «lieben», (entlehnt) schwed, fria, dän. fri «heii-aten», got. frijön. Der Lautver- schiebung gemäß stimmend mit aind. pi'Viäti, aw.frinäiti «er befriedigt.., ?ih^. prijati «sorg- lich beistehn. günstig sein», prijazni f. «Liebe». ABL. Freier, m.: heiratslustiger Bewerber. Md. im Yoc. ex quo 1469 fryher, im 13. Jh. friere m.: dazu FreierSlliaun, m.: Braut- werber für einen andern. 1741 bei Frisch. Freite, f. (PI. -n)-. Liebes-, Heü-atswerbung. Ln Mitteldeutschland. Bei Lessing Freig. 2, 5 Freihte, bei Weiße Lustsp. 1, 164 Freyde. Op. 3, 205 Freide, im 16. u. 17. Jh. Freiet, im altem Md. vriät, friöte, fnete f. ZUS. Freiwerher, m. (s, PI. wie Sg.): Braut- werber fm- einen andern. 1616 bei Henisch. Freifrau, Freigeist usw., s. frei freilich, adv.: ohne Beschränkung, Be- denken: wohl. Mhd. vrtliche, vnlick adv. «in freier "Weise, frei heraus, ohne Zaudeni, Bedenken, Vorbehalt:>; (im Loher und Maller 15. Jh.) «sicherlich, allerdings, freilich»; ab- geleitet von dem mhd. Adj. vrtlich, ahd. friWi ), mhd. ver-, md. vor-, vir-, nhd. ver-, und einem Stamm, der noch vorliegt in md. evel «stolz vermessen» (Jeroschin 9122 Var.), ahd. avalön, afalön «in eifriger Arbeit tätig sein», anord. afl n. «Kraft, Stärke», got. dbrs «stark». Vgl. Fracht, fressen. ABL. frevelhaft, adj. u, adv., spätmhd. vrevelhaft. freveln, V., mhd. crevelen, daneben vrevenen, md. vireheln. freventlich, adj. u. adv.: frevel- haft* mit eingeschobenem t aus mhd. vreven- lich neben vrevellich (md. virehilich), wie vreven neben vrevel, 1561 bei Maaler fr äf ert- lich, bei Luther freuelich, freuenlich und (Tischreden 3^) freuentlich. Frevler, m., mhd. vreveler, mrhein. im Voc. ex quo 1469 frebeler. Friede, {-ns, PI. -en), seit dem 18. Jh. auch Frieden, m.: Vereinigung in Liebe mit Entfernung aller Entzweiung; feste Über- einkunft zu Einigkeit und Sicherheit; Sicher- heit vor und Freisein von Widerwärtigem. Bei Luther Fried und Friede noch mit der alten starken Biegung Gen. Friedes, Akk. Friede, aber auch schwach Dat. und Akk. Frieden. Die stai-ke Flexion noch bei Logau 1, 1, 4, Flenaing 189, Zeseu Ibrahim 1, 146; die schwache Flexion zeigt sich vereinzelt schon mhd., besonders md., zuerst im 12. Jh. am Niederrhein; der gemischte Gen. fridens am fiühesten im Anfang des 16. Jh. bei Keisersberg (Predigten 68"^). Mhd. vride (Gen. vrides), ahd. fridu, frido m. (daneben frida f.) ; dazu asächs. fridu, ndl. vrede, afries. fretho 585 Friedhof Frikandeau 586 m,, ags. frip, fryp m., d. (daneben freodo, frioäo, frido f.), anord. friär, schwed. frid, fred m., dän. fred m. und f., got. nur im Eigennamen Frißareiks «Friedrich» und in gafrißon «versöhnen». Zugrunde liegt der- selbe Stamm fri «schonen» wie in got. frijön «lieben» (s. freien und Freund). ABL. friedlich, adj. u. adv., mhd. vridelicli, Adv. vrideltche. friedsam, adj. und adv., mhd. vridesam, ahd. fridusam, asächs. adv. frida- samo. ZUS. Friedensfürst, m. (-ew, PI. -en), bei Schiller Wall. Tod 5, 1, dagegen bei Luther Jes. 9, 6 Friedfürst. Friedens- richter, m. (-S, PI. wie Sg.), 1691 bei Stieler, aber 1703 im Zeitungslex., 1741 bei Frisch Friedericliter. Urspränglich Bezeich- nung einer englischen Einrichtung, fried- fertig, adj., bei Luther Matth. 5, 9. Friedhof, m. (-.§, PI. Friedhöfe)-. Kirch- hof, Gottesacker. Nicht «Hof zu Friede und Euhe», sondern aus mhd. vrithof ahd. frit- hof, asächs. fridhof, mnd. vrlthof m. «der vor einem oder um ein Gebäude zu Schonung und Sicherheit eingefriedigte Raum, Vorhof eines Tempels, Palastes oder einer Burg, Vor- hof der Kirche als öflPentlicher Schutzort ge- flüchteter Verbrecher», endlich «Kirchhof, Gottesacker», älternhd. und noch oberd. Freit- Iwf. Zu ah.ä.vriten «begünstigen, hegen», anord. frida «schmücken», got. freidjan «schonen», einer Ableitung von einem Adjektiv, das in ags. frid, anord. fridr «hübsch» vorliegt, und das genau aind. jyrUäs «vergnügt, befriedigt, geliebt» entspricht. Der Stamm ist derselbe wie in freien, Friede. Friedrich, Mannsname, mhd. Friderich, ahd. Fridurih, got. Frißareiks, ags. Freoderic. anord. Fridr ekr «Friedensfürst». Mlat. Fri- dericus, daher der zugehörige Frauenname Friederike. S, Fritz, Fritze und -rieh, Friedrichsdor, m. (s, PI. -e u. -s)-. ehe- malige preußische Goldmünze im Werte von 17 M., zuerst 1713 unter Friedrich Wilhelm L geprägt. frieren, v. (Prät. fror, Konj. fröre, Part. gefroren): Kälte empfinden: durch Kälte er- starren; (unpersönlich) es friert «entsteht Eis» (schon mhd.), es friert mich «ich emp- finde Kälte» (mhd. mich vriuset); das Part. gefroren «durch Zauberei fest gegen Hieb und Schuß» (seit dem 30 jähr. Kriege nach- gewiesen). Mhd. vriesen (Prät. vrös, PI. vrurn, Part, gevrorn), ahd. friosan, freosan (Part, gifroran); dazu mnd. iTesen, näl.vriezen, ags. freosan, engl, freeze, anord. frjösa, schwed. frysa, dän. fryse. Das urspr. s hat sich im bayr.-hess. friesen, freusen, luxemb. friselen, sowie in Friese! und Frost (s. d.) erhalten. Die 2. und 3. Präs. lautet älternhd. freurest, freuret (noch 1726 bei Freyer freuret). Der Lautverschiebung gemäß entspricht aind. priisvä f. «gefrornes Wasser, Reif», lat.ijnima f. «Reif» (aus *prusvfna). Fries, m. (-es, PI. -e): in der Säulen- ordnung ein mit Laubwerk und andern krausen Zieraten versehener Teil des Hauptgesimses, der den Kopf des auf dem Hauptbalken i-uhen- den Balkens bildet (dann herumlaufender Zier- streifen an Wand und Fußboden); krauses : ungeschorenes tuchartiges Wollenzeug, In I der 1. Bed. 1616 bei Henisch Frisen, 1618 ■ bei Schönsleder Fries m., 1691 bei Stieler ; Friese n., bei Winkelmann und Schiller Friese f. (PI. -n); dazu mndl. 1599 bei Kilian frise. In der 2. Bed. 1691 bei Stiel er Fries, 1678 bei Krämer Frieß, 1663 bei A. Gryphius Peter Squenz 9 Frilß, mndl. vries, frise 1599 bei Kilian. Beides aus gleichbed. franz. frise, afranz. frese f., woher auch engl, frieze, zu franz. frisei' «kräuseln, verzieren», das wie span. friso, freso m. in 1., frisa f. in 2. Bed., frisar «Tuch aufkratzen», ital.f regio m. «Ver- brämung, Schmuck, Gesimsfries», finsa f. «rauher Wollstoff», aus dem Germanischen entlehnt ist: ags. frise «kraus, gelockt», engl. friz, frizzle «kräuseln», afries. frisle, fresle «Haupthaar, Haarlocke». Dagegen das afranz. drap de Frise, paile de Frise, mlat. panmis frisius, ist ein kostbai-er Seidenbrokatstoff und deutet auf den Orient, vielleicht Phrygien (Schultz höf. Leben 2 l, 337). Friese, m. (-n, PI. -n): Volksname, mhd. Vriese, ahd. Frieso, Friaso, Friso m., dazu nd. Frese, mndl. Vriese, ndl. Vries, afries. Freso, Friso, ags. Frysa, Friesa m., bei den röm. Schriftstellern Frisii, Frisones, mlat. auch Fresones. Dunkler Herkunft. Friesel, n. u. m. (-s, PI. wie Sg.): Fieber mit hirsekornähnlichen Bläschen. 1686 bei Liebe als Mask., 1734 bei Steinbach als Neutr. Zu frieren (s. d.), md. im 14. Jahrb. bei Ködiz 96, 26 frisen n. «Fieberschauer, kaltes Fieber», ebenso 1429 im Lib. ord. rer. 17** friesen n. Frikandeau (spr. Frikandö), n. {-s, PI. -s): gespickte gebratene Kalbsschnitte. Aus gleichbed. franz. fricandeau m. Neue Ent- lehnuncr. 587 Frikandelle froh 588 Frikandelle, f. (PI. -«): Buttergebackenes aus zerhacktem Fleisch, Fleiscliklößcheu. 1715 bei Amaranthes, aber 1721 bei Jablonsky und 1741 bei Frisch Frickedellen, 1727 bei Sperander Fritadelle, Frickedellen, aus gleich- bed. ital. frittadella f., von fritto «in der Pfanne gebacken», Part, von friggere, lat. fngere «rösten», Frikassee, n. (-s, PI, -s)-. Schnittfleisch mit einer Brühe, Bereits im 16, Jh. (Zünm, Chron. " 2, 164, 4) entlehnt aus dem gleich- bed, franz, fricassee f. Dazu frikassl ereil, V. (Zimm, Chi'on,^ 2, 163, 29): (in übertragener Bedeutung) übel zmichten (erst im 19. Jh,), frisch, adj, u, adv,: erstkräftig, munter, rüstig; noch ungenutzt; anregend kühl, Mhd, wisch, früh am Nieden'hein virsch, ahd, frisc in der 1. Bed.; dazu mnd. irisch, nd. frisk, mndl. versch, afries,-ags. ferse, engl, fresh; anord. ferskr, schwed, färsk, frisk, dän, fersk, frisk sind entlehnt. Auch ins Romanische gedrungen : ital,-span,-port, fresco, franz. frais. Der Lautverschiebung gemäß entspiicht abg. presinü «fi'isch, ungesäuert» (lit. prieskas «ungesäuert» ist aus dem Slaw. entlehnt). ABL. Frische, f., mhd. vrische f. Frischling, m. {-s, PI. -e) -. junges Wild- schwein. Aus mhd. vrischific, später auch vrischlinc m. «junges weidetähiges Schwein oder Lamm», ahd. friskinc, friscing mit den Nebenfoi-men fruscing, früiscing, frinscing, frunscing m. auch «Opfertier»; dazu andd. ferscang, verscung m. «junges Tier, Ferkel, Lamm». Die romanischen afranz. fresange. fraissengue , sizil. frisinga «junges Schwein» stammen nicht direkt aus dem Deutschen. Abgeleitet von frisch (s. d.), also urspr. «Frischgeborenes, Junges». Daher weidmän- nisch frischen, v.: junge Wildschweine ge- bären, 1746 bei Döbel Jäger practica 1, 24. frisieren, v.: kunstgerecht Haare kräuseln; wollene Zeugstoft'e in der Frisiennühle auf- kratzen. In der 1. Bed. 1673 bei Weise Erzn. frisiren, in beiden Bed. 1691 bei Stieler friesiren, 1616 bei Henisch friseren, nach ndl. friseren aus franz, friser (s, Fries). ABL. Frisierer, m, (s, PI. wie Sg.) : Haarkräusler. 1691 bei Stieler Friesirer, heute in der franz. Form Friseur. Frisur, f. (PI. -ew): Haar- tracht, 1694 bei Nehring, aus franz. frisure f. Frist, f. (PI. -en): bis wohin freigegebene Zeit, Aufschubszeit; abgegrenzte Zeit über- haupt. Mhd. vrist, ahd. frist f,; dazu mnd. verst, mudl. verde, vorste f., afries. ferst, first n., ags. first m., anord. frest n., schwed. frist m., dän. frist. Das Wort ist nach Brug- mann Idg. Forsch. 13, 164 zu vergleichen mit 'Aind.purah-sthitas «bevorstehend» (j;was « vor Augen» = germ. fris und sthitas «stehend». ABL. fristen, v.: Frist geben, unverletzt und noch für längere Zeit erhalten. Mhd. vristen, ahd, fristjan, fristan und fristön, mnd. verstell, afries. fersta, ags. fy^rstan, anord. fresta, schwed. frista, dän. friste, Fritt, m. {-es, PI. -e): kleiner Hand- bohrer, bes. der Böttcher. 1775 bei Adelung, aus nd. frit m., ndl. vret n., vom gleichbed. franz. foret m., mlat. foretum n., zu lat. f ordre, franz. forer «bohren». Fritte, f. (PI. -en): in der Glasmacher- kunst Gemeng aus Sand oder Kieselerde und alkalischem Salz (Laugensalz). 1775 bei Ade- lung, aus gleichbed. franz. fritte, ital. fritta f., d, i, lat, fricta, Fem, des Part. Prät. frictus von frigere «rösten», urspr, «geröstete, ge- sottene Masse», weil durch Schmelzen jenes Gemenges Glasfluß entsteht. ABL. fritten, V.: zusammenschmelzen. Fritz (Gen. -ens, PI. -e, -en), vertrauliches Dim. von Friedrich, bei Luther auch Fritzsch, mhd. (und noch mundai'tlich) Fritze. Fritze (Gen. -ns, PI. -n), diminutive Kose- form für Friederike. frivol, adj. u. adv.: gehalt- und wertlos, sehr leichtfertig. 1686 bei Liebe, aus gleich- bed. frivole, von lat. frlvolus «wertlos, arm- selig, abgeschmackt». ABL. Frivolität, f. (Pl.-en): Leichtfertigkeit; leichte Spitze, durch ein Schiffchen mit der Hand gefertigt. Aus franz. frivolite f. In der 1. Bed. 1768 bei Wieland Idris 15. froh, adj, u, adv.: von Wohlgefühl be- wegt; aus Wohlgefühl lebhaft. Bei Luther fro, mhd. vrö (Gen. vrowes, vrouwes, vröhes), iihd.frao, fro (flektiert //;awer, frdiver,frouwer) auch «schnell» bedeutend; dazu asächs. fräh «froh», mndl, vrö, afries, frö, anord. frär «hiu'tig, flink». Die nordische Bedeutung «flink» scheint die ursprüngliche zu sein, und man kann daher die genn. Grundfonn *frawaz zu aind, prävate «springt auf, hüpft, eilt», praväs «flatternd, schwebend, fliegend» stellen. Vgl. Osthoff Parerga 336. ABL. fröhlich, adj. u. adv., bei Luther frölich, mhd. vrop- licli und Adv. inwliche, ahd. frawaUh, fröUh und Adv. frawaUcho, frölicho: dazu Fröh- lichkeit, f., mhd. vropUchät f. ZUS. froh- locken, v.: laute Freude äußern. Bei Luther 589 frohn Fronde 590 und noch bis ins 18. -Ih. frolocken, mhd. vrölocken, 1352 bei Merswin wiederholt für- löcken: -locken ist vermutlich entstanden aus mhd. und ältemhd. lecken «hüpfen, springen», s. Hecken, Intensivbildung zu mhd. leichen «aufspringen», got. laikan <' hüpfen, froh- locken», ags. läcan «springen»; die urspr. Bed. wäre also «vor Freude spiingen». frolin, Frohue usw., s. fron. Frone. fromm, adj. u. adv. : (im altem Xhd. wie im Mhd.) förderlich, nützlich, tüchtig, vor- trefflich, tapfer, brav, rechtschaffen ; (im altern wie jungem Nhd., besonders durch Luthers Bibelübersetzung verbreitet) tüchtig in Be- ziehung auf die Gottesverehrung, gottgefällig ; (bildlich) ohne Arg und gut geartet, fügsam. Bei Luther from, ältemhd. (zumal obd.) auch frum, frumm, daneben frunib, fromb, mhd. vfum, vrom, ältermhd. im 12. Jh. f)-um; dazu mnd. iTOnre «tüchtig, brav, fromm», afries. frenio, from «nützlich», ags. from, fram, «tapfer, tüchtig». Zugrunde liegt der gleiche Stamm wie in got.-ahd. fram, «vorwärts, weiter» (s. fremd), got. f-uma, ags. forma «der erste», lit. pirmas «der ei-ste», gr. Trpöuoc «der vor- derste, Vorkämpfer»; ferner in vor, für der. fordern, Fürst (s. d.). RA. frommer Wunsch, , der nicht in Erfüllung geht, nach Phil. Speners | Schrift pia desideria 1675. ABL. Fromme, f.: Vorteil. Xutzen, Gewinn, nur noch in dem Dat. PI. zu (Xutzund) Frommen «zum Nutzen, zugute». Ältemhd. Frumme f., mhd. vrume, vruni, vrome f. u. m., ahd. fruma, froma f.; j dazu asächs. fruma f. Daher mhd. ze vinimen, ' ze vromen, ahd. zi fnimum, ze fromon. frommen, v.: Fördei-ung, Xutzen bringen, zur Förderung dienen. Mhd. vrumen, vromen, . vrümen «vorwärts kommen, förderlich sein, ; nützen, helfen», ahd.frumjan, frumman, asächs. frummjan «vorwärts schaffen, befördern, voll- ' bringen, verrichten, tun». Nach Heynatz 1796 ■ ist das "Wort «von einigen neuern» wieder her- : vorgesucht, frömmeln, v.: äußerlich ein gottesfürchtiges Wesen annehmen, 1786 bei Schiller 4, 105. Frömmigkeit, f.: religiöse I Tüchtigkeit, ältemhd. frumkeit (altertümlich noch bei Goethe 16, 124 Frummkeit), frum- keit, frönikeit, mhd. vriimecheit, vrümkeit, rrumkeit, im 12. Jh. frumikheit «Tüchtigkeit, ' Bravheit, Tapferkeit, Trefflichkeit», zu dem [ von ivww abgeleiteten Adj mhd. vnimec. vrnmec, ahd. f rumig «nützlich, tüchtig». \ fron, adj.: herrUch und heilig. Nur noch ; altertümlich bei Pfeffel u. a. frohn, ältemhd. fron, mhd. vrone. vron adj. «den Herrn be- treffend, ihm gehörend, heüig, herrschafthch, öffentlich», ahd. frono, fraono adjektivisch, aber undeklinierbar gebraucht, urspr. Gen. PI. von ahd. fro, got. frauja m. «Herr» (s. Frau), «der Herren» d. h. nach christhcher Anschauung «Gottes und der Heiligen». ZUS. Fronaltar, m. (-s) : Gottes-, Hochaltar, mhd. vronalter, -altär m. Fronbote, m. {-n, PI. -«): Gerichtsbote, Büttel, mhd. vrönehote, älter böte vrone, ahd. hoto vröno «heüiger unverletzlicher Bote, Gerichtsbote». Fron- dienst, m. (-es, PI. -e): herrschaftlicher Handdienst, den der Unfreie leisten muß, spätmhd, vröndienest. Fronfasteu, plur. : die Quatemberfasten, mhd. vrone-. vronvaste f. Fronfeste, f.: öffentKches Gefängnis, mhd. vronvesfe f. Fronhof, m. (-es, PI. -höfe): Herrenhof, bes. insofern die zu Handdiensten Verpflichteten da erscheinen müssen, mhd. vrone-. vrönhof m. «Heirenhof. Kii-chhof», ahd. fronohof «Fiskus». Fronleichnam, m. (-s), 1482 im Voc. theut. q 2* fronleichnam, mhd. vrönlicham m. «der heilige d. h. Christi Leib, Hostie» (s. Leichnam). FronTOgt, m. (-es, PI. -vögte): hen-schaftlicher Amtmann, bes. zur Beaufsichtigung der zu Frondiensten Verpflichteten. Bei Luther (2. Mos. 1, 11). ^Fron (-en, PI. -en), m.: Gerichtsbote, Büttel, Scherge. Volkstümliche Küi-zung für Fronbote (s. d.), spätmhd. vron, vrone m. ""Fron(e), f. (PI. -n)-. dem Herrn zu leistender Zwangdienst. Mhd. vrone f. «Heir- lichkeit, Gewaltheirschaft, Gefängnis, Herren-, Frondienst (s. fron), gerichtliche Beschlag- nahme». Von fronen, frönen, v.: unfrei Herrendienst tun (frönen auch bildhch «einer Sache sklavisch unterworfen sein», seit der ersten Hälfte des 18. Jh.). Mhd. vroenen, vrönen «zum Herrn machen, verherrüchen, als Abgabe geben, in gerichtlichen Beschlag nehmen, Herren-, Frondienst leisten», ahd. fronen «in Beschlag nehmen». ABL. Fronde, f. (PI. -n) in gleicher Bed. wie Frone f., spät- mhd. vroende f. «frondienstiges Land, Fron- ai-beit». das ein ahd. fronida voraussetzt. Da- von fronden, v., in gleicher Bed. vne fronen. Fronde, f.: Oppositionspartei von Vor- nehmen gegen die Regierung. Aus franz. fronde f. «Name einer Oppositionspartei wäh- rend der ^linderjährigkeit Ludwigs XIV., die die Politik Mazarins stark bekämpfte». Das Wort bedeutet eigentlich «Schleuder» aus lat. funda f. und wui-de zum Spottruf. ABL. 591 Fronfasten früh 592 Frondeur, m., aus franz. frondeur m. fron- dieren, v., aus franz. fronder. Alle im 18. Jh., aber allmählich zuräckgetreten. Neu belebt nach dem Kücktritt Bismarcks. Vgl. Ladendorf. Fronfasten, Fronfeste usw., s fron. Front (PI. -w), f.: Stirn-, Vorderseite. 1616 beiWallhausen Kriegsmanual 119 Fronte, Front f., aus \iü\. fronte f. «Stirn, Angesicht, Vorder- teil», von lat. frons (Gen. frontis) f. «Stirn». Frontispiz, n. {-es, PI. -e): Vordergiebel- seite. Im 18. Jh. aus franz. frontispice m., mlat. frontispicium n. «Giebel eines Gebäudes», von lat. frons f. «Stirn» und spicere «sehen, schauen». Frosch, m. (-es, PI. Frösche): die hüp- fende Amphibie, lat. rana; (übertragen) Feuer- werkskörper; Geschwulst an der Zunge einiger Tiere; Schuljunge. Mhd. vrosch, ahd. frosc m.; dazu mnd.-mndl.-ndl. vorssch, ags. frox m., engl.-dial. frosk m., anord. froskr m., dän. frosk. Daneben stehen Formen wie ags. frogga, engl, frog, dial. frock mit Guttural, und solche mit Dental anord. fraiutr, schwed.- dän. frö, anord. fraukr (aus *fraudkr). Es ist kaum möglich, alle diese Formen auf eine gemeinsame Grundform zurückzuführen. Am ehesten ist noch '*fraup, *frup möglich und dies dürfte nach Osthoff Parerga 344 zu den unter /ro/i behandelten Wg.« springen» gehören, vgl. aind. plavas m. «Frosch» zu plu-, pru- «springen» und die deutschen Aus- drücke hopper, hoppschel, grashüpf er u. a. ZUS. Froschblut, n.: kaltes Blut, bei dem der Mensch nicht in Aufregung kommt (bei J. Gotthelf Schuldenbauer 364). Frosch- laich, m. (-s): Froscheier, 1575 bei Fischart Gai'g. 56 Fröschleych, im 17. Jh. auch n, Froschlöffel, m., ein Sumpf löffelkraut, 1533 bei Rößlin 116rechen, ahd. furisprehhan. Fürst, m. {-en, PI. -e/^): Staatsoberhaupt; im besondern) der zunächst Höhere über dem Grafen. Bei Luther Fürste (noch bei Weise Erzn. 115, Gryphius Trauersp. 49, Hagedorn neue Fab. 85), mhd. vürste, md. rurste, vorste, ahd. furisto, fiirsto m.; dazu mnd. vorste, ndl. vorst, afries. forsta m. Eig. «der Vor- derste, Erste, Höchste», denn Fürst ist der substantivisch gebrauchte, zum ahd. Adv. fari, got. fmr «vor», gebildete Supei-lativ ahd. Jurist, mhd. (absterbend) vürst, fürst, asächs. furist, ags. fyrst, engl, first, anord. fyrstr «der erste, vorderste». Vgl. Fron, Herr. Im 16. bis 18. Jh. auch der Gen. Fürstens (bei Luther Tischr. 345*, Ettner medicin. Maulaöe 723); mitunter im Dat. und Akk. Sg. Fürst (Schiller Jungfrau v. Orl. 1, 2, Demetrius 2, l), bes. in formelhafter Stel- lung {von Fürst zu Fürst). ABL. f ürsten, V.: mit Fürstenrang bekleiden, mhd. vürsten, md. vursten, vorsten, vurstenen, vorstencn. Fürstin, f. (PI. -nen), mhä.vürstinne, vürstm, vürstin f. fürstlich, adj., mhd. vürstlich, vürstelich, fürstenlich, md. fürstlich, forstlich. ZUS. Fürstenhaus, n. (-es, PI. -häuser), bei Luther. Fürstentum, n. {-s, PI. -tümer), mhd. vürsttuom, vürstentuom m. n. Furt, f. (PI. -en) : seichte Stelle im Wasser zum Durchkommen. Bei Luther Mask. und Fem., älternhd. und noch obei-d. Mask., mhd. vurt und ahd. fürt m., md. fürt, fort m. und f.; dazu asächs. ford (in Ortsnamen wie Jfm- ford), mnd. vor de, vört m., mndl. voord, afries. forda m., ags. ford m., engl. ford. Zu derselben Wurzel wie fahren (s. d.); der T^aut- verschiebung gemäß stimmend zu lat. porta f. «Tor», portus m. «Hafen», aw. pdsus ni. «Durchgang, Furt», psrdtus m. «Durchgang, Gang», gall. ritu- «Furt» in Ritu-magus, Augusto-ritum, akymr. rit «Furt», wozu auch anord. fjördr m. «Bucht», schwed.-dän. fjord, schwed. fjärd (aus dem Nord. engl. frth). fürtrefflich (bei Goethe, Schiller), s. vortrefflich. Fürtuch, n. {-es, PI. -tücher): Schürze. In Süddeutschland. Spätmhd. im 15. Jh. vortuoch, 14X2 im Voc. theut. i8* furtuch. Furunkel, m. {-s, PI. wie Sg.) und f. (PI. -n, bei Musäus Kinderklapper 40): Blut- schwär. 1588 bei 'i'abernämontanus 724 Fürunckel. Aus gleichbed. lat. furunculus ra. fürwahr, adv.: in Wirklichkeit, in der Tat. Mhd. vür tvär, vür wäre, md. vorwär, vorwäre. Fürwitz, s. Vorwitz. Fürwort, n. {-es, PI. -Wörter): Schein- grund, Ausflucht (1540 bei Alberus Dict. H 2*», 1541 beiFrisius \ohtentus],noch schweizerisch); gutes Wort an der Stelle und zum Besten jemandes (1691 bei Stieler); das Substantiv vertretendes Wort, Pronomen. In der letzten Bed. 1748 von Gottsched (Grundlegung 120) gebildet, dafür 1727 bei Aler Vorwort, 1641 bei Schottel Vornennwort, Stieler 1691 Für- ivort für Präposition. Siehe Vorwort Furz, m. {-es, PI. Fürze): ßauchwind. Mhd. vurz, spätahd. furz, dazu nd. fürt, fort, mndl. vort m. Zu farzen (s. d.). ABL. furzen, v., spätmhd. im 14. Jh. furzen, md. forzen. fuscheln, v.: mit den Händen regsam an etwas hin- und hertasten; durch heim- liche Handgriffe betrügen (so beim Karten- spiel). In Nordostdeutschland. Davon Fu- SChelei, f. (PI. -en): Anwendung verdecken- der betmgerischer Handgriffe (Lessing 10, 61). 605 Fusel Futter 606 fuschern, v.: pfuschern (Claudius 4, 173), s. pfuschen. Fusel, m. (-S, PL wie 8g.): geringster Branntwein (auch schlechter Tabak, in der Chemie das bei geistiger Gärung nebenbei sich bildende flüchtige Öl). In der ersten Hälfte des 18. Jh. in Norddeutschland auf- gekommen (1743 bei Eichey, auch Insel Felsenburg 3, 458). Dunkler Entstehung. Füsilier, m. (-s, PI. -e) -. mit der Bajonett- flinte bewaöiieter Fußsoldat. 1703 imZeitungs- lex. Aus gleichbed. franz. füsilier m., von franz. fiisil m. (ital. focile, fucile, von lat. focus m. «Feuerstätte, Feuer») «Feuerstahl, Feuergewehr» (s. Flinte). Fuß, m. {-es, PI. Füße): unterster Teil des Gehgliedes; (bildlich, schon mhd.) das Unterste, worauf etwas ruht; (PI. Fuß, Dat. | bei Verbindung mit einem imbestimmten Zahlwort Fußen, mhd.) Maß nach der Manns- fußlänge (^/o Elle), im heutigen Reichsmaß ^/g Meter; (nach dem Maß übertragen) Grund- lage, Verhältnis, Art und Weise (erst im 17. Jh., bei Dietr. v. d. Werder Gottfr. 5, 54 auff gutem Fuß) ; Versfuß (schon ahd., wohl nach lat. pes). Mhd. vuo^, ahd. fuo^^ (PI. fuogi), md. vüg, vö§ m.; dazu asächs. ßt, fuot, mnd. vöt, mndl. voet, afries. föt, ags. föt, engl, foof, anord. fötr, schwed. fot, dän. fod, got. föttis m. Der Lautverschiebung gemäß entsprechen lat. ^es (Gen. peclis) m.'«Fuß», gr. itoüc (Gen. TTof>öc) m. «Fuß», nlhiXov n. «Sohle», iT^bov n. «Fußboden», -rr^Za f. (aus Tteb/a) «Fuß, Unterstes an etwas», lit. päclas m. «Fußsohle», pedä «Fußspur, Fuß als Maß», arm. otn «Fuß», aw.-aind. päd m. « Fuß ». RA. stehenden Fußes « augenblickhch, sogleich», dem alten Rechtsleben entnommen (wer mit seinem Urteil nicht zufrieden war, mußte es gleich auf der Stelle anfechten, Standes fußes e er hinder sich trede Grimm. Rechtsaltert. 866 vom J. 1430). ABL. füßelu, V.: die Füße eilig fortbewegen, namentlich in kurzen oder zierlichen Schritten (bei Eichendorif Taugenichts, im 15. Jh. fußiln «zu Fuß gehen» Diefenbach Gl. 420**); mittels der Füße einander zärtlich oder um ein Zeichen zu geben berühren (Goethe Faust 6342, bei Aler 1727 fußlefi). fußen, v.: den Fuß fest aufsetzen, Fuß fassen (1540 bei Alberus Dict. 11 3*); sich stützen auf etwas (md. im 14. Jh. füssen, vom Aufliegen der Dachsparren auf einer Mauer, in über- tragner Bed. bei Luther Tischr. 2 *) ; zu Fuß gehen (schweizerisch, 1420 mnd. vueten Diefen- bach Gl. 420'', vgl. bayr. sich fußen «im Gehen eilen»). Füßling, m. (-es, PI. -e): der untre, den Fuß bedeckende Teil des Strumpfes (im 15. Jh. fiießling Diefenbach Gl. 420 c). ZUS. Fußangel, f. (PI. -n): angelartiges Eisen mit 3 bis 5 Zoll langen Spitzen, von welchen beim Hinwerfen oder Legen immer eine in die Höhe steht, im Voc. ex quo 1469 fußangel (eig. ein Brett mit durchgeschlagnen Nägeln), 1414 fußanger Diefenbach Gl. 420". Fußboden, m. '(-s, PI. -höden), 1640 bei Comenius Fußbodem. Fußbreit, m. (-es): Raum, den die Fuß- sohle auf dem Boden einnimmt, bei Luther 5. Mos. 2, 5, als Neutr. bei Schiller Picc. 2, 1. fußfällig, adj.: einen Fußfall tuend, mit einem Fußfall verbunden, 1616 bei Henisch. Fußgänger, m. (-s, PI. wie Sg.): zu Fuß Gehender (bei Keisersberg Postill 3, 77*), Fußsoldat (mhd. vuoggenger , daneben vuo^- gengel m.). Fußknecht, m. (-es, PI. -e): Fußsoldat, spätmhd. im 15. Jh. (1440 bei Diefenbach Gl. 420=^ fußknecht). Fußpfad, m. (-es, PI. -e), spätmhd. vuo^phat m. n. Fußreise, f. (PI. -n), 1802 in Gotters lit. Nachlaß Vorr. S. 62. Fußstapfe, m. (-ns, PI. -n): Abdrack des Fußes im Boden, bei Luther Hiob 18, 27 fusstapffe, mhd. ^mo^- staphe, md. vU^stappe, ndl. voetstap m. (s. Stapfe). Daraus hervorgegangen und an Tappe (s. d.) angelehnt Fußtapfe, m., bei bei Geliert, Lessing, Herder usw., bei Luther einigemal fustapffe, spätmhd. (md.) vuo^taphe, fueßtappe m.; auch Fem. bei Schiller Fiesko 1, 1, Kabale 3, 4, l)ei Stieler 1691 Fustappe f., ebenso in Grimms Weisth. 1, 217 schweizerisch fuszstapffet Fußvolk, n. (-es, Fl -Völker): Heer zu Fuß, mhd. vuogvolc n. Fußweg, m. (-es, PI. -e), spätmhd. vuoßwec m. futsch, interj.: in größter Schnelligkeit; hin und verloren, zunichte. Im 18. Jh. süd- wie norddeutsch. Dunkler Herkunft. ^Futter, n. (-S, PI. wie Sg.): Nahrung, bes. Tiernahrung. Ältemhd. Futter (bei Luther) und Futer, mhd. vuoter, md. vüter, ahd. fuotar n.; dazu ags. födor, engl, foddei", anord. födr n. Aus derselben Wurzel ab- geleitet wie mhd. vuoten, vüeten, md. vüten, ahd. fuottan, fötari, asächs. /&(?mn, mnd. voden, afries. föda, feda, ags. fedan, engl, feed, anord. foeda, got. födjan «nähren, ernähren», nd. vöde f., ags. föda m., engl, food, anord. föeda f. «Nahrung», ahd. vaton «weiden, 607 Futter Gackelchen 608 nähren», fatunga f. «Futterung, Mästung», de- nen der Lautverschiebung gemäß entsprechen gr. TTax^oinai «ich esse, verzehre», abg. pitati «nähren, aufziehen», aw.pitu und aind. piti(S m. «Speise». Auch ins Romanische gedrungen: ital. fodero m., franz. fourrage m. «Futter», feurre m. «Futterstroh», span, forraje m. «A'iehfutter». ABL. füttern, auch (nach dem Md.) futtern, v.: Futter geben, älternhd. fuotern, futern, mhd. vuotern, vüetern, md. fütern, ahd. fuotiren; dazu mnd. voderen, anord, föära, schwed. fodra, dän. fodre. Da- von Fütterung, f., mhd. vuoterunge, vilete- runge, ahd. fuotrunga f. ^Futter, n. (-S, PI. wie Sg.): Bekleidung, Besatz worunter, urspr. «Überzug, auswendig oder inwendig». Mhd. vuoter n. « ünterfutter, Futteral», ahd. fuote>; fötar n. «scheiden- artiger Behälter, Futteral, Überzug»; dazu got. födr n. «Schwertscheide», ags. födder n. «Hülle, Futteral», Wohl urverwandt mit aind. pätrani n. «Behälter, Gefäß». Auch ins Romanische eingedrungen: ital. fodero m. «Kleiderfutter, Scheide», span.-port. forro m, «ünterfutter», nfram. fuerre, franz. fourreau m. «Scheide», fourrure f. «gefütterter Rock, Pelz», mlat. fodrum, fotrum n. ABL. Futteral, n. (-S, PI. -e): Scheide, Kapsel. Im Voc. von 1419 futral (Schmeller- 1, 799), im 16. Jh. fiieteral, aus gleichbed. mlat. fotrale, futrale n., von mlat. fotrum (s. oben), füttern, v.: mit Unterfutter versehen, mhd. vuotern, md. filtern; dazu anord. /o(fra, schwed, /b(^ra, dän. fodre, mlat. foderare. futtern, auch futem, v.: fluchen und schelten, fluchend lärmen. Nach dem volks- üblich franz. Ausruf foutre «Canaille» ge- bildet, von franz. foutre «beschlafen», das aus dem gleichbed. lat. futuere stammt. Futurum, n. {-s, PL Futura): die zu- künftige Zeitform aus gleichbed. lat, futurum (nämlich tempus n. «Zeit». Q Oabe, f. (PI. -n): das Gegebene; Bega- bung, Talent (1514 bei Keisersberg). In urspr, Bed. mhd. gäbe f.; dazu mnd. gave, ndl. gaaf, anord. gäfa, schwed. gäfva f., dän. gave. G. ist unter Anlehnung an den Vokal des Präteritums mhd. gaben eingetreten für mhd. gebe, ahd. geba f.; dazu asächs. geba, ags. gifu, anord. gjöf, got. giba f, gäbe, adj,: als dargegeben annehmbar. Mhd,^CB&e «annehmbar, lieb, gut, (von Münzen) Annahme habend, im Umlauf seiend»; dazu m\idi.geve,vßj\di\.gäve, ndl, gaaf «tauglich, gut», afries. geve, jeve, anord. gäfr «heilsam», dän. gjäv. Verbaladjektiv zu geben (s. d.), wie genehm zu nehmen. Vgl, gänge. Gabel, f. (PI. -n): Werkzeug mit (urspr. zwei) auseinandergehenden Zinken an einem Stiele; einem solchen Werkzeug Ähnliches. Mhd. gabele, gabel, ahd. gabala f. ; dazu mnd. gaffele, geffele, nd. und ndl. gaffel f., ags. geafias pl.m,, (entlehnt aus demNdd,) schwed.- dän. gaffel m. Das Wort bezeichnet ur- sprünglich das Gerät der Landwirtschaft (schon ahd. mistgabala) und erst im Anfang des 16. Jh. das Eßgerät. Verwandt sind noch ii*. gabul, gobul «gegabelter Ast, Gabel», gabla «Schere», kymr. gafl «Gabel, Schenkel» (aus dem Keltischen entlehnt lat. gabalus m. «Kreuz, Galgen») und vielleicht aind. gä- bhastis m. «Arm», lit, gabanä f. «Armvoll», vgl. Brugmann Idg. Forsch. 18, 129. Die ui'sprüngliche Bedeutung der Wurzel, die dem Wort zugrunde liegt, dürfte «fassen, ergreifen» sein. Das Suffix -l bildet häufig Werkzeugbezeichnungen, vgl. Hobel, Meißel, Beil, Beutel. RA. in die G. ziehen: im Schachspiel mit der Königin oder mit dem Läufer auf ein Feld ziehen, von wo aus zwei feindliche Figuren zugleich angegriffen wer- den (Lessing Nathan 2, l). ABL. Crab(e)ler, m. : Gabelhirsch (s. u.). Bei Frisch 1741 gabelig, gabelicht, adj., mhd. gabeleht, bei Fischart Garg. 263 gabelig. gabeln, v,, frühnhd. bei Brant Narr. 70 Überschr. Davon Gabelung, f., neue Bildung. ZUS. Gabel- frühstück, u,, Übersetzung des franz, de- jeüner ä la fourchette. Gabelhirsch, m. (-es, PI, -e): Hirsch, dessen Geweih aus zwei gabelförmigen Stangen (im ganzen 4 Zacken) besteht, 1719 bei Fleming t. Jäger 1, 91^. Gabelweihe, m. f.: Weihe mit gabelförmigem Schwänze, falco milvus, 1793 bei Nemnich als Fem. gach (Lessing Nathan 5, 8), s. jach. Gackelchen, n,: (in der Kindersprache) das Ei, 1586 bei Mathesius Syrach 3, 10» 609 Gackeuest Gagat 610 Kackelein n. Von gackeln, gebräuchlicher gackern, v.: vom Schreien des Huhnes, der Gans; (auf Menschen, besonders Frauen angewandt) schwätzen (bei Wieland 18, 27). 1595 bei ßollenhagen kacheln, 1663 bei Schotte] USl** kakelen, nd. kakeln (auch bei Voß Luise 1, 289), ndl. gagelen. gaggelen, engl, gaggle; 1711 bei Rädlein gackern, aber schon md, um 1300 gägern in übertragner Bed. «be- wundernd anschreien, schwätzen, schnattern». Beide sind Iterativa zu tonnachahmenden gacken (Steinmeyer-Sievers Gl. 2, 699, 2). Abgeleitet von gacken (s. gackeln, auch gatzen). Gaden, m., dialekt. n. {-s, PI. Gaden, auch Gäden): für sich abgeschloßnes Gemach, Zimmer, Kammer, Stall, Scheune, Hütte, Laden, Werkstatt, Stockwerk. Mhd. gailem, gaden, ahd. gadum, gadam u. «aus einem Raum bestehendes Haus (auch Saal bau einer Burg, daher in Ortsnamen wie Berchtesgaden, urspr. Berchfoldesgadeni), einzeln stehende geschloßne Käumlichkeit, geräumiges Ge- mach, Stockwerk», ins Nd. eindringend gadeni n. «Stockwerk» (Sachsenspiegel 3,66,3). Ein eig. hochdeutsches Wort, das bis ins 17. Jh. in der Schriftsprache lebte und noch in Süddeutschland und in Teilen Mitteldeutsch- lands geläufig ist, auch vereinzelt von Dichtem Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. noch gebraucht wird (Wieland Oberon 4, 15, in Rückert brahm. Erzähl. 257, Uhland, Scheifel). Dunklen ürspnings. ^Gaflfel, f. (PI. -n): große Gabel (s. d.) von Holz; (seemännisch) Segelstange, die mit gabelai'tigem Ausschnitte um den Mast liegt, besonders Besangaffel, an der die National- flagge aufgehißt ist. In der 1. Bed. bei Voß (Luise 1, 753), aus dem Nd. und mit Gabel identisch, aber schon 1691 bei Stieler Gafel f., noch jetzt luxemburg. gäfel, westfäl. gaffel. In der 2. Bedeutung bei Röding 1794. ^Gaffel, f. (PI. -n): Abgabe, Zins, Steuer, insbesondere Abzugsgeld; (am Niederrheiu) Gilde, Zunft, eig. Verein zu gleicher Abgabe. In der 1. Bed. 1775 bei Adelung (in einigen oberd. Gegenden), 1616 bei Henisch Gabelle, bei Kiechel Reisen 282 Gabell, clevisch 1477 gaffel, ndl. 1599 gabelle f.; dazu ags. gafol n., engl, gavel, und ins Romanische gedrungen mlat. gablum. gabalum n., ital. gabella, prov.- span. gabela f. «Abgabe, Steuer», franz. ga- belle f. «Salzsteuer». In der 2. Bed. 1575 bei Fischart Garg. 296, 1477 clevisch gaffel im Teuthonista, im 14. Jh. gaffel in den Köln. Chron. 1, 277, 8; 2, 56, 30 usw. gaffen, v. : offenen Mundes sehen. Md. (selten mhd.) gaffen, ahd. nur in geffida f. «Betrachtung»: dazu mnd.-mndl.-ndl. gapen, (entlehnt aus dem Nord.) engl, gajje, anord.- sch wed. gajfa, dän. gäbe, « den Mund aufsperren ». Das in neurer Zeit auch bildlich für «offen- stehen, gähnen» (bei J. Paul, Thümmel, Voß II. 14, 518) verwendete Wort trat durch die Sprache Mitteldeutschlands an die Stelle des gleichbed. und fast gleichklingenden, aber ganz verschiedenen mhd. kaffen,kapf'en,kaphe?i, ahd. chaphen,kapfen, caf'en eig. «umherschauen, Umschau halten» (daher bei Luther gaffen «anhaltend und eifrig, hoffnungsvoll blicken»); 1482 im Voc. theut. i8^ gaffen, kaffen «vmb- sehen» zeigt sich die Mischung der beiden Wörter. Amd. Jabh «schnappen» ist nicht ver- wandt, wohl aber zioplls m. «wer mit offnem Munde gafft». Das deutsche Woi't also aus gja-, ABL. Gaffer, m., bei Luther, nd. gaper, dagegen mhd. kapfcere, kapfer, md. kaffäre. gagAgen, v.: als Gans schi-eien (Schiller Xenien Nr. 83). Schon im 16. Jh. (Thomas Platter 24 B.), von dem Schrei der Gans gagag (bei B. Waldis 1, 50, 41), spätmhd. gdgäg. Vgl. mhd. gagen unter gackeln. Gagät, m. {-es, PI. -n): schwarzes stein- 39 611 Gage (xaleasse 612 festes Erdpech. Mhd. gagätes m. (Parzival 791, 15) ein Edelstein, aus gr.-lat. gagätes m, «Glanzkohle», benannt von Fluß und Stadt Gagas in Lykien. Grage, f. (spr. gäze, PI. -n): Gehalt, Be- soldung, Löhnung. 1616 bei Wallhausen. | Ki'iegsmanual «Löhnung», 1653 bei Lam^em- j berg 3, 180 (als gazie) verspottet. Entlehnt ! aus franz. gage, ital.gaggio m. Pfand, Gewähr- leistung, Sold, diese aus mlat. vadicum n. «Bürgschaft, Pfand», von got. ivadi, ahd. 7veti. wetti n. «Pfand» (s. Wette). gäh, gäliling, s. jäh. Crällliaffe, m. (-W, PI. -n): Maulaffe. 1718 bei Kirsch (Tähiiaffen feil haben. Dafür älternhd. Ginaffe, noch 1741 bei Frisch Gien- affe. Noch am Ende des 18. Jh. vs^ar Galmaffe bei den Bauern der sächs. Schweiz der Name des primitiven Leuchters zum Festhalten des Leuchtspans. gähnen, v.: den Mund aufsperren, be- sonders krampfhaft; (bildlich) weit und tief geöffnet sein. 1616 bei Henisch gähnen, 1664 bei Duez und 1711 bei Eädlein gehnen, 1691 bei Stieler gänen, 1722 bei Frey er (auch bei Gottsched und Herder 1, 9, 268) Jahnen, 1741 bei Frisch gienen, mhd. ginen, geinen, md. genen, ahd. ginen und ginon, auch geindn, einmal genen: dazu asächs. ginon, clevisch 1477 gheenen, ags. töglnan «klaffen», anord. gma «gähnen», gin n. «aufgesperrter Mund». Eine w-Erweiterung von dem gleichbed. ahd. gien, gijen, giwen, gewön, mhd. giwen, gewen, bayr. geuen, der Lautverschiebung gemäß ent- sprechend gr. xaiveiv, xöckciv, lat. Märe, M- scere, abg. zijati, zhu^ti «gähnen, klaffen», lit. ziöti «den Mund aufsperren». gähstotzig, adj. und adv.: senkrecht- abschüssig (Schiller Teil 4, l). Schweizerisch, 1556 bei Frisius und 1561 bei Maaler gäch- stotzig, zusammenges. aus gäch «jäh» und Schweiz, stotzig «wie senkrecht ansteigend» (bei Frisius und Maaler), «abschüssig», von Stotz m. «fast senkrechte Ansteigung oder Abschüssigkeit des Bodens oder Felsens» (1541 bei Frisius). Oala, f.: Hofpracht, -prunk (1706 bei Elisabeth Charlotte v. Orl. 2, 447, Galla 1727 bei Aler), Hoffest (Schiller Fiesko 2, 14); Hofkleid, Prachtanzug. Um 1700, wahr- scheinlich durch das spanische Hof zeremoniell am Wiener Hofe, entlehnt aus span, gala f. «Kleiderpracht» (1555 im Wbch. des Antonius Nebrissensis gala «elegantia vel lauticia vesti- um»), ital. gala f. «Staatskleid», afranz. gale f. «Ergetzlichkeit, Freudenfest», galer, auch ivaler «Feste feiern». ABL. Oalakleid, n. {-es, PI. -er), 1691 bei Abraham a S. Clara Judas 2, 57. Oaläu, m. {-s, PI. -e): Liebhaber, Buhle (Goethe Faust 2946). Um 1600 (Hoflmann Gesellschaftslieder 45 vom J. 1611) entlehnt aus span. galano m. «der Artige gegen ein Frauenzimmer» (1555 bei Antonius Nebrissensis galan «elegans»), abgeleitet von Gala (s. d.). Galander, m. {-s, PI. wie Sg.): die an- genehm singende Ringlerche der pyrenäischen Gebirge; Haubenlerche. Mhd, galander m., später auch f., mndl. calander, aus mlat. (ital.) calandra f., von gr. KaXovbpa f., KctXavbpoc m. eine Lerchenart. galant, adj. und adv.: fein, artig und gefällig, besonders gegen Frauenzimmer, der neuesten Mode entsprechend. 1663 bei Schup- pius 1, 471, Grimmeishausen Simpl. 157, aus fx'anz. galant, ital. -span. galante «artig», eig. «fein und geschmackvoll aufgeputzt». Von Gala (s. d.). ABL. Galanterie, f. (PI. -n): feine Höflichkeit; (im PI.) Putz, Schmuck - wai-e. Im 17. Jh. (bei Weise pol. Näscher 100, Galanter ey in beiden Bed. 1678 bei Krämer, Galanteri- Wahren 1693 im ital.-teutsch. Wb. 1081 *') aus gleichbed. franz. galanterie, ital. galanteria f. Davon Galanteriehändler m. 1765 bei Rondeau, dafür 1716 bei Ludwig Galanteriekrämer. Galanterieware, f., meist im PI.: Nippsache. 1678 bei Krämer. Galhan, m. [-s, PI. -e): das starkriechende Harz einer doldentragenden syrischen Pflanze. Bei Luther Galhan und Galhen, mhd. im 14. Jh. galban n., aus gleichbed. gr.-lat. gal- hanum n., gr. xa^ßavr) f., von hebr. chelhnä (syv.chalhä «Milch, Gvmimi»); s. Exodus 30, 34. Galeässe, f. (PI. -w): dreimastiges Riider- schiff' (1703 im Zeitungslex. Galeazze), aus gleichbed. franz. galeace, galeasse f., dafür im 16. Jh. (Fischart 3, 374 Kurz) Galeatzei. aus ital. galeazza. Galeere, f. (PI. -n): zwei- mastiges Ruderschiff" mit niedrigem Borde. 1612 bei Hulsius Schiff". 9, 22 Galere, aus gleichbed. ital. galeara, galera, span. und port. gale)-a, franz. galere f. Galeöne, Gallone, f.(Pl.-w): großes Ruderschiff, 1616 bei Henisch ; Galeon, Gallion, im 16. Jh. Gallion m. (Zinim. Chron. 3, 262, 10), aus gleichbed. ital. galeone, span. galeon, franz. galion m. Im Nd. Gallion n. «Schiffsschnabel» (schon 1594 bei Chyträus 1 Kap. 33). Galeöte, Galiöte, f. (PI. -n): 613 Galerie Galle 614 einmastiges leichtes Ruderscliiff, 1616 bei Henisch Galeotte, aus dem gleichbed. ital. fjaleotta, span. galeota, iräxxz.galiote f. Oaleot, Galiot, m. (-en, PI. -en): Galeerensklave, böser Schelm. 1616 bei Henisch Galiotte, mhdi.galidt m. «Schifter, Fährmann, Seeräuber», aus ital. galeotto, spau. galeote, franz. galiot m. «Galeerensklave, Schelm». Alle diese Wörter ' sind abgeleitet von ital.-altspan. galea, prov. galea, gale, galeya, afranz. galee, galie f. «Galeere», aus gleichbed. mgriech. ■foX.^a, •foXeia, mlat. galea und galeida f., woher auch mhd. galie, gale, galide, galeide, galme, galin f. ; «Galeei-e», bei Luther Jes. 33, 21 Galehe, '■ älternhd. und noch mundartlich Galee f. ; Wahrscheinlich von gr. KäX.ov u. «Holz», im Lakedämonischen auch «Schifl». Alle behan- delten Wörter sind ursprünglich im ItaKeni- schen heimisch. Galerie, früher auch Gallerie, f. (PI. -7i) : Gitter- oder Geländergang (1616 bei Henisch ; Galerei) ; im Festungs- und Belagerungswesen \ lange schmale verdeckte Gänge zu den Aaßen- werken (1616 bei Henisch und bei Wallhausen Kriegsmanual); Säulengang mit Wandge- ' mälden (bei Fischart Garg. 446) ; Gemäldesaal (1727 bei Aler); der obere oder oberste Zu- schauerraum im Theater (bei Lessing 18, 143 vom J. 1768). Aus gleichbed. franz. galerie, ital, galleria f., von mlat. galeria «bedeckter umschlossener Ort», im 9. Jh. in Italien wohl einfach «Holzbau» bedeutend und wahrschein- lich gleicher Abstammung wie Galeere (s. d.). Galgant, m. {-es, PI. -e) : Wiesenpflanze ' mit gewürzhafter Knollenwurzel, urspr. ost- 1 indische aromatische Wurzel. ^Ihd. galgan, i gaXgän, später auch galgant, ahd. galgan, galangan, galegan m., aus mlat. galanga, später- . gr. yaXd-ffa f., gebüdet nach gleichbed. arab.- pers. chalandschän. Galgen, m. {-s, PI. wie Sg.): Pfahl oben mit einem Querholze zum Hängen : drei oben zum Hängen mit Querhölzern verbundne ' Säulen. Schon im 14. Jh. (Diefenbach Gl. 416^) galgen, aber andrerseits bis ins 18. Jh. (bei Frisch) Galge, mhd, galge, ahd, galgo m, «Galgen, Kreuz Christi, Gestell über dem Ziehbrunnen»; dazu asächs. galgo m., mnd. galge m. f., mndl, galghe f., ndl. galg f., afries. galga m., ags. galga, gealga m., engl, gallow, anord. galgi m., schwed. galge m., dän. galge, got. galga. Wahrscheinlich verwandt mit lit, zalga f., arm. dzatk «Stange», welche ße- i deutung auch in anord. gelgja f. «vorliegt». ZUS. Galgenfrist, f. : kurzer Aufschub, der nichts nützt, eig. der dem Vemrteilten unterm Galgen gewährte. 1539 bei Alberus wider Witzeln B 3* bildlich. Galgenhumor, m. {-s): verzweifelter Humor, wie er dem Ver- urteilten unterm Galgen beikommt. Erst im 19. Jh, Galgen Schwengel, m, (s, PI, wie Sg.): gehenkter Bösewicht, galgenreifer Schelm, mhd. galgenswengel m., wie denn der Galgen bei den Gaunern die Feldglocke heißt (H. Sachs 14, 117 ein Schwengl in einer Feldtglocken). Galgenstrick, m. (-es, Pl.-e): Henkerstrick: (bildlich) für den Galgen reifer Schelm. In der 1. Bed. mhd. galgenstric m., in der 2. bei H. Sachs 1, 57. GalgenTOgel, m, (-S, PI, -Vögel): wie Galgenschwengel, 1542 bei Herold christenl. Ee Hh 4^, 1572 bei Fischart Pract. 11, Gal(l)imäthias,m, u. : verworrnes Gerede. Im 18. Jh. (^Lessing, Weiße, Wieland) aus franz. galiniatias (1664 bei Duez Dictionn. frani,-.- allem. -lat.). Unbekannter Herkunft. Daneben das ebenfalls unerklärte galimafree f, «Gericht von durcheinander gehackten Fleisch- stücken verschiedener Art, verwomie Erzäh- lung» (auch altengl. gallimawfrey «Gericht aus allerlei klein gehackten Speisen, Mischmasch»), Gall, m. (-es, PI. Gülle): Gesang, Stimmen- schall, Schrei. Älternhd., noch 1762 bei Gottsched Sprachk. 207, jetzt veraltet. Mhd, gal m. (Gen, galles), anord, göll, gjöll f, «durchdiingender Schall», zu ahd, -ags. galan, anord. gala «singen, Zauberworte sprechen», galinn «bezaubert», norw.-adän. galen, dän, gal «verrtickt». Vgl. Falk-Torp s. v. gal, s. a. gellen, Nachtigall. Gallapfel, m, (-s, PI, -äpfel): vom Stich der Gallwespe usw, verursachter Laubapfel der Eiche, Im 15. Jh. galöpfel (Diefenbach Gl, 641^), abgeleitet von lat. galla f. «Gall- apfel», Früher Eichapfel, 1400 aichapfel (Pflanzenglossar, Gieß. Hds. 134*), im 13. Jh. md. der PI. eichenepele (Sumerlaten 57, 15). S. auch Galle 2. ^ Galle, f. (PI. -n) : grüngelbe bittre Flüssig- keit, die sich von der Leber in eine Blase absondert: (als Sitz des Zornes aufgefaßt, daher schon mhd.) Zorn, Erbitterung, Ge- hässigkeit, Ärger, Neigung zum Zorn usw.; (biblisch 5. Mos. 32, 33, Hiob 20, 16) Gift und danach eine bitter schmeckende betäu- bende Giftpflanze (Hos, 10, 4, s. Erdgalle). In eig. Bed, mhd, galie, ahd, galla f.; dazu asächs. galla, ndl. gal f., ags. gealla m., engl. 39* 615 Galle Gamander 616 gall, anord. gall n., schwed. galle m., dän. galde. Wohl aus *galn- entstanden. Der Lautverschiebung gemäß entsprechen gi'. XoXri f. und xöAoc m. «Galle, Zorn», lat. fei n., abg. zluai «Galle» f. Eigentlich wohl «die gelbe». ABL. gälleu, v.: gallig, erbittert werden (Schiller 8, 276, 32), mhd. gellen «bitter machen, vergällen», dann «dem Fisch die Galle ausnehmen», gallis^, adj.: Galle habend (1691 bei Stieler, gallicht bei Ludwig 1716); bitter wie Galle (um 1480 im Voc. ine. teut. gl% dafür mhd. gellic); zum Zorn geneigt, zornig (Wieland 5, 16, bei Maaler 1561 gallig). ^ZUS. Oallsiicht, f.: Gallen- krankheit, Gelbsucht (1719 bei Kramer, spätmhd. gallensnht f.); bildlich) Neigung zu Zorn, Grimm, Erbittrung (1718 bei Kirsch). "Galle, f. (PI. -n): geschwulstartige Stelle, In: Floß- oder Flußgalle f. «Geschwulst über dem Knie an den Beinen des Pferdes», mhd, vlo^galle; Harzgalle f. «angesammeltes Harz zwischen den Jahrwüchsen im Nadel- holze»; Steingalle f. «hühneraugenartige Stelle am Fuße des Pferdes». Spätmhd. galle f. «Floßgalle», dazu ndl. gal f., engl, gall «Ge- schwulst, Schramme, Gallapfel», Nebst franz, gale f. «Krätze», ital. galla, span. agalla f. «Geschwulst, Beule (am Pferdefuß), Gall- apfel», aus lat, galla f. «Gallapfel» (s. d.). Im Yolksmunde übertragen auf ähnliche Fehler an Naturdingen: Galle f. «unfnicht- barer, zu trockner oder zu nasser Fleck auf Acker und Wiese» (auch Erd-. Acker-, Brand-, Sand-, Wassergalle); Wassergallei. «ein Stück Regenbogen» (bei Lohenstein, auch Wetter-, Regengalle); Windgalle f. «auffallend helle Stelle am Wolkenhimmel, Wind anzeigend», Gallerie, s. Galerie. Gallerte, f. (PI. -n) und Gallert, n. {-es, PI. e): zu einer durchsichtigen schlei- migen Masse eingedickter oder geronnener Saft von tierischen oder PflanzenstofFen, Gelee. 1691 bei Stieler Gallerte, 1734 bei Steinbach Gallert, 1741 bei Frisch Galert f., 1727 bei Aler Gallert n. (auch bei Voß Idyll. 13, 137), 1678 bei Krämer Gallarte f., 1562 bei Mathe- sius Sarepta 47^ Galhart f., bei Luther Gal- rede f., mhd. galreide f. (mit den spätem Nebenformen galrede. galrat. galhart, galhert) und gekürzt galrei f. (daher älternhd. Galrey, Gallrey und noch bei Stieler Gallerey). Viel- leicht eine Ableitung von lat. geläre «ge- frieren, gefrieren machen», zu lat. gelu n. «Eis», vgl. Gelee, Gelatine. Gallone, f. (PI. -n): ein Hohlmaß. 1741 bei Hübner. Aus gleichbed. engl, gallon. Galniei, m, (-es, PI. -e): Kieselzinkspat. 1616 bei Henisch Gnlmey f., 1474 galmey m. (Mone Ztschr. 1, 44), aber 1546 bei G. Agri- cola Calmei, 1482 im Voc. theut. p 8^ kalmei, md. um 1329 cahnei (Böhmer Urkbch. v. Frankfurt a. M. 505), mhd. kalemine f., aus gleichbed. span.-port. calamina, franz. cala- iiiine f., umgebildet aus gr,-lat. cadm/a, c/td- niia, gr, Kabjaeia, Kobiuia (daher bei Henisch Gadmey, «vngeschmeltzt Ertz, Cobald»), Galöne, f. (PI. -n), auch Galon, m. (-s, PI. -s): Randschnur, I3orte, Tresse. 1678 bei Krämer Galone, 1694 bei Nehring Galann, 1595 Gallone f, (bei Breuning v. Buchen- buch 82). Aus gleichbed. ital. galone, gallone, franz.-span. galon m., abgeleitet von ital.-span, gala (s. Gala). Davon galoniereu, v.: mit Borten besetzen, verbrämen. Im 18. Jh. (Zachariä Ren. 130) aus ital. gallonare, franz. galonner. Galopp, m. (-es, PI. -e): Sprunglauf des Reittiers; rascher, dem Sprunglauf ähnlicher Tanz (auch Galoppade f., im J. 1824 auf- gekommen, R. Voß Tanz 340). 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 8 Galop, 77 Galopp, aus franz. galop, ital. galoppo m,, aber schon mhd. (neben galopei^ m.) walap m. aus nordfranz. walop; dazu engl, wallop. Galoppade f. aus h:fm.z.galopade, ital. galoppata f. «Ritt im Galopp».. 1727 bei Hübner. Dazu galoppieren, v. : sich in raschen taktmäßigen Sprüngen fortbewegen, 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 11 galoppieren, schon mhd. galopieren , kalopieren (daneben walo- pieren, walapieren), aus gleichbed, franz, galoper, ital. galoppare, prov, galaupar. Galosche, daneben auch KaloSChe (in Bayern und »Österreich) f. (PI. -n): Überschuh. Aus gleichbed. ital, galoscia, franz. galoche, span, galoclm f.; 1517 bei Trochus MB» calotzchen, im 15. Jh. der PI. cloczen («fuß- solchin, (jui induuntur in hyeme» Diefenbach Gl, 156^), wahrscheinlich schon 1292 in dem Namen Heinrich genant Kaloze (Baur Arnsb. Urk. S. 168, 243). galst(e)rig, adj.: faulschmeckend, ranzig. Nd. 1755 bei Richey, Zu ndrrhein. gol «ver- dorben, ranzig, sauer geworden», neben gleich- bed, ndl. goor (vgl. garstig). galt, s. gelt. Gamander, m. {-s, PI. wie Sg.), Name der Pflanzen Teucrium chamaedrys und 617 Oamasche Oans 618 Veronica chamaedrys. 1482 im Voc. theut. k 1 ^ gamander, mhd. gamandre f., nmd. gam- mandere. Aus ital. calamandrea f. «Vergiß- meinnicht», fi-anz. germandree f. (woraus engl. gennander), span. camedrio m., von gr.-lat, chamaedrys, gr. xcMai^puc. I Gamasche,!, bayr.-östr.auchKamasche, | (PI. -n): Uberstrumpf mit Knöpfen. Bei i Goethe 30, 140 1. H. {Camasche (Weimar 33, ' 138 Gamasche ohne Variante). 1714 bei | Wächtler gamachen «Überziehstrümpfe der j Soldaten», aus franz. gamache f. «Beinbeklei- 1 düng», das über prov. garamacha, galamarha, ! aus span, guaclamarci «Leder von Gadames» (Stadt in Tripolis) stammt. Gambe, f. (PI. -n): Kniegeige (mit den Knien gehaltene Geige). Im 18. Jh. aus ital, viöla dl gamha (viola f. «Altgeige», gamha f. ' 1474 am NiedeiThein garde (die Ijurgundische Tnippe im Heere Karls d('S Kühnen, Wier- straat S. 9 Groote), dami zu Ende des 15. Jh. in Süddeutschland gard f. (Liliencron 2, 419), ' im 16. Jb. durch Einfluß der Heere Karls V. guardi f. (bei H. Sachs Pastn. 44, isl quarti, , hei RoUenhagen Froschm. 2, 3, 7 gwardi). Aus franz. garde, ital.-span. guardia f. «Wache, Hut/>, von ahd. warfa f. «Wache» (s. Warte). Garderobe, f. (PI. -n): Kleiderkammer, -schrank, -von-at; zugleich Bedieutenzimmer (bei Hübner 1712, Schiller Kabale 5, 6j, da- nach Dienerschaft (eb. 4, 9). Im 16. Jh. gardenrobhe m. «Gemach für Silbergeschirr» (Zimm. Chron.- 3, 161, 29). Aus franz. garde- robe f. «Kleiderkammer», zusammenges. aus dem Imp. garde «bewahi'el» und robe, ital. roba, prov. raiiha f. «Kleid, Geräte», mlat. rauba f. «Kriegsbeute, Raub», von ahd. rouba m. «Raub, Beute, Rüstung. Kleid», asächs. girUbi n. «Kleidung». Gardiau, m. (-s, PI. -e): Vorsteher eines Bai-füßerklosters. Mhd, gardiän m., aus ital. guardiano m., eig. «Hüter», von guardia f. (s. Garde). Gardine, f. (^Pl. -n): Bett-, Fenstervor- hang, 1598 bei Hutter Lexic. harmonicum 668 Gardine faber 1716 bei Ludwig noch Gordine), 1477 clevisch im Teuthonista und 1495 in der Kölner Gemma F 2<^ gardyn, nach mndl. gordyne f. aus ital.-span.-mlat. ( um 600) cortina f. «Vorhang», zu lat, cartrna f. «Run- dung, Kreis, Vorhang». ZUS. Gardinen- predigt, f. (PI. -eii): Straü-ede der (Gattin hinter der Bettgardine, 1796 bei J. Paul Siebenkäs 3, 22, 1791 bei Roth; vgl. dem Mann die Gardinen oder ümbhangs Messen lesen 1693 Zincgref Apophthegmata 4, 141. Gardist, m. (-en, PI, -en): Soldat der Garde (s. d.i. 1791 bei Roth. Gare, f., s. gar und gäi-en. gären, v. (Prät. gor, Konj, g&re, Paa-t, gegoren, in bildhcher Bed, schwachflektiert Prät. gärte, Part, gegärt): innerlich bewegt zur Zersetzung schäumend aufbrausen. 1678 bei Krämer gähren, 1718 bei Kirsch gehen, 1722 bei Frey er geren (aber noch bei Günther 542 Part, gejohren), 1482 im Voc. theut. 1 8'' geren oder je)-en, mhd. jesen ( mit g statt j nur in den Formen mit i, 3. Pers. Präs. gist und girt, aber md. bereits im 14. Jh. bei Megenberg 8, 30 die 3 PI. Präs. gereut; ferner Prät. jas, PI. jären, Pai-t. gejesen, das r drang aus dem Prät. ins Präs., in den Inf. jern und ins Part., im 15. Jh. gejeren), ahd. jesan. Durch Anlehnung an gar (s. d.) hat sich y in allen Formen durchgesetzt. Die starken älternlid. Formen des Sg. Präs. gier, gierst, yiert, die noch im 16. Jh. geläufig sind und teilweis noch 1691 von Stieler (gierst, giert), 1716 von Ludwig (gieret) verzeichnet werden, sind seit dem 16. Jh. diu-ch die zum schwach- biegenden Faktitiv ahd.jerjan, gerjan «gären machen» gehörigen Formen gäre, gärst, gärt verdrängt worden. Ahd. jesan entspricht 623 Gargel Garten 624 genau aind. jäsati, jäsjati «wird heiß, siedet», aw. jah- «sieden», gr. Z^eiv (aus *z:^ceiv, vgl. lecTÖc) «sieden», kyim: iäs «fervor, ebullitio». S. gäschen, gischen, Gäscht, Gischt. ABL. Oäre, auch Gare, f.: Gärung, der gehörige Grad der Gärung, im Gebiet des Backens und Brauens frühzeitig mit Gare (s. d.) vermengt. 1678 bei Krämer Gähre, Gehre, 1598 bei Colerus 2, H 1« Gehr, Gahre (des Mostes), md. im 13. Jh. gcere f. (in uhergcere). Gargel, f. (PI. -»)= ^^^i ^^^ Böttchern Rinne in den Dauben zum Einsetzen des Bodens, Kimme. Rheinisch, schon im 13. Jh. gargele f.; daneben mhd. gargole f. «Rinne mit Mundstück», aus franz. gargouille, span. gargola f. «Traufröhre, Wasserspeier der Dachtraufe». Herkunft unsicher. Garkoch, Garküche, s. gar. ^Garn, n. [-es, PI. -e): gesponnener Faden: Gestrick, Netz zum Fange (daher die RA. ins Garn gehen aus der Jägersprache). Mhd. garn, ahd. garii. Icarn n.; dazu mnd. <26 ver- breitet. Bei Helmont als Neutr., am Mittel- i-hein als Fem., in Obersachsen als Mask. gebraucht, mit langem Vokal, aber in Nord- deutschland im Nom. Sg. meist kuiv, aus- gesprochen (daher im Plur. bei Inimermann Münchh. B. 6, Kap. 10 Gasse), während die Bühne Gas fordert. gäschen, v.: aufbrausen, schäumen. 1691 Weigaad, Deutsches VVorteibuch. 5. Aod. bei Stieler das Subst. Geschling, 1741 bei Frisch gäschen (aber 1734 bei Steinbach jeschen, Prät. josch, Part, gejoschen), fränkisch im 14. Jh. gesehen (Buch v. guter Speise 6, 14), zu mhd. jesen, ahd jesan «gären» (s. d.). Vgl. gischen. Davon Gäscht, m. (-es): Gärschaum, Schaum. Bei Lohenstein in Hoffmannswaldaus usw. Ged. 6, 14 Gäscht, 1562 bei Mathesius Sar. 152^ Gescht (neben Gesch 212^), aber bei Lohenstein Kos. 88 und Günther 496 .Jäschf, 1711 bei Rädlein .Jescht oder Gast, im 15. u. 16. Jh. gest (Diefenbach Gloss. 548*^), mhd. jest m.; dazu ndl. bei Kilian 1599 ghest, ghist m. Vgl. Gischt. Gasel, n. {-[e]s,. PI. -e) und Gasele f. (PI. -n): Name einer bei den Persera sehr beliebten Form lyrischen Gedichte. Aus ai*ab. ghazal «Liebeslied». Durch Platen, Rückert u. a. eingeführt. gassäten gehen: müßiggängerisch auf der Gasse umherschwärmen, besonders des Nachts, Im 16. Jh. (1574 bei Höniger Narrensch. 99*), aus dem gleichbed. studentischen gassatim gehen (bei Grimmeishausen Simpl. 348), dessen gassatim halblateinisches Adv.: daüiv gassatum gehn (bei Fischart Garg. 271. norb 1703 bei Weismann). Gasse, f. (PI. -»): zwischendm-chgehender Weg, enge Straße (von letzterm Worte, das ui'spr. die breite Land- und Heerstraße be- zeichnet, in neurer Zeit m Norddeutschland mehr und mehr verdrängt). Mhd. ga^^e (stark- und schwachbiegend), ahd. ga^^a, gaza f.; dazu mnd. gate, (entlehnt) engl, gate «Tor, Weg», anord. gata f. «Pfad, schmaler Gang, Gasse», schwed. gata, dän. gade, got. gatwö f. «Gasse». Vielleicht gleichen Stammes wie ältermd. gat, gaz, asächs.-mnd.-ndl. gat n. «Öflnung, Lücke, Loch, Höhle», ags. geat n. «Tür, Tor», anord. gat n. «Höhle», dän. gat «Loch» (da- her Kattegat «Katzenloch») oder mit Falk- Torp aus Präfix ga- und *teivöH «Reihe», das zu nhd. Zeche gehöil; Giomdbedeutung wäre dann «das Gereihte». .2775'. GaSSen- hauer, m. (s, PI. wieSg,): gemeines Gassen- lied. Im 16. Jh. Gassenhauicer , zunächst s. v. a. Gassenläufer (1586 bei Mathesius Syrach 1, 52*), von älternhd. und bayr. hauen «laufen», dann Tanz auf der Gasse mit der Tanzweise (1536), endlich 1517 bei Aventin 1,542, 12 gassenhawer die nuin auf der lauten schlecht, 1556 bei Fiisius ein gemein vnd Schlacht gassenlied, ein gassenhauwer, im 17. und 18. Jh. auch ohne tadelnden Nebensinn 4U 627 Oast Oatte 628 s. V. a. Volkslied (s. d.). Gassenjunge, m. (-n, PI. -n), 1728 bei Stoppe Ged. 1, 71. Gast, m. (-es, PI. Gäste): besuchender, beherbergter, beköstigter Fremder ; auf frem- der Bühne auftretender Schauspieler (im 19. Jh.); überhaupt Mann, Gesell (1589 bei Rhau geistl. Gesangb. Von'.). Mhd. (/asf «Fremdling, landfahrender Krieger, Held, auch bewirteter Fremder», ahd. gast «Fremd- ling»; dazu asächs.-ndl. gast, ags. gcest, gast, gest, gist, giest «Fremder, Feind, Gast», (aus dem Nordischen) engl, guest, anord. gestr, schwed. gast, dän. gjest «Gast», got. gasts m. «Fremder», der Lautverschiebung gemäß stimmend mit lat. hostis «Femd» urspriing- lich «Fremder», vgl. hospes aus *hosti-pes «Gastfreund», abg. gostl «Gast, Genosse, Freund». ABL. Gasterei, f. (PI. -e/i): Gast- mahl. Im 16. Jh. (H. Sachs Fastn. 16, 253, Scheidt Grob. 3164), bei Luther mit Umlaut Gesterey. gastieren, v.: zu Gaste haben, bewirten (bei Goethe, 1691 bei Stieler, dafüi- bereits im 16, Jh. gasten, das im 18. Jh. bei Bürger auch in der Bed. «zu Gaste sein» erscheint); von Schauspielern, als Gast auf- treten, Gastrollen geben (Anfang des 19. Jh.). gastlich, adj. und adv., mhd. gast-, gest-, gastlich, ahd. durch ungastlichi f. «Ungast- lichkeit» bezeugt, ags. gastlic: im 17. und 18. Jh. nicht mehr gebraucht, kam das Wort in den letzten Jahrzehnten des 18. Jh. durch Voßens Homerübersetzung wieder in Umlauf. Gastung, f. (PI. -en): BeAvii'tung, Gasterei, mhd. gastunge f. ZUS. gastfrei, adj. und adv.: freigebig gegen Gäste, bei Luther. Gastfreund, m. {-es, PI. -e), 1561 bei Maaler als Übersetzung des lat. hospes, dafür 1537 bei Schaidenreißer Odyss. 75^ ain gast vnd freund; das Wort fand aber keine Aufnahme, erst durch Voßens Odyssee-Übersetzung 1781 hat es Verbreitung gewonnen; davon Gast- freundscliaft, f., 1616 bei Henisch. Gast- geber, m. (-S, PI. wie Sg.): Gastwirt (mhd. gastgeher neben gastgehe m.); der ein Gast- mahl gibt (1711 bei Rädlein). Gasthalter, m. (-S, PI. wie Sg.): Gastwirt (14B3 bei Diefenbach-Wülcker gasthelder, um 1480 im Vocab. praedicant. 12^ gasthalter); der eine Gasterei gibt (1718 bei Kirsch). GasthauS, n, i-hauses, PI. häuser), ahd.-mhd.-)nnd. gast- hüs; dazu ags. gasthüs n., engl, guest-house, anord. gestahüs n., aber ndl. gasthuis n. «Spital». Gasthof, m.: vornehmeres Gasthaus, 1420 bei Diefenbach-Wülcker; dazu ags. gasthof m. Gastmahl, n. (-s, PI. -niähler), 1561 bei Maaler. Gastrecht, n.: Recht der Gast- freundschaft. 1616 bei Henisch. Gastwirt, m. (-es, PI. -e), 1635 bei Heydenreich Leipz. Cron. 351. Davon Gastwirtschaft, f.: Wirts- haus. Erst im 19. Jh. gastrisch, adj.: den Unterleib, Magen betreffend. Ende des 18. Jh., von gr. YOCTtip f. «Unterleib, Magen». Gastronom, m. (-s, PI. -en): Feinschmecker, Kenner der Koch- und Tafelkunst. Bildung der neusten Zeit. Aus gr. Yöcrrip (s. gast- risch) und -vojnoc von v^jueiv «zuteilen». Dazu Gastronomie, f., aus gr. Yacxpovoiaia f. «Vorschrift zur Pflege des Bauches». gäten, s. jäten. gütlich, auch gättlich, adj. u. adv.: sich wohlfügend, passend, schicklich, gleichmäßig, nach Faßlichkeit und Bequemlichkeit groß, mittelgroß. Md. auch bei Goethe 30, 114. Früher auch oberd., mit den Nebenformen gättlich, gettlich (Mumer Gäuchmatt 5285), göttlich, götleich (Nürnb. Pol.-Ordn. 153 aus dem 14. Jh.) und gattlich (Frankf. Ref. 6, 4, 5, auch bei Goethe Wilh. Meist. Wanderj. 2, 5); nd. gädlik, ndl. bei Kilian gadelick, 1477 clev. gheäelyk. Gleicher Abstanmuing wie Gatte (s. d.). Gatt, n.: Loch, s. Gasse. Gatte, m. {-n, PI. -n): der ehelich Ver- bundene (1652 bei Rist himml. Lieder 3, 161). Der Bedeutung nach eine Spezialisierung (genauer die Ehegatten Garg. 93) aus mhd. gate neben gegate m. «der Gleiche, Genosse», selten «der zui* Zeugung Verbrmdene»; dazu asächs. gigado m. «Seinesgleichen», mnä. gegade, ags. gegada m. «Genosse», ui'spr. schAvache Form zum Adj. ahd.gegat «verbunden, gleich, wozu passend». ^BL. gatten, v.: zusammen verbinden (trans. und refl. bei S. Franck Para- doxa 158 und moriae encom. 15^); sich paaren (Fastnachtsp. des 15. Jh. 1160); Wai-en sor- tieren (1691 bei Stieler). Ahd. gaton (in hegaton «erj-eicheu, wofür sorgen»), mhd. gaten intr. «zusammenkommen», tr. «Gleiches zu Gleichem gesellen, vereinigen». Gattin, f. (PI. -nen): die ehelich Verbundene. Erst im 18. Jh. bei Günther 661. Gattung, f. (PI. -en): das durch Verwandtschaft Zusam- meugehöiüge. Erscheint y.uerst im 15. Jh. (Nürnb. Pol.-Ordn. 222, Nicl. v. Wyle 282), bei Luther Matth. 13, 47; die älteste Be- deutung ist «zueinander passendes Paar» (Fastnachtsp. 517, 26), später bedeutet das 629 Gatter gaukeln 630 Wort auch s. v. a. Gatte] im 16. u. 17. Jh. und noch Schweiz, wird es wie «Art und Weise» gebraucht. Gratter, n. (-s, PI. wie Sg.): verschi-änkte Stäbeverbindung als Tor, Schranke oder Zaun. In den Wörterbüchern des 17. und im Anfang des 18. Jh., sowie noch alem. und bei Goethe 34, 1, 266 Mask., mhd. guter m. n., im 15. Jh. auch Fem. (schwachbie- gend), ahd. gataro m. Da das Wort ahd. mit valvae «Türflügel» glossiert wird, und sonst nicht in den germanischen Sprachen vorkommt, so könnte es mit Kluge eine Zusammensetzung aus ga- «ge» und tor sein. ABL. gatteru, v.: mit gatterähnlichem Muster versehen (mhä. gatern): durchs Gatter spähend belauera, gieiüg blicken (1691 bei Stieler). Gattung, s. Gatte. gatzen,- gätzen, v.; gackern, schreien wie ein Huhn nach dem Eierlegen (König vom Odenwald und Fastnachtsp. des 15. Jh. 259, 22). Aus gleichbed. mhd. gagzen, wie mhd. blitzen aus hliczen; im 15. Jh. schwäb. (Diefenbach Gl. 161^) und noch 1703 bei Weismann 141*'' gatzgen. Vgl. gacksen. Gau, m. (-es, PI. -e): abgegrenztes Land- gebiet, Landesabteilung. Aus md. gouwe, gou, mhd. göuwe, göu, ahd. gawi, gewi, gowi n. ; dazu afries. gä. gö, ags. an Namen -ge, ebenso and. -gö, got. gawi n. (Gen. gaujis)., Ahd. auch das Fem. gaiva, gowa und gawia, goivia, mnd. gö f., nd. gohe f. Herkunft unsicher. Vgl. Feist Btr. 15, 54 f. (aus *ga-wih, wih zu lat. vicus m. «Dorf»), Schrader Idg. Forsch. Anz. 9, 172 (aus *ga-atvia zu gr. oTri «Dorf»), ühlenbeck Btr. 30, 282. Der Plur. bisweilen Gauen (Schubart 2, 328, Goethe 2, 33; 34, 1, 3), bereits 1663 bei Schottel 462% und zwar als Plur. des Fem. Gau. Das Mask. zuerst im 17. Jh. (1612 bei Lehmann Speyr. Chron. 4, 9), wie es scheint in Gelehrtenkreisen nach dem Genus von lat. pagiis {dei' Pagus oder Gaw ebd.). Das veraltende Wort wurde im letzten V^iertel des 18. Jahrh. wieder aufgefrischt, während sich in oberd. Mundarten das Neutr. Gäu in den Bedd. «Land im Gegensatz zur Stadt, flaches Land im Gegensatz zum Ge- bii'ge» erhalten hat. Gauch, m. {-es, PI. -e und Gäuche): einfältiger, dummer Mensch, Narr, Schelm. Mhd. gouch, ahd. gouh m. «Kuckuck, Tor, Narr»; dazu ags. geac, (aus dem Nordischen) uordengl. gaick, anord. gaukr, schwed. gök, däu. gjög, norweg. gauk m. «Kuckuck». Ur- sprung nicht ganz klar. Wahrscheinlich zu anord. ^e«/ja «spotten, ausschelten», ami.hovati «nift», abg. züvati «rufen». Gauchheil, n. {-s. PI. -e): die Pflanze anagallis. 1432 göchail (Petters Vocabular 292 a), als Fem. 1540 bei Alberus Dict. GC2b ghocheyl, gaucheyl. Der Name daher, daß man dem Kraut Kraft beilegte, den Wahn- und Blödsinn (vgl. Gauch) zu heilen (Grimm Gesch. d. deutsch. Spr. 204), auch sein Saft als Mittel diente, den Biß eines tollen Hundes unschädlich zu machen (Loniceinis 204% vgl. Schiller z. mecklenb. Kräuterb. 2, 30*). Oft vermengt mit dem Namen der Schafgarbe • gachheü «schnellheilendes Wundkraiit» (im 14. Jahrh. Mone Anz. 4, 247). Gaudleh, m. {-es, PI. -e): listiger, ver- schlagner Dieb; pfiffiger, verschlagner und gewandter Schelm. Im 17. Jh. (1657 bei Schuppius Freund in der Not 92) aufge- nommen aus gleichbed. nd. gaudef, ndl. gauw- dief m., zusammenges. mit nd. gau, ndl. gauw «geschwind, gewandt», 1691 bei Stieler und 1716 bei Ludwig gau «schnell auf etwas». Das Wort gehört wohl zu jäh (s. d.). gau(lieren,verb.(refl.)sich freuen; (trans. ) erfreuen. 1617 im teutschen Michel 21, aus lat. gaudere «sich freuen». — Gaudiuni, n. {-s): große Freude. Gegen Ende des 18. Jh. allgemeiner geworden (Schiller Räuber 1, 2, Kabale 5, 5), aus gleichbed. lat. gaudium n., bayr.-österr. Gaudi, f. nach Freude. gaukeln, verb.: Zauberei, trügerisches Blendwerk treiben; sich närrisch, possenhaft, oder leicht, schnell und spielend hin- und herbewegen. Mhd. goukeln, gougeln, ahd. gougelan und goukelön, gougolön, mit Umlaut md. gaukeln, bei Luther geuckeln neben gauckeln, im lö.Jh.getvkeln (Diefenb.Gl.48*): dazu mnd. gökelen, gökelen, mndl. gökelen. Abgeleitet von ahd. goucal, coukel, mhd. goukel, gougel n. «Zauberei, Taschenspielerei, nämsches Treiben», nhd. Gaukel m. (Adelung), selten f. (Steinbach 1, 563), (aus dem Ndd. entlehnt), schwed. gyckel, dän. gjögl. Dazu gibt es ab- lautende Formen mhd. giege und giegel m. «Narr, Betörter», gogel m. «ausgelassner Scherz, Possen», gogelen «sich ausgelassen gebärden», ndl. guig f. «Spottmaul», giegelen «lachen», so daß das Woi-t alt sein wird. Wahrschein- lich zu derselben Wurzel wie Gauch (s. d.). ABL. Gaukelei, f., bei Luther Gauckeley, Geurkeley, Geugeley, dazu mnd. yochelie, umdl. 40* 631 Gaul Gaze 632 gokeUe f. Gaukler, m. {-s, PI. wie Sing.): Taschenspieler, Jahrraarktskünstler; mhd. goukelcere, goiigelcere, ahd. coucaläri, gouguläri, mit Umlaut bei Luther geuckler, geugler; dazu mnd. gokeler, mndl. gokelere, entlehnt anord. kuklari m.; im 15. Jh. rhein. jaiikeler, jeukeler (Diefenb. Gl. 307 <=) und nä. jokeler mit dem sachlich übereinstimmenden mlat. joculärius, joculäris, joadätor in Berührung gebracht. Davon Gaukleriu, f., 1541 bei Prisius 525^ gaucklerin, im 15. Jh. geuklerin (Diefenb. Gl. BOl^), und gauklerisch, adj., 1541 bei Prisius 162^ gaiigglensch, gaucklerisch r,51^. ZUS. Gaukelbild, n.: trügerisches Bild, mhd. goukelhilde n. gaukelhaft, adj., 1775 bei Adelung. Gaukelspiel, n., mhd. goukel-, gougelspil n. Gaul, m. (-es, PI. Gäule, unüblich Gaule Lichtwer Pab. 1, 5, Rückert 1, 22): geringes Pferd, aber auch stattUches Roß (Luther Jerem. 8, 16, Goethe 8, 102, Voß II. 4, 500). Prühmhd. gül m. «Ungetüm» (vom Teufel, güle von einem Götzen, urgM von einem Ebei-), seit dem 14. Jh. verächtUch vom Pferde gebraucht (Liedersaal 3, 619, 14, im PI. giule), daneben schon mnd. gfd, güle m. vom starken Streitroß, 1429 im Lib. ord. rer. 14 '^ gaid «Beschälhengst». Dazu ndl. guil f. «Stute», die noch nicht geworfen hat, im 17. Jh. ghuyl «alter Hengst», 1599 bei KiUan guyle «Pferd»; in schwed. Mundarten gule, knie m. «altes Pferd», gula, kula f. «alte Stute, Mähre». Die Etymologie ist ganz unsicher. Von Charpentier KZ. 40, 441 zu aind. ghötas «Pferd» aus *ghöltas gestellt. Vgl. noch Wood Btr. 24, 528. Gaumen, m. (-5, PI. wie Sg.): die als Geschmacksorgan geltende obere Wölbung im Munde. Die Nebenform Gaiim {-es, PI. -e, -en), noch bei Goethe, Schiller, Bürger usw., ist auf die Dichter- und Volkssprache be- schränkt. Mhd. goume, goum neben guome, guoni, md. göme, göm und gfime (letztres noch bei Luther Hiob 29, 10), ahd. goumo neben giiomo und giumo m.; dazu mnd. gume, ags. göma (engl, gums «Zahnfleisch»), anord. gömi und gömr, schwed. gom m., dän. gumme «Gaumen». Verwandt lit. gömurJs m. «Gaumen», lett. gämurs «Luftröhre». Vom gleichen Stamme auch wohl lat. faux f. «Schlund, Kehle», gr. xaOvoc «auseinander- klaffend». Aus der schwachen Deklination tritt schon das gekürzte mhd. gotim und giiom in die starke über, bei Ickelsamer 12 findet sich der Gen. gumens. ABL. gäumelu, V.: lüstern sein wonach (1754 bei Rost schöne Nacht 2). Vgl. kämt, gaimen oder gämen (d.i. gäumen, gaiimen) «lüstern sein», 1808 bei Campe Gaunielei f. «Lüsternheit, Leckerei». Gauner, m. (-s, PI. wie Sing.): listiger Betrüger. 1753 bei Lessing d. junge Ge- lehrte 1, 6 Gauner, bei Frisch aus einer Biberacher Pürschordnung von 1722 Jauner (noch bei Schüler 1, 209), rotwelsch im 15. und 16. Jh. und noch heute ^o^erm. «Spieler, im Land umherstreichender Falschspieler» (Weimar. Jahrbuch 4, 98, auch bei Fischart Großm. 50, Philander v. Sittewald 2, 634), von rotwelsch jo?iew «spielen» (im 15. Jh. und noch heute), 1494 bei Seb. Brant Narrensch. 63, 46 junen, aus hebräisch jänä (bei den Juden jo»o gesprochen) «Gewalttätigkeit üben, übervorteilen, betrügen, überlisten», ABL. Gaunerei, f., gaunerisch, adj., gaunern, verb., sämtlich 1803 bei Jagemann, 1787 bei Kramer Jaunerey, jaunerisch, jaunern. Gaupe, f. (PI. -n): Giebel Vorbau mit Öffnung, aber auch Dachöffnung mit vor- springender besondrer Bedachung und be- weglichem Verschlusse, Dacherker. In Franken, Oberhessen, am Mittelrhein, im 15. Jh. gupe f. Nach der Nebenform Gauke f. zu schließen, wohl s. V. a. Ausguck, von gauken «aus- spähen, gucken», 15. Jh., Liliencron 1, 432*), ohers'ächs. gäken «gaffen», hess. geipen «gaffen», engl.-schott. goup, gouk «spähend oder starr blicken». ganzen, verb.: bellen; bellend reden; scheltend anfahren. In der Schweiz, am Rhein und im westl. Mitteldeutschland. 1540 bei Alberus Dict. Q H gautzen, im 15. Jh. kautzen (Diefenb. Gl. 70^). Zusammenhangend mit ags. i^eafff. «Torheit, Leichtsinn», anord. geyja (Prät. gö) «bellen, ausschelten», gauäi. «das Bellen», dän. gjö «bellen, schelten». Weiter sind vielleicht stammverwandt aind. hävati «naft», abg. znvati «rufen». Gavotte, f. (PI. -n): eine Art Tanz; Musikstück. Über gleichbed. franz. gavotte aus provenz. gavoto. 1791 bei Rotb. Gaze, f. (spi-ich Gase, PI. -»): Flortuch, Schleiertuch. 1649 bei Spee Tmtzn. B. 113 Silbergaß, 1715 bei Amaranthes Gaze oder Gage (spr. Gasche), bei Wieland Klelia 1, 85 Gase f. Aus gleichbed. franz. gaze, span. gasa f., benannt nach der Philistäerstadt Gaza in Palästina, woher das durchsichtige Gewebe bezogen wurde. 633 Gazelle Gebarsch 634 Gazelle, f. (PI. -n): Hh-schziege, eine Art Antilope. Im 18. Jh. (1727 bei Hübner Gazella) aufgenommen aus gleiebbed. franz. (jazelle, span. gazela f., das dem gleichbed. arab. ghazäl entstammt. ge-j unbetonte, untrennbare Vorsatzpaiükel in Zusammensetzungen, urspränglich zur Be- zeichnmig des Zusammenseins, des Zusammen- gehörigen, vor Subst. auch das Ergebnis des im zugehörigen Verb ausgedriickten Vor- ganges, vor Adj. das Zueigensein dessen, was das zugehörige Subst oder Verb ausdriickt, vor Verben das Geraten in einen Zustand oder den Abschluß eines Vorganges, die Dauer und Vergangenheit (bes. im Part. Prät.) bezeichnend, endlich aber oft nur den Begi'iff des einfachen Wortes verstärkend. Mit Vor- silbe (je- und Suffix -jo, das Umlaut bewirkte, wurden seit alter Zeit neutrale Kollektive gebildet, vgl. viele der folgenden Artikel. Mhd. ge-, ahd. gi-, ga-; dazu asächs.gi-, mnd, ge-, mndl. ghe-, afries, ge-. gi-, ie-, ags. ge-, gi-, anord. nur spurweise g-, schwed.-dän. ge-, got. ga-. Gewöhnlich wird lat. co-, con-, aun- «mit, zusammen» als verwandt angesehen. Die Sinnesübereinstimmung ist in der Tat vollkommen, aber die Lautverschiebung stimmt nicht. In manchen Wörtern erscheint ge- vor Vokalen oder l, n, r zu bloßem g- ge- kürzt (Ganerhe, gönnen. Gunst, Glaube, gleich, Glück, Gnade, grob usw.). In nominalen Zu- sammensetzungen lag urspmnglich der Ton auf dem ga-, und es mußte dann das a er- halten bleiben, wie z. B, Gastein. In einzelnen verdunkelten Zusammensetzungen scheint sich dies ga- erhalten zu haben, vgl. Gau. Gatter. Geäder, n. (-s): Gesamtheit der Adern. Mhd. geceder n., Kollektiv von Ader. Geäß, n. (-es, PI. -e): Nahrung des Wildes. In der 1. Hälfte des 1-5. Jh. gecege (PI. ge- ce^^er Schiltberger Reise HO), Kollektiv zu Aas. Aß n. «Viehfutter». Geäste, bayr. auch Geäst, n. (-es, PI. -e): Astwerk. 1774 beim j. Goethe 3, 23. Gebäck, m, n. (-es, PI. -e): Gesamtheit des miteinander Gebackenen, z.B. ein Gebäck Brot. Im 14. Jh. md. gebac m.: A''erstärkung des gleichbed. Back m., md. im 14. Jh. hack m. Gebäck, n. (-es, PI. -e): das Backen. Gebackenes, Backwerk. Im 15. Jh. gebäck ( Weisth. 6, 536 aus der Moselgegend), bei Fischart Garg. 158 das gebäch. Verbalsubst. zu hacken (s. d.). Gebälk, n. (-es), unverkürzt Gebälke (Rückert 3, 39): Balkenwerk. Im 15. Jh. rheinisch gehelke n., Kollektiv zu Balken (s. d. j. Gebäude, n. (-s, PI. wie Sg.): Bandwerk, Kollektiv zu Band n. Mhd. -mnd. gehende, ahd. gibenH n. «Fessel, Riemen», dann «Band, Kopfputz der Weiber», insbes. die Stim- und Wangenbinden. Noch wetterauisch mit Scliap- pel und Gebetide «mit allem, mit der ge- samten Habe»; vgl. Schappel. gebaren, verb. (Goethe 28, 36. 6, 33 j, j jetzt meist refl.: sich betragen. Mhd. gebären, ahd. gihären. gehärön; dazu mnd. gebären, mndl. ghebaren, ags. gebcEran. Verstärktes gleichbed. mhd. hären, zu mhd. bar f. «Ali, und Weise, wie sich etwas zeigt», mit mhd. gebär m. «Benehmen, bes. schickliches und freundliches» (s. Gebärde), von ahd. heran «tragen». ABL. Gebärde, f. (PI. -n): Ari, wie jemand sich äußerlich zeigt in Bewe- ,gung und Handlung. Bei Luther Geberde f. I und n., 1561 bei Maaler Gebärd f., mhd. I gehmrde f. und n., ahd. gibärida f.; dazu mnd. j geherde f. gebärden, v. refl., bei Luther. gebärdig, adj.: sich schön oder froh ge- ' barend (Goethe 4, 170), 1582 bei Fischart Garg. 225, s. ungebärdig. ! gebären, verb. (Präs. gebäre, gebierst, ge- biert, Prät. gebar, Konj. gebäre, Part, ge- boren, Imp. gebier und gebäre) : zur Welt bringen. Bei Luther und noch 1734 bei Frejer Orth. geheren, bei Maaler, Fischart, Henisch gehären, 1664 bei Duez gebähren und gebehren, mhd. gebern, ahd. giberan; dazu mnd. -mndl. geheren, asächs. giberan, ags. ge- beran, got. gahairan. Zusammengesetzt mit mhd. hern, ahd. heran, afries. und anord. hera, ags. heran, engl, bear, got. bairan «tragen», durch die Zusammensetzung mit ge- driickt das Verbum den Abschluß der Handlung des Tragens aus. Übereinstimmend mit lat. ferre «tragen, bringen», gr. (pepeiv, kelt. herim «trage», abg. hirati «nehmen, sammeln», aind. bhdrati «trägt». Von diesem Stamm ! sind ferner abgeleitet -bar. Bahre , Bärme, Bürde, empor, enthehren, gebühren (s. d.), ABL. Gebärerin, f. : Mutter, fi-ühmhd. ge- hererinne f., zu mhd. geherer m, «Erzeuger, Vater». ZUS. Ge])ärniutter, f.: Fruchtsack der Beckenhöhle, 1597 bei Wirsung Arzneib. 501 Gebeermutter, älter Bärmutter (s. d.). G^barsch, m., in der (Kinder-) Redens- , art Gebarsch Xehmarsch «Schenkender und ; das Geschenkte gern Zuiückfordernder», 1540 bei Alberus Dict. Tt 3*» geh ars nem ars, bei 635 Gebäii gebildet 636 Luther 5, 398 =* usw. im PI. Gebers Nemers, sogar 7, 262^ ein rechter Gehers Nemers. Wohl eine grobwitzige Umbildung der mhd. Bedeutungsnamen Gehhart imd Nemhart. Gebäu, n. {-es, PI. -e), üblicher Ge- bäude, n. {-s, PI. wie Sg.): kunstgerecht Aufgebautes. Bei Luther gehe^v und geheivde, mhd. gehiuwe, md. gehilwe und gehüivede, ge- hüide (daneben gehmveze. gehüze), ahd. ge- biuive und gahüid n. (daneben ahd. gehiuweda, gehüeda f.) ; dazu mnd. gehüive und gehUivete, gebUwte. gahüete n. Beide von hatten (s. d.). Gebauer, n., seltner m. {-s, PI. wie Sg): ^^ogelkäfig. 1659 bei Butschky Kanzl. 438. Verstärktes Bauer (s. d.). gebe, s. gäbe. Gebeier, von beiem (s. d.). Gebein, n. {-es, PI. -e): Gesamtheit von Knochen {Beinen). Mhd. und md. geheine, ahd. gibeini rv., Kollektiv von Bein. Daneben md. gebeinde, gebeinte, im 15. Jh. köln. ge- heime, im 14. Jh. nrhein. gebenze, nmd. ge- beute, geheinte n. Gebelfer, n. (-5): anhaltendes Belfern. Bei Stiel er 1691 Gebelfere, bei Schuppius 847 Gepelve^; beim j. Goethe 3, 524 Gepelfere. Gebell, n. {-es): wiederholtes Bellen. Im 14. Jh. gebelle n. (Monumenta boiea 39, 278). geben, verb. (Präs. gebe, gibst, gibt — die früher übliche Schreibung giebst, giebt ist beseitigt — , Prät. gab, Konj. gäbe, Part. gegeben, Imp. gib): zu Annahme, Empfang bieten. JVIhd. geben, ahd. geban; dazu asächs. getan, mnd. und ^nndl. geven, ags. gifan, engl, giroe, afries. geva, jeva, anord. gefa, schwed. gifva, dän. give, got. giban. Das ge- raeingermanische Wort, das die in den übrigen Sprachen auftretende Wurzel dö «geben» ver- tritt, ist in den andern Sprachen noch nicht nachgewiesen. Man stellt es zu lit. gabenti «herbeischaffen, l)ringen», air. gabim «ich nehme», womit nichts gewonnen ist. Vgl. noch Walde s. v. habere. Das Präs. bei Luther gibst, gibt, Imp. gib, daneben seit dem 17. Jh. die Formen mit ie (Schuppius, Fleming, Gottsched). Das unpersönliche es gibt mit dem Akk. der Sache (im 16. Jh. es gibt, mhd. e^ gibt Märe vom Feldbauer 239) bed. «es bringt hervor, es wird werden, dann es ist oder sind vorhanden». ABL. Geber, m. {-s, PI. wie Sg.): der Gebende. Mhd. geber, ahd. gebari, mnd. gever m. Ur- sprünglicher mhd. gebe, ahd. gebo, asächs. geto, ags. gifa m. «Geber». Gebet, n. {-es, PI. -e): Bitte, Rede an ein höhres Wesen. Mhd. gehet, ahd. gibet, gäbet n. ; dazu asächs. gibed, ags. gebed, ge- hedd n. Das zugrunde liegende ahd. het, mhd. bet, bete n. (noch bei Luther Bet, Bett n.) «Bitte, Gebet», ist mit ahd. beta, mhd. bete f. «Bitte» abgeleitet von bitten (s. d.), nicht von beten, das erst von ahd, bet sich bildete. Die Nebenform Gebete n. bei Luther und noch Wieland Amadis 2, 166, Rückert 1, 122, mhd. gebete f. Gebettel, n. (-s): wiederholtes Betteln. 1741 bei Frisch. Gebhart, Mannsname. Mhd. Gebehart, ahd. Gehahart {geba «Gabe», hart «stark»). Gebiet, n. {-es, PI. -e): Bereich des Be- fehlens. Mhd. gebiete, gebiet n. f., md. ge- bite, gebit n. «Befehl Gebot, Territorium, Gerichtsbarkeit, Botmäßigkeit»; die Form Gebiete noch bei Fleming 120, Haller 224, Lessing 6, 476, Schiller Demetr. 2, 2. Von gebieten, v. (Präs. Prät. gebot, Konj. ge- böte, Part, geboten, Imp. gebiete): wozu hin seinen Willen bieten, zur Befolgung nötigend seinen WiDen kundtun. Im Präs. älternhd. du gebeutst, er gebeut, Imp. gebeut (mhd. gehiutest, gebiutet, Imp. gebiut), bei Luther und noch altertümlich bei Goethe, Schiller, H. V. Kleist. Mhd. gebieten, ahd. gabiotan, gihiotan; dazu asächs. gibiodan, mnd. geheden, nnd. gebeen, mndl. ghebieden, nndl. gebieden, ags. gebeodan, zusammenges. mit bieten (s. d.), ABL. Gebieter, m., mhd. gehietcere, ge- Meter m.; davon Gebieterin, f., mhd. ge- bietcerinne, gebieterinne, gebieterin f. gebie- terisch, adj., 1711 bei Rädlein, dafüi- 1678 bei Krämer gebietisch. Gebietiger, m.: Befehlshaber, mhd. gebietegcere, md. gebitegere m., jetzt nur noch altertümlich gebraucht. Gebilde, n. {-s, PI. wie Sg.): zusammen- gesetztes Bild; feine Leinewand mit einge- wobenem BUdwerk (am Nieder-, Mittel- und Oberrhein. In der 1. Bed. mhd. gebilde n. «Form der äußern Erscheinung, Gestalt, Stern- bild», ahd. gebilide n.; dazu mnd. gebilde, ge- helde (auch Vorbild, Beispiel) n.: im altern Nhd. ist das Wort entschwunden, bis es 1766 bei Klopstock Oden (1771) S. 213 in dem auffälligen PI. Gehilder, sowie S. 241 in ihr Gebild aus dem J. 1767 wieder auftaucht und bald in Aufnahme kommt. gebildet^ adj., eig. Partizipium vom v. bilden «mit Bildern verzieren; ein plastisches Kunstwerk hervorbringen» (so noch in wohl- 637 Gebinde Gebrech 638 ijehildef). Auf das Geistige übertragen erst i bei Herder. Subst. der Gebildete seit der ' zweiten Hälfte des 18. Jb. Gebinde, n. (s, PI. wie Sg.) : Zusammen- gebundenes, als Garnmaß 20 oder 40 Fäden (1715 bei Amarantbes, scbon mnd. hindt n. j «60 Fäden»); Gefäß, Faß, bes. im Wein- und I Bierhandel (1734 bei Steinbaoh). Mhd. ge- \ binden. «Band», gebint n. «Verbindung». Von binden (s. d.). Gebirge, u. (s, PI. wie Sg.), gekürzt Gebirg: Gesamtheit von Bergen. Mhd. ge- birge, ahd. gibirgi, gabirgi n., Kollektivum von Berg (s. d.). Die Schreibung Gebiirge bei Wieland, Herder, Schiller, Goethe usw., Gebürg bei Fischart, Grimmeishausen usw., schon 1401 gebiirge (Frankf. Reichskorr. 1, 92), darauf beruhend, daß in mhd. und früh- nhd. Zeit bei Orts- und Burgnamen häufig Berg und Biirg wechseln und sich vermengen. Davon gebirgig, adj., 1616 bei Henisch ge- bürgig. gebirgisch, adj.: aus dem Gebirge stammend, ihm eigentümlich, bei Geliert ge- bürgisch, 1590 bei Albinus Bergchron. 86 alpgebirgisch, im 15. Jh. gepirges bei Schiit- berger 105 N., neben pirgesch 87. Gebiß, n. (Gen. Gebisses, PI. Gebisse): Mauleisen des Zaumes; Gesamtheit der Zähne als Werkzeug zum Beißen (Ende des 15. Jh. bei Harff Pilgerfahrt 137, 14 gebijss): (rhein.- wetterauisch) vieles wiederholtes Beißen (schon ahd. f/a&ij «mordacitas»). In der l.Bed. mhd. gebi^, ahd. gabi^, gibig, mnd. gebit n, Subst. zu beißen (s. d.). Gebläse, u, (-s, PI. wie Sg.): die Blase- bälge eines Ofens oder einer Orgel; Venti- iationsapparat. In beiden Bed, 1562 bei Ma- thesius Sarepta 100 ^^ geplese und 208^ gehlese, 211*^ gebleß. Subst. zu blasen (s. d.). geblümt, adj.: mit Blumen geschmückt. Mhd. gebliiemet, Part, von blüemen und ge- blüemen «mit Blumen schmücken», dann über- haupt «schjnücken, verherrlichen». Geblüt, n. {-es), unverkürzt Geblvte: (4esamtheit des Blutes im Körper (spätmhd. geblüefe n.) ; Blutsverwandtschaft (bei TiUther) ; Volksabstammung, Volksart (bei Luther Stücke in Esther 6, 8); (md. und Schweiz.) monat- liche Reinigung. Kollektivum v(jn Blut. Gebot, n. {-es, PL -e): Willenserklärung zur Befolgung, Befehl; Anerbietung bei Kauf und Versteigerung. Mhd. gebot n. «Befohlenes wie Angebotenes» (auch Einsatz im Spiel), ahd. gabot, gibot n.; dazu asächs. gibod, mnd. gebod, gebode, mndl. ghebot, afries. ebod, ags. gebod n. «Gebot, Befehl», neben gleichbed. mhd.-mnd. bot, ags. bod, anord. bod n. (auch Einladung, Auffordening). Subst. zu bieten und gebieten (s. d.). Vgl. botmäßig. Gebräme, n. {-s, PI. wie Sg.): Rand- besatz, Besatz am Kleide. Bei Luther Jes. 3, 20 gebreme, mhd. gebrceme und gebreme n., von mhd. brcemen. brenien (s. Brame). Gebrau, n. m. {-es, PI. -e): einmaliges Brauen; das durch ein Brauen gefertigte Ge- tränk. Nürnbergisch im 14. Jh. gebraw n. (Nünib. Pol.-Ordn. 212, 7), md. im 14. Jh. gebrüive n. ra. Subst. zu brauen (s. d. und Gebräude). Gebrän, n. {-es, PI. -e): auf einmal Ge- brautes. Im 15. Jh. bei Wolkenstein Nr. 91, 82 (Schatz) gepreu, bei Rosenblut gepreü n. Abgeleitet von brauen (s. d. und Gebräude). Gebrauch, m. {-es, PI. Gebräuche), statt des nui' noch altertümlichen Brauch (s. d.), Mhd. gebrüch m. «Benutzung», dann «Ge- wohnheit, Sitte»; dazu mndl. ghebrüc «Ge- nuß». Subst. zu gebrauchen und brauchen. gebrauchen, v.: in bestimmter Beziehung brauchen, mhd. gebrochen, ahd. gabruchan «benutzen genießen»; dazu mnd. gebrUken. mndl. ghebrüken, nndl. gebruiken, ags. stark- ])iegend gebrücan (völlig genießen). ge- bräuchlich, adj.: in Gebrauch (Gewohn- heit) befindlich, gewöhnUch gebraucht, 1482 bei Melber Ff 6'* gebruchlich, bei Luther ge- breuchlich «zum Gebrauch dienend», mhd. in der Bed. «genießend» gebruchlich, Adv. ge- brüchliche. Gebräude, n. (s, PI. wie Sg.): Avie Ge- bräu (s. d.). Md. 1457 gebruwede, 1438 ge- braiüde n. (Germ. 28, 366). Abgeleitet von brauen (s, d.j. Gebrause, n. {-s, PI. wie Sg.j: em wie- derholtes Brausen. Md. im 14, Jh. geprüse n. Subst. zu brausen (s. d.). Gebrech, m. n. {-es, PI. -e): hörbares Brechen; Gebrechen (Klopstock Mess. 4, 198 Gebrech n.). Mhd. gebrech n, und gebreche m., ahd. gapreh, gipreh n. «Gekrache, lautes Ge- töse». Gebreche, n. {-s, PI. wie Sg.): von Wildschweinen umgebrochener Boden, auch der Rüssel der Wildschweine, weidmännisch 1763 beiHeppe(Te&räc/t, mhd. ^e&recÄen. «umge- brochenes Bauland, Brachland». Gcbrecheu, n. {-s, PI. wie Sg.j: fühlbarer Mangel. Md. im 13. Jh. und 1385 gebrechen n. «Mangel, Fehler» (Städtechr. 1, 240, 22j, der subst. 639 Oebreit Geburt 640 Inf. des Zeitworts gehrechen (s. d.), vermengt mit mhd. gehreche m. «Abgang, Mangel, Be- schwerde, Krankheit», Mitte des 15. Jh. ge- hrechen ni. Städtechron. 2, 329, 11, älternhd. Gehrech m. (Luther 1, 66'^, Duez 1664), Ge- brechen m. (Luther 4, 108^, Schuppius 242). gebrecheil, v.: fühlbar raangehi. Mhd. ge- brechen intr. «brechen, mit Gewalt dringen», gegeii einem «von ihm aljfallen, ihm untreu werden», gebrechen an einem «von ihm weichen, ihm mangeln», ebenso mir gebricht ein dinc oder unpersönl. eines dinges oder an einem dinge; dagegen trans. mhd. gebrechen «brechen, wegbrechen, Abbruch tun, verwehren, unter- Averfen», ^h^.gihrechan. gaprechan undasächs. gihrekan «zerbrechen», got. gabrikan «zer- brechen, niederwerfen», gebrechlich, adj.: mangelhaft: mit einem Körperschaden be- haftet, in beiden Bed, mhd. gebrechlich; dazu Grebrechliehkeit, f., mhd. gebrechlicheit f., 1274 gebrechlickeit (Germ. 28, 366). (jebreit, n. {-s. PI. wie Sg.): sich aus- breitendes Gelände (Goethe 13, 24; 50, 219 Gehreite). Daneben Gebreite, f. (PI. -n) : ein Feld von gewisser Größe. Mhd. gebreite f. «Ackerbreite, sich ausbreitendes Ackerge- lände», ahd. gibreitta f. neben gahraite, ge- hreite n. Subst. zu breiten (s. d.). Gebresten, n. (-s, PI. wie Sg.): Mangel, Gebrechen; herzbrechender Kummer, Brast (s. Braß). Der subst. Inf. des älternhd. Zeit- worts gebresteii (mhd. gebresten, ahd. gihrestan «fühlbaren Mangel woran haben»), schon im 14. Jh. md. gehristen n. «Mangel», vermischt mit älternhd. Gehresten m. «Mangel» (1537 bei Dasypodius), 1573 bei Ölinger 51 gepräst, mhd. gebreste m. und gebrest m. n. «Bruch als Schaden, fühlbarer Mangel», md. im 14. Jh. gebrist, ahd. im 11. Jh. gibrist m., neben einfachem mhd. brest und breste, ahd. hresto m. «Mangel», Subst. zum mhd. Verbum bresten, ahd. brestan (s. bersten). Gebrüder, PI: Brüder als zusammen- gehörig. Mhd. gebruoder und gebrüeder, md. gebrüdere, ahd. gibruoder PI.; dazu asächs. gibröäar, ags. gebrödor, gebröära, gehrödru PI. Vgl. Geschwister. Gebrüll, n. (-es), unverkürzt Gebrülle: wiederholtes Brüllen. Mhd. gebrülle n., Subst. zu brüllen (s. d.). Gebrumme, n. (-s), gekürzt Gebrumm: wiederholtes Brummen. 1595 bei Rollen- hagen Froschm. 3, 3, 12, 89 Gehrum, 1663 bei Schottel 1004, 17 Gebrumme. gebschnitzig, adj.: gern gebend, frei- gebig. Im westlichen Mitteldeutschland (auch gebschnützig, gebschnetzig). Spätmhd. (hess.) in einer 1428 vollendeten Handschr. der h. Elisabeth gehesnytzig, im 14, Jh. gehesnitz (Elisabeth 7930) «verschwenderisch mit Geben». Gebücke, n. {-es, PI. -e): zur Grenze, besonders aber zur Schutzwehr gegen den Feind angelegte dicht verwachsne hohe Hecke. Am Mittel- und Oberrhein (Gehucke, Gebücke, Gehicke, Gebick). 1469 aus Nassau g^eftwcÄen. «ineinander gebognes undverflochtnes Gebüsch als Waldgrenze» (Arnoldi Beitr. 110), ebenso 1320 ans dem Unterelsaß (Weist. 1, 670) und im 14. Jh. ndrrhein. gebücke n. (v. d. Hagens Germania 6, 260, 337), aber in der Bed. «ver- flochtne Heckenschutzwehr» 1366 gebücke n. (Gudenus Cod. dipl. mogunt. 2, 1159), Subst. zu mhd. bücken, md. hucken «biegen, nieder- biegen» (s. bücken). Davon im 15. Jh. das Adj. gehuckt, gebickt «von einem Gebück umgeben» (Weist. 3, 488 und 5, 319, 4). Gebühr, f. (PI. -en): was sich gebührt (spätmhd. gehiir n.); gebührender Anteil (westfäl.-rhein. im 14. Jh. gebur n. Germania 20, 36, mrhein. im 15. Jh. gepilrre, gepurre n.), schuldige Abgabe (Gehiir f. bei Luther), ge- bührende Zahlung, Kosten (1583 bei Mone Anz. 8, 166, bes. im Plur., 1691 bei Stieler). Ahd. gihuri f. in andrer Bed. «casus, sors, evehtus», aber got. gabaur n. «Steuer*». Vgl. Meringer Idg. Forsch. 18, 205. Von ge- bühren, V.: als angemessen zukommen. Bei Luther gehüren, mhd. gehürn, aber fast nur md. vorkommend geburn, gehorn, trans. «heben», intr. «sich erheben für jem,, wider- fahren, zuteil werden, rechtlich zukommen», refl. «sich ereignen», ahd. gihurjan, giburren «als angemessen zukommen, sich ereignen»; dazu asächs. giburian «sich zutragen,, statt haben, den Verlauf haben», mnd. geboren «zukommen», ags. gehyrian «sich begeben, ereignen, als angemessen zukommen», anord. byrja «sich ziemen». Das einfache mhd. hürn, md. burn, hörn, hurren, ahd, burjan, burren «erheben, hervorbewegen, in die Höhe halten, mnd, hören «heben», ist gleichen Stammes wie mhd, beni, ahd, heran, «zum Vorschein bringen, tragen» (s, gehären). gebührlich, adj., mhd. gebUrlich, md. gehor- lich, and, giburilic «gebührend, gelegen, recht»; davoij Gebührlichkeit, f,, spätmhd, gebürlichkeit, md, im 15, Jh. giborlichkeii. Geburt, f, (PI. -en): das Zurweltbringen ; 641 Gebüsch gedenken 642 das Zurweltgebrachte, Mhd. gehurt, ahd, gihurt, gaburt f., dazu asächs. giburd, mnd. gebort, geburt, ags. gebyrd f., engl, birth, anord. burdr m., got. gabaürßs f. Wie das einfache mhd.-ahd. burt f. «Geburt» zu ahd. beran (s. gebären). Urverwandt mit aind. bhrtis f. «das Tragen, Unterhalt, Pflege». ABL. gebürtig, adj.: örtHch herstammend, mhd. geburtich, ahd. giburtig neben einfachem mhd. bürtec, ahd. burüg (s. hurtig). ZUS. Ge- burtstag, m. bei Luther, mhd. gebtirttac, ahd. giburtitag, giburtdag und giburtitago m. Gebüsch, n. (-es, PI. -e): Gesamtheit von Büschen. Unverkürzt Gebüsche (Wie- land 23, 292, Goethe 2, 89). Mhd. gebüsche. md. 1375 gepusche (Schäfer Sachsenchronik 1, 385). Kollektiv von Busch (s. d.). Geck, m. (-e7i, PI. -en): alberner einge- bildeter gefallsüchtiger Mensch. Md, im 14, und 15. Jh: gec, gecke, ndrhein, im 14, Jh, geck m,, oberd. Ende des 15. Jh. gecke, gäck m. «Narr», ebenso mndl. gheck, (entlehnt aus dem Ndd.) dän. gjäk, schwed, gäck, Island. gikkr m., mnd. geck adj. «töricht, närrisch», urspr, wie es scheint «drehbar, verdreht», daher mnd, geck m. «di-ehbarer Deckel eines Gefäßes, die Stange, woran das Hauptsegel befestigt ist, verdrehtes gestörtes Gehirn der Kälber», Starkflektiert bei Lessing 6, 502; 7, 27. Im 16. bis 18. Jh. nordd. Jeck (1505 Rö- moldt Laster d, Hofi"art 4, 4, HombuTg Clio F 4, Hoffmannswaldau Ged. 6, 342). Nicht verwandt mit mhd. giege m. «Nan*», giegen «äffen», wohl aber mit schwäb.-östr. gagg m. «einfältiger Mensch, Tölpel». Weitere Her- kunft unbekannt. Vgl. aber Uhlenbeck Btr. 26, 290. ABL. gecken, v.: empfindlich zum besten haben, narren, ndrhein. im 14. Jh., spätmhd, im 15, Jh. und mnd. gecken, mndl. ghecken. geckenhaft, adj., 1796 bei Adelung geckhaft, bei Goethe 7, 146 Adv. geckenhaft. Geckerei, f., spätmhd. im 15. Jh. geckerie f. geckisch, adj., 1482 im Voc. theut, bb4'^, Gedächtnis, n. {-nisses, PI. -nisse): das Denken woran; Fähigkeit im Geiste festzu- halten (im 14. Jh. bei Megenberg 4, 31 ge- doechtnüss). Bei Luther Gedechtnis n. f., mhd. gedcehtnisse, -nüsse n. f., «Andenken, Erinne- rung», ahd. githehtnissi «Andacht, (xelübde». Von gedacht, ahd. gidäht, Part, von gedenken und denken (s. d.). gedackt, von Orgelpfeifen: mit einem Deckel bedeckt. 1691 bei Stieler, aus mhd. gedact, dem Part. Prät. von decken (s. d.). Weigand, Deutsches Wörterbuch. ö.Aufl. Gedämmer, n. (-5): das Dämmern. Mhd. gedemer n. «Dämmerung, Dunkel», zu ahd. deniar m. «Dämmerung». Gedanke, m. {-ns, PI. -n): mit Urteil verbundene Vorstellung. Bei Luther Luk. 9, 46 ein gedancken, bei Lessing 3, 21 u, ö. Gedanke f., mhd. gedanke m. und starkflekt. gedanc m., ahd. gadanc, gidanc m. ; dazu asächs. j githanco m., ags. geponc m. n. «Gedanke», j Zu denken. ZUS. Gedankengang, m,, bei I Campe als neu. gedankenlos, adj,, 1755 [bei Rabener 4, 110. Gedankenstrich, m,, 1775 bei Adelung, gedankenvoll, adj., im '17. Jh. bei S. Dach 865 Österiey, Gedärm, n, {-es, PI, -e): Gesamtheit der Därme des Körpers, Mhd, gederme, md, auch j gedirme, ahd, gidermi n., Kollektiv zu Darm. ' Gedeck, n, (-es, PI. -e)-. das vollständige ! Tischzeug. 1775 bei Adelung. Mrhein. im 14. Jh. gedeck n. «worüber schützend zu ! Deckendes» (Weist. 4, 622, 25), ahd. gideki «tectum», mnd. gedecke n. «Zimmerdecke». Davon verschieden spätmhd. gedecke f. «Decke woräber». Beide Subst. zu decken (s. d.). gedeihen, v. (Prät. gedieh, Konj. gediehe, j Part, gediehen) : vorwärts, in einen vollkom- meneren Zustand kommen. Mhd. gedihen (Prät. gedech, Plur. gedigen, Part, gedigen), auch gedien, ahd. gidihan; dazu asächs. gi- thlhan, mnd. gedien, gedigen, ags. gepeon, got. gapeihan. Das einfache nhd, nur noch dich- i terisch vorkommende deihen, mhd, dihen, ahd. I dihan, asächs, thlhan (nebst dem Faktitivum I thengjan in a-, anthengjan «vollbringen, vol- lenden»), ags. peon, got, ^ei'Aaw «wachsen, zu- j nehmen, vorwärts kommen» gehört zusammen I mit lit. tenkü, Inf, tekti «hinreichen, sich hin- erstrecken», tänkus «dicht, dicht zusammen- stehend», air, co-tecini «coagulo», töcad, kymr. tynged «Glück», aw. taxma- «tapfer, tüchtig», Superl. tancista-. Es hätte also im Germa- nischen ein Übertritt von der e- in die i- Reihe stattgefunden. Vgl. noch Zupitza Gutt. 140 und Osthoff Idg. F'orsch. 8, 140. Dazu j Part, asächs. githungan, ags. gelungen «voll- kommen» (s. gediegen). Aus dem Germani- schen entlehnt ital. tecchire, afranz. tehir «wachsen». ABL. gedeihlich, adj., 1648 bei Weckheriin 2, 189, 44 F. gedeylich, 1663 , bei Schuppius 725 gedäidich. gedenk, adj., dichterisch für eingedenk ; (s. d.), bei Schiller, Goethe. In den Wörter- büchern fehlend, I gedenken, v. (Prät. gedachte, Konj. ge- 41 643 Oedicht Oeest 644 dächte, Part, gedacht) : denken (Hagedorn Od. 50, Lessing 11, 113); lebhaft, innig an jem. oder etw. denken, eingedenk sein, im Sinne haben (mit Gen., aber auch mit Dativ der Person und Akk. der Sache, Goethe Tasso 3, 2). Mhd. gedenken (Prät. gedähte, Part. gedäht) intr. «denken», dann «eingedenk sein» mit Gen., «zudenken, bestimmen» mit Gen. und Dat., trans. «auf einen Gedanken kommen, ausdenken, zu Ende denken» mit Akk. oder Inf., ahd. gadenchan, githenken; dazu asächs. githenkean «denken, erdenken», ags. ge^encan, gepencean «denken, gedenken, bedenken, be- sorgen, worauf denken». Auch substantivisch Oedenken, n.: das Denken (mhd. gedenken n.); Erinnerung (bei Luther). Gedicht, n. (-es, PI. -e): geistiges Er- zeugnis in Versen. Unverkürzt Gedichte (Geliert 4, 80, Lessing 3, 15, Uhland 104), mrhein. 1469 gedichte n. (Yoc. ex quo), mhd. getihte, getiht n. «schriftliche Aufzeichnung, niedergeschriebenes dichterisches Erzeugnis, Erdichtung, Betrug (Fälschung), Dichtlomst, Kunstwerk». Subst. zu dichten (s. d.). gediegen, adj.: durch Austrocknung, durch Ausscheidung fremder Bestandteile rein, zusammengedrängt und fest; (bildlich) lauter, rein, echt, gehaltvoll, vollkommen, vortrefflich. 1482 im Voc. theut. K4* ge- diegen, mhd. gedigen, ahd. gidigan, gadigan «vorwäi'ts gekommen in der Zeit, ausge- wachsen, reif, fest, hart, trocken, lauter, rein, gehaltvoll, tüchtig», asächs. githigan, das als Adj. gebrauchte Part. Prät. von gedeihen (s. d.). Von Edelmetallen 1546 bei Agricola interpret. rer. metall. 474 fg. und 1557 im Bergbuch 80. ABL. Gediegenlieit, f., mhd. gedigenheit f. «Tüchtigkeit», ahd. ge- digenheit f. «Wachstum». (xedinge, n. (-s, PI. wie Sg.) : endliche Über- einkunft worüber; Mietwohnung (Apostelg. 28, 30). Mhd. gedinge, ahd. gidingi n. «Ge- richt, Übereinkunft, Vertrag, Versprechen, Bedingung», von ahd. dingön «dingen» (s. d.). Verschieden von mhd. gedinge m. f. n., ahd. gidingo m. und gidingi f. n. «das Rechnen worauf, Zuversicht, feste Hoffnung», von ahd. dingen «worauf rechnen, hoffen», das aus gleichem Stamme wie dingön entsprossen ist. (xedöber, n. (-s): angelegentliche Be- sprechung. Jüdisch-deutsch. 1584 bei Ma- thesius Hochzeitpred. 20^. Subst. zu döhern s. dihhern. Wetterauisch Gediwwer n. Oedrang, n. {-es) -. das Sichdrängen. Mhd. gedranc m. n. «Gedränge, Drangsal», mnd. gedrang «Bedrängung». Verstärktes Drang. gedrang, früher gedrange, adj.: eng bei- sammen (gedrängt), enge. Bei Wieland 18, 99. 22, 233, Schiller 11, 241. Mhd. gedrenge «gedrängt», Adv. gedrange «mit Drängen, fest, innig». Von dringen (s. d.). Gedränge, n. (-s, PI. wie Sg.): das Sich- drängen, die sich drängende Menge. Mhd. gedrenge, ahd.gidrengi n., Kollektiv von Drang. Gedresche, n. (-s) -. wiederholtes Dreschen oder Draufschlagen, spätmhd. gedresche u., Subst. zu dreschen (s. d.). gedritt, adj.: aus drei bestehend, drei- fach. Anfang des 16. Jh. gtrytt bei Lenz Schwabenkrieg 112^ fg., abgeleitet von dritt (s. d.). Dafür mhd. gedriet, Part, von drien « verdreifachen ». gedrungen, adj.: fest zusammen, dicht, vom fleischigen Körper 1511 bei Keisers- berg Granatapfel 11^ getrungen, eig. Part. Prät. von dringen (s. d.). Davon Gedrungen- heit, f., im 19. Jh. Geduld, f. (ohne PI.): ertragende Seelen- milde. Bei Krämer 1678 und Stieler 1691 Geduld, älternhd. bis ins 19. Jahrh. Gedult (Günther 21, Haller 192, d. j. Goethe 2, 462), mhd. gediilt, gedulde, gedolt, ahd. gidult f.; dazu asächs. githidd, ags. gepyld f. Wie ein- faches mhd. dult, ahd. dult, thult und thulti f. Substantiv zu dulden (s. d.). Davon gedulden, V. refl., mhd. gedulden, ahd. githulten. ge- duldig, adj., 1664 bei Duez geduldig, älternhd. gediiltig (bei Luther), mhd. gedultec (auch ge- lassen, nachsichtig), ahd. gidultic, ags. gepyldig. gedunsen, vgl. aufgedunsen. geeignet, partiz. Bildung zu eigen, sich eignest, erst 1801 von Campe eingeführt statt geeigenschaftet (16. Jh.), qualificiert. Geescha, f. (PI. -s): Teemädchen: In neurer Zeit aus dem Japanischen durch eng- lische Vermittlung entlehnt. Geest, f. (PI. -e): hohes trocknes ^Sand- land. Niederdeutsch. Altfries, gest, gast, mnd. 1139 gest, sonst geest, gast f., aus fries. gast «unfruchtbar». Dazu ags. gmsne «un- fruchtbar», ahd. keisem, keisini f. «Unfrucht- barkeit», keisen «Bedürftigkeit» (Notker Ari- sto tel, Abhandl. 73, 128). Diese Formen weisen auf urgerm. gais. Daneben stehen aber Ahn- liches bedeutende Formen mit m -Vokalismus: nd. güst plögen «brach ackern», güst, göst, gost «unfruchtbar» (von der Kuh), rnnd. guste, ndl. gust, ebenso Schweiz, gust, güst «unfrucht- 645 Gefach gefallen 646 bar, keine Milch gebend». Wie sich diese Formen zueinander verhalten, ist unklar. ZUS. Geestland, n., 1663 bei Schuppius 607, afries. gest-, gästlond n. Gefach, n. (s, PI. -e): Fach. Westdeutsch. 1678 bei Krämer. Gefahr, f. (PI. -en): überkommendes Übel, drohender Nachteil. Spätmhd. geväre f. «Hinterlist, Betrug, böse Absicht», in der heutigen Bed. bei Luther 1, 405^ und im Teuerdank 98, 156, zusammenges. mit Fahr (s. d.). RA. G. laufen «sich einer Gefahr aussetzen», eig. «hineinlaufen», 1716 bei Lud- wig, aber noch bei Steinbach 1734 in G. laufen. Kaufmännisch 1678 bei Krämer auf euer G. «auf euer Risiko und Kosten». Gefährde, f. (PI. -n)-. Hinterlist, böse Absicht; Gefahr (Goethe 1, 248, röm. Eleg. 12). Mhd. gevcerde f. n., md. geverde, geverd «Hinterhst, Betrug, böse Nebenabsicht», neben gleichbed. mhd. gevcere f. n., md. gevere, gever (vgl. ohngefähr), älternhd. im 16. u. 17. Jh. Geferde, Gefürde f. «Gefahr», seit dem 18. Jh. nur noch altertümlich; dazu mnd. geverde n. «Hinterlist, Gefahr», mndl. gheveert. Yev- mittelst -de (s. d.) abgeleitet von ahd. fären, mhd. vären «nachstellen» (s. befahren, Fahr). gefährden, v.: in Gefahr bringen. Mhd. (md.) selten geverden (Kulm. Recht 5, 21), dann erst wieder bei Stieler 1691 gefärden, seit Adelung 1777 aufgekommen für das im 16. und 17. Jh. gebräuchliche gleichbed. ge- f ehren, gefahren, mhd. gevceren «hintergehen, betrügen», neben ahd. gifären «nachstellen, streben», mhd. gevären (auch gefährden), noch Schweiz, gefahren «Gefahr laufen». gefährlich, adj.: mit drohendem Übel verbunden (1537 bei Schaidenreisser Odyss. 52 '^ gefärlich). Mhd. gevcerlich «hinterlistig, verfänglich», neben mhd. vcerlich, md. verlieh «hinterlistig, mit Gefahr verbunden», älter- nhd. f ehrlich, fährlich, ahd. im Adv. färliKlw «heimlich, plötzlich», ags. föerlic, Adv. fmrlice «plötzlich». Wie das mhd. Adj. gevcere, md. gevere, gever «heimlich nachstellend, hinter- listig, feindselig, versessen worauf» (so noch wetterauisch geßr), ahd. giväri, abgeleitet von ahd. fären, mhd. vären «nachstellen» (s. befahren. Fahr). Dazu Gefährlichkeit, f., 1517 im Teuerdank 98, 179 geferlichait f. «Gefahr», im 15. Jh. gevärlichait, geverlichait f. «Feindseligkeit, Betrug», md. im 14. Jh. ver- lichkeit f. «Bedrohung durch Übel», bei Luther 2. Kor. 11, 26 Ferligkeit. ^Gefährte, m. {-n, PI. -n): Fahrt-, Weg- genosse. Mhd. geverte, ahd. gafarto, giferto, giverto m., bei Luther Geferte, noch im 18. Jh. Geferte, Gef ehrte, 1678 bei Krämer Gefährte, schwankend im 17. Jh. Geferde, Gef ehr de, Gefährde. Abgeleitet von Fahrt (s.d.). Dazu mnd. geverde m., mit andrer Bildung mndl. gevaer und ags. gefera m. ABL. Gefährtin, f., mhd. gevertin f. -Gefährte, Gefährt, n. (-s, PI. wie Sg.): Fuhrwerk (1616 im bayr. Landi-echt); Fahr- zeug (Huber bei Schiller 4, 166, 8); Aufzug. Mhd. geverte, gevert u. «Fahrt, Weg, Zug, Reise, Gesinde, Aufzug, Erscheinung, Be- nehmen, Lebensweise, Lebensverhältnisse, Schicksal, Umstände», spätahd. geverti n. «Gang, Benehmen», abgeleitet von ahd. fart «Fahrt» (s. d.) als dessen Kollektiv. Dazu mnd. geverde, gevere n. «Gefährt, Fahrt, Zug, Aufzug, Ereignis», mndl. geveerde, geveerte und gevaerde, gevaert. Weidmännisch Ge- fährt n. und f. «Fährte», 1719 bei Fleming t. Jäger 95% zusammenges. mit Führte (s. d.). Gefalle, m. {-ns), gewöhnlich Gefallen, m. (-s): was einem gefällt, angenehmes, zu- neigendes Gefühl wovon, gefälliges Tun. Der Nom. Gefalle (bei Lessing 1, 591 u. 8, 196, Goethe an Riemer 2. April 1829) ist noch mitteldeutsch; der Akk. Gefallen m. ist seit dem 16. Jh. belegt (Amos 5, 22), offenbar hat das älternhd. Gefallen n. (bei Alberus 1540 und Maaler 1561) seinen Einfluß geübt. Mhd. geval (Gen. gevalles) m. «Fall, Zufall», dann «Wohlgefallen» nach gevalle (einem ze gevalle leben, aber spätmhd. ze gevallen kumen «gefällig werden» Vintler 8582), ahd. gival m. «das Fallen der getöteten und verwundeten Krieger». Von Fall (s. d. und gefallen). Gefälle, n. {-s, PI. wie Sg.): das Fallen; Baumsturz d. i. vom Baume herabgestürztes Gehölze; wovon zu Entrichtendes, Abgabe; stark trinken können. Mhd. gevelle n. «das Fallen, Fall des Wassers, Absturz, Baum-, Felssturz, Geklüfte, guter Fall der Würfel, Glück, im 14. Jh. ge feile n. «die einem zu- fallende Abgabe, fälliger Zins» (Städtechron. 9, 601, 28), ahd. gefelli n. «Einsturz», mnd. gevelle n. «Zufall, glückhches oder böses Schicksal». Substantivbildung zu Fall (s. d.). gefallen, v. (Präs. gefalle, gefällst, gefällt, Prät. gefiel, Konj. gefiele, Part, gefallen): an- genehmes, zuneigendes Gefühl für sich er- wecken. Mhd. gevallen, ahd. ga-, gifallan «fallen, zufallen, sich fügen, angemessen sein», 41* 647 gefällig geflissen 648 dann in der heutigen Bed. (mhd. immer mit dem Zusatz wol, ha^, beste, ühele), die von der Beute- oder Erbteilung durchs Los aus- gegangen ist, urspr. mir gevellet eg wol oder übele «mir fällt ein gutes oder schlechtes Los zu, ein willkommenes oder unwillkommenes». ztfS. CirefallSUCllt, f., von Campe als Ver- deutschung von Koketterie gebildet (s. Hey- natz Antibarb. 2, 16), ebenso das Adj. ge- fallsüchtig für kokett. gefällig, adj.: wohlgefallend, gelegen; Gefallen erweckend, freundlich, anmutig. Mhd. gevellec, gevellic, ahd. ge fellig «zufallend, an- gemessen, passend, schicklich, günstig, an- genehm»; dazu mnd. gevellich «gefallend, paß- lich», ndl. gevallig. Adjektivbildung zu ge- fallen \mdi Gefallen. JLBi^. Gefälligkeit, f. : gefälliges Tun (1691 bei Stieler); gefälliges Wesen, Anmut (Günther 177); Wohlgefallen (Goethe 24, 67). Mhd. gevellekeit f. «göttliches WohlgefaUen, Huld», 1482 im Voc. theut. ko^ gefelligkeit, hequenikeit «Faßlichkeit». Gefangenschaft, f.: das Gefangensein, mhd. 1383 gevangenschaft f. (Mone Ztschr. 6, 111). gefänglich, adv. (und dann adj.) zum Part, gefangen, mhd. im Adv. gevangen- liche, gefengliclien «nach Art eines Gefangenen», als Adj. 1519 bei Mm-ner Gäuchmatt v. 943. Gefängnis, n. {-nisses, PI. -nisse): Ent- ziehung der Freiheit; Ort der Gefangenen (1476 bei Kriegk Bürgertum 2, 353 gefengnis). ;^Ihd. gevancnisse, gevencnisse, gevancnusse f. n. «Gefangenschaft, Gefangennahme», neben gleichbed, vancnisse, vencnisse f.; dazu nmd. gevenhiisse n., mndl. gevancnesse, nndl. ge- vangenis f. Von fangen (s. d.). Gefäß, n. [-es, PI. -e): Geschirr, Behälter; Wasserfahrzeug (auf der Weichsel, wie 1464 foss n. «Lastschiff auf dem Rhein», bei Mone Ztschr. 9, 29); am Degen die Stelle, wo man ihn faßt (1616 bei Henisch); Riemen, womit man den Falken faßt und hält, das Geschühe, die Fessel (1580 bei Sebiz Feldbau 570, mhd. gevagßede n.). Ursprünglich Substantivbildung zu fassen in verschiedenen Bed., wie ahd. givägi n. «Proviantladung», noch bayr. Ge- fäß n. «die Ladung eines Isarfloßes» (schon im 17. Jh.), neben ahd. giva^^idi n. «Last», und md. gevege n. «Schmuck, Ausrästung» (h. Elisabet 904) zu mhd. va^gen, ahd. fag^on «aufladen, beladen, ausrasten, schmücken». Die wie ein Kollektiv zu Faß (s. d.) er- scheinende Bed. «GeschiiT» ist mitteldeutsch, im 13. Jh. gevege n. «Speise- und Trinkge- schirr als Gesamtheit», ebenso im 14. Jh. geßse n. «Böttchergefäß» (Michelsen Rechts- j denkm. 270), vom einzelnen Geschirr geveze j n. 1343 bei Beheim Evangb. Marc. 7, 4; dazu ' mnd. gevete n. Die unverkürzte Form Gefäße n. noch bei Brockes 3, 195 und Goethe 2, 106. gefaßt, adj.: bereit (1642 bei Duez, im 16. Jh. gerüstet); innerlich vorbereitet (P. Fleming 341 gefast). Eig. Part. Pass. zu fassen und sich fassen. Gefecht, n. {-es, PI. -e): Kampf mit Waffen. Mhd. gevehte, im 15. Jh. auch ge- wicht, ahd. ga-, gifeht, einmal gifihf, ags. gefeoht n. ünverküi-zt Gefechte n. noch bei Lessing 5, 32. Zu fechten (s. d.). Gefieder, n. {-s, PI. wie Sg.): Gesamt- heit von Federn am Vogel, am Pfeil usw.; Gesamtheit von Vögeln (Schiller Teil 3, 3); i Vogel (Lessing 1, 112). In der 1. Bed, mhd. gevidere, gevider, selten geveder n. «Gesamt- heit der Federn am Vogel, am Pfeil, auf einem Helm, im Federbett»; in der 2. Bed. «Federvieh» 1482 gefieder (Voc. theut. k4^). I Kollektiv zu Feder (s. d,), wozu das Adj. ' mhd. geveder, ahd. gafedar «befiedert». gefiedert, adj.: mit Federn zum Fluge versehen. Bei Luther gefiddert, mhd. ge- vidert, ahd. gefideret, Part. Prät. von fiedern. j Gefilde, n. (-s, PI. \ne Sg.): Gesamtheit oder. Gebreite des Feldes. Mhd. gevilde, ahd. gifildi n. «freies Feld, Flachland». Kollektiv von Feld (s. d.). Der Plui-. Gefilder bei P. Fleming 17 usw. und Wieland 31, 53 j schon ahd. bei Notker kefilder. Geflatter, n. (-s): immittelbar wieder- holtes Flattern. 1741 bei Frisch. Im Ab- lautsverhältnis Geflitter und Geflatter bei Goethe 2, 89, md. im 14. Jh. gevlitter n. «heimhches Lachen, Gekicher». Geflecht, n. (-es, PI. -e) : Flechtwerk. 1482 im Voc. theut. k5*' geflecht. Unverkürzt bei Goethe Faust8367 Geflechten. Zu flechten (s.d.). geflissen, Part.: unausgesetzt woraufhin tätig, entschlossen; absichthch. Mhd. ge- vliggen, ahd. gifli^an, gifli^gan, Part. Prät. I von ahd. fli^an, gifli^an, mhd. vli§en, gevU^en «Fleiß anwenden, sich befleißen» (s. Fleiß und befleißen). Davon Geflissenheit, f., im 15. Jh. bei Wyle 311, 17 geflissenhait imd 294, 16 gefliessenhait f. geflissentlich, adj. eifrig, bestrebt, absichtlich, ui'spr. Adv. zu geflissen, 1741 bei Frisch, ohne eingeschobenes t im 16. Jh. geflissenlichen (Zimm. Chron. ^ 3, 391, 11). 649 Geflügel gegen 650 Geflügel, n. (-S, PI. wie Sg.): Gesamt- heit von Flügeltieren; Vogel (Opitz 1, 61, selten); G-efieder (Maler Müller 1, 37). In der 1. Bed. spätmlid. gefliigel n., von Flügel als dessen Kollektiv. geflügelt, Part.: mit Flügeln versehen, 1537 bei Dasvpodius geflüglei. Geflüster, n. (-s): anhaltendes Flüstern (Maler MüUer 1, 31). 1777 bei Adelung Ge- flister n. Ton flüstern (s. d.). Gefolge, n. (-S, PI. wie Sg.): Gesamtheit der begleitenden Personen, Hofstaat (1616 bei Henisch Gefolg) ; dann büdlich Begleitung (bei Geliert). Ahd. im 9. .Jh. gafolgi n. «das Folgen»; dazu ndl. 1598 ghevolgh «Gefolge», jmord. fylgi n. «Unterstützung, Beistand», fylgd f. «Begleitung, Gefolge». ABL. Ge- folgschaft, f., im 19. Jh. Gefräß, n. (-es, PI. -e) -. Speise als derber Ausdruck:* Schlemmerei; Maul (1582 bei Fi- schart Garg. 337, noch in der Volkssprache). Mhd. gevrce^e n. «das Fressen, Schlemmen, Lüsternheit». Kollektivum zu Fraß (s. d.). gefräßig, adj. : viel fi'essend, 1616 beiHenisch, mhd. vrm^ic. Gefreiter, der Gefreite (-n, PI. -n): vom Schüdwachestehen befreiter Soldat. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 109 Gefreyter. Part. Prät. von freien, mhd. vrien «wovon frei- machen, befreien» (1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 18* so sei ein jeder wider das- selbig Fendlin gehörig auff die Wacht ziehen und deß nieinandt gefreyet seyn). gefreund, adj.: als Freund d. h. durch Verwandtschaft verbunden. Xur noch alter- tümlich. Mhd. gewinnt, substantivisch PI. gevriunde, md. gefrünt, ein zu mhd. vriunt m. «Freund, Verwandter» gebildetes Adj., auch bei Luther als Substantiv der und die Gefreundte, bestimmter die Gefreundin (Werke 8, 127 ^ Jen. von 1543); davon verschieden das gleichbed. Part, gefründet im 14. Jh. (Städtechron. 8, 379, 8), bei Luther 8, 41** gefreundet, zu mhd. ' vriunden, gevriunden «zum Freunde d.h. durch Verheiratung zum Verwandten machen». gefrieren, v. : zusammen-, fest-, anhaltend frieren. Mhd. gewiesen, ahd. ga-, gifriosan. Von frieren (s. d.) und ge, das hier noch I die alte Bedeutung «zusammen» hat. Dazu das Part, gefroren: durch vermeintliche Zauberei unverwundbar, fest (Schiller Wallen- steins Tod 5, 2), 1626 im Fadingerlied und 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 174* ent- sprechend ahd. gafroran «in Eis verwandelt». Gefüge, n. (-.s, PI. wie Sg.): Verbindung oder Zusammensetzung eines Körpers, 1734 bei Steinbach. Im 17. -Jh. in der Bed. «Schick- sal». Zu p.igen (s. d.). gefüge, gefügig, adj.: sich leicht an- j passend, wozu schickend. Mhd. gevüege, md. gevüge, auch «fügsam, schicklich, höflich», ahd. gafogi «zusammenhangend, passend, ge- eignet»; davon abgeleitet spätmhd. im 15. Jh. geßgig «die Schicklichkeit beobachtend», 1734 bei Steinbach in der Bed. «sich einfügend». Gefügigkeit, f.: Biegsamkeit, 1808 bei Campe, spätmhd. ^e?;2 gaißUat. Geißbock, m.: Ziegenbock, mhd. geigboc m. Geißfuß, m. : Pflanze mit ziegenfußartigem Blatte (Aego- podium podagraria), 1588 bei Tabernämon- tanus, Mhd. geigvuog m. «Ziegenfuß», Mitte des 15. Jh. geißfuß m, «vom gespaltenes Brecheisen». Geiß-, Geißenmilcli, f.: Ziegenmilch, mhd. geipnilch, aber Geißen- milch ist zusamm enges, mit dem mhd. Adj. geigin, ältenihd. geyssen, schon frühmhd. geiginin milch. Geißel, f. (PI. -n): Schlag-, Züchtigurgs- werkzeug mit Riemen zum Schwingen; (west- md.) Deichsel. In der 1. Bed. mhd. geisel, ahd. gaisala, geisüa f., im 15. Jh. vereinzelt geißel (Diefenbach. gl. 237*^), elsäss. im 14. Jh. geischel, im 17. Jh. bei Duez und Krämer Geissei, im 18. Jh. bei Eädlein und Gottsched Geißel zur Unterscheidung von Geisel (s. d.). Dazu mnd. geisel, mndl. gesele, ndl. geesel f. «Peitsche», anord. geisl m. «Stab beim Schnee- schuhlaufen zum Beschleunigen des Laufes». Demnach ui'spr. wohl der Geißelstock mit Schnur, seit dem 15. Jh. allmähhch durch die zum Teil aus Leder hergestellte Peitsche (s. d.) zui'ückgedrängt, aber noch in Ober- deutschland, Hessen, Luxemburg, Westthü- ringen u. im Erzgebirge. In der Bed. «Deichsel» 1540 bei Alberus dict. Bb2^ geissei, noch wetterauisch Gaisiln f., in Hessen Geischel, Gischel f., mi-hein. im 15. Jh. gysel (Diefenb. gl. 576^). Da man von der Bedeutung «Stab, Rute» ausgehen muß, so ist Ger (s. d.) ver- wandt. Vgl. auch noch E, Schröder ZfdA. 42, 64. ABL. geißeln, v., mhd. geisein. Geißler, m., mhd. geiseler, elsäß. im 14. Jh. geischeler m. Geist, m. (-es, PI. -er): bewegender be- lebender Hauch; der Gotteshauch; die in einem Wesen wirkende Grundkraft, daß es denkt; unkörperliches überirdisches Wesen; (nhd.) bildlich von Stimmungen und Rich- timgen des Menschengeistes (1525 bei Zwingli vom Teuf r 3* Geist der Einträchtigheit, bei Luther 3, 26^ der zornige Geist); der geistige Inhalt oder Sinn im Gegensatz zum Buch- staben (2. Kor. 3, 6) ; aus Köi^pern entwickelte Kraftflüssigkeit, Quintessenz (1582 bei Fischart Garg. 294 Geist m. als Alchemistenwort, vor- her bei Paracelsus Opera 1, 2^ die Geist der Kreuter und Würzen, vom schäumenden Wein 1685 bei Grimmelshausen Simpl. 2, 53, 18 KUr. daß er im Einschencken rauschet und seine Geisterlein über das Glas hinausspringen). In Bed. 1 — 4 mhd. geist m. (PI. geiste und im 14. Jh. auch geister), ahd. geist m. (PI. geista); dazu asächs. gest, geist, mnd. geist, nnd. geest, mndl. gheest, afries. gast, ags. gast, gcest m. (engl, noch ghost «Gespenst» und vom heiligen Geist, s. u.), dafür im Got. ahma m. (s. Atem) und im Anord. andi m., önd f. «Geist». Verwandt mit got. usgaisjan «erschrecken, von Sinnen bringen», usgeisnan «außer sich geraten», anord. geisa «wüten», engl, aghast «aufgeregt, zornig», aind. hedati «er ärgert, kränkt», hedas n. «Zorn». Vgl. V. Bradke KZ, 28, 295, Insbesondere der böse Geist, mhd. der boese geist «der Teufel»; guter Geist «Schutzgeist», 1540 bei Alberus dict. BB 2^ guter Geyst, guter Engel nach Ps. 143, 10 (ahd, bei Notker din guote geist); der heilige Geist, ahd. zuerst wiher dtum, dann heilager geist, mhd. der heilige geist, verkürzt heiliggeist, heili-, heile-, heilgeist, asächs. helag gest, ags. hälig gast, engl, the holy ghost, dafür anord, heilagr andi, got. ahma weihs. ABL. -geistern, s. be-, entgeistern. geistig, adj,, mhd, geistic, mnd, geistich. geistlich, adj,: im Gegensatze von weltlich und fleischlich, in der altern Sprache auch für geistig, mhd. geistlich, ahd. geistlich, bei Notker auch geislich, asächs. gestlik, afries. gästlik, jestlik, ags. gästllc, engl, glwstly ; subst. Geist- licher, m,: Priester. Seit dem 15, Jh,; dazu Geistlichkeit, f., mhd, (md,) geistlichkeit, 661 Geiz Gelage 662 mnd. geistlicheit f. «geistliches Leben, Fröm- migkeit», dann «geistlicher Stand, Gesamt- heit der Geistlichen». ZUS. 1) mit dem PI. Geister: geisterbleicll , adj., bei Schiller Fiesco 5, 12 u. Wallenst, Tod 4, 11. geister- haft, adj., bei Goethe 20, 310. Geister- stunde, f., bei Gotter Ged. 1, 155. Geister- welt, f., bei Haller Ged. 172, Hagedorn 1, 59. 2) mit dem Gen. Geistes: Geistesabwesen- heit, f., bei Campe 1808, daraus gebildet im 19. Jh. geistesabwesend. Geistesgegen- wart, f., bei Herder Ideen 4, 320. geistes- krank, adj., bei Campe 1808. 3) mit Geist: geistlos, adj., md. im 14. Jh. geistelos. geist- reich, adj., bei Luther sowohl «voll religiösen Geistes» 3, 282^, als auch in weltlichem Sinne 3, 72^ geistreicher Kopff und in Bindseils Bibelausg. 7, 417 geistreicher Poet, geist- voll, adj., 1741 bei Bodmer, ^Geiz, TU. {-es, PI. -e): zu entfernende wuchernde Xebentriebe an Pflanzen, bes. zwischen Blattstielen am Weinstock, am Tabak. 1721 bei Jablonsky. Ln Rheingau auch Fem. Eins mit dem folg. "Wort, eig. «der den Saft gierig saugende und den fnxchttragenden Zweigen entziehende Schoß». "Geiz, m. (-es): allzu große Begierde, Geld und Gut zu haben und zu behalten. Älter- nhd. Geit, mhd. und ahd. git m. «Heißhunger, ungezügelte Gier, Habgier», woneben mhd. gite f., Ende des 13. Jh. gize (j. Titm-el 3338), im 14. Jh. geifz, geiz m. «Habsucht»; dazu afides. gää «etwas Erwünschtes», ags. gäd, gced n. «Mangel, Armut, Verlangen, Begierde», got. gaidiv n. «Mangel», asächs. meti-gedea f. «Nahrungsmangel», urverwandt mit lit. geidzii «ich begehre» (Inf. geisti), abg. zida^ «ich er- warte» (Inf. zidati). Da mhd. t nicht zu nhd. z wird, so ist G. erst wieder eine Rück- bildung von geizen, v. : Geiz üben, bei Luther geitzen, mhd. von git abgeleitet gitesen, gitsen «gierig, habgierig sein» neben gleichbed. ^i^e«, ags. gitsian «begehren» nebst gltsung f. «Hab- gier». ABL. geizig, adj.: allzusehr mit Geld und Gut zurückhaltend, im 15. Jh. gitzig, geytzig, geiczig, im heutigen Sinne, mhd. gitec, gitic, ahd. gitag «gierig, habgierig». ZUS. Geizhals, m.: der Geizige, bei Luther, urspr. ältemhd. gieriger Hals oder Schlund. Geiz- kragen, m.: Geizhals, 1808 bei Campe, zusammenges. mit Kragen im Sinne von «Hals». Gejaid, n. (-es): Jagd. Bei Uhland 410 aus ältenihd. Gejaid, mhd. gejeide, gejegede n. neben gejaget, gejeit und gejege n., Substantiv zu jagen (s. d.). Geklüft, n. (-es), wie es scheint, von Klopstock gebüdet. Geköse, n. (-s) : wiederholtes Kosen. Mhd. geköse, ahd. kichosi und chösi n. «Gespräch, Geschwätz», abgeleitet von kosen (s. d.). Gekreisch, n. {-es, PL -e): starkes, wie- derholtes Kreischen. Md. im 15. Jb.. gekrtsche, gekriesch, ndrhein. im 15. Jh. gekrisch, ün- gewöhnhch Gekreusche n. (Lessing Em. Gal. 4, 3), 1691 bei Stieler. Gekritzel, n. (-s): Kritzelei. 1678 bei Krämer. Gekröse, n. (-s, PI. wie Sg.): das kleine Gedärme; vielgefältelte Krause (1562 bei Ma- thesius Sar. 69'' Gekröse, 1590 bei Fischai-t Garg. 3 Gekröß neben älternhd. Kröß n.). In der 1. Bed. mhd. gekrosse n. neben kroese n. (ahd. chrose «Krapfengebäck»); dazu mnd. gansekroese, gosekros, mndl. kroos, kroost, kroes, kroest «Gänse- und Entenklein». Eines Stammes mit kraus (s. d.). Gelache, n. {-es, PI. -e) und Gelächter, n. (-S, PI. ■svie Sg.): starkes, wiederholtes Lachen. Ndrhein. im 14. Jh. gelach, spätmhd. 1412 gelech (Diocletians Leben 2172j, Sub- stantiv zu lachen. Gelächter, mhd. gelehter n., ist Kollektiv zu mhd. lahter n., im 15. u. 16. Jh. lechter, ahd. hlahtar, lahter n. «das Lachen» (dazu ags. hleahtor, hlehter m., engl. laughter, anord. hlätr m., dän. latter), einer Ableitung von lachen (s. d.). In übertragener Bed. östr. hölzernes Gelächter «die Stroh- oder Holzfiedel», schon im 16. Jh. bei Schade Sat. 2, 233, stählern Gelächter in Mozarts Zauberflöte, wofüi- später Glockenspiel. Gelage, n. (-s, PI. wie Sg.), verküi-zt Gelag: Zusammensein zu lustigem Trinken oder Speisen. Im 18. Jh. durchgedrungen füi- ältres Gelach (1501 im Leipz. Yoc. opt. Bb4^, allgemein im 16. und 17. Jh., noch bei Wieland und Lichtwer) neben Geloch, Gloch und Gelack, vereinzelt bereits im 16. Jh. Gelag (Froschmeus. 1, 2, 6), Glag (Waldis Es. 4, 68, 18), aber schon im 14. Jh. ndrhein. geloch, geloyg, 1435 in einer Düsseldorfer Schützenurkunde gelaich, mnd. gelach neben lach (auch md. 1517 bei Trochus 0 3^ contu- bemium, societas, ein laech), mndl. gelach und gelage, nndl. gelag n. Die ältre Bed. ist «Zeche, Zusammengelegtes zu Trunk oder Schmaus, Gesellschaft, Gilde». Abgeleitet von legen (s. d.), vom Zusammenlegen des 42* 663 gelahrt gelb 664 Geldes, älinlich wie got.gabaur m. «Schmaus» und gabaur n. «Steuer» zu got. gabairan «zu- sammentragen ». gelahrt, statt gelehrt. Nur noch alter- tümlich. Md. im 14. Jh. gelärt (füi- mhd. geleret), im 15. und. 16. Jh. auch oberdeutsch. S, lehren. Gelahrtheit, f., im 17. Jh. bei Rachel 8, 422. Gelände, n. (-5, PI. wie Sg.): Landschaft. Mhd. gelende, ahd. gilenti n. «Land, Gefilde». Kollektiv zu Land (s. d.). Oeländer, n. (-s, PI. wie Sg.): Stangen-, Latten-, Eisenstabgerüste' zum Einfriedigen oder Daranlehnen. Mhd. im 14. Jh. gelanter, im 15. Jh. gelenter, gelender n. Kollektiv zu mhd. lander n. «Stangenzaun, Zaunstange, Latte» (noch oberd. Lander f.), wohl urver- wandt mit lit. lentä f. «Brett». Der Neben- foi-m Gelände n. (schon 1580 bei Sebiz Feld- bau 50 Gelänt, zu bayr.- alemann. Lande f. «Latte», das bereits im 16. Jh. bei Fron- sperger bezeugt ist) entspricht 1477 clevisch gelynt, mnd. glint, nnd. glind n. «Umfriedung mit Brettern oder Latten». Davon gelän- dert, adj.: mit Geländer versehen (Schiller Spaziergang 39), 1616 bei Henisch ein ge- lenderter Steg. gelangen, v.: sich bis wohin erstrecken; bis wohin kommen. Mhd. gelangen, ahd. gi- langon. Verstärkung von langen (s. d,). Crelärr, n. {-es, PI. -e): schlechtes, der Ausbesserung bedüi-ftiges Gebäude ; unfest ge- wordnes Gerät. Noch wetterauisch Gelirr; dazu östr. Glär n. «Platz, Gelieger». Ahd. giläri n. «Wohnung» (z. B. bei Otfrid 1, 11, 11 alt giläri «alter Wohnsitz»), abgeleitet von dem in Ortsnamen (Goslar, Fritzlar) vor- kommenden ahd. lär «Niederlassung, Wohn- sitz», als dessen Kollektiv. Unbekannter Hei'kunft. Gelaß, n., auch m. (Gen. Gelasses, PI. Gelasse) : Raum zum Aufbewahren, Bequem- lichkeit im Hause (bei Frisch 1741). Mhd. gelcege n. «Niederlassung, Niederlassungsort», auch «das aus dem Nachlasse des verstorbnen Eigenmannes dem Herrn Gebührende» (auch lag m.) und «Benehmen, Gebaren», geläg m. n. «Verleihung, Benehmen»; dazu mnd. lät, mndl. ghelaet «Gebärde, Benehmen». Sub- stantiv zu lassen (s. d.). gelassen, Part, als Adj.: mäßig bei Gemütsbewegung, schon mhd. gelägen, urspr. «gottergeben», Part. Pass. von mhd. gelägen, ahd, gilägan «er-, unter-, niederlassen», im Ahd. auch «zugestehen». Davon Gelassenheit, f., mhd. gelägenheit f. « Gottergebenheit, Ergebenheit». Gelatine (spr. zelatine), f.: Gallertstoff. Aus gleichbed. franz. gelatine f., gelehrte Ab- leitung von lat. gelätus «gefroren», Part. Pass. von geläre «gefrieren machen». 1727 bei Hübner Gelatina. geläufig, adj.: sich leicht und schnell bewegend (Opitz Ps. 45) ; wohlerfahren, wohl- bekannt (1734 bei Steinbach, geläuftig bei Leibniz). Eine Verstärkung von läufig (s. d.). ABL. Geläufigkeit, f., 1745 bei Weber. Geläute, n. (-s, PI. wie Sg.): das Läuten der Glocken, mhd. geliute n., auch allgemein «Schall, Getöse» (ahd. gilüti n., ags. gehlyd, gehlyde n.). Substantiv zu lauten, läuten (s. d.). gelb, adj., bei Luther und noch in md. Mundarten gel, wie fahl neben falb, mhd. gel (Gen. gelwes), ahd. geh (mit 0 aus w, Gen. gelawes), mit b aus w bereits im 14. Jh. gelb; dazu asächs. gelo, in schwacher Form gelowo, mnd. gel, geel, mndl. ghelu, gheluw, ndl. geluw neben geel, ags. geolo (Gen. geolwes), engl, yelloiü; dazu ablautend anord. gulr, schwed.-dän. gul. Mit i aus mit j gebildeten Formen mhd. gilweg neben gehveg, gilwen «gelb färben», gilweht, gihoeleht «gelblich», gilwe f., ahd. giliwi f. «gelbe Farbe», noch i nhd. gilblich, vergilbt. Der Lautverschiebiing gemäß stimmend mit lat. helvus (entlehnt aus* dem Keltischen (?) gilvus) «honig-, hell- gelb», gr. x^öoc m. «grüngelbe Farbe», x^<^n f. «erster grüngelber Pflanzentrieb», x^"JP, spätmhd,g'i7/'m. «Schrei»; dazu ahd. gelhon «einem etwas weis machen», asächs. galpon «laut rufen, sich rühmen», ags. gilpan, gelpan «sich rühmen», anord. gjalfr n. «Brausen, Brandung», mnd. gelve «Wasser- woge». Wohl Ableitung von gellen. Man vergleicht noch aind. pra-gälbhati «ist mutig, entschlossen», pragalhhäs «mutig, entschlossen» (mit g aus gh wegen des hh). (xelichter, n. (-s) : Gleichheit des Wesens ; Inbegriff von Personen gleichen Wesens. Im 15. Jh. bei Beheim Ged. 9, 936 glihter, 1562 bei Mathesius Sai-. 97^ Gelichter, in Wörter- büchern erst bei Steinbach 1734, mit ver- ächtlichem Nebensinn seit dem 17. Jh. (Simpl. 3, 12 Kurz); Nebenformen Gelächter (1648 bei Harnisch aus Fleckenland 74), Glifter (bei Abr. a. S. Clara Judas 1, 298, noch bayr.- tirol.), siebenbürg. Geläfter «eins von einem Paar». Davon mhd, im 14. Jh. gelichtergit m. «Angehöriger derselben Familie», im 13. Jh. glihtride f. «Geschwisterschaft» (Berthold v. Regensburg 1, 93, 7), im 12. Jh. gliherte f. «Geschwisterlichkeit» ('?). Man faßt jetzt Ge- lichter als Kollektivbildung zu ahd. lehtar, lehter und gilehter «Gebärmutter». Dies ist abgeleitet von liegen, eig. «Ort des Liegens», vgl. and. lätr n. «Liegestätte» und entspricht gr. X^Kxpov n. «Bett, Ehebett». Dabei bleiben die Formen mit f unaufgeklärt. gelieben, v.: Heb sein, belieben. Nur noch altertümlich. Mhd. gelieben «angenehm sein oder werden», mnd. geleven; trans. mhd. geliehen, ahd.giliuhan «lieh, angenehm machen», ags. gelufian «lieben». Geliebte, m. und f., das Part. Prät. von lieben (s. d.) als Sub- stantiv, in allgemeiner Bed. bei Luther (im Predigtstil Geliebte in dem Herrn 1678 bei Ki'ämer), im engern Sinne 1541 bei Frisius QZ^ die Geliebte «amica». geliefern, v.: aus dem flüssigen Zustand in einen festern übergehen. 1562 bei Mathesius Sar. 80 ^ geliefern, mhd. gelibern, liberen ; dazu das Part. Prät. ahd. im 11. Jh. giliber 6t a geronnen», mhd. gelibert, md. im 14. Jh. gelibbrit und im 15. Jh. geleffert, 1595 im Froschmeus. 1, 2, 11 gelebert (spätere Var. gelievert, geliewert) ; dazu mnd. leveren «gerinnen machen». Gleichen Stammes wie Lab und Lebermeer (s. d.). geliegen, v.: niederliegen, zu liegen kommen, niedersinken, -fallen ; niederkommen, ins Kindbett kommen (l. Sam. 4, 19). Mhd. geligen, ahd. giligan «daniederliegen, sich niederlegen», im Mhd. auch vom Kindbett. gelind, adj.: unverkürzt gelinde, mhd. selten gelinde, verstärktes lind (s. d.). Oe- lindigkeit, f., bei Luther. gelingen, v. (Prät. gelang, Konj. gelänge, Part, gelungen): gut vonstatten gehen, ge- wünschten Erfolg haben. Verbunden mit sein, bei Luther (1. Makk. 2, 47) mit haben. Mhd. gelingen, ahd. gilingan; auch das ein- fache mhd. und mnd. lingen bed. «vorwärts gehen, glücken». Gleichen Stammes wie ahd.-asächs. lungar, mhd. lunger, ags. lungre «rasch, schnell»; dazu gr. dXaqppöc «schnell», aind. laghüs, raghüs «rasch, schnell, leicht» u. a. Weiter aind. kmghati, latdghäjati «springt auf, verletzt, beleidigt», auch rqJiate «rinnt, eilt», awest. rdnjaiti «macht Glück», ir. lei «Sprung». Auch gr. eXeyxeiv «schmähen, ver- achten» könnte verwandt sein. Gmndbedeu- tung «aufspringen», auf der andern Seite könnte auch lit. linkti «sich biegen», lenkti «biegen» herangezogen werden. gell, adj.: gellend. 1482 im Voc. theut. k6*> gell, mnd. ghel. Zu gellen, v.: hell, scharf durchdringend schallen. Jetzt schwach-, ehedem starkbiegend, mhd. gellen (Präs. gille, Prät. gal, Plur. gullen) «die Stimme laut hören lassen, klingen», ahd. gellan; dazu rnnd. gellen, gillen, ndl. gillen, ags. gellan, gillan «klingen, die Stimme ertönen lassen», anord. gjalla, gella «ertönen». Die Wurzel gel «tönen» auch vielleicht in gr. xeA.ibüjv f. «Schwalbe». geloben, v.: sich mit Worten feierlich wozu verbindlich machen. Mhd. geloben, ahd. gilobon «beifällig erheben», dann «Beifall gebend sich wozu verbindlich machen, ver- sprechen, vei^loben». Zusammenges mit loben (s. d.). Davon CJelÖbnis, n., im 15. Jh. gelobe- nisse, gelobniß, 1616 bei Henisch Gelöbnuß. 669 Gelos Oelze 670 Gelos, n. (-es): Exkremente des Wildes. Weidmännisch, 1582 in Feyerabends Weid- werkbuch 37 '^ Geloß, 1580 bei Sebiz Feldbau 573 GZoyÖ, im 15. Jh. ^r^o.se n. (Schmeller 2 1, 977). Kollektivbildung zu ^Los (s. d. und Losung). Gelse, f. (PI. -n): Schnake, Mücke. Baj^r.- östeiTeichisch. 1687 bei Hohberg 1, 453 "^ Gelsse, bei Abr. a S. Clara Etwas f. Alle 2, 626 Gölsen f., 1678 bei Ki-ämer Golse, um 1480 im Voc. ine. teut. kl^ golsen f. Von gelsen «summen, schreien», noch bayr.-elsäss., einer xlbleitung von gellen. ■"gelt, das zur Interjektion gewordene Präs. des Konj. von gelten (es gelte): «nicht wahr?» als Aufforderung zur Bejahung, wohl auch zur Mitverwunderung. Im 14. Jh. mhd. ^eWe (Königshofen 261, 16, zu lat. num in der Vulgata 2. Mos. 2, 14). Aus der Rede der. Wettenden entnommen, wie gleichbed. was gelt's im 16. Jh. und wie der Plur. geltet als Interj., 1558 im Katziporus L7'', bei Fi- schart Garg. 143,noch schles. und oberdeutsch. ■gelt, adj.: keine Milch gebend, nicht trächtig, unfruchtbai'. Mhd.-ahd. und noch obd. galt, md. im 14. Jh. gelde; dazu ags. gelde, nordengl. geld, schott. yeld, anord. geldr, norweg. gjeld, altschwed. galder, dann gaalt, jetzt gall. Die einmalige ahd. Glosse gialta, «sterilem» (Steinmeyer- Sie vers 2, 656, 45) knüpft das Wort an alt (s. d.) und ahd. gial- tinön neben alten, elten «aufschieben, ver- zögern», gialtinoti f. «Hindernis»; Hildebrand im D. Wb. aber vermutet Zusammenhang mit anord. galdr «Zaubersang, Zauberei» und als urspr. Bed. «verhext». Gelte, f. (PI. -n): kleineres eimerartiges hölzernes Schöpf-, Aufbewahrungsgefäß zu Flüssigkeiten. Mhd. gelte, älter gellste, gellite, ahd. gelta früher gellita, gellida f., mnd. gelte, ndd. auch gute, wie ags. gellet n.? «großes Trinkgefäß» entnommen aus mlat. galleta, gallidai. «Gefäß, Kübel». gelten, v. (Präs. gelte, giltst, gilt, Prät. ■galt, Konj. gälte und gölte, Part, gegolten): Dargeliehenes oder dessen Wert zurückgeben, vergelten (nur noch dichterisch); einen ge- wissen Preis haben; wofür gehalten werden; abzielend richten nach . . ., abzielend betreffen (mit Dat., früher auch mit Gen. oder Akk.). Mhd. gelten (Präs. gilte, Prät. galt, Plur. gulten, Konj. gulte, gülte, Part, gegolten, da- her älternhd. Prät. golt, Konj. gülte, gölte), md. auch gelden, ahd.geltan «zm-ückerstatten, bezahlen, opfern, vergelten», im Mhd. auch «eintragen, kosten, wert sein»; dazu asächs. geldan, «zahlen, vergelten», ndl. gelden «kosten, wert sein», afries. gelda, jelda «vergelten», ags. gieldan, gildan, geldan «bezahlen, zurück- erstatten», eu^.yield «eintragen, zugestehen», anord. gjalda, altschwed. gjalla, dän. gjälde «bezahlen», got. in fra-, usgildan «vergelten», ürsprtinglich hängt das Wort mit dem heid- nischen Opferdienst zusammen und bed. „ dem verleihenden Gott in Dank oder Sühnung darbringen, gleichsam als Gegenwert geben", daher ags. gieldan «opfern, weihen», gield, gild n. und asächs. geld n. «Opfer» (s. Geld, Gilde, Gülte). Aus dem Germanischen ent- lehnt abg. zledc^ «ich zahle, büße». Die Ver- wandtschaft mit altir. gell n. «Pfand», gellaim «ich verspreche», gr. Te\6oc n. «schuldige Gebühr» ist sehr unsicher. Vgl. Osthoff Idg. Forsch. 4, 268. Sichere Anknüpfung fehlt. ABL. Geltung, f.: Wert, 1616 bei Henisch, aber 1470 geldungk «census». Gelübde, n. (-s, PI. wie Sg.): feierliches Versprechen. Mhd. gelühede, gelübde f. n., md. geliihde n. und gelobede, gelohde, gelöhde n., ahd. güuheda f., von geloben (s. d.). Gelüng, n. (-S, PI. -e): das Geschlinge 1540 bei Alberus dict. Ee2^ Gelimg, md. im 15. Jh. gelunge n., Kollektiv von Lunge (s. d.). Gelüst, Gelüste, n. (-es, PI. -e), älter auch Gelüst m. : mit angenehmer Empfindung verbundene Begierde. Mhd. gelust m. f. und gelüste m., ahd. gilust f., Nebenform von Lust (s. d.), als dessen Kollektiv aber mhd. ge- lüste n. Als Verbum zu Gelust gelüsten, V. impers. mit Akk. (seltner Dat.) der Person und Gen. der Sache oder mit Präp. (nach, wider) oder Inf. mit zu. Mhd. gelüsten, ge- lüsten, ahd. gilusten, ags. gelystan. Geize, f. (PI. -n): verschnittenes weib- liches Schwein. Mhd. galze, geize f. «ver- schnittene Sau», ahd. galza, gelza f. «junge Sau»; dazu mnd. gelte und 1477 clevisch gylte f. «verschnittenes Mutterschwein», ags. gilte f. und engl, gilt «junge Sau», anord. galti, göltr m., gyltr, gylta f. und schwed.- dän. galt «verschnittener Eber», desselben Stammes wie anord. gelda «kastrieren», geldr «entmannt». Doch stimmt die Lautverschie- bung nicht, und man müßte für geize eine Grundform geldnö- «voraussetzen». Dann könnte auch -gelt verwandt sein. Man ver- gleicht aind. hudus m. «Widder», falls dies für hrdus steht. ABL. geizen, v. : ein Tier durch Verschneiden unfruchtbar machen, md. 671 Gemach gemem 672 um 1400 geizen (Rothe Diu-. Chr. 565). Gelzer, Dl. (-5, PI. wie Sg.) : dei- Schweineschneider. In der Schweiz imd im Elsaß. ZUS. Gelzen- leichter, m. (s, PI. wie Sg.): Schweine- schneider, ^och in der Wetterau und am Yogelsberg. Md. um 1400 gelczenlichter m., zu mhd. Uhfen «glätten, kastrieren» (noch bayr. leichten), von mhd. lihte «glatt», liehen, ahd. lichon «glatt machen, polieren». Gemach, n. (-es, ältemhd. auch PI. Ge- much): Ruhe, Wohlbehagen, Bequemlichkeit; (PL Gemächer, seltner Gemache) Bequem- lichkeitszimmer. In der 1. Bed. mhd. gemach m. n., ahd. gimah n., mnd. gemuck, gemake n., mndl. ghemack, in der 2. Bed. mhd. gemach n. «Ort der Ruhe und des Sichpflegens, Zimmer, Wohnung», dann auch «Abtritt» (1316 ein haimlicher gemach), ebenso mnd. Von ge- mach, adj., wohl sich fügend, bequem, mit Bequemlichkeit langsam, mhd. gemach, ahd. gamah, gimah, Adv. gimahlw, ags. gemcec (eig. «womit verbunden, wozu sich fügend, wozu gehörig», wie anord. niakr «passend»), zu- sammengehörig mit machen (s. d.). Davon gemächlich, adj.: zu Bequemlichkeit ge- neigt, nach Bequemlichkeit langsam, mhd. gemechlich, ahd. gimahWi, mndl. gheniackelick; dazu das Adv. ahd. gamahlihho, mhd. gemech- Kche, im 15. Jh. auch gemelich, bei Rachel Sat. 4, 111 Var. gemählich (vgl. allmählich). Gemächlichkeit, f., bei Fischart gl. Schiff 623 Gmachlichkait. ^Gemacht, Gemachte, n. {-es, PI. -e)-. Zeugungsghed. Im mrhein. Voc. ex quo 1469 gemechte n., spätmhd. gemecht n., weiterge- bildet aus dem gleichbed. mhd. gemäht f. und PI. gemehte, ahd. gimah t f. und n. Dazu and. gimaht «penis» mndl. ghemahte. Zusammen- gesetzt mit ahd. muht f. (s, Macht), also zu- nächst «das Zeugungsvermögen des Mannes». -Gemachte, n. {-s, PI. wie Sg.): das Gemachte, bes. Kunst- oder Handwerksarbeit; letztwillige Bestimmung, Testament (diese Bed. im 18. Jh. veraltet). Mhd. gemechte, gemecht n., von machen (s. d.). Gemahde, m. f. n. {-n, PI. -n): Reihe niedergemähten Grases. Im westl. Mittel- deutschland (1208 bei Kehrein Nassau Nachtr. 17 gemäd f. «was ein Mann an einem Tage mähen kann»). Zsgs. mit mhd. mäde f. «Mahd». Gemahl, m. (s, PI. -e) : der ehelich Ver- bundene. Älternhd. im 16. Jh. Gemahel, mhd. gemahele und gemahel, ahd. gimahalo m. «Verlobter, Bräutigam, ehelich Verbun- dener», zu ahd. gimahalan und mahalen «zu- sammensprechen, verloben», abgeleitet von ahd. mahal n. «Vertrag, Ehevei-trag, eig. Ver- sammlung, Gerichtsversammlung, Gerichts- verhandlung, Gerichtsstätte» (s. Mahl 1). Gemahl, n. (-s, PI. -e): ehelich verbun- dene Person, vorzugsweise die weibliche, spätmhd. im 15. Jh. gemachel n. (Städtechron. 4, 123, 1), gemechel n. Fontes rer. austr. 2, 18, 493 von 1405), dann bei Luther Gemahl n. Gemahlin, f. (PI. -nen): Gattin, 1468 ge- mahelin (Germania 28, 367), dafür mhd. ge- mahele, gemahel f., ahd. gimahala, gimäla f. «Verlobte, Braut, ehelich Verbundene» (eig. «die Zusammengesprochene»); vgl. auch and. gimehlida f. «Gattin». gemahnen, v.: nachdrücklich oder stark erinnern. Mhd. und mnd. gemanen, ahd. und asächs. gimanön, ags. gemanian, zusammenges. mit mahnen (s. d.). Gemälde, n. {-s, PI. wie Sg.): gemaltes Bild. Mhd. gemcßlde, md. gemeide, ahd. gimä- lidi n. neben gimäli n., mhd. gemcele, älternhd. Genial, im 17. Jh. Gemüht n. Von malen (s. d.). Gemarkung, f. (PI. -en): Gemeindegrenze und -gebiet, im 18. Jh. (Maler Müller 1, 304 von 1775). Nebenform zu Markung (s. d. unter Mark 1). Gemäß, n. (-es,.Pl. -e): tiefes Maß; Maßart. 1543 bei Mich eisen thüring. Rechtsdenkm. 50 Gemeß n., Kollektiv von Maß (s. d.). gemäß, adj.: nach Verhältnis (urspr. nach dem Maß) übereinstimmend. Mhd. gemcele «Maß haltend, mäßig», dann mit Dat. «ange- messen», md. geme^e, ahd. gemäße «ange- messen» von messen (s. d.), wie genehm (s. d.) von nehmen; dazu mndl. gemaet, ags. gemcete und mcete neben gemet, dem ahd. gime^, me§ (in ungime^ und unme^, asächs. ungimet) entspricht. ABL. Gemäßheit, f., im 16. Jh. bei Kirchhoff Wendunm. 1, 539 Gemeßheit (zu gemäß «entsprechend»), aber mhd. gemce^- heit f. «Mäßigimg». Gemäuer, n. (-s): Mauerwerk, bes. altes (bei H. Sachs Gemewer). Mhd. gemiure n., Kollektiv von Mauer (s. d.). gemein, adj.: mehr als einem, dann der Menge zusammen eigen oder zukommend; allzu vertrauHch (bei Luther 1, 363** J.); zur großen oder niedern Menge gehörig (mhd.), sowie derselben gemäß (in geringschätzigem Sinne 1616 bei Henisch, verächtlich in mora- lischer Beziehimg 1775 bei Adelung, jedoch schon mhd. gemeine wip «allen ohne Unter- 673 gemein Gemüse 674 schied gemeinsam»). In der 1. Bed. mhd. gemein, ahd. gimeini, Adv. gimeino; dazu asächs. gimene, afries. gemene und mene, ags. gamcene (engl. mea)i «niedrig, verächtlicli»), got. gamains «gemeinsam», aber auch «pro- fan» im Gegensatz zu «heihg», aus ga- und main. Übereinstimmend mit lat. communis (altlat. comoinis) «gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, leutselig, niedrig», osk. mmnikad «communi». Das Grundwort moin gehört einer weitverbreiteten Wui'zel an, vgl. Me- ringer Idg. Forsch. 18, 270, communis am besten mit ihm zu moenia PI. «Mauern», d. h, «wer mit mir die Mauern teilt», vgl. Geselle. ABL. Gremeine, Gremeinde, f., mhd. gemeine, ahd. gimeint, got. gamainei f. «Anteil, Ge- meinschaft, Mitgenossenschaft», im Mhd. auch «zusammengehörige Ortsgenossenschaft und deren gemeinschaftlicher Gnindbesitz»; da- neben mhd. gemeinde, ahd. gimeinida f, andd. gimentho m. «Gemeinschaft» (lat. communio f.), im Mhd. die Ortsgenossenschaft in büi'ger- lichem oder kirchlichem Sinne und deren Grundeigentum, vgl. got. gamaiyips f. «Ge- meinde, Versammlung». Gemeinheit, f., mhd. gemeinJieit i. «Gemeinde, Gemeinde- besitz», im 15. Jh. «Gemeinsamkeit», in der Bed. «sittHche Niedrigkeit» erst am Anfang des 19. Jh. gemeiniglich, adv., mhd, ge- meinecltche neben gemeinliche, ahd. gimeinWio (zum Adj. mhd. gemeinlich, ahd. ge)neinWi). gemeinsam, adj., mhd. gemeinsa7)i, ahd. ^a- meinsam. Gemeinsamkeit, f., 1482imVoc. theut. 13^, mnd. mensaniheit f. Gemein- schaft, f., mhd. gemeinschaft f. (auch «Ge- meinde, fleischliches Beiwohnen»), ahd. gimein- scaf f. gemeinschaftlich, adj., 1691 bei Stieler. ZUS. Gemeingeist, m., zuerst bei Herder, dann bei Schiller als Übersetzung des engl, public spirit, franz. esprit public. Gemeingut, n.: gemeinsamer Besitz, bei Bürger II. 1, 124, geistig bei Schiller lO, 383, 22. gemeinhin, adv.: gewöhnlich, bei Adelung 1796, gemeine hin 1734 bei Weber, dafüi' im 16. Jh. in der gemeine hin (Luther 4, 26^ Jen.), gemeinnützig, adj., bei S. Franck Chron. 14« '^ gemein nutzig, Paradoxa Nr. 180 gemeinnützig. Gemeinplatz, m., 1770 von Wieland 14, 293 als Übersetzung von lat. locus communis gebildet, wofür sonst Gemein- ort (Lessing 10, 190 von 1778). Gemeinsinn, m.: der gemeine Menschenverstand (lat. sen- sus communis, 1691 bei Stieler); Gemeingeist (bei Herder und bei Voß 2, 233). Anders Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. mhd, im 14. Jh. der gemeine sin (Mystiker 2, 538, 10 f.), entsprechend in der mittelalter- lichen Philosophie sensus communis, bei Ari- stoteles Koivr] aicörjcic «der sechste allgemeine Sinn, in dem sich die Wahrnehmungen der fünf Sinne zur Einheit sammeln». Gemein- wesen, n,, 1663 bei Schottel 442^ für lat, respuhlica. Gemeinwohl, n,, im 18. Jh. bei Voß nach engl, common weal. gemessen, Part. Pass. von messen (s. d.) als Adj.: genau abgemessen (Lessing 7, 67), kurz und knapp (Goethe 8, 124 gemessene Ordre). Gemisch, n. (-es, PI. -e): Mischung, 1616 bei Heuisch, aber schon ahd. gimisgi n. neben gimiskida f., mhd. im 14. Jh. gemischt n. Gemme, f (PI. -«): Edelstein: geschnittner Stein, Ringstein. Mhd. gimme, ahd. gimma f., gegen 1200 ndrhein. gemme f , aus gleichbed. lat. gemma f. Gemse, t (PI. -n)-. wilde Bergziege. 1537 bei Dasypodius Gems f. und bei Luther der PI, Gemsen, mhd. genieße, ahd. gami^a f. und das Dim. gamictn n., alemannisch Gamsch (bereits im 14. Jh.), Gemsch f., daneben mhd.- ahd. gam^ m., im Teuerdank gembs m. mit schwacher Flexion, noch oberdeutsch Gems m,, bayv.-tkol. auch Neutr., wie Schweiz. Gemschi n. Ein Alpenwort, entlehnt aus gleichbed. ital. und welschtirol. camozza, chur- welsch comuotsch, chamotsch, ladin. gamouc, neuprov, camous, franz. chamois, span. gamuza, canmza, port. camuga, camurga f. und lat. im 5. Jh. n. Chr. camox (vgl. Much ZfdA. 42, 168, Liden KZ. 40, 260), ZUS. Gems- hart, m.: Schmuck am Hute aus Gems- haaren. Erst im 19. Jh. in die Schriftsprache aufgenommen. GemsbOCk, m., 1537 bei Dasypodius. Gcms-, Gemsenkugel, f: Ballen im Magen der Gemse, 1697 bei Ettner unw. Doctor 801 Gemskugel. Gemüll, n. (-s): dvu-ch Zermalmen Ent- standenes, aufgehäufter Staub, Kehricht. Mhd. gemülle, gemiil, ahd. gamulli n., von mhd. müllen, ahd. muljan, mullcm «zerreiben, zer- malmen»; dazu md. gemolle, mnd. genmlle, gemul n. S. Müll. Gemüse, n. (-s, PI. wie Sg.): aus Garten- oder Feldgewächsen gekochte Speise, eig. breiartige; dann jene Garten-, Feldgewächse selbst. In der 1. Bed. bei Luther 2 Kön, 4, 38, in der 2, Bed. bei Spee Trutznachtigall 80 B. Spätmhd. geniüese, mnd. gemöse n. «Speise, Brei», Kollektiv von Mus (s. d.). 43 675 gemüßigt gmeigt 676 £jemüßigt, s. -müßigen. gemut, adj.: in der Seele gestimmt. In wohlgemut So mhd. gemuot, md. gemüde, aber ahd. gimuati «angenehm, lieb, gütig», von Mut (s. d.) gebildet. Gremüt, n. (-es, PL -er): Gesamtheit der eicfentümlichen Seelenstimmungen. Die un- verkürzte Form Gemüthe u. noch bei Lessing 3, 285, Goethe 50, 263 und Faust 176. Mhd. gemüete, getmiote n. in obiger Bed., aber auch «Herz, Inneres, Stimmung, Verlangen, Lust, Begehren, Ansinnen», ahd. gimuati n. «das Angenehme, Gnade, Vortreffhchkeit»; dazu mnd. gemöde, gemöte, gemöt, mndl. gemoede, nnld. gemoed n. «Gemüt». Kollektivbildung zu Mut (s. d.). Der Plur, im 16. Jh. Gemüte, Gemüt (noch bei Goethe 6, 191 Gemüthe), aber bereits bei Fischart Nachtr. 1382 rmd Garg. 453 Gemüter. ABL. gemütlich, adj.: das Gemüt beti-effend (1572 bei Wirsung Arzneib. 513), mhd. gemuotlich «der ange- nehmen Seelenstimmung entsprechend, ge- nehm», md. im Adv. gemütliche «gern, frei- willig» (zu ahd. gimuati n. «das Angenehme, Liebe», gimuati Adj. «angenehm, lieb»), noch im 16. Jh. gemütlich «lieb, willkommen», dann 1723 bei den Herrnhutern in der Bed. «ge- mütvoll», in dieser tiefern Bed. von Goethe in die Schriftsprache eingeführt, im 19. Jh. ironisch verflacht. Gemütlichkeit, f., 1775 bei Adelung, ZUS. Gemütsart, f., bei Geliert 3, 39. Gemütsbewegung, f., 1654 bei Olearius pers. Rosenthal 7, 20. gemüts- krank, adj., 1691 bei Stieler. Gemüts- krankheit, f., 1727 bei Aler. Gemüts- mhe, f., 1691 bei stieler, Gemüthesruhe bei Lohenstein Hyac. 83, Gemütsruwigkeit 1596 bei Hulsius. Gemütsstimmuug, f. Ende des 18. Jh. aufgekommen. gen, präp.: gegen. Üblich nur noch von der Richtung nach einem Orte oder einer Weltgegend, und in gen Himmel. Mhd. gen, gein, zusammengezogen aus gegin (s. gegen), im 16. Jh. auch gehn, ghen geschrieben, jetzt kurz gesprochen. genant (spr. zenänt), s. genieren. genäschig, adj.: naschhaft, in den Fast- uachtsp. des 15. Jh. 857, 22 geneschig, nebst mhd. genesche, genasche n. «Nascherei» abge- leitet von naschen (s. d.). genau, adj.: sich fest anschließend; selbst im Kleinsten übereinstimmend; sehr sparsam. Md. und selten mhd. genouwe, genäive «sorg- fältig», im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 412^ genauwe. gnauwe, gnau «sparsam», als Adv. mhd. genouioe, 1482 genaue «kaum». Wie das einfache mhd. Adj. nou. nouve, naive «eng, sorgfältig», Adv. nouwe, nauwe «knapp, kaum», ebenso mnd. nouwe, nau Adj. und Adv,, mndl. nauwe, nndl. naauw «eng, pünkt- lich». Die Etymologie ist schwierig. Früher stellte man das Wort zu nahe (so Hilde- brandt im DWB.) mit Ausfall eines Guttu- rals. Doch weisen die bedeutungsverwandten ags. hneatv, an. hnöggr «karg, geizig» auf ein h im Anlaut. Dazu weiter an. hiöggva «schlagen, stoßen», die nebst ahd. hniuivan wohl mit gr. Kvüeiv «kratzen» verwandt sind. Anderseits haben ahd. ganüan «stoßen», anord. gnüa, schwed. gno, dän. gmi «kratzen», got. Imauan (aus hi-nauan?) «zerreiben», zu denen genau auch gehören könnte, kein h im An- laut gehabt. Davon Genauigkeit, f., 1664 bei Duez. Gendarm (spr. zqddrm), m. (-en und -s, PI. -en): bewaffneter Schutzmann zur öffent- lichen Sicherheit. Bei Roth 1791 noch Gens d'armes. Campe 1813 Gendarme, aus franz. gendarme m., urspr. gens d' armes «Leute der Waffen, Waffenmänner», in Frankreich seit Karl VII. (15. Jh.). Name der schwergepan- zerten Reiter in den Ordonnanzkompagnien, dann seit 1660 einer Eskadron der königl. Haustruppen und seit 1791 des Straßenpolizei- korps beim französ. Heere. Gendarmerie, f., 1703 im Zeitungslex,, aus iranz. gendarmerie t Gene, f. (spr. zene), s. genieren. Genealogie, f. (PL -n): Geschlechtskunde, -folge, -register. Md. im 14. Jh. genealogye f. (Hans Marienlieder 789), 1538 bei S. Franck , Chron. d. Teutschen 75 '^ Genealogy, aus gr.- lat. genealogia, gr. YeveaXoYia f. «Geschlechts- herleitung», zusammenges. aus gr. Yeved f. [«Geburt, Geschlecht», und -\oYia von dem j von Xeftiv abgeleiteten -Xoyoc «kundig». genealogisch, adj.. nach gr. YEveaXoTiKÖc. genehm, adj.: gern genommen, annehm- I bar; wohlgefällig, angenehm. Mhd. gencenie, ! md. geneme, 1429 genem, ahd. nur nämi, ent- 1 sprechend got. nems in andanems «angenehm»; ; dazu mnd. geneme, mndl. ghename. Zu nehmen (s. d.), wie gäbe (s. d.) zu geben. Davon ! genehmigen, v., 1775 bei Adelung, dafür I im 17. Jh. genehm halten. Genehmigung, f., 1747 bei Reichard Historie d. deutschen [ Sprachkunst 441, wofür im 17. Jh. Genehm- haltung und Genehmhdbung. 1 geneigt, Part. Pass. von neigen (s. d.) 677 general generös 678 als Adj.: günstig, wohlwollend, mhd. (md.) geneiget. Davon Geneigtheit, f., bei Besser Schriften 334 vom J. 1717. general, adj.: allgemein (1548 bei Waldis Esop 4, 4, 72 Capifel general, heute General- kapitel); in Zusammensetzung namentlich bei kriegerischen und geistlichen Begriflen imd Ämtern «Ober-, Haupt-» (s. Genei'al). Aus lat. generalis «allgemein», eig. «die Gattung (lat. genus n.) betreffend», woher das franz. Adj. general. ZUS. Generalbaß, m. : Haupt-, Grundbaß, 1626 General-Baß (Germania 29, 352), 1638 bei H. Albert Arien Vorr. S. 2. Generalbeichte, f.: umfassende Haupt- beichte, bei Grimmelshausen Simpl. 2, 173, 2 Elh: General Beicht. General marsch, m., allgemeiner Heeresaufbruch, 1691 bei Stieler. Generalprobe, f.: Hauptprobe, 1595 bei Prätorius Anatomia Luthei-i 3, 84 Generalproh. Generalyersamnilung, f. Erst im 19. Jh. General, m. (-5, PI. -e und Generäle, im 17. u. 18. Jh. Generals, z. B. Moscherosch Phil. 1, 288 und noch bei Schiller Pikk. 2, 7): Heerführer. Kirchlich bereits im 13. und 14. Jh. mhd. greneraZ m. «Haupt eines Mönchs- ordens», aus mlat. generalis (s. general). Als deutsche Kriegswürde im 17. Jh. (1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 135 ff.), von fran- zösischen Heerführern vereinzelt schon 1510 bei "VTeUer Zeitungen 17, aus gleichbed. franz. general m., gekürzt aus schon 1349 bezeugtem capitaine general (bei Weller 55 übersetzt durch Hauptnian general). Der höchste Be- fehlshaber des Kriegsheeres hieß mhd. houbet- man, im 16. Jh. der oberst Hauptmann (1556 bei Frisius 1057^), 1535 oberste)- Veldliaupt- man (Mone Anz. 8, 301), 1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 47 ''ff. General Oberst Hauptmann, General Oberster, General Oberst, im 17. Jh. General (1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1,9'' nebst Generalat n. «Feldhermamt, Ober- befehl» 1, 294^) und Generalissimus, m. I (1665 bei Böckler Kriegsschule 37, franz. im 16. Jh. generalissime m.), ein neugebildeter Superlativ des lat. generalis. Dazu Genera- , lin, f., bei Grimmelshausen Simpl. 2, 315, 16 Kllr. Generalität, f.: Gesamtheit der Feld- : herren, 1651 in Möhners Reise 86 Generalitet, : im Simpl. 153 und 444 Generalität. ZUS. ' Generaladjutant, m.: Adjutant im un- mittelbaren Dienst des Oberfeldherm, 1651 \ in Möhners Reise 89, nach span. ayudante general, woher auch franz. adjudant general '\ (s. Adjutant). Generalauditeur, m.: derj I oberste i-echtsgel ehrte Richter im Heerwesen, 1665 bei Böckler Ki-iegsschule 54 General Auditor neben Generalgeicaltiger m. ^Qi&nersX- profoß» 58, General- Auditeur im Anfang des 17. Jh. bei Besser Schriften 352 (s. Auditeur). Generalfeldmarschall,m.,i665beiBöckler Kriegsschu\e4:lGeneral-Feld-Marschalk9/iai^'a«Name eines Geistes». Aus dem Germanischen ent- lehnt abg. gonisti, gomznajti «gerettet, wer- den». ABL. Genesung, f., 1616 bei Henisch. genial, adj.: starkgeistig, schöpferisch, geistig schwungvoll. Gegen Ende des 18. Jh. (1797 bei Schiller 11, 141), etwas früher genialisch (bei Wieland 10, 243, Goethe Briefe 2, 25). Zu Genie (s. d.), der Form nach zu dem lat. Adj. geniälis «seinem genius d. i. seinem eingebornen Geiste gütlich tuend. Genialität, f., 1797 bei Schiller 11, 177. Genick, n. (-es, PI. -e): die Gegend der Halswirbel. Die vollere Form Genicke noch bei Wieland 22, 158, Rückert 1, 530. Mhd. genic, genicke n., im Ablautsverhältnis zu gleichbed. Nacken (s. d.), um 1480 im Voc. ine. teut. iS^ genack neben genacken h8^ als Mask., bayr. Genäck und tirol.-österr. Gnack n. ZUS. Genickfang, m.: Stich ins Genick mit einem spitzen Messer, weid- männisch 1719 bei Fleming Jäger 2, 107^ Genück-Fang. Genickfänger, m.: Nick- fänger (s. d.). Genickstarre, f.: Krank- heit, die sich in einem Steifwerden des Nackens äußert. Neuere Bildung. Genie (spr. fem), n. (-s, PI. -s): Schöpfongs- kraft, feuriger Schöpfergeist (bei Geliert 5, 79 vom J. 1751) ; Person voll feurigen Schöpfer- geistes (1739 bei Liscow 741, 10). In der Bed. «natürliche Anlage und Geschicklichkeit wozu» schon 1706 bei Menantes Allerneueste Art a6^ und 1715 bei Elis. Charlotte 2, 630. Auch als Mask. bei Wieland, Schiller Künstler 255. Nach der Aussprache mehrmals bei Herder, bei Schiller Wall. Lager V. 209 Schenie geschrieben. Aus dem gleichbed. franz. genie m., urspr. «Schutzgeist», von lat. genius m. «Schutzgeist, Geist» (s. Genius). ZUS. Geniestreich, m., 1782 im Almanach der Bellettrist. 100. Dagegen Genietruppen, PI., Geniewesen, n., in der Militärsprache seit dem 18. Jh. nach franz. genie m. «In- genieurkunst, Ingenieurkoi'ps», von mlat. genium für ingenium n. «Maschine, kunst- volles Werkzeug», im Lat. «Erfindungsgeist, geistreiche Erfindung» (s. Ingenieur). genieren (spr. few-), v.: Zwang antun, beschweren, lästig fallen. Beim j. Goethe 3, 498 geniren und nach der Aussprache 3, 563 scheniren, ebenso bei Hermes Soph. 2, 651 schenieren. Aus franz. gener «martern, quälen, belästigen», afranz. gehine, nfranz. gene f. «Folter, Qual, Zwang», abgeleitet aus kirchenlat.-hebr. gehenna f. «HöUe», hebr. gehinnöm «Tal des Gewimmers» auf der Südseite von Jerusalem, dem Götzen Mo- loch geweiht, genant (spr. zenänt): be- lästigend. Aus franz. genant. Part. Präs. von gener. Noch nicht bei Campe 1813. Gene (spr. zene), f.: Zwang, den man sich auf- erlegt. Aus gleichbed. franz. gene f. (s. o.). Bei Campe 1813. Genieß, m. (-es, PI. -e), mhd. genieß, md. genl^ m. «das Genießen, Benutzung, Nutznießung, Ertrag, Nutzen, Vorteil, Lohn, Genuß •>•>, neben gleichbed. mhd. niegm., ältemhd. Nieß (s. Nießbrauch) ; dazu mnd. genet m. n., mndl. geniet n. Bayrisch. Von genießen, v. (Prät. genoß, genössest usw., Konj. genösse, Part, genossen): zu guter An-, Verwendung haben; angenehm empfinden; Speise oder Trank zu sich nehmen. Mhd. genießen (Präs. geniu§est, gemutet, daher älternhd. bis Ende des 18. Jh. geneußest, geneußt und Imp. geneuß, Prät. mhd. genog, Konj. genügte, Part, genügten), md. genigen, ahd. giniogan; dazu mnd. geneten, mndl. genieten, aber got. ganiu- tan «fangen» nebst nuta m. «Fänger, Fischer». Zusammengesetzt mit mhd. niesen, ahd. niogan, älternhd. nießen (noch bei Wieland an Merck 16. Jan. 1777 und schweizerisch), asächs. niotan, afries. nieta, niata, ags. neotan, anord, njöta, got. niutan, gleichbed. mit genießen, urverwandt mit lit. naudä f. «Nutzen», naüdyti «begehren», panüsti «sich gelüsten lassen». Aus dem Deutschen noch Nutzen und Ge- nosse (s. d.). Die Zugehörigkeit von lat. 681 Genist genug 682 nutnre «ernähi-en» ist zweifelhaft. Vgl. ' Walde s. v. ABL. genießbar, adj., 1691 ' bei Stieler. Genist, Geniste, n. (-es, PI. -e): Abgang von Stroh, Eeisicr usw., eisr. «was der Vogel zum Xestbau braucht». Mhd. geniste, genist n. j «Nest», Kollektiv von Xest (s. d.), bereits im 14. Jh. in der heutigen Bed. Xoch obd. Genitiy, Genetiv, m. {-s, PI. -e): Fall auf die Frage wessen? Zeuge-, Besitzfall. Aus lat. genitivus, nach den besten Hand- schiiften genetivus «Angeborensein, Zeugung anzeigender» (zu ergänzen casus, s. Kasus), gebildet nach gleichbed. gr. -feviKr) f. (nämlich TTTlLciC «Fall». Genius, m. (PI. Genien): Schutzgeist, Flügelgeist. Als Schutzgeist des Dichters schon bei H. Sachs 1, 437 flf., im 18. Jh. durch Winkelmann, Lessing, Wieland in der Lite- ratur heimisch geworden. Der PI. Genien bei Klopstock Od. 193. Aus glbd. lat. genius m. Genösse, m. (-n, PI. -n), verkürzt Genoß: Gefährte, Teilhaber, eig. der Mitgenießende. ähnlich wie gleichbed. got. gahlaiha m., eig. «Brotgenosse» (s. Laib), und Kompagnon (s. d., abgeleitet von lat. pänis m. «Brot». Etwas anders Meringer Idg. Forsch. 18, 234 «der zum Vieh (ahd. no^, anord. naiit, ags. nyten) gehört». Mhd. starkbiegend geno^. gnog, ahd. ga-. ginö^ m. neben schwachflekt. (selten) mhd. genöge, gnö^e, ahd. ginögo m.; dazu asächs. u. mnd. genöt, ndl. genoot, ags. geneat, anord. nautr m. ABL. GenOSSame, f. (PI. -??): Verein von Teilhabern (Schiller Teil 2, 2), mhd. genog- same^. « Genossenschaft, Gesamtheit von(fi-eien oder hörigen) Standesgenossen, Gemeinde Gleichberechtigter, Vereinigung, Ausglei- chung», ahd. ginö^semi f. «Verbindung», ab- geleitet von dem ahd. Adj. gino^sam «in Gesellschaft zu reden wissend, gesellig», mhd. geno^sam « ebenbürtig». Genossenschaft, f., 1648 bei Zesen Ibr. 210, aber Gnoßschafft 1654 bei Logau 3, 1, 20, mhd. genö^schaft, gnö^schaft, ahd. ga-, ginö^scaf. ginopcapht f., nndl. genootschap n. Genossin, f. (PI. -neyi): Gefährtin, mhd. genö^inne, genoe^inne, ahd. gino^inna f., wo neben mhd. genaue f. «Gattin». Genov^fa, Frauenname, ahd. Genovefa. Ursprünglich fränkisch. Dunklen Ursprungs. Genre (spr. fe>ar), n. (-S, PI. -s): Gattung, Art (1797 bei Goethe an Schiller 3, 148 u. 239, 1813 bei Campe nicht verzeichnet); (in der Malei-ei) das Gebiet des allgemein Mensch- lichen. Aus gleichbed. franz. genre m., von lat. genus (Gen. generis) n. «Geschlecht, Art». ZTJS. Genrebild, n.: bildliche DarsteUung aus dem gewöhnlichen Leben, erst nach 1800. Gentleman (spr. cUentlman), m. (-S, PI. Gentlemen) : Mann von Büdung und Anstand. Aus dem gleichbed. englischen gentleman. 1791 bei Eoth. genug, adv.: so viel als erfordert wird. Mhd. als Adv. gemioc. gnuoc, ahd. ginuog. gnuog, md. genüc, genüch, gnüc, das unflekt. Neutrum des mhd. Adj. genuoc «him-eichend, manch, viel», ahd. ginuogi, ginnoc, md. genüc, genüch; dazu als Adj. und Adv. asächs, ginög, mnd. genöch, ennöch, noch, afries. enoch, anoegh, noch, ags. genüg, genöh, engl, enough, anord. Adj. gnögr und nögr, Adv. gnöga, nögu, nög, got. Adj. ganöhs. Gleichen Stammes wie die Prät. Präs. got. ganah, ahd. ginah «es genügt» und got. Mnah «es darf', es muß», sowie anord. nä «erreichen». Der Stamm iiah ge- hört einer weitverbreiteten Sippe an, die «tragen» bedeutet. Hierher gr. ^ve-fKeiv «brin- gen», ö-fKoc m. «Tracht, Last», Ht. nesti, abg. nesti «tragen», daraus dann die weitere Be- deutvmg «erlangen», in aind. agnöti, aw. as- naoiti «erreicht, erlangt», ai'men. hasanem «komme an, komme zu etwas», lat. nancisci «erreichen», ir. at-chöni-naic «accidit», cöini- nactar «potuerunt». Got. ganah bedeutet also «er hat getragen, ertragen». Vgl. Me- ringer Idg. Forsch. 18, 218. Mit Nasal ge- nung, mimdai-tlich in IVlitteldeutschland, da- her bei Goethe und früher bei Giyphius und H. Sachs, bereits im 15. Jh. genung und im 14. Jh. genunk. ABL. Genüge, f., mhd. genüege, md. genüge, gnüge, ahd. ginuogi, gi- nögii. «Fülle, Übei-fluß», dazu asächs. ginögi f. «Befriedigimg», mnd. genoge f. Durch Ver- mischung mit Geniigen n. (schon mhd. ge- nüegen n.) entstand im 17. Jh. das Neutr. Genüge (noch bei Wieland und Schiller), verschieden von ahd. ginuagi n. «das Aus- reichende, die Genüge». Dafür got. ganauha m. «Genüge, Genügsamkeit», genügen, v.: Genüge leisten, hinreichend se'm,inh.d.gt'nüegen , '^genuogen, md. genügen, ahd. ginuogan; dazu mnd. genügen, nögen, ndl. genoegen, anord. \gnoegja, got. ganöhjan «Genüge leisten, be- friedigen», ganöhnan «genug sein oder wer- . den», geuüglich, adj., mhd. genüegtlich, ^ mnd. genöchlik, mndl. ghenoegheb'jk. genug- sam, adj. mhd. genuocsam, gewöhnlich aber geniihtsam, ahd. ginuhtsam, asächs. in ginuht- samitha f. «Fülle» (von mhd. genuht, ahd. 683 Oenus Ger 684 ginuht, ags. genyht, anord. gnött f. «Genüge, Menge, Überfluß»). genÜgSam, adj. zu genügen: «leicht zu befriedigen», im 15. Jh. bei Nicl. v. Wyle 315, 18; dazu Grenügsam- keit, f., 1741 bei Frisch, in der Bed.«Genüge» 1691 bei Stieler. ZUS. GeilUgtuung, f., 1482 imVoctheut. IS'' genugtuung, 1429 bei Diefenbach nov. gl. 327^ genngtunung. Genus, n.(P\. Genera): Sprach geschlecht. Das lat. genus n. «Geschlecht», insbes. auch (nach gr. y^voc n.) «das grammatische». Genuß, m. (Gen. Genusses, PI. Genüsse): das Genießen, bes. mit Lust (1716 bei Ludwig). Seit dem 17. Jh. allmählich eingebürgert für das ältere Genieß (s. d.). 1664 bei Duez, aber vereinzelt vielleicht schon im 13. Jh. im Berliner Heldenbuch 5, 40** nach genn^^e. Mnd. bereits im 15. Jh. genut m. häufig neben genet m., mndl. genot n. ZUS. Genuß- mittel, n., 1663 bei Schottel 532 Genos- niittel (wie 1678 bei Krämer Genoß m. «Ge- nuß» und bei Lohenstein Armin. 1, 554 u. 1081 genoßbar «genießbar»). Genußsucht, f. und genußsüchtig, adj., 1808 bei Campe als neu. GenÜSSel, n. (-s, PI. wie Sg.): Gewürm. Bei Goethe 3, 251 Schlangen-Genüssel r\. Ab- geleitet von mhd. genisse n. «Gewürm», Kol- lektiv von ahd. nesso m. «Wurm». Geograph, m. (-en, PI. -en): Erdbe- schreiber. 1595 bei Welser-Werlichius Chron. 4, 81. Nach gr, YeiuYpdqpoc «erdbeschreibend», dann als Subst., von gr. yla, yr\ f. «Erde» (mit der in der Zusammensetzung auftretenden Form f€ü)- aus t^o-) und einer Ableitung von Tpdqpeiv «schreiben». Dazu Geographie, f. : Erdbeschreibung, Erdkunde, 1534 bei S.Franck Weltb. 62 '^ Geographey f., aus gr.-lat. geö- graphia, gr. Teu^Tpacpia f., geographisch, adj., nach dem gr. Adj. YeoJYPctcpiKÖc. Geo- logie, f.: Lehre von der Beschaflenheit der Erde. 1727 bei Hübner. Geom^ter, m. (-S, PI. wie Sg.): Landmesser, 1540 bei Al- berus dict. Vu 2 % als Eigenname eines Bau- meisters mhd. Geometras, aus gr.-mlat. geo- meter statt des älteren gr.-lat. geönietres, gr, T€U)|adTpr|c m., von gr. Y^a, fr\ f. «Erde» und einer Ableitung von lu^xpov n. «Maß», luexpeTv «messen». Dazu Geometrie, f.: Feldmeß- kunst, mhd. geometrie, jeometri f., aus gr.-lat. geötnetria, gr, Yei^nexpia f.; geometrisch, adj., 1558 bei Rivius geometrische Büxen- meisterey, nach dem gr.-lat. Adj. geömetricus, gr. Y^u^MefpiKÖc. Georg, Mannsname. Ahd, Georgjo, Gorjo. Aus gr.-lat. Georgius, gr. FeuupYioc, zu gr. YeiupYÖc m, «Landbauer, Ackermann», nebst gr, Y^ujpTeiv «Land bauen» zusammenges. aus gr, yia, fr\ f, «Erde» und einer Bildung von ^PYov n. «Werk, Arbeit», Dazu als Frauen- name Georgine, nach franz. Georgine; die gleichnamige, aus Mexiko stammende Pflanze {Dahlia, bez. Georgina) dagegen ist zu An- fang des 19. Jh. nach dem Petersburger Professor Joh. Gottlieb Georgi benannt, Gepäck, n, [-es, PI, -e): die zusammen- gepackten Sachen, Kollektiv von Pack. Im 18, Jh. auch vmverkürzt Gepäcke n, (Lessing 10, 79), 1540 bei Alberus dict, U4:^ Gepeck, ndi-hein. im 14, Jh. und mnd. gepack n. Vom Gepäck des Heeres seit dem siebenjährigen Kriege (Jahn deutsches Volkstum 375), für das im 17, und 18. Jh. übliche Bagage f., aber schon 1617 bei Wallhausen Corp, mil, 213 Gepäck, in den Landsknechtsheeren Plunder. Gepflogenheit, f. (PI, -en): Art und Weise, wie man seither zu tun gepflogen hat. Brauch, Im 19. Jh. aus der österreichischen Geschäftssprache übernommen. Geplärr, n. (-es, PI, -e): Gelärm, Ge- schwätz, Mhd, gehlerre, geplerre, gehlär n. Substantiv zn plärren (s. d,). Anders älternhd. Geplärr n. «Blendwerk», 1482 bei Melber B 5^ gepler (Var. geplerr), zu älternhd. Plärr, Plerr n, f, «Nebel vor den Augen, falsches oder doppeltes Sehen», Gepolter, n. (-s): wiederholtes Poltern (s, d,). Bei Luther 3, 532^, im 15, Jh. md. gehulder bei Diefenbach gl. 601 *'. Gepräge, n. (-s, PI. wie Sg.) : aufgepreßtes Zeichen oder Bild. Bei Luther 8, 250 ^ Ge- prege, bei S. Pranck Chron. 193*^ Gebräge, im 15, Jh, geprege, gepreche (Voc, 1482), ge- prech, mhd, gehrceche, gep-cBche, gepräche, md, gehreche, gebrech n. in der heutigen Bed., ahd, gibrächi n, «erhabenes Bildwerk», Sub- stantiv zu prägen (s, d.). Gepränge, n. (-s): feierliche Pracht, Prunk. Spätmhd, im 1 5, Jh, gepräng (Wolken- stein Nr, 59, 49 Schatz), geprenck n, Sub- stantiv zu prangen (s, d,), Ger, m, (-es, PI. -e): Wurfspieß. Nur noch altertümlich. Mhd. ger und gere, ahd. ger und gero m. «Spieß, vorn mit breitem Eisen, zu Wui'f und Stoß», im 12, Jh, durch die Eitterwaife, den Speer (s, d,) verdrängt; dazu asächs, ger, ags, gär, anord, geirr m. Mit ui-spiünglichem s lat. gaesuni n. und gr. 685 gerad Geraufe 686 Yaicoc m., ycTcov u. «leicliter gallischer und spanischex- Wurfspieß», ebenso in altgerma- nischen Eigennamen wie Radagaisus usw. Gleichen Stammes wie Geisel (s. d.), urver- wandt mit altir. gae «Spieß» und vielleicht mit gr. xaioc m. geschwinde, mhd. gesivinde «kühn, ungestüm, schnell», im altern Nhd. auch «klug, schlau, arglistig». Zusammenges. mit älternhd. schwind, mhd. sivinde, sivint «stark, gewaltig, heftig, gescheit, listig, be- tiügerisch», ahd. in Eigennamen wie Adal- sivind, Irminswinda; dazu asächs. swüti, swiä, ags. swlp «stark, heftig», anord. smnnr «klug, verständig», auch «starkströmend», got. swinßs «stark, kräftig, gesund» und in Eigennamen, z. B. Reccasuinth, Amalasuintha. Vielleicht verwandt mit air. fetaini, setaim «ich kann». Der Vergleich mit lit. sventas, abg. sv^tu, aw. spanta- «heilig» (Johansson Btr. 15, 238) hat eine Parallele an gi\ iepöc «heilig», aind. isiräs «kräftig». ABL. Geschwindigkeit, f.: Schnelligkeit, 1516 bei Pinicianus N4*^, älternhd. im 16. Jh. auch «Ungestüm, Klug- heit, Schlauheit». Geschwister, n. {-s, PI. wie Sg.): Kin- der von einerlei Eltern. Mhd. geswister PI. «Schwestern», dann mit Einschluß der «Bini- der», ebenso ahd. und asächs. gisivester PI. «leibliche Schwester», mhd. geswester, ags. ge- sweostor, eine alte Plui'albildung zu Schwester, genau wie Gehrüder (s. d.). Jedoch später als Kollektiv von Schivester aufgefaßt, daher im Sing, als Neutr, sowohl von der Gesamt- heit der Binider und Schwestern (im 16. Jh. bei Schweinichen 2, 202, bei Lessing Natham 1, 2) als von einzelnen Personen (Weist, 1, 654 von 1384, beim j. Goethe 1, 261). Mit andrer Bildung mhd. der PI. gesiüisterde, ge- swistride (noch Schweiz, Gesehwisterte , Ge- schwüsterte^ und das Neutr, gestvistergit, meist im PI. gesivistergide. ABL. geschwister- lich, adj., 1514 bei Keisersberg Eschenginidel a3^ geschwiisterlich. ZUS. Geschwister- kind, n., 1429 im Liber ord. rer. 5^ ge- stvisterchind , neben mhd. gesivisteride kint, gesivistergidkint ; ander Geschwisterkind «deren Großeltern Geschwister waren», bei Luther Tischred. 315 ^ Geschworne, m. (-n, PI. -n) : eidlich wozu Vei-pflichteter. Mhd. gesworne m., die schwache Form von mhd. gesivorn, Part. Prät. von schwören (s. d.). ZUS. Geschwornenge- 703 Geschwulst Gesind 704 rieht, n.: Scliwurgericht, gleich nach An- fang des 19. Jh. für engl, und franz. jury. Geschwulst, f. (PI. Geschivülste): krank- haft geschwollne Köi-perstelle. Mhd. geswulst, ahd. gisivulst f. Von schwellen (s. d.). Geschwür, n. {-s, PI. -e) -. eiternde Köri^er- stelle. Bei Luther 3. Mos. 13, 10 u. 28. Neben- form zu älterahd. Geschwär (noch bei Lessing 7, 282), mhd. geswer, ahd. giswer n. Von ftchwären (s. d.). geseglieil, v.: zum Wohl, zum Gedeihen werden lassen; Abschied nehmend segnen oder mit Anwunsch von Wohlergehen verlassen (Tobias 5, 24), überhaupt Abschied nehmend verlassen. Mid. gesegenen, gesegen, in diesen Bed, rad. geseinen, ahd. giseganon «segnen, einsegnen», zusammenges. mit segnen (s, d.). Geseier,n. (-s): unnützes Gerede, schelten- des Geschrei, Wirrwarr von Stimmen. Aus dem Judendeutsch, von hebr. gezerä «Be- hauptung, (erregte) Disputation». Gesell, m, (-en, PL -en), unverkürzt Ge- selle: Mit- und Gleichtätiger; ausgelernter Handwerksgehilfe. Mhd. geselle, ahd. giselljo, gisello m. urspr. «Saal-, Hausgenosse», dann «Gefährte, Freund», im Mhd. auch «Freundin, Geliebte, Standesgenosse, Partner», im 14. Jh. «Hilfsgeistlicher, Handwerksgesell» (neben älterm knecht, knappe). Abgeleitet von Saal (s. d.). Davon gesellen, V., mhd. gesellen, ahd. gisellan «zum Gefährten machen», ge- sellig, adj.: zu Verbindung und Umgang gern geneigt, mhd. gesellec «zugesellt, ver- bunden, nach guter Kameraden Art freund- lich, lebenslustig». Geselligkeit, f., mhd. gesellekeit, gesellikeit f. «das freundschaftliche Verhältnis der Genossen zueinander, höfisches Betragen». Gesellschaft, f., mhd. geselle- schaft, geselschaft f. «Genossenschaft, freund- schaftliches Verbunden- oder Beieinandersein, Freundschaft, Liebe, Gesamtheit der Gäste» (Tristan 585), «Handelsgenossenschaft» (Ber- thold V. Begensb. 1, 216, 26), ahd. gisellascaf, giselliscaft f. «Genossenschaft»; dazu mnd. geselschop, mndl. gheselschap. In der Bed. «das Menschengeschlecht in seiner sozialen Ordnung» 1482 bei Melber Bb5^ societas humana, bürgerlich geselscJiafft , im 18. Jh. allgemeiner geworden als Übertragung des franz. societe f. Gesellschafter, m.: Mit- glied einer Handelsgesellschaft (1560 bei Diefenbach-Wülcker 616); guter Unterhalter (1691 bei Stieler), gesellschaftlich, adj., 1716 bei Ludwig. Gesetz, n. (-es, PI. -e)-. zur Befolgung Festgesetztes. Unverkürzt Gesetze n. bei Geliert 1, 46. Mhd. gesetze n., mit den Neben- formen gesatz n., gesalzt f. n., gesetzede n. f., ahd. gisezzida f.; dazu mnd. gesette und ge- säte n. Von setzen (s. d.). ABL. gesetz- lich, adj., Anfang des 15. Jh. gesetzlich bei Diefenbach gl. 322 c. ZUS. Gesetzbuch, n., bei Luther, gesetztpuch 1327 in Nürnb. Pol.-Ordn. 22, gesatzbüch in St. Galler Stadtb. des 14. Jh. Gesetzgeher, m., zu Anfang des 15. Jh. gesetzgeber bei Diefenb. gl. 323^. gesetzmäßig, adj., 1691 bei Stieler, gesatz- mäsig 1581 bei Fischart Bienk. 208^. gesetzt, Part, von setzen (s. d.) als Adj.: ruhig, ernst, 1751 bei Klopstock Mess. 4, 614. Schon mhd. gesetzen bedeutet «sich setzen machen, beruhigen, stillen». In der Bed. «vorausgesetzt, den Fall gesetzt» mit folg. Nebensatz 1607 bei Sattler Phraseologey 216, gesetzt daß 1612 bei Albertinus Lustg. 215^. Gesicht, n. {-es)\ Sehkraft; (PI. -e): Bild der Einbildungskraft; (PI. -er): Vorderseite des menschlichen Kopfes. In den beiden ersten Bed. mhd. -ahd. gesiht f., md. gesichte, gesicht n., auch «Ansicht, Anblick», im Mhd. auch «Aussehen, Gestalt»; in der Bed. «Ant- litz» 1494 bei Brant Narr. 92, 60 gsiecht und schon einmal ahd. gesiht in der St. Galler Hdschr. von Notkers Ps. 104, 4, der Plur. Gesichter 1520 bei Keisersberg Narrenschiff. Dazu and. gisiht f. «Ansehen, Anblick», mnd. gesichte n. «Anblick, Aussicht», mndl. ghe- sicht n., ags. gesiht, gesihp f. «Sehkraft, Traumgesicht, Anblick». Von sehen (s. d.). ZUS. Gesichtskreis, m., 1648 bei Zesen Dögens Baukunst. Gesichtspunkt, m.: der Standpunkt des Beobachters, im 17. Jh. bei Leibniz, 1538 bei Dürer Underweisung K2'' des gesichts pwickt, nach m\at. punctum Visus. Gesichtszug, m., 1753 bei Lessing 3, 386 der PI. Gesichtszüge. Gesims, n. (-es, PI. -e): vorstehender Rand an Bauwerken usw. Md. im 14. Jh. gesimse n., Kollektiv von Sims (s. d.). Gesind, m. (-es, PI. -e), nur im gewöhn- lichen Leben ein zu Hausdienst Dienender oder eine solche Dienende. Bei Goethe 6, 128. Mit starker Flexion mhd. gesint, ahd. gasint, asächs. gislct, ags. geslp m., schwachbiegend mhd. gesinde, ahd. gisindo m. «Gefolgsmann, Gefährte», im Mhd. auch «Hausgenosse», eig. «Weggenosse», anord. sin7ii, got. gasinpja, -gasinpa m. «Reisegefährte». Abgeleitet von 705 Gesindel Gespenst 706 ahd. sind m. «Reise, Heereszug», asächs. sid, ags. siß m. «Reise, Weg», anoi'd. sin7i n., got. sbips m. «Gang, Mal», urverwandt mit air. set, bret. hent, akymr. hint «Weg». Das Kollektiv zu Gesind m, ist Gesinde, n. (-s, PI. wie Sg.): Dienerschaft, bes. die niedrige des Hauses. Mhd. gesinde n. «Dienerschaft, Hofdienerschaft, Gefolge», ahd. gisindi n. «Reisegefolge, bes. bewaffnetes»; dazu asächs. gesiäirx. «Gefolg-, Gesellschaft, Hausgenossen- schaft, Volk», ags. ges'ip n. «Gefolgschaft». ZUS. Gesindestube, f.: Stube für die Haus- dienerschaft, bei Grimmeishausen Simpl. 57 Gesind-Stuhe. Gesindel, n. {-s, PL wie Sg.): schlechte, verachtete Leute. Kollektiv von Gesinde (s. d.), mhd. gesindelin n. «Reisegefolge», bei Luther Gesindlin «Hausgenossenschaft», dann «Leutchen, Völkchen», verächtlich 1550 bei Alberus Fai). 20, 59 loß Gesindlin, bei Kirch- hoff Wendunm. 5, 9ß roh wild umst Gesindle, 1734 bei Steinbach Gesindel. gesinnen ayi einen, v.: ihn darum an- gehen. Mit Akk. oder einem Satz. Im Kanzleistil, höflicher als befehlen und vor- nehmer als bitten (vgl. ansinnen). Schon mhd. an einen etwa^ gesinnen. Ahd, gisinnan «eine Richtung nehmen, gehen, reisen», dann «seine Gedanken worauf richten, woran denken, wonach streben», mhd. gesinnen «worauf denken, begehren, verlangen». Zusaminenges. mit sinnen (s. d.). Im Part. Prät. gesonnen sein « entschiednen Sinnes und Willens sein, im 17. Jh. bei P. Fleming 77. gesinnt, partizip. Adj. zu Sinn (s. d.): den Sinn, die Entschließung habend. Mhd. gesinnet «mit Weisheit imd Kunst begabt», dann «eine Ge- sinnung habend». Gesinnung, f., 1751 bei Ficssing 3, 244. Davon gesinnungstÜchtig. Schlagwort seit den vierziger Jahren des 19. Jh. Vgl. Ladendorf. gesittet, Part, als Adj.: Sitte habend, besonders gute; guter Sitte gemäß. Mhd. gesitet «geartet, nach Übhchkeit gewohnt», ahd. gasitöt «gehörig eingerichtet oder ge- ordnet, angeboren», Part. Prät. von ahd. sitön, gasitön «einrichten», got. sidön «sich als Sitte aneignen, üben», dazu mnd. gesedet. Mit mhd. gesitet mengte sich das ebenfalls von Sitte abgeleitete Adj. mhd. gesife, gesit, ahd. gesit «geartet, gewohnt». Gesittung, f., bei Campe unter Zivilisation Nachweis von 1773. gesonnen, s. gesinnen. ^Gespan, m. (-s, PI. -e)-. Gefährte; Mit- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. I geselle, Mitknecht. Mhd. gespan m. «eng- I verbundner Genosse». Nicht zu dem in Spanferkel (s. d.) vorliegenden Span «Mutter- brust» gehörig (wie mkdi. spi'ninehruoder, ahd. spunnipruoder «^Milchbrader» zu mhd. spünne, ahd. spunni f. n. «Mutterbrust»), sondern aus der Sprache des alten Fuhr- und Fracht- wesens weiter verbreitet, eig. «der die gleiche Spannarbeit Vemchtende», da zur Bedienung eines Fi-achtwagens mindestens zwei Mann j nötig waren (1540 bei Alberus dict. Hh3* ' Gespan «öuörexvoc, carpentarii vocabulo Ge- span se invicem salutant», als Bezeichnung des Fuhrmanns 1557 beiWaldis Esopus4,73,21, Mathesius Luther 1566 S. 438, 6 Neudr., ; Fischart Gai'g. 458 usw.), dann überhaupt Mitgesell in einem Handwerk (Eulenspiegel Kap. 39). Anders got. gajukö m. «Genosse», eig. «der Mitangespannte». "Gespan, m. (-s, PI. -e) : imgarischer Be- zirksoberster. Aus magyar. ispan, das dem slav. ziipan «Burggraf» entnommen ist. Da- von Gespanschaft, f.: einem Gespan unter- gebner Bezirk, 1695 bei Ziegler tägl. Schau- I platz der Zeit S. 1430 ^ Spanschaft 1691 bei Stieler. Gespänge, n. (-s, PI. wie Sg.): Spangen- I werk, mhd. gespenge n., Kollektiv von Spange (s. d.). Gespann, u. (-es, PI. -e): vor ein Fuhr- werk zusammengespannte Tiere. 1541 bei Franck Sprichw. 2, 131^ Gespan neben um- gelautetem Gespan 2, 10^, dazu clevisch 1477 gespenne «perde:>. Von spannen (s. d.). Gesparr(e), Gespärre n. (-s, PI. wie Sg.) : Sparren werk, Gebälk. ^Mhd. gesperre, ahd. gisperri n., Kollektiv von Sparre^i (s. d.). Gespenst, n. {-es, PI. -er): Truggebüde, bes. geisterhaftes; umgehender abgeschiedner Geist. ]Srhd. gespenste n. «Trugbild», bes. «teuflisches», neben mhd. gespanst, gespetist f. «Lockung, Verlockung, Trug, Phantom, Gei- stererscheinung», ahd. gispanst f. «Lockung». Dazu and. gispensti n., mnd. gespenst n. «Ver- lockung». Abgeleitet von ahd. spanst, mhd. spenst f. «Verlockung», mhd. spanen, zu ahd. spanan «locken, reizen», and. spanandelik «lockend», das zu gi\ cirdeiv «ziehen» gehört. In der Bildung ist lat. Abi. {mea) sponte f. «freier Wille, Antrieb» verwandt. ABL. gespenstig, adj.: unheimhch, geisterhaft, bei Goethe Faust 9980, aber mhd. gespenstec «verführerisch», ahd. spenstig «verlockend». gespenstisch, adj., bei Schiller 13, 176. 707 Gespiele Gestein 708 Gespiele, m. (-n, PI. -n): Spielgenosse, insbes. in der Jugend. Mid. gespile, gespil m., mndl. ghespele. Von Spiel (s. d.). Dazu Gespielin, f., 1587 bei Mathesius Diluvium 420 ** Gespilin, für mhd. gespile, gespil f. Gespilde, n. (-s) und Gespilderecht, n.: das Vorkaufsrecht des Nachbars an früher zu- sammengehörigen, später abgespaltnen Grund- stücken. Thüring.-westfälisch. Bei Musäus Volksm. (1826) 4, 54 Gespilde n., ebenso 1491 in den Rastenberger Statuten § 46. Zu spalten (s. d.), vgl. gespült Gilt «pars praedii divisi» bei Frisch 2, 289 '^ und das mhd. Adj. u. Adv. zwispilde «in zwei Teile geteilt, zvv^iefach». Gespinst, n. (-es, PI. -e): Gesponnenes. Mhdi.gespiinst n. und f., neben spätmhd. gespünn, mnd. gespin n., im 15. Jh. auch gespinß n. Gespons, m. n. {-en, PI. -en): der Bräuti- gam, die Braut. Veraltet. Spätmhd. gespwitze, gespunse, gesponse m, und f., aus lat. sponsus m. und sponsa f. «der, die Verlobte». Gespött, n. (-es, Pl.wieSg.): vieler, wieder- holter Spott. Mhd. gespötte, gespöt, md. ge- spote n., Kollektiv von Spott (s. d.). Gespräch, n. (-es, PI. -e): Unterredung. Unverkürzt Gespräche n. bei Lessing 1, 212. ^Ihd. gesprceche n. «Sprach vermögen, das Sprechen, Besprechung, Unterredung, Bera- tung», md. gespreche, ahd. gisprächi n. «Bered- samkeit, Rede», dazu mnd. gesprake, gespreke, mndl. ghespraeck n. Abgeleitet aus Sprache (s. d.). Davon gesprächig, adj., mhd. im 12. Jh. gesprechig (Sumerl. 8, 40), aber meist mhd. gespr(ßche, md. gespreche, ahd. gisprächi «beredt», wie noch oberd. und md. Gest, f.: Hefe. Aus dem Nd., s. Gäscht Gestade, n. (-s, PI. wie Sg.): Lahdrand eines größren Gewässers. Im 17. Jh. Gestade (Fleming 76), mhd. gestat n., zusammenges. mit mhd. stat m. n. «Ufer» (s. Staden). gestalt, adj.: beschalFen, im Äußern vor Augen stehend. Bei Lichtwer Fabeln 1, 9, ferner in der Wendung hei so gestalten Sachen (Wieland, . Schiller usw.) und in Zusammens. wie wohl-, ungestalt, feingestalt (Goethe 2, 143), schöngestalt (Schiller eleus. Fest .36). Mhd. gestalt (auch wolgestalt, ungestalt), ahd. gistalt «beschaffen, eingerichtet» (auch ungistalt «häß- lich»), mnd. gestalt, eig. Part, von stellen (s.d.). Aus dem Adj. bildete sich das Subst. Gestalt, f. (PI. -en): das Äußere, wie ein Ding sich vor Augen stellt und eingerichtet ist. Mhd. gestalt f. «äußres eigentümliches Aussehen, Beschaffenheit», im 14. Jh. auch «der Träger der Gestalt, Person» (Megenberg 470, 18); dazu mnd. gestalt n. f. «Beschaffenheit, Ver- hältnis». Vgl. dergestalt. Von Gestalt abge- leitet gestalten, V. : bilden, formen, 1537 bei Dasypodius, refl. 1525 bei Zwingli Touf f 2^; Gestaltung, f., bei Dasypodius. geständig, adj.: zugestehend, einräumend. Bei Luther 1, 344'' gestendig. Mhd. gestendec «beständig, unveränderlich, beistehend», dann «zustimmend, einwilligend» (Haltaus 690 vom J. 1326). Abgeleitet von mnd. gestant n., altjülisch gestant m. «Geständnis, Bekenntnis» zu gestehen (s. d.). Dazu Geständnis, n., 1663 bei Schottel 376** aus Carpzov 1638. Gestänge, n. [s, PI. wie Sg.): im Bergbau Stanzenwerk zum Auspumpen desWassers usw. (1562 bei Mathesius Sar. 145^), sowie das Schienengleis für die Förderkarren im Schacht (1408 im Schladminger Bergbrief). Kollektiv von Stange (s. d.). Gestank, m. (-es, PI. Gestänke): übler Geruch. Mhd. gestanc m. (PI. md. gestenke), zusammenges. mit Stank (s. d.), als dessen Kollektiv mhd. gesfank n. (Megenberg 163, 23), im 16. Jh. Gestänck, Gestenck n. gestatten, v.: stattgeben, geschehen lassen. Mhd. gestaten, ahd. gistatön, zusammenges. mit ahd. statön '< einen Standpunkt, festen Stand geben», dann «zulassen», abgeleitet von ahd. stata f. «Standpunkt, bequemer Ort oder Zeitpunkt, gute Gelegenheit». S. Statt. Geste, f. (PI. -n): ausdrucksvolle Hand- oder Körperbewegung. Um 1500 bei Diefen- bach gl. 261 ^' gesten machen, von einem Gaukler oder öfifenthchen Spaßmacher, ebenso 1495 in der Kölner Gemma J8^, dazu ndl. 1598 geste. Aus lat. gestus m. «Gebärdenspiel der Redner und Schauspieler», eig. die Art, wie man den Leib trägt, von lat. gerere «an sich tragen, vemchten». gestehen, v.: sich stellen, insbes. zu- sammenrinnend fest oder dicklich werden (im 14. Jh. bei Megenberg 81, 17 u. 477, 28); ein Bekenntnis ablegen, eig. aussagend hin- stehen. Mhd. gestän, gesten, ahd. gistantan, gistän «stehen bleiben, sich stellen, stand- halten, beistehen, zugestehen, bekennen, zu stehen kommen, kosten»; dazu asächs. gistan- dan, gistän «feststehen, zukommen, wider- fahren, gereichen», ags. gestandan «stehen, standhalten, sich wogegen erheben». Gestein,' n. (-s, PI. -e): Steinmasse, Ge- birgsart (1562 bei Mathesius Sar. 63*» Ge- steine n.). Mhd. gesteine n. «die Edelsteine. 709 Gestell Gesuch no und Schmuck davon», noch dichterisch bei Rückert. Kollektiv von Stein (s. d.). Gestell, n. (-S, PI. -e): aufgestellte Vor- richtung. Unverkiirzt Gestelle n. bei Goethe 1, 178. Mhd. gestelle n. «MühlengesteU, Rahmenwerk», auch «äußre Gestalt», ahd. gistelli n. «Zusammenstellung, Stellung, Stand- ort», Kollektiv von ahd.-mhd. stal m. «Stelle, Gestell, Stütze», zu stellen (s. d.). gestern, adv.-. vorhergehenden Tages. Mhd. gester und gestern, md. gesteren, ahd. gesteron, gesteren und gestre (auch zusammen- ges. egestra, egestere «übermorgen»); dazu mnd. u. ndl. gisteren, clevisch 1477 gisteren, ags. giestran-dceg, gyrstan-dceg, engl, yesterday «gestern», got. gistradagis «morgen» (anord. l gär «gestern, morgen», schwed. igär, dän. igaar «gestern» geht auf eine Form mit Länge zurück), also ux^spr. «den andern Tag von heute -aus». Dazu lat. heri «gestern», hesternus «gestrig», gr. x9ec, albg. dje, aind. hjäs «gestern». ABL. gestrig, adj., mhd. gest(e)ric, ahd. gesterig, dazu ndl. 1 598 ghisterigh. Gestikulation, n. (PI. -ew) : Gebärdenspiel, im 18. Jh. aus lat. gesticulätio f. gesti- kulieren, V.: Gebärden, Handbewegungen machen, 1694 bei Xehi-ing gesticuliren, aus gleichbed. lat. gesticuläri, von lat. gesticulus m., dem Dim. von gestus m. (s. Geste). Gestirn, n. (-es, PI. -e): Sternbild, heller Stern. Mhd. gestirne, gestirn, auch gestirre, ahd. gistirni und gistirri n. «die Gesamtheit der Sterne, Konstellation (Zusammenstand) von Sternen», im Mhd. auch «großer Stern». Kollektiv von Stern (s. d.). ^gestirnt, partizip. Adj. zu Stern (s. d.): mit Sternen besetzt, sternvoll. Mhd. gestirnet, ahd. gestirnöt. ^gestirnt, pai-tizip. Adj. zu Stirne (s. d.): mit einer Stirne versehen. Äfhd. gestirnet. Gestöber, n. (s, PI. wie Sg.j: wieder- holtes Stöbern (s. d.j; Dm-cheinanderstieben. Md. im 13. u. 14. Jh. gestobere, gestubere n. «staubauf wirbelnd es Getümmel, Auflauf», im 1 5. Jh. bei Os w. V. Wolkenstein >^r. 78, 5 (Schatz), gestöber n. «aufwirbelnde Staubmasse». Gesträuch, n. (-es, PI. -e)-. beieinander- stehende Sträuche. Unverkürzt Gesträuche n. bei Bürger 23, Goethe Faust 3892. Md. im 14. Jh. gestrüche n., im 15. Jh. gestrüch, 1420 bei Diefenbach gl. 501*^ gestreuge. Kol- lektiv von Strauch (s. d.). gestreng, adj.: streng (s. d.). Mhd. ge- strenge «stark, gewaltig, tapfer», als Ehren- prädikat des Ritterstandes schon um 1300 (bis ins 18. Jh., Schiller Räuber 5, 1, Teil .3, 3), dann auch in der Bed. «keine Nach- sicht übend». Gestrick, n. (-es, PI. -e): Geschling oder Gewinde von Stricken; Netzgeflecht; Strick- arbeit. In der 1. Bed. 1590 bei Fischart Garg, 241, in der 2. Bed. bei Brucker Straßb. Verordn. 183 von 1425, in der 3. Bed. Ger- mania 18, 377 (15. Jh.). Kollektiv von Strick. Geströhde, n. (-s): Strohmenge, Stroh- gewirre (Goethe 31, 99 u. 145). Bei Luther Geströde, Gestrod, 1487 in den Tannrodaer Statuten geströde n. Kollektivbildung zu Stroh (s. d.), wie gleichbed. mhd. gestrowe, geströe, ahd. gistraivi, gistrowi n. Gestrüpp, n. (-es, PI. -e): durcheinander gewachsenes, rauh hervorstarreudes niedriges Gebüsch. Im 16. Jh. bei H. Bullinger Refor- mationsgesch. 3, 87 Gestrüpp, unverkürzt bei P. Fleming 118 Gestrüpe, bei Goethe 36, 53 Gestrüppe. Kollektiv von mhd. strupfe « strup- piges Gewächs». Mit verdünntem Vokal bei Henisch 1616 und Adelung 1775 Gestrippe, bei Goethe 34, 1, 22 Gestripp. Andrerseits mit langem Stammvokal (wie mhd. strüp «strup- pig») und umgelautet Gestreuppig 1616 bei Henisch, gestreiipich neben gestrüppich 1508 in Weist. 6, 43, 10 ff". Vgl. struppig. Gestühl, n. (-S, PI. -e): Stulilwerk; Ge- stell, worauf etwas ruht (bei Luther 1. Kön. 7, 27 fl'.). Mhd. gestüele, gestuole, md. gestüle, gestöle n. «Stuhlmenge, Stuhl, Thron», ahd. gastuoli n., Kollektiv von Stuhl (s. d.). gestunden, v.: xlufschub gestatten, Frist geben. 1691 bei Stieler. Zusammenges. mit gleichbed. stunden, von Stunde (s. d.). ' GestÜppe, n. (-S, PI. wie Sg.): fliegender Staub; Staubähnliches. Mhd. gestüppe, md. gestuppe n.; dazu mnd. gestubbe n. «Staub». Kollektiv von mhd. stuppe, stüppe, ahd. stuppi n. «Staub, Staubähnliches» wie Sand, Asche, got. stubjus m. «Staub», zu stieben (s. d.). Gestüt, Gestüte, n. (-s, PI. wie Sg.): Pflegeort für Zuchtpferde. 1582 bei Fischart Garg. 280 Gestud, bei Fugger Gestüterey 1 584 Gestüt n., Kollektiv von mhd. -ahd. stuot f. «Herde von Zuchtpferden» (s. Stute). Gesuch, n. (-es, PI. -e): angelegentliche Bitte, insbes. an eine Behörde. 1616 bei Henisch. Dagegen mhd. gesuoch m., md. ge- such m. «das angelegentliche Suchen, Auf- suchen, Spüren auf Wild, Recht des Auf- j und Besuchens eines Weideplatzes», daim 45* 711 gesnnd Getrümmer 712 «Erwerb, Gewinn, Geldzins», welche letzteren i Bedeutungen schon ahd. gisuoch m. hat, bei Luther Gesuch n, «das Streben nach Gewinn». ■ Das heutige Neutr. ist Substantiv zu suchen (s. d.), das Mask. der altern Sprache aber j eine Zusammensetzung mit mhd.-ahd. suoch m. «das Suchen, Erwerb, Zinsertrag». gesund, adj. (Komp. gesunder und ge- sunder, Superl. gesundest und gesundest) : un- verletzt oder ungestört am Ganzen der natür- lichen Lebenstätigkeit und Lebenskraft; der • natüi-lichen Lebenstätigkeit zuträglich oder i förderlich. IMhd. gesunt in beiden Bed., nur < in der ersten «unverletzt, heil» ahd. gisunt und gisunti, asächs. gisund, mnd. sund, ndl. gezond, afnes. sund, ags. gesund, engl, sound. Verwandt entweder mit lat. sänus «gesund» oder mit got. swmps «stark, gesund» (s. ge- schwind). ABL. gesunden, v., mhd. ge- sunden, gesunten, tr. «gesund machen, am Leben erhalten», intr. «gesund werden, am Leben bleiben », Ahd.gesujiten « gesund machen ». Gesundheit, f., mhd. gesuntheit f. In der Bed. «Trinkspruch auf die Gesundheit Jmds.». 1646 bei Philander 4, 206. ZUS. mit dem mhd.-ahd. Subst. gesunt m. «Gesundheit»: Gesundbrunnen, m.: Heilquelle, 1595 bei Welser- Werhchius Augsb. Chron, 13, 81 vom J. 1551. Getäfel, n. {-s, PI. wie Sg.): Bretterbe- kleidung. Mhd. gefevel, n., Kollektiv von Tafel (s. d.). Getier, n. (-s, PI. -e): Tierwelt, Tiere. Mhd. getier n,, Kollektiv von Tier (s. d.). Getöse, n. (-S, PI. wie Sg.): wiederholtes Tosen (s. o.) 1537 bei DasjqDodius Getöß, ndrhein. im 14. Jh. gedoü, gedoys n., mhd. gedoß^e n, «stai'kes Geräusch, Wasserfall», Kollektiv von mhd.-ahd. dö^ m. «Geräusch». Getränk, n, {-es, PI. -e)-. Trank. Unver- kürzt Getränke n. bei Goethe Tasso 2890, Paust 223. Md. im 14. Jh. getrenke n., auch «Trinkgelage». Dafür mhd. getraue n., auch bei Luther 4. Mos. 6, 3. Zusammensetzungen mit Trank (s. d.). Getratsch[e] , Getratsch [e] , n. (-s): ausplauderndes Gerede. Beim j. Goethe 2, 385 und Ivindleben 1781. Von tratschen, tratschen «plaudern, klatschen» (s. d.). Ver- wandt mit geträsch n. «Geräusch» (15. Jh. in Städtechron. 5, 106, 15), schles. - Schweiz. Trasch m. «LäiTn, Geschwätz», Drasch 1531 bei Hedio Josephus Von-. getrauen, v. refl. {ich getraue mir oder mich): sich seiner Kraft und des Erfolges ihrer Anwendung bewußt sein. Mhd. ge- trüwen. getrouiven, ahd. gatrüen, gitrüwen «worauf trauen, sich worauf stützen», bes. «mit Hoffnung des Erfolges, glauben, anver- trauen, zutrauen», dazu asächs. gitrUön, gi- trüoian, ags. getreoivan, got. gatrauan «ver- trauen». Zusammenges. mit trauen (s. d.). Getreibe, n. {-s): wiederholtes Treiben. 1641 bei Schottel 499. Entsprechend mhd. getrip n. «Getreibe». Von treiben (s. d.). Getreide, n. {-s, PI. -e): Mehl gebende Körnerfrucht. Mhd. getregede, geträgede, ge- treide n. «alles, was getragen wird, Kleidung, Gepäck, Last», auch «Gestell zum Tragen, Tragbahre, was der Erdboden als auf ihm gewachsen trägt», z. B. Gras, Blumen usw., überhaupt «Nahning, Lebensmittel», spätahd. getragide n. «Einkünfte, Besitz». Von tragen (s. d.). In der Bed. «Frucht, die der Baum trägt» 1546 bei Bock Kräuterb. 2, 66^ das getreid, das sind die runde zepfiin am Bircken- haum . . . das Erlen getreid. Die Bed. «KörnerfiTicht» zuerst md.im 14. Jh. getreigede, getreide n. (Freiberg. Stadtr. Kap. 42, 12 und 49, 15) und von da im 14. und 15. Jh. nach Oberdeutschland vorgedrungen, auch als Mask. bayr.-östr. traid und getreid bereits im 15. Jh. getreu, adj.: treu. Waä. getriuwe, getriwe, getriu, ahd. gitrimvi, gitrüwi: dazu asächs. gitrimvi, ags. getreowe. Zusammenges. mit treu (s. d.). Davon getreulich, adj., mhd. getrimvelich, ahd. getriuicelih, im Adv. gitriu- Ucho, mhd. getriuwe-, getruwe-, getrüeltche, bei Luther getrewlich. Getriebe, n. {-s, PL wie Sg.): das Be- treiben, Antreiben wozu; Triebwerk. Tu der 1. Bed. bei Luther, vgl. ahd. anagatrip m. I «Antrieb»; in der 2. Bed. spätmhd. im 15. .Jli. getribe n. «Triebwerk der Mühle», im Berg- ' bau 1562 bei Mathesius Sar. 139^ Getribe «stützendes Holzgeiüst» und 1557 bei Agri- ' cola Bergw. S2^ Getriebe «Räderwerk». Zu Trieb und treiben (s. d.), vgl. Getreibe. getrost, adj.: ruhig und zuversichtlich vertrauend. Mhd. getrost, ahd. gitröst, gidrost; dazu mnd. getrost, getrosten, v. refl. (mit j Gen. der Sache): verzichten in ruhiger Zn- vei'sicht eines Ersatzes. Mhd. getroesten tr. «zuversichtlich machen», refl. in heutiger j Bed., ahd. gitrostan «trösten». Getrünimer, n. (-s): Masse von Ti-üm- I mern. 1776 bei Bürger 206. Kollektiv zu 1 Trümmer (s. d.). 713 Getto gewähren 714 Getto, m. n. {-s, PI. -s): Judenviertel. Aus ital. ghetto m. «Judeagasse», das von talmudisch ghet «Absonderung» stammt. Getümmel, n. (-s): verwon-nes unge- stümes Sich -dui'cheinander- bewegen. Bei Luther Getümel, Getümele, mhd. getumele, getmnmele n. Zu ahd. tumilon «sich drehen», s. tummeln. geuden, s. vergeuden. Gevatter, m. (-s, PI. -n)-. geistlicher ilit- vater als Taufpate, iihd. gevatere, gevater, ahd. gevatero m.; dazu mnd. gevadder, mndl. ghevadere, ags. gefcedera, dem kirchlich-mlat. compater m. nachgebildet. Die schwache Flexion des Sg. noch im 17. Jh. Abgeleitet von Vater (s. d. und vgl. Gote. Pate). Als trauHche Anrede unter Freunden und Be- kannten bereits im 15. Jh. (Dekameron 583, 9 K.). Bä. Gevatter stehen: Taufzeuge sein (im 16. JK bei Ayrer Dramen 2469, 34 K. zu Gfatter stehn) ; fbüdlich) « vei-pfändet sein», burschikos 1744 bei Melissus Salinde 167, zu Gevattern stehn bei Günther 167, eig. vom Bürgen gemeint «Bürgschaft leisten» (Gott- helf Uli d. Pächter 310). ABL. Gevatte- rin, f., im 15. Jh. gevatterin, gevätterin (De- kameron 462, 12 u. 17 K.); dafüi- mhd. ge- vatere, ahd. givatara f., ags. gefcedere f. Gevatterschaft, f., mhd. gevater schaß f., mnd. gevadder schap. ZUS. Gevattersmann, m.: Gevatter, 1691 bei Stieler Gevattermann, aber bei H. Sachs Fastnachtsp. 82, 1 ff. Gfatter- mann «der Ehemann der Gevatterin». geviert, partizip. Adj.: als regelmäßiges Geviert (Quadrat) erscheinend, regelmäßig viereckig. Mhd. gevieret, geviert, ahd. gefierot, dem lat. quadrätus nachgebildet. Zu mhd. vieren, das nur in der refl. Bed. «sich zu Vieren scharen, sich vervierfachen» belegt ist. Substantivisch ins Geviert, im Geviert (Viereck, Quadrat), bei Luther ins, im Ge- vierde. ZUS. Geviertmeile, f.: Quadrat- meile, von Campe 1808 neugebildet. Gevögel, n. (-S, PI. wie Sg.): Gesamtheit von Vögeln; Geflügel. }\ Kollektiv von Wetter (s. d.). ABL. ge- wittern, V., bei Campe aus Schiller. GewOge, n. (-s) : das Hin- und Herwogen. Ende des 18. Jh. bei Matthisson Ged. 122. Von wogen (s. d.). gewogen, Adj.: wohlwollend zugeneigt. 1593 bei J. V. Braunschweig ungerat. Sohn 4, 3. Eigentlich Part. Prät. von wägen (s. d.) im Sinne von «zuwägen». ABL. Gewogen- heit, f.: Zuneigung, 1616 bei Henisch. gewohnen, v.: gewohnt werden, sich gewöhnen. Noch bei Luther, Alberus und Frisius 1541 geiconen, jetzt veraltet. Mhd. gewonen, ahd. giwonen, asächs. giwonön, ags. gewunian «an einem Orte sich dauernd auf- halten, bleiben, verweilen, verharren» (s. wohnen), dann «gewohnt sein». Abgeleitet vom älternhd. Adj. gewohn, mhd. gewon, auch gewone, gewan, ahd. giwon (in der uhd. Schrift- sprache verdrängt durch gewohnt, aber noch in md. Mundarten gewohne; dazu asächs. giwono, giwuno, mnd. gewone, gewonen, gewanen, nd\.gewoo7i, ags.gewun, anord.uawr «gewohnt». Von diesem Adj. stammen auch die folgenden Wöi-ter: gewöhnen, v.: gewohnt machen, bei Luther und Henisch 1616 gewenen und gewehnen, 1541 bei Frisius gewennen und ge- icenen, 1618 bei Schönsleder geioönen und gewenen, 1664 hei Duez gewöhnen und ge- wehnen, aber noch bei Stieler 1691 bloß ge- wejien. Mhd. gewenen, ahd. giwennan; dazu and. ^«rermia/i «sich gewöhnen», nd\. gewennen, ags. gewenian und wenian, anord. venja (Prät. vanda). Gewohnheit, f., mhd. gewone-, gewonheit, im Schwabenspiegel und 1482 im Wbijjaiiil, Deutsches WuiterbucL. 5. Aufl. Voc. theut. m5^ gewanheit, ahd. giiuona-, giwoneheit f.: dazu and. giwonohed, ndl. ge- woonheid f. In gleicher Bed. ahd. giwona, mhd. gewone, geicon, gewan f., mnd. gewonte, gewante f. gewöhnlich, adj., mhd. gewone- lich, gewon-, gewönlich «der Gewohnheit gemäß, hergebracht»; dazu ags. gewunelic, aber mnd. gewontlik. gewohnt, Nebenform des alten Adj. gewohn, an dessen Stelle es tritt, der Form nach zugleich Part. Prät. von geivohne^i (s. d.), bei Luther gewonet, 1482 im Voc. theut. m 5^ gewanet, vereinzelt schon md. im 14. Jli. gewonet (Jeroschin 21723), mnd. gewant. Ge- wöhnung, f., 1541 bei Frisius Q9^ Gewenung. Gewölbe, n. (-s, PI. wie Sg.): hohlrund gemauerte Decke, sowie der darunter be- schlossene Raum; Kramladen, urspr. mit ge- wölbter Decke (Leipz. Urkundenbuch 1, 435 vom J. 1484). In der 1. Bed. bei Luther Geweihe, Geivelb, 1664 bei Duez Geweih, 1678 bei Krämer Gewölh, wie bereits im Laurin (Straßburg 1509) gewölh neben gewelh, mhd. gewelbe, ahd. giicelbi n. Zu wölben (s. d.). Der Plur. bisweilen Gewölber (Lessing 10, 66, HaUer 61, Zachariä Phaeton 1, 54). Gewölk, n. {-es, PI. -e): Mehrheit von Wolken. Gewölck 1616 bei Henisch, imver- küi'zt Gewölke n. bei Goethe Iph. 1753, Schiller 11, 82, bei Luther Gewolcke, Gewölcke, Ge- wülcke, auch Gewolcken n. Mhd. gewülke, gewölke n., älter gewulkene n., Kollektiv von mhd. wölken, wulken n. «Wolke» (s. d.). Gewölle, n. (-5, PI. wie Sg.): Auswurf, den die Raubvögel täglich in der Frühe aus dem Kröpfe speien, aus Unverdaulichem wie Haaren, Federn usw. bestehend. 1558 bei Heuslin Vogelbuch 183^ Gewäll, 1582 bei Feyerabend Weidwerkbuch 2, 53^ Gewöll, aber noch 1741 bei Frisch Gewell n. Mhd. geioelle, gewel n. «Brechmittel füi" den Falken und Gebrochenes (Gewölle)», von mhd. wüllen, md. wollen, loillen, ahd. wullon und tcillon «Ekel empfinden, Übeisein oder Erbrechen haben», aber wohl mit Anlelmung an mhd. wellen, ahd. icellan «wälzen, rollen» (ahd. grweZn. «Zusammengerolltes», wie Schlangen- geringel, hohle Wogenkämme, Pechklumpen). Gewühl, n. (-s): anhaltendes Wühlen; wirres Durcheinander. Unverkürzt Gewühlen. bei Schiller 11,372. Bei Henisch 1616 Getvuel «Gemenge des Volcks». Von ivühlen (s. d.). Gewürm, n. (-s, PI. -e) : Würmermenge ; dann der Wurm (bei Luther, Schiller). Bei Luther Geivürm, mhd. gewürnie n. «Menge 46 723 Gewürz Gicht 724 von Würmern, von kriechenden Tieren über- haupt, von Schlangen oder Drachen», Kol- lektiv von Wurm (s. d.). Gewürz, n. (-es, PI. -e): scharfen ange- nehmen Geschmack mitteilende Speisezutat aus PflanzenstofFen. Bei Luther Gewürtz, im 15. Jh. bei Wyle 279, 3 geivürtz n. Kollektiv von Würz (s. d.), aber in seiner weitern Ent- wicklung als Substantivbildung zu würzen (s. d.) empfunden. ZüS. Gewürzkrämer, m., 1616 bei Henisch. Gewürznelke, f., 1741 bei Frisch 2, 6^ der PI. Gewürz-Nelken neben Würz-Nelken 461'', 1691 bei Stieler Geivürznägelein (s. Näglein, Nelke). Gezäh, Gezähe, n. (-s): das gesamte Werkzeug des Bergmanns. 1693 bei Schönberg Berg-Info rm. 2, 44 Gezähe, 1669 in der kurköln. Bergordn. 7, 25 Gezeu, in einem alten sächs. Bergreien bei Döring 2, 60 Gezäiie, 1562 bei Mathesius Sar. 196^ Gezaw n. Mhd. gezouwe, gezowe n. «Gerät, Werkzeug», im 14. Jh. gezaive, md. im 14. Jh. gezöu, thüring. 1447 gezauge, dazu mnd. getoutoe, getow n. «Ge- schirr, Gerät jeder Ai't». Von mhd. zomven, zöutven «tun, machen, fertigmachen, bereiten », ahd. zaujan, zoujan «machen, bearbeiten, ver- fertigen»; dazu mnd. touwen «Leder bereiten, weben», ags. tawiari «bereiten, zurichten», auch «übel zurichten», engl, taw «weißgerben, durchpi'ügeln», anord. toeja, tyja «helfen, nützen», got. taujan «tun, bewirken». Weitre Anknüpfung in den verwandten Sprachen ist unsicher. Vgl. Osthoff Idg. Forsch. 5, 282, Lorentz ebd. 342. Gezänk, n. (-es, PI. -e) -. vieles, wiederholtes Zanken. Mhd. gezenke n. Von zanken (s. d.). Gezeiten, PL: der Wechsel von Ebbe und Flut. Norddeutsch, mnd. getide n. «Flut- zeit», entsprechend mhd. gezit f. n. «Zeit, festgesetzte Gebetstunde (horae canonicae), Zeitlauf, Begebenheit». Zgs. mit Zeit (s. d.). Gezelt, n. (-es, PI. -e): das Zelt (s. d.). Mhd. gezelt, ahd. gizelt n. Gezerre, n. (-s): vieles, wiederholtes Zerren. Bei Luther 7, 266'' Jen. Md. im 18. Jh, gezerge n., im 14. Jh. gezarre n. «das Reißen, Zerren». Kollektiv von zar m. «Riß» und Substantivbildung zu zerren (s. d.). Gezeug, n. (-es): das gesamte Werkzeug des Bergmanns (vgl. Gezäh); Gestein- und Wasserhebemaschine im Schacht. In der 1. Bed. 1617 bei Löhneyß Bergwerk 10, in der 2. Bed. 1557 bei AgncolaBergwerkb.l22f. Mhd. geziuc m. u. n. «Gerätschaft, Werkzeug, Maschine zum Kriegsgebrauch», zusammen- ges. mit Zeug (s. d.). Geziefer, n. (-s, PI. wie Sg.): kleines unansehnliches Getier (Goethe 17, 19). Früh- nhd. Gezifer (Schmeller- 2, 1087). S. Un- geziefer. geziemen, v. (Präs. es geziemt, Prät. geziemte, Part, geziemt, mit Dat. der Person) : nach gebildeter Ansicht passend sein. Bei Luther gezimen, gezymen, 1522 bei Murner Luth. '^avr 3384 gezimmert, aber mhd. stark- fiekt. gezemen «angemessen sein». S. ziemen. geziert, Part. Prät. von sich zieren als Adj.: allzu zierlich. In der altern Bed. «mit Auszeichnung verschönert» um 1480 im Voc. ine. teut. i 7 ^ gezyrt. S. zieren. Dazu Ge- ziertheit, f.: überzierliches Benehmen, im 19. Jh., aber 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1122 Gezierdtheit f. «Zierat». Gezimmer, n. (-s): Gesamtheit bearbei- teten Bauholzes; aufgeschlagner Holzbau; im Bergwerk die Zimmerung, Holzstützen, Trag- stempel (1617 bei Löhneyß Bergw. 9); vieles, wiederholtes Zimmern. Mhd. gezimber, ge- zimmer und ahd. gazimhari, gizimbiri n. «Bau- materialien, Bauholz, Bau, Gebäude». Ab- geleitet von Zimmer (s. d.), in der obigen letzten Bed. aber von zimmern (s. d.). gezogen, Part. Pass. von ziehen (s. d.) als Adj.: mit schwachgewundnen Zügen oder Längsfurchen versehen. 1590 bei Fischart Garg. 286 geschraubte oder gezogene Büchsen. Gezücht, n. (-es): aufzuziehendes oder aufgezognes Gezeugtes. Nur in verächtlichem Sinne. Bei Luther 8, 268 Weim. Getzichte und Matth. 3, 7 Otter gezichte, mhd. selten gezühte n., Kollektiv von Zucht (s. d.), mhd.-ahd. zuhti. «Aufzuziehendes, aufzuziehende Junge». Gezwatzer, n. (-s) : wiederholtes Zwatzern (s. d.), bei Goethe 16, 3. Gezwerg, n. (-es, PI. -e): Gesamtheit von Zwergen (Goethe Gezwerge n. als Kol- lektiv 25, 1, 151); Zwerg. Mhd. getwerc n. (md. m.) und ahd. gitwerc n. «Zwerg», zu- sammenges. mit twerc Ziverg (s. d.). Gezwitscher, n. (-s): das Zwitschern (s. d.). 1664 bei Duez 1, 471*^ Gezwitser der Vögel. ^Gicht, f. (PI. -en): im Hüttenbau, auf den Hochofen führender Gang zum Hinauf- schaffen der Kohlen und Eisensteine. 1712 bei Hübner. ' Nach Weigand von gehen wegen mhd.giht f. «Gang, Reise» und in Zusammensetz. kirchgiht f. «Kirchgang», sunne-, sunngiht f 725 Gicht Gienmuschel 726 «Sonnengang, -wende» (Johannistag), neben ahd. gälit (in hettegaht f. «Bettgehzeit»), got. gäMs f. »Gang» (nur in framgähts f. « Fort- gang »,imiaf^ä/«fe f. «Eingang»), wie ahd. gingen «nachfolgen» neben ahd. gangan «gehen». Bei dieser Erklärung maßte mhd. giht an- gesetzt werden, was nicht möglich ist. "^Gicht, f. (PI. -en): Aussage, Bekenntnis, Geständnis. Xoch bei Frisch 1741, aber be- reits 1775 bei Adelung als veraltet. ÄIhd. giht, ahd. jiht f., mnd. gicht f., abgeleitet von ahd. jehan, gehan «sagen, aussagen», mhd. jehen, gehen, asächs. gehan (vgl. Beichte). ABL. gichtig, adj.: eingestehend, geständig. Veraltet, aber noch 1741 bei Frisch. 3klhd. gihtic, ahd. jihtig, gihttg, mnd. gichtich,jichtich. ZUS. Gichtzettel, m.: ärztlicher Fundzettel, Bericht über den Befund der Vfunde usw., 1741 bei Frisch, noch, in pommerischen Akten des 19. JE. '^Gicht, f. (mundartlich n., Gen. -es, PI. -er): Gliedersucht, ki-ampfhaftes Gliederreißen. Mhd. giht n. (selten f.) neben dem Kollektiv gegihte n., md. gicht f. (einmal m.), bei Luther, Albei-us, Duez, Stieler Fem., bei Weckherlin 1, 494 Neutr.; dazu mndl. und nndl. jicht f., ags. gicßa, gihpa m. «Gliederlähmung». Spät- mhd. und älternhd. auch im Sinne von «Schlag, Schlagfluß» (1421 bei Diefenbach nov. gl. 280*, 1664 bei Duez), ebenso mnd. gicht f. (auch Diefenb. gl. 412*), vgl. gichthrüchig. Die Herkunft ist unaufgeklärt. Im oberd. Volks- mund der PI, Gichter «Krämpfe, Zuckungen, bes. bei Kindern», 1756 bei Albr. v. Haller Onoraatologia medica 1, 474, bei Schiller 1, 162, 34. ABL. gichtiSCh, adj.: gichtartig, 1775 bei Adelung, dafür 1691 bei Stieler gichtig, mhd. gihtic «gichtbrüchig», gichterig, gichterisch, adj.: gichtartig, von der Gicht oder von Gichtern befallen, 1725 bei Bräuner Thesaui'us sanitatis 49 und bei Schiller Räuber 2, 1 gichtrisch, bei Grillparzer Ahnfrau 3 gichtrich. ZUS. gichtbrüchig, adj. : glieder- lahm mit Schmerzen verbunden. Bei Luther gichtbrüchig «vom Schlage gelähmt», ebenso in der Bibel 1483 Bl. 497^ (Luk. 5, 18) gicht- hrüchig, md. im 14. Jh. gichtbruchig, von md. gichtbroch f., bei Luther Gichtpruch f. «Läh- mung mit Gliederreißen», vgl. rad. im 14. Jb. äi gicht hatte di frouwe gebrochin ivol sibin jär (Ködiz 77, 32). Gickelgackel , m.: kicherndes Lachen mit ernstlosem Benehmen. Bei Lessing 1, 357. Bildung mit Ablaut von gickeln neben gicheln (s. kichern) und gackeln, 1616 bei Henisch gicMen, gicheln oder gachlen «cachin- nari, d. h. schallend oder roh lachen». gicksen, kicksen, V.: feinre unartikulierte Töne aus der Kehle ausstoßen. 1537 beiDasy- podius gigtzen, mhd. gigzen, gichzen, gichsen, gekzen, ahd. giccazan, noch um 1480 im Voc. ine. teut. i7^ gikatzen. Im Ablaut zu diesem Wort steht gacksen (s. d.), bei Fischart Nachtr. 3645 gichsen und gachsen, wie schon mhd. bei Gottfr. v. Xeifen 52, 13 u. 22 gigen gagen als interjektionelles Lautspiel. Dazu die BA. er loeiß weder Gicks noch Gacks (Wieland 18, 150), «er ist tümmer als eine Ganß» (Räd- lein 1711), 1691 bei Stieler weder Gigs noch Gags, 1589 bei Paracelsus Schriften 2, 80 iveder gykes noch gagkes, sowie der mund- arthche Ausdruck Gickgack ra. «Gans», mhd. gigä als «Schrei der Gans». Gicksgacks, m.: inhaltleeres Gerede, alberaes Geschwätz, als Titel eines obd. Flugblattes um 1620 Sieben lächerliche Geschnälz oder Gikes gakes Ofenloch, 1663 bei GiyiDhius Horrib. 68 Kicks- kacks m., 1510 bei Keisersberg Has im Pfeffer Cc7^ gickerliß geckerliß. Gickshusten, m.: Keuchhusten. ^Giebel, m. (-s, PI. wie Sg.): oberste Raumspitze zwischen den Dachseiten. Mhd. gibel, md. auch gebel (noch 1517 bei Trochus PI* gebbel), ahd. gibil m. «Stirn- oder Vor- dei'seite», auch «Erd- oder W^eltachse (Pol)»; dazu and. gibillai., mnd. und ndl.gevel, anord. gaß m. «Giebel», got. schwachflekt. gibla m. «oberste Spitze, Zinne». Gleichen Stammes wie mhd. gebel, ahd. gebal m. «Schädel, Kopf» neben ahd. gibilla f. «Schädel», urverwandt mit gr. KeqpaXr) f. und raakedon. (bei Hesychius) ■faßaxd f. «Kopf». ZUS. Giebelwand, f., mhd. gibelwant, md. gebelwant. ^Giebel, m. (-5, PI. wie Sg.), auch f. (PI. -n): die Steinkarausche, Cyprinus gibelio. In Xorddeutschland. 1615 bei Colerus Hausb, 5, 295 Gybel, dafür 1563 bei Forer Fischb. 166^ Gilblichen (nach der gelben Farbe). Neben- form Gieben m., ahd. guva, aus lat. gobio m.; dazu franz. gibele f. Gienmuschel, f. (PI. -n): eine Art See- lmuscheln, auch Gaffer oder Venusmuschelu I genannt. 1775 bei Adelung. Zusammenges. ' mit spätmhd. gienen (1429 im Lib. ord. rar. 1 28*-'), mhd. ginen, ahd. ginen «gähnen» (s. d.). i Ähnlich ist die gr.-lat. Benennung chäma, gr. xnMH f- «Gienmuschel», urspr. das «Gähnen», ! zu gr. xaiveiv «gähnen». •46* 727 Gier Gimpe 728 Gier, f. (ohne PL) : starkes, heftiges, sinn- liches Streben wonach. Mhd. gir und ger f., auch frühmhd. kir, ahd. giri, kiri f.; dazu asäehs. giri f. (in fehogiri «Gier nach Reich- tum»), mnd. gir m. Abstraktbildung aus dem Adj. ahd. ger und giri, mhd. ger und glre «verlangend, begehrend, gierig», noch ostmd. geier (s. Geier), mnd. ger tmd gir, verwandt mit ge^'n (s. d.) und dem Zeitwort mhd. gern, ahd. geron «begehren». Ebenfalls aus diesem Adj. gebildet ist Gicrde, f., mhd. girde, auch schon gier de, md. ger de, ahd. girida f. (woneben selten giridi f.) hef- tiges Verlangen, im Ahd. auch «Habsucht», and. giritha f. «Begierde, Verlangen». ABL. von Grier: gieren, V., spätmhd. girn, im 15. Jh. gieren, mnd. giren. gierig, adj., mhd. giric, ahd. girig, afries. gyrig, mnd. das Adv. girichliken; davon Gierigkeit, f., mhd. und mnd. giricheit, md. girekeit, afries. giriched f. gießen, v. (Prät. goß, Plur. gössen, Konj. gösse, Part, gegossen) : als Flüssigkeit laufen ; Flüssigkeit oder flüssiges Metall laufen machen. Mhd. gießen, ahd. gio^an; dazu asäehs. giotan, mnd. geten, ndl. gieten, afries. giata, ags. geotan, got. giutan «gießen», anord. gjöta «Junge werfen». Urverwandt mit gr. x^eiv «gießen», xOjaa n. «Guß, Flüssigkeit», lat. fundere (Perf. fudi) «gießen», aind. hu «gießen, opfern», aw. zaoßra- n. «flüssige Opferspende, Opferguß», Sivm. jaunem «weihe, bringe dar». Alternhd. und noch altertümlich lautet der Sg. Präs. du geußest, er geußet, geußt, der Imp. geuß, mhd. giu^est, ginget, ging. ABL. Gießer, m., 1537 bei Dasypodius. Gießerei, f., 1678 bei Krämer. ZUS. Gießbach, m.: Bach durch Regen-, Schnee wasser, 1616 bei Henisch. Gießkanne, f., 1640 bei Comenius Gieß- kann f. ^ Gift, f. (PI. -en) : Gabe, Schenkung. Bei Bürger 50, ferner in Braut-, Mitgift, Giftbude (in den Nordseebädern). Mhd. und ahd. gift f. ; dazu mnd. gifte, gift f., mndrhein. gicht f., afries. jeft m. f. n. «Gabe», ags. gift f. «Mit- gift», im PI. (f. und n.) «Hochzeit», engl, gift «Mitgift», anord. giptt «Gabe», got. giftsi. (in framgifts, fragifts «Verleihung, Verlobung»). Abgeleitet von geben (s. d.). "Gift, n. (-es, PI. -e): verderbliches, töd- liches Mittel. Mhd. und ahd. gift f., daher noch bei Opitz, Gryphius, Lohenstein, Weise und Günther 106 Fem., dagegen das Neutr. erst nhd. (1595 bei Rollenhagen Froschm, 1, 1, 5 [v. 73J, Opitz usw., schon mhd. vergiß f. und n. m. «Gift»); daneben auch Mask., bei Luther, P. Fleming 388, Günther 6 und 381, Haller 155, j. Goethe 2, 29 und 3, 334, Schiller Kab. 5, 7, bes. in der Bed. «Bos- heit, tötlicher Haß, Zorn» (bei Luther Gifft und Galle). Es ist dasselbe Wort wie ^Gift, wie auch vergeben (s. d.) schon mhd. und ahd. in der Bed. «vergiften» gebraucht wird. Die altern Ausdrücke für Gift waren ahd. eitar n. (s. Eiter) und luppi n. (s. Lab). ABL. giftig, adj., mhd. giftic, bei Luther in der Bed. «boshaft», ZUS. Giftmischer, m., 1741 bei Frisch. Gigant, m. (-en, PL -en): ungeheui-er Riese. Mhd.-ahd. gigant m. ; dazu ags. gigant m. Aus gr.-lat. Gigäs (Gen. Gigantis), gr. fiYoc m. «himmelanstürmender Riese», woher auch afranz. und aengl. geant, nfranz. geant, engl, giant, ital. gigante m. Davon gigan- tisch, adj., bei Wieland, Schiller. Gigerl, m. (-s, PL -s): Stutzer. In den 90 er Jahren des 19. Jh. von Wien aus ver- breitet, von mhd. giege, giegel m. «Narr». Vgl. Ladendorf. Gilbe, f. (ohne PL): gelbe Farbe. Mhd. gilwe, im 14. Jh. gilbe, ahd. gelawt, giliwi f. Von gelb (s. d.). gilben, v.: gelb färben, gelb werden, mhd. gihven, frühnhd. gilben. gilbig, gilbicht, adj.: gelblich, spätmhd. 1420. gihvecht, abgeleitet von Gilbe, gilb- lich, adj.: gelblich, spätmhd. 1470 gilblicht. Gilbert, Mannsname. Ahd. Güabert, Gil- bert, Gilperht. Gilde, f. (PL -n): zu gleichem Geschäft und Zweck verbundene Körperschaft, Innung der Kaufleute und Handwerker. Erst nhd., bei Luther, Fischart Bienk. 28^, aufgenommen aus mnd. gilde f. n. «Innung, Gildeschmaus», clevisch 1477 ghylde, mndl. ghilde (auch «ge- meinsame Mahlzeit»), nndl. gild n.; dazu afries. ielde, iold anord. gildi n. «Bezahlung, Ab- gabe, Steuer, Gelage, Schmaus, Gilde» (11. Jh.), schwed. gille, dän. gilde, (aus dem Nord.) engl. guild «Gilde». Von gelten (s. d.) im altern Simie von «opfern», daher eig. «Opfer, Opfer- schmaus, Festversammlung, geschloßne Ge- sellschaft». Vgl. Geld. ZUS. Gildebrief, m.: Aufnahmezeugnis in eine Gilde, bei Ade- lung 1775 aus Niedersachsen. Gilte, s. Gelte. Gimpe, f. (PL -n), nd., dagegen hd. Qimpf m. (-es, PL -e): vom Knopfmacher gearbeitete Kundschnur zum Besätze. 1767 im Brem. Wb. der PL Gimpen, bei Adelung 1775 Gimf 729 Gimpel Gitarre 730 m., entlehnt aus engl, gimp, guimp «Art Seiden- spitzen oder Seidentressen», von fvanz. guimpe f., -cihRnz. giämple «Schleier, flatternder Stoff», das anf ahd. wimpal (s. Wimpel) zmnickgeht. Gimpel, m. {-s, PI. wie Sg.): der Blut- iink; (bildlich) einfältiger Mensch. Li urspr. Bed. spätmhd. gümpel m., 1616 bei Henisch und 1664 bei Duez Gimpel, aber bei Logau j 1, 221 und Weise Erzn. 26 Gimpel. Nebst i mhd.gumpel m. «lustiges mutwilliges Springen, Possen» abgeleitet von mhd.-älternhd. gumpen \ «hüpfen, springen», engl, to jump «s]irmgen»,\ das man mit gr. ctGeiußoöca (Hesych) «aus- j gelassen» vergleicht. Gimpel bedeutet also eig. «mutwilliger Hüpfer, Springer», wie mhd. 1 gumpelman (PI. gumpelliute) und gumpelkneht j m. «Springer, Possenreißer, Narr». Andre j Namen des Vogels sind Dompfaff (s. d.), Schwab. Goll m., thüring. Liehig m. GingaHg, m. (s, PI. -s) -. ein feines Baum- 1 wollenzeug, urspr. ostindisches, angeblich aus javanisch ginggang «verbleichend». 1775 bei Adelung. Ginst, m. {-es, PI. -e) und Ginster, m. (-5, PI. wie Sg.): das Pfriemenkraut (s. d.). 1485 bei Diefenbach gl. 259° ginst, 1489 bei Brack i5^ ginster, clevisch 1477 gynster, 1694 bei Tabernämontanus Genst, Genster m., schon ahd. im 10. Jh. geneste. 1678 bei Krämer Ginstern f. Aus gleichbed. lat. genista, genesta f., woher ital. ginestra f., franz. genet m. Gipfel, m. {-s, PI. wie Sg.): höchste Spitze des Baumes, Berges u. dgl. Spät- mhd, im Anfang des 15. Jh. gipfel und güpfel m. , auch älternhd. Güpffel (S. Franck mor. encom. 61», Calepinus 1579 S. 808 *), (Hppel (1630 bei Lehmann Flor. 159). Nach Wad- stein Btr. 22, 241 entlehnt aus afranz. c.epel «Schoß, Schößling», das von lat. cippus m. «Spitzsäule» stammt. Doch kann es auch von mhd. gupf gupfe m. «höchste Spitze» abgeleitet sein, das, von Kopf, Koppe, Kuppe (s. d.) nicht zu trennen, ebenfalls romanischen Ursprungs ist. Davon gipfeln, v., 1808 bei Campe. gipfelig, adj., 1691 bei Stieler gipfelicht. ZUS. Gipfelpnnkt, m., im 19, Jh., eig. «der Kulminationspunkt der Gestirne», bei Campe 1801 Gipfelschoung ra. Gips, m. {-es, PI. -e): eine kalkige Erd- art. Mhd. und spätahd. gips m., bayr.-schwäb. und im Odenwald Ips m. (bei Hebel), Vgl. über Ips Hörn Btr. 22, 218. Entlehnt aus gleichbed. gr.-lat. gypsum n,, gr. YÜvfoc f. Davon gipsen, V. : mit Gips überziehen, spät- mhd. 1463 gipsen, nach lat. gypsäre. gipsen, gipsern, adj., bei Goethe 20, 248 gypsen, bei J. Paul 31, 34 gipsern. Giraffe, f. (PI, -n): der Kamelparder in Afrika. Ende des 15. Jh. bei Harff PUg. 102, 11 der PI. geraffen, 1534 bei S. Franck Weltb. 216^ der PI. Zirafen, 1562 in Reis- buch des heil Lands 1, 366 Gieraffa, 1606 bei Gesner Tcones animalium quadruped. 125 Giraffa, im Index Giraff. Aus ital. girafa, franz. girafe f., von der arab. Benennung zaräfa (vulgärarab. dschräfa). Girant, Girat, s. Giro. Girlande, f., in Bayern und Österreich auch Guirlande (PI. -n): Blumengewinde, -gehänge. Im 18. Jh. (Schiller 3, 476) aus franz. guirlande^ altfranz. garlande, aspan. guarlanda, ital. ghirlanda f. «Geflecht, Ranke, Kranz», unsichrer Herkunft, nur vermutungs- weise abgeleitet von mhd. uieren «mit Gold umflechten oder einfassen». Giro (spr. ziro), n. {-s, PI. -s und Giri): das Umschreiben, übertragen des Wechsels oder eines Bankguthabens auf einen andern. 1712 bei Hübner, aus gleichbed. ital. giro m., von gr.-lat, gyriis m., gr. yöpoc m. «Runde, Kreis». Dazu girieren, V., Ende des 17. Jh. bei Nehiing, nach ital. girare. Von dem Ver- bum abgeleitet als Part. Präs. Girant, m. {'Cn, PI. -en): der Übertragende, als Part. Pei*f. Pass. Girat, m. {-en, PI. -en): der, auf dessen Namen die Übertragung lautet. Beide 1813 bei Campe. girren, v.: den Liebeston girr von sicli geben. Bei Luther von den Tauben, bei Schupp 2, 10 von Menschen, aber bei Dasy- podius 1537 und Hulsius 1596 in der Bed. «seufzen» (statt kirren, s. d.), bei Schubart 1, 25 stöhnen, 1512 bei Murner Schelmenzunft 25, 5 von der Tür. Mhd. girren und gtirren von lautem wie girr, gurr tönendem Tier- geschrei, z. B. des Esels (Freidank 140, 7 gurren mit den Var. gurren, girren), im Ab- laut zu mhd. garren «zwitschern, pfeifen». gischen, v.: aufbrausen, schäumen, üb- licher als gäschen (s. d.). Bei Goethe 3, 276. Md. 1470 gischen, fiiihmhd. ergischen «auf- schäumen», zu mhd. jesen, iihä. jesan «gären» (s. d.). Davon Gischt, m. {-es, PI. -e): brausender Schaum. Bei Adelung 1775, Goethe 84, 1, 357 f., Schiller Taucher 35, statt des altera Gäscht (s. d.), mhd. jest m. neben gis f., mundartlich Gisch m. Gitarre, in Bayern und Österreich auch 731 Gitter Glast 732 Gruitarre, f. (PI. -n): die spanische Zither. 1714 bei Wächtler, Kitarre 1615 bei Alber- tinus Landstörtzer 453. Aus span. guitarra, franz. guitare, ital. cliitarra f., von gr. Kiödpa f., nicht von dem aus dem Griechischen ent- lehnten lat. cithara f., das zu ital. cetera, cetra, prov. cidra, citola, afranz. citole f. wurde, woraus mhd. zitöle, zitöl f. Gitter, n, (-s, PI. wie Sg.): Werk aus verschränkt verbundnen Stäben. Spätmhd. im 15. Jh. giter, guter, mhd. geter n,, Neben- form von Gatter (s. d.). Vgl. Gegitter. ABL. gittern, v., spätmhd. in vergitern. Glacehandschuh, m.: Glanzhandschuh, Handschuh aus feinem Leder. Aus gleich- bed. franz. gants glaces pl. in der neuern Zeit. glace ist Part, von franz. glacer, abgeleitet von lat. glacies f. «Eis», also eig. «übereisen», dann «glänzend machen», glacieren, v. : gefrieren machen ; glänzend machen, aus franz. glaser s. o. Mit glasieren (s. d.) zusammen- gefallen. Glacis (spr. Glaßi), n. (Gen. u. PI. eben- so, spr. Glaßis) : sanfte Abdachung der äußern Brustwehr, die Feldbnistwehr. 1712 bei Hübner, aus franz. glacis m. «Gleite, Ab- dachung», von afranz. glagoier, glacier «gleiten», zu lat, glacies f. «Eis, Eisfläche», mlat. 1270 glatia f. «Fläche, Abdachung». Glander, f. (PI. -n): Gleitbahn auf dem Eis, Eisscholle. Ober- und niedersächsisch, 1775 bei Adelung, 1767 im Brem. Wb., zu spätmhd. glindeJi «gleiten». Thüring. Gländer, Glenner, hess. Gläner f. Anders mhd. glander m. «Glanz, Schimmer», Abstraktbüdung zum mhd. Adj. glander «glänzend, schimmernd», das mit Glanz (s. d.) verwandt ist. ABL. glandern, v.-. auf dem Eise schleifen, 1781 bei Kindleben. Glanz, m. {-es): in hohem Grad aus- strömendes oder zui'ückgeworfenes Licht. Mbd. glänz m., nebst dem Adj. mhd. und ahd. glänz «glänzend»; ins Xdl. entlehnt glans m., bei Kilian 1598 glants. Stammverwandt mit den gleichbed. mhd. Substantiven glanst m., glins m., glinster n. m., glinstere f., glander m. (s. Glander), sowie Glast (s. d.) und den Verben mhd. und älternhd. glinzen «glänzen, schimmern», glintzern (1562 bei Mathesius Sar. 140 ^'j gelinzern bei Harff 158, 18 um 1500), mhd. glanstern, glinsten, glensten, glin- stern, glinsen, glanstern «glänzen, strahlen». Zu dieser Sippe gehören wahrscheinlich eine große Anzahl mit gl anlautender Worte, ohne daß man über ihr gegenseitiges Verhältnis ins klare kommen könnte. Zu der Basis gland zunächst wohl abg. gl^dati «sehen», zu einer nasallosen Form glast (s. d.), vielleicht auch Glas (s. d.). Von einer Wurzel mit I -Vokalismus stammen gleißen (s. d.), glitzern (s. d.), Gleimchen (s. d.), Glimmer (s. d.), glimmen (s. d.), von einer e-ö -Wurzel glühen (s. d.). ABL. glänzen, v.: leucbten, mhd. glenzen (auch «glänzend machen»), ahd. glänzen, glenzen, ndL bei Kilian glantsen. glänzig, adj., im 15. Jh. glantzig (Diefenb.-Wülcker). Glas, n. (-es, PI. Gläser): aus dem mit Pottasche oder Soda geschmolznen Kiesel ent- standne harte durchsichtige Masse; Gefäß daraus. In beiden Bed. mhd, und ahd. glas n, (im Ahd. auch «Bernstein»); dazu and. glas, gles, ndl. glas, ags. glces n. (woneben glcer n. «Bernstein, Baumharz»), engl, glass, anord. gier n. «Glas»; ins Lat. aufgenommen glesum n. «Bernstein». Vielleicht zu Glast und Glanz (s. d.). ABL. glasen, v., mhd. in er- und verglasen. Glaser, m., mhd. glascere. glaser, 1517 bei Trochus F4^ gleßer. gläserig, adj., 1562 bei Mathesius Sar. 275^ glesericJit. gläsern, adj., bei Luther glesern, ebenso im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 624% mhd. gleserin, aber gewöhnlich mhd. und ahd. glesin. glasig, glasicht, adj., um 1500 glaßig (Diefenbach gl. 624^), ndrhein. 1495 glasich (Kölner Gemma K 1 ^). ZUS. Glas- fenster, n., mhd. glase-, glasvenster. Glas- fluß, 1775 bei Adelung. Glasglocke, f., 1808 bei Campe. Glashütte, f., spätnihd. Anfang des 14. Jh. glashütte (Habsb. ürbar- buch 44, 21). Glasmaler, m., im 16. Jh. in der Zimm. Chron. - 2, 606, 4. Glasscheihc, f., spätmhd. 1495 glasschihe. glasieren, v. : mit einer Glasmasse über- ziehen. 1562 bei Mathesius Sar. 144^' und schon sp'Ätmhd. glasieren, mit fremder Endung statt glasen. Dafür bei Luther Sirach 38, 34 und 1678 bei Krämer glasuren, von tllasür, f. (bei Krämer), das ebenfalls von Glas mit fremder Endung gebildet ist. Glast, m. {-es): Glanz. Nur noch obd. und dichterisch (Goethe 6, 218). Mhd. glast m. (woneben gleichbed. gleste f. und glester m.), gleichen Stammes wie Glanz (s. d.) und anord. glcßsa «glänzend machen», glcesiligr «glänzend, leuchtend». Dazu glasten, v.: glänzen, mhd. glesten, spätmhd. glasten, im Ablaut stehend zu glosten (s. d.) und spät- mhd. glusten (Fastnachtsp. des 15. Jh. 1302). 733 glatt Glaubersalz 734 glatt, adj. (Komp. glatter, glätter, Sup. glättest, glättest, in Osterreich nur die erstem): glänzend eben; zum Gleiten eben. ^Did. und ahd. glat in beiden Bed., im Ahd. auch «leuch- tend» von der Sonne (Otfrid 2, 1, 3); dazu asächs. gladmöd «frohmütig», ndl. bei Kilian glad «glühend, glänzend», glat «glatt, fröh- lich, angenehm», afries. gled «glatt;> ags. .^/(ef? «glänzend», dann «froh, angenehm», engl. glad. «fröhlich», anord, gladr «glänzend, froh, erfreulich», schwed.-dän. glaä. Gleichen Stammes wie Glast und Glanz (s. d.), ur- verwandt mit abg. gladükü «glatt», lat. glaber •< glatt», vielleicht auch mit lit. glödüs '< glatt anliegend», apreuß. glosto ;; Wetzstein». Der Komp. ohne Umlaut bei Luther glater, der Superl. bei Goethe 31, 70 glättest, wie ahd. glatest, aber schon 1555 bei "Wickram mit Umlaut gleitest. Das Adv. glatt, ahd. gldto «glänzend», mhd. glat «eben», nhd. in übertragner Bed. «ohne daß auch nur etwas bleibt, ganz und gar», bei Frisch mit Beleg aus dem 16. Jh. ABL. Glätte, f.: Ebenheit, mhd. glete f., aber ahd. glati «Kälte, Frost» (Steinmeyer-Sievers Gl. 1, 6, 6); in der Bed. «glasartige glänzende ßleischlacke, die sich fettig anfühlt» bereits 1482 im Voc. theut. 11* glett f., 1557 bei Agricola Bergw. S 2 * Glette, die rotgelbe heißt Goldglätte, die hellgelbe Silber glätte (bei Duez 1664 Gold-, Silber glette). glätten, v.: glatt machen, 1482 im Voc. theut. ll** gleiten-, davon Glätter, m.: Hobel (glatt machendes Werkzeug), 1662 bei Stoer 21^0^ ZTJS. Glatteis, n., 1616 bei Wallhausen Coi^j. mil. 221 Gladeyß, 1598 bei Colerus Hausb. 2, 83 (E 1 ») Glateis. Glätt- holz, n., 1678 bei Krämer Glättholtz «Buchs- baumglättholz des Schuhmachers». Glatze, f. (PI. -n): haarlose Stelle auf dem Kopfe. Bei Luther. Mhd. glaz, glatz m. «Kahlkopf», auch «obere Kopffläche». Im Ablaut dazu das gleichbed. ältemhd. Glitze f. (1624 bei Opitz Poet. 12, 1664 bei Duez), mhd. glitze f. «Glanz» (neben gliz m.), dann Glatze. Vgl. gleißen. ABL. glatzig, adj., im 15. Jh. glatzig bei Diefenbach gl. 91'", bei Dasypodius 1537 glätzig, mhd. glatzeht, glatzet. ZUS. Glatzkopf, m., 1517 bei Keisersberg Emeis 46'». glan, adj.: geistvoll, scharfsichtig, klug. Nur noch in Niederdeutschland. Ahd, glau und gilau (flekt. glawer), mhd. nur in glou- heit f., asächs. glau ( Akk. glauwon) : dazu ags. gleaw «einsichtsvoll, klug», anord. glöggr ^sorg- ' fältig, genau, deutlich», norw, glögg «schai-f- : sinnig», got. Adv. glaggivö. glaggmiba «genau, sorgfältig». Zusammenhang mit ahd. gluoan, ags. glötcan «glühen», anord. glöa «leuchten, , glühen», dän.-schwed. glo ^\ Verwandt mit glüh, glühen (s. d.). Olecke, f. (PI. -n) : die von der Sichel oder Sense niedergelegte, noch nicht zusammenge- bundne Garbe auf dem Acker. Westmittel- deutsch. Entstanden aus Gelege (henneberg. im 18. Jh. Geleg n., Weist. 3, 582, noch thüring.-hess.); dazu ndl. 1598 ghelegge «Garbe», vläm. geleg n. (PI. geleggen). Von ahd. gilegan, geleckan «niederlegen», mndl. ghelegghen. gleich, adj.: in den Merkmalen völUg übereinstimmend; geradlmig. Noch l^ei H. Sachs geleich, mhd. gelich, glich, ahd. ga-, gilih; dazu asächs. giUc, mnd. gelik, ndl. gelijk, afi-ies. lik, ags. gelte, engl, like, anord. likr und glikr, schwed. lik, dän. lig, got. galeiks. Das Adv. gleich, mhd. geliche, gliche, glich, ahd. galihho, im 11. Jh. glicho, asächs. gilico, afries. llc, einmal gelle, ags. gelice, anord. lika. Gewöhnlich erklärt als «von übereinstimmender (Leibes-) Gestalt», indem man das Stammwort -leich (mit ge- kürztem Vokal in Adj.- und Adv.-Zusammen- setzungen -lieh, s. d.) mit mhd. Itch f. «Leib, Körper, Leibesgestalt» (s. Leiche) zusammen- bringt. Auf der andern Seite zieht man als urverwandt heran lit. Ugiis, apreuß. polligun, polygu, lett. lidz «gleich». Beides zusammen geht nicht, -gleichen in meines-, deines- gleichen usw. ist erstarrter schwach flekt. Genitiv, gebraucht für alle Kasus und Ge- schlechter, während mhd. min geliche (Akk. minen geliehen), ahd. min gilicho (Nom. PI. mine gilichon) regelrecht flektiert wurde oder min usw. als Gen. des Personalpronomens un- flektieii; blieb, daher noch bei Luther (Hiob 1, 8. 2, 3. 9, 32) sein gleiche, mein gleiche. ABL. (vgl. auch Gleisner): Gleiche, f.: Gleichheit, völlige Übereinstimmung (2. Kor. 6, 16), mhd. geliche f. «Gleichheit, Gleichnis», ahd. gelichi f. gleichen, v.: gleichsein; gleichmachen. In der 1. Bed. mhd. ge- liehen, im 14. Jh. geleichen, md. glichen; in der 2. Bed. mhd. geliehen, ahd. galihhan «gleich- stellen», got. galeikön «vergleichen, das Gleiche tun, nachahmen», refl. «sich gleichstellen». Die urspr. schwache Flexion trat im 17. Jh. (Moscherosch Phil. 2, 605) bei der 1. Bed. in die starke über (Prät. glich, Part, geglichen), wohl nach der Ähnlichkeit von bleichen, schleichen, streichen, weichen, blieb aber in der Bed. «gleichmachen» erhalten (Prät. gleichte Schiller Hero 9, Part, gegleicht Thümmel Reise 2, 156). Gleicher, m. (-s): die gleichweit von den Polen entfernte Mittelhnie der Erde, Äquator, 1741 bei Frisch, aber bei Stieler 1691 in der Bed. «in gleiche Teile Teilen- der, Gleichmacher». Gleichheit, f., bei Luther Gleicheit, mhd. gelicheit. Gleichnis, n.: Ebenbild (Schiller Braut v. Mess. v. 910); vergleichende bildliche Rede, Parabel, bei Luther Gleichnis n. imd f., mhd. gelichnisse, -niis f. n. «Gleichheit, Bild, Vorbild, bildliche Rede», ahd. galihnassi, -nessi, gilihnussi, -nissi f. n. und gilihnissa f. gleichsam, adv.: in Vergleich oder voller Ähnlichkeit zutreffend, bei Luther gleich sam «gleich als», mhd. geliche sam, aus zwei Adv. zusammenge- schoben, denn das zweite Wort ist das mhd. Adv. same, sam «eben wie, als ob», ahd. und asächs, sama, sanio «ebenso, ebenwie», ags. same, urverwandt mit gr. 6|u6c, aind. sama, aw. hama-, häma- «derselbe, gleich». Glei- chung, f., mhd. gelichunge f. «Vergleichung, Ähnlichkeit; arithmetisch und astronomisch 1716 in WolflFs mathemat. Lex. ZUS. gleich- artig, adj., 1775 bei Adelung, gleicher- maßen, adv., eig. zusammengeschobner Ge- nitiv, 1525 in Reichsordn. V2S^ gleicher massen. gleichfalls, adv., bei Henisch 1616 gleich- fals, 1582 bei Fischart Garg. 333 gleichs falls, 1557 bei Sleidanus (übers, v. Stamler) gleiches falls, gleichförmig, adj., mhd. im 14, Jla. glichförmig (Gottesfreunde 34). Gleichge- wicht, n., 1727 bei Hübner, 1728 bei Brockes ird. Vergn. 3, 207. gleichgültig, adj.: gleich- viel geltend (1678 bei Krämer); unerheblich, unbedeutend (1691 l)ei Stieler); übertragen auf den Menschen, dem alles gleichgültig, unerheblich ist (1775 bei Adelung, Schiller Räuber 4, 2). Gleichmaß, n., 1678 bei Krämer, gleichmäßig, adj., bei Luther und 1525 in Reichsordn. 128^. Gleichmut, m.: gesetzte, aufi'egungslose Seelenstimmung, 1691 bei Stieler; gleichmütig, adj., in Luthers Postille 1528 gleichmütig «gleichge- stimmt», das Adv. gleichmütiklich «mit Gleich- mut» 1514 bei Keisersberg Klappermaul 80''. 737 Gleimchen Grletscher 738 gleichnamig, adj., 1537 bei Dasypodius gleichnamig als Übersetzung des gr.-lat. ho- monynmm, ahd. gelihnamig «aeqiiivocus». gleichseitig, adj., 1691 bei Stieler. gleich- wichtig, adj.: von gleichem Gewicht, 1616 bei Henisch. gleichwie, adv. und konj., bei Luther gleich wie. gleichwohl, adv. und konj. der Entgegensetzung, bei Luther gleichwol, im 15. Jh, glicheiool «in gleicher Weise» (6riseldis5, 11 Schröder), 1435 gliche- wol «trotzdem» und 1444 glichwol «obgleich» (Germania 28, 368). gleichzeitig, adj,, 1796 bei Adelung. Oleimchen, n. (s, PI. wie Sg.)-. Glüh- würmchen, Johannisfünkchen (1802 bei Voß Ged. 1, 330). Norddeutsch. 1540 bei Alberus dict.. Xx 2* sant Jolians gleimchin, mhd. gltme und gleime, gleim m., ahd. glimo und gleimo m. «Glühwürmchen» (woher der Eigen- name Gleim); dazu asächs. glinio m. «Glanz, Schimmer», nd. glem m. «Lichtstreifen» (Groth Quickborn 215), ags. glcem m. «Glanz», engl. gleam «Strahl, Glanz». Zu mhd. glimen «leuchten». Vgl. glimmen. Grleis, n. {-es, PI. -e): Weg-, Radspui'. Gekürzt aus Geleise, 1678 bei Krämer Ge- leiß, Gleiß n. Mhd. vereinzelt geleis f. und 1311 geleise n. (Weist. 1, 761, 18), gewöhn- lich leise, leis f., ahd. ivaganleisa f., daher noch mundartlich und bei Goethe 1, 295 1. H. Gleise f., W. 1, 265 Geleise, wie 1616 bei Henisch Gleisse f. und bei Stieler 1691 Gleiße f. Gleichen Stammes wie mhd. leist, got. laists m. «Spur» (s. Leisten). Urverwandt mit lat. Ura f. «Furche», lit. Itse f. (apreuß. lyso) und abg. lecha f. «Beet». Gleisen, PI.: Parallellinien. Neubildung der jungem Zeit. gleisen, v. (Prät. gleiste, Part, gegleist): sich einen trügerischen Schein geben. Her- vorgegangen aus ältemhd. gleichsen, mhd. gelichesen, gelihsen, glihesen, ahd. galihhison «einem gleichtun, sich stellen, sich verstellen, •heucheln» und Wihisdn «vergleichen, sich ver- stellen», abgeleitet von ahd. -lih und gelih «gleich» (s. d. und -lieh), woneben das weiter- gebildete gleichbed. Zeitwort mhd. gelichsenen, fiühnhd. geltdisenön (Spec. eccl. 144, 7), ndl. 1598 ghelijksenen , nhd, 1616 bei Henisch gleichßnen und gleißnen. Die Lautanglei- chung des ch zu s erfolgte dui'ch md.-nd. Einwirkung (wie in einem titeUosen mystisch- allegor. Gedicht von 1486 Bl. a7'' ryßnen statt mhd. richsenen «hen-schen», md. osse Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. für mhd. ohse «Ochse»), daher zunächst md. 1343 in Beheims Evangehenbuch Luc. 20, 20 u. 47 glisen «heucheln», 1477 clevisch glyssen. Die dadurch nahegelegte Vermischung mit gleißen (s. d.) schon bei Luther. ABL. Gleisner, m, (-s, PI. wie Sg.): Heuchler, bei Luther Gleissener, Gleyßner, um 1480 im Yoc. ine. teut. h 6 ^ gleisner oder gelisner, im 15. Jh. gleichsner, geleichsner, mhd. ge- Itchsencere, glichsener (Berthold 62, 4) neben gelichescere , ahd. lihhisäri und gelichisäre, md. 1343 glisenere und im 12. Jh. glissencere m. (Fundgr. 1, 153, 25), sowie mit Anlehnung an gleißen früh im 14. Jh. md. glisenere (ZfdA. 9, 258 f.) ; dazu mnd. glisenere, glissener, clevisch 1477 glyssener, ndl. 1598 ghelijksener und gleysener. Gleisnerin, f., mhd. glich- senerin. Gleisnerei, f., bei Luther Gleis- nerey, md. 1343 glisenerie f. (Beheim Evan- gelienbuch Matth. 23, 28); dazu clevisch 1477 glyssery, mnd. aber glytzerie, gleyzerie f. gleisnerisch, adj., 1616 bei Henisch. Gleiß, m. {-es, PI. -e), auch Gleiße, f. (PI. -n): Hunds-, Glanzpetersilie, lat. aethusa cynapium. 1561 bei Cordus Gleiß, Glyssen, 1588 bei Tabernämontanus Gleißpeterlin. Be- nannt nach dem Glanz der untern Seite der Blätter. Denn mhd.-ahd. gli^ m. und mhd. gli^e f. «Glanz», von gleißen (s. d.). gleißen, v. (Prät. gliß, Plur. glissen, Konj. glisse, Part, geglissen, auch schwach gleißte, gegleißt): blendendes Licht oder augenblen- denden Schein von sich werfen. Mhd. glimen (Prät. glei§, Plur. gliggen), ahd. gligan; dazu asächs. glitan, ags. glitenian neben glisian, glisnian (afries. glisa), anord. glita, got. glit- munjan «glänzen». Eine Weiterbildung ist glitzern (s. d.). Vgl. Glatze, Glanz. Verwandt ist wohl gr. yi}.\h\hv m. «Schmuck, Prunk», X^ibri f. «Weichlichkeit, Üppigkeit». gleiten, v. (Prät. glitt, Konj. glitte, Part. geglitten): ausrutschen; sich glatt und leise worüber hinbewegen. Aber nhd. auch in schwache Biegung übergegangen, Prät. gleitete (Lessing 2, 9, j. Goethe 3, 290), Part, gegleitet (Stieler hochd. Sprachk. 157, Schiller Teil 4, 3). Mhd. starkflekt. gliten (Prät. gleit, Plur. gliten), mndrhein. glülen; dazu asächs. glldan, mnd. gliden, mndl. glijden, afries. glida, ags. glulan (Prät. gläd, Plur. glidon), engl, glide. Ver- wandtschaft mit glatt (s. d.) ist möglich, wenn man von einer indogerm. Basis *gMejädh aus- geht. Gletscher, m. (-s, PI. wie Sg.): Eislager 47 739 (xlil)ber Olimpf 740 im Hochgebirge. 1546 bei G. Agricola de re metallica 479 Gletzscher. Das Wort stammt natürlicb von lat. glacies f. «Eis» und ist wahrscheinlich von Wallis, Uri, ünterwalden ausgegangen. Vgl. Meyer-Lübke ZfdW. 2, 74. Der deutsche Name ist bayr.-tirol. Kees n. 01il)l)er, m. (-s): schlüpfrige, glatte Masse. Aus dem Niederdeutschen, wo schon mnd. gUbberich «glatt, schlüpfrig». In den Wörter- büchern nicht verzeichnet, aber in der nord- deutschen ümgangsspi'ache verbreitet. Sub- stantivbildung zu dem unter geliefern be- handelten Verb um. Olied, n. (-es, PL -er): mittels eines Ge- lenkes verbundner beweglicher Körperteil; Teil eines Ganzen; Mitglied einer sozialen Gesamtheit (md. im 14, Jh.); Generation, die gleichzeitig lebenden Personen einer Familie (bei Luther); Reihe einer Heeresabteilung (1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 113 f.). In den beiden ersten Bed. mhd. gelit, glit n. (PI. gelit und gelider), auch gelit m. (PI. ge- lide), noch bei Luther Gelied, Gelid neben Glied, ahd. gilit n. «Verbindung, Gelenk», mnd. gelit n., ndl. gelid n. «Reihe» (PI. gelederen). Vom gleichbed. mhd. lit m. n. (PI. lit, lide, lider), ahd. lith. lid m. n. «Glied, Gelenk, Teil, Stück», im Mhd. auch «Zeugungsglied, Verwandtschaftsglied, Mitglied, Genosse»; da- zu asächs. lid m, (PI. liäi), mnd. lit, let n. (PI. lede, ledere, lidder), ndl. lid n. (PI. leden), afries. lith, letli n., ags. li^ m. n., anord, liär m. (PI. liäir), got. lipus m. «Glied»; wohl verwandt mit lat. lituus m. «Krummstab 'der Auguren, das gekrümmte Signalhorn»; glei- chen Stammes sind auch wohl ags. lim n., engl, limh «Ghed, Zweig», anord. linir m. «Glied», lim n. «Zweig», schwed.-dän. lem «Glied», lit. liemuo m. «Stamm, Statur», auch ahd. lidan «gehen, sich bewegen» (s. leiten) bringt man mit Glied zusammen. ABL. gliederig, adj., 1616 bei Henisch glidig, 1691 bei Stieler glidericht, 1768 bei Moer- beek gliederig. gliedern, v., 1691 bei Stieler. glidern. Grliederung, f., 1808 bei Campe. ZUS. Grliedmaßen, Plur.: die Glieder des Leibes. Bei Luther Glidmaß, Gelidmas n. Sg. u. Plur., im PI. auch Gliedmaßen (2. Makk. 7, 11), md. im 14. Jh. gelideme^e n. Sg. und Plur., mhd. lidemä^, lidemce^e n. «Leibes- glied», in dieser Bed. entwickelt aus mhd. gelidemä^e f. «Maß der Glieder, Leibeslänge», 1561 bei Maaler Glidmaß f., «Leyhs lenge, die grosse des leyhs, statura», also wohl iirspr. «Maß, die rechte Art der Glieder», ähnlich 1477 das Adj. geliedsmessig von einer Wunde die geliedz dieff und gelieds lanck ist (Weist, 2, 245), im 15. Jh. lidmessig «mit geraden ebenmäßigen Leibesgliedern» (Ehingen 4). Zusammenges. mit 3faß , Maße (s. d.), wie afries. lithmäta PI. «Gliedmaßen» mit afries. mäte, mete f. «Maß»; dazu der Plur. ndl. lidmaten, Island, lidamöt, schwed, ledamot, dän. ledemod «Gliedmaßen». glimm, adj.: funkenglühend, 1680 bei Lohenstein Sophonisbe a 6^. Wie das spät- mhd. Subst. glim m. «Funke» abgeleitet von glimmen, v. (Prät. glomm, Konj. glömme, Part, geglommen, daneben seit dem 18. Jh. schwachbiegend Vröi. glimmte, ^d^xi. geglimmt): in einzelnen zündenden Funken glänzen. Mhd. glimmen «glühen, glänzen, blitzen» (ZfdA. 3,20), Prät. glam, noch bei Lohenstein Rosen 92 glani, bei Gottsched glomm ; dazu ndl. glimmen. Bei Luther glümmen, glummen, 1540 bei Al- berus dict. Hh 1 und Ccl^ ich glum, noch wetterauisch glummen; dazu 1562 bei Ma- thesius Sarepta 84^ Füncklein oder Glüm- merchen, 174^ Glümmerlein und Füncklein. Gleichen Stammes wie mhd. glhnen «leuchten, glänzen» (s. Gleimchen), glamme f. «Glut», sowie anord. gljä, glcea «leuchten, funkeln». Dazu noch schw ed. glimta, dän.glimte«glä,nzer\», engl, glimpse «Glanz» u. a. Vielleicht urver- wandt mit gr. x^iot'veiv «wärmen», x^iapöc «warm». ABL. Glimmer, m. (-S, PI. wie Sg.): Katzengold, Katzensilber, 1530 bei G. Agiicola de i-e metallica 134. glimmern, V. : funkenartig, in Zitterlicht glänzen (Goethe 3, 222 u. 14, 198), md. im 14. Jh. glimmeren «glänzen, leuchten»; dazu engl, glimmer, (ent- lehnt) schwed. glimra, dän. glimre. glim- merig, adj., 1691 bei Stieler glimmericht. Olimpf, m. (-es): in Beziehung worauf kundgegebne schonende nachsichtige Zartheit. Mhd. gelimpf, glimpf m. «Angemessenheit, angemeßnes ai'tiges Benehmen», (im 15. Jh.) «ft-eundliche Nachsicht», ahd. gelimpf «Über- einstimmung». Von ahd. gilimpfen, galimfan und limphan «angemessen sein», mhd. gelimpfen (auch tr. «angemessen machen») und limpfen; dazu ags. gelimpan «sich zutragen, sich er- eignen». Dem germ. Stamm *lemp entspricht lautlich genau lat. limhus m. «Besatz am Kleide», aind. lämbate «hängt herab, senkt sich usw.», und auch die Bedeutungen lassen sich wohl vereinen. Veraltet, dagegen noch in Gebrauch ve)'unglimpfen und glimpflich, 741 glinstern glotzen 742 adj.: rücksichtsvoll, mlid. gelimpflich, ahd. güimflih, Adv. gilhnflihho ; dazu ags. gelimpUc, adv. gelimplice «günstig gelegen». glinstern, glinzen, s. Glanz. glitsch, interj., bei Scliiller Räuber 3, 2. Von glitschen, v.: mit größrer Geschwin- digkeit gleiten. Im mrhein. Voc. ex quo 1469 glitschen neben glitsen «ausgleitend fallen». Abgeleitet von gleiten (s. d.). Nach Campe von Wieland in die Schriftsprache einge- führt. Dazu glitschig, adj., 1691 bei Stieler. glitschicht] woneben 1768 bei Moerbeek glit- sch er ich t, glitscherig. glitzern, V.: kleine häufige, zitternde Licht- blitze von sich geben. Mhd. im 14. Jh. glit- zern ; dazu engl, glitter, anord. glitra «funkeln», sehwed. glittra, älterdän. glidre. Iterativ von ältemhd. - mhd. glitzen «glänzen», woneben mhd. glitzenen, ahd. glizinon, ags. glitenian «glänzen, schimmern»; abgeleitet von gleißen (s. d.) wie die Subst. mhd.-ahd. gliz m., mhd. glitzet, anord. glitn. «Glanz». AjBL. glitzerig, adj., 1537 bei Dasypodius, glitzericht 1540 bei Alberus dict. KkB^. Crlohus, m. (Gen. Globus u. Globusses, PI. Globen u. Globusse) : drehbare künstliche Kugel, entweder die Erde oder den Stern- himmel abbüdend. Im 16. .Jh. aus lat. globus m. «Kugel». Glocke, f. (PI. -n): hohle khngende Halb- kugel; Schlaguhr, Uhr (z. B. Glock dm «genau 3 Uhr», bei Yoß Briefe 1, 96, eig. -so die Glock zehne schlegt 1540 bei Hug Rhetorica 141^). In der 1. Bed. mhd. glocke, glogge f. (auch Glockenrock, Limb. Chron. 39, 5 von 1350), ahd. glocca, glogga f ; dazu and. glogga «Glocke», mnd. klocke f. (auch «Uhr, Stunde »j, mndl. klock, ags. clugge (engl, clock aus dem Ndl.), anord. klokka, klukka, sehwed. klocka f , dän, klokke. Aus mlat. (8. Jh.) clocca, cloca f. «Kirchenglocke» (woher auch franz. cloche, prov. cloca, clocha f., russ. kolokolü m, «Glocke, ScheUe», dafür ital. campana f.), entweder ■ aus dem Keltischen (air. cloc m., kymr. doch f.) oder onomatopoetisch oder nach Schuchardt aus lat. ^clocca aus Cochlea f. «Schnecken- turm». ABL. Glöckchen, n., md. im 14. Jh. glockicMn. Glöckner, m.: Küster, Türmer, mhd. glockencere, gloggenoere, woneben im 15. Jh. glockler, gloggler m. ZUS. Glocken- hlume, f , 1482 im Voc. theut. nn 6^ weyß glockenplum. Glockengießer, m., mhd. glockengießer, mnd. klockengeter m. Glocken- joch, n. : (.Querholz, woran die Glocke zum I Bewegtwerden im Glockenstuhle befestigt ist, : 1482 im Voc. theut. 12^ glockenjoch, ahd. glocam joch. Glockenspeise, f: Glocken- ! metall, mhd. glocke-, glockenspise, mnd. klocken-, ' klocksptse f. Glockenspiel, n. : zum Spielen einer Melodie harmonisch gestimmte Glöck- chen, 1691 bei Stieler Klockenspiel. Glocken- stuhl, m.: Gestell, Gebälk, worin die Glocke i hängt, 1703 bei Weismann 161*. Glocken- turm, m., mhd. glockenturn. Glorie, f. (PI. -n)-. Ruhm, Herrlichkeit; Strahlenschein um eine Gestalt, Heiligenschein. Mhd. glorje, später auch glöri f., aus lat. I glöria f. «Ruhm». Dem kirchlichen Rufe gloria in cxcelsis deo (Luk. 2, 14) entlehnt ist der Zecherruf beim Anstoßen gling glang gloria (Uhland Volksl. 576, erste Hälfte des 16. Jh.). gloriieren, v. : sich i-ühmen (Goethe 8, 32), mhd. glorieren «prangen», von lat. glöriäri «sich rühmen, großtun». ZUS. glor- reich, adj., 1759 bei Lessing 2, 105. glor- WÜrdig, adj., 1691 bei Stieler. Glosse, f. (PI. -n): beigefügtes, erklären- des Wort, erklärende Bemerkung, auch Neben - bemei-kung f Lessing 1, 476), hämische Be- merkung. Mhd. glöse f. «erklärende Anmer- kung», aus gi'.-lat. glössa f. «veraltetes oder fremdartiges und daher der Erklärung be- dürfendes Woi-t», gr. Y^üJcca f., eig. «Zunge, Sprache». Glossär, n. (-s, PI. -e und Glos- sarien): Erklärungswörterbuch, mhd. im 12. Jh. glösar n., aus lat. glossärium, glösärium n. «Wörterbuch zur Erklärung veralteter oder fremdartiger Ausdrücke«, glossieren, v.: wozu Glossen machen, mhd. glosen tmd gla- sieren «auslegen», aus gleichbed. mlat. glosare. glosten, V. : glühen (Schiller Räuber 2, 1), ghmmen. Schweizerisch-Schwäbisch. Mhd. glosten neben glosen «glühen, glänzen», wie mhd. glose f. «Glut, Glanz» neben gloste, glostf. «Glut, Hitze». Verwandt mit Glast, Glanz (s. d.). Auch in der Bed. «mit leuchtenden Augen sehen, scharfhinsehen»(MusäusVolksm. 1, 13 glosten, Physiogn. Reisen 2, 30 glostem, um Magdeburg glustern, vgl. götting. gluster «Mensch mit lebhaften, feurigen Augen», west- fäl. glüren «einen mit den Augen scharf an- sehen»). glotzen, V.: stan* sehen. Mhd. glotzen: dazu engl, gloat «hämisch blicken, anstarren», anord. glotta «spöttisch lächeln», vgl. dän. glo und sehwed. glo «glotzen» unter glau. Vielleicht urverwandt mit abg. gl^deti, gl^dati «schauen». Im Gedanken an Klotz (s. d.) 47* 743 Glück glummeu 744 bei Wieland 22, 221 mit k geschrieben, gleich- sam «mit weitaufgespen'ten klotzähnlichen Augen», schon im Renner Frankf. 1549 Bl. 35 klotzen. ZUS. Glotzauge, n., 1741 bei Frisch. Glück, n, {-es, PI. -e): Gunst des Schick- sals, Zukommendes nach Wunsch. Noch im 18. Jh. häufig Glücke (G-ottsched Cato 77 neben üngelücke, Hagedorn Od. 72, Lessing 1, 47, Goethe 1, 48 u. 3, 61). Mhd. gelücke, glücke n. (auch «Zufall, Lebensberuf»), 1482 im Voc. theut. 1 1 '^ f. geluck, gluck ; dazu mnd. gelucke n. und lucke n. «Los, Schicksal», dann «glückliches Schicksal», mndl. geluk; von da vorgedrungen ins Nordische und Englische, anord. (14. Jh.) lukka f., schwed. lycka, dän. lykke, engl, luck «Glück». Herkunft unsicher. ABL. glücken, V., mhd, gelücken, glücken, 1482 glucken. glücklich, adj., im 15. Jh. bei Diefenbacii gl. 244^ gelucklich, 1482 bei Melber X 7 ^ gluck- lich «durch Glück zuteil werdend», das Adv. glickeliche um 1400 in Städtechron. 8, 444, 3, woneben im 15. Jh. das Adj. gluckig, glückig, bei Diefenbach gl. 467^ glickig; dazu mnd. die Adj. geluckich, luckelich und luckich, so- wie das Adv. geluckeliken. glückselig, adj. : voU Glück, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 244*^ gluckeselig, 1482 im Voc. theut. ll^ gluck- selig, abgeleitet von glücksal n. «Glückszu- stand» (Brant Narrensch. 23, 5); dazu Glück- seligkeit, f., um 1480 im Voc. ine. teut. h 7 ^ geluckseligkeit. Z?7*S. Glücksbude, f. : SjDiel- bude zu Gewinn oder Verlust, 1669 bei Prä- torius Glückstopf, Titelbild. Glückshafen, m.: Glückstopf, 1618 bei Schönsleder Glück- hafen. Glückskind, n., bei P, Fleming 541. Glückspfennig, m., 1669 bei Prätorius Glückstopf 459. GlÜckspilz, m.: Empor- kömmhng durch schnell zukommendes Glück, bei Schiller Parasit 1, 1. Glücksrad, n., mhd. gelückrat und gelückes rat. Glücks- ritter, m., 1775 bei Adelung. Glücksspiel, n.: Hazardspiel, 1526 bei Luther Glückspiel, in der Bed. «Spiel des Schicksals» 1531 bei Hedio Josephus Vorr. 4 ^ Glücksspiel. Glücks- topf, m.: Gefäß, aus dem in der Glücksbude die Lose gezogen werden, bei P. Fleming 313. Glückwunsch, m., 1691 bei Stieler, dafür 1571 bei Rot Glückwünschung, 1485 gelücks- wünschung (Nürnb. Pol.-Ordn. 72). Glucke, Klucke, f. (PI. -n): Bruthenne. Bei Luther Hiob 9, 9 Glucke, mit dem stimm- haften md. Anlaut füi- spätmhd. kluck f. (Mone Ztschi'. 3, 408 von 1409), mnd. klucke f.; zusammenges. Gluckhenne, f., bei Luther, Kluckhenne 1538 bei Hei*r Acker werk Colu- melle. Zu glucken, v., vom Rufen der Bruthenne, mhd. Mucken, mehr md. gluggen; dazu ndl. klokken, ags. cloccian, engl, duck, lautmalenden Ursprungs wie gleichbed. lat. glöcire und gr. K\uücceiv. Davon als Ver- stärkungswort glucksen, v., 1508 in der Straßbui'ger Gemma k 1^ clucktzen, 1562 bei Mathesius Sar. 226^ kluchzen, 1537 bei Dasypodius kluxen, 1540 bei Alberus dict. Hh2^ glucksen, bei Musäus Volksm. 2, 118 Glucksen n. Glücker: Tonkügelchen, s. Klicker. glücklich, Glücksbude usw., s. Glück. Glufe und G^fe, f. (PI. -n): Stecknadel. 1 Oberdeutsch. 1482 im Voc. theut. 1 2 '^ glufe neben guffe, 1489 bei Brack d2^ spinter, ein [ vorspang oder ein gluff. Dunkler Herkunft. I giuh, adj.: glühend (Bürger 320), auch glüh. Bei Luther glu, gluio (Dan. 10, 6) } «glühend», dann «hell, poliert», 1562 bei , Mathesius Sarepta 104**, mnd. glue, glo «glän- j zend, leuchtend». Vgl. glau, glauch. Von I glühen, V, : feurig glänzen ; brennend heiß j sein, Mhd. glüejen, glüewen, glüen, md. gluwen, gluen, ahd. gluoan, gliiojen, gluon; dazu and. j glöian «glühen», mnd. gloien, glogen, mndl, gloeijen, ags. glöwan, engl, glow, anord, glöa, j schwed.-dän. glo «glotzen, gaffen, glänzen». ! ABL. Glut, f. (PI. -en), mhd. gluot f, «Hitze, feurige Kohlen» (PI. glüete), md. glüt, ahd. gluot, glöt f.; dazu mnd. glöt £, nndl. gloed m., afries. glöd, gled, ags, gled, anord. glöd f. Die Wurzel glö gehört vielleicht zu lit. zlejä f. «Halbdunkel in der Dämmerung», doch kann I auch Glanz, glatt, gelb u, a, verwandt sein, oder kymr. glo «Kohle». ZUS. Glühwein, m., 1808 bei Campe. Glühwurm, m., bei Voß Luise 1, 809. glum, adj.: trübe (von Flüssigkeit). Bei Luther Hes. 32, 2 und Harsdörffer lust- u, lehrreiche Gesch. 1, 126 glum, bei Francisci Lusthaus 409 glumm, noch nd. glum «trübe, dunkel, müirisch»; dazu mnd. und md. glü- mende Part, «heimtückisch», md. im 14. Jh, heglümen «trübe machen, hinters Licht führen», ags.glöm m.(?) «Düstei'nis, Dämmerung», engl. glum «finster, müiTisch», gloom «Dunkelheit, Trübsinn», anord. gläm-syni f. «Sehschwäche, welche dem Auge die Dinge anders als in Wirklichkeit erscheinen läßt», ^Zämrm.«Mond», urverwandt 'mit lit. zlejä «Dämmerung». glumnien, v.: glimmen (s. d.). Dazu das Iterativ glumsen, V.: schwach fortglimmen, 745 glnpen Gneist 746 1587 im Buch d. Liebe 191*^ neben glunsen 185% mhd. glünsen, md. im 14. Jb. glunsen. glupen, V.: einen heimlichen schnellen BHck tun, bes. mit großen Augen seitwärts lauernd; von unten aufblicken (Bürger Mac- beth 1, 6). 1775 bei Adelung als niedersäch- sisch, mnd. glupen, ndl. 1598 glupen, gloepen «heimtückisch lauem», jetzt gluipen, afries. glüpa «verstohlen sehen», mengl. gloppen «anstaiTen». Dunklen Ursprungs. Vielleicht hängt abg. glipati «sehen» irgendwie mit dem Wort zusammen. Davon glupSCh, adj.: heimtückisch. Ndd. 1775 bei Adelung glupisch, bei Hermes Soph. Reise 4, 238 gluhpsch. Olut, s. glühen. Glyzerin, n. (s): Ölsüß, Scheelesches Süß. 1776 von Scheele entdeckt. Gebildet von gr. Y^uKepöc «süß». Onade, f. (PI. -n): WohlwoUen (Nieder- neigen) gegen den Geiingern, hohe Gewogen- heit. In der Anrede Euer G-naden ist es Plural und Übersetzung des lat. vestra de- mentia. Mhd. genäde, gnade, ahd. ginäda, gnäda f. «Medei-neigung, Ruhe» [die sonne geht zu gnaden Weist. 1, 744), «rahige Lage, Behagen, Glückselicrkeit, Neisnincr zu etwas, Herablassung zu Beistand, helfende Geneio^t- heit, Hilfe und Erbarmen, Huld, Dank» (eig. «Niederlassung, Fußfall um zu danken»); dazu asächs. näda und ginääa f. «Huld, Bannherzig- keit», mnd. gnade, genade f. «Ruhe, , Herab- lassung, Gunst, Vergünstigung, Privilegium», ndl. genade, afries. genäde, gnäde und näthe, näde f. «Huld, herablassende Hilfe», anord. näd f. «Gnade» im PI. nääir «Ruhe, Schlaf», schwed. näd f. und dän. naade «Gnade». Die Bedeutungen des Wortes lassen sich aus der von «niedemeigen» ableiten. Aber in den verwandten Sprachen liegt schon die Be- deutung «Hilfe» vor, so in got. nißan «unter- stützen», air. ar-neithim «ich stütze, halte», aind. näthäm n. «Hilfe, Zuflucht», näthas m. «SchutzheiT», nadhamänas «Hilfe suchend, bittend». Daher wird man von dieser Be- deutung ausgehen müssen. ABL. gnaden, V.: Gnade erzeigen, mhd. genäden, gnaden, ahd. ginädon, ginäden, gnaden; dazu asächs. ginääon. gnädig, adj., mhd. gencedic, gncedic, «wohlwollend, barmherzig, liebreich», ahd. ginädig, gnädig, Adv. gnädigo; dazu asächs. ginääig «harmherzig, liebreich», schwed. nädig und dän. naadig «gnädig», dagegen anord. nädugr «ruhig». ZUS. Gnadenbild, n., bei Luther. Gnadenbrot, n., 1741 bei Frisch, Gnadenjalir,n.: Jahreseinkünfte eines Amtes, die die Witwe nach dem Tode des Mannes genießt, 1657 bei Speidel Speculum 511, aber spätmhd. im 14. Jh. gnädenjär n. «kirchliches Jubeljahr» (Städtechron. 5, 45). Gnaden- pfennig, m.: goldne Medaille als fürstliches Gnadengeschenk (Brustschmuck), 1666 bei Besold Thesaurus 327. gnadenreich, adj., mhd. ge7iädenriche. Gnadenstoß, m.: Todes- stoß aus Gnade, urspr. dem geräderten Ver- brecher vom Henker gegeben, 1775 bei Ade- lung, anders mhd. genädenstog m. «Anregung der Gnade». Guadenwahl, f.: Prädestina- tion, 1663 bei Schottel 425. Gnatz, m.: Übellaunigkeit der Kinder. Norddeutsch. Identisch mit dem folgenden. Gnätze, f.: Schorf, Hautausschlag. Bei Luther 3. Mos, 14, 56 Gnetz f., auch Gnatz m., 1716 bei Ludwig der Gnatz, die Gnätze oder der Gneiß auf den Köpfen der Kinder. Noch nd. und kurhess. Gnatz m. «Grind, Schorf, Krätze». Md. im 15. Jh. gnaz m. «Grind» (Diefenbach gl. 264^) und 1296 in dem Beinamen gnazoge «Grindauge» (Ger- mania 20, 40), um 1300 bildlich «Kargheit (Schäbigkeit), Knauserei», urspr. wohl «das Schaben, Reiben». Zu ahd. gnitan, md. und mnd. gnlden, ags, gnldan, cnidan, anord. gniäa, dän. gnide «reiben». Weiter gibt es Formen mit anlaut. h anord. hnita «mit etwas stoßen», lit. kmsti «wühlen». ABL. gnatzig, adj., bei Luther gnetzig und gnetzicht. gnatzig, adj.: übellaunig. Gneis, m. (-es, PI. -e) : schieferiger Granit, aus Feldspat, Quarz, Glimmer. 1557 beiAgri- cola Bergwerkb. S2^ Gneus, 1562 bei Ma- thesius Sar. 197* gneysiger Stein, 1698 bei Schönberg Geneis, 1712 bei Hübner Geneiß. Vermutlich urspr. Nebenform von Gneist «Funke» (s.^ Gneist), wie beiParacelsus Chirurg, Schriften (I6I8) 317 Geneiß n. «Funkenasche». Die Schi-eibung Gneus beruht auf Anknüpfung an genießen, weil dies Gestein nach Berg- mannsglauben viel gutes Ertz, unter toelchem es bricht, gleichsam vor sich geneust und es verzehret und rauhet (Hübner 1712). ^Gneist, m. (-es, PI. -e): Funke, sprühen- des Flämmchen. Mhd. ganeist, ganeiste, ge- neiste, gneiste m. f., ahd. ganehaista, gneista f. und gneista, gnanisto m., woneben ahd. ga- neistra, ganastra, mhd. ganeister, ganster, gänster, geneistei', gneister f. ; dazu ags. gnäst m., anord. gneisti m., dän. gnist «Funke». Verwandtschaft unsicher. Preuß. knaistis 747 Gneist Gold 748 «Brand», abg. gnetiti «anzünden» können nicht beide gleichzeitig verglichen werden. ^Gneist, m, {-es): fest auf der Kopfhaut schuppig sitzender Grind oder Hautschmutz. Wetterauisch. 1482 gnyst im Voc. theut. m7^, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 264 ^ geniste, genist, 1716 bei Ludwig Chfieiß m. neben Gnatz (s. Gnätze), 1741 bei Frisch Chieis, Gnistm., mnd. g^iist «Räude, Hautausschlag», tirol. Gneist n. «kleingeschnittnes oder ge- schabtes Zeug», Gneis «Kopf schuppe». Wohl abgeleitet von ahd. gnitan (s. Gnätze). Gnenn, m. : Vater, s. Knän. Gniddelstein, m.: Nahtklopfer bei Leinen- zeug, anstatt der Plätte. Norddeutsch, Mnd. gnidelsten m. «Glättstein», von nd. gnideln, gniden «glätten, plätten», mnd. gniden «reiben» (s. Gnätze). Gnom, m. (-en, PI. -en): Erd-, Berggeist. 1775 bei Adelung, aus gleichbed. franz. gnome, ital. gnonio m., von mlat. gnomus m. «Erd- geistchen» (im 16. Jh. bei Paracelsus), zu gr. Yviij|üri f. «Erkenntnisvermögen, Geist». Gobelin (spr. gohel^), m. (-s, PI. -s und Gdbeline) : Teppich mit eingewirkten Bildern.. Benannt nach dem Ei-finder Jean Gobelm in Paris (15. Jh.). Gockel, m. (-S, PI. wie Sg.): Männchen des Hühnei-\'iehs. In ältrer Zeit auch Gückel, so 1540 bei Alberus dict. Hh2'i und 1556 bei Frisius 940", 1537 bei Dasypodius Guckel, Gugel, 1589 bei Bebel Facetiae 128=^ Gockel (1558 Gogkel), 1538 bei Serranus Göcker. In Zusammensetz. 1596 bei Hulsius Gugelhan. bei Schuppius 773 Gockelhan, bei Schiller Wall. Lager 9 Gökelhahn, mnd. kukelhän. Lautmalende Bildung, wie gleixjhbed. mndl. kocke m., ags. coc m., engl, cock, fi"anz. coq m., anord. kokr m. «Hahn», lat. coco vom Hahnenlaut, wie im Alsfelder Passionsspiel 40^ gucze gu gu gä. Godel, f. (PI. -n): Patin, s. ^Gote. Gold, n. {-es, PI. -e): das edelste MetaU lat. aunim. Mhd. golt, ahd. gold n.; dazu asächs.-afries.-ags.-engl. gold, ndl. goud, anord. gull, goll, schwed.-dän. guld, got. gnlp n. Ur- verwandt mit abg. zlato, russ. zoloto n., lett. ze'lts m. «Gold», aind.Jiiranjam «Gold», aw. zaranja- n. «Gold», aind. hätakam «Gold» aus *haltakam. Daß das Wort zu *gelh gehört, ist durchaus nicht sicher, vgl. Hirt Ablaut 88. Eher steckt darin ein Volksname, wie in aind. hätakam «ein Land». Aus dem Germanischen entlehnt finn. kulda, kulta «Gold». ABL. golden, adj., noch altertümlich gülden, gülden, mhd.-ahd.-asächs. guldm; dazu ndl. gouden, afries. gelden, gülden, golden, ags. gylden, engl, golden, anord. gullinn, schwed. gyllene, dän, gylden. golden, v, in vergolden, mhd. ver gülden, ver gülden, altertümlich vergidden (Goethe 1, 90), vergülden (Schuppius 251). goldig, adj., süddeutsch als Kosewort, bei Schiller 2, 144; altertümlich guldig bei Cha- naisso 3, 133. güldisch, adj.: goldhaltig (im Bergbau), 1775 bei Adelung, göldisch 1721 bei Jablonsky. ZUS. Goldammer, f,, spätmhd. im 15. Jh. goltamer f., im Voc. ex quo 1469 goltamnierlin n. goldfarben, adj., bei Luther goldfarh, mhd, goltvar (s. -farh). Goldfinger, m.: Ringfinger, der Finger zu- nächst am kleinen, mhd.-spätahd. goltvinger (Steinmeyer-Sievers Gl. 3, 72, 8), afries. und ags. goldfinger. Goldfisch, m.: aus China stammender, 1691 nach England und von da in Eui'opa verbi'eiteter goldglänzender karpfenartiger Fisch, Cyprinus auratus (in China bereits im 5. Jh. n. Chr. in Garten- teichen und Porzellanvasen gehalten); anders 1482 im Voc, theut. 14^ golt fisch «Teichforelle», salmo fario; (jetzt auch in Übertrag. Bed.) «reiches Mädchen», goldgelb, adj., 1537 bei Schaidenreißer Odyssea 96^, 1616 bei He- nisch. Goldglätte, s. Glätte. Goldgrube, f.: 'Goldbergwerk, 1429 goltgrueh und 1414 goltgrohe (Diefenbach gl. 62*^); auch in Über- trag, Bed, Goldhähnchen, n. : der Sommer- Zaunkönig, Sylvia regulus, der kleinste Vogel Europas, benannt nach der gelben Haube, um 1500 goldhandel (Diefenbach nov.gl. 181^), 1557 bei Heußlin Vogelb. 66^ Goldhendlin, 1664 bei Duez Goldhahnichen. Goldkäfer, m., 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 15 Gold- kefer, 1466 goltkeher (Diefenbach n, gl.- 43^). Goldkorn, n., 1616 bei Henisch Goldkörnlein. Goldlack, m,: die wohlriechende Pflanze Cheiranthus cheiri, 1798 bei Nemnich,, dafür im 16. Jh. geel Yeiel (Fuchs 1542), geel Vio- Violaten (Bock 1546). Goldmacher, m.: Alchymist, 1646 bei Moscherosch Phil. 1, 61. Goldmann, m.: Kosewort für einen be- sonders lieben Mann, bei Geliert 8, 415. Goldschmied, m., mhd. goltsmit, ahd, golt- sniid, ags. goldsmip m. Goldsohn, m., 1775 bei Adelung als Kosewort der Meißner (Ober- sachsen) wie ßoldkind und Goldtochter. Gold- stück, n., 1616 bei Henisch Goldstuck, an- ders bei Luther Golds Stücke. Goldwage, f., 749 Golf Gose 750 spätmhd. 1455 goltwäge f. RA. seine Worte auf die Goldwage legen, vgl. Sir. 21, 27. Golf, m. (-es, PI. -e): Meerbusen. In der ersten Hälfte des 15. Jh. golffe (Altswert 228, 2), 1534 bei Franck Weltb. 209^ der Akk. Sg. Cholfen, 1562 bei Mathesius Sar. 201^ Golff. Aus gleichbed. franz. golfe, ital. golfo va., von gr.-spätlat. colpus m. «Meer- busen», gl'. köXttoc m. «Busen, Meerbusen». Golllcht (mit ö), n. {-es, PI. -er): Talg-, ünschlittlicbt. Ein durch Mitteldeutschland vom Rhein bis Schlesien, sowie durch die Oberpfalz nach Franken und Schwaben sich hinziehendes mundartlich es Wort. Bei H.Sachs [1, 317^] Goliecht, im 15. Jh. gollicht (Folz Fastnachtsp. 8, 1219) und PI. golliechter (Schmeller - 1, 893), guliechte (Inventar Elsen von Holzhusen von 1410 im Archiv zu Frank- furt a. M.), guUiecht im Einnahme- und Aus- gabeverzeichnis des Klosters Marienborn bei Büdingen von 1493, aber bereits im 13. -Jh. ndrhein. guleweke «Lichtwoche, Woche der Lichtmesse» (Haupts Ztschr. 15, 516). Da- für umgedeutet obersächs.-posen. Gokellicht. schles. 1728 bei Stoppe Ged. 1, 188 Goock- licht, zu mhd. gogelen «hin und hergaukeln, sich hin und herbewegen», also «Licht zum Leuchten beim Umhergehen im Hause». GÖlse, f.: Schnake, s. Gelse. Gondel, f. (PI. -w): venetianisches Lust- schiffchen. 1664 bei Duez Gondel. Gondole, 1616 bei Henisch Gundel «ein Venedisch Schifflin», 1597 bei Wickram RoUw. 190, 2 Kz. Giindelle f., 1594 bei Frischlein Nomen cl. Kap. 171 das Dim. Giindelein n. Aus gleich- bed. ital. gondola f., dem Dim. von gonda f. «Gondel». Davon Goiideliei", Gondoller, m., (-S, PI. -e): Gondelführer. Aus gleichbed. ital. gondoliere m. 1703 im Zeitungslex. Gondolirer. gönnen, v.: gerne sehen oder gestatten, daß jem. Gutes oder Übles zukomme, er es habe. Bei Luther gönnen, gönnen, günnen. noch im 17. Jh. bei Fleming, Logau usw. günnen, mhd. günnen, günnen, ähd.gi-, geunnan, günnen, asächs. giunnan, ndl. günnen, ags. geunnan, von ahdi.unnan «gönnen, vergönnen, erlauben», ags. unnan, anord. unnxi (auch lieben), schwed. Unna, dän. unde. Wegen der Ableitung Gunst (s. d.), wohl aus ans entstanden und vielleicht gehörig zu gotganisan «genesen, gerettet wer- den», gr. viojj.a\ «kehre zurück», aind. näsate «gesellt sich», Grundbetonung wohl «heran- gehen». Das Präsens zeifft in der altem Sprache Präteritopräsensfonn: mhd. gayi, noch bei Luther ich, er gan neben ich günne, ags. gean und an, anord. ann; das Prät. lautet ahd. giansfa und geonda, im einfachen Verb onda, asächs. gionsta, ags. geüde und Ude^ mhd. gunde, gonde, bei Luther gönnete und gönste, gunste, im 17. Jh. bei den Schlesiern gunte, noch bei Zachariä Ren. 263 vergönnte; das Part. Pass. mhd. gegunnen, günnen, später gegunnet, auch geganst, bei Luther gegönnt, schles. im 17. Jh. gegunt, ags. geunnen, anord. unnat. ABL. Gönner, m., beiLuther Gönner, Gönner, mhd. gunner, gUnner, md. gonner; dazu Gönnerschaft, f., 1775 bei Adelung. Göpel, m. (-S, PI. ^vie Sg.): aus einer senla-echten Spindel bestehendes Hebezeug über der Grube zur Windung aus tiefem Schacht; (später) in der Landwirtschaft ein Triebwerk. 1546 bei Agricola de re metallica 483 Keppel, pyramis, aedificium super puteum extructum, ebenso 1562 bei Mathesius Sar. 22^ u. 196*^ Gepel «das Gebäude, Zechhaus, worunter die Hebemaschine steht» (Bl. Lll^ Göpel), 1594 bei Frischlin Xomencl. 112 Ge- pell «Roßmüll, machina tracta ab eqms». Göre, f. (PI. -n) und Gör, n. (PI. -en): Kind, kleines Kind, Mädchen wie Knabe. Niederdeutsch. 1598 bei Helvig 144 Göre «Pomerani in contemptum pro infante», 1652 bei Lauremberg 2, 11 Gör f. Dazu engl, girl «Mädchen», mittelengl. girle; anders Schweiz. giirrli n. «hübsches, schalkhaftes, lebhaftes Mädchen», welches Dim. von Gurre (s. d.) «Stute» ist. Göre ist von Möller Btr. 7, 542 mit gl". Trapöevoc, lat. virgo f. verbunden, was trotz aller Einwände richtig sein kann. An- ders Holtbausen Arch. f. neuere Spr. 107, 379 f. Gösch, m. {-es, PI. -e) auf f. (PI. -en): viereckige Flagge am Ende des Bugspriets. Niederdeutsch. Dazu ndl. geus, entlehnt schwed.-dän. gjös. Nach Falk-Torp identisch mit ndl. gens «Bettler». Gosche, Gusche, f. (PI. -w): Maul als niedriger Ausdruck. 1556 bei Frisius 432* Gosche «Schlund, Maul», ebenso bei H. Sachs Fastn. 85, 201, Fischart Garg. 337 und 1640 bei dem Schlesier Scherffer Grob. 139 u. 218, sonst in Mitteldeutschland Gusche f. (Günther 125). Vielleicht zu aind. ghösati «tönt, ver- kündet, iTift aus», ghosas m. «Lärm, Getön», aw. gaos «hören», apers. gausa «Ohr». Gose, f. : Weißbier, das angeblich in Goslar zuerst gebraut sein und von dem Flusse Gose, an dem Goslar liegt, den Namen tragen soll. 751 Gosse Gott 752 Vielleicht aber nd. gös «Gans», wie denn viele Biere nach Tieren benannt sind, vgl. Broyhan. Schon 1332 mnd. gose (Höfer ürk. 257), 1575 bei Fischart Garg. 86 Goß- 1 larisch Gause und 148 Goß. \ Gosse, f. (PI. -n) : Giißstein der Küche ; j Straßenrinne. 1517 bei Trochus 0 3'' ein \ gosszen. Von gießen (s. d.). j ^Gote, f. (PI. -«), auch dim. Göäel: die: aus der Taufe Hebende und Gehobne. Mhd. göte, götte m. und gote, gotte f. «Pate, Patin und JPatenkind», ahd. gota f. «Taufzeugin», | 1664 bei Duez 46 Göte f., 1669 im Simpl. 403 j Göth f. «Patin». Noch in Ober- und Westinittel- ' deutschland Gott f. und Gott m. Vielleicht abkürzende Koseformen füi* die als geistlicher Vater oder geistliche Mutter des Täuflings '. (lat. pater, mater in Deo) geltenden Tauf- ' zeugen, wie die mit Gott (s. d.) zusammen- gesetzten vollem Formen zeigen: ags. god- fceder m. «Pate», godmödor f. «Patin», god- sunu m. und goddöhtor f. «Patenkind», ent- sprechend engl, godfather, godmother, godson, goddaughte?', anord. guäfadir, guddöttir, dän. i gudfade)', gudmoder, guddotter, schwed. gud- fader «Pate», gudnior «Patin», gudson und guddotter «Patenkind», aus gudfader und ^ gudmor. Auch ndl. 1598 goede und goede-, j godmoeder «Patin», godvader «Pate». Aber unser Wort kann auch eine Büdung sein wie got. gudja, and. godi «Priester». 'Gote, m. (-n, PI. -n): Volksname. Got. Gut-ßiuda f. «Gotenvolk», bei den Griechen FötGoi, foTToi, bei den Römern Gotones oder Gothones (Tacitus Germ. 44), Gothi ( Eutrop), bei S. Franck Chron. (1551) 157^ f. Gothier, Gotthier, bei Aventin Gothen (4, 963, 23), GoUen, Gouten usw. Davon gotisch, adj.: den Goten eigen: altdeutsch (in der Bau- kunst, 1741 bei Frisch); im 18. Jh. altfrän- kisch, altmodisch (Lessing 11, 136, Wieland 6, 170, Schiller 6, 346, 6, Wagner Kinderm. 11 Neudr.), nach franz. gothique «altvaterisch». Gott, m. (-es, PI. Götter): übernatürliches höchstes Wesen. Mhd. -ahd. got m. (Gen. gotes): dazu asächs.-ndL-afries.-ags. god m., anord. god, gud m. n., got. gup (Gen. gudis) m. n. Eine alte partizipiale Bildung, urgerm. *gudom, idg. *ghutoni, die man zu verschie- denen Verben der verwandten Sprachen stellen kann, entweder l) zu aind. am «anrufen», hUtä- und aw. -zbäta «genifen», abg. 2rat;(j«ich rufe», lit. zaveti «besprechen, zaubern», oder 2) zu aind. hu «opfern», hutäs «geopfert», gr. x^eiv, x^TÖc «gießen, gegossen», oder 3) zu lat. fovere «wärmen» oder lat. favere «günstig sein». Ebenso verschieden wie die Wurzeln kann auch die Bedeutung sein, ent- weder abstrakt «die AniTifung, die Opferung» oder «das angerufne, das geopferte» usw. Irgendwelche Sicherheit ist nicht zu gewinnen. Wenn Götze (s.d.) wirklich zu Gott gehört, so wiese das auf eine ursprüngliche Bedeutung «Büd, Figui-». Vgl. Osthoff Bezz. Btr. 24, 177. Uhlenbeck Btr. 30, 285. Der Plur. lautet ahd. gota, mhd. gote, göte und neutr. göter, wie got. PI. Neutr. guda. Vgl. Götze, Güt- chen. ABL. Göttin, f. (PI. -nen), mhd. gotinne, gotin, mit Umlaut gütinne, götinne, göttin, ahd. gutinna, gutin f.; dazu ndl. godin, ags. gyden f. göttern, v. in vergöttern, bei Luther göttern «göttliche Ki-aft und Art ver- leihen», mhd. vergoten «götthch machen, in Gott verwandeln». Gottlieit, f., mhd. -ahd. goteheit, gotheiti. göttlich, adj., mhd. gote-, gotlich, göte-, götlich, md. godelich, ahd. gote-, gotlth: dazu asächs. godlic, anord. gudligr. ZUS. 1) mit Gott-: gottloh, interj., früh- mhd. gote-, gotlop, eig. «(dem) Gott sei Lob». gottlos, adj., bei Luther, schon got. guda- laus «ohne Gott». Gottseiheiuns, m.: der Teufel, bei dessen Anblick man diesen Schutz- ruf ausstößt (Goethe 13, 65 von 1802). gott- selig, adj., bei Luther, eig. «in Gott selig»; dazu Gottseligkeit, f., ebd. gottvoll, adj., im 19. .Jh. — 2) mit dem Gen. Gottes-: Gottesacker, m.: Totenfriedhof, 1544 bei Luther Ausleg. d. Ep. u. Ev. von Ostern FF 6 ^ tvir Deudschen von alters solche Be- grebnis nennen Gottesacker. Gottesdienst, m., mhd. im 14. Jh. gotsdienst. Gottes- furcht, f., bei Luther: gottesfürchtig, adj., bei Luther gottfürchtig, bei Steinhöwel Esop 72 gotzßrchtig , mhd. im 14. Jh. got- fm-htic. Gottesgahe, f., mhd. gotes-, gots- gabe. Gotteshaus, n., mhd. gotes-, gots- \hüs, ahd. gotes hüs; dazu asächs. godes hüs, afries. godis-, godeshüs, woneben mhd. gothüs, got. gudhüs n. «Tempel». Gotteskasten, m.: Behälter zur Verwahi'ung des Kirchen- . geldes, bei Luther. Gotteslästerer, m., I 1495 in Reichsordn. 26^ gottßlesterer ; Gottes- lästerung, f., 1517 im Frankf. Reichskorr. 2, 933 gotslesterung. Gotteslohn, n., bei Luther 1, 317*^ J. Gottespfennig, m.: Handgeld, dessen Annahme zu Dienstleistung I verbindend ist, im 15. Jh. gotsphennig, gocz- p fennig und gotsheller (Diefenbach gl. SO**, 753 Gottfried Gracht 754 nov. gl. 35^). Gottestisch, m.: xUtar, 1645 ' bei Zesen adr. Rosemund Xachschr. Gottes- urteil, n., 1775 bei Adelung. — 3) mit dem PI. Götter-. Götterbild, n.: (bUdl.) gött- liche Erscheinung, bei Goethe Iph. 2, 2. Gottfried, Mannsname, ahd. Gota-, Goda-, Godofrid, zusammenges. aus Gott und Friede. Gotthard, ahd. Gotahart, zusammenges. aus Gott und hart. Gottliel), ahd. Gotleip, asächs. Godolef: das später zu lieh umgedeutete -leih bedeutet «der Zurückgelaßne, Sohn, Abkömm- ling», von leihen (s. hleihen). gottlob, gottlos, gottselig usw., s. Gott. Götze, m. (-n, PL -n) : falscher Gott. Seit Luther 1520 in der Bed. «Bild eines Ab- gotts» und «Abgott», im 15. Jh. bei Rosen- plüt Fastnachtsp. 3, 1181 «aus Holz ge- schnitztes Bildwerk», ebenso im Spruche von einem Dompropste zuWüi'zburg in der Münch- ner Hdschr. von 1476 ßl. 125» — 126*^ der Plur. gocze, göcze «geschnitzte Götterbilder» und 1594 bei Prischlin Xomencl, Cap. 157 simulachrum, effigies, Bildstock, Götz, ndl. 1598 godse. In übertragner Bed. «dummer, unbeholfner Mensch, Dummkopf» 1494 bei Brant Narrensch. 46, 14, Trochus 1517 G3^ stultus gotze, H. Sachs Fab. 185, 112, Luther 8, 319* J.; ferner «Schwächling» im 15. Jh. | bei Diefenbach gl. 526 ^ semivir gocze. Hilde- brand (Beiträge z. deutsch. Untemcht 129) erklärt Götze als «Hausgeist, Kobold», dann «Abbild eines Kobolds» (s. Ölgötze); bei Uh- land Yolksl. 754 ist götze «der Hauskobold, traute Hausgott». Götze ist Dim. von Gott (s. d.), wie Spatz von Spar, Petz von Bär, also gleichwertig mit mhd. götelm, gütel (s. Giltchen). Vgl. v. Bahder Btr. 22, 531 und auch Meringer Idg. Forsch. 18, 280. ZTJS. Götzendiener, m., Götzendienst, f., beide bei Luther. Gouvernante, f. (PI. -n)-. Erzieherin, Hof- meisterin. 1728 bei Apinus. Gouvernantin 1714 bei Wächtler. Aus gleichbed. franz. .gouvemante f., eig. Part. Präs. zu gouverner «ein Schiff steuern«, dann «regieren, leiten», von gleichbed. lat. guhernäre, gr. Kußepväv. Gouverneur, m. (-s, PI. -e): Statthalter, Befehlshaber. 1669 im Simpliciss. 51. Aus gleichbed. franz. gouvernenr m., von lat. gubernätor m. «Steuermann, Lenker, Leiter». Grab, n. (-es, PI. Gräber): Grube zur Totenbestattung. Mhd. grap, ahd. grab n. (PI. grehir) ; dazu asächs.-mnd. und ndl. graf, afries. gref, ags. grcef, graf n., engl, grave, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. anord, gröf, schwed. graf f., dän. grav. Von graben (s. d.). ZUS. Grabmal, n., bei Luther. GrabSChrift, f., 1562 bei Mathe- sius Sar. 294% Grabeschrifft bei Luther 8, 411* J. Grabstein, m., um 1480 im Voc. ine. teut. k 2 *. grabbeln, V.: herumtasten, herumgreifen (fiiiher auch mit den Füßen herumfahren, was jetzt krabbeln (s. d.). Vielleicht mit diesem gleich, oder auch mit grapsen (s. d.) vei^wandt. In Norddeutschland. Graben, m. (-s, PI. Gräben): sich hin- ziehend in die Länge gegi'abne Erdvertiefung. Um 1480 in Voc. ine. teut. kl^ graben, 1540 bei Alberus dict. A2* Grab m., mhd. grabe, ahd. graho m. ; dazu and. gravo m., mnd, und mndl. grave m., got. graba f., anord. gröf f. «Höhle, Grab». Der umlautende PI. Gräben schon im 16. Jh. (greben 1529 bei Liliencron 3, 597», 1531 bei Hedio Josephus Antiqu. 142*) statt des urspr. schwachen PI. Graben (noch bei Voß H. 2, 153, Goethe 30, 134 1. H. = W. 33, 131, wo Gräben). Von graben, v. (Präs. grabe, gräbst, gräbt, Prät. grub, Konj. grübe, Part, gegraben): mit einem scharfen oder spitzen Werkzeuge Vertiefungen machen. Mhd. graben, ahd. gräban (Präs. grabu, grebis, grehit, Prät. gruob, Part, grahan und ga-, gigraban): dazu andfränk. and. gravan, mnd. und mndl. graven, engl, grave, afries. greva, grova, ags. grafan, anord. grafa, schwed. gräfva, dän. grave, got. graban. Urverwandt mit abg. grehq «ich grabe, rudre», grobü m. «Grube, Grab», lett. grebt «sckrapen, aus- höhlen». Dagegen wegen mangelnder Laut- verschiebung nicht mit gr. Ypctqpeiv «einritzen, schreiben». Vgl. Griffel, Grube, grübeln, Gruft ZUS. Grabscheit, n. {-es, PI. -e): Werkzeug zum Graben der Erde. Bei Licht- wer Fab. 4, 18 Grabescheit, bei Wieland Ob. 9, 23 Grabescheid. Mhd. grabeschit, 1429 im Lib. ord. rer. 9^ grabschit n., zusammenges. mit ahd. seit n. «hölzerner Stiel». Grab- stichel, m. : Werkzeug der Goldschmiede und Graveure, 1489 bei Brack g2^ grabstickel. Grachel, f. (PI. -n): die lange spröde Ährenspitze. 1755 bei Adelung. Schlesisch- auch «Spreu». Vielleicht zusammenhängend mit md. (13. Jh.) grach n., dessen Bed. «Ähren- feld» nur Vermutung ist. Gracht, f. (PI. -en) : Kanal. Niederdeutsch. Mnd. und mndl. gracht, graft f., mndrhein. gracht f. entsprechend mhd. graft f. «Graben» zu graben. 48 755 Grad Gran 756 Grad, m. (-es, PI. -e): Stufe; 360ster Teil des Kreises. IMlid. grät m. «Stufe» eigentlich und bildlich (PI. gr(Bte, gräte, md, grete), im 14. Jh. gräcl, ahd. gräd m. « Schritt, Stufe»; dazu mnd. grät n. Aus gleichbed. lat. gradus m., woher ital.-span. grado, franz. degre m. gradieren, v.: zu einem höhern Grad an Güte bringen, z, B. in Salinen das Salzwasser durch Reisig abtröpfeln lassen zum Verdunsten des wilden Wassers, 1712 bei Hübner. Bei Rot 1571 gradirn «nach Graden abschätzen», z, B. Gold und Silber, auch die Wärme in 4 Graden bis zur Siede- hitze. Nach mlat. gradare «aufwärts gehen», davon Gradierwerk, m. Im 18. Jh. dafür Gradierhaus oder Leckiverk. graduieren, V.: einen höhern akademischen Grad ver- leihen, im 15. Jh. bei Nik. v. Wyle 353, 16 gradmvieren , aus mlat. graduare «zu einem höhern akademischen Grad fortmckenlassen», von lat. gradus m. Graf, m. {-en, PI. -en): der Nächste in der Würde nach dem Fürsten. Unverkürzt noch 1673 bei Weise Erzn. 23 Graffe, bei Rückert 3, 60 Gräfe. Mhd. gräve, gräf m. (PI. gräven, auch grceven) urspr. «höhrer weltlicher Befehlshaber und Gerichtsvorsitzer», dann als «erbliche Würde», ahd. grävo. grävio, gräveo m., md. und mndrhein. grabe und mit Umlaut greve, grebe m.; dazu mnd. greve, afries. greva m., und mit Ablaut ags. gerefa, gereafa, groefa m. (zusammenges. scir-gerefa «Vorsteher» einer scir «Gaus», engl, sheriff), aus dem Mnd. entlehnt anord. greift m. Der Ursprung ist nicht sicher ermittelt. Am nächsten liegt Zusammensetzung aus gi- und einem rSb-, röb, dessen Bedeutung aber auch nicht klar ist. Anderseits vergleicht man got. gagrefts f. «Beschluß, Befehl». Aber dann muß man ags. girefa von (?ra/" trennen. Heyne ver- tritt im WB. die Ansicht, daß G. ein Lehnwort aus gr. YPa'PEÜc «Schreiber» sei. Die Bed. «Vorsteher» noch in hess. Grebe m. «Dorf- vorstand» (schon bei Kirchhoff Wendunmut 1, 178), siebenbürg. Grefm. «Richter», aachen. Grif in. «Zunftvor Steher», ferner in Deich-, Salzgraf (s. d.). ABL. Gräfin, f., mhd. grcBvinne, grcevin. gräflich, adj., 1642 bei Duez gräffelich, 1582 in Weist. 1, 645 grave- lich. Grafschaft, f., mhd. gräve-, gräf- schaft f. gram, adj. : wogegen übelwollend gestimmt. Mhd.-ahd. gram «feindselig aufgeregt, erzürnt, unmutig»; dazu asächs.-ndl.-ags. gram, anord. gramr, dän. gram. Aus dem Germanischen entlehnt afranz. gram, ital. gramo «betrübt». Gleichen Stammes wie grimm (s. dort Näheres). Aus dem Adj. gebildet Gram, m. (-s): an- haltende tief im Innern nagende Beträbnis worüber, mhd. (1412) gram m. «feindselige Stimmung», mnd. gram m. «Grimm, Erbitte- rung, Zorn». Von gram abgeleitet grämen, V.: in Gram versetzen, mhd. gremen, ahd. gremjan, gremman (Prät. gremita, gramda) «zornig, unmutig machen, aufregen», im Mhd. auch intr. «zornig sein worauf» und refl. «sich härmen»; dazu ags. gremian, grem- man, anord. gremja, schwed. gräma, dän. grämme, got. gramjan (aufreizen, erzürnen). grämlich, adj.: verdrießlich, 1691 bei Stieler (dafüi- bei Henisch 1616 und Duez 1664 grämig), mhd. gramelich, greme-, gremlich «zornig, grimmig», ags. gramlw «grimmig», anord. gramligr «verdrießlich»; dazu Gräm- lich keit, f., 1691 bei Stieler. Gramm, n. {-es, PI. -e): Gewichtsemheit von 18^/05 ^^'^"- 1^6^ ^^ Deutschland, 1800 in Frankreich eingeführt. Aus franz. gramme m., von gr.-lat. gramma n. «Schriftzeichen, ■'/.24 Unze», gr. Ypd|U|ua n. (s. Grammatik). Grammatik, f. (PI. -en): Sprachwissen- schaft; Sprachlehre. Um 1522 bei Ickel- samer 37 Grammatic, mhd. grämatica und grämatic, ahd. grämatich f. Aus gleichbed. gr.-lat. grammatica, gr, YPö^MaxiKri f., das (mit Ergänzung von t^x^i f. «Wissenschaft») subst. Fem. des gr. Adj, Tpam-iaTiKÖc «schrift- kundig, nach den Sprachregeln», einer Ab- leitung von Ypd|U|ua n. «das Eingegrabene, der Buchstabe», zu ypdqpeiv «einritzen, schreiben». Grammatiker, m.: Sprachgelehrter, schon ahd, gramatichäre m,, mhd. grämaticus m. «Lese- und Schreib kundiger, Lateingelehrter», aus gr.-lat, grammaticus m, «Sprachgelehrter», dem substant, Mask. des gr.-lat. Adj, gram- maticus. grammatikalisch, adj,, 1663 bei Schuppius 1, 604 grammaticalisch , aus dem von grammatica abgeleiteten lat, Adj, gram- maticälis. grammatisch, adj,, bei Luther 3, 68^ J., nach dem gr.-lat. Adj. grammaticus. Gran, m. {-es, PI. -e): ^/g^ Quentchen Apothekergewicht. 1562 bei Mathesius Sar. 236* G^-an oder körnlein, weil man etwan die kleinen Geivicht nach Poxhörnleinkörnern getheylet und geeicht hat, 236*^ ein Karat (Gold) sol gradirt sein in vier Gran, ein Gran in drey Gren. Aus lat. gränum n. «Korn, Getreidekom», dann im Mlat. (wo 757 Granat an'anulieren 758 auch granus m.) «kleinstes Gewicht». S. Gerstenkorn. Grän, m. (-es, PI. -e): ^'^o Karat bei Gold-, ^,.^g Lot bei Silberge-wicht, überhaupt -^ ogg Mark. 1562 bei Mathesius (s. 0.) Gren, aber schon 1354 bei "Würdtwein Diplom, magunt. 2, 184, 2 u. 215 der PI. green, 227 der PI. grein. Aus franz. grain m., von lat. gränum (s. Gran). •^Granat, m. (-es, PI. -en): ein roter Edelstein, aber auch von gelber, grüner brauner und sam m etschwarzer Färbung. Mhd. granät m., aus gleichbed. mlat. granatus m. (nämHch lapis «Stein»), dem Mask. des lat. Adj. gränättis «mit Körnern oder Kernen versehen» (s. Granatapfel), von lat. gränum n. «Korn»; der Name daher, daß dieser Edel- stein meist in Körnern gefunden wii-d. "Granat, m. : an der Xordseeküste für Garneelen (s. d.) oder Krabben. 1741 bei Frisch unter Garneelen. Granatapfel, m.: Frucht des Granat- baumes in Asien usw. Mhd. granätapfel m., auch bloß granät, aus mlat. granatum n. (nämlich malum « Apfel >), dem subst. Xeutr. des Adj. granatus (s. Granat), eig. «viel- kemiger Apfel». Granate, f. (PI. -n)-. mit Schießpulver gefüllte Kugel. 1616 bei Wallhausen Kriegs- manual S. 68 Granate, S, 75 Granade, aus gleichbed. ital. granata. granada f. (dort bereits im ersten Drittel des 16. Jh.), franz. grenade f., woher bei Archenholtz 2, 385 u. 421 Gre- nade f., eig. «nach Art eines Granatapfels mit Körnern, d. h. Pulverkömem gefüllte Kugel» (im altem Ital. granata f. «Granat- äpfel», 1726 bei Fleming teutsch. Soldat 74^ «wegen der Ähnlichkeit mit den Granat- äpfeln also genennet». S. Grenadier. Grand, m. (-es, PI. -e): grober Kiessand. 1775 bei Adelung. Dem Niederd. entnommen, wo grand auch «Weizenkleie». Gleichen Stammes wie ags. grindan (Prät. grand, Part. gründen), engL grind «zermalmen, mahlen», m-verwandt mit lat. frendere «zerknirschen, zermalmen, knirschen», lit. grendu «reibe», vielleicht auch gr. xovbpöc (aus xpovbpöc) m. «Graupe, Korn», Tgl. Mulm. Davon grandig, adj.: grobkiesig, bei Fiisch 1741, in der Bed. stark, sehr, 1669 im Simpliciss. 195 u. 276. Grande, m. (-n, PI. -n): die Adeligen in Spanien, die sich vor dem König bedecken dürfen. Aus dem span. grande m. (s. u.), 1694 bei Nehring. Davon Grandezza, f.: Würde und Anstand eines spanischen Granden, 1663 bei Schuppius 1, 542, Grandeza 1617 im t. Michel 43. Aus gleichbed. span, gran- deza, ital. grandezza f. grandios, adj.: großartig, bei Goethe 30, 87, 88 u. 176, aus ital. grandioso, franz. grandiose, zu ital.-span. grande, franz. grand, lat. grandis «groß». Granit, m. {-es, PI. -e): aus Quarz, Feld- spat und Glimmer zusammengesetztes hartes Gestein von kömigem Gefüge. Mhd. grdnit m., aus mlat. granitura marmor, woher auch iidiX. granito, franz. granitm., eig. «viel Kömer führendes Gestein», zu lat. gränum n. «Korn». Davon graniten, adj., bei Schiller 11, 297. Granne, f. (PI. -n)-. Eückenborste des Schweines; Ahrenstachel. ]^Ihd. grane, gran f., eig, wohl «Haarspitze», dann «Barthaar», zumal der Oberlippe, «stacheliges Haar» bei Tieren, «Gräte», ahd. grana. grane f. < Schnum- bart, Gräte» (noch wetterauisch Gröne f. und 1540 bei Albems dict. Hh3^ Gran i. «Gräte», siebenbürg. Grünen «Schnurrbart»), 1420 md. grayn f, «Ahrenstachel»; dazu ags. granu, anord. grön f. fPl. granar) «Barthaar an der Oberlippe». Urverwandt mit altir. grend, kymr.-bret. grann «Schnui-rbart, strup- piges Haar», alb. krqndd f. «Weinrebe, Sti'oh- halm», gegisch kran9 «Stachel, Dom». Aus dem Germanischen entlehnt altfranz. grenon «Lippen- und Kinnbart», span. grena «ver- worrenes Haupthaar», altspan. grenon «Bart», ital. granata «Besen», mlat. (bei Isidor 19, 23, 7) granus «Zopf». Grans, m. (-es, PI. -e) und Gransen, m. (-S, PI. wie Sg.): Schiffsschnabel; über- haupt Schiffsspitze. Bei Schiller TeU 4, 1 Gransen m. (aus Tschudi entnommen). Mhd. grans m. «Schnabel des Vogels und des Schiffes, Maul oder Rüssel des Tieres, Maul des Menschen, hervoiTagender Körperteü», ahd. grans und granso m. «Schiffsschnabel, Vorderteil des Schiffes». Herkunft unsicher, ^^ach Wadstein Btr. 22, 248 aus gi-rans, vgl, mhd. rans m., isl. rone «Rüssel». Zupitza Gutt. 176 vergleicht abg. grani f. «Ecke». gransen, v. : weinerlich tun. Norddeutsch, 1696 im Schelmuffsky- 23, 1728 bei Menantes allemeueste Art 378. Litensivum von mhd. granen, grannen «weinen, flennen», ahd, gra- nön «grunzen», anovdi.grenja «heulen, brüllen», wie grinsen von mhd. grinnen, gleichen Stammes wie greinen (s. d.). granulieren, v.: kömig machen. 1562 bei Mathesius Sar. 231^ (Münzen) granuliren. Aus franz. gramder 'Metall körnen», von 48* 759 Oraphit Orat 760 lat. gränulum n. «Körnchen», dem Dim. von gränum n. «Korn». Graphit, m. {-es, PI. -e): Eeißblei. Zu Anfang des 19. Jh. aus gleichbed. fi*anz. graphite m., von gr. ypäqpeiv «schreiben». grapsen, v.: schnell fassend greifen. Bei Goethe 1, 209. Norddeutsch auch grapscheil. Abgeleitet von grappen (bei Luther 6, 326^ und Henisch 1616), 1477 clevisch grabhen «zugi'eifend fassen oder packen», mhd. gräpen «greifen»; dazu engl, grab und grasp «packen»; urverwandt mit lit. grehiu, grepti «hacken», grabineti «hin- und hergr6ifen», abg. gräbiti «greifen», aind. grhhnati «ergreift», iran. grah- « greifen». Vgl. greifen. Gras, n. (-es, PI. Gräser): Halmpflanze. Wegen Verlängerung des a im Nhd. bei Dasy- podius 1537 Graaß und so in der Bühnen- sprache, aber in Norddeutschland auch mit dem urspiünglichen kui'zen a gesprochen. Mhd. gras n. auch «Grasplatz, Rasen», ahd. gras n. «Gras und Kraut»; dazu asächs. gras, mndl. gras, gars, ghers, afries. gres, gers, ags. grcßs, gcers, engl, grass «Gras», anord. gras n. «Gras, Ki-aut», schwed.-dän. grces, gut. gras n. «Kraut». Dazu mit Ablaut, mhd. gruose f. «Saft und junger Trieb der Pflanzen». Vgl. auch ags. grced, gcerd m.(?) «Gras». Dadurch wird Verbindung mit lat. grämen n. «Gras» axis ghradhsmen wahrschein- lich, vgl. Walde. ABL. grasen, v., mhd. grasen, ahd. grason. grasig, grasicht, adj., mhd. grasec, ahd. graseg, 1540 bei Alberus dict. ee3^ grasechtig. ZUS. Grasaffe, m., bei Goethe häufig als Scheltwort für junge Mädchen oder Frauen (z. B. Faust 3521, "Briefe 3), vgl. Grasteufel, grasgrün, adj., mhd. gras-, grasegriiene. Grashüpfer, m.: Heuschrecke, 1741 bei Frisch Grashupfer, 1616 bei Henisch Grashopper; dazu nd.-mndl. grashopper, engl, grasshopper, ags. gcershoppa m. Grasmücke, f. (PI. -n): der kleine in Hecken lebende Singvogel currüca, mhd. grase-, grasmucke, spätahd. grasmucca f., 1557 bei Heußlin Vogelb. 66 ** Graßmusch oder Graßmuck, leychtgrün gefärbt. Graspferd, n. : Heuschrecke, 1663 bei Schottel 439. Gras- teufel, m. : lächerlicher oder häßlicher Feld- teufel, 1575 bei Fischart Garg. 17. Grasen, n. (-s): Schauder. Bei Claudius 8, 170. Mnd. grese «das Schaudern, Grausen», gresen «schaudern», nnd. gresen; dazu mnd. greselik «Schauder erregend», Adv. grisliken, clevisch 1477 gryslic «schrecklich»; verwandt mit ags. grislw, grysUc «schauderhaft», engl. grisly «scheußlich». Diese Formen weisen auf eine e- oder z- Wurzel, daneben steht eine M-Wurzel in asächs. gruri m. «Schauder, Grausen», d. Graus (s. d.). graß, adj. (Komp. grasser, Superl. grrassesi) : wütend, schrecklich, zurückschreckend. Beim j. Goethe 3, 643, Voß 2, 214. Mhd. gra^ «leidenschaftlich erregt, wütend» (mit dem Subst. gra^, grä§ m. «Wut» und dem Zeit- wort grämen «leidenschaftlich aufgeregt sich gebärden, aufschreien, übermütig, anmaßlich tun»), ahd. nur Adv. gra^^o «heftig, stai'k, sehr», verwandt mit got. gretan «weinen», anord. grata «weinen, laut jammern». Dazu weiter aind. hrädate «tönt» und mit w-Voka- lismus, ags. greotan «weinen». Davon abge- leitet, aber sich mit nd. greselik mengend (s. Grasen), gräßlich, adj.: schrecklich, Grauen erregend, bei Luther greslich, greßlich, md. im 14. Jh. greulich «hocherzürnt, schreck- bar zornig». grassieren, v.: im Schwange gehen, herrschen, wüten. 1617 im t. Michel 21, aber schon bei Luther 2, 423 ^ Eisl. grassiren und mhd. gradieren wüten (neben grämen, s. graß). Aus lat. grassäri «herumgehen, hai-t verfahren, wüten». Grat, m. (-es, PI. -e): Spitze, oberster sich hinziehender scharfer Rand wovon. Mhd. grat m. (PI. grmte, md. grete) «Spitze, spitzer Fischknochen, Ähren-, Distelstachel, scharfer Rand, Rückgrat, Bergiücken, Mitte wovon». Solmsen KZ. 37, 580 vglt. poln. grot, tschech. hrot m. «Pfeilspitze, Wurfspieß», russ. grot m. «Wurfspieß». Weiter ist auch wohl Granne (s. d.) verwandt. Aus dem alten Plur. Gräte entwickelte sich nhd. Gräte, f. (PI. -n): federharter spitzer Fischknochen, 1605 bei Hulsius Grad, bei Duez 1664 und Stieler 1691 Gräte f., bei Krämer 1678 Grat n., aber noch 1662 bei Stoer Gratt m., wie 1616 bei Henisch Grad m., bei Dasypodius 15^7 und Alberus 1540 Grat m. Davon gräten, v. in entgräten (1540 bei Albenis dict. ql*), ausgräten, bei Henisch 1616 und Duez 1664 gräten «Fische entgräten», mhd. grceten «Lein- wand aufzupfen». ZUS. mit Grat: Grathobel, m. : Hobel zum Stoßen oder Ziehen des Crrates (der Schärfe) an Einschiebeleisten, 1741 bei Frisch. Gratsäge, f. : Säge zum Einschneiden der Leisten ip hartes Holz, bei Frisch. Grat- tier, n.: auf Felsenspitzen lebende rötliche Gemsenai-t, 1775 bei Adelung, Schiller Teil 4,3. 761 gratis Graus 762 gratis, adv.: unentgeltlich. 1562 bei Mathesius Sar. 256^, Fischart Garg. 248. Aus gleichbed. lat. gratis. grätschen, v, : mit auseinander gesperrten Beinen gehen; beim Turnen eine Übung mit auseinander gesperrten Beinen ausfühi-en. 1678 bei Krämer grätschen, schles. 1640 bei Schertfer Grob. 42 grätschen. Abgeleitet von greten «in weitem Schritte auseinanderspreizen» (bei Luther Hes. 16, 25), md. um 1300 greten (Germania 6, 275; 20, 40), spätmhd. in der 1. Hälfte des 15. Jh. gräten «schreiten» (Teufels Netz 7669), wohl verwandt mit mhd. griten «die Beine auseinanderspreizen», griteliche und gritelingen Adv. «mit ausgespreizten Beinen», ahd. higritu «ich schi-eite dazu, fange an», ahd. gritmäli «Schritt», got. grids f. «Schritt, Stufe», das urverwandt ist mit lat. gradi «sckreiten», gradus m. «Schritt, Stufe», abg. gredq «ich komme», altir. ingrennim «ich verfolge». ABL. grätschelii, v., 1640 bei Comenius, gretscheln 1574 bei Horscht Geheimnisse der Xatur 4, M 2 ^. Grrätscher, m., 1775 bei Adelung. gratulieren, v.: Glück wünschen. Bei Rot 1571 und Kirchhoff Wendunmut 1, 51. Aus gleichbed. lat. grätuläri. grau, adj. (Komp. grauer, Superl. grauest) : mittelfarbig zwischen schwarz und weiß. Älternhd. und 1482 graw, bei Henisch 1616 grauw, mhd. grä (Gen. gräwes), ahd. gräo (flekt. gräwer); dazu and. appul-gre «apfel- grau, scheckig», mnd. grawe, gra, grau, ndl. graauw, ags. gröeg, engl, grey, gray, anord. grär, schwed. grä, dän. graa. Genau ent- spricht lat. rävus (aus *hrävus) «gi-au, grau- gelb», während gr. xäpoTroc «strahläugig», lit. zeriti «strahlen», abg. ^zre7i «glänzen, sehen» wurzelverwandt sind. Vgl. Walde. Substan- tivisch (xrau, n., mhd. grä n. ABL. grauen, V., mhd. gräwen, ahd. gräwen «grau sein oder werden», nhd. nur noch von der Morgen- dämmerung, graulich, adj. : ein wenig grau, 1616 bei Henisch grawlecht und mit Umlaut gräuwlich. ZUS. Graubart, m., 1678 bei Krämer. Grrauwerk, n.: das graue Fell des sibirischen Eichhorns, mhd. gräwerc und grä n., ndrhein. im 13. Jh. graewerc (Wallraf 30). Grau, m. (-en) : Schauder (Göckingk im Götting. Musenalm. 1777 S. 8), bei Henisch 1616 Grau, bei Luther Gräwen (Akk.), mhd. i grüwe m. Durch Übergang des n des Gen. in den Nom. auch Grauen m., verdrängt durch den substant. Infinitiv Grauen n. (1664 bei Duez Gräwen, schon mhd. grüwen n.). Gräuel, gräulich, s. Greuel, greulich. Von grauen, v.: tief erregende Furcht haben (Schiller Hero 3), zumeist unpersönlich {mir graut) : Widerwillen mit Schauder wovor emp- fi:nden. Mhd. grüwen, md. grüen, ahd. ingruea. Weiter sind wohl verwandt anord. gruna «beargwöhnen», grunrm.. «Ahnung, Verdacht». Vgl. noch Wiedemann Bezz. Btr. 27, 288. (S. auch Graus.) Davon abgeleitet graueln, V., 1669 im Simplic. 445, grawein 1534 in Dietenbergers Biblia Rom. 2, 22, wo bei Luther greweln, mhd. grimveln, griulen, md. grüweln, grülen. grauerlich, adj.: Grauen erweckend, bei Herder von deutscher Art u. K. 100, Goethe 33, 95. ZUS. mit G^-auen n.: grauenhaft, adj., bei Wieland Ob. 2, 6. graueuvoll, adj., bei Klopstock Mess. 2, 73. Graupe, f. (PI. -w): gröbster Teil ge- pochten Erzes; enthülstes Getreidekom. In der 1. Bed. 1557 bei Agricola Bergw. 283fF. Graupen und Gräuplin, 1562 bei Mathesius Sar. 139^ Graupen und Greuplein «graupen- förmiges Zinnerz»; in der 2. Bed. Graupen 1542 bei Luther in der Hausrechnung; süd- ostdeutsch im 15. Jh. eysgrüpe «kleines Hagel- korn» (Weinhold schles. ^Vb. 29 ^j, bei Henisch 1616 Graupen «Hagel, Schloßen». Das Wort, das sich von Obersachsen und Schlesien aus verbreitete, stammt vielleicht aus dem Slavi- schen, abg. krupa f. «Krümchen», lausitz-wend. krupa und serh. kr ujM « Getreidegraupe, Hagel- schloße», woher auch schwed. gröpe, grjupe, norw. gröpe «Schrot». Davon graupeln, v.: in kleinen Körnern hageln, 1711 bei Rädlein, graupeln 1775 bei Adelung, bei Luther 1, 368^ Eisl. es graupet. ^ Graus, m. (-es) : haarsträubendes Grauen (Lessing Nath. 5, d), mhd. grüs m. neben grüse m. «Gegenstand des Grauens, Schreck- bild»; dazu das Adj. graus: Grauen erregend (Schiller Räuber 4, 51, bei A. Gryphius (1698) 2, 21, mhd. grüs. ABL. Grausal, n., bei Tieck und Voß, mhd. grüwesal n. grausen, V. impers. (mir graust), mhd. grüsen, griusen, ahd. im gleichbed. irgrüwisön, -grüisön, -gru- sön. Alle abgeleitet von grauen (s. d.). Sub- stantivisch Grausen, n., mhd. grüsen n., davon die Adj. grauseuhaft, Ende des 18. Jh.; grauseuYOll, 1736 bei Haller Ged. 156, imd mhd. grüsenlich «Grausen erregend». Von Graus abgeleitet grausig, adj., spätahd. griusig, und grauslich, adj., mhd. griuslich, grüslich. Vgl. gruseln. 763 Graus greinen 764 -Graus, Graiiß, m. [-es, PI. -e): Sand-, Steinkorn (oberpfälz.) ; Steiuschutt, Geröll, Tiünuner (beiBrockes 9, 51, öfter bei Goethe, z. B. Faust 7802 Ch'aus). Mhd. gru^ m. «Sand-, Getreidekorn». Gleichen Stammes wie Grieß (s. d.) und G-rUtze (s. d.) Ver- wandt sind lat. rüdiis n. «zerbröckeltes Ge- stein, Geröll, Schutt», lit. grüdas, \Qii.graiids m. «Korn», abg. gruda f. «Scholle», Mi.grÜdzu, grusti «stampfen». grausam, adj. : durch Zufügen von Übel grauenerregend; roh mid gefühllos (bei Luther). Älhd. grüwesam, grüsam, im 15. Jh. grausam « Schrecken erregend». Zusammenges. aus dem Verbvim grauen (s. d.) und -sam. Grausamkeit, f., 1537 bei Dasypodius. Grauwerk, s. grau. Graveur, m. (-s, PI. -e) : Stempelschneider, Kunststecher. 1712 bei Hübner, aus gleich- bed. franz. graveur m., dafür mhd. grahcere, grober m., 1498 stempfelgraber (Mone Ztschr. 2, 430), in der Zimm. Chrou.- 1, 512, 7 sigel- greher m., ndl. 1598 graverer m. gravieren, V.: mit dem Grabstichel stechen oder schnei- den. Im 18. Jh. aus franz. graver «eingraben, einprägen», das dem gleichbed. nd.-ndl. graven entlehnt ist, aus dem Französ. hinwieder, ndl. 1598 graver en. gravieren, v.: beschweren, zur Last fallen, be-, anschuldigen. Schon mhd. gra- vieren, aus lat. graväre «beschweren, be- lästigen, drücken», vom lat. Adj. gravis «schwer, belastet». Dazu auch Gravität, f.: feierhcher Anstand, feierlich-ernstes Wesen, bei Henisch 1616 und Eot 1571 Gravitet, aus lat. gravitas f. «Schwere, würdevoller Ernst, sittliche Würde». Davon gravita- tiscll, adj,: gewichtig, 1593 bei Helber 13 gravitetisch. Grazie, f.: Anmut; (PI. -n) Huldgöttin. In der 1. Bed. 1771 bei Klopstock Od. 157 u. 257, in der 2. Bed. 1575 bei Fischart Garg. 136 Gratie. Aus gleichbed. lat. grätia f. graziös, adj.: anmutig, holdsehg, bei Goethe gracios und graziös, aus lat. grätiösus, franz. gracieux; dazu ndl. 1598 gracelick. ^Grebe, m. (-w, Pl. -n): Dorfvorstand, Schulze, s. Graf. "Grebe, f., s. Griebe. Gregor, Mannsname, aus gx-.-lat. Gregorius, gr. PpTTföpioc, eig. «Wachsamer», von fpnTopeiv «wachen». Greif, m. {-es und -en, PI. -e und -en): fliegender Löwe mit einem Vogelkopfe; größte Geierart, der Kondor (1775 bei Ade- lung). Mhd. starkflekt. grif und schwachflekt. grife, ahd, grif und grifo m, «der fabelhafte Vogel Greif», überkommen aus gleichbed, gr.-lat. gryps und gryphus, gr. ypü^ (Gen, YpuTTÖc) m., woher auch ital. griffo, grifone, span. grifo, franz. grifon, ndl. griffoen, engl. griffin, altir. gr^f. Nach ßeuleaux ist das griechische Fabeltier mit dem Adlerschnabel eine Weiterbildung des assyr. k'rub (hebr. kerüb), einer Figur am Palast des assyr. Königs Assur-Nasir-pal mit Löwentatzen, Stier- leib, Flügeln und Menschenkopf, die sym- bolisch die vier Sternbilder der Tag- und Nachtgleichen, sowie der Winter- und Sommer- wenden vereinigt (Löwe, Stier, Wassermann und Adler, letzterer an Stelle des nahege- legenen Skorpions), greifen, v. (Prät. griff, Konj. griffe, Part. gegriffen): zum Fassen, Halten oder Fühlen zulangen; festhaltend nehmen. Mhd. grifen, im 14. Jh. (1389) greifen, ahd. grifan (Prät. greif, Plur. griffun, Part, griffan) ; dazu asächs, grlpan, mndl, grijpen, afries. gripa, ags. grlpan, engl, gripe, anord. gripa, schwed. gripa, dän. gribe, got. greipan; im Ablaut stehend mit ahd. greif ön «greifen, tasten», ags. gräpian «tasten», anord. greipa «fassen, packen», gripr m. «wertvolles Eigentum», Urverwandt mit lit,. griebiii «ich greife», graibiti «umher- greifen», also eine i- Wurzel neben der a- Wur- zel grab, s, grapsen. Aus dem Germanischen entlehnt franz. griff er (afranz. grif er) «packen», gripper «ergreifen», heimlich rasch entwenden, griffe f. «Klaue, Kralle», lombard. grippä «wegschnappen», ital. grifo m. «Greifer, Rüssel», S. Griff. ABL. greifbar, adj., bei Goethe 11, 272. greinen, v. : den Mund verziehend weinen, bes. auch von Kindern. Im Nhd. schwach- biegend, aber mhd. mit starker Flexion grinen (Prät. grein, Plur. grinen) «den Mund ver- ziehen lachend wie weinend, knuiTend (zankend) wie klagend», im 14. Jh. greinen, ahd. grinan «aus Leidenschaft, Unwillen einen Ton von sieh geben». Dazu mhd. grinnen «knirschen», grennen «angrinsen», ahd. <7ren?ia«« mucksen», engl, grin «.greinen», groan «grinsen, stöhnen», ags, gränian «kläglich tun, murren», grennian «grinsen». Vgl. gransen, grinsen. Aus dem Ahd. entlehnt prov. grinar «grinsen», pikard, grigner und 'ital. digrignare «die Zähne flet- schen». ABL. Greiner, m., spätmhd. 1462 greiner m, «Zänker» (Beheim Wiener 12, 20). 765 greis Grieche 766 greis, adj.: weiß-, altersgrau. Mhd. gris: dazu asächs. grls, mndl. grijs «grau». Das Wort stammt aus dem Sdö.. und ist etymo- logisch unklar, Verwandtschaft mit gi~au (Ablaut gre-gri) wäre möglich. Substantivisch Oreis, m, {-es, PI. -e). ■ Die starke Biegung ist im 19. Jh. durchgedrungen (wie mnd. gyis, Dat. grlse) statt der ui-spr. schwachen (Gen. u. Plur. G-reisen), die sich noch bei Schiller 6, 116; 12, 536, Goethe 2, 66, Schubart 1, 193, ühland, Chamisso und Immermann findet. ]yrhd. grise m., auch 1650 bei Mosche- rosch Phil. 2, 146 im Nom. Sg. noch die schwache Form Greyse m., ebenso in den Ableitungen greisenhaft, adj,, im 19. Jh., und Greisenheit, f.: Zustand, Alter des Greises, bei Goethe 28, 69. Greisin, f., bei Voß Id. 12, 44. grell, adj.: für Ohr oder Auge wehtuend stark. MhH. grel «zornig schreiend, zornig, rauh», so noch im 16. Jh. bei H. Sachs Fastn. 69, 66 und Scheidt Grob. 4691, 1482 im Voc. theut. m7^ gral «zornig, unmutig», aber 1581 bei Fischart Bienk. 121^ grell in Oren lauten, 1562 bei Mathesius Sar. ein Feur das nicht zu grell und zu groß, 1778 bei Hermes Soph. 5, 693 grelle Mäusaugen. Von mhd, grellen «durchdringend, vor Zorn schreien»; dazu ags. gryllan «reizen, erzürnen». Verwandtschaft -rmi^imdi. ghargharas «rasselnd, läi-mend», ist unsicher. Vgl. noch G-roll. Grempel, s. Krempel. Grenadier, m. (-s, PI. -e): Fußsoldat ausgesuchter Größe. 1694 bei Nehring G-rana- dierer, 1726 bei Fleming teutsch. Soldat 146^ G^-anadier, Grenadier «in Teutschland erst 1683 aufgekommen», eig. «Werfer von Hand- granaten», deshalb 1678 bei Krämer Granaten- werffer als Übersetzung des ital. granatiere. Aus franz. grenadier m., von franz. grenade f. «Granate» (s, d.). Grensing, m. (-s, PI, -e); die Pflanze potentiUa anserina. Mhd. und ahd. grensinc m., abgeleitet von mhd. grans m. «Schnabel» (s. Grans), entsprechend dem franz. Namen hec d'oie «Gänseschnabel», Grenze, f. (PI. -n): Endpunkt, Endlinie. Bei Luther Grentze, im 14. und 15. Jh. grenicz, grenicze, im 13. Jh. im Ordensland Preußen aufgekommen (Kulmisches Recht von 1251 S. 4 grenicze), noch bayr.-östr, Granitz, Gränitz f., aus poln.-russ, granica czech. kranice f. «Grenzstein, (Frenze», von foha.grän, russ. gram, czech. hranai. «Ecke». Das ältere deutsche Wort füi- Grenze war ^lark f. (s, d.). ABL. grenzen, v., 1420 md.g're«ic2m«die Grenze bezeichnen»(Schröers Vokab. 1659), bei Luther grentzen «mit der Grenze woran rühren», bei Lohenstein Himmel- schlüssel 23, 463 «durch Grenze abscheiden», Grenzer, m.: Grenzbewohner, Grentzer bei Luther 1, 363' Eisl. ZUS. grenzenlos, adj., bei HaUer Ged. 132. greten, s. grätschen. Gretchen, s. Mar- garete. Greuel , (-.§, PI. wie Sg.): Grauen, Abscheu. Alternhd. GremveJ. Grewel, Griiwel, mhd. griuwel, ffr'iul, griule, md. grüivel m. Zu grauen (s. d.) «schaudern». ZUS. Greuel- tat, f., 1775 bei Adelung. — greulich, adj.: schauderhaft, abscheulich, im 15. Jh, grewelich, mhd. griuicelich, griulich, md. grü- welich, gridich, ebenfalls von grauen abge- leitet. Griehe, f., in Norddeutschland Grehe, bayr. auch Griefe (PI. -n)-. ausgeschmelzter Fett- würfel. In Mitteldeutschland G^-iefe f. (1562 bei Mathesius Sar. 80*), bei Luther Griebe. Grihe f., bayr. nui- im PI. Gr'iehen, Greuhen, Schwab. -Schweiz, Greube, Grübe f, Mhd. griehe m., spätmhd. auch greube m., md. gribe. griefe. grlve m., ahd. griubo, griebo m. (auch Röstpfanne), in der Bibel 1483 Bl. 285'' (Ps. 101, 4) grieb f.; dazu mnd. greve, grive m., nnd, greve, grewe, grebe f., ags. greofa, engl. greaves «Talggrieben», entlehnt dän. fedte- örrei;e,schwed.^re/t;ar PI. «Grieben». Ursprung dunkel. Zu grob? Vgl. Groppen. Griebs, m. {-es, PI. -e): Kerngehäuse des Kernobstes; Kehlkopf. In der 1, Bed, 1482 im Voc. theut. n 1 ^ grubß und m 8 * grobiß, auch 1420 grobiß (Diefenbach gl. 52*^), woher nhd. die seltnere Schreibung Gröbst im mrhein. Voc. ex quo von 1469 grubß und gribß, ältemhd. &r^iibs bei Schmeller"- 1, 984 und 1540 bei Alberus dict. Ff 4^ Griebes. Her- kunft unklar. In der übertragenen Bed, «Kehlkopf» 1596 bei Hulsius Gi'öhs, nach dem Volksglauben, daß dem vor Gott er- schreckenden Adam im Paradiese beim Essen des Apfels (1. Mos, 3, 6) der Gi'iebs desselben in der Kehle stecken geblieben sei; die Bed. Kehlkopf auch in der RA. jem. am Griebs kriegen «ihn an der Kehle packen». In Magde- burg spricht man Kripps. S, auch Grotzen. Grieche, m. {-n, PI. -n), Volksname, Bei Luther Grieche und Krieche, auch Greke, mhd. Krieche, ahd. Chreh. Kriah (PL Kriachi) 767 Griefe Grüle 768 und Kriecho m.; dazu mnd. Gh'eke, mndl. Grieck, ags. PI. Crecas und Grecas, Greacas, anord. Grikkr und Girkr m., got. Ereks ni. Aus gleichbed. lat. Graecus, gr. fpaiKÖc m. Vffl.Kossinna Festschrift. . . K. Weinholds 27 ff. Davon grieclliscll , ad]., bei Luther krie- chisch, krichesch, griechisch, griegisch und grekisch, mhd. kriechisch, ahd. crehhisc, kriah- hisg, dazu mnd. grekesch, mndl. griecks, ags. eredsc und gregisc, anord. grikkskr und Griefe, s. Griebe. grienen, v.: selbzufrieden oder schaden- froh lachen. In Norddeutschland. Niederd. Nebenform von greinen (s. d.). Gries, s, Gh-ieß. Griesgram, m. (-5, PI. -e)-. arge Gräm- lichkeit; in Grämlichkeit Versunkener. Mhd. grisgram m. «Zähneknii'schen». Davon die Adj. griesgrämig, bei Goethe und Wieland; grisgrämisch, bei Wieland und gries- grämlich, beiBörne; Griesgrämlichkeit, bei Seume, Spazierg. 209. griesgrameu, V. : mit den Zähnen aus Wut, Schmerz usw. knirschen, muiTen (Kosegarten Rhaps. 3, 195, Nie. Werther 44), mhd. grisgramen, -grammen, grustgramen und grisgrimmen , ahd. griscra- mon, gris-, grus-, cristcrinimon; dazu ahd. griscramod, cristcrinmiod m. und asächs. grist- grimnio m. «Zähneknirschen», ags. gristbitian «knirschend beißen, mit den Zähnen knii'schen» (neben gristbätian),gristbitung und gristbätung f. <: Zähneknirschen». Der ei'ste Wortbestand- teü entspricht dem mhd. gristen «zerreiben, zermahlen» (in üggristen), ags. grist «Zer- reibung», gristlung f., «das Knirschen», engl. grist «das zum Malen bestimmte wie das gemahlene Getreide», wäkrend im zweiten Teü des deutschen Wortes, der mit dem ersten alliteriert, die ahd. Adj. gram und grim « zornig » wechseln. Bei Luth er 5, 272 ^ J. (Fabeln 12 Neudr.) sprichwörtlich Gris schlecht [schlägt] gern nach gramen «ein Dieb zeugt den andern», schon in Steinhöwels Äsop 88 Österl. Grieß, m. [-es, PI. -e): grobkörniger Sand; grobgemahlenes Getreide zu Speisen (s. Grütze). Mhd. grie^ m. n. «Sandkorn, Sand, Kiessand, sandiges Ufer, Blasenstein, mit Kiessand bedeckter Platz, Kampfplatz», md. gri§ m., ahd. grio§ m. n. «Sand, Kies, Strand»; dazu asächs. griot, greot m., afries. gret, ags. greot m. «Sand, Strand», engl, grit «Sand, Grütze», anord. grjöt n. «Steine». Zu mhd. grienen «zerkleinern, zermalmen». Statt der seit dem 15. Jh. üblich gewordenen Schreibung Gries (Luther, Schottel 1663, Stieler 1691, Frisch 1741) ist erst neuerdings wieder Grieß eingeführt. Über die Herkunft s. Graus, Grauß. Aus dem Germanischen entlehnt prov. greza «grobkörniger Sandstein», franz. gres m. «Sandstein», afranz. gresle, neufranz. grele f. «Hagel», afranz. gresille, neufranz. gresil m, «Graupeln», ital. greto m. «steiniger Ufersand». ABL. grießein, v.: in Gestalt kleiner Stücke zerfallen oder nieder- fallen, 1775 bei Adelung, aber 1616 bei Henisch tr. griesen in kleine Stücke zermalmen». grießig, adj., mhd. grie^ich «kömig», 1562 bei Mathesius Sar. 140^ grießlicht. Grieß- mehl, n., 1482 im Voc. theut. 18*^ gries tnel. Grießwart, Grießwärtel,m.: (des Kampf- platzes wartender) Herold bei Kampfspiel oder ernstem Zweikampf, mhd. grie^wart m. und schwachbiegend griegivarte m,, im 15. Jh. auch griesivartel, grieswertel m. Griff, m. [-es, PI. -e): das Greifen; weid- männisch, Klaue der Raubvögel; der Teü eines Werkzeugs, an dem man es greift und handhabt (1691 bei Stieler). In den beiden ersten Bed. mhd. grif m., ahd. nur in Zu- sammensetz, grif; dazu mnd. grepe, gripe m., ndl. grep, ags. gripe m., engl, gripe, Island. grip, schwed. grepp, dän. greb. Abstraktum zu greifen. Dazu griffein, v.: wiederholt rasch hintereinander greifen, spätmhd. griffein. Griffel, m. (-5, PI. wie Sg.): ritzendes Schreibwerkzeug. Mhd. griffet, ahd. grifil m. neben vereinzeltem greffel und graf (ge- schi'ieben zraf Steinmeyer-Sievers ahd. Gl. 1, 255, 24); mit späterer Anknüpfung an Griff und greifefi (wie Halter von halten), entlehnt aus gleichbed. gr.-lat. graphium n. (mlat. auch graphiusm.), gr. Ypaqpeiov, ypaqpiov n., letzteres auch «Pinsel», woher ebenfalls provenz. grafis, afranz. ^ra/e «Griffel», nfranz.^re/fem. «Schreib- stube». Grille, f. (PI. -n): zirpendes Insekt; (bild- lich) wunderlicher Einfall. In der 1. Bed. älternhd. Grill m. (bei H. Sachs, Duez 1664), mhd. grille m., ahd. grillo m., über- kommen aus gi'.-lat. gryllus, gi'. tP'J^^oc m. «Heuschrecke, Grashüpfer». Die bildliche Bedeutung entwickelte sich wie bei Schnake, Mucke (s. d.), im 15. Jh. bei Eyb 2, 85, 24 grillen haberi in dem Kopf (Fastnachtsp. 5, 298, Trochus 1517 Ol'', Liliencron 3, 474% Murner Narrenbeschw. 85, 5 u. Schelm. 9, 28), 769 Grimasse grob 770 schon bei den Römern der Plur. gyylli «bi- zarre Zusammensetzungen von Tieren» in der Malerei. ABL. grillen, v.: zii-pen (Krämer 1678), dann Launen haben, ihnen nachhängen (Rädlein 1711). In der bildlichen Bed. auch mit fremder Endung grillisieren, bei Fischart und Philander, von Goethe 30, 2-1:9 wieder aufgefrischt, grilleuhaft, adj., 1616 bei Henisch. grillig, adj., 1616 bei Henisch5rri7%«hh-nwietig». ZUS. Grilleil- fang, m., 1747 bei Hagedom moral. Ged. 190. Grillenfänger, m., 1669 bei Gi-immels- hausen Simpl. 296. Grillenfäugerei, f., 1673 bei Weise Erzn. 111. grillenfänge- risch, adj., 1711 bei Rädlein. Grimasse, f. (PI. -n): Gesichtsverzerrung, Zerrgebärde; Verstelliing. 1714 bei Wächtler der PI. Grhnacen. Aus gleichbed. franz. (jrimace f., das nebst span. grimazo, sowie span. grimä «Grausen, Schaudern» und portug. engrimango «Zerrbildung, Betrug» auf ags. grlma m. «Maske, Gespenst», anord. grima f. Maske, Larve» oder besser auf ah.d.*gnmmiz6n «wütend sein» zurückgeführt, wird. Grimm, m. {-es): heftige Gemütsbitter- keit wogegen, mhd. grim m. Gebildet aus dem Adj. grimm, mhd. grimme und grim, ahd. grimmi und grim, Adv. grimmo <' zornig, wild, schrecküch», im Ablaut zu ahd. gram (s. gram) ; dazu asächs.-afries.-ags.-engl. grim, anord. grimmr. Entlehnt prov. grim «b'etiübt», itai.grimo «runzlicht», grimmig, adj., mhd. grimmic, grimmec, ahd. grimmig, asächs. ^n"w- mag. Zu mhd. grimmen (Prät. gram, Plur. grummen) «wüten vor Schmerz, Zorn, Haß, brummen, brüllen», asächs. grimman «toben», ags. grimman «wüten, ungestüm eilen», gri- metan «toben, bmllen» (wie ahd. grami^^on, gremi^on). Ui'verwandt mit lit. grumenti «aus der Ferne dumpf donnern», apreuß. grumins «Donner», abg. grimeti «donnern», gromü m. «Donner», gr. xpöuaboc m. «das Knirschen», XpeuiZeiv «wiehern», aw. granta «erzürnt», npers. yaram «Grimm». Grimmen, n., in Bauchgrimmen (s. d.) steht statt Krimmen (s. d.), aber schon spätmhd. grimme m. ; Bauch- grimmen»; daher nhd. Grimmdarm, m.: der weiteste dicke Darm (lat. colon) als Sitz des Bauchgrimmens, derKohk. 1775 bei Adelung. Grind, m, {-es, PI. -e): Ausschlag; harte Rinde auf einer Wunde, einem Geschwüre; der Kopf. In den beiden ersten Bed. mhd. und ahd. grint m., im Mhd. auch «Kopf- grind» und dann verächtlich für «Kopf». Weigand. Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Ablautend zu Grand (s. d.). Davon grin- dicht, grindig, adj., mhd. grinteht, grindeht, im 15. Jh. grindig. grinsen, v.: zähnebleckend das Gesicht verziehen. Bei Bürger 200, Schiller 11, 254 und 13, 108 in der Schi-eibung grinzen, bei Weiße kom. Op. 3, 25 u. 36 (Jagd 1, 7 u. 2, l) in der Bed. «weinerlich tun», me 1691 bei Stieler grinsen «weinen». Norddeutsch hat es niu* die Bedeutung «lachend das Gesicht verziehen». Abgeleitet von mhd. grinnen «knirschen», gleichen Stammes wie greinen (s. d. und gransen). Grippe, f.: herrschendes Schnupfenfieber, Influenza. Erst nach 1782, wo sich von Rußland aus die Krankheit über ganz Europa verbreitete. Aus gleichbed. franz. grippe f., und dies nach Wasmer ZfdW. 9, 21 aus niss. chripi'i m. «Heiserkeit». Grips, m. : Verstand, Fassvmgskraft. Ndd. Vielleicht zu greifen, aber die Ableitung bleibt unklar. grob, adj. (Komp. gröber, Superl. gröbst): an Masse stark und groß; unfein. Mhd. grop, grob, auch einmal gerop, md. grob, grab «dick, ungebildet derb, nicht wohl angemessen», ahd. gerob «dick, wohlbeleibt, tief d. i. rauh tönend», Adv. gerobo, grobo «tieftonig, un- geschickt», dazu mnd.-mndrhein.-mndl. grof. Ein Wort unbekannter Herkunft, das auch ins Slavische überging (russ. grubyj). ABL. gröbern, v.: in vergröbern 1719 bei Ej-amer 1,436^ neben vergröben, heHiuther e^itgröben. Groblieit,f., mhd. grop-, grobheitt Grobian, m. {-s, PI. -e): grober, ungebildeter Mensch, 1482 im Voc. theut. e 4^ «bauer, rusticus» grobianus, 1494 bei Brant Xarr. 72, 1 Grobian, eine komische deutsch-lat. Bildung der Hu- manisten mit der lat. Endung -änits. gröb- lich, adj., mhd. grobelich «groQ, stark, heftig», Adv. grobeliche, im 15. Jh. gröblich. ZUS. Grobgrün, n, (-s, PL -e): seidner oder wollner Stoff mit groben und dicken Fäden, Bei Frisch mit Beleg von 1500, aber 1575 bei Fischart Garg. 450 und 1678 bei Krämer Grobgriin, dazu mnd. im 16. Jh. grofgrön. Umgedeutet aus gleichbed. franz. gros (p'ain, ital. grosso grano m. (woher auch ndl. grof- greyn), von mlat. grossus «dick» und lat. gränum n. «Korn, Kern». Grobschmied, m.: Eisenschmied, der nur grobe Arbeiten fertigt (nicht feine künstliche wie Schlösser usw.), 1640 bei Comenius, aber schon im 15. Jli. gropwerk «grobe Schmiedearbeit» 49 771 Gröbs groß 772 (Ortloff Distinct. 1, 298). Orol)zeug, n.: geringes Volk, Pack, umgedeutet aus Krop- zeug (s. d.) Gröbs, s. Griebs. Grog, m. {-s, PI. -s): heißes Getränk aus Rum und Wasser mit Zucker. Im 19. Jh. aus gleichhed. engl, grog, angeblich benannt nach dem Spitznamen des engl. Admirals Yernon (wegen seines Rockes aus Kamel- haarstoöj engl, grogram), der zuerst dies Ge- tränk anstatt unvermischten Rums unter die Matrosen austeilen ließ. grölen, in Bayern und ÖsteiTeich auch gröhlen, v.: mißtönig schreien. Bei Gott- werth Müller Siegfr. v. Lindenb. 1,71 gröhlen, 1623 bei dem Pfarrer Braun zu Grünberg in Hessen (Decas XI, 1) grollen und brüllen. Mittel- und niederdeutsch. Vielleicht ver- wandt mit mhd. grellen (s. grell). Groll, m. {-es) : heimlicher finsterer Zorn. Mhd, im 14. Jh. grolle m., bei Luther Groll und Grolle m. grollen, v., um 1480 im Voc. ine. teut. k 4^ grullen (Var. grollen), md. im 14. Jh. substantivisch ividdirgrullin n. «Gegengrollen, Gegenwehr». Dazu mhd. grullen «höhnen, spotten», verwandt mit mhd. grellen (s. grell). grölzen, v.: rülpsen, grunzen. 1586 bei Mathesius Syrach 2, 44^ gröltzen, dazu bei Emmelius 1592 das Subst. Gröltz m. «Rülps». Vielleicht zu grellen (s. grell). grommeln, s. grummeln. Gropp, m. (-es, PI. -en) und Groppe, f. (PI. -n): der dickköpfige Fisch Cottus gobio, Kaulbarsch. Mhd. groppe m., ahd. groppo m. Vielleicht aus mlat. carabus, corabus ra. (im Voc. opt. Nr. 40, 23 «carebus» groppe). Groppen, m, {-s, PI. wie Sg.): weiter eiserner Kochtopf. Bei Luther 7, 304^ J. Grope, Gropen m. und 1542 in seiner Haus- rechnung Groppen, spätmhd. im 15. Jh. grope, groppe, im 14. Jh. grop m. : dazu mnd. grope, gropen, grapen, nnd. grapen m., ^'ieUeicht auch ahdi.griupo m. «Röstpfanne» und weiter norw. dial. graup f. «Einschnitt, Kerbe», anord. greypa «in einen Falz einfügen». ^Gros (spr. groh) n.: Hauptmasse des Heeres. 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 305^. Aus gleichhed. franz. gros m., von franz. gros «dick, stark, beträchtlich», mlat. (6. Jh.) grossus «dick». ^GrOS (spr. Gros) n. (ohne Biegung): 12 Dutzend oder 144 Stück. 1702 bei Mar- perger Kauffmannsmagazin 557 (nach Kluge) und 1712 bei Hübner Qroß. Wie ndl. gros aus gleichhed. franz. grosse f. (16. Jh.), ge- kürzt aus franz. grosse douzaine « Großdutzend », von franz. gt^os, s. ^Gros. Groschen, m. (-s, PI. wie Sg.) : ehemalige deutsche Sübermünze, an Wert 12 Pfennige preuß., 10 Pfennig jetziger Reichsmünze. Mhd. (14. Jh.) gros, grosse m., im 15. Jh. grosch, grosche, dazu clevisch 1477 crosche. Aus mlat. (13. Jh.) grossus, eig. «denarius grossus» Dick- pfennig von Silber oder Gold, woher auch franz. gros, ital. grosso m. «Groschen», von mlat. (6. Jh.) grossus «dick». Davon das Dim. GrÖSChel, n. {-s, PI. wie Sg.): Drei- pfennigstück, Dreier. Schlesisch, fiiiher auch in Österreich. 1741 bei Frisch. groß, adj. (Koimp. größer, Superl. größt): beträchtlichen Raum einnehmend; (abstrakt) vor anderm ausgezeichnet. Mhd. und ahd. gro^ (Komp. mhd. größter, ahd, grö^^er, Sup. mhd. grcezist, groest): dazu asächs. und nnd, gröt, mndl. groot, ags. great, engl, great. Her- kunft unklar. Verwandtschaft vait \at. grandis «groß» ist wegen des Vokalismus (urgerm. graut) kaum möglich. Eher gehört anord. grautr m., dän. gröd «Grütze» dazu. Dann wäre die ursprüngl. Bedeutung «grobkörnig». ABL. Größe, f., mhd. grcege, ahd. grö^i f. größern, v., im 16. Jh. grössern (Serranus 1538, Schwartzenbach 1580), nui- noch in vergrößern: mhd. bloß größten, md. grölen «groß machen, groß werden». Großhelt, f., oft bei Goethe, mhd. grogheit f. ZUS. groß- artig, adj., nach Immermann Epigonen um 1830 in Berlin aufgekommen, großherzig, adj., 1629 bei Opitz 1, 149 groshertzig ; Groß- herzigkeit, f., 1691 bei Stieler. Großherzog, m., bei Fischart Garg. 392 und Bienk. 133", nach ital. gran duca (zuerst 1569 als Titel des Mediceers Cosimo I. von Florenz). Groß- hundert,n.: duodezimalesHundert, 120 Stück, 1775 bei Adelung ein großes Hundert, Groß- hundert nebst Ch'oßtausend n. (1200 Stück), im 16. u. 17. Jh. im Fischhandel der Nordsee- städte (1651 bei ColerusHausb. 326^, 1532 bei Köbel Rechnen S. 120). Die Zählung nach Großhunderten ist bereits im Altnord, und bei den Goten vorhanden, großjährig, adj., volljährig, mündig, bei Adelung 1796. groß- mächtig, adj., 1478 bei Nicl. v. Wyle 354, 1 im Titel von Kaiser und König, 1420 bei Diefenb. gl. 152^ in der Bed. «wohlbeleibt». Großmaul, n., 1561 bei Maaler. Großmut, f., 1691 bei Stieler: großmütig, adj., 1440 773 Grossist grün 774 bei Diefenb. gl. S-iS^ großmüttig , später im 15. Jh. großmütig, aber schon md. im 14. Jh. grögemfäikeit f. Großmulter, f., spätmhd. im 15. Jh. großmiiter. Großpapa, m., bei Günther 667. Großsprecher, m., iml5. Jh. großsprecher (Diefenb. gl. 268 ^'j; großspre- cherisch, adj., 1648 bei Zesen Ibr. 353. großtuig, adj., bei Goethe 80, 229, schon 1517 bei Keisersberg Brösamlin 1, 49^: groß- tun, V., 1691 bei Stieler. Großvater, m., 1401 in Frankf. Eeichskorr. 1, 578 großvater. Die adverbial. Genitiwerbindung größten- teils 1716 bei Ludwig. Grossist, m. [-en, PI. -en): Großkauf- mann, Großhändler, der nur en gros (mndl. int gros, bei Krämer 1678 in Groß) verkauft. 1801 bei Campe neben Grossierer (schon 1616 bei Henisch), ndl. 1598 grassier, aus gleich- bed. franz. grossier. mlat. grossarius m. grotesk, adj.: phantastisch, wunderKch, grillenhaft. Bei Jamnitzer Xeüic G-rotessken- Buch, Nürnberg 1610, aber schon 1575 bei Fischart Garg. 17 grubengrotteschische Krug. Aus franz. grotesque, nach ital. grottesco, urspr. «nach Art der Grottengemälde» (in den die Grotten genannten Trümmern von dem Pa- laste des Titus zu Eom), also abgeleitet von ital, grotta (s. Grotte). Grotte, f. (PI. -n): gewölbte Höhle, bes. künsthche. Bei Opitz 2, 248 Amst. und Moscherosch Phü. (1650) 1, 58, Grotta 1617 im t. ilichel 29. Aus franz. grotte, ital. grotta f., afranz. noch crote f. «Höhle», wie prov. crota f., hervorgegangen aus gi\-lat. cryjpta, crupta f., mlat. grupta, gr. kputttti f. «Grotte, Gruft». Grotzen, m. (-s, PI. wie Sg.): Griebs, Kerngehäuse. Mundartlich. Im ersten Viertel des 16. Jh. gndz, im 15. Jh. gricz (Diefenb. gl. 52*=), im 14. Jh. grütz (Megenberg 374,7), in der Bed. «Kehle» mittelgrütz (Xümb. Pol.- ! Ordn. 226). Vielleicht zu Grütze. Grnbe, f. (PI. -n) -. eingegrabene Vertie- fung, Mhd. gruohe, ahd. gruoha f.: dazu andfränk. gruova, engl, groove, anord. gröf, got. gröha f. Von graben (s, d.). ABL. Grübchen, Grühlein, n., mhd, grüebelin, ahd. gruohili n. GrÜbliug, m.: eine Art Apfel mit Narben, Art eßbarer erdfarbener narben voller Schwämme, 1741 bei Frisch. grübeln, v.: bohrend graben; hin und j her bewegend kratzen, ritzen; eindringend' wonach forschen oder denken. In der 1. Bed. mhd. grübelen, ahd. grubilön, spätmhd. auch «genau nachforschen». Dazu anord. grufa '«krabbeln», norw. gruvla, gryvla «graben». Ableitung von graben. ABL. Grübelei, f., 1775 bei Adelung. Grübler,m., 1664 beiDuez. Grude, f. (PI. -n)-. heiße Asche; eine Art Ofen, in dem man die Töpfe in die heiße Asche setzt. Norddeutsch. Mnd. grude f. (von 1417 und 1425). 1595 bei Piollenhagen Froschm. 2, 2, 4 Graud f. Gruft, f. (PI. Grüfte): Erdhöhle; Toten- gewölbe. Noch ältemhd. bisweüen Kraft (Golius 1582), mhd. kruft, gruft, ahd. cruft, grüß f. «imterirdischer Raum, Höhle». Mit Anlehnung an graben und Grube aus mlat, grupta, gr.-lat. crypta f. «Gewölbe, Gruft», gl". KpüTiTri f. «unterirdisches Gewölbe», zu gr. KpuTTxeiv «verbergen». grummeln, v.: fem donnera. 1786 bei Bode Jones 4, 264, grommeln bei H. Heine 2, 367. Niederdeutsch (1741 bei Frisch auch murmeln). Zu mnd. grummen «ein dumpfes Getöse machen, brummen», das im Ablaut zu mhd. grimmen steht (s. näheres unter grimm). Grummet, Grumt, n. (-s): Zweite Mahd des Wiesengrases. Bei Luther Grumet, 1540 bei Alberus dict. qq 2^ Grummath, 1538 bei Serranus Grommat, im 15. Jh. grüamat, grü- mad, grömad, grummat, 1420 in Elsen v. Holcz- husen Inventar im Archiv zu Frankfui-t a, M, grümat, verkürzt aus Grün-Mahd «Gras, wel- ches grün (unreif) gemäht wird, nicht reif wie das Heu». Vgl. Mahd und Olimet. grün, adj.: pflanzenfarbig; saftvoll, frisch (im Gegensatz zu dürr «getrocknet»); unreif, unzubereitet (Aventin 4, 446, 31); unerfahren (bei Luther 1, 328*> Eisl.). In der 1. und 2. Bed. mhd. grüene, rad. grüne, ahd. gruoni: dazu asächs. gröni, mnd. gröne, mndl. groen, afries, grene, ags. grene, engl, green, anord. gröenn, schwed.-dän. grön. Zu mhd. grüejen, ahd. gruoan, grüan «grün sein, wachsen», mnd. groien, groen, mndl. groeyen, afries. gröia, ags. gröivan, engl, grozv, anord. gröa. RA. jem. nicht grün sein «nicht günstig ge- sinnt», bei Luther 61, 223 Erl, im Simpli- ciss, 235, grüne Seite «die linke, die Herzens- seite, bisweilen auch die rechte», 1582 bei Fischart Garg. 136 und 381. SubstaQti\äsch Grün, n., 1561 bei Maaler, als Farbe im Kartenspiel 1575 im Theatrum diabolorum 438'' (von 1561), vgl, Laub. ABL. Grüne, f., mhd. grüene, ahd. gruoni f. grünen, v.: grün sein oder werden, mhd. graonen, md. grünen, gruonen, seit dem 13. Jh. beginnt da- für grüenen (eig. «grün machen »j einzutreten, 49* 775 Grund Gründonnerstag 776 i^runeln, v.: nach frischem Grün riechen, bei Goethe 6, 27 und Faust 8266. grün- licht, adj., mhd. im 14. Jh. griienlot Grün- ling, m.: eine Bimenart (1691 bei Stieler neben Grünlinger m. «eine Apfelart von giüner Farbe»; der Grünfink (1557 bei Heuß- iinVogelb. 67^). ZUS. Gründonnerstag, m., bei Luther 1538 Griindornstag, mhd. um 1200 der grüene donnerstac, mnd. 1355 der grone donerstag. Die Benennung bildete sich nach mlat. dies viridium «Tag der Grünen» d. h. der öffentlichen Büßer, die nach der während der Fastenzeit vollbrachten Buße von ihren Vergehungen und Kirchenstrafen losgesprochen und als Sündenlose wieder in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wurden, um zur heil. Abendmahlsfeier zu- gelassen zu werden. Jene Lossprechung und damit auch diese Zulassung waren eine Haupt- handlung in der fi'ühem Kirche am Donners- tage vor Ostern als am Tage der Einsetzung des heil. Abendmahles, wde auch der Name AnÜaßtag, mhd. antlä^fac «Tag des Erlasses der Kirchenstrafen und der Wiederaufnahme in die Kirchengemeinde» zeigt. Daß aber viridis in der mlat. Kirchen- und Kanzel- sprache nach Luk. 23, 31 in viridi ligno auch die Bed. «sündlos» hatte, erhellt aus Melber 1482 Ff 2^ viridis, ein grünender, der da on snnde ist, grün. Grüukern: Kerne von «unreifem» Getreide zur Suppenbereitung. Erst in der neuern Zeit. Grünspan, m. (-S, PI. -e): grüner Kupferrost, 1558 bei Eber und Peucer N 2 * G^ilnsjmn oder spanschgriin, 1482 im Yoc. theut. n2^ grunspan oder span- grun, ebenso 1470 grunspan, neben spätmhd. spän-, spensgrüen «spanisch Grün», mlat. vi- ride Mspannm oder hispanicum, weil als Kunst- produkt (Kupferoxyd verbunden mit Essig- säure) aus Spanien zuerst zu uns gebracht. Grünspecht, m.: oben gi'üner Specht, picus viridis, mhd. gräen-, gruonspeht, ahd. gruon- spelit m. (Steinmej^er-Sievers 3, 21, 39). Grund, m. {-es, PI. Gründe): Erdboden; das Unterste wovon. IVIhd.-ahd. grünt m., md. auch f.; dazu asächs. grund m., mnd. grünt f. (selten m.), mndl. grond, afries. grund, grond m., ags. grund m., engl, ground, anord. grund f. «Feldfläche», grnnnr m. «Grund, Boden», got. in grundmcaddjus «Grundmauer». Im Mhd. auch «Abgi-und, schmales, tief ein- geschnittenes Tal, Schlucht, Niederung, Ebene, Grundstück, Grundeigentum, (im 14. Jh.) Ur- sprung, Ursache», im Mnd. «der wirkliche Sachverhalt, auf dem alles beruht». Die Herkunft ist unsicher. Vielleicht im Ablaut zu Grand (s. d.) stehend. Vgl. noch Meringer Wiener SB. 144, 6, 70, Uhlenbeck Btr. 30, 284. Davon Grundel, f. (PI. -n): die auf dem Grunde des Wassers sich aufhaltende Fisch- art gobius, mhd. grundel m., spätahd. grun- dila f. gründen, v., mhd. gründen «auf den Grund kommen, Grund finden, festen Gi'und für etwas legen, erforschen, gründ- lich erörtern, kundgeben», ahd. gründen «er- gründen, erörtern»; dazu ags. gryndan «zum Grund kommen», anord. grunda «denken». Gründer, m., 1691 bei Stieler, neuerdings seit dem 7. Jahrzehnt des 19. Jh. «schnellen Reichtum erstrebender, schwindelhafter Unter- nehmer von Bauwerken oder einem Geschäft». grundieren, v.: den Grund, worauf etwas hervortritt, kunstgemäß zubereiten, bei Goethe 2, 182 neben gründen 46, 377 fg. {gründen 1691 bei Stieler), gründlich, adj., mhd. gruntlich, im Adv. ahd. gruntWiho, md. 1329 gruntllclien, 1343 grüntUchen (Germ. 28, 369); Gründlichkeit, f., 1732 bei Gottsched. Gründling, m.: die Grundel, im 15. Jh. (/rwwt^e- linc, 1425 grundelingh (Diefenbach gl. 252'' und nov. gl. 186^). ZUS. Grundbesitzer, m., 1775 bei Adelung. Grundbirue, f. : Kartoffel, in der Lausitz und Meißen zunächst die eß- bare knollige Wurzel der Pflanze Helianthus tuberosus, dann im 18. Jh. auf die Kartofiel übertragen (volksmäßig GronwiMr). gruud- 1)ÖS, adj., mhd. grnnthoese. grundfalsch, adj., 1739 bei Liscow 423. Gruudfeste, f., mhd. gruntveste. Grundherr, m., mhd. grunfherre. Grundlage, f., 1625 bei Stettier Schweitzer-Chron. 292. Grundlinie, f., 1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, 1, 15^ Grund- Uni f. grundlos, adj., mhd. gründe-, grunt- 16s, ahd. grunÜös, ags. grundleas; Grund- losigkeit, f., md. im 14. Jh. grundelösikeit, gruntlösekeit. Grundriß, m., 1648 bei Zesen Dögens Baukunst. Grundsatz, m., 1641 bei Schottel 378. Grundsprache, f., 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, 244. Grundstein, m., beiLuther; äazn ags. grundstänm. Grund- stück, n., 1641 bei Schottel 378. Grund- SUppe, f., bei Luther W. 8, 292, mhd. grunt- sopfe. Gruudwelle, f., mhd. grantweUe. Grundwort, n., 1641 bei Schottel 346. Grundzins, m.: auf einem Grundstück lastende feste^Geldabgabe. 1734 bei Steinbach. Gründonnerstag usw., s.grün. gruneln, s. grün. Grüuitz, s. Krinitz. 777 grunzen Gruillotine 778 grunzen, V., vom rauhen dumpfen Sckreien des Schweins. ^Ihd.-ahd. grunzen «einen rauhen tiefen Ton aus der Kehle hören lassen», ahd. auch «im Unmut das Gesicht verziehen» (lat. caperare), ferner ahd. grunnizof m. «das Grunzen»; dazu engl, grünt «grunzen». In- tensivum zu mhd. grinnen, ags. grunian «knirschen, grunzen», die wie ahd. grün m. und grunm f. «Jammer, Stöhnen» im Ablaut stehen zu ahd. granön «gnmzen», mhd. grauen, grannen «weinen, flennen» (vgl. grausen, grin- sen). Vielleicht lautmalenden Ursprungs, wie lat. grimmre, gr. YPÜ^eiv «grunzen». Gruppe, f. (PI. -n): Zusammenstellung mehrerer Gegenstände zu einem Ganzen. 1712 bei Hübner Groupe, aufgenommen aus franz. groupe m. «ein Haufe Figuren», ital. groppo, gruppo m., eig. «Klumpen, Pack», die selbst wieder dem Germanischen entstammen (s. Kropf). Davon gruppieren, v., 1766 bei Le.ssing Laokoon 122 (So. 11). Grus, m. {-es): Schutt. Niederdeutsche Form für Graus, s. -Grans. gruseln, v. impers. mir gruselt: über- läuft schreckhaft die Haut. 1663 bei Schöns- leder, grüsseln bei H. Sachs 20, 7 grieselen 1691 bei Stieler (auch Goethe 42, 2, 89 grieseln), mhd. griuseln, Intensiv von mhd. grüsen «grausen» (s. d.). 1499 im Terenz deutsch 39* ich grusel. Oruß, m. (-es, PI. Grüße): freuiidlicher oder feindlicher Anruf als Zeichen der Ge- sinnung. ]\Ihd. grvo^ m., auch «feindliches Entgegenkommen, Angriff, Leid», md. grü^, grög, mnd. gröt m. Von grüßen, v., mhd. gi-iie^en (einmal gruetzen), md. grüben, ahd. gruogan «an jem. kommen, herausfordern, an- treiben», dann «amiifen, anreden, angi-eifen, freundlich und mit Wunsch anrufen»; dazu asächs. grötjan «anreden», mnd. graten, gruten «zum Kampfe auffordern, grüßen», mndl. groeten, grueten, ags. gretan «feindlich an- greifen, grüßen», engl, greet «giiißen». Viel- leicht zu got. gretau «weinen», vgl. graß. Grütze, f. (ohne PI.): grob gemahlenes, ausgehülstes Getreide; Brei daraus; bildlich Verstand. In den beiden ersten Bed. bei Luther Grütze, Grutz f., mhd. grillze n. m. «Grobgemahlenes, Giützbrei», ahd. gruzi, gruzze n. «Kleie, Schrot»; dazu mnd. -mndl. gorte f., ags. gryita f., engl, grit «Grütze», anord. grautr m. « Grütze», dän. gröd. Gleichen Stammes wie Grieß (s. d.) und mhd. grüg m. f. «Korn» (von Sand oder Getreide), urverwandt mit lit. grüdas m. «Getreidekorn», abg. gruda f. «Scholle», kymr. gro «Grieß», lat. rüdus n. «zerbröckeltes Gestein». Aus dem Germa- nischen entlehnt ital. gruzzo, gruzzolo m. «Haufe zusammengetragener Dinge», aft-anz. ' gruel, n£ranz. gruau m. «Grütze». In der bildhchen Bed. «Verstand» (bei Günther 518 ein Kopf, der von Xat/ir mehr Spreu als Grütze führt) ist Grütze umgedeutet aus ältemhd. Kritz m. (noch hess. Gritz m. «Ver- j stand, Scharfsinn»), 1685 im Simpliciss. 2, 500 \tveder Witz oder Kritz, bei Eädlein 1711 i iveder Grütz (Gritz) noch Witz haben, öfter bei Seb. Franck vil Kritz in der Nasen haben (Moriae encom. 91 u. 149, Guldin Arch. 5^, Sprichw. 1, 90^) sowohl «Schlauheit» als «Vorwitz», eig. «Kitzel», zu ältemhd. kritzeln «kitzeln, jucken» (16. und 17. Jh.). Guck, m.: Blick, nur in der Redensart nur auf einen Guck kommen und in Zu- sammensetzungen ^'le Ausguck. Von gucken, V.: nach etwas ausschauen, neugierig sein. Bei Luther, Schuppius, Voß, Goethe 1, 193 mit nd. Schreibung kucken, bei Maaler 1561 guggen, mhd. gucken, gucken, im 15. Jh. gugen, gugken. Mnd. kiken, nd. kieken ist kaum vei-wandt, berührt sich aber eng mit unsenn Wort. ABL. Gucker, m., 1565 bei Para- celsus opus chii'urg. 30, mnd. kiker m. ZUS. Guckkasten, m., bei Lessing 6, 106. Gückelhahn, s. Gockel. Guer(r)illa (sprich ge-), f. (PI. -s) : kleiner Krieg; Streifscharen. Aus dem span.^Men'iZZaf. «kleiner Krieg», von guerra f. «Krieg», fi-anz. giierre, das dem Deutschen (ahd. iverra zu icirren) entstammt. Gufe, s. Glufe. Gugelhopf, m. {-es, PL -e): Backwerk aus weißem mit Hefe gegorenen Mehlteig in einer mit Butter u. dgl. bestrichenen kleinen runden Form gebacken. Bayr. Gugelhupf, Gogelhopf, wohl nach der hauben-, bund- ähnlichen Gestalt, zgs. aus mhd. gugele f. «Kapuze» (s. Kogel) und einer Nebenform von bayr. Hepfen f. «Hefe» (zu ahd. hepfan «heben»). Guido, Mannsname, langobardische und dann italienische Form des ahd. Namens Wito, Wido, von ahd. tcitn n. «Holz» (vgl. Wiedehopf). Guillotine, f. (PI. -n): das Fallbeil, die 1789 vom franz. Arzt Guillotin (f 1814) ei-- fundene Köpfmaschine, 1801 bei Campe nebst dem Zeitwort guillotinieren. Gulasch Crurke 780 Gulasch, in Östen-eich auch Gulyas, n. {-[e]s): Pfefferfleisch. Aus dem Ungarischen in neurer Zeit. Gulden, m. {-s, PI. wie Sg.): ehemals süddeutsche imd östen-eichische und noch niederländische Münze im Werte von ungefähr 1,70 M, Älternhd. Gvldin, Ghildein, Gülden, mhd. (im 13. Jh.) guldin, gülden, eig. der guldin pfenninc «der goldene Pfennig» (lat. aureus denariiis), zuerst lange Zeit eine Gold- münze (s. golden und Florin). Gülle, f. (PI. -n) : Auflösung des Stall- mistes in Wasser, Mistjauche (Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 171). Ällad. gülle f. «Lache, Pfütze». Sehr verbreitet in der Schweiz, aber auch im übrigen Alemannischen. Vielleicht zu mnd. gole, goel m. f. «Sumpf». Gülte, f. (PI. -n): zu leistende Zahlung, Schuld, Zins, jährlicher Zins. Mhd. gülte (auch gute, gülde), md. gulte, gulde, gilde f. «Schuld, Zahlung, Einkommen, Kente, Zins (von geliehenem Geld), Wert, Preis». Von gelten (s. d.). ABL. gültig, adj., mhd. 1324 guldig «im Preise stehend, teuer», im 15. Jh. guldeg «preis würdig» (Weist. 4, 623, 3), ferner in mhd. zinsgültic «zahlpflichtig»; Gültigkeit, f., 1459 gültigkeit (Germ. 28, 869). ZUS. GÜlthrief, m.: Schuld-, Hypo- thekenschein, Schweiz. Mhd. Id82 gültehriefm. Gummi, m. (s, PI. -s): Klebsaft aus Pflanzen, 1534 bei Franck Weltb. 219^ Gummi, schon im 14. Jh. mhd. gummi arabicum, ent- lehnt aus gr.-lat. gummi, commi n. (neben gummis, cummis. commis f.), gr. KÖ|Lt|ui n., von altägypt. kenii, kami «Gummi von Mimosen- oder Akazienbäumen». ZUS. Gummibaum, m.: ostindischer Feigenbaum, Ficus elastica, dessen Milchsaft den Kautschuk (gummi elasti- cum) liefert. Gundelrebe, Gundrebe, f.. die Pflanze Glechoma hederacea. Mhd. gunderebe f., ahd. gundereba f. mit acer glossiert, was aber nicht nur «Ahorn», sondern auch ein Kraut be- deutet, vgl. Björkmann ZfdW. 3, 288. Die Ableitung ist dunkel. Gundermann, m.: Gundelrebe. 1664 bei Duez, umgebildet aus gleichbed. gunderam, im 15. Jh. bei Diefenb.- Wülcker neben gunderan, gundram, gundrum, aber spätahd. gundram. Günsel, m. (-S, PI. wie Sg.): die Pflanze Ajuga. 1588 bei Camei-ai-ius 702 Günsel, 1500 bei Bi'unschwyg Destill. 52 gunsel, ahd. amsele (Steinmeyer -Sievers 3, 52, 39), um- gebildet aus gleichbed. mlat. consolida f., eig. «die sehr feste», bezeichnend für die bei Wunden und Bnichen heilkräftige Pflanze. Gunst, f.: Wohlgeneigtheit, Wohlwollen; (PI. Grünste) schriftliche Einwilligung, in der Kanzleisprache. Bei Luther Gonst. Mhd. gunst (PI. günste), gonst f. und m. «das Ge- statten, Wohlwollen, Verleihen, die Einwilli- gung, Erlaubnis», zgs. aus ahd. gi- «ge-» und ahd. unst f. «Zugeneigtheit, Gnade, Wohl- wollen», gekürzt wie gönnen (s. d.) aus ahd. gi-unnan; dazu asächs. abunst f. «Abgunst, Neid». Die ältere Form ist ahd. anst f.; dazu asächs. anst (nur Gen. PI. enstio), ags. est, anord. äst, srot. ansts f. «Gunst». ABL. günstig, adj., mhd. günstic, dafür ahd. un- stig. Günstling, m., 1683 im neuen Dic- tionar. für einen Eeisenden 141^. ^Günter, m. (-s, PI. wie Sg.): mit Wurst- füllsel gefüllter Schweinsmagen. Hessisch- wetterauisch. 1540 bei Alberus dict. Ee 3* ghünter, bb 3 * gunter. Nach Weigand vom Stoffe des Füllsels benannt und so aus pola- bisch guntra «Leber». Unsicher. "Günter, Günther, Mannsname. Mhd. Günther, ahd. Chintheri, zgs. aus ahd. gwid (in gundfano m. «Kriegsfahne»), asächs. güdeat «Kampf, Schlacht, Krieg», ags. güß f., anord. güdr und gunnr f., und ahd. hari, heri n. «Heer» (s. d.). Gur, f.: feuchte, schmierige, aus dem Ge- stein ausgärende Masse. Bergmännisch, auch Guhr geschrieben (bei Goethe 60, 136 1. H. [Nat. Sehr. 9, 62] gulirweise), 1562 bei Mathe- sius Sar. 52^ Ghur. Von gären (s. d.), eig. Gärung, wie 1716 bei Ludwig das Gären oder die G^ir des Bieres. Gurgel, f. (PI. -n): Speiseröhre. Mhd, gurgel, ahd. gurgula f., nach lat. gurgulio m, «Luftröhre», wodurch das ältere mit dem lat. urverwandte ahd. querechela, querca f. «Gurgel» (anord. kverk f.) verdrängt wurde. Davon gurgeln, V., mhd. gurgeln, gorgeln «sich gurgeln, einen gurgelnden Ton hervor- biingen». Gurke, f. (PI. -n)-. Eankengewächs und Frucht Cucumis. Bei Eber und Peucer 1549 E 1^ der PI. Görken, 1558 K 8^ Gurcken, 1616 bei Henisch Gurcken, Goreken, Gurchen, im 17. Jh. Ajurcke (Olearius pers. Reise- beschr. 103^), nd. 1582 bei Chyträus und noch ostfries. Augurke, östr. Omorke, dazu ndl. agurkje' «kleine Einmachgurke», dän. agurk. Übernommen aus poln. ogurek m., russ. o^/recM m., tschech.o/c?0'Ä;a, lausitz.-wend. 781 Gurre Gymnasium 782 korka f., die auf spätgr. ä-rfoüpiov n. «Wasser- melone» zurückgehen. Vgl. Kukumer. Gurre, f. (PI. -n)-. schlechte Stute: schlech- tes Pferd. Mhd. und mnd. gurre, gorre f. Noch oberdeutsch und hessisch. gurren, v. : den Laut gurr von sich geben (von Tauben). Mhd. gurren vom Schreien des Esels. Vgl. girren. Gurt, m. (-es, PI. -e), auch Ourt[e], f. (PI. -en): Leibriemen, umfassendes Band. Md. im 14. Jh. gurt m., mhd. nur in Zu- sammensetzungen wie übergitrt m. «Über- gürtel», auch «Obergurt» beim Pferde, mnd.- mndl. gorde m., bei Luther Gh(rt f. Von gürten, v., mhd. gürten, gurten, garten, ahd. gurten; dazu asächs, gurdjan, gurdan, mnd.- mndl. gorden, ags. gyrdan, engl, gird, anord. gyrda, dafür got. higairdan «umgürten», zu got. gairda f., anord. gjörä f. «Gürtel». Gleichen Stammes wie Garten (s. d,). ABL. Gürtel, m. {-s, PI. wie Sg.), mhd. giirtel m. f., ahd. g^irtil m. und gurtüa f.: dazu (and. gurdisU) mnd. gordel n. (selten m.), afries. gerdel m., ags. gyrdel und gyrdels m., engl, girdle, anord. gyrdill m. Davon gürtein, V., 1691 bei Stieler gürtelen, mnd. gordelen: Gürtler, m.: Gürtelmacher, mhd. gUrtelcere. g Urtier. Gusche, 3. Gosche. Guß, m. fGen. Gusses, PI. Güsse): das Gießen: zum Gießen flüssig gemachtes Metall; Flüssigkeit gegen die Eäude der Schafe. In der 1. Bed. mhd. -ahd. gug m. (Gen. guzzes). ZUS. Gußeisen, n., 1775 bei Adelung. GuätaT, Mannsuame, aus schwed. Gustav. Gusto, m. (-s) : Geschmack. Bei Herder 1, 305, Goethe 17, 35 und Briefe 1, 165. Aus gleichbed.ital.und SY>a.n. gusto, yon \a.t.giistusm. gut, adj.r freundlich verbunden, zugeneigt; den Sinnen angenehm : die nötige Vollkommen- heit habend usw. Mhd. -ahd. guot, md. gut, göt, auch «passend, tauglich, tüchtig»: dazu asächs.-afries. göd, mndl. goed, ags. göd, engl. good, anord. gödr, schwed.-dän. god, got. göps «gut, tüchtig, schön». Gleichen Stammes wie Gatte (s. d.) und ahd. gatulinc, asächs. gadu- ling, ags. gcedeling, got. gadiliggs m. «Ver- , wandter», sowie mhd. gaten «zusammen- kommen, vereinigen», mhd. gater, ags. gea- dor, tögcedere «zusammen»; urverwandt mit abg. goditi «genehm sein», godinü «genehm», godü m. «passende Zeit». Urspr. Bed. wohl « zusammengehörig, passend >. Statt des Komp. hesser (s. d.) mhd. auch giioter, md. guter. RA. für gut nehmen «damit zufrieden sein», mhd. ßr guot, verguot nemen. ABL. Gut, n. (-es, PI. Güter): Besitztum, überhaupt was uns dienlich ist, Grundbesitz. Mhd.-ahd. guot n., asächs. göd, ags. göd n. «Gutes», dann «Vermögen, Besitz, Landbesitz», afries. göd, gued n. «Vermögen». Dazu die RA. zu gute halten, kommen, tun usw. «zum Vorteil, in guter Absicht», mhd. ze guote, ahd. zi guote. Güte, f., mhd. güete, md. gute, ahd. gxioü f.; dazu asächs. gödi «Güte», got. gödei f. «Tüchtigkeit, Tugend»: gütig, adj., mhd. gnetic, md. gütic: Gütigkeit, f, mhd. güe- tichait, güetikeit: gütigen, v., in begütigen, 1488 güetigen. guten, v.: gutmachen, mhd. güeten, ahd. gu.aten, nhd. in vergüten. Gut- heit, f., mhd. gnotheit f «Güte», gütlich, adj., mhd. guot-, güetlich, ahd. guotUh, an- geglichen gaolUh «gütig, freundhch», auch «ruhmvoll, herrlich»: dazu asächs. göd-, guod- lic «glorreich, herrlich», afries. gödilik, ags. gödh'c. ZUS. Gutachten, n.. 1616 bei He- nisch. gutartig, adj., bei Henisch. Gut- dünken, n., bei Luther, spätmhd. guot- danken □. Guthaben, n., 1808 bei Campe. gutheißen, \., 1601 bei Albertinus Kriegs- leut Weckuhr 46 ^'j auch als Subst. gut- herzig, adj., mhd. im 14. -Jh. guothertzig nebst guothertzikeif f. gutmütig, adj., 1796 bei Adelung. Guttat, f., inhd.-ahd. guot- tät, guotät f, ags. göddml f : guttätig, adj., mhd. giiottcetec; Guttätigkeit, f, 1616 bei Henisch. gutwillis:, adj., mhd. guotwillic, ahd. guot willig, asächs. gödu-ülig-, Gutwillig- keit, f., md. im 14. Jahi-h. gütivdlikeit f zrs. mit Gut: Gutsbesitzer, m., 1808 bei Campe. Gütchen, n. (-s, PI. wie Sg.): Kobold. Bei Goethe Faust 5848. Wad. gütel, güttel m. «Kobold», Dim. von Gott (s. Götze), wie md. im 14. Jh. gotechen n. und mhd. gote- lin n. «kleiner Gott». Guttapercha, f : Ledergummi von Su- matra, eingedickter Milchsaft des Baumes Isonandra gutta, aus dem Malaiischen, wo gutta «Gummi, Balsam», percha der Xame jenes Baumes. Gymnasium, n. i-s, PI. Gymyiasien): Gelehrtenschule. Aus gr.-lat. gymnasium, gr, •fuuvüciov n. «öffentlicher Platz zu Leibes- übungen», die nackt (gr. -fuuvöc) angestellt wurden, dann auch «Vei-sammlvmgsort der Philosophen», daher als Xame für Gelehrten- schulen von den Humanisten des 15. und 783 ha! Habe 784 16, Jh. eingeführt. Gymnasiast, m. (-en, I der Leibesübungen, Turnkunst; gymua- Pl. -e??): Gelehi-tenschüler, 1667 in Gepflückte ! stiscll, adj.: die Körpeiübung betreffend, Finken S. 4. Dagegen Gymnastik, f.: Kunst | 1575 bei Fischart Garg. 280 gimnastisch. H ha! Interj. der Verwunderung, Freude, des Lachens, Schi-ecks, Hohns usw. Älhd. ha] als Ausdruck des Lachens wie des Zorns; nhd. auch mit Gen. verbunden (Klopstock Od. 2, 189); franz. hal Vgl. haha. ^Haar, m. (-es, PI. -e): Flachs. Nur noch baj'r.-österr. Mhd. har, ahd. haru, haro m. (Gen. harwes); dazu afries. her, anord. hörr m. (Dat. hörvi), dän. hör. Die Her- kunft ist unsicher, da unklar, ob r auf r oder 5 zurückgeht. Vielleicht zu ^Haar oder zu Hede (s. d.). Lat. cärere «kratzen, krämpeln» kann verwandt sein. ^Haar, f. (PI. -en): Höhe, Berg. Bei Freiligrath (1877) 2, 263 u. 3, 15, aus westfäl. här f., älter har. Daneben aus gleichem Stamm westfäl. härd f. (s. Hart). ^Haar, n. (-es, PI. -e). Mhd.-ahd. här n. (PI. mhd. här, auch umgelautet hcer und heerer, ahd. här und härir); dazu asächs. här, ndl. haar, afries. her, ags. hcer n., engl, hair, anord. här, schwed. här, dän. haar n. Der PI. Haare im 15. Jh. bei der Hätzlerin 80^ und bei Luther; obersächs.-thüring. auch der Sing. Haare f. vom einzelnen Haar (Frau Schlampampe Leben 8). Die Herkunft ist unsicher. Gewöhnlich gestellt zu anord. haddr (aus *hazda) m. «Kopfhaar», namentlich der Frauen, abg. kosmfi m. und kosa f. «Haar», cesati «kämmen», lit. kasä f. «Haar», lat. cärere «Wolle krämpeln», ir. cass «gelocktes Haar». Nach Detter ZfdA. 42, 55 ist diese Ableitung wegen des mangelnden ^-Umlauts im Nordischen unmöglich, die germ. Ginind- form wäi'e her, was er zu gr. Keipeiv «scheren» stellt. Anderseits könnte lit. seris m. «Borste», sertis « haaren » verwandt sein. ABL. haaren, hären, v. refl.: die Haare gehen lassen, sie verlieren; oberd. haaren, v. trans. «raufen», um 1480 im voc. ine. teut. il^ hären «die Haare ausraufen», haaricht, haarig,adj., im 15. Jh. hericht bei Diefenbach gl. 435% haaricht 1616 bei Henisch 1009, 55, harig 1482 im voc. theut. n7^; dazu ags. hceriht. hären, ad].: von Haar gemacht, mhd. härm, hcerin. ZUS. Haarhaud, n., mhd. härhant. Haarheiitel, m., als Männertracht 1734 bei Weber 331^; in der Bed. «Rausch» 1775 bei Adelung und bei Lichtenberg in der Methyologie. Haar- hoden, m., im 17. Jh. bei Grimm eishausen Simpl. 2, 311, 22 Kz, haarklein, adj., 1658 bei Schoch Stud. Haarnadel, f., 1596 bei Hulsius, zum Kräuseln des Haars 1537 bei Dasypodius. haarscharf, adj., 1724 bei Pistorius Thesaur. par. 7, 69. Haarstern, m.: Komet, 1689 bei Lohenstein Armin. 1,571; dafür bei Dasypodius 1537 haarechtiger Stern. Haarstrang, m.: die Pflanze peucedanum, mhd. härstranc. Haarstrich, m. : haarfeiner Strich, noch bei Campe 1808 fehlend. Haar- tour, f., 1775 bei Adelung, «falsche frisierte Seitenhaare». Haarwachs, n. (selten m.): sehniges Ende des tierischen Muskels, als haarartig gewachsnes Knochenband verstan- den, spätmhd. 1427 harwachs, sonst im 15. Jh. haarwachs m. f. n., oberschwäb. haurwachs, dazu ndl. im 16. Jh. haerivachs bei Kilian; aber Haar- scheint hier urspr. mhd. har m. «Flachs» (s. ^Haar), wozu Flachsader und Flechse (s. d.) stimmen. Haarrauch, m., s. Herauch. Hahe, f. (ohne PI.): Besitz. Mhd. hahe, ahd. haba f.; dazu mnd. und mndl. have, afries. have f. Die Verbindung Hah und Gut (1537 bei Dasypodius) bedeutet: «bewegliches und unbewegliches Eigentum», als Neutrum bei Lichtwer Fab. 2, 20, Schiller Kab. 5, 1. Von haben, v. (Präs. habe, hast, hat, Prät. hatte, Konj. hätte, Part, gehabt), mhd. haben, zu- sammengez. hän, ahd. haben, spät auch häban und habon; dazu asächs. habbian, hebbian, mnd.-mndl. hebben, afries. habba, hebba, ags. habban, engl, have, anord. hava, schwed. hafva, dän. have, got. haban. Eig. Bed. «halten». Die Verwandschaft mit dem gleichbed. lat. habere ist oft bestritten worden, so wieder von Walde, sie besteht aber doch wohl zu Recht. Man muß von *khabhe ausgehen. Entlehnuncr des germanischen Wortes aus dem Lat. scheijit mir ganz unmöglich. Weiter dazu alb. kam «ich habe». Jedenfalls ver- schieden von dem unter hebeii (s. d.) be- 785 Haber Hache 786 sproclinen Stamme. Das Wort biegt mhd. im Präs. habe, habest, luibel usw., gewöhnlicli aber, bes. als Hilfszeitwort zsgez. Imn, hast, hat, hon, hat, haut, im Prät. hnhete, gewöhn- lich zsgez. häte, später (mit Angleichung des h tml t) hatte, Konj. hcete, hete, hete, später hette, im Part, gehabet, zsgez. gehät (md. ge- hatt, alem. im 15. und 16. Jh. starkfoniiig gehaben, gehän, noch Schweiz, gha); ahd. im Präs. habem, haben, Prät. habeta, vereinzelt hapta, Part, gihabet; got. im Prät. habaida, Part, habaips: ags. im Prät. hcefde, Part, hrefed. Dazu die Imperativischen Bildungen Habe- dank, m., mhd. habedanc: Habeuicllts, m., mhd. haheniht; Haberecht, m., bei Lessing 2, 460, Weiße Lustsp. 1, 235. Haben, n., besonders in der kaufmännischen Ausdrucks- weise Soll und Haben, Übersetzung des lat. debet und credit, ürspmnglich hieß es: er soll (debefj und er soll haben (credit). 1791 bei Roth nur noch Haben. Habschaft, f.: was man besitzt. Im 17. Jh. ZUS. mit Habe: Habgier, f.: Gier nach Habe, 1796 bei Adelung; habhaft, adj., 1473 bei Halt- aus habhaft <;mit Besitz versehen); Hab- seligkeit, f. (PI. -en): alles Avas man hat, urspr. Fülle der Habe (Stieler 1691, dazu 1716 bei Ludwig das Adj. habselig «reich»); Hab- sucht, f., bei Hagedorn 1, 79 und Oden (1747) 62; habsüchtig, adj., 1768 bei Moerbeek. Haber, m. (-.s, PI. wie Sg.), üblicher (aber urspr. ndd. und md.) Hafer (in Preußen nur so), m.: Getreideart mit Rispen und langen spitzen Körnei'n. Mhd. habere, haber m. schwachflektiert (daher im 15. Jh. im Voc. ine. teut. und noch mundartlich Habern m., bei Luther Habern und Ha fern, mit stai-ker Flexion im 15. Jh. Städtechron. 5, 41, 5 Dat. haber, 2, 302, 16 Gen. haberns), ahd. liabaro ra.; dazu and. havoro, nd. und ndl. haver, anord. hafri m., aschwed. hagre (dai-aus ent- lehnt finn. kakra), schwed. hafre, dän. huvre, Schott, haver, dafür ags. äte f., engl, oats; aus dem Germanischen entlehnt fi'anz. Jmveron m. «wilder Hafer >.. Nicht von anord. ha fr, ags. hcefer m. «Ziegenbock» (lat. ca2)er m. «Bock», gr. Koiirpoc m. «Eber»), sondern zu ir. coirce, kymr. ceirch (Grundforni *korkio ans'*kokrio). Das germ. b muß aus g "' entstanden sein, was trotz Zupitza Gutturale in einer Reihe von Fällen ganz sicher ist. Weiter könnte gr. Kcixpuc «geröstete Gerste» dazugehören, Lite- ratur KZ. 40, 436. ZUS. Haberfeldtreiben, n.: nächtliches Rügegericht in Oberbayern an Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. Sündern gegen die Volkssitte, häufig bei ge- schlechtlichen Vergehen. Nach Schmeller- 1, 1033 aus der Gewohnheit hervorgegangen, daß gefallne Mädchen abends von den Burschen des Dorfs unter Geißelhieben in ein Haber- feld und von da wieder nach Haus getrieben wui-den. Haberrohr, n. : Hirtenpfeife, Rohr- pfeife, bei Günther 1048 und Hagedorn Od. 89, Übersetzung des gleichbed. lat. avena f. Habergeiß, f.: Heerschnepfe, scolopax gallinago , um. 1480 im Voc. Lnc. teut. k 6 ^ habergeiß, so benannt, weil sie zur Begat- tungszeit hoch in der Luft einen einem fernen Meckern ähnlichen Ton hören läßt, also zu dem unter Haber behandelten Wort für «Bock». Habicht, m. (-s, PI. -e): der Raubvogel accipiter. Mit angetretnem t bei Luther wie bereits 1470 im mlat.-hochd.-böhm. Wb. Ha- bicht, in einer Handschr. des Heinzelein v. Konstanz 474 aus dem 15. Jh. habeht, aber vorwiegend im 16. Jh. und noch oberd. Habich, mhd. habech, habich, auch mit Umlaut hebech, hebich, ahd. habuh m.; dazu and. hatmc (in Habuchorst), mnd. havek, havik, afries. hauk, ags. Imfoc, heafoc, engl, hawk, anord. haukr m., schwed. hök, dän. hög. Herkunft unsicher. Vgl. Zupitza Gutt. 102. Gewöhnlich vergleicht man russ. köbuz, kobec m, «Art Falke». habilitieren, v.: seine Geschicklichkeit zum Lehramt an einer Hochschule bekimden. 1694 bei Nehring, aus mlat. habilitare «ge- schickt machen», vom lat. Adj. habilis «füg- sam, geschickt». Habit, m., auch n. (-5, PI. -e): Anzug, Tracht; Kleid. 1571 bei Rot, in der engern Bed. «(Mönchs-) Ordenskleid» schon mhd. abit, habit m., mndl. abite, afries. habit, abit, aus franz. habit m. «Kleid, Ordenskleid», von lat. habitus m. «das Sich-haben, die Tracht». Habseligkeit, Habsucht, s. Habe. Habnng, f. (PI. -en): festes Anhalten, Anhaften; etwas, an das man sich anhalten kann. Bei Hebel Schatzk. (selts. Gesch.). Mhd. habunge f. «das Sich-halten, Sich-äußer- lich-zeigen», ahd. habunga f. 'Aufhalten, Aul- enthalt, Wohnung» (Glosse zu Sir. 24, 16). Von laiben (s. d.) in der Bed. «halten». Hache, m. (-n, PI. -n): junger Bui-sche, verwegner Kerl (veraltet); Habgieriger (in Mittel- und Oberdeutschland, dazu das Adj. hachig «überaus habgierig»). • In der 1. Bed. mhd. hache m., so noch bei Bürger und Novalis, sowie als schex'zhafter Schimpfname, den Kinder Erwachsnen geben, Schweiz. Hach 50 787 Hachse Hafen 788 ni., dazu Hache f. «leichtlebige Dii-ne» bei Fischart Garg. 437, spätmhd. haclie m. «junger ]3ursche, Kerl». Dazu der ahd. Eigenname Hahho, Hahcho. Vielleicht zu hacken in der Bedeutung «kämpfen», also eig. «Kämpfer» oder mit Hecht verwandt, das auch in der Bedeutung «junger Bursche» vorkommt. Hachse, Hechse, f. (PI. -n): Kniebug, bes. des Hinterbeins, mit den Sehnen. Mhd. hahse, hehse, ahd. hahsa f., namentlich vom Pferde; dazu mnd. hesse, hasse, afries. hoxene f. Urverwandt mit lat. coxa f. «Hüfte», ir. coss «Fuß», aind. käksas, aw. kasa- m. «Achsel- gnibe». Hack, s. 3Iack. Hack(e)l)rett, n. (-s, PI. -er) -. Brett zum Kleinhacken mancher Speisen; dreieckiges Ton- werkzeug, dessen Drahtsaiten mit zwei vorn gekrümmten Holzschlägeln geschlagen wer- den, mit hackendem scharfen Anschlage. In der 1. Bed. im 15. Jh. hackprett, -hret (Diefenb. gl. 27*), in der 2. Bed. um 1480 im Voc. ine. teut. k6^ und 1477 clevisch hackhret, mndl. hacke-, hackherd. ^ Hacke, f. (PI. -n), auch Hacken, m. {-S, PI. wie Sg.): Ferse; Absatz an Schuh oder Stiefel (1715 bei Amaranthes Hacke im Strumpf). Ein md. und nd. Wort, im 12. Jh. haken «calces» (Steinmeyer - Sievers 3, 439, 58), im 15. Jh. hacken m. (Serapeum 5, 84); dazu clevisch 1477 hacke, ndl. hak f. «Ferse». Verwandtschaft mit hacken ist un- wahrscheinlich. Zu a^s. höh m,, heia m., engl. heel, hough, afries. heia, heila m., anord. hcell m. «Ferse» kann das Wort aber auch nicht unmittelbar gehören, da diese auf hanh- weisen. ^Hacke, f. (PI. -n): Axt (süddeutsch); Werkzeug zum Behacken der Erde. Mhd. in beiden Bed. Jiacke f.; dazu 1477 clevisch hack, engl, hack «Spitzhacke». Von hacken, V., mhd. hacken; dazu afi'ies. hakia (in tohakia «zerhacken»), ags. haccian, engl. hack. Wohl gleichen Stammes wie hauen (s. d.), da auch sonst öfter ein k aus w entstanden ist, vgl. Quecksilber, doch kann auch eine Wz. hak zugiTinde hegen, die möghcherweise mit hecken verwandt ist, das die Bedeutung «stechen» gehabt haben kann. Hackelwerk, n. (-s, PI. -e): Zaun, Um- zäunung eines Gehöftes. Norddeutsch, gleichen Stammes wie Hag, Hecke (s. d.); mnd. im 15. Jh. hakelwerk, in md. Form im 14. Jb. hachelwerc n. «umzäuntes Vorwerk». Häckerling, m. (-s): zu Futter klein gehacktes Stroh. In Mittel- und Norddeutsch- land. 1517 bei TrochusK4^ heckerling. In gleicher Bed. Häcksel, n., auch m. (-s), 1540 bei Alberus dict. Bb 4^ und tt 1^ Haxel, 1596 bei Colerus 9, 8 und 10, 10 Hexel m., dafür mnd. 1515 hackeltze. Beide Wörter von hacken (s. d.). Hacksch, m. {-es, PI. -e): unverschnittner Eber. In Mitteldeutschland, im 17. Jahrb. Hackisch, Hacksch m. ; gleichen Stammes wie Schwab. Heckel m. «Eber», herheckel «Eber», 1468 bei Diefenbach nov. gl. 879% mhd. hagen m. «Stier, Zuchtstier», bei Dasypodius 1587 Hag, noch Schweiz. Hagen, Hegel und schwäb. Hag, Haigel m. «Zuchtstier». Vgl. hecken. ABL. hakschen, v.: Zoten reißen. In Mitteldeutschland und studentisch. ^ Hader, m. {-s, früher auch -n, PI. -n): zei'rißnes Zeugstück. Mhd. hader m. (auch schwach hadere), ahd. hadara f.; Nebenform mhd. hadel m., daher entlehnt franz. haillon m. «Liimpen». Dazu and. hathilin adj. «hadern, lumpicht». Vielleicht urverwandt mit gr. Kevxpujv m., lat. cento m. «aus Lumpen ge- machter Rock», aind, kanthä f. «zusammen- geflicktes Kleid», die nasahert sind. Armen. kotor «Hader» zeigt keinen Nasal. ZUS. Haderlumpen, m., bei Luther, persönlich spätmhd. haderlump m. «Lumpensammler, Mann in zerlumpter Kleidung». ^ Hader, m. (-.9, ohne PI.): Streit, Zwist. Spätmhd. im 14. Jh. hader, bei Luther Hadder. Gleichen Stammes wie ahd. hadu-, ags, headu- «Kampf» in Zusammensetzungen (ahd. Hadu- ivtg «Hedwig» (s. d.), Haduhrant), anord. Höär «der blinde Gott des Kriegsglückes, Balders Bruder», und ifödt«Name einer Wal- küre»; urverwandt mit abg. kotor a f. «Kampf» (aus dem Germ, entlehnt?), vc.cath m. «Kampf», aind. gätrus «Feind», und vielleicht gr. kötoc m. «Groll». Vgl. Haß. ABL. hadern, v., spätmhd. hadern, davon Had(e)rer, m., um 1480 im Voc. ine. teut. k6^ haderer, md. im 14. Jh. hedderer, heder er. ZUS. haderhaft, adj., 1650 bei Haltaus 771, hadderhaftig bei Luther. HaderSUCht, f., 1678 bei Krämer, das Adj. hadersüchtig: 1641 bei Schottel 369. ■^ Hafen, m. (-s, PI. Häfen): Sicherheits- bucht für Schiffe. 1517 bei TrochusTS* have, 1537 bei Dasypodius Haafe, 1561 bei Maaler Meerhaffen m., aufgenommen aus nd. haven, have, mnd. havene, have m. f.; dazu mndl. havene, nndl. haven f., ags. hoefen, hcefene f., engl, haven, anord. höfn f. (PI. Imfnir), 789 Hafen Hagel 790 schwed. hamn m., dän. h.avn; entsprechend dem mhd. hahene, haben f. «Schiffslände», neben habe f. und hap n. «Hafen, Meer». Gleichen Stammes vne Haff (s. d.). Dazu vielleicht mir. cüau «Seehafen» aus *kopno. ^ Hafen, m. (-.s, PI. Häfen): tiefes Ge- schiiT, Topf. Oberdeutsch. Mhd. Jiaven, ahd. hafan m., eig. «Behälter, worin etwas gefaßt oder behalten wird», vgl. haben. Davon Hafner, m.: Töpfer, im mrhein. voc. ex quo 1469 hefener, mhdi.havencBre, ahd. /?a/a«flW m. Hafer, s. Haber. Haff, n. [-es, PI. -e): <^)stseebucht als innres Meer {da^ keurisch hob «kurische Haff» im 14. Jh. bei Suchenwirt 4, 457, da^ vrische hab Livl. Chron. 3830). Aus dem ^Niederdeutschen, mnd. /m/m. n. «Meer, See»; dazu afries. hef n., ags. hoef n., anord. und sohwed. hqf n., dän. hav «Meer, offne See». Vgl. Hafen. Daß die beiden Wörter zu lat. cayio «fassen», und heben (s. d.) gehören, ist kaum wahrscheinlich zu machen. ■^Haft, m. (-S, PL -e, auch Haften, bayr. Hafte): Vorrichtung zum Festhalten, Haken. Mhd. haft m. (PI. hefte), ahd. haft m. n. (PL hafta) «Haken, Band, Fessel»; dazu ags. hceft m., anord. hapt n. «Fessel». Gleichen Stammes wie heben (s. d.). ^Haft, f. (selten PL -e): Festnahme, Fest-, Gefangenhaltung. Mhd. haft f., daneben ahd. hafta f. «Verbindung», andfrk. hafta f. «Ge- fangenschaft, Gefängnis». Zu dem in heben (s. d.) vorliegenden Stamm. ^Haft, m. n. (-S, PL -e, -en): die Ein- tagsfliege, ephemera. 1748 bei Haller Ged. 204 als Bezeichnung am Niederrhein; 1730 bei Frisch Insekten 8, 14 tvann es (Üfer-Äaß) die Holländer Hafft heißen, so geschieht es, weil diese Fliegen so dick fliegen, daß sie an den geteerten Schiffen hafften und hangen bleiben. -haft, Suffix an Adjektiven: haltend, wor- an haftend, habend. Fiiiher auch selbstän diges Adj. mhd.-ahd. haft «gefangen, gefesselt festsitzend, haftend», im IMhd. auch «einge nonamen wovon, besessen, wozu verbunden verpflichtet»; dazu asächs. haft «gefesselt festbleibend», ags. hoeft «gefangen», anord haptr m. «Leibeigner», got. liafts «behaftet gebunden», genau entsprechend lat. captus «gefangen», gall. captos «gefangen», air. cacht «Dienerin», kymr. caefh «Gefangner, Diener» (s, heben). Davon -haftig, Adjektivsuffix, mhd. -haftec, ahd. -haftig, afries. -haftich, -heftich. haften, v.: woran befestigt sein, fest hangen bleiben; gewährleisten (Haltaus 772 aus dem 15. Jh.). In der 1. Bed. mhd. haften, ahd. haften, asächs. Jmfton, von dem ahd. Adj. haft (s. -haft). Hag, m. (-es, PL -e): umfriedigendes Ge- büsch: dichtes Gebüsch; Hain. i\Ihd. /iac m. n. (Gen. hages) «Umfriedigung, Einhegung, Dom- gebüsch, dichtes Gebüsch, eingehegter Ort, Park, Wald», ahd. hag, hac m. «Einhegimg, Stadt» (vgl. die Ortsnamen Kui -hag, -hagen); dazu ndl. haag f. «Hecke», ags. Jmga m. «Um- zäunung, Grundstück, Haus», engl, haw «Ge- hege, Gärtchen», anord. hagi m., schwed. hage «Umzäunung, Weideplatz», adän. hage «Hecke». Gleichen Stammes wie Hagen, Hain, Hecke (s. d.) ; urverwandt mit agall. caium «Gehege», kymr. cae «Einfassung», lat. cohus «die Höh- lung an der Wage des Pfluges, wo die Deichsel eingefügt wird». Vgl. Walde. ZUS. Hag- apfel, m.: Meerkirsche, 1482 im voc. theut. n3^ hagen apffel. Hagehliche, f.: Weiß- buche, im 15. Jh. hagbuoch, daneben mhd. hagenbuoche, woraus Hainbuche (s. d.), beides in urspr. Bed. «zu Umzäunungen verwendete Buche», ahd. haganbuohlia; davon hage- hüchen, adj., mhd. hagenhüechm, zsgez. han- büchen, noch md. hahnehttchen, bes. in der Bed. «derb». Hagehiitte, auch Hain- hutte, Hamblltte, f.: Fruchtknopf der Hagerose, im 15. Jh. hagebute, zsgez. hnbutte (Diefenbach gl. 125'*^), 1482 im voc. theut. n 6* hänpote (in hanpotenpatvm) und n3^ hagen- putz, mhd. bloß butte f., eins mit Blitzen (s. d.) «Kerngehäuse des Obstes». Hage- dorn, m. : der Weißdom, mhd. hagen-, Jiage- dorn m. : dazu ags. hcegßorn, engl, haivfhorn, anord. hagßorn m., norw.- schwed. hagtorn. Hageiche, f.: Heckeneiche, 1541 bei Frisius 1164'' Hageych. Hagerose, f.: Heckenrose, 1541 bei Frisius 623 ^ der PL Hagrosen, 1540 bei Alberus dict. FF 3^ hayn rosen. Hagel, m. (-S, PL unüblich): aus den Wolken niederschlagende Eisköraer; kleinge- hacktes Blei und Eisen zum Schießen (Soltau Volksl. 216 von 1516). In der 1. Bed. mhd. hagel, zsgez. hole, hail, hei, ahd. ha^al m.; dazu asächs. hagal, mnd. und ndl. hagel, ags. hagal, hagol und hcegel m., engl, hail, anord. schwed.-dän. hagl n. Wohl urverwandt mit gr. KoixXri^ T^- «Steinchen, Kiesel». Das einzelne Hagelstück hieß mhd. und älternhd. hagel- stein und kisel (noch oberd.), ags. hagolstän, engl. Jiailstone, anord. haglsteinn m. neben 50* 791 Ha^en Hahn 792 haglkorn u, ABL. hageln, v., mhd. hagelen, mndl. hagglen, daneben älternhd. kiseln, noch md. und oberd. kisseln. ZUS. hageldicht, adj., bei Wieland Ob. 3, 15. Hagelgaus, f.: Schneegans, wüde Gans, mhd. hagelgans, ahd. hagügansL «Wasserhuhn», dann (durch Über- tragung) «Birk-, Haselhuhn» (dafür ahd. /iasi7- gans), endlich «die Schneegans», und zunächst benannt, weil das Wasserhuhn durch Geschrei am Morgen und Auffliegen aus dem Wasser (1557 Heußlin Vogelb. 22^) oder durch Unter- tauchen (Schiller Teil 1, l) Gewitter und Regen ankündigt. Hagelschauer, m., mhd. hagelschür, ags. hagolscür m. Hagelschlag, m., spätmhd. im 15. Jh. hagelslach. Hagel- wetter, n., 1678 bei Krämer. Hagen, m. (-s, PI. wie Sg.): lebendiger Zaun. Bei Büi-ger 233, noch niederd.; aber schon mhd. hagen m. «ümfriedigung, Ver- hau, Dornbusch, umfriedigter, umhegter Ort», ahd. hagan m. «Dornstrauch zur Umhegung»; dazu and. hagan m. «Art Dornstrauch», mnd. hagen m. «Hecke, Gebüsch, Einfriedigmig zu Schutz und Verteidigung, umhegter Ort», schwed. hägn, dän. hegn, von ahd. hac m. «Hag» (s. d.). Vgl. Hain. hagen, v.: behagen (s.d.). Bei ndd. Schrift- stellern (Göttinger Musenalm. 1779 S. 88); and. hagan (?), mnd. und md. hagen, afries. hagia. hager, adj.: dürr, mager, schmalleibig. Um 1300 md. hager (Heinrichs Tristan 5110, Altväter Darmstädter Bruchst. Bl. 1^)^ 1618 bei Schönsleder mit Umlaut hager; dazu mengl. hagger, engl, haggard «hager». Dafür oberd. rahn (s. d.). Nach Zupitza 104 zu aind. krcäs «abgemagert, hager, schwächlich», aw. kdrdsa- «mager». Anders ZfdW. 7, 267. ABL. Hagerkeit, f., 1691 bei Stieler. Hager, m. {-s, PI. wie Sg.): Sandhügel in Strömen, bes. an deren Mündung. 1697 bei Besold Thesaur. 1, 418 Heeger. Nach J. Grimms Vermutung eine Nebenform zu Höcker. Hagestolz, m. {-es, PI. -e): unverheiratet Gebliebner. Schon mhd. hagestolz (Urkunde von 1284 bei Mone Anz. 3, 16), umgebildet aus mhd. hagestalt, ahd. haga-, hagustalt, haga- stolt m. «Junggesell Verbliebner, Diener, in Lohndienst Stehender»; dazu asächs. hagu- stald, hagastold m. «.Diener, Mann überhaupt», and. «proselitis», im 16. und 17. Jh. an Hof an- gelehnt nd. hove-. havestolt, ags. hteg-, hagu- steald m. «unverheix-atet Gebliebner, Kriegs- dienst Leistender, Ki-ieger». Ursprünglich Adj.: ahd. hagustalt Itp «eheloses Leben», hagastalt man «Lohnarbeiter», ags. htegsteald «kämpfend», wonach die älteste Bed. «als Diener und zwar unverheiratet und kinder- los auf emem Hag (s. d.), d. i. einem kleinern Grundstück, einem Nebengrundstück seßhaft» ; der zweite Wortteil gehört zu got. staldan «bes-itzen» (s. gestalt). Nach altem deutschen Erbrechte ging das Hauptgut mit der daran haftenden väterlichen Gewalt auf den Erst- gebornen über, während den Jüngern Söhnen nur Nebenländer und damit Abhängigkeit von dem Erstgebornen zuteil wurde. haha! Interj. der Verwundeiiong und Freude, auch lautes Lachen, mhd. haha, im 15. Jh. bei Eyb Plaut. 80, 12 hiha\ Häher, m. (-5, PI. wie Sg.): ein häßlich schreiender Waldvogel. Bei Luther Heher, 1557 bei Waldis Es. 1, 29 Häher m., mhd, heher f., ahd. hehara f.; dazu mnd. heger, heiger m., ags. higera, higora m. «Häher, Specht», anord. hegri m. «Reiher». Dazu mit s-Anlaut norw. skjäre, schwed.-dial. sker, skür, skära. Vgl. Falk-Torp. Vielleicht verwandt mit gr. Kicca f. «Häher» (aus *KiKya), aind. kikidivis m. «blauer Holzhäher», also laut- malend, oder zu aind. rikharäs «spitzig». Dann wäre der Häher nach seinem spitzen Kopfschmuck benannt. Hahn, m. (-es, auch -en, PI. Hähne, auch Hahnen): Männchen des Hühnergeschlechts; Männchen auch andrer Vögel (Geliert 3, 461); Wetterfahne (1514 bei Keisersberg Schiff d.P. 37^); dem Hahnenkopf Ähnliches z. B. am Fasse (1510 bei Keisersberg Seelenpar. 51* Hä7i m.), an der Wasserleitung (im 15. Jb. bei Tucher Baumeisterb. 168, 4), am Flinten- schlosse (1575 bei Fischart Garg. 286); bild- lich: kühner, kecker Kerl (Murner luth, Narr 2155, Keisersberg Brösamlba 2, 71''). In der 1. Bed. mhd. han, haue, ahd. hano m.; dazu asächs. hano, ndl. haan, afries. hona, a,gs. und got. haiia, anord. hani m., schwed.-dän. hane. Gewöhnlich wird als urspr. Bed. «Singer» (vgl. Otfried 4, 13, 36 er tha§ huan singe «ehe der Hahn kräht») angenommen, vfie ahg. petlä m. «Hahn» von abg. j^^^ti «singen», lit. gaidis m. «Hahn» von lit. giedoti «singen»; m*ver- wandt mit lat. canere «singen», air. canim «ich singe», gr. rii-Kovöc «Hahn» (bei Hesy- chius). Doch liegt viel eher ein altes selb- ständiges Wort vor, zu dem auch lat. cicönia f. «Storch» gehört. Die Biegung ist urspr. 793 Hai Hainbund 794 schwach: mhd. Gen. hanen, PI. hauen, sie dauert bis ins 18. Jh. (Göthe 2, 267, Schu- bart 2, 253) und ist noch oberd. ; die starke Flexion tritt seit dem 16. Jh. auf, bei Keisers- berg der PI. hen, Itän, bei H. Sachs 9, 50 u. 59 der Gen. deß Haans wad Hanes. Vgl, Henne, Huhn. RA. der rote Hahn «wie ein Hahn vom Dach auffliegendes Feuer» (H. Sachs 9, 55). Hahn im Korbe (Facetiae facet. 164), eig. «das beste Stück unter dem jungen Hühner- volk im Hühnerkorbe», daher im 16. Jh. der best Han im Korb (H. Sachs 21, 261, Fischart Bienenk. 131 "^j. ZUS. l) mit dem schwachen Gen, Hahnen-: Hahnenbalken, m.: Fii-st- balken (worauf der Hahn sitzt und kräht), mhd. hanenbalke, auch hanboum m. Hahnen- feder, f., bei H. Sachs 9, 125. Hahnenfuß, m.: die Ranunkel, mhd. hanen-, ha7ievuog, ahd. hanefuo^ m., der Xame wegen der dem Fuß eines Hahns ähnlichen Gestalt des Blattes der Pflanze. Hahnenschrei, bei Luther. Hahnensporn, m., 1664 bei Duez Hahnen- spohr. 2) mit Hahne-, Hahn-: Hahnekamm, ni., im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 158^ hanen-, hanekamp; als Pflanzenname mhd.hanenchamp. Hahnkräh, f. (Herder von deutscher Art und K. 101), 1572 bei Fischart Großna. 25 Hanen- kräh m., dafür mhd. ha7i-, hanekrät f., ahd. hanacrät, asächs. hanocräd f., ags. hancred m., von Rückert 3, 294 erneuert Hankrat m. Hahnrei, m, (s, PI. -e): Mann eicer un- treuen Ehefrau, ein urspr, norddeutscher Ausdruck, mnd. im 15, Jh. hanerei, hanreyge, in den Facetiae facetiarum 164 hahnreg, 1534 bei Luther 6, 161* J. ein Hanrey wie man in Sachsseil redet: doch nach Beckmann Gesch. d. Erf, 2, 269 Hanrey schon 1322 als Beiname eines Augsburger Müllers. Bei Mathesius | Sarepta 1562 250* Hanrey m. f. «geschlecht- lich Ausschweifender oder Ausschweifende»: in der wahrscheinlich urspr. Bed. Kapaun 1670 bei Abele künstl. Unordnung 2, 309 Haan- rehf 1717 bei Leibniz Collectanea etymolog. 1, 312 Hahnree. Das Wort, urspr. schwach biegend, scheint im zweiten Teil abgeleitet von mhd. reie, reige m. «Tanz» (s. ^Reihen), «der den Hahnentanz mitmacht» (vgl. Brant Narrenschiif S. 34* Z.). Y gl. Hörner aufsetzen unter Honi. hahnebüchen, s. Hagebuche. Hahnepanipel, m.: Schimpfwort für einen haltlosen, hin- imd herfahrenden und zappeln- den Menschen, In Norddeutschland. Unbe- kannter Herkunft. Hai, m. (-es, PI. -e): der gefräßige See- fisch squalus carcharias. 1658 bei Mandelslo Reisebeschr. 2, 13 Haye m., PI. Hayen, 1741 bei Frisch Häye m., aufgenommen aus ndl. haai f., anord. här m.. schwed.-dial. ha m., dän. haa. Man vergleicht aind. catdkus m. «ein best. Wassertier», das auch die Bedeutung «spitzer Pflock, Holznagel» hat, wie auch anord. här «Rudemagel», so daß die doppelte Bedeutung schon vorhistorisch ist. ZTJS. Haifisch, m., 1768 bei Moerbeek Hayfisch neben Hay. Haiduck, s. Heiduck. Hain, m. [-es, PI. -e): gottgeweihter Wald (bei Luther); Hege-, Lustwald (bei Luther 1, 531b Eisl.). Ein mitteldeutsches Wort. Im 14. Jh. hain m. «umhegter Platz, Ver- hau:/ (Jaroschin 25 jceric. Halbkreis, m., mhd. halb krei^ (Diefenbach gl. 641 «). Halbkugel, f., 1678 beiKrämer. Halbmann, m,: Kastrat, Eunuch (Schiller Tur. 2, l), spätahd. 1175 halpnian. Halbmesser, m.: Radius, 1670 bei Stm-m teutscher Archimedes Vorbericht. Halbpart, m.: Halbteilung, Hälfte, 1691 bei Stieler. halbrund, adj., 1678 bei Ki-ämer, dafür spätmhd. im 15. Jahrh. halb sinivel. Halb- SCheid, f., das Halbgeteilte, Hälfte, im 14. bis 15. Jh. -nrhein. halffscheit (Weist. 2, 354), Skhd. halpgisceid. halbschlächtig, adj.: einen Halbschlag, eine Unterart bildend (Kant 10, 27); unentschieden, schwankend, halbschürig, adj.: unvollkommen (Lessing 7, 43 halbschie- rig), urspr. von der Schafwolle, die jährHch zweimal geschoren wh-d, im Gegensatz zur einschürigen. Halbspäliuer, m.: Halbbauer, wer nur ein halbes Gespann (2 Pferde) zur Bewirtschaftung braucht. In !Norddeutsch- land. Halbstiefel, m., 1664 bei Duez. halbtot, adj., mhd. halptöt. halbwegs, adv. : einigermaßen, ziemlich, eig. Akk., mhd. halben wec, im 15. Jh. bei Rothe h. Elisab. 2042 halbweg; 1734 bei Weber halbwege und halbwegs (verkürzt aus halbe Wege und halbes Weges), halbwüchsig, adj., bei Zachariä 1, 250 halbwüchsigt. Halbzirkel, m., mhd. halb cirkil (Diefenbach gl. 641 «=). Halbe, f. (veraltet): Hälfte; Seite, Nur noch in Xorddeutschland in der RA. auf der, über die Halbe liegen. Mhd. halbe, ahd. halba f. «Seite, Gegend»; dazu asächs. halba, afries. halve, ags. ÄeaZ/f. «Hälfte, Seite», a.nord. halfa «Teil, Familienzweig», got. halba f. «Hälfte, Seite». Es ist das Grundwort von ^halb und mit -halb verwandt. Halde, f. (PI. -7i): der Abhang, Bergab- hang. Mhd. holde, ahd. halda f., von ahd. hald, mhd. halt. ags. heald, anord. hallr «nieder- wärts schräglinig, geneigte. Dazu got. wilja- halpei f. «Zuneigung, Gunst», aind. katakas m. «Ring, Armband, Tal», Wi.at-kalte f. «Rücken- lehne». S. Helling. Hälfe, m. (PI. -/i): Halbbauer, im Gegen- satz zum Besitzer eines Vollgutes, am Nieder- rhein, wohl gekürzt aus Halfwinne, wie die aachen. Nebenform Halfer m. aus Halfwinner. Hälfte, f. (PI. -n): einer von zwei gleichen Teilen. Abstraktbildimg zu halb fs. d. -). Geläufig bei Luther Helffte, Helfft f., aus md. und mnd. helfte f. (\b. Jh., z. B. schlesisch 1421); dazu mndl. helft f., afries. halfte, helfte m., anord. helfd f. Mit andrer Endung im 16. Jh. halfftnoth f. (Stadtrechte v. Arnstadt), fi-ühmhd. im 12. Jh. halfnotm. (Germ. 20, 41), ahd. halftanod m. «Hälfte». Früher sagte man hd. Halbe f. (s. d.) und Halbteil n., mhd. halpteü m., afries. halfdel, haldel n. «Hälfte». Vgl. Halbscheid. "^Halfter, f. (PI. -n) m. n.: ledernes Kopi- zeug des Pferdes zum Halten. Mhd. halfter, ahd.halftra f.; dazu anä.halefdra, nnd.halchtei', kalter, ndl. halster, ags. hcelftre f., engl, halter. Gleichen Stammes wie älternhd. Helb, mhd.- ahd. halb m., mnd. helve, helf helft n. «Hand- habe, Stiel», ags. hielf m., engl, helve «Axt- stiel». Vielleicht urverwandt mit lit. Mlpa «Schlinge», kälpa f. «Querholz am Schütten», apreuß. kalpus «Rungenstock». ABL. half- tern, V.: die Halfter anlegen, Anf. des 16. .Jh. halffteren bei Diefenbach gl. 272 '^. -Halfter, f. (PL -n), richtiger Holfter oder Hulfter: Pistolenbehältnis am Sattel. Die Form Halfter seit dem 17. Jh., 1575 bei Fischart Garg. 353 Hulfter f., 1669 bei Gi-im- melshausen Simpl. 241 Pistolludffter, 1775 bei Adelung Holftei' f. In ältrer Bed. 1482 hulffter «Köcher» (Voc. theut. p 2*^), mhd. hulft, ahd. huluft, hulft f. «Hülle, Decke», auch «köcher- artiges Behältnis», ahd. satilhulft (Diefenbach gl. 281^), neben mhd. -ahd. hülst f. «Hülle», got.hulistr n., ags. heolstor n. «Hülle, Decke», Island, hulstr n. «Futteral», ndl.-engl. holster «Holfter». Von hüllen (s. d.). Haigaus, s. hal Halkyonische Tage: nach lat, dies halcyonii «ruhige Tage im Winter, an denen der Eisvogel (gr.-lat. halcyon) brütet. 1757 bei Wieland. Vgl. ZfdW. 10, 34. Hall, m. {-es, PI. -e): fortschwebender Schall, mhd. hal m. S. hell. ABL. halleu, V., erst 1440 auftauchend in lüthalend (Diefen- bach gl. 542^), aber spärlich bis ins 18. Jh.; dafür mhd. hellen mit starker Flexion (s. hell). ZUS. Halljahr, n.: das Jubeljahr der Juden, zuerst bei Luther Halliar, der Name wegen des Halles der Horner, durch den es ver- kündigt wurde (3. Mos. 25 und Jos. 6, 4 — 6). ■99 Halle Hals 800 ^ Halle, f. (PI. -n): offner Bau mit einem bloß auf Säulen oder Pfosten ruhenden Dache ; von Säulen getragner Vorbau, Bei Luther häufig, seit der Mitte des 18. Jh. von Dichtern (Klopstock, Ramler) wieder erneuert. Aus gleichbed. md. halle (13. u. 14. Jh., Germ. 20, 41), ahd. halla f. «Tempel»; dazu asächs. holla, ags. heall, engl, hall, anord. höll f., schwed. hall, dän, hal «Halle»; aus dem Ger- manischen entlehnt gleichbed. afranz. hale, nfranz. halle f. Ableitung von ahd. helan «verbergen, verdecken» (s. hehlen) ist un- wahrscheinlich, vielmehr entspricht das Wort nebst ndd. hille «Ort über den Viehställen, wo Gesinde und Kinder zu schlafen pflegen», dem lat. cella f. «Kammer, Zelle» (beide mit U aus hl). Verwandt sind noch gr. KaXid f. j «Hütte, Scheune, Nest», aind. gälä f. «Hütte, 1 Haus, Gemach», ir. cuile «Keller, Magazin». "Halle, f.: die Salzkote, das Siedehaus der Salzwei'ke. Im hallischen Talrecht aus dem 14. Jh. halle f. «Salzwerk», mhd. hal n., wie noch schwäb.-bayr. Hall n., womit zgs. mhd. 1130 halgräve m., ahd. halhüs n. «Salz- werk», woraus schwäb. Halles n. «Siedhaus». Nach den meisten neuera Forschern dasselbe Wort wie ^Halle, es ist aber mit V. Hehn Das Salz daran festzuhalten, daß in hal das idcf. Wort Salz steckt und daß das Wort also aus einer Sprache entlehnt ist, die s in h verwandelte. Hallore, m. (-en, PI. -en): \ Salzwerkarbeiter zu Halle a. S., erst 1681 der PI. Halloren (Dreyhaupt Saalkreis 1, 510), entstanden aus der burschikosen Wortbildung Halloruni (ebd. 1681), auch als Singular, wie Buckeloruni, wohl umgestaltet aus einem 1668 belegten hahirga «Salzwirker», einer Bildung aus gr. äXc «Salz» und einer Ableitung von epYov «Werk». Vgl. Gebhardt ZfdW. 10, 205. hallelüja, liallehijali: gelobt sei Gott. Das hebr. hallelüjäh «preiset Jehova», von hillel «preisen», eig. «glänzen machen» und Jäh (= jähweh) «Jahwe, Jehova». Im deutschen Kirchenlied durch Luther, der haleluia schreibt, kiixhenlateinisch alleluja (so noch österreichisch). hallen, Halljahr, s. Hall. Hallig, f. (PI. -en), auch Halling: kleme flache, gegen die Flut nicht geschützte Insel. Aus dem Ndd. unklarer Herkunft, Vielleicht von hallig für haldig «geneigt». hallo! Zui-uf des An- und Aufregens; subst, Hallo, n. (-5, PI. -es). Urspr. Zuruf an den Fährmann zum Überfahren (1471 in Weist. 1, 530 sess ein mentsche hinsit Meyns und riff dri male: hallo, hallo! ivolt der ferge ine dan nit holen, holen usw.), dann allgemeiner Ausruf zum Herbeirufen von Leuten, endlich Hetzruf an Hunde auf der Jagd (gleichsam zum Herbeiholen des Wil- des), in den beiden letzten Bed. auch engl. halloo. Das Wort ist Imperativbildung von holen «holen» (s. d.), mit dem nachdrück- lichen Suffix -ä, verdunkelt -6 (vgl. holla, feuerjo). Hallore, s. ^Halle. Halluzination, f. (PI. -en): Art Sinnes- täuschung, Trugbild. Aus lat. hallücinätio f. «Träumerei» im 19. Jh. Halm, m. {-es, PI. -e, fast veraltet -en): hohler Gras-, Getreidestengel. Mhd.-ahd. halm m. (PI. mhd. halme und helmer, ahd. halma); dazu asächs.-ndl.-schwed.-dän. halm, ags.healm, engl, halm «Halm», anord. halmr m. «Stroh». Übereinstimmend mit gr. KciXainoc (daraus lat. colamus, aind. kaldmas) m. «Rohr, Schreib- rohr, Getreidehalm», lat. culmus «Halm», abg. slama f., apreuß. salme, lett. salnis «Halm». Spätmhd. auch die schwache Form holme m., woher der nhd. PI. Holmen (Schiller 11, 352). Hals, m. (Gen. Halses, V\. Hälse): zwischen Kopf und Rumpf befindlicher Teil des Köi'pers. Mhd.-ahd. hals m.; dazu asächs, -ndl.- afries.- anoi'd.- schwed.- dän. -got. hals, ags. heals m. Urverwandt mit lat. Collum n., alat. collus (aus *cols-) m. «Hals», ir. coli «Haupt». Vgl. Uhlenbeck Btr. 30, 287, ABL. halsen, v., ahd, halson, halsen und holsan, helsen, mhd, helsen und in starke Biegimg übergehend halsen (Prät. hiels); dazu and. helsian, anord. halsa, engl, halse «um den Hals fallen». ZUS. Halshand, n., mhd. halshant. hals- hrechend, Part,, 1678 bei Krämer, Hals- eisen, n., mhd, halsisen n, «am Pranger befestigtes Eisenband, das dem ausgestellten Verbrecher um den Hals gelegt wurde». Halsgericht, n.: hohe Gerichtsbarkeit und Gericht über Leben und Tod, md, 1302 bei I Haltaus 785 halsgerichte m. halsstarrig, adj., bei Luther, mit Umlaut 1538 bei Serra- nus halß sterrig, eig. «die Halsstarre habend», dafür mhd. /;a/ssfarc, noch im 16. Jh. holßstorck (Dasypodius, Luther W, 6, 15), 1400 bei Lilien- cron Volksl, 1, 178^ halsstarg; davon Hals- starrigkeit, f., bei Luther, im 15, Jh. bei Diefenbach gl. 430 ^ halßstarckait, 1482 bei Melber T 6^ halßsterckikeit. Halstuch, n,, ahd, -mhd. halstuoch, afries. haJsdök m. 801 halt Hämling 802 halt, Adv. der Bekräftigung: vielmehr, allerdings, eben, freilich. Mhd. und ahd. halt, asächs. hald, wie haß (s. d.) ein um die Endung verkürzter Adverbialkomparativ (zum ahd. Adv. halto «sehr»), der sich in mhd. haltir, halter, got. haldis, anord. heldr, dän. heller, «vielmehr» vollständig zeigt, noch österr. halter (auch bei Wieland 11,221, Schiller Turandot 4,7). Davon verschieden schles. haldich , hailich, henneberg. heillich, im Schelmuffsky (1697) 109 fg. halt ich dafür, als zwischengeschobener Bestärkungssatz. Das oberdeutsche halt wird auf dieses halt, 1. Sg. vom Yerbum halten «meinen» zuiückgehen. Halt, m. (-[e]s, PI. e): Festigkeit, Stütze (1691 bei Stieler); festes Benehmen (Goethe 23, 178); das Anhalten (Opitz 2, 131); Hinter- halt (Voß Ilias 6, 189, schon spätmhd. im 1 5, Jh.). Von halten, v. (Präs. halte, hältst, hält, Pr'dt' hielt, Konj. hielte, Part, gehalten, Imp. halt, halte): in Fürsorge und Aufsicht haben ; festsein und -bleiben woran usw. Mhd. halten, urspr. Verbum. des Hirtenlebens: ahd. haltan. halthan (Prät. 7Ma?f) «hüten, als Hirte das Vieh» (Otfrid 1, 12, 1), «bewahren, ver- wahren», asächs. AaWaw (Prät. /;eM) «hüten, in Pflege haben, bewahren, fest haben, preisen, feiern», ags. healdan «bewachen, leiten, inne- haben, fest-, aufrechthalten», engl, hold, afries. halda «beobachten, leiten, festhaben» usw., anord. halda, altschwed. /, die weiter zu got. haifsts f. «Streit, Zank, Wettkampf» gehören. Weitre Herkxmft ist un- sicher. Zu aind.fc^is «übelgesinnt»? (ühlen- beck), ir. ciopaim- «quäle» (Zupitza KZ. 36, 244), zu aind.ctbham «rasch, schnell» (Zupitza 182), zu abg. cepiti «spalten». Bei Wieland Idrisl64Basf m. Davon hasteil, v.: jäh eilen, gegen Ende des 18. Jh. in die Schriftsprache auferenommen, vereinzelt schon im 16. .Jh. bei Wickgram Ovid 5, 13 und 1573 bei Fischart Flöhh. 1737, sich hasten 1691 bei Stieler, aus mnd. und mndl. hasten, hastig, adj., 1691 bei Stieler, schon mhd. hastec-, hestecliche Adv. (neben haste-, hesteltche, mnd. haste- like) aus mnd. hastich, dazu mndl. haestich. {ifr'ies.Mestig. Hastigkeit, f., 1691 bei Stieler. hätscheln, v. : zärtlich, allzu sorgfältig behandeln. Bereits 1691 bei Stieler hätscheln, 1711 bei Rädlein hätscheln, aber ursprüng- licher wohl «auf der Eisglitschbahn hingleiten» (fränkisch, dafür höscheln bei Rädlein), Dim. ■von hatschen, Mfoc/ie?i «schleppend, schleifend gehen» {heischen Franck Sprichw. 2, 10^, Fi- schart Garg. 362), tirol. hatschen «streichelnd liebkosen ;>. HatSChier, m. (-.?, PI. -e): Leibtrabant, ehemals zu Pferde. Schon im 17. Jh. (Duez 1664) aus dem noch daneben und früher vor- kommenden Hartschier (frühnhd. im 16. Jh. harschier, herschierer, e)~dschier, im 15. Jh. liertschier Sachsenheim Mörin 478, artschierer 1402 bei Janssen Reichskorr. 1, 660, 7), aus ital. amere, arcierovo.. «Bogenschütze», franz. im 12. Jh. archer, von ital. arco, lat. arcus ni. «Bogen». Hatz, f. (PI. -en): Jagd mit Hetzen der Hunde; dann bildlich. Im 16. Jh. bei Aven- tinus 2, 466, 33 Hatz f., eig. Hatze (Stieler 1691), oberdeutsch unumgelautet, eins mit Hetze (s. d.); verschieden davon in der Bil- dung ältemhd. Hatz m. (Liliencron Yolksl. 2, 82, Murner Xan-enb.63, 5). Yon hetzen (s. d.). Hau, m. (-es, PI. -e): Waldoi-t, wo das Holz abgehauen wird. Mhd. hou m. (Gen. houwes) «Holzhieb, Hiebabteilung eines Wal- des», von hauen (s. d.). Eig. der Hau «Hieb» (1539 bei Braunschweig Chir. 37 Haiv, mnd. houw m.). Haube, f. (PI. -w): i-undliche Kopfbe- kleidung; ihr in Form, Uberdeckung usw. Ähnliches. Mhd. hübe f. «Kopfbedeckung für Männer und Weiber», bes. «für Soldaten» (Sturmhaube), ahd. hüba f.; dazu mnd. hüve, ndl. huif, ags. hüfe f., anord. hüfa f. «Mütze, Kappe», schwed. hufva, dän. hue «Haube». Dazu anord. hüfr m. «Bauch der SchifFsseite», ags. hyfi., engl. Aive« Bienenkorb» und weiter gT. KÜirr) f. «Höhle» (Hesych), KÜireWov n. «Becher», lat. cüpa f. «Tonne, Kufe», aind. küpas m. «Grabe, Höhle». Vgl. Walde s. v. ABL. hauheu, v.: mit einer Haube be- kleiden, mhd. hüben, häuheln, v.: mit einem Häubchen überdecken, 1691 bei Stieler haubelen, in der Bed. «einem tüchtig auf die Haube gehen» 1573 bei Fischart Flöhh. 1282 häublen, zu mhd./tm&eZ n. «Häubchem>. ZUS. Hauben- lerche, f. : Lerchenart mit einer Haube, d. h. 6 — 12 hervorstehenden Federn oben auf dem Kopf, 1557 bei Heußlm Vogelb. 170» Heübel- lerch, bei Duez 1664 Haubellei'che (zum Dim. mhd. hiubel n. «Häubchen»). Haubitze, f. (PI. -n): gi-obes Geschütz zu Kartätschen, Granaten usw. Im 15. Jh. hauffnitz, hauffenitz, seit den Hussitenkriegen, aus tschech. houfnice, houfenice f., das urspr. (hölzerne) Schleuder für Steine bed. Gegen Ende des 17. Jh. anstatt der Kammerstücke wieder aufgekommen, 1691 bei Stieler Hau- bitz f., 1711 bei Rädlein Haubitz m. Hauch, m. (-es, PI. -e): aus dem Munde gehende Luft: sanftes Wehen. 1663 bei Schbttel. Von haucheu, V., mhd. (noch selten) hüchen, seit Luther allmählich (im 17. Jh. bei Duez, Krämer usw.) in Auf- nahme gekommen. Ein lautmalendes Wort (Frisch 1741). Vgl. hauchen. hauderu, v.: gewerbsmäßig Reisende für Lohn mit Pferd und Wagen fahren. 1627 bei Zincgref Schulbossen 11 haudern, mit eingetretnem d aus spätmhd. huren «auf einem Mietpferd reiten, in einem Mietwagen fähigen » (beide Bed. 1418 bei Janssen Reichskon-. 1, 318), mnd. und mndl. huren «mieten» (s. Heuer f.). ABL. Hauderer, m.: Miet-, Lohnkutscher, 1590 bei Fischart Garg. 15 Huder er. Haue, f. (PI. -n): Haugerät zur Feld- arbeit. Mhd. houwe, ahd. houwa f. Von hauen, v. (Prät. hieb, Konj. hiebe, Part, ge- hauen): schneidend einschlagen; eindringlich schlagen. Mhd. houwen (Prät. hie und hiew, md. im 14. Jh. hieb und Mb, Plur. hiewen, Part, gehouwen), ahd. houwan (Prät. hiu, hio, PI. himven), , daneben schwachbiegend mhd. homcen (Prät. houte, nhd. haute), ahd. houwon (in gihouwön): dazu starkflekt. asächs. gihauwan, 821 hanem Haupt 822 mnd. und imidl. houwen, ags. heawan (Prät. heoio), engl, hew, anord. Jiöggva (Pi-ät. hjö), schwed. Imgga, dän. Jmgge. Urverwandt niit abg. kovati «schlagen, schmieden», kovaci m. «Schmied», lit. käuti «schlagen, schmieden;;, kovä f. «Kampf». Dazu mit Wurzelerweite- rung lat. cüdere '^ hauen», ir. cüaä «Kampf.. Vgl. noch Walde s. v. ABL. Hauer, m.: Holzfäller (spätmhd. hawer): Erzhauer im Bergwerk (mhd. hower, hemcei' Freiberger Bergrecht § •22, nhd. nur Häuer); Hau- zahn des Ebers (mhd. im 1-i. Jh. hawer); das männhche Wildschwein (im 16. Jh. bei Kirchhoff Wendunm. 247^ Hauwer). ZUS. Haudegen, m.: Schlagdegen (1658 beiSchoch Stud. G 3 ^ Hmcdegen), übertr. derber Krieger (1803 bei Seume Spaz. 37). Haulaud, n.: zu Ackerland anget'odeter Waldboden, erst spät im 18. Jh. hauerU'; v. : zusammengebückt sitzen (Wie- land 21, 46), s. kauern. Haufe(n), m. {-ns, PI. -n) -. Menge beiein- ander befindlicher oder übereinander liegen- der Dinge, Schar. Mhd. hüfe, ahd. hüfo m. (Gen. hüfin), mit Übergang in starke Biegung frühmhd. hüf m. (Gen. hüfes), woneben md. und seltner ahd. houfm. (Gen. Iioufes), schon bei Luther Haufen, aber noch bei Goethe Faust 402 Haufm. ; dazu asächs. höp, mnd. höp, hope, hupe, afries. häp, ags. heap m., engl. heap, aus dem Niederd. entlehnt anord. höpr m. Man vergleicht abg. kupv, lit. kanpas m. «Haufen», kupstas m. - Erdhöcker/, lett. kupt «sich zusammenballen).. Da die Lautver- schiebung nicht stimmt, muß germ. p aus pn entstanden sein, häufeln, v., im 15. Jh. hüffeln, houffeln, hawfeln, abgeleitet von dem Dim hüff'el «Häufel» (15. Jahrb.). ABL. häufen, v., bei Luther heuffen, mhd. hüfen und houfen, ahd. hüfon und houfm, mnd.hqjen. häufig, adj., in der Bed. «zu Häuf ge- schichtet, haufenweise» 1540 bei Alberus dict. gg3^ heuffig, 1514 bei Keisersberg Schiff d. Penit. 125'^ häuf echt: in der Bed. «oft» 1775 bei Adelung. Häufigkeit, f., 1691 bei Stieler. ZUS. haufenweise, adv., 1578 bei Fischai-t Ehzuchtb. J4'^ hauffenweis. Hang, m. (-es, PI. -e): Hügel. In Berg- und Ortsnamen wie Donnershaug, Arnshaugk. Mhd. und ahd. houc n. (Gen. houges): dazu anord. haugr m., dän. höi, engl, how in Orts- namen, Aus dem Germanischen entlehnt nor- mann. hogue «Hügel». Mit grammatischem Wechsel zu hoch (s. d.) und Hügel. Hauhechel, f. (PI. -n): die Hülsenpflanze Ononis. 1561 bei Maaler Hamvhechel, 1537 bei Dasypodius Hemvhechel, d. h. Hechel (Stachelpflanze), in der, da sie gern an Wiesen- rainen wächst, das Heu leicht hangen bleibt. Haupt, n. (-es, PI. Häupter): Kopf; das Oberste, Höchste, Tomehmste (schon ahd.). Mhd. honhef, houht, houpt, ahd. houhit, houpit n.; dazu asächs. höbid, mnd. hövet. höft, nndl. hoofd, afries. häved, häfd, häd, ags. heafod, engl, head, anord. (mit urspr. a in der Wui'zel- silbe) höfud, schwed. hufvud, dän. hoved, got, hauhiß n. Daneben mit a in der Wurzel- silbe ags. hafela m. «Kopf», urverwandt mit aind. kapalam n. «Schädel, Schale», kapüc- chalam n. «das Haar am Hinterhaupt», lat. Caput n. «Kopf», capillus m. «Haupthaar». Das Verhältnis von au zu a ist noch nicht genügend aufgeklärt, doch liegt wahrschein- lich alter Ablaut vor (au: iva) mit Schwund des w nach k. Mit Umlaut (wegen i in -it) mhd. und md. höuhet, heiibet, heuhf, im 16. und 17. Jh. Heubt (PI. Heubt und Heubter), noch erhalten im Dat. PI. zu Häupten (ahd. zen houbiton), mnd. hövet, nnd. höftn. «Spitze, Ecke», md. Heid, Heed n. (hess. Häubt, Häud) «Krauthaupt», 1751 bei Picander 5, 283 Heet n. «Kopf». ABL. haupten, v., in be-, ent- haupten, mhd. houbeten, houpten, ahd. houbiton «den Kopf abschlagen», im Mhd. intr. «wie einem Haupt anhängen». Häuptling, m., 1741 bei Frisch aus Ostfriesland, afries. hävd- ling neben hävding m. «Mitglied des friesischen Adels», in allgemeiner Bed. 1808 bei Campe. häuptlingS, adv., bei Voß Ovid 1, 91, im 16. Jh. bei Th. Platter 96 häubtlingen, mhd. houbetlingen «kopfüber». ZUS. Hauptbuch, n., 1616 bei Henisch. Haupthaar, n., mhd. houbethär n. Hauptmann, m., mhd. houbet- man, ahd. houpitman m. «der Oberste, der Erste unter Seinesgleichen», im Mhd. auch «der Anführer im Kriege, Oberbefehlshaber», um 1480 im Voc. ine. teut. 13* hauptman «Befehlshaber über ein Fähnlein», 1561 bei Maaler Hauptmann über hundert «centuiio», Hauptmann über tausend «chiliarchus»; der Plur. Hauptleute, mhd. houbetliute. Seit 1842 in Preußen für Kapitän eingeführt (ZfdW. 1, 76). Hauptquartier, n., 1617 im Teutschen Michel 17. Hauptsache, f., im 15. Jh. haupt-, heuptsach f. «Rechtsstreit, Prozeß»; im allge- meineren Sinne bei Luther 5, 115^ Heubtsache. hauptsächlich, adj., 1578 bei Fischart Ehzuchtb. N 7^. Hauptsatz, m., 1781 bei 823 Hans Haus 824 Meiner. Vgl. Jellinek Idg. Forsch. 19, 272. Hauptstadt, f., mhd. houhetstat f. Haupt- stück, n., spätmhd. houhetstücke n. «Kopf- stück», auch «grobes Geschütz»; in der Bed. «hauptsächliches Stück» bei Luther 7, 29* Hauptstück. Hauptwache, f., 1691 bei Stieler, dafür 1641 bei Schotte! 379 Hauptivacht. Hauptwort, n.-. Substantivum, 1748 bei Gottsched Sprachkunst; in der allgem. Bed. «hauptsächliches Wort» 1691 bei Stieler. Haus, n. (Gen. Hauses, PI. Häuser): er- baute Menschenwohnung; (edles) Geschlecht; mhd. und ahd. hüs n. (PI. mhd. liüs und liiusir, ahd. liüs und hüsir), im 11. Jh. auch Jious; dazu asächs.-mndl.-afries.-ags. Ms, anord. hüs, nndl. huis, engl, house, schwed. /ms, dän. Jmus n., got. nur in guäliüs n. «Gotteshaus, Tempel». Gewöhnlich wird Hütte (s. d.) ver- glichen, und beide dann zu ags. hydan «ver- bergen», gr. K€ÜOeiv «verbergen» gestellt. Das ist aber dui'chaus nicht sicher. Man müßte von einer Bedeutung «bedecken» ausgehen. Anderseits bietet sich aind. kösas m. «Behälter, Scheide, Vorratskammer, Schatzkammer», lit. Uäuse f. «Hirnschädel», anord. hauss m. «Schädel» zur Vergleichung. Und schließlich ist auch Ableitung von kauen denkbai*. Aus dem Germanischen entlehnt abg. cliyzü «Haus». Der alte Dat. PI. Hausen, mhd. hüsen, ahd. liüsun, ist nur noch Ortsname. ABL. hauSGU, V., mhd. und mnd. hüsen «wohnen, ins Haus aufnehmen», spätmhd. im 15. Jh. «übel wirt- schaften, wüsten», ahd. hüsön «wohnen»; da- von Hausung, f.: Wohnung, Unterkunft in einem Hause, mhd. hüsunge f. hausieren, V.: feilbietend von Haus zu Haus gehen, im 15. Jh. hawsiren (Nürnb. Pol.-Ordn. 133), mnd. huseren, huserern; im 16. Jh. auch in der Bed. «wohnen» (Fischart Barf. 4603). Hau- sierer, m.: von Haus zu Haus ziehender Händler, 1545 im Rotweiler Stadtrecht 1, 52^ Husierer. Häuslein, n., mhd. hiuselin, ahd. hüsilin n. Daneben mhd. hiusel n., wo- von Häusler, m.: Dorfbewohner, der nur ein Haus ohne Feld besitzt, 1691 bei Stieler. häuslich, adj., um 1480 bei Melber g 7* hußlich «zum Haus gehörend», als Adv. spät- mhd. hüslichen, Muslich «mit Haus»; in der Bed. «gern um das Hauswesen sich küm- mernd» \)e\\j\xi\\Qr heuslich. Häuslichkeit, f. : das Hauswesen (1575 bei Fischart Garg. 92) ; die Liebe zur Hauswirtschaft (1562 bei Mathe- sius Sar. 9 ^ HeußUgkeyt). ZUS. hausbacken, part. Adj.: für den Hausbedarf gebacken, 1691 bei Stieler, haußgehachen 1616 beiHenisch; in Übertrag. Bed. bei Goethe 41, 1, 852. Haus- ehre, f., mhd. hüsere f. «Ehre des Hauses, die sich in Freigebigkeit und Gastlichkeit, in der Sicherheit und Ruhe des Hauses zeigt, Ehre des Hausherrn, Verwaltung des Haus- wesens, Haushaltung», im 16. Jh. «Hausfrau, Hausmutter» (Luther Ps. 68, 13, Alberus Ebb. G3''). Hauser(e)n, m.: Hausflur, ober- deutsch-hessisch, 1588 bei Tabernämontanus Hausehren, s. Em. Hausflur, m. und f., 1775 bei Adelung. Hausfrau, f., mhd. hüs- vrouwe, -vrou f. haushalten, v., mhd. hüs- halten; davon Haushalt, m., 1679 bei Löh- neys Regierkunst 345^; Haushalter, Haus- hälter, m., bei Luther Haushalter; Haus- hälterin, f., 1578 bei Fischart Ehz. H 2^ Haushälterin, anders spätmhd. 1409 hüse-, hüß- Jialterin f. «Bordellwirtin»; haushälterisch, adj., 1741 heiFrischhaushalterisch, neben haus- haltisch im 17. Jh. (Simpl. 4, 6 Kz.j. Haus- herr, m., mhd. hüsherre m. Hausknecht, m., spätmhd. hüskneht m. Hauskreuz, n., 1659 bei Butschky Kanzl. 44. Hauslauch, m. : Hauswurz, mhd. hüslouch m. hausmachend, part.: im eignen Hause zugerichtet, für den Hausbedarf gemacht, 1772 bei Bode Humphry Klinker 1, 122. Hausmann, m., mhd. hüs- man m. «Hausvater, Hausbewohner, Miets- mann, auf dem Turm wohnender Burgwart», bei Luther 1, 370^ «Türmer in der Stadt», bei Adelung 1775 «Beschließer des Hauses»; dazu Hausmannskost, f.: Hauskost, 1556 bei Wickram Nachb. 73^. Hausmeier, m.: Vorsteher der Hofhaltung. Übersetzung des lat. major domus. Seit dem 16. Jh. bezeugt. 1574 bei Kilian huysmeyer. Hausmeister, m.: Hausverwalter, 1678 bei Krämer, in der Bed. «Hausherr» 1561 bei Maaler. Haus- mittel, 1691 bei Stieler. Hausrat, m., mhd. hüsrät m. «die für einen Haushalt erforderlichen Hausgeräte, auch die Haus- tiere». Hausrecht, n., 1691 bei stieler. Hausstand, m.: Haushalt, 1641 bei Schottel 868. Haussuchung,f.: Durchforschungeines Hauses zur Ermittlung eines Verbrechens, 1517 bei Trochus M 6** hußsuchung, dagegen mhd. hüssuochunge f. «Hausfriedensbruch», mnd. hussokinge f. in beiden Bed. Haustier, n., 1775 bei Adelung. HausTater, m., spätmhd. hüsvater. Hauswesen, n., 1620 bei Alber- tinus Lustga^-t. 9. Hauswirt, m., mhd. hüs- wirt m. «Hausherr, Hausbesitzer, Vorstand einer Haushaltung». HauSWUrz, f.: das 825 Hausen Hebel 826 auf den Dächern wachsende saftige Kraut i Sempervivxim, mhd. und ahd. hüsicurz f. j Hauszins, m.: Mietgeld für Wohnung, mhd. ■ hüszins m. Hausen, m. (s, PI. wie Sg.): der große Stör. Mhd. hüse, schon im 13. Jh. auch hüsen, ahd. hüso m., mnd. hnsen m. In welchem i Verhältnis dazu tschech. vyz, polu. tvyz m. I « Hausen ••> stehen, ist unklar, wahrscheinlich ! sind sie entlehnt. Da der Kopf des Hausen gepanzert ist, könnte man mit Falk-Torp an Zusammenhang mit anord. hauss m. «Schädel», lit. k'duse f. «Hirnschale» denken. ZTJS. Hausenl)lase, f.: Leim aus der Leimblase des Hausens, 1562 bei Mathesius Sai*. 47^ Hausenplase. hauß, haußen, adv.: hier außen. Mhd. hü^e, md. hügen, zsgez. aus Jde f/je, hie ügen, wie mhd, Mnne aus hie inne. Hausse, (spr. Höße) f.: das Steigen der Wertpapiere. Aus gleichbed. frz. hausse f., das zu haut «hoch» (aus lat. altus) gehört. Erst im 19. Jh. Gegensatz Baisse f. «das Sinken der Wertpapiere» aus gleichbed. frz. haisse f. (von lat. hassiis «niedrig»). Hauste, m. (-n, PI. -w) und Hausten, m. (-S, PI. wie S».): Haufen, aufgestellter Frucht-, Heuhaufen. Mhd. huste m., im 16. Jh. hauste m. «Haufen»; dazu clev. 1477 huyst «Komhaufen». Aus *hüfste zu Haufen (s. d.). Haut, f. (PI. Häute): die natürliche Decke des Tier- oder Pflanzenkörpers; übertr. der Mensch selbst (schon mhd.). In ui'spr. Bed. mhd. und ahd. hüt f. (PI. mhd. Mute, Mut, ahd. hüti)\ dazu andd. hüd, ndl. huid, afries. hUd und hede, ags. hyd, engl, hide, anord. hUd f., schwed.-dän. hud. Urverwandt mit lat. cutis f. «Haut», gr. kOtoc n. «Haut, Hülle», ^-fKUTi Adv. «bis auf die Haut», apreuß. keuto «Haut», Yit.k'autai m. PI. «Eierschalen», (mit s-Präfix) gr. ckOtoc n. «Haut, Leder», lat. scütuni n. «Schild». Vgl. Schote. ABL. häuten, V., 1741 bei Frisch trans. u. refl., mhd. in Mj-, enthiuten; dagegen ist häutein, v., bei Frisch 1741, von spätmhd. heutel n. «Häutchen» abgeleitet, häutig, adj. in dick-, tveißhäutig, mhd. wi^hiutec. Häutung, f, bei Goethe 26, 191. ZTJS. Auf der Volksredensart in die Haut hinein = durchaus, von Gnind aus, beruhen: hautehrlich, adj.: grundehrlich, bei Maler Müller ,3, 64: hautsatt, adj.: völlig satt, ebenda 2, 23; hautreich, adj.: gi-und- reich, bei Hebel im geheilten Patienten. HaTarie, f. (PI. -n): Schaden an dem Schiff und dessen Ladung außer dem Hafen; allerlei Schiffsunkosten, als Hafen-, Lotsen-, Ankergeld etc. 1716 bei Ludwig Äverey, Avarie. Haverey, Hafer ey, nd. 1582 bei Chy- träus Cap. 36 haferye f., mndl. im 16. Jh. averije, haverije, nndl. avarij. havarij f., aus gleichbed. franz. avarie, ital. avaria f., mlat. Ende des 14. Jh. aus genuesischen Quellen avaria, vielleicht aus arab. 'aicär «Gebrechen, Beschädigung, beschädigte Ware», auwara «beschädigen». Die Form mit h wohl im Gedanken an Hafen. he! Interj. der Anrede, des Fragens, Lachens, Spottens. Mhd. he als Interj. der Anrede, Anfang des 16. Jh. im Friedberger Passionsspiel Bl. 30 '^ he he he als Interj. des Lachens. Hebamme, f. (PI. -n)-. Gebm-tshelferin, Wehmutter. Mhd. im 15. Jh. hehamnie, im 12. Jh. heve-, hev-, hefammet, mit Anlehnung an Amme (s. d.) aus ahd. hevanna, hevianna, hefihanna f., das entweder eine Verbalableitung von heben (s. d.) oder wahrscheinlicher Zu- sammensetzung mit ahd. ana, mhd. ane f. «Großmutter» (s. Ahn) ist. Daneben spätmhd. heh-, hevemuter (Diefenb. gl. 390 ■'^), mnd. heve- moder f. Hessisch, heißt die Hebamme Elter, Eller f., das urspr. Großmutter bed.; nndl. vroedvrouiv f., von vroed «klug, weise» (ahd. frot, fruot, got. fröps), franz. sage-femme f. Hebel, m. (-s, PI. wie Sg.): Hebestange. Spätmhd. 1432 hehel m. in dieser Bedeutung, Aber schon ahd. hevil, hevilo m. «Hefe», eigentlich «Hebemittel». Von beben, v. (Prät. hob, Konj, höbe, Part, gehoben): in die Höhe bewegen ; wegschaffen. Mhd. heben, heven, md. auch haben, ahd. heffan, heven; dazu asächs. hebbian, mnd. heven, nndl. heffen, afries. heva, ags. hebban, engl, heave, anord. hefja, schwed. häfva, dän. häve, got. hafjan. Das Prät lautet mhd. und ahd. huop, älternhd, und noch in der Dichtersprache hub, das Part, mhd, gehaben, ahd. haban, noch 1690 bei Bödiker gehaben neben gehoben, in Zusammen- setzungen bei Herder 1, 95 und Wieland 21, 72 aufgehaben. Urvei-wandt mit lat. capere «fassen», gr. Kujirri f. «Griff». Vgl, Haft, Hefe. ABL. Hebe, f.: jüdisches Hebopfer, bei Luther, mit Beziehung auf einen Gebrauch feierlicher Hebung in die Höhe, Heber, m,: Werkzeug zum Heben von Gegenständen (Maaler 1561) und Flüssigkeiten (Stieler 1691). Hebung, f,, spätmhd, in ent-, nfhebunge; bei Luther Hebung f. in der Bed. «Opfer»; 827 Hebräer Hedwig 828 seit Ende des 18. Jb. Hebung und Senkung] für gr. äpcic und eecic. ZUS. Hebebaiim, j m., mhd. hebeboum m. j Hebräer, aucli Ebräer m. {-s, PI. wie j Sg.): der Jude. 1534 bei Dietenberger Jfe- hreer, bei Luther Ehreer, aus lat. Hehraeus, von hebr. 'ibrl «der von jenseit des Euphrat Gekommene» (hebr. 'eher m. «der Übergang, das Jenseitige»), zunächst von Abraham ge- braucht (1. Mos. 14, 13). hebräisch, ebrä- isch, adj., mhd. hebreisch, hebräisch, ebreisch, ahd. hebreisc, ebräisc, ehreisc, nach dem gr.- lat. Adj. hebraicus. Hechel, f. (PI. -n): Stachelwerkzeug zum Durchziehen des Flachses und Hanfes. Mhd. hechel, hachel f.; dazu mnd. hekele, ndl. hekel, mittelengl. hechel, engl, hatchel und hackte, (entlehnt aus dem Mnd.) schwed. häckla f., dän. hegle. Von ahd. hecchen, mhd. hecken « hauen, stechen ». Kaum verwandt mit Haken. ABL. hecheln, v., mhd. hecheln, hachein, mnd. hekelen, asächs. ihekilod «gehechelt»; übertr. «prügeln» im 13. Jh. bei Hugo v. Trim- berg Renner 15049, «vexieren» 1664 bei Duez, «tadelnd verspotten» 1678 bei Krämer. Da- von Hechler, m., bei Stieler 1691. Hechse, s. Hachse. Hecht, m. (-es, PI. -e): der Raubfisch Esox lucius; raubgieriger Mensch (mhd. im 14. Jh.), loser Kerl (Wieland 18, 147); studen- tisch der beißende dichte Tabakrauch (19. Jh.). In urspr. Bed. mhd. hechet, hecht, ahd. ha- chit, hechit m.; dazu and. hacth, mnd. und mndl. heket, ags. hacod, hceced m. Vielleicht von seinem stachlichten Gebiß oder seiner auf- fallend spitzen Schnauze benannt und gleichen Stammes wie ahd. hecchen, mhd. hecken «stechen» (s. Hechel). Vgl. mnd. hekele «Stichling». ZUS. Hechtschimmel, m.: Pferd von hechtgrauer Farbe. Heck, n. (-S, PI. -e).: breite in einge- koppelten Feldern den Fahrweg hemmende Gatter- oder geflochtene Türe (1795 bei Voß Ged. 102); gegatterte Hoftüre (Hermes So- phiens Reise 4, 186); der hinterste oberste Teil des Schiff"es (Jacobsson 1798 und Röding), früher mit einer Einfassung von Stützen ver- sehen, die durch Taue oder Ketten verbunden waren. In Norddeutschland. Mnd. heck n. «Hecke, Umzäunung, Einfassung, Tor» (von Holz), 1741 bei Frisch «das den Ein- und Ausgang desDorfes verschließende geflochtene Gatter oder Zufalltor». Entsprechend mhd. heck n. «Hecke, Zaun», s. ^ Hecke. ^ Hecke, f. (PI -n)-. Gebüsch; Zaun. Mhd. hecke, hegge, ahd. hegga f., daneben mhd. hecke, heck n. «Dorngebüsch, Umzäunung >^ Entsprechend mittelengl. hegge f., engl, hedge, neben ags. hege m. «Umzäunung». Ableitung von Hag (s. d.). Davon heckig, heckicht, adj., 1662 bei Stoer 236^, heckechtig 1537 bei Dasypodius ; das Subst. Heckicht n., um 1480 im Voc. ine. teut. 1 4^ heckig. ZUS. Hecken-, Heckfeuer, n.: Kleingewehrfeuer Einzelner aus dem Gliede, bei Hippel W. 1, 340 von 1778 Heckenfeuer. Heckenreiter, m.: Strauchdieb, Buschklepper, 1512 bei Lilien- cron Volksl. 3, 76^ heckenreiter , 1517 bei Janssen Reichskorr. 2, 921 heckenreivter m., neben heckenruytery f. 2, 875 von 1512 (s. Reiter). Heckenrose, f.: Hagerose, 1546 bei Bock 2, 19*^ Heckrose, 1664 bei Duez Heckenrose. Heckwirt, m.: Wirt einer Winkelschenke, mhd. hecken-, heckioirt. "Hecke, f. (PI. -n)-. Fortpflanzung durch Junge oder Brüten. 1731 bei Zinck öcon. Lex. und 1710 bei Philander v. d. Linde galant. Ged. 67; dazu mittelengl. hacche, engl, hatch «das Blüten, die Brut». Von hecken, v., 1482 außhecken «ausbrüten» Voc. theut. 0 2** und e3'', mhd. sich hecken «sich fortpflanzen» (von Vögeln); dazu mittelengl. hacchen, engl. hatch «ausbrüten». Gleichen Stammes wie mhd. hagen m. «Zuchtstier» (s. Hacksch) und ahd. hega-, hegidruos, mhd. hege-, heidruos f. «Hode, Zeugungsglied», and. heidrosi «ve- renda». ZUS. Hecke-, Hecktaler, m.: Zaubertaler zum Reichwerden, 1691 bei Stieler Hecktaler, 1570 im Abschied des Reichstags von Speier § 133 Heckenmüntze. Hede, f. (PI. -n): Werg. Norddeutsch (Moser Phantas. 1, 116), 1517 bei Trochus K 6=^ hede, bei Frisch 1741 Heede. Aus mnd.-nnd. und afries. hede f., müt Ausfall des r aus mndl. herde, heerde «Flachsfaser», entsprechend ags. heorde f., engl, hards PI. «Flachshede». S. Haar ^. Hederich, m, (-s, PI. -e): Gundelrebe, Hedera terrestris oder Glecoma hederacea; wilder Senf, erysimum, mhd.-ahd. hederich, hederich m., mnd. hederik, hedderick. Unter Einwirkung von Wegerich umgebildet aus dem lat. Adj. heder äceus «efeuähnlich», oder dessen Stammwort hedera f. «Efeu» nach- gebildet, wohl zuerst von der efeuähnlich kriechenden i Gundelrebe. Hedwig, Frauenuame, mhd. Hedwig, ahd. Hade-, Hathmvig, zgs. mit ahd. hadu- 829 Heer heftig 830 «Kampf» (s. Hader) und ahd.-mhd. wie m. «Krieg, Schlacht». Heer, n. (-es, PI. -e). Bei Luther Heer, mhd. her, älter here, ahd. hari, Jieri n. (Gen. herjes, Dat. herige); dazu asächs. heri m. «Menge, Volk», mndl. heir n., afries. /lere und hiri m. n., ags. Äere m. (Gen. heriges), anord. herr m., schwed.-dän. här m., got. harjis m., chario- in germanischeu Eigen- namen zur Römerzeit Chariomerus, Chario - valda. Urverwandt mit altpreuß. karjis «Heer», kariawoytis «Heerschau», lit. karias m. «Heer», käras m. «Krieg», abg. kara f. «Streit», altir. aiire «Heer, Schar». Dazu auch gr. Koipavoc m. «Heerführer, Herrscher» aus *korjanos, das Bugge Btr. 21, 422 mit anord. Herjann, einem oft vorkommenden Namen Odins verglichen hat. Vgl. Herberge, Herzog. ABL. heeren, v.: mit einem Heere d. li. mit Krieg überziehen, dann verwüsten, berauben, ältemhd. heren, hergen, jetzt nur noch in verheeren, aber noch fränk. heren «übel hausen», bayr. hergen «verwüsten», mhd. heren, hern, aber auch herjen, herigen, hergen, ahd. herjan und harjon, herjon, her- rdn\ dazu ags. herigan, engl, harry, harroiv «plündern», anord. herja «Krieg führen, plün- dern, einen Eaubzug unternehmen», schwed. här ja, dän. härje «verheeren». ZUS. Heer- bann, m.: Aufgebot sich zum Ki'iegsheere zu stellen, mhd. herhan, ahd. heriban m. «Aufgebot der Freien zur Heeresfolge», im Mhd. «die Mannschaft durch Aufgebot», da- her altertümlich bei Schiller Teil 2, 2 Heri- hann m. Heerbiene, f.: Eaubbiene, 1765 bei Overbeck Bienenwörterb. 39, zu heeren (s. d.). Heerfahrt, f., mhd. hervart, ahd. herifartt Heerführer, m., mhd. herfuerer im Voc. opt. 23, 6. Heergewäte, Heer- gewette, n.: die fahrende Habe, die sich auf Bewaffnung und Rüstung des Mannes bezieht und nur auf den Mannsstamm und Verwandte männlicher Seite forter1)en kann (vgl. die Gerade), mhd. hergewcete n., eig. «Kriegsgewand, Kriegsrüstung» (ahd. giwäti n. ist Kollektiv von wät f. «Kleidung»), mnd. herwete, herewede und hergeivede n., 1663 bei Schottel 483 Heergewette. Heerhorn, n., mhd. here-, herhorn, ahd. herihorn n. Heer- melster, m.: Vorgesetzter eines Gebietes bei Ritterorden und Anführer des Ordens- heeres, 1734 bei Steinbach. Heerrauch, s. Herauch. Heerschar, f., mhd. herscJmr f. Heerschau, f.: Besichtigung eines ausge- rückten Heeres in und zu Kriegstüchtigkeit, mhd. herschouwe f. Heersteuer, f.: Kriegs- steuer, von Kriegsdienst befreiende Lehn- gutssteuer, mhd. herstiure, ahd. heristiura f. Heerstraße, f.: Landstraße, 1517 bei Tro- chus J4* hehrstraß, «via regia», ahd. heri- strä^a f. (md. im 14. Jh. hersträge f. «Milch- straße am Himmel»), ags. herestrcef f. Heer- wagen, m.: Rüst-, Kriegswagen bei Feld- zügen, Sternbild des großen Bäi-en, mhd. herivagen in beiden Bed. Heerweg, m., mhd. herivec m. Heerwurm, m.: wie ein Wurm (Schlange) lang dahinziehendes Heer, bei Goethe 7, 177: in dichten Scharen ziehende Raupenart, 1775 bei Adelung. Heerling, s. Herling. Hefe, f. (PI. -n): durch Gärung ausge- schiedne und wieder Gäning erzeugende Sproßpilze; bildl. Auswurf, Bodensatz (im 15. Jh. Städtechron. 3, 142, 21). In urspr. Bed. bei Luther Hefen f., aber noch im 18. Jh. bei Hagedoi-n Od. 48, Klopstock, Bürger 85, Hölty Kenner 145 Hefen m., mhd. hehe, heve, hefe, hepfen m. und f., spätahd. hepho m., woneben mhd. hevele, hefel m, und hebel n., ahd. hevil, hevilo m. «Hefe», zu ahd. hefjan «heben» (s. d.); dazu ndl. hef, heffe f., ags. hcßfe m. Vgl. Bärme. ABL. hefig, adj.,"l711 bei Rädlein, hefficht 1678 bei Krämer. Heft, n. (-es, PI. -e): Handhabe eines Schneide-, Stechwerkzeugs; Spangennadel zum Festhalten (1517 bei Tro"chusR2» heffte, 1716 bei Ludwig Heftm.); geheftetes Papier (1740 bei Hagedorn 1, 57). In der 1. Bed. mhd. hefte, ahd. hefti n. «Messer-, SchwertgriflF». heften, v., mhd. heften, ahd. heften «fest- haltend (haß) machen, befestigen»; dazu andfrk. heftian, ags. hceftan «heften», got. Imftjan «sich anhängen», eine Ableitung vom Adj. ahd. haft, got. hafts (s. -haft). Heftel, m. und n. (-s, PI. wie Sg.): Häkchen am Kleide zum Festhaken, mhd. heftel, haftet n. neben heftelin, haftelin n. «Spange zum Zu- sammenhalten des Kleides», Dim. zu mhd.- ahd. haft m. «Band, Halter» (s. ^Haft); dazu Heftelmacher, m., 1568 bei H. Sachs Be- schreib, aller Stände d 2. Davon heftein, V., 1691 bei Stieler hefteten. ZUS. mit heften: Heftpflaster, n., 1741 bei Frisch. Heft- zwecke, f., junge Bildung. heftig, adj.: sehr streng, ungestüm. Mhd. heftec, heftic, auch haftig, häftig «festbleibend, beharriicli, mit Beschlag belegt», dann «ernst, 831 Hege Heide 832 wichtig, stark, ungestüm», aus spätahd. heiftig, Adv. heifteclichen «ungestüm», mhd. Adv. liaifdichen (Kaiserchron. 188, 1 Diemer) nebst dem mhd. und spätahd. Adj. heifte «unge- stüm» (noch bayr. halft), gleichen Stammes wie got. haifsts m. «Streit, Zank» (s. Hast). Vgl. noch Uhlenbeck Btr. 30, 286. ABL. Heftigkeit, f., 1482 im Voc. theut. o 1^ liefftigkeit. Hege, f. (PI. -n): Schutz; durch Verbot geschützte Fläche. Mhd. hege, ahd. hegt f. «abschließende, schützende Umzäunung, ura- zäuntes Buschwerk». Von hegen, v.: um- zäunen, durch Umzäunung schützen ; in seinem Schutze halten, anhaltend bei sich bewahren (schon mhd.). In der 1. Bed. mhd. hegen, ahd. heJcjan; dazu mnd. hegen, heien, mndl. heghen, afries. heia, ags. hegian, engl, hedge, abgeleitet von Hag (s. d.) eigentlich «mit einem Zaun umgeben». ZUS. Hegereiter, m.: berittener Forstaufseher, im kursächs. Jagdmandat vom 8. April 1629 Hege-Beuter. Hegewiese, f.: Wiese mit Gartenrecht, auf der niemand ohne des Eigentümers Willen weiden darf, 1731 bei Zinck ökon. Lex. Hege- "wisch, m. : zum Zeichen der Hegung ausge- steckter oder ausgehangener Strohwisch, 1775 bei Adelung Hägeivisch. Hegezeit, f.: Schonzeit des Wildes, 1746 bei Döbel Jäger- Prakt. 3, 119^ Hegemonie, f. (PI. -n): Oberherrschaft, Aus gleichbed. gr. rjYCMOvia f. im 19. Jh. ^ Heger, m. (-s, PI. wie Sg.): Hüter eines Geheges; Art kleiner Lehnsleute. In der 1. Bed. 1470 md. heger m. «Waldhüter» (Diefenbach mlat.-hochd.-böhm. Wbch. 173), in der 2. Bed. 1322 heghere PI. bei Haltaus 777. ZUS. Hegergut, n.: kleines Lehns- gut, 1321 heger-, heigersgüd bei Haltaus. -Heger, s. Hager. Hehl, n. und m., in kern oder keinen H haben (mit Gen.) und kein H aus etwas machen (erst im 19. Jh.): verheimlichen. Bei Luther kein heel haben, mhd. hode haben mit Gen. oder unpersönl. mich hat hcele mit Gen., von mhd. hcde, md. hole, hele f. «Verheim- lichung», während Hehl n. (mhd. sunder hcel, md. sunder hei «offenbar») das substantivisch verwendete Neutr. des Adj. mhd. hcele, hcel, md. hele, hei «verhehlend, verhohlen, ver- borgen» ist. hehlen, v. (Prät. hehlte): tief verbergen vor jemand, mit stai-ker Flexion mhd. kein (Präs. Ml, Prät. hal, Plur. häle7i, Part, geholn), ahd. helan, asächs. und ags. helan, afries. heia, nhd. nur noch im Part. verhohlen, daneben mit schwacher Biegung md. heln (in entheln «aus der Verborgenheit nehmen» und verheln «verbergen machen»), ahd. hellan, hellian, asächs. bihelian, ags. be- helian «verbergen», nhd. bei Luther Stieler, Rädlein hälen, 1664 bei Duez hälen, hählen und heelen, 1663 bei Schottel hehlen. Ur- verwandt mit lat, celäre «verhehlen, ver- bergen», das dasselbe lange e zeigt wie mhd. hcele (s. Hehl), lat. occulere «verbergen, be- decken», ir. celim, kymr. celu «verhehle». Die Wurzel zeigt mannigfache Ableitungen, vgl. Hülle, hüllen, Hülse, hohl. Höhle, Hölle, Helm, doch ist die Grundbedeutung kaum die von «verbergen», sondern die von «be- decken» gewesen. Vgl. noch Walde s. v. celäre. ABL. Hehler, m,, mhd. helcere, heier m. hehr, adj.: Ehrfurcht gebietend, feierlich stimmend. Bei Luther hehr, mhd.-ahd, her «hoch und herrlich, erhaben, vornehm, heilig», im Mhd. auch «stolz, hochmütig, froh», asächs. mnd, her «vornehm, zu vei'ehrend», 1690 von Bödiker 173 und von Adelung 1775 als ver- altet bezeichnet, Ende des 18. Jh. neu ein- geführt (1781 bei Klopstock 2, 44 und Voß Od. 12, 449); dazu ags. här «altersgrau», engl. hoar, hoary «grau», anord. harr «grauhaarig, grau». Entsprechend abg. serü «glaucus», russ. seryj, poln. szary «grau», nslow, serec «Greis», Vgl, noch Uhlenbeck Idg, Forsch, 17, 97, Vgl. Herr, herrlich. hei! Intevj, der Belebung, Ermunterung, Freude, Verwunderung. Mhd, hei, hey, heia, heiahö, anord. hei, wie lat. heia, eia, gr, eia, provenz, hahi, hai, hay. heida! Interj. des Lebensmutes, auch nachdrücklicher Zuruf (Lessing 10, 239, hey da Wieland 11, 229), 1 Heide, m, {-n, PI. -n)-. wer nicht Gott verehrt, Md, im 14, Jh. heide m., gekürzt aus mhd, heiden m. «Sarazene, Mohamme- daner», ahd, heidan m. «Nichtchrist», noch älternhd. Heiden m.; dazu and. hethino m. «Heide», mnd, und ndl, heiden, afries, hethin, hethen, ags. hceden m., engl, heathen, das zum Subst. gewordene Adj. mhd, heiden, ahd. heidan, asächs. hethin, ndl. heiden, afries. hethin, hethen, ags. hceden, anord. heiäinn «heidnisch», urspr. «ländlich», eine Ableitung von Heide f. (s. d. -) und Nachbildung des christlich-lat. pägänus m. «Heide», eig. im Lat. «Dorf-,' Landbewohner», zuerst jedoch Adj. «dem Dorf angehörig, ländlich» (von \at. pägus m. «Dorf, Gau»), dann «heidnisch», 833 Heide Heil 834 nachdem unter Konstantin d. Gr. und seinen Nachfolgern das Christentum römische Staats- religion geworden und die altväterliche Götter- verehrung aus den Städten auf das Land zurückgedi'ängt worden war. Daher zunächst got. Jiaipnö f. «Heidin , zu got. Jiaißi f. «un- bestelltes Feld», haipiwisks «wild», und wohl durch den Einfluß des Christentums der Goten auf die übrigen Germanen übertragen. W. Schulze dagegen Sitz.-Ber. d. Berl. Ak. 1905, 726 ff. hält got. haipnö (spr. Mp) für entlehnt aus gr. eSvoc, dialektisch e9voc «Volk». Dann kann Heide nicht aus dem Gotischen stammen. Aus \dLi.pägänusm. «Heide» entlehnt gleichbed. ital.-span. pagano, franz. paien, rumän. pägän, abg.-russ. poganü m. ABL. Heidin, f. (PI. -nen), mhd. heideninne, heidenm, heidenin f. heidnisch, adj., mhd. heidenisch «saraze- nisch», ahd. heidanisc «nichtehristlich», mnd. Iieidensch.. Heidentum, n., mhd. Jieiden- tuom m., ahd. heidantuotn m. n. «unchrist- liches Wesen», ags. hädendöni m. 'Heide, f. (Pl.-w): waldlose wildgränende Ebene. ^Ihd. im 12. Jh. heide f. (ahd. heida kommt nur als Pflanzenname vor, s. '^Heide) ; dazu mnd. hede, heide, ndl. heide, ags. hcep f., engl, heath, anord. heidr f., schwed. hed m.., dän. hede, got. haipi f. «unbestelltes Feld». Urverwandt mit gall. -cetum, kymr. coit «Wald», lat. -cetum in hücetumn. .; Kuh- trift». S. Heide ^ ZUS. Heide(n)lerche, f. : auf der Heide und deren Bäumen lebende Lerche, 1557 bei Heußlin Yogelb. 170^ Heid- lerch f. Heiderauch, s. Herauch. Heid- SChnucke, f.: kleine Art Schaf, bes. in der Lüneburger Heide, 1775 bei Adelung, Heide- schnacke f. 1731 bei Zinck ökon. Lex. 2134. S, Schlucke. '^ Heide, f. (PI. -n)-. der auf Heiden wachsende kleine Strauch erica, Heidekraut. Mhd. heide, ahd. heida f.; dazu ndl. heide, ags. hcep f., eins mit dem vorhergeh. Worte (s. '^ Heide), dessen Bed, auf die im Heide- land hauptsächlich wachsende Pflanze über- tragen ist. ZUS. Heidekraut, n., spätmhd. heidekrüt. Heidekorn, n. [s, PI. -e): der Buch- weizen (s. d.). 1604 bei Colerus 3, 130 Heide- korn, 1409 heidenkorn n. bei Mone Ztschr. 3, 408, dafür 1449 heiden m. (Städtechron. 2, 319, 27), 1530 bei Peypus Heydel (Diefenb. gl. 409 b), 1517 bei Trochus K 5» hädelkorn, noch süddeutsch Heiden und Heidel m., weil die Pflanze und ihre Fx-ucht aus heidnischen, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. mohammedanischen Ländern (Griechenland und Asien) nach Deutschland kam, s. ^Heide. Damit stimmen überein die gleichbed. Be- nennungen: Tater- oder Tatelkorn n., d. h. von den Tataren bezognes Korn, böhm.- poln. und Ungar, tatarka f.: in Preußen und den nissischen Ostseeprovinzen Gricken m. und Grick f., 1785 bei Hennig preuß. Wb. Ch'ücken, aus lit. grikas m., poln. gryka f., eig. «griechisches Kom»; böhm.-poln. pohanka f., von pohan, polmniec m. «der Heide»: franz. hie sarrasin m., früher Med turchique. Heidelbeere, f. (PI. -n): die schwarz- blaue Beere des Vaccinium myrtillus. Mhd. heit-, heidelber n. f., ahd. heitperi n., d. i. «die auf der Heide wachsende Beere». Heidelerche, Heidschnucke, s. -Heide. heidi! Ausruf der Lust; aber auch «auf und davon, im Umsehen verloren», 1782 bei G. Müller Si egf r. v. Lindenberg 4, 204 heidi gehn. Heiduck, m. {-en, V\.-en): großer Diener in ungarischer Tracht (im 18. Jh. vom Wiener Hof aus, 1703 im Zt. Lex., 1757 bei Eabener Sat. 4, 41), urspr. in Ungarn heimischer Volks- stamm, der in seiner Nationaltracht seit dem 16. Jh. am ungarischen und polnischen Königs- hofe Kriegsdienste leistete (Kiechel Reisen 100 Heuduck, Fischart Großm. 72 Heyduck). Eben- sowohl vom wie hinten betont. Von hajdük, dem Plur. des ungar. hajdu «Infanterist», später «Gerichtsfron, Trabant». heikel, adj.: ekel, an Geschmack schwer zu befriedigend, kleinlich wählerisch; mit Sorgfalt, Zärtlichkeit, Schwierigkeit zu be- handeln, bedenklich. Ln 16. Jh. bei Jobs. Nas Wamungsengel 102 heikel «empfindlich, kleinlich besorgt», 1618 bei Schönsleder ÄazcfceZ, 1663 bei Schuppius 768 haiggel, bei Grimmeis- hausen 2, 239, 14 Kell, hechel, Var. Mckel, 1691 bei Stieler hekel, schlesisch 1652 bei Scherffer Ged. 19 u, 622 hakel. Oberdeutsch, dafür niederd. ekel (vgl. 1616 bei Henisch Eickel m. füi- Ekel). Es ist unmöglich, über das gegenseitige Verhältnis von heikel und ekel ins Klare zu kommen. Davon gleichbed. heiklig, adj., 1670 bei Abele künstl. Un- ordn. 1, 283. Heil, n. (-S, ohne PI.), mhd. heil n. «Ge- sundheit, Glück», (verhüllend auch) «Unglück», dann im Md. «Beistand, Hilfe», ahd, heil n. «Glück»; dazu and. hei «Vorbedeutung», ags. höil n. «Gesundheit, Glück, günstiges Vor- zeichen», anord. heill n. «Vorzeichen, bes. glückverheißendes», heill f. «Glück, Heil». 53 835 heil Heim 836 heil, adj. : unbeschädigt, unverletzt, von Ver- letzung wiederhergestellt, mhd. und ahd. heil «gesiAid, unverletzt, gerettet»; dazu asächs., mnd, und afries. hei, nndl. heel, ags. häl, engl, ivhole und aus dem Altnord, entlehnt ! hau, hole, anord. heill, schwed.-dän. hei «un- schadhaft, ganz», got. hails «gesund, der Ge- sundheit dienlich». Als Grußformel in alt- , germanischer Zeit der Nom. des Adj.: got. hails! ags. wes hol! Urverwandt mit abg. '' celü «ganz, heil», altpr enßi.kailüstikan (Akk.) j .«Gesundheit», altir. cel, kymr. coil «Vorbe- deutung», gr. KoTXu ■ TÖ KaXöv bei Hesych. Vgl. Zupitza 105, Walde s. v. caelehs. ABL. ■^heilen, v. : heil werden, mhd. heilen, ahd. heilen, ^heilen, v. : heil machen, mhd. heilen, ahd. heilen (auch erretten) ; dazu asächs. helian, afries. heia, ags. hcelan, engl, heal, anord. heila, got. hailjan. Heiland, m. (s, PI. -e) : Erretter des Volkes, Erlöser der Menschen, das kirchlich in der vollen alten Form als Subst. bewahrte Partiz. Präs. von heilen ^, mhd. und ahd. heilant, heiland, asächs. he- liand, ags. hcelend m. heilig, adj.: gött- liches Heil bringend, sittlich und geistlich rein, dann ausschließlich gottgeweiht, mhd. heilec, ahd. heilac, heilig, asächs. helag, mnd. hillich, afries. helich, Mich, Mich, ags. hälig, engl, holy, anord. heilagr, got. auf einer Kuneninschrift hailag (dafür bei ülfilas weihs, s. weihen); substantivisch der Heilige, mhd. heilige, ahd, heilago m. (damit zgs. Heiligen- schein, m., bei Kl. Schmidt und Campe 1808); dazu Heiligkeit, f., mhd. heilecheit, heile- keit, ahd. heiligheit, afries. heliched f.; Titel des Papstes, heiligen, v., mhd. heiligen, ahd. heilagon, asächs. helagon, ags. hälgian; Heiligung, f., mhd. heiligunge, ahd. heili- gunga, ags. hälgung f.; Heiligtum, n., mhd. heilec-, heilictuom n. (auch Reliquie, iusbes. die Reichsinsignien und Reichsheiligtümer), ahd. heiligtuom n. ZUS. 1) mit dem Adj. heil in der Bed. «vollständig, ganz»: heilfroh, adj.: ganz und gar froh, in Mitteldeutsch- land, bei Thümmel Reise 6, 72. — 2) mit Heil: heilbar, adj., mhd. /ie^7fe^^e «Glückbringend»; im Nhd. «zu heilend» als Zusammensetzung mit heilen, 1734 bei Steinbach, heillos, adj., im 16. Jh. ohne körperliche Gesundheit, ohne Wohlfahrt, arm, elend, dann in mora- lischem Sinne böse, abscheulich (bei Luther und 1507 bei Wilwolt 67). heilsam, adj., mhd. heilsam «Heil bringend», ahd. heilesam, Adv. heilsarno, and. helsamo «auspicato». Heil- tum, n.: heilkräftige Reliquie (Tieck Nov. 10, 291), mhd. heiltuom n., veraltet. — 3) mit heilen: Heilbrunnen, m.: Gesundbrunnen, bei Luther. Heilkunde, f., 1796 bei Adelung. Heilbutt, m. (-S, PI. Heilbutte) auch Heilbutte, f. (PI. -n): der große norwegische Plattfisch Pleuronectes hippoglossus, 1795 bei Nemnich Heilbutt, Heiligebutt, Hille-, Hillig- butt m., anord. heilagr fiskr, dän. hellebut, helleflyndre, schweä.helge-, hälleflundra, isländ. heilagfisk, ndl. heilbot, helbut, halibut, Jwlibut. Eigentlich also «der heilige Butt», vgl. PK- nius bist. nat. 9, 47. Heim, n. (-s, PI. -e): eignes Haus und Hauswesen. Mhd. imd ahd. heim n. «Haus, Wohnort», im 16. Jh. veraltet, am Ende des 18. Jh. unter Einfluß des engl, home erneuert (Fr. L. V. Stolberg 2, 228); asächs. hem n. «Haus», mnd. heime f., heim n. «Heimat», afries. häm, hem m. f. «Haus, Dorf», ags. häm m. «Haus, Wohnort», engl, home, anord. heimr m. «Haus, Wohnung, Welt», got. haims f. «Dorf, Flecken». In Ortsnamen -heim, mhd.-ahd. -heim, engl. -ham. Urverwandt mit gr. Kuu|uri «Dorf», apreuß. seimlns, Ut. seimtna f., lett. sa'ime f. «Gesinde», abg. seminü m. «mancipium», seml f. «persona» (dagegen sind apreuß. caymis «Dorf», lit. kienias «Bauernhof», [kaimtnas «Nachbar»] wohl aus dem Germanischen entlehnt), air. cöim «Heb, wertvoll». Vgl. Zupitza 49. Viel- leicht ist auch der unter Heirat besprochene Stamm verwandt, heim, adv.: nach Hause, mhd.-ahd. heim, der Akk. Sg. von Heim, entsprechend ags. häm, engl, home, anord. heim; dagegen der Dat. Sg. von Heim ad- verbialisch mhd.-ahd. heime «zu Hause», noch in Mitteldeutschland heme (s. daheim), anord. heima. ABL. Heimat, f. (ohne PI.), mhd. heimote, heimöde, heimöt, heimuote, heimuot f. n., im 15. Jh. auch heimät, ahd. heimuoti, heimoti n., mnd. hemode, heimode n. f. «Vater- haus, Vaterland», mit der gleichen Ableitungs- silbe wie Armut, Einöde; dagegen mit andrer Zusammensetzung got. haimöpli n. «heimat- liches Gut, Erbgut», ahd. heimödil n. «Hei- mat»; dazu heimatlich und heimatlos, adj., bei Schiller (Campe 1808). Heime, f. (PI. -n), gewöhnlich im Dim. Heimchen, j n. (-S, PI. wie Sg.): die Hausgrille, mhd, 1 heime m., ahd. heimo m., ags. häma m., ahd, ' auch müchheimo m., mhd. mücheime m., noch I Schweiz. Muchheim f. und Heimuch m. (Maaler I 1561, ahd. heimamuch «gi-illus»), entweder 837 Heim heint 838 zu ahd. mühhan «heimlich lauernd anfallen» (s. meucheln), eig. das im Versteck lauernde Heimchen, oder besser zu got. müka- «sanft, freundlich» (in mükamödei f. «Sanftmut»); im Dim, Heymchin 1540 bei Alberus dict. Cc 3, clev. 1477 heymken n., dafür mhd. heimeltn n., ahd. heimili n. heimeln, v.: heimatliche, vertraute Gefühle erregen, schweizerisch (bei Salis), vgl. anheimeln, heimisch, adj., mhd. heimisch, ahd. heimisc «zum Hause gehörig». heimlich, adj., mhd. heime-, heim-, heinlich, ahd. heimüich «zum Hause gehörig, nicht fremd, vertraut», dann «fremden Augen ent- zogen, verborgen vor andern» (auch in das heimliche Gemach, 1482 im Yoc. theut. o2* heymlich gemache) ; Heimlichkeit, f., mhd. heime-, heimlicheit f. heimseil, v. in eiii- heimsen (s. d.), mhd. heimsen «heimbringen, an sich nehmen», ZUS. Heimhürge, m.: Üntervorsteher der Gemeinde, mhd. heim- hürge, ahd. heimhurgo m.: in Obersachsen «Leichenbestatter» (Dresdner Leichenordn. von 1686), dazu Heimbürgin f. «Leichenfrau» (kursächs. Reskript von 1773). Heimfall, m., 1691 bei Stieler; heimfallen, v., bei Luther und 1540 bei Albenas dict. x 2^. Heimgart(pn, m.: trauliche Zusammenkunft außei'halb des eignen Hauses, Besuch, auf alemann.-bajr.-österreichisch. Gebiete, schon mhd. heim-, heingarte m., auch in urspr. Bed. «eingefriedigter Garten». Heimkehr, f., bei Klinger 6, 20 und Schiller 6, 351. heimleuchten, v.: die Gäste abends mit Fackeln oder sonstigen Leuchten nach Hause geleiten, dann fortprügeln, beides 1775 bei Adelung; tadelnd zurechtweisen (Reiskens Lebensbeschr. 117). heimsuchen, v., mhd. (schon im 12. Jh.) heime suochen «besuchen, feindlich anfallen», urspr. «zu Hause, in seinem Hause aufsuchen»; Heimsuchung, f.: «Be- such des strafenden Gottes, bei Luther, mhd. heimsuochunge f. « Hausfriedensbruch ». Hei m- tücke, f.: heimliche Hinterlist, bei Klop- stock 12, 42, fafür bei H. Sachs haimliche Duck, hemische Duck; heimtückisch, adj., 1575 bei Fischart Garg. 91 heimdückisch, 248 heimduckisch. heimwärts, adv.. 1535 im Aimon c heimwerts , mhd. heimtvart, -wert, ahd. heimtvartes, heimortes und heimort. Heimweh, n.: krankhafte Sehnsucht nach der Heimat, ein urspr. schweizensches Wort, 1678 in des Basler Arztes Job. Jakob Härder Dissertatio medica de vocTaX.Yia oder Heim- wehe oder Heimsucht, 1705 in Scheuchzers Seltsamer Naturgeschichten des Schweizer- landes wöchentliche Erzehlung Nr. 15, S. 57 Heimwehe n., danach bei Steinbach 1734 Heim- weh n., femer um 1715 auch Heimwehe f. bei Callenbach Wurmland 53. Vgl. Kluge ZfdW. 2, 234. Heimwesen, n., mhd. heim- wesen n. «Hauswesen». Hein in Freund Hein: der Tod, nach alter Ansicht als wohlwollendes freundliches Wesen aufgefaßt. Erst 1774 von Claudius mit der Schreibung Hain eingeführt und schnell geläufig geworden, 1778 bei Lessing 12, 505 Freund Hein, als vriend Hein selbst ins Neuniederl. eingedrungen. Hein ist nd. Koseform von Heinrich und wie engl, old Harry, the Lord Harry Name des Teufels, der auch spätmhd. Heyn heißt, 1570 bei Agricola Sprichw. 321^ Henn «der Teuffei»; ebenso sind Heinrich und Heinz Kobold- namen, volkstümliche Umschreibungen für gefürchtete Wesen. Heinrich,Mannsname. Mhd. Hein-, Heim- rieh, ahd. Heimirich, Heim-, Heinrih, zgs. aus ahd. heim n. «Haus» (s. Heim) und rih (s. -rieh). Sanfter Heinrich im Osterland ein gutmütiger, sich viel gefallen lassender Mensch, dann ein langsamer Walzer, auf einem Tanzliede beruhend: in Berlin dagegen eine Art gemischten Branntweins (Germania 5, 384). Die Pflanzennamen : höser Heinrich (Orobanche major, Sommerwurz, 1541 bei Gesner Catalogus plantanim), großer Heinrich (Inula helenium, Alantwurz, bei Nemnich 1794), jM^er JEfmncA(Chenopodium bonus Henricus), der gemeine Gänsefuß, 1530 bei Brunfels und Bock), stolzer Heinrich (dieselbe Pflanze, bei Bock), gehen, wie es scheint, auf die Vor- stellung von Eiben und Kobolden, denen man den Namen Heinrich oder Heinz beilegte und die Heilkraft jener Kräuter zuschrieb (s. Hein). heint, adv.: diese (vorhergegangene oder nächstkommende) Nacht. Mhd. hint, hinat, hinet und (vielleicht eine Analogiebildung nach heute) hinte (noch obersächs. hinte), unver- kürzt Mwa/i^, hineht, im 15. Jh. heinacht, heint, ahd. hinaht, entstanden aus einem Kasus eines alten Demonstrativpronomens, dessen Reste in got. himma daga «an diesem Tage», und hitia dag «bis auf diesen Tag», uyid hita nu «bis jetzt» (Akk. Sg. Neutr.) erhalten sind. Die Etymologie dieses Stammes ist nicht ganz klar. Einerseits stimmt hi-, ho- zu lit. sis, abg. sl, arm. -s «dieser», alb. si-vjet «in diesem Jahr», gr. crmepov aus *kjämeron 53* 839 Heinz heiser 840 «heute», anderseits in der Bedeutung vor- trefflich zu lat. hie, vgl. heute und hodie. Das Lat. und Germ, könnte man aber nur unter dem Ansatz von kh vereinigen, vgl. haben, Hamen. Die Schwierigkeiten sind noch nicht gelöst. Vgl. Bi-ugmann Abh. K. Sachs. Ges. d. Wiss. 22, Nr. 6, S. 69 ff. Im Deutschen zeigen den Stamm h noch heuer, heute, hier (s. d.) und vergleiche her, hin, hinnen. Aus Vermischung mit heute ent- stand die Form heunt (bei Maler Müller, 1691 bei Stieler und schon 1388 heunt Nürnb. Chron. 1, 156, 14). Heinz, kürzender Kosename für Heinrich (s. d.). Mhd. Heinze. Als Name des ge- schäftigen Hauskobolds alsdann auf Geräte angewendet, wie die Wasserhebemaschine im älteren Bergbau (1562 bei Mathesius Sar. 207* Heintz). Auch auf Tiere übertragen, z. B. als Name des Zugochsen (Frisch 1741), des Katers (1595 bei Rollenhagen Froschm. Heinz der Waldkater, s. Hinz), der wilden Wald- bienen [Waldheinzen 1765 bei Overbeck Bienenwbch.). Zgs. mit dem Dim. Heinzel m. (oberd. Name des jungen Pferds oder Stierkalbs, älternhd. Spielpuppe, Marionette) Heinzelmäunclien, n.: Kobold, Hausgeist, 1540 bei Alberus dict. BB3^ Heintzelmann, Heintzelmenchen, bei Luther Heinzlein, 1646 bei Philander 5, 328 Hanselmännerlein PI. Heirat, f. (PI. -en): Eingehung der Ehe. Bei Luther Heyrat f. und meist m., mhd.- ahd. Mrät m. und f., urspr. «Zurüstung des Hausstandes», noch bayr. Heirat m. «Ehe- vertrag», wetterauisch Heurat m. «Bräuti- gam in Beziehung auf die Braut»; durch Anknüpfung an heuern (s. d.) «mieten» vom 16. bis 18. Jh. die Schreibung Heurat (1535 im Aimon J 4 Heurath m.). Zgs. mit ahd.- mhd. rät m. «Beratung, Verhandlung, Zu- rüstung» (s. Bat) und einem Wortstamm, der vorliegt in got. heiwafrauja m. «Haus- herr», ahd. hiwo m. «Gatte, Hausgenosse», hiwa f. «Gattin», Mun PI. «beide Gatten, beide Dienstboten», Mwiskin. «Famüie, Haus- gesinde, Haushaltung», huvan «heiraten», ags. hiwan PI. «Hausgesinde», hlreä, Mrd m. und Mwrceden f. «Familie, Haushalt», hlwisc n. «Familie», hlwian «heiraten», anord. hjü, hjün PI. «Mann und Frau, Ehepaar, Dienst- boten», hyski n. «Hausgenossen, Familie», hyhyli PI. «Hauswesen, Haus, Inbegriff der Hausleute», urverwandt mit lat. clvis m. «Bürger», ir. cm «Mann», lett. seivai. «Weib», aind. f^vas «lieb, wert», ctws« günstig, gütig, heilsam». Zu dem Stamm des Wortes ge- hört auch wohl Heim (s. d.). Weitere Ver- gleiche bei Walde s. v. clvis. ABL. hei- raten, V., mhd. Mräten, wodurch das gleich- bed. mhd. Miven, hten verdrängt wui'de. Im 16. — 18. Jh. die Schreibung heuraten, woraus verkürzt schwäb. heuern «heiraten» (ßchuha,rt 2, 254), schon 1523 bei Luther 1. Mos. 38, 8 sich verheiren. heisa! Interj. der Lustigkeit. 1668 bei Schuster bestrafte Verleumdung 56 heissa, aus hei (s. d.) und sa\ (s. d.), noch bei Wie- land 11, 214 hey sal heisch, s. heiser. heischen, V.: abfragen, um etw. anliegen; dringend fordern. Mhd. heischen, ahd. (selten) heiskon mit Anlehnung an heißen (s, d.) aus mhd. eischen, ahd. eiscön «forschen, fragen, fordern» (wovon ahd. eisca f. «Frage»); da- zu asächs. escon, nndl. eischen, afries. äskia, ags.äscian, äxian, enghask, (entlehnt) schwed. äska, dän. äske. Urverwandt mit lit. jieskoti, abg. iskati «suchen», armen, aif «Unter- suchung», aind. icchäti «er sucht», die mit einem Suffix -sko von einem Stamme abge- leitet sind, der noch in aind. esäs m. «Wunsch, Wahl», lat. aeruscäre «bitten» voi'liegt. Nach Analogie von heißen bildete sich im Mhd. und. Älternhd. starke Flexion: Prät. iesch und hiesch, Part, geeischen und geheischen (noch bei Goethe 8, 152 geheischen). ZUS. Heischesatz, m.: aus einem Satze hervor- gehender, ohne Beweis zuzugebender Satz, Postulat, 1716 bei Christian Wolff Mathemat. Lex. 1086. heiser, adj.: rauhen, unreinen Klanges. Mhd. heiser (auch unvollkommen, schwach, Mangel habend), im 12. Jh. heisir, mittels der Ableitungssilbe -er, ahd. -ar (vgl. hitter, hager, mager) aus gleichbed. mhd. heis, heise, ahd. heis, heisi; dazu nd. im 15. Jh. hes, ags. häs, mit r mittelengl. hörse neben höse, engl, hoarse, mndl. heersch neben heesch. Mit Übergang des s in seh md. 1340 heish (Fundgr. 1, 376^), aus dem Md. bei Luther und Geliert 1, 70 heisch, mnd. hesch, heisch, nndl. heesch, und demgemäß im 16. bis ins 19. Jh. heischer (1588 bei Tabernämontanus, noch Lessing 1, 131, Uhland und Rückert). Die verschiednen Formen erfordern eine Grundform *hairsa-, vielleicht dui'ch Um- stellung aus *haisi'a-, für das aber etymo- logische Anknüpfung fehlt. ABL. Heiser- 841 heiß Hekatombe 842 keit, f., md. im 14. Jh. haiserhait, im 15. Jh. haysercJiait, -keit (Diefenb. gl. 485*^). heiß, adj.: empfindlich oder brennend warm. Mhd. und ahd. heig: dazu asächs.- mnd.-afi'ies. het, mnd. auch hot, nndl. heet, ags. hat, engl, hot, anord. heitr, schwed. het, dän. hed, im Adv. mhd. heige, ahd. heigo, asächs. heto, ags. häte. Gleichen Stammes wie Hitze (s. d.), got. heitö f. «Fieber». Ge- wöhnlich vergleicht man lit. kaiträ f. «Feuer- glut», kaitrüs «Hitze gebend», kaltinti «er- hitzen», doch stimmt der auslautende Dental nicht (vgl. Zupitza 112), und die Worte könnten aus dem Genn. heiter entlehnt sein. Viel- leicht zu aind. cvindate «glänzt, leuchtet», lit. svidüs «blank, glänzend», d. iveiß, got. heits mit idg. Schwund des w. ZUS. Heiß- hunger, m.: brennender, unwiderstehlicher Hunger, bei Krämer 1678; davon heiß- hungrig, adj., bei Opitz (1629) 1, 128. Heißsporn, m.: stürmischer Hitzkopf zur Tat, eingeführt durch Schlegel Shakesp. Hein- rich IV. 1. Teil, nach engl, hotsjpur. ^heißen, V. (Prät. hieß, Konj. hieße, Part. geheißen): ausdrücklich wozu antreiben (mit Akk., derpativ erst im 18. Jh.); einen Namen geben oder führen. In beiden Bed. mhd. heilen, ahd. hei§an (Prät. hia§, hieg, Part. hei^aii) ; dazu asächs. hetan, nndl. heten, afries. heta, ags. hätan, anord. heita, schwed. hetta, dän. hede, got. haitan (Prät. haihait) «nennen, rufen, einladen, befehlen» und im Pass. Jiai- tada «ich werde genannt, heiße», wie ags. hätte Präs. und Prät. «ich heiße, ich hieß». Im Prät. ndrhein.-md. im 12. Jh. hei§, wie noch heute wetterauisch heiß] die ahd. ein- fache Form des Part. Prät. hei^an, mhd. heilen, klingt noch in Verbindung mit dem Hilfszeitwort haben durch, z. B. er hat ihn gehen heißen. Ein in Form und Bedeutung genau entsprechendes Wort liegt in den ver- wandten Sprachen nicht vor. Je nachdem, was man als ursprüngliche Grundbedeutung ansetzt, kann man vergleichen: abg. cediti «seihen», lit. skiesti «scheiden», gr. cxi^eiv «spalten», also urspr. «unterscheiden», oder lat. caedere «hauen», Grdb. «mit einer Marke versehen». Beides unsicher. Vgl. Uhlenbeck Btr. 30, 287. "heißen, s. hissen. Heister, m. (-.§, PI. -n): junges, stabartig emporgeschossenes Buchenstämmchen. 1663 bei Schotte!, 1775 bei Adelung als nieder- sächsisch, auch noch in Hessen gebräuchlich. Mhd. (fi-änk.-hess.) heister m. «junger Buchen- stamm»: dazu mnd. heister, hester «junger Baum», bes. von Eichen und Buchen, ndl. heester m., woraus entlehnt franz. hetre, fiiiher hestre m. «Buche», fries. hestei'. Mittels der Ableitungssilbe ahd. -tar (s. Holunder, Wach- holder) aus einem Wortstamm, der noch in andd. Hesiioald, dem Namen des Höhenzugs an der Euhi-, mlat. silva Caesia, vorliegt. Vgl. noch Hellquist Ark. 17, 66. -heit, Ableitungssilbe, die Art und Weise, den Zustand, das Wesen, die Gesamtheit be- zeichnend. Mhd.-ahd. -heit, ags. häd, engl. -hood und -head; dagegen als selbständiges Wort mhd. heitt «Art und Weise, BeschaflPen- heit, Stand», ahd. heit m. f. «Art, Geschlecht, Stand, Person», noch wetterauisch ledige)' Heit «im ledigen Stande»; dazu asächs. hed m. «Stand, Würde», ags. häd m.« Art, Geschlecht, Person, Inbegriff von Personen», anord. heidr m. «Ehre, Würde», got. haidus m. «Art, Weise». Gleichen Stammes wie heiter (s. d.), anord. heid n. «wolkenloser Himmel», genau entsprechend aind. Ä;e#r/sm. «Lichterscheinung, Helle, Bild, Erkennungszeichen», dazu aind. cetati «nimmt wahr». Vgl. -keit. heiter, adj.: rein an Licht, hell, klar; angenehm stimmend und gestimmt (1741 bei Frisch, doch schon 1510 bei Keisersberg Sieben Schänden h 6^ «ruhig, von Leidenschaft frei», ausgehend von der Bed. «klar», z. B. heiter reden 1556 bei Frisius 789^). In urspr. Bed. mhd. heiter, ahd. heitar «hell, glänzend, wolken- los»; dazu asächs. hedar, ags. hädor', anord. heidr, schwed. heder, dän. häder; urvei^wandt mit ablautendem aind. citräs «glänzend», awest. cipra- «hell, bunt», (mit s im Anlaut) lit. skaidriis «hell, klar». Das Wort ist eigentlich eine Ableitung von -heit (s. d.). ABL. Heitre, f.: Klarheit, Helligkeit, mhd. heitere, heiter f., ahd. heitert f.; bei Klop- stock 1773 auch wie Äthe>' (s. d.) gesetzt. heitern, V.: in auf-, erheitern, mhd. heitern, ahd. heitarön, asächs. hedron. Heiterkeit, f., mhd. heiterkeit f. heizen, V.: heiß machen. 'Mhd.-ahd. heizen neben heilen (vgl. heizen): dazu ndl. heeten, ags. hcetan, engl, heat «heizen», anord. heita, «heiß machen, sieden;. Davon Heizer, ra., 1691 bei Stieler. Heizung, f., ebd. Hekatombe, f. (PI. -n): großes, feier- liches Opfer, urspr. von 100 Rindern oder Widdern. 1756 bei Wieland Cyrus 2, 298, aus gr.-lat. hecatombe, gr. iKaTÖußn f., zgs. 843 Hektar hell 844 mit ^Kaxöv «hundert» und -ßn, das zu ßoöc «Rind» gehört. Hektar, m. n. {-s, PI. -e)-. Bodenflächen- maß von 100 Ar oder 10000 Quadratmetern. 1868 gesetzlich aufgenommen aus franz. hec- tare m., zgs. aus gr. ^kotöv «hundert», und Ar (s. d.). hektisch, adj.: schwindsüchtig, auszeh- rend. Im 18. Jh. (Goethe 27, 202), aus gleichbed. gr.-mlat. hedicus, gr. ^ktiköc, urspr. «eine Eigenschaft, einen bleibenden Zustand habend». hektographieren, V. : vervielfältigen. Von gr. ^KOTÖv «hundert» und Ypoiqpeiv «schi'eiben». Bildung der neuern Zeit. Hektoliter, n. m. (-s, PI. wie Sg.): 100 Liter. 1868 gesetzlich aufgenommen aus franz. hectolitre m., zgs. aus gi\ dKaxöv «hundert», und Liter (s. d.). Die deutsche Benennung für Hektoliter ist Faß n. Held, m. {-en, PI. -en): mutvoller, aus- harrender Kämpfer; der Mittelpunkt einer Begebenheit (im 18. Jh., z. B. bei Wieland 19, 283, aber noch von Schönaich 1754 ab- gelehnt). In der 1. Bed. mhd. Jielt, im 12. Jh. helit, helet m., PI. helide, helede (fmher kommt das Wort im Hochd. nicht vor) : dazu asächs. lielith, Jieliä m. «Mann», mnd. lield, ags. hoß- lep, heleß und hcelem. «Mann, tapfrer Kämpfer», anord. höldr und halr m. «Mann». Wohl zu ir. calatJi, kymr. caled «hart». Anders Sobnsen KZ. 34, 548. Held hatte urspr. starke Flexion, mhd. Gen. heldes, PI. helde, der Gen. Heldes noch bei Eabener Sat. 4, 10, der Akk, Sg. Held bei Luther, Lessing 1, 207 und Schiller 1, 344 und 347; erst in der zweiten Hälfte des 14. Jh. taucht einzeln der schwachbiegende Plur. Helden auf, und die schwachen Formen überwiegen schon zu Anfang des 16. Jh. ABL. Heldin, f., md. im 13. Jh. heldinne f. ZUS. Heldenbuch, n., im 15. Jh. helden buch (Gödeke Gr. - 1, 274). Heldengedicht, n., 1669 bei Grimmeishausen Simpl. 262. helden- haft, adj., 1691 bei Stieler. heldenmäßig, adj., 1673 bei Weise Erzn. 99. Heldenmut, m., 1642 bei Duez vmd 1657 bei Schuppius 267; heldenmütig, adj., 1691 bei Stieler. Heldensage, f., bei Goethe 28, 143. Helden- tat, f., 1664 bei Duez. Heldentum, n., bei Wieland Musarion 18. helfen, v. (Präs. helfe, hilfst, MIß, Prät. half, Konj. Mlfe, auch wie älternhd. hülfe, Part, geholfen): sich tätig annehmen; tätig unterstützen, fördern. Mhd. helfen, ahd. helfan (Präs. hilfu, hilfis und hilfist, hilfit, Prät. half, PI. hulfun, Konj. hulfi,, Part, gi- holfan, das Prät. im 17. Jb. auch half (Stieler 1691), der Plur. noch bei Luther wir hülfen, neben sie holfen (1. Chron. 13, 12), ir Imlft (Richter 12, 2), 1580 bei Wui-stisen Basl. Chron. 201 sie halfen; dazu asächs. helpan, mnd. und ndl. helpen, afries. helpa, ags. hel- pan, engl, help, anord. hjalpa, schwed. hjälpa, dän. hjälpe, got. hilpan. urverwandt mit, aber mit unregelmäßiger Lautverschiebung, lit. selpiii «ich helfe», selbiuos (?) «suche mir zu helfen», pasalpä f. «Unterstützung». ABL. Helfer, m., mhd. helfcere, helfer, ahd. hei- färi m.; dazu mndrhein. helpere, mnd. helper; Helfershelfer, m., im 15. Jh. helffershelffer m. «Mithelfer im Streit, Streitgenosse» (1412 beiHaltaus, 1449 bei Janssen Reichscorr. 2, 106). hell, adj.: schallend, hoch klingend ; lichter Farbe; augenscheinlich, offenbar ((Zie helle War- heit, 1642 bei Armatus Rettung der edlen teutschen Hauptsprache B 1^). Mhd. hei «tönend, laut, glänzend, licht», erst im Nhd. auf Farben übertragen, die sich dem Weiß nähern (1691 bei Stieler hellbraun), ahd. hei «tönend» (nui- in gihel, unhel, missahel). Gleichen Stammes wie Hall (s. d.) und mhd. hellen, ahd.-and. hellan «ertönen». Dazu wohl noch anord. huellr «hell, laut», und mit an- laut. -s nschwed. shwella «^viderhallen», anord. skual «Plauderei» und aus andern Sprachen gr. KeXaboc m. «Getöse», Ka\eiv «rufen», lat. caläre «ausrufen», lett. kaföt «schwatzen» u. a. Vgl. Walde s. v. GewöhnHch wird auch holen (s. d.) hierhergestellt. In schwacher Form helle im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 95° und 542'', noch bei Goethe 1, 196, Rückert Ged. 289; das Adv. mhd. helle, noch bei Uhland Ged. 817 helle. Die hellen Tränen (1561 im Amadis 1, 92 die hellen Zäher), urspr. die «lichten, blinkenden». De/" helle Haufe, im 16. Jb. «das durch lautes Geräusch und Waffenglanz weithin bemerkbare Haupt- heer» (bei H. Sachs 10, 109 der hell Häuf), danach bildlich mit, in hellen Haufen (1624 bei Opitz Werke 231 mit heuern Haufen). ABL. Helle, f.: Helligkeit, mhd. helle f. hellen, v. : hell machen (nur in auf-, er- hellen); hell werden, mhd. hellen, bei Goethe 3, 3 sich hellen. Helligkeit, f., 1537 bei Dasypodius. ZTJS. Hellseher, m.: der Seher verborgner Dinge auf übernatüi-lichem (magnetischem) Wege, 1710 bei Gottschling Gracians Criticon 3, 163 nach dem franz. dairvoyant. 845 Hellbauk Hemd 846 Hellbauk, s. Hölle. Hellebarde, f. (PI. -n)-. Spieß mit Beil- eisen zum Hauen und Stechen. Mhd, und nocli im 16. Jh. helmbarte, dann abgeschwächt h^ln-, hellen-, helbarte f., d. h. Barte (s. ^Barte) zum Durchhauen des Helmes im Kampfe, aber nicht zgs. mit Hehn «Stiel» (s. d.), den jede Barte hat. Aus dem Deutschen ent- lehnt gleichbed. franz. hallebarde, ital.-span.- portug. alabardaf., hieraus Schweiz, im 16. Jh. Halleharte, -parte. Davon Hellebardier, m. (-S, PI. -e). 1597 bei Gilhusius Gramma- tica 124 Hellpartirer, noch franz. haXlebardier, Span, alabardero m. «Hellebardenträger». Heller, m. {-s, PI. wie Sg.): kleinste Kupfermünze, iihd. hallcere, haller, heller, häller m., mit Auslassung des Wortes Pfennig st^att (1359) hale^' phenning, mlat. (denarius) Hallensis, d. h. zu Schwäbisch-Hall geprägter Pfennig. Dagegen gleichbed. mhd. und mnd. hellinc, ahd. JiaUing m. ist aus mhd. helbe- linc, helhlinc m. «halber Pfennig» gekürzt. heilig, adj. : abgemattet, müde, abgezehrt, ganz ausgedorrt; leer oder blöde im Magen, hungi-ig und durstig (Yoß Luise 2). In der l.Bed. mh4. hellic.hellec, in der 2. frühnhd.; mnd. heilich in beiden Bed. Das Adv. hellig bei Luther Jer. 2, 25. Abgeleitet von dem mhd. Adj. hei «körperlich nicht kräftig, am Körper dünn, dürftig», niederhess. hal, hol «abgemagert, mager, trocken, dürr, aus- O O 7 O 7 7 7 trocknend», z.B. Hehlsau «mageres Schwein». Dazu ndd. hal, ndl. haal «trocken» und lett. kalstu. kalst «vertrocknen, verdorren», kalss «mager», Äa Zfe^ «trocknen» (Zupitza 113). Da- von heiligen, v. in ah-, hehelligen, mhd. helligen, hellegen « durch Verfolgung ermüden, stören, plagen, quälen», mnd. helligen «er- müden, quälen». Helling, f.: die zum Wasser geneigte Ebene auf der Schiffswerft, dann die Wei-ft selbst. Mnd. helling f., von mnd.-mhd. helden «abschüssig geneigt sein», ahd. heldan, asächs. in afheldjan «zu Ende kommen», ags. hyl- dan, heldan «sich neigen», anord. halla. Zu Halde (s. d.'). hellsch, s. höllisch. ^Helm, m. {-es, PI. -e): hohe metallene Schirmbedeckung des Kopfes; das obere runde Dach am Kirchturm (1561 bei Maaler). Li urspr. Bed. mhd. -ahd. heim m.; dazu nd.- ndl.-afries.-ags. heim m. (im Ags. auch «Be- schützer, Hülle»), engl, heim, helmet, anord. hjalmr m., schwed. hjälm, dän. hjelm. got. hilms m. Gleichen Stammes wie ahd. helan «verbergen, bedecken» [ä. hehlen), urverwandt mit aind. gärma n. «Schutz»; aus dem Ger- manischen entlehnt abg. slemü m. (daraus lit. Palmas m.) «Helm», ferner ital.-altspan.- port. elmo, franz. heaume, afranz. hehne, ebne m. «Helm». ÄBL. helmen, v., nd. 1420 helmen «einen Helm aufsetzen» (Diefenbach gl. 256 ^j, mhd. gehelmet Part. "Helm, m. n. {-es, PI. -e): Stiel eines Hauwerkzeuges. Um 1480 im Yoc. ine. teut. k 8^ (Diefenbach gl. 104^) heim neben helb, mhd. halm, halme m. neben halp, help m. (PI. helbe), spätahd. halbe, helhe m. neben ahd. halap, halp m. «Stiel, Handhabe», noch bayi". Axthalh m. f. in der Bed. von hochd. Axthelm (s. d.); dazu mnd. helve, helf, lielft n. «Handgriff, Stiel». Gleichen Stammes ^vie Halfter (s. d.). Davon verschieden ^Helm, m.: Griff des Steuerruders, dann das Steuer- ruder selbst. Xd,-ndl. hehn m., dazu ags. helma m. «Steuerruder», engl, heim «Steuer- ruder», anord. hjalm f. «Griff des Steuer- ruders, Ruderpinne»; 1757 in Eggers Kriegs- lex. 1, 1182 «Helm, der Knopf, der am Griffe des Steuerruders befestiget ist, es wird auch für den ganzen Griff genommen», danach scheint das Wort gleichen Stammes mit Helm '^ zu sein, vgl. ags. heim «Kopf heim und Baum- spitze, Wipfel». hem, Literj. des Räusperns, des Bedenkens. Als räuspernder L^ut schon 1519 bei Mumer Geuchmatt 3328 und 4852 hem, hem. Hemd, n. {-es, PI. -en): unmittelbar den Leib bedeckendes Kleidungsstück. Mhd. he- mede, hemde n., ahd. hemidi n. «langes Haus-, Unterkleid», dann in heutiger Bedeutung; dazu and. hemithi n. «camisia», afi-ies. he- methe, hamede, ags. heme^e n. diminutive Ableitung (wie ahd. jungidi, mhd. jungede n. «Junges von Tieren») von ahd. hämo m. «Hülle» (nur in Uhliamo «Leichnam», s. d.), asächs. hämo m. «Hülle, Kleid» (in güdhamo « Kampf kleid», fedarhamo «Federkleid der Vögel, des Engels»), nd. ham-, liamel «Nach- geburt» (Kindeshülle), ags. huma m. «Kleid», anord. hamr m. «Hülle, Haut, Balg, äußere Gestalt», (mit s- Ableitung) hams m. «Hülse, Schlangenbalg, Fruchtschale», got. nur in gahamön «bekleiden», afhamön «entkleiden»; dazu gall.-lat. im 5. Jh. camisia f. «leinener Überwm-f, Hemd» (woraus altir. caimmse «Hemd», ital. camicia, camiscia, span.-port. camisa, franz. chemise f. «Hemd», afranz. 847 hemi- hepp! 848 canse, cainse «Chorhemd»), camisia ent- stammt aber wohl dem Germ. Vgl. ^ Hamen. Älternhd. mit eingeschobenem h Hembde, Henibd, im 16. und 17. Jh. (Zimra. Chron.. Krämer 1678) und noch in oberd. Mundarten Hemmat, Hemmet, thür. Hemme, schwäb.- schweiz. Hemh, bei H. Sachs Hern, Hemm. Der Plur. lautet mhd. hemde, bei Luther Hembde (Rieht. 14, 12), noch bei Stieler 1691 Hemde, vom 16. bis ins 18. Jh. Hemhder, Hemder (noch bei Zachariä Phaeton 1, 34 und 3, 15, Voß Tausend u. e. Nacht 4, 255, Schiller 4, 18), schon 1400 mhd. hemder (der heil, drei Könige Buch, Gießener Handschr. 39^), im 18. Jh. durch die schwache Form Hemden (Adelung 1775) verdrängt, henii- in Zusammensetzungen, meist aus neuerer Zeit, «halb», aus gleichbed. gr. fiiui-. Hemisphäre, f. (PI.-«): Halbkugel. 1786 bei Schiller 4, 112 Hemisphäre f., 1784 bei Herder Ideen 1, 1, 7 Hemisphär n., bei Les- sing 5, 342 noch Hemisphärium n. Aus gr.- lat. hemisphaerium n.,von gr. riini- und ccpmpa f. «(Erd-, Himmels-) Kugel». hemmen, v.: nicht weiter lassen. Md. im 14. Jh. hemmin «zurückhalten, verhmdern», spätmhd. im 15. Jh. hemmen «fangen, fesseln», hamnen «fangen» (Weist. 1, 102), 1578 bei Fischart Ehz. M 1^ hämmen «fangen», 1562 bei Mathesius Sar. 217*^ hemmen «hindern», neben mhd. hamen «aufhalten, hindern»; da- zu anord. hemja (Prät. hamda) «hemmen», schwed. /?,ämma, dän. hemma «imZaum halten». Salfränk. ist chamian «drücken, pressen» be- legt. Wenn dies die ursprüngliche Bedeutung ist, kann man lit. kamüoti «zusammenpressen, stopfen», fcms^i «stopfen», Äamsa f., «Stopfung» vergleichen. Vgl. Zupitza 108. Aus dem Griech. kann hierher Krmöc m. «Maulkorb» gezogen werden. Andre stellen es zu anord. hörn f. «Schenkel» und denken an das Fesseln des Viehs. Vgl. hemill «Stück zum Binden des weidenden Viehs an den Schenkeln» und hafa hemil ä «jem. im Zaume haben». Vgl. auch lat. pedica f. «Fessel» von pes «Fuß». ABL. Hemmnis, n., selten auch f., im 19. Jh. (1833 bei Jahn Merke z. d. Volks- tum 165). Hemmnng, f., 1678 bei Krämer. ZUS. Hemmkette, f., 1540 bei Alberus dict. e 2^ Hemmketten f. Hemmschnh, m.: schuhartige hemmendeVorrichtung am Wagen- rade, 1566 bei Mathesius Luther 92, 25 (1576 Bl. 40^) Hemschuch. Hengel, m. (-s, PI. wie Sg.): Wehrge- hänge. Bei Luther (l. Kön. 22, 34 u. 2. Chron. 18, 33), aber erst in der zweiten Ausgabe des Jahres 1541 von Luthers Bibel (vgl. Mathesius Luther 1566 Bl. 164^). Mhd. hengel m. «das Hängende, Hängsei», ferner «woran etwas gehängt wird, Eisenhaken», im Md, «Türangel». Abgeleitet von hangen (s. d.). Hengst, m. (-es, PI. -e) : unverschnittenes männliches Pferd. Diese Bed. seit dem 15. Jh. (um 1480 im Voc. ine. teut. 1 5*^ hengst «equus non castratus», Anfang des 15. Jh. admissarius, stüt hengst bei Diefenbach gl. IS''), dagegen mhd. hengest, hengst, ahd. hengist m. «ver- schnittenes männliches Pferd, Wallach» (noch bayr.), dann im Mhd. «großes Pferd über- haupt». Als älteste Form bietet die Lex Sa- lica hangisto: dazu mnd, hingest, hengest m. «Pferd», dann «männliches unverschnittenes Pferd, Streitroß», afries. hängst, hengst, hingst m. «männliches Pferd», ags. hengest m. «männ- liches Pferd », anord. hestr m. «Hengst, Pferd» überhaupt, schwed. hast, dän. hest «Pferd», während schwed. -dän. hingst «Hengst» aus dem Deutschen entlehnt ist. Das Wort sieht aus wie ein Superlativ und könnte zu lit. sankmti «springen machen, sprengen» gehören. Also eig. «der beste Springer». Als Kom- parativ dazu vielleicht lat. canterius «Wal- lach» aus *cancterius. Vgl. Walde, H-eukel, m. {-s, PL wie Sg,), um 1480 im Voc. ine. teut. i 4* henckel, Var. hengel, 1664 bei Duez Henckel; wovon henkeln, V. : mit einem Henkel vex'sehen, 1734 bei Steinbach. Von henken, v.: aufhängen, mhd. henken (Prät. hancte), ahd. henchan (Prät. hancta, hangta), neben ahd. hengan «hängen» (s. d.). ABL. Henker, m, (-s, PI. wie Sg.), mhd. henker m., daneben auch hangcere und hdhoere, häher m.: damit .zgs. Henkersknecht, m., 1664 bei Duez; Henker(s)mahlzeit, f., letztes Essen des zum Tode Vei'urteilten, 1699 bei Besold The- saurus 2, 293*>, Henckermol 1575 bei Fischai-t Garg. 68, übertr. «die letzte Mahlzeit vor einem unangenehmen Ereignisse», 1669 bei Grimmeishausen Simpl. 58 Hencker-Mahl. Henne, f. (PI. -n)-. das weibliche Huhn. Mhd. henne, ahd, henna f., woneben hanin. henin und heninna f,; dazu mnd, henne, hinne, ags, henn, engl, hen, mit Ablaut anord. höena f. «Henne», schwed. höna, dän. hone. Femi- ninbildung zu ' Hahn (s. d.). Hepe, s. -Hippe. hepp! hepphepp! Interjektion. Zuruf 849 Heppe Herbarium 850 an Zugtiere, einen Fuß aufzuheben und Lock- iTif für die springende Ziege. Dann Spott- mf für die Juden seit 1819. Vgl. Hipplein. Heppe, f.: Ziege, s. Hipplein. her, demonstratives Pronominaladverb: in der Richtung zu dem Sprechenden. Mhd. here, hei' «hierher», ahd. hera, am Oberrhein und in der Schweiz liara, ebenda mhd. und älternhd. har (s. har), volltönig erhalten in dem jetzt veralteten, zuerst in der zweiten Hälfte des 16. Jh. erscheinenden -Jiero (an-, his-, dahero), abgeleitet von demselben Pro- nominalstamm wie heute, heint (s. d.); dazu got. hiri «komm hierher»! ZUS. herab, adv., mhd. her abe, dagegen älternhd. heräber ist gekürzt aus mhd. herabher «von — her»; herablassen, v. refl.: zu einem Niedem gnädig abwärts steigen, 1716 bei Ludwig; herabsetzten, V.: geringer machen an Wert usw., 1757 bei Rabener Sat. 4, 60. heran, adv., im 17. Jh. (bei Fleming 472 vom J. 1638, gekürzt rane 1601 bei Adrian Mitteil. 377), dafür im 16. Jh. anher. herauf, adv., mhd. her üf, ahd. hera üf, hara {(f. heraus, adv., ahd. herq m^, älternhd. heraußer ge- kürzt aus heraußher: herausfordern, v.: zumKampfe fordern, 1590 beiDedekind christl. Ritter 39*»; herausnehmen, v. refl.: sich ohne Befugnis eine Freiheit nehmen, 1663 bei Schuppius 650: herausstreichen, v.: lobend hervorheben, bei Luther 6, 546^, H. Sachs Fastn. 52, 83. herbei, adv., bei Luther er hei (2. Mos. 16, 9). herein, adv., mhd. her m. herfür, adv., mhd. hei- für «hei-vor» (s. d.), heute nur noch altertüm- lich und mundai-tlich. hergegen, adv., volks- tümlich herentgegen, mhd. her engegene. her- nach, adv., mhd. her nach, ahd. hera näh, hara näh «nach diesem, nach dieser Zeit». hernieder, adv., mhd. her nider, ahd. hera nidar, hara nidar. herüber, adv., spätahd. hara (hera) ubere. herum, adv.: im Kreise, hier- und daher, da- und dorthin, mhd. her umhe, her umb, vgl. umher, herunter, adv., mhd. herundei\ hervor, adv., erst im 16. Jh. spärlich auftauchend, im. Mhd. her vür, vor 1122 here füre, ahd. hara furi. herwärts, adv., mhd. herwert, herzu, adv., mhd. her zuo, ahd. (bei Notker) hera zua, hara zu. Heraldik, f.: Wappenkunde. 1728 bei Sperander. Aus dem Fem. des neulat. Adj. heraldicus, abgeleitet von mlat. heraldus m. «Herold» (s. d.); die Herolde hatten bei Turnieren und Festen die Wappen zu unter- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. suchen. Von dem Adj. heraldicus auch He- räldiker, m. und heraldisch, adj. (bei Goethe 27, 304). Herauch, m. (-es, selten PI. -e): der bläulich-weiße oder bläulich-rote nebelartige Dunst bei trockner Luft und heißem Wetter. 1579 bei Mathesius Postilla3, 38^ Hehrauch, 1680 bei Lohenstem Sophonisbe 369 Häge- rauch, bayr. Hairauch, Haidampf, Hainebel ra. und Gehai n. (Österreich. Kai u., Schweiz. Gehei m. «Hitznebel, Föhndunst»), abgeleitet von ahd. hei «heiß, dürr» (Steinmeyer-Sievers ahd. Gl. 1, 268, 28), hess. 1464 heye, 1476 hege «trocken» (Frisch 1, 396^), noch ober- hessisch/iei, heie, heige, hege «trocken», schwäb. gehai «düiT, ausgetrocknet, dunstig bei war- mem Wetter», Schweiz, gehei «dunstig, tmbe»), ahd, hei, gihei n. und mhd. gehei, geheie n. «Hitze, Brand», ahd. arheigen, erheien und mhd. heien «brennen». Umgebildet, da der Dunst besonders gegen Höhen hin sichtbar ist, 1784 im Teutschen Mercur 2, 3 Höhen- rauch, bei Goethe 30, 53 Höherauch, 1851 bei Freiligrath neue pol. Ged. 2, 35 Höhrauch, in Westfalen und Fnesland Haarrauch, nebhger Rauch, der von dem Brande eines Moores entsteht (Immermann Münchhausen 3, 100 und 108, zuerst in einer Verordnung Ernst Augusts von Osnabrück vom 20. April 1720, von westfäl. Haar f. «Höhe», s.'Haar): ferner Hecrrauch 1796 bei Adelung und bei Goethe Naturw. Sehr. 1, 64 Heidenrauch 1586 bei Rudolph Zeitbüchlein M 2^, Heide- rauch 1788 bei Musäus Volksmärchen 2, 44. heraus, s. hei: herb, adj.: rauhscharf empfindlich, rauh- scharf zusammenziehend (von Geschmack). Md. im 14. Jh. herbe, mhd. hare, har und hei'e, her, flekt. harewer, harwer und here- wer, herwer, im 15. Jh. harb; dazu mnd. herwen «herb machen». Vielleicht gleichen Stammes wie Harm (s. d.) und das Adj. asächs. härm, ags. hearm, herm «verletzend, kränkend, schmerzlich». Vielleicht aber zu einer Sippe, die «kratzen, scheren» bedeutete, vgl. Keipeiv, ahd. skeran «scheren», lit. karths «bitter», aind. kapus «scharf, beißend» u. a. Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 15, 97. ABL. Herbe, f., spätmhd. herwe, herbe f. Herbig- keit, f., 1664 bei Duez. herblich, adj., 1741 bei Frisch. Herbling, s. Herling. Herbarium, n. (-s, V\. Herbarien): Samm- lung getrockneter Pflanzen. Aus gleichbed. lat. herbärium n. von hei'ba f. «Kraut, junge 54 851 herbei Herkommen 852 Saat». 1727 bei Sperander herharium vivum, erst 1813 bei Campe Herharium. herbei, s. her. Herberge, f. (PI. -n) -. Ort und Haus zum Übernachtbleiben für Fremde. Mhd. herherge f. in dieser Bed., ahd. heriberga f. «ein das Heer bergender Ort, Heei--, Feldlager», dann «Haus zu Lagerung, zu Übernachtung»; da- zu and. heriberga f. «Herberge», mittelengl. her eher ge «Herberge», engl, harhour «Her- berge, Zufluchtsort, Hafen», (entlehnt) anord. herhergi n. «Ort zum Übernachten, Wohn- stätte». Aus dem Germanischen entlehnt afranz. herherge «Heerlager», nfranz. auherge f. «Gasthof, Herberge», heberge f. «die Höhe eines Gebäudes, der Endpunkt einer gemein- schaftlichen Mauer», altspan.-ital. alber go m. «Herberge». ABL. herbergen, V., mhd. herber gen, ahd. herihergöti «ein Lager schlagen, Feldlager haben», (zuerst im 12. Jh.) «Nacht- lager nehmen», im Mhd. auch «Wohnung geben, beherbergen», mnd. herbergen «beherbergen und Herberge suchen». Herbst, m. {-es, PI. -e)-. die Jahreszeit von der späten Tag- und Nachtgleiche bis zum kürzesten Tage; die Ernte (Schiller 11, 63), bes. die Weinernte (mhd.). Mhd. herbest, herbst, ahd. herhist m.; dazu mnd. hervest, nndl. her f st, herft, ags. heerfest m., engl. harvest (auch Erate), anord. haust n., schwed.- dän. höstm.. «Herbst». Wohl von einem Stamm gebildet, der vorliegt in gr. Kapiröc m. «Frucht», KopiTiZieiv «ernten», KpdüTTiov n. «Sichel», lat. carpere «pflücken», lit. kifpti (Präs. kerpu) «scheren», karptti «mit der Schere schnitzeln», aind. krpänas m, «Schwert». Also ein alter Superlativ «am besten zu schneiden», wobei wahrscheinlich «Mond» zu ergänzen ist, so daß das Wort kein eigentlicher Jahreszeiten- name wäre. ABL. herbsten, v.: ernten (Pauli Schimpf 93 ^), insbes. Weinlese halten, mhd. herbisten (Behaim Ev. Luk. 6, 44). herbstlich, adj., 1541 bei Frisius 114*», nd. 1420 arfstelic bei Diefenb. gl. QS^. Herbst- Hng, m.: der Blätterschwamm agaricus deliciosus, Reizker, 1775 bei Adelmig; 1691 bei Stieler «im Herbst gebornes Vieh» und «später Apfel». ZUS. Herbstmonat, m., mhd. herbestmänöt, als Name des Septembers ahd. herhistmänöt m. Herbstzeitlose, f., 1775 bei Adelung, s. Zeitlose. Herd, m. (-es, PI. -e)-. Feuerstätte zum Kochen im Hause. Mhd.hertm. (Gen. herdes), ahd. herd m. «Erdboden», dann «Boden (be- reitete Unterlage) für das Feuer», noch Schweiz. Herd m. «Erdreich, Boden»; daneben ahd. herda f.; dazu asächs. herth m. «Feuerherd», nndl. heert, haard, afries. herth, hirth, ags. heorp m., engl, hearth «Herd». Die Herkunft ist unbekannt. Die beiden Bedeutungen «Boden» und «Herd» lassen sich vereinigen, da der ursprüngliche Herd nichts andres als der Boden war, und so könnte man Verwandt- schaft mit gr. KpÖToc m. «Schlagen», lit. kertü «schlage heftig» annehmen, also Herd «das Festgeschlagne». Ist aber die Bedeutung «Herd» urspiünglich, so kann man an Ver- bindung mit got. haüri n. «Kohle» u. a. denken. Vgl. Zupitza 114 und Walde s. v. carho. Herde, f. (PI. -w): Menge beisammen be- findlichen Viehes. Mhd, hert f., ahd. he7-ta f. ; dazu ags. heord, engl, herd, anord. hjörd, schwed.-dän. hjord, got. hairda f.; aus dem Germanischen entlehnt afranz. herde «Herde, Rudel», a{rn.nz.harde f. «Rudel». Urverwandt mit aind. gärdhas m. «Schar», awest. sardäa- n. «Art, Gattung». Daneben steht aber mit Guttural statt Zischlaut lit. kerdz'us m. «Hirt» und abg. creda f. «Reihe, Tagesfolge, Herde», dessen erste Bedeutung in ahd.Äerto «Wechsel» wiederkehrt. Vielleicht sind diese aus dem Germanischen entlehnt, wenigstens in der Bedeutung «Herde», und ahd. herta, abg. creda «Wechsel» ist davon zu trennen. ZUS. Herdenmensch: Schlagwort, von Nietzsche 1869 geprägt. herein, herfür, hergegen, s. her. Hergang, m.: Verlauf, 1775 bei Adelung als oberdeutsch; das Zeitwort hergehn «ver- laufen» 1647 bei Rompier Reimgetichte 75 es geht hart her. Hering, m. (-s, PI. -e): der Salzfisch clupea harengus. Mhd. herinc, md. im 14. Jh. häring, ahd. härinc und herinc m.; dazu and. hering, nndl. haring, afries. hereng, ags. hcering m., engl, herring, mlat. im 6. Jh. haringus. Dafür anord. sild f., schwed. sill, däh. sild. Aus dem Gei-manischen entlehnt franz. hareng m., ital. aringa f., span.-port. arenque m. Die Form herinc sieht aus wie eine Ableitung von ahd, heri n. «Heer», also «der in Scharen ziehende Heerfisch», während ahd. härung Umdeutschung aus lat. halec «Fischlake, Salz- fisch» vermuten läßt. Aber es kann auch ganz etwas andres in dem Namen stecken. Herkommen, n.: Abstammung (Luther 5,3^); Gewohnheit, Brauch (1452 bei Janssen Reichskorr. 2, 118 nach altem herkommen). 853 Herling Herr 854 Herling, m. (-s, PI. -e): um-eife Traube aus später Blüte. Bei Luther Heerling, mlid. herlinc m.., entstanden aus Herhling (Frisch 1, 445* «von herb, weil die Zähne davon stumpf werden»). Herlitze, f. (PI. -n)-. die Hornkirsche. 1557 bei Lonicer und 1578 bei Frischlein Xom. Kap. 19 Hei'litze, 1561 bei Cordus Herlitzen- haum, ahd. arliz-, erlizboum, harlezhoum. Vgl. Björkmann ZfdW. 2, 214 und Ärlesbaum. Hermandad, f.: Polizei (in etwas spöt- tischem Sinne). 1791 bei Roth, Aus span. santas Hermandades «heilige Brüderschaften», von span. herniano «Bnider» aus gleichbed. lat. germänus. Sie kamen 1466 in Kastüien zur Abwehr von Räubern auf. Hermann, Mannsname. Ahd. Hari-.Heri-, Hermann, eig. aber Appellativ mhd. here-. hernian, ahd. harr-, herinian, ags. hereman, anord. hermadr m. «zum Heerdienst verpflich- teter Freier, Kriegsmann» (s. Heer und Mann). Falsch für lat. Arminius gebraucht, schon 1536 bei Polychorius. Sueton 16% 1538 bei S. Franck Chron. 1^^. Hermaphrodit, m. {-en, PI. -en) -. Zwitter. 1512 in den Reichsordn. 83 '^ Hermofroditen PI. Von gleichbed. gr.-lat. hermaphroditus m., gr. 4p^acppöbiToc m., eig. «Sohn des Hermes und der Aphrodite». Herme, f. (PI. -n) -. Bildsäule, bei der nur der Kopf ausgearbeitet ist. Aus gr. 'Epufic, eig. «der Name des Gottes». Ende des 18. Jh. Hermelin, n. (-s, PI. -e): das große weiße Wiesel des Nordens; m. das Pelzwerk dieses Tieres. Im Nhd. mit fremder Betonung (nach ital. ermellino) auf der letzten Silbe, mhd. und ahd. aber auf der ersten. Mhd. hermelin n. (auch das Pelzwerk), ahd. Iiarmelm n., Diminutiv des mhd. härme, härm, ahd. -and. harmo m. «Wiesel, Hennehn», ags. hearma m. «Wiesel», urverwandt mit lit. sermuo, sarmoms m. «Wiesel, Hermelin», Aus dem Genna- nischen entlehnt franz. hermine f., afranz. erme, ermine f., ital. armellino, ermellino m., span. armifw m., port. armelina f. «Hermelin». Nach Meyer-Lübke Z. f. rom. Ph. 19, 94flF. steckt das Wort auch in rhätorom. carmü. hermetisch, adv.: luftdicht, in herme- tisch verschlossen. 1716 im Mathemat, Lex,, aus dem neulat. Adv. hermetice «chemisch», , eig, «mit geheimnisvollem Siegel versehen, mit Bezug auf den luftdichten Verschluß einer Glasröhre, den Hermes Trismegistus erfunden, ein mythischer ägyptischer Weiser, der für den Vater der Alchimie ( philo Sophia hermetica) gehalten wurde». hernach, hernieder, -hero, s. her. hernehmen, v.: tadeln, eig. vor sich zitieren (vom Richter). 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 170. heroisch, adj.: heldenhaft, heldenmütig, heldenmäßig. 1616 bei Albertinus Lucifer 5, nach dem gr.-lat, Adj. heröicus «den Heroen angehörig», von gr. rjpuac m. «Heros, Held». Davon Heroismus, f.: Heldentum. Im 18. Jh, Heroine, f.: Heldin. Im 17. -Jh. Herold, m. {-s, PI. -e): Aufseher bei Turnieren und Festen: feierlicher Bote und Verkündiger. Spätmhd. im 14. Jh. heralt, erhalt m., im 16. Jh. Ehrnhold. aus gleich- bed. afranz, heralt m, (13, Jh,), nfranz, heraut m,, das nebst ital, araldo, span. haraldo, aspan. haraute, mlat. haraldus, heraldus, heroldus m. auf einem vermuteten ahd. heriwalto «Heer- beamter» beruht, noch erhalten im asächs. Eigennamen Heriold, anord. Haraldr. Herr, m. (Gen. u. PI. -en, -n): der Be- fehlende und der zu befehlen Befugte, auch als Ehrentitel. In der 1. Bed. unverkürzt Herre noch bei Goethe 6, 128, Schiller Teil 3, 1. Mhd. herre, herre (in der Anrede her, her), ahd. heriro, herro, herro m. ; dazu asächs. herro, ndl. heer, afries. hera, her, aus Nieder- deutschland entlehnt ags. hearra, herra und anord, /«erra, herri, schwed,-dän. Äerre m. Ahd. heriro ist urspr. schwachbiegender Kompa- rativ von hehr (s, d.), also «der Erhabnere, Vornehmere, Gewaltigere» oder noch mit der ursprünglichen Bedeutung «alt»; ähnlich aus lat. senior «der Altre» franz. seigneur, sire und sieur, ital. signore, span. senor m. «Herr». ABL. Herrin, f., 1537 bei Dasypodius, da- für mhd. vrouive «Frau», ahd. neben fromva auch herra f. herrisch, adj.: sich als Herr benehmend, bes. in auffälliger, beleidigender Weise (1691 bei Stieler), mhd. herisch, hersch «nach Herrenart sich benehmend, herrlich», urspr. von mhd.-ahd. her, hehr (s. d.) abge- leitet, dann aber auf Herr bezogen, wie mhd. herrisch bei Frauenlob zeigt, herrlich, adj., mhd. herlich, ahd. herlih «erhaben, vornehm, ausgezeichnet, glänz-, prachtvoll», and. herlik «vornehm», noch 1540 bei Alberus dict. cc3* herlich, hehrlich, im Adv. mhd. herlwhe, ab- geleitet von hehr (s, d,), aber auf Herr be- zogen, bereits bei Luther herrlich, wie mhd. herrenlich «herrlich» und and, herrilik (?) «dem Herrn gehörig», Herrlichkeit, f., 54* 855 herrühren Herz 856 spätmhd. hetiicheit f. Herrschaft, f., mhd. Mrscliaft, ahd. herscaß, herscaf f. «Herren- würde, Herrenmacht, Hoheit, Herrlichkeit, Herrenbesitz, oberherrliches Gebiet, Herr und Frau gegenüber der Dienerschaft»; dazu and. herskepin. «Herrschaft», urspr. abgeleitet von hehr (s. d.), später als Ableitung von Herr umgebildet bei Luther Herr schafft; davon herrschaftlich, adj., 1691 bei Stieler. herrschen, v.: Herrenmacht, Obergewalt haben, mhd. im 13. Jh. her sehen, md. im 14. Jh. herschin, im VoC; ex quo 1469 her- schen, gewöhnlich mhd. hersen, hersen, ahd, hei'isön, von hehr ("s. d.) abgeleitet, aber im Gedanken an Herr bereits ahd. herreson, bei Luther herrschen. Davon Herrscher, m., bei Luther, mhd. im 13. Jh. herscher, dann her seh er, ahd. herisari m.: Herrscherin, f., 1691 bei Stieler; Herrschsucht, f., bei Ludwig 1716 und Thomasius Einl. 203. ZUS. Herrgott, m., mhd. herregot, 1402 herrgot m.; Herrgottskäfer, m.: der Blattlaus- käfer coccinella, 1664 bei Duez Herrgotts- kühlein, Herrgottsthierlein. herrühren, v. : von etw. seinen Ursprung haben, 1642 bei Duez, spätmhd. riieren. herstellen, v.: in den ui'sprünglichen Zustand zuräckversetzen , 1741 bei Frisch, gekürzt aus niederher stellen. herüber, herum, herunter, hervor, s. her. Herz, n. {-ens, PI. -en): aufnehmendes und ausströmendes Blutgehäuse der Brust; in der Spielkarte das franz. coeur (1578 bei Frischlin Nom. cap. 177 Hertz): das In- nerste, der Mittelpunkt von etwas (1534 bei Franck Weltb. 165», md. im 14. Jh. der Butzen am Apfel des Zedernbaums); bild- lich als Sitz der Seele, Empfindungsvermögen usw. (schon mhd.-ahd.). Mhd. herze, ahd. herza n.; dazu asächs. herta n., mnd. herte, nd.-ndl. hart n., afries. herte, hirte f., ags. heorte f., engl, heart, anord. hjarta n., schwed. hjerta, dän. hjerte, got. hairtö n. Verwandt mit gleichbedeut. lat. cor n. (Gen. cordis), gr. Kapbia f. imd Kf|p n., abg. snidtce n., lit, sirdh f., aii-. cride, armen, sirt; awest. zdrdd-, zdrddkija- n., aind. hfd, hfdajam n. zeigen andern Anlaut und sind daher von Herz zu trennen. Der Nom. Sg. unverkürzt Herze noch bei Lessing 2, 293, Goethe 1, 173, Rückert, Heine; der Gen. Sg. wie mhd. bei Luther, Fleming, Logau usw. Herz&ti, spätmhd. im 15. Jahrh. hertzens, wie 1722 bei Freyer Herzens neben Herzen; der Dat. Sg. bis- weilen starkflekt., bei Lessing 6, 321 Herze, wie schon mhd.; ebenso der Nom. PI. mhd. neben herzen zuweilen herze, im \Q.ih. herzer (Zimm. Chrom- 1, 418, 38). ABL. Herz- chen, n.: Liebchen, 1594 bei H. J. von Braunschweig 426. herzen, v.: liebkosen, 1470 bei Diefenbach gl. 31^ herczen, anders mhd. herzen «mit einem Herzen versehen». herzhaft, adj., mhd. herzehaft «beherzt», dann «besonnen, verständig»; Herzhaftig- keit, f., 1537 bei Dasypodius. herzig, adj.: anmutend, liebenswert, 1561 im Amadis 1, 295, dagegen mhd. nur in Zussetz. wie steinherzec. herzlich, adj., mhd. herze-, herzenlich neben herzeclich, mnd. hertelik. ZUS. Herzaller- liehste, f., 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 1, 8, 36, als Adj. oft im 16. Jh. Herzblatt, n.: das Zwerchfell als Sitz des Lebens, 1711 bei Rädlein; das Innere der Pflanze, 1775 bei Adelung; der mittlere Teil des Kleeblattes, 1660 bei Fleming 641 bildlich; das Edelste, Liebste, 1775 bei Adelung. Als Pflanzen- name schon mhd. herzeblat. Herzblut, n., mhd. herzehluot n. herzbrechend, part. Adj., Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 280, bereits mhd. herze-, herzhrechen n. «das Herzbrechen, der Tod». Herzeleid, n., mhd. herze-, herzenleit n., daneben herzeleide f., mn'd. herte-. hertenlet n. Herzenslust, f., bei Luther 1. Thess. 2, 8 Hertzenlust. Herz- gespann, n. (-.s): Magenkrampf, den man sich als Spannung der das Herz umgebenden Haut dachte, 1519 bei Luther Kommentar zum Galaterbrief He7'zgespan, mhd. herzspan n. ; dann die Pflanze leonurus cardiaca, gegen den Magenkrampf angewandt, im 14. Jh. hertzgespann bei Diefenbach gl, 639», um 1480 im Yoc. ine. teut. 15'' hertzenspan, mud. hertespan. Herzgrube, f., 1537 bei Dasy- podius Hertzgrilbel n. herzinnig, adj., 1659 bei Butschky Kanzl. 2. Herzkammer, f., 1741 bei Frisch, herzlieb, adj., mhd. herze- liep, mnd. hertelef. herzlos, adj., mhd. herzelös. herzschlächtig, adj.: herzkrank, bes. von Pferden, deren sichtbares Flanken- schlagen (Bauchatmen) in der Herzgegend als Herzschlag angenommen wird (spätmhd. im 15. Jh. herzslechtig, 1394 hercz-, hei'czens- slechtic bei Diefenbach gl. 346°); kurzatmig, engbrüstig (md. im 14. Jh. herzslähtig). Aus gleichbed, nd. hartslechtig , «am hartslach leidend» (mnd. hertslach m., von nd. hart, hert «Herz») schon in den Brünner Stadt- 857 Herzog Heu 858 rechten des 13.— 14. Jh. herfscMechtig, hd. im 16. Jh. hartscJdechtig (Frankf. Reform. 2, 9 §5) und mhd. harteslaht f. «Herzschlächtigkeit des Pferdes». Im Ahd. heißt der Schrecken herzeslagöä m., eig. «das Herzschlagen oder -klopfen ». Herzog, m. (-s, PI. -e, auch Herzöge): der im Eange zunächst unter dem Kurfürsten und Großherzog stehende Füi'st. Xoch im 17. Jh. mit schwacher Flexion (Gen. u. PI. Herzogen), seit der zweiten schlesisch. Dichter- schule Ende des 17. Jh. starkbiegend. Mhd. herzöge, ahd. Äeri-, herzogo, herizoho m.: dazu asächs. heritogo, mnd. her-, Jiartoghe, her-, hartoch, afries. hertoga, ags. heretoga, anord. hertogi m., schwed. hertig, dän. hertug. Zgs. aus ahd. heri -Heer» (s. d.j und dem von ziehen (ahd. ziohan, asächs. tiohan, got. tiuhan) abgeleiteten^ auch in ,ahd. magazoho, maga- zogo <: Knabenerzieher» ei'scheinenden ahd. -zoho, -zogo, {== lat. dux m. «Führer»), also urspr. '^der mit dem Heere auszieht», im Ahd. «Heerführer, Vorgesetzter des Heeres». Davon Herzogin, f., mhd. herzoginne, her- zogin, herzogin, ahd. herizohin, herzogin. her- zoglich, adj., 1664 bei Duez. Herzogtum, n., mhd. Iterzogen-, herzogtuom, gekürzt herzen- tuom n., spätahd. herzogentuom. herzu, s. her. Hesse, m. (-w, PL -n): Volksname. Mhd. Hesse, ahd. Hasso, Hesso m. (auch Personen- name), mlat. im 8. Jh. Hessus, Hassiis, Hessio, bei den Römern das nicht unmittelbar iden- tische, sondern nur stammverwandte Chattus (Tacitus Germ. 29). Der Name Hesse, idg, *Cassio- kehrt im Keltischen wieder in Bodio- casses, Tri-casses (= TpiKdccioi bei Ptol.) Velio-cassi, Cassi-mara, auch wohl in gr. Kdccavbpoc, lat. Cassius, ist aber als Name nicht sicher deutbar. RA. blinder Hesse, 1621 bei Vilmar Id. 43 Uinde Hundehessen, im 16. Jh. bei H. Sachs 17, 399 die Hessen engst (vexiert) man mit den Hunden, mit Bezug auf eine Stammsage, wonach der Stammesherr der Hessen und Schwaben (1541 bei Franck Spr. 2, 49^ blinder Schvab) von einem Hunde erzeugt oder als Neugebomer für einen blinden Hund ausgegeben wurde. In Wirklichkeit geht der Ausdruck blind wohl auf die geistige Blindheit und ist gleich «dumm». Hessen, n.: Hessenland, mhd. Hessen (Nibel. 175, 1), eig. Dat. PI., aus ze Hessen « zu den Hessen» gekürzt. heSSisch, adj., 1561 bei Maaler hetero-, mehrfach in Zusanamensetzungen, ist das gr. exepoc «der andre;>. heterodox, adj.: anders-, irrgläubig, aus gleichbed. gr, drepöboEoc (-boEoc von böia f. «Glaube»). Im 18. Jh. heterogen, adj : anders geartet, aus gr. 4Tepo-Y6vr)c «von einem andern Geschlecht (-fevoc n.)» 1796 von Heynatz durch «un- gleichartig» verdeutscht. 1710 bei Xehring heterogenus. Hetman, m. (-s, PI. -s)-. Kosakenober- haupt. Aus gleichbed. kleinruss. hetman, ent- lehnt aus deutsch Hauptmann. 1710 bei Xehring; offenbar ist der Ausdruck durch Mazeppa bekannt geworden. Hettel, f. (PI. -n): die Ziege, bes. die junge. Alemannisch. Mhd. hatele f., dazu 1563 bei Mathesius Hochzeitpred. 135, 30 das Dim. Hettlein n., bei Grimmeishausen Simpl. 1 3, 356 Kz. Hetel n. Entsprechend nd. hitte i f., anord. haäna f. «junge Ziege». Verwandt ! ist ii-. cit «Schaf» (Zupitza 206). Hetze, f. (PI. -n): Hetzjagd (Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 251); Koppel • Hunde zur Hetzjagd (1775 bei Adelung); das eilige Treiben (Wieland 3, 33). Vgl. Hatz. Von hetzen, v.: zu Haß, zu Verfolgimg reizen, nihd. hetzen, ahd. hezzen, mnd. hissen, hitzen, hessen «jagen, aufreizen». Gleichen Stammes wie Haß (s. d.). Hetzer, m., 1691 bei Stiel er, spätahd. ayiahetzari m. « Anhetzer», mnd. hitzer. Hetzerei, f., bei Goethe 29, 170. Heu, n. (-es, ohne PI.): gedörrtes Gras, insbesondere der ersten Schur. Mhd. höuwe, höu, heu, ohne Umlaut houive, ahd. hewi, houwi n., noch im 16. Jh. Hau, Hauw,vfetter- axLischHä; dazu asächs. houwi, and. höi, mnd. hoi, hoig, liaw, ndl. hooi, ags. Meg, engl.hay, anord. hei/ n., schwed.-dän. hö, got. Jiawi n., gewöhnlich von hauen (s. d. ) abgeleitet, also urspr. «abgehauenes Gras». Liden Uppsala- studier 94 vergleicht lit. sekas m. «Giiin- futter», aind. ^äJcam n. «eßbares Kraut Ge- müse». ABL. heuen, v., mhd. höuwen «Heu machen». ZTJS. Heumonat, m.: Monat der Heuernte, Juh, mhd. höumanot, -mänet, ahd. hewimänoth m. Heuschober, m.: Heu- haufe, im 15. Jh. heicschoher bei Diefenbach gl. 127^, s. Scliüber. Heuschrecke, f. (PI. -n): Feldgrille, Grashüpfer, mh.d. höuschrecke, -schricke m., ahd. hewiscrekko, lumscrecho m., das Mask. noch bis ins 17. Jh., 1664 bei Duez Fem. Heicschreck; dafür ndl. sprinkhaan, ags. goershoppa m. «Grashüpfer» und gcersstapa , m, «Grasgänger», engl, grasshopper, got. pram- 859 heucheln Hexe 860 stei f. Zu ahd. scricchan «aufspringen, in die Höhe springen» (s. Schreck). heucheln, v.: sich anders, insbes. besser stellen, als man ist. Bei Luther aus der md. Mundart (z. B. 1, 410" vom J. 1521) und durch ihn in die hochd. Schriftsprache eingeführt (1520 bei Lüiencron Volksl. 3, 352), auch seit dem 16. Jh. nd. huchelen, ndl. hui- chelen. Iterativbüdung von älternhd. hauchen «sich ducken, bücken» (bei H. Sachs), mhd. hüchen «kauern, sich ducken», also vom Be- griff des demütigen Bücken s und Schöntuns ausgehend. Ähnlich got. liuta m. «Heuchler», zu ags. lütan «sich neigen, sich bücken, vor jem. niederfallen», lot n. «Betrug», anord. lüta «sich niederbeugen». Anders Franck und Schroeder Btr. 29, 556. ABL. Heu- chelei, f., bei Luther. Heuchler, m., bei Luther, seit dem 16. Jh. mnd. hucheler, hugeler, ndl. huichelaar; heuchlerisch, adj., 1558 bei Franck Paradoxa 282% neben heuchelisch bei Luther 1, 41 0^, heuchlisch 5, 206 1'. heuer, adv.: in diesem Jahre. Mhd. Mure, hiwer, hiuwer, md. hüre, ahd. hiuro aus hiuru d. i. hiu järu, dem Instrumentalis des Demon- strativpronomens, dessen Reste in got. hinima daga, hina dag (s. heint, heute) vorliegen, und dem ahd. Subst. Jar n. «Jahr». Davon heurlg, adj.: diesjährig, mhd. 1294 Murig, im 12. Jh. hürec (Windb. Psalmen 235). Heuer, f. (PI. -n)-. Miete, Pacht. Nord- deutsch, 1697 bei Ettner unwürd. Doktor 404 Heuer, vereinzelt im 17. Jh. Haur. Mnd. und mndl. hure f., nnd. hür, nndl. huur f., dazu ags. hyr f., engl. Mre, schwed. hyra f., dän. hyre (Monatslohn der Schiffsleute). Von heuern, v.: mieten, pachten, (seemännisch) einen Matrosen anwerben, mnd.-mndl. huren, nn&.hüren, afries.Äera «pachten», ags.hyrian, engl, hire «dingen, mieten», auch spätmhd. hüren «Pferd oder Wagen mieten» (s. haudern). Unbekannter Herkunft. Vielleicht zu gr.KÜpeiv, KupeTv «auf etwas stoßen». Vgl. noch heiraten. ^BL. Heuerling, m.: MietUng, Mietsmann, 1741 bei Frisch Heurling, mnd. hürlink, nnd. hürling, ndl. huurling m. «Mietüng», ags. hyrling m. «Tagelöhner, Lohnarbeiter». heulen, v.: kläglich schreien, widerlich schallende tiefe Klagelaute ausstoßen. Mhd. hiuweln, Muten, 1420 hewlen (Schröer Voc. 3200), md. und mnd.hülen «heulen, schreien», ahd. hiivilön, Mulön «jubilieren». Verwandt mit ahd. Muwela, hüwela f. «Nachteule» (s. Eule). Weiter dazu gr. KUJKÜeiv «klagen. schreien, heulen», aind. fcaM^i« schreit». ABL. Heuler, m., 1691 bei Stieler; davon Heu- lerei, f. Heune, s. Hüne. heunt, s. heint. Heumonat, Heuschrecke usw., s. Heu. heute, verkürzt heut, adv.: an diesem Tage; dieser Zeit. Mhd. Mute, md. hüte, ahd. Mutu, Muto, gekürzt und verschmolzen aus hiu tagu, dem Instrumentalis des Demon- strativpronomens, das im Got. erhalten ist (s. heint), und dem Subst. ahd. tac «Tag», also gebildet wie das gleichbed. lat. hödie aus hoc die. Entsprechend asächs. Mudu, hiudiga, and. hodigö, mnd. hudene, huden, hude und hodegen, afries. Mudega, hioda, ags. heodoeg, aber got. im Dativ hinima daga «heute». ABL. heutig, adj., mhd. Mutec, ahd. Mutig, dafür mnd. hudelik, in der Genitivformel heutiges Tages, bei Luther (Bicht. 15, 19) heutes tags, ahd. Mutiges desses tages. Hexameter, m. (-s, PI. wie Sg.): der Sechsfüßler, der Vers des Heldengedichtes der alten Griechen und Römer. Aus lat. versus hexameter, von gr. ^5 «sechs» und ln^Tpov n. «Maß», also «sechs Maße habend». Wohl erst in der 2. Hälfte des 18. Jhs. ver- wendet. Hexe, f. (PI. -n): böse Zauberin. Im 16.. Jh. bei Dasypodius Hägß, Häx, bei Fi-i- sius 1541 Hägx, bei Fischart Garg. Hechse, bei Hulsius Dict. 305*^ Hext, mhd. hecse, hexse, hegxse, häxe, auch hesse, unverkürzt hegecisse (Wiener Jahrbb., Anzeigeblatt Nr. 41 S. 21^), ahd. hazus, häzis, häzissa, unverküi'zt hagzissa, hagazussa f., daneben he^esusa; dazu mndl. haghetisse, haghetesse (auch «Eidechse»), nndl. heks, ags. hcegtesse, hcegtis f., engl. hag. Weigand nahm Ableitung von ahd. hag m. «Einfriedigung» an, entsprechend ahd. zünrite f. «Hexe», anord. tünriäur PI. «auf dem Zaun reitende Gespenster». Aber dabei kommt der zweite Teil nicht zu seinem Recht. Eher ist an eine -es-Ableitung von einem Stamm hagat- zu denken, wie Nixe, auch ahd. zaturra «meretrix», und dieses hagat- vielleicht zu gr. KriKciCeiv «schmähen». Vgl. die eingehenden Erörtei-ungen von J, Franck bei Hansen Quellen und Untersuchungen zui- Geschichte des Hexenwahns 1901 S. 614—70 (Tdg. Forsch. Anz. 15, 100). ABL. hexen, v., 1525 bei Eckstein Coücilium (Kloster 8, 734) hägsen, dazu afries.hexnajioocna «behexen». Hexerei, f., 1517 bei Keisersberg Emeis 3* hexerey. 861 M Hilfe 862 ZUS. Hexenmeister, w., 1561 bei Maaler Häxenmeister. HexeilSChuß, m.: plötz- licher rheumatisclier Schmerz in der Hüfte, vgl. 1562 bei Mathesius Sar. 154^ wie die ünhulden und Hexen viech und leute glieder schiessen, hexen und verlehme^i, 1610 bei Colerus Hausbuch B. 6, Kap. 58 Hexengeschoß n. «Geschwür, in dem man Haare, Gräten, Federn findet», ags. hcegtessan gescot in urspr. Bedeutung. hi, Laterj. des kichernden Lachens. 1520 bei Wirsung Calixtus B 5^ hi, hi, hi. hickeln, v.: auf einem Beine hüpfen; hinken. Hessisch hickeln, fränk. hückeln, 1664 bei Duez hinckelen «auff ein Bein hupffen», elsäss. hickeren «krumm gehen, hinken». Mhd. hickeln «hüpfen, springen». hie, s. hier. Hieb, m. i-es, PI. -e): schneidender, dann überhaupt eindringhcher Schlag. 1506 in Nürnb. Chron.5, 705, 29 hieb. Von hauen (s. d.). ABL. Hieber, m.: Hiebwaffe (studentisch bei Miller Walther 148), 1734 bei Steinbach, dafür Hiebdegen 1664 bei Duez. Hiefe, f. (PI. -n): Hagebutte. Fränkisch, lyihd. hiefe f. «Hagebutte und Hagebutten- strauch», ahd. hiufo, hiafo m. «Dom, Dom- strauch»; dazu asächs. hiopo m. «Dorn», ags. heope f. «Hagedorn», engl, hip, aschwed. hiupon, ferner ahd. hiufaltar, hiufolter m., hiefaltra f., mhd. hiefalter f. «Hagebuttenstrauch» (vgl. Maßholder-, Wachholder). Vielleicht urver- wandt mit abg. sipükü m. «Hagerose», bulg. sipkü «Hagebutte», nslow. scipek, serh. sipak m. «Granatapfel, Hagebutte». Die Abweichung in der Lautverschiebung müßte wohl durch n-Assimilation erklärt werden. hier, hie, adv.: an diesem Orte. Mhd. hier, gewöhnlich hie, ahd. Mar, hia: dazu asächs. her, hier, hir, mnd. hir, mndl. her, hier, afries. hir, ags.-anord. her, schwed. här, dän. her, got. her. Eine Bildung zu dem alten Pronominal stamm, der bei heint (s. d.) besprochen ist, vgl. her, heuer, heute, hin, hinnen. In Zusammensetz, hierauf (1561 im Amadis 1, 14), hieraus (1626 bei Zincgref Apophth. 1, 73), hierbei (mhd. hie bi), hier- durch (Amadis 1, 58), hierher (bei Luther hieher), hierin (mhd. hier inne), hiermit (mhd. hie mite), hiernach (bei Hulsius Dict. 1605 hienach), hierunter (mhd. hier under), hiervon (Schuppius 15), hierzu (bei Luther hie zu). Die Foi-men mit hie sind in Süddeutschland sehr geläufig. Die bayrische Orthographie schreibt sie regelmäßig, wenn das zweite Glied konsonantisch anlautet, Österreich schreibt hiebet, hiedurch, hie für, hiegegen, und läßt die andern neben hier- zu. ABL. hiesig, adj., von hie gebildet wie dasig (s. d.) von da, 1618 bei Schönsleder, dafür im 15. — 17. Jh. hieig (Xümb. Pol.-Ordn. 246) und im 16. Jh. hieisch (Mathesius Sar. 75 *J. Hieroglyphe, f. (PI. -«): Zeichen der ägyptischen heiligen Bilderschrift. Zu gr. iepoYXijq)oc n. «Hieroglyphensehreiber», von iepöc «heilig» und YXOqpeiv «eingraben». Bei Goethe Br. 24. 3. 79. hieroglyphisch, adj., bei Fischart Garg. 40 hierogliphisch, nach gi\-lat. hieroglyphicus, gr. iepo-fXucpiKÖc. Hift, m. {-es, PI. -e): Stoß ins Jagdhorn. Im Xeuw Jag- und Weidwerkbuch (Frankf. 1582) 1, 4^ und 1663 bei Schottel Hift m., 1664 bei Duez Hifft und Hüfft m. «Weyd- geschrey, mit dem Hörn oder auch mit dem Mund», 1678 bei Krämer Hifft n., 1686 bei Mühlpforth Geistl. Ged. 16 Hift f. «Jagdruf mit dem Jagdhorn», dagegen 1719 bei Fle- ming t. Jäger 254* Hief m., wohl zu ahd.- got. hiufan, asächs. hiovan, ags. heafan und heofan «klagen, wehklagen». ZUS. Hift- horn, n. (-S, PL Hifthörner): kleines Hom des hirschgerechten Jägers, 1719 bei Fleming teutscher Jäger 253^ Hief-Horn, 1746 bei Döbel Jäger-Practica 3, 105 Hüffthorn, 1763 bei Heppe Jäger 203 Hifthorn. Hilfe, f. (PI. -n selten), das Subst. von helfen (s. d,). Mhd. hilfe, meist helfe, ahd. hilfa, gewöhnlich helfa f. ; dazu asächs. helpa, mnd. und afries. helpe, ags. helpe und help, anord. hjalp f., dän. hjälp. Vornehmlich dnrch Luther hat sich die aus dem Md. und Nd. aufgenommene Form Hülfe geltend gemacht, md. im 14. Jh. hülfe, ahd. einmal hulpa, in den Psalmen hulpa, mnd. und mndl. hulpe f., nndl. hulp neben help f. Die Schreibung Hülfe ist heute noch zulässig, doch wird Hilfe vorgezogen. ZUS. Hilferuf, m., 1808 bei Campe HiUfe^'uf als junges Wort, hilf- los, adj., mhd. helfe-, helflös, ahd, helfelös, asächs. hulpilös, afries. helpelös: davon Hilf- losigkeit, f., 1741 bei Frisch, hilfreich, adj., mhd. helferiche. Hilfsmittel, n., 1581 bei Fischart Bienk. 109^ Hülffmittel. Hilfs- quelle, f., 1773 von Wieland im Teutschen Merkur 1, 227 für das franz. ressource f. ge- bildet. Hilfszeitwort, n. im 19. Jh., dafür 1641 bei Schottel 416 Hülffivort und noch bei Adelung und Heynatz Hiilfsicort. 863 Hilpertsgriff Himteu 864 Hilpertsgriff, m.: hinterlistiger Griff, ränkevolle Handlung (Tieck 15, 316). Noch koburgisch. 1562 bei Mathesius Sar. 218^ Hilpersgrift, verküi-zt aus Hildebrandsgriff' (1646 bei Philander 3, 242), in der 1. Hälfte des 16. Jb. Ä7^;ra«%H;f (Frommann Zeitschr. 2, 21), mit Bezug auf das jüngre Hildebrands- lied aus dem 15. Jh. Str. 12 (Uhland Volksl. 333): Er erwischt in hei der mitte da er am sdnvechsten was, er schwang in hinder- rucke wol in das grüne gras. Himbeere, f. (PI. -n)-. die rote Beere des rubus idaeus. 1546 bei Bock 2, 12^ Hymheer f., 1578 bei Frischlin Nom. Kap. 22 Himheer stand und 1616 bei Henisch Himbeer, Hinnheer, hervorgegangen aus Hindheer f. (noch im 17. und 18. Jh.), mhd. hindbere n., ahd. hintjperi n., d. h. «Beere, die die Kinde (s. d.), die Hirschkuh gern frißt: dazu and. hindberi, ndl. hennebezie, ags. hindberige f., nordengl. hindberry, dän. hindbär, himbür. Noch in Ostpreußen Hindbeere (auch Ins- beere, wohl aus Hindsbeere), in Thüringen und Obersachsen Hingbeere (bei Adelung Hünkbeere). Dagegen 1482 im Voc. theut. o7^ hynper «Wachholder». Himmel, m. (-,s, PI. wie Sg.): die blaue Wölbung über der Erde; Sitz der Sehgen: Baldachin, Tragehimmel (mhd.). Bei Luther Himel, mhd, himel, md, auch hiemel, ahd. hiniil m.; dazu asächs. himil, afries. himul, himel, anord. himill m., schwed. und dän. himmel, mit l aus n, wie Esel, Kümmel, und daher hierher got. himins m., anord. himinn m. Daneben Formen mit t oder f, das in den obhquen Kasus vor n lautgesetzlich aus m entstand: anord. Dat. PI. hifnom neben him- num, Akk. PI. hifna neben himna, in Zussetz. hifnakonungr m. «Himmelskönig» neben him- nakonungr, ferner asächs. hetan, hevan m. «Himmel», mnd. heven m, «der physische Himmel» im Unterschied von hemmel m. in rehgiöser Beziehung, ags. heofon m. und heo- fone f., engl, heaven. Die Etymologie ist ganz unsicher. Besondre Beziehung zu gr. KU€\.eepov n. «Stubendecke» besteht nicht, da l erst im Germ, entstanden ist. Andre nehmen «Decke» als Grundbedeutung an (Wz. ham «bedecken», s. Hemd, wie lit. dangüs m. «Himmel» zu dengiü «decke». Vgl. unten himilizi). Kluge verbindet H. mit heim, was unwahrscheinlich ist. Schließlich könnte man H. auch mit aind. acmä m. «Fels, Stein» vergleichen (vgl. Hammer), das auch die Be- deutung «Himmel» hat, ebenso awest. asan-, asman- m. Vgl. noch Walde s. camur. Für «Baldachin, Zeltdecke» hat das Ahd. die Weiterbildung himilizi n., mhd. himelze n. <. Baldachin, Zimmerdecke», mnd. hemelte n. «Zimmerdecke, Gewölbe», ndl. hemelte, ghe- hemelte «gewölbte Decke des Munds, Gaumem>, noch Schweiz. Himmleze f. «gewölbte Decke, Betthimmel», fräher auch «Gaumen», wie 1616 bei Heuisch 1375, 13 Himmel im Mund. RA. im siebenteil Himmel sein, von den 7 Planeten- himmeln der jüdischen Vorstellung herge- nommen. Erst im 19. Jh. nachzuweisen. ABL. llimmeln, v.: zum Himmel streben (Goethe Pandoral82, schon 1671 bei Otho Krankenti'ost 1265): in den Himmel fahren, sterben (1662 bei Lehmann Flor. 1, 851, noch obei-d. und in nd. Mundarten); verklärt aussehen (1804 bei Bentzel-Stemau Das goldne Kalb 3, 81 als neues Wort). Mhd. himelen «in den Himmel aufnehmen». Mmmliscll, adj., mhd. hime- lisch, himelsch, ahd. und asächs. himilisk, afries. himulisk, himelesk, ags. heofonisc; im Adv. ahd. himelisko. ZUS. himmelan, adv., 1663 bei Schottel 523. Himmelbett, n., 1711 bei Rädlein, dagegen schon um 1480 im Voc. ine. teut. 1 6^ himel ob einem bet. himmelblau, adj., mhdi.himelblä. Himmel- fahrt, f., mhd. himelvart, ahd. himilfart f. himmelhoch, adj., 1645 bei Zesen adriat. Rosemund 17. Himmelreich, n., mhd. himelriche, ahd. himilrihhi n.; dazu asächs. himilrJki, afries. hünul-, himelrlk, anord. himinriki (daneben himna-, hifnariki), ags. heofonrice n. Himmelschlüssel, m., mhd. himelslüggel m. (auch Schlüsselblume, primula veris), ahd. himilslu^^il m. himmelschrei- end, part. Adj., 1691 bei Stieler (beruht auf 1. Mos. 4, 10). Himmelskugel, f.: Globus, 1648 bei Kenuiitz schwed. Krieg 1, 305^ von 1631 und bei Schottel 1663 S. 435. Himmels- leiter, f., mhd. himelleiter f, himmel- weit, adj., bei Opitz 1, 2; bildlich himmel- weiter Unterschied 1775 bei Adelung. Himten, m. (s, PI. wie Sg.): ein Maß für Getreide usw., etwa 4 Metzen. ISoch ndd. und ostmitteld. aus dem Ndd. Md. h&mmete (Germ. 20, 43), 1517 bei Trochus CS*' hempte «hemina», 1594 bei H. J. v. Braun- schweig 458 Himpten m., mnd. hemete m,, nnd. hempte, hempe. himpe, 1741 bei Frisch als obersächs. Heimbzen m. und thüring. He- mitze, md. schon 1272 heymetze, sowie in Zeitzer Urkunden des 15. u. 16. Jh. heimbzen, 865 hin hinlänglich 866 heimzen, heymitzen, heynitzen, hennitzen, jetzt Hinzmöß (Germ. 20, 43). YieUeicht aus gleich- bed. gr.-lat. hemina, gr. i^aiva und rjjaiva f. hin, adv. : in der Richtung von dem Sprechenden weg; zu Ende, in Verlust ge- kommen, verloren (mhd.). Mhd, Mne, hin, md. auch hen, ahd. Mna, ags. hin (in hingang «Abgang, Tod»), eine Bildung zu dem unter heint (s. d.) besprochnen Demonstrativpro- nomen. Vgl. hinnen. EA. hin und her, mhd. hin unt her, auch her unde hin; hin und wieder: hin und zurück, da und dort, daim und wann, bei Luther. ZUS. hinab, adv., mhd. hin abe. hinan, adv., bei Luther, hinauf, adv., mhd. hin nf, ahd. hina üf. hinans, adv., mhd. hin «j, ahd. hina üg. hinbringen, V., in die Zeit hinbringen, eig. weiterbringen, 1678 bei Krämer. S. hindurch, hinein, hin- fcillig usw.. Hinde, f. (PL -n) u. Hindin, f. (Pl.-ne/i): die Hirschkuh. Mhd. hinde, ahd. hinta, hinda f.; dazu mnd. hinde, hinden, ags.-engl.-anord.- schwed.-dän. Mnd f. Als urverwandt gilt gr. Ke.udc f. (Gen. Keuäboc) «Hirsch, Antilope», doch stimmt die Lautverschiebung nicht. Liden KZ. 40, 257 sieht als Gnindbedeutung «hornlos» an und vergleicht aind. gämas, für das er eine Bedeutung «hornlos» erschließt. Dazu lit. smidas «ohne Höraer», smiilis m., smide f. «Rind ohne Hörner», Vgl. noch Charpentier KZ. 40, 430, W. Schulze KZ. 40, 566. Dazu mit der weiblichen Endung -in (s. d.) umgebildet 1562 bei Crusius Gramm. 1, 297 Hintin neben Hint, 1664 bei Duez Hindinne, 1678 bei Krämer Hindin, vor- bereitet dui'ch die mhd. und mnd. Neben- form hinden (Diefenbach gl. 115^), in der das schließende n aus den obliquen Kasus in den Nom. gedrungen ist. Vgl. Himbeere, Hindläufte. hindern, v.: rückgängig machen, im Fort- gang aufhalten. Mhd, hindern, ahd. hintiren und hinderön: dazu mnd.-ndl. hinderen, ags. hindrian, engl, hinder, anord. hindra, schwed. hindra, dän. hindre. Abgeleitet von derPräp. hinter (s. d.), wie mißern von außer, fördern von förder. ABL. hinderlieh, adj., spät- mhd. 1428 hinderlich, mhd. im Adv. unhinder- lichen «ungehindert». Hindernis, n., mhd. hindernisse, -nüssen., selten hindernisi. Hin- derung, f., um 1480 im Voc, ine. teut. 1 7*. Hindin, s. Hinde. Hindläufte, f. (PL -n): die gemeine Ci- chorie. 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 24 Eindleuffte, 1482 im Voc. theut. o 4*» hyndt- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. lauff, mhd. hintloifte, ahd. hinÜoiplm f., mnd. hintlope, hintlof. Der Name bed. «am Lauf der Hinde, d. h. an und in Waldwegen wachsende Pflanze». hindurch, adv., mhd. hin durch, s. hin. hinein, adv., mhd. hin in und in hin, ahd. hina in. hinfällig, adj.: an Leibeskraft ztim Hinfallen schwach, mhd. hinvellic «sterbend», 1483 bei Melber x 2^ hinfellig «leer, gehalt- los, vergeblich ;>; dann «ohne Bestand, ver- gänglich» (hinfellig Lob 1561 bei Maaler), «ohne Halt» fvon Behauptungen, 1663 bei Schottel 862). hinfort, adv., bei Luther hin fürt, mhd. hinnen vort. hinfür, adv., 1464 im Cod, dipl. Sax. reg. H, 3, Nr. 1075 hinfur «femer», ahd. hina füre, 1508 bei Keisersberg Pred. 67^ hinfüro, das sich bis zum Ende des 18. Jh. erhält, in gleicher Bed. fürhin vom 15. bis ins 18. Jh. hin- fürder, adv.: hinfort, 1470 im Cod. dipl. Sax. n, 8, Nr. 1139 hynfurder, nur noch alter- tümlich, hingeben, v. refl.: sich ganz und gar widmen, im 18. Jh. (Goethe 28, 30); da- zu Hingebung, f., bei Goethe 20, 211. hin- gegen, adv., 1561 im Amadis 1, 315 u. 363; Konj. da hingegen 1582 bei Fischart Garg. 334. hingehen, V., mhd. hinegän, ahd. hina gangan. Hinkel, n. {-s, PL wie Sg.): Huhn, urspr. Hühnchen. Luxemb., rhein., frank, u. hess. Hinkel und Hünkel, 1540 bei Albenis dict. H h 2^ und 1650 bei Moscherosch Phil. 2, 333 Hünckel, schon 1423 md. hiyikel und 1338 hunckel, Geim. 9, 20 hunclen, aus mhd. huo- nicUn n., ahd. huonichli n. «junges Huhn» neben ahd. im 8. Jh. huaninchili n. «Junges eines Vogels» (ZfdA. 3, 464^). hinken, v. (Prät. hinkte, Part, gehinkt): mit einem kurzem oder lahmen Fuße gehen. Bei Luther mit schwacher Flexion (l. Kön. 18, 26), dagegen mit starker Biegung wie noch oberdeutsch mhd. hinken, (Prät. hayic, Plur. hunken, Konj. hunke, Part, gehunken), ahd. hinkan, ags. nur in hellehinca m. «der hinkende Teufel», anord. hinka «hinken, lah- men», schwed. dial. hinka «zaudern, säumen», dän. hinke, ablautend mhd. hanken. Dazu aind. khdyd'jati «hinkt», ir. cengim «ich gehe» (Stokes KZ. 40, 246) und mit anlaut. -s gr. cKÖZieiv «hinken», wie auch anord. skakkr «lahm», schwed.-dän. skakk. hinlänglich, adj.: ausreichend, 1691 bei Stieler, hiulässig, adj,: fahrlässig, nach- lässig (Herder zu Lit. 1, 168), um 1480 im Voc, ine. teut. 1 7 ^ hinlesig, bei Luther hinlessig. 867 hinnen Hippe 868 ^hinnen, adv.: von hier weg, von diesem Orte weg. Mhd. hinnen, ahd. Mnana, hinan, hinnan; dazu asächs. Mnana, hinan, hinen, ags, heonan, engl, hence. Eine Bildung zu dem unter heint (s. d.) besprochnen Pro- nominalstamm, wie hin. "hinnen, adv.: hier drin (l. Kor. 5, 12), mhd. hinnen und hinne, aus hie innen, hie inne, noch md. hinne. hinreichen, x.-. ausreichen, 1711 bei Käd- lein. hinreißen, v.: fortreißen, mhd. hin rigen, übertr.in bezug auf Leidenschaften, 1734 bei Steinbach, hinrichten, V.: zugrunde richten, verderben, bei Luther und 1515 bei Pleningen Sallust P 2; infolge eines Richter- siDruchs töten, bei Luther 2. Makk. 7, 41, für mhd. rihten. Hinsicht, f., 1775 bei Adelung; hinsichtlich, adv., bei Campe 1808 als neu. hintan, adv.: hinten an, zuletzt. 171f5 bei Ludwig hintan, früher bei Rädlein und Stieler hindan, mhd. hindan und hindenän «liinten hin». Oft auch ist hintan aus mhd. hin dan «hinweg», hintansetzen, v., 1531 bei Franck Thron. 132». hinten, adv. Älternhd. hinden, 1678 bei Krämer hinten, mhd. hinden, früh hindene, ahd. hintana; dazu asächs. hi hindan «hinter- drein», mnd. hindene, ags. hindan «hinten, von hinten», hehindan «hinten», engl, hehind, got. hindana «hinter, jenseit» (mit Gen.). Dazu burgund. hendinos «König», ir. cetne «erster», gall. Cintu-(gnätos). Vgl. Walde s. v. recens. ^hinter, adj., 1678 bei Krämer, älternhd. und mhd. hinder, selten hinter, ahd. hintaro (Komp. hintiror, hintarero, Sup. hintaröst): dazu and. hindiro, anord. hindri (Supei*l. hinnstr) «der spätere, folgende», alte Kom- parativbildung, s. hinter -. Substantivisch Hintere, m. (Gen. u. PI. Hintern): das Ge- säß, 1678 bei Krämer Hintere, älternhd. und mhd. hindere m. ^hinter, präp. mit Dat. und Akk. je nach den Fragen wo? und wohin? 1664 bei Dnez und 1678 bei Krämer hinter, älternhd. hinter, ühd.hintar; dazu mnd.-ags. /a'wfier, got. und mhd. hinder, im 15. Jahrh. gewöhnlich hindar «hinter, jenseits». Alte Komparativ- bildung (entsprechend gr. -xepoc, amd.-taram), die in hinter ^ adjektivisch gebraucht ist und zu der ein Superlativ vorliegt, in ags. hin- dema «der letzte», mit doppeltem Superlativ- suffix got. hindtimists «der hinterste, ent- fernteste». ZUS. hinterhleiben, v. : zurück- bleiben, in bezug auf einen Toten, bei Fleming 132 (40, 6 L.), bes. die Hinterhliehenen, 1734 bei Steinbach, hinterbringen, v., 1678 bei Krämer, hinterdrein, adv., 1775 bei Engel Philosoph f. d. Welt 1, 20. hinter- gehen, v., mhd. hinder gän «von hinten über- fallen, betrügen». Hintergrund, m., 1775 bei Adelung, aus der Malerei. Hinterhalt, m.: Stütze im Rücken, Rückhalt (1480 bei Haltaus 914, Reserve von Truppen 1476 bei Liliencx'on 2, 86^); heimlicher Vorbehalt (1681 bei Riemer polit. Stockfisch 316); Versteck, um den Feind von hinten zu überfallen, so- wie die dazu beorderten Trappen (bei Luther) ; dazu hinterhaltig, adj.: heimlich zurück- haltend, in bezug auf Gedanken, Gefühle und Wissen, 1687 bei Hohberg Georgica 2, 854 '^ hinterhältig, vgl. hinder dem Berg halten 1570 bei Agricola Sprich w. 90^^. hinterher, adv., 1716 bei Ludwig. Hinterlist,!, mhd. hinder- listm.: hinterlistig, adj., mhd.hinderlistec. hinterrücks, adv., im 15. Jh. hinterrücks [hinter mit dem alten Gen. von Bücken, älter mit dem Dat.), mhd. hinderrucke, ahd. hintar rukke «rückwärts». Hintersasse, m, (-n, PI. -w): der hinter einem andern als dessen Zeit-, Leib-, Erbpächter Ansässige, mhd, hinder- sce^e. hinder se^^e m. Vgl. Insasse, Sasse. hinter stellig, adj.: rückgängig, abspenstig (Wieland Kombabus 444), mhd. hindersteller «zurückgestellt», dann «sich nach hinten stel- lend, zuräckbleibend, ungehorsam». Hinter- teil, n.: Steiß, mhä. hindei'teil, spätahd. hinder- deil n. hintertreiben, v.: zurücktreiben, verhindern, bei Opitz 1, 166. Hinterwäldler, m. (-S, PI. wie Sg.), Übersetzung des amerika- nischen hackwoodsman ; dann derber Mensch ohne Lebensart. Schlagwort seit den vierziger Jahren des 19. Jh. Vgl. Ladendorf, hinter- wärts, adv., mh.(i..?iindenüert, -wart, im 14. Jh. hinderwarts, im 15. Jh. hintencerz. hinilber, adv.: auf die andre Seite hin, spätmhd. hinüber, s. hin. hinunter, adv., bei Luther, hinweg, ad., mhd. himvec. hin- wieder, adv., mhd. hin ividere. Am wide)-. hinzu, adv., rad. im 13. Jh. hin zu. Hinz, Hinze, Name des Katers in der Tierfabel. Zuerst im Reineke Vos 78. 906 fg. Niederd. Koseform von Hinrik (mnd. Hintze, Hintzcke), wie oberd. Heinz (s. d.) von Hein- rich. Vgl. Kunz. Hiobspost, f.: böse Nachricht, nach Hiob 1, 14 fg. Bei Goethe (Götz) 89, 40. ^ Hippe, f. (PI. -n): zusammengerollter oblatenförmiger Kuchen, Waffel. Noch ober- 869 Hippe Hirse 870 deutsch. Spätmhd. im 15. Jh. hipe, liiepe f. In den Fasnachtspielen des 15. Jh. 373, 1 hole hip f. «hohle Waffel», daher im 16. und 17. Jh. Hohlhippe f. Da das Wort auch die Weidenrinde bezeichnet, die von den Knaben im Frühling zu einer Pfeife hergerichtet wird, so könnte diese Bed. ui'sprünglich sein, und das Wort zu got. Mufen (s. Hifthorn) ge- hören. Der Kuchen wäre dann nach seiner Gestalt benannt. ■Hippe, f. (PI. -n): Sichelmesser (Offenb. l-i, 18j; Sense des Todes (Lessing 1, 64). 0 bersächsische Form von Heppe, Hepe, durch Luther in die Schriftsprache gekommen. Mhd. (md.) hepe, heppe, ahd. heppa. happa f. «Sichel, Sichelmesser, Sichelbeil», im 15. Jh. auch heepp (Diefenbach gl. 606^), 1596 bei Hulsius Heep, 1482 im Voc. theut. n. 7'' happe. Dazu mnd. hepe, heppe, hiepe. Aus einem germ. Viapja sind entlehnt ital. accia, azza «Axt», prov. apcha, frz. hache, span. hacha «Axt», aus ndfrk. happa frz. happe «Halbki-eis von Eisen, Krampe». Oberdeutsch noch hap. Herkunft unklar. Vielleicht zu gr. kottic f. «Schlacht-, Opfermesser», abg. kopije n. «Lanze», lit. kapöne f., lett. kapans «Hackmesser», vgl. Zupitza 114. ^ Hippe, Hippleiii, n. (-s, PI. wie Sg.): junge Ziege, Zicklein, Zickelchen. 1664 bei Duez Hippelein, 1586 bei Mathesius Syrach 3, 10 Hepelein, Dim. von bayr. - obersächs. Heppe f., kurhess. Heppe, Hippe f. «Ziege», besonders als Lockruf für diese. !N"ach Kluge vielleicht Koseform zu habev «Bock» (s. Haber geiß). Hiril, n. (-S, PI. -e): das Kopfmark. Mhd. hirne. Mm, md. kern, ahd. hirni n.; dazu mnd. kerne, harne n., ndl. hersenen, karsenen f. und inZusammens./"seu, mittelengl./terrtes, Schott, harns, anord. hjarni m., schwed. hjärna f., dän. hjerne «Gehirn». Daneben anord. hjarsi m. «Kopfwirbel, Scheitel». Urver- wandt mit lat. cerehrum n. «Gehirn», cer- ' nuus «kopfüber», gr. Koip «Kopf», KÖpa, Kcipri f. «Kopf», Koipavov, Kcxprivov n. «Haupt, Berg- gipfel», KÖpcr|f. «Schläfe», xpäviovn. «Schädel», armen, sar «Höhe, Gipfel», awest. sarak- n., aiüd. giras und glrsäm, fßrsän- n. «Kopf», also mit indogerm. k', während got. kairnei f. «Hirnschädel», anord. hvern f. «die zwei bootförmigen weißen Knochen im Fischgehirn, die Gehörsteine», hverna f. «Topf, Schale», abg. (^rena f. «Schüssel», aind. karayokas m. «Schädel, Gefäß» auf indogerm. Ä«" weisen. ZUS. Hirilgespiust, n., 1716 bei Ludwig, vgl. das Hirn erspinnt 1648 bei Weckher- lin 2, 16 F. hirnlos, adj., mhd. kirnelös. Hirnschädel, m., mhd. himschedel. Hirn- schale, f., mhd. hirne-, hirnschal, ahd. hirni- scala f. Hirsch, m. {-es, PI. -e): mhd. hir^, auch I hirz, hirtz (noch hess.-alemann. Hirz), 1482 Jim Voc. theut. o 5'^ hirsck (in hirschenpock), I im 15. Jh. hirß, hirs (auch bei Luther Hirs, I Hirfs), im 16. Jh. Hirsch langsam vordringend, 1 frühmd. hire^, ahd. hint^, hir§ m.; dazu andfrk. i hirot m., mnd. herte, harte n., nnd. hart m., j nndl. hert n., ags. heorot, heort m., engl. : hart, anord. hjörtr m., schwed.-dän. hjort m. j Urverwandt mit lat. cervus m. «Hirsch», kymr. I carw, körn, carow «Hirsch», apreuß. sirwis «Reh», gr. Kepaöc «gehörnt» (zu gr. K^pac n. «Hörn, Geweih», Gen. Kepaxoc), also urspr. «Geweihtier». Dazu aber auch lit. kcirve, abg. krava f. «Kuh», also mit idg. Wechsel von k und k'. Lautlich entspricht gr. xöpuboc [ m., Kopuböc f. «Haubenlerche». Oberd. biegt man schwach: Gen. u. PI. Hirschen (wie im 1 IG. und 17. Jh. Teuerdank 30, 20, Waldis Es. I 2, 11, 16, H. Sachs, Opitz und Hoffmaunswal- ' dau), was auf schwachflekt. mhd. hir^e, hirze \ m. zmückgeht, auch bei Luther Hohel. 8, 14 ' der Dat. Sg. Hirssen. ABL. Hirschling, m., der Waldschwamm Agaricus deHciosus und Ciavaria coralloides, 1741 bei Frisch. ZUS. Hirschfänger, m.: Seitengewehr des Jägers I zum Fangen, d. h. Abstechen des Hirsches, I 1664 bei Duez. Hirschgelos, n., 1775 bei Adelung, 1741 bei Frisch Hirschgelöse, s. Gelos. Hirschgeweih, n., 1581 bei Fischart ; Bienk. 200^ Hirtzgeweih, mnd. hertestwich n., I s. Geweih. Hirschhorn, n., mhd. kir^hom 'n.; davon hirschlioruen, adj., mhd. 1391 I hirczhormn. Hirschkäfer, m., 1664 bei ; Duez. Hirschkalb, n., 1664 bei Due/.. ; Hirschknh, f., 1741 bei Frisch. Hirscl«- i Schröter, m.: Hirschkäfer, s. Schröter. Hirschwnrz, f.: das Heilkraut Peuceda- ; nuin cervaria, mhd. hirpvurz, hircesivurz (Hildegard], mnd. herteswort. ! Hirse, f. (PI. -n), auch noch m. und \ Hirsen, ni.: die Pflanze Panicum miliaceuni. j Mhd, Mrse, hirs m., ahd. hirsi und hirso ni., I noch oberd. Hirß m., bei Duez 1664 und Freyer 1722 Hirsen m.; dazu and. kirsi \n. Das Vqiü. ist in Norddeutschland heimisch ] und jetzt in der Schriltsprache im wesent- lichen durchgedrungen, 1663 bei Schottel 871 Hirt Hobel 872 Hirse f., mnd. herse f.; in md. Mundarten Hirsche f. m,, 1516 bei Pinicianus Prompt. .J2'^ hirsch, 1638 beiHomburg Clio B8 Hirsche. Mit der Verbreitung der Fracht nach Norden auch in die dortigen Sprachen gedi-ungeii, ndl.-schwed. hirs, dän, hirse, isländ. hirsi, engl, hirse. Vielleicht zu lat. cirrus m. «krauses, von Natur gelocktes Haar, Haar- locke» oder besser zu lat. Geres «Göttin der fruchttragenden Erde», 11t. serti «füttern», sermenls «Begräbnismal», aind. gäspam n. «junges Gras». Vgl. Walde s. v. Vgl. Fench. ZUS. Hirsebrei, m., um 1480 im Voc. ine. teut. 18* hirsprey, Var. hirßbrey, vgl. früh- mhd. ü§ hirse man den prien tuot (Genesis 24, 36). Hirsekorn, n., mhd. hirsekorn, ahd. hirsechorn n. Hirt, m. {-en, PI. -en), unverküi-zt Hirte, m.: Viehhüter. Mhd. hirte, hirt, ahd. hirti m.; dazu asächs. hirdi, mnd. herde, ags. hirde, heorde, engl, herd, anord. hirdir, got. hair- deis m.; daneben mit andrer Bildung mhd. hertcere, harter und hirter, mnd. herder, afries. herdere, ndl. herder, harder m., daher die Familiennamen Herder, Harder. Lit. kef- dz'us m. «Hirte» ist wohl nicht urverwandt, sondern entlehnt. Hirt ist j- Ableitung zu Herde (s. d.). ABL. Hirtin, f. (PI. -nen), 1575 bei Fischart Garg. 812. ZUS. Hirten- brief, m.: Brief eines geisthchen Hirten, bischöfliches Sendschreiben 1775 bei Ade- lang. Hirtenstab, m., mhd. hirtenstap m. Hirtentäschel, n.: das Feldkraut Capsella bursa pastoris mit Samenhülsen wie Täsch- lein, 1574 bei Fischart Onom. 808^ Hirten- täsch f., bei Brunfels 1530 und Fuchs 1542 Hirtenseckel m. (s. Täschelkraut). bissen, V.: Stangen, Eahen, Boote, Flaggen in die Höhe ziehen. Ein niederd. Seemanns- wort, 1728 bei Sperander hissen, mit der Nebenform hiesen, 1582 bei Chyträus tiphissen, 1536 bei Giseke Hamburger Chron. 119 his up dat segeU, dazu 1741 bei Frisch Hisse f. «Maschine, womit man im Schiff etw. in die Höhe heben kann». Entsprechend bei den andern german. Seevölkern, ndl. hijzen, hij sehen (spr. heischen), (daraus entlehnt dän. heise), norweg.-schwed. hissa (aus dem Ndd.), engl, hoist, verschieden von ndl. hitsen, bei KUian hisschen und mnd. hissen «hetzen», aber in Anlehnung daran 1557 bei Waldis Esop. 2, 30, 88 die Segel aufhetzen. Aus dem Niederd. entlehnt gleichbed. franz. hisser (1664 bei Duez auch hinser, isser), ita.\. issare. span.-port. izar. Seit 1879 ist auf der deutr sehen Kriegsflotte heißen statt hissen ein- geführt. Herkunft unklar. Historie, f. (PI. -n): Geschichte, Ge- schichtserzählung, Geschichtsbuch. Mhd. historje f., von gr.-lat. histaria, gr. icropia f. « Geschichte ». Historiker, m. : Geschichts- forscher, -kundiger, Geschichtsschreiber, im 18. Jh. gebildet nach dem substantivisch ge- setzten gr.-lat. Adj, historicus, gr. icxopiKÖc, wovon historisch, adj.: geschichtlich, 1575 bei Fischart Garg. 42. Hitsche, s. Hütsche. Hitze, f. (ohne PI.): brennende "Wärme: (schon mhd. bildlich) zu große Gemütser- regung. Mhd. hitze, ahd. hizzea, hizza f.; dazu asächs. hittja, mnd. und nndl, hitte f., ags. hitt f., anord. hiti m., dän. hede «Hitze». Gleichen Stammes wie heizen und heiß (s. d.). Aus dem Ahd. entlehnt ital. izza f. «Zorn, Unwille». ABL. hitzen, v., mhd. hitzen «heiß machen», verschieden von mhd. hitzen, ahd. hizzön «heiß werden, vor Hitze auf- wallen», hitzig, adj., mhd. hitzic, hitzec. ZUS. Hitzkopf, m., bei Goethe 30, 186 neben Heißkopf (do, 270). Hitzschlag, m.: schlagflußartiger Zustand infolge der Sonnen- hitze, Sonnenstich, Mitte des 19. Jh., vgl. 1576 bei Fischart glückh. Schiff V. 211 Hitz- stich m. «heißer Stich der Sonne». ho! Interj. des Zunifs (1561 bei Maaler), des Zweifels und Einwui-fs (s. hoho, oho). Auch franz. ho ! Hobel, m. (-S, PI. wie Sg.) : Unebenheiten abstoßendes Glättwerkzeug des Schreiners. Mhd. hovel, hohel m., md. 1470 bei Diefen- bach gl. 325 c hubel (1663 bei Gryphius P. Squentz 82 Hubel und noch mundartlich), 1540 bei Alberus dict. y 1* Hübet m.; da- zu mnd. hovel, hoffei, nnd. Iiövel m., (ent- lehnt) schwed. hi/fvel n., dän. hövl. Unmög- lich zu heben, trotz nisl. hefill m. «Hobel» wegen des Vokahsmus. Auch russ. sköbell f. «Schabmesser» läßt sich nicht vergleichen. Am nächsten liegt Anknüpfung an schaben (doch bleiben auch dabei Bedenken) oder schieben. ABL. hobeln, v., auch bildhch «von rauher Sitte glätten» (schon 1472 bei Eyb Ehebüchl. l*' hobeln). Es stammt diese Bedeutung aus Handwerksbräuchen, vgl. ««- gehobelt. Mhd. im 14. Jh. hobeln, md. im 15. Jh. hofein, ho fein (Diefenbach gl. 323'^, 325 c) und 1470 hubein, 1540 bei Alberus dict. 11 4^ hübein, mnd. hovelen und im 15. Jh. 873 Hoboe hoch 874 höffelen (Diefenbach gl. 189^), nnd. höveln, danach bei Luther (l. Kön. 6, 36) höffein. Entiehnt schwed. hyfla, dän. hövle, Island. hefla. ZUS. Hobelbank, f., 1508 in der Straßburger Gemma hß'^. Hobelspan, m., 1556 bei Frisius 1169^ Hobelspan PI. Hoböe, in Österreich und Bayern auch Oboe, f. (PI. -n): scharftönendes, hölzernes Blasinstniment. 1703 im Zeitungslex. Haut- bois «Art Blasinstrument, welche meist bei den Regimentern zu Fuß und den Dragonern gebrauchet werden», 1716 bei Ludwig (teutsch- engl. Lex. 925) Hohoy oder schalmey. Aus gleichbed. franz. haut-bois m., d. i. wörtlich «Hochholz» (haut «hoch», bois m, «Holz»], weil hoch (bis ins 3 gestrichene g) gehendes hölzernes Blasinstniment. Entlehnt ins Ita- lienische oboe m. und daher bei uns später auch Oboe. Hoboist, m. (-en, PI. -en): Hoboenbläser. 1711 bei Rädlein 489^ «der auf einer Frantzösischen Schalmey e blaset». hoch, adj. (flekt. hoher, hohe, hohes, Komp. höher, Sup. höchst): ausgedehnt nach oben. Mhd, hoch (flekt. hoher), ho, ahd. höh, ho; dazu asächs. höh, mnd. hoch, hoge, ho, nndl. hoog, afries. häch, häg, ags. heah, hea, heh, engl, high, anord. hör, här, schwed. hög, dän. hol, got. hauhs. Der Komp. mhd. Jwher. hoeher, ahd. höhiro, ags. heahra: der Superl. mhd. höhest, hoehest (noch bei Luther höhest), host, ahd. höhist, asächs. höhöst, ags.'heahst, got. hauhists. Das Adv. mhd. höhe, ho, ahd. und asächs. hoho, mnd. hoge, ags. heah, hea, got. hauhaba. Dazu mit Ablaut und gramma- tischem Wechsel Haug und Hügel (s. d.), got. hiuhma m. «Haufen, Menge», hühjan «sam- meln, aufhäufen», und weiter lit. kaukarä f. «Hügel», kaükas m. «Beule», lett. kuckurs «Höcker, Buckel», russ. kücai. «Haufe», aind. kucas m. «weibliche Brust». Das schwach- flekt. Adj. substantivisch die Hohen, mhd. die höhen «die Großen des Landes». ABL. höchlich, adv.: in hoher Art, bei Luther, vom Adj. mhd. höchlich, ahd. höhlih «er- haben», ags. healic, im Adv. Malice, engl. highly. höchstens, adv., bei Luther Briefe 2, 662 von 1525. S. Höhe, höhen, Hoheit. ZUS. Hochachtung, f., 1581 bei Hedio Josephus Vorr, 5^. Hochaltar, m.: Haupt- altar, 1775 bei Adelung. Hochamt, n.: die feierliche Messe vor dem Hochaltar, bei Ade- lung, hochbegabt, adj., 1578 bei Fischart Ehz. V^orr. 3^. hochdeutsch, adj.: ober- deutsch, süddeutsch, 1488 in Städtechron. 3, 67, 16 in hochteutschen landen, um 1480 im Voc. ine. teut. k 2^ Hochteutschlant und Hoch- teutscher, von der Sprache 1581 bei Fischart Bienenkorb Titel auff gut preyt Fränckisch hoch Teutsch im Gegensatz zu auff Nider Teutsch; dann «Schriftdeutsch», 1741 bei Frisch Hoch-Teutsch, wie die Gelehrten teutsch reden und schreiben, im Gegensatz der unreinen, ungeschickten teufschen Aussprach und Mund- Art, hochfahrend, adj., bei Goethe 7, 200. Hochflut, f., schon ags. heahflöd m., anord. häflöedr f. Hochgebirge, n., mhd. höch- gebirge n. von den Alpen, hochgeboreu, part. Adj., mhd. hoch geborn, höchgeborn «vornehmem Geschlecht entsprossen, edel»; jetzt als Titel der Grafen, denen nicht das höhere erlaucht zukommt, schon 1540 bei Hug Rhetorica lA^ als Titel der geforsteten u. nichtgefüi-steten Grafen, hochgelehrt, part. Adj., mhd. höchgeleret, 1641 bei Schot- tel 376 hochgelahrt. Hochgericht, n., mhd. 1256 högerichte n. «Gerichtsbai-keit in allen wichtigen bürgerlichen und krimi- nellen Sachen» (Haltaus 930), spätmhd. im 15. Jh. hochgericht n. «peinliches Gericht»: dann «Vollziehungsstätte der hohen Gerichts- barkeit, Richtstätte» (15. Jh., Weist. 2, 51), «Galgen» (Weist. 2, 410 von 1499). hoch- geschoren, part. Adj,: vornehm, hochge- stellt, 1534 bei Wii-sung Calistus cc 3, in urspr. Bed. mhd. höchbeschorn «mit äußerst be- schorenem Haar», dann mit Bezug auf die große Tonsur der hohen Geistlichkeit höhe beschäm (Erec 6632). hochherzig, adj., 1641 bei Schottel 376, anders got. hauhhairts, ags. heahheort «hochmütig». Hochmeister, m.: der oberste Vorgesetzte eines geistlichen Ritterordens, mhd. höchmeister, md. im 14. Jh. hömeistir. Hochmut, m., mhd. höchmuot, md. hömüt m. «edle gehobene Gesinnung, große Freudigkeit», dann «die Überhebung derselben», daneben mhd. hochmiiete, höch- muot f. «Übermut», ahd. höhmuoti f. «Hoch- mut» und das Adj. höhmuote «hochmütig).; hochmütig, adj., md. hömütic, ahd. höh- muotig im heutigen Sinne, hochnotpein- lich, adj., als Beiname des Halsgerichts (s. d. und Hochgericht), 1663 bei Schottel 257, gesteigert aus hochpeinlich 1697 bei Be- sold Thesauinis 1, 355, vgl. hochnotdringende Ursachen 1641 bei Schottel 376. Hochofen, auch Hohofen, m.: hochaufgebauter Ofen zum Schmelzen von Erzen. Noch bei Schiller Eisenhammer hoher Ofen. Hochschule, f.: 875 Hocke Kode 876 Universität, spätmhd. hdchschuol und hohe j scMol f. Hoclistapler, m.: umherziehender [ vornehmer gaunerischer Bettler, seit der Mitte des 19, Jh. in der Schreibung Hochstapler verbreitet, dafür fräher Gauäieb (s. d.), 1753 j Hochstahler, ein berühmter Dieb (Kluge Eot- ! welsch 1, 229). Zgs. aus hoch «vornehm» und \ statuier, stabuler m. «Bettler, Brotsammler», 1510 im Liber vagatorum (Kluge a. a. 0. 1, 38 u. 60), in der Lutherschen Ausgabe von ' 1528 Staheyler, 1494 bei Brant Narr. 63, 41 stahyl m. «Bettler», hochtrabend, part. ! Adj., schon mhd. hochtrabende in heutiger Bed. Hochyerrat, m., 1703 im Zeit. Lex. Hochwald, m., mhd. hochwalt m. Hoch- wild, n.: alles zur hohen Jagd gehörige Wild, insbes. das Eotwild, Edelhirsche und Rehe, 1775 bei Adelung (1762 bei Heppe Hochwilclpret), dafür 1512 bei Murner Schel- menzunft 44, 13 hoch gwild, noch bei Schiller Teil 2, 1 V. 900 Hochgewilde n. liocliwohl- gehoreil, part. Adj., als Titel Adeliger und hoher Staatsbeamter gebraucht, 1672 bei Stie- ler Sekretariatkunst als Titel der Freiherren. hochwürdig, adj., als Titel von hochge- stellten Geistlichen, mhd. höchwii'dec xon hoher Würde, 1326 der howerdege herr (Erzbischof), dazu Eure Hochwird als Anrede des Erzbi- schofs bei Liither 1, 6^, jetzt Hoch würden. Hochzeit, f., mhd. höchzit und hochgezit, im 12. Jh. hohzit f. «Fest, Kircheufest» (die hohe Zeit, hajr. die hoch Zeit, namentlich Weih- nachten, Ostern, Pfingsten, Allerheiligen), soAvie weltliche Festlichkeit, dann festliche Lustbarkeit, hohe Freude, endlich (Anfang des 13. Jh.) Vermählungsfeier, Beilager: da- zu and. höchgitid f., mnd. höchtit f. «Fest- feier, kirchliches Fest, Vereheliehungsfeier», afries. hächtid f. «Festtag», ags. heahtid, anord. hätiä f. «Fest». Davon Hochzeiter, m.: Bräutigam, 1582 bei Golius; Hoch- zeiterin, f.: Braut, 1578 bei Fischart Ehz. D 7,^, dafür in der Zimm. Chron." 4, 116, 34 Jiochzeite}-e f.; hochzeitlich, adj., mhd. höchzitlich «festlich, hochfesttäglich >^, um 1480 iin Voc. ine. teut. k 2^ hochzitlicJi in bezug auf die Vermählungsfeier; ZUS. Hochzeits- hitter, m.: Hochzeitseinlader, 1675 bei Weise kl. Leute 375. S. Hohelied, Hohepriester. 'Hocke, f. (PI. -n): Haufe im Feld auf- gestellter Garben. Niedersächsisch, 1739 bei Brockes ird. Vergnügen 6, 93, mnd. Jiocke, hake m. Göttingisch-grubenhagenisch Hucke, Hucken m. «Haufe von Sachen», altmärk. Hock m. «Gras-, Heuhaufen», Schweiz. Hock m. «Haufe», bayr. Hocken, Hocker m. und tirol. Hock m. «Getreide-, Heuhaufen auf dem Felde». Urverwandt mit lit. kügis m., lett. käudze «auf der Wiese stehender großer Heuhaufen», lat. cumuhis (aus ^cugmulus) m. «Haufe». S. Hucke. ABL. hocken, v.: Getreide in Hocken setzen. 'Hocke, m.: Kleinverkäufer, s. Höke. Höker. hocken, v.: zusammengebogenen Leibes, krumm niedersitzen (1561 bei Maaler hocken, bei Murner Schelmenzunft hucken); wartend sitzen (1556 bei Frisius 897^); dauenid fest- sitzen (1531 bei Franck. Chron. 404^ hucken, 1670 l)ei Grimmeishausen Simpl. 2, 44, 6 Kllr. über den Büchern hocken; sich auf einen kauernd niederlassen. In der letzten Bed. mhd. hucken (a\Ione Schausp. 1, 313). Mnd. hucken, huken und ndl. 1598 hucken in der ersten Bed., daneben mhd. hüchen «kauern, sich ducken» (s. heucheln), ndl. huiken, anord. hüka «kauern, hocken», hokinn Part, «nieder- gebogen, krumm», schwed. huka «hocken». Wohl zu ^ Hocke. ABL. Hocker, m. {-s, PI. wie Sg.) : wer hockt (in Ofenhocker, Stubenhocker); Schemel, Zeichenstuhl. (Diese Bedeutung noch nicht bei Grimm.) Höcker, m. (-.9, PI. wie Sg.): Auswuchs des* Rückens, Buckel. Mhd. hoger m. (auch Bucklichter), im 15. Jh. hogker, hocker, noch 1664 bei Duez Hocker, 1678 bei Krämer Höcker. Die ältere Forai ist mhd, hover m. «Höcker» (auch Buckliger), ahd. hovar m., mnd. hover, have); ags. hofer m., noch älternhd. im 16. Jh. Hofer (bei Alberus der Barfuser Münche usw. Nr. 118 Hofer neben Huber m. in Nr. 302); urverwandt mit lit. kuprä f. «Buckel, Höcker», kupris m. «der Bucklige», gr. Köqpoc n. «Höcker, Buckel», KÜqpöc «gekrümmt, höckericht», aind. kubjas «buckelig». Vgl. Hügel und Hübel. Höcker ist wohl unter Einfluß von hocken aus Hofer umgebildet. ABL. hÖckericht, adj., mhd. hockerchf, hogreht, im 15. Jh. höckericht, 1429 hokrot, im 12. Jh. hogeroht, in ältrer Form mhd. hoveroht, hovereht, ahd. hovaroht «buck- licht», ags, hoferede. Hode, f. (PI. -n), auch Hode(n), m. (Gen. -ns): lat. testiculus. Mhd. hode m., ahd. hodo m.; dazu afries. hothan m. Anknüpfungen sind nach mehreren Seiten möglich. Ent- weder zu lat. cöleus aus *kautsleios, lit. hitis «Beutel», kymr. cwd «Hodensack» oder zu 877 Hof höfisch 878 aind. rötlias m. «Anschwellung, Aufgedunsen- heit»/ Vgl. Walde s.v. ZTJS. Hodensack, m., im mrhein. Yoc. ex quo 1469 hodensacke ra., ebenfalls im 15. .Jh. hodensag m. (Diefen- bach gl. 403 b). Hof, m. (-es, PI. Höfe): innrer abge- schloßner Eaum bei Gebäuden; Fürstensitz, sowie die an demselben oder überhaupt um den Fürsten versammelten Vornehmen (diese Bedeutung unter Einfloß Ton franz. cour); Haus und Wirtschaftsgebäude eines Gutes; (im 15. Jh. auch schon) heller Xebelring um Sonne oder Mond. In diesen Bed. mhd. hof m. (Gen. hoves, PI. hove, höve), md. auch hob, ahd. hof m. (auch Garten); dazu asächs. hof m. (PI. ho'bos) «Herrenhof, herrschaftliches Gut, Palast», ndl. hof n. (auch Garten), afries. /'o/n. «Haus mit Umgebung, Kirch-, Gerichts-. Fürstenhof», ags. hof n. «Gebäude, Fürsten- gebäude »,'anord. hofn. «umhegter Raum mit ; Haushaltgebäuden, Tempel, Fürstengebäude», i (entlehnt) schwed.-dän. hof. Über Verwandt- schaft mit gr. Kfjiroc. m. «Garten» (s. Hufe) vgl. Sievers ßtr, 16, 237. Von Meringer Idg. i Forsch. 18, 267 als «Wohngrube» zu aind. i knpas «Grube, Höhle» gestellt, wohl besser aber zu Hühel (s. d.) «Hügel». Alles unsicher. Hoflfart, f. (ohne PI.): das Hochhinaus- woUen über andre; Großtun mit Gepränge. Zgs. aus Jwch und Fahrt, noch im 16. Jh. Hochfart f., mhd. hochvart f., auch höhevart, hövart, hohe zu varn, d. h, «Art vornehm zu leben, Glanz und Pracht, edler Stolz», dann «Übermut, prangendes Großtun, hoch- fahi-endes Wesen, Trotz», ahd. höhfart f. «Übermut», im 14. Jh. hoffart, das im 16. Jh. zur Herrschaft gelangt, auch bei Luther Hof- fart; dazu ndrhein. im 14. Jh. höfard, h.öffard (Kloster- Altenberger Hdschr.), mnd. hochvart, hovart f. «Hochmut». Davon hoff artig, adj. : hoch- und übermütig, mhd. hochvertec «hoch- gesinnt, stolz, prachtvoll», dann in heutiger Bed. ahd. höh fertig, höhvartig «stolz, über- mütig, trotzig», im 14. Jh. hoffertic, dazu ndi-hein. im 14. Jh. höferdig, höfferdig. hoffen, v.: etwas künftiges Angenehmes erwarten. Mhd. hoffen erst im 13. Jh. in österreichischen Gedichten, aber noch nicht bei Hartmann v. Aue, Wolfram v. Eschen- Ijach, Gottfried v. Straßburg und im Volks- j epos, erst nach 1250 wird es häufiger statt des altem mhd. dingen, gedingen, ahd. dingen ! «hoffen», mit dem Subst. mhd. gedinge m. f. n., ahd. gidingo m., gedingt f und gedingi n. «Denken, Hoffnung». Das Wort ist ins Mhd. und in die oberd. Mundarten durch das Mittel- deutsche des 12. Jh. (hoffen) aus dem Xiederd. eingedrungen: andfränk. föÄojja f. «Hoffnung», mnd. hopen, hupen «hoffen», mndl. hopen, zu ältest ags. im 9. Jh. hopian «hoffen» (engl. hope), fö/^opa f. «Hoffnung». Entlehnt schwed. hoppas, dän. haahe. Einer Zusammenstellung mit lat. cupere «wünschen» widerstreitet dessen nach dem Gesetze der Lautverschiebung nicht stimmendes p. Das Wort ist vielmehr mit hüpfen zu verbinden, und die Bedeutungsent- wicklung war wohl «aufspringen, erwarten, hoffen». Vgl. in der Jägersprache der Hirsch verhofft «sieht sich um, stutzt». ]^och heute bayr. verhoffen über ein Ding «davon über- rascht, damber stutzig werden, auffahren», Schwab, verhofft «erschreckt». Vgl. DWB. 4, 2, 1668. ABL. hoffentlich, adv., 1664 bei Duez, mhd. das Adj. hoflich, hoffenlich «Hoffnung erweckend». Hofflinug:, f, md.- mhd. hoffenunge f. hofieren, v.: einem Frauenzimmer schön tun, (ihr als der Herrin) den Hof macheu (s. Cour); auf den Hof machen, die Notdurft verrichten (16. Jli., ZfdA. 3, 32, 43). Mhd. hovieren, hofieren, md. hoveren «sich in fest- licher Geselligkeit erfreuen, prangen, (mit Dat.) zur Verherrlichimg musizieren, ein Ständchen bringen, den Hof machen, galant sein, auf- warten, dienen», urspr. «das Gefolge sein oder bilden», zu ahd. hof m. «Gefolge eines Herrn»; dazu nmd. hoveren, haveren «höfische Be- lustigungen treiben, aufwarten, schmeicheln ». höfisch, adj.: bei Hofe gebräuchlich oder als schicklich geltend. ]\Ihd. hövpsch. hövisch, höfsch, md. hovesch, hofsch, fmhmd. huvisrh «zu einem Hofe gehörend, hofgemäß, fein- gebildet, zart gesittet»; das Wort wui'de ge- bildet, um das romanische (franz.) courtois, mhd. kurtois, kurteis auszudriicken. Vgl. hübsch. Weitre Ableitungen von Hof: höf- lich, adj.: dem Hoftone, d. h. fein gesitteten und gebildeten Tone gemäß, mhd. hovelich, im Adv. hovelich e, ho fliehe, hovelich: dazu Höflichkeit, f , um 1480 im Voc. ine. teut. k Z^ hoflichkeit. Höfling, m., mhd. im 12. Jli. hovelinc m. «dem Hofleben und der Hofsitte Angehöriger. ZUS. mit Hof: Hofhält, m. und Hofhaltung, f.: das Hofhalten eines Fürsten und die Gesamtheit der dazu gehöiigen Personen und Gegenstände, Hof halt im 19. Jh., Hofhaltung 1642 bei Duez. Hoflager, m.: Ort, wo ein Fürst mit seinem Gefolge vor- 879 Höhe Hohn 880 übergehend weilt (1575 bei Fischart Garg. 67); laste Eesidenz eines Fürsten (Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 380). Hofmaiin, m., mhd. hoveman m. «Diener am Fürstenhofe, Hofgut bewohnender Bauer», afries. hofnwn m. Hofmarschall, m., 1664 bei Duez Hof- marschalck, dafür Ende des 16. Jh. bei Schwei- nichen 1, 393 Hausmarschall. Hofmeister, m., mhd. hovemeister , afries. Jiofmäster m. «Aufseher über füi'stliche Hofhaltung, Ober- knecht», erst nhd. «Erzieher», bes. «in vor- nehmem Hause» (1642 bei Duez), bei Luther i Sir. 20, 4 Hofemeister «Aufseher und Be- i wahrer des Gesindes und der Kinder des Hauses»; davon hof meistern, V.: Mangel- i haftes an jem. rügen, Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 1, 125. Hofnarr, m., 1556 bei ' Frisius 837''. Hofprediger, m., 1663 bei Schuppius 42. Hofrat, m., mhd. hoveräi m. ' «die Gesamtheit der Käte eines Fürsten», hofrath im 16. Jh. in der Zimm. Chron. ^ 3, 192, 32 «der einzelne Rat». Hof reite, f. (PI. -n): Hofraum und Gebäulichkeiten eines Landgutes, mhd. liovereite f. «der Hofraum, der zu dem Haus und dessen Stallungen, zu \ einem landwirtschaftlichen Gebäude gehörige freie Spielraum», dann «Bauernhof» (1347 hof- reit), um 1480 ])ei Steinhöwel Asop306 hofraity f., noch bayr.- Schwab.- elsäss.-fränk.- hessisch, wohl in Zusammenhang stehend mit dem ersten i Teile von shdi.hreiti-, reitihuohai. «Ansiedlung, j Landgut». Hofschranze, m. (-%, PI. -n) : verächtliche Bezeichnung für höhre Hofbe- diente, bei Luther 3, 297 ^ Hofeschrantze, aber j bei Lessing Em. Gal. 5, 4 Hofschranze f., \ s. Schranze. Hofstaat, m. (-es, PL -e): Dienstpersonal eines Hofes, 1626 bei Zinc- i gref Apophth. 1, 331 Akk. Sg. Hoffstaaden. Hofstatt, f. (PI. Hofstätte): Hofreite (mhd. hove-, hofstat, ahd. hovastat f. «Grund und Boden einer Hofbesitzung»); Ort, wo ein Fürst seinen Hof hält (1631 bei Zincgref Apophth. 2, 53). Hofstätte, f. (PI. -n): Stelle eines Bauernhofes oder einer Hofreite; die Hofreite selbst. 1522 bei Dreyhaupt Beschreib, d. Saalkreises 1, 940 Hoffstette f. Höhe, f., das Subst. zu hoch (s. d.). Mhd. hoßhe, hohe f. (auch Anhöhe, Berggipfel), ahd. und asächs. höht f., got. hauhei f. hölien, v. : hoch machen, erh'6hen,mhi.hoehen,'j\id.h6hja)i, höhen, got. hauhjan. Hoheit, f., mhd. höch- heit, md. höcheit f. «Erhabenheit, noch im 10. und 17. Jh. Hochheit; als Titel der Fürsten bei Duez 1664 und Krämer 1678 Hoheit. 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 14 Key serliche Hoch- heit (vom Kaiser), jetzt von Herzögen und königlichen Prinzen. ZUS. mit hoch: Hohe- lied, n. (Gen. Hohenliedes): das hohe Lied Salomos, bei Luther. Hohepriester, m. (zusammengemckt aus der hohe Priester, Gen. Hohenpriesters, PI. Hohenpriester), in starker Flexion Hoherpriester, m. (aus hoher Priester, PI. Hohepriester), bei Luther, da- für im Cod. Tepl. di fursten der priester oder der phaffen. Höhenrauch, s. Herauch. hohl, adj. (Komp. hohler, Sup. hohlst): im Innern leer. Mhd. und ahd. hol, noch bei Luther und im 18. Jh. hol, 1664 bei Duez hohl; dazu and.-ndl.-afries.-ags. /io?, anorä.holr, dän. Md, woneben engl, hollow «hohl». Ge- wöhnlich zu ahd. helati «umhüllend verbergen» (s. hehlen) und got. hulundi f. «Höhle», eig. «die Bergende» gestellt, was aber kaum be- friedigt. Besser zu lat. cavus «hohl», gr. KÖoi «Höhlungen» (Hesych), gr. küXo n. PI. «Vertiefung unter dem Auge» u. a. Vgl. Walde s. V. ABL. Hohle, f. : tiefgehender Weg zwischen Berg-, Erdwänden (Goethe 27, 332), mhd.-md. hole f. «Höhle», im 14. und 15. Jh. als Bergmannsausdruck halbrund aus- gehauner Baum, Trog von einem gewissen Maße, anord. hola f. «Höhle, Loch». Höhle, f. (PL -n), mhd.^ hüle f. (auch PI. hiilinen), ahd. holt f., spätmd. im Voc. theut. 1482 p 1 '^ holint, daneben mhd. hol n. (P\.hölr) «Höhle, Öffnung», ahd. hol n. (F].holir, holer) «Höhle, Loch», and.-afries.-anord. hol n., ags. hol und holh, hole n., engl, hole. Aus dem Germa- nischen entlehnt afranz. houle f. «Bordell», nfranz. houle f. «die hohle See», hulotte f. «Kaninchenhöhle», höhlen, v.: hohl machen, mhd. erholn, erhüln «aushöhlen», ahd. holön, got. ushulön, ags. holian; dazu Höhlung, f., 1762 im dict. alem. fran^; bei Adelung neben Höhlung, um 1480 im Voc. ine. teut. ml^ holung. Hohlheit, f.: das Hohlsein, hohle Stelle, 1495 in der Kölner Gemma E7'^ hol- heyt, nd. im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 138 «^ haelheit, hoylheyd. ZUS. hohläugig, adj., 1741 bei Frisch, hohläugig 1664 bei Duez. Hohlhippe, s. ^ Hippe. Hohlkehle, f.: halbkreisförmig ausgehölte Rinne oder Leiste, 1518 im Anz. d. Germ. Mus. 1866, S. 272 Hol- kai f., bei H. Sachs 2, 382 Holkel f. Hohl- spiegel, m., '1716 im Mathem. Lex. 1299. Hohlweg, m., 1691 bei Stieler. Hohn, m. (-S, ohne PI.): Äußerung ein-- 881 Hohn Hokuspokus 882 verletzenden, herabsetzenden tJbermutes gegen jemand. Md. im 14. Jahrb. (selten) Mn m. «Schmach», noch bei Luther im Sinne von «Schmach, Schande» (Jer. 31, 19); dafür mhd. hcene f. und hoeiide f., md. hone f. «Schmach, Schande, verletzendes hochfahrendes "Wesen», ahd. Mna und honida f., asächs. hönäa f., and. hönitha «Schmach, Schimpf», Substantivum zum mhd. Adj. hcene, md. hone «verachtet, durch Schmähung an der Ehre kränkend, hochfahrend, zornig, böse», ahd. höni und ags. hean «schmachvoll, verachtet, niedrig», got. hauns «niedrig, demütig». Urverwandt mit lett, /cawns m. «Schmach, Schande, Scham, Hohn», lit.kuvetis «sich schämen», gr. Koöpoc- KaKÖc. Vgl. noch Uhlenbeck Btr. 30, 289. Aus dem Germanischen entlehnt franz. ho7ite f., ital. onta f., altspan. fonta f. «Schande». ABL. höhnen, v.,,mhd. hoenen, md. und mnd. honen, ahd. honen «schmähen, entehren», afries. hena «höhnen», ags. hynan, henan «de- mütigen, schimpflich behandeln», got.haiinjan «jem. erniedrigen»; aus dem Germanischen ent- lehnt ital. onire, afranz. honnir «beschimpfen». höhnisch, adj., mhd. hcenisch. hohnecken, V.: mit Sticheleien höhnen, 1691 bei Stieler honecken und honecheln, 1644 bei HarsdörfFer Gespr. 1, Y5'' honecklen, haji: und nd. ho- neckeln. Schon Stieler und Frisch betrachten das Wort als eine Zusammensetz, mit ecken (in ausecken «ermessen, erwägen», dann «be- kritteln, tadeln»), bayr. eckein mit jem. «ihm scharfe, beleidigende, herausfordernde Worte sagen» (von mhd. ecke f. «hervorstehende Spitze, Schneide der Waffe»), auseckeln «ver- spotten» imd durcheckeln «tadelnd durch- ziehen» (bei Frisch): allein wahrscheinlich ist es wie thüring.-obersächs. hohniepeln (auch hohnepiepeln) «verspotten» eine Ver- stümmelung und Umbildung des nicht mehr verstandnen älternhd. holhippeln (Luther 1, 861 a), holhippen (H. Sachs Fab. 10, 136) «schmähen, lästern, spotten», von älternhd. (15. und 16. Jh.) holhipper m. «Hippenjunge, hausierender Verkäufer von Hohlhippen oder HohlwafFebi», dann (weU er die verächtUche Behandlung mit Schmähungen und Hohn ver- galt) «Schmäher, Lästrer». ZTJS. Hohn- gelächter, n., 1664 bei Duez. hohnlächeln, V., 1775 bei Adelung, hohnlachen, v., mhd. honlachen «hinterlistig lachen», hohn- sprechen, V., 1414 hoensprechen und im 15. Jh. hönspreken (Diefenb. gl. 148*j; Hohn- Sprecher, m., 1691 bei Stieler. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. hoho! Interj. des Zurufs, des Triumphie- rens (im 14. Jh. Limburger Chron. 74, 4 W.), dann des Einwurfs und Zweifels (1555 bei Wickram Rollw. 73, 17 K.). S. ho. Hohofen, s. Hochofen. Höhrauch, s. Herauch. hojahnen, v.: gähnen (Wieland 5, 266). Ein lautmalendes nd. Wort bei norddeutschen Schriftstellern, mnd. hojanen und im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 276*^ hoianen, md. 1517 bei Trochus Q 3^ hoganen. HÖke, m. (-W, PL -n): Kleinverkäufer roher Eßwaren usw. an öffentlichem Platze. ÄIhd. hucke, md. hocke m., noch westmd. Hocke (z. B. in Frankfurt a. M.), 1664 bei Duez Hock: mit verlängertem Vokal mnd. hoke, koken m., md. in den Xordhäuser Statuten des 15. Jh. und 1517 bei Trochus F5^ hoke, daher bei Stieler Hoke neben Höker und bei Frisch Hoke und Höke. Mit Weiterbildung mndl. heukster m., mittelengl. huckstere, engl. huckster und hucksterer «Höke». Wahrschein- lich zu Hocke, Hucke f. «Traglast, Bündel», hocken «eine Last auf dem Rücken tragen» (s. Hucke), also der K^einkrämer, der die auf dem Lande aufgekaufte und von ihm feilgebotne Ware selbst auf dem Rücken trägt. ABL. hökeu, V.: Kleinverkauf mit Lebens- mitteln treiben, 1691 bei Stieler koken, höken, mnd. koken, dafür bei Moser patr. Phant. 1, 28 höckern. Höker, m. (s, PI. wie Sg.) : Höke, mhd.-md. kucker, hocker und hockener, 1477 bei Diefenbach gl. 422 ^ hockler, 1562 bei Mathesius Sar. 173^ Höckler, 1664 bei Duez Hacker, 1678 bei Krämer Hocker und Hocklei-. 1691 bei Stieler Höker, Hoker und Hucke)-. HÖkerei, f., 16ß4beiDuezfibcA-ere?/. HÖkin, f.: Kleinverkäuferin, im 16. Jahrb. Höckin (Frankf. Reform, 1, 45 § 17), dafür spätmhd. hocke f., noch 1678 bei Krämer Hocke f. neben Hocklerin, 1664 bei Duez Häckerin, 1691 bei Stieler Hökerinn. Hokuspokus, m., früher auch n. (Gen. un- verändert): Taschenspielerei; Gaukelspiel, Gau- kelwerk. Das Wort taucht zuerst in Eng- land auf, kocospocos 1624 als Bezeichnung für Taschenspieler, 1632 als Zauberfonnel, und wandert über Holland nach Deutschland, 1644 bei Duez Nomencl. 131 Oxbox «Taschenspieler», 1650 bei Mosch erosch Phil. 1, 371 Ocus Bocus als Name eines Buchhändlers und Druckers leichtfertiger Geschichten, 1663 bei Schuppius 199 Ockes-Bockes-Possen treiben (1656 von Taschenspielern) und 708 Ockes Bockes, der 56 883 hold Holm 884 Änistcrdamincr als Name eines Taschenspieler- typus, 1669 bei Eachel 8, 144 oJxes hoks als Zauberformel, die Geschwindigkeit des Gauk- l'^rs andeutend, 1667 Hocus Pocus junior oder Taschen- Spiel-Kunst Titel der Üljersetzung des englischen Buches Hoais Pocus junior, the anatomic of legerdemain 1634. Demnach ist das Wort urspr. der hochtönende Name eines Gauklers, nicht eine Verstümmelung der Abendmahlsformel hoc est corpus meum. hold, adj.: freundlich zugeneigt; freund- lich und lieb. Mhd. holt, ahd. hold «gnädig, günstig, liebend, dienstbar, treu»; dazu asächs.- afries.-ags. hold, anord. hollr «gnädig, treu», schwed.-dän. huld «hold, anmutig-, treu, er- geben» got. hulßs «gnädig». Urspr, vom Ver- hältnis zwischenLehnsherrn u. Gefolgsmann (s. Holde), einerseits gnädig, herablassend, andrer- seits treu ergeben. Wohl gleichen Stammes wie Halde (s, d.) und ahd. hald «sich vorwärts senkend, geneigt». Über andre Erklärungen siehe Zupitza Gutt. 107. ABL. Holdcheil, n.: Liebchen, bei Goethe 1, 80. Holde, m. [-n, PI. -n): der als Lehnsmann Abhängige, in Grundholde m. (Adelung 1775), mhd. holde m. «Freund, Gehebter, treu ergebner Lehns- mann», ahd. holdo m., woneben mhd. holde f. «Freundin, Dienei'in»; in religiöser Beziehung mhd. der gotes holde «Gottesfreund», des tievels holde «Teufelsdiener», die guoten holde «Haus- geister», ahd. holdo m. «Geist, Genius» (s. Un- hold). Holdin, f.: Grazie, Charitin, 1645 von Zesen Rosemund 232. 241 eingeführt, dann von Hacfedorn und Büro-er für «anmutisre o O O Geliebte» gebraucht, holdselig, adj., spät- nihd. im 15. Jh. holtselig: Holdseligkeit, f., 1534 bei Franck Weltb. 94 ^ Holder, s. Holunder. holen, V.: herbeibriugen. ^Ihä.holn, holen, zuweilen noch haln, ahd. holön, halon und holen «herbeiholen», zuweilen auch «rufen». Dazu asächs. halön, halöjan, mnd. und ndl. halen, afries. halia, ags. geholian, engl, hale (ziehen), anord. hala{?), (entlehnt) schwed. hala, dän. hale (ziehen). Gewöhnlich mit lat. caläre «zusammenrufen», ori-.KaXeiv «rufen», lett. kaluot «schwatzen» zusammengestellt. Aber Mansion Btr. 33, 547 zeigt, daß «rufen» nicht die Grundbedeutung war, sondern «(mit An- strengung) herbeischaffen ». Er vergleicht gi'. KdXuuc m, «Tau». Unsicher. Holfter, f., s. ^Halfter. Holk, Hiilk, m. (-es, PI. e[n]): gi-oßes schweres Lastschiff mit flachem Boden. 1582 im Ambraser Liederbuch 215, 83 Holck m. neben Hollick und Hülck, 1581 bei Fischart Bienk. 175'' Hulcken PI,, mhd. holche, ahd, holcho m.; dazu mnd. holk, hollik, hulk m. und holke, ndl. hulk f., engl. hulk. Vielleicht aus mlat. holcas, gr. öXkuc f. «Zug-, Last- schiff», von eXK€iv «ziehen», bes. auch vom Ziehen des Schiffes. holla! Interj. des Anrufes, insbes. zum Aufhorchen oder Stehenbleiben. 1561 im Amadis 1, 35 hola, 1575 bei Fischart Garg. 69 holla. Urspr. als Zuruf an den Fähr- mann zum Überholen: hola hola, ferg, hol (um 1500 bei Olearius de fide concub., siehe Hildebrand Beitr. z. d. Unterricht 68). Holle, f. (PI. -n): Haarschopf, Federbusch der Vögel. Ndd. In Göttingen, Waldeck. Viel- leicht zu mnd. hülle f. «Kopfbedeckung, Kopf- tuch, Mütze», was hochdeutsch Hülle wäre. Hölle, f. (PI. -n): Ort der ewig Ver- dammten; der enge Raum zwischen dem Ofen und der Wand (spätmhd. 1488 hell f.). Li der 1. Bed. mhd. helle, ahd. hellja, hella f., noch bei Luther Helle, 1620 bei Albertinus Lustgarten 136 '^ Hölle; dazu asächs. hellja, mnd. helle, afries. hille, helle, ndl. und ags. hei, helle, engl, hell, anord. hei, got. halja f. «Unterwelt, Ort der ewigen Verdammnis, urspr. das Reich der Todesgöttin», anord. S^eZ. Gleichen Stammes wie ahd. helan «verbergen» (s. hehlen), also urspr. die bergende. Zu der 2. Bed. «Ofenwinkel», -vgl. ags. heal, hal m. oder n., mittelengl. Jial «Winkel, Ecke» und weiter bulg, klänik «der Raum zwischen dem Herde und der Wand», serb, klänac m. «Eng- paß» u. a., lat. callis m. «Bergpfad». Vgl. Walde s. v. Die Worte wären also eigent- lich zu trennen. ABL. höllisch, adj., mhd. hellisch, hellesch, mnd. hellisch, heisch. Auf ndd. Gebiet wird das Wort in der Aus- sprache hellsch zu einem verstärkenden Ad- verbium, z. B. er ist hellsch klug. ZUS. HÖUbailk, f.: Ofenbank, 1788 bei Müsäus Volksra. 2, 142 Hellbank. Höllenangst, f.: Angst vor der Hölle, 1562 bei Mathesius Sar. 61^ Hellenangst; höchste Angst, 1775 bei Adelung. HÖllenhraud, m.: der das Höllenfeuer nährt, großer Bösewicht, mhd. hellebrant m. Höllenfahrt, f., mhd. helle- vart f. Höllenstein, m,: salpetei-saures Silberoxyd als Ätzmittel, 1762 im Nouv. dict., 1722 bei Hübner höllischer Stein. ^Holui, m. [-es, PL -e): Binnenwasser-, See-, Flußinsel; Halbinsel; in den nordischen 885 Holni homouyin 886 Seestädten Platz, wo Schiffe gebaut werden Holz, n. (-es, PI. Höher): dichtstehender (1782 bei Jacobsson). In der 1. Bed. 1647 Baumwuchs, Wald; der harte Stoff des bei Olearius Eeisebeschr. 254 aus dem Xiederd., Baumes unter der Rinde; Stück eines Baumes, nmd. 1379 holm m. «Flußinsel», asächs. holm In diesen Bed. mhd.-ahd. Jwlz n. (PI. mhd. m. «Berg, Hügel»: dazu ags. höhn m. «hohe holzer, höher, ahd. höh. hohir); dazu asächs.- Meereswoge, das hohe Meer», engl, holm mnd.-afries. holt n. «Wald», ndl. /w?/f n., ags. «Insel, Werder, Klippe, Hügel», anord. holmr holt m. n. «Gehölz, Holz als Stoff», engl, holt m. und holmi m. «See- oder Flußinsel», dann «mit Bäumen bewachsner Hügel, Hain», anord. «Stätte des Zweikampfs, Zweikampf» (Holm- holt n., schwed. hult, dän. holt «kleine Wald- gang), schwed. /^o/we m. und dän. />o??m «kleine strecke». Urverwandt mit abg. klada f. «Bai- Insel». Gleichen Stammes wie nd. Hüll m. ken», gr. KXdboc m. «Zweig, Schößling», air. «kleine Erhöhung», ndl. hiUe, hü, ags. hyll caill «Wald», vielleicht auch aind. kästham n. m., engl, hill «Hügel». Ui-verwandt mit lat. «Holzstück». Tgl. Walde s. v. callis. ABL. collis m. «Hügel», cohimen. ruhnen n. «Höhe, holzeil, v.: Holz fäDen, es abschlagend sara- Gipfel», gl". KoXuuvöc m. und KoXuüvri f. «Hügel», mein: (studentisch) piügehi (1813 bei Kluge Wx.kälnasva. «Berg», aber aus dem Deutschen Studentenspr.). Mhd. Ao^ze« <:Holz fällen und entlehnt niss. cholmü m. «Hügel». aus dem Walde führen», mnd. holten: davon "Holm, m.: Griff' an d^r Axt, Xebenfonn Holzuug, f., mhd. hohunge f. «Holzhieb», zu -Helm (s. d.). hölzern, adj., 1540 bei Alberus dict. 112» Holper, m. (-S, PI. -n oder wie Sg.): höltzern, im 15. Jh. mi. holtzern (Diefenba<;h kleine Erderhöhung als Anstoß auf dem Wege. gl. 329''), bei Luther hnltzern, mhd. vereinzelt 1728 bei Menantes aUemeuste Art 76. Da- hulzerin, im 16. Jh. die ältre Foi-m vei-- von holperig, adj., bei Lessing 7, 21 holprich. drängend: höltzen, hnltzen (beide bei Luther), 1540 bei Alberas dict. g4^ hölpericht, dafür 'höltzin (Garg. 126), mhd. hühin, md. hulzm, 1691 bei Stieler holper. holperu, v,, 1.540 ahd. holzm, mnd. hoUe)i. holzig, holzicht, bei Albems dict, aa 3^, dafür spätmhd. Äo?/?e?«. adj.: holzartig, 1523 bei Carlstad Standt der hilpeln. TieWeichi ans hoppeln. Tgl. nhersinch chrtstglaub. Seelen B2^ holtzig, 1541 bei Horhel. Dazu Schweiz, hülpen «hinken». Fiisius 516^ holtzachtig, 1588 bei Tabernä- holterdiepolter, auch holterpolter montanus holtzecht. ZUS. Holzapfel, m.: (Bayera), interj.: über Hals und Kopf stür- im Walde wachsender wUder Apfel, mhd. misch eilend. 1779 bei Schummfl Spitzbaii: hohapfel fPl. hohepfele). Holzbirne, f.: 153 holte)poltei' , 1665 bei Filidor Ermelinde wilde, unveredelte Birne, mhd. holtbir f. S2 holder die polder: dazu nd. hulder de bulder Holzbock, m.: Waldbock, Rehbock (um (bei Yoß 4, 75 hulfer jaulte)-), flämisch holder 1480 im Voc. ine. teut. ml''); die tierbelä- de holder. S. poltern. stigende Milbe Aearus reduvius (1587 bei Holunder, m. (s, PI. wie Sg.J: der Dasypodius); Gestell mit gekreuzten Beinen Strauch oder Baimi Sambucus. Der Ton zum Holzsägen, daher bildl. grober unbe- liegt in mhd. und ahd. Zeit wie noch heute holfner Mensch (mhd. Ao/^fcoc). Holzschnitt, in den Mundarten auf der ersten Sübe, in m.: Holzplatte mit eingeschnittnem Bild und der nhd. Schriftsprache auf der zweiten (vgl. deren Abdnick (1716 bei Ludwig). Holz- lebenäig). Mhd. holnnter, holunde); woneben taube, f. : in hohlen Bäumen nistende Wald- holanter, holenter, verküi-zt holnder, holder, taube, mhd. hohtübe, ahd. Itohtuba f. Holz- hoUer, holer, holr m., daher nhd. Holder, weg, m.: Waldweg zur Holzabfuhr, bildl. Holr, ahd. holuntar, holantar, holander m. iiTtümlicher Weg, schon mhd. holzwec m. Mit der Ableitung -tar (wie in Äffolter, Maß- Holzwurni, m., mhd. holzicurm m. holder, Wachholder) aus einem Stamm, der homouyni,adj.: gleichnamig. DieHoniO- in schwed. hyll m., dän. hyld vorliegt. Dies nyuieu, gleichlautende Wörter verschiedner entspricht wohl russ. /caZftta f. «wilder Schnee- Bedeutung, gi:-\at. homönymxi PI., vom gr. baU, Wasser-, Maßholder, türkische Weide, Adj. ö|aujvu|ioc «gleichnamig», aus gr. öjxöc Schiingenstrauch, Mehlbeere». In der Bed. «gleich» und einer Büdung von övo^ia n. Svringe ist Holunder geküi-zt aus spanischer «l^anne-». 1714 bei Wächtler Homonymie f. Holder oder Hollunder, iceischer Holler 1741 «das Gleichnamigsein». Homonym, n. (-.s, l)ei Frisch, türckischer, welschei-. römis her PI. -e[?i]): doppelsinniges Wort, Rätsel über Hollunder 1711 bei Rädlein. Vgl. Flieder, ein solches. 887 Homöopath Hoppelpoppel 888 Homöopath, m. (-en, PI. -en) : Arzt, der solche Mittel in kleinen Gaben gegen Krank- heiten anwendet, die in gi-ößern Gaben ein ähnliches Leiden im gesunden Körper be- wirken würden. Vom Arzt Dr. Samuel Hahne- mann zu Anfang des 18. Jh. eingeführtes Wort, aus gr. 8|noioc «ähnlich» und Trd0oc n. «das Leiden». Dazu Homöopathie f. honett, adj.: ehrenhaft, ehrbar, anständig. 1714 bei Wächtler, Aus gleichbed. franz. honnete, afranz. honeste, von lat. honestus «ehrenhaft», zu lat. honös m. «Ehre». Honig, m. (-5, ohne PL): süßer Bienen- saft. Mhd. Jionec, honic n., auch hönic, hünic, ahd. honag, honang n., das Neutr. auch bei Luther und bis ins 18. Jh, (Lessing 8, 127, Goethe Reineke 3, 41), das Mask. 1512 bei Keisersberg Marie Himelfart 10% bei Maaler Honig m. und n.; dazu andd. Jioneg, hanig m. (?), mnd. Jionnich n., ndl. Jiotiig m., afries. und ags. hunig n., engl, honey, anord. hmiang n., schwed. Iionung, honitig, dän. honni(n)g, dafür got. milip n. (entsprechend ags. milisc «honigsüß», lat. mel n., (jQn.mellis, gr. \xi\\ n.. Gen. la^XiToc, ir. mil, armen, metr, alb. mjaV «Honig»), H. gehört zu aind. känakam, kätd canäm n, «Gold», gr. KvrjKÖc m, «Saffior», dor. KvöKÖc «gelblich», heißt also «der gelbe», Zi7)S. Honigmonat, m.: Flitterwochen, bei Lessing 12, 146, nach gleichbed. franz. la lune du miel, bei Goethe 29, 63 Honigmond. Honig- seim, m,: Honigscheibe; ausgelaßner Honig, Mhd, honecseim, honicsein, finihmhd, um 1100 honichseim m. Honigtau, m.: süße klebrige Flüssigkeit auf Pflanzen, verschieden von Meltau (s. d.), md. im 14. Jh. honidow m. Honorar, n. (s, PI. -e): Ehrenlohn, Ver- gütung. Im 18. Jh. aus lat. Jionörärium n, «Ehrengeschenk», von lat. honös und honorm. «Ehre». Honoratioren, PI.: die Geehrten, Angesehnen. Bei Goethe 26, 129, nach lat. honörätiöres, dem PI, des Komparativs von honörätus «geehrt», Part. Perf. Pass. von honöräre «ehren», honorieren, v.: ehren (1571 bei Rot); Ehrenlohn geben, bezahlen (1697 bei Nehring), von lat, honöräre «ehren, womit beehren, belohnen», honörig, adj.: ehrenhaft, freigebig. Aus der Studentenspr., wo es Ende des 18. Jh. nachgewiesen ist. hop! Interj., s. hopp. Hopfen, m. (-5, PI. wie Sg, in der Bed, Hopfensorten): Rankengewächs, dessen Flüchte zum Bierbrauen dienen. Mhd, hopfe, ahd. hopfOjhoppom. (bezeichnet auch andre Pflanzen, s. ZfdW,2, 226), noch im 17, Jh, Hop/f (Opiiz 1, 141, Duez 1644), Hopffe (Krämer 1678), 1711 bei Rädlein Hopffen, and. veld-hoppo n, «eine Pflanze bradigabo»), mnd,-mndl,-mengl. hoppe m., ndl.-engl. hop, mlat. hupa, hubalus, woraus awallon, huhillon, franz, houhelon, houhlon m. Dafür anord, humli m, und humla f,, schwed.-dän, humle, mlat, humlo, humelo, humolo, humulus. Ein germ, *humalos könnte aus *humanos entstanden sein (wie kümniel aus lat, cuminus), und eine Form *humna- wüi'de *hubna- (Kompromißform mit humalus franz, houhlon) und weiter event, huppo, hopfo ergeben. Aus dem Germ, stammt zweifellos russ, chmet, serb. chmelj, tschech. chmel, poln. chniiel, daraus ngr. xo'JM^^i; entlehnt sind auch magyarisch komlo, finnisch -esthnisch humala, humal. Die Herkunft des Wortes H. ist unbekannt, doch ist es wohl echt ger- manisch. Andre nehmen Herkunft aus dem Osten an, vgl. E. Kuhn KZ. 35, 313, V. Hehn Kulturpflanzen ^ 463ff. ABL. hopfen, v., im 16. Jh. bei Paracelsus chirurg. Schriften 43. ZUS. Hopfenstange, f., mhd. hopfen-, hopfestange f. Hopheh, n. m. {-s, PI. -e): geringes be- wegliches Besitztum, Habseligkeit. 1777 bei Weiße kom. Op.2, 220 das Dim. Hophehchen n., bayr. Hopphe, Hoppehe m,, Dim, (auch henne- berg.) Hopphele n,, auch nd. Hopphei m. in obiger Bed, (so bei Arnim 1, 57 Hophey), zunächst aber «gesellige Lustbarkeit geringer Leute zu Tanzen und Springen, Lärm», Zgs, aus hopp (s, d,) und he, hei (s, d,), eig. «hüpfe jubelnd auf», 1691 bei Stieler hop, hei Hopp, m, (-es, PI, -e): kurzer Spmng in die Höhe; Tanz in solchen Spiüngen (Goethe 1, 179), Dazu anord, hopp n, «Sprung, Springe- tauz», u, das Zeitwort nd,-md, hoppen «hüpfen» (s, d,), auch Schweiz, hoppen (schon 1561 bei Maaler), anord -schwed. hoppa, dän. hoppe. hopp, hop, interj., eig. Imperativ von nd.- md. hoppen, 1691 bei Stieler hop und Kopp. Hoppas, m. {-es, PI, -e): Sprung, unver- sehner Sprung, Fehltritt, Versehen, 1781 bei Müller Siegfr. v, Lindenberg 1, 61, nd, auch Hopps m. hoppla, Interj,, der durch -a (s, holla) verstäi'kte Imperativs des Verbs hoppeln, das von hoppen abgeleitet ist, Hoppelpoppel, m. (-s, PI, wie Sg.): etwas unruhig Bewegliches, 1804 bei J. Paul Flegelj. 2, 39 vom Herzen; Getränk aus Rum, Eiern und Zucker, durch Schlagen und Rühren zubereitet, bei J. Kemer Bilderbuch 222 Hopel- 889 hops Hom 890 pohel aus dem Ende des 18. Jh. Gebildet aus hoppeln «hüpfen» (Stieler 1691) und hohheln, hubheln (s. d.) «sprudeln» (Stieler), hops, interj., 1779 bei Göckingk Lieder zweier Lieb. 54, eig. Imperativ von hopsen (s. d.). hopsa, interj., einen Sprung be- zeichnend, vor Lustigkeit (Lenz 1, 127) oder beim Stolpern, bei plötzlicher Überraschung. Verlängert hopsasa, bei Schubart 2, 143, hop hey sa sa 1695 in Chr. Eeuters Ehrliche Frau 86. hopseil, v.: hüpfen, springen, bei Campe 1808, Iterativ von md. hoppen (s. hüpfen), entstanden aus hopzen, wie ags. hoppetan «hüpfen» zeigt. Horhel, f.: Schlag oder Stoß an den Kopf (fränk. und sonst bei Schülern); Maul- schelle (obersächs.). Wie im Md. stolpern und storpeln wechselt, so verhält sich wahr- scheinlich auch Horhel zu Holper m. f. «Stoß im Fahren auf einem rauhen Weg» (Frisch 1741), vgl. van(i.horvelen «holpern, humpeln»; vielleicht ist das Wort aber alt. Zupitza 121 vergleicht aind. carvä m. «Schlag mit der Ilachen Hand». horchen, v.: worauf hören, lauschen. Ein urspr. mitteld. Wort, mhd. horchen und horchen, ahd. im 11. Jh. hörechen; dazu mnd,- mndl. horken, afries. herkia, ags. heorcnian, hj/rcnian, mengl. herknen und herken, engl. hearken und hark. Intensivbildung zu hören (s. d.). Vgl, gehorchen. ABL. Horcher, m., 1605 bei Petri der Teutschen Weisheit 2, 176. ^ Horde, f. (PI. -w): wandernde Stammes- genossenschaft, umherstreifender wilder Haufe. Bei P, Fleming 100 von 1636, und 1647 bei Olearius oriental. Reise, beschr. 243 und 252 Horde neben Horda 528; nach Kluge 1534 bei M. Herr Neue Welt 157 Horda auf tar- tarisch eine Versammlung der Menge. Aus tatarisch horda «Lager», woher auch pers. ordu «Kriegsheer, Lager», russ. ordä f., ital. orda f., ndl.-engl.-franz. horde f. «Horde». ^ Horde, f. (PI. -«): Flechtwerk zu Wän- den und zum DöiTen. Md. im 13. Jh. horde f, «Ümhegung, Bezü-k», 1466 in Frankfurt a. M. horde i. «Flechtwerk», 1410 dünghordet; dazu mnd. 1373 hord f. «Flechtwerk einer Brücke», ndl. horde f, «Weidengeflecht». Das Wort ist die md. und nd. Form von Hürde (s. d.). hören, v.: durch das Ohr vernehmen; (abstrakt) worauf achten (bei Luther Ps. 54, 2) ; gehorchen (Jes. 30, 9). In der 1. Bed. rahd. hoßren, md. hören, ahd. hören, Mrran; dazu asächs. hörian, höran, and. auch häran, afries. hera, ndl. hooren, ags. hyran, heran, engl. hear, anord, heyra, schwed, höra, dän. höre, got. hausjan. Vielleicht urverwandt mit gr. ÖKoüeiv «hören», und weiter mit Ohr (s, d.), wenn germ. h und gr. k der Rest eines selb- ständigen Wortes, gr. ok- «scharf» wären. Vgl. Kretschmer KZ. 33, 563. Im Mhd. auch die Bed, «aufhören, endigen», und wie im Mnd. -Afries. -Ags. «im Verhältnis der Ab- hängigkeit oder Zugehörigkeit von etw. sein, zugehören», letztre Bed. auch im Altemhd, und noch bei Musäus physiogn. Reisen 4, 99, s, hörig. ABL. hörhar, adj., bei Lessing 11, 152. Hörer, m., mhd. hoercere, hoerer m. «Zuhörer», hörig, adj.: in der Rechtssprache I im Verhältnisse der Abhängigkeit stehend, mhd. hoßrec «folgsam, leibeigen», ahd. gahorig «gehorsam»; dazu Hörigkeit, f., 1775 bei Adelimg, ndrhein. 1437 hoirichgheit bei Halt- aus 957. ZUS. Hörensagen, n., im 15. Jh. ! hörensagen n., mhd. hosrsagen n. Hörrohr, n., 1775 bei Adelung. Hörsaal, m.: großes [ Lehrzimmer auf Hochschulen, 1728 bei Gott- sched, bei Frisch 1741 Hörstuhe. Horizont, m. (-es, PI. -e): Gesichtskreis (s. d.). Bereits im 16. Jh. (1509 bei Vespucius ■ Büchlin A 4), Aus gleichbed. gi-.-lat. horizon I m. (Gen. Jwrizontis), gr, öpiZuuv m., eig. Part. ' Präs. von öpiZeiv «begrenzen, umgrenzen». Verdeutscht 1540 bei Alberus dict. 0 3* Äugend n. (d. h. das Aug-Ende), 1676 bei Francisci Lusthaus 627 Gesichts -Ender m., bei Stieler 1691 Endkreis m., in der See- mannssprache Kimm f. und Kimmung f. (s. Kimme). ABL. horizontal, adj.: wage- recht, wasseiTecht, 1647 bei Olearius orient, ' Reisebeschr. Horm(e)t, n.: Kopfputz der altenburgi- ! sehen Bauer mädchen in Form einer künstlichen I Krone. Verkürzt aus Haarband n., dafür in I einer Zeitzer Urkunde von 1457 schapel n. Horn, n, [-es, PI. Hörner): harte Kopf- spitze mancher Tiere; Trinkhorn; krummes Blasinstrument (urspr. aus Horn gemacht); homartige harte Masse; Landspitze; Berg-, Felsenspitze. In diesen Bed. mhd.-ahd. horn n.; dazu asächs. -afries. -ags. horn m., nndl. hore7i, hoorn m., engl, hom, anord.-schwed.- dän. horn n., got. haürn n. Urverwandt mit lat. cornu n. «Horn», gr. Kcipvoc «Hornvieh» (bei Hesychius), air. com «Trinkhorn», bei den Galateni xdpvov (Akk.; «Blashorn, Trom- pete» (bei Hesychius), mit andrer Ableitungs- silbe aind. ghdgam «Hom», gr. K^pac n. «Horn» 891 Hornis Horst 892 (Gen. K^puTüc, vgl. Hirsch). Vgl. noch Zu- j pitza KZ. 36, 60. RA. jem. Hörner auf- ; setzen «ilin zum Hahnrei machen», um 1426 ' bei Wittenweiler Ring 18^, 18 Mrner an- setzen, bei Brant Nan-. S. 34 Z. hörner uff \ die oren setzen, bei H. Sachs Fastn. 45, 166 die Hörner auffsetzen. Schon gr. Kepara i TTOieiv Tivi «jem. Hörner machen, zum Hahn- ; rei machen)/ (Artemidor 2, 11). Nach der mittelalterlichen Erzählung vom Zaubrer Yir- gilius verriet sich die Untreue der Frau da- durch, daß dem betrognen Ehemann ein Hörn ' aus der Stirn wuchs (Germania 4, 237 aus | dem 14. Jh., Kolmarer Meisterl. 55, 14); dazu gesellt sich die ältre Gepflogenheit, dem Ka- paunen den abgeschnittnen Sporn in den j Kamm als Hörn einzusetzen (1557 Heußlin , Vogelb. 84*). Sich die Hörner ablaufen «den : Jugendübermut ablegen». Stammt aus den studentischen Bräuchen. Dem Neuling (Be- anus oder Bacchant) v^urde der Gecken- oder Bacchantenhut mit zwei Hörnern aufgesetzt, und er mußte sie sich ablaufen, d. h. «ab- ' stoßen». Vgl. Fabricius die akademische De- position 1895. ABL. hörneu, liorneu, adj., ältemhd. hürnen, mhd. hürnin, hurnin, md. hornln, ahd. hurmn. hörnern, adj., 1654 bei Logau 3, 10, 51. horuicht, adj., mhd. horneht, ahd. hornaht, hornoht. Horuist, m. {-en, PI. -eti): Hornbläser, bei Campe 1813, dafür got. haftrnja m. ZUS. Hornblende, f., eine grobblätterige schwarze Steinart, 1775 bei Adelung. Hornflsch, m.: die Meernadel, 1563 in Forers Fischbuch 48^. Hornkirsche, f.: der Kornelbaum, cornus mas, benannt nach dem hornharten und hornfarbigen Holze, 1561 bei Cordus. Hornviell, n., 1678 bei Krämer. Hornwerk, n.: Außenvverk einer Festung, vorn aus einem Walle und zwei halben Bastionen bestehend, 1642 bei Duez, franz. ouvrage ä cornes, aus dem Deutschen entlehnt gleichbed. span. hornabeque, port, hornaveque. Hornis, f., (in Bayern auch) m., Hor- uisse, f. (PI. Hornissen) : die große Wespen- art Vespa crabro. Mhd. hornig, hornu^, hornüß m., ahd. horna^, hurnu^, hurnü§ m.; dazu and. (entlehnt) hurniz, ags. hyrnetu, hyrnet f., engl, hörnet «Hornisse». Ältemhd. Formen sind: Hurrnuß in. (Maaler 1561), Hurnis f. (Schottel 1663), Hürnis f. (Duez 1664), Hür- nitz (1597 Colerus 13, 114), Hurnauß (Dasy- podius 1537, als Fem. 1573 bei Fischart Flöh. 995), Hornauß (Golius 1582^, Horniisch m. (Waldis Es. 3, 85), Horneuß (Peypus 1530), Horneiß (Mathesius Sar. 317*), bei Luther Hornis d, 246^ neben PL Hornissen; verkürzt Hörnsen (Diefenbach gl. 154''), Hornsen m. f. (Mathesius Sar. 317 *), Hurns f. (Schottel 1663) : mit weitrer Ableitung: Iwrnessel (Voc. 1470 und 1482), hirnysel (1495 Brack il'^), hur- neißel (1487 Steinhöwel65b), Humeusel (1566 Mathesius Luther 141, 31), Hürnissel, Hor- nüschel m. (Waldis Es. 3, 85, 1), Hornüssel (Rößün Kreuterb. 1533), Hornissel f. (Schiller Raub. 2, 3); verküi'zt Horsseln (Apherdianus 1581), ndl. 1598 horsel, nndl. horzel f. Formen mit l: md. im 14. Jh. harlig m. neben harnig, um 1500 horlitz (Diefenbach gl. 154«^), Hör- litze (Golius 1582), Hörlitz f. (Duez 1664). Der Ton ruht auf der ersten Silbe, in neurer Zeit bisweilen auf der zweiten (vgl. Holun- der, lebendig). Urverwandt mit lit. sirsuö, sirslis m. «Wespe», sirsöne «Horniß», lett. sirsis, apreuß. sirsilis «Hornis», abg. srüsa «Wespe», srüseni m., lat. crabro (aus *cräsro) TD.. «Hornis». Hornung, m. (-s, PI. -e): Februar. Mhd. hornunc, ahd. hornung m., anscheinend eine patronymische Bildung, eig. Sohn des Hörn. In Mitteldeutschland heißt der Januar der große, der Februar der Meine Hörn (1788 bei Rüdiger Zuwachs 2, 85), was sich auf den harten Frost dieser Monate bezieht. Da- ■ hei" zu anord. hiarn n. «hartgefromer Schnee», [ lit. sarmä f. «Reif», russ. serenü n. «Reif», ' arm, saht «Eis», sarnum «friere». Vgl. Anz. f. d. A. 30, 235. Anders mnd. hörnink, afries. Jtörning, anord. hörnungr m.., ags. hörnungsunu m. «unehelicher Sohn, Bastard», zu got. hörinön j «Ehebruch treiben;., ahd. huor «Ehebruch», I huorön «huren». Horoskop, n. {-es, PI. -e): Instrument I zum Schauen des Planetenstandes während der Geburtsstunde und danach zur Schick- salsdeutung. Bei SchiUer Piccol. 2, 6. Von gleichbed. mlat. horoscopiuni, gr. iLpocKÖiriov, djpocKOTTeiov n., aus gr. üipa f. «Jahreszeit, Stunde» und CKoireiv «schauen». Horst, m. {-es, PI. -e): aus Reisig ge- bautes Raubvogelnest. Aus der ostmd. Jäger- sprache, 1719 bei Fleming t. Jäger 1, 156*» Horst m. (PI. Horsten); schon 1475 bei Wier- straat Gr. 2696 hurst m. «Sitz, Nest». Mhd.- ahd. hurst f. «Gesträuch, Dickicht» (PL mhd. hürste), 1517 md. bei Trochus J 2^ hörst m. «Anhübe, Hügel», 1540 bei Alberus dict. BB4'' Horst «Hügelchen mit Gesträuch», wohl in 893 Hort Hotte 894 dieser Bed. 1394 md, hörst f. (Barn- liess. Urkunden 1, 501); dazu mnd. hörst, hurst f, «niedriges Gestrüpp», mengl. hurst «Hügel, Gebüsch», engl, hurst. Herkunft unklar. Vgl. Walde s. y. crlnis. ABL. horsteu, v.: nisten (von Raubvögeln), 1719 bei Fleming Jäger 1, 150*. Hort, m. (-es, PI. -e): bewakrter Schatz; (dann imMhd.) Aufbewahrungsort d. Schatzes; (im 16. und 17. Jh.) sichrer Ort, Zuflucht- stätte; Schutz, Schirm (in der zweiten Hälfte des 18. Jh. neu aufgenommen, 1777 bei Goethe an Frau v. Stein 1, 124). Mhd. hört m., ahd. hört n. «gesammelter und verwahrter Schatz»; dazu asächs. liord n. «Schatz, innerster Raum», ags. hoi'd n. m., engl, hoard, anord. hodd f., got. huzd n. «Schatz». Wahrschein- lich urverwandt mit gr. kücGoc m. «Höhlung», ags. hydaUj gr. Keü9av, kymr. cuddio «ver- bergen», oder mit aind. kösas m. «Behälter», kostha m. «Unterleib, inneres Gemach, Vor- rats-, Schatzkammer, Ringmauer, Gefäß». Vgl. Walde s. v. custos. Hose, f. (PI. -n): anliegendes Beinkleid: (obersächs.) röhrenförmiges hölzernes Gefäß, Wassergelte (1700 bei Chr. Reuter Graf Ehren- fried 25) oder Butterkübel fbei Chr. Weise Lustredner 51); trichterförmige Wasserwolke 1680 bei Francisci Lufft-Kreys 1084 wasser- ziehende Hose oder Wasser -Hose). Mhd. hose, ahd. hosa f. «Beinstrumpf von Leder oder Zeugstoflf zur Bedeckung des Unter- schenkels», im Unterschied von mhd. hruoch, ahd, bruoh f. «Bekleidung des Unterleibs und der Oberschenkel). Als seit dem 15. Jh. Bruch imd Hosen in ein Kleidungsstück ver- einigt wurden, hieß dieses die Hosen oder ein Par Hosen (PL, 1449 bei Soltau Volksl. 1, 129, 1557 bei Waldis Es. 4, 94, 158), erst im 19. Jh. die Hose. Entsprechend mnd. hose, hase f. und ags. hose f. «Beinstrumpf», anord.-schwed. hosa f., dän. hose «weit auf- wärts reichender Strumpf», ndl. hoos und engl, hose in der heutigen Bed. Die Mund- arten haben die ältre Bed. bewahrt: westfäl. hose und holst, hase f. «Strumpf;/, bayr.- tirol. hos f. «Beinstrumpf vom Knie bis zum Knöchel». Hei-kunft dunkel. Kaum zu aind. köäas (s. Hort). Aus dem Gennanischen entlehnt afranz. hose, heuse f., aspan. huesa f., aport. osa f. «Gamasche», afranz. houseaux «hohe Gamaschen», ital. nosa f. «Hose», eben- so im Keltischen körn, hos «Beinstrumpf», kvmr. hosan «Hose». Hospital, n. (-S, V\. Hospitäler): Armen-, Krankenhaus. Mhd. hospitäle, hospitäl n., ahd. hospitälhüs n.; dazu clevisch 1477 hospitail n. Aus mlat. hospitale n. «Gast-, Fremdenhaus, Herberge», lat. hospitälia PI. «Gastzinmier», dem Xeutr. des Adj. hospitalis «den Gast be- treffend», von hüspes m, «Gast». S, Spital. Hospitant, m. (-en, PL -en): als Gast Zuhörender. 1813 bei Campe. Part. Präs. von lat. hospitäri «als Gast einkehren», lio- spitiereil, v.: einer Vorlesung als Gast bei- wohnen. Bei Campe 1813. Bei Roth 1791 «als Gast einkehren». Hospiz, n. (-es, PL -e): Herberge, bes. kleines Ordenshaus zur Beherbergung L)m-ch- reisender: (studentisch) Trinkgelage bei einem Studenten und auf dessen Kosten (1786 bei J. M. Miller Walther 148), Rundgesang (1825 bei Kluge Studentenspr.). Tu der urspr. Bed. bei Goethe 19, 292 Hospitium n., aus lat. hospitium n. «Gastfreundschaft, gastliche Auf- nahme, Herberge», von lat. hospes m. «Gast». Hostie, f. (PL -n) : geweihtes kleines rundes Stückchen ungesäuerten Brotes im hl. Abend- mahle. Mhd. hostie, ostie f., aus gleichbed. mlat. Itostia f., im Lat. «Sühno^ifer, Opfer»: die unblutige Darstellung des Opfers Christi unter der Gestalt des Brotes imd des Weines geschieht in der in der Messe der katholischen Kirche vorkommenden Wandlung. Hotel, n. {-s, PL -s): gi-oßer Gasthof (18. Jh.J; großes Hen-enhaus einer Stadt, Palast (17. Jahrb.). Entlehnt aus gleichbed. franz. hötel m., älter hostel, von mlat. hospi- tale n. (s. Hospital). hott! interj.: Ruf zum Rechtsgehen des Zugtieres (Fastnachtspiele des 15. Jh. 248, 4 hotte, host); antreibender Zuruf an Pferde zum Geschwindergehen (1518 bei Keisersberg Sünden d. Munds 35 "^ /io^te, bei Schiller Räuber 4, 4 hotto: das auslautende -a, -o entspricht dem verstärkenden mhd. -a, wie in Mordio, Feuerjo, holla); bayr. hott! hott! «die Be- wegung des unfesten Reiters beim Trabe bezeichnend». Dazu das älternhd. Zeitwort hotten «zum Rennen antreiben» ( Fastnachtsp. 788, 22), «rechts vorwärts gehen» (1562 bei Mathesius Sar. 123*^). Vgl. har. schwude. ZUS. Hottogaul, m. : das Reitpferd (SchiUer Räuber 4, 4), Pferd in der Kindersprache. 1691 bei Stieler Hottpferd n. «Wagenpferd». 1562 bei Mathesius 147" Hottepferdlein (der Kinder). Hotte, f. (PL -n): hölzerne Bütte, d)e 895 Hotzel huf! 896 man auf dem Rücken trägt (Weist. 5, 697 von 1476, bei Ludwig 1716 «Bütte der Wein- leser», noch alem.-rhein., dafür Schweiz. Swi^e f. «Rückenkorb aus Weidengeflecht>->, auch «Trag- bütte»); Buttermilch, Quark (ostmd. und nd., 1517 bei Trochus Q 1 ^, mnd. 1420 bei Diefenb. gl. 530°, ndl. 1598 hotte). Aus dem Deutschen entlehnt franz. hotte f. «Tragkorb». Wohl zusammenhängend mit Hütte, da die Grund- bedeutung «geflochtner Korb» ist. Hotzel, s. Hutzel. hotzeln, v. : rütteln, hart schaukeln, schüt- tern. Schweiz.-bayr.-elsäss., 1561 bei Maaler; in der Bedeutung «sich bewegen» 1575 bei Fischart Garg. 99. Iterativ zu Jiotzen, md. und nd. «wiegen», Schweiz, «sich schaukelnd auf- und niederbewegen», spätmhd. hotzen «schaukeln, schnell laufen», entsprechend dem md. und nd. hotten. Vielleicht zu aind. cödati, codäjati «treibt an», kutsäjati «schmäht», gr. KubdZeiv «beschimpfen». hu! huh! Interj. des Schreckens, Grausens, Schaudenas, Frösteins, Staunens. Mhd. hü, selten ahit. hü, hüh, interj., antreibender Zuruf des Fuhrmanns, auch Zunif an das Zugtier, links zu gehen oder auch vorwärts. Vgl. hott. Hub, m. (-es, PI. Hübe): Handlung des Hebens; Ausgewähltes. 1691 bei Stieler. Hube, s. Hufe. HÜbel, m. {-s, PI. wie Sg.): kleine Er- höhung; Hügelchen. Mhd. hühel m., md. huhel, hohel, huvel, im 15. Jh. auch hovel, hofvel m. «Hügel»; dazu andiränk. huvel, mnd. hovel m. «Hügel, Höcker», ndl. heuvel m. Gleichen Stammes wie mhd. hover m. «Höcker» (s. d.). Vgl. Hügel. llüben, adv.: diesseits. Zuerst bei Maler Müller 2, 125 u. 284 aus der Volkssprache, dann bei Goethe 2, 37. Gekürzt aus hie üben {üben 1741 von Frisch als alemannisch be- zeichnet), wie hoben aus hie oben, schon im 12. Jh. mhd. und noch schweiz.-elsäss. hoben. Hubert, Mannsname, ahd. Hüpert, Hubert, zsgez. aus älterm Hugu-, Hugbert, Hugperaht, von ahd, hugu m., mhd. hüge f., md. huge, hoge f. m., asächs. hugi m., ags. hyge m., anord. hugr m., got. hugs m. «Denken, Geist, Sinn», und -bert (s. d.). Hübner, s. unter Hufe. hübsch, adj.: in der äußern Erscheinung wohlgefällig. Mhd. hübesch, hübsch, md. hubisch, hobisch, hübsch «hofgemäß, fein gebildet und gesittet, unterhaltend», im 15. Jh. «fein aus- sehend, gefallend, schön». Ein altes mit grammatischem Wechsel zu Hof gehöriges Wort, neben dem schon mhd. höfisch steht mit Anlehnung an Hof. Das franz. courtois hat bei der Bedeutungsentwicklung mitge- wirkt. Noch pommerisch, obersächs.-thüring. in der Bed. «artig» (1777 bei Weiße kom. Opern 2, 34, auch «vornehm» 2, 90). Hucke, f. (PI. -n): der Rücken als Träger der Bürde. Schlesisch Hocke, Hucke f., bei Frisch 1741 Hock ra., bei Steinbach 1784 Hocken und Hucken m., 1691 bei Stieler Hucke f. «Rückentraglast», wie noch ober- sächs.-thür., 1664 bei Dxxez Hocke f. «Bündel», um 1525 bei Uhland A'olksl. 721 hucke f. «das Bündel des Hausierers», im 15. Jh. in Städtechron. 5, 257, 19 huck f. «Hausierkram, Kleinverkauf». Wohl mit ^ Hocke verwandt. hucken, v. : auf dem Rücken als Last tragen, bei Frisch 1741 hocken, 1743 bei Schnabel Insel Felsenburg 4, 433 hucken. Eig. «in ge- krümmter, gebückter Stellung eine Last zum Tragen aufnehmen», eins mit hocken (s. d.). Dazu das Iterativ huckeln «aufhocken» bei H. Sachs 21, 25. ZUS. mit hucken: Hucke- pack, m.: zum Aufhocken (Tragen) be- stimmter Rücken (md. huckeback); Traglast auf dem Rücken (Bürger 186). hudeln, v.: in Eile und nur obenhin tun; tr. : jem. achtlos und zugleich empfindlich be- handeln, plagen, quälen. In beiden Bed. 1618 bei Schönsleder, 1515 bei Keisersberg Evan- gelibuch 152 hudlen «schlottern», 1582 bei Fischart Garg. 328 herumb huddeln «sich mit jem. herumschlagen», 1512 bei Murner Narr. 13, 47 zerhudlen «nachlässig zerreißen». Von spätmhd. im 15. Jh. hidel m. «Lumpe, Lappen», mhd. huderwät f. «Kleidung». Wohl zu lit. skütas «Fetzen», skiitös PI. «Abschabsei». Vgl. Zupitza 127. Dazu aind. kutapa- m. n. «Decke von Ziegenhaar», kuthas m., kuthä f. «ge- färbte wollne Decke» (?) ABL. Hudelei, f.: lumpiges Wesen (1663 bei Schottel); Plage, Schererei (1691 bei Stieler). Hudler, m.: zerlumpter Mensch (1561 bei Maaler); Quäler (1691 bei Stieler vom Geizhals und Wuchrei'). Hudelmannsgesinde, n.: Lumpengesindel, oberd., 1538 bei Franck Germaniae chron. 20% zgs. mit Hudelmann m. «Lumpenmann» (1578 bei Fischart Ehz. G5^). huf! interj.: zurück! als Fuhrmannsruf 1741 bei Frisch, noch fränk.-hessisch, dafür bayr. hüf, schwäb.-tirol. häuf, hufen, v.: rückwärts gehen, zunächst von Pferden, 1734 891 Huf hui! 898 bei Steinbach; vgl. anord. hopa, norw. hope «sich rückwärts bewegen». Huf, m. (es, PI. -e): ungespaltner Horn- fuJß. Mhd.-ahd. huofm., md. hüf; dazu asächs. höf (in höfslaga f. «Hufspur»), and. höf, ndl. hoef, ags. höf m., engl. hoof. anoi-d. höfr m., schwed. hof m., dän. hov. Kaum verwandt mit abg. kopyto n. «Huf», das von kopati «gi'aben» stammt, sondern zu aind. gaphäs m., awest. safa- «Huf», osset. säf-thäg. Der PI. lautet mhd. hüeve, älternhd. im 16. u. 17. Jh. Hüffe, 1691 bei Stieler Hufe. Vei^einzelt auch als Fem. 1663 bei Schottel Huf, 1734 bei Steinbach Hufe f. ABL. huflg, in flach-, harthufig, 1691 bei Stieler huficht in Zu- sammensetzungen. ZUS. Hufeisen, n., mhd. huofisen, daneben huoh', höbisen, ahd. huof- isin n. Huflattich, m. i-Sy PI. -e): die lattichähnliche Pflanze Tussilago farfara mit gi'oßen Blättern in Gestalt eines Pferdehufs, ahd. huflatdecha f. (ZfdW. 6, 187), 1561 bei Cordns Huflattich m. fs. Lattich). Huf- nagel, m., md. im 13. Jh. hüfnagel. Huf- SChlag, m., mhd. huofslac, asächs. höfslaga f. «Hufspur». Hufschmied, m.: Hufbeschlag ausübender Schmied, mhd. huof-, huohsmit m. Hufe, f. (PI. -n): Landgebiet von dreißig Morgen. Md. und nd. Form (auch bei Luther Hufe) füi- oberd. Hube. Mhd. huohe, ahd. hu^ha, hoha, md. huhe, huve, hufe f.; dazu and. höva, mnd. hove f. ; wahrscheinlich urver- wandt mit gr. KfiTToc, dor. köttoc m. «Garten», alb. kopstd m. «Garten». ABL. Hüfner, m.: Besitzer einer Hufe, bei Voß, Hüfener bei Moser patr. Phant. 2, 68, Hufner bei Hagedom 1, 70. Bei norddeutschen Schrift- stellern statt des oherä. Hübner, mhd.huobener', huobner m. «Inhaber oder Besitzer einer Hube, Erblehnbauer» neben huober m. (jetzt nur noch als Familienname Huber). Hüfte, f. (PI. -n): erhabner Seitenteil über den Schenkeln. Bei Luther Hüffte f , 1540 bei Alberus dict. Kk 2^ Hüfft f. und m., im 15. Jh. hufft (Diefenbach gl. 229 "), 1482 im Voc. theut. nn A^huffte f. neben hufft p 2% noch tirol.-schweiz. Hüft f. neben Huff. Mit angetretnem t aus mhd.-ahd. huf f. (PI. mhd. hUffe, ahd. huffi): dazu and. (entlehnt) huf, mnd. hup, ndl. heup f., ags. hype m., engl. hip, (entlehnt schwed. h(jft m., dän. hofte), got. hups m. «Hüfte». Urverwandt mit gr. KÜßocm. «Höhlung vor der Hüfte beim Vieh», KüßiTov n., lat.cubitum n. «Ellenbogen». Dazu auch wohl aind. güptis, aw. supti- f. «Schulter», Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. alb, sup m. « Schulter, Rücken ». ZUS. Hüft- weh, n,, 1537 bei Dasypodius Hufftioee. Hügel, m. (-.s, PI. wie Sg.): mäßige Erd- erhöhung. In der Schriftsprache zuerst bei Luther, 1517 bei Trochus J2^ md. hugel über einem Grab, dagegen 1512 bei Keisersberg Bilgerschafft 168^ den hugel hencken «den Kopf hängen lassen, traurig sein», wie noch bayr. den Miibel henken. Im Ablaut zu Haug (s. d.). Dafür mhd. bühel und hübel m. (s. Hübet). Obersächs.-thüring. Huckel m. «kleine Er- höhung im Wege, Beule auf der Haut», Dim. von hess. Huck m. «Hügel, Berg» (1556 bei Staden Reise a3). ABL. hügelicht, hüglig, adj., erstres 1662 bei Stoer 260^, hüglig 1741 bei Frisch, Hugo, Mannsname. Ahd. Hugo, dann Hüc, JI% (nhd. der Familienname Haug). Kosefonn zu den mit Hug- zgs. Mannes- namen, wie Hugbald, Hugwin, Hubert (s, d.). Huhn, n. {-es, PI. Hühner): das Haus- geflügel Phasianus gallus als Gattungsname, dann (seit dem 15. Jh.) insbes. die Henne: weidmännisch «das Rebhuhn, Feldhuhn» (1719 bei Fleming Jäger 1, 331). Bei Luther und noch bei Schottel 1663 und Ludwig 1716 Hun, 1664 bei Duez Huhn. Mhd.-ahd. huon, hon n. (PI. mhd. hüener, ahd. huonir, hönir), auch «der Hahn», md, hün; dazu asächs. und mnd. hön n., ndl. hoen n. «Huhn», anord. hosns, hoensn und hcesn Neuti\ PI. «Hahn und Henne», schwed. höns n. «Huhn», dän. höns «Hühner». Im Ablaut zu Hahn (s. d.), über- einstimmend mit pränest. cönia, lat. cicönia «Storch». Vgl, Hinckel. ZUS. Hühner- auge, n. : Leichdorn, 1591 im Leipziger Voca- bularius optimus M 2 '^ hunerauge. Hühner- darm, m.: die Pflanzen Stellaria, Veronica, Anagallis, im 12. Jh. hüner-, im 11. Jh. huoners- darm (Mona Anz, 8, 95, 107) zunächst von Stellaria, weil diese Pflanze vom Federvieh gern gefressen wird, Hühnerhund, 1664 bei Duez. Hühnermilch, f: die Pflanze Ornithogalum, 1578 bei FrischUn Nom. Cap. 30. hui! interj. zur Bezeichnung der Geschwin- digkeit (1741 bei Frisch hui! hui! «in der Eile!»); als Einleitung zu einem Einspruch (1669 bei Grimmeishausen Simpl. 258), zu einem plötzlichen Einfall (Simpl. 244); als Zeichen der Überraschung (1620 Englische Comedien 2, V8^). Als frühste Bed. bei Luther hui Interj. des Antriebes zu schnellem Handeln (Sacharja 2, 6), der regen tatkräftigen Freude (Hiob 39, 25). Substantivisch Hui, 57 899 Huld Hummel 900 n.: Augenblick, bei Luther 4, 4^ auff ein Hui, 4, S'' in einem hui, bei Aventin 1, 198, 34 im ersten hui, 4, 508, 13 im ersten hoi, als Mask. 1691 bei Stieler auf einen Hui. Dazu mnd. in einem huye (huge) «uno impetu». Wohl onomatopoetisch. Adjektivisch (Goethe 12, 17) bei Luther 2, 442** dieser Artikel ist wol ein wenig zu hui. Huld, f. (ohne PI.): freundliches, herab- lassendes Zugeneigtsein. Das Substantivum zu hold (s. d.). Älternhd. im 16. Jh. Hulde, mhd. hulde f., md. holde, ahd. huldi und hulda f. « Zugeneigtheit des Höhern gegen den Nie- dern wie dieses gegen jenen, Treue, Freund- lichkeit», im Mhd. auch «Erlaubnis, Dienst- barkeit»; dazu asächs. huldi, afries. helde, hulde, ags. hyldu f., anord. hylla f. und hylli f. n. ABL. huldig, adj.: zu Dienst und Ti'eue ergeben (Moser patr. Phant. 3, 193 f.), freundlich, gütig (Rückert Ged. 128), mhd. huldic «zugeneigt, ergeben», ahd. huldig «ver- söhnlich»; davon huldigen, v.: den Eid der Treue leisten (nd. im 15, Jh. huldighen bei Diefenbach gl. 205 '^), in Verehrung er- geben sein (bei Schiller Picc. 3, 4, Kraniche des Ibykus V. 149), mhd. huldigen «hold machen», neben hulden, ahd. huldan «ergeben, geneigt machen, Dienstbarkeit und Ergeben- heit geloben»; Huldigung, f., 1424 huldi- gung (Germania 28, 370). Huldin, f. (PI. -nen): Huldgöttin, Grazie, anmutreiches Weib, im 18. Jh. (Ramler 1, 97), vgl, Holdin; an- ders im 16. Jh. bei Mathesius Fastenpred, 86'* Fraw Huldin «böses Weib», wie bei Luther 3, 71 *f, Fraw Hulda oder Fraw Hulde als Personifikation der natürlichen Denkart im Gegensatz zur göttlichen Offenbai'ung. ZUS. huldreich, adj., 1691 bei Stieler. Hülfe, s. Hilfe. Hülle, f. (PI. -n): verbergende Decke, Umhüllung. Mhd. hülle f. «Mantel, Tuch der Frauen zum Bedecken des Kopfes, Um- hüllung, md. hülle, ahd. hulla f. «Kopftuch». Mit dem Zeitwort hüllen (s. d.) zu ahd. helan «verbergen» (s. hehlen). RA. die Hülle und Fülle: im Überfluß, vollauf genug (1669 im Teutsch-Frantz.-Lat. Dictionar. 177*), urspr. die zum Leben nötige Kleidung und Speise (im 16. und 17. Jh.), indem Hülle die Be- kleidung, Fülle die Nahrung ausdrückt, mit der der Mensch sich füllt, um leben zu können. hüllen, V. : verbergend bedecken, mhd. hüllen, hüllen, ahd. hulljan, hullan, asächs. hihullean, ndl. hüllen, a.novä. hylja, schwed. hölja, dän. hylle, got. huljan, im Ablaut zu ahd. helan (s. hehlen). ^ Hülse, f. (PI, -n): Samengehäuse von Pflanzen; umschließende Hülle aus Metall (1562 bei Mathesius Sar. 143^). In der 1. Bed. mhd. hülse, auch hulsche, md.hulse, shd.hulsa f. (aus *hulisa) ; dazu nd. hülse, ndl. hüls, hülse, aber ags. hulu f., engl, hüll. Alte s- Ableitung von dem Stamme, der in hehlen (s. d.) vor- liegt. Mit s-Ableitung auch got. hulistr n. «Hülle, Decke», ags, heolstor n. «Hülle, Schlupf- winkel, Decke». ABL. hülsen, v.: der Hülse entledigen, 1517 bei Trochus J Q^ hulßen, mnd. hülsen, hülsig, adj., 1691 bei Stieler hülsicht, im 16. Jh. hülschet, hülsechtig. ZUS. Hülsenfrucht, f., 1540 bei Alberus dict.tt 1^. -Hülse, f. (PI. -n) und Hülst, Hülst, m. (-es, PI, -e): die Stechpalme, Hex aqui- folium. Bei Voß Luise 1, 536 und 1574 bei Fischart Onomast. 232** Hülst m., mndl. und ndl. hülst m. mit angetretnem t; aber and. hulis «Mistel», mnd. hüls, hulsebom, 1577 in Weist. 3, 209 aus Westfalen der PI. hülsen, clevisch 1477 und nnd. hülse f., mhd. hüls m. «Stechpalme, Walddistel», ahd. hulis, hüls m. «der Mäusedorn»; dazu ags. holegn m., engl. holly «Stechpalme», vgl. air. cuileann, kymr. celyn «Stechpalme», körn, celin. Weitre An- knüpfungen sind unsicher. Vgl. Solmsen Btr. 27, 866 und Falk-Torp s. v. hylse. Aus dem Deutschen entlehnt afranz. hous, nfranz. houx m. «Stechpalme», petit houx «Mäusedorn». human, adj.: menschenfreundlich, leut- selig, huldreich, gefällig. Im 17. Jh. aus gleichbed. lat. hümänus. Humanität, f.: Freundlichkeit, Leutseligkeit, Höflichkeit, Menschlichkeit, Gesittung, edle Bildung, 1571 bei Rot Humanitet. Aus gleichbed. lat. hü- mänitas f. Als kulturgeschichtliches Schlag- wort von Herder 1784 aufgenommen. Vgl. Ladendorf. Humhug, m. (-s): Schwindelei, Auf- schneiderei, bes. zur Täuschung des Publi- kums in eigennütziger Absicht, Um 1840 aus gleichbed. engl. - amerik. hunibug (1760 belegt), von hum «summen, Gebrumme» und hug «Popanz». Hummel, f. (PI. -n): die große wilde brummende Biene Apis bombinatrix; büdl, umherschwärmendes unruhiges Mädchen (1691 bei Stieler tolle Hummel); hummelartig tö- nende zweisaitige Zither (1781 bei Müller Siegfr, V, Lindenberg 1, 157); fauler Mensch (bei Luther 6, 149*: da älternhd. Hummel 901 hummen Hund 902 auch «die Drohne im Bienenstock» bezeichnet, so 1541 bei Frisius 384* Hummel m.). Bei Luther Fem., aber mhd. humhel, hummel m., ahd. humhal m.; dazu mnd. homele, hummel f. «Hummel», hummelbe f. «Hummelbiene, Drohne», ndl. hommel f., engl, humhlehee «Hummel», schwed. humla, dän. humle. Wohl verwandt mit apreuß. camus «Hummel», lit. kamäne f., lett. kamines PI. «Erdbiene» oder zu hummen. hllDimeu, V.: summen, brummen. Mhd. im 14. Jh. hummen, 1551 im Petrarcha Trostb. 57* hummlen. Lautmalend oder zu lit. kim- stü «werde heiser». Hummer, m. (s, PI. -w): Art größter Seekrebse, Astacus marinus. Im 16. Jh. bei Münster Kosmogr. 6, 39 und Forer Fischb. 124* Humer m. aus nd. hummer m.; dazu anord. humarr m., schwed.-dän. hummer. Ur- verwandt mit gr. Kd)Li,uapoc m. (daraus lat. cammarus) «Seekrebs» und vielleicht aind. kamdthas m. (aus *kamarthas) «Schildki'öte». Humor, m. (s, ohne PI.): Scherzlaune. Im 16. Jh. aus lat. hümor m. «Feuchtigkeit», im Mittelalter der Saft im Innern des Men- schen, mit dessen Beschaffenheit die mensch- liche Art zusammenhängt, daher im 16. und 17, Jh. Humor m. «menschliche Art, Anlage» (1616 beiHenisch611, 1669 Simpl. Ihilusüger Humor), dann «Gesinnung, Stimmung^ Laune /^ (1641 bei Lehmann Florileg. 1, 23), betont wie im Lat. auf der ersten Sübe und im PL Humor en, Humorn nach lat. hümores, aber durch Einfluß des franz. humeur m. haftete der Ton seit dem 17. Jh, auf der zweiten Sübe (1668 bei Böckler Kriegsschule 1023 Humeur «Natur» als Soldatenwort, 1711 bei Kädlein Humor m. «Sinn»), daher guter Humor bei Wieland neuer Amadis 12, 13, übler Humor bei Goethe 19, 44. Die heutige Bed. bildete sich nach engl, humour (bei Swift und Sterne), vgl. Lessing 7, 414 f., J. Paul Vorschule der Ästhetik 1, 166 f. ABL. Humoreske, f. (PI. -n): launische Erzäh- lung. Noch nicht bei Campe 1813. Humo- rist, m. {-en, PI. -en): Schriftsteller von Humor, bei J. Paul Vorsch. d. Ästh. 1, 169 und Goethe 5, 1, 55, in der altern Bed. «drolliger, wunderlicher Mensch», 1693 bei Kramer 548^, aus ital.-mlat. humorista m. humoristisch, adj., bei Goethe 42, 2, 160. humpeln, humpen, v.: verstümmelten Fußes, gebrechlich gehen, hinken. Beides 1775 bei Adelung, humpen 1741 bei Frisch aus dem Niederd., 1691 bei Stieler humpen, himpen aus der thüring. Mundart, auch bayr. humpen «hinken». In übertragener Bed. hum- peln, humpeln v.: ungenau und ungeschickt arbeiten. 1663 bei Schottel humpeln. Man vergleicht das dialektische schampeln (s. d.) und gr.CKafißöc« krummbeinig». Andre denken an Verwandtschaft mit hinken, was trotz Zu- pitza Gutt. möglich ist. Davon Hümpler, m.: Stümper, Pfuscher, hei Luther Hümpler, im 15. Jh. bei H. Folz himpler: 1494 bei ßrant Narr. 95, 42 hümpeler m. «Lump». Humpen, m. {-s, PI. wie Sg.): großes weites TrinkgeschiiT. 1616 im Leipziger Jus potandi ^ 33 Hunipe f. als Studeutenausdruck aus md. Mundai-t, 1775 bei Adelung Humpen m. neben Humpe f. Dazu ndl. hompen, dän. humpe (entlehnt?), engl.hump «Buckel», ndl. Jwmp «großes Stück Brot». Wird als urver- wandt mit gr. KÜiußoc m. «Gefäß, Becher», Ki)|ußr| f. «Gefäß, Trinkschale, Ka.hn», awest. yumba-, aind. kumbhäs m. «Topf, Urne», kümba- «Hervorragendes, Hom, Spitze» an- gesehen, doch macht das späte Auftreten bedenklich. Vgl. auch Kumpen. Hund, m. (-es, PI. -e). Mhd. und ahd. hunt m. (Gen. hundes); dazu asächs.-mnd.- ags.- dän. -schwed. hund, afries. hund, hond, ndl. hond, engl, hound (Jagdhund), anord. hundr, got. hunds m. Nicht zu got. hinpan «fangen», ags. huntian, engl. hu7it «jagen», urspr. «Fänger, Jäger» (müßte w-Stamm sein). Urverwandt mit gleichbed. gr, küujv m. f. (Gen. Kuvöc), lat. canis m. f., altir. cü (Gen. con), lit. suff m. (Gen. szuns), armen, sun (Gen. san), awest. span-, sun-, aind. gva (Gen. günas). Über das angetretne t vgl. Hirt Btr. 22, 231. Die Versuche, das idg. Wort weiter zu erklären, sind mißlungen. Im Berg- bau Hund m. in übertragner Bed. «offner länglich viereckiger Kasten auf vier Rädern», 1557 bei Agricola Bergwerk 495 und 1562 bei Mathesius Sar. 32^, 196*, franz. chien m. RA. Auf den Hund kommen: an Vermögen, Geist oder Gesundheit herunterkommen, studentisch (1825 bei Kluge Studentenspr.), zu Hund in verächtlicher bildl. Bed. «Per- son oder Sache von geringem Wert». Weder mit Beziehung auf den schlechtesten Wurf im Würfelspiel lat. canis m. und canicula f., gr. Küuuv m. «Hundswurf», aind. gvaghni «eifriger Spieler», eig. «Hundetöter», noch auf die altdeutsche Strafe des Hundetragens, woher die RA. er muß Hunde führen nach 57* 903 hundert Hüne 904 Bautzen (fränk. bis Buschendorf, elsäß. nach ' ZUS. hundertfach, adj., 1556 bei Frisius Lenkebach, bei Arnold Pfingstmontag 120, der Oi-tsname bezeichnet urspr. die Gaugrenze). ABL. Hündin, f., mhd. hundinne, hündin t, dafür ahd. zöha, mhd. zöhe f. hündisch, 209^. hundertfältig, adj., mhd. hundert- valtec neben hundertvalf. hundertmal, adv., 1414 hundertmäle, 1440 hundertmöl (Diefen- bach gl. 112^). Hundertstel, Hundertel, adj., im 15. Jh. hundisch. ZUS. Hunde- In., verküi-zt aus Hundertstteü. hundert junge, m.: die unterste Stufe des Jäger- tausend, Zahhv., mhd. hunderttüsent. lehrHngs, die Wartung der Hunde besorgend, Hundsfott, m. (-es, PI. Hundsfötter): 1598 bei Ayrer Dram. 1631, 21 Hundtsjung, j feiger, tiefverächtlicher Mensch. Als Schelte hundekalt, adj.: abscheulich kalt. Huude- \ und Schimpfwort 1575 bei Fischart Garg. 38 leben, n., 1678 bei Krämer. Hundeloch, n. : Hundsfutt f., 1691 bei '^iieüar Hundsfot, Hunds- Gefängnis, 1605 bei Sommer Cornelius Rele- j fott m., eig. lat. cunnus canis, von der Scham- losigkeit der läufigen Hündin hergenommen. Der Plur. lautet 1582 bei Fischart Garg. 362 Hundsfutt, aber Hundsfüder 1619 bei Opel u. Cohn 30 j. Krieg 28, 66, noch bei Maler Müller 3, 185 Hundsfütter, Hundesvötter 1668 in Leyermatzs Correspondenzgeist 170. Da- von hundsföttisch, adj., bei H. Sachs (1588) gatus C 4. S. Hundsfott, Hundsloden, Hundstag. hundert, Zahlwort. Mhd. als Substan- tiv im 12. Jh. hundert n„ im 11. Jh. hunder it n., ebenso asächs. hunderod n., afries. hund- red, hunder d, hondert n., ags.-engl.-dän. hund- red, anord, hundrad n., schwed. hundra. Zgs. aus -ra^, von got. rapjan «zählen» (s. gerade. Rede), also «Hundertzahl», und aus dem altern j 3, 1, 194*^ hundsfüttisch und Fastnachtsp. 70, Zahlwort für «hundert», ahd. hunt n., asächs.- 1 200 hündzfüetisch. ags. hund n., im Asächs, nur in der Mehr- zahl wie got. hunda PL; urverwandt mit gleichbed. lat. centum, gr. ^kotöv, altir, cet, lit. simtas, awest. sata-, aind. gatäm, (aus dem L-an. entlehnt) abg. süto. Als Überrest der altgermanischen Zählung nach Groß- hunderten 120 ist die Bezeichnung für «ein- hundert» in der altem Sprache zu betrachten Hundsloden in den RA. H. kriegen, d. h. Vorwürfe, oder einem H. an den Kopf werfen. H. sind eigentlich «Hundehaare». Sie dienten als ein grobes Sm-rogat von Wolle, und so be- deutet die RA. «etwas Grobes bekommen». Hundstag, m. (gewöhnlich im PI. -e): Tag der Zeit vom 24. Juli bis 23. August als der heißesten des Jahres im südl. Europa ältermhd. zehenzec^ zehenzic, ahd. zehanzug {F]imus bist. nat. 2, 47). 1428 die hundstag und zehanzo (einmal bei Notker einhunt), ags. I (Anz. f. Kunde d. Vorzeit 11, 334), mnd. de hundteontig (neben hund), got. taihuntehund, hundedage (Städtechron. 7, 278, 23), mhd. im taihuntaihund, anord. tiu tigir, während anord. [ 14. Jh. hunflich tage, nach lat. dies canicu- hundrad in vorchristlicher Zeit ein Groß- 1 läres «Tage, wenn die Sonne beim Hunds- hundert, d. h. 120 bezeichnet, wie noch jetzt ^ stern steht und mit ihm zugleich aufgeht». Island, hundrad, weshalb man später hundrad Der Hundsstern, lat. camcula, Sirius, mlat. tiroett 100 und hundrad tolfroett 120 unter- canis, gr. kOuuv, mhd. im 14. Jh. hunt, 1495 schied. ABL. hundertste, Ordinalzahl, md. in der Kölner Gemma W 3*^ hondesterre, steht im 15. Jh. hundertst, 1420 hundirste (Diefen- , im Sternbüd des Hundes. bach gl. 112^), wofür im Mhd. zehenzigeste, Hüne, m. (-w, PI. -n): kämpfender Riese ahd. zehanztigosto , afries. Iwndersta. RA. alter Zeit. Dui-ch Wieland (22, 184 u. 21, vom Hundertsten aufs Tausendste kommen: 208) aus dem Niederd. aufgenommen, wo nicht bei der Sache bleibend von dem einen sich die Sagen von den alten Hünen im. auf andres, auch das Entfernteste kommen, | Volke erhalten hatten (1639 bei Micrähus bei Herder krit. Wälder 2, 122, weitergebildet ! Pommern 2, 200 Hünen oder Biesen); dafür aus das Hundertste ins Tausendste werfen obei-d. im 16. Jh. Heime hi. «Riese» (Mathe- (Simpl. 274), urspr. das Hundert ins Tausend sius Sar. 44^, Froschmeuseler 2, 2, 14), im werfen (Luther 3, 224 '^ u. 8, 229^), nach Ege- 13. -Jh. mhd. himie und md. hüne m. «Riese», nolfi" Sprichw. 1570 Bl, 201^ vom unordent- 'identisch mit mhd. Hiiine m. «Hunne», ahd.- lichen Setzen der Rechenpfennige auf den | and. starkflekt. Hüni, Hün, mlat. Hunus, alten Rechenbrettern, deren Rubriken mit ] Hunnus, gr. Oöwoi PI., 1482 im Voc. theut. M, C, X, I (Tausender, Hunderter, Zehner, 0 7^ Hewneti «Hunnen». Jedoch die mit Einer) bezeichnet waren, hunderterlei, ] Hun- zusammengesetzten altgerman. Eigen- adv., 1580 bei Fuchs Mückenki-ieg 1, 965. i namen wie Hünpreht, Hünbolt (Humbert, 905 Hunger Hürde 906 Humhold) usw. lassen nach J. Grimm Mythol. 433 auf älteres Vorhandensein des Wortes vor dem Einbruch der Hunnen schließen und weisen vielleicht auf einen ui-alten m3'thischen Volksstamm, ZTJS. Hiinengral), n., 1689 bei Micrälius Pommern 2, 200, aber als Name von Orthchkeiten schon im 14. und 15. Jh. oberd. ze Hiunengrehern . an Hiunungreber weg bei Mone ürgesch. d. bad. Landes 216. Hunger, m. (s, ohne PL): Eßbegierde. Mhd. hunger, ahd. Jmngar m.; dazu asächs. hungar, ndl. honger, afries. hunger, honger, agsi hungor, engl.-schwed.-dän. hunger, anord. hungr, got. hührus m. (auch Hungersnot). Gleichen Stammes wie anord. hä «plagen, quälen»; urverwandt mit lit. kankä f. «Qual», kenkti «wehe tun», gr. KeyKei «er hungert», KOKiöric «hungrig, verhungert» (bei Hesychius) ; vielleicht liegt die Bed, «brennen» zucn-unde. Vgl. gl". KOYKaivei « er macht glühend, brennt, dörrt», KOYKaXeoc «ausgebrannt» (bei Hesych.). Vgl. W. Schulze KZ. 29, 270. ABL. hung- rig, adj., mhd. hmigerc, hungerig, ahd. hunga- rag, hungrag-, dazu mnd. und afries. hunge- rieh, nndl. hongerig, ags. hungrig, engl, hungry. hungern, v., mhd. hungern tr. «hungern lassen» und unpersönl. mich hungert, ahd. hungiren, hungeron (häufig mih hungirit); dazu asächs. gehungrjan, mnt!. hungeren, ndl. hongeren, afries. hungera, ags. hyngrian, hyn- gran, engl, hunger, anord.-schwed. hungra, dän. hungr e, got. huggrjan (unpers. ßatia gaggan- dan huggreiß). Im 16. Jh. auch hungern {mich hungert bei H. Sachs 14, 89, Alberus Fab. 6, 65), noch wetterauisch. ZUS. Hunger- jahr, n., mhd. hungerjär, ahd. hungarjär, afries. hunger jer n. Hungerleider, m., 1654 bei Logau 1, 4, 52. Huugerpfoten, in der RA, an den Hungerpfoten saugen, vom Bären, der im Winter angeblich an seinen Tatzen saugt. Vgl. H. Sachs 9, 19 die Beerenklewen saugen und Fischart Narren- schiff 70, 21. Hungersnot, f., mhd. hunger- nöt, afries. hongerned f, Hungertuch, n,, mhd. hungertuoch n. «blaues oder schwarzes Tuch, womit in katholischen Kirchen zur Ad- vents- und Fastenzeit die Altarbilder verdeckt werden», mnd. hungerdök m. RA, am Hinget-- tuche nagen «fasten, darben, sich kümmerlich behelfen», bei H. Sachs 17, 147 und Fischart Garg. 347, aber gleichzeitig im 16. Jh. das urspr. am Hungertuche nehen (H, Sachs 1, 164«, 864 b) oder am Hungertuche flicken (1586 bei Rhode Weiberspiegel D 5*). Hünkel, s. Hinkel. hunten, adv., gekürzt aus hie ivnten (vgl. hüben). Bei Luther (5. Mos. 33, 13) hundert. bei Goethe 38, 134 hunten. hunzen, v.: tr. die Ehre abschneidend, spottend, scheltend, übel wie einen Hund , behandeln, schimpfen (Kleist zerbr. Krug 3. Auftr. herunterhunzen, Geliert 1, 145 aus- hunzen); refl, «sich schinden, plagen wie ein Hundy> (Maler Müller 2, 17, dafüi- Schweiz. hunden intr.), vgl. mnd. 1392 hundaten «hün- disch behandeln». Abgeleitet von Hund mit 1 der Frequentativsilbe -zen, ahd. -azan, -a§an, nicht von tschech. huntovati, humtavati «ver- hunzen», eig. «schlachten». In Zusammen- setzung 1562 bei Mathesius Sar, 69* zuhuntzte i £Ze/der «allzusehr verkürzte», 1701 im Causen- macher 62 verhunzen «verderben», wie 1575 bei Fischart Garg. 161 verhundstutzen, Ende des 16. Jh. bei Ayrer Dram. 1380, 12 ver- 1 hundösen «zugruude richten», nd. verhundatm \ 1562 bei Lauremberg 4, 601. Hupe, f. (PI. -n): Signalhorn mit nui- einem (tiefen) Tone, Eine tonmalende Büdung. Oberhess. Huppe «kleine, schlechte Pfeife aus Weidemände», bayr. hupp «Jägerruf». hüpfen, V.: (mit gleichen Füßen) in die Höhe springen. Oberd. hupfen bei Goethe 1, 135. iVIhd. hupfen, hüpfen, um 1100 hupphen, neben mhd.-älternhd. hopfen, md. huppen, huppen; dazu mnd. hoppen, ags. hoppian, wo- neben mittelengl. hyppen, engl, hop und hip, ' anord, und schwed. hoppa, dän. hoppe. Her- kunft unsicher. Man vergleicht gr. Kußicrdeiv «tanzen», aind. kubhanjüs «tanzend, sich di-ehend» (Uhlenbeck Btr, 21, 100), abg. ky- peti «springen», je nachdem man^ aus -bn-, -bhn- oder -pn- erklärt. Vgl. Hopp, hopsen. Hürde, f. (PI. -n) -. Flechtwerk zu Wänden und zum Dörren. Die oberd. Form von Horde (s. d. -). Bei Luther Hürte, ältemhd. im 16. Jh. Hurt, Hürde, mhd. und ahd. hurt f. (PI. mhd, hürte, hürde, ahd. hurdi) «Flecht- werk aus Weiden oder Reisig», im Mhd. auch als Tür, Gatter, Brücke und zum Verbrennen der Verbrecher oder Leichen verwandt; da- zu and. hurth f. «Flechtwerk, Gitter», ags. hyrdel m., engl, hurdle «Hürde», mittelengl. ' hirde «Tür», anord. hurd f. «Tür, Tüi-flügel», I got. haürds f. «Tür», urverwandt mit lat. a'ätes f. «Flechtwerk, Hürde», gr. Kupxia f. , «Flechtwerk», Küproc m., KÜpTri f. «Fischreuse, i Käfig», KdpxaXoc m, «Korb», altir. certle { «Knäuel», apreuß. fcorto «Gehege», aind. käpis 907 Hnre hüst 908 m. «Geflecht, Matte», krnätti «er spinnt», crtäti «er bindet, verknüpft». Hure, f. (PI. -n). Mhd. hicore, md. hüre, ahd. huora, huorra f., woneben spätrahd. 1420, mnd. herge f.; dazu mnd. höre, Jiorre, ndl. hoer, ags. höre, (entlehnt) engl, whore, anord. höra f. «Hure», hörrm. «Ehebrecher, Buhle», dän.hore, got. hörs m. «Hurer» (aber kalkjö oder kalki f. «Hure»). Nebst mhd. huore, ahd. huora, höra f. «Ehebruch» abgeleitet von mhd. -ahd. huor n. «außerehelicher Beischlaf, Ehebruch», md. hür, afries. hör, ags.-anord. hör n., schwed,- dän. hör. Urverwandt mit lett. Ztärs« lüstern», lat. cärus «lieb», altir. caraim «ich liebe», cara «Freund», kaum aber mit aind. cnrus «lieb, lieblich, schön»; aus dem Germanischen ent- lehnt abg. kurüva f. «Hui-e». ABL. huren, V., mhd. huoren, ahd. huoron; dazu audfrk. huoran, afries. höra, anord. höra, schwed. hora, dän. Jwre, got. hörinön. Davon Hurer, m., mhd, huorcere, huorer, ahd. huorari, and. huuarari m.; Hurerei, f., spätmhd. im 15. Jh. huererei, mrhein. im Voc. ex quo 1469 hörerie f. huriscli, adj., bei Luther hürisch. 2^78. HureuhaUS, n., spätmhd. zu Anfang des 15. Jh. hurenhaws, mhd.-ahd. huorhüs n. hurliburli, interj.: mit überstürzender Eile. 1778 bei Schink Marionettentheater 121, daneben hurlpurl 1776 bei Bürger 320* Bohtz, hurlurli hutii 1774 bei Goethe 16, 4. Aus engl, hurlyhurhj «Wirrwarr, Aufruhr», von engl. hmi «schleudern, schmeißen, heulen wie der Sturm, wirbeln, strudeln». Ähnlich dän. hurlumhei. hurra! interj., Ausruf voll Kampflust, Freudenruf. Mhd. hurra (Minnes. 3, 188^ Hagen), Imperativ von mhd. hiirren «sich schnell bewegen» (s. hurre), mit verstärken- dem -ä. In der nhd. Schriftsprache erst seit der 2. Hälfte des 18. Jh. nachweisbar (1773 bei Bürger Lenore Str. 20 hurrah, Schiller Räuber 4, 5, Fiesko 5, 5). hurre! interj. zur Bezeichnung sausender Eile. 1773 bei Bürger Lenore Str. 19, schon 1570 bei Egenolff Sprichw. 120^ hurr. Im- perativ von älternhd.-mhd. hurren, ndl. horren «sich schnell bewegen», anord. hurra, enffl. hurry (s. d. f.), noch hess. hurren «wild vor- wärts rennen, blind hineinstüi-zen». Hurri, n,: heftige Schelte, heftiger Auf- tritt. Bei Goethe 16, 69. Nach engl, hurry «große Eile, Getöse, Tumult», von engl, hurry «eüen, eilig antreiben, sich überstürzen», eng verwandt mit mhd. hurren (s. hurre). hurtig, adj.: geschwind und gewandt. 1537 bei Dasypodius hurtig «tapfer, flink», 1564 bei Glaser Gesindteufel E 4* hortige Megde, mhd. hurtec «schnell», hurteclich «mit Stoß losrennend, schnell, reißend», von mhd. ' hurt m. f. und hurte f. « Stoß, stoßendes Los- , rennen in Kampfspiel und Kampf», entlehnt mit den aus Frankreich eingeführten Tumier- spielen aus franz. heurt m., ital. urto m. «Stoß», wovon afranz. hurter, afranz, heurter, ital. tirtare «stoßen», mhd. hurten, hurten und hurzen «stoßend losrennen». ABL. Hurtig- keit, f., 1561 bei Maaler. Husar, m. (-en, PI. -en) -. Soldat zu Pferd nach ungarischer Art. 1534 bei Franck Weltb. 101*^ der PI. Hussern, 1547 bei Liliencron 4, 422^ Husseren, bei Meltzer Schneeberg. Chron. 975 Husseer PI., bei Fischart Großm. 1607 D 3^ Husaren «ungarische Reiter mit Lanzen», aus gleichbed. ungar. huszär, eig. «der Zwanzigste», von ungar. husz «zwanzig», weil nach einem alten Rekrutierungsgesetze von 20 Ausgehobenen einer ein Reiter wer- den mußte. husch! interj. zur Bezeichnung des Kälte- schauers (spätmhd. im 15. Jh. husch, noch bayr.-österreich.), des Fortscheuchens (Bürger 276) und großer Geschwindigkeit (Lessing 1, 500). Wohl lautmalend. Davon Husch, m.: überlaufender Frost, Frostschauer (Abr. a. 5. Clara Aufi" auif 98), voräbergehender Platz- regen (Lessing 11, 625); große Geschwindig- keit, Eile (Goethe 1, 205) ; geschwinder Schlag, Ohrfeige (1578 bei Fi-ischlin Nomencl. Cap. 166, noch oberd. Husche, f.: plötzlicher kurzer Regen oder Schneefall (um 1480 im Voc. ine. teut. cc5* husch Schneegestöber); Griff ins Haar, Haarzausen (1582 bei Fiscbart Garg. 374, noch hessisch «der Griff des Scharf- richters ins Haar des Delinquenten vor dem Kopfabschlagen», wie bei Logau 3, 8, 69); Ohr- feige (1646 bei Moscherosch Phü. 1, 72). huschen, v,: äußerst leicht und unbemerkt sich fortbewegen, 1775 bei Adelung, aber schon 1678 bei Krämer in der Bed. «gleiten, gHtschen», im 16. Jh. bei H.Sachs 9, 88 hoschen. hussa! interj.. Ruf des Antreibens, der Lust (1784 bei Büi'ger Macbeth 4, 1 husa, bei Wieland Oberon 5, 46 hussa), als Jagd- und Verfolgungsnif 1780 bei Göckingk Ged. 1, 46. Im 15. Jh. md. hossa bei Stolle thüring.-erfurt. Chron. 6, 114*". hüst, interj.: links, Fuhrmannsruf. Bei Hebel. Alemannisch. 909 Husten Hyazinth 910 . Husten (mit U), m. (-S, PI. wie Sg.). In 1438 hiiüing f. «Bewachung/.. Dagegen von Norddeutschland mit kurzem u gesprochen, Hut (Viehhütenj abgeleitet ist Hutung, f.: mhd. huoste m., md. Mste, ahd. huosto m., die Weide zum Hüten, sowie das Becht zum wo neben huosta L, aus ältenn ^A^^-wosto, daher Beweiden, das Hutrecht i Stieler 1691), Ende noch Schweiz.- elsäss. Wüsten m. «Husten» des 16. Jh. bei Schweinichen 3, 231. und icüsten «husten»; dazu and. huasto, ndl. Hütsche, Hutsche, Hitsche f. (PI. hoest m., ags. htcösta m., engl, (dial.) whoost, -n) ; kleine Fußbank. Büttel- und Xiederd. anord. hösti m., schwed. hosta f., dän. hoste. 1637 Hütsche (Ztschi-. f. Kulturgesch., hgb. Urverwandt mit lit. köseti (Präs. kosiu) v. Steinhausen 4, 200, aus Schloß Tenneberg «husten», kösulis m. «Husten», lett. käsa, in Thüringen), ebenso 1691 bei Stieler: nd. käsis «Husten», käset «husten», abg. kasili Hitsche f., eig. «Schiebebank, Bänkchen, das m. «Husten», alb. koid f. «Husten», ir. casad, bald da bald dorthin geschoben wird», ab- aind. käs «husten», käsas m. «der Husten», geleitet von hutscheu, v.: auf dem Boden J.5I>. husten, V., mhd. Äifosfen, ahd. ÄMOsfö?i: rutschen, kriechen, in oberd., md. und nd. dazu ags. hicöstan, engl, (dial.) whoost, anord. Mundarten, schon im 14. Jh. md. hutschen, hösta. hüsteln, v., in der 2. Hälfte des hutschin intr. «rutschen» und tr. «schieben», 18. Jh. bei Thümmel Reise 4, 161 hüsteln, wohl aus hukscJien zu hocken. bei Maler Müller 1, 339 hüsteln. Hütte, f. (PI. -n): enichteter kleiner be- 'Hut, m. (es, PI. Hüte): steife hohle deckter Schutzort zum Aufenthalt usw.; ein- Kopfbedeckung; Zucker in spitzer kegel- faches ärmliches Gebäude (1561 bei Maaler); förmiger Gestalt (nach der Form der alten bergmännisch: Metallschmelze (schon mhd,). Hüte), 1464 im Urkuiidenbuch der Stadt In der l.Bed. mhd. hütte, ahd. hutta f. ^Hütte, Leipzig 1, 315. In urspr. Bed. mhd. -ahd. Zelt»; ein oberd. Wort, aus dem entlehnt htwt m. «Hut, Mütze» (PI. mhd. Miete, ahd. sind mnd. hutte, ndl. hut f., engl, hut, franz. huoti und htiota), im ^Ihd. auch «Helm, Auffe, span. Äwfaf «Hütte». Vielleicht gleichen schützender Überzug oben über etwas. Hülse Stammes wie Haus (s. d.) oder besser zu an einem Turmknopf», md. hüt: dazu and. Hotte (s.d.). ZL^jS. Hüttenrauch, m.: beim htiat, mnd. höt. hüt, ndl. hoed, afi-ies. höd Metallschmelzen als Dampf aufgestiegenes und «Hut», ags. höd m. und engl, hood «Haube, aiif gefangen es Giftpulver, spätmhd. im 15. Jh. Kappe», neben ags. hcett m. und engl, hat hüttrauch, hutte-, huttenranch m. Hütten- «Hut», anord. hattr, höttr m., schwed. hatt, werk, n.: Metallschmelze. 1562 bei Mathe- däu. hat. Vielleicht gleichen Stammes wie sius Sar. 135*. Hut - (s. d.). Urverwandt mit lit. kuödas Hutung, Hütung, s. Hut -. m. «Schopf, Mütze des Federviehs», lat. Hutzel, f. (PI. -n): gedörrte Birne, ge- cassis f. «Helm». doiTter Bimschnitz (1664 bei Duez «gedörrter "Hut, f. (PI. -en): Schaden abhaltende Apfel»). Mhd. hützel, hutzel f.: md. Hotzel Aufsicht und Vorsicht, Fürsorge: das Hüten f. (Bürger Macbeth 1, 3), 1711 bei Rädlein, des Viehes auf der Weide (bei Luther 6, 339^). Davon hutzelig, adj.: ranzlig, 1741 bei In der 1. Bed. mhd. huote, huot, ahd. huota Frisch hutzlich, hozlich. hutzeln, v. : ein- f,, im Mhd. auch «Wache, Wächter, Hinter- schrumpfen, 1741 bei Frisch, mhd. verhützeln halt, Nachhut», (spätmhd.) «Distrikt eines «zusammenschrumpfen», bei Bürger Kaiser Försters oder Waldaufsehers»: dazu mnd. imd Abt Str. 16 einhotzeln. höde, hüde f., ndl. hoede f, afries. Äöde, hüde f. Hyäne, f. (PI. -n): Abendwolf, Grabtier. Wohl gleichen Stammes wie ^Hut m. (s. d.). Um 1480 im Voc. ine. teut. 1 6^ hientier n.. Als ursprüngl. Bed. wäre «Schutz» anzunehmen, bei H. Sachs Fab. 233, 11 Hienna f. Schon hüten, V.: achthaben, bewachen; das Vieh ahd. ijena. Aus gleichbed. gr.-lat. hyaena f., auf der Weide bewachen, weiden ( mhd. 1336). gr. üaiva f., benannt wegen der Ähnlichkeit In der 1. Bed. mhd. Mieten , huoten (auch im borstigen Hals und Rücken mit dem refl. sich Mieten vor jem. oder etw.), ahd. Schweine, gr. Oc m. f. hux)tan, md. hüten; dazu and. hödian, ndl. Hyazinth, m. {-es, PI. -e): ein Edelstein Jioeden, afi-ies. h^da, hüda, ags. hedan, engl, von roter bis pomeranzengelber Farbe. Mhd. heed. Davon Hüter, m., mhd. Äwefcere, Äwefer, jacinctus m. und jächant, jachant m., ahd. md. hütere, ahd. huoteri m., and. höde^'i (?); jachant m., aus gr.-lat. hyacinthus m., gr, Hüterin, f., mhd. Mieterin f.: HÜtung, f., üdKiveoc f. «Edelstein von blauer Farbe», 911 Hydrant ich 912 wahrscheinlich der Saphir oder ein dunkler Amethyst. Hyazinthe, f. (PI. -n)-. die Glöckchenblume Hyacinthus orientalis, erst nach 1562 aus Klein asien eingeführt, 1629 bei Oi^itz 265 Hiacynthenhlume, aus gr.-lat. hyacinthus m., gr. ödKivGoc m. f. «die violett- blaue Schwertlilie». Hydrant, m, (-en, PI. -en): Wasserzu- leitung für die Feuerwehr, Feuex'hahn. Part. Präs. von einem nlat. Verb, hydräre nach gr. ubpaiveiv «bewässern». In neurer Zeit, Hygiene, f.: Gesundheitslehre. Fem. des gr. Adj. ÜYieivöc «der Gesundheit zuträglich, heüsam», zu ergänzen Texvr] f. «Kunst». 1791 bei Roth Hygieine. ABL. hygienisch. Hymne, f. (PI. -n): Hoch-, Lobgesang, Festlied, 1775 bei Adelung, das weibliche Geschlecht nach franz. hymne f. «geistlicher Lobgesang, neben hymne m. «Lobgedicht». Mhd. ymne m. und imps, ahd. hyemno und imno, immino m, «kirchlicher Lobgesang», aus gr.-lat. hymnus m., gr. öiuvoc m. «Ge- sang, Feier, Loblied». Hyperbel, f. (PI. -n): Übertreibung; über- treibende rednerische Vergi-ößerüng; Kegel- schnitt. Bei Lessing und 1775 bei Adelung, Hyperhole 1714 bei Wächtler, aus gleichbed. gr.-lat. hyperhole, gr. üirepßoXri f., abgeleitet von üirepßdWeiv «über das Ziel werfen». Dazu hyperbolisch, adj.: übertrieben, bei Herder z. Theol. 6, 104 von 1776, nach dem gleichbed. gr.-lat. Adj. hyperholicus, uTtepßoXiKÖc. hyperklug, adj.: überklug. 1673 bei Weise Erzn. 4 üuepklug. Gelehrt zgs. mit gr. uTT^p «über». Hypnose, f. (PI. -n) -. magnetischer Schlaf; (in übertr. Bed.) starke Einwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Gebildet von gr. ÜTTvöeiv «einschläfern». Neue Bildung, hyp- notisch, adj.: einschläfernd; zwingend. 1813 bei Campe, hypnotisieren, v.: in magne- tischen Schlaf versetzen. Hypnotismus, m. : magnetischer Schlaf. Von dem englischen Arzt James Braid (geb. 1795) eingeführter Aus- druck für die von ihm zuerst beobachteten Erscheinungen. Hypochondrie, f. (PI. -n): Milzsucht; Grillenkrankheit. 1775 bei Adelung, aus dem gr.-lat. Plur. hypochondria, gr. üiroxövbpia «der weiche Teil des Leibes unter dem Brustknorpel und den Rippen bis an die Weichen mit Milz usw.», von gr. Otrö «unter» und xövbpoc m. «Brustknoiijel». Davon Hypochonder, m. (-.s, PI. wie Sg.): Milzsüchtiger; Gräm- ling, Grillenfänger, bei Lessing 1, 165, nach gleichbed. franz. hypochondre m., 1714 bei Wächtler Hypochondriacus; Hypochon- drist, m. (-en, PI. -en), bei Goethe 23, 132. hjTpoehÖndrisch, adj., bei Goethe 18, 103. Hypothek, f. (PI. -en): gerichtliche Schuld-, Pfandverschreibung auf unbeweg- liche Güter. 1580 bei Schwarzenbach Sy- nonyma 100*^ Hipothec. Aus gleichbed. gr.- lat. hypotheca, gr. ÜTToOriKri f. «Unterpfand», eig. «Untersatz», von gr. üiroGeivai «unter- setzen». Davon hypothekarisch, adj., 1775 bei Adelung. Hypothese, f. (PI. -n)-. Unterstellung, Wagesatz. 1775 bei Adelung, Hypothesis 1703 im Zeit. Lex. Aus gleichbed. gr. ÜTrö9ecic f., von gr. OiroOeTvai «untersetzen, unterstellen». hypothetisch, adj., bei Campe 1801 und Goethe (1. H.) 22, 252. Hysterie, f. (PI. -n): Nervenki-ankheit. 1813 bei Campe, dafür 1775 bei Adelung Hysterik f., nach gleichbed. mlat. hysterica passio, von gr.-lat. hystericus, gr. öcxepiKÖc «an der Gebärmutter leidend», von gr. öcrdpa f. «GebäiTnutter». I i! Interj. der Hervorhebung, Verwunde- rung, Freude, älternhd. ie, le geschrieben, mhd. i! als Ausruf des Unwillens, der Ver- wunderung. iahen, v.: wie ein Esel schreien. Bei Goethe 2, 162 yahen, 1711 bei Rädlein ygaen, igagen, 1561 bei Maaler gigagen. Lautnachahmend. Ibis, m. (Gen. Ibisses, PI. Ibisse): der ägyptische Brachvogel, Nilreiher. 1589 bei Gesner Schlangenbuch 7* Ibis, 1540 bei Diefenb.-Wülcker 677 Eyb m., mhd. eib m. Aus gr.-lat. ibis, gr. ißic m. ich, Nom. Sg. des Pronomens der 1. Per- son. Mhd. ich, ahd. ih: dazu asächs., mndl. afries. ik, ags. ic, engl. /, anord. ek, schwed. jag, dä,n. jeg, g'ot. ik. Entsprechend gleichbed. lat. ego, gr. ^yil», ^yüjv, abg. jazü, azü, altht. es, lit. ä§, apreuß. es. as, apers. adam, awest. 913 -Icht Igel 914 azdm. aind. ahäm. Ahd. tindet sich auch für nachdrückliches ich : ihhu, ihclia, mhd. im 14. Jh. iche, noch in md. Mundarten iche. Die übrigen Kasus von ich sind: Gen. tnein (s. d.); Dat. mir, mhd. ahd. mir, got. mis: Akk. mich, mhd. mich, a.h.d.mih, got. mik. Aus gleichem Stamme lauten in den ui'venvandten Sprachen diese drei Kasus: lat. mei, mihi, me, gr. |lioO, uoi, n4., aind. mama, nmhjani, mäm. Substantivisch Ich, n. (s, PI. wie Sg.), mhd. eiii ich; min ander ich. Ichheit, f., im 15. Jh. icheit (Theolo.gia deutsch Kap. 15 u. 16). -icht, Ableitungssilbe. 1) an Substantiven, z. B. Dickicht, durch Zutritt eines t aus -ich, md. -ech, mhd. -ach, ahd. -ahi hervorgegangen, welche die Bedeutung einer Menge, Fülle, Anhäufung haben. 2) an Adjektiven, wie bergicht, holpericht usw., neben bergig usw., mhd. -eht, -oht, ahd., -oht, -ohti. lolllhy-, in mehreren Fremdwörtern ist gl'. ixOüc m. «Fisch», z. B. in Ichthyol m. (-s): Fischöl, ein Arzneknittel. Ichthyosaurus, m. (PI. -Saurier und -saiirie): Fischeidechse. Bezeichnung einer ausgestorbenen Tierart. Neure Bildung. Bei Scheflfel GJ-audeamus. Ida, Frauenname. Ahd. Ita, Ida. Koseform zu Namen wie Iddberga, Idburg. ideal, adj.: in der Idee bestehend, über- wirklich, vorbildlich. Im 18. Jh. (Wieland Idris 184) aus dem lat. Adj. ideälis (5. Jh. n. Chr.") «ia der Idee stehend», aus dessen Substantiv. Xeutr. ideale nhd. Ideal, n. [s, PL -e): Traum-, Ur-, Vorbild, im 18. Jh. (Wieland Amadis 90) nach franz. ideal m. ideälisch, adj.: überwirklich, bei Lessing 5, 28, j. Goethe 3, 533. idealisieren, y., bei Herder 1, 342 W. Idealismus, m.: ideale Lebensauffassung. Bei Herder und be- sonders bei Kant. Idealist, m. (-en, PI. -en), 1732 bei Gottsched. Id^e, f. (PI. Ideen): das gedachte, nur in der geistigen Anschauung befindliche Ding, Vemunftbegriif, Vorstellung; kleine Menge. Bei Thomasius Einl. 100 Idee und Idea, aus gleichbed. franz. idee f., gi\-lat. idea f., Urbild, gr. ibea f. «Gestalt, Bild, Vor-, Urbild, Motiv einer Rede», von gr. ibeiv «sehen». Davon ideell: nur in der Idee vorhanden, gedacht. Bei Goethe 42, 2, 152. identisch, adj.: ebendasselbe, ein und dasselbe. Im 18. Jh. (bei Schiller Nachtr. 2, 301 B.) nach dem franz. Adj. identique, ital. idenfico. Identität, f., 1728 bei Spe- rander, aus mlat. identitas f., von lat. idem «ebendasselbe», identifizieren, V.: für Weigand, Deutsches Wörterbnch. 5. Aufl. gleich erachten : die Persönlichkeit feststellen. Im 19. Jh. Idiom, n. [-S, PI. -e): die eigentümliche Mundart. Im 17. Jh. (bei Nehring 1694 Idioma) aus franz. idiome m,, von gr. ibiujua n. «Eigen- tümlichkeit, Besonderheit», zu gr. ibioc «eigen, eigentümlich». Idiot, m. (-en, PI. -en): Xichtkenner, Pfuscher, Dummkopf. Im 16. Jh. (bei Albems Barfuser Münche >'r. 343 Idiot, und einf eltiger Mensch, 1571 bei Rot) aus gleichbed. gi-.-lat. idiota m., von gr. ibidirric m. «Privatmann im Gegensatze zum Staatsmann, in Staats- geschäften Unkundiger», überhaupt «Unwis- sender», zu gr. ibioc «eigen, eigentümlich, privat». Davon idiotisch, adj. IdiotismUS, m. (PI. Idiotismen): mundartliches Wort, mundartl. Spracheigenheit, 1714 bei Wächtler, aus gr.-lat. idiotismus, gr. ibiiuxicuöc m. «die dem Privat- oder gemeinen Mann eigentüm- liche Sprachweise, Spracheigenheit». Idioti- kon, n. (-S, PI. Idiotika und Idiotiken): Wörterbuch einer Mundart, Landschafts- wörterbuch, im 18. Jh., aus dem Neutr, des griech. Adj. tbiiuTiKÖc, «dem Privat- oder ge- meinen Mann eigen» (s. Idiot). Idol, n. (-S, PI. -e): Abgott. Im 18. .Jh. aus gr.-lat. idolum n., «Schatten-, Trugbild», dann «Götzenbild», gr. eibuuXov n. <'. Gestalt, Bild, Trug-, Götzenbild». Id^ll, n. (-5, PI. -e) und Idylle, f. (PL -n): ländliches Gedicht, Hirten-, Schäfergedicht: ländl. Stilleben. In der 1. Bed. bei Zachariä 194 und Adelung 1775 Idylle f., aus gr.-lat. idyllium, gr. eibüXXiov n. «kleineres, zierlich darstellendes Gedicht, meist ländlichen In- halts», eig. «Bildchen», Dim. von gr. elboc n. «Bild». Davon idyllisch, adj., bei Goethe an Schiller 3, 48. -ieren, Endung vieler aus dem Romani- schen und Lateinischen entlehnten Zeitwörter, aber auch deutschen Wortstämmen angehängt, z. B. halbieren, stolzieren usw. Erst mit der höfischen, aus romanischer Quelle schöpfen- den Poesie seit der 2. Hälfte des 12. Jh., mhd. -ieren, md. -nen, ndrhein. im 14. u. 15. Jh. -eren, aus afranz. -ier, das ui-spr. den lat. Infinitiven auf -iare oder -igare entspricht. -ig, Ableitungssilbe an Adjektiven, ent- I sprechend entweder 1) mhd. -ec, ahd. -ac, ' got. -ag, oder 2) mhd. -ec. -ic, ahd. -ic, -ig, got. -eig, im letztem Fall Umlaut bewirkend. Igel, m. (-S, PL wie Sg.): das Stacheltier lat. erinaceus, eres. iihd. igel, ahd. and. igil m.; 58 915 Ignorant Urne 916 dazu mnd. und ndl. egel, ags. igl, il, anord. igull m. Urverwandt mit gr. ixxvoc, ahg.jezi, lit. ezTs m., arm. ozni «Igel». Bei Nicolai Phantasmen 11 unrichtig auch für Egel (s. Blutegel), nd. iL Ignorant, m. {-en, PI. -ew): Unwissender, Dummkopf. 1571 bei Rot, 1582 bei Fischart Garg. 236, aus lat, ignörans, dem Part. Präs. von ignöräre «nicht wissen». Ignoranz, f.: Unwissenheit, 1582 bei Fischart Garg. 240 Ignorantz, aus gleichbed. lat. ignörantia f. ignorieren, v.: absichtlich nicht kennen, nicht beachten, bei Schiller an Goethe 2, 304, aus gleichbed. lat. ignöräre. ihm. Dat. Sg. von er und es, mhd. im, inie, ahd. asächs. imu, imo, dazu got. imma. ihn, Akk. Sg. von er, mhd. in, auch inen (noch im 16. Jh. jnen, bei Fischart jne), ahd. inan, inen, in; dazu asächs. ina, got. ina. ihnen. Dat. PI, von er, sie, es, mhd. in, inen (noch im 16. Jh. häufig jn), ahd. im, in, bei Notker erweitert inen; dazu asächs. im, got. im. ^ihr, Dat. Sg. von sie, mhd. ir, ahd, iro, iru, ira; dazu asächs. rrM, got.izai. "ihr, Nom. PI. des Pronomens der 2. Person (du), mhd. ahd. ir, md, er; dazu asächs. gi, ge, afries. i, gi, ags. ge, anord. er, got. jus. ^ihr, Possessivpronomen, mhd. ir, Fem. iriu, Neutr. irg (auch substantivisch dag ire oder ir, der ir, die ire), hervorgegangen aus ihr, dem Gen., Sg. und PI. der 3. Person (s. ihrer). ^ ihrer, Gen. Sg. von sie, erweitert aus ihr, noch älternhd. z. B. bei Luther jr (Matth. 21,8), mhd. ir, auch Ire, ahd. ira, iro; dazu asächs. ira, got. izös. "ihrer. Gen. PI. von er, sie, es, ebenfalls aus ihr erweitert, noch bei Luther jr (l. Mos. 3, 7), mhd, ir, ahd. asächs. ?Vo; dazu got. ize, Fem. izö. Ein Nach- klang dieses Gen. Sg. und PI. ihr ist die Ver- bindung ihre sein (in der Anrede Ihre sein) zur Bezeichnung der An-, Zugehörigkeit, bei sächsischen Schriftstellern des 18. Jh. (Geliert Fab. 2, 75, Lessmg 1, 367), wie schon in der Bibel 1483 Matth. 5, 3 das reich der hymel ist ir. ihresgleichen, erstai-rte Genitiv- form, im 18. Jh. (Lessing 1, 389), 1539 bei Alberus wider Witzeln G5* ihr gleichen (s. gleich), ilirethalben, adv., mhd. von iret halben (Leyser Pred. 38, 28), von irenthalben (Livl. Reimchron. 6383), eig. Dat. PI, mit un- organisch eingeschobenem t (s. Halbe, halben). ihretwegen, adv., im 14. Jh. von im wegen (Städtechron. 1, 29, 9), bei H. Sachs von jrnt wegen, s. wegen, ihretwillen, adv., im 16. Jh. umh jren tvillen, dann umb jret willen, s. willen, ihrig, adj., 1575 bei Fischart Garg, 54 jrig, substantivisch 1562 bei Mathe- sius Sar, 36^ das jrige und bei H. Sachs Fastn, 5, 126 das jrig. Ihro, Possessivum vor einem Titel, nach dero (s. d.) gebildet und gegen Ende des 17. Jh. aufgekommen (1682 bei Schnüffis Mirant. Flötlein Vorr. 3^ jhro Hochfür stl. Gnaden), jetzt als altfrän- kisch angesehen. Vom 13. bis 17. Jh. lautete der Dat. Sg, des Fem. der 3. Person iro, ira, iru, noch 1650 bei Moscherosch Phil. 1,447 jhro, wie schon ahd. iru, iro; ebenso der Gen. PI. der 3. Person ahd. und in aleman- nischen Urkunden des 14. Jh. iro, noch im 16, Jh, jro jedem. Beides im 18. Jh. veraltet. ihrzen, v.: mit Ihr anreden, mhd. irzen (vgl. duzen). 11- in Zusammensetzungen (von Fremd- wörtern) vor l ist aus in entstanden, lat. in- mit der Bedeutung «un-», z, B, illegal «un- gesetzlich» (1728), illoyal «nicht loyal» oder «ein, hinein». Ilk, m., niederdeutsche Nebenform von Htis (s. d.). illuminieren, v.: erleuchten, bes. zum Schmuck, feierlich; mit Farben ausmalen. Mhd. illuminieren «leuchtend schmücken», aus lat. illüminäre «erleuchten, licht machen». Li der 2. Bed. 1562 bei Mathesius Sar. Vorr. a 5^ ein Buch illuminiren, mhd. 1350 luminierer m. «Illuminator». Illumination, f.: festliche Erleuchtung, 1714 bei Wächtler, aus lat. illüminätio f. «Erleuchtung». Illusion, f. (PI. -en): falsche Einbildung, Täuschung. 1710 bei Nebring. Aus lat. il- lUsio f. «Verspottung, Ironie», franz. illusioyi f. «Täuschung, falsche Einbildung». illustrieren, V.: erläutern, in heUes Licht setzen; ausschmücken, zieren (bes. Bücher dui'ch in den Text eingeschaltete Holzschnitte usw.). In letzter Bed. 1714 bei Wächtler. Aus gleichbed. lat. illusträre. Illustration, f.: Erläuterung, namentlich durch Abbildungen, dann letztere selbst, 1710 bei Nehiing Illu- stration «Erleuchtung» aus gleichbed, lat. illusträtio f, Ilme, f, (PI. -«): Ulme, Schweizerisch, wetterauisch usw, Mhd. ebne, ilmenei. {Snmerl. 50,8) und elmboum m., spätmhd. Um, ilm£, ahd. elm; dazu ags. elm m., engl, elni, anord. alnir m,, schw,ed, alm, dän, elm. Urverwandt mit lat. ulmus f,, ir, lern «Ulme» (s, d,). Aus dem Germ, stammt russ, ilem>i m. «Ulme». 917 nse immittelst 918 Ilse, Frauenname. Ahd. Ilisa. Echtdeutseh. Iltis, m. (Gen. Iltisses, PI. Iltisse): der Stänkerratz, Mustela putorius. ^Ihd. eltes, ütis m., spätmhd. auch iltisse, alteis, elteis, eltechs, spätahd. illi(n)tiso m. Die Formen der Mundarten zeigen, daß das "Wort aus zwei Bestandteilen zusammenges. ist, deren zweiter eine Umdeutvmg auf nd. deisen, Schwab, deinsen, Schweiz, täseln «schleichen», deißel f. «Wiesel» (bei Henisch, Stieler er- f ahi'en hat : ha jr. Ell edeis, Schweiz. Täs, Täsen m. (im Bernbiet), tirol. Ilkes, nass. Ilser, Eiser, schles. Ilster, obersächs.-böhm. Utnis (schon 1470 eltnys, 1604 bei Colerus Hausb. 3, 160 Udnis, Iltitz), nd. Hk, Elk, Illink, mnd. ilke, üleke, 1754 bei Döbel Jägerpract. 1, 42 Illing, EU-Katze. Elb-Thier: dazu schwed. t'Wer, dän. Oder. Dunkler Herkunft. Im zweiten Teil (Grundform illit(iü)iso) vermutet man jetzt ein iviso, *das zu Wiesel gehören würde. illl, mhd.im.ime, imme, dui-chAngleichung des n aus inme, ineme, verschmolzen aus in deme «in dem». Imbiß, m., mundartlich auch n. (^Gen. Imbisses, PI. Imbisse): kleine Mahlzeit, bes. außer dem Mittage. Mhd. ahd.imhiß, inbi^ m..n., spätmhd. auch imwej,2/nb^, noch heute Schweiz. im(m)is, meist zimis, hess. immes, elsäss. im- mes, ims, auch bei Goethe 8, 79 Nacht-Ims. Zu ahd. in-, imhtgan, mhd. enMgen «sich durch Speise u. Trank stärken, ein Mahl halten», zgs. aus ahd. in- «ein» fs. d. -) und M^an «beißen». imitieren, v.: nachahmen, nachmachen. 1571 bei Rot, 1534 bei Franck Weltb. 235. Aus gleichbed. lat. imitäri. Davon Imita- tion, f., 1571 bei Rot. Imker, m. (-s, PI. wie Sg.): Bienenzüchter, bei Adelung 1775 Imker als niedersächsisch (1767 im Brem. Wb.), 1666 bei Comenius Sprachenthür § 384 Immiche^-. Von Imme, f. (PI. -n): Bienenschwarm, Biene, Arbeitsbiene. Mhd. imbe, impe, imp, später imme m. «Bienen- schwarm, -stock», erst spätmhd. «Biene», ahd. impi, imbi m. «Bienenschwarm», als Kollektiv in der Verbindung impi piano, «examen apium»; dazu mnd. imme n. (selten m.) « Bienenschwarm, -stock, Biene», ags. i/mbe «Bienenschwarm». Noch in den Mundarten wird unterschieden: Schwab. Immen m. «Bienenkorb» und Imme f. «Biene», Schweiz. Imb m. «Bienenschwann» u, Immi n. «Biene», elsäss. Imm{e) f. «Biene», Imme m. n. «Bienenschwarm, -stock», westfäl. Imen m. «Bienenschwarm», Ime f. «Biene». Wegen der Bedeutung «Schwann» ist Ver- wandtschaft mit gl", eurnc f. «Stechmücke» dui'chaus unwahrscheinlich. Das Wort gehört vielmehr zu 'w. imbed, akymr. imm^t «Fülle, Menge», lat. omnis «all». S. Walde s. v. immaßen, conj.: indem, weil, eig. in dem Maße daß. Nur noch im Kanzleistil. Im 14. Jh. inmaßen (Xürnb. Pol.-Ordn. 229 j, zusammen- gefügt aus der Präp. in und dem Dat. PI. von Maße f. (s.d.), mhd. m^^e «Art und Weise». Immatrikulation, f. (PI. -en): Einschrei- bung in die Matrikel { Stammliste), nament- lich der Universitäten, 1728 bei Sperander. Von immatrikulieren, v., aus nlat, im- matriculäre, einer Ableitung von lat. mätri- cula f. «Stammrolle», dem lat. mäter f. «Muttei-» zugrunde liegt. 1703 im Zeit. Lex. Immediätgesuch, n.: ein an den Landes- herm selbst gerichtetes Gesuch. Zsg. mit immediat, adj. «unmittelbar». Von gleichbed. lat. immediätus. 1703 im Zeit.-Lex. immer, adv.: in imunterbrochener Zeit- dauer. Mhd. iemer, imer, immer, ahd. iomer, iemer «zu irgendeiner, sowie zu jeder gegen- wärtigen oder zukünftigen Zeit», dazu and. iemar «immer», mnd. immer, ummer, jummer «jemals fvon beginnender und zukünftiger Tätigkeit), jedesfalls, gewiß x. Zusammenge- rückt aus ahd. io (s. je) ujid mir ( s. mehr). ZUS. immerdar, adv., bei Luther jmerdar 1494 bei Brant Narr. 61 yemerdar. immer- fort, adv.. bei Luther jmer fort. Immer- grün, n. : die Pflanze Vinea minor, Singrün (s. d.), 1691 bei Stieler. immerbin, adv., bei Luther jmer hin. immermebr, adv., mhd. (durch nochmaliges mer verstärkt) immer mere, iemer mer, iemer me «zu jeder gegen- wärtigen oder zukünftigen Zeit», immer- wäbrend, adj., im ib. -^h. ymynerwernd (ÜÄtz- lerin LXVIIP). immerzU, adv., 1510 bei Keisersberg Pred. 116^ ymerzü. Immi, n. (-S, PI. wie Sg.): Hohlmaß für Getreide, Weine usw., schwäbisch - .j Scheft'el imd ^/o,. Eimer, schweizerisch zuletzt 1 \., Liter (in der franz. Schweiz emine f.). Mhd. im 14. Jh. imin, imi n., aus gr.-lat. liemina f. als Hohl- maß «die Hälfte eines sextarius (Nösels)», gl-, riiaiva, r\\n\a f. «die Hälfte des ^Kreüo (des 6. Teils des Scheffels), woher auch franz. mine f. «ehemaliges Trockenmaß». immittelst, adv.: während derZeit(Licht- wer Fab. 3, 4). Im 16. Jh. bei Schweinichen 1,214, mit Antritt von t aus in mittels (16. und 17. Jh.), einer Verbindung des adverb. Gen. Sg. von Mittel (s. d.) mit in. 58* 919 Immobilien -m 920 Immobllieu, PL: unbewegliche Güter, Liegenschaften. 1703 im Zeit.-Lex., aus gleichbed. lat. inimöhüia bona. immorälisch, adj.: unsittlich, sittenlos. 1797 bei Fr. Schlegel Griechen u. Römer 182, nach neulat. immoralis. Davon Immorali- tät, f.: Unsittlichkeit, Sittenlosigkeit, bei Schiller Nachtr. 2, 217 Boas. Immortelle, f. (PI. -w) : Blume mit stroh- artigen un verwelkbaren Blumenblättern,Stroh- blume, Helichrysum. In der ersten Hälfte des 19. Jh. aus gleichbed. franz. immortelle f., von lat. imniortälis «unstei-blich». immun, adj.: abgabenfrei; seuchenfrei. Aus lat. immünis «frei von Leistungen» (so noch 1813 bei Campe). Immunität, f. (PI. -ew): Abgabenfreiheit; ünansteckbarkeit ; Unverletzlichkeit (der Abgeordneten). In der 1. Bed. 1703 im Zeit.-Lex., in den beiden andern erst im 19. Jh. Aus lat. mimünitäs f. «Freiheit von Steuern, Lasten». Imperativ, m. (-s, PI. -e): Befehlsform, befehlende Redeweise. Aus lat. modus impe- rätivus. Imperfekt, n. {-s, PI. -e): die unvoll- endete Vergangenheit, Vorgegenwart. Aus lat. (tempus praeteritiim) iniperfectum. impersonal, adj.: unpersönlich, aus lat. impersöndlis. 1813 bei Campe. impertinent, adj.: ungeziemend, unbe- scheiden, unverschämt derb; als Adv. auch «allzu», z. B. impertinent hlo7id. 1710 beiNeh- ring « ungereimt, das nicht zur Sache gehöret». Aus franz. impertinent, mlat. impertinens, von \ai. pertinere «gehören, Beziehung haben zu». Impertinenz, f., bei Lessing 7, 156, aus franz. impertinence, mlat. impertinentia f., aber schon 1703 im Zeit.-Lex. Impertinentien «un- gereimte Dinge, nugae». impfen, v.: ein Pflanzreis zum Fort- wachsen in die Rinde einsetzen; dann (seit 1750) Kraukheitsstoff in die Haut einsetzen. Mhd. impfen und ungekürzt impfeten, inpfeten, impeten, ahd. imphon und impitön, inbitön (noch bayr. impten); dazu ags. impian, engl. imp, ferner mnd. und nnd. poten «pfropfen, Pflänzlinge setzen», mnd. mnld. enten «Pfropf- reiser auf einen Zweig setzen». Mit dem gleichbed. franz. enter aus lat. imputäre «ein- schneiden, ins Kerbholz schneiden, in Rech- nung setzen», putäre «Bäume beschneiden», in der Lex salica (85, 10 Merkel) inpotus «Pfropfreis». ABL. Impfling, m.: Impf- reis, 1580 bei Sebiz Feldb. 52. Impfung, f. : Pfropfung, mhd. impfetunge, iniptange, spät- mhd. imtung, impfung, ahd. imhitunga f. (Diefenb. gl. 300°). Imponderabilien, pl.: unwägbare Dmge. Nach Arnold ZfdW, 3, 350 im 18. Jh. im Ge- lehrtenlatein entstanden, aus in «un» und ponderabilis «wägbar». 1821 bei J. Paul Komet. Dann Schlagwort in den siebziger Jahren des 19. Jhs. Vgl. Ladendorf. imponieren, v.: sich geltend machen, Achtung einflößen. Bei Goethe an Schüler 3, 364, das Part, imponierend bei Lessing 7, 26. In der Bed. «auflegen» 1714 bei Wächtler, aus lat. imponere «aufsetzen, auflegen, wo- rüber als Befehlshaber setzen», imposant, adj. : mächtigen Eindruck machend, bei Goethe 32, 116, aus franz. imposant, Part. Präs. von imposer «Bewunderung einflößen». ImpOSt, m. [-es, PI. -en): Auflage, Warensteuer. Im 17. Jh. (Nehring 1694), aus gleichbed. mlat. impostus ni., älterfranz. impost (nfranz. impot), von lat. impositus, Part. Perf. Pass. von impo- nere «auflegen». imprägnieren, v.: einen Körper mit einer Flüssigkeit durchtränken. Aus lat. im- praegnäre «schwängern». Ende des 18. Jh. in der jetzigen Bedeutung. improvisieren, v.: aus dem Stegreif ent- werfen oder vortragen. 1801 bei Campe aus .ital. improvisare, franz. improviser, von lat. impro Visus «nicht vorausgesehen, unver- mutet». Davon Improvisation, f. (PI. -en). Im 19. Jh. Impuls, m. {-es, PI. -e): Anstoß, Antrieb. Bei Campe 1818, Goethe Nat. Sehr. 4, 289. Aus lat. impulsus m., zu lat. impellere «woran stoßen, antreiben». Imse, f.: Ameise (s. d.). in, praep., zunächst vom Räume, dann auch von dem Zeitverhältnisse usw., mit Dat. auf die Frage wo?, mit Akk. auf die Frage wohin? Mhd. und ahd. in, auch abgeschwächt en; dazu asächs.-afries.-mndl.-ags.-engl.-got. in, anord. i, schwed.-dän. i. Urverwandt mit lat. in, gr. iv, ivi, altir. in, lit. i, apreuß. en, arm. i, alb. in. Von der Präp. in, die im Spätmhd. und Älternhd. mitunter mi lautet (Städtechr. 3, 329, 14, H. Sachs 2, 59), geht das Adv. in (in den Zusammensetzungen darin, hierin, Inbiß, Inbrunst, Inhalt usw.) aus, s. ein-. -in, (PI. innen): Silbe zur Bildung weib- licher Namen aus männlichen, z. B. Königin, Wirtin, Wölfin usw.). Mhd. -in. -in und inne, ahd. -in und -inna, ags. -en. 921 Inbegriff indogermanisch 922 Inbegriff, m. {-s, PI. -e): die Gesamt- heit aller in einem Umkreis eingeschlossenen Dinge, sowie der unter einen Begrifi' gehörigen Einzelheiten. 1721 bei Günther 444 Inbegriff, 1734 bei Steinbach Innhegrieff. Inbrunst, f. (ohne P].): inniges, heißes Gefühl. Im 15. Jh. inbrunst f., 1512 beiKeisers- berg Bilgersch. 7 '^ ynhrunst m., zunächst «in- nere körperliche Glut», dann «brennendes (hef- tiges) Verlangen». Davon inbrünstig, adj., spätmhd. inhrünstec. Inbürger, m. : Bürger am Wohnort, Gegen- satz von Aushürger (s. d.). 1741 bei Frisch. indem, l) adv.-. während dieser Zeit; da auf einmal (Thümmel Reise 9, 285). In der 1. Bed. 1535 im Aimon D 1 indem, bis ins 17. Jahrh. unverbunden in dem geschrieben. 2) konj.: zu der Zeit daß; aus dem Grunde daß. Temporal bei Luther Matth. 13, 4 in dem, dafür 1512 bei Keisersberg Bilgersch. 5^^ in dem so; kausal, bei Keisersberg Büg. 6^ in dem, 6* w dem so. Am frühesten im 15. Jh. in dem, daß «in dem Punkte oder Umstände, daß» (Nümb. Pol.-Ordn. 84). Dafür ahd. indiu «in dem, darin daß, während» (diu der In- strumentalis des Demonstrativpronomens), im 12. Jh. erloschen. Indemnität, f.: nachträgliche Genehmi- gung, Lossprechung von der Verantwortlich- keit. Im 19. Jh. aus engl, indemnity, das über ivanz. indemnite dem \at. indenmitas f. «Schad- loshaltung» entstammt. 1866 Schlagwort. Vgl. Ladendorf. indes, indessen, adv. und dann konj.: in (während) der Zeit; jedoch (18. Jh.). Mhd. in der 1. Bed. das Adv. indes, unverkürzt innen des, inne des, ahd. innan des, innin des, inni des (s. innen). Als temporale Kon- junktion 1575 bei Fischart Garg. 413 inn des. Die verlängerte Form indessen seit dem 17. Jh. (1678 bei Krämer), s, dessen. Index, m. (-[e]s, PI. Indexe u. Indices): Anzeiger, Register, Verzeichnis insbes. der verbotenen Bücher. Im 18. Jh. aus gleichbed. lat. index m. Indian, m. (-« und -en, PI. -en): Trut- hahn. Bei Bluraauer Aen. 1, 141, dafür 1664 bei Duez Indianischer Hahn. Indianer, m. (-.s, PI. wie Sg.), nach einem neulat. Adj. Indiänus, eig. die Bewohner Indiens bezeich- nend, 1700 bei Gleditsch. Indien nannte man aber auch Amerika, so noch heute West- indien, weil Columbus die Ostküste Indiens entdeckt zu haben glaubte. Erst im 19. Jh. ist die Unterscheidung zwischen Indianer für die einheimische Bevölkerung Amerikas und Indier für die Ostindiens durchgedrungen. Ebenso steht es mit indianisch und indisch. indifferent, adj.: einerlei, gleichgültig; unteilnehmend. 1703 im Zeit.-Lex., aus lat. indifferens (Gen. indifferentis), franz. indiffe- rent. Vgl. Differenz. Indigo, m. (-5, PI. -s), früher auch Indig, m. (-S, PI. -e): das indische Blau. Mhd, in- dich m. und endit f., im 16. und 17. Jh. auch Endich, Endig (SimTpliciss.51), 1678 bei Ki-ämer Bidig, 1712 bei Hübner Indigo. Über franz. indigo aus span. indigo m., von lat. indicum «das indische», weil urspr. aus Ostindien kommend. IndikatlY, m. {-s, PI. -e) : die bestimmte Redeweise, eig. wie 1663 bei Schottel 558 die Anzeigeweise. Aus lat. modus indicativus, von indicäre «anzeigen, aussagen». indirekt, adj.: nicht geradezu, mittelbai-. 1716 bei Ludwig. Aus gleichbed. lat. iwdirecto. S. direkt. indiskret, adj.: nicht verschwiegen. Aus gleichbed. franz. indiscret, und dies aus lat. indiscretus «ununterschieden», zgs. aus in «un» und discretus, s. diskret. Individuum, n. (-s, PI. Individuen)-. Einzelwesen. Bei Thomasius Einl. 83 und 1712 bei Hübner. Das Substantiv. Neutr. des lat, Adj. individuus «unteilbar, ungeteilt». Dazu individuell, adj.: dem Einzelwesen eigen- tümlich, bei Lessing 5, 384, nach franz. in- dividuel, bei Schiller und Herder individual. Individualität, f.: die dem Einzelwesen an- geborne Besonderheit, bei Goethe Briefe 2, 105. indogermanisch, adj., gemeinsame Be- zeichnung folgender miteinander verwandter Sprachen: des Indoiranischen, des Armeni- schen, Griechischen, Albanesischen, der itali- schen u. romanischen, keltischen, germanischen u. baltisch-slawischen Sprachen, (zu denen sich noch die Sprachreste der alten Skythen, Phry- ger, Thraker, Mazedonier, Veneter und Mes- sapier gesellen), so genannt, weil eine ger- manische Sprache (das Isländische) und die Sprachen Indiens die beiden äußersten Grenz- punkte des verwandten Sprachgebiets bilden. Zuerst 1823 in Klaproths Asia polyglotta nach- weisbar, dafür bei den englischen und fran- zösischen Gelehrten indoeuropäisch, in volks- tümlichen Schriften arisch, obwohl letzteres nur als die gemeinsame Bezeichnung der mit- einander enger verwandten indischen und ira- 923 Indossament Ingesinde 924 nischen Sprachzweige berechtigt (aind. ärja-, awest. airja- «Arier») und ihre Zusammen- stellung mit dem alten Namen Irlands Erin, Brenn unwahrscheinlich ist. Vgl. G. Meyer Idg. Forsch. 2, 125. Indossament, Indossem^nt, n. {-[e\s, PI. -e): Übertragung eines Wechsels durch einen Begebungs-, Übertragungsvermerk. 1791 bei Roth, indossieren, v.: einen Wechsel (durch eine Erklärung auf dessen Rückseite, ital. in dosso «auf dem Rücken» an einen andern übertragen. 1710. bei Nehring. Indult, m. (-S, PI. -e): Nachsicht: Zah- lungsfrist (1714 bei Wäehtler). In der 1. Bed. 1446 bei Janssen Frankf. ReichscoiT. 2, 93 indult f. Aus spätlat. indultus m. «Verwil- ligung», von indulgere «Nachsicht haben». Industrie, f. (PI. -n)-. Betriebsamkeit; Gewerbfleiß, das Gewerbe. 1766 bei Lessing Laokoon 36 in der 1. Bed., bei Campe Be- reicherung in der Bed. «Kianstfleiß», 1778 bei Hermes Soph. 4, 306 Kunst und Industrie. Aus franz. industrie, von lat. industria f. «Betriebsamkeit». ABL. industriell, adj. und subst. der Industrielle, Industria- lismus, f., von Saint-Simon gebildet und um 1830 in Deutschland auftauchend. Vgl. Ladendorf. infam, adj.: anrüchig, veiTufen, schänd- lich. 1691 bei Stieler, aus gleichbed. lat. infämis. Infamie, f.: Ehrverletzung, Ehr- losigkeit, Niederträchtigkeit, 1571 bei Rot Infami, aus lat. infämia, franz. infamie f. Infant, m. (-e?i, PI. -en): königlicher Prinz von Spanien. Bei Fischart Garg. 168 Infant, Ende des 15. Jh. bei Ehingen 25 iffant, aus gleichbed. span. infante m., von lat. infans «kleines Kind». Davon Infäntin, f.: könig- liche Prinzessin von Spanien, 1595 im Amadis 24, 344 f., span. infanta f. Infanterie, f. (PI. -n): Fußvolk. 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 139 Infanter ia neben Enfanterie, bei Henisch Fantei'ie, 1617 im t. Michel 13 Infanterey. Über gleichbed. franz. infanterie, ital. infanteria und fanteria aus span. infanteria f., von span. infantes PI. «Edelknaben, Soldaten zu Fuß», ital. infante m. «Kind», fante m. «Knabe, Knecht, Fußknecht, Fußsoldat», lat. infans «kleines Kind». Davon Infanterist, m. {-en, PI. -en): Soldat zu Fuß, Fußgänger, 1801 bei Campe. Infektion, f. (PI. -en) -. Ansteckung. Aus gleichbed. franz. infection f., das dem lat. infectio «Färben» entstammt (Ableitung von in-ficere, eig. «hineintun», s. infizieren). Im 18. Jh. Infel, Inful, f. (PI. -n): Bischofshut. ]\Ihd. in feie, infel, im fei f. «Hut eines Bischofs oder Abts», aus Iskt. infula f., eig. «Stirnbinde und Kopfschmuck der Priester, der Opfei-tiere und der zu den Göttern flehenden Menschen». infulieren, v. : mit dem Bischofshut schmük- ken, zum Bischof machen, mlat. infulare, md. im 13. Jh. in fehl. Infinitiv, m. (-s, PI. -e): unbestimmte Redeweise, Nennform. Aus lat. modus in- ßmtivus, von inftnitus «unbestimmt». infizieren, v. : anstecken. Aus lat. inficere «vergiften, anstecken, beflecken», von in «hin- ein» und facere «tun». 1703 im Zeit.-Lex. Iniluenza, f. : eine ansteckende Krankheit, die Grippe (s. d.). Aus ital. ififluenza f. «Seuche». 1791 bei Roth. Informator, m. {-s, PI. -en) : Hauslehrer, Hofmeister (Geliert Lehrged. 79), 1571 bei Rot «Lehrmeyster», aus lat. Informator m. «Bildner», informieren, v.: unterrichten, in Kenntnis setzen. Ende des 15. Jh. bei Lilien- cron 2, 195^^ informiren, spätmhd. informeren (Genn. 28, 370), aus lat. informäre «gestalten, bilden, durch Unterricht bilden». Infusorien, pl.: Aufgußtierchen, eine Art kleinster Lebewesen. Nach 1670 von Leeuwen- hoek entdeckt. Der Name daher, daß man sie in oft erstaunlicher Zahl auftreten sah, wenn tierische oder pflanzliche Reste mit Wasser übergössen und an einen warmen Ort gestellt wurden. Im 18. Jh. Infusions- tierchen. Von lat. in- «hinein, auf» und fundere «gießen». -ing, Ableitungssilbe an Substantiven zur Bezeichnung der Zugehörigkeit, Abstammung, Mhd. und ahd. -ine; dazu asächs.-ndl.-ags.-engl. -ing, anord. -ingr. Die Ortsnamen auf -i/ngen (schwäb.) und -ing (bayr.) sind urspr. Dat. PI., ahd. -ingun, -ingon. Ingenieur (spr. inzeniör), m. (-s, PI. -e): Kriegsbaumeister; Maschinenkundiger. In der 1. Bed. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 209 Ingenieur, 1616 im Kriegsmanual 143 und 1617 im t. Michel 23 Ingenier, 1644 bei Duez 126 Ingenierer. Aus gleichbed. franz. ingenieur m., von lat. ingenium n. «Scharfsinn, Erfin- dungsgeist, Schöpferkraft», woher franz. engin m. Maschine (s. Genie). Ingesinde, n. (-s): die zum Hause ge- hörige Dienerschaft. Mhd. ingesinde n. (s. in und Gesinde). 925 ingleichen inmitten 926 ingleichen, adv. : in gleicher Weise. Her- vorgegangen aus in gleichem (16. JTh.), bei 0^\iz\,2\lingleichen\\.mgleichem(Yoei%rej\^). Ingrimm, m. {-s, ohne PI.): innerer, ver- bissener Grimm. Bei Wieland Amadis 18, 15 aus der Volkssprache des mittlem und nörd- 1 liehen Deutschlands (s. in und Grimm). Da- von ingrimmig, adj., bei Campe Bereich, (aus Alxinger), dafür 1741 bei Frisch, 1663 bei Schupp 140 ingrimmisch. Ingrün, u. (s, PI. -e): das Wintergmn, Vinca minor, usw. 1482 im Voc. theut. p6* ingrun: dazu mndl. ingroen n. «Eppich». Von dem mhd. Adj. ingrüene «sehr grün», worin in verstärkend steht. S. Immergrün. Ingwer, m. (-s, PI. wie Sg,): magen- stärkende Wurzel der ostindischen Pflanze amomum zingiber. Mhd. ingewer , ingwer, ; ingeher, ingber m. und gingebere, ahd. ingüber, gingebero. gingebere m. (vgl. ZfdW. 6, 182); dazu ndl. gember f., engl, ginger. Wie franz. gingembre, ital. zenzovero, zenzero, gengiovo m. cingwer» aus gleichbed. gi'.-lat. zingiberi und I zingiber n., gr. IiYTißepic f., von pers. und arab. zendjebil, prakrit. singabera, aus aind. gp9ga-vera, eig. «horngestaltet», von aind. gpdgam n. «Hom», vera- m. n. «Leib». Inhaber, m. [s, PI. wie Sg.): im Besitz Habender. Mhd. inlmber m. Von inhaben, V.: unter seiner Gewalt haben, 1436 inhän (Weist. 5, 194). Zgs. mit dem Adv. in (s.d.). Vgl. innehaben. ' inhaftieren, v.: in Haft nehmen. 1775 bei Adelung aus der Gerichtssprache. Mit fremder Endung zu «in Haft», s. -ieren. ' Inhalt, m. (-S, PI. -e): was worin ent- halten ist. Zuerst 1440 in einer ungednickten Riedeselschen Verkaufsurkunde innehält m., 1432 innhalt (Germ. 28, 370), bei Luther u. Dasypodius Inhalt, dafür mhd. entheltnisse f. einhält» (Myst. 1, 26, 25). Der Gen. Inhalts als Präp. mit Gen. inhuman, adj. : gefühllos, hart, unmilde. ! 1714 bei Wächtler. Aus lat. inhmnänus «un- menschlich, unhöflich». Initiale , f. (PI. -n) -. Anfangsbuchstabe. '< Bei Ludwig 1716 der PI. Initial-Buchstaben. Aus lat. initiälis «anfänglich» von initium n. ! «Anfang». | Initiative, f.: das Recht oder Fähigkeit,! aus eignem Antrieb zu handeln. Von lat. ! initium n. «Anfang», Ende des 18. Jh. auf- gekommen. RA. die L ergreifen: den An- fang womit machen. Vgl. Ladendorf. Injurie, f. (PI. -n)-. Rechtskränkung, Ehi'enverletzung. 1515 bei Pleningen Sallust P 4*, aus lat. injuria f. «widerrechtliche Handlung, Unrecht, Unbill». inklinieren, v.: wohin neigen, 1571 bei Rot, aus gleichbed. lat. inclinäre. inklusive, adv.: einschließlich. Aus gleich- bed. neulat. inclusive. 1703 im Zeit.-Lex. inkognito: unerkannt, unter fremdem Namen, 1696 im Schelmuifsky - 38, 1703 im Zeit.-Lex., aus ital. incognito, von lat. incog- nitus «unbekannt, unerkannt», im Ablativ incognito «ohne Wissen, ohne Kenntnis». inkommodieren, v.: unbequem, lästig sein. 1703 im Zeit.-Lex., aus gleichbed. lat. incommodäre. inkorporieren, v.: einverleiben. Mhd. im 14. Jh. incorporiren (1354 Mon. Boica 42, 111), aus lat. incorporäre «in den Leib ätzen», von lat. corpus n. «Leib». Inkunabel, f. (PI. -n)-. Erstlingsdruck, Wiegendruck. Von lat. in-cünäbula PI. n. «Windeln, Wiege». Benennung der Drucke bis etwa zum Jahre 1500, weil die Buch- druckerkunst damals noch in den Windeln lag. 1791 bei Roth. Inlage, f. (PI. -n)-. Einlage. 1691 bei Stieler. S. inliegend. Inland, n. (-s, ohne PI.): Gegensatz von Ausland (s. d.). Dafür mhd. iniende n. «Vaterland, Heimat, Herberge, Quartier». Bei Stieler 1691 und Zesen Dögens Baukunst 1648 Inland «Insel». Dazu Inländer, m., spätmhd. i/i/ew Jer m. ; inländisch, adj., 1512 in Reichsordn. 75^ innländisch, 1436 in Weist. 5, 194 inlentz. Daneben auch einländisch. Inlaut, ra. (-S, PI. -e): Vokal oder Kon- sonant im Innern eines Wortes. Ein von Jak. Grimm (Gramm. 1, ^ 12) eingeführter grammatischer Kimstausdruck. Inlett, n. (-S, PI. -e und -s): der innre Bettüberzug, in den die Federn getan werden. 1589 bei Roth Hausmütter Abc H 1 Innled, aus nd. Inlet, Inlede, Inlitt (Hermes Soph. 5, 415), im Göttingischen Inlät, entsprechend pfälzischem Inläß; obersächs. Inelt, daraus oberd. und rad. Indelt (1775 bei Adelung). Zgs. aus iti und lassen. inliegend, Part.: als Beischluß innen liegend. 1691 bei Stieler. Vgl. in. iumittelst, s. immittelst. inmitten, adv. und präp. mit Gen. Mhd. in mitten, dann enmitten, frühmd. in mittin «in der Mitte», auch «mittlerweile», gekürzt 927 mne insgeheim 928 aus mhd. enmitemeii , ahd. in mittamen, in mittemen «in der Mitte», dem Dat. Sg. von mittamo m. «Mitte», entsprechend got. in \ midumai (von midunia f. «Mitte»), schon | ahd. in mittimen mit Gen. iniie, adv. in mitten inne. Mhd. inne ' und ahd. inna, inni, inne «inwendig», auch als Präp. mit Dat., dazu got. inna «im Innern». Fortbildung von in (s. d.). innehaben, V., 1491 in Weist. 1, 396 innhaben. innehalten, V., Reichsabschied 1524 § 28 innhalten. inne werden, v., mhd. inne werden mit Gen. oder abhängigem Satze (mit da^). innen, adv. : Gegensatz von außen. Mhd, innen, ahd. innana, innan, innin, als Präp, verwendet im Mhd. mit Gen. oder Dat., im Ahd. mit Gen., Dat., Instnamentalis oder Akk., in der ßed. «inwendig, innerhalb, binnen»; got. innana nur Präp. mit Gen. Von in (s. d.) mit der Endung -ana. inner, präp. mit Dat.: innei'halb. Schrift- deutsch nicht mehr geläufig. Mhd. inner, inre Adv. «innen», auch als Präp, mit Gen. oder Dat. «innerhalb». Aus dem Adj. innere (Superl. inner st), mhd. inner «inneiiich, in- wendig, vertraut», ohd. innaro (Komp. inna- röro, innerero, Superl. inneröst). Der Super- lativ innerst adverbial bei Goethe 8, 280 u. 39, 211, Weiterbildung von inne (s. d.), wozu auch der ahd. Komp. innor als Übersetzung des lat, interior. ABL. innerhall), adv. und präp. mit Gen. (und Dat.): vor, an, auf der innern Seite, mhd. innerhalp, inrehalp, inner- halben, (mit zwischengeschobnem t) innert- halhen, frühmhd. inne^'halbe. Ebenso gebildet wie außerhalb (s.d.). innerlich, adj.: Gegen- satz von äußerlich, mhd. innerlich, Adv. inner- liche und inner cUche, inrechliche «tief im Innern, herzlich». Dafür ahd. inlih «inner- lich». Adv. inlihho, innelicho «inniglich». innig, adj.: aus innerster Seele kommend, in ihr geschehend. Mhd, innec, innic, abge- leitet von in. Davon Innigkeit, f., mhd, (md.) innecheit, innicheit, innekeit, innikeit f, inniglich, adj., mhd. innec-, inniglich, ahd. inniglih, im Adv. mhd. innecliche, ahd. innig- Ucho. Innung, f. (PI. -en): Körperschaft von Handwerkern gleichen Berufs. Md. im 13. Jh. innunge f. «Aufnahme, Verbindung», dann (1276) «Verbindung zu einer Körperschaft, Zunft» (s. d.). Von ahd. innön «in sich, in eine Vereinigung aufnehmen, womit verbin- den», zu inne (s. d.). inquiriereu, v.: nachforschen, gerichtlich untersuchen. 1529 in Reichsordn. 147 '', von lat. inquirere «untersuchen». Inquisition, f. : (gerichtliche) Untersuchung; Glaubensunter- suchung, Ketzergericht. In der 1. Bed. 1529 in Reichsordn. 147'', in der 2. Bed. 1559 bei Sleidanus Auszug (verdeutscht durch V.Mertz) 263 und 1581 bei Fischart Bienk. 3''. 5*'. ins, zsgez. aus in das, mhd. mj. Im 16. Jh. ins für in des (1550 bei Alberus Fab. 48, 277 ins Kürßners Muß), mhd. ins. Insasse, m. (-%, PI. -n)-. Seßhafter, Be- wohner, Mhd, in-, insce^e m. «eingesessener Einwohner, Mieteinwohner». Von in und -sOBze zu sitzen. Vgl. Inste. insbesondere, adv., zsgez. aus in das besondre, eine Einschränkung des Allgemeinen hervorhebend. Erst im 18, Jh. (bei Lessing 12, 19 von 1751), entsprechend dem franz. en particulier. Inschlitt, n. (Lessing 5, 326), s. ünschlitt. Inschrift, f. (PI. -en): woran Einge- schriebnes. Md. 1343 inscrift f., später er- loschen und in der Mitte des 18. Jh, wieder erneuert. Bei Lessing 6, 532, im Laokoon 1766 S. 111 Innschrift (in Tempeln), aus Winckelmann. Insekt, n. {-es, PI. -en): das Kerbtier. '\ 1720 bei Frisch Beschreibung von allerley Insecten, darin öfter der Gen, PI. Insecten, i aber 1741 PI, Insecte, 1546 bei Bock 2, 19^ Insecta. Aus lat. insectum n. (der PI. insecta «Kerbtiere» bei Plinius bist, nat.), das Sub- stantiv. Neutr. des Part. Perf. Pass, von insecäre «einschneiden». Insel, f. (PI. -n) : wassenimflossnes Land. Bei Luther Insul, mhd. insele, insel neben insule, insul, frühmhd. isele, ahd. isila f. Aus gleichbed, \&i.insula f., woher ital. isola, afranz. isle, nfranz. Ue f. Vgl. Aue, Eiland, Werder. Inserat, n. {-s, PI. -e): juristisch, Ein- lage, Beilage, Nachschrift 1691 bei Stieler; in öffentliche Blätter eingemckte Aiizeige (1801 bei Campe). Aus lat. inserat, 3 Pers. Konj. «er möge einfügen». Vgl, Referat. inserieren, v.: einfügen, eim-ücken, 1714 bei Wächtler, aus lat. inserere «hineinfügen». insgeheim, adv.: heimHch. Bei Günther 822, neben in geheim 1663 bei Schuppius 24, Zsg, mit dem Neutr. des Adj. geheim, das bei Luther Rom. 16, 25 subst. in der Bed. «Geheimnis» steht. Entsprechend dem franz. en secret. insgemein, adv.: ohne Aus- nahme und Unterschied. 1626 bei Zinkgref 929 Insiegel Inster 930 Apophth. 1, 1 ms gemein, bei Luther 2. Makk. j 9, 26 und H. Sachs in gemein, doch schon vor 1417 md. in dag gemeine, im 14. Jh. j in die gemaine (j. Titurel 5233, l), dazu 1477 clevisch intgemet/ne und intgemetjn, schwed. / gemen, entsprechend dem franz. en general. ilisgesaillt, adv.: alle oder alles in eins begriffen. 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, 2 ; ins gesamt, neben ingesammt (Scultetus bei Lessing 8, 282), entsprechend dem franz. e/i taut. Insiegel, n. {-s, PI. wie Sg.): Siegel, iusbes. das Siegelbild des Petschafts (wobei in das Eingegrabensein und Eindrücken her- j vorhebt). Veraltet und nur noch im Kanzlei- stil. Mhd. insigele. insigel n. (auch Petschaft, Stempel, Wappen), ahd. insigili n. (auch Münze und halbmondförmiger metallener Schmuck) ; dazu mndl. inseghel, afries. insigü, , ags. insegel, insigle, anord. innsigli n. (auch Siegelring)? insinuieren, V.: heimlich einflüstern (1703 im Zeit. -Lex.); gerichtlich zustellen oder ein- , händigen (1509 bei Brant Layensp. v 6**); j reü. sich einschmeicheln, beliebt machen (1684 bei Schuppius 1369, «sich zumachen und fein applicirn» 1571 bei Rot). Aus lat. insinuäre «in den Busen stecken, tief in etwas ein- dringen lassen», (bildlich) «in Gunst setzen, beliebt machen», von lat. sinus «Busen». inskribieren, v.: einschreiben, eintragen, 1571 bei Rot, von gleichbed. lat. in^cribere. inskünftige, adv.: künftighin. Md. im 13. Jh. in dag kumftige (Passional 437, 56 K.). i Gebildet wie insbesonder-e. insofern, adv.: in der Hinsicht (bei Geliert); dann konj.: in der Hinsicht daß, unter der Einschränkung daß. Im 18. Jh. (bei Lessing 2, 384 in so fern), für ältres sofern (s. d.), gebildet mit dem Akk. Sg. des Neutr. von fern. insolvent, adj.: zahlungsunfähig. Insol- venz, f. : Zahlungsimfähigkeit, aus mlat. insol- ventia, von lat. solvere «lösen, bezahlen». Beide 1791 bei Roth. insonderheit, adv.: für sich abgeschlos- sen; vor andern hervorgehoben. Bei Luther Mark. 4, 34 m Sonderheit, 1508 in sunderheit, 1556 bei Frisius 432** insnnderheit und 1201^ in Sunderheit, 1482 bei Melber Bb4^ in einer sunderheit, zgs. mit Sonderheit, mhd. Sonderheit f. insonders, adv.: besonders, vorzugsweise, insonderheit, nur noch in her- , gebrachtem steifem Brief- oder Kanzleistil. 1561 bei Maaler insunders, dafür ahd. (nin \Ve i j; ,1 u (J , Deutsches Worteibucli. ."). .Aull. 1000) /// sunder, insiinder, mhd. insundei', gebildet mit dem Akk. Sg. des Adj. suuder «abgesondert». insoweit, adv. und konj.: in d^r Aus- dehnung. Bei Stieler 1691, gebildet wie in- sofern, bei Schiller an Goethe 1, 2 in so iveit. Inspektion, f. (PI. -en): Besichtigung: Ob-, Aufsicht. 1562 bei Mathesius Sar. 195** Inspection, aus lat. inspectio f. Inspektor, m. (-es, PI. -en): Aufseher; höhrer Aufsichts- beamter. 1582 bei Fischart Garg. 208, aus lat. inspedor m. inspizieren, v.: besich- tigen, in Augenschein nehmen, beaufsichtigen, aus gleichbed. lat. inspicere. installieren, v.: in eine Stelle, in ein Amt einsetzen, bestallen. 1562 bei Mathesius Sar. 175% aus gleichbed. mlat. installare, zu m\a.t.stallus m. «Chorstuhl», von ahd. stal m. (Gen. Stalles) «Stelle». inständig, adj.: fest anhaltend in etwas, behan-Uch. Um 1500 bei Diefenbach gl. 301 "^^ das Adj. ijnstendig, ahd. das Adv. instendigo. Zu älternhd. Instand m. «dauernder Bestand» (Franck Sijrichw. 1, 93*), got. instandan «stehn bleiben, beharren». Instanz, f. (PI. -en): das inständige An- suchen einer Sache; Gerichtsbehörde, Ge- richtsstand (1495 in Reichsordn. 17 •* die erste Instantz) ; einem Satz entgegenstehendes Bei- spiel, Gegenfall, -beweis, Einwurf (1571 bei Rot Instantz «Hindrung und widerdrieß»). Aus lat. instantia f. «anhaltender Fleiß, in- ständiges Bitten», von instans, dem Part. Präs, von instäre «auf etwas stehen, es emsig betreiben, mit Bitten drängen», und schon mhd. (md.) in der Glosse zum Weichbild- recht entlehnt instancie f. (Germania 20, 44). Inste, [-71, PI. -n): ein Häusler auf dem Lande, der zur Miete wohnt. Niederd., in Schleswig Liste (Adelung 1775), pomm. und mark. Instmann (bei Frisch 1741). Ge- kürzt aus nd. insete, das dem mhd. inscege «Insasse» (s. d.) entspricht. Inster, n. {-s, PI. wie Sg.): das eßbare Eingeweide eines geschlachteten Tieres. Ost- md. und niederd., 1544 in Leipziger Stadt- ordn. G 1% mnd. inster n., Nebenform ( inster n. bei Duez 1664 und Rädlein 1711; dazu Unster n, «der Magen (Wanst) der Wieder- käuer» (1598 bei Hutter diction. hai'mon. 594), anord. istr n. «Fett», istra f. «Fetthülle der Eingeweide», schwed.-dän. isfer «Flomen». Dazu apreuß. instran «Schmer» (entlehnt?). Wohl stammverwandt mit l.it. intestina, aind. 51» 931 Instinkt interessant 932 antastjam n., lit. {sb'ös f. PI. «Eingeweide»., denen ein Wort wie lat. i7itus, gr. ^vtöc «innen» zugrunde liegt. Instinkt, m. (-es, PI. -e): Naturtrieb. Bei Wieland 11, 14 und Suppl. 2, 92, 1703 im Zeit.-Lex. Instinctu. Aus lat. instinctus m. «Antrieb», zu instinguere «anreizen, antreiben». Institut, n. (-S, PI. -e): Anstalt, Stiftung (Lessing 10, 259). 1571 bei Rot Institut, «Fürnemen, Weiß, form und regel», 1494 bei Brant Narr. 76, 67 institiit «Justinians Institutionen», aus lat. institütum n. «Einricb- tuncr», von instituere «hinstellen, einrichten». instruieren, v.: einrichten, mit Verhal- tungsbefehlen versehen ; unterrichten, belehren . In diesen Bed. 1571 bei Rot instruirn, aus lat. instruere. Instruktion, f. (PI. -e%): Belehrung, Anweisung; Vollmacht, Vorbe- reitung einer Rechtssache zum Richter spruch. In der 1. Bed. 1497 bei Janssen Prankf. Reichskorr. 2, 625 und bei Luther 2, 181 '^ Instruction, aus lat, instructio f. Instrument, n. (-s, PI. -e): Werkzeug; Tonwerk; Urkunde. Aus lat. instrümentum n. «Werkzeug, Gerät, Hilfsmittel» (von lat. in- struere «aufschichten, einrichten»), entlehnt schon 1383 mrhein. Instrument n. «Urkunde, Beweisschrift» (Weist. 1, 544), in der Bed. «Werkzeug» 1561 bei Maaler, «Sprachwerk- zeug» um 1522 bei Ickelsamer 13, «Tonwerk- zeug» 1575 bei Fischart Garg. 453. Instru- mentalis, m.: Fall (Kasus) auf die Frage wodurch? womit? (vgl. desto, indem, wie). Insubordination, f. : Ungehorsam gegen den Vorgesetzten (bes. den militärischen). 1813 bei Campe aus gleichbed. franz. insubordina- tion f., gebildet aus in «un», suh «unter» und lat. ordo «Ordnung». Insulaner, m. (-s, PI. wie Sg.): Insel- bewohner. 1801 bei Campe. Aus gleichbed. lat. insuldnus m., von insula f. «Insel». Insult, m. (-S, PI. -e): beleidigender Anfall, Beleidigung. Bei Goethe 6, 212, aus mldit. insultus m. «Anfall», insultieren, V.: übermütig beleidigend anfallen. Bei Schiller 8,146,17, aus laA.insultäre «an etwas springen», dann «an jem. seinen Mutwillen üben», zu lat. insilire «auf etwas springen, es anfallen». Insurgent, m. {-en, PI. -en): Aufstän- discher, Aufrührer. 1791 bei Roth, anders 1775 bei Adelung in der Bed. «ungarischer Miliz-, Landwehrsoldat, durch Aufgebot ein- berufen», aber schon 1710 bei Nehring in- surgieren «erheben, empören». Aus lat. in- surgeyis, Part. Präs. von insurgere «sich er- heben, aufstehen», dann «sich empören». intelligent, adj.: einsichtsvoll. 1801 bei Campe, aus lat. intelligens, Part. Präs. von intelligere «inne werden, einsehen». Intelli- genz, f. (PI. -en)\ die Einsicht, 1571 bei Rot Intelligentz, aus lat. intelligentia f. ZUS. Intelligeuzblatt, n.: öffentliches A.nzeige- blatt, Wochenblatt, aus engl, intelligence, nach the Office of intelligence «Intelligenzkontor» (Nachrichtszimmer), deren erstes 1637 von John Inn3's zu London errichtet wurde (Beck- mann Beitr. z. Gesch. der Erfindungen 2, 237). Intendant, m. {-en, PI. -en): Oberauf- seher. 1703 im Zeit.-Lex., aus franz. inten- dant m., zu lat. intendere «ausspannen, seine Geisteskräfte, seine Aufmerksamkeit worauf richten, worauf achten». Intention, f. (PI. -en): Absicht, Vorhaben, 1571 bei Rot, aus lat. intentio f., von lat. intendere. Interdikt, n. {-s, PI. -e): Untersagungs- befehl, Untersagang; (kirchlich) der große Kirchenbann (1717 bei Nehring). In der 1, Bed. 1571 bei Rot, aus lat. interdictum n., von interdicere «untersagen, verbieten». interessant, adj.: wichtig, anziehend, einnehmend. In der 2. Hälfte des 18. Jh. (1778 bei Hermes Soph. 1, 11 und bei Goethe Briefe 2, 15) aus gleichbed. franz. interessant, eig. ,Part. Präs. von interesser (s. d. folg.). Interesse, n. (-s, PI. -n): Verwebtsein in eine Sache, Teilnahme für dieselbe; Beziehung; Reiz; Vorteil, Eigennutz; (PI. Interessen) Zinsen eines Kapitals. Aus lat. interesse «für jem, von Wichtigkeit oder Reiz sein», eig. «dazwischen sein» {inter «zwischen», esse «sein»), schon spätmhd. im 15. Jh. in die deutsche Rechtssprache entlehnt inter- esse n. «der durch Versäumnis oder Arbeits- unfähigkeit eines andern entgangne Vorteil und Nutzen», 1512 in Reichsordn. 83^ «An- teil», im 16. Jh. auch «Vorteil, Eigennutz» (nach Rot 1571 schon zur Zeit Kaiser Maxi- milians I., im Beyrischen Krieg 1505, aufge- kommen), sowie «Zins von ausgeliehenem Kapital» (bei Luther W. 6, 50), endlich seit der Mitte des 18. Jh. «Anteilnehmung, Wohl- gefallen» (bei Kant 7, 44 H.), «Anteilnahme, bewirkender Reiz» (Leisewitz Jul. v. Tarent 1, 1). Interessent, m. {-en, PI. -en): An- teil an einer Sache Habender, 1710 bei Nehring. interessieren, v.: wofür Teilnahme erre- gen, einnehmen, jem. anziehen, reizen, 1663 bei Schupp 593 und 1714 bei WächÜer, aus 933 interimistisch inTestieren 934 franz. interesser «von Wichtigkeit sein, zin- Teilnahme erwecken, anziehen», von lat. In- teresse (s. interessant); 1710 bei Xehi-ing auch interessiren «verzinsen». Davon interessiert sein: beteiligt sein (1654 bei Abele Gerichts- händel 259); eigennützig, selbstsüchtig sein (1703 im Zeit.-Lex.). Interessenpolitik, f., Schlagwort seit etwa 1830. Vgl. Ladendorf. interimistisch, adj.: einstweilig. 1791 bei Eoth, von lat. interini «unterdessen». Interjektion, f. (Pl.-en): Empfindungs- wort, -laut. 1536 bei Witzel Annotationes 2, 41^ Interjection, aus gleichbed. lat. inter- jectio f., eig. «Zwischenwort, Z\\'ischenwuri'», von interjicere «zwäschenwerfen». Intermezzo, n. (-.s, PI, -s): Zwischen- vorstellung, Zwischenspiel. 1775 bei Adelung und 1771 bei Wieland Amadis 147. Aus gleichbed. _ital. intermezzo, urspr. Adj., von lat. infermedius «dazwischen in der Mitte befindlich». international, adj. : z^\4schen den Völkern geltend. Aus lat. inter- «zwischen, unter» und national. Internatiouäle,f.: Abkürzung für den am 28. Sept. 1864 in London gegi-ün- deten internationalen Arbeiterbund (The Wor- king men's international association). Seitdem Schlagwort die rote Internationale «Sozial- demokratie», die sclavarze T. «die Jesuiten» (1873), die goldene I. (1874) «jüdische Hoch- finanz». Vgl. Ladendorf interpellieren, v.: ins Wort fallen; Ein- spruchtun; Aufschluß fordexTi. Li der 1. und 2. Bed. 1571 bei Rot, aus lat. interpelläre «dawischenreden, anreden». Interpellation, f., bei liot 1571, aus lat. interpellätio f. interpretieren, v.: den Mittler und Aus- leger machen, dolmetschen, auslegen, erklären. 1571 bei Rot, schon im 13. Jh. md. inter- pretieren, aus gleichbed. lat. interpretäri, von lat. intopres m. «Zwischensprecher, iLttler, Ausleger, Dolmetscher». Interpretation, f., bei Rot 1571, aus lat. interpretätio f. interpnnktieren, v.: mit Unterschei- dungszeichen versehen. Bei Lessing (1850) 5, 85. Von lat. inte>punctus, dem Part. Perf. Pass. von interpungere «einen Punkt zwischen- setzen, durch ihn abteilen». Interpunktion, f. (PI. -ew) : Satzzeichnung. Bei Lessing 4, 36 Lachm., aus lat. interpunctio f. «Zwischen- setzung eines Punktes». Interrogativ, n. (-s, PI. -e): fragendes Fürwort. Von spätlat.twferro^afwMS« fragend», zu lat. interrögäre «fragen». Intervention, f : Vermittlung, Einspruch. Über franz. intervention f. aus gleichbed. lat. intei'-ventio, eig. «Dazwischenkunft» von inter «zwischen» und ventio von venire «kommen». Aus der Gerichtssprache. 1703 im Zeit.-Lex. Interview (spr. -icju), f. (PI. -s): Zu- sammenkunft; n. (Gen. -s, PI. -s): Befragung, bes. durch einen Joui-nahsten. Aus engl. infervieiv «Zusammenkunft, Unterredung». Xach 1870 entlehnt. intim, adj.: innig vertraut. 1791 bei Roth, dagegen bei Wächtler 1714 und Ludwig 1716 noch intimus, aus gleichbed. lat. intimus (eig. innerster), franz. intime. intolerant, adj.: unduldsam gegen Anders- denkende. Bei Goethe 40, 275, aus lat. into- lerans. Intoleranz, f., bei Goethe ebd., aus lat. intolerantia f. intonieren, v.: anstimmen. 1571 bei Rot, im mrhein. Voc. ex quo 1469 intoneren, aus lat. intonäre «ertönen». [ intransitiv, s. transitiv. Intrigant, m. {-en, PI. -en) -. Ränkeschmied. Über franz. intrigant aus ital. intrigante, dem Part. Präs. des lat. Verbs intricäre (s. u.). 1728 bei Sperander. intrigieren, v.: (einen Handel) verwickeln, Ränke schmieden. 1791 bei Roth. Aus gleichbed. franz. intriguer, von lat. intricäre «verwickeln, verwirren». Intrige, bayr.-öster. auch Intrigue, f. (PI. -w): Listgewebe, Ränke. 1703 im Zeit.-Lex. «verwirrete Händel», 1711 bei Rädlein der PI. Intricken. Aus fi-anz. intrigue f. «Knoten- schürzung einer Handlung, heimlicher An- schlag oder Schlich, geheimer Liebeshandel», gebildet aus dem Zeitwort intHguer. invalid, adj.: untauglich, dienstunfähig. 1714 bei Wächtler, aus gleichbed. franz. in- valide, lat. invalidus. Als Substantiv Inva- lide, m. (-n, PI. -w): dienstunfähig Gewordner. 1728 bei Sperander. Inventar, n. (-s, PI. -e): Von-atsver- zeichnis, Verzeichnis der Habe, Vorrat. 1509 bei Brant Layensp. D 3 und 1571 bei Rot Invoitari n., aus lat. inventärium n. «Ver- zeichnis», zu lat. invemre «finden, geschrieben finden». Inventur, f.: das Aufiiehmen des Vermögensverzeichnisses, 1571 bei Rot, aus mlat. inventüra f. investieren, v.: mit dem Zeichen der Amtswürde feierüch bekleiden. Mhd. im 14. Jh. investieren, aus lat. investire «ein- kleiden», von vestlre «bekleiden», vestis f. «Kleid». Investitur, f. (PI. -ew): feierliche 59* 935 invitiereii irr 936 Einsetzung in eine Würde, Belehnung mit derselben, mhd. im 14. Jb. investitür f., aus mlat. investitüra f. invitiereii, v.: höflieb auffordern, ein- laden. 1703 im Zeit.-Lex. aus gleichbed. lat. invitdre. iliwärtig, adj.: innerlich, im Innern wohnend. Mlid. inwertec, ahd. inwartig, in- wertig, Adv. inwarügo, eine Ableitung vom mhd, Adj. inwart und imverte, ahd. inwart und imvarti, inwerti «inwendig, innerlich», dessen Gen. Sg. adverbial steht, nhd. inwärts, mhd. imvertes, s. eimvärts. iuweildig", adj.: Gegensatz von auswendig (s. d.). Mhd. innewendig, inivendic, auch Adv. und dann im 14. Jh. Präp. mit Gen. oder Dat. «innerhalb, binnen». inwiefern, konj., gebildet wie insofern, im 18. Jh. (Goethe an Schiller 1, 87), älter wiefern (s. d.). inwieweit, konj., gebildet wie insoweit, im 18. Jh. inwohneu, v.: einwohnen, bei Goethe 36, 150. Inwoliuer, m.: Einwohner (Thümmel Reise 9, 151), mhd. inne-, inwoner m. und inwonerinne f. Inzicht, f. (PI. -en): An-, Beschuldigung. Mhd. und ahd. inziht f., von zeihen (s. d.). Im Nhd. der oberd. Geiichtssprache eigen, in die allgemeine Schriftsprache aber wieder gegen Ende des 18. Jh. eingeführt. Inzucht, f.: einheimische, ungemischte Zucht, im Gegensatz zur Rassenkreuzung. Eine Neubildung des 19. Jh. inzwischen, adv.: während der Zeit (md. im 14. Jh. inziv ischin); dann konj.: während der Zeit daß (Goethe 24, 288). Mhd. in-, enzwischen, ahd. inzioischen, in zwisken als lokales Adv. «dazwischen», dann Präp. mit Dat. (s. zwischen). Iper, f. (PI. -n): die kleinblättrige Ulme, TTlmus sativa. Mhd. iper, nach franz. ipreau, ypreau m., span. olmo de Ipre «Ulme von Ypern», einer Stadt in Westflandern. irden, adj.: aus Erde bestehend oder ge- macht. Mhd. und ahd. irdin, erdin, dazu got. airpeins «irden», auch «irdisch» (wie ahd. und nhd. noch im 17. Jh.). Abgeleitet von Erde (s. d.), wie irdisch, adj.: der Erde angehörig, mhd. irdisch, irdesch, irsch, neben irdenisch, irdensch, ahd. irdisc, irdisg. irgend, adv.: an einem (unbestimmten) Orte, zu einer (unbestimmten) Zeit, in einem (einzelnen nicht näher bezeichneten) Vei-hält- nisse. Bei Luther irgend und irgent, lulid. iergen, dann im 13. Jh. auch irgen und mit angetretnein t iergent, irgent, md. irgin, auch zsgez. ieren, spätahd. bereits iergen, ahd. io wergin (Otfrid 4, 31, 15), eine Verbindung von ahd. io (s. je) und ivergin «an einem unbestimmten Orte», entsprechend asächs, hivergin, hwargin, ags. hwergen (aber negativ auord. hvergi «an keinem Orte, nirgends»), aus asächs. -ags.-anord.-got. hwar «wo» und der Indefinitpai'tikel -gin «irgend», die dem got. -hun, aind. -cana entspricht. Vgl. nirgend. Ironie, f. (PI. -n) : (absichtlich unter dem Gegenteile) versteckter Spott. Bei Rabener Sat. 1, 91 und Lessing 4, 196, aber bei Wächtler 1714 noch Ironia. Aus gleichbed. franz. ironie f., von gr.-lat. ironia, gr. eipaiveia f. «Verstellung im Reden, bes. zum Necken und Beschämen», von gr. el'pujv m. «der sich in der Rede Verstellende», iroilisch, adj.: ver- steckt spottend, nach dem lat. Adv. irönice und gr. Adj. eipuuviKÖc. irr, irre, adj.: von dem rechten Wege abgekommen (eigentlich und bildlich); ge- störten Verstandes seiend; unsicher ob recht oder nicht. Mhd. irre, md. erre, er, ahd. irre (auch erzürnt); dazu asächs. irri «zornig, er- bittert», ebenso afries. ire, ags. irre, yrre, eorre «erzürnt, verwirrt», got. airzeis «irre, verführt». Davon Irre, f., mhd. irre, md. erre f.; dazu cfot. 'airzei f. «Verführungr, Irrlehre». Urver- wandt mit lat. erräre «irren», error m. «Irr- tum», irasjäti «er zürnt, ist übelgesinnt». irren, v.: l) tr. irre machen, mhd. irreti, md. auch erren, ahd. irran; dazu asächs. irrian «zerstören», mnd. erren «irre, zornig machen», got. airzjan «irre führen, verführen, betrügen»; 2) intr. irre sein oder werden, mhd. irren, md. auch erren, ahd. irreon, irrön. irrig, adj., mhd. wrec, mu^.errich. Irrsal, u. (-s): VerÜTung, Irrfahrt; Irrung, Störung, VerwiiTung. Mhd. irresal, irrsal m. f. n. «Irrung, Hindernis, Schaden». Irrtum, m. (-S, PI. Irrtümer), mhd. irretuom, md. irre-, erretUm, ahd. irri-, irraiuoni m. «das Irren», bes. in Glaubenssachen, im Mhd. auch «Zwi- stigkeit». Der PI. im 17. Jh. bei Moscherosch Phil. 1, 200 und Schupp 427 Irrthume, bei Logau 2, 103 Irrtümer. Irruug, f. (PI. -en): das Abirren; Störung, Hemmung, Zwist, Zerwürfnis. Mhd. irrungv, irrung f., auch «Glaubensirrtifm, Ketzerei». ZUS. Irren- haus, n., 1791 bei Roth. Irrfahrt, f., mhd. irrevart f. Irrgang, m., mhd. irre- gauc m. «irrer, zielloser Gang», im 15. Jh. 937 irrelevant ja 938 «Labyrinth» (Diefenb. gl. 314^). Irrgarten, m., 1575 bei Fischart Garg. 450 und 1547 bei Schmeltzl Lobspr. der Stat Wien 96. Irrgeist, m., bei Luther Micha 2, 11 Irre- geist. Irrglaube, m., bei Kant 6, 16 H.; irrgläubig, adj., bei Gottsched 1744 und Lessing 5, 27. Irrlehre, f., 1663 bei Schotte! 456; Irrlehrer, m., 1775 bei Adelung. Irr- licht, n. {-es, PI. -er), 1629 bei Opitz 1, 81 Irrliecht Irrsinn, m., 1663 bei Schottel 456. Irrstern, m.: Komet, mhd. irrestern m. Irrweg, m., im 15. Jh. irrewec, irriveg, mnd, erreivech (Diefenbach gl. 178^). Irr- wisch, m. (-es, PI. -e): IiTÜcht, bei Luther 4, 335'' Irrewisch und 5, 521^ Wisch, 1540 beiAlberus dict. r2'' Imvisch, zgs. mit Wisch (1414 wei/sch und sonst im 15. Jh. tvysche, wisse m. «leuchtende Fackel» (Diefenb. gl. 228''). irrelevant, adj.; unerheblich. Aus einem neulat. irrelevans, zgs. aus ir (für in- «un») und dem Pai't. Präs. von lat. releväre «auf- heben». 1728 bei Sperander. irreligiös, adj.,- nicht der Religion ge- mäß, ungläubig, gottlos, aus lat. irreligiösus. 1791 bei Roth. Irreligiosität, f.: Religions- verachtung, Gottlosigkeit, aus kirchlich-lat. irreligiositas f. irritieren, v.: erregen, reizen, ablenken. 1703 im Zeit.-Lex., aus lat. irrltäre «anregen, zum Zorne reizen». isaböll, adj.: schmutzig gelb, gefblichweiß, blaßgelb. 1685 im Farbebüchlein ^2,^ Isabel- Farbe. Aus dem gleichbed. franz. Adj. isabelle (seit 17. Jh.), das aus irgendeiner Veranlas- sung von dem Frauennamen Isabella stammt, nach einer Sage von der Erzherzogin Isabella, Tochter Philipps II, die als Regentin der Niedei'lande bei der Belagerung von Ostende (1601-1604) das Gelübde getan haben soll, erst mit Eroberung der Stadt durch ihi-en Gemahl ihr Hemd zu wechseln, von dessen angenommner Farbe dann das Adjektiv. Isab^lla, Fi-auenname, aus span. Isabel, afranz. Ysabel, später franz. Isabeau, mit An- knüpfung an span. bello (Fem. bella), franz. bei, beaii «schön» entlehnt aus hebr. Isebel, dem Namen der aus Sidon stammenden Ge- mahlin des Königs Ahab. -isch, Herkunft ausdrückende Ableitungs- silbe zahlreicher Adjektive, mitunter mit dem Begritf des Verächtlichen, Tadelhaften. Mhd. -esch, isch-, ahd.-asächs.-ags. -isc, anoi'd. -sk, got. -isk. Isegrim, m. (-s, PI. -e): der Name des Wolfes im deutschen Tierepos; wölfischer, grausamer, dann höchst mürrischer Mensch (in Mitteldeutschland, 1734 bei Steinbach Eisengrimm «ein verdrüßlicher Mensch»). In der 1. Bed. mhd. Isengrin, tsengrim, ahd. tsangrim, urspr. «Eisenhelm», zsg. aus ahd. isan «Eisen» (s. d.) und einer verwandten Bildung von ags. grima m. «Helm, Visier, Maske», anord. grfma f. «Maske, Helm». Isidor, Mannsname aus gr.-lat. Isidorus, gr. 'Icibuupoc «Gabe der Isis» (der ägyptischen Göttin). Vgl. Theodor. Islam, m. (Gen. -es und wie Nom.): Mohammedanismus. Aus arab. isläm «Hin- gabe an Gott». iso-, häufig in Zusammensetzungen, aus gr. koc «gleich». Erst im 19. Jh. isolieren, V.: vereinzeln, einzeln absondern. Bei Goethe Faust 4033, aus franz. isoler, und dies von ital. isolare, von ital. isola, mlat. isula, lat. insula f. «Insel» (s. d.). Bei Lessing 7, 395 insulirt für isoliert. Davon Isolierung, f. Isop, s. Ysoj). item, adv.: ingleichen, ferner. Schon im 14. Jh., jetzt als altfränkisch geltend. Aus lat. item. itzo, itzt, s. jetzt. ja, Adv. und Interj. der Bestätigung. Mhd. und ahd. ja, mhd. verstärkt ja m, jana; dazu asächs. ja, ndl. ja, afries. ge, je, ags. ta und gea, eine erweiterte abläutende Form in giese (aus ge-swä «ja so»), engl, yea und ijes, anord. ja, schwed.-dän. ja, got. ja und jai. Wahr- scheinlich urverwandt mit gr, f) «wahrlich, fürwahr» vmd vielleicht zum idg. Stamm jo «der» gehörig. Vgl, noch Btr. 30, 295. Aus dem Deutschen entlehnt lit. ja. Das be- kräftigende ja ivohl schon mhd, jo wol. Sub- stantivisch Ja, n., mhd. ja n., got. ßata ja (2. Kor, 1, 20). ZUS. Jabruder, m.: ge- sinnungsloser Zustimmer, mnd. l-iil jabroder, ähnUch mhd. jäherre m. «der zu allem ja, herre! sagt». Noch bei Goethe 45, 17 Jaherr. 939 jach jäh 940 Beide ins Dänische entlehnt. JawOrt, n., (-es, PI. -e): feste Zusage durch ja! Bei Luther, mnd. (1301) Jawort n. jach, adv.: in größter Geschwindigkeit, plötzlich, heftig. Mit kurzem a, aus mhd. gäch «plötzlich, unversehens», dem adverbial stehenden endungslosen starken Akk. Sg. des Adj. gäch (s. jäh). Ältenihd. als Adj., bei bei Luther 3, 531 '^ jach, um 1480 im Voc. ine. teut. m4* jach, auch bei Kant 5, 235 H. jachern, v. : wild, ausgelassen, umher- laufen, lärmen, schreien. Nordostdeutsch, bei Adelimg 1775 und Hermes Söph. 3, 275, neben hess. jackern, mnd.-nnd. jachtern. Das ein- fache Verbum ist ostmd.jäc/te/i «umherjagen» Yonjage7i, 1691 bei Stieler, jechen bei Luther, im 15. ^\i. jachen, jechen, mhd. jauchen, jouchen, Jochen, jöchen (Prät. auch jachtejegte) «jagen, treiben». Jacht, f. (PI. -en): Schnellschiff. 1703 im Zeit.-Lex. Jacht, 1602 bei Hulsius Schiff. 2, 7 und bei Duez 1664 Jagt f., 1596 bei Fron- sperger Kriegsb, 1, 128^ der PI. Jagten, 8, 125^ Jachten, 1598 bei Hulsius 1, 20 Jagt- schiff. Aus gleichbed. näl. jaghte, jaght (1598 bei Kilian), woher auch engl, yacht (seit etwa 1660). Von jagen (s. d. und Jagd). Dafür im 15. u. 16. Jh. Ja^sc/w/f (Diefenb. -Wülck er 679 und 1541 bei Frisius 150 '^), mnd. jageschi}). jachtern, s. jachem. Jacke, f. (PI. -n) : anHegendes Ärmelkleid bis an die Hüften. Im 15. Jh. jacke (1417 bei Diefenb. nov. gl. 136* tacke) «wattierter Waffenrock», ebenso mnd. und 1477 clevisch jacke f. Mit g bei Diefenbach gl. 183'' ein gacken, 1517 bei Ti'ochus M5'^ ein gacke. Aus afranz. (14. Jh.) jacque, nfranz. jaqiie f., span. jaco, ital. giaco m. «Panzerhemd, kurzer Oben-ock der Kriegsleute», angeblich (nach Ducange) benannt nach dem Häuptling Jaque von Beauvais (um 1358), was aber sehr zweifelhaft ist. Jackött, (spr. zak-) m. (-S, PI. -s), aus franz. jaquette f., einer Ab- leitung von jaque. Neure Entlehnung. j ackern, s. jachem. Jagd, f. (PI. -en): Jagen zu Fang oder Tötung; Recht dazu; dauerndes lärmend eiliges Tun und Treiben. Älternhd. Jagt (noch 1716 bei Ludwig), bei Luther Jaget f., mhd. jaget, jagt, jeit (Gen. jeides) n., selten m., md. jaget f., woneben mhd. jagät f. «Verfolgung des Fein- des»; dazu mnd. jacht f., mndl. jaght. Von jagen (s. d.). ABL. jagdbar, adj., bei Grimmeishausen Simpl. 3, 167, 29 Kz. jagt- bar, dafür mhd. jagehcere. ZUS. Jagdhund, m., mhd. jagethnnt, häufiger jagehunt, ahd. jagahunt. Jagdspieß, m. spätmhd. jaget- spieß, älter jagespie^. jagen, v.: geschwind sich vorwärts be- wegen, bes. zu Fang oder Tötung verfolgen; schnell antreiben. Mhd. jagen, ahd. jagön; dazu mnd. jagen, mndl. jaghen, afries. jagia «jagen», anord. jaga «treiben». Bisweilen in die starke Flexion übergetreten: Präs. er jagt (1663 bei Schottel 588, Göckingk Ged. 3, 165, Withof acad. Ged. 1, 230), Prät. jug (Schottel, Göckingk 2, 34, Platen Liga v. Cambrai 3. Akt), nd. jög, mndl. und nndl. joeg, Konj. jügen (Ringwaldt 1. Warb. 334), Part, gejagen (1519 bei Murner Geuchmatt 4963). Verwandtschaft mit gr. bidjKeiv «verfolgen» ist kaum möglich. Dagegen läßt sich vergleichen aind._ya/t'?s «rast- los», gr. ixaväv bei Hesych «^TnOuiueTv», oder mit Schwebeablaut gr. o'i'xecBai «weggehen». Davon Jäger, m., mhd. jegere, jeger, Jäger, ahd. jagari, jagere, jagir m. ; dazu mnd. jeger, mndl. jagher; Jägerin, f., mhd. jegerinne; Jägerei, f., mhd. jegerie, mndl. jagherije f. ZUS. Jägerhursche, m., 1691 bei Stieler. Jägerhaus, n., ebd. Jägerlatein, n., s. Latein. Jägermeister, m., mhd. jeger meisten: Jägersmann, m., 1580 bei Sebiz Feldb. 564. jäh, adj.: ungestüm schnell; in hohem Grade abschüssig. Bei Luther jech, bei Duez 1664 und Krämer jäh und gäh, bei Henisch 1616 gäh, bei Dasypodius 1537 und Maaler 1561 gäch, mhd. gmhe, md. gehe, ahd. gähi (im Adv, mhd. gäch, ahd. gäho); dazu asächs. adv. gähun, gähliko «schnell», mnd. gä, göge, göje, mndl. gai/. Ob daraus franz. gai, ital. gajo, aspan. gatjo «munter, lebhaft» entlehnt sind, ist sehr fraglich. ABL. Jähe, f., mhd. gcehe, md. gehe, ahd. gähi f. «Schnelle, Eile, Ungestüm», dann im Md. «abschüssiger Abhang», jähling, adv., mhd. gcehelingen, bei Keisersberg geheling, 1537 bei Dasypodius gächling, 1538 bei Serranus gehling, noch' bei Goethe 29, 117 gähling, mndl. gälinghe, dafür ahd. gähingun, noch bayr. gähing. Seit dem 16. Jh. auch als Adj. (bei Dasjqjodius und Serranus), bei Schweinichen 1, 348 jähling; dazu das Adv. jählings, 1616 bei Henisch gählings. ZUS. Jähzorn, m., im 15. Jh. gechczorn, gochczorn, 1616 bei Henisch Gäch- zorn, 1664 bei Duez Jäh- und Gähzorn, bei Luther 1, 77^ Eisl. und bei Canitz 110 Jach- zorn, jähzornig, adj., mhd. im 14. Jh. gcechzornig, bei H. Sachs Fastn, 31, 253 geh- 941 Jahn Jammer 942 zornig, bei Duez 1664 jähzornig, bei Hermes Soph. 1, 355 jachzornig. S. gähstotzig. Jahn, m. (-es, PI. -e): Eeihe gemähten Grases oder Getreides, der gerade Strich oder Gang, den der Feldarbeiter beim Mähen des Getreides oder Heues einhält. Ober- deutsch, hessisch und thüi-ingisch, im 15. Jh. Jan (Weist. 1, 825). Femer wird der Wein- berg in Jahne (Streifen) abgeteilt und jahii- weise gedüngt, im Forstwesen ist Jahn oder John «eine Reihe abgehaunes aufeinanderge- legtes Buschwerk», zu Ende des 15. Jh. thüring. jhon m. «Reihe, Schlag, Holz» (Michelsen Mainzer Hof 31). Mhd. jn«m. «Eeihe gleicher Reime», im 15. Jh. vom Gesang der Vögel (Hätzlerin S. 24^, 47), und schon in einer Urkunde des langobard. Herzogs Arichis von Benevent von 774 (bei Ughelli Italia sacra 8,. 35 A), mlat. janus m. «Bezirk», aschwed. an. Die urspr.'Bed. ist «Gang», wie noch Schweiz. es geht in einem .Jan, und es entspricht daher aind. Janas m. «Bahn», jänam n. «Gang», Ab- leitung von dem Verb.aind.jä «gehen, fahren», wozu auch lat. jäniia f. «Tür» u. a. Vgl. Schade Altdeutsches WB. Jahr, n. {-es, PI. -e): Umlaufszeit der Erde, sowie überhaupt eines Planeten um die Sonne (Sonnenjahr\ oder z. B. bei der Erde zwölfmalige Ümlaufszeit des Mondes um diese (Mondjahr). Mhd. und ahd. jV?r n.; dazu asächs. jär, ger, afries. jer, ger, jär. mndl. jaer, nndl. jaar, ags. gear (auch Fiüh- üng), engl. 7jear, anord. är, schwed. är, dän. aar, got. jer n. Urverwandt mit abg. jarn m. und jara f. «Frähling», gr. uupa f. «Jahres- zeit, Blütezeit», iLpoc m. «Jahr», awest. jär- n. «Jahr». Daneben got. apn n. und atapni n. «Jahr», verwandt mit gleichbed. hit.annus m. RA. jahraus jahrein, 1641 bei Schottel 349. .fahr und Tag, alte Rechtsformel, vgl. Glimm Rechtsaltertümer 222, schon mhd. imd mnd. «ein Jahr, sechs Wochen (und 3 Tage)». ABL. jähren, v. refl.: gerade ein Jahr her sein, 1678 bei Krämer, aber mhd. jcBreti. jären refl. «zu seinen Jahren kommen, mündig wer- den», jährig^, adi., mhd. jnrec. jceric, md. jeric, ahd. järig. jährlieh, adj., mhd. jcer- lich, ahd. järlih. Jährlinü^, m.: junges Tier, das ins zweite Jahr geht, im 15. Jh. jarling, jerling (Diefenbach gl. 36 a<^). ZUS. 1) mit Jahr-: Jahrbneh, n., 1642 bei Duez. Jahr- gang, m., mhd. järganc und järcs ganr. Jahrhnudert, n., 1663 bei Schottel 411^ aus Sigm. v. Birkens Schiiften. Vgl. Feld- mann ZfdW. 5, 230. Jahrmarkt, m., mhd. järmarket m., and. iarmarkat. Jahrtansend, n., 1751 bei Liares Lob- und Ehrenpredig, getadelt 1755 von Dornbltith 183, dann 1760 bei Klopstock Mess. 2, 4. Jahrzahl, f., mhd. järzal f. Jahrzehnt, n., 1782 bei Schüler 2, 340 .Tahrzehend. — 2) mit JrtÄres-: Jahres- tag, m.: der nach Verlauf eines Jahres wie- derkehi-ende Tag, bei Luther .Jarstog, mhd. järtac, and. gerasdag m. (aber järstac m. «Xeujahi-stag»). Jahreszeit, f. : (vierter) Teil des Jahi-es nach der Witterung, 1664 bei Duez Jahrszeit, dagegen mhd, järzit f. «Jahrestag». Jähzorn, s. jäh. Jakob, Mannsname, aus hebr. jaäqöb, dessen Bedeutung schwer festzustellen ist. Dazu die Koseform .Jäckel. im 16. Jh. zui* Bezeichnung der Bauern Fischart Garg. 73 .Jäkel), auch verächtlich für einen dummen Menschen gebraucht (1562 bei Mathesius Sar. 74^ Jekel). Davon Jakobiner, seit den 90 er Jahren des 18. Jh. Schlagwort für radikale Eiferer, nach der Bezeichnung der berächtigten französischen Revolutionspartei. Vgl. Ladendorf. Jalonsie (spr. zalüsi), f. (PI. -n): aus bewegHchen Brettchen zusammengesetzter Fensterladen. 1775 bei Adelung. Aus gleich- bed. franz. Jalousie f., eig. «Eifersucht, Miß- gunst». Vgl. 1710 bei Xehring: «in dem Divan zu Constantinopel über dem Haupt des Großveziers ist ein Fenster nüt einem eisernen Gitter, durch welches der Großsultan alles was im Divan passiret sehen kan, welches man la .Jalousie nennet». Jambus, Jambe, m. (PI. .Jamben): der Versfuß u ^, 1624 bei Opitz Poeterey 40 .Jambus, bei Goethe 30, 127 .Jambe m., aus gr.-lat. iambus, gr. taußoc m. jambisch, adj., 1582 bei Fischart Garg. 291, nach dem gr.- lat. Adj. iambicus, gi: laußiKöc. Jamm er, m.(-s): elend machendesSchmerz- sefühl. Bei Luther Jamer, im 15. Jh.javimer. mhd. jämer m. n., auch ohne j ämer, ahd. jämar m. n., bei Notker ämer; dazu mnd. jamer. jammer m. n., (entlehnt) afries. jämer. Ursprünglich Adjektiv ahd. jämar. ämer «leid- voll», asächs. jämar «elend», ags. geomoi' «traurig, elend». Nach Soknsen KZ. 32, 147 urverwandt mit gr. rjuepoc «sanft, müd, zahm». ABL. jämmerlich, adj., bei Luther ./emer- lich, luhd. jämer-, jamerlich, ahd. jämar-, nynarlich; dazu asächs. jamarlik, ags. geomor- lic. Jämmerlichkeit, f., 1691 bei Stieler. 943 Janhagel jauchzen 944 jammern, v., bei Luther janiern,^ mhd. j 'jämern (auch wich jämert), ahd. ämarön (auch impers. in ämeröt) ; dazu mnd. jameren, ags. geonirian. ZUS. Jammerbild, n., 1663 bei Schottel aus Luther. Jammermann, m., bei Schiller Räuber 4, 5. Jammer- schade, m., bei Wieland 11, 197, noch ge- trennt bei Lichtenberg 1, 119 Jammer Schade, gekürzt aus Jammer und Schade. Jammer- tal, n., rahd. jämertal n. jammervoll, adj., 1663 bei A. Gryphius 198. Janhagel, m. (-s): das gemeine Volk, der Pöbel. Bei Steinbach 1734 Janhagel, 1687 bei Hesse ostind. Reisebeschreib. 281 Jan Haagel, als Spottname der norddeutschen Bootsleute 1720 im Robinson 1, 422 Jan Hagel, bei Bürger 193'"^ (Bohtz) ins Hochdeutsche übertragen Johann Hagel. Janitschär, m. (-en, PI. -en): türkischer Soldat, ehemals Name der im J. 1826 auf- gehobnen bevorrechteten Kriegerklasse. 1522 bei Diefenbach-Wülcker .fenizeri, bei Luther Tischr. 427* Jenitzschker, 1568 bei Mathesius Hist. Christi 2, 26* Geneschar, 1575 bei Fi- schart Garg. 431 Janitschär und Großm. Pract. 71 (D 3^) Janitzer. Aus türk. jenitscheri «neue Truppe» (die um 1330 unter dem zweiten Osmanensultan Urchan geschaffen worden ist). janken, v.: winseln, vor Gier wimmern. Ein nd. lautmalendes Wort, 1663 bei Schottel. Mnd. und mndl. janken. Janker, Janker, m. {-s, PI. wie Sg.): Jacke. Bayr.-östr., 1670 bei Abele künstl. Unordn. 1, 210 .Janker in., 1563 bei Mathe- sius Hochzeitpr. 61, 33 Neudr. Jencker m., 1567 bei Junius Nomencl.531''^ Janckermacher. Dafür Schwab. .Tanke f. (1480 jenggen, Schweiz. .ranken ra., 1561 bei Maaler .Tancken f. Viel- leicht aus Jacke entstanden. Jänner, m. (-s, PI. wie Sg.), aus Januar, m. (-S, PI. -e): der erste Monat des Jahres. Im 15. Jh. jenner, jänner, genner, im 18. Jh. .Januar, aus lat. Jänuärius «der dem Gott .Jäims heilige Monat». Von Karl d. Gr. wintar- mänöth genannt; sonst heißt er auch vom Froste md. im 14. Jh. hartmände m., noch in Oberhessen Hartmonat Vgl. Hornung. jappen, v.: den Mund aufsperren; dann so lechzen, mühsam atmen. Bei Bürger 71^ (Bohtz), nd. und md. Form für obd. gappen (Waldis Esop. 1, 4, 10), mnd. japcn. ja2)lJen, 1477 clevisch gapen «gähnen», ndl. gapen «den Mund aufs]ierren» (s. gaffen). Jäscht, m.: Gärschaum, s. Gäscht. Jasmin, m. (-.s, PI. -e): der Zierstrauch Jasminum fruticans und officinale mit wohl- riechenden Blüten. 1580 bei Sebiz Feldb. 248 der Jaßmin oder Veielrehe, bei Hölty Jesmin, bei Wieland Idris 3, 103 Schasiinn (nach franz. Aussprache), im 17. Jh. bei Gryphius und Laui'emberg Gelsemin. Aus span. jasmin. franz. jasmin, ital. gesmino, gelsomino m., von pers. (und dann arah.) jäsämln, jäsämün. Be- reits gr. idcixY] f., iac|u^\aiov n., läcmvov iiiüpov «ein wohh'iechendes persisches ()1». Jaspis, m. (Gen. .Jaspisses, PI. .Jaspisse): verschiedenfarbiger undurchsichtiger zum Quarz gehöriger Halbedelstein. Mhd. jaspis. im 14. Jh. jasp m., aus gr.-lat. iaspis f., von hebr. jäschepheh (schon assyr. aspü). Jast, m. (-es, ohne PI.): hitzige Gemüts- aufregung; ungestüme Eile. Oberdeutsch, 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 436. Eig. Gärung, wie noch Schweiz. -elsäss., von ahd. jesan «gären» (s. d.). jäten, V. : durch Ausziehen des Unkrautes reinigen. Bei Luther geten, bei Comenius 1640 und Krämer 1678 jäten, mhd. jeten, geten, ahd. jetaii, getan; dazu and. gedan, mnd. geden, geiden, clevisch 1477 gheden. Abge- leitet wohl davon ahd. getto m. «Lolch, Un- kraut». Wohl zu awest.jaf- «sich rühren, tätig sein», aind, ja täte «strebt, bemüht sich». Die urspr. starke Flexion (Prät. mhd.^rt^, Part. ahd. gigeten, mhd. ge jeten, noch obersächs. gegäten) ist nhd. in die schwache übergegangen (1696 in Lokmans Fab. 15 Prät. getete^. Davon Jäteisen, n. : eisernes Werkzeug zum .Jäten. 1482 im Voc. theut. p4^ jeteysen, mhd.. /ei-, getisen, ahd, jet-, gettsarn, getisan, auch jat- isarn. jatisan n. Jauche, f. (PI. -n)-. durch Faulen er- zeugte, verdorbne Flüssigkeit. 1420 md.jüche «Brühe» (Schröers Vocab. Nr. 1383), bei Luther 6, 306 W. .Jüchen, 1598 bei Colerus Hausb. 2, 45 (F3='') .Jauche, 1562 bei Mathesius Sar. 176^ Mistgaiichen, im IS. Jh. bei Steinbach, Frisch und Adelung Gauche; dazu mnd. juche f. «Brühe, Sauce», clevisch lil7 jachen. jui/che(. «Brühe». Aus dem Slavischen entlehnt, poln. jucha f. «Brühe, Jauche», abg.-russ. jucha f. «Brühe, Suppe», urverwandt mit apreuß. juse «Fleischbrühe», lit. jiJse f. «Fischsuppe», lat. iüs n., aind. jus- «Brühe». jauchzen,' v.: Freudengeschrei erheben. Bei Luther jauchzen, bei Abr. a. S. Clara jaugetzen. jugetzen, mhd. jüchezen, abgeleitet 945 jaiileu Jelängerjelieber 946 von der mhd, Interjektion jüch (s. juch), wie rahd. (12. Jh.) jmven «einen Jubelgesang singen» und jüwezimge f. «das Jubeln» vom mhd. Jubelruf jü. Für weniger edel gilt juchzen, 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 68 jurlizen, 1540 bei Alberus dict. Qq3^ und bei H. Sachs 7Mc/if,?e«, 1571 bei lloilZ^ jncliitzen. ABL. Jauchzer, m. : der Jauchzende (Luther 5,68*^ J.), dann ein einzelnes Jauchzen (Günther 838), wie Juchzer m. (im 16. Jh. Diefenbach nov. gl. 223^ juchze-)-, 1562 bei Mathesius Sai-. 20* Juchtzer, 1571 bei Kot Juchitzer). jaulen, v.: heulen. Bei Voß Idyll 8, 125, aufgenommen aus nd. jaulen, dazu engl, yoiül «heulen, schreien». Wohl lautnachahmend. Jause,f. (PI. -w) : Zwischenmahlzeit, Vesper. Bayr.-öster. Aus %\o\\.jusina «Mittagessen», zu den unter Jauche behandelten Wörtern. Jawort, s. ja. ^Je! d'en Namen Jesus durch Kürzung versteckender Ausruf, in o Je, ach .Je. 1742 bei Rost Vorspiel 7 Ach Herr Je! S. Jemine. -je, Adv., das fragend, zweifelnd, bei Be- denklichkeit steht. Mitunter ja geschrieben, Nebenform von ja (s. d.). Bei Luther Matth. 19, 25, Schiller Kab. 1, 2. Besonders steht es seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. in dem formelhaften je nu, im 18. Jh. je nun. Viel- fach meint Je den Ausruf J! (s. d.). ^je, adv.: zu jeder Zeit; zu einer Zeit; dann bei zuteilender Zahl, z.B. je zwei; end- lich Konjunktion des gleichmäßigen Verhält- nisses, der Verhältnisgleichheit, in je — desto (s. d.), je — je (mhd. ie — ie). Durch Ein- wirkung des Niederdeutschen (schon mnd. jo «immer*) ist ./ statt des urspr. i einge- treten, bei Luther je, älternhd. ie, ye, je, 1691 bei Stieler ie und je, noch bei Wie- land Oberon 3, 57 im Reim ie. Mhd. ie «zu aller Zeit, immer» (auch bei Zahlen ie ztoen und ziven), «zu irgendwelcher Zeit, irgend einmal», md. auch i, ahd. io, eo «immer, irgend einmal»; dazu asächs. eo, woneben io, gio, ags. ä, anord. a?, ei «immer», schwed. ej, dän. ei, aus eigi Negationspartikel, got. aiw (in ni aitv «niemals»). Dieses aiw ist der Akk. Sg. von got. aiws m. «Zeit» (s. Ehe). Die Verwendung als Konjunktion ging aus der Stellung des ahd. eo, ieo, io beim Komparativ hervor, indem dieser mit und wiederholt wurde (Notker Ps. 95, 2 daß er ieo chundero unde chundero st). Die Ver- bindung je und je «immer» (2. Mos. 4, 10), «zuweilen» (Schiller Kab. 1, 2). Weigand, Deutsches Wörterbuch, ö. Aufl. jedennoch, Konj. des verhältnismäßig steigernden Gegensatzes. 1669 im Simpliciss. 170 jedannoch. Zgs. mit je (s. d. ^). jeder, zählendes Adjektivpronomen: der eine und der andre von zweien; der einzelne ohne Ausnahme. Bei huihev jeder (Dat. und Akk. einem, einen jedem) und schon spät- mhd. vereinzelt jeder, aber noch 1661 bei Lohenstein Cleopatra 6, sowie 1738 bei Pi- cander 5, 113 und bei Zachariä Renommist 1, 186 ieder (im Reime auf wieder). Mhd. ieiveder, im 14. Jh. gekürzt ieder, ahd. iowe- dar, eohwedar «jeder von beiden, jeder von allen» (flekt. iowederer, iotvederiu. iowedereg): dazu and. iahwethar, afries. ähu'edder, ags. ähivceäer, gekürzt chcder. Zgs. aus ahd. io. eo (s.ye"^) und dem ahd. Zahlpronomen hwedar, wedar «welcher von beiden» (s. weder). Da- neben durch gi- (ge-) verstärkt mhd. iege- iveder, ahd. eogiwedar, ags. ceghwceäer, engl. either «jeder von beiden». Vgl. jedweder. ZUS. jedermauu, (Gen. -s), zusammenge- schoben aus spätmhd. ieder man, md. ider »(an «jeder Mann (jeder Mensch)», jeder- mäuniglich, Pron.: jedermann, im 16. Jh. jedermenniglich, vgl. männiglich. jederzeit, adv., im 16. Jh. (Fischart in Scheibles Kloster 10, 1067), eig. Gen. Sg. jeder Zeit, gebildet wie derzeit, mhd. der zit «damals», jedes- mal, adv., eig. Akk. Sg. jedes Mal, 1691 bei Stieler nebst dem Adj. jedesmalig. jedoch, Konj. des vei'hältnismäßig her- vorhebenden Gegensatzes. Mhd. iedoch, bis- weilen idoch, ahd. io doh, ieo doh «immer doch», I Adv. des Gegensatzes. Zgs. mit je (s. d. '*). 1 jedAveder, zählendes Adjektivpronomen, I nachdrückliches «jeder». Mhd. im 12. Jh. ietiveder und ie deiveder, md. itweder «jeder von beiden, jeder von vielen», zgs. aus ahd. io {s.je^) und dem erst bei Notker vorkommen- [ den Zahlpronorrfen deweder «irgendeiner von j beiden » (s. entweder). i jeglich, jeglicher, zählendes Adjektiv- pronomen. Älternhd. iglich (bei huther j glich), I bei Lohenstein ieglirh, mhd. iegelich, ieglich, ieclich, md. iclich, ahd. eogalih, iogelih «jeder», [zgs. aus ahd. eo, io (s. je'^) und gilth «der einzelne ohne Ausnahme, jeder» (s. gleich). Jelängerjelieber, n. und m. (-5, PL wie Sg.): Name mehrerer Pflanzen, besonders der Feldzypresse Teucrium chamaepitys, viel- leicht wegen des würzigen Geruches, 1517 bei Trochus io lenger ye liber, 1533 bei Rößlin Jli lenger jh lieber; sodann Name des roten MO 947 jemals Joch 948 Nachtschattens, Bittersüß, Solanum dulcamara, 1500 bei Brunschwyg Destill, und 1546 bei Bock 309 Ye lenger ye lieher. jemals, adv.: zu irgendeinem Zeitpunkte. Bei Luther Hes.27, 32 neben Jema^ Ephes.5, 29. Mit sekundärem genetivischen s. Zgs. aus je, s. je ^ und mal. jemand, zählendes Pronominalsubstantiv: irgendein Mensch, Gen. jemmids, Dat. und Akk. jemand, daneben seit dem 18. Jh. im Dat. jemandem {jemanden), Akk. jemanden. Md. im 14. Jh. imand und dann mhd. in der zweiten Hälfte des 14. Jh. iemant. Mit sekun- därem d aus mhd, ieman, lernen, ahd. eoman, ioman, zgs. aus ahd. eo, io s. je ^ und man m. (s. Mann); dazu asächs. eoman, mnd. iemant, mndl. ieman, afries. ammon, immen. ammant Jemine! den Namen JesMS versteckender Ausruf. Bei Grimmeishausen Simpl, 2, 624 Kllr. ach Jemini, obersächs. bei Weiße Op. 2, 34 f. 0 Gemine. Gekürzt aus lat. Jesu domine «Herr Jesu». Ähnlich bei Klamer Schmidt kom. Dicht. 293 o Jerum! S. Je^. jener, auf Entfernteres hinweisendes De- monstrativpronomen. Mhd. jener, auch ener, md. gener, geiner, ahd. gener. jener und (bayr.- alem.) ener; dazu mndl. die ghone, ags. Dat. tö geonre, engl, yon, anord. e?m, inn, got. jains. Mit dem Artikel frühmd. der jene (s. derjenige). Die Herkunft ist unsicher. Man ist vorläufig gezwungen, verschiedene Stämme anzunehmen. Vgl. Hoffmann-Krayer KZ. 34, 144. Jedenfalls gehört aber jener, got. jains zu dem idg. Stamm jo-, der urspr. demonstrative Bedeutung hatte, während aind. jas, gl', öc, phryg. loc relativisch geworden sind wie unser der. Schwierig ist die j-lose Form ahd. ener, weil es nicht sicher ist, daß diese ein j verloren hat. Ist dies nicht der Fall, so gehört sie zu einem idg. Pronominal- stamm eno-, abg. onü «er». jenisch, adj.: der Gauner- und Spitzbuben- sprache angehörig. 1800 bei J. Paul kom. Anhang z. Titan 1, 108 jänisch (aus Schwaben). Adjektivbild, zu dem Stammwort von Joner, Gauner (s. d.). jenseit, adv. und präp. mit Gen.: auf jener Seite. Bei Luther jenseid (mit Gen. oder Dat., Jos. 5, 1 u. 17, 5), mhd. jensit und jene site. Mit sekundärem s jenseits, bei Luther jenseids 1. Sam. 17, 3. Davon jenseitig, adj., 1718 bei Kirsch. Jerum, wohl als lat. Gen. PI. von ^Je in der Studentensprache aufgekommen. Jeremiäde, f. (PI. -v)-. Klage. 1791 bei Rot, aus franz. jeremiäde f., nach den Klage- liedern des Jeremias. Jesuit, m. {-en, PI. -en): Mitglied des von Ignatius von Loyola 1534 gestifteten Ordens der Gesellschaft Jesu. Im 16. Jh. Jesuit und Jesuiter, aus mlat. Jesuita m. Davon jesuitisch, adj., im 16. Jh. Jett, n. (-[e]s): schwarzer Bei'nstein, auch dessen Nachbildung. Aus engl, jet «Gagat, schwarzer Bernstein», das über afranz. jaiet auf gr.-lat. gagätes (s. Gagat) zurückgeht. jetzt, adv.: zu dieser Zeit. Bei Duez 1664 jetzt, bei Luther itzt, und im 13. Jh. izit, Nebenform von mhd. iezuo, ieze, izuo, md. iezU, itzü (noch bei Alberus ietz zu), aus ie zu (Windberger Psalm., 12. Jh.), der Ver- bindung des mhd. ie (s.je'^) und des auf eine Zeitdauer wie einen Zeitpunkt gehenden zuo, zu (s. zu), woher auch die volltönendre alter- tümliche Form jetzo, mhd. iezö, 1385 ietzo, im 16. Jh. bei Ayrer Dramen 1153, 32 jetzo. im 17. Jh. itzo. Mit neuem Suffix jetzund, nur altertümlich und im gemeinen Leben, älternhd. ifzund, mhd. iezunt, iezent, iezen, md. itzunt, itzent, erweitert im 15. Jh. itz- under, etzunder (noch bei Geliert Fab. 2, 87 itzunder, bei Fischart Garg. 322 jetzunder). ABL. jetzig, adj., im 16. Jh. itzig, ietzig, jetzig (Dasypodius 1537), md. im 18. Jh. iezic. jeweilen, adv.: zu irgendemer Zeit, dann und wann. 1683 bei Schuppius 424 neben je zmveilen 525 : weilen ist Dat. PI. von Weile (s.d.). Davon jeweilig, adj., 1775 bei Adelung. JingO, m, (-5, PI. -s) : kriegslustiger Chau- vinist. Seit 1878, aus dem Englischen über- nommen. Vgl. Ladendorf, jo, interj,, sehr lebhafter Freudenruf, Im 15.* Jh, jo bei Wittenweiler Ring 39^ 26 f.. aber als Klageruf md. um 1300 jo. Y gl. johlen. Joachim, Mannsname. Gekürzt Jochim, Jochem. Aus hebr. Jöjäkim «den Gott auf- richten wird». Jobher, m. (-s, PI. wie Sg.): gewerbs- mäßiger Börsenspekulant. 1801 bei Campe. Aus engl, johher «Makler, Aktienkrämer, Zwischenhändler», eig. «Akkordarbeiter, Tage- löhner», stockjohher «Aktien-, Efiektenhändler, der auf eigne Rechnung spekuliert», von engl. joh «Akkordarbeit, Unternehmen, Geschäft», eig. wohl «Schlag», von joh «stoßen, stechen». Joch, n. (-»es, PI. -e, im Bergbau Jöcher): ein mit Pfählen verbundner wagerechter Trag- balken, insb. das Gerüst au hölzernen Brücken 949 Jochein Joseph 950 (mhd.), im Berg^verk die im Viereck 7,11- sammengesetzten absteifenden Schachthölzer (Schladminger Bergbrief von 1308), bildlicli Gebirgsrücken, der zwei bohre Bergspitzen verbindet (mhd.-abd.); viereckiges hölzernes Geschirr um den Hals des Zugochsen, dann bildlich eine aufgelegte Last, Bedmckung, Dienstzwang (mhd.-ahd.j; zwei zusammenge- jochte Ochsen, Gespann, sowie als Feldmaß soviel Ackerland als mit einem Ochsenge- spann an einem Tage gepflügt wh'd (mhd.- ahd.). Mhd. joch n., ahd. joh, juh n. (PI. joh und juhhir); dazu and. jtik, mnd. jock, juck n. m., mndl. jock, jogh, ags. geoc n., engl, yoke, anord.-schwed. ok n., dän. aag, got. jiik n. (Paar Zugtiere), woneben ahd. jocho m. «Bergjoch», anord. oki m. «hölzerner Querbalken». Ui-verwandt mit \a.t. jitgum n., gr. lu-föv n. und Zuyöc m., lit. jungas m., abg. igo n. «Joch», air. ugliaim «Pferdegeschirr», kymr. iau, körn, iou «Joch», air. cuing «Joch» (aus * com-jugos n.), aind. jugdm n. «Joch, Gespann», zu lat. jüngere «verbinden», gr. leuYvüvm «anschirren», ]ii. jungiu «ich spanne ins Joch», aw. jaog-, aind. juj- «anspannen». ZUS. Jochgeier, m.: auf Gebirgsjochen lebender Geier, 1583 bei Thumeyßer. Jochem, m.: Wein. Bei Hebel 2, 226, Grimmeishausen Simpl. 2, 341, 30 Kllr., rot- welsch im 15. und 16. Jh., aus hebr. jajin «Wein». Vgl. Finkeljochem. Jockei, m. (-S, PI. -s): Reitknecht. 1813 bei Campe, aus gleichbed. engl. Jockey, eig. «Hänschen» (wie noch schottisch), von Jack «Hans», der Abküi-zung des Namens Jakoh. Jod, n. (-s): chemischer Gnindstoff. 1811 von Courtois entdeckt und nach dem Aus- sehen (gi\ ioeibr|c «veilchenfarbig») benannt. jodeln, V.: jo schi'eien oder singen; durch akkordierende Töne auf- und abwärtssingen mit dem Schlußsprunge vom Gnindton in seine Oktave. Bei Goethe 24, 362. Aus baj-r.- tirol. jodlen, johlen (s. d.), kämt, joudeln. • Davon Jodler, m. Johanu, Mannsname. Wie Hans (s. d.) gekürzt aus Johannes, gi". 'Iiuctvvric, hebr. Jöchänän «dem Gott hold ist». ZUS. Jo- hannisbeere, f : ribes rubrum, 1618 bei Schönsleder S. Johans beer, 1542 bei Fuchs new Kreuterb. 663 S. Johanns heerlin, weil um St. Johannistag (24. Juni) reifend. Jo- hannisbrot, n.: die Frucht des Baums Ceratonia siliqua, 1567 bei Schmiedel Reis. 47, 26 Johannesprot, 1538 bei Schaidenreißer Odyss. 36-'' S. Johannshrot. Johanniskäfer, m.: Johanniswürmchen, 1594 bei Frisehlin Xomencl. Cap. 48 Johannskefer . Johannis- krant, n.: die Pflanze H\-pericum perforatum, 1500 bei Erunschwyg Destill. 100 St. Johannis- krnt. Johannistag, m.: der Gedächtnistag Johannes des Täufei-s (24. Juni), aber auch der Gedächtnistag Johannes des Evangelisten und Apostels (27. Dezember), dieser auch der Winter-, jener der Sommer Johannistag genannt. Johannistraube, f.: Johaimis- beere, 1546 bei Bock 2, 22 '^ Sant Johans- treühel, Jolianstreühlin. Johannistrieb, m. : der zweite Trieb der Pflanzen zu Johanni. Auch auf den Menschen übertragen. Vgl. Ladendorf. Schlagwort seit 1878. Johannis- würmchen, n.: der um St. Johannistag (24. Juni) erscheinende Leuchtkäfer Lampi,T-is, 1566 bei Mathesius Luther 141, 20 Neudr. Johans Wörmlein. Johanni: der Johannistag (s. 0.), nach lat. dies Johanni. johlen, V.: jo schreien, wild lärmend singen oder schallen, 1556 bei Frisius 231* jolen, mhd. jölen «laut singen» (verächtlich), mnd. jolen «jubeln». Vgl, jodeln. Entlehnt schwed. jodla, dän. jodle. Jolle, f. (PI. -n): kleines vorn und hinten spitzes Ruderschiff. 1741 bei Frisch Jol, Jelle. Aus dem Ndd. Mnd. jolle f, «kleines Boot», ndl. jol, engl, '/ani, joUy-hoaf, franz. yole «Boot». L'nbekannter Herkunft. Jongleur (spr. zqglor), m. {-s, PI, -e): Taschenspieler, Gaukler, Aus franz, jongleiir m,urspr, «fahrender Sänger» aus lat, iocnlätor m. «Spaßmacher» von jocus m. «Scherz». 1818 bei Campe. Joppe, f. (PI. -n): Überkleid des Ober- körpers mit Ärmeln, aber ohne Schöße, für Männer, während Joppel, m. {-s, PI, wie Sg,) die Benennung eines solchen Kleidungsstückes für Frauen ist, Mhd, jope. Joppe, jnppe f., auch als Stück der Rüstung, daneben gippe f., ebenso mnd. jope f., entlehnt aus dem Ro- manischen, rnl&t. jnpa,juppa, prov.ywpa, franz. jitjye, ital. giubha, giuppa f. «Wams, Jacke», Span, aljuba f. «maurisches Oberkleid» von arab. al-dzu.hha «baumwollnes Unterkleid». Joppel mhd. jopel. joppjel (Diut. 3, 150), juppel n. (Sumerl. 33, 76), aus mXaX. jupellum n., Dim. von jiipa. Vgl. Schaute. Joseph, Mannsname, aus hebr.-lat. Jo- sephus, hehr. Joseph «er fügt hinzu» (l. Mos. 30, 24 so aus jäsaph «liinzufügen» erklärt). 60* 951 Jot jucken 952 Jot, n.: der Buchstabe J (j). 1663 bei | Schotte! 185 Jod. Aus lat, jöta, gr, lOüra n., | der Benennung des i, hebr. jod. Aus dem | Griechischen entlehnt got. jöta m. (Matth. j 5, 18), als Bild für eine äußerste Kleinigkeit, | wie 1631 bei Opitz Grotius 379 das minste \ Jodt. I Journal fspr. zumal), n. {-s, PI. -e): j Tagebuch: Tageblatt. In der 1. Bed. 1669 i bei Grimm eishausen Simpl. 519 und 1672 im ' Vogelnest 1, 12 Journal, 1566 bei Mathesius Luther 163"^ (322, 1 Xeudr.) Zornal und teg- lieh Mndhich; in der Bed. «Zeitung» bei Lessing 12, 16 (von 1750), Goethe Briefe 2. 259 (als m.), Göckingk 2, 225. Aus franz. Journal m. (im 16. und 17. Jh. livre Journal), ital. gtornale m. «Tagebuch, Zeitung», miat.jornale n., zuerst diurnale (Diefenb. nov. gl. 139'') j «Tagebuch», woher schon 1420 oben-hein. dyornal und etwas später dinrnal (Diefenb. 188 '^), abgeleitet von lat. dhirnus «täglich» (diurnum n. «Tagebuch», PI. diurna, nämlich acta «eine Art Staatszeitung»), woher mlat. jornus m., franz. jour, ital. giorno m. «Tag». , Journalist, m. (-en, PI. -en): Zeitungs- schreiber. Bei Gtinther 518, in der Bed. Tagebuchführer 1727 bei Aler. jovial, adj. : immer frohsinnig. Bei Schiller 1 10, 477. Aus gleichbed. fi-anz. jovial, von ; lat. Joviälis «dem Jovis (Juppiter) gehörig», dessen Stern nach den Steradeutern dem Menschen Frohsinn mitteilt. Davon das gleich- , bed. Adj, jovlälisch, bei Wieland Amadis j 11, 10 und Suppl. 1, 170. JoTialitat, f.: heitre Laune, bei Schiller. ju! Interj. der lauten, ausgelaßnen, stür- mischen Freude. Mhd. jü, stimmend mit dem lat. Ausruf der Freude wie des Schmerzes ' io, gr. iil), io6. Jubel, m. (-s): Freudenschall. 1535 im Aimon X 2 Juhel, mhd. jubil m. (Khull Btr. 18) neben jühilus m., aus 'kirchlich-nüat. juhÜHS m. «das langgezogne musikalische Frohlocken am Ende eines Kirchengesangs», von bäurisch- lat. juhilunt n. «das Jauchzen, Jodeln der Hirten», das von dem Rufe des Jauchzens ju (s. d.) ausging. Im 15. Jh. im Deutschen auch jiihilo n. (noch bei Goethe und Schiller), wohl aus lat. jubilo «ich juble». ABL. jubeln, V.: FreudenschaU, Freudenrufe er- heben, in den Fastnachtspieleu des 15. Jh. 1296; in gleicher Bed. jubilieren, v., mhd. jubilieren, jühelieren, md. jiihileren, aus vulgär- lat. jubilare. ZUS. Jubelfest, n., 1716 bei Ludwig. Jubeljahr, n.: Freudenjahr all- gemeinen Erlasses, mhd. jüheljär n., nach lat. a7mus jühilcBus, welches letzte Wort nach hebr. jöMl «Hora zum Blasen im Halljahr (s. d.)» gebildet wurde wie Isidor (Jubilmis, remissionis mnnus) im 7. Jh. ausdiücklich hervorhebt. Nach alttestamentlichem Vor- bilde setzte 1300 Papst Bonifacius VIII. ein kiixhliches Gnadenjahr fest, dessen Feier alle 100 Jahre wiederkehren solle (mhd. juhileus hie§ dag tminnejär), doch spätre Päpste be- stimmten diese Wiederkehr des Jubeljahres auf 50, dann auf 30, endlich auf 25 Jahre. Jubilar, m. (-s, PI. -e): sein Jubelfest Feiernde!', Jubelgreis. Im 18. Jh. aus mlat. juhilarius m. «wer 50 Jahre in dem näm- lichen Stand ist», ausgehend von mlat. jühi- Iceus (s. Jubeljahr). Jubiläum, n.: Jubel- fest, 1710 bei Behring. juch! Interj. der lauten Freude. 1573 bei Ölinger Gramm. 165 juch, 1578 bei Clajus Gramm. 198 jauch, mhd. juch. Jüchen, v.: juch schreien, lautes Freudengeschrei erheben, bei Voß aus nd. und md. Jüchen (mit kurzem oder langem u), mnd. Jüchen. Vgl. jauchzen. juchhe! juchhei! juchheisa! Interj., in den Fastnachtspielen des 15. Jh. 335, 31 juch heia o, 1580 bei Krüger Anfang und Ende der Welt v. 707 juchei, bei Lessing 1, 268 juchhe, bei Goethe Faust 955 juchheisa (s. heisa). Davon juchheien, v., bei Hölty 175 H. Juchart, Juchert, m. und n. (-5, PI. -c)-. ein Morgen Ackerlands. Oberdeutsch. Mhd. jiuchart. jeuchart, jvchart, juchert, ahd. juchart n., neben vahd.. ji)ich. jeuch n. f., eig. «soviel Land ein Joch Rinder an einem Tage umzu- ackern vermag» (noch im Badischen JeuchL), ahd. giuh. Urverwandt mit lat. jügerum n. «Morgen Landes», zugehörig zu Joch (s. d.\ lat. jugum n. Den zweiten Bestandteil stellt man zu '^Art (s. d.). Juchten, m. und n. i-s, PI. wie Sg.), auch Jucht, m. n. (in Preußen): rotes russi- sches Leder. 1691 bei Stieler .lochten, Juchten. Niederdeutsche Form mit ch, 1785 bei Voß Ged. 1, 163 Jucht m., ndl. jucht, jagt, aber nd, auch Juften, aus gleichbed. russ. juft.H ra., eig, «Paar», weil die Häute paarweise ge- gerbt werden. juchzen. Juchzer, s. jauchzen. jucken, v.: zum Kratzen reizenden Nerven- reiz haben; hin- und herreiben. In der 1. Bed, auch impers, mich juckt es (mhd. mich jucket), auch mir juckt. Mhä. jucken, im 15, .Ih. jucken 953 Jucks jnng 954 (Diefenbach nov. gl. 307** von 1486, auch bei Luther, Wieland, Schiller), ahd.jucdian: dazu and. jukid «es juckt», nind. jucken, joken, mndl. joocken, jeucken, ags. giccan, engl, itch «jucken». Alem. auch in der Bed. «springen», schon 1513 bei Liliencron 3, 111^ jucken. Da diese Bedeutung alt sein wird, so läßt sich vielleicht got. jiuka m. «Streit, Zank», jiukan «kämpfen» heranziehen. ABL. Jucker, m.: kleineres, meist ungarisches Wagenpferd. Schweiz.-elsäss., eig. «der Springer». ^ Jucks, m. {-es, PI. -e): lustiger Scherz. In den ebd., md. und nd. Mundarten; dazu mndl. und clev. lA^ll jock, engl. joÄe «Scherz». Aus gleichbed. lat. joais m. (woher ital. gioco, franz. jeu m. «Spiel»), wahrscheinlich durch die fahrenden Schüler verbreitet, wie mndl. und clevisch IUI jocken «scherzen» aus gleich- bed. lat. jocäri Davon Juckserei, f. : lustiges Scherzen, bei Lessing 11, .")92; jucksig, adj.: zu neckendem lustigen Scherzen aufgelegt, bei Voß juxig. "Jucks, m. (-es, PL -e): Schmutz, Nichts- wertes. Nd. und ostmd. Bei Goethe 3, 54 Jux. Mit ableitendem s von spätmhd. iuck «Juckendes» (Diefenbach nov. gl. 307^ von 1466J, 1482 im Voc. theut. r.3^ kretzighaut oder der iucli oder die kretze. Von jucken (s. d.). Bei Kindleben 1781 G-ucks, gucksig «Schmutz, schmutzig», gucksen «geizig sein, Profit machen», Gucksmacher «Wucherer», daher nd. .Tuks «Schwänzelpfennige, uni-echt- mäßiger Gewinn» (1767 im Brem. Wb.j. Jude, m. (-«, PI. -n), Volksname. Mhd. Jude, jüde, ahd. judo, judeo m. (auf dem e-^i beruht der Umlaut ü im Mhd., auch älternhd. bei Luther Jude, bei Alheims 1540 und noch mundartlich Jüd); dazu asächs. judeo, judeo, afries. jotha, ags. PI. judeas, aus gr.-lat. Jüdceus, wie got. ludaius, Judaias aus gr. Mouba'ioc. ABL. Jüdiu, f., mhd. jädinne, Jüdin, jüdisch, adj., mhd. jüdisch, ahd. judeisc, judiisg, judisg, got. iudaiivisks, Adv. iiidaiwiskö, nach dem gi\-lat. Adj. Jü- daicus, gr. 'loubaiKöc. ZUS. Judeuemau- zipation, f., Schlagwoi-t seit den 20 er Jahren des 19. Jh. Vgl. Ladendorf. Judeugasse, i'.f 1366 judenga^^en (Mon. Boica 42, 439), md. 1387 judengaße (Baui- hess. Urk. 1, 787). Judenharz, n., Judenleim, m., Juden- pech, n.: Asphalt, im lö. -Vn. jadenlym, -leym (Diefenbach -Wülcker 681), mlat. bitunien Ju- daicum. Judenkirsche, f.: die Priauze Physulis alkekoiiL.'!, im Liber synoii. von 1140 ^ Juden kersen (Diefenbach -Wülcker). Judeu- ; Schaft, f., mhil. Juden-, Judeschaft, im 12. Jh. I judiscluift f. Judenschule, f., mhd. juden- schuole f. Judeuspieß, m., 1494 bei Brant Xarrenscb. 76, 11 Juden spyeß, im Volkswitz bildlich von einer unlautren WaÖe in der RA. ynit dem Judenspieß rennen [laufen), j d. h. «gleichsam mit einem Tumierspieß alles niederwerfend wie ein nach Wucher laufender Jude, großen Wucher treiben». Den Juden war das Waflentragen verboten. Judentum, n., bei Luther Gal. 1, 13 Jüdentham, 1540 I bei Alberus dict. N3^ Judentumm. Jugeud, f.: das Jungsein und die Zeit desselben. Mhd. jiigent f., sehr früh auch jungent, junget, ahd. jugund f., zuweüen jicn- gund, jungend, dazu asächs. jugud, nmd. joget, mnd\.jevghd, ags. geogup, geogop f., engl, youth, ■ got.junda f. «Jugend», urverwandt mit gleich- bed. lat. juventa f., air. öitiu f. «Jugend», aind. 'juvatis f. «jung». Das g ist wohl aus w ent- standen. Abstraktbüdung zu jung (s. d.). ] ABI/, jugendlich, a.äj. , mhd. jugentlich, ahd. ■ jugundlih. ZC'.S'. Jugendstil, m. Schlagwort '■ für eine neue Stilrichtung, seit 1897. Vgl. Ladendorf. Jugendzeit, f., beiH.Sachs4,321. Jul, m. (-.s;: Weihnachtsfest. Li Xord- ostdeutschland. ^Lid. iul m., nach anord. jöl n. pl. «Fest der Wintersonnenwende», schwed.- dän. jul. Dazu ags. geohhol, geol n. «Christ- fest», engl, yule und got. jiuleis m. «Jul- monat», anord. yler, ags. geola m. «Dezember». Grundform *jehwla. Herkunft unsicher. Vgl. üblen beck Btr. 30, 295. Julep, m. {-s, PI. -6): Kühltrank. 1575 bei Fischart Garg. 19 .Julep. Aus franz. julep, s\^au.julepe, ital. giulebho m., von arah. dzolab, , das aus per?, (/w/ät «Kosen wasser» (gid «Rose», ä& «Wasser») entlehnt ist. Noch ostpreußisch. Juli, m. f-.s): der siebente Monat im Jahr. Aus lat. .fuli, dem Gen. Sg. von Julius, wie der Monat (^uintilis von den Römern zu Ehren des die Zeitrechnung berichtigenden, unter die Götter versetzten Feldherrn Cajus Julius Cäsar benannt wurde. Xh.d.heu:iman6th «Heumonat». jung, adj. (Komp. jünger, Sup. jüngst), Gegensatz von alt. Mhd. junc (Komp. junge); jünger, Sup. jungist, jungest, jungst), ahd. jung (Komp. jungiro, bei Kei-o jugiro, Sup. jungist): dazu asächs. jM?i^, ndl. jong, afries. jong. jun/j, ags. geong, engl, young, anord. ungr. schwed.-dän. ung, got. juggs (Komp. jühiza). , Urverwandt mit lat. juvencus «jung, junger Stier, Jüngling», air. öac, öc «jung», aind. 955 jung Jurist 956 juvarjäs «jugendlich», Weiterbildungen von \at. juvenis «jung, Jüngling», aw.jMuaw-, aind. jüvan- «jung», lit. jännas, abg. junü «jung». ABL. Junge, m. {-n, PI. -w und nd. -ns): junger Mensch, Knabe, mhdi. junge, aliä. jungo na. Junge, n. (-n, PI. -n): junges Tier im Vergleiche zu seinem alten, mhd. junge, ahd. jungi n. jungen, V.: Junge gebären, 1482 im Voc. theut. p 7% anders mhd. jungen «jung werden», jungen, v.: jung machen, mhd. jungen, ahd. jungan, nhd. in verjüngen, auch refl. mhd. sich jungen, jungen. Jünger, m. (-S, PI. wie Sg.): Lehrling, Schüler, mhd. junger m. (in starke Biegung übergehend), aber schwachflekt. ahd. jungiro, jungoro m.; dazu asächs. jungaro, jungro, afries. jon- gera, ags. geongra m., zunächst von Christi Schülern, gebildet als Gegensatz zu Herr (ahd. herro, eig. heriro «der ältre». Jüng- ling, m. (s, PI. -e): junger Mensch zwischen der Knaben- und Manneszeit, mhd. jungelinc, ahd. jangeling m.; dazu and. jungling, mndl. jonghelinck, ags. geongling, engl, youngling (veraltet), anord. ynglingr, schw ed.-dän.yngling m., dafür got. jtiggalaups m. jüngst, adv.: zuletzt, in letztej.' Zeit, bei Luther Briefe 1, 571 jungist, 1663 bei Schuppius 466 jüngst, mhd. jungist, jungest, neben ze jungist, ahd. za jungist, ze jungest, der Superl. hier in gleicher Bed. wie der jüngste Tag «der aller- letzte Tag», ahd. der jungiste tac. ZUS. Jungbrunnen, m.: verjüngender Brunnen, mhd. junchrunne. Jung(e)mag(l, f.: Stuben- mädchen, in Obersachsen, 1715 bei Amaran- thes, 1696 bei Chr. Reuter Schlampampe 46, zusammengerückt aus junge Magd mit Ver- legung des Haupttons auf die erste Silbe. Jungfrau, f. : junges lediges Frauenzimmer, insbes. lediges Frauenzimmer von unbefleckter Keuschheit (OflPenb. Joh. 14, 4 auch von einer solchen Mannesperson), mhd. juncvrouive, -vrou, ahd. juncfro7iwa f. «junge Herrin, Edelfräu- lein>/, im Mhd. auch «unverheiratete vornehme Dienerin, lediges Frauenzimmer von unbe- fleckter Keuschheit» (im 14. Jh., dafür älter maget, s. Magd), bildlich auch von Männern. Daraus gekürzt (ähnlich wie mhd. ver, vir «Frau», vor Namen und in der Anrede) Jungfer, f. (PI. -n)-. lediges Frauenzimmer, insbes. von unbefleckter Keuschheit, dann Dienstmädchen bohren Ranges, im 17. und 18. Jh. Ehrenbezeichnung eines noch unver- heirateten bürgerlichen Mädchens vor dem Namen oder der Standesbenennung, entspre- chend dem jetzigen Fräulein (1774 bei Goethe 19, 43 die Jungfer Pfarrerin, 1664 bei Duez Jungfraw «ein Ehi'entitul, mademoiselle»). 1691 bei Stieler Jungfer, Jumpfer. Jumfer (doch schon im 15. Jh. jumpffrauire Diefen- bach gl. 622=1), i^gj Luther 8, 241 ^ Jungfer, köln. im 15. Jh. jonffer, ndrhein, im 14. Jh. jicn/fer. Davon jüngferlich, adj., bei Wie- land, ^MMgr/erZ/c/i 1663 bei Schuppius 472, köln. im 15. Jh. jun/ferlich (Frommann 2, 440*^), mhd. juncvromvelich; Jungfernschaft, f., 1654 bei Logau 1, 8, 80, köln. im 15. Jh. junffer-, j on ff er schaff ^. (Frommann a. a. 0.), ndrhein. im 14. .Ih. jun ff er schafft, als edlerer Ausdruck JungfrauSChaft, f., bei Luther Jungfrawschaff't, 1494 bei Brant Narrensch. 92, 70 jungfrowschafft. Jungfernrede, f., Übersetzung des engl, maidenspeech, studen- tisch 1836 geläufig. Juuggesell, m. (-en, PI. -en): lediger heiratsfähiger Mann, urspr. junger, 1496 bei Lihencron 2, Ml^ Junggeselle, bei H. Sachs 5, 28 der PI. jung Gselln. Juni, m. (-s) : der sechste Monat im Jahre. Aus lat. Junii (so noch im 16. imd 17. Jh.), dem Gen. Sg. von Junius, wie die Römer den Monat nach der Göttin Juno ])enannten. Deutsch Brachmonat (s. d.). ZUS. Juni- käfer, m.: der im Juni fliegende, dem Mai- käfer ähnliche, aber kleinere Käfer Scarabaeus solstitialis, 1722 bei Frisch Lisecten 4, 29 Junius-Kefer oder Brach-Kefer. Junker, m. (-s, PI. wie Sg.)-. junger AdeHger, dann als Ehrentitel; ostelbischer adliger Grundbesitzer (im 19. Jh.). Im 16. Jli. Junker (bei H. Sachs usw.), 1482 im Voc. theut. p 7^ junckher, köln. im 15. Jh. Junker, jonker (Frommann 2, 440^), gekürzt aus mhd. juncherre, -herre m. «junger Mann von hoher Geburt, Edelknabe»; dazu ndl. jonker, jonkheer. Die Flexion war bis ins 17. Jh. schwach (Gen. -n, PI. -en), noch bei Wieland 21, 12 der PI. Junkern. ABL. junkerhaft, adj., 1691 bei Stieler. Junkertum, n., Schlag- wort seit den 20 er Jahren des 19. Jh., ge- richtet gegen das herausfordernde Auftreten der Junker. Vgl. Ladendorf. Jurist, m. (-en, PI. -en) : Rechtsgelehrter, -kundiger, -beflissner. Mhd. juriste m., im 15. Jh. Jurist, aus mlat. jurista m., von lat. jüsn. (Gen.jüris) «Recht». Davon juristisch, adj., bei Luther 6, 39 J., verschieden von juridisch, das nach lat. jüridicus «gerichtlich» gebildet ist. Juristerei, f., bei H. Sachs Fab. 240, 128. 957 Jurte £abel 958 Jurte, f. (PI. -n): Hütte nomadischer Völker. Aus dem Türkischen durch russische Vermittlung in neurer Zeit. just, adv.: richtig; genau, gerade. Bei Eot 1571 und Fischart Hütl. 345; dazu nd. im 17. Jh. just, ndl. 1598 juyst. Aus dem lat. Adv. ^MS^e «gerecht, gehörig», franz. jusfe, vom lat. Adj. jiistus «gerecht, recht», zu lat. jus n. «Recht». Bei Goethe 12, 99 auch als Adj. [es ist nicht just) «richtig, geheuer», wie bei Grimmeishausen Simpl. 523 und Hars- dörffer Gespr. 2, 92. justement, adv.: mit Recht, eben recht. Bei Bode Jones 6, 434. Aus gleichbed. franz. justement, aber ohne die franz. Aussprache vom Volk im letzten Viertel des 17. Jh. aufgenommen. justieren, v.: (Münzen usw.) ausgleichen, berichtigen; eichen. 1.574 bei Höniger Nai'ren- schiif 279^ einjustiren, dazu 1598 ndA.iusteren, aus mlat. justäre, von lat. jiistus «recht», Justiz, f.: Rechtspflege. 1586 bei Fischart Bodinus 3 Justici f., 1571 bei Rot Justitz f., aus lat. jnsfitia f. «Gerechtigkeit». ZUS. Justizmord, m., von L. v. Schlözer 1782 als Schlacrwort für die Hinrichtuncf Unschul- diger geprägt. Vgl. Ladendorf. Justizrat, m., 1716 bei Ludwig Justitz-Baht. Justus, Mannsname. Gekürzt Just, .Tost. Aus lat. justus «gerecht». Jute, f. (PI. -n): feiner glänzender ost- indischer Hanf oder Flachs zu Geweben. Im 19. Jh. aus engl, jute, das aus dem Benga- lischen stammt. Juw61, n. (-5, PI, -en) : Kostbarkeit ersten Ranges, Edelstein, 1495 in der Kölner Gemma E3'^ iuweel, zu Anfang des 16, Jh. md. juhel (Diefenb. gl, 126''); dazu ndl. 1598 iinveel, joii- iveel. Aus gleichbed, ah-^nz. joiel, joel, nfranz, joyau, sipan.joyel, ital. giojellom., mlat. jocale n,, die vermutlich auf lat. jocus m, «Scherz, Kurzweil», zurückgehen. Davon Juwelier, m, (-S, PI. -e): Juwelenhändler, Goldarbeiter der sich mit der Fassung von Edelsteinen beschäftigt, 1495 in der Kölner Gemma E3^ iuwelier, 1505 in der Straßburger Gemma e S** iuhelier, md, zu Anfang des 16, Jh. iubelierer (Diefenb, gl. 126«), noch im 18. Jh, Juhilirer; dazu ndl. 1598 iuweelliei', aus franz, joaillier, jouaülier, im 16, Jh, joylier, mlat, jocalarius. Jux, s. Jucks. K Wörter, die man hier nicht findet, suche man unter C, Kabäche, Kabäcke, f, (PI, -n): bau- fällige Hütte, schlechte Schenke. Norddeutsch, im 17. Jh, bei Olearius pers. Reisebeschr, 3, 6 Kaback f. Vgl. bei Xehring 1710 «Kahacks werden in Moskau die Schenken und Wirtshäuser genannt». Also wohl aus russ, habakü m. Anders H, Schröder Streck- formen 23. Kabale, f, (PI, -n): fein angelegte ge- heime Gegenwirkung, arglistige Ränke, 1716 bei Ludwig, aus gleichbed. franz, cabale f, von hebr. qahbälä, rabbinische «Geheimlehre», in letzter Bed, 1581 bei Fischart Bienenk. 32** der Juden Kahalen vnd Thalmud. kabbeln, verb, (auch refl.): hadern, sich streiten. Wie gleichbed, md,-nd, kibheln, nd, kebbeln, mnd, kevelen «schwatzen». Wahr- scheinlich zu asächs, kafl, ags, ceafl m, «Kiefer der Tiere» und weiter zu air. gop «Mund», Verwandt mit Kiefer (s. d,). Norddeutsch I (Yoß 2, 182), schon mnd, kdbbelen. ^ Kabel, n. (-s, PI, wie Sg,), früher f.. (PI, -n): dicker Strick, Schiffsseil; (seit 1849) unterseeische Telegraphenleitung, Mhd, /tabeZ, 1477 clevisch, ebenso ndl, kabel f,, mnd.- schwed,-dän, kdbel m. «Ankertau», aus gleich- bed. franz. cähle, afranz. chdble, span.-port. cdble m., und diese aus mlat. capfilus m, und capülum, capluni n, (mgr. KauXiov n,). «Fang- seil», von lat, capere «fassen», -Kabel, f. (PI. -n): Los, Losteil, Anteil, Reihenfolge, In Norddeutschland, 1598 bei Colerus Hausb, 6, 27 Kdbel m., mnd, kavele f. «Los», eig, «zugerichtetes Holz zum Losen», gewöhnlich mit einem runenartigen Zeichen, besonders dem Namen des Mitlosenden ver- sehen, anord, kafii m, «längliches Stück Holz, Teil, Stück», schwed, kafle m, «Rolle, Walze», dän. kavl, kavle «Holz im Fischgarn», ndl. kavel m. «Los, Teil», Dazu wohl lit, zabas «Reis», zuobrts m, «Pfluggestell», Vgl, auch Kufe. ABL. kabeln, verb,: losen, durchs Los abteilen, bei Frisch kabeln (vom J, 1652), mnd,-ndl. kavelen. 959 Kabeljau Käfer 960 Kabeljau, auch Kabliau, m. (-es, PI. -e): der frische Seefisch gadus morrhua (vgl. Laberdan, Stockfisch, Klippfisch. 1563 in Forers Fischbuch 13^ Kahhelouiv, im 15. Jh. uirhein. caheliau (Diefeubach 358*^), aus mnd. kahelow (1377), kaplaiv (1350), cahbeh/au (Dief. 317^ vom J. 1420), 1477 clevisch cabliauive, ndl. bei Kilian kabeliau, kableau, jetzt kahel- jaauw, mlat. in den Niederlanden seit Anfang des 12. Jh. cabeUauivus, schwed. kabeljo, dän. kabliau. Daneben steht nd. bakkeljau aus s-pan.bacallao, ]}Ovt. bacalhuo in. «Stockfisch», zu lat. baculus m, «Stock», Doch tritt dies viel später auf und wh'd eher aus kabeljau umgestellt sein. Herkunft unklar. Vgl. Uhlen- beck Btr. 19, 328. Kabine, f. (PI. -n) -. Schifiskammer. 1618 bei Hulsius Schifi". 15, 21 Cabbin, aus gleich- bed. franz. cabine f., dies aus engl, cabin «Hütte, Kajüte», altengl. caban, cabane, das dem franz. cabane entstammt, letzteres von mlat. capanna f. «Hütte» (600 bei Isidor). — Kabinett, n. (-es, PI. -e): kleines Gemach, Nebenzimmer; Geheim-, Ratszimmer eines Fürsten; Staatsministerium; Zimmer für eine Sammlung von Seltenheiten. 1644 im Sprach- verderber aus gleichbed. franz. cabinet m., von cabine f. Kabriolett, u. (-[e]s, PI. -e): leichtes zweiadriges einspänniges Wägelchen. Bei Gotter 1, 49. Aus gleichbed. franz. cäbriolet ra., von franz. cabriole, ital. capriola f. «Bocks- sprung» (zu lat. caper m, «Ziegenbock»), be- nannt nach den Luftsprüngen, die ein solches Fuhrwerk leicht macht. Vgl. Kapriole. KabrÜSChe, f.: Kameraden, besond. zu Schlechtigkeiten. Aus der Gaunerspi'ache, in der es als Chah'usse 1735 belegt ist. Aus dem Hebräischen. Elsässisch Kafruse". Auch in der nordd. Umgangssprache. Kabuse, f. (PI. -n): schlechte Hütte, Zimmerchen, Verschlag; Kernhaus des Obstes (brem. Wb. 2, 713). Norddeutsch. In einem Breslauer Vocab. von 1422 kabüse f. «Ver- schlag auf dem Schuf», aus mnd. kabüse f. «kleines, niedriges Gebäude, Verschlag»; hier- zu ndl. kabuis und entstellt kombuis f., franz. canibuse f., schwed. kabysa f., engl, caboose «Schifisküche». Unklarer Herkunft trotz Schröder Streckformen 28, Kachel, f. (PI, -n)-. irdenes tiefes Ge- schirr; irdene Ofenröhre, um darin zu kochen; Ofenfliese. Mhd. kachele, kachel f. «irdenes Gofilß», im 15. Jh. auch «Niichttopf» und «Ofenkachel», ahd. chachala f. «irdener Topf». Aus einem nicht belegten lat. caccalus m, «Kochgeschirr», mlat. cachus m. «Gefäß, Schale», vgl. port. caco m. «Scherbe», tarent. käkkalo. Belegt ist nur caccabus. ZUS. Kachelofen, m., spätmhd. kacheloven m. kacken, verb., frühnhd, (1495 in der Kölner Gemma, bei Luther 8, 24'' Jeu,), wohl aus der Schülersprache, von gleichbed. lat. cacäre, gr. kokkoiv. Kadaver, m. (-s, PI. wie Sg.): Leichnam. Im 17. Jh, aus gleichbed. lat. cadäver n., von lat, cadere «fallen». ZUS. Kadäverg^ehor- Sam, m.: unbedingter Gehorsam. Seit etwa 1880 belegt. Der Ausdruck geht auf die Jesuiten zurück. Vgl. Ladendorf. Kad6nz, f. (PI. -en): der Tonfall, der Schlußlauf im Gesänge. Im 18, Jh. aus gleich- bed. ital. cadenza f., von mlat. cadentia f. «Fall», abgeleitet vom Part. Präs. cadens (Gen. cadentis) zu lat. cadere «fallen». Kadett, m. {-en, PI. -en) : junger Mensch, der in den Heeresdienst tritt, um sich zum Offizier auszubilden. 1703 im Zeit.-Lex. «der jüngere», aus franz. cadet m. «der Jüngere unter Geschwistern», dann «junger Adeliger, der seine Laufbahn im Kriegsdienste be- ginnt», aus gaskog. capdet, provenz, capdel «Haupt», einer Ableitung von lat. caput n. «Haupt». Kadi, ni. (-S, PI. -s): Richter. Aus gleich- bed. arab. qäd'^, türk. kadi. 1703 im Zeit.-Lex. kadük, adj.: hinfällig; niedergeschlagen. Aus franz. caduc, das aus lat. cadüctis «iallend, heimgefallen», von cadere «faUen» stammt. 1703 im Zeit.-Lex. caduc «ab- und hinfällig», 1673 bei Chr. Weise Erzn. 63. Käfer, m. (-s, PI. wie Sg.): nagendes Insekt mit hornigen Flügeldecken, Bei Maaler, Duez, Stieler usw. Käfer, bei Luther Kefer. mhd. kever, ahd. chevar m., woneben auch schwachflekt. mhd. kevere, ahd. chevaro m., I selbst noch bei Luther Nahum 3, 17 der schwache PI. Kefern; dazu and. keuera f. 1 «Käfer, Art Heuschi-ecke», ndl. kever, ags. ceafer m., engl, chafer, nd. säver, zäver (Brem. Wb. 4, 592), mnd. sever, zever m. j Wohl zu mhd, kifen, kifelen, Schweiz, käfen, \kaflen «nagen», wozu auch Käfe, mhd, keve, j ahd. cheva f. «Fruchthülse, Schote», eig. «die mit den Zähnen abgenagte leei-e Hülse» und in gleicher B6d. Kiefe, Kife mit den Neben- I formen Schafe und Schiffe f. (Diefenl^. 534*) ! "ehürt. 961 Eaff Kaiser 962 Kaff, n. (-s) : Spreu (leere Getreidehülsen) ; Unwertes, Nichtiges. Mhd. (urspr. md.) kaf n.; dazu mnd. kaf, mndl. caf, ags. ceaf n., engl, chaff. Aus gleichem Stamm wie Käfe, ahd. cheva f. «Schote, Hülse» (s. Käfer). Kaffee, m. (-s, PI. -s): die Fracht des Kaffeebaums und das daraus bereitete Ge- tränk; (als Neutr. im 19. Jh.) das Kaffee- wirtshaus (Cafe). In der zweiten Hälfte des 17. Jh. als Coffee aus engl, coffee, ndl. koffij f. übernommen, im Anfang des 18. Jh. drang aus franz. cafe, caffe m. die Form Caffe, Gaffee (bei Klopstock, Lessing, Goethe Kaffee) durch. Zugrunde liegt arab. qahva «aus Beeren ge- kochter Trank, Kaffee». .Z^?7*S. Kaffeehaus, n., Kaffeeschwester, f., 1715 bei Amaranthes. Kaffer, m. (-w, PI. -n): Bauer, einfältiger Mensch. In der Gaunersprache (1714), da- nach im 19. Jh. in südwestdeutschen Mund- aaten und. studentisch, aus rabbinisch kaphri m. «Dorfbewohner, Bauer», von hebr. käphär m. «Dorf». Verschieden von dem Volksnamen Kaffer m. in Südafrika, der auf arab. käfir «Ungläubiger» beruht. Käfig, m. (-S, PI. -e): Gitterbehälter für ein sonst wild lebendes Tier; gegitterter Ge- fängnisbehälter. Mit g statt j (vgl. nhd. Ferge, ahd. ferjo) und Genus Wechsel aus mhd. kevje, ahd. chevia f., entlehnt aus lat. cavea f. «Höhlung, Käfig», vom lat. Adj. cavus «hohl». Noch im 16. Jh. Fem. kefig, daneben schon im 14. und 15. Jh. Neutr. und Mask. kefig, auch kehig (1581 bei Fischart Bienenk. 87^ käfig), im 15. Jh. kefich, mit antretendem t kefit n. (Teufels Netz 6460 Anm.), danach im 18. Jh, Ke ficht, Käficht n. Kafiller, Kayiller, m. (-s, Pl.wieSg.): Schinder. Erst im 17. Jh. (bei Stieler 1691). Aus der Gaunersprache, wo Caveller, Gafaller m. «Schinder» (1510 im Liber Vagatorum, abgeleitet von talmudisch kephäl, das im Sy- rischen «abdecken, abziehen» bedeutet; wohl mit Anlehnung an nd. viller m. «Schinder» (Hautabzieher) und vielleicht an bay^r. Gefill n. «Recht des Abdeckers auf das gefallene Vieh» (s. fillen). ABL. Kaflller^i, f.: Abdeckerei, 1691 bei Stieler. Kaftan, m. (-s, PI. -e): langes Ehren- oberkleid der Türken. Aus türk. kaftan, schon entlehnt 1647 in Olearius persian. Reisebeschr. 125 Äa/ftow «lang niedergehendes Unter-, Morgenkleid». Käfter, n., auch m. (-S, PI. wie Sg.): kleiner enger Wohnraum. In Mitteldeutsch- Weigand, Deutsches Wört€rbuch. 5. Anfl. land und Westfalen. Ahd. chaftcere, chaftere «Bienenkorb». Nach Ehrismann Btr. 18, 228 Lehnwort aus mlat. capisteriuni n. «Mulde, Trog». Unwahrscheinlich wegen der heutigen Verbreitung. Bei Goethe (an Zelter 1, 252) das Dim. Käfterchen, n. kahl, adj. (Komp. kahler, Sup. kahlst): haar-, federlos; (bildlich) unbewachsen, leer. Bei Luther kalh, bei Maaler und Duez kaal, mhd. kal (flekt. kahver), ahd. chalo (flekt. chalawer); dazu mnd. kal, mndl. kael, nndl. kaal, ags. calu, engl, callow, entlehnt schwed. kal. Wohl entlehnt aus dem lat. Adj, calvus «haarlos» Nach andern urverwandt mit abg. golü «nackt, bloß». Vgl. Zupitza Gutt. 144. ABL. Kahlheit, f., im 15. Jh. kalheiti. ZÜS, Kahlkopf, m., bei Luther kalh-, kalkopff. Kahm, oberd. und md. Kahn, m. (-es): Schimmel auf gegorner Flüssigkeit. Mhd. kän m., im 15. imd 16. Jh. auch kön, 1432 cham Diefenb. nov. gl. 7*; dazu nndl. kaam f., ferner Island, kam n. «dünner tJberzug von Schmutz, Staub, Schleim», engl, coom «Ruß-, Kohlenstaub». Dazu vielleicht auch mhd. kadel m. «Ruß, Schmutz». ABL. kahmicht, kahmig, oberd. und md. kahuig, adj.: schimmelig. Mhd. kämig, känig, (Mone Anz. 7, 298) camecht. . Kahu, m. (-[e]s, PL Kähne) : muldenartiges Wassei'fahrzeug, Boot. Mehr in Nord- und im östlichen Mitteldeutschland. Bei Luther Kahn, md. auch schwachflekt.Arawe m. (14. Jh.); dazu mnd. im 13. und 14. Jh. kane m., ndl. kaant. (woraus afranz. cawe f. «Schiff», nfranz. cane f. «Ente»), anord. kcena f. «Boot», schwed, kana f. und däu. kane «Schlitten, Schleife». (Nicht verwandt mit Kanu s. d.). Kai, m. (Österreich, und bayr. auch noch Qnai), (-s, PI. -s): durch Mauerwerk usw. befestigtes Ufer, Hafendaram, auch die daran liegende Straße. 1664 bei Duez Kay f., mnd. kaje f., ndl. kaai, kaaj f., bei Kilian kaeye, engl, quay, mengl. kei, (entlehnt schwed, kaj, ^än.kai) afranz. ca?/e«Sandbank», nfranz. quaim. «Damm», span. cayos PI. «Sandbänke, Riffe», wird von altir. cai «Weg, Straße» hergeleitet, was unsicher ist. Kaiser, m. (-s, PI. wie Sg.): Fürst der höchsten Würde, Mhd. keiser, ahd. keisar, keisur m.; dazu asächs. kesar, kesur, afries. keiser, ags. cäsere, got. käisar m., dem ei für ae nach zu urteilen im Beginn unserer Zeitrechnung entlehnt aus dem römischen Familiennamen des julischen Geschlechts und 61 963 Kajüte Kalb 964 Titel der römischen Imperatoi-en Caesar, gr. Kakap, woher auch abg. dsari, cesari, russ. car. Die Schreibung ai stammt aus der Kanzlei der Kaiser Friedlich III. und Maximilian I, vgl. Frankf. Eeichskorresp. 2, 135. 160. 232 vom J. 1457 f.; bei Luther und noch bei Aler 1727 Reiser. ABL. Kaiserin, f., mhd. keiserinne, im 12. Jh. keisertn, ags. cäsern f. kaiserlich, adj., mhd. keiserlich, ahd. keisur-, cheisar-, chaisarlih, ags. cäserlic. Kaiserling, m,, an G-eruch, Geschmack und Farbenpracht der edelste unter den eßbaren Schwämmen, amanita caesarea. 1540 bei Alberus dict. Dd 3* keyserling. Kaisertum, n., mhd. keisertuom, ahd. cheisertuom n. ; dazu asächs. kesurdöm, ags. cäserdöm m. ZUS. Kaiserkrone, f., 1581 bei Fischart Bienk. 127^ Keyserskron; Zwiebelgewächs mit einer Krone glockenförmiger hängender Blüten, fritillaria imperialis, aus Persien stammend, 1657 bei Harsdörffer Gespr. 2, 199 Kaisers Krone. Kaiserreich, n., mhd. keyserriche n. Kaiserschnitt, m.: Kreuzschnitt in die Seite und Gebärmutter einer Schwangern, um das Kind herauszunehmen. 1789 in Stillings häusl. Leben 43. Übersetzung von Sectio caesarea, vgl. Melber (1482) D 6* Cesar keiser, sie dictus, quod ex venire matris cesics. Kajüte, in Bayeni und Österreich auch KajÜtte, f. (PI. -w): Schiffszimmer. Im 15. Jh. bei Beheim Kajüte f., aufgenommen aus mnd. kaiute, nd. kajüte, ndl. kajuit, schwed. kajuta, franz. cajute f. Dazu auch afranz. chahute, cahuette, nfranz. cahute f. «scBaracke», aus denen sich erklärt dän.kahyt, vläm. bei Binnaert cahuyte, cahute «Kajüte». Die Herkunft ist unbekannt. Literatur bei H. Schröder Streckformen 35. Kak,m.(-[e]s, Pl.-e): Schandpfahl, Pranger. Li Norddeutschland. Md. im 14. Jh. kak m., aufgenommen aus mnd. käk, 1420 ndrhein. kaeck m. (Diefenbach gloss. 353^). Der urspr. Begriff scheint nach der pommerschen Neben- bedeutung bei Dähnert 212 «Stock, Pfahl». Dazu ndl. kaak, entlehnt schwed. käk, dän. kag «Schandpfahl». Verwandt sind lit.zaginis m. «Pfosten», zägre f. «Pflug», zagaras m. «dürrer Ast». Kakadu, m. {-s, PI. -s und -e): der ost- indische Schopfpapagei. Ln 18. Jh. aus ndl. kakketoe f., von dem malayischen Namen käka- tilica, der den Schrei des Vogels nachahmt. Kakao, m. (-s) : Frucht des Kakaobaumes. Aus franz. -ital.-span.-port. cacao, das auf gleichbed. mexikanisch cacao zurückgeht. Bei Seb. Münster Cosmogr. 1628 S. 1607 Cacao. Kake (spr. kek), m. (-5, PI. -s): Ai't Ge- bäck. Aus engl, cake «Kuchen», das viel- leicht dem Nordischen entstammt, schwed. kaka «flaches Brot», dän. kage, im Ablaut stehend zu d. Kuchen. kakeln, v.: gackern; schwatzen. In Nord- deutschland. In eig. Bed. mnd. kakelen, dazu ndl. kakelen, bei Kilian kaeckelen, engl, cackle, schwed. kackla, dän. kagle; in übertragner Bed. bei Luther .., 68'' Jen., 1495 in der Kölner Gemma •17'^ kakelen, 1477 clevisch gakelen. Lautmalend. ABL. Kakelei, f.: Geschwätz, 1588 bei Ringwaldt Eckart K 3. Kakerlak, m. (-s, -en, PI. wie Gen.): licht scheue Schabe; dann auch lichtscheuer Mensch, Albino (bei Campe). Ndl. kakkerlak m. Mit dem Tier aus Südamerika, wo man kakerlakki sagt. Als Schimpfwort nd. schon im 16. Jh. bei Soltau Volksl.^ 283. Kaktus, m. (Gen. und PI. wie Nom. und PI. Kakfeen): Fackel-, Rankendistel. Aus Südamerika stammend, benannt nach gr.KciKToc f. m., eine stachlichte Pflanze. Kaland, m. (-s, PI. -e): Brüder-, Ge- nossenschaft andächtiger Personen. Md. im 13. Jh. kalant m. (Konemann 94. 271. 617), afries. kaiende f. Der Name daher, daß sich die Biüderschaft regelmäßig am ersten Tage jedes Monats (lat. calendae, daher ahd. im 11. Jh. kalend «erster Monatstag», s. Kalender) zur Fürsorge für Begräbnis und Seelenheil Verstorbner und zu gemeinschaftlichem Mahle zu versammeln pflegte, welches zum üppigen Schmaus gewordne Mahl selbst md. kalant, nd. kaland benannt wurde, daher dann Kaland überhaupt s. v. a. «üppiger Schmaus» und (bei Stieler 1691) «gesellschaftliche Zusammen- kunft», kalendern «schmausen und zechen» (bei Frisch 1741 caländem). Kalauer, m. (-s, PI. wie Sg.): schlechter Witz. Wahrscheinlich in Berlin aus franz. calemhour[g) m. «Wortwitz» umgebildet, das von dem deutschen um 1500 erschienenen Schwankbuche Philipp Franckfürt-ers zu Wien «der Pfaff vom Kaienberg» herstammt. Wohl mit Anspielung auf Leder und auf die ge- ringere Sorte Schuhe und Stiefel, die das Städtchen Kalau in großer Menge nach der 13 Meilen entfernten Reichshauptstadt liefert. Kalb, n. {-[e]s, PI. Kälher): Junges vom Rindvieh und Rotwild. Mhd. kal}), ahd. chalp n.; dazu anfränk. cälf, ndl. kalf n., ags. cealf 965 Ealdauneu Kalfakter 966 n. m., engl.calf, anord.kalfr m..,schyveä.kalf m., dän. kalv. Xebst mhd. kilber e, ahd. chil- hurra f. «Mutterlamm», ags. cilforlamh n. «weibliches Lamm» wohl ui"v erwandt mit aind. gärhJuis, awest, gardwa- m. «Mutter- leib, Leibesfrucht», und vielleicht auch weiter zu gl". beXqpüc f. «Gebärmutter». Doch macht der Guttural Schwierigkeiten. Oder zai gallo- lat. galba f. «Schmerbauch». Im Germ, finden wir auch die Bedeutung «Wade», anord. kälfi m., engl, calf, anord. kalfdböt f. «Lende». ABL. Kalbe, f. (PL -n): junge Kuh bis zum ersten Kalben. IMhd. kalbe, ahd. kalba f. «weibliches Kalb», got. kalbö f. «junge Kuh». Auch Kalbin f. bei Stieler 1691, im Yoc. opt. (Leipz. 1502) Ff 5» Kalben, kalben, v.: ein Kalb gebären, mhd. kalben; dazu ndl. kalven, ags. cealfian, engl, calve, anord. kelfa. kälbern, v.: springen wie die Kälber, alberne Possen machen (1528 bei H. Sachs kelbern, ndl. kalveren); sich erbrechen, wohl mit Anspielung auf das ähnlich klingende Blöken der Kälber (1797 bei Heynatz, ndl. bei Kilian kalven). kälbern, adj., mhd. kelberm. ZUS. 1) mit Kalb- : Kalbfell, n., mhd. kalpvel; bildlich «Trommel» 1602 bei Kirchhof Militaris discipKna 209. Kalb- fleisch, n., mhd. kalpvleisch; bildlich von ungewitzigter Jugend, im 15. Jh. bei Keisers- berg (Euangelia 35). 2) mit dem Gen, Sg. Kalbs-: Kalbsbraten, m., 1561 belMaaler. Kalbsbrust, f., im 16. Jh. (Anz. d. Germ. Mas. 1860, 401). Kalbsfuß, m., mhd. kalbs- fuo^ (Buch V. guter Speise 27, 89). Kalbs- gekröse, n., im lo. Jh. Kalbskroes (Xürnb. Pol.-Ordn. 229). Kalbskopf, m., Anfang des 15. Jh. (Germania 28, 371). 3) mit dem Gen. Plur. Kälber- : Kälberkem, m., wilder Kerbel, chaerophyllum süvestre, anthriscus silvestris, auch Kälberkropf m. genannt, 1540 bei Alberus Dict. DD 2*^ kelberkern, im 15. Jh. kelbkernen (Mone Anz. 8, 103, 40), gleichsam Kernen d. i. Getreide der Kälber, weil das Rindvieh die jungen Blätter frißt. Umdeutung von Kerbel (s. d.). Kaldännen, PL: die Gedärme, besonders die eßbaren. Schon 1616 bei Henisch nur der PL Caldau7ien; der Sing, ist unüblich, aber md. im 15, Jh. caldüne, koldün f. (Diefenb. Gloss. 556°), mnd. kaldüne, koldüne, auch kallüne, kolüne (noch md. Kallaunen). Ins Mhd. aufgenommen auch kaltän. Aus dem gleichbed. mlat. calduna f., woher auch afranz. chaiidun, cauldun, engl, chawdron, im 15. Jh. chaudoun, von lat. calidus, cahhis «warm», urspr. wohl «das noch dampfende Eingeweide frisch geschlachteter Tiere». Dem Deutschen entlehnt schwed.-dän. kallun, femer tschech. kaldoun, kaltoim, poln. kaldiin m. Kaiebässe, f. (PL -n): Flaschenkürbis; Birnenart. Über gleichbed, franz, calebasse aus span. calabaza, port. cabaga, einer Ent- stellung von lat. Cucurbita f. «Kürbis». 1632 bei Kilian. Kalekut, m. (-s, -en, PL -en), auch KalekÜter, m. {-s, PL wie Sg.) : Truthahn. 1558 bei Heußlin 103 kalekuUisch Hün, 1711 bei Rädlein calekutischer Hahn, Calecutsch- Hahn, bei Voß Idyll. 13, 125 im PL Kalkuten. Der in Nordamerika einheimische Vogel wurde zuerst von den Spaniern 1524 aus Florida nach Europa gebracht und, da Amerika zu Anfang des 16. Jh. noch für einen Teil In- diens gehalten wurde, nach der damals be- kanntesten Handelsstadt Vorderindiens Calicut benannt, iranz. coq d'Inde, dindon, ital. gallo d' India, 1715 bei Amaranthes Türckischer oder Indianischer Hahn, engl. Turkey cock. Kalander, m. (-s, PL wie Sg.)-. Zeit- weiser durchs Jahr. 1482 im Voc. theut. p S** kalender, sonst im 15. Jh. kolender, collender, aus den gleichbed. spätmlat. calendarius m., calendarium n., einer Ableitung von dem lat. Plur. calendae «erster Monatstag», dann «Monat». Mhd. hatte man die Form kalen- dencere, md. calendenär m. RA. Kalender machen «in tiefen Gedanken, nachdenklich sein, Grillen fangen». 1664 bei Duez. kalandern, s. Kaland. Kalesche, f. (PL -n)-. leichter offner Reisewagen. 1636 bei Möhner 54 (hgb. v. " Czerny) Calleche, bei Grimmeishausen Simpl. 2, 195 (Keller) Calesch f., 301 m., 1664 bei Duez Cales f., 1734 bei Steinbach Kaiesse und noch bei Goethe 31, 28 Calesse f. Aus dem Slawischen, tschech. kolesa (poln. kolaska, niss. koljdska) f. «Räderfuhrwerk», urspr. Plur. von kolo f. «Rad». 1604 bei Colerus Hausb. 3, 109 ein klein Wegelein mit vier kleinen Raden, da man nur ein Pferd vor- spannet, in Polen nennet mans eine Kolesse. Aus dem Deutschen franz. caleche f., ital. calesse, calesso m. Kalfakter, m. (-s, PL wie Sg.) : Schmeich- ler, Aushorcher, eig. Stubenheizer. Im 16. Jh. Calfactor, von Lehrern wie Schülern zu allerlei niedrigen Diensten gebrauchter Ein- heizer in Schulen (1524 bei H. Sachs vier 61* 967 kalfatern Kalmänser 968 Dialoge 24, 30 Calefador, bei Luther Haus- postill 401 ^ Galfactor, 1572 bei Fischart Pract. Großm. 9 Kolfador), aus mlat. calefador m. (Warmmacher) als Wort der Kanzlei- uiid Schulsprache. ABL. kalfäkteru, v.: an- bi'ingen; den Pudel machen, kalfatern, v.: ein Schiff ausbessern, es •wasserfest machen. 1716 bei Ludwig cale- fatern, aber 1709 bei Hübner Calfaterung. Niederdeutsch. Ndl. kalefateren, kalfateren, von franz. calafater, calfeutrer, span. cala- fatear, ital. calafatare, vielleicht aus arab. qälafa, qällafa «ein Schiff verkitten». Kali, n. (-s): ein Salz. Erst im 19. Jh. abstrahiert aus Alkali (s. d.). Kaliber, n. {-s, PI. vsie Sg.): Durch- messer des Geschützrohrs; Kugelmaß nach Größe und Schwere; Art, Schlag. Li erster Bed. 1616 bei Wallhausen Kriegsmanual 108 Calibei' m. Aus franz.-prov.-span. calibre, ital. calihro m. «innrer Durchmesser einer (Geschütz-) Röhi'e», neben veraltetem span. calibo m., von arab. qälah «Form, Leisten». Kalif, m. (-en, PI. -en): Nachfolger (und Stellvertreter) Mohammeds. Mhd. kalif m., aus arab. chaltfa «Nachfolger», als Titel des unmittelbaren Nachfolgers Muhammeds Abu- beki', von chälafa «nachfolgen». Kaliko, m. (-S, PL -s): Baumwollen- gewebe. 1773 bei Amaranthes^ Calicon. Aus engl, calico, franz. calicot m., benannt nach der ostindischen Stadt Calicut an der Mala- barküste, woher der Zeugstoff zuerst kam. Kalk, m. (-es, PL -e): Stein aus Calcium- oxyd, der gebrannt wird und mit Wasser begossen zerfällt; die so zerfallne Masse. Mhd. kalc, ahd. calc, chalc und mit regel- rechter Verschiebung des zweiten c chalch, chalh m. (daher noch md. und oberd. Kalch, auch bei Goethe Br. 4, 125, 126); dazu and. calc, ndl. kalk, ags. cealc m. (engl, clialk «Kreide»). Aus lat. calx f. (Gen. calcis), das zu gr. xäXiS m. f. (Gen. xö^ikoc) «Kalk- stein» gehört. ABL. kalken, V.: mit Kalk bearbeiten oder bestreichen, mhd. kelken, kelchen, ahd. im Part. Prät. gichald, gichalht; dazu anord. kalka. kalkicht, kalkig, adj., 1562 bei Mathesius Sarepta 49^ kalchicht, 1691 bei Stieler kalkicht, 1741 bei Frisch kalkig. ZUS. Kalkofen, m., ahd. chalhovan, mhd. kalcoven. Kalkspat, m. {-es, PL -e): kohlensaurer Kalk, 1775 bei Adelunsr. Kalkül, m. (-S, PL-e): Berechnung. Im 18. Jh. (Schiller Wallenst. Tod 4, 8), von lat. caleulus m. « Steinchen, Eechenstein eben». 1727 bei Hübner (aus der Kaufmannssprache) cal- eulus. Dazu kalkulieren, v. : berechnen, aus lat. calculäre «ausrechnen», eig. mit Rechen- steinchen, franz. calculer; bei H. Sachs Fastn. 41, 188 calculirn. Kalle, f.: Liebste (verächtlich), im 19. Jh. aus dem Judendeutsch, von hebr. kallah «Braut, Geliebte». Kalligraph, m. {-en, PL -en): Schön- schi-eiber. Im 18. Jh. Calligraph, aus gr. KaWrfpdqpoc «schön schreibend», von KotXXoc n. «Schönheit» und fpdcpeiv «schreiben». Dazu Kalligraphie, f.: Schönschreibekunst, im 18. Jh. Calligraphie , aus gr. KuXKifpacpia f. «das Schönschreiben, schöne Schrift», kalli- graphisch, adj.: schön geschrieben. Kalm, m. (bei Stieler 1691; -es, PL -e), und auch f. (bei Schottell663; PL-ew, Reisbuch des heil. Lands 1, 355 vom J. 1562 Calnien): Windstille zur See, Meeresstille; PL die Kalmen, Gegend der Windstille am Äquator. Ein nd. Schifferausdruck, dafür ndl. kalmte f. Aus franz. calme f. «Windstille, Ruhe», ital.- span.-port. calma f. «Wind-, Meeresstille», wie sie bei großer Hitze einzutreten pflegt: wohl von gr. Kaü|ia n. «Hitze». Kalmank, m. {-s, PL -«): ein mehr ge- streiftes als geblümtes Wollenzeug. 1715 bei Amaranthes Galanmnk. Aus engl, calamanco, span. calamaco, franz. calmande, calemande, na..kalamink, kalmink. Unbekannter Herkunft. ABL. kalmanken, adj., bei Voß Id. 16, 12. Kalmänser, m. (-s, PL wie Sg.): einsam in Nachdenken und Giillenfang für sich Lebender, Kopfhänger (1691 bei Stieler Kai- rneuser): Geizhals (1734 bei Steinbach KaM- mäuser, noch bayr. Kalniauser). ürspr. armer Schulmeister (1571 bei Rot und 1583 bei Mathesius Luther 136^ Galmeuser), dann Schulfuchs, Pedant (1664 bei Duez). Unbe- kannter Herkunft. Nach H. Schröder Streck- formen 145, wo weitre Literatoi-, wäre das Verb kaimausern, kalmüsem, auch klamüsern, z. B. ndd. ütklamiisern Streckform zu ndd. klüsern «grübeln». Aber möglicherweise ein Ausdruck der Studentensprache. Man könnte ein calmusarius von lat. calnius m. «Halm» voraussetzen. ABL. Kalmänserei, f.: Kopfhängerei, Grillenfiingerei (Lessing 12, 401); Geiz (1734 bei Steinbach). Urspr. Stand und Wesen eines armen Schulmeisters, bei Rot 1571' (Calmeuserei , annethey und fretterey), dann Schulfuchserei, Pedanterie I 969 Kalmns Kamerad 970 (Dnez 1664). kalmäusem, v.: stuben- hockend studieren, Grillen fangen (1691 bei Stieler kalmeusern), urspr. als armer Schul- meister leben (1664 bei Duez calmensen «mi- serum scholasticum agere, continue scribere et studüs ineumbere in der statt Tierunib gellen die kinder in den Häusern zu lehren^, 1618 bei Schönsleder calmeisen). £almn8, m. (Gen. und PI. ebenso): cala- mus aromaticus, ein ge-würzhaftes Schilfrohr, bes. dessen heilkräftige Wurzel. Im 15. Jh. kalmus (Diefenbach Gloss. 688°), mit ge- schwächter Endung Kalnies (bei Luther 2. Mos. 30, 23), Kalins (1734 bei Steinbach), aus lat. calatyius, gr. KÖXaiaoc m. «Eohr, Schilf». Kalosche, s. Galosche. Ealpak, Eolpak, m. (-s, PI. -e und -s) : Hut, Husarenmütze; (im deutschen Heer) der tuchene Zipfel an der Husarenmtitze. Neaire Entlehnung aus t\JLrk.kalpak «Mütze». kalt, adj. (Komp. kälter, Sup. kältest): empfindlich der Wärme ermangelnd. Mhd. kalt, ahd. calt, ehalt; dazu asächs.-afries. cald, mnd. kalt, nd. kold, nmdl. cout, ags. ceald, engl, cold, anord. kaldr, schwed. kall, dän. kold, got. kalds. Eine altertümliche passiv. Parti- zipialbildung auf -t (entsprechend lat. -fus, aind. -tas) zu anord. kala, ags. calan «frieren?, urverwandt mit lat. geläre «gefrieren», gelu n. «Eiskälte, Frost», gelidus «eiskalt», gr. feXavbpöv «kalt» (Hesych), lit. gelmenis m. «heftige Kälte», abg. goloti m. «Eis». Vgl. küM. ABL. Kälte, f., mhd. kelte, kalte, ahd. chalti f.; dazu afries. kalde, kelde, mndl. c Carahiner, 1703 im Zeit.-Lex. Carabinirer. Kar äffe, f. (PI. -«): Tafelflasche. 1714 bei Wächtler Caraffe, aus gleichbed. franz. carafe, ital. caraffa, span.-portug. garrafa f., aus pers. ^a/'äbä « Flasche mit weitem Bauche». Eine Weiterbildung ist Karaffine, f.: kleine Karafi"e, bei Goethe 23, 296 Caravine, 1712 bei Hübner Carovine f., aus franz. carafine, ital. caraffina f. Noch in norddeutschen Städten Karwine. karambolieren, v.: auf dem BiUard zwei Bälle treffen; (übertragen) zusammen- stoßen. Im 19. Jahrh. aus gleichbed. fracz. caramboler, das vom span. carambola «Ball» stammt. Unbekannter Herkunft. Karat, n. {-[e]s, PI. -e): ein Goldgewicht von 12 Gran ('/.^^ Mark); ein Diamanten- und Perlengewicht von 4 Gran. 1534 bei Seb. Franck Weltb.204a Carat, 1477 clevisch crait, 1428 krät TRechenbuch im Archiv zu Frankfurt a. M.), aber mhd. garät und karät n. und f., aus gleichbed. franz. carat, ital. carato, aijortug.qnirate, mlat. (um 600) cerates, von arab. qirät, das wieder abgeleitet ist von dem gr. Gewicht Kepotriov n., eig. «hömchen- förmig gebogene Hülse des Johannisbrot- baums». ABL. karatieren, v.: Gold mit anderm edeln oder einem unedeln Metalle versetzen. Dafür 1741 bei Frisch graäiren. karätig, adj. Karausche, f. (PI. -n): die KaqDfenai-t cyprinus carassias. 1664 bei Duez Karausche, Kariitsche, 1550 bei Alberus Fab. 19, 127 Garuse, 1517 bei Trochus Jl*' carutius ein Karutzschen, 1563 bei Forer 166^ charax, Karaß, Kariß, md. in Schlesien kara^ (Hofl- mann schles. Monatsschr. 1, 71). Aus lit. karosas m., karüsis und dies aus poln.-klruss. karas, das mit franz. carassin, corassin m. wohl aus dem gr.-lat. Fischnamen coracinus, gr. KopaKivoc m, stammt. Karawane, f. (PI. -n): reisende Gesell- schaft im Morgenlande, besonders von Kauf- leuten und Pilgern. 1562 im Reisbuch des heil. Lands 1, 358 Caruane, 1575 bei Fischart Garg. 352 Garavane (1582 Gharoana, 1590 Ghoroatia), 1582 bei Rauwolff Reise 28 Car- ouane, 1647 bei Olearius Garaivane. Aber schon md. im 13. Jh. carvane (auch karban Germania 20, 44 j m. «Kriegsbagage, schweres Gepäck, sowie Ort und Haus der Aufbe- wahrung für dasselbe». Aus ital. caravana, ,franz. caravane f., von pers. käncän «Handels- zug, reisende Schar von Kaufleuten und Pilgern». Davon Karawanserei, Kara- wanseräi, f. (PI. -en): Herberge füi- Reise- züge oder Karawanen. 1647 bei Olearius 366 Garwansera und 1645 in Mandelslos Reise- beschr. 33^ Caravansera. Wie ital. cara- vanserai von pers. känvän-säräj «Kara- wanenbui'g, -behausung», Karbätsche, f. (PI. -n): dicke Riemen- peitsche. 1615 bei Messerschmid lust. Narr- heit 173 Garabafschste, 1650 bei Moscherosch Phil. 2, 583 Karbatsche, aus gleichbed. tschech. karabdc, poln. karbac, magyar. korbäcs, von türk. ki/rbatsch «Peitsche, Ochsenschwanz», woher auch span. corbacho m. «Ochsenziemer», franz. cravache f. «Reitpeitsche». ABL. kar- bätschen, v.: durchpeitschen. 1669 bei Grimmeishausen Simpl. 115 karbäitschen, 1678 bei Krämer karbafschen. Karbonade, f. (PI. -n): auf Kohlen ge- bratnes Fleisch stück; Rippenstück. 1714 bei Wächtler, ndl. 1598 bei Küian karbonade, über gleichbed. franz. carbonnade aus ital. 991 £arl)imkel karg 992 carhonafa f., von ital, carhone, lat. carho m. «Kohle». Karbunkel, m. (-s, PI. wie Sg.): bös- artiges Geschwür. 1561 bei Maaler Kar- funkel, bei Luther (Randglosse zu 4. Mos. 21, 6) Carhuncel, 1536 bei Heinr. v. Eppen- dorff röm. Historien Bekürtzung 41 Car- bunckel m. Eins mit Karfunkel (s. d.). Karch, m. (-[e]s,Pl. -eundKärche) : Karren. Eheinisch. Mhd. kamch, karreck, karch, ahd.- and. carruh m. «Karren, Wagen», aus lat. (urspr. keltisch) carrüca f. «vierrädriger Reise- wagen», von lat.-kelt. carrus m. (s. Karren). ABL. Kärcher, m. {-s, PI. wie Sg.): Fuhr- mann; Karrenschieber. Am Rhein, in Luxem- burg. Älteriihd. karcher und kärcher, 1482 im Voc. theut. q 1 ^^ karricher, spätmhd. ka- richer, kercher m. Kardainom, m. (s, PI. -e): Art mala- barischen Gewürzes, Mhd. kardamom m. und kardamuome f., aus gr.-lat. cardamömum, gr. Kapbd|LHju|aov n.; zugrunde liegt sind, kardamas m. «eine Pflanze». Kardätsche, f. (PL -n): Wollkamm mit Häkchen von Draht; Stallbürste (1742 bei Trichter Reitlex. Kartätsche). In 1. Bed. 1616 bei Henisch Cartetschen f., bei Fischart Kar- tetsche (in Kartetschenniacher Prakt. Großm. 1572 8) entlehnt über franz. cardasse f., aus ital. cardasso, von ital. cardare, span. cardar «aufki-atzen. Wolle kämmen», s. Karde. ABL. kardätschen, v.: WoUe kämmen, 1678 bei Krämer kartätschen, 1605 bei Hul- sius cardetzschen. Karde, f. (PL -w): Weberdistel. Mhd. karte f., ahd. carto m. und carta f., and. karde «Kardendistel, Wollkratze». Mitgleich- bed. ital.-span. cardo m., entlehnt aus mlat. cardus, lat. Carduus m. «Distel». ABL. karden, v.: mit der Wollkratze rauh machen, im 14. Jh. und 1561 bei Maaler karten. ^Kardin^, m. (-s, PL Kardinäle): vor- nehmster Priester nächst dem Papste. Mhd. kardenäl, md. auch cardinäl, von gleichbed. mlat. cardinalis m. (urspr. vom 5. bis 11. Jh. der Titel aUer an einer bestimmten Kirche festangestellten GeistHchen, dann auf das seit 1059 den Papst wählende Kollegium der römischen Bischöfe, Presbyter und Diakonen beschränkt), dem als Subst. gesetzten Mask. des spätlat. Adj. cardinalis «vornehmst, haupt- sächlichst», eig. «die Türangel» (lat. cardo m., Gen. cardinis, mlat. auch bildlich) «die Haupt- sache angehend». VgL auch Karnöffel. "Kardinal, m. (-s, PL -e): vornehmstes Getränk aus weißem Wein, Pomeranzen imd Zucker. 1791 bei Roth, aus gleichbed. engL Cardinal. Vgl. Bischof. Karosse, f. (PL -n): Liebkosung, Schmei- chelwort. Im 17. Jh. Caresse, entlehnt aus fi-anz. caresse, ital. carezza f., von mlat. caritia f., abgeleitet von lat. cät'us «Ueb, teuer». Dazu karessieren, v.: liebkosen, schmei- cheln, im 16, Jh. (bei Logau 2, 1, 38 cares- siren, aber schon 1572 bei Fischart Prakt. Großm. 12 Caressierer m.) aus gleichbed. franz. caresser, ital. carezzare. Karfiol, m, {-s): Blumenkohl (s. d.). Ober- und ostmd, 1715 bei Amaranthes Gar- fiol, 1616 bei Henisch Carifior, 1605 bei Hul- sius dict. 59 Caulifiol. Wie engl, cauliflower, coleflower, franz. chou-fleur m. aus gleichbed. ital. cavol fiore m., zgs. aus cavolo m. (lat. caulis m.) «Kohl» imd fiore m. (lat. flos m.. Gen. flöris) «Blume». Karfreitag, m. {-s, PL -e): Freitag vor Ostern als Todestag Christi. Mhd. karfritac m. «Klage-, Trauerfreitag», von mhd. kar. ahd. kara f. «Wehklage, Trauer», asächs. cara f. «Leid, Trauer», ags. cearu, caru f. «Sorge, Kummer, Wehklage», engl, care «Sorge», got. kara f. «Sorge». Über die Herkunft vgl. Zupitza78. — Karsamstag-, m. {-s, PL -e): l)eim Volke der Sonnabend nach dem Kar- freitage. Karwoche, f.: die Woche vor Ostern, in die der Karfreitag fällt, spätmhd. karwoche f. Karfiinkel, m. (-s, PL wie Sg.): der Edelstein Feuemibin. ^Ihd. karfunkel, kar- hunkel m. Mit Anlehnung an Funke aus lat. carJninculus m. «kleine glühende Kohle, röt- licher Tuf stein, Feuemibin, rotes Geschwür», Verkleinerungsform von carbo m. «Kohle». karg, adj. (Komp. karger, kärger, Superl. kargst, kärgst): zähe zum Geben und Auf- wenden. Mhd. karc (Gen. karges, Komp. kerger) «listig, klug, schlau in gutem und bösem Sinne; streng, heftig; enge, knapp; knauserig, nicht freigebig». Ahd. carag, charag «traurig»; dazu asächs. carag (in mödcarag) «bekümmert», mnd. karich, karch «sparsam, geizig», ags, cearig «besorgt, traurig, ängst- lich», engl, chary «vorsichtig». Mit ableiten- dem ahd. -ac (nhd. -ig) von ahd, kara f. «Trauer», got. kara «Sorge» (s. Karfreitag); die urspr. Bed. ist «besorgt». ABL. kargen, V.: knausern, mhd. kargen «besorgt, ängst- lich sein, geizen». Kargheit, f.: Sparsam- 993 Kargo Karnies 994 keit, Knauserei, mhd. karkheit, karckeit f. «Klug- heit, Schlauheit, Unfreigebigkeit». kärglich, adj.: kargend, ärmlich, mhd. charclilich, kerc- lich «listig, sparsam»; dazu Kärglichkeit, f., 1808 bei Campe. Kargo, m. (-S, PL -s): Schiffsladung, Frachtzettel; Saumlast (von 300 Pfundj; der mit dem Verkauf oder Einkauf einer Schiffs- ladung Beauftragte. Anfang des 17. Jh. Cargo m. «Last», aber schon am Beginn des 15. Jh. karg f. «Gewichtslast von 3 Zentnern» (Städte- chi-. 1, 102, 16; 5, 155, 11). Aus span. cargo m. und carga f. «Last, Ladung», zu lat.-kelt. carrus m, «Wagen» (s. Karren). ■^karieren, v.: Hungerstrafe erleiden. 1728 bei Sperander cariren, aus lat. carere «nicht haben, entbehren». "kariereil, v.: mit Würfel-, Rautenzeich- nung mustern, namenthch im Part, kariert von Kleiderstoffen. Aus gleichbed. franz. carrer, das aus lat. gwoiiräre «viereckig machen» stammt, von quadr- zu lat. quattuor «vier». Karikatur, f. (PI. -m)-. Zerrbild. Im 18. Jh. (bei Lessing 6, 382 Carricatur) aus gleichbed. ital. carricafura f., eig. «tJber- ladtmg». — karikieren, v.: bis zur Ver- zerrung übertreiben. Aus ital. caricare «be- laden, belasten, überladen in Rede oder Zeichnimg», von vulg.-lat. caricare «beladen, belasten» (woher auch franz. charger), ab- geleitet von lat.-kelt. carrus m. (s.- Karre). Karkässe, f. (PI. -n): Tier-, Schiffs-, Drahtgerippe; Bombe mit eisernem Gerippe (1672 erfunden, 1694 bei Nehring Carcasse). Über gleichbed. franz. carcasse aus ital. car- cassa f. «Gerippe». Karl, ein Marmsname. Mhd.-ahd. Karl, Karel, mhd. auch mit schwacher Flexion Karle, latinisiert Cärolus. Durch die Er- hebung der fi'änkischen Hausmeier, von denen Karl Martell der erste des Kameus ist, auf den Königsthron der Franken und zumal mit Karl d. Gr. fast über ganz Europa ver- breitet; daher abg. krali «König», poln. kröl, mss. karöli, lit. karälius, magyar. kiräly, alban. kralj , neugi*. Kpd\ric «König». Ur- sprünglich Appellativ : mhd. karl, ahd. charal, karl m. «Mann, Ehemann, Gehebter»; dazu anord.-schwed.-dän. karl «Mann, (freier) Bauer, Greis», mit Ablaut kerl, mnd. kerJe «freier, gewöhnlicher Mann», ndl. kerel «Kerl, Mann», fries. tzerl, ags. ceorl «Mann, Ehemann, Ge- meinfreier. Mann niedem Standes», engl, churl «Bauer». Grdbed. wohl «alter, reifer Mann» Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. und daher zu gr. yepyxiv, arm. cer m. «Greis». Vgl. auch gr. -mpaXeoc «alt» mit gleichem Suffix wie karl, Kerl (s. d.). Kamien, n. (-s, PI. wie Sg. oäerKamiina) : Gedicht, besonders Gelegenheitsgedicht. 1616 bei Henisch Carmen, aus lat. Carmen n. «Ge- sang, Gedicht». karmesin (auch karmoisin) : hochrot. 1586 in den Script, rer. Siles. 4, 290 f. carmesin und kermasin, im 15. Jh. bei Ehingen Reisen 28 karmosin, 1605 bei Hulsius cramoisin, 1478 bei Nicl. v. Wyle 24, 24 cremesin, aus ital. carmesino, cremisi, cremisino m., franz. cra- moisi m. «das Hochrot», von arab. qirniizi «scharlachfarbig», eig. mit Kermesfarhe ge- färbt (s. Kernies). Karmin, m. (-s, PI. -e): kostbares Hoch- rot; hochrote Tinte. La der 1. Bed. 1712 bei Hübner Carniin, aus franz.-span. carmin, ital. carminio m., gleichen Stammes wie kar- mesin (s. Kermes). Karn, m. (-[e].s, PI. -e): Butterfaß. Aus dem Xdd. käme, karn. S. kernen. Karneol, auch Kamiol, m. (-s, PI. -e): blutroter, wachstirtig glänzender Edelstein, sarda rubra. Ln 16. Jh. (bei Paracelsus Opera 2, 309) Carniol, 1616 bei Henisch Carneol. Aus ital. corniola f., von lat. comeolus «homartig» (lat. cornu n. «Hom»). Karner, Kemer, auch Gerner, m. (-S, PI. wie Sg.): Beinhaus, Fleischkanmier; mhd. gerner, kerner, karncere «Beinhaus». Aus mlat. carnarium n. «Fleischkammer» (von lat. caro «Fleisch»). Noch bayi'isch. Karneyal, m. und (veraltet) n. (-s, PI. -s, -e): Fastnachtslust. Ln 17. Jh. (bei Grim- melshausen Simpl. 1, 272 Keller) Garnewal, 1694 bei Nehring Carnaval, als ital. carne- vale, carnovale m. «Fastnacht», eig. die Nacht vor Aschermittwoch, wo man dem Genüsse des Fleisches (ital. carne f.) für die Fasten- zeit Abschied und Lebewohl (ital. vale m.) sagte. Dies ist aber nur Volksumdeutung. Das Wort scheint vielmehr auf carrus navälis «SchifiFswagen», d. h. Schiff auf Rädern, we es bei festlichen Gelegenheiten angewandt zu Verden pflegte, zurückzugehen. Oder es steht für mlat. carnelevale «Entfermmg d. Fleisches». Karnickel, s. Kaninchen. Karnies, n. (Gen. Kamieses, PI. Karniese) : die Figur eines S bildende Kranzleiste am Hauptgesimse. 1712 bei Hübner Karnieß. Aus gleichbed. span. cornisa f., franz. corniche, ital. cornice f., von dem im Romanischen mit 63 995 Karnöffel Karre 996 lat. comix f. «Krähe» verwechselten gr.-lat. corönü, gr.Kopujvic f. «kleiner Kranz, Schnörkel als Schlußzeichen des Schreibenden». Karnoflfel, Karnuffel, m. (-s, PI. wie Sg.): die Hauptkarte eines beliebten ehe- maligen Kartenspiels von 48 Blättern, sowie dieses selbst. Im 15. und 16. Jh. carnöffel m. Mitte des 15. Jahrh. karnöffelin n. (Fichard Frankf. Archiv 8, 293 fg.), 1517 bei Trochus D 3^ satelles der vnderman, qui dedicatus sive insignitus privilegio dicitur ein karnuffel, 1546 im Pasquill Newe Zeitung vom Teüifel A3* der vnderman ist erstlich cardinal ge- nennet worden, die ainfeltigen aber haben jn nit änderst dann carnöffel nennest künden, Cardinal aber ist nach Fronspergers Kriegs- buch (1596) 1, 20^ der Titel des Obersten eines Regiments Landsknechte; der Karnöffel ist also der Unter mit dem Bilde des Lands- knechts, der in diesem Landsknechtsspiele alle übrigen Kai'ten stach, ausgenommen die «böse Sieben» (s. d.), die teufelsfrei war (da- her Cyriacus Spangenbergs Buch loider die böse Sieben ins Teuffels Karnöffelspil 1562), Urspr. bedeutet Karnöffel «Hodenbnich oder -geschwulst», so 1541 bei Frisius 735 ^^arwö/eZ, 1477 clevisch carnuffel, bei Paracelsus (Chirurg. Schriften 1618 S. 454) hemia carnosa, vulgo Karneffel. Vielleicht wegen der Ahnhchkeit der Gestalt abgeleitet von franz. coi'tiifle f. (aus vorauszusetzendem mlat. cornifolium oder cornufolium, wie franz. trefle aus lat. trifoliuni) «das Hornblatt, ceratophyllum, eine Wasser- pflanze, deren Früchte aus langgeschnäbelten Nüssen, unten mit zwei drüsenförmigen Hö- ckern, bestehen». Vgl. aber auch Baist ZfdW. 9, 34. ABL. kamöffeln, kar- nüffeln, v. : das Karnöfi'elspiel spielen ; stoßen, quälen, durchprügeln. In der 1. Bed. im 15. und 16. Jh. kamöffeln, carnöffeln, noch nd. karnüffeln (Frommann Ztschr, 3, 551, 32); in der zweiten 1691 bei Stieler karniffeln, noch md. und nd., auch bayr.-österr. Karo, n. (-S, PI. -s) -. Raute, schiefes Vier- eck, bes. auf den französischen Spielkarten. Aus gleichbed. franz. carreau, das von lat. quadrum n. «Viereck» abgeleitet ist. Im 19. Jh. Im 18. Jh. «ein viereckiges Stuhlkissen». Karolin, Karlin, m. (-s, PI, -s): Gold- stück von 11 Gulden rheinisch oder 18,85 Mk. Augsburgisch 1424 cärlm und 1421 kärlm m. (Städtechron. 5, 367, 24 und 365, 5) «eine Gold- münze von verschiednem Werte». Von dem mlat. Cärolus, Karins «Karl» (s. d.), nach dem prägenden Fürsten benannt. 1742 ließ Kurfüi'st Karl Philii^p von der Pfalz die Goldmünze in dem obigen Werte prägen. Karoline, Frauenname, von mlat. Cärolus «Karl» (s, d,). Gekürzt Lina^ Dhn. Linchen. Karosse, f. (PI, -n)-. Prachtwagen. 1694 bei Nehring Carosse und Garrosse, 1616 bei Albertinus Narrenhatz (29, 15 Lihencron) Ka- rotze, über franz. carrosse m., aus ital. car- rozza f. «Kutschwagen». Schon mhd. kar- rösche, karrotsche, karrutsche, karräsche m. f. «Kriegswagen, auf dem das Feldzeichen auf- gerichtet ist», aus gleichbed. ital. carrocciom., mlat. carrocium n., Ableitungen von lat.-kelt. carrus m. (s. Karren). Karotte, f. (PI, -n): Möhre. 1616 bei Henisch Carote, aus gleichbed. franz. carotte f., von gleichbed. ital. lat. caröta f., gr. Kapuuxöv n. Karpfen, m. (-5, PI. wie Sg.): der Fluß- und Teichfisch Cyprinus carpio. Mhd. karpfe m., md. karpe und bereits 1470 wie noch jetzt sächs.-thüring. mit angetretnem n karpen m. (Diefenbach mlat.-hochd.-böhm. Wb. 61), ahd. chatpho, carfo, charofo m.; dazu mnd. karpe m., nd. karpe f. (brem. Wb. 2, 743), auch bei Hagedorn 1, 73 Karpe, schles. 1734 bei Steinbach Karpe, Katpfe f., wetterauisch kärbe f., ndl. karper m., anord. karfi m. (der Rotfisch, perca norvegica). Zuerst belegt als mlat. carpa f. (im 6. Jh. bei Cassiodor als Donaufisch), später carpus, carpo, carpio m., das Wort ist fast in ganz Europa verbreitet, span. carpa, franz. carpe f., ital. carpione m., i-umän. crap; poln.-russ. kaip, czech. kapr, lit. kdrpa f. und karpis m., kymr. carp, cerpyn. Man vergleicht aiud. gapharas m., gaphari «eine Karpfenart», lit, söpa^as «cyprinus dobula», die vielleicht durch Dissimilation ein r verloren ha- ben. Dann muß das german.Wort entlehnt sein. Auch gl', KUTTpivoc m. «Karpfenart» klingt an. Karre, f. (PI. -w) und Karren, m. (-s, PI. wie Sg.): ein- und zweü-ädriges Fuhr- werk. Mhd. karre, garre m., selten karre f., md. auch karren m. (Meister Eckhart 414, 31), ahd. carra, garra f. und carro, garro m.; dazu mnd. kare f., mndl. karre f., anord, kerra f., engl. car. Aus lat.-kelt. carrus m. «Trans- portwagen», mlat. carra f., kymr. cär, bre- tonisch Äarr, gälisch carr. Y gl. Karch. ABL. karren, v. : den Karren fahren oder schieben, 1494 bei Brant Narrensch. 40, 6 karrhen. Kärrner, m. (-s, PI. wie Sg.): Karrenfuhr- mann, Karrenzieher, Karrenschieber, im 15. Jh. kerner, dafür mhd. karrer m. Vgl. Kärcher. 997 £arree Kartell 998 Karree, n. (s, PI. -s) -. Viereck. Aus gleich- bed. franz. carre m., das auf lat. quadrätum n. zui'ückgeht, von gwadräre »viereckig machen». Im 18. Jh. entlehnt (1712 bei Hübner Qwarre). Karrete, f. (PI. -n) -. kleiner leichter Wagen. 1599 im Inventarium Marx Fuggers 285 Car- rette f., aus gleichbed. ital.-span. carreta f. mlat. carrecta, von lat. carrus m. (s. Karren). Dagegen Schweiz. Karrete f. «Karrenladung, kleines Fuder», 1561 bei Maaler Karreten, 1310 oberrhein. karrethe m. oder n., von mlat. carrata f. «Karrenladung», zu lat. carrus m. Karriere, f. (PI. -n): Laufbahn; voller Lauf, Das franz. carriere f., das auf ein mlat. carraria f. «Wagenweg, Straße, Bahn» zurückgeht, von carrus m. «Wagen». 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 8 u. 12 Carriera, Carriere f. und m. In Österreich und Bayern auch Carriere. Karriol, n. (s, PI. -e) und Karriole, f. (PI. -n): leichte zweirädrige Halbkutsche. 1714 bei Wächtler Cariole f., 1728 bei Spe- rander Cariol n., 1790 bei Pfeffel poet. Vers. 3, 165 Karriol n. Über gleichbed. franz. carriole f., aus ital. carriuola f., mlat. car- riola f. «Frauenwagen» neben carriolus m. «kleiner Wagen», von lat.-kelt. carrus m. (s. Karren). Dazu karriolen, v.: rasch fahren (1780 bei \oQ 6, 126 karjolen); davon verschieden karjölen, krajölen, v.: laut schreien, jauchzen, juchheien, norddeutsch (bei Musäus Volksm. 5, 34 kerjöMen). Vgl. darüber Schröder, Streckformen 125. Karst, m. (-es, PI. -e): zweizinkige Hacke. Mhd.-ahd. karst. Der Plural 1691 bei Stieler und noch mundartlich Kärste, Anfang des .16. Jh. kerst (Michelsen Mainzer Hof 18). Unbekannter Herkunft. Vgl. aber Meringer Idg. Forsch. 17, 120. ABL. karsten, V.: mit dem ^ars^ aufhacken, 1556 beiFrisius 156*. Kartätsche, f. (PI. -n)-. mit Kugeln usw. gefüllte Kanonenpatrone. 1691 bei Stieler i Kartetsche, 1716 bei Ludwig Gartetsche, Kar- 1 tatsche und Kartutsche. Aus ital. cartoccia f. | «grobes Papier», cartoccio m. «Düte, Flinten- 1 patrone», franz. cartouche f. «Patrone, La- , düng, Kartätsche», von ital. carfa, lat. charta f. «Papier» (s. Karte). ABL. kartätschen, V.: mit Kartätschen schießen, bei Carape 1808. Kartaüne, f. (PI. -n): gi-oße, kurze und dicke Kanone. Im 16. Jh. Kartane, Kartone, Karthaun, 1489 bei Lilienci-on Volksl. 2, 259 kartune, 1502 kartaüne (ebd. 2, 479), 1490 bei Klüpfel Urk. d. schwäb. Bundes 1, 82 quarton, mnd. und ndl. (bei Kilian) kartouive, aus ital.-mlat. quartana f. «Viertelsbüchse», d. h. Kanone, die 25 Pfund schoß, im Ver- gleiche zu dem größten 100 Pfund schießen- den Belagerungsgeschütze, der Metzickana oder Scharfmetze (Fronsperger Kriegsbuch 1596 2, 31*), deshalb schon im 15. Jh. bei Behaim Wien. 377, 10 virtailpüchs. Kartaiise, f. (PI. -n): Mönchskloster des Kartäuserordens. Im 15. Jh. (im Gedanken an hüs «Haus») karthüß f., aber zu Anfang des 15. Jh. chartusey f. (Diefenbach gl. 103*^), aus mlat. Gartiisia, Garthusia {CJiartreiise bei Grenoble), wo der Geistliche Bruno von Köln den strengen Orden 1084 stiftete. Davon Kartäuser, m. (-s, PI. wie Sg.): Mönch dieses Ordens, 1346 oben-hein. karthüser (Ger- mania 20, 45), md. im 14. Jahrb. kartüsiere (Jeroschin 1346), im 15, Jh. kartheuser m,- (Tucher Baumeisterb. 137, 7). Karte, f. (PI. -n): steifes Papierblatt zum Spiel, zur Kenntnis der Erde oder des Himmels in Zeichnungen, zu Besuch, An- kündigmig usw,; Kartenspiel; Steifung des Seidenzeuges. Spätmhd. karte f. «Stück Papier oder Pergament, gemaltes Blatt, Spielkarte, Kartenblatt», wie ital. carta, franz. carte f, aus lat, Charta f., gr. xäp-xr\c m. «Papierblatt, dünne Pappe», ABL. karten, v.: Karte spielen (1494 bei Brant Narr, 95, 27) ; bildhch das Spiel lenken, und etw, schlau eim-ichten (Schiller Pico. 3, 1; 1701 bei Chr. Weise überflüss, Gedank, 400), vgl, abkarten. ZUS. Kartenhlatt, n., im 15, Jh, bei Rosenblüt kartenplat Spielkartenblatt. Kartenhaus, n,: Haus aus Spielkarten als Kinderspiel, 1691 bei Stieler, Kartenkönig, m,: einer der vier Könige (urspr, Weltmonarchen) der Spielkai-te, 1639 bei Zincgref 1, 391 Gharten- König. Karteuleger, m.: Wahrsager aus Spielkarten (im 16. Jh. kartenleger «Spiel- halter», aber schon im 15. Jh, karten legen «aus Karten wahrsagen» Fasnachtsp. 689, 22). Kartenschlägeriu, f.: Wahrsagerin aus Spielkarten (Goethe 27, 284). Kartenspiel, n.: vollständige Spielkarte, ]\litte des 15. Jh. kartenspil (Städtechron, 4, 325, 25) und mnd, kardenspel (ebd, 7, 392, 9); das Spiel mit der Karte (1482 im Voc, theut. q 1 ^ kartenspil). Karten, n. (-S, PI. -e): schriftliche Her- ausforderung zum Zweikampf; (schriftlicher) Vertrag (urspr. zwischen Kriegführenden, 1669 bei Grimmelsh. Simpl. 22j^ Gartel n.). In der ersten Bed. 1664 bei Duez 1, 113 63* 999 Kartoffel Kasematte 1000 Cartel, aus gleichbed. franz. cartel, ital. cartello m., von mlat. cartellus m. «Zettel», zu lat. Charta f. «Papier, Schriftstück» fs. Karte); 1598 bei rrischlin liohenzoll, Hochzeit 87 f. Cartell f. «schriftliche Festsetzung der Kampf- bedingungen im Turnier oder im Rin gelrennen». Kartoffel, f. (PI. -n): WurzelknoUe der Pflanze Solanum tuberosum, sodann die Pflanze selbst. 1775 bei Adelung Kartoffel, vorher Tartuffel (1664 Tartufflen bei Hoffmann schles. Monatsschrift 53, noch 1776 bei Hübner Tar- tuffeln neben Kartoffeln). Aus ital. tartufolo m., venezian. tartufola, piemontes. tartifla f. «Trüffel und Erdapfel» (d. h. Knolle der Kji ollen winde convolvulus batates), von gleichbed. ital. tartufo m. Sonach ist der Name von der Trüffel (s. d.) und Batate auf die im 16. Jh. aus Peru nach Spanien, von da nach Italien und dann nach Deutschland eingeführte Kartoffel als ähnliches Erdknollen- gewächs übertragen worden. Dafür im Ost- fränkischen Patake, Potakke f., aus ital.-span. patata, hatata f. «Kartoffel, Batate», das den südamerikanisch. Indiauersprachen entstammt. Auffallend ist span. cotiifa f. «Erdapfel» und gleichbed. sizilian. catatuffulu neben tirituffulu mit dem noch unerklärten co- und cata-, ZUS. Kartoffelapfel, m,: die apfelai-tige Frucht aus der Kartoffelblüte. Kartön, m. (-s, PI. -s): steifes Papierblatt, Pappschachtel; umgedrucktes Blatt; (in der Malerei) eine Zeichnung auf Papier von der Größe des künftigen Gemäldes (1791 beiRoth). 1728 bei Sperander Garton, aus gleichbed. franz. carton, ital. cartone m., von lat. Charta f. «Papier» (s. Karte). Davon kartonieren, v. : in Pappdeckel leicht einbinden. Kartusche, f. (PI. -n): Zierrahmen, Rand- verzierung (1773 im Orth. Handb.); Pulver- roUe, Patrone; kleine Patrontasche. In den beiden letzten Bed. 1694 bei Nehring Cartouche. Aus franz. cartouche m. «Zierrahmen, Rand- verzierung» und cartouche f., ital. cartoccio m. «Papierrolle, Patrone», und ital. cartuccia f. «Papierchen», von lat. charta f. (s. Karte). Karussell, n. (-s, PI. -e): Ringelrenneu, urspr. ein Ritterspiel zu Pferd, jetzt ein mit Pferden und Wagen besetztes Drehgestell. In erster Bed. 1694 bei Nehi-ing Caroussel. Aus gleichbed. franz. carrousel, ital. carosello, garosello m. Herkunft unbekannt. Karwine, s. Karaffe. Karwoche, s. unter Karfreitag. Kasäcke, f. (PI. Kasacks): kurzer Reise-, Reitrock. 1581 bei Fischart Bienenkorb 157^ Kasacke über franz. casaque aus ital. casacca f. «lange Überjacke», dazu das franz. Dim. casa- quin m. «kui-zer Überrock», woraus schon mhd. casagän m. «Reitrock», noch schwäb. gasgäng m. «Mannsrock», österr. kasegen «Morgenrock». Unsichrer Herkunft. kascheln, v.: auf der Eisbahn schlittern. Mundartlich in Schlesien. Hildebrandt ver- gleicht schwed. kasa «gleiten». kaschieren, v.: verstecken, verbergen. Aus gleichbed, franz. cacher. 1791 bei Roth. Nach Campe 1813 aus der Malersprache. Vgl. vertuschen. Kaschmir, s. Kasimir. Käse, m. (-S, PI. wie Sg.): dicker fester Stoff der geronnenen Milch, sowie daraus bei'eitete Speise in fester Form. Mhd. k(Bse, ahd. chäsi m.; dazu and. kesi, kiesi, mnd. kese, mndl. käse, nndl. kaas, kees, afries. kise, tzise, nfries. tzys, ags, cese, cyse m., engl, cheese, aus gleichbed. lat. cäseus m. ABL. käsen, v.: zu Käse gerinnen, Käse machen, 1691 bei Stieler. Käser, m. (-s, PI. wie Sg.): Käsemacher auf der Alp; Alp- hütte (ahd. chasari). käsicht (bei Stieler 1691) und käsig (bei Krämer 1678), adj.: käse- oder quarkartig. ZUS. Käsehutsche, f.: kleiner Kinderschlitten. In Sachsen, Thü- ringen, Magdeburg. S. Hutsche. Käsekäul- chen, n.: länglich rundes Gebäck aus Käse oder Quark, im 17. Jh. bei Weise Cath. 221 (Kürschner). Über den zweiten Teil vgl. -Kaule. Käsekuchen, m. : platter Kuchen mit Quark oder Käsekrümeln bedeckt, 1516 bei Pinicianus promptuar. D 6 "^ käßkuoch. Käseluppe, f. : Milch gerinnen machender Stoff (s. Lab), mhd. kcesehqjpe, ahd. chesiluppa f. Käse- model, m. und f.: Käsenapf als Form, 1605 bei Hulsius dict. Käßmodel m. Kasel, f. (PI. -n), auch m. (-s): Priester- gewand mit einem Kreuze darauf, besonders beim Meßopfer in der römisch-katholischen Kirche. Mhd. cäsule, käsele, käsel, im 12. Jh. cäsula f. «Meßgewand, Hülle», aus mlat. ca- sula f. «Meßgewand». Wohl zu \sA.casula f. «Hüttchen» (Dim. von lat. casa f. «Hütte, Zelt»), wie auch die mhd. Nebenform kasu- gele, casukel, kasuckel, mlat. casuJmla, casu- cula, ndl. kasuifel, franz. chasiihle, span. ca- sulla f. «Meßgewand» zeigt, denn ital. casi- pola, casupola f. bedeutet «Hüttchen». Kasematte, f. (PI. -n): AVallge wölbe. Ende des 16. Jh. (1593 bei Schwendi casa- 1001 Kaserne Eastagnette 1002 niatta, 1616 bei Wallhausen KJriegsmanual 35 Gasematte), avifgenommen über franz. case- mate (span. casamata) aus ital. casaniatfa f. «unterirdisches bombenfestes Festungsge- wölbe», früher auch «der gewölbte Minen- gang in den Festungsbastionen, von dem aus die feindlichen Minen nebst den Minierem vor- zeitig in die Luft gesprengt werden konnten3>, 1709 bei Hübner und 1757 in Eggers Kriegslex. durch «Mordkeller» verdeutscht. Dies zielt auf Ableitung von span.-ital.-lat. casai. «Haus, Hütte» und span. niatar «töten» (von lat. mudäre «töten, zugrunde richten»), mata «Gemetzel». Das ist aber nicht richtig. Die Herkunft ist unsicher, vgl. Körting. Kaserne, f. (PI. -n): Soldatenhaus. 1703 im Zeit.-Lex.. aus franz. caserne. Herkunft un- sicher. Kasernenhof blute, f., Schlagwort im letzten Viertel des 19. Jh. Vgl. Ladendorf. Kasimir, m. (-s,Pl.-e und -s): feines Halb- tuch von spanischer Wolle. Aus span. casimiro m., von dem Lande Kaschmir, aind. kägmiras. 1813 bei Campe. Jetzt auch Kaschmir. Kasino, n. (-s, PI. -s): Gesellschaftshaus. Ende des 18. Jh. (1801 bei Campe, «seit einigen Jahren aus Italien herübergekommen», aber schon 1703 im Zeit.-Lex. Casonen oäer Cassmen «habitacula der Soldaten, wie die Baraques»), von ital. casino m., von lat. casa f. «Häuschen». Kaskade, f. (PI. -w): Wasserfall. 1709 bei Hübner Cascade, aus gleichbed.. franz. cascade f., von ital. cascata f. «Fall», zu ital. cascare «fallen». Kask^tt, n. (-S, PI. -e und -s): helm- artige Kopfbedeckung; eisernes Helmkreuz zum Schutze gegen Säbelhiebe. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 13 Casquett, aus gleich- bed. franz. casquette f., ital. caschetto m., von franz. casqiie, ital.- span. cosco m. «Helm, Pickel- haube», im Span. eig. «Scherbe, Schädel, Kopf», zu Span, cascar «zerbrechen, schlagen». Kaspar, Mannsname, aus mlat. Gasparus, einer der drei Weisen oder Könige aus dem Morgenlande. Durch die Sternsingenimzüge etwa seit dem 15. Jh., deren Wortführer der schwarze Kasper aus Mohrenland war, ent- stand einerseits die Bezeichnung schwarzer Kasper für «Teufel» (1621 bei Opel und Cohn dreißig]. Kr. 77), andrerseits die Bed. Kasper für «lustige Person», weshalb im 18. Jh. Laroche in Wien seiner Erneuerung des alten Hanswurst den Namen Kasper gab. Davon Kasperl(e), m. n.: Hanswurst. Kas- perletheater, n.: Puppentheater. Kassation, f. (PI. -en): Vernichtung eines Urteils; Amtsentsetzung. Aus gleichbed. franz. Cassation f. von casser, s. kassieren. Kasse, f. (PI. -w): Geldkasten; Geldvorrat. 1616 bei Henisch Cassa f., aus ital. cassa f. «Kasten, Geldkasten» (von lat capsa f. «Be- hältnis»), woher schon im 15. -Jh. casse f. «Behälter». Kasserolle, f. (PI. -w): Bratpfanne. 1715 bei Amaranthes Gasserole, Gastrol, aufge- nommen aus franz. casserole f. (daher ital. casserola f.), in der Picardie und Champagne castrole f. «Schmoi-pfanne», von afranz. casse, ital. cazza f. «Tiegel mit Stiel, Kochkelle». Kassette, f. (PI. -n): Kästchen zu Hand- geldern oder Schmuck. 1773 bei Amaranthes Gassette, aus gleichbed. franz. cassette, ital. cassetta f., Dim. von cassa (s. Kasse). Kassiber, m. (-s, PI. wie Sg.): heim- liches Schreiben unter Gefangnen oder aus dem Gefängnis nach außen. Aus der Gauner- sprache neuerdings bekannt geworden. Vom jüd. kesvüö = hehr, kethihäh «Geschriebenes, Brief». Kassier, m. (-s, PI. -e): Kassenführer. 1616 bei Henisch Gassier, aus gleichbed. ital. cassiere m., von cassa f. (s. Kasse). Das gleichbed. Kassierer, m. (-s, PI. wie Sg.) dagegen, 166-4 bei Duez Gassier-er, Kassierer, ist abgeleitet von kassieren (s. d.). ^kassieren, v.: bare Gelder einziehen und verwahren, 1694 bei Nehring cassiren, 1678 bei Krämer einkassiren, aus ital. in- cassare «Geld einnehmen», eig. «in die Kiste tun», von ital. cassa (s. Kasse). ^kassieren, v.: vernichten, für ungültig erklären; des Amtes entsetzen (1617 bei Wall- hausen Corp, mü. 63 cassiren, von Soldaten). In der ersten Bed. 1532 in der peinl. Ge- richtsordnung Karls V. § 135 cassiren, schon 1331 kölnisch casseirn, aus gleichbed. franz. casser, ital. cassare, von lat. cassus «leer», (bildlich) «nichtig», woraus im 15. Jh. österr. cass «nichtig, ungültig». Kastagn^tte, f. (PI. -n) -. die Tanzklapper, ausgehöhltes rundes Holzstückchen, das durch Anschlagen an ein entsprechendes zum Klappen gebracht wird. 1678 bei Ki-ämer Gastagnete, 1664 bei Duez 1, 115 Kastaniet, 1618 in den Spanischen Prakticken 19 Gastanete f., über gleichbed. franz. eastagnette, aus span. castor Üeta f. neben castaflnela, wegen der Ähn- lichkeit der Gestalt nach der Kastanie (s. d.) benannt. 1003 Kastanie Kasns 1004 Kastanie, f. (PI. -«), in Süddeutschland Kästen, Käste, f.: die Frucht des Kasta- nienbaumes, auch der Baum selbst. In der 1. Bed. bei Luther (l. Mos. 30, 37) viersilbig Gastanee, mhd. castäne, ahd. castänie (Stein- meyer-Sievers 3, 552, 7), deutsch geformt mhd. kestene, kesten, ahd. chestinna, kestina f. ; daneben oberd. im 14. Jh. kestenze, im 15. bis 17. Jh. kestnitz, 1561 bei Maaler der PI. Kestetzen; dazu mengl. chestein, chastein, ca- stani, engl, chestnut (mhd. kestennu^). Aus lat. castanea f., abgeleitet von dem gleichbed. gr. KocTOv^a f., Kdcxavov, koctciviov n., benannt nach der Stadt Kastana (Kdcxava) in der Landschaft Pontus am Schwarzen Meer, die von Kastanienwäldern umgeben war (Dios- korides 2, 407, 145). ZUS. Kastanieubaum, m,, bei Luther (Hes. 31, 8) Castaneenhaunn, mhd. castänien-, kastänen- und kestenboum, ags. eisten-, cystbeam m. kastanienbraun, adj., um 1480 kestprun Voc. ine. teut. 12% bei Luther castanenhraun. Kaste, f. (PI. -n): erblicher, dann über- haupt sich streng abschließender Stamm oder Stand. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. (bei Wieland 7, 313 vom J. 1772) über franz. caste aus (span.)-port. casta f. «Rasse, Ge- schlecht, Gattung», eig. «etwas Unvermisch- tes», vom lat. Adj. castus «rein». ZUS. Kastengeist, m., Schlagwort seit den 90 er Jahren des 18. Jh. Vgl. Ladendorf. kasteien, v.: züchtigen, beschränkend quälen, dui'ch Fasten usw. quälen, das Fleisch kreuzigen. Bei Luther casteyen, md, kastigen, kestigen, kestln, und im 15. Jh. kastyen, kesteyen, mhd. kestigen (weshalb noch im 16. Jh. kestigen, kästigen), ahd. castigon, kestigon; dazu mnd. kastien, mndl. castien. Mit Einführung des Christentums entlehnt aus lat. castigäre «zui-echtweisen, strafen, züchtigen, zügeln». ABL. Kast^iong, f. (PI. -en), md. kastiunge (Jeroschin 25644) und kästigunge, mhd. kestigunge, spätahd. chestigunge f. Kastell, n. (-S, PI. -e): kleine Festung. Mhd.-ahd. kastei n., aus lat. castellum n., Dim. von lat. castrum n. «Festung, Bui-g», woraus ags. ceaster, cester f. «Stadt, Burg». Dazu Kastellan, m. (-s, PI. -e): Burg-, Schloßvogt, Hausbeschließer, mhd. kastelän, mlat. castellanus ra., von lat. Adj. castellänus »zum Kastell gehörig». Kasten, m. (-s, PI. Kasten, Kästen): viereckiges Behältnis mit oder ohne Deckel; (soldatisch) Gefängnis; früher auch «Schatz- kasten» (der gemeine Kasten «Gemeinde-, Staatskasse», bei Luther), der landesfm*st- liche oder klösterliche Speicher, wohin die Getreideabgaben eingeliefert wurden, und dessen Verwaltung (schon Anfang des 14. Jh. daher Kastner, Kästner m. «Abgabenver- walter, Rentmeister», mhd. im 14. Jahrh. kastener, kastner, md. kestenere, verschieden von Kästner m. «Kastenmacher, Tischler», 1420 bei Diefenbach gloss. 124^ kestener). Mhd. käste, ahd. (7. Jh.) chasto, casto m. (auch künstliche Metallhöhle zur Einfassung des Edelsteins, Siegelkapsel, Getreide-, Korn- behälter), ndl. käst, kas n. Vielleicht mit ableitendem t und deshalb haftendem s von got. kas «irdenes Gefäß», ahd.-mhd. kar n. «Gefäß, Trog, aus Brettern gemachter Be- hälter». Aus dem Germanischen entlehnt ital. castone m. «Metallhöhle zur Einfassung des Edelsteins». Die ui-spr. schwache Dekli- nation ist seit dem 16. Jh. in die starke übergegangen; der Plur. Kästen schon bei H. Sachs und Fischart Garg. 441. Vgl. Kiste. ZUS. Kastenmeister, m. : Kassenverwalter, 1541 bei Frisius Sß^. Kastor, m, (-s, PI. -s): der Biber; Hut von Biberhaaren (1664 bei Duez 1, 115, Gastorhut 1678 bei Ivrämer). Aus gr.-lat. castor, gr. Kdcrujp m. «Biber». Kasträt, m. (-en, PI. -en): Hämling, Ver- schnittner. 1728 bei Sperander Gastrat, 1709 bei Hübner Gastratus, aus ital. castrato, mlat. castratus m., zu ital. und lat. casträre «ver- schneiden», wovon kastrieren, 1693 bei Kramer ital. Wb. castriren. Kaströl, s. Kasserolle. Kasuar, m. (s, PI. -e): dem Strauß ähnlicher Vogel in Hinterindien undAustralien (1597 zuerst bekannt). 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1603 Kasewaris. 1712 bei Hübner Gasuar, nach ndl. casuaris m. aus malayisch kasmväris. Kasus, m. (Gen. imd PI. ebenso): Fall, Vorfall, Begebenheit ; grammatische Biegungs- form. Aus gleichbed. lat. casus m. Dazu kasuäl und kasuell, adj.: zufällig, den BiegungsfaU betreffend, 1694 bei Nehring casuel, aus franz. casuel, lat. cäsuälis, Adj. zu lat. casus. Kasuälien, pl.: gelegentliche Amtsverrichtungen (der Geistlichen); Ver- gütung dafür, eig. Neutr. Plur. des lat. Adj. cäsuälis. 1813 bei Campe casualia. kasu- istisch, adj.: spitzfindig. Von Kasufst, m. 1005 Katafalk Katharine 1006 (-en, PI. -eil), aus nlat. camiista «der über Gewässensfragenliest oder schreibt». Im 17. Jh. Katafalk, m. (-[e]s, PI. -e): Leichen-, Trauergerüste. 1709 bei Hübner Catafalco m., 1773 bei Amaranthes Catafalque, aus gleich- bed. ital. catafalco m., (daraus franz. catafalque m. echt franz. cJuifaud). Herkunft unklar. Katakombe, f (PI. -n) : Leichengewölbe, Felsenhalle. 1728 bei Sperander Catacomhe, aufgenommen aus ital. catacomba, franz. cata- camhe f , von lat. catacuniba f. «Grabgewölbe». Katalog, m. (-[e]s, PI. -e): Verzeichnis, Bücher-, Stundenverzeichnis. Cafalog 1531 bei Hedio Jo^ephus Titel, aus gr.-lat. cata- logus, gr. KOTäXo-foc m., ui'spr. «Aufzählung, Aufzeichnung», von gr. KaTaXifew «herer- zählen, auslesen». Früher der Vlur. Katalogen (noch bei Goethe 47, 143). Dazu katalogi- Siereu, v.: ein Verzeichnis anfertigen, erst im 19. Jh., dafür bei Goethe 33, 255 und schon bei A. Gryphius (1698) 1, 757 katalogiren. Katarakt, m. (-es, PI. -e) : großer Wasser- fall. 1566 bei Paracelsus Baderbüchlin 6, 6 Cataracten m., aus gleichb. lat. Cataracta f., gr. KaTappdKxricm., von Karapctcceiv «herabstürzen». Katarrh, m. (-[e]s, PI. -e): Schnupfen, Durch die Ärzte des 17. Jh. in Umlauf ge- kommen (Catarr 1616 bei Albertinus Lucifer 367 Liliencr.), aber schon 1516 bei Pinicianus prompt. Gr2^ catarr, aus gleichbed. gr.-lat. catarrhus, gr. Karäppouc m., eig. «HerabfluJj», von KCToppeiv «herabfließen». Die einheimi- schen Namen waren: ahd. tampho, dempho, mhd. dampfe m. (abgeleitet von Dampf), mhd. vlö^e f. vmd struche f., noch bap-. Sträuchen f. Vgl. auch Pfnüsel. ABL. katarrhalisch, adj., im 18. Jh., dafüi- 1678 bei Krämer catharrisch. Kataster, n. (-s, PI. wie Sg.): Steuer-, Flui--, Lagerbuch. 1694 bei Nehring Catastrum n., ital. catastro m. «Zins-, Steuerregister». Herkunft unsicher. Katastrophe, f. (PI. -n): eintretender Wendepunkt in etwas; trauriges Ereignis (meist elementarer Art). 1710 bei Behring Catastrophe, durch franz. catastrophe f. aus gr.-lat. catastropha f., gr. Katacrpocpri f. «Um- kehr, Wendung, im Drama der Wendepunkt der Handlung zur Auflösung des geschürzten Knotens», zsg. aus Kard «nieder, wider, um», und cTpoqpri f. «das Drehen, Wenden». Kate, f.: Tagelöhnerhütte auf dem Lande, in Norddeutschland, 1652 bei Lauremberg Kate m., (s. Kote.) Katechese, f. (PI. -n)-. Unten-icht in Frage und Antwort, besonders solcher Re- ligionsunterricht. 1710 bei Nehring Catechesis. Aus gleichbed. kirchenlat. catechesis f, von gl". KOTrixncic f. «Unterricht». — Katechet, m. {-en, PI. -en): fragweise unterrichtender Lehrer, bes. in der EeHgion. 1714 bei Wächtler Katechete, 1728 bei Sperander Catechet, aus gr. Kaxrixrixric m. «Untenicht ender, Lehrer». Davon katechetlsch, adj., kirchenlat. cate- cheticus «zum mündlichen Unterrichte ge- hörig». — katechisiereu, v.: fi-agweise in der Religion unterrichten, 1576 bei Mathesius Luther 158^ catechisiren , aber schon mhd. cathezizieren, aus kirchenlat. catechizare, von gr. KttTrixiceiv «unterrichten». Davon Kate- chisatiön, f., mlat. catechizatio f. — Kate- chismus, m. (Gen. ebenso, 71 Katechismen): Religionsbuch in Frage und Antwort, im 16. Jh. aus kii'cheulat. catechismus m. «Reli- gionsbuch zum ersten Unterricht», gr. Kaxri- Xiciaöc m. «Unterricht», von KaxrixiZ^eiv «unter- richten». Allen diesen Wörtern liegt zugi-imde gr. Koxrixeiv «wider-, entgegentönen», dann (zuerst bei den Stoikern) «mündlich belehren, unterrichten», zsg. aus Kaxd «wider, ent- gegen», und f]xe\v «schallen, tönen», wovon Echo (s. d.). Kategorie, f. (PI. -n)-. der allgemeinre Begriff, unter den etwas gefaßt wird, Begi'iffs- fach. Im 18. Jh. aus gr.-lat. categöria, gr. KaxiTfopia f. «Anklage, einer Person oder Sache beigelegte Eigenschaft, Prädikat», zu KaxTifopeiv «gegen jem. reden, anklagen», von Koxd «wider» und äyopeüeiv «reden». Dazu kategorisch, adj.-. unbedingt und entschieden, rund heraus, ohne Umschweif, bei Londorp 1, 459* vom J. 1619 categorisch, von gr.-lat. categoriciis, gr. KarriYopiKÖc «zui- Anklage, zum Prädikat gehörig». Kater, m. (-5, PI. wie Sg.): Männchen der Katze. Mhd. katere, kater, spätahd. chater e m.; dazu mnd. und ndl. kater m., anord. köttr m. S. Katze. In der studenti- schen Bed. «Katzenjammer» (erst um die Mitte des 19. Jh.) wohl umgebildet aus Katarrh. Katharilie, Frauenname, gr.-lat. Catha- rina, d. i. «die Reinliche, Sittenreine», von gr. KoGapöc «rein, unbefleckt, sittlich rein». Das Dim. ist Katharinchen , Kathrinchen (Goethe Faust 3684), gewöhnhch aber Käth- chen. Die schnelle Katharina «der Dm-ch- fall», 1669 bei Grimmeishausen Simpl. 117; es scheint entstanden als Schulwitz und ver- 1007 Katheder Katze 1008 hüllender Ausdruck im Gedanken an das von KaGapöc abgeleitete gr. Koieapiua n. «Rei- nigung, Auswui-f». Katheder, m. und n. (-5, PI. wie Sg.): erhöhter Lehrstuhl. Im 18. Jh. auch Fem. (Günther 642, Lessing 10, 105), 1678 bei Krämer Catheder m., aus gr.-lat. cathedra, gr. KoG^bpa f. «Stuhl, Armsessel», dann «Lehr- stuhl» und im Lat. büdlich «Lehramt». ZUS. Kathedersozialist, m., Spottname für Professoren der Volkswirtschaft mit soziali- stischen Anschauimgen. 1871 von Oppenheim gebraucht und zum Schlagwort geworden. Vgl. Ladendorf. Kathedrale, f. (PI. -n): bischöfliche Hauptkirche. 1710 bei Nehring Cathedral, 1541 im Cod. dipl. Sax. reg. II, 3, Nr. 1422 Gathedralkirche, abgeleitet von lat. cathedrälis «zum Sessel», d. h. «zum Bischofssitze ge- hörig», zu lat. cathedra f. (s. Katheder), im Mlat. «Bischofssitz». Katheter, m. (s, PI. wie Sg.): chirur- gisches Instrument, Im 17. Jh. (1694 bei Nehring) Catheter, aus gr.-lat. catheter, gr. KaBexrip m. «Sonde, feines Röhrchen zum Einlassen in die Harnröhre», von KuOidvai «herablassen, einsenken». Kathode, f. (PI. -n): elektrischer Strom- ausführer. Von gr. KctG-oboc f. «der Weg hinab». In der neuem Elektiizitätslehre. Katholik, m. {-en, PI. -en): Anhänger der katholischen Kirche (bei Goethe [Egmont] 8, 204 der Katholike, auch sonst md.). 1762 im Nouv. dict. kathÖllsch, adj.: allgemein christlich, rechtgläubig. Von kii-chenlat. catholiciis , gr. Ka9oXiKÖc «allgemein», dann «kirchlich rechtgläubig», von koBöXou, adv. «im ganzen, im allgemeinen», zgs. aus kutoI «durch hin» und öXoc adj. «ganz, ungeteilt». (1547 in der Zimm. Chi-on. ^ 3, 377 die Gatollischen.) Katholizismus, m. : der römisch-katholische Glaube. Ende des 18. Jh. aufgekommen. Kätuer, m. (-s, PI. wie Sg.): Besitzer einer Kate; s. unter Kote. Kattun, m. (-S, PI. -e): mit Mustern bedi'ucktes dünnes leichtes Baumwollenzeug. Schon mhd. cottun m. (Walther von Rheinau 31, 30), 1691 bei Stieler Kadun, Kattun, aus ndl. kottoen (1598 bei Kiliaii), kattoen, katoen n. «Baumwolle, BaumwoUenzeug», das wie franz. coton, ital. cotone, span. alcoton, algodon m, «Baumwolle» überkommen ist aus arab. {al)-qüton «Baumwolle, Kattun». In Schlesien und Brandenburg mit eingeschobnem r (wie in Karnickel) Kartun, 1699 im schles. Helicon 1, 349 cartun. ABL. kattunen, adj.: aus Kattun, 1647 bei Olearius 392 cattunen, ndl. 1598 bei Kilian kottoenen «baumwollen». katzbalj^en, v. refl.: sich lärmend halgen (s. d.) gleich den Katzen. 1508 bei Keisers- berg Predigen 144 '\ abgeleitet von Katzbalg m. «lärmender Zank» (1531 bei S. Franck Chron. 12 ^ Katzpalg). Davon Katzbalgerei, f.: lärmender Streit, 1659 bei Butschky Kanzell. 416. Kätzchen, n. (-s, PI. wie Sg.): walzen- förmige Baumblüte. Mrhein. im 15. Jh. ketzgin (Diefenbach gl. 165^), um 1480 im Voc.inc.teut. p 2^palmketzel; dazu nd. kättjen, ndl. katte und katteken bei Kilian (sonst auch kattenstaarten «Katzenschwänze»), mengl. chatt, engl, catkin. Das Weiche, Wollige der Blütengestalt verglichen mit dem zai-ten Fell der jungen Katze. 1 Katze, f. (PI. -n): Geldgurt. Erst 1731 in der Insel Felsenburg 1, 353 Katze, 1, 360 Geldkatze. Nd. katte f. «langer lederner Geldbeutel, den reisende Kaufleute um den Leib binden» (1767 im brem. Wb.), mund- artlich-schwed. katt f. «Geldbeutel, gewöhn- lich von Katzenfell» (Rietz 313^). ^ Katze, f. (PI. -n): das hohe Werk des Bollwerkes. Mhd. katze f. «bewegliches Schutzdach der Belagerer zum Untergi-aben der Mauern» (ebenso mndl. catte, mlat. cattus m. und catta f., urspr. «Kater» und «Katze», benannt wohl nach der Gestalt und dem Heranschleichen des Tieres, s. Schultz höf. Leben 2, 406 f.), auch der «Sturmbock» selbst, dann «das Gerüst», worauf die Steinschleuder (mhd. hltde) steht; daher übertragen seit Anfang des 17. Jh. eine besonders erhöhte Schanze zur Beherrschung der übrigen Fe- stungswerke (1602 bei Kirchhof Militaris disciplina 11 imd 175). ^Katze, f. (PI. -n): das Haustier zum Fangen der Mäuse; Raubtierart. Mhd. katze, ahd. kazza f.; dazu mnd.-mndl.-afries. katte, ndl. kat, engl, cat, anord. ketta, nnorw. kjetta, katta, schwed. katta f., anord. köttr, schwed. 1 katt, dän. kat m. Ein weitverbreitetes Wort, dessen Herkunft unsicher. Vgl. lat. cattus, catta, ir. cat, kymr. cath, bret. kaz, franz. Chat m., chatte f., lit. kate f. Vgl. Sainean La creation metaphorique en fran9ais et en roman 5 ff. Die Form kater scheint r aus s zu enthalten, vgl. das ndd. käz. RA. Das ist für die Katze: das ist wertlos. Bei 1009 kauchen kauen 1010 Bm-khard Waldis 4, 62 ; Katz aushalten (Les- sing Minna 3, 10), die Katze halten (H. Sachs 17, 207): in einer peinlichen Lage aushalten. Herkunft unbekannt. Die Katze im Sacke kaufen: etwas unbesehens kaufen, 1741 bei Frisch. ZUS. katzenäugig, adj.: grünlich- grau, 1537 bei Dasypodius. Ratzenbnckel, m,, bildlich von demütigen schmeichlerischen Verbeugungen, bei Lessing Minna 1,3, Katzeil- gold, n,: goldglänzender Glimmer (1546 bei G. Agricola 473); ausfließendes goldgelbes Kirschhai-z (im 15. Jh, kaczen golt bei Diefen- bach gloss. 263°, clev, 1477 cattengolt, schon in den altmd. Glossen zu Heinrici summarium 9, 22 kazzengolt), ui'spr. Bed. «falsches Gold». Katzenjammer, m., Geheul der Katzen zur Laufzeit; bildlich Übelbefinden nach Lust- barkeit (bei Kluge Studentensprache 98 vom J, 1768). Katzenkopf, m., übertragen Dummkopf' (Lessing i, 393); Ohrfeige; ein kleines kurzes Geschütz, Böller (1748 im westphäl. Kobinson 240), wie es scheint Über- tragung von ^Katze. Katzenkraut, n.: die wegen des GeiTicbs von den Katzen ge- Kebte Pflanze nepeta cataria, mhd. im 14. Jh. katzenkrüt n. Katzenmusik, f.: Katzen- geheul (1691 bei Stieler); ohrenzerreißende Musik (Goethe 3, 334), als Verhöhnung (Lenz 1, 215). Vgl. Ladendorf. Katzensilber, n.-. silberglänzender Glimmer, 1530 bei G. Agricola Bermannus 134, eig. falsches Silber, vgl. Katzengold. Katzensprung, m., bildlich, kurzer Weg, 1691 bei Stieler. Katzentisch, m.: im Winkel abseits der großen Speise- tafel stehendes Tischchen, 1674 bei Abele künstl. ünordn. 5, 404 Katzentischl n,, ähn- lich wie Katzenhänklein (1646 bei Moscherosch Philander 1, 124). An dem Katzentisch sitzen hieß im Klosterleben, wenn der strafver- büßende Mönch im Konvent statt an der Tafel auf der Erde sitzend seine schmale Mahlzeit einnehmen mußte, wo ihm die Kloster- katzen Gesellschaft leisteten (1749 bei Balth, Schäffer Tanzmeister 18, s. Gr. Wb. 5, 1239). ^kauchen, v.: seinen Körper der Länge nach zusammenziehen, kauern, noch md. In oberd. und md. Mundarten eine Nebenform Jiauchen, im 15. Jh. in den Fastnachtsp. 1349, nd. hüken (vgl. hocken). ^kauchen, v.: hauchen; gepreßt atmen. Mhd.küchen, im 16. — 18. Jh. öfter vorkommend, noch bayr. katichen, Schweiz, ch^'che. Wohl für hauchen unter Einfluß von mhd. kichen, s. keuchen. Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. ^kaudern, v.: kollern wie der Truthahn (1541 beiFrisius [cucuriol vom Haushahn chu- teren wie ein Han, wenn er ein Hun decken wil, bei Calepinus kautern) ; undeutüch reden, plappern (Schiller 1, 213, vom J. 1782, schwäb. küdern, im 15. Jh. kaudernetsch f. «Plapper- mädchen, zu Schweiz. Nefsch f. «Plauderin», von netschen «plaudern»). In der urspr. Bed. offenbar tonmalend. ^kaudem, v.: Zwischenhandel, wucheri- schen Kleinhandel treiben. 1775 bei Adelung als oberdeutsch; 1551 in Petrarcas Trost- büchem 52* kauderer m. «Wucherer». Noch bayrisch-schwäbisch. kauderwelsch, adj.: durch Fremdartiges unverständlich, verworren. 1521 bei Emser Quadruplica C 1^ aiderwelsch, 1566 bei Mathe- sius Luther 260 kauderwelsch (aus Luthers Munde), dann 1577 bei Fischart Flöhh. 3111 Kuderwelschn. (von der macaronischen Sprech- weise) und 1572 in Pract. Großm. 11 der Plur. Kuderwelschen (fremdländische, italie- nische Händler, wie sie damals in Süddeutsch- land häuüg waren). Schon 1379 in Eain am Lech als Eigenname Berchtold KJiaicder- walch (ZfdA. 4, 578). Das Wort ist ent- weder entstellt aus churioelsch mit Anleh- nung an kaudern (1587 bei Mathesius Dilu- vium 364'' CfiunraUen wohnen in den Alben, die wir Cauderwelsche nennen), oder der erste Bestandteil gehört zu kaudern-, Kauderwelsch also urspr. die Sprache der fi-emdländischen Händler (s. welsch). Kaue, f. (PI, -n): Hütte der Berg- und Waldleute mit kleinen Löchern statt der Fenster, Schachthäuschen. Im 16. Jh. kawe, kaue, im 15. Jh. auch keue, mhd. und md. kowe, kouwe, nebenbei köuwe f. Mit ndd. Koje (s. d.), zurückgehend auf lat. cavea, später noch einmal als Käfig entlehnt). kauen, v.: mittels der Zähne zermalmen. Aus dem Md., mit schwacher Flexion, die bereits im 16. Jh. die übliche ist; mrhein. im 14. Jh. küwen, Prät. kmvede, als Neben- form mhd. kouwen, ahd. couön; dazu ndl. 1598 bei Kilian kawen, kouwen, kmven, nndl. kaauwen. Aber die urspr. hochd. und noch in wiederkäuen geläufige Form ist käuen (bei Rückert 11, 276, bei Duez 1664 käiven, im 16. Jh. kewen), ehedem starkbiegend: mhd. kiuwen (Prät. kou, Part, gekomven), ahd, kiuwan; dazu ags. ceowan, engl, cheto, anord. tygyja, tyggva, schwed. tugga, dän. tygge.'ürver- wandt mit ahg. z(i)vati «kauen, wiederkäuen». 64 1011 kauern Kaule 1012 kauern, v.: liocken. Erst 1727 bei Aler kaueren, 1734 bei Steinbach sich kauern, aber lange im 18. Jh. als niedrig angesehen. Neben der weit altern Form hauren (1556 bei Frisius 898^), Schweiz. 1561 bei Maaler und spätmhd. küren, wie kauchen (s. d.) neben hauchen, die vielleicht durch den Einfluß von hocken entstanden ist. Dazu mnd. kuren «spähend schauen» (?), mengl. couren, engl, cotver «kauern», mundartlich -schwed. kura «sich kauern, bes. um zu faulenzen oder sich zu verbergen», dän. kure «still sitzen oder liegen». Wohl urverwandt mit gr. yüpöc «krumm, gebogen», yöpoc m. «Kreis», arm. c%r «schief, krumm, gebogen». Sauf, m. (-[e]s, PI. Käufe) : Ertauschung oder Erwerbimg gegen bares Geld. Mhd. kouf m. «Handel, Geschäft, Kauf und Ver- kauf, Ware, Kaufpreis» (daher nhd. leichten Kaufes, «billig, ohne Schaden», eig. «mit Zah- lung eines geringen Kaufpreises»), ahd. koufm. auch «Tausch, Wechsel»; dazu asächs. cöp m., mnd. köp m., ndl. koop, ags. ceap m. «Kauf, Kaufpreis, Habe, Vieh» (wie denn in ältester Zeit aller Kauf ein Tausch und das Haupt- tauschmittel, Vieh, die bedeutendste Habe war), engl, cheap «billig» (eigentlich good cheap «als guter Kauf»), afries. käp m., anord. kaup n. «Ersatz, Bezahlung, Preis, Tausch, Kauf- handel», schwed. köp, dän. kjöh. Davon ahd. koufo m. «Handelsmann, Aufkäufer und Ver- käufer», und weiter kaufen, v., mhd. kaufen, ahd. koufon «Handel treiben, erkaufen und verkaufen, eintauschen»; dazu asächs. cöpon «erhandeln», got. käupön «Geldgeschäfte treiben». Die noch in md. Mundarten (kefen) übliche Nebenform keufen,käufen (15. — 17. Jh.) beruht auf mhd. keufen, ahd. choufan; dazu and. cöpmw, afries. käpia, ags.ceapian «handeln, erkaufen», cypan «verkaufen», anord. kaupa (Prät. keypti). Die Herkunft des Wortes ist umstritten. Man nimmt jetzt gewöhnlich an, daß ahd. koufo aus lat. caupo «Schenkwirt, Händler» stammt (glossiert mit KdirriXoc, ■rravboxeuc, negotiator). Davon wäre got. kaupön abgeleitet und kauf zurückgebildet. Wegen der got. Form, und da das Wort auch ins Slavisch-Litauische gedrungen ist (abg. kupiti «kaufen», kupü m. «Kauf», kuplci m. «Kaufmann», daraus wohl lit. kvpc'us m., kupc'äuti «Handel treiben», apreuß. käupiskan «Handel») müßte die Entlehntmg sehr früh angesetzt werden, und trotzdem ist es nicht sicher, ob man damals nicht schon cö2)0 sprach. Außerdem war es ein niedriges Wort, das auch nicht ins Romanische gedrungen ist. Wegen der starken Verbreitung im Germanischen und der Bedeutungsentwicklung ist Hildebrand DWB. 5, 324 für deutschen Ursprung eingetreten, und Franck hat Anz. fdA. 21, 299 auf die Flexion als Stütze hin- gewiesen. Grimm hat got. kaupatjan «ohr- feigen», eig. «schlagen» verglichen, wobei an die Besiegelung durch Handschlag zu denken ist, vgl. mhd. koiif-slac m. «Abschluß eines Kaufs, Kaufhandel», koufslagen v., mnd. köpslagen, anord. slä kaupi «einen Handel abschließen». ABL. Käufer, m. (-s, PI. wie Sg.), bei Luther Keuffer, spätmhd. keufer, mhd. kouf er, ahd. choufari m. «Kaufmann, Kleinhändler»; dazu Käuferin, f., mhd. kouferinne. käuflich, adj., mhd. kouflich, ahd. chouflih, mnd. köplik; dazu Käuflich- keit, f., 1482 im Voc. theut. q 1 '' kaufflicheit. ZUS. Kaufbrief, m.: schriftUche Urkunde über einen Kauf, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. hZ^^kauffbriejf. Kauffahrer, m. : Handels- schifi'er, Handelsschiff (1607 in Scheible's flieg. Bl. 11), aus nd. köpfarer. Kauffahrtei, f.: Handelsschiffahrt, im 17. Jh. Govardei, noch 1775 bei Adelung Kauffahrdey, aufgenommen aus nd. köpfärdije, ndl. koopvaardij f., einer Ableitung von mnd. köpvart f. «Kauffahrt, Handelsreise», md. 1304 koyfvart (Germania 20,* 45), anord. kaup f er d f.; dazu Kauf- fa(h)rteischifiF, n., im 17. Jh. Govardei- schiff, 1678 bei Krämer Kauffahrdey schiff, ndl. koopvaardij schip. Kaufhaus, n., mhd. koufhüs «Kaufhalle». Kaufherr, m.: vor- nehmer Kaufmann, mhd. im 14. Jh. kaufherre. Kaufladen, m., 1494 bei Brant Narrensch. 102, 32 kouf lad m. Kaufmann, m. (-S, PI. Kaufleute), mhd. und ahd. koufman, mnd. köpnian, afries. käp-, köpman, ags. ceap-, cypynan, anord. kaupmadr, dän. kjöbmand; im PI. mhd. koufliute, ahd. choufliute, mnd. köp- lude, afries. käpliude; dazu kaufmännisch, adj., 1575 bei Fischart Garg. 288, und Kauf- mannschaft, f., mhd. koufmanschaft, mnd. köpmanschapi. «Handel, Handelsware». Kauf- SChilling, m. (-s, PI. -e): Drauf-, Kaufgeld, bes. bei Ankauf von Grundstücken, im 16. Jh. Zimm. Chron. 1, 168, 2). Kaulbarsch, s. -Kaule. * Kaule, f. (PI. -n): Grube. Mitteldeutsch. Mhd.-(md.) küle, im 14. und 15. Jh. rhein. küle, im 16. Jh. kaule, mnd. küle f. Nieder- deutsch weit verbreitet. Wohl zu ^Kaute. 1013 £aule Eaiiz 1014 "Kaule, f. (PI. -n): Kugel von geringem oder mäßigem Umfange. Mitteldeutsch, 1540 bei Alberus dict. kaul, im 12. Jh. küle (Athis 105, 87), auch süddeutsch im 15. Jh. küle f. Gekürzte Nebenform zu Kugel (s. d.), und verwandt mit Keule (s. d.) «Stange mit kugel- förmigem Ende». Dazu das Dim. Känlchen, n., bei Luther Keulichen, 1517 bei Trochus DS'^ kulchen, im 15. Jh. bei Diefenbach Gl, 265*^ kewlelichin. ABL. Käuler, m. (-s, PI. wie Sg.) oder KaulhlLhll, n. : Huhu mit kugelichtem, schwanzlosem Hintern, kau- licht, adj.: kugeHcht, md. kulecht, im 15. Jh. keulecht (Diefenb. Gl. 628^), bei Luther keulich (1. Kön. 7, 41 f.), 1741 bei Frisch kaulig, kaulicht. ZUS. Kaulbarsch, m. {-es, PI. -e und Kaulbarsche) : der dick- und kugelköpfige Barsch perca cemua. In Luthers Tischi-eden 224** Kaulepers, 1540 bei Alberus kaulbersch, 1549 im Peucers Vocab. D 4*^ Kulparsen pl. (noch bei Lessing 3, 67 Kuhlparse pl., auch rand. külbars), im 15. Jh. bei Diefenb. Gl. 602 «^ kulperske. Kaulkopf, m.: der Gropp, cottus gobio, ein Fisch mit dickem kugelförmigen Kopfe; der unentwickelte Frosch mit kuge- Hchtem Kopfe (1672 bei Grimmeishausen Simpl. 4, 7 Kz. Keulkopf, 1664 bei Duez 1, 86 Kaul- frosch); der Kaulbarsch (1775 bei Adelimg). Li der 1. Bed, 1540 bei Alberus dict. keulkopff, dafür 1775 bei Adelung Kaulhaupt, 1482 im Voc. theut. m 8* kaulhaupt und r 6^ kulhaupt, im 13. Jh. cülhoubit, cülhouuet n. (Steinmeyer- Sievers ahd. Gl. 3, 369, 32). Vgl. Botzkolbe. Ebenso Kaulquappe, f.: der Gropp (J. Paul Titan 1,105); Kaulfrosch; Kaulbarsch (nd.Zzi/iZ- quabbe 1756 bei Strodtmann 118). S. Quappe. kaum, adv.: mit Mühe und Not, mit ge- nauer Not; schwerhch; eben erst. Mhd.-mnd. küme, ahd. chümo, mndl. cume, das Adv. des seltnen mhd. Adj. küme, küm «schwächlich, gebrechlich» (dafür ahd. chümig «schwach, kraftlos, ki-ank»), Schweiz, chüm «kränklich, unbehaglich», mnd. kume «matt, leidend, hin- fällig», nd. küm «schwach von Alter, krank, stöhnend; dazu ahd. chüma f. «Klage» imd das Zeitwort mhd. kümen «wehklagen, trauern, sich nach etwas ängstlich bemühen», ahd. chünian, asächs. kümian «beklagen», wohl ur- verwandt mit gr.Todeiv «wehklagen, jammera». Gleicherweise das lat. Adv. aegre «verdrießlich, schwerlich, kaum», vom Adj. aeger «krank, verdrießlich». Im 16. Jh. treten erweiterte Formen auf: kaumet, kaumend (beide bei Luther), kaumenden, noch fränk. kaumends. Kaupe, f. (PI. -n): Federbüschel auf dem Kopfe des Vogels; Grasbüschel (1746 bei Döbel Jäg.-Pract. 1, 69 a); kleiner Erdhügel (ostmd.). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. kai4>, kaupp, mit dem Adj. keupichi, noch wetterauisch Kaube und keubig, 1517 obersächs. bei Trochus N 1 ^ kube f., aachenisch Kuff, ndl. kuif f.; desselben Stammes wie Kuppe (s. d.); damit ist aber wohl ein aus slav.-abg. kupü m. «Hügel», sorb. kupa f. «Hügel, Insel» entlehntes Wort zusammen- geflossen. kausal, adj.: ursächlich zusammenhängend. Aus lat. causälis «zur Ursache gehörend», abgel. von causa f. «Ursache», 1801 bei Campe. Davon Kausalität, f. (PI. -eu): Ursächlich- keit. 1791 bei Eoth. kauscher, s, koscher. kaustisch, adj.: beißend, ätzend. 1791 bei Roth, von gleichbed. gr.-lat. Adj. caustic-us, gr. KaucTiKÖc, mit kouctöc «brennbar» zu Koieiv «verbrennen, verletzen». ^Kaute, f. (PI. -n): Grube, Loch. Mittel- deutsch, schon im 14. Jh. kfite f., nd. küte f. (bei Fontane.) Dazu gehört wohl kaule, Kule mit Z- Erweiterung und Verlust des Dentals. Vielleicht ist gr. fviir] f. «Geier- nest, Höhle» wurzelverwandt. "Kaute, f. (PI. -n): oben zusammenge- di'ehter Büschel Flachses. Mitteldeutsch, im 15. Jh. kawte f., mlat. (entlehnt) cuta f. Das Wort stammt wohl aus dem Slawischen, russ. kudeli «Flachs am Rocken», tschech. kuzel, poln. kqdziel «Spinnrocken», Kautel, f. (PI. -en): Vorbehalt, rechtliche Verwahrung bei einem Vergleiche. 1571 bei Roth Cautel, aus lat, cautela f. «Vorsicht, «Sicherstellung», von lat. caM^MS «vorsichtig». Kaution, f (PI. -en)-. Bürgschaft, Haft- geld. 1532 in der peinl, Gerichtsordn. Karls V § 12 Caution, aus lat. cautio f. «Sicherstel- lung», eig, «Vorsicht», von cautum, dem Supinum von cavere «vorsichtig sein, sich oder einen sicher stellen», Kautschuk, m, und n. {-s, PI. -e) : Feder- harz, gurami elasticum. Erst im 19. Jh, Aus franz. caoutchouc m. und dies aus Südamerika, Kauz, m, (-es, PI, -e) : Art kleiner schreien- der Eulen; (bildlich, mit dem PI. Käuze) selt- sam aulfallender Mensch; aufgesteckter Zopf, Neben der altern schwachen Flexion seit dem 16. Jh. die starke, die heute allein gilt (aber in der 2. Bed. noch bei Maler Müller 1, 340 und Goethe 9, 102 der schwachbiegende Akk. 64* 1015 kanzen Eehie 1016 Sg. Käuzen). In dei* 1. Bed. im 16. Jh. Kautz, md. im 15. Jh. küze, kütz m. (Diefenbach Gl. 83*), als Eigenname schon Anfang des 14. Jh. Kuiz, Küze (Baur Arasburg. Ur- kundenb. 312; 358); dazu das Dim. KäUZ- leiii; Käuzeh en, n,, im 15. Jh. Mtzlin, ebenso bei Luther Kützlin, 1687 bei Hoh- berg, 2, 838* Käutzichen, 1775 bei Adelung Käuzchen, nd. kutzke. In der 2. Bed. im 16. Jh. Kautz (H. Sachs, Frey Gartenges. 28, 23, Lindener Katziporus 78). Man ver- gleicht gr. ßOIa f., ßüac m. «Uhu». Vielleicht ist aber auch ags. cyta m. «Eohrdommel», engl, kite verwandt und lit. gaudz'ü, gaüsti c dumpf heulen». Wood Btr. 24, 529. kaiizen, v. : sich ducken, gekauert hocken. 1691 bei Stieler (auch in der Bed. «prügeln»), öfter bei Goethe; nd. küzen. Nebenform zu kauchen (s. d.), wie gleichbed. leipz. kauxen. Kavalier, m. (-s, PI. -e, selten -s, Goethe 30, 71): Ritter, Mann von feinem Anstände, Hofmann. 1617 im teutschen Michel 19 cavallier, bei Opitz 2, 216 Cavalier. Über gleichbed. franz. cavalier aus ital. cavaliere m. «Reiter, Ritter», von lat. cahallärius m. «Pf erde Wärter», im Mlat. «Ritter», einer Ab- leitung von lat. cahallus m. «Pferd». Kavalkade, f. (PI. -n): Aufzug von Reitenden. Über gleichbed. franz. cavalcade aus ital. cavalcata f., von ital. cavalcare, franz. cJievaucher «reiten», abgeleitet von ital. cavallo, franz. cJieval m., aus lat. cabalhis m. «Gaul, Pferd». 1617 im teutschen Michel 9 Cavalcada. Kavallerie, f.: die Reiterei. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. (1616 bei Wall- hausen Kriegskunst zu Pferd schon geläufig Gavallerie und Gavallerey) entlehnt über gleichbed. franz. cavalerie aus ital. cavalleria f. «Ritterstand, Reiterei», von ital. cavallo, lat. cahallus m. «Pferd». Davon Kavallerist, m. (-en, PI. -en): Soldat zu Pferd, im 18. Jh. (1775 bei Adelung Gavallerist). Kaviar, m. (-s): eingesalzner Rogen des Störs. 1628 bei Hulsius Schiff. 14, 15 Gaviar, aus gleichbed. franz. caviar, ital. caviale, caviaro m. (schon im 15. Jh.), neugr. Kauidpi, türk. (c)havjar. Nicht aus dem Russischen (dort heißt der K. ikrä). Kebse, f. (PI. -%) : Nebenweib, Konkubine. Mild, kebes und kebese, kehse, md. auch kehisch, ahd. kehis, chebis und chebisa f.; dazu and. kevis, mndl. kefse, ags. cyfes und cyfese f. Da das Wort im Ags. auch «Magd» und im Anord, kefsir m. nur «Sklave, Knecht» be- deutet, ergibt sich als urspr. Bed. «Sklavin, Magd». Die Kebsweiber und Beischläferinnen wurden aus den weiblichen Kriegsgefangnen oder unfreien Mädchen genommen; ähnlich im Griech. irdWa? f. «Mädchen und Beischläferin als kriegsgefangene, geraubte Sklavin». Die Herkunft ist unbekannt, vgl. Zupitza Gutt. 79. ABL. kebseil, v.: zum Kebsweibe machen, nehmen, mhd. kebesen, kehsen, md. im 14. Jh. kebeschen, ndrhein. kevesen. ZUS. Kebskind, n.: uneheliches, Nebenkind, mhd. kebeskint. Kebsweib, n.: Nebenweib, mhd. kebesivip. keck, adj.: lebensfrisch, lebensmutig; leb- haft ; rasch ; zu kühn. Mhd. keck, ahd. check, (beiNotker f 1022), (eigentlich Schweiz.) Neben- form von quec (s. qtieck), mit geschwundnem u. ABL. Keckheit, f., mhd. kecheit «hisches mutiges Wesen». kecklich, adv., mhd. kecliche adv. keckem, v., lautmalend vom Froschge- schrei, bei Bürger köckern, wie Rollenhagen Froschm. 2, 4, 2, 33 f. den Frosch kekeck! kekecks! quaken läßt; auch vom feinen heisem Bellen des Fuchses, wie schon mhd. gekzen. Frequentativ von älterhd. kecken (bei Luther), das den kreischenden Schrei des Raben, der Krähe usw. ausdrückt. Kees, n. {-es, PI. -e): Gletscher. Nur bayrisch. Schon ahd. c/tes «gelu». Unerklärt. ^ Kegel, m. {-s, PI. wie Sg.): uneheliches Kind; in der stabreimenden Wendung Kind und Kegel (eheliche und uneheliche Kinder, alle Angehörigen insgemein), schon md. im 13. Jh. kindes kekel, 1422 kint und kekel, spätmhd. im 15. Jh. kegel m. «uneheliches Kind». Dunkler Herkunft. Verbindung mit ^Kegel ist nicht undenkbar, vgl. DWB. 5, 390. Anders Detter ZfdA. 42, 56. ^ Kegel, m. (-S, PI. wie Sg.): spitzig zu- laufender, einen Kreis zur Grundfläche haben- der Körper. Mhd. kegel m. «Kegel im Kegel- spiel», auch «Knüppel, Stock», ahd. chegil m. «Pflock, kleiner Pfahl»; dazu mnd. kegel, mndl. keghel m., schwed. kägla f. «Kegel im Kegelspiel», mndl. kegghe und nndl. keg «Keil»; aus dem Germanischen entlehnt franz. quille f. «Kegel». Vgl. Uhlenbeck Btr. 26, 300 (zu abg. zezlu m. «Rute, Stab» gestellt). ABL. kegeln, v.: Kegel schieben, mhd. kegeleti. Kehle, f. (PI. -n): äußerlich der vordre gebogne Teil des Halses, innerlich die Luft- oder die Speiseröhre; (übei'tragen, schon mhd.) Einbiegung; die innre ofihe Seite eines Festungswerks (1678 bei Krämer); Hohlkehle lor Kehraus Keiler 1018 (s.d.). In urspr. Bed. mhd.kel, Jcele, ahd.kela f. ; dazu andfrk. kela, and. in kel-girithi ^GeüäQig- keit», mndl. kele, ndl. keel, ags. ceole f., und weiter lat. ffula f. «Speiseröhi-e», aind. galas nu cHals, Kehle». ABL. kehlen, v.: die Kehie ab- oder ausschneiden (1517 bei Ti'ochus R3^ kelen); rinnenartig höhlen (1691 bei Stieler). ZUS. Kehlkopf, m.: der hervorragende knoi-pelige Teil der äußern Kehle, 1775 bei Adelung. Kehraus, s. ^kehren. ^kehren, v.: entgegengesetzte oder seit- wäi'ts einbiegende Richtung geben oder neh- men, wenden. Mhd. keren (mitunter kerren). ahd. keran, cheiran und kerran; dazu andfik. kerian, keron, and. kierta «detorsit», mndl. keren, ndl. keeren, afries. kera, ags. cerran, cin-an, cyrran. Herkunft dunkel. Der deut- schen Form würde got. *kaisjan, der ags. *karsjan entsprechen. Das Prät. bei Luther kerete und kart, nach dem md., ins Mhd. vordringenden karte, karte, Part, gekärt, ge- kart, mit dem entsprechenden Inf. kdren. Dazu das ältemhd. Subst. Kehr m., mhd. ker, ahd. ker m. «Wendung, Richtung» (noch in Verkehr m.), und Kehre, f.: Wendung einer ansteigenden Sti-aße, mhd. kere, ker, ahd. kera. Die verkürzte Form Kehr noch in Einkehr, Umkehr. ZUS. Kehrreim, m., für das franz. refrain m. von G. A. Büi-ger 354* (Bohtz) vorgeschlagen und gebraucht. Kehrseite, f.: Rückseite, in der zweiten Hälfte des 18. Jh. aufgenommen aus ndl. keerzyde f. «Revers (Rückseite) einer Münze» (1729 bei Halma 308 c). "kehren, v.: durch Streichen mit Besen, Bürste usw. von ünreinigkeit befreien. Mhd, keren, kern, ahd. kerjan, kerren, and. kerren, zu ahd. kara in uberkara f. «Auskehricht», isl. Aar n. «Schmutz an neugebomen Kälbern und Lämmern». Vielleicht zu Ht. zeHi «scharren». ABL. Kehricht, n., auch m. (-s): mit dem Besen ausgekehi-ter Unrat, um 1480 im Voc. ine. teut. nl** keracht, 1482 im Voc. theut. q 8** kerecht, spätmhd. kerach, im 16. Jh. Kerich, 1678 bei Krämer Kehricht u., bei Goethe 8, 120 Kehrig m. und n. Kehrsel, n. (-s): Kehricht, 1540 bei Alberus dict. kersel, mhd. kersal ZUS. Kehraus, m.: Schluß tanz, 1734 bei Steinbach, aber schon im 15. Jh. kerauß m. «der letzte, kräftigste Trunk»; eine Imperativbildung. Kell rljpsen, m., mhd. kerheseme, ahä.kerhesimo. Kehrwisch, m,, um 1480 im Voc. ine. teut. n2* kenvisch. Keib(e), ni. {-en, PI. -en): Aas, Leichnam, im 15. Jh.; Lump, Schuft (1517 bei Keisers- berg Evang. 213^). Alemannisch. Unerklärt. Keiche, keicheu, s. Keuche, keuchen. keifen, v.: sich zänkisch auslassen; (nhd. auch von kleinen Hunden) Lärm machend kläffen. Neben der vorwiegenden schwachen Flexion in Nord- und Mitteldeutschland auch die starke, 1775 bei Adelung Prät. kiff, Part. gekiffen, 1734 bei Steinbach (schles.) kief, gekiefen, mnd. Prät. kev, ndl. Prät. keef, Part. gekeven. Wie Hafer statt Haber, Hufe statt Hübe, so ist auch keifen die durch das ^litteldeutsche aus dem Nd. aufgenommene Form für mhd. kfiben, aber auch schon kifen, kiven, ältemhd. keiben. keifen, daneben kifen und kiefen; dazu mnd. kiveyi, ndl. kijven, afries. szivia, tsivia, anord. kifa, schwed. kif, kifvas, dän. kiv, kives. Weitre Beziehungen sind unsicher. ABL. Keif er, m.: Zänker, 1691 bei Stieler (auch Keiferin f.), nand. klver m. keifisch, adj.: zänkisch, bei Stieler, dafür 1664 bei Schottel keibisch, 1537 bei Dasy- podius keibig, mhd. kibic. Keil, m. (-[e]s, PI. -e): spitzsäulenartiges Werkzeug zum Spalten, Zwischeneinschieben usw., dem ähnliches Stück. Mhd.-ahd.-mnd. Ml m. «Pflock, Keil», aus kidla- wegen der mhd. Nebenform kidel, ältemhd. Keidel (noch Schwab. -Schweiz.) m.; dazu anord. kill m. norw. kü «schmale Bucht», schwed. kil, dän küe «Keil». Vgl. Sievers Idg. Forsch. 4, 340, Vielleicht zu der Wz., die in Keim vorliegt ABL. keilen, v.: den Keil einschlagen mit Keilen befestigen (1482 im Voc. theut q2% mnd. kilen); schlagen, piügeln (nord und md., Ende des 16. Jh. bei Riugwalt laut Warb. 84, bei Opel und Cohn 31 vom J. 1620 dazu Keile, PL, norddeutsch, und Keilerei, f., im 19. Jh.). ZUS. Keilschrift, f.: alt- ! orientalische Schi'ift mit keiliörmigen Schi-ift- I zeichen, gegen Ende des 18. Jh. I Keiler, Österreich, auch Keuler, m. (-S, PI. wie Sg.) : wüder Eber. Ein Jäger- I ausdruck. 1608 keyler in gi-äfl. Küchen- \ Wochenzetteln zu Büdingen in der Wetterau, I 1631 bei Opel und Cohn 278 Keuler, 1680 1 bei Riemer pol. Colica 236 Käuler, 1691 bei Stieler Keuler und Keller. Das Wort könnte I auf die Hauer oder Hauzähne des kampf- mutigen wilden Ebers deuten und von keüen (s. d.) abgeleitet sein. Entlehnung aus lit. kuilis m., lett. kuilis «männliches Zucht- schwein» ist durchaus unwahrscheinlich. 1019 Keim Kelch 1020 Keim, m. {-[e]s, PI. -e): ausbrechende junge Samensprosse. Mhd. kirne, ahd. kimo, daneben schon im 12. Jh. kmi m.; dazu mnd. kime und mit andrer Ableitung and. km (m.), mnd. kine m. und fränk.-schwäb. Keid f. «Keim, Setzpflänzchen», mhd. kide, kit n. «Schößling», ahd. Mdi n. (in frumikidi «erster Keim, Erstling»), asächs. Md m.. «Schößling», ags. clp «Sproß», Schweiz, cheist m,, ahd. {frumi)-cMst «primitiae». Die unerweiterte Wurzel in got. Partizip us-kijans «hervor- keimen», mit Präsenserweiterung keinan, ahd.- as. klnan «hervorkeimen», ags. cinan «bersten, offenstehen». Daneben die Bedeutung «Spalte» in ags. dnu f. «Ritze, Spalte», dän.-dial. kin «Spalte». Da dies alles zur Grundbedeutung «Spalte» führt, kann Keil «Werkzeug zum Spalten» dazugehören. K. wird vom 16. — 18. Jh. auch Kaum geschrieben. ABL. keimen, V., mhd. im 11. Jh. klmen, im 16. — 18. Jh. auch kminien. kein, adjektiv. Zahlpronomen: nicht ein, ]VIhd. kein, chein, gekürzt aus nekein oder (mit üblicher Umstellung des ne) enkein, ur- sprünglicher necliein, ahd. nihein «auch nicht ein», zgs. aus der mit lat. nee, neque in Laut- verschiebung und Sinn stimmenden got. Par- tikel nih (eig. ni-uh d. i, die Verneinungs- partikel 7ii, lat. ne-, verbunden mit dem got. Anhängsel -uh, -h, entsprechend lat. -qiie, gr. T€, aind. da «und») und aus dem Zahl- wort ein; dazu asächs. nigen, mnd. negen, gekürzt gen, gein, mndl. negheen, engeen, ndl. geen; im Ahd. eine gleichbed. Nebenfoi'm nohein, gebildet mit ahd. noh, unserm ver- neinenden noch (s. d.). Mhd. kein bedeutet aber auch «irgendein» (nach dem Kom- parativ noch im 18. Jh. «mehr als kein andrer» Goethe 46, 79, Schiller Don Carlos 1, 1); in diesem Falle ist es gekürzt, und zwar zu- erst zu ichein aus mhd. dekein, dehein, ahd. dihein «irgendeiner», dessen erster Bestand- teil dih- dunklen Ursprungs ist; dazu die ahd. Nebenform dohein «irgendeiner», nach dem Vorbilde von nohein und im Gedanken an doh «doch». Beide mhd. Wörter enkein und dekein vermengten sich, so daß auch dieses in der Bed. «nicht irgendein», jenes in der Bed, «irgendem» steht. Das Zahl- pronomen kein in Verbindung mit einer Ver- neinungspartikel (kein nicht usw.) ist von alters her stärkre Verneinung (noch bei Lessing Nathan 5, 8, Goethe 9, 23, Schiller Wallenst. Tod 3, 15) auch heute noch im Volksraunde ; die herrschende Ansicht dagegen, daß zwei Verneinungen sich aufheben, also bejahen, rührt von der Schule aus der lat. Grammatik her. Das nach kein folgende Adj. vor einem Subst. hat heute im Plur. schwache Flexion, z. B. keine grauen Haare, früher starkbiegend keine graue Haare Schiller Räuber 4, 5. ZTJS. (aneinander gerückte Genitive) keinerlei, adv.: keiner Art, mhd. keiner leie, keiner lei, deheiner leie, s, -lei. keinerseits, adv., 1691 bei Stieler. keinesfalls, adv. keines- wegs, adv,, bei Luther keinsweges, im 15. Jh. enkainswegs (die sieben weisen Meister in der Gießener Hs. Nr, 104 Bl, 36»), 1378 mhd. keins wägs, 1343 schweh. deheins loegs (Weisth. 5, 85 u. 87). keinmal, adv., erst im 17. Jh, (1618 bei Schönsleder). Keische, s. Keusche. -keit, Ableitungssilbe zur Bildung abstrak- ter Subst. von Eigenschaftswörtern. Schon mhd. -keit, mit Übergaijg des ch in k entstan- den aus -ec-heit, d. h. der mhd. adjektivischen Ableitungssilbe -ec, nhd. -ig, und -heit (s. d.), z, B, mhd. süegecheit (d. i, süegec-heit) siiege- keit, nhd, Süßigkeit; von da aus verbreitete sich -keit weiter, z, B, mhd. heilickeit (My- stiker 1, 126, 13), auch wo kein Adj. auf -ec vorlag, z. B. mhd. bitterkeit, geistlichkeit. Keitel, m. (-s, PI. wie Sg,): Fischnetz; Schleppnetz; Sack im Netz; sackförmiger Darin bei Tieren, Mitteldeutsch, ostpreußisch. Besser Keutel zu schreiben, da es wohl zu Kaute gehört. ^ Kelch, m. (-[e]s, PI. -e): bauchiges Trink- gefäß mit hohem Fuß. Mhd. kelch, kelich, ahd. chelh, ehelich m.; dazu asächs. kelik, mnd, kelk, kelik, afries. tzilik, tzielk, ags, calic, ccelic, anord. kalkr m. Entlehnt aus gleich- bed, lat. caVix, Gen. calicis, und zwar in sehr früher Zeit, als c vor i im Lat. noch wie k gesprochen wurde (vgl. Kaiser, Keller). ZUS. Kelchglas, m., 1691 bei Stieler. ^ Kelch, m, (-[e]5, PI. -e): Blütenhülle am Stengel, Mit dem vorwärtsschreitenden Stu- dium der Pflanzenkunde erst in der Mitte des 17, Jh., gegen dessen Ende (1691) Stieler Kelch vom Rosenkelche und dem offnen Rosen- knopfe hat. Aufgenommen aus gr.-lat. calyx m. (Gen. calycis), gr, koIXuH f. «Blumenkelch, Rosenknospe», urspr. «Hülle, Hülse». ^Kelch,m.(-[e]s, Pl.-e): Fetthaut zwischen Kinn und Hals, 1540 bei Alberus dict, Q 2* kelcklin n,, nihd. kelch, ahd. chelch, ehelich, cheluchm., anord. kjalki m. «Kinnlade», norw. 1021 Kelle kennen 1022 kjelke «Bandschlitten», von ahd. cJiela f. «Kehle». Noch oberhess.-wetteramsch Kelch, Kalcli, Kalk, henneberg. kelch, in Sonneberg kälich, elsäss. kalk «gestielte Geschwulst am Hals, Art Doppelkinn», Schweiz, kelchen «einen Kropf bekommen», bayr. kelch «Auswuchs an der Kolilpllanze». Kelle, f. (PI. -n): breiter, tiefer Löffel mit langem Stiele ; Schöpfgefäß ; Maurerwerk- zeug zum Auffassen, Anwerfen imd Streichen des Kalkes usw. Mhd. und mnd. kelle, ahd. kella. Unerklärt. Im Ags. cyll, cylle, cille f., cylle m. «Lederschlauch, Flasche, Gefäß» hat Vermischung des germanischen Wortes mit einem Lehnwort aus lat. cülleiis m. «lederner Sack, Schlauch», stattgefunden. ^Keller, m. (-s, PI. wie Sg.): unter- irdischer Aufbewahrungsort für Speisen, Ge- tränke usw. Mhd, keller, ahd. kellari m,; dazu and. kelleri, ndl. kelder, anord. kellari, kjallari m., schwed. . MWare, dän. kjelder. Entlehnt in sehr früher Zeit (vgl. Kelch) aus lat. cellärium n. «Speisebehältnis», von lat. cella f. «Wirtschaits-, Vorratskammer». ZTJS. Kellerassel, f.: Assel (s, d.), die in feuchten Kellern lebt, 1716 bei Ludwig Keller- essel. Kellerhals, m.: vorspringender ge- wölbter Eingang des Kellers, spätmhd. keller- hals. Kellermeister, m.: (oberster) Auf- seher über den Keller, mhd. im 14. Jh. ^Keller, m. (-.s, PI. wie Sg.): Keller- beamter, der die heiTschaftlichen Gefälle an Wein und an Lebensmitteln erhebt und ver- rechnet (seit dem 18. Jh. veraltet); Keller- meister^ KeUner (Schiller Kabale 1, 2). Mhd. kellcere, keller und kellei-er, aus lat. cellärixis m. «KeUer-, Küchenmeister», von lat. cella f. «Vor- ratskammer». S. Kellner. ABL. Kellerei, f.: Amt, Amtswohnung und Amtsgebiet des Kellerbeamten (spätmhd. kellerte, im 14. Jh. kelnerie f.); Gesamtheit der Kellerräume (im 16. Jh. bei Fischart Garg. 83, der Plm-. im Glückh. Schiff 898). Kellerhals, m. {-halses, PI. -halse): die ■ Holzpflanze Daphne mezereum. Spätmhd. im 15. Jh. heller-, kellershals und mnd. kelder-, kershals (Diefenbach Gl. 321*'), 1482 im Voc. theut. e5* kelershalß nnd q2^ kelrßhalß; der erste Bestandteil ist dunkel, vielleicht zu mnd. kellen «Qual oder Schmerzen verur- sachen», mhd. quehi, kein, kellen «quälen, martern », weil die Beeren, ein starkes Purgier- mittel, im Halse heftiges Brennen verur- sachen (vgl. Luther 8, 113^). Kellner, m. {-s, PI. wie Sg.): der den Keller, d. h. das Getränk in einem Gast- oder Wh'tshause zu besorgen hat. Mhd. kelncBre, ahd. kellnäri, kelnäri m. «Kellermeister, hen-- schaftUcher Steuerbeamter» (s. - Keller), aus gleichbed. mlat. cellenarius m,, von lat. cella f. «Vorratskammer». Dazu Kellnerin, f., mhd. kelncBrinne, kelnerin f. «SchaflFnerin, Hausmagd». Kelter, f. (PI. -n): Wein-, Essig-, Öl- presse. Mhd. kelteii' f. «Weinpresse», daneben kalter, kaltur (noch in Franken Kalter f.), ahd. calctüre, calcatüra f , aus lat. calcätUra f. «das Treten», von lat. calcäre «treten», denn urspr. wui-de der Wein in der Kelter ge- treten, später gepreßt. ABL. keltern, v., im 15. Jh. (Diefenbach Gl. 589 a), davon Kelterer, m., im 15. .Jh. ZUS. Kelter- bauni, m., mhd. kelterhoum. Keni(e)nate, f (PI. -n): das die Wohn- zimmer des Burgherrn enthaltende Wohn- gebäude innerhalb der Ringmauer der Burg, flüher aber das heizbare Wohngemach am Hofe. Mhd. kemenate, kemnäte, mnd. keme- näde, ahd. cheminäta f., aus altromanisch und (schon 584) mlat. {camer a) cammata f. «heiz- bares Zimmer», ital. camminata f. «Saal», von mlat. caminare «mit einer Feuerstätte (lat. camimis m.) versehen». Kengel, m. (-s, PI. -wie Sg.): Einne, Röhre, Röhrenähnliches. Oberdeutsch. Mhd. kengel m. «Röhre, Stengel, Federkiel»; ent- weder mundartUche Nebenform zu Kennet m. «Rinne, Röhre» (s. Kanal) oder aus lat, cannula f. «kleines Rohr». kennen, v. (Prät, kannte, Konj, kennte, Part, gekannt, älterahd, bis ins 18. Jh. Prät. auch kennete, kennte, Part, gekeyinet, gekennt) : im Bewußtsein haben, Mhd. wenig gebräuch- lich kennen (Prät, des Ind. und Konj. kante, kande, md. auch kente, Part, gekant, kant und kennet), ahd, nur in Zusammensetzungen bichennen, irkennen und Part, unchennento «nicht erkennend», asächs. in antkennian «er- kennen», afries. kenna, kanna «anerkennen, untersuchen, bekennen», anord. Ärewwa «kennen lernen, erkennen, gewahr werden, kennen lehren, zurechnen, benennen», schwed. känna, dän. kjende «kennen, erkennen», ags. cennan und got. kannjan «bekanntmachen, kundtun», eig. «wissenmachen», urspr. Faktitivum zum got, Prät, Präs. kann, Inf. kunnan «wissen» (s. können). ABL. Kenner, m., md. im 14. Jh. kenner «Erzeuger, Erkenner», im 1023 kentern Kern 1024 16. Jh. «der etwas kennt», namentlich im 18. Jh. verbreitet, kenubar, adj., 1691 bei Stieler, ndl. 1599 kenbaer; dafür im 17. und 18. Jh. kenntbar, im 16. und 17. Jh. kantbar, zgs. mit dem Part, von kennen (s. oben), ebenso wie die beiden folgenden Ableitungen: kennt- lich, adj., md. im 14. Jh. kentlich, 1537 bei Schaidenreißer Odyss. Vorr. S. 7 unkantlich, neben mhd. kennelicJi, kenlicJi, und Kenntnis, f., mhd. und zumal md. kantnusse, kentnisse f., im 17. u. 18. Jh. auch Neutr. und bisweilen, z.B. bei Herder, Kännttiiß geschriehen. Kennung, f., frühmhd, cliennunge f. «Erkennung, Er- kenntnis». ZTJS. Kennzeichen, n., I58i bei Fischart Bienenkorb 135^, ndl. 1599 bei Kilian kenteycken; davon kennzeidinen, v., bei Herder 1, 400. kentern, v. : auf die Seite legen oder sich umlegen. Nd. Seemannsausdruck, ndl. kan- teren, kenteren, auch ins Skandinavische ge- drungen, schwed. kantra, dän. kantre, käntre. 1741 bei Frisch kentern «den Walfisch auf die andre Seite legen, um dem toten Fisch dort den Speck abzuschneiden». Von Kante (s. d.). Kerbe, f. (PI. -n): spitzwmkliger Ein- und Ausschnitt. Mhd. kerbe f. und kerp m., md. im 14. Jh. kerbe f. und karp m., ahd. nicht nachweisbar, ndrhein. im 14. Jh. kerpli m., nd. im 15. Jh. kerve, karf t, daneben kerf n. ; dazu (entlehnt afries. kerf) ags. cyrf «Einschnitt»; aus dem Nd. auch hd. schon im 15. u. 16. Jh. Kerfe, Kerfi. Zu kerben, v.: einschneiden, spätmhd. kerben, auch «aufs Kerbholz einschneiden», seit dem 15. Jh. auch kerfen nach dem mnd. kerven; dazu ndl. kerven, afries. kerva, ags. ceorfan, engl, carve. Das Verb ist in die schwache Biegung überge- gangen, die urspr. starke Hegt noch vor in dem mnd. Part, gekorven, im Ndl. (Prät. korf, Part, gekorven), Ags. (Prät. cearf, curfon, Part. corfen) und Afries. (Pai-t. kurven). Urver- wandt gr. Ypoi9eiv «schreiben», eig. «einritzen», lett. grebt «schrapen, aushöhlen, eingraben mit einem Grabstichel», apreuß. girbin «Zah\:i>, ahg.zrebiji m. «Loos». .^?7(Sf. Kerbholz, n.: Hälfte eines zugeschnitzten, der Länge nach gespaltnen kurzen schmalen Stäbchens, um m dessen beide Hälften, zusammengelegt, Kerben zur Zählung und Abrechnung zu schneiden, im 15. Jh. kerbholz, im 14. Jh. md. kerveholz. Kerbstock, m.: Kerbholz, besonders in Niederdeutschland, 1477 clevisch und um 1400 mnd. kervestock. Kerbtier, n., von Campe gegen 1794 für Insekt gebildet. Kerbel, m. (s): die Suppenpflanze an- thriscus cerefolium. Mhd. kervele, kervel f., ahd. kervüa f. und andere Schreibungen (vgl. ZfdW. 6, 183); dazu mnd. kervele, kervole, im 15. Jh. carvel, jetzt meist karwel, ndl. kervel, ags. cerfille f., engl, chervil. In früher Zeit, wie das anlautende k zeigt, entlehnt aus dem gleichbed. lat. cerefolium, caere- folium n. (von gr. xciP^tP'J^^ov n.), woher auch gleichbed. franz. cerfeuil, ital. cerfoglio. kerben, Kerbholz usw., s. Kerbe. Kerf, m. (-[e]s, PI. -e): Insekt, Kerbtier, Kerflai-ve, zuerst 1833 bei Jahn Merke z. d. Volksth. 253 und 1835 bei Oken Naturgesch. 5, 10. Künstliche Neubildung für Kerbtier. Kerker, m. (-s, PI. wie Sg.): hartes Ge- fängnis. Mhd. karkcere, kerkcere, karker, kerker, auch karkel, kerkel, ahd. charchari, karkari m.; dazu asächs. karkari m., ags. carcern, cearcern n., got. karkara f. Wie das zweite k zeigt, in sehr früher Zeit ent- lehnt aus gleichbed. lat. carcer m., woher auch air. carcar und ital. carcere m., span. carcel f., afranz. chartre f. Kerl, m. (-S, PI. -e): derbe Mannsperson; Geliebter. Md. kerl m. «Mann», auch schon mit vei'ächthchem Nebensinne, mnd. kerel, kerle, 1477 clevisch kerle m. «Dorfmann», mndl. keerle m. «Bauer», im Ablaut zu mhd. karl, ahd. charal m. «Mann, Ehemann, Ge- heilter», welche sich im Mannsnamen Karl (s. d.) erhalten haben. Es entspricht weiter nmd. kerle «Mann von niedrigem Stand, kräftiger Mensch, Herrscher», ndL kerel, afries. tzerl, ags. ceorl m. «Unfreier», engl. churl «Bauer, Kerl, Tölpel». K. ist md.-ndd. und im Oberdeutschen Lehnwort. Der im 16. und 17. Jh. gebräuchliche Nom. Sg. Kerles, Kerls (noch Schweiz, kerlis, schwäb. kärles, thüring. kerls) ist wohl aus Karlus hervor- gegangen, der Plur. Kerls ist nd. (auch bei Goethe 8, 104). Kermes, m. (Gen. u. PI. ebenso): hochrotes Farbeninsekt, Scharlach-Schildlaus; Farbstofi' daraus. 1712 bei Rühner Kermes, Älkernies, aus gleichbed. span, alquei'mes, von arab. qirmiz (mit dem Artikel: al-) nach pers. kirtn, aind. kpnis m. «Wurm», krmijas «wurmer- zeugt». Vgl. Karmin, karmesin. Kern, m. (-[e]s, PI. -e): Fruchtkörper der Pflanzen im Gegensatz zur Schale; festes Holzinneres; (bildlich, schon mhd.) Innerstes und Stoffhai tiges; Hauptsache, Bestes, Vor- züffliehstes. Mhd. kern neben älterm schwach- 1025 kernen Kette 1026 biegenden kerne, ahd. kerno m.; dazu and. kerno m,, nind. kerne f. (wie 1691 bei Stieler 121 und 1663 bei Schottel 508 * Kern f., abd. nugcherna f.), anord. kjarni m., schwed. kärna, dän. kjeme. Kern und Kam (s. d.) sieben im Ablaute zueinander. Oberd. mit bewahrter schwacher Form Kern (Gen. -en) oder Kernen m. «ausgedroschnes und gereinigtes Getreide», bes. «Spelz», wie schon xnhd.keme m. ABL. kernen, v.: die Kerne ausmachen, mhd. kirnen, kernen, auch c< Kerne ansetzen, Kern bilden», ahd. kirnan «auskernen, dreschen». kernicht, kernig, adj., 1556 bei Frisius 610^ kernächtig, 1576 bei Mathesius Luther 151* kirnig, 1691 bei Stieler kernicht. ZUS. Kern- beißer, m.: der Kh'schfink, 1517 bei Trochus H5^ kernbyßer, 1556 bei Frisius 935'' kern- heyß. kerngesund, adj., seit der zweiten Hälfte des 18. Jh. kernhaft, adj., 1549 in der Beraer Tragödia Job. d. Tauf. D 5 *. Kern- haus, n.: Samenbehälter im Kernobst, in Yokab. des 15. Jh. kernhus, 1422 kernhaivs. Kernobst, n., im Gegensatz zum Steinobst 1709 bei Dentzler Kernobs; im Gegensatz zu gepropftem Obst 1731 im Öconom. Lex. Kernschuß, m.: Schuß in gerader Richtung auf das Ziel, unterschieden vom Bogenschuß, 1741 bei Frisch. Kernspruch, m., 1663 bei Schottel 508^. kernen, v.: zu Butter rühren. 1616 bei Henisch 573, 23 u. 1581 bei Apherdianus, sowie oberpfälz.-mrhein. kernen, westfäl. - ndrhein. kirnen, nd. kamen, ndl. kernen, kamen, ags. cernan, engl, churn, schott. kirn, anord. kirna, schwed kärna (dial. kjorna), dän. kjerne «buttern». Vielleicht (vgl. oberpfälz.-nümb. Kern m. «Milchrahm zum Buttermachen», j mndl. kerne, Island, kjarna «Milchrahm») eig. Kern, d. h. «Fettes, Bestes der Müch» (s. Kern). Doch kann auch ganz etwas andres darin stecken. Dazu Kerne f. «Butterfaß, 1616 bei Henisch 574, Kirne bei Kramer 1719, west- fäl. kirne, mi-hein. kern, kirn, ndrhein. im 14. Jh. kirn, nd. käme, kam, mnd. kerne, käme, ndl. kern, kam, ags. ceren, cyrin, engl. churn, anord. kirna, schwed. kärna f., dän. kjerne «Butterfaß». ZTJS. Kernmilch, f.: Rührmilch Buttermilch, im 15. Jh. kerne-, kerenmüch, ndrhein. im 14. Jh. kirnmilch, nd. kammelk, mnd. käme-, kememelk, ndl. kerne- melk, schott. kirnmilk, schwed. kämmjölk, dän. kjernemelk. Kerner, s. Karner. Kerze, f. (PL -n): gerades Wachs-, Talg- , Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. licht usw. Mhd. kerze, ahd. cherza f. «Kerze», charza f. «Docht», charz m. «Docht, Werg, aus dem der Docht der Kerze gedreht wurde»; and.kerzia f. «Kerze», md. im 15. u. lö.Jh.kirze, kirz, nd. kers, kars, mnd. kerte, kerse, karse, kersche, ndl. kaars, mndl. keersse f., entlehnt anord. kerti n., dän. kerte. K. ist Ableitung von ahd. karz «Docht, Werg», für das Kluge Entlehnung aus lat. Charta f. «papyrus» an- nimmt. Doch ist dies noch nicht in der Be- deutung «Docht» gefunden, und die Ver- mutung daher sehr unsicher, karz kann auch einheimisch sein. Kescher, m. (-s, PI. wie Sg.): kleines Beutelnetz, Handfischnetz. Ein in Ostdeutsch- land namentlich an der Küste verbreitetes Wort. 1562 bei Mathesius Sar. 78^ und ost- preuß.-schles. kescher, pomm.-mecklenb. und mnd. kesser, holstein.-hamburg. ketscher, alt- märk. ketzer m. Daneben dän. ketser, schwed. katsa f. «Fischerzaun am Flußufer, um Fische zu fangen», engl, catcher «Ketscher, Reuse». Letztres von to catch «greifen». Wie die Worte zusammenhängen, ist nicht klar. Kessel, m. {-s, PI. wie Sg.): rundbauchiges Koch- oder Braugefäß aus dünnem Metall und ohne Füße; dem ähnliche Vertiefung. Älhd. keggel, ahd. (nui- in urspr. Bed.) cheg^il, chegil m.; dazu and. *ketel in ketelari «Kessel- macher», ketelköp m. «Kesselkauf», ndl. ketel, ags. cytel, eitel, cetel (engl, kettle), anord. ketill, schwed. kettel, kittel, dän. kjedel, got. katils m. Mit Übergang des n in l (vgl. Esel) aus lat. catrnus m, «Topf, Tiegel, Schüssel, Windkessel am Druckwerk, Höhlung». Aber auch ohne jenen Übergang aus lat. caiinum n. im Ahd. cheggin, che^^i, chegge, mhd. (bes. alemann.) keg^i n. «Kessel», noch Schweiz. chessi, elsäss. kessi n. Aus dem Deutschen entlehnt abg. kotilü, lit. kätilas m. «Kessel». ABL. Keßler, m. {-s, PI. wie Sg.): Kupfer- schmied; Kesselflicker (bei Frisch 1741), mhd. keg^elcere, keggeler, and. ketelari m. «Kessel- schmied». ZUS. Kesseljagen, n.: Jagd, wobei das Wild in einen rund eingeschlossnen Platz zusammengetrieben wird, 1719 bei Fle- ming Jag. 2, 108. Gleichbed. Kesseltreiben, n. In neurer Zeit auch übertragen. Ketsche, f. (PI. -n): Kernhaus der Äpfel, 1781 bei Jung-Stilling, mfränk., auch westfäl. kitsche f , aachen. ketsch, kitsch f. ' Kette, f. (PI. -n): Volk jagdbarer Hühner (die Jungen samt den Alten). Ein Jäger- wort, 1775 bei Adelung Ze^e, in ^ Kette (s.d.) 65 1027 Kette keusch 1028 umgedeutet, bei Heppe 1763 Kitte f., 1753 bei Döbel 1, 50^ Kitt n. von Feldhühnern, 1538 bei Herr Columella 85^ kütte f. und 1517 bei Keisersberg Brösami. 2, 89^ kütt n. von einer Vogelschar, ahd. cutti n. Herde», afries. kedde «Schar, Haufe», mnd. kudde n. f. «Herde», ndl. kudde f. «Herde Kleinvieh» (ebenso ndrhein, 1507 bei Diefenbach gl, 270^), noch bayr.-elsäss. kütt f. n. und schles. kütte, kitte f. «Rebhühner Volk», Schweiz, chütt n. «Schar, Rudel», kämt, kutte f. «Viehherde». Man vergl. ]it.güotasm. und gaujäf. «Rudel». ^ Kette, f. (PI. -w): Reihe zusammen- hängender Metall- oder StofFgüeder; bei den Webern der Aufzug. Bei Luther, selbst bei Schuppius, wie noch bayr. Ketten f., mhd. ketene, keten, ahd. chetinna, ketina, chetenna f. ; dazu mndl. ketene, ndl. keten, schwed. kedja, dän. kjäde «Kette». Aus dem gleichbed. lat. catena f. Davon ein Diminutiv Kettel, m. f. : eisernes Band an Tm-en und Fenstern zum Einhängen der Haspe. Ostmd. — ketteil, v.: mit einer Kette binden, fesstln, mhd. ketenen, im 15. Jh. gekürzt keten, ahd. chetennön, aus gleichbed, lat. catenäre. Dazu das Dimin. ketteln, v., I69i bei Stieler. ZTJS. Ketten- hund, m., 1517 bei Trochus H 1^ ketenhund. Kettich, m. (-s): Hederich, sinapis ar- vensis, nd, köddik, kiddik, küdik, ags. cedelc f,, dän, kiddike. Ketzer, m. (s, PI. wie Sg.): Irrgläubiger. Mhd., im 12, Jh, aufgekommen, ketzer m,, auch «verworfner Mensch, unnatürlicher Wol- lust Ergebner», md. auch katzer, mnd. und ndl. ketter (daraus entlehnt schwed, kättare, dän. kjätter), aus gr. KoGapöc «rein», An- gehöriger der manichäischen Sekte der Ka- tharer, die sich im 11. u. 12. Jh. im Abend- lande verbreitete und von der rechtgläubigen Kirche verfolgt wurde; die Italiener nennen sie Gazari. ABL. Ketzerei, f. (PI. -en): Irrgläubigkeit, mhd. ketzerte, auch «unnatür- liche Wollust», ketzerisch, adj., im 15. Jh. (Fastnachtsp. 9, 24; 13, 4), dafür mhd. ketzer- lich, ketzern, v., in verketzern, im 15, und 16. Jh. ketzern «zum Ketzer machen», im 16. Jh. «martern, quälen», eig. «wie einen Ketzer behandebi», noch bayr.-rhein.-schweiz. ketzern «das Leben sauer machend kleinlich quälen», elsäss. verketzern «verderben, bös- willig beschädigen». Keuche, Keiche, f. (PI. -n): dumpfes Gemach; Kerker. Bayr.-östr., 1594 bei Frisch- lin Nom, Cap. 155 Keuch, in Augsburg Keuche und Kauche, ältemhd. Keiche, mhd. kiche f.; von keuchen (s, d,), eig. «Ort, der den Atem benimmt», keuchen, v,: schwer atmen. Bei Fischart Garg. 455 keuchen, 1537 bei Dasypodius keu- chen, aber älternhd. bis ins 18. 'Jh. keichen (bei Wieland, d. j, Goethe 3, 243, noch bei Rückert 2, 140), mhd, ktchen «keuchen» neben küchen «stark hauchen» (älternhd. hauchen, 1517 bei Keisersberg Brösamlin 2, 88^ küchen); dazu mndl. kichen, kuchen, engl, cough «husten», schwed. kika, kikna «nach Luft schnappen», älterdän. kigen «husten». ZUS. Keuch- husten, m. : ansteckender Husten mit Atem- not, 1775 bei Adelung Keichhusten, dafür älternhd. Keuchen, Keichen n., Keuche, Keiche f., mhd. kiche m. f., ndl. 1599 kichhoest (und mit Nasal kinckhoest, mnd, kinkhöste, holst. kinkhösten, engl, kinkhaust, chincov^h), schwed, kikhosta, dän, kighoste. Keule, f, (PI. -n): einem Stabe vergleich- bares unten kugelknopfartiges Schlagwerkzeug usw., Hinterschenkel, Oberschenkel (1517 bei Trochus N4^ kule). In 1, Bed. mhd. kiule (urspr, wohl mehr das dicke, kugelknopfartige Ende, z, B, des Kolbens Parziv. 570, 6), md. kule und ans Nd, anklingend im 14, Jh. kuile (Jeroschin 23692), 1470 keul. Verwandt mit Kaule (Kugel), s. d. Keuler, s. Keiler. keulich, s. kaulicht. Keuper, m. (s, PI. wie Sg.): Buntmergel- sandstein der obersten Triasschicht. Nach der im Koburgschen volkstümlichen Benennung dieses Sandsteins von Leop, v. Buch in der ersten Hälfte des 19. Jh. wissenschaftlich ein- geführt, vgl. bayi-. kiefer m. «Sand, Kies». keusch, adj.: sittenrein, besonders in An- sehung des Geschlechtsverhältnisses. Mhd. kiusche und alem. mit Nasal kiunsch (noch im 16. Jh. künsch), md. kusche, ahd. chüsk chüski, chiuske, im Adv. chüsco, chiusko «ent haltsam, mäßig, sittsam»; dazu asächs, Adv, cüsco (and. kusgi «venustas», cuskitha «pudor») ndl. kuisch, afries. küsk, ags, cüsc. Die Grund bedeutung scheint «rein» zu sein, vgl. ndl kuisch «reinlich, saiiber», kuischen «säubern, putzen», ahd. unküski f. «Schmutz», aprov, cusc «rein, sauber». Dunkler Herkunft, Kaum mit Berneker Idg. Forsch, 10, 161 zu lit. z'auksoti «mäßig sein». ABL. Keusch- heit, f., mhd. kiuscheheit, kiuscheit und alem. mit Nasal künschait (Mone Sehausp. 1, 150, bei Maaler 1561 Künschheit), md. kUscheit, 1029 Keusche Kieke 1030 wofür gewöhnlich mhd. kiusclie, mhd. cMski, chiuski, älternhd. Keusche f. ZUS. Keusch- lamni, n. (s): der süditalische Keuschbaum, agnus castus, dessen erstes Wort irrig als das lat. agnus m. «Lamm» gefaßt wurde, es ist viel- mehi* ä-fvoc m., der gr. Name dieses Baumes, den man fälschlich zu gr. ä-fvöc «unbefleckt, rein» stellte und mit castus übersetzte. Schon im 14. Jb. bei Megenberg 311, 14 käusch lamp. Keusche, Keische, f. (PI. -w): kleines Bauernhaus, in den östeireich. Alpen. Wohl aus dem Slawischen, slov. kajza f. «Keusche», tschech. chyse, abg. chyza f. «Hütte», die dem deutschen Haus entstammen. Davon Keuschler, Keischler, m. {-s, PI. wie Sg.) : Kleinbauer, Häusler, slov. kajzar. Keutel, s. Keitel. kibheln, v. : sich in kleinen Zänkereien auslassen. Mhd. kibelen, kivelen, Diminutiv oder Freqnentativ zu kihen, kiven «keifen». Kihitka, Kibitke, f. (PI. ken und kas). Aus russ. kibitka «halbverdecktes Fuhrwerk, Eeiseschlitten». Kicher, f. (PI. -n), gewöhnlich Kicher- erbse, f., mhd. kicher f. m., ahd. chichera, chichirra, chichura f. (s. ZfdW. 6, 184). In sehr früher Zeit, als das lat. c noch wie k klang, entlehnt aus lat. dcer n. (PI. cicera) «Kichererbse» und cicera f. «Platterbse, Wicke», mit Anklang an das ganz verschiedne roman. cicoria f. «Zichorie». kichern, v.: mit feinem Ton in sich hin- ein lachen. 1517 bei Trochus QS'' kichern, 1482 im voc. predic. c7^ kecherlich lachen; dazu mhd. kach m. «lautes Lachen», kachen «laut lachen», woneben gleichbed, ahd. kah- hazzen, mhd. kachzen; dazu ags. ceahhettan. Lautnachahmend wie lat. cachinnus m. «heUes Lachen», cachinnäre «laut auflachen», gr. Kcxci^eiv, Ka-fxaZeiv «laut lachen, hohn- lachen», aind. kakhati «lacht». Nebenform kickern, v.: kichern (Gotter Schausp. 276), 1711 bei Rädlein kickern «höhnisch lachen», 1727 bei Aler gickeren «cachinnäre», ndl. 1599 kekeren, schon mhd. gickeln «hohn- lachen» (Renner 16109), 1477 clevisch kickein, 1616 bei Henisch gichlen, gicheln, gachlen. Kickerling, s. Kinkerlitzchen. Kicks, m. (Gen. Kickses, PI. Kickse): Fehlstoß (im Billardspiele), Fehlschuß, Fehl- gi-ifif. In 1. Bed. Kicks 1775 bei Adelung, 1732 bei Picander 3, 357 Gix «Fehlschuß». Aus engl, kick «Stoß, Fußstoß». Kickskacks, s. Gicksgacks. Kiebitz, m. (-es, PI. -e): der Sumpfvogel vanellus. 1664 bei Duez Kifitz, Kibitz, Kiivitz, 1615 bei Colerus 5, 201 Kybitz, Kübitz, Kybit, Kybelit, Kybelitz, 1562 bei Mathesius Sarepta 68'' Kibitz (als Scherzname für «Chorschüler- lein»), mnd. kivit, kiivit, ndl. kievit. Aber obd. mit G im Anlaut, z. B. bajr. Geibitz, 1419 geybitz, 1445 gratüfeic^ (SchmeUer^ 1, 868), 1482 im voc. theut. k6* gebytz, bei H. Sachs 4, 280 Geubitz, 1598 bei Helber 37 geiwiz, mhd. giu'iz, gtbig, gübitz-, älternhd. auch Gl/ fitz (Maaler 1561, PI. Gifitzen bei Fischart Gai-g. 376), Geifitz (1594 bei Frischlin Nom. Cap. 40). Der Name stimmt mit dem Rufe des Vogels. ^Kiefer, m. (-s, PI. wie Sg.): Kinnbacken; Fischkieme (1716 bei Ludwig, aber schon 1476 keuffer bei Diefenbach nov. gl. 58**). In 1. Bed. 1691 bei Stieler Kifer, mhd. kiver und kivel m., später kiffel und kiefel (im 15. und 16. Jh. kyfel auch «Fischkieme»); dazu asächs. kaflos PI. m., ndl. kevels PI. f., ags. ceafl m. «Kiefer», anord. kjaptr, kjöptr m. «Kinnbacken», schwed. käft, dän. kjäft. Zu mhd. kifen, ki feien «nagen, kauen», wovon auch Kiefe f., 1462 kieffe, Äz/f «Fischkiefer» (Mone Anz. 7, 307^; SOI*'), nd. kiffe «Kinn- backen», keve «Fischkieme», während mhd. kiive, kewe, kiuwe, kouwe, ahd. chiuwa, chiwa, cheiva f. «Kiefer» von ahd. chiuwan «kauen» abgeleitet ist. Außerhalb des Germanischen entspricht wohl awest. zafar- n. «Mund». "Kiefer, f. (PL -n): die harzreiche Nadel- holzart pinus, oberdeutsch Föhre, Kienbaum. Zuerst bei Luther Jes. 41, 19 kyfer f. aus der obersächs.-schles. Volkssprache, gekürzt aus Kienföhre (dem volkstümlichen Namen des Baums in Böhmen, Österreich und Bayern, im Adj. mhd. kienvorhin, um 1480 im voc. ine. teut. g3* und 1562 bei Mathesius Sar. 80^ kinforen), wie die Übergangsformen fränk. Kinfir (Schmeller^ 1, 1256 vom J. 1771) und nordböhm. Kimfer zeigen. ABL. kiefern, adj., 1544 in Leipz. Ordn. N2a kyfern, 1562 bei Mathesius Sar. 80^ kiefern; das Adj. in den Zuss. Kiefernholz, Kiefermvald. Kieke, f. (PI. -n): durchlöchertes Blech- gefäß, in das ein Topf mit glühenden Kohlen gesetzt wird, zum Wärmen der Füße. 1667 in dem Anekdotenbuch «Gepflückte Fincken» 5. 11 Kiecke, 1711 bei Rädlein Kicke, Gicke, 1729 bei Picander 2, 249 Giecke, aus gleich- bed. nd. (1785 bei Voß 2, 275 Feuerkieke), mnd. Mke f., wofür dän. ildkikkert «Feuer- kieke». Dunkler Herkunft. 65* 1031 Kiel Kiepe 1032 *Kiel, m. (s, PL -e): der untre hohle Teil der Flügelfeder des Vogels; Schreib- feder; Pflanzenstengel (im 18. Jh.). Mhd. kil m. n. «Federkiel», jedoch ndrhein. im 15. Jh. keil, kijl (Diefenbach gl. 277*'), elsäß. 1579 bei Golius 288 keil, schwäb. 1646 bei Weck- herlin 2, 307 federkeil, 1663 bei Schottel Kejl und federkeil, 1691 bei Stieler Kiel, Keil et Kengel (wie Stiel neben Stengel)] daneben ein Fem. obersächs.-thüring. kiele, auch schles. 1734 bei Steinbach Kiele f., schon 1587 bei Soranus Federkile f. Nebenform westfäl. quidle f., entsprechend engl, quill «Fedei'kiel, Stengel». Dunklen Ursprungs. J_Biy. kielen, V.: Ansatz zu Federn haben, md. im 17. Jh., dagegen bei Luther Tischr. 242^ und 1691 bei Stieler keilen. ^Kiel, m. {-es, PI. -e): der lange Grund- balken des Schiffes. 1691 bei Stieler Kiel, Kehl, 1784 bei Steinbach Kiel, Keel, aus dem Nd., mnd. kil, kiel, kel, 1594 bei Chyträus keel, ndl. kiel, ags. cele m., anord. kjölr m., schwed. köl, dän. kjöl «Schiffskiel», auch «Gebirgsinicken»; aus dem Germanischen entlehnt das gleichbed. franz. quille, ital. chiglia, span. quilla f. Man nimmt Verwandt- schaft mit Kehle an, was aber nicht sicher ist. K. wurde vermengt mit dem urspr. verschiednen Kiel m. «Schiff», mhd. kiel, ahd. kiol m. «groß res Schiff»; dazu and. kiol, ags. ceol, clol m. «Langschiff», anord. kjöll m. «Schiff». Man hat gi*. y^öXoc «Kauf- fahrteischiff», ya\)\6c m. «Melkeimer» ver- glichen, doch sind diese eher aus dem Se- mitischen entlehnt, vgl. Lewy die semitischen Fremdwörter 151. Außerdem stimmt der Vo- kalismus nicht. Auch aind. gölas m. «Kugel» bleibt besser fem. Lu letzten Grunde könnten germ. *kela, falls aus idg. g{w)elä und *keula durch Ablaut verbunden sein. Vgl. noch Btr. 23, 227. ZUS. kielholen, V.: ein Schiff zum Ausbessern auf die Seite legen; einen zur Strafe unter dem Schiffskiele durch das Wasser ziehen (herumholen), nd. und ndl. kiel-halen. Entlehnt schwed. kölhala, dän. kjöUiale, engl, keelhaul, keelhale. Kiel- schwein, n. : schwerer Holzblock am Schiffs- kiel, worauf der Mast steht. 1734 bei Stein- bach Kielschwin, aus dem Nd., wo auch kolswinn, gekürzt kolseni, wohl entlehnt aus dem Nord,, schwed. kölsvin, dän. kjölsviin, die aus kjölsvill (svill zu d. Schwelle) um- gewandelt sind. Kielwasser, n.: Wasser- furche hinter dem Schiff, 1775 bei Adeluncr. aber ndl. 1599 kielwater n. «AVasser im Kiel- raum des Schiffes». • Kielkropf, m. (-[e]s, PI. Kielkröpfe) : groß- köpfiges, dickhalsiges Kind, das man als von Zwergen untergeschoben ansah, Wechselbalg Bei Luther Kilkroh, PL Kilkroppe (8, 90^ J., in den Tischr. 210 '^ Kilekröpffe, 213 * Kil- kröpff), zgs. wohl aus Kropf (s. d.) und Kiel m. «Quell» (1562 bei Mathesius Sar. 96^; 165^), ältermd. quil f. «Quelle», denn man glaubte wohl, solche mißgestaltete Kinder seien aus Wasser oder Wellen hervorgegangen. Urspr. westmd. und nd. Wohl mit Anlehnung an Kaul in Kaulkopf (s. d.) 1550 bei Alberus Fab. 39, 101 kolkropff m. Kieme, f. (PL -n): Fischkiefer. Erst im 17. Jh. in den spätem Ausgaben des Soranus und 1716 bei Ludwig ^ieme, 1663 bei Schottel Kimme f.; dafür fräher 1482 im voc. theut. q4^ kinlein, 1462 kieffe (s. ^Kiefer), An- fang des 15. Jh. kiwe (Diefenbach nov. gL 58 1'), 1666 bei Comenius Sprachenthür 163 Kibe, 1716 bei Ludwig, 1734 bei Steinbach Kiepe f., 1558 in Eber-Peucers Vocab. rei num. H2^ kampffm.; dazu and. kio m., kian PL «branchia», ags. ciun, ceon. Die Herkunft ist unsicher. Grundform ist wohl *kimno-. Kien, m. (-es): das harzvolle Holz der Kiefer zum schnellen Feueranmachen oder Leuchten, sowie das Harz selbst. Mhd. kien m. n., ahd. cMen m. «Kiefemharz, Kienspan, Harzfackel, Kienbaum», im 15. Jh. auch «Kien- apfel»; dazu mnd. ken, ags. cen m. «Harz- holzfackel, Kiefer». Im 17. und 18. Jh. in Mitteldeutschland Kühn geschrieben, 1574 bei Fischart Onomast. 89'' Kün. Dunkler Her- kunft. Vgl. Wiedemann BB. 29, 314. ABL. kienig, adj., um 1480 im Voc. ine. teut. n2*' kinig. ZUS. Kienapfel, m.: Samen- zapfen der Kiefer, 1501 im Leipziger Voc. opt. V 8** kinapfel, später auch Kühnapfel (1613 bei Golems 421*'). Kienbaum, m.: Kiefer, mhd. kienboum. Kienruß, m.: Euß von Kienholz, 1618 bei Schönsleder Kienrueß. Kienspan, m., 1711 bei Rädlein. Kiepe, f. (PL -n)-. langer geflochtner Rückentragkorb. 1595 bei Helvig 178 Kipe, 1482 im Voc. theut. q4* kype, aufgenommen aus mnd.kipe, nnd. küpe, clevisch 1477 kyppe f. ; dazu mndl. cüpe f., ndl. kiepekorf m. «großer Tragkorb», kih «Fischreuse von Flechtwerk», ags. cypa f. «Korb», in engl. Mundarten kipe «Fischreuse», norw. kipe «Weidenkorb zum Trasren auf dem Rücken». Wohl verwandt 1033 Eies Kimme 1034 mit anord. kom-kippa «Behälter für Saatkorn», mhd. keibe f. «Mastkorb». Zugleich scheint aber lat. cüpa f. «Tonne, Faß, Getreidemaß» mit darin zu stecken. Bei den obersächs. Winzern an der Elbe auch in der Bed. «Faß, Bütte», in Nordböhmen «hohes Faß der Färber». Kies, m. (Gen. Kieses, PI. Kiese): grober, steiniger Sand; im Bergbau geringhaltiges metallisches Erz (im 15. Jh. kys, «antimonium» bei Diefenbach, mhd. kis «schlechtes Metall», bei Berthold v. Regensburg 1, 147, 27), In 1. Bed. mhd. kis, schon bei Luther gedehnt Kies (Jes. 48, 19), aber noch in md. Mund- arten kiss; dafür in Xorddeutschland Grand (s. d.). Dazu ndl. kei «Kiesel». Zupitza Gutt. 194 vergleicht weiter lit. z'iegzdros f. PI. «Grand», apreuß. sixdo «Sand», Hierher auch phryg. -ficca «Stein»? ABL. Kiesel, m, (-S, PI, wie Sg.j: sehr fester Stein aus Kiesel- erde, mhd. kisel, auch in der Bed, «Hagelstein, Schloße» (wie noch fränk.-hess.-rhein. Kiesel m, «Hagel»), ahd. kisil m., ags. cisil, ceosel m, «Kieselstein», in weitrer Ableitung Kieseling, Kiesling, m,, bei Luther Spr. 20, 17 kiseling, mhd. kiselinc, ahd. chisüing m.; dazu mnd. keser-, kesser-, kiser-, keselink m., ndl. kese- linge. Kieselgur, f.: Bergmehl, Lifusorien- erde. Zgs. mit Chir (s. d. ). Kieselstein, m. erst nhd., 1501 Leipziger Yoc. opt, Bb 4^. kiesig, adj., bei Luther 5. Mos. 21, 4 kiesicht, 1562 bei Mathesius Sar, 156* kisig. • kiesen, v. (Prät, kor, Konj. köre, Part. gekoren): prüfend ausersehen, auswählen, er- wägend wählen. Seit dem 17. Jh, nur noch in poetischer Sprache. Mhd, kiesen (Prät, kos, Plur. kurn, Prät, gekorn und schwäb.- aleman, gekosen), auch «prüfend kosten», ahd, cMosan; dazu asächs, kiosan, mnd, kesen, keisen, mndl, kiesen, ndl, kiezen, afries, kiasa, sziasa, ags, ceosan, engl, choose, anord. kjösa, got, kiusan. Verwandt sind gr. feuecBai «kosten», aind, jusäte «hat gern, findet Ge- fallen, hebt, kostet», awest, zaoia- m. «Ge- fallen», apers, dausta (2. Sg, Aor, Med,) «liebe- voll behandeln», alban, desa (Aor.) «ich liebte», ir. to-gu «Wahl», lat, gustäre «schmecken», degüno «koste». Vgl, küren, kosten. Kiez, m, (-s) : Ort, wo die Fischer bei- sammen wohnen, Li Nordostdeutschland, Bei Haltaus 1073 der kytz als Gerichtsstätte vor der Stadt Brandenburg, vom J. 1249, Wahrscheinlich slawischen Ursprungs. Kieze, f. (PI. -«): Rindengefäß zu Erd- beeren usw.; Korb; Starkasten. 1741 bei Frisch Kieze, 1562 bei Mathesius Sar, 274» Kitze f,, bei dem Schlesier Czepko (t 1660) Kiez m,, Nebenform zu Kötze (s. d,), Kikeriki, der Hahnenschrei, 1787 bei Schubart Ged, 2, 253 Kikriki, bei Gleim Kikri, dafür 1595 bei RoUenhagen Froschm, 1, 2, 2, 73 guck guck curith. Kilber, f. (PI, wieSg,): weibliches Lamm, Mutterlamm, noch thüring, - fränk, - österr.- schweiz. Mhd. kübere, ahd, chilburra, kühira f. «Lamm», ags, cilforlamh n. S, KäW. Kilogramm, n, (-s, PI. -e): lOOO Gramm (2 Pfund), und Kilometer, n, iind m, {-s, PI, wie Sg,): 1000 Meter, 1868 gesetzlich auf- genommen aus franz.kilogramme m, (s.Gramm) und kilometre m,, deren Mio- aus gr. xi^ioi «tausend», in Zusammensetzungen xi^io-- Kilt, m, {-es, PI, -e): Nachtbesuch des Jünglings bei dem Mädchen. Schweizerisch, elsässisch, eig. Abendtätigkeit, besonders im geselligen Beisammensein. Aus Quilt, wie keck aus queck, noch elsässisch quelte. Ahd. 817 chtviltiwerch n. «Abendwerk», d. h, «Ar- beit am Abend bei Licht», anord. kveld n., schwed. qväll m., dän. kveld «Abend», ags, cwyldseten f. «Abend», cwyldtld «Abendzeit». Das Wort gehört zu ags. civield «Zerstörung, Tod», lit, gälas m, «Ende», Die idg, Wg, g'"''el- ist in ihren Bedeutungen außerordent- lich weit verzweigt. Vgl, noch Zupitza Gutt, 85. ZUS. Kiltgang, m., wie Kilt. Kiltgänger, m.: nächtlicher Besucher. ^ Kimme, f, (PI. -n): Kerbe in den Dauben, am Gewehr usw. In Nord- und Mitteldeutsch- land, 1557 bei Agricola Bergwerk 135 kimme, 1716 bei Ludwig Xetwe, holstein. ^?eme. Vgl. ags, cimbing f. «Fuge», ABL kimmen, v, : die Kimme einschneiden, 1741 bei Frisch. Davon Kimmer, m.: Böttcher, nord- und z. T. mitteldeutsch, mnd. kimmer, kiemer m. ^ Kimme, f. (PI. -n): vor-, übertretender scharfer Rand. An Fässern 1663 bei Schottel, Aufgenommen aus nd, kimni m., kimm^ f. «äußerster Rand, den Faßboden überragender Faßdaubenrand, auch «Horizont», ndl. kirn, kimme f., 1599 bei Kilian kirne, kimme, kieme; schwed. kim m. «Faßdaube», engl, chimh, chime, mengl, chimhe «überstehendes Faß- daubenende», Wie es nach dem Englischen scheint, eins mit dem vorigen Kimme, zumal da jener Rand von der Kerbe anhebt, in welcher der Boden sitzt. Vielleicht ablautend zu Kamm. Anders Zupitza Gutt, 144, Dazu Kimmung, f.: Horizont, Luftspiegelung, nd. 1035 Eiud Kinn 1036 Kind, n. (-es, PI. -er): dm-ch Zeugung Entstehendes, der oder die Erzeugte im Ver- hältnisse zu den Eltern oder auch bloß im frühen, unreifen Alter. Mhd. kint (Gen. kindes), ahd. kind n.; dazu asächs.-afries. kind (auch in norw. und schwed. Mundarten), mnd. und mndl. kint (ags. cild n., engl. cMld gehöi-en zu got. kilßeif. «Mutterleib»); ferner anord. kind f. «Geschlecht, Nachkomme» (lat. gens). Alte Partizipialbildung auf -t (vgl. alt, kalt) zur Wurzel kun, ken, kan « ei-zeugen, gebären», wozu anord. kundr m. «Sohn», got. -kunds, ags. -cund «entstammend», mhd. künne, ahd. kunni, got. kuni n. «Geschlecht», ags. cennan «erzeugen» und gr. y^voc n. «Ge- schlecht», YÖvoc m. «Geburt, Abkömmling, Nachkommenschaft», yevvov «zeugen», fiyve- cöai «geboren werden», lat. gigner e (Prät. genui) «erzeugen», genus n. «Geschlecht», gens f. «Geschlecht, Stamm», awest. zan- « erzeugen, gebären», aind. jfanati «erzeugt», Janas- n. «Geschlecht», Janas m. «Geschöpf, Mensch». Im Plural, den mhd. Formen (Nom. kint, Gen. kinde, Dat. kinden) gemäß, noch mitunter die Kind (Goethe 2, 36). ABL. kindern, v.: ein Kind gebären (schon im 16. Jh., dafür mhd. kinden, ahd. chindön, cMndan, noch Schweiz, chinden); kindisch tun (1691 bei Stieler, davon Kinderei, f., 1648 bei Zesen Ibrahim 115 Kinderey). kindisch, adj., mhd. kiiidisch, kindesch, ahd. chindisc, kindisc, asächs. kindisk (ags. dldisc «kindlich, jugendlich»), im tadelnden Sinne schon mhd. (Passional 262, 36 Köpke). Kindlein, n.: kleines Kind, mhd. kindelin, ahd. kindilin, cliindilin, im Plur. auch Kinderlein, 1482 bei Melber K5^ kinderlin, daneben mhd. kindel, ahd. chindili, noch oberd. Kindel n.: dafüi- md. kindekln, kindichln, nhd. Kindchen n., im Plur. gewöhnlich Kinderchen (schon im 16. Jh.), nd. kinderken (ühland Volksl. 81). kindlich, adj., mhd. kintlich, ahd. chindlih, im Adv. mhd. kintliche, ahd. chindlihho. ZUS. 1) eigentliche: Kindbett, n.: Wochenbett, mhd. kinthette (daneben kindelbette) , ahd. chintpette, chindebette n., woneben ältemhd. und noch Schweiz, ein Fem. Kindbette; da- von Kindbetterin, f : Wöchnerin, mhd. kintbetterinne, -betterin, auch kindelbetterin f. Kindelbier, n.: Kmdtaufsschmaus, 1691 bei Stieler, dafür bei Luther 4, 117^ Kinderbier. Kindheit, f., mhd. kintheit, ahd. cindheit f. (ags. cildhäd) m. Kindschaft, f., bei Luther. Kindtaufe, f., mhd. kinttoufe, daneben im 15. Jh. kindeltouf m., im 16. Jh. kindtteufete f. Zimm. Chron.'^ 4, 47, 13. — 2) un eigentliche a) mit dem Gen. Plur.: Kinderfrau, f.: 1691 bei Stieler. Kinderfreund, m.: Zeit- schrift für Kinder. Chr. F. Weiße gab 1775 die erste unter diesem Namen heraus. Kinder- garten, m.: Erziehungsanstalt für kleine Kinder. Von Fröbel 1840 begründet und benannt, kinderhaft, adj., 1775 bei Adelung. Kinderlehre, f., beiDiefenbach-Wülcker 697 vom J. 1611, mnd. kener lare ebd. kinder- leicht, adj., 1800 bei Langbein Ged. 2, 75. kinderlos, adj., 1664 bei Duez. Kinder- mädchen, n., 1691 bei Stieler, dafür bei Luther Kindermagd. Kindermuhme, f, 1691 bei Stieler, in Thüringen und Ober- sachsen. Kinderschuh, m., 1535 bei Luther 6, 292^ die Kinderschuch ausziehen. Kinder- spiel, n., in der Bed. leichtes Tun im Gegen- satz zu ernstem schon mhd. chindispil, kinde- spil, kintspil, auch kindes spil, 1561 beiMaaler Kinderspill n.; im gemeinen Leben auch «Menge von Kindern». Kinderstube, f., 1618 bei Schönsleder kinderstuben , «pgeda- gogium», aber schon vom J. 1496 bei Kriegk Deutsches Bürgert. 364 kinder stöbe f. «Schule» (des Lieb fi'auen Stifts in Frankfurt a. M.). Kindertaufe, f.: an Kindern voUzognes Sakrament der Taufe, früh im 16. Jh., 1525 bei Zwingli Kindertoufm. Kiuderzucht, f., bei Luther 6, 433''. — b) mit dem Gen. Sing.: Kindesbein, n., ahd. vona chindes peine, mhd. von kindes heine, bei M. Rinckart (f 1649) V071 Kindesbeinen an. Kindeskind, n., mhd. kindeskint n. Kindesnot, f. : Geburtswehen, bei Luther in Kindesnöten sein, mhd. in noeten. Kindesteil, m. und n.: der gesetzliche An- teil eines Kindes an der Erbschaft, 1691 bei Stieler. Kindskopf, m.: Dummkopf, 1776 bei Wagner Kindermördeiin 37. Kinkerlitzen, Plur. (in Bayern) mit dem Dimin. Kinkerlitzchen (Gotter Schausp. 216) : Flitterkram, Flunkereien. Md. Der erste Teil des Wortes berührt sich mit md. Kickerling m. «schlechtes Geldstück, ver- krüppelte Pflaume, verwachsnes Kind» (auch Kinkerling) «unausgewachsne Feder beim Federschleißen», nordital. chiccheri, chichera «Flitterstaat», engl, kick «neues Putzstück», der zweite Teil entspricht bayr. litz, litzen, mhd. Uz, litze m. «Laune, Grille», ahd. liz m. «Vorwand», got. Uta f. «Verstellung». Kinn, n. (-[e]s, PI. -e): vorstehender Kopf- teil unter der Unterlippe. Älternhd. auch 1037 Kiosk Kirche 1038 Kien, Kihn, aber lahd. kinne, ahd. kinni n. «Kinn, Kinnlade»; dazu asächs. A'inm' n. «Kinn- backen», ndl. kinne, kin f., ags. cinn f., engl. chin «Kinn», anord.-schwed. Ä:?wn f., däja..kind, got. kinnus f. «Backe». Im 16. und 17. Jb. auch Kinn m. (1517 bei Trocbus X 2''), ebenso and.Ärin, -mnd.kin, kinne m., obersäcbs.-thüring. auch Kinne f. Es gehört zu lat. gena f. «Wange», kymr. geii «Wange, Kinn», gr. fevvc f. «Kinnbacken», -fivexov n. «Kinnlade, Kinn, Kinnbart», lit.zändas m. «Kinnbacken, Kaefer», arm. cnaut «Kinnbacke, Wange», aind. hänusi. «Kinnlade». ZUS. Kinnbacken, m., bei Luther Kinbacke, mhd.kinnehacke, ahd. chinni- pacho m.: dazu andfrk. kinnehako m., mnd. kenne-, kinnehacke f., ndl. 1599 kinnehacke, afries. kinhaka, kenhak. Kinnbein, n.: Backenknochen, mhd. kinnebein, ahd. chinni- pein, ags. cinhän, anord. kinnbein n. Kinn- kette, f. :, Kette am Pferdegebiß unter dem Kinne, im 17. Jh., dafür mhd. kinnereif, spät- ahd. chinne-, chiniraif m. Kinnlade, f., 1768 bei Moerbeek: Lade ist das Gestell, worauf oder worin etwas befestigt ist, z. B. Gestell des Hakenpflugs, Lafette des Ge- schützes (schon im 15. Jh.), Schaft der Arke- buse (1664 bei Duez), die Schalen des Basier- messers (1539 bei Braunschweig Chirurg. 43), 1658 bei Corvinus fons lat. 1, 590^ die Laden. darinnen die Zeene stehen. Kiosk, m. [-es, PI. -e): tüi-k. Gartenzelt oder Gartenhaus auf Säulen, 1787 bei Goethe 17, 38, 1791 bei Eoth. Aus türk. k{j)ösk «Gartenhaus». Kipfe, f.: Spitze, bei Luther Hiob 39, 28 kipffe, s. Kippe. Kipfel, n. (-S, PL wie Sg., bayr. auch Kipf m.): hornfönniges Weizenbrötchen. Bayr.- österreich. (bei Abraham a S. Clara), vom Österreich, kipfe m. «feines Gebäck» (13. Jh.). Vielleicht verwandt mit spätmhd. kipphel n. und chipf n. f., ahd. kipfa f. « Runge, Stemm- leiste am Rüstwagen». Kipparsch, m.(-es, Fl. Kippärsche): wund geriebne Stelle am After vom Reiten oder Gehen in der Hitze. Zunächst vom Reiten: wohl zsg. mit kippen «auf- und abschnellen», wie dies bei unfesten und unsichern Reitern vorkommt. Md. 1340 und mnd. 1424 kipars m. ^ Kippe, f. CPl. -n): Punkt des Schwankens undUmschlagens (1734 bei Steinbach); die jähe Spitze (s.Kipfe); Goldwage (1768 bei Moerbeek). Aus Nord- und Mitteldeutschland ins Hoch- deutsche aufgenommen, thüring. Kipfe, Kepfet in l.Bed., 1711 bei Rädlein Kippet «Schaukel». Von kippen. "Kippe, f.: Gemeinschaft (Kippe machen), aus der Juden- und Gaunersprache. kippeln, v.: kleinlich zänkisch sein, mhd. kipeln, noch Oberdeutsch-Hessisch. Neben- form zu kibbeln (s. d.). kippen, v.: intr. wie auf einer Spitze umschlagen, das Gleichgewicht verlierend umschlagen: trans. die Spitze {Kippe) oder Spitzen abhauen, abschneiden; leicht anhauen. In 1. Bed. 1663 bei Schottel; in 2. Bed. 1540 bei Alberus dict. Qq 4^, aber 1508 bei Alten- steig 61*^ kipfen. Bei Lessing 8, 23 kuppen, in der Insel Felsenburg 2, 314 aufküpfen, in der 1, Bed., als wenn das Wort von Kuppe (s. d.) käme, was falsch ist. Das Wort gehört vielmehr zu anord.-schwed, kippa, dän. kippe «rücken, wippen» und weiter zu anord. keifr «schief». Kipper, m. (-5, PI. wie Sg.j: Münz- fälscher; wucherischen Münzwechsel Treiben- der. Zuerst 1619, von kippen «mittels Auf- und Abschnellens der Wage die voll- und überwichtigen Münzen ausscheiden» (dann aber auf kippen «am Rande beschneiden und verstümmeln» 1711 bei Rädlein bezogen), zumal da in Kipper und Wipper ^< wucherischer, betrügerischer Münzwechsler, Münzfälscher» der letzte Ausdi-uck auf wippen «wägen, schnellen» (s, Wippe) zurückgeht. Man legte den Schlag der Wachtel als Kipp die Wipp aus, und deshalb hatte eine Flugschrift von 1621 den Titel Kippediwipp oder Wachtel- gesang. ABL. Kipperei, f., 1691 bei Stieler Kipperey. Kirb, s. Kirchweih. Kirche, f. (PI. -n): christliches Gottes- haus; Gesamtheit der Christen; christUcher Gottesdienst. Mhd. kirche, am ObeiThein küche, ahd. kirihha, chirihha (841 bei Wala- fiid Strabo Liber de exordiis cap. 7 kyrica i. e. dominica a Domino mmcupatur), bei Isidor (8. Jh.) chiriihha (d, i. chirihha), bei Xotker chiliclia (noch schweiz.-oberrhein. Chilche) f.; dazu and. kirika, kerika, mnd. kerke, karke, mndl. kerke, afries. kerke, tzerke, ags. cyrice, cirice, engl, church, anord. kirkja f., schwed. kyrka, dän. kirke; ebenso abg. crüky. Noch vor der ahd. Zeit mit Genuswechsel ent- lehnt aus gr. KupioKÖv n. «Gotteshaus, Haus des Hen'n» (während des 4. Jahrh. ge- bräuchlich, zur selben Zeit als die Goten von arianischen Griechen das Christentum 1039 Kirche Kirsche 1040 annahmen), eigentlich Adj. in der Bed, «dem Herrn gehörig», von gr. KÜpioc m. «HeiT»; das Fem. KupioKr) dagegen kommt nicht in Betracht, denn es bedeutete bis ins 10. Jh. «Tag des Herrn, Sonntag», erst im 11. Jh. «Gotteshaus». Der Schwund des a findet darin sein Analogen, daß auch der Name Gyriacus schon früh als Cyricus vorkommt. ABL. Kirchlein, n., mhd. kirchelin, da- neben kircliel, ndrhein. im 15. Jh. kircheigen, nhd. Kirchelchen, kirchlich, adj., mhd, kirchlich, alemann, kilchlich, ahd. chirlich (d. i. chirchlich), ags. cyricUc. Kirchner, m.: Küster, Meßner, mhd. kirchener m. ZUS. 1) mit Kirch-: Kirchfahrt, f.: Wallfahrt, Bittfahrt (mhd. kirchvart, mnd. kerkvart f.); Kirchspiel (1741 bei Frisch). Kirchgang, m., mhd. kirchganc, mnd. kerkgank m. Kirch- hof, m. : eingefx'iedigter Raum um die Kii'che, zugleich als öffentliche Begräbnisstätte, dann bloß diese, mhd. kirchhof, kirchof, frühmhd. chirichhof, alemann, kilchhof, mnd. kerkhof. Kirchspiel, n.: zu einer Kirche gehöriger Bezirk von Gemeinden, mhd. kirchspei, alemann. Michael, kilchspil, md. kirspil, kirspel, köln. 1275 kirspell, afries. kerspel n., eig. «Bezirk, soweit die Verkündigung (Rede) der KJrche reicht», zsg. mit ahd. spei, afries. spei, spil, got. spill n. «Rede, Sage, Verkündigung» (vgl. Beispiel). Kirchtag, m.: Kirchweih- fest, in Österreich und Bayern, schon in mhd. Zeit dort kirchtac m. Kirchturm, m., mhd. kirchturn m. Kirchweg, m., spät- mhd. kirchivec, alemann, kilchwec m. Kirch- weih(e), f., ahd. chirihwiht, mhd. kirchwihe, kirwihe, geküi-zt im 15. Jh. kirwe, kirhei, 1540 bei Alberus dict.F2^ und mm 3^ kirh, wie noch mundartUch in Süd- und Mittel- deutschland Kirhe, Kirh, alemann. Kilbe f. «jährliches Fest mit Musik und Tanz, das sich an die Einweihung einer Kirche knüpft» (vgl. Kirmes), schon im 15. Jh. Kirchwey «Fest» überhaupt (Fastnachtsp. 1344). — 2)mit Kirchen-: Kirchenbuch, n., 1562 bei Ma- thesius Sarepta 194^; ags. cyricböc f., engl. church-book. Kirchendiener, m.: Auf- wärter in der Kirche, bei Keisersberg und noch im 18. Jh. Prediger. Kirchengeschichte, f., 1691 bei Stieler. Kirchenlicht, n.: ausgezeichneter Kirchenlehrer, 1576 bei Ma- thesius Luther 211'', noch kirchenlat. lumen ecclesiae (13. Jh.). Kirchenmaus, f.: in einer Kirche wohnende Maus, die dort keine Vorräte findet, im 18. Jh. Kirchenstaat, m.: das päpstliche Landesgebiet, 1678 bei Krämer. Kirchentum, n., erst am Ende des 18. Jh. gebildet. Kirchenvater, m.: Kirchenlehrer der altchristlichen Zeit, 1711 bei Rädlein, nach mlat. patres ecclesiae «Väter der Kirche; Kirchenältester als Ehrentitel», 1691 bei Stieler. Kirmes, Kirmesse, Kirmeß, f. (PI. Kirmessen und Kirmsen): Kirchweih. Ge- kürzt aus md. (14. Jh.) kirmesse f. «zur Einweihung einer Kirche gelesne Messe, mit Musik und Tanz begangnes Gedächtnisfest der Einweihung einer Kirche, Jahrmarkt. Im 15. Jh. md. kirmeß, im 16. kirmes, ndr- rhein. 14. Jh. kirmisse f. Erst Ende des 15. Jh. die volle Form Kirchmesse; dazu mnd. kerkmisse, ndl. 1599 kerkmisse, kerkmis, norden gl. kirkmass. kirnen, s, kernen. kirre, adj.: aller natürlichen Furchtsam- keit benommen, zutraulich. 1691 bei Stieler kirre, 1664 bei Duez kirr, kürr, bei Luther körre, 1482 im Voc. theut. pp S'' kurre, md. kurre, im Renner kürre, ein ostmitteldeutsches Wort mit k aus qu, denn nd. quir, quir, quer, mnd. quere «kirre», got. qairrus «sanftmütig», qairrei f. «Sanftmut», anord. kvirr, kyrr, schwed. qvar, dän. kvär «ruhig». Nicht er- klärt. Denn die Vergleiche mit lit. gurus «bröckelig, locker» oder geras «gut» (Btr. 23, 352)- sind nur Notbehelfe. ABL. kirren, V.: kirre machen, 1691 bei Stieler kirren, 1719 bei Fleming Jäger 243^ körren, bei H. Sachs kern, kerrn. kirren, v. (Prät. kirrte, Part, gekirrt): einen scharfen, schneidenden, seufzenden Ton von sich geben. Schweizerisch. Spätmhd. kirren, Nebenform des gleichbed. starkbiegen- den mhd. kerren (Prät. kar, Plur. kurren), ahd. kerran, cherran, zu lat. garrire «schwatzen», garrulus «geschwätzig», gr. yhP'Jc f. «Stimme, Ton, Schall». Vgl. Zupitza Gutt, 78. Kirsche, f. (PI. -n): Die Frucht des Kirschbaums. Im 16. Jh. Kirse und Kirsche, schon im mrhein. Voc. ex quo von 1469 kirsche, um 1470 kersch, mit seh aus s (vgl. Birsch, Hirsch), mhd. kerse, kirse, bei dem Schweizer Boner 8, 33 kriese (noch schweiz.- oberrhein. Chriesi n.), ahd. kirsa f. In sehr fiiiher Zeit durch Vermittlung des Lateinischen (cerasum und mlat. cerasium n. «Kirsche», cerasus und mlat. cerasius «Kirschbaum») entlehnt aus gr. Kepdciov n. «Ivirsche», Kepac^a, Kepacia f. «Kirschbaum», d. h. wohl «Baum 1041 Kirsei Kitz 1042 mit homhartem Fruchtkerne» (gr, K^pac n. «Hörn», vgl. Hornkirsche, Kornelbauni), mit Steinfrucht, der besonders um die westlich von Trapezunt am Schwarzen Meer gelegne Stadt Kerasunt (gr. KepacoOc, lat. Cerasus) wuchs und dieser nach Eustathius (zu Hom. Bias 2, 853 und zu Dionys 456) den Namen gab, nicht umgekehrt. Aus vorauszusetzendem mlat. cerasia, ceresia stammt auch franz. cerise, prov. serisia, ital. driegia f. «Kirsche», sowie abg. cresinja f. «Kirsche». ZUS. Kirsch- baum, m., mhd. kerse-, kers-, kirshoum, alem. krieshoum, ahd. cherse-, kirs-, chresi-, chriesiboum , and. kirsikhöm m.; davon das Adj. kirschbaumen, ahd. im ll. Jh. kirse- houmin, 1664 bei Duez kirschhäumen. Kirsch- blüte, f., 1691 bei Stieler Kirschhlüt Kirsch- geist, m.: Kirschbranntweia, 1775 bei Ade- lung. Kirschkern, m., 1540 bei Alberus di(3t. Ff 3^. kirschrot, adj., 1670 bei Grimmeishausen Springinsfeld 1 kirschenroth. Kirschwasser, n.: Kirschbranntwein, 1741 bei Frisch, aber bei H. Sachs Kirschenwasser. Kirsei, m. (-s, PI. -e): grobes geköpertes WoDenzeug. 1716 bei Ludwig Kirsey, 1664 bei Duez Kirschey, 1616 bei Henisch Carisey, schon vom J. 1404 bei Schirrmacher Urkunden- buch V. Liegnitz 267 kirsey als Handelsware der ostpreiißischen Kaufleute, 1482 im Voc. theut. q4^und 5* kyrsat, kirsat; dazu gleich- bed. engl, kersey, ndl. karsaai n., 1599 bei Kilian karseye, franz. carise m., ital.-span. carisea f. Dunkler Herkunft. Kismet, n. (-s): unabwendbares Schicksal. Türkisch. Aus arab. qisma «Anteil, Los». Kiß, m. n. (Eisses, PI. Kisse) und Kisse, f. (PI. -n) : langgestielte hölzerne Scharre, die Kohlen aus dem Backofen zu schaiTen, auch wohl Frucht auf der Tenne zusammenzu- scharren. In Westfalen, im Westerwald, in der Wetterau. Ahd. chissa, amd. kissa f. Unerklärt. ABL. kissen, v.: mit dem Kisse heraus-, zusammenscharren. Kissen, n. {-s, PI. wie Sg.): Art Polster zum Daraufliegen, Im 18. Jh. noch häufig Küssen (Adelung, Schiller Teil 4, 2J; Kissen taucht 1462 in houptkissen Mone Anz. 7, 157, 114 auf, bleibt aber bis ins 18. Jh. vereinzelt und wird erst in diesem nach und nach vor- wiegend, Mhd. küssen, küssin, ahd. chussin, cussin, gekürzt mhd. küsse, ahd. chussi n. (noch 1716 bei Dentzler Küsse); dazu ndl. küssen, mndl, cussin. Überkommen aus afranz. cuissin, nfranz, coussin (woher auch engl, Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. cushion, älter quishin), ital. cuscino, span. cojin m., von spätlat. coxinus m. «Kissen für die Hüfte, Sitzkissen». ZUS. Kissen- zieche, f.: Kissenüberzug, 1616 bei Henisch 669, aber md. 1410 küssenzieche f, Kiste, f. (PI. -n): trag- und verschließ- barer Kasten zum Aufbewahren oder Ver- senden. Mhd. kiste, ahd. kista f.; dazu mnd. kiste, keste, mmdl. kiste, ndl. kist, ags. cyst, eist, cest f., engl, ehest Wie das anlautende k zeigt, sehr früh entlehnt aus gleichbed. gr.-lat. cista, gr. KicTr) f. Nebenform seit dem 15. Jh. Küste, noch bei Lessing 12, 170. Kitt, m. (-[e]s, PI. -e): fettes Bindemittel zum Zusammenkleben. 1598 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 17 Kyt, daneben bei Hulsius, Duez und 1734 bei Steinbach Kiet, aber ur- sprünglich Kütt, so noch Rädlein 1711 und Kramer 1719, im 15. Jh. küt m., spätahd, cuti, quiti n. «Leim, leimartiger Klebstoff»; dazu ags. civudu, cwidun. «Baumharz», mengl. Code «Pech», anord. kväda f. «Harz». Ver- wandt mit lat. hitümen n. «Erdpech», amd.jätu n. «Gummi, Lack». Eine Nebenform Kitte f. bei Rückert 2, 296, bei Krämer 1678 Kütt f. ABL. kitten, v.: mit Kitt leimen, 1605 bei Hulsius kitten, 1562 bei Mathesius Sar. 81* und noch bei Goethe 6, 230 kütten. Kittel, m. (-S, PI. wie Sg.): hemdartiges Oberkleid. ]Mhd. kitel, kittel, auch kietel, md, kidel, 1477 clev. kedel, mnd. kedele m., ndl. keel. Im 15. bis 18. Jh. mitunter Küttel mit falscher Ableitung von Kutte. Dunklen Ursprungs. Man hat an Zusammenhang mit gr. xiTUJv «Leibrock» gedacht, was unmittel- bar nicht möglich ist, aber vielleicht indirekt? kittern, v.: heimlich lachen, Anfang des 15. Jh. kittern, kyttern, noch thüring.-fränk., hessisch-oberdeutsch. Kitz, n. (-[e]s, PI. -e): junges Reh im ersten Jahre, mhd. {rech)kitze, ahd. rechkizzi n. Eigentlich identisch mit Kitze, f. (-w) : junge Ziege, mhd. kiz, kitze n. «Junges von der Ziege» (auch vom Reh, der Gemse), ahd. kiz, kizzi «hoedus». Das Wort ist n- Ab- leitung von anoi'd. kiä n., schwed.-dän. kid «Zicklein». Dazu ein Diminutivum norw.-dial. kidla, nhd.-tirol. kittete, mhd. cÄe^eZe«capella», anord. kidlingr m., schwed. kidling, dän. killing. Engl, kid «Ziege» ist entlehnt. Eigentlich wohl «Junges» zu as. kfd, ags. (nd «Spröß- ling», s. u. Keim. Vgl. Palander D. ahd. Tier- namen 118. ABL. Kitzlein, n. {-s, PI, wie Sg.), im 16. Jh. kitzlin, kützlin, mhd. kitzelin. 66 1043 Kitze Klafter 1044 Kitze,f. (Pl.-n): weibliche Katze, Kätzchen. 1716 bei Ludwig Kitze, Kitz, 1729 bei Pi- cander 2, 206 Kietze, im 15. Jh. das Adj. kitzin (Diefenbach gl. 107^), nd. kitte t, im Ablaut zu Katze gebildet. Engl, chit und kitten «Kätzlein», von cat «Katze». Kitzel, m. (-s): wie zitternde Bewegung empfundner Nervenreiz zu Lachen, Husten u. a. Erst frühnhd., 1498 bei Braunschweig Chirurgie IH*' Kützel (in der Ausgabe von 1539 auch Kitzel), bei Luther Kutzel, Kützel, noch bei GeWert Kützel; dazu mnd. kettel m. Von kitzeln, v.: zum Lachen stacheln, zu Lust oder Übermut reizen, mhd. kitzeln und kützeln, kutzeln, ahd. chizilon und chuzilön; dazu ndrhein. im 11. Jh. chitilön, and. kitilon, mnd. kettelen, ags. citelian, engl, kittle, anord. kitla, schwed. kittla, dän. kildre. Wohl laut- nachahmend. ABL. kitzlich, adj., im 15. Jh. kitzelicli, kitzlich (Diefenbach gl. 586^), 1482 im Voc. theut. r8* kutzlich, daneben seit dem 17. Jh. kützelicht, kitzlicht. klabästern, v.: schmieren; schlagen, prügeln;, polternd, störend laufen. In Mittel- und (namentlich in der 2. Bed.) in Nord- deutschland. Aber auch elsäss. klawasteren «mit Lehm verschmieren». Li der 1. Bed. 1781 bei Kindleben. Dunklen Ursprungs. Vgl. H. Schröder Streckformen 150. Klabautermann, m. {-s, Fl. -männer); Schiifskobold. Nach Schröder Streckformen S. 161 steckt im ersten Teil ndl. klauteren «klettern». LTnsicher. Klack, m. (-[e]s, PI. -e): Riß, entzwei geborstne Stelle ; (nd.) Flecken, Fehler. Mhd, klac (Gen. klackes) m. «Riß, Schall, lautes Bersten, Knall, Krach»; dazu ndl. 1599 klack «Krach, Riß», anord, klakkr m. «Klecks, Wölkchen, Klumpen», dän. klak «Flecken», schwed. klack «Hacken an Schuhen», dialekt. auch «Klumpen, Anhöhe». Dazu noch Kleck, Klecks, klecken (s. d.) und eine Reihe andrer Worte in den germanischen Sprachen. Die Grundbedeutung und weitre Verwandtschaft ist unsicher. Vgl. Falk-Torp. Kladde, f. (PI. -n): flüchtiger Entwurf zur Reinschrift; Schmutzbuch, Buch der Ge- schäftsleute zum vorläufigen Eintragen. In 1. Bed. 1779 bei Lessing 13, 631, in 2. Bed. 1710 bei Nehring, 1663 bei Schuppius 2, 29 Kladdebuch. Aus nd. kladde f. «Schmutz, ünreinigkeit», dann «erstes unsaubres Nieder- schreiben», endlich die obigen Bedeutungen; mndl. kladde, ndl. klad f. «Schmutz, Konzept- papier», kladboek n. «Schmutz-, Konzeptbuch». Dazu wohl auch Schweiz, chlot m. «Klecks, Kotfleck», chloten «sudeln, schmieren», und Formen mit t mnd. Matte «Lappen», nhd.- dial. klatz «Schmutzfleck» u. a., vgl. klatrig. Kladderadatsch, interj. zur schaUn ach- ahmenden Bezeichnung eines krachenden Falles oder Zusammenbruchs, norddeutsch; dann als m. Name eines breiten Gebäcks wie Maul- schelle, sowie Titel des 1848 gegründeten Berliner Witzblattes; Zusammenbnich. Vgl. Ladendorf. Lautnachahmend wie klatsch, kladatsch. Vgl. Schröder Streckformen 173. Klaff, m. (-[e]s, PI. -e): Krach, Schall; Geschwätz (schon mhd.); Spalt, schmale Öff- nung (Goethe Pandora 512). In 1. Bed. mhd. klaf, klapf m., ahd. claph in anaclaph m. «Anprall». — klaffen, V.: sich spaltend, ofl'en ohne Schluß voneinanderstehen; klätt'en, V. : wortreich, aber gehaltlos sprechen, bes. lärmend bellen (von Hund und Fuchs). Mhd. klaffen «schallen, klappern, schwätzen», üf klaffen «auseinanderbrechen», älternhd./cZap/ew «klappern», Ä;Ze^/e?i «knallen», Ä;Ze/fe/i « schwät- zen» (Zimm. Chron.^ 4, 218, 25), ahd. chlaphon, claffon «klappern, knallen»; dazu ags. clappan, engl, clap «klappen, klopfen, schlagen». Dazu auch Klappe, klappen (s. d.). Die Grund- bedeutung der Sippe ist «Knall, Klatsch», woraus sich «mit einem Knall schließen oder ötfnßn» entwickeln konnte. Die Wurzel ist wohl lautnachahmend wie abg. klopotü m. «Lärm». ABL. Kläffer, m.: Schwätzer; bellender Hund, bes. kleiner (1775 bei Adelung), mhd. klaff cere, kleffcere m. «Schwätzer, Ver- leumder, Verräter». Klafter, f. (PI. -n), auch n. (Goethe 34, 1, 269): das Maß der weit ausgespannten Ai-me; drei Ellen langer und ebenso breiter Haufen gesetzten Scheitholzes. Jetzt mit kurzem a, aber mhd. kläfter f. n. (noch 1556 bei Frisius Dictionariolum 134*^ Klaafftef), ahd. im 9. Jh. cläfdra f. «Längenmaß der ausgebreiteten Arme» als Holzmaß 1477 in den Städtechron. 4, 17; dazu mnd. in beiden Bed. klachter n., ndrhein. im 15. Jh. glafter, zerdehnt gelafter (Weist. 2, 797). Verwandt mit ags. clyppan, engl, clip «umarmen» und weiter mit ht. glebis «Armvoll», gUbti, globti, lett. glebt «umfassen, umarmen», a^prenQ. poglabü «umarmte». Vgl. Lachter. ABL. klaftern, v. : in Klafter-maß setzen, nach (^er Klafter messen, elsässisch 1529 in den Weisth. 1, 725 (ge)klaftern «mit weit ausgespannten Armen messen». 1045 Klage Klapp 1046 Klage, f. (PI. -n): hörbarer Ausdruck des Schmerzgefühles; (gerichtliche) Beschwerde. Mhd. klage, ahd.-and. klaga f. üiTerwandt mit aind. garhä f. «Tadel», awest. gdrdzä- f. «Klage», aind. gärhati «klagt, klagt an, be- schuldigt, tadelt», awest. gdrdzaiti «klagt», kaum aber mit gr. ßXrixn f. «Geblök der Schafe». Davon klagen, v.: sein Schmerz- gefühl äußern; vor Gericht als Kläger auf- treten, mhd. klagen, ahd.-and. klagon und klagen, wovon weiter Kläger, m., mhd. klager, kleger, spätahd. ciagare m. ZUS. mit Klage: klagbar, adj., mhd. klage-, klaghcere «beklagenswert, Klage erhebend». kläg- lich, adj., mhd. klegelich, klagelich «klagend, beklagenswert», ahd. chlagalih. klaglos, adj., 1315 md. clagelos «gerichtlicher Klage überhoben», im 18. Jh. in der Bed. «keine Klage hören lassend». Klagelied, n., mhd. klageliet rr. ^Klamm, m. (-[e]s, PI. -e): Krampf, Luft- röhr enki-arapf. Mhd. klam (Gen. klammes) m. «Krampf, Klemme, Klammer»; dazu ags. dam, dorn m. «Fessel». Weiter sind wohl ver- wandt lat. glomus m. «Kloß, Knäuel», aind. gulma- m. n. «Strauch, Busch, Trupp Soldaten, Geschwulst im Unterleib». Weitres bei Walde. Schweizerisch. Vgl. klemmen. ^Klamm, f. (PI. -en): Bergspalte, Berg- schlucht mit Gießbach. Oberdeutsch, 1517 im Teuerdank dämme f., im 15. Jh. klam, glam «Schlucht», mhd. wuofklamme f. «Jammertal». Zu ^Klamm. klamm, adj.: eng zusammengedrückt, drückend eingeengt (1663 bei Schottel); allzu spärlich, knapp (Voc. von 1429). Anders 1562 bei Mathesius Sarepta 51* dam gold «dichtes» d.h. «gediegenes, lauteres Gold», schon mhd. bei Heinrich v. Meißen 200, 6 klamer morgen «lautrer, d. h. klarer Morgen»; erstarrt, kalt und feucht (norddeutsch). Zum vorigen. Vgl. klemm und verklemmen. Klammer, f. (PL -n)-. Gegenstand zum Festklemmen. Mhd. klamere, klamer, md. auch klammer f.; daneben das gleichbed. mhd. klampfer, noch bayr. Klamper, kämt. Klamper, Klampfer f. ; dazu anord. klömbr f. «Klemme», neunorweg. klomber «Klemme, enge Felsschlucht». Davon klammern, v., 1589 bei Eoth christl. Hausmütter ABC J5% dafür mhd. klamhen, klampfern, klemheren. Vgl. Klamm, klemmen, Klempner. Klampe, f. (PI. -n)-. an beiden Enden festhaltendes Bindeholz. Aus dem Nd. auf- genommen, mnd. klampe f. «Haken, Spange», bildl. «Steg über einen Graben», nd\.Jdampi. «Klammer, zumal hölzerne», 1477 clevisch clamp «Klemmwerkzeug zum Halten»; dazu dän. klampe, schwed. klamp «Klotz, Holz- stück». Die echt hochdeutsche Form bietet bayr. Klampfe f. «Klammer der Zimmer- leute». Dazu Schweiz. Chlempe. Vgl. Klemme. ^ Klang, m. (-[e]s, PI. Klänge), mhd. klanc (Fl. klenge), ahd. bei Notker cÄZawcÄ; daneben mhd. klinc(g) und klunc{g) m. Dazu ndl. klank m. «Klang, Laut», engl, dank «Gerassel, Ge- klirr», wie ahd. mit k aus gn. Zu klingen (s. d.). "Klang, m. (-[eis, PI. Klänge): seichte von plätscherndem Wasser überfloßne Stelle im Flusse (göttingisch, 1642 in Hessen); (in und um Gießen) offne Stelle im Flußeise. Eins mit dem vor. Wort, denn md. klanc m. «das Plätschern des Baches». Vgl. -Klinge. Klapp, m. (-[e]s, PI. -e): Schall, Krach, 1663 bei Schottel, 1616 bei Henisch Donner- klapp, Donderklapp, 1590 bei Ringwaldt laut. Warb. 70 Klapp m. «Schlag, Schlappe, Un- glücksfall», nd, klapp, ndl. klap m., engl, clap, anord.-schwed. klapp n., dän. klap. Dafür mhd, klapf (s. Klaff). Wie die folgenden Wörter (mit Ausnahme vielleicht von klappern) aus dem Nd. aufgenommen, klapp! interj,, 1600 bei Adrian Mittheil, 371 klip und klap, nd. klapp, engl, clapl Klappe, f. (PI -n): auf- und abschlagender Gegenstand woran, beweglicher Deckel oder Verschluß (1741 bei Frisch); Aufschlag am Rock (1775 bei Ade- lung); Fliegenklatsche (bei Voß), Peitsche (1691 bei Stieler). Nd. klappe f. «auf- und nieder- schlagender Deckel», mnd. klape f. «Klapper», ndl. klap f., eins mit mhd. klaffe f. «Klapper, das Klappern, Schwätzen». Damit zgs. Klapp- horn, n,: Hom mit beweglichen Klappen zum Regulieren der Töne, eine Erfindung des 19, Jh. (1814); daher Klapphornvers ra., scherzhafter Vers nach dem Muster einer Vierzeile, die einen das Klapphorn blasen- den Knaben schildert, erst im letzten Viertel des 19. Jhs. klappen, v.: schallend auf- schlagen (bei Luther); gleichlautend zuein- ander passen, sich zueinander fügen (es klapt bei Luther 3, 442**). Die md, und nd. Form für klaffeti (s. d.), nd. klappen «klatschend schlagen, passen», mnd. klappen «plappern, laut schwatzen»; dazu mndl. dappen «schwat- zen», ndl. klappen «laut widerschlagen», ags. clappan,enci\.dap,sdr\es.-'a.noYd..-SQh.vfedi.klappa « schlagen, klatschen », dän. klappe, entsprechend 66* 1047 klar Klatsch 1048 ahd. Map fön «zusammenschlagen». Klapper, f.: Werkzeug zum Klappern, im 15. Jh. rhein. clapper und nd. clappir bei Diefenbach gl. 125°. 254*», dafür mhd. klepfer, klaffe, md. (bei Eilhart 7029 L.) klepper f. ; davon Freund Klapperbein: der Tod. Im 18. Jahrb. Klapperschlange, f.: mit einer Klapper am Schwänze versehne giftige Schlange in Amerika, 1741 bei Frisch, klappern, v., mhd. klappern, auch kleppern, kiepfern, md. und nd. klappern. Mittels -s abgeleitet, wie Klecks, Knicks, schnapps: Klaps, m. (Gen, Klapses, PI. Klapse und Klapse) : schallender Schlag, 1734 bei Steinhach Klaps m.; RA. einen Klaps haben: etwas dumm sein. Sächsisch- Norddeutsch; klaps! interj., nd. 1767 im brem. Wbch. 2, 788; klapsen, v.: (intr.) klatschen, knallen (1778 bei Hermes Sophiens Reise 1, 242); (trans.) schlagen, md, und nd. . klar, adj. (Komp. klarer, Superl, klarst): das Licht in allen Teilen durchlassend, hell, deuthch; fertig (aus der Seemannssprache). Mhd, klär, dar «hell, lauter, glänzend», mnd. dar, mndl. ciaer, spätanord. klärr, schwed.- dän. klar, aufgenommen aus lat. clärus «hell, leuchtend» (von dessen Fem. dära auch der weibl. Eigenname Klara). Der Komp., mhd. dar er, bisweilen mit Umlaut, im 16. Jh. klerer, bei Wieland, Lessing, Herder, Goethe klärer, der Superl, klärst bei Goethe, klärest bei Schiller. ABL. Kläre, f., mhd, klcere f. «Klarheit», klären, V.: klarmachen, mhd, kloRren, md. kleren und klären, dagegen mhd. klären «hell werden, sich klären». Klarheit, f., mhd. klärheit f. klärlich, adj,, mhd. klär-, klcBrlich, bei Luther klerlich, galt gegen 1800 veraltet, als Adverb aber wieder auf- genommen, Klärung, noch nicht bei Campe. klarieren, v. : ein Schiff, die SchiflFsgüter verzollen. 1791 bei Roth. Nd, een schip kla- reeren; entspr. Ausdrücke sind dän,-schwed.- engl.-span.-portug. Von klar «fertig» s, o, Klarinette, f. (PI, -n): 1690 erfundnes Holzblasinstrument. 1791 bei Roth Clarinett (1813 bei Campe Clarinettist m.). Aus gleich- bed. franz. darinette f., ital. darinetto m,, dem Dim, des ital. clarino m, «hellgellende Trompetenart», von lat.clärus «hell schallend», Klasse, f. (PI. -n) -. ordnende Abteilung. 1610 bei Gödeke Gr,^ 2, 61, 18 und 1616 bei Henisch Claß f., aus lat. classis f. «Ab- teilung», woraus auch das gleichbed. franz. classe f. ZUS. Klassenkampf, m., 1848 von Marx gebraucht, klassifizieren, v,: in ordnende Abteilungen bringen. Von nlat. dassi-ficatio f, «Einteilung in Klassen», aus classis und -ficatio, einer Ableitung von facere «machen», Goethe Br, 8, 3. 79. Klassiker, m. (-S, PI. wie Sg.): mustergültiger Schrift- steller. Im 18. Jh. nach dem franz. (auteur) dassique, von lat. dassicus m. «Bürger ersten Ranges» (civis dassicus), dann Schriftsteller vom ersten Range (scriptor dassicus bei GeUius 19, 8, 15), klassisch, adj,: ersten Ranges seiner Art, mustergültig, nach gleich- bed, franz. dassique vom lat. Adj. dassicus «die (ersten) Bürgerklassen betreffend». Be- leg von 1748 bei Danzel Gottsched 230. klat(e)rig, adj.: unsauber, kläglich, er- bärmhch, schmutzig. Im 18. Jh. (bei Hermes Soph. Reise 6, 587, Wieland 18, 233 vom J, 1776) aufgenommen aus dem nd. kläterig, klatterig «schmutzig, zerlumpt, verwirrt in den Haaren», dann «übel, wenig Erfolg versprechend», von nd, kläter m. «Fetzen, zerlumptes Kleidungs- stück, angespritzter Schmutz, Kotklunker, Klunker von Augenbutter», zu mnd. klatte f,m, «Kleiderfetzen, Verworrenes, verwickelter Rechtshandel», das vielleicht mit Kladde zu- sammenhängt. Das Wort ist auch schweizerisch,' Klatsch, m. (-es, PI. -e): klatschender Schall oder Schlag, Fleck (1711 bei Rädlein); Geschwätz (bei Goethe 5, 133). In 1. Bed. ndl, 1599 Mets, kletse. klatsch! interj,, 1803 bei Kosegarten Jucunde 155, vgl. klitsch. Laut- nachahmend, klatschen, v,: intr. schallen, schallend schlagen (1691 bei Stieler, klatzschen 1651 bei P. Fleming 1, 23 L., glatschen 1668 bei Prätorius Anthropod, Plutonicus 499 und 1674 bei Abele künstl. Unordnung 5, 29) ; schwatzen (1663 bei Schottel). Hervorgegangen aus älterm Matzen in 1. Bed. (bei Luther Tischr. 327 ^ vgl. 1562 bei Mathesius Sar, 208* Matz- niühle, aber 1578 Matzschmühle 146*^), mhd, kletzen in hekletzen «beschmieren, beschmut- zen», ndl. 1599 kletsen «klatschend schlagen» (vgl. klitschen). Davon Klatsche, f.: Werk- zeug zum jK7afec/iew (1691 bei Stieler); klatsch- haftes Weib (1663 bei Schottel): Klatscher, m.: der Klatschhafte, 1691 bei Stieler, Klat- scher 1734 bei Steinbach, und hiei-von Klat- scherei, f. bei Stieler, Klatscherei bei Stein- bach, klatschhaft, adj,: schwatzhaft, bei Stieler. ZUS. Klatschhase, f.: schwatz- hafte Person. Erst im 19. Jh. Klatsch- hüchse, f.: Knallbüchse von ausgehöhltem Fliederholz (1691 bei Stieler); schwatzhafte Person (1775 bei Adelung), Klatschrose, f. : 1049 klauben Kleck 1050 Feldmohn, 1691 bei Stieler, von dem Schalle, den gegen die Stirn zersprengte Blätter der Blume geben. klauben, v.: mit den Fingern stückweise lösend woran arbeiten. Mhd. Mühen, auch klouben, ahd. clübön (vgl. klieben). ABL. Klauber, m., äpätmhd. klüber, klouhoere m. Davon Klauberei, f. : kleinliches Versteifen auf etwas. Um 1780. Klaue, f. (PI. -n) : Hornteil des gespaltnen TierfuÜes: (scherzhaft) Hand, schlechte Hand- schrift. ^Ihd. klä, kläwe, selten klö, ahd. cMäwa, chlöa f.; dazu andfrk. cläwa, nmd. klouwe, klauwe, kläwe, ags. cid, cleo, cläuni f., engl, claw, anord. klö f., schwed.-dän. klo «Klaue». Grundformen *klewä- und klöwä-. Dazu auch Knäuel (s. d.). Weiter sind ver- wandt aind. gläus m. « Ballen >, ir. glö-snäthe, glao-snäthe «Hnea, norma», wörtUch «Ballen- draht», gr..T^o"TÖc m. «Hinterbacke». Weitres bei Walde s, v. gluo. ABL. klauen, v.: kratzen, krauen, krabbeln, 1591 bei Rollen- hagen Postreuter F 3* und 1641 bei Weck- herlin 1, 505 F. klawen, ahd. kläwen, mnd. klouwen, klawen, daneben kleien. klauig, adj.: mit Klauen versehen, bei Voß. Klaus, gekürzt aus Nikolaus (s. d.). Klause, f. (PI. -n): abgeschloßne Kloster- zelle: Einsiedelei; Gebirgspaß. Mhd. klüse, ahd. chlüsa f.; dazu ags. düse f. Aus mlat. dusa f., vom Part, dusus für clausus in den Zusammensetzungen von daudere «ver- schließen»; das gleichbed. mhd. klöse f. da- gegen aus mlat. clausa f. ABL. Klausner, m.: Einsiedler, mhd. klüsencere und klösencere, ahd. klosinäri, mnd. klüsenere, mndl.düsenäre, mit Umlaut spätmhd. kleusener, kleusner, noch 1789 bei Bürger Ged. 2, 152 Klausner. Klausel, f. (PL -n): Schlußsatz; Ein- schränkung, Vorbehalt. 1398 im Cod. dipl. Siles. 10, 246 dausel. Von lat. clausula f. «Schluß, bedingende Gesetzesformel», zu daudere «schließen». Klauster, n. (-s, PI. wie Sg.): Vorhänge- schloß. Am Mittelrhein, aach. Muster f, auch bayr. kloesfer n. «Schloß», 1477 clevisch duyster, ndl. kluister f. «eiserne Bande mit Schlössern», XZaws^er 1719 bei Kramer 1, 151 '', schon asächs. klüstar n. «Verschluß», klüstar- hendi PI. f. «Fesseln», ags. clüstor n. «Ver- schluß», aus lat. daustrum n. «Riegel, Ver- schluß». Vgl. Kloster. Klausur, f. (PI. -en): Ab- und Ein- schließung (1711 bei Rädlein); Klosterzwang; Buchschloß, Gesperr (Janssen Reichskorr. 2, 249 vom J. 1465); Eselsohr im Buche. Aus mlat. dausura f., zu lat. daudere «schließen». Klaye, f. (PI. -n): Griffsteg, Taste des Klaviers oder der Orgel, 1796 in den Xenien Nr. 219. Von mlat. clavis f., PI. daves «die Griffstege der Orgel», deren Windlade durch sie geöffnet und geschlossen wii-d, lat. dävis f. «Schlüssel». ABL. Klayiatür, f.: Griff- brett für zwei Hände. KlaTier, n. (-s, PI. -e): Musikinstrument mit Metallsaiten und Tasten, 1711 bei Rädlein Ciavier, eig. «die Tastenreihe», zunächst der Orgel (1616 bei Henisch Clavir, ndl. 1577 bei Junius davieren PI.), dann des Spinetts (1664 bei Duez Ciavier), aus franz. clavier m. «Tasten- reihe, -brett»; für das Instrument bei dem Brieger Organisten ScherÖer (f 1674) Claver- sing n. aus dem Nd., von gleichbed. franz. davecin, davessin m. Klavizimbel , n.: Saiteninstrument mit Metallsaiten und Griff- brett, Anfang des 15. Jh. davicimbel, daff- cimhel (Diefenbach gl. 126*^), aus mlat. davi- cinibalum n.; dafür 1472 im Heldenbuche Kaspars v. d. Ron davor n. kleben, v. intr. : durch zähen Stoff haftend anhangen. Mhd. Mehen, ahd. kleben; dazu asächs. kliion «festhaften», nmd. ndl. kleven, ags. clißan, deofian, engl, deave «kleben», anord. klifa «schwatzen mit steter Wieder- holung des Gesagten». Mit e aus i zu mhd. kliben, ahd. Miban «haften» (s. kleiben). Da- gegen das trans. kleben «haften machen» gehört urspr. der md. Volkssprache an für hochd. trans. kleiben (s. d.) und ist in der neuem Schriftsprache an die Stelle desselben ge- treten, etwa seit Mitte des 18. Jh., doch findet sich andrerseits schon im 15. Jh. kleben (im Voc. ine. teut. d 6*J und sogar ahd. cMepen in trans. Bed, «kleben machen». ABL. Kleber, m. (-s, PL wie Sg.) : klebender Stoff, Gummi, Baumharz, 1420 cliMr n. «Gummi», md. im 14. Jh. kliber «Schleim», mnd. clever, mndl. clebber, clibher. Im Mhd. das Adj. kleber «klebrig», ahd. depar, ags. dibbor; davon kleb(ejrig, kleb(e)richt, adj., bei Fischart Garg. 66 kleberig, bei Keisersberg klebrecht, uhd. debirik. Kleck, m. (-[e]s, PL -e): an- oder auf- geworfner kleiner Teil einer weichen Masse; verunreinigender Fleck (1562 bei Mathesius Sar. ni*»). Nebenform zu Klack (s. d.); erst im 16. Jh. kleck m. «Riß durch Auf- springen, Flecken», ^vonehen Klecke f. «Spalt» 1051 kleckeu klein 1052 (1663 bei Schottel); noch fränk. Kleck m. «Riß, Sprung in Glas usw.». Vgl. Klecks. klecken, v.: weiche Masse wohin werfen oder fallen machen; verunreinigende Flecke machen; (übertragen) wozu ausreichend förderlich sein. Mhd. klecken, ahd. kieken «laut reißen, platzen, ausreichen, genügen, wirksam sein», im Md. auch «Klecke werfen, einen Fleck machen». ABL. Klecker, m.: Schmierer, 1691 bei Stieler. kleckern, v.: in einzelnen Klecken fallen lassen, bei Stieler. Klecks, m. (Gen. Kleckses, PI. Kleckse): wie Kleck. 1734 bei Steinbach, Klex 1727 bei Stoppe Ged. 1, 207, Klecksgen bei Günther 217. ABL. klecksen, v., erst nach der Mitte des 18. Jh. bei Hölty, Voß, Claudius. Klee, m. (-5, PI. -e, besser Kleearten): die Futterpflanze Trifolium; Trefle, Treif im franz. Kartenspiel, entsprechend Eicheln im Deutschen (1591 bei Fischart im Kloster 10, 920, aber s. v. a. Grün). Selten Fem., 1652 bei Eist Parnaß 694 Klee f , aach. klie f. Mhd. kle m., Gen. klewes, ahd. chleo m. n.. Gen. chliwes «mit Kleeblumen untermischter Rasen», and. de; dafür mnd. klever, kläveren, nnd, klever, klaver (auch kleve) m., ndl. klaver f., ags. clcefre m., engl, clover, entlehnt schwed. klöfver, dän. klever, klöver. Echt nordisch ist norw.-schwed. smäre, isl. smäri. Die Her- kunft von K. ist unklar. Vgl. Björkmann ZfdW. 2, 227 f. ZUS. Kleeblatt, n., im 15. Jh. der PI. klehleter und das Dim. klehletelein; bildlich, Verbindung von dreien (bei H. Sachs 12, 370 und Opitz 1, 440). Kleesalz, n.: aus Bitter- oder Sauerklee bereitetes Salz, 1776 bei Hübner 2323 Sauerkleesalz. Klei, m. (-es, PI. -e): der zäheste Ton. 1691 bei Stieler Kley, 1557 bei G. Agricola 90 roter kle m., bei Voß tausend und eine Nacht 6, 1 flf. Klei f., bisweilen auch Klei, Klai n. Aus nd. klei m. f., im 14. Jh. cley n.; dazu ndl. klei, klai f, 1598 kleye, afries. klai, ags. clceg, engl, clay, dän. klag, mit Ablaut norw.-dial. kli «Schlamm, aufgespülter Kot, zäher Lehm». Nebenformen Kleit (1574 bei Fischart onomast. 44**), wie engl, clayt (in Kent), und ditmars. klen m. Urverwandt mit lat. glus und glüten n. «Leim», glis «humus tenax», gr. T^ivri, yXia und ^Xoid f. «Leim», yX-oiöc m. «klebrige Feuchtigkeit», abg. glina f. «Ton», glenü m. «Schleim». Des- selben Stammes sind ahd. chleimen «aus Ton oder Lehm formen», ahd. klenan, mhd. klenen «kleben, schmieren», ags. cZ^wian «schmieren». ferner kleihen und Kleister (s. d.). Vgl. noch Zupitza Gutt. 147 und Walde s. v. kleiben, v. trans.: aufstreichend haften machen (jetzt verdrängt durch kleben, s. d.). Mhd. -ahd. kleihen mit schwacher Flexion; Kausativ zum starkbiegenden intrans. mhd, kliben «fest anhangen, haften» (Prät. kleip, PI. klipen, Part, gekliben), noch älternhd. kleiben und bekleihen (s. d.), ahd. kliban, ags. clifan «haften». Zu dem gleichen Stamm wie Klei. ABL. Kleiber, m.: Lehmwand- macher, Tüncher; Spechtart. Mhd. im 13. Jh. kleiber m. ZTJS. Kleibscheibe, f.: Maurer- kelle, 1663 bei Schottel, noch in Nassau und der Wetterau. Kleid, n. (-[e]s, PI. -er): was der Mensch zur Bedeckung des Körpers, insbesondre des Rumpfes anhat. Mhd. seit Mitte des 12. Jh. kleit (PI. kleit und kleider); dazu ndl. 1598 kleed, mnd. Med, afries. Math, kleth, ags. seit 8. Jh. cläp, engl, cloth, (entlehnt) anord. klcedi n. «Tuch, Zeug, Kleid», schwed.-dän. Made. Die älteste Bed. ist «Zeug, Tuch», daher noch siegerländ. wöschklead «Taschen- tuch», eig. «Wischtuch». Im Ablaut dazu steht d.g%.clläa m. «Pflaster, Salbe, Geknetetes», so daß K eigentlich «Gewalktes, Gestampftes» bedeutet und mit kleiben, Klei usw. zu- sammenhängt. ABL. kleiden, v.: an dem Körper oder einem Teile desselben mit einem Anzüge versehen; putzen, schmücken, einem gut stehen. Mhd. kleiden; dazu mnd. kleden, ndl. kleeden, engl, clothe, anord. klceda. kleid- sam, adj., neuere Bildung aus der ersten Hälfte des 19. Jh. Kleidung, f.: Kleidungs- stücke, die zu einem Anzug gehören, im 15. Jh. ; damit zgs. Kleidungsstück, n., nach 1770. zus. Kleidermacher, m., 1678 bei Krämer. Kleie, f. (PI. -n): abgemahlne Getreide- hülsen. Mhd. klie, klige, älter kliwe, ahd. kliwa, klia f.; dazu mnd. kUe, kllge f., ent- lehnt schwed.-dän, kli n. Wohl desselben Stammes wie Klei (s. d.), vgl. lett. gllwe «Schleim», gr. T^ia, '^\\vr\ «Leim». klein, adj.: nach Ausdehnung oder Maß nicht viel. Bei Goethe 3, 303 noch kleine, mhd. kleine, klein, mit den Nebenformen klin und klin «rein, zierlich, niedlich, fein», dann «dünn, schmächtig, mager, schwach, gering, nicht viel, fein-, scharfsinnig», ahd. Meint, cMeini, chleni, im Adv. Meino, clüeino «sauber, glänzend, zierlich, genau, sorgfältig, gering»; dazu and. cleni «klein, scharfsinnig», mnd. klene. Meine «dünn, zierlich, wenig», afries. 1053 Klein klemm 1054 kleri, klein «unansehnlichj gering», ags. clcßne, clene «rein, lauter, hell, unschuldig, keusch», engl, clean «rein». Die ui-spr. Bed. dürfte «glänzend» gewesen sein, so daß man k. zu abg. glenü m. «Schleim», glina f. «Ton, argilla» und weiter zu den unter Klei behandelten Worten stellen kann. ABL. Kleine, f.: Kleinheit, mhd. kleine, ahd. kleini f. Klein- heit, f., mhd. kleinheit Kleinigkeit, f.: etwas Kleines, 1716 bei Ludwig, mhd. klai- nichait f. «Kleinheit», md. kleinkeit i. «Scharf- sicht»; dazuKleinigkeitskrämer,m. Ende des 18. Jhs. kleinlich, adj.: klein, gering, schwach (1508 in der Straßburger Gemma xl*>); in sittlicher und geistiger Bed. «an Kleinigkeiten hangend, niedrig», seit dem 18. Jh. (bei Lessing 10, 320), mhd. kleinlich «fein, zart, zierlich, mager, scharfsehend, genau», ahd. im Ady. chleinlihho, Knipp f. bei Fischart Garg. 98) aufgenommen aus nd.-ndl. knip m. «Schneller, Schnalzer, i Nasenstüber», mnd. knippe(n) «Schnellen mit , dem Finger»; dazu das Dim. Knippchen, n.: Schnippchen, 1517 bei Trochus D 3^, mnd. knipkenn. knipp! interj. schnipp! von kleinem knackenden Tone (z. B. der Knippschere 1601 bei Eyering 1, 754). knippen, v.: laut mit den Fingern schnellen, 1775 bei Adelung, nd. ' knippen «Schnellkügelchen schnellen, mit der Schere oder Zange zwicken. Wohl zu kneifen, kneipen. ZUS. Knippkngel, f.: Schnell- kügelchen, Schusser, 1789 bei Klamer Schmidt Erzähl. 136, dafür Knippküulchen n. 1741 bei Frisch. Knippschere, f.: kleine Schere, md. knipschere 1501 im Leipziger Voc. opt., ndrbein. kiiijjscheer 1495 in der Kölner Gemma J 5 ^, mnd. knipschere f. Knips, m. (Gen. Knipses, PI. Knipse): Schnippchen (1691 bei Stieler); leichter Schlag (1775 bei Adelung); Branntwein, Schnaps (schlesisch im Anfang des 18, Jh, bei Günther, Steinbaoh) ; Folterknecht, Henker (bei Bürger 183); Zwerg, Knirps (1691 bei Stieler). Neben- form von Knipp (s. d.). knipsen, V.: mit einer Schere oder Zange zwicken, 1691 bei Stieler. Knirps, m. (Gen. Knirpses, PI. Knirpse): kleiner unausgewachsner Mensch. Md., 1716 bei Ludwig Knirhs, 1729 bei Picander 2, 204 Knirps, bei Tieck Knurps, bei Salzmann Conr. Kiefer 2 Knürps, obersächs. knorps (auch kleiner verkrüppelter Apfel), schwäb. knorp, hess. knirhes, ndrhein, knirwes; dazu nd, Knirfiks (1778 bei Hermes Soph. 3, 122 Knirrfix), auch Knörfix. Herkunft unklar, knirren, v.: einen Laut wie den eines harten Eeibens hören lassen. Md. 1540 bei Alberus dict. cc3^ knirn, 1557 bei Waldis Esop 3, 95, 7 knirren; dazu nd. gnirren, ags. gnyran, schwed.Ä;?«VÄ;a,dän.Ä;«irÄ;e. Lautmalend wie die mhd. Interjektion knir (beim Zerbeißen eines Würfels). Vgl. knarren und knirschen. knirschen, v.: bei hartem Reiben rauschen. Vom Aufeinanden'eiben der Zähne 1605 bei Hulsius dict. 84 '^ knirschen, 1517 bei Trochus Q 3^ knirsen, 1508 in der Straßburger Gemma A4* wie 1510 in der Hagenauer knorsen, aber bereits im 14. Jh. knyrschung mit den czenen Diefenbach gl. 556*; vom knirrenden Ton andi-er geriebner Dinge 1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 123* knürschen, 1643 bei Hars- dörffer Gesprächspiele 3, 293 gnirschen ; in der Bed. «hart rauschend zermalmen» 1578 bei Fischart Flöhhaz V, 1240 knirschen (dafür 1577 knitschen, 1573 zerknischen) , 1618 bei Schönsleder kniersen; dazu mnd,-mndl, kner- sen, knarsen. Von knirren (s, d,), deshalb bei Adelung 1775 knirr sehen. Vgl, zerknirschen. knistern, v.: Funken sprühen und so rauschen, brechend rauschen, wie z. B. bren- nendes Reisig, Salz im Feuer, Flittergold usw. 1562 bei Mathesius Sarepta 77^. 168* knistern; aber mnd. gnisteren, knisteren «knirschen», ebenso ndl. 1598 gnisteren, md. 1414 gnisterunge der zene (Diefenbach gl. 556*), anord. stark- flekt. gnesta (Prät. gnast) «knallen, schallen», norw.-dial. knistra «leise kreischen, pfeifen, kichern», schwed.-dial. gnistra «winseln» (von Hunden) u. a. Vgl. Falk-Torp. Verschieden davon ist mhd. knüsten, knisten und knüssen, ahd.&nwfew und cÄnwssan, ags. cwyssa» «stoßen, schlagen, quetschen». 68* 1079 knitschen Knollen 1080 knitschen, s. knutschen. Knittel, Knittelyers, s. Knüttel usw. Knitter, m, (s, PI. wie Sg.): fehlerhafte Falte. Bei Campe mit Beleg aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. Eückbildung aus knittern, V.: intr. wie mit wiederholtem Platzen in feinerem Tone rauschen (1663 bei Schottel, nd. knittern «knistern»); trans. in fehlerhafte Falten zusammendrücken (bei Goethe 4, 184 [1. H.] vom J. 1818), gewöhnlich zerknittern. Im Ablaut zu knattern (s. d.). Knobbe, s. Knuhhe. Knöbel, Knobel, m. {-s, PI. wie Sg.): Knöchel am Finger. Mehr im gemeinen Leben, bayr., md. und nd. Bei Ludwig 1716 Knöhel, 1664 bei Duez Knübel, mhd. knilbel, älter chnubil, mrhein. im 15. Jh. knöbel (Diefen- bach gl. 304 <^), mnd.-mndl. knovel m. Wohl mit Knebel ablautend. Dazu knobeln, v.: knöcheln, würfeln. Knoblanch, m. {-{e]s): Zwiebelgewächs mit einem in sogen. Zehen gespaltnen Wurzel- knopfe. Im 14. Jh. bei Megenberg knohlauch, mhd. knöbeloucli (zuerst im 12. Jh., im alten Meraner Stadtrecht ZfdA. 6, 418 wie noch heute tirol. knoflach), meist aber mit noch nicht in n übergegangnem l klobelouch, ahd. klobelouh, cMovalouh, clüovolouc, dofolauh m.; dazu and. kluflok, mnd. kluf-, knuflök, mndl. knofloec, ndl. knoßook, knuflook m. Noch 1715 bei Amaranthes Klohlauch neben Knoblauch. Zgs. roxi Kloben (s.d.), ahd. chlobo; dazu ags. clufe, engl, clove «Zehe des Knoblauchs», in gleicher Bed. mhd. im 12. Jh. cluft f. (Mone Anz. 7, 609), nd. 1582 bei Chyträus klöve f. Knöchel, m. (-s, PI. wie Sg.): hervor- stehender Knochen zu beiden Seiten des Fußgelenkes und am mittlem Fingergelenke; Würfel aus Knochen gemacht (1808 bei Campe). In 1. Bed. 1470 im mlat.-hochd.- böhm. Wb. 195 knöchel, 1482 im Voc. theut. q8^. rl* knuchel, md. im 12. Jh. knügel, ältemhd. vereinzelt Knüchel m. : dazu clevisch 1477 knoyckel, mnd. knokel, hamburg. knückel, nnld. knokkel, afries. knokele, knokle, ags. cnucel m., engl, knuckle. Abgeleitet von Knochen (s. d.). ABL. knöcheln, v.: wür- feln, 1808 bei Campe. Knochen, m. (-s, PI. wie Sg.); fester harter fleisch- oder hauttragender Teil des Menschen- und Tierkörpers. Ins Hochd. auf- genommen aus dem Mitteid., wo zuerst bei Frauenlob (f 1318) 236, 15 auftauchend knoche m., Mitte des 14. Jh. knucke (Buch von guter Speise 26, 86 f.), 1482 im Voc. theut. q 8^ und r 1^ knoch m. (Knöchel, Knoten im Flachs, Flachssamenknopf, auch mrhein. im 15. Jh. knoche «Fußknöchel», älternhd. Knocke m. «Knöchel Holzknon-en, grober Mensch»); dazu mnd. und mndl. knoke (auch in Mitteldeutsch- land im 15. Jh. knoken), nnd. knake, clevisch 1477 knaicke (oberpfälz. Knacken) m., norw. knoke «Knöchel an Fingern, Knie und Ell- bogen», schwed. knoka, dän.-dial. knoge, anord. knoka «mit den Knöcheln schlagen», ags. cnucian «an eine Tür klopfen, im Mörser stoßen». Ablautend dazu anord. knjükr m. «hoher und steiler Fels von rundlicher Form», norw.-dial. knjiika «Fingerknöchel». Dazu lit, gn'üste, gn'austei. «Bündel, Handvoll», gnäusti «die Hand fest schließen». Luther gebraucht in der Bibelübersetzung K. nur dreimal, sonst dafür Bein, Gebein, ABL. Knöchelchen, Knöchlein, n., mhd. (md.) knuchelin n. knöchern, adj.: aus Knochen bestehend, 1767 im Brem. Wbch. 2, 817; dafür 1741 bei Frisch knöchen, 1784 bei Steinbach knocken, nd. knä- ken. knochicht, adj., 1734 bei Steinbach, knöchicht 1121 bei Aler. knochig, adj., 1482 im Voc. theut. q 8^. ZC7;S. Knochenfraß, m. : knochenzerstörendes Geschwür, 1801 bei Nemnich Lexicon nosologicum 3^, dafür früher Beinfraß. Knochenhaner, m.: Fleisch- hauer, norddeutsch, um 1500 knochenliawer, mnd.. knoken-, knakenhower m.; in einem Stu- dentenlied der Tod. Knochenmann, m.: der Tod als Knochengerippe, 1642 bei Eist himlische Lieder 4, 220. Knocke, f. (-n, PI. -n), auch m.: gleich- lang zusammengebogner und -gedrehter Zopf gehechelten Flachses. Im 17. Jh. aufgenommen aus gleichbedeut. nd. knokken m., hamburg. knuck, livl. knucke f., mnd. knucke, knocke m. «zusammengedi-ehtes Bündel Flachs»; dazu mengl. knoche, knicche «Bündel». Wohl iden- tisch mit Knochen. Knödel, m. (-.s, PI, wie Sg.): gekochter Mehlkloß mit verschiednen Zutaten. In Öster- reich und Bayern. Im 16. Jh. knödel, 1530 der PI. knodle, urspr. Dim. zu Knoten (im 14. und 15. Jh. knödel «Knoten»), das auch die Bed. «Kloß aus Mehlteig mit Zutat» hat (1716 bei Ludwig). Knollen, m. (s, PL wie Sg.): zusammen- hängende runde Masse. Mhd. knolle m. «Erd- scholle, Klumpen, grober plumper Mensch»; dazu nd. knüll,' knüllen m., ags. cnoll m. «Berg- spitze, Gipfel», engl, knoll «Hügel, Spitze», 1081 Knopf Knoten 1082 anord. knoUr m. «Bergkuppe», dän. knold «Aus- wuchs an Bäumen, Knoten», Aus knuMa- (Sievers Idg. Forsch. 4, 339) und daher zum vorigen. ABL. knoUicht, adj., 1428 knollet, 1588 bei Tabernämontanus knoUichf, knoUecht. knollig, adj., in der 1. Hälfte des 18. Jh., nd. knullig. In der Umgangssprache auch als Adverb in dem Adverb «sehr». Knopf, m. (-[e]s, PI. Knöpfe): runder dichter Körper woran (am Kleide, 1541 bei Frisius {nodus), aber schon mhd. knöpfeUn n.). Mhd. knöpf m.. «KnoiTen an Gewächsen, Knospe, Knoten, Knauf», ahd. chnoph, chnopf m. «Kno- ten» und dann «Knotenartiges»; dazu mnd., mndl. und afries. krwp m., engl, kmp, schwed. knopp, dän. knop «Knospe» und mit Ablaut knauf, mnd. knöp m. «Knoten, Knopf, Knauf, Knospe», ndl. knoop «Knopf, Knoten». Vgl. Knuhbe xmd knüpfen. ABL. knöpfen, v., 1482 im Yoe. theut. q8b knopffen. Knopper, f. (PI. -n) -. Gallapfel am jungen Kelche der Eichel. In Osterreich und Ungarn. Eine Weiterbildung von Knopf (s. d.). Knorpel, m. (s, PI. wie Sg.) : fester gallert- artiger Knochenansatz. Bei Luther Knörhel, Knorhel, im 15. Jh. knorpel-, knorhel-, gnarpel- hein (Diefenbach gl. 103 °j, 1495 in der Kölner Gemma D 3* knerhelbeyn, in der Straßburger IbOSknorfelhein, dagegen in letztrerv 3^ Ar« orpet «das knoUige Muskelfleisch». Verwandt mit Knorren (s. d.) und spätmhd. knorfvc^. «Knorz» (inj?aMre«Avia/-/f BeheimWiener216,22 ). Neben Knorpel ä^t^Tühd. Knor spei, Knospel, Knöspel m., sowie in gleicher Bed. Krospel, Kröspel m. n. f., ahd. crospel, und Krostel, Kröstel, mhd. krostel, kröstel m. f., krustel f., ahd. crostela, crustula f. ABL. knorpelicht, knorpelig, adj., 1664 beiDuez 1, Wi^knorp- licht, knorpelicht. Knorren, m. (-s, PI. wie Sg.) : harter Kno- tenauswuchs ; knotenverwachsener Körper : Knöchel; Hahn-, Rohrknoten oder -gelenk. Ältenrhd. Knorre (-/?, PI. -n), daher noch bei Lessing Nathan 2,5 Knorr, mhd. knorre, knurre m. «Knotenauswuchs, hervorstehender Kno- chen, Knorpel, kurzer dicker Mensch», und knüre, knür m. «Knoten, Fels, Klippe, Gipfel», spätmhd. /waur «grober Mensch», ahd. nur im Adj, chniurig «knotig derb, fest und stark»; dazu mnd. und ndl. knorre m., mengl. knarre, knorre, engl. knar. Mundartliche Formen wie schwäbisch knaus m. «knopfichter An- satz am Brot, Brotanschnitt», Schweiz, knüs m. «Knorren, Auswuchs», nd, knüst, knaustm. «knotiger Auswuchs, Brotecke», weisen auf eine ursprünghch auf -s ausgehende Wurzel. ABL. kuorricht, adj., mhd. knorroht, knor- rot. im 15. Jh. knorr eht, 1540 bei Alberus dict. Q 4*' knörricht. knorrig, adj., um 1480 kno- rig im Voc. incip. teut. n3^. Knorz, m. (-es, PI. -e, Knorze): Astknopf im Holze: knotenverwachsner Körper, bes. solches Holz. 1482 imVoc, theut. ff 8* knortz, ahd. chnorz (erhalten im Dat. PI. chnordn). ABL. knorzig, adj., 1440 knortzig bei Die- fenbach gl. 589^, ahd. chnorzig (in nianac- chnorzig «vielknotig»). Knospe, f. (PI. -n): unentfalteter Blätter-, Blütenknopf. Mhd. im 14. Jh. knospe m. «Knorren am Steine» und noch im 16. Jh. «knorriger Auswuchs», md. um 1350 das Dim. knospechin n. «kleine Pflanzenknospe» (Fundgr. 1,379'') 1558 bei Eber-Peucer B. 8^ knospe m der heutigen Bed., 1664 bei Duez 284 Knospen m. und 411 Knosp m. Man stellt es entweder zu Knorren (s. d.), mit Bewahrung des \vurzel- haften s, besser aber (aus knopse wie Wespe aus Wepse) zu Knopf. Der ältere Aufdruck für den Blätter- oder Blütenknopf war Auge, Knopf, im Mhd. bolle f., hroz n., ahd. proz, woher noch hess. brospe f. ABL. knospen, V.: Knospen treiben, im 18. Jh., aber 1691 bei Stieler Knospung f. Knote, m. (-», PI, -n) : roher plumper Kerl (1707 bei Schmidt RockenpMlosophie 2, 190); (student,) Handwerksbursche (1781 bei Kind- leben Gnoten, 1786 bei Miller Walther 148 Knoten). In der 1. Bed, bUdhche Anwendung des folg. Wortes, in der studentischen viel- leicht aber nur Anlehnung, denn gnote (Be- nennung der Handlungsdiener in Königsberg und Stettin) ist das nd. genöte «Genosse». Knoten, m. (-s, PI. wie Sg.): durch feste Verschlingung entstandner Knopf; harter Aus- wuchs; hartes Stengel-, Halmgelenk, Ältemhd, Knote (-W, PI, -n), so noch bei Schiller Turan- dot 4, 6, 1664 bei Duez Knot, Knoft, 1678 bei Krämer Knotte, mhd, knode, md, knote, ahd. chnodo (Riemenknopf, Knöchel, Bauraknospe), zerdehnt kinoto m. ; dazu clevisch 1477 knode, mnd. ctiode, knutte, nnd. knudde, knutte, ags. cnotta m., engl, knot, anord. knütr m. «Knoten, Knori'en», schwed. knut, dän.knude «Knoten»; dazu auch anord. knyte m. «ein mit den vier Ecken zusammengeknotetes Tuch». Das Wort erweist sich durch seine Vokal- und Konsonantenverhältnisse als uralt, sichere An- knüpfungen fehlen. Über Verwandtschaft mit 1083 Knöterich Knust 1084 lat. nödus s. Walde. Eine Ableitung ist Knödel (s. d.). Aus dem Skandinavischen entlehnt ist russ. knut, s. Knute. ABL. knoten, v.: knüpfen, l4:62knoden neben stricken (Mone Anz. 7, 301^, 326), md. im 13. Jh. knoten in ent- knoten. Vgl. knütten. knotig, knoticht, adj., um 1480 im Voc. incip. teut. n 8^ knotig, mhd. knoticht, knodecht, knodoht, ahd. chnodoht. ZUS. Knotenpunkt, m. -. Punkt, wo mehi-ere Fäden oder Linien sich vereinigen, im 19. Jh. Knotenstock, m., 1775 bei Adelung. Knöterich, m. (-s, PI. -e): Ackerspergel, sperg-ula arvensis, benannt nach den zahlreichen Knoten (Stengelgelenken). 1486 knöterich, 1600 Knöderich, Knödrich, schles. Knörig. Knotte, f. (PI. -w) : Flachssamenknopf. Md. und nd. Bei Luther 2 Mos. 9, 31 und 1540 bei Alberus dict. A A3* Knote f., md. im 15. Jh. Knodde f., mnd. knutte, ndl. knut, knot, clevisch 1477 knote, noch schles. Knotte f., oberhess. Knodd f. Nebenform zu Knoten (s. d.). Knuhbe, f. (PI. -n) und Knubben m.: Knoten im Holze usw., knorriger Klotz (Lessing Nathan 2, 5), das nd. knuhbe «Knorren, Knospe» (daher 1687 bei Zesen Knubbe m. «Knospe»), mnd. knobbe m., gleicher Abstammung wie Knopf (s. d.). ABL. knühheln, v.: fest zu- sammenstricken. Norddeutsch. Knuff,m. (-g,Pl.Knüffe): heimlicher Faust- stoß, 1808 bei Campe. Von knuffen, v.: mit Faust oder Ellenbogen stoßen, in der 2. Hälfte des 18. Jh. aus dem Nd. ins Hoch- und Ober- deutsche vorgedrungen. Dazu knüffeln, v.: derbe Fauststöße geben, 1716 bei Ludwig, ndl. knuffelen, knoffelen. Verwandt mit nd. knüvel m. «Knöchel» (s. KnöbeV). knüfflich, adj.: knaupelig, mit viel klein- licher Mühsehgkeit verknüpft, 1833 bei Jahn Merke z. deutsch. Volkstum 239 knifßich. Zum nd. Zeitwort Äww^eZ« «eine mit vielerlei Kleinig- keiten und viel Überlegung verbundene Arbeit verrichten». knüll, adj.: stark betrunken. Studentisch 1825. Vielleicht derb scherzhaft zu dem fol- genden Verb. Vgl. ZfdPh. 38, 523. knüllen, v.: in Falten übel zusammen- drücken, eig. faltig, bruchig schlagen. Im 17. Jh. bei Lauremberg und Stieler. Ältemhd. Tind mhd. knüllen «mit der Faust schlagen, puffen, stoßen, (den Kopf) eindrücken», z. B. Tauben (Hadloub 20, 3, 11), noch schweiz.- schles.-nd. knüllen, schwäb. knüllen «prügeln». Zu Knollen m. «Knöchel an Händen und Füßen». knüpfen, v. : zum Knopf ineinander schlin- gend verbinden. Mhd. knüpfen, ahd. aiuphjan, knupfe7i, knuffen, md. im 15. Jh. knuppen, knüppen, nd. knuppen. Von Knopf (s. d.). Knüppel, m. (-S, PI. wie Sg.): knotiger Holzschoß, Stock zum Schlagen; armsdicker Holzschoß. Wie es scheint, sind hier zwei gleichbed, Wörter zusammengeflossen: 1482 im Voc. theut. r 1* knuppel, mnd. u. nndl. knuppel m., hochd. zu Anfang d. 15. Jh. knüpf l (Diefen- bach gl. 254^), abgeleitet von Knopf (s. d., eig. «Knorren, Knoten»), u. anderseits mhd. klüpfel, md. klüppel, kluppel, mnd. u. nndl. kluppel m., nhd. Klöpfel, md. Klöppel (s. d.), abgeleitet von klopfen (s. d.). RA. Da liegt der Knüppel (Knüttel) beim Hunde, «Die Sache ist ge- hemmt» (1542 bei Waldis Streitged. 1, 66) ; um den Hund am Jagen zu verhindern, befestigte man lose an seinem Halse einen Holzknüttel, der ihm beim Laufen an die Beine schlug. ZUS. Knüppeldamm, m.: aus quergelegten Knüppeln hergestellter Weg durch einen Mo- rast, im 18. Jh. (bei Göckingk [1818] 1, 103), in gleicher Bed. 1595 bei Hennenberger preuß. Landtafel 425 Knütteltham. knuppern, v. : an Hartem laut nagen. Aus nd. knuppern, das zu knabbern im Ablaute steht. Bei Goethe 30, 84 knopern. ABL. knupperig, adj., bei Goethe Briefe 3, 248. knurren, v.: hart im Tone das r durch die Zähne brummen. 1663 bei Schottel knurren neben knorren, S. 1144^ Gnurrenn.,nä. gnurren (so auch 1777 bei Göckingk Lieder zweier Lieb. 92). Wie knarren im Ablaute zu knirren stehend. ABL. Knurr er, m.: laut murren- der Mensch, kuurrisch, adj., bei Goethe 39, 53. knurrig, adj., bei Musäus Volksni. 5, 241. ZUS. Knurrhahn, m.: der Seefisch trigla hirundo. Meerschwalbe, bei den Eömern corvus m. (Rabe); er läßt einen knurrenden Ton hören, wenn man ihn aus dem Wasser zieht. S. Seehahn. knuspern, v.r an Hartem mit Geräusch nagen (Goethe 17, 99). Md. im 14. Jh. knus- pern in zuknuspern «zerschmettern, zermal- men», eine Fortbildung von ahd. chnussan, cnusen, mhd. knüsen, knüssen «stoßen, schla- gen», noch nd. knusen «quetschen», ags. cnyssan «zusammendräcken, quetschen», anord. knosa «zerschlagen, zerbrechen». Im Schlesischen finden sich die drei im Ablaut zueinander stehenden Formen knispern, knaspern, knus- pern (Weinhold 44^). Knust, m., s. Knorren. 1085 Knute Kobel 1086 Knute, f. (PI. -n) : (russische) Riemen- und ' Knotenpeitsche. 1620 bei Weller Lieder des dreißigjähr. Kriegs 70 Knute, 1741 bei Frisch Knutte f., bei Jobs. v. Müller allgem. Gesch. (1817) 3, 413 Kirnt m., aus gleichbed. russ. ' knut m. Dafür 1593 bei Heinr. Jul. v. Braun- schweig 737 KnottpeitzscJie, 1734 bei Steinbach Knuttpeitsche (zu nd. Knutt m. «Knoten») «Knotenpeitsche». Das russische Wort stammt aus dem Xord. S. Knoten. knutschen (mit u) auch knietschen, knütscheyi, v.: anfühlend zusammendrücken; (Tücher usw.) durch Zusammendiücken aus der Glätte bringen. Ende des 15. Jh. bei Brant u. Keisersberg knützschen, knutschen, knützen, md. im 13. Jh. knutschen fin zurknutschen) und knutzen «zusammendrücken, zermalmen», noch 1663 bei Schottel knützen, bayr. knauzen «knut- schen». Die Form mit u ist ndd. Knütte, f. (PI. -n): Strickzeug. Bei Yoß Luise 1,546, schon 1639 bei Micrälius Pommern 3, 389. Ton knütten (s. d.). ^Knüttel, m. (-s,Pl.wie Sg.): starker Holz- schoß, knotiger Stock zum Schlagen. Mhd. knütel, knüttel, md.knutel, knuttel, auch knottel, ahd. chnutil, chnuttil, mnd. knutel, ndrhein. im 14. Jh. knutzel m. Abgeleitet von Knoten (s. d.), noch deutlich in ahd. chnutil m. «Kno- ten», aleman. im 16. Jh. (bei Frisius, Maaler, Dasypodius) bis heute knüttel m. «geschwüri- ger Auswuchs, harte Drüse», 1515 im Eulen- spiegel Kap, 92 knittel «Handknöchel». Vgl. Knüppel. ABL. knütteln, v.: mit einem Knüttel schlagen, md. 1289 knuttiln. '^Knüttel, m. (-S, PI. wie Sg.) : harter aus- geworfner Klumpen Tier-, Menschenkotes. Wetterauisch, oberhessisch usw. Mit einge- schobnen n aus gleichbed. md. küttel (bei Alberus Fab. 31, 78 Pferdtsküttel, dict. y 1^ Pferdsküddel), mnd. kotel, nnd. kötel m., nndl. keutel f. «Auswurf des Mastdarms, Kot», schles. kuttel, kottel f. «Pferdemist», Knüttelvers, m. (-es, PI. -e): ungeregelte holperige Reimzeile mit vier Hebungen, dann überhaupt ungeregelt erscheinende Reimzeile. 1566 in Mathesius Luthers Leben 153*, im 18, Jh, Knittelvers; dafür 1599 bei Hamelraann Oldenburg. Chron. 100 Knüppelvers, beiFischart Garg. 254 Klippelverß, Bienenkorb lll^ Klip- pelverßUn. Ursprünglich eine Ü^bersetzung des lat. versus rhopalicus, dann auch Bezeichnung der versus leonini, der in der Mitte und am Ende gereimten mlat. Hexameter, noch 1712 bei Hübner und 1676 bei Balthas. Schnurr (am Schlüsse des Kunst-, Haus- u. Wunderbuches) Knittelhardi PL, im 17, Jh, bei Schuppius Knüppelhardusse genannt. Knüttel- scheint eig, den Refrain des Tanzliedes und in den Schulen den von allen wiederholten Memorier- vers zu bedeuten, vgl. Junius nomenclator (1577) 9*: in vulgaribus rhjthmis versum iden- tidem repetitum scipionem aut haculum appel- lant, helgice de stock oft stockregel, gall. refrein de hailade. Vgl, Feldmann ZfdW. 4, 277. knütten, v, : (Knoten schlingend) stricken ; (bildlieh) fein einleiten [Pößchen [Possen] knüt- ten Michaelis poet. Werke 1, 231), 1741 bei Frisch, aus mnd. - nnd, knütten «knüpfen, stricken»; dazu ags, cnyttan, engl, knit. Von nd, knutte m, «Knoten», Vgl, Knütte. Koalition, f. (PI. -en): Verbündung, im 18. Jh. (bei Wieland, Goethe) aus gleichbed. franz. coalition f., von lat. coalitus m. «Ver- einigung» und coalescere (Part. Pass. coalitus) «zusammenwachsen, sich fest verbinden». koax, vom Froschgeschrei, 1628 bei Opitz 1,126 coax coax, 1595 bei RoUenhagenFroschm. 2, 5, 3, 66 u. f, als Froschname, nach dem griech. ßpeKCKCKeE koöE koöE in den Fröschen des Aristophanes, Davon koaxen, v,, 1595 bei Rollenhagen coachsen, nach lat, coaxäre. Kobalt, m, (-e[s], PI. -e): Halbmetall und Erz, zur Bereitung blauer Farben (Smalte, Eschel usw.) benutzt. Bei Paracelsus (f 1541) koholet, 1546 bei G, Agricola 476 Kohelt, lati- nisiert cohaltum, 1562 bei Mathesius Sarepta 154^ f, Cohalt, Cohelt, Cobel, im 16. .Jh. auch Koholt. Eins mit Kobold (s. d,). Das Kobalterz ist nach dem kleinen Berggeist benannt, weil es nach altem Bergmannsglauben das Silber heimtückisch raubte und verzehrte (Mathesius 155*) und als unnützes Metall die Bergleute betrog (denn zur Blaufarbenbereitung be- nutzte man es erst im 17, Jh,), Vgl, Nickel. ^Kobel, m. (-S, PI, wie Sg,): geringes Wohngebäude; Höhlung, Wohnbehälter für Tiere. 1462 kobel m. «schlechtes Haus», im 15. Jh. «Stall», im 13. Jh, «Kasten eines Kutsch- od. Kammerwagens», Abgel. von Koben (s, d.). -Kobel, f. (PI. -n) : Frauenhaube. Im Elsaß u. der Schweiz. 1741 bei Frisch Kobel, clevisch 1477 covel, mndl. covel, coueZe «Kapuze», nndl. kovel, keuvel f. «Mönchskappe, Haube»; dazu ags. cuffie f. «Kapuze», anord. kufl ra. «Kappe mit Kapuze». Zu ahd. kuppha f. «Haube», woher auch mlat, (5. Jh,) cofea, später cuphia, ital, cuffia, span. cofia, franz. coiffe f. «Haube». ZUS. Kobelente, f., anas clangula, wegen 1087 Koben Kockelskörner 1088 ihrer Kopffedem {Raupe). Kobellerche, f. : Haubenlerche, 1 557 bei Heußlin Vogelbuch 1 70 * Kohellerch. Kol)elmeise,f.: Hauben-, Strauß - meise, 1561 bei Maaler Kobelmeiß f., 1557 bei Heußlin 179^ Kobelmeißlin n. Kolben, m. (s, PI. wie Sg.): kleines schlechtes Gemach; kleines enges Gebäude; Schweinestall. Schon 1482 im Voc. theut. r 1 ^ kohen, mnd. koven, 1477 clev. coeven «Schweine- stall»; aber älternhd. Kohe (1517 bei Trochus 0 4^), mhd. hohe m. «Stall, Käfig», md, kove «Ofenhöhlung»; dazu nd. kave, kaven «Vieh- verschlag, Viehstall», ags. eofa m, «Gemach, Schlafgemach», engl, cove «Obdach, Tauben- schlag», anord. kofi m. «Kammer». Die Neben- form Kofen m. (bei Rollenhagen, Voß) stammt aus dem Nd. In der Wurzel wohl zusammen- gehörig mit ahd. chubisi «Hütte» und weiter zu gr. fVTiY]. KoiXuuua ^f\c. QaXdjjLT] (Hesych). Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 11, 111. Kober, m. (-s, PI. wie Sg.): langer, ge- wöhnlich viereckiger geflochtner Korb zum Tragen auf dem Rücken. Im östlichen Mittel- u. Norddeutschland, in der aUgem. Bed. «Korb» auch in Schwaben, 1562 bei Mathesius Sarepta 134^ der PI. Köher (Tragkörbe), 1422 md. Kober m. «Korb zu Speise». Wohl mit dem vorigen wui'zelverwandt. Dagegen ist ags. ceofi «Korb» wohl aus lat.-gr. cophinus m. «Korb» entlehnt. Kobold, m. {-[e]s, PL -e): unheimlicher dienender Hausgeist; unheimlicher, übermütig lustiger Neekegeist; die Grubenai-beiter necken- der kleiner Berggeist. Bei Luther Jes. 34, 14 Kobold m. «böser umherschwärmender Geist», bei Lessing Kobold und Kobolt, bei Rädlein, Ludwig, Voß Kobolt, mhd. im 13. Jh. kobolt m. «neckischer Hausgeist und dessen Bild», md. 1422 kobolt, kobult, kobolt als Name eines Met- getränkes, mndl. coubout «Kobold». Älternhd. und noch im Volksmund Kobelt, im 16. Jh. Kobel; aus deutschem kobel, kobelin entlehnt franz. gobelin, mlat. gobelinus m. «Kobold». Gewöhnlich abgeleitet von Koben, -old wäre entstanden aus -iüalt,e\g. «des Hauses waltend», (oder hold, got. unhulpa «Teufel»), noch deut- lich 1517 bei Trochus A 5^ boni lares foci sunt vulgo kobelte; dazu ags. cof-godas pl. m. «Haus- götter, penates». Die mhd. Nebenform oj^poZcZ, opold leitet Kluge aus ahd. 6t «Reichtum, Gut» und walt her, eig. «des Reichtums waltend», daran erinnert noch heute die volkstümliche Wendung er hat den Kobelt (Kobold), wenn einer in unbegi'eiflicher, unheimlicher Weise reich wird. Falk-Torp dagegen leiten es, wie schon früher andre aus gr. KÖßaXoc m. «Kobold, Possenreißer, Schmarotzer, Gauner» her. Nach Schi-öder Streckformen 168 soll es, aus kold durch Streckung entstanden, zu koldern, kol- tern «ungestüm sein, zanken, lärmen» gehören. Kobölz, nur in der RA. Kobolz schießen «einen Purzelbaum machen». 1741 bei Frisch cobold schießen. Vielleicht zu Kobold oder um- gestaltet aus irz. faire la culbute. Norddeutsch. ^Koch, m. (-es, PI. Köche): Kundiger in künstlicher Zubereitung der Speisen. Mhd. koch (PI. koche und koche), ahd. coch m. ; dazu and., ndl. kok, ags. coc, engl. cook. In früher Zeit entlehnt aus gleichbed. lat. coquus, später cocus m. ABL. Köchin, f. (PI. -nen), 1539 bei Alberus widder Witzeln J. 2^ küchin, K 1 ^ küchen, Anfang des 15. Jh. küchin (Diefenbach nov. gl. 298 a), 1482 im Voc. theut. r 1^ kochin, 1370 köchinne f. ^Koch, n., auch m. [-es, PI. -e): Brei. In den Alpen, mhd. koch, n., von kochen (s. d.). kochen, v. : tr. in einer von Hitze wallenden Flüssigkeit erweichend zubereiten ; intr. wallen, sieden (Flüssigkeiten und Speisen, bei Luther). In 1. Bed. mhd. kochen, ahd. cochön, mnd.koken, afries. koka. In früher Zeit aus gleichbed. lat. coquere. Der eig. deutsche Ausdruck war sieden (s. d.). ABL. Kocher, m. (-S, PI. wie Sg.): der Kochende, in Zssetz.; Kochtopf bei Campe, nd. kaker m. Davon Kocherin, f. Köchin, mhd. kocherin, u. Kocherei, f., mhd. kocherte, köcherie, bei Goethe 3, 239 Köcherei. ZUS. Kochbnch, n., 1582 bei Fischart Garg. 275. Kochknnst,f., 1561 beiMaaler. Kochlöffel, m., im 14. Jh. Kochlöffel. Köcher, m. (-s, PI. wie Sg.) : langer hohler Behälter zum Tragen der Pfeile, Bolzen, Schreib- federn usw. Mhd. kocher, kochcere, im 15. Jh. auch köcher, kucher (Diefenbach gl. 225^), ahd. cohhar, chochar und chochari m.; dazu anfränk. kokar, mnd. koker, kaker, ags. cocer, cocur m., dän. kogger «Behälter, Futteral». Entlehnt aus mlat. cucurmn (afranz. cuivre, quivre m., woher wiederum engl, quiver), byzant. KoiJKoupov, russ. kokorü «Patronentasche». Kocke, s. Kogge. Kockelskörner, PI.: die giftigen Samen des ostindischen Strauches menispermum coc- culus, zum Betäuben der Fische verwendet. 1741 bei Frisch Kockel -Körner, 1677 bei Butschky Patljmos 582 Kukels-Körner, 1546 bei Bock 51^ Kokilienkörner, aus gleichbed. mlat. cocculae orientales oder cocculi indici. 1089 Kodak Kohl 1090 Kodak, m. (-5, PI. -s): photographischer Apparat. In neuerer Zeit aus dem Englischen, wo es als Schutzwort für photographische Artikel frei erfunden ist. ^KÖder, m. {-s, PI. wie Sg.) : in die Kappe des Schuhes oder Stiefels eingestochner schma- ler abgeschärfter Sohllederstreifen, um daran den Absatz zu befestigen. Um 1480 im Voc. ine. teut. 1 3^ koder, 1482 im Yoc. theut. r 1 * f. koder, korder, querde, im 15. Jh. köder, cor der, querder, querdel, quirdel (Diefenbach gl. 324^, 488'^). Eine bildliche Anwendung des folgen- den Wortes, indem man den schmalen gebog- nen Sohllederstreifen einem «Regenwurme», dem gebräuchlichsten Köder, verglich, ähnlich wie im 16. und 17. Jh. Kerdel, Kärder m, «die als Verzierung auf Kleider genähten schmalen (wui-mförmigen) farbigen Tuchstreifen» und wie ahd. querdar m. «Docht». ^KÖder, m. (s, PI. wie Sg.): Lockspeise. Im 17. und selbst bis ins 18. Jh. (Steinbach UM) Kedei; wie spätnhd. keder n., im 13. Jh. vereinzelt köder, älternhd. Kerder, Querder, mhd. chorder, korder, kerder, querder u. querdel n. m., ahd. querdar m. «Lockspeise». Herkunft unklar. Kaum zu gi\ biXeap n., äol. ßXfip «Köder». Vgl. Zupitza 86. ABL. ködern, v,, 1691 bei Stieler ködern, 1618 bei Schönsleder ankedern, im 16. Jh. querdeln, spätmhd. kedern. Kodex, m. (PI. Kodize u. Kodizes): alte Handschrift; Gesetzbuch, hat. codex m. «Baum- stamm», dann «Buch» (urspr. aus beschriebnen Holztafeln). — Kodizill, n.: Testamentsan- hang; testamentartige letztwilliofe Verfüsruncf. Aus lat. cödicillus m. «Handschreiben, Testa- mentsanhang», dem Dim. von lat. codex. In der Rhetorik (15. Jh.),beiHenischl616 verzeichnet. Kofen, s. Koben. Kofent, m., auch seltener n. (-[e]s, PI. -e): Halb-, Dünnbier. Eingebürgert mit Betonung auf der ersten Silbe, aber noch bei Rachel Sat, 2, 101. 4, 125 und in nordd. Mundarten auf der zweiten betont. Spätmhd. im 14. und 15. Jh. covent, cofent, eig. «Konventsbier», wie es die Klosterbiüder tranken, zum Unterschied von dem stärkern Biere der Obern ia den Klöstern. Aus mlat. coventus (daher franz. couvent m.),conventus m. «Kloster, Stift», urspr. «Zusammenkunft» (s. Konvent). Koffer, m., auch n. (-s, PI. wie Sg.): mit einem gewölbten Deckel versehener verschließ- und tragbarer kastenartiger (Reise-) Behälter. 1691 bei Stieler Koffer, Kuffer, 1577 bei Junius 184* Koffer, hochd. im 16. Jh. auch Kopfer Weigand, Deutsches Wörterbach. 5. Aufl. (noch bayr.-kärnt. kupfer n.), 1561 bei Maaler Koffran, 1541 bei Frisius (arca) koffren; dazu 1477 clev. cofferen, ndrhein. im 14. Jh. coffer, cuffer, mndl. koffer m. Noch im 18. Jh. coffre. Entlehnt aus afranz.-prov. cofre, nfranz. coffre m. «Kiste, Kasten» m., diese nebst ital. cofano m. «Kiste, Korb» und span. cuebano m. «Korb» aus gr.-lat. cophinus, gv. KÖcpivoc m. «Korb». Kog, m. (-[e]s, PI. Köge): eingedeichtes, der See abgewonnenes Land. In Dithmarschen, lim 15. und 16. Jh. koch m. (Schiller -Lübben 2, 509), 1755 bei Richey Koog, mndl. cooch, entlehnt dän. kog. Unerklärt. Kogel, f. (PI. -n), auch n. (s, PI. wie Sg.): Kapuze an einem Rock oder Mantel, die über den Kopf gezogen wei'den kann; Mantel mit einer solchen Kapuze; über den Kopf hängende hohe Frauenmütze; Bergkuppe. Auch Kugel, Gugel. Mhd. gugele, gugel, kugel, kogel f., seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. auch von der Frauenmütze, ahd. cucula, cugula, cugela f., entlehnt aus mlat. cuculla f., lat. cucullus m. «Kapuze, Kopf hülle». Vgl. Gugelhopf. Kogge, f. (PI. -n) : breites, hinten und vorn rundliches Schiff. Die niederdeutsche Form füi* hd. Kocke, mhd. kocke m., vereinzelt kucke, koche, gocke, spätahd. kocho m., md. und mnd. kogge m., Anfang des 15. Jh. bei Schiltberger 159 kock f.: dazu ndl. 1598 bei Kilian kogghe, koghschip, anord. kuggr, Island, kuggi m. «klei- nes Fahrzeug», meng], cogge, engl, cog, cock I «Beischiff». Aus afranz. coque, nfranz. choque, coche m. «Schiff», span. coca, ital. cocca f. «kleines Wasserfahrzeug». Dazu kymr. cwch «Nachen, Kahn». Kognak, m. {-s, PI. -e und -s): Franz- I branntwein, nach der französisch. Stadt Gognac benannt. Im 19. Jh. entlehnt. ^Kohl, m. (-S, PI. -e), die Pflanzenart brassica. Mhd. köl (PI. -e), auch kol, ahd. cöl m. Daneben älterahd. Köl, Kohl (noch mundart- lich), mhd.kcele, koel,anch köl, eihä.-and.kölim.; ferner ahd. chölo, mhd. kole m. und ahd. chola f. Der Name ist mit der Pflanze aus dem Süden überkommen, lat. caulis, cölis m., gr. kouXöc m. «Stengel», besond. «Kohlstengel», dann «Kohl»; woher auch ags, cawel, cawl m., engl, cole, anord. kdl n., schwed. käl, dän. kaal, ebenso afranz. chol, nfranz, chou, ital. cavolo m. und k3'mr, caivl. RA. aufgewärmter Kohl «alte, abgetane Geschichten als Neuigkeiten vorge- bracht», bei Günther 778, nach lat. cramhe repetita bei Juvenal Sat. 7, 154. ZUS. Kohl- garten, m.: Gemüsegarten, bei Luther, spät- 69 1091 Kohl Eokon 1092 mhd. (Schweiz.) köllgarten, anord. kälgarär m. Kohlrabi, m. (-5, PI. wie Sg. und -s): Kohl- art mit dicker oberirdischer Knolle, im 16. Jh. aus Italien eingeführt. 1691 bei Stieler Z'o^ra&i, 1715 bei AmaranthesZb/iZraH, Cauliravi, 1731 bei Zinck öcon.Lex. KauUrahi, KoJil-Rahi oder Buben-Kohl, entlehnt aus ital. cavolo rapa, Plur. cavoli rape (cavolo m. «Kohl», rapa f. «Eübe»), woher auch frz. chou-rave m. Kohl- rübe, f.: Erdrübe mit kohlartigen Blättern, 1775 bei Adelung; in Thüringen JS^ame des Kohlrabis, 1678 bei Krämer Kohlrübe. Kohl- Strunk, m.: Kohlstenge], spätmhd. im 14. und 15. Jh. Jcolstrunk, kolstrunke m. ^Kohl, m. (-s): langweiliges, dummes Ge- schwätz. Studentisch (1790 bei Bahrdt Lebens- geschichte 1, 250), gaunerisch 1753 Kohl «blauer Dunst», 1814 Kohl «Erzählung», von hebr. qöl m. «Stimme, Gei-ücht, Schalb. ABL. kohlen, V.: Kohl machen, viel durcheinander sprechen. Kohle, f. (PI. -w): schwarz geschweltes Holz usw., ähnliches Mineral als Brennstoff. Mhd. kol m. n. (PI. -en -n, im Neutr. köler), selten kole f., ahd. chol n. und cholo m. ; dazu mnd. kol{e), 1477 clevisch coil, ags. col n., engl. coal, anord. schwed. kol n., dän. kul. Vielleicht uiTerwandt mit amd. jvälati «brennt, glüht», air. gUal «Kohle». ^J5I/. kohlen, v. : tr. Kohlen brennen, mhd. im 14. Jh. kolen; intr. schwelen, glimmen,1562 beiMathesiusSareptaSOl ^ÄroZew. Köhler, m. (-s, PI. wie Sg.): Kohlenbrenner, mhd. koler, im 15. Jh. köler m. ; davon Köhler- glaube, m.: treuherzig fester Glaube, dann unbedingter Kirchenglaube, blinder Glaube (anschließend an eine Anekdote bei Luther 6, 107^ „einDoctor hab einen Köler zu Präge auff der Biücken gefragt: Lieber man, was gleubstu? Der Köler antwortet: Das die Kirche glaubt. Der Doctor: Was gleubt denn die Kirche? Der Köler: Das ich gleube."), im 16. Jh. bei Agricola Sprichw. Nr. 234 des Kolers Glaub, 1575 bei Fischart Garg. 251 des Kölers Glauben,U54. bei Logau 3,2,85 Köhler-Glaube. ZUS. 1) mit Kohl-. Kohlapfel, m.: (kohl)- schwärzliche rotbäckige Apfelart, 1691 bei Siieler Kolajjfel. Kohlfeuer, n.: Feuer von Kohlen, urspr. Holzkohlen, im 1 5. Jh. kollefüer n. (Altd. Blätter 1, 125), mnd. kölvür, bei Luther Joh. 18, 18 Kolfeiver, noch bei Schiller 4, 78, jetzt Kohlenfeuer. Kohlmeise, f.: Schwarz- meise d. h. Meise mit kohlschwarzem Scheitel, mhd. kolemeise, ags. colmäse f. Kohlrabe, m. : der gemeine schwarze Rabe, 1775 bei Adelung. kohlschwarz, adj. : schwarz wie eine Kohle, mhd. kolsivarz, anord. kolsvartr; verstärkt kohlrabenschwarz (Maler Müller 1, 128), kohl- pechschivarz ( 1 644 bei Klaj Anferst. Jes. Chr. 1 6), kohlpechrabenschwarz (in Mitteldeutschland), kohlrußrabenpechschwarz (1745 bei Schwabe Tintenfäßl, Titelbl.). 2. mit Kohlen- -.Kohlen- brenner, m.: Köhler, 1691 bei Stieler Kol- brenner, 1508 in der Straßburger, 1510 in der Hagenauer Gemma d2^ kolenbrenner, aber 1518 in der Straßburger kolbrenner, mnd. 1277 kolebernere, ndl. 1598 kolenberner m, Kohlensäure, f.: die übliche Benennung für Kohlendioxyd. Kohlenstoff, m., in der Chemie ein zuerst ans Kohleti gewonnener Stoif, beide 1808 bei Campe als neugebildete Worte. Kohlrabi, s. ^Kohl. Koje, f. (PI. -n): Schiffsverschlag zum Schlafen; enge mit Brettern abgeschloßne Winkelschlafstelle überhaupt. In 1. Bed. um 1600 bei Hulsius Schiff. 3, 70 und 1691 bei Stieler Koye, aus mnd. koje, mndl. koye f. «Ver- schlag, Stall», nndl. kooi f. «Schiffsbettstelle», Nebenform von Kaue (s. d.). Kokarde, f. (PI. -n): Hutzeichen als Ab- zeichen, Feldzeichen. Im spätem 18. Jh. (Schiller 11, 143, Goethe 17, 269) entlehnt aus gleichbed. franz. cocarde f., urspr. bonnet ä la cocarde «Mütze mit einer hahnekammähnlichen Schleife», von coq m. «Hahn». kokeln, v., md. und nrhein. Form von gaukeln (s. d.), schon im 16. Jh. beiMelanchthon kokeln und kökeln, 1495 in der Kölner Gemma S 4*^ cokelen; daher obersächs. kökeln «kindisch mit Licht oder Feuer spielen», kekeln «mit dem Stuhle kippeln, einen Kopfsprung (kekelpurz) machen». koken und köcken, v.: laut rülpsen; sich erbrechend von sich geben. In der letzten Bed. bei Luther köcken, göcken, 1566 bei Mathesius Historien 120^ koken; 1517 bei Trochus QS'» köcken «inilpsen». Noch md. koken, käken, sthweh.goeggen in beid. Bed. Dazu engl, to keck «Brechreiz empfinden». Wohl lautnachahmend. kokett, adj. : gefallsüchtig. 1 694 bei Neh- ring coqvet, aus gleichbed. franz. coquet, von franz. coq m. «Hahn», eig. «sich brüstend wie ein Hahn». Dazu Kokette, f. (PI. -n): gefall- süchtiges, buhlerisches Weib, 1694 bei Nehring Coqvete, franz. coquette i. kokettieren, v.: sich kokett zeigen, im 18. -Jh. aus franz. coquetter. Koketterie, f.: Gefallsucht, im 18. Jh. aus franz. coquetterie f. Kokon, m. (-S, PI. -s): Gehäuse der Seiden- raupenpuppe. Das franz. cocon m., abgeleitet 1093 EokosniLß Kollation 1094 von franz. coque f. «Gehäuse, Schale, Raupen- gespinst», das vielleicht aus gi\-lat. conclia, gr. KÖTxi f- «Muschel, Muschelschale» stammt. 1801 bei Campe. Kokosnuß, f.: hartschalige, Milch enthal- tende Frucht der Kokospalme. 1595 bei Hul- sius Schilf. 1, 22 Cocos, 1628 bei Münster Cos- mogr. S. 1605 Cocosbaum, S. 1697 Cocobaum. Aus span.-port.-frz.-engl. coco m. Unerklärt. Koks, m. (PI., meist aberSg.): abgeschwe- felte Steinkohle. Aus dem PI. (cokes) des engl, gleichbed. coke (in schlechter Schreibg. coake). Dialektisch bedeutet das Wort auch «Asche» und «Mark von etwas, Kernhaus». Die ältere Form ist colke, das mit schwed.-diah kalk «Mark in Knochen» zu gr. -fe^Tic «Kern im Knoblauchskopf» gehört. 1813 bei Campe. Kolben, m. (-5, PI. wie Sg.): Stiel, Stab mit dickem Knopfe, im Mittelalter als Waffe des gemeinen Mannes und Abzeichen (urspr. Wafle) des Narren; kolbenähnlicher Pflanzen- stengel (mhd. um 1400 in louchkolb m.); der kupferne oder gläserne Destillierkolben (1650 bei Moscherosch Philander 1, 222); das dicke Ende des Gewehrs (bei Lessing 8, 121, wie es scheint schon mhd. im Erec 5387 f. kolbe m. «die Kuppe des Streitkolbens»); an Dampf- maschinen der im Treibzylinder sich hin und her bewegende K. am Ende der Kolbenstange, im 19. Jh. benannt nach dem K. der alten Wasserkunst, der an der Kolbenstange befestigt und in der Pumpenröhre auf und ab steigend das Wasser dinickt und hebt; nur als Fem. Kolbe «Kopf des Menschen» (bei Luther 3, 408*'), «kurzgestutzter Haarschopf» (Birlinger Augsburger Wb. 286* vom J. 1508, mnd. 1559 kolve f.), «Glatze» (1517 bei Trochus Xl'' kulbe f., noch md. ). In 1. Bed. älternhd. Kolbe (noch bei Schubart 2, 65), Kalb, mhd. kolbe, ahd. kolbo m., md. im 12. Jh. colvo m. und colva f. (Germ. 9, 25, "S''); dazu and. kolvo m., nnd. kulft., ndl. kolve, kolft, woneben stark- biegend anord.Ä;o//rm. «Wurfspieß mit kolbiger Spitze, Klöpfel der Glocke» u.dieAbltg.fci/^/a f., dän.kölle «Keule». Urverwandt entweder mit ir. gulban, kymr. gylfin «Stachel» oder mit lat. globus m. «Kugel, Haufe, Klumpen». RA. Jeni. mit Kolbe7i lausen «mit dem Knüppel behan- deln (eig. scheren) und dadurch zur Vernunft bringen», aus der Baderstube entlehnt, mhd. narren mit kolben lüsen. Kolibri, m. (-5, PI. wie Sg. und -s): das amerikanische Blumenvöglein. 1727 bei Hüb- ner Kolibri, 1774 bei Adelung Colibrit m. (-en, PI. -en) (so schon Fidibus Lpz. 1769 S, 9), Colibritchen n. Aus span. colibri m. Kolik, f. (PL -en): Bauchgrimmen, Darm- gicht. 1664 bei Duez Colick, 1616 bei Henisch Colica f., 1591 bei Decimator Sylva vocabu- lorum HhS'^ Xb^c/t, mnd. 1424 kolk f. Aus gr.- lat. cölica, gr. kiuXikti f. (zu ergänzen vöcoc f. «Krankheit»), eig. Adj. von küjXov, köXov n. «Grimmdarm». Kolk, m. (-es, PI. -e): tiefes Wasserloch von Ausdehnung; Strudel, Wirbel. In Nord- deutschland. In der 1. Bed. bei Luther 8. Mos. 11, 36, mnd. kolk, kulk, auch afries. kolk m. «Grube, Loch, Augenhöhle»; in der 2, Bed. 1691 bei Stieler und 1668 bei Schottel S. 959, md. 1517 bei Trochus T 4^ und schon im 14. Jh, bei Jeroschin kolk, mnd. kolk, kulk, ndrhein. 1188 colc m. (Lacomblet Urkdb. 1, 358): dazu nndl. kolk f. «Abgrund, Strudel». Vielleicht mit den unter Koks behandelten Worten verwandt. Kolkrabe, m. (-«, PI. -n): der gemeine gi'oße Rabe. In Xorddeutschland. 1604 bei Decimator Gewissensteufel 73 Kolchrabe, 1691 1 bei Stieler Kolkrabe, benannt nach Frisch 1741 I von seiner Stimme, die er im Halse macht, d. h. von kolken «dumpf gurgeln» (1691 bei Stieler kolken, gulken, golkeren, um 1480 im Voc. ine. teut. k 1 ^ golkatzen, Var. golkotzen). KoUaborätor, m. (-s, PI. -en)-. Schul- gehilfe. Im 18. Jh., aus mlat. collaborator m. von colldböräre «mitarbeiten». Kollaps, m. {-ses, PI. -se): Zusammen- bruch; schnelle Abnahme der Kräfte. Aus gleichbed. mlat. coUapsus von colläbäri «zu- sammenstürzen». Aus der Sprache der Medi- zin in neuerer Zeit. Kollation, f. ( PI. -ew) : Vergleichung zweier Schriften ; Zwischenmahlzeit. In der 1 . Bed. 1531 bei Hedio Josephus Vorr. 5'^ Collation f., 1616 bei Henisch gekürzt Collatz f. «Vergleichung», In der 2. Bed. urspr. «Vortrag über Tisch abends in einem Kloster» (mhd. colläcie f.), dann «kalte Mahlzeit, Trunk nach derselben» mhd. collation, colläcie f., verallgemeinert im 16. Jh. Collation, gekürzt Collatz f. (1575 bei Fischart Garg. 418) mit dem Zeitwort collatzen (Grimmeishausen Simpl. 2, 598 Klr.), franz. collation f. «Imbiß». Aus lat. collätio f. «das Zusammentragen, Zusammentreffen, Vereini- gung, Vergleichung»; in den Klöstern wurden beim gemeinsamen Abendessen die Collationes patrum des Joh. Cassianus vorgelesen. Dazu kollationieren, v. : vergleichen, 1571 bei Rot collationirn, franz. collationner. 69* 1095 EoUeg Kolonialwaren 1096 Kolleg, n. (-[e]s, PI. -im), auch Kolle- gium: Amtsgenossenschaft und deren Ver- sammlung; Vorlesung an einer Universität (1639 bei Zincgref Apophth. 1, 165 Collegien). Aus lat. collegium n. «Amtsgenossenschaft, Verbindung zu gemeinsamem Zweck, Innung, Zunft», im Neulat. auch «Hörerschaft einer Vorlesung, Universitätsvorlesung vor ständiger Hörerschaft». KoUöge, m. (-n, PI. -n): Amts- genosse, 1562 bei Mathesius Sarepta 164^ Col- lege, aus lat. collega m. «Amtsgenosse, Genosse». Dazu kollegiälisch, adj.: amtsbrüderlich (Goethe 5, 1, 176), aus glbd. mlat. collegiälis. Kollektäneen, PI. : Lesefrüchte, Sammel- schrift. Im 18. Jh. (noch 1714 bei Wächtler Collectanea) aus lat. colledänea, PI. von collectä- neum n. «Zusammengelesnes», demNeutr. des Adj. collectäneus, abgeleitet von collectus, dem Part. Pass. von colligere «zusammenlesen». Kollekte, f. (PI. -n): Beisteuersammlung (bei Liliencron 3, 26* vom J. 1508 koUec(e); ein Altargebet (mhd. collecte f.). Aus mlat. collecta f. «Zusammengetragnes, Almosensammlg. usw.», eig. Fem. zum lat. Part, collectus (s. vor. Wort). kollektiy, adj.: das Einzelne zusammen- fassend, sammelnd (Wieland Aristipp 2, 26, Schiller 14, 12), aus lat. collectlvus «zusammen- gelesen», von Part, collectus (s. Kollektaneen). Kollektiv, n. (-5, PI. -e) : Sammelname, Sam- melwort, aus gleichbed. lat. (nomen) collec- tivuni n. ^Koller, n., seltner m. (-s, PI. wie Sg.): Halsbekleidung als Teil der Rüstung oder Klei- düng; am Halse schließender Lederharnisch füi- Brust u. Rücken (im 16. — 18. Jh.); Manns- jacke, Wams (1482 bei Melber 0 2^, noch bayr.); Halskragen (1716 bei Ludwig), Hals- krause. Auch Goller (Schiller Teil 3, 3 als m.), bei Luther Koller mhd. gollier, kollier, spät. goller, koller n. «Halsbekleidung»; auf mhd. collir, im 15. Jh. gollir, beruhen die um- gelauteten Formen Koller (bei Alberus dict. 1540 und Stieler 1691, auch nd. im 16. Jh.), keller (im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 132^^) und Schweiz. Goller n. (bereits im 16. Jh.). Ent- lehnt aus franz. collier m., von lat. eolläre n. «Halsband», mlat. collarium, collerium n. «Hals- rüstung», abgeleitet von lat. collum n. «Hals». ^Koller, m. (-es, PI. wie Sg.): krankhafte Wunderlichkeit aus innerm Zorn oder innerer Wut. Im 15. Jh. koler (Diefenbach gl, 1313'), mhd. um 1300 kolre m. «stille od. ausbrechende Wut», nd.kuller. Entlehnt aus gr.-lat. cholera f. «Galle, Gallensucht» (s. Cholera), dann im Mlat. (wo auch colera) «innere Hitze und er- hitztes, verbranntes Blut im Körper», ferner «Aufbrausen im Gemüte, Zorn», woraus auch ital. collera, früh, colera, franz. colere f. «Galle», dann «Zorn, Groll, Grimmigkeit». Aus gr.-lat. cholera aber ist schon entlehnt ahd, cholaro, choloro, im 11. Jh. cholere, mhd. kolre m. «Bauchgrimmen, heftiger Schmerz in Gedär- men». ABL. kollerig, adj., 1582 bei Fischart Garg. 348 gallenkollerig. kollern, v.: aus innerm Zorn, innerer Wut unsinnig sein, von Menschen bei Luther 1 Sam. 21, 13, närrisch tun (Werke 8, 67 "^ J.), bei Pferden (6, 145* J.), dann im 17. Jh. voll Zorn, lärmend zanken, ungestüm, lärmend reden; zorn-, wuterfüllte tiefe Töne ausstoßen (1562 bei Mathesius Sa- repta 302*), vom Truthahn(Simpl. 1,1019 Klr). Davon KoUerer, m.: kollernder Mensch; kol- lerndes Pferd (in beiden Bed. 1691 bei Stieler). kollern, V.: kugeln, rollen, sich fortwälzen; rollende Laute hören lassen, z. B. im Bauche. 1716 bei Ludwig, nd.-md. kullern, schles. kullen «rollen», abgeleitet von md. Koller, Kuller f., schles.-kurhess. Kulle f. «Kugel», schles. auch «Walze, Rolle», aus mhd. kugele f. «Kugel». KoUMt, n. (-[e]s, PI. -e, auch -s): Reitjacke. Im 17. Jh. (1694 bei Nehring Collef) aus franz. collett, ital. colletto m. «Halskragen», von lat. Collum n. «Hals». Kolli, n. (-S, PI. wie Sg. oder -s), eigent- lich PI. von Kollo, n.: Warenballen, Fracht- stück. 1712 bei Hübner Colli, aus ital. colli, PI. von collo m. «Ballen Ware». kollidieren, v.: in feindliche Berührung kommen. 1694 bei Nehring, von lat. collldere «zusammenschlagen, -stoßen, feindlich anein- ander kommen. Dazu KollisiÖn, f. (PI. -en): Widerstreit, 1694 bei Nehring, von lat. colllsio f. «das Zusammenstoßen», Kollier (spr, kolje), n, (-s, PI. -s): Hals- kette als Schmuck. Im 19. Jh. aus gleich- bed, franz, collier. Vgl, ^Koller. Kolon, n, (-S, PI, -5 und Kola): der Doppelpunkt, 1694 bei Nehring CoZo». Ausgr,- lat. Colon, gr. küuXov n. «Glied», dann «Glied einer Periode» (gegliederten Satzverbindung), in welcher Bed. um 1522 Ickelsamer 46 die PI. Cola, Colen ebenso wie Commata, Commaten gebraucht und dabei als Trennungszeichen dieser Satzglieder : und / angibt. Kolonialwaren, PI. f.: Aus den über- seeischen Kolonien bezogne Waren. Zgs. mit kolonial aus nlat. colöniälis «zu den Kolonien gehörig». Anfang des 19. Jh. aufgekommen. 1097 Kolonie Komfort 1098 Kolonie, f. (PI. -[ejn): Pflanzort, Ansiede- lung. 1617 bei Hulsius Schiff. 13, 7 Colonie. Aus lat. colönia f. «Ansiedelei» (wovon in j alter Zeit Köln), von lat. colönus m. «Land- wirt, Pflanzer». Dazu Kolonist, m. (-en, PI. -en): Ansiedler, 1741 bei Fiisch. koloni- sieren, V. : eine Kolonie gründen, bei Goethe 15, 1, 300, aber schon 1575 bei Fischart Garg. ' 17 colonisiren «ansässig, einheimisch machen». Kolonne, f. (PI. -n)-. Säule, Heersäule, Aufstellung in Ordnung von größrer Tiefe. 1710 beiNehiing Colonne in militärischer Bed. Aus gleichbed. franz. colonne, ital. colonna f. «Säule», von lat. colunma f. «Säule». Dazu Kolonnade, f. (PI. -n) -. Säulengang, Säulen- halle (bei Herder z. Philosophie 1, 165 Colon- nade), aus gleichbed. franz. colonnade f., da- für 1712 bei Hübner Colonnata f. KolophÖninm, n. (-s): Geigenharz, be- nannt nach der Stadt Kolophon in Kleinasien, 1565 bei Paracelsus Wundartzney 55 Colo- fonie, 1678 bei Krämer Golofonien, Colfonien n. Koloqninte, f. (PI -n): Bitter-, Papier- gui-ke. Bei Luther (2. Kön. 4. 39) der PI. Colochinten, Kolquinten, 1536 bei Wicel An- notationes 1, 126^ Kolokinten, aus mlat. im 15. Jh. coloquintis, gr.-lat. colocynthis, gr. KoXoKuvGic f. kolorieren, v.: mit Farbe ausmalen, färben (1571 bei Rot colorim, 1562 bei Ma- thesius Sar. 49'', 78* coloriren); nrit künst- lichen Tonverzierungen singen (1571 bei Rot, colerieren 1551 bei Scheidt Grobianus7). Aus lat. colöräre «färben», von color m, «Farbe». Dazu Koloratur, f. (PI. -en): künstliche Tonverzierung, 1571 bei Rot Coloratur, in eig. Bed. «Färbung», 1562 bei Mathesius Sar. 265*'. Kolorit, n. {-[e^s, PI. -e): Farbeugebung, im 17. Jh. (1712 bei Hübner Colorit n., 1678 bei Krämer der PI. Coloriten), aus gleichbed. ital. colorito m, Koloß, m. (Gen. Kolosses, PI. Kolosse): Riesensäule, Riesengestalt. Im 17. Jh. bei Lohenstein Hyacinthen 56 der Plur. Kolossen, mit schwacher Flexion neben der starken noch bei Wieland, Goethe, Schiller. Aus gr.-lat. colossus, gr. KoXoccöc m. «Riesenbildsäule», insbesondre die 70 Ellen hohe, dem Sonnen- gott geweihte eherne auf der Lisel Rhodus. Dazu kolÖSSisch, adj.: riesenmäßig, über- groß, ungeheuer, bei Wieland Idris3,58, Herder z. Philosophie 5, 67, von gr.-lat. colossicus, gr. KoXocciKÖc. kolossal, adj. (Goethe 31, 72), aufgenommen aus franz. colossal «riesig-, über- groß»; davon kolossäliscll, adj., bei Lessing 6, 454, Wieland Suppl. 4, 89, Schiller 7, 8. kolportieren, v,: von Haus zu Haus tragen, im 18. Jh. aus franz. colporter, eig. «am Halse (lat. collum n.) tragen» (lat.portäre). Dazu Kolporteur, m., 1712 bei Hübner Col- porteur «mit italienischen und französischen Galanteriewaren umherwandemder Tablett- träger», aus franz. colporteur m. Kolpor- tage (spr. -äze), f. (PI. -n): Hausierhandel, besonders mit Büchern. Kolster, m. (-s): zäher Schleim, bei Les- sing 1, 203, entstanden aus Qualster (s. d.). ■"Kolter, m. (-S, PI. wie Sg.): abgenähte (Bett-) Decke, Steppdecke. Bei Luther 2. Kön. 8, 15 Kolter, obd. im 16. Jh. und noch heute meist Golter. Mhd. kolter, golter, üblicher kulter, gulter m. (noch bayr. Chilter), nd. kolter «Polster, Decke, worauf man sitzt oder liegt», zuweilen auch «Bettdecke». Aus afranz. colstre, coltre, coutre f., von lat. culcitra f. «Polster, Matratze». Dagegen entspringt aus der ein- fachem lat. Form culcita f. das gleichbed. md. kulte, kolte f., mnd. kolte f., mndl. culct f. ^Kolter, n. (-S, PI. wie Sg.): Pflugmesser, Sech. Norddeutsch. 1640 bei Colerus Hausb. 4, 60 Kolter, mrhein. im 16. Jh. kolter, kolffter (Weisth. 2, 538. 597), mehr ndrhein. 1413 kolter (ebd. 2, 726, 10). Aus gleichbed. afranz. coltre m., nfranz. coutre, ital. coltro m., von lat. culter m. «^lesser, Pflugmesser». Kolumne, f. (PI. -n): bei den Buch- druckern die Spalte (eig. Schriftsäule) einer Buchseite, 1774 bei Adelung Columne, 1694 bei Nehring Columna, aus lat. colunma f. «Säule», Kombination, f. (PI. -en): berechnende Verbindung (fmh im 18. Jh.), aus mlat. combi- nätio f. kombinieren, v. : berechnend ver- binden; zusammenfügen (1703 im Zeit.-Lex.). ; Aus spätlat. conibinäre (woher auch franz. comhiner «je zwei verbinden»), zusammen- gesetzt aus lat. com- «mit, zusammen», und einer Ableitung von lat. &m «je zwei». Kom^t, m. {-en, PI. -en): Schweif-, Haar- stem, (1579 bei Calepinus) Strobelstern. 1482 im Voc. theut. r2* komet, mhd. comete m.; dazu ags. cometa m. Aus gr.-lat. cometa, gr. KoiariTric m., eig. «langes Haar tragender», von gr. KÖuri f. «Haar». Komfort, m. {-s, PI. -s): Behaglichkeit, Bequemlichkeit, um 1800 entlehnt, bei Goethe Naturw. Sehr. 4, 142 der PI. Comforts. Aus ! glbd. engl, com fort, mengl. comfort «Stärkung, I Trost», durch afranz. confort m. «Stärkung», 1099 Komiker Kommentar 1100 von lat. confortäre «sehr stärken», za lat. fortis «stark». Dazu komfortabel, adj.: behaglich, früher auch bekömmlich (Schiller an seine Frau vom 10. 3. 1801). Vgl. Ladendorf. Komiker, m. {-s, PI. wie Sg.): Schau- spieler füi- lustige Bollen (erst im 19. Jh.). kömisch, adj.: Lachen erregend (bei Gott- sched und Geliert 1, 281); närrisch, wunder- Hch (bei GeUert 4, 66). Jenes von, dieses nach gr.-lat. cömicus, gr. kuj|uiköc, als Adj. «witzig, scherzhaft, lächerlich», als männl. Subst. «ko- mischer Schauspieler, Lustspieldichter», von Küüiuoc m. in der Bed. «Umzug voll Mutwillen und Ausgelassenheit» (s. Komödie). Komitee, n. (-s, PI. -s): leitender usw. Ausschuß. Bei Norddeutschen öfters Fem., vereinzelt auch wohl Mask. Im 17. Jh. auf- genommen (1703 im Zeit.-Lex.) aus gleichbed. franz. comite m., und dies aus engl, committee, eig. «Untersuchungsausschuß von und aus dem Parlament» (so bei Schiller M. Stuart 1, 7 Komniittee), von engl, commit «übergeben, anvertrauen». Letztres aber aus franz. com- mettre «(zu einem Amt) bestellen, abordnen», von lat. committere «anvertrauen». Komma, n. (s. PI. -s und Kommata): als Interpunktionszeichen der Beistrich, bis ins 18. Jh. von längi-er Gestalt /. Bei Nehring 1694 Comma, aus gr.-lat. comma, gr. KÖ)x\xa n. «Ein-, Abschnitt, Glied einer Periode» (wie noch um 1522 Ickelsamer den PI. Commata, Commaten gebraucht, s. Kolon), von gr.KÖirreiv «schlagen, abhauen». KommandltgesellSCliaft, f.: Handels- gesellschaft mit stillen Teilnehmern. Zgs. mit dem glbd. aus franz. commandite ent- lehnten Kommandite (1801 bei Campe). Kommando, n. (-s, PI. -s): Befehl, im 17. Jh. (bei Grimmelsh. Simpl. 8 Conimando, 1639 bei Micrälius Pommern 1, 79 gekürzt Command n.) entlehnt aus gleichbed. ital.-span. comando m., von dem aus lat. commendäre «empfehlen» (zusammengesetzt aus com- «mit», numdäre «auftragen») gewordnen ital. coman- dare, span. comandar, franz. Commander «be- fehligen, gebieten», woher im 16. Jh. kom- mandieren, V.: befehlen, befehligen (1571 bei Rot commendirn, 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 10 commandiren). Kommandant, m. (-en, PI. -en): Befehlshaber (1617 im teut- schen Michel 10, 1642 bei Homburg Clio R 8 und 1646 bei Moscherosch Philander 4, 222 Coiyimendant , 1664 bei Duez Cotumandant), aus gleichbed. ital.-span. comandante m., dem als Subst. gesetzten Part. Präs. jenes ital. und span. Zeitworts. Davon Kommandantur, f. kommen, v.(Pv&s.komme, kommst, kommt, Prät. kam, Konj. käme, Part, gekommen): sich wohin bewegend gegenwärtig werden. Bei Luther komen, mhd. komen, auch kumen (be- sonders md.), ahd. queman, dann coman, kuman, chomen; dazu asächs.-ags. cumun, engl, come, afries. kuma, anord. koma, schwed. komma, dän. komme, got. qiman. Urverwandt mit aind. ga.mati«ge\\X, gehen», awest.j'awaifü< kommt», lat. venio (aus *gvenio) «ich komme», gr. ßaiviu (aus *ßavji'uu) «ich gehe», arm. ekn «er kam», ir. fohenat «subveniunt», der alte qu-haut hat sich in bequem (s. d.) erhalten. Das Präs. lautet im Sg. bei Luther kome, kompst, kompt und selten kömpt (die umgelaut. Formen kömmst, kömmt oft im 17. und 18. Jh., vgl. Lessing 10, 225, noch im 19. Jh. bei Chamisso, Heine, Rückert), mhd. kume (md. kome), kumest, kumet, zuweilen kiimet, kümt (andrhein. quimit, kummit), ahd. quimu (dann cumu), quimist (dann cumist, chomest), quimit (dann cumit, chumit noch im 18. Jh. schles. qvimmt, quimt); das Prät. bei Luther kam, mhd. kom, kam (md. quam), PI. komen, kämen (md. quämen), Konj. koeme, kceme (md. queme), ahd. quam, Cham, PI. quämumes, Konj. quämi; das Part. Pass. bei Luther und vorwiegend älternhd. komen, mhd. komen, kumen, zuweilen gekomen, ahd.' queman, quoman, dann cuman, chomen, noch heute im Volkston dichterisch oder alter- tümelnd kommen. In der Weise eines Hilfs- zeitwortes erscheint kommen dem Part. Prät. eines anhaltende Bewegung ausdrückenden Verbums zugesellt, in welcher Verbindung dies Part, aktiven Sinn hat, z. B. er kommt geflogen usw., oft im IMhd. Kommende, f. (PI. -n): Ordenspfmnde. 1581 bei Fischart Binenkorb 223^ Commeiide, aus mlat. cojumenda f., von lat. commendäre «anvertrauen, übertragen». Vgl. Komtur. Kommönt, m. (-s, -s-, spr. Komniq): der Brauch des Burschenlebens und das Gesetz- buch darüber, 1795 belegt. Eigentlich das «Wie», aus franz. cojnment «wie». Kommentar, m. {-s, PI. -e und -arien): Erläuterung, Erläuteningsschrift. Bei Lessing 3, 20 vom J. 1750 Commentar, aber schon 1531 bei Hedio Josephus Vorr. S, 2 der PI. Commentarien, dafüi* im 16. u. 17. Jh. (1508 bei Altenstaig, 95^, bei Luther und Duez) Comment m. Aus gleichbed. lat. commentärius m. (eig. Adj., zu ergänzen liher m. «Buch»). 1101 Kommers Komödiant 1102 kommentieren, v.: erläutern, leQ-iXehi-ing coynmentiren, aus gleichbed. lat. commentäri. Kommers, m. (Gen. -es, PI. -e): student. | Trinkgelage. 1781 bei Kindleben Kommersch, ' bei Campe 1813 Commerce, aus franz. commerce m. «Verkehr» (s. Kommerz). ZUS. Kommers- buch, n.: Trinkliederbuch der Studenten. Kommerz, m. (-es): Handelsverkehr-, aus j gleichbed. franz. commerce m.., von lat. com- mercium n. «Handel». 1678 bei Krämer der PI. Commercien (und schon in den schles. Acta publica vom J. 1618 S. 225 Commertien) « Handelschaft». ZUS. Kommerzienrat, m.: Titel, der an Großkaufleute verliehen wird. Kommis (spr. Kommi), m. (Gen. u. Plui-. : ebenso, aber mit gesproch. s): Handlungs- diener. Das gleichbed. franz. commis, eig. «Beauftragter», von commettre «beaufti-agen», aus dem gleichbed. lat. committere, dessen Part, Perf. Pass. commissus lautet. Im altem Nhd. ist K. s. V. a. «Beauftragter, Stellver- treter» (so noch bei SchiUer 14, 192), dafür jetzt Kommissar; die jetzige Bed. erscheint bei Campe 1813. Kommiß: zm- regelmäßigen Lieferung an Soldaten Zugerichtetes, im 16. u. 17. Jh. (1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 31^ in die Commiß greiffen, aus der Commiß gehen, 1617 im teutschen Michel 38, 1650 bei Moscherosch 2, 702. 812, aber schon 1555 bei Wickram Koll- wagenb. 71, 22 Commißmetzger für Lands- knecht), aus franz. commis, lat. commissus, Part. Pass, von lat. committere «anvertrauen», franz. comtnettre «beauftragen». ZUS. Kom- mißbrot, n.: Soldatenbrot, schon im 16. Jh. (bei Hörn Soldatensprache 26 ein Beleg von 1598; 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 160^ Commishrot). Kommissär, Kommissar, m. i-s, PI. -e) -. in amtlicher Sendung Betrauter, amthcher Geschäftsbetrauter. Im 15. Jahrb. (1447 im Henneberg. Urkdb. 7, Nr. 252 der Sg. com- missari, bei Janssen Reichscorr. 2, 106 vom J. 1449 der PL commissarien) entlehnt aus mlat commissarius m. «mit Besorgung eines Geschäfts Betrauter, Vollzieher der Testa- mente», woher franz. commissaire m. und hier- aus früh im 18. Jh. Commissär. Davon Kom- missariat, n. {-es, PI. -e), 1564 in den Script. rer. Siles. 4, 202. Kommission, f. (PI. -en): Auftrag; Untersuchungsausschuß. In der 1. Bed. 1495 in den Reichsordn. 18^ Commission, auch bei Hermann v. Sachsenheim Mörin 2390; in der 2. Bed. 1447 im Henneberg, ürkdb. 7, Nr. 252, aus lat. commissio f. «Begehung», im spätem Latein «Vollmacht», im Mlat. «Auf- trag». Kommissionär, m. {-s, PI. -e): Ge- schäftsbevollmächtigter, 1775 bei Adelung, aus franz. commissionnaire m., von mlat. commis- sionarius m. Vgl. Kommis. kommlich, adj.: bequem, passend, dien- lich, zuträglich. Schweiz.-elsässisch, daher bei Schiller Teil 4, 1 (V. 2128). :Mhd. komlich, Schweiz, im 15. Jh. kumlich. Zgs. mit kommen. kommöde, adj.: bequem. Im 17. Jh. commode, aus gleichbed. franz. commode, von lat. commodus «bequem». KommÖde, f. (PI. -n): Schiebkastenschrank. Im 18. Jh. Commode (Zachariä Phaeton 1, 33, Hermes Soph. Reise 1, 532) aus gleichbed. franz. com- mode f., dem substantivischen Fem. des Adj. commode. Kommoditat, f.: Bequemlich- keit; (verhüllendj Abtritt. In der 1. Bed. bei Grimmeishausen Simpl. 1, 868 Klr. Commo- dität, aus franz. commodite f., von lat. com- moditas f. «Bequemhchkeit». Kommune, f. (PI. -n): Gemeinde. Schon spätmhd. kommüne f., aus franz. commune f., das auf lat. commünio f. «Gemeinschaft» zu- i-ückgeht, von communis «gemein», kom- munal, adj.: was zur Gemeinde gehört. Aus gleichbed. lat. cömmünälis. Im 19. Jh. Kommunikant, m, (-en, PI. -en): Emp- fänger des heiligen Abendmahls. Bei Luther 4, 316^ J. Communicanten, aus lat. commüni- cans (Gen. communicantis) , Part. Präs. von co/»wi«?»'cäre «gemeinschaftlich machen, etwas mitteilen», woher kommunizieren, v. : dui-ch Mitteilung gemeinschaftlich machen (1616 bei Henisch communiciren): gemeinschaftlich zum heil. Abendmahle gehen (bei Luther 5, 82* communiciren). Kommunion, f.: Empfang des heil. Abendmahls, bei Luther 5, 96'' Com- munion, aus lat, commünio f. «Gemeinschaft», im 4. Jh. «das heil. Abendmahl», von lat. communis «gemeinschaftlich». Kommunis- mus, m.: Gütergemeinschaft. Aus nlat. com- munismus. Ebenso wie Kommunist, m.,. politisches Schlagwort seit 1840. VgL Laden- dorf und ZfdW. 8, 18. Komödis'int, m. (-en, PI. -en): Schau- spieler. 1617 im teutschen Michel 25 und 1620 bei Albertinus Lustgarten 265 Gomediant, 1689 bei Zincgref 1, 304 Comoediant, 1691 bei Stieler Komödiant neben Komediant und Kom- mediant, nach gleichbed. ital. commediante m., dem als Subst. gebrauchten Part. Präs. von comtnediare «Lustspiele aufführen», zu ital. 1103 Kompagnie Kompliment 1104 commedia f. «Lustspiel», aus gr.-lat. comoedia f. Daher komödiantisch, adj., 1712 bei Hübner comödiantisch, 1694 bei Nehring coniediantisch. — Komödie, f. (PI. -n): Lustspiel (im 17. und 18. Jh. Schauspiel, Theater überhaupt, nach franz. comedie f.). Im 15. Jh. mrhein. coniedie (bei Diefenbach gl. IB4:'^), 1517 comedi f. (vocabula pro juventute Bl. 23*), 1639 bei Zincgref 1, 304 Comoedie, 1691 bei Stieler Ko- mödie neben Komedie und Kommedie, aus gr.- lat. comoedia, gr. Kuu.uoibia f. «Lustspiel», im Griechischen eig. wohl «Festgesang», zgs. aus KuJuoc m. «festlicher Aufzug mit Musik, Ge- sang und Tanz», zunächst zu Ehren des Gottes Dionysos, und üjbr) f. «Gesang» (s. Ode). Vgl. komisch, Komiker. Kompagnie, Kompanie (spr. Kompani), f. (PI. -w): zu etwas verbundne Gesellschaft; Abteilung Soldaten unter einem Hauptmann. Das franz. cotnpagnie f., das zurückgeht auf ein mlat. companium n. «Gesellschaft», eig. «Brotgenossenschaft», zgs. aus lat. com- «mit» und einer Ableitung von pänis m. «Brot». Schon mhd. kompanie, kumpanie f. «Gesell- schaft», dann im 16. Jh. in der Bed. «Handels- gesellschaft»; alsHeeresabteilung 1617bei Wall- hausen Corp. mil. 12. — Kompagnon (spr. kompanJQ), m. (-s, PI. -s): Geschäftsteilhaber. Das franz. compagnon, ital. compagnone m., eig. «Genosse». Schon 1515 im Eulenspiegel Kap. 39 companion in der Bed. «(Handwerks-) Ge- nosse, Mitgesell». Vgl. Kumpan. kompakt, adj.: dicht, gedrängt. 1716 bei Ludwig compact, aus franz. compacte, von lat. compacfiis «gedrungen». Kompanie, s. Kompagnie. KomparatiT, m. (s, PI. -e): Vergleichs- stufe, höhre Stufe des Adjektivs und des Ad- verbs in der Grammatik. Aus lat. (gradus) comparätivus m,, eig. Adj. von comparätus, dem Part. Perf. Pass. von comparäre «vergleichen». Kompaß, m. (Gen. Kompasses, PI. Kom- passe): Magnetnadel mit Büchse (im 17. und 18. Jahrb. auch «Taschensonnenuhr» für die Keise, 1678 bei Krämer «Zirkel», daher die sprichwörtliche RA. Einem den K verrücken «seine Pläne vereiteln», (1605 bei Hulsius). Ln frühen 15. Jh. compas, daneben compast, 1540 bei Albenis dict. ee3'' Compaß (aber bereits 1253 bei Heinrich von Krolewiz Vater- unser 1468 f. und um 1190 im Gedicht La Bible des Guyot de Bercy aus Provins be- schrieben). Aus ital. compasso m. «Kompaß, Zirkel», nebst ital. compassare «abschreiten, ab- messen» abgeleitet von \ai. passus m. «Schritt». Jetzt betont Kompaß, aber bei Opitz, A. Gry- phius, Hoffmannswaldau, Canitz usw. Compaß. Kompendium, n. (-s, PI. -dien): kurz gefaßtes Lehrbuch, Abriß. Aus lat. compen- dium n. «Ersparnis» (an Arbeit). Im 17. Jh. Kompensation, f. (PI. -en): Ausgleichung, Entschädigung, Aufrechnung. Aus gleichbed. franz. compensation f. und dies aus lat. com- pensatio f. von com-pensäre «gegeneinander abwägen», wovon kompensieren, v.: auf- rechnen. Beide im 17. .Ih. Kompetent, m..{-en, Pl.-en): Mitbewerber um ein Amt, 1678 bei Krämer, kompetent, adj.: zuständig, befugt, 1714 bei Wächtler competente, von lat. competens (Gen. compe- tentis, in der mlat. Rechtssprache «gebühr- lich, zuständig»), dem Part. Präs. von compe- tere «zusammentreffen, gemeinsam erstreben». Kompetenz, f.: Mitbewerbung, Zuständig- keit (1678 bei Krämer Competentz), aus lat. competentia f. «Zusammentreffen», im Mlat. «Mitbewerbung». Kompilation, f. (PI. -en): Zusammen- stoppelung aus Büchern, kompilieren, v.: (aus Büchern) zusammenstoppeln. Erst im 18. Jh. aus lat. compüäre «plündern», com- pilätio f. «Plünderung». komplett, adj.: vollständig, 1678 Krämer complet, aus gleichbed. franz. complet, von lat. completus «vollgefüllt, vollständig», dem Part. Perf. Pass. von lat. complere «an-, voll- füllen». Davon komplettieren, v.: ver- vollständigen, ergänzen, 1703 im Zeit. -Lex. completiren, aus gleichbed. franz. completer. Komplex, m. {-es, PI. -e): Zusammen- fassung, Zusammengefaßtes. Oft bei Goethe (3, 368; naturw. Sehr. 6, 9). Aus lat. com- plexus m. «das Umfassen». Komplice, m.(-?i, Pl.-w): der Mitschuldige, Helfershelfer. Ende des 17. Jh., aus gleich- bed. franz. complice m., von lat. complex m. (Gen. compUcis) «Verbündeter, Teilnehmer». kompliziert, adj. : verwickelt. Bei Campe 1801. Das Part. Perf. Pass. von komplizieren, lat. complicäre «zusammenfalten, -wickeln». Kompliment, n. {-es, PI. -e): Verbeu- gung; Empfehlung; Höflichkeitsbezeigung, Artigkeit. Im 17. Jh. (1615 bei Albertinus Landstörzer 255 der PI. Gomplimenten), aus gleichbed. franz. compliment und dies aus ital. complimento m. ' Davon komplimentieren, V., 1669 im Simplic. 217 complimentiren, aus franz. complimenter, ital. complimentare. 1105 Komplott Konferenz 1106 Komplott, n. {-[e]s, PL -e): geheime Yer- bindung zu Schlimmem; Meuterei. Im 17. Jh. (1686 bei Liebe) aus dem in seinem Ursprung dunklen franz. complot m. «heimlicher böser Anschlag unter Mehrem» (in der ersten Hälfte des 16. Jh. «Verabredung, Übereinkunft»). Davon komplottieren, v., im 17. Jh. aus franz. comploter. komponieren, v.: eine Tondichtung schöp- ferisch zusammensetzen. 1571 bei Eot com- ponirn, aus lat. compönere «zusammensetzen». Komponist, m. {-en, PI. -en): Tonsetzer, bei Luther Briefe 4, 586 und bei Rot 1571 Componist Komposition, f. (PI. -en): Zu- sammensetzung (um 1522 bei Ickelsamer 32 Coniposition der Wörter); Metall- oder Erd- mischung (Zimm.-Chron.- 4, 139, 8); Ton- dichtung (1571 bei Rot). Aus lat. compositio f., «Zusammensetzung». Kompost, m. (-[e'ls, PI. -e): gemengte Düngererde. Neures Lehnwort der Gärtner und Winzer aus gleichbed. franz. compost m., mlat. compostum n. «Dünger», von lat. com- positum «Zusammengesetztes» (s. Kompott). Kompott, n. (-[e].s, PI. -e): eingemachtes gedämpftes Obst, bei Campe 1801, aus gleich- bed. franz. compote f., ital. composta f., aus lat. composita, dem Fem. des Part. Perf. Pass. compositus von compönere «zusammen- setzen». Dafür im 16. bis 18. Jh. Compost m. (1567 bei Junius 111% Schlehenkompost 1575 bei Fischart Garg. 210). kompreß, adj.: zusammengedrängt, enge. Im 17. Jh., aus lat. compressus «knapp, enge», dem Part. Perf. Pass. von comprimere « zu- sammen dnicken, -pressen». Davon Kom- presse, f. (PI. -n): Umschlag um eine Wunde, Beule und ähnliches. 1813 bei Campe. Kompromiß, m. und n. (Gen. -sses, PI. -sse): gegenseitige Übereinkunft, besonders streitiger Personen; Urteil, dem sie sich unter- werfen. Im 15. Jh. compromiss n, (Öheim 154, 13), aus lat. cotnprömissum n. «gegen- seitiges Versprechen», dem substantivischen Neutr. von comprömissus , Part. Perf. Pass. von compromittere (s. d. folg.). kompromittieren, v.: (dem Schimpfe) bloßstellen. Im 17. Jh. compromittiren (1694 bei Nehring), aus gleichbed. franz. compro- mettre, von lat. compromittere «gegenseitiges Versprechen geben». Komtur, m. (-s, PI. -e) -. Ordenspfründner ; Vorgesetzter eines Ordenshauses oder Oi-dens- gebietes. Mhd. kommentiur, commendür, kome- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. dür, kumtürm.., aus afvajiz.com}n€nd€or (nfranz, commandeur), von mlat. commendator m. «Be- fehlshaber eines geistlichen Ordensgebietes oder Ordensgutes», von lat. commendäre «emp- fehlen», im Mlat. «befehlen». Vgl. Kommende. kondensieren, v. : eindämpfen, eindicken. Xach lat. condensäre «dicht machen, zusammen- pressen». 1791 bei Roth. Kondition, f. (PI. -eyi): Bedingung; Zu- stand; Dienst. Im 16. Jh. Condition f. «Be- ding, Vorschlag» (1580 bei Schwartzenbach Syn. 14*), «Dienst, Stelle» (bei Luther Briefe 5, 528), aus lat. conditio f. «Bedingung, be- dungene Übereinkunft», von condere «zu- sammengeben». ABL. konditionieren, v.: in Diensten stehen. Im 17. Jh. Konditor, m. {-s, PL wie Sg.): Zucker- bäcker. 1716 bei Ludwig Conditor, 1728 bei Sperander Conditer, aus lat. conditor m., von condire «durch Zutaten lecker machen, Früchte einlegen» (1616 bei Henisch Co/iJ?'^« Konfekt», ebenso mhd. condiment n. aus lat. condlmentum n.). ABL. Konditorei, f.: Zuckerbäckerei Kondolenz, f.: Beileidsbezeugung. Im 17. Jh. ibei Schuppius 617 Condolentz), aus gleichbed. ital. condolenza f. kondolieren, V.: sein Beileid bezeugen, 1694 bei Xehring coTidoliren, von lat. condolere «sehr leiden», dann «Mitleid, Beileid bezeugen». Kondor, m. (-s, PL -e) -. südamerikanischer Greii'geier. 1721 bei Jablonski, über span. condor m. aus peruanisch cuntur. Kondottiere, m. (-s, PL -w und Km- dottieri): Führer einer Söldnerbande. Aus gleichbed. ital. condottiere (14. Jh.), abgeleitet von ital. Part. Perf. Pass. condotto, lat. con- ductus, zu ital.-lat. condücere «führen». Kondukteur, (spr. -ör), m. {-s, PL -e): Begleiter, Schaffner. Aus franz. conducteur «Leiter», von conduire «führen». 1728 bei Sperander. Konfekt, n. (-5, PL -e): Zuckergebacknes. !Mhd. im 14. Jh. confect n,, aus gleichbed. mlat. confectum n., urspr. Xeutr. des Part. Perf. Pass. von conficere «verfertigen». Konfektion, f. (PL -en) : Anfertigung von Kleidern usw. Aus gleichbed. franz. confection f , nlat. confectio f. Im 19. Jh. Davon Konfektionsgeschäft, n. Konferenz, f. (PL -en): Beratschlagung, 1678 bei Krämer Conferentz, aus mlat. con- ferentia f. «Unterredung», von lat. conferre «zusammentragen, mitteilen», konferieren, V.: gemeinschaftlich beraten; (ein Amt) über- tragen. Früh im 16. Jh. (bei Fischart Garg. 70 1107 Konfession König 1108 274 conferieren in der 1. Bed.), aus gleich- bed. franz. conferer, von lat. conferre «mit- teilen, zuwenden». Konfession, f. (PI. -e») : Bekenntnis (mhd. confession f.); Eeligions-, Glaubensbekenntnis (nacb der confessio Augustana von 1530, bei Rot 1571 Confession), aus lat. confessio f. «Be- kenntnis», von confiteri «bekennen». konfirmieren, v.: rechtskräftig bestä- tigen (mhd. im 13. Jh. confirmiren Geimania 28, 363); zur Bestätigung des Tauf bundes ein- segnen (1534 bei Franck Weltb. 127 ** con- firmieren), aus lat. confirmäre «festmachen, bestätigen». Konfirmand, m. (-en, PI. -e?i): der als Mitglied der christlichen Kirche be- stätigt und eingesegnet werden soll, aus lat. confirmandus, dem Part. Perf. Pass. von con- firmäre. Konfirmation, f. (PI. -en) : rechts- kräftige Bestätigung (1487 im Stadtrecht von Gera Einleit. confirmacion) ; Investitur (im 15. Jh. confirmaz f.); Einsegnung zui' Be- stätigung des Tauf bundes (1534 bei Franck Weltbuch 127*' Confirmation); aus lat. con- firmätio f. «Befestigung, Bestätigung». konfiszieren, v.: gerichtlich einziehen. 1507 bei Janssen ReichscoiT. 2, 738 confisciren, aus lat. confiscäre «füi- die kaiserliche Schatz- kammer (lat. fiscus m.) einziehen». Kon- fiskation, f.: Verfallserklärung, aus lat. con- fiscätio f. «Vermögenseinziehung». Im 17. Jh. Konfitüren, PI.: Eingemachtes; Zucker- gebäck. Aus gleichbed. franz. confiture f., das auf lat. confectüra f. von conficere (s. Konfekt) zumckgeht. 1711 bei Eädlein, Konflikt, m. (-[e]s, PI. -e): feindlicher Zu- sammenstoß. Im 18. Jh., aus gleichbed. lat. conflictus m., von confligere «feindlich zu- sammenstoßen». Konföderation, f. (PI. -en) -. Verbindung (im 17. Jh.). konföderieren, v.: verbünden, im 17. Jh. (bei Nehring) aus lat. confoederäre «durch Bündnis vereinigen», davon (um 400 n. Chr.) lat. confoederätio f. «Bündnis». konform, adj.: gleichförmig, überein- stimmend. Im 17. Jh. (bei Xehring con form), aus glbd. späterlat. conformis, von lat. forma f. «Form». konfrontieren, v.: zum Verhöre Stirne gegen Stirne, d. h. gegenüberstellen, 1616 bei Henisch confrontiren, aus mlat. confrontare^ von lat. frons f. «Stirne». Konfrontation, f., mlat. confrontatio f. 1728 bei Sperander. konfus, adj.: verwirrt, im 16. Jh. in der Zimm. Chron. - 1, 529, 23 confus, aus glbd. lat. confUsus, Pai't. Perf. Pass. von confundere «zusammengießen, verwiiTen». Konflisiön, f. (PI. -en): Verwirrung, Durcheinander. 1571 bei Rot Confusion, aus glbd. lat. confusio f. Kongreß, m. (Gen. -sses, PI. -sse): Zu- sammenkunft von Abgeordneten in Staats- angelegenheiten. 1703 im Zeit.-Lex. Congreß, aus lat. congressHS m. «Zusammenkunft». König, m. (-S, PI. -e): Fürst der höchsten Würde nach dem Kaiser. Bei Luther Konig, König, md. im 15. Jh. konig. mhd. künec, ahd. kuning, (mit Auswerfung des jS'asals wie in Ho- nig, Pfennig, verteidigen) kunig m.; dazu asächs. cuning, mnd.ko7iink, mnd]. coninc, afries.kining, ags. cyning, cyng, engl, king, anord. konungr, köngr m., schwed. konung, kung, dän. ko7ige (got. dai^ürßiudans m.). Mittels der Ableitungs- silbe -ing von got. kuni, ahd. cunni, mhd.künne, asächs. cunni, ags. cyn, anord. kyn n. «Ge- schlecht» (s. Kind), also eig. «Mann von edlem Geschlecht». Doch scheint neben ahd. chuning, ags. cyning ein aus ahd.chuniriche, ag&.cynerice n. (Königreich), cynecyn n. (Königsgeschlecht), cynelic (königlich) sich ergebendes ahd. chuni, ags. cyne «König» vorhanden gewesen zu sein, von dem jene alten Formen für König abge- leitet sein könnten, bekräftigt durch die Ab- leitimg des anord. konungr von konr m. «Mann vornehmer Abkunft», demnach eig. «Sohn eines Mannes von edlem Geschlecht». Nach Tacitus Germania 7 wählten die Germanen die Könige nach edler Geburt. Mit einem unmittelbar dahinterstehenden Eigennamen bleibt König, das man mit diesem als eins ansieht, unver- ändert und wird nur jener Name dekliniert, z. B. mhd. künec Ärtüses hof, nhd. König Fried- richs Macht; hat aber K. den bestimmten Artikel vor sich, so bog mhd. nur der Name, z. B. des künic Günther es man, oder auch zugleich künec, z. B. von des küneges Sige- bandes wihe (Gudnin 156, 4), doch biegt heute nur König, z. B. des Königs Karl. Mit einem Beinamen dekliniert man z, B. König Fried- richs des Großen, aber des Königs Friedrich des Großen. ABL. Königin, f. (PI. -neu), bei Luther Königin, mhd. küniginne, küne- ginne und künigin, künegln, md. küniginne, ahd. kunninginna und kunningin, mnd.-mndl. koninghinne f. königisch, adj., bei Luther und Goethe, ahd. chuningisc, jetzt veraltet. königlich, adj., mhd. küniclich, küneclich, ahd. kuninglih, kimiglih, anord. konungligr, engl, kingly, aber ags. cijnellc. Königtum, n., 1691 bei Stieler verzeichnet als frühres, 1109 Konjektur Konnetal)el 1110 nicht mehr gebrauchtes Wort für Königreich; nach Heynat^ Antibarb. 2, 195 von Wieland für franz. royaute f. aufgebracht; aber asächs. cuningdörn m., mndl. koninkdom, ags. cyning- dorn m., engl, kingdom. anord. konungdömr m. ZUS. Königreich, n., mhd. kUnicnche, ahd. kuningnchi, ags. cyningrice und cynerlce n. Königskerze, f.: die schöne gelbe Twie Gold der Königskrone blinkende) Wollblume mit kerzengeradem hohen Stengel, im 15. Jahrh. konigis kercz (Diefenbach gl. 573^). KÖnigS- SChnß, m.: bester Schuß beim Scheiben- und Vogelschießen, der zum Schützenkönig macht, 1691 bei Stieler. Konjektur, f. (PI. -en): Vermutung, Mut- maßung, 1571 beiPiot, aus glbd.lat. co?n'ecf«ra f. konjugieren, v.: das Zeitwort biegen, in der kursächs. Schulordnung von 1580 con- jugiren, aus lat. co/aw^äre« verbinden». Kon- jugation; f. (PI. -en): Zeitwortbiegung, bei lj\ither8,lBö^ Coniugation, aus lat. coniugätio f. «Verbindung», bei den lat. Grammatikern «die Biegung des Verbums», wofüi- Schottel 1641 Zeitwandehing, Gottsched 1748 Abwandelung. Konjunktion, f. (PI. -en): Verbindung (bei SchiUer WaU. Tod 1, 5 V. 401); Binde- wort (1690 bei Bödiker 233 f. Conjunction), aus lat. coniunctio f. «Verbindung», bei den lat. Grammatikern «Bindewort» (von lat. con- jungere «verbinden»), dafür 1641 bei Schottel Fügewort, 1691 bei Stieler Fügwort, l'i AS bei Gottsched Bindeicort. konkäy, adj.: hohlrund. 1728 bei Spe- rander, aus lat. concavus «gewölbt». Konklave, n. {-s, PI. wie Sg.): ver- schloßnes Papstwahlgemach ; Papstwahlver- sammlung, 1703 im Zeit.-Lex. Aus lat. con- cläve n. «Verschluß». Konkordanz, f. (PI. -en): Findeverzeichnis der Bibelspiüche nach ihrer Übereinstimmung. Im 16. Jh. (1571 bei Rot Concordantz), aus glbd. mlat. fl3. Jh.) concordantia f., von lat. concordäre «übereinstimmen». Schon iml5.Jh. bei Wolkenstein concordantz f. «Einklang». Konkordat, n. {-s, PI. -e): Vertrag eines weltlichen Fürsten mit dem Papst in Kirchen- sachen. Aus gleichbed. mlat. concordatum n., von lat. concordäre «zusammenstimmen, in Eintracht bringen». Konkubine, f. (PI. -»): Beischläferin, Kebsweib, spätmhd. concubine, aus gleichbed. lat. concuMna, dem Fem. von lat. concuhmus m. «Beischläfer», zu lat. concumhere «be- schlafen». 1572 bei Rot. Konkubinat, n. {-[e]s, PI. -e): wilde Ehe, aus lat. concu- Mnätus m. «außereheliche Geschlechtsverbin- dung». 1728 bei Sperander. konkurrieren, v. : sich mitbewerben, im 17. Jh. (aber 1571 bei Rot concurrirn in der eig. Bed. «zusammen- oder mitlaufen»), aus \dX. concurrere ^xmi-, zusammenlaufen». Kon- kurrent, m. {-en, PI. -en): Mitbewerber, im 17. Jh. aus lat. concurrens, Part. Präs. von concurrere. Konkurrenz, f. (PI. -en) : Mitbe- werbung, im 17. Jh., aus mlat. concurrentia f. Konkurs, m. (Gen. -es, PI. -e) : Zusammen- lavtf, besonders der Zusammentritt der Gläu- biger zur gerichtlichen Teüung des für ihre Fordeningen unzureichenden Vermögens eines Schuldners. Im 17. Jh. (bei Xehring) Concurs m. «Zusammenlauf, Zusammenkunft, Ver- sammlung der Gläubiger», aus lat. concursus m. «Zusammenlauf». Vgl. Gant. können, v. (Präs. kann, PI. können, Prät. konnte, Konj. könnte, Part, gekonnt): geistig innehaben und ausüben; Fähigkeit, Möglich- keit wozu haben. Mit ö aus dem Md., mhd, kunnen, künnen, ahd. kunnan, in ältester Zeit nur «geistig innehaben»; dazu asächs. -ags. cunnan, afries. kunna, konna, anord. -schwed. kunna, dän. kunne, got. kunnan «kennen, wissen». Daneben ahd. cnäan (in den Kompos. int-, ir-, hicnäan) «kennen», entsprechend ags. cnäwan, engl, know «kennen, erkennen», anord. k)iä «können, vermögen». Urverwandt mit lat. nöscere «kennen», co-gnöscere (Perf. co- gnövi) «erkennen», nötus «bekannt», gnäi'us «kundig, bekannt», gr. fiTviücKciv «erkennen», Yviücic f. «Erkenntnis», ir. od-^ewsa «erkannte», gnäth «bekannt, gewohnt», abg. znati «er- kennen», lit. zinoti «kennen, einsehen», aii-. gnäth «bekannt», aind. jäwäw? «ich erkenne», aw. zan- «kennen», arm. caneay «kannte», alb. riok «kenne». Das Präs. lautet mhd. kan, PI. kunnen (künnen, können), ahd. chan. kan, PI. kunnun, ags. can, cunnon, got. kan, kunnum: das Prät. noch ältemhd. kunte \kunt d. j. Goethe 3, 494, kunnt H. Heine 1, 18), mhd. künde, konde (Konj. künde, künde), ahd konda, auch konsta, got. kunpa; das Part, älternhd. gekonnt, gekönnt, mhd. gekunnet und kunnen (noch nhd. bei einem Inf., z. B. er hat es tun können ), ags. cvT^, ainnen, got. kunps f vffl.kwid). Konnetäbel, m. (-s. PI. -s): Kronfeld- herr. Im 17. Jh. Connefable, aus gleichbed. franz. connetahle, ital. contestabüe, connestabüe, Span, condestable m., urspr. «Oberstallmeister», von mlat. constabulus m., zgs. aus comes stabidi 70* 1111 Konnexion Konstabel 1112 «Stallmeister» (lat. comes m. «Begleiter», im Spätlat. «Inhaber eines Hof-, Staatsamtes», und lat. stabulum n. «Stall»). Konnexion, f. (PI. -en): einflußreiche Verbindung. Im 17. Jh. Connexion (bei Neh- ling), aus franz. connexion f. «Verbindung», von lat. connexio f. «Verknüpfung», zu lat. connectere «zusammenknüpfen». Konrad, Mannsname. Mhd.-ahd. Kuonrät, ags. Cenred. Zgs. aus kühn und Rat. Dazu die Koseformen Kurt, nd. Kord, und Kunz, mhd. Kuonze, Kunze, ahd. Ohuonzo, Cunzo. Konrektor, m. {-s, PI. -en): Mitrektor (zweiter Lehrer) einer Schule. Neulateinisch. konsekrieren, v.: weihen, einweihen. Mhd. consacrieren, md. consecriren (Germania 18, 266), aus lat. consecräre. Konsens, m. (Gen. -es, PI. -e): Zustim- mung. Im 15. Jh. (1411 bei Janssen Reichs- corr. 1, 217 consensbrief), aus lat. consensus m. «Übereinstimmung». konsequent, adj.: folgerecht. Im 18. Jh. aus lat. consequens (Gen. consequentis), dem Part. Präs. von lat. consequi «nachfolgen, logisch folgen». Konsequenz, f. (PL -en): Folge, bei Luther 7, 253^ Consequentz, aus gieichbed. lat. eonssquentia f. konseryatlV, adj.: erhaltend. Aus engl. conservative von einem. lAat. conservativiis «er- haltend» zu lat. conserväre, s. konservieren. Seit 1831 in England als politisches Schlag- wort belegt und bald danach als Name einer bestimmten Partei auch in Deutschland ver- breitet. Vgl. Ladendorf. Konservatorium, n. (-s, PL -rien): höhre Schule für Musik. Latinisiert nach gieich- bed. franz. conservatoire (so noch 1813 bei Campe) von lat. conserväre, s. d. folg., also eig. «Ort zur Erhaltung (der wahren Musik)». konservieren, v.: erhalten, bewahren. 1571 bei Rot conservirn, aus gieichbed. lat. conserväre. Konserve, f. (PL -n): einge- machte Früchte, Gemüse usw. 1580 bei Sebiz Feldbau 70 Gonserf f., 1616 bei Henisch Gon- serv f. (eingezuckerte Blumen und Kräuter), 1546 bei Bock 2, 20^ Gonserva f., aus mlat. conserva f. konsistent, adj.: dicht, dauernd, haltbar. Aus lat. consistens (Gen. consistentis) , dem Part. Präs. von consistere «sich hinstellen, seinen Stand haben, feststehen, bestehen». Davon Konsist^nz, f.: Bestand, Dichtheit, Dauer, 1716 bei Ludwig Gonsistenz, franz. consistance, ital. consistenza f. Konsistorium, n. {-s, PL -rien): Ver- sammlung; zusammengesetzte geistliche Be- hörde (1562 bei Mathesius Sarepta 193^ Gon- sistorium). Mhd. consistorium n. «Sitzung unter Vorsitz des Papstes» (Ottokar 19471), aus lat. consistorium n. «Versammlungsort», von lat. consistere «sich hinstellen». konskribieren, v. : Mannschaft ausheben zum Soldatendienste. Im 17. Jh. conscribiren (aufschreiben, viel Schi-eibens machen), um 1800 in der Bed. «zum Kriegsdienst auf- schreiben und ausheben», aus gieichbed. lat. conscrihere. Konskription, f. (PL -en): Aushebung zum Kriegsdienst. Bei Goethe 7, 22. Nach gieichbed. franz. conscription f. (1798), aus lat. conscriptio f. «Aufzeichnung». Konsöle, f. (PL -n): Kragstein, Wand- gestell, Träger für Statuetten u. a. Aus glbd. franz. console f., das vielleicht von consoler «trösten» stammt. Bedeutungsentwicklung: Trost, Stütze, Stützbänkchen. 1791 bei Rot. Konsöls, pL: Staatspapiere. Aus engl. consols. Im 19. Jh. Konsonant, m. [-en, PL -en): Mitlauter. 1478 bei Nicl. v. Wyle 350, 30 consmant, 352, 6 consonanten, um 1522 bei Ickelsamer 11 Konsonant Mitstymmer. Aus gieichbed. lat. (litera) consonans f., eig. Part. Präs. von con- sonäre «mitertönen». Davon konsonan- tisch, adj., 1593 bei Helber 5 consonantisch. Konsonanz, f. (PL -en): Einklang, im 18. Jh. Gonsonanz, aus gieichbed. lat. consonantia f. Konsorte, m. {-en, PL -en): Mitgenosse, Teilnehmer, jetzt meist in anrüchigem Sinne. 1562 bei Mathesius Sarepta 60'' der PL Gon- sorten, aus lat. consors m. (Gen. consortis) «Teilhaber». konspirieren, v.: übereinstimmen, sich verschwören. Bei H. Sachs Fab. 359, 100. Aus gieichbed. lat. conspiräre. Konspira- tion, f. (PL -en): Übereinstimmung, Ver- schwörung, 1509 bei Brant Layenspiegel C 6^ Gonspiration , im 15. Jh. bei Öheim 112, 8 conspiraz f., aus gieichbed. lat. conspirätio f. Konstäbel, m. (-s, PL wie Sg.): Feuer- '. werker, Stückmeister, Kanonier, 1617 im teut- schen Michel 18. Aber Voc. ex quo von 1469 constahel m. «adelicher Fürstenbote», mhd. con- stabel m. «Anführer, Befehlshaber», aus mlat. constahulusis.Konnetabel); spätrahd, cowstouei, kunstdbel m. «Mitglied der patrizischen Gelags- genossenschaft in den Reichsstädten, Junker». Konstäbler, m. {-s, PL wie Sg.): Stück- meister, Kanonier; (englischer) Polizeidiener. 1113 konstant Kontinent 1114 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 170 Constäbler, aber mhd. kunstofeler m. «Koimetable» (s. d.), aus mlat. constahularius m. «Heerführer, Be- fehlshaber zur Lager- od. Festungsbewachung». konstant, adj. : behan-lich, unveränderlich, 1728 bei Sperander, aus gleichbed. lat. constans. konstatieren, v.: feststellen, ISOl bei Campe constatiren, aus gleichhedjrz.constater. konsternieren, v. : bestürzt machen, ver- blüffen. Im 17. Jh. (1694 bei Nehring, bei Weise Cath. 135), aus gleichbed. lat. consternäre. konstitnieren, V. : feststellend zusammen- ordnen, 1571 bei Rot constituirn, aus lat. consti- tuere «feststehen machen». Konstitution, f. (PI. -en): Leibesbeschaffenheit; Staatsverfas- sung. 1495 in den Reichsordn. 28^ Constitu- tion f. «Verfassung», iQh.d.constitucion f. «päpst- liche, bischöfliche Satzung» (Ottokar 13437. 28076), aus lat. constitütio f. «Feststellimg, EinrichtuAg». konstitutionell, adj.: eine Staatsverfassung habend; verfassungsmäßig. Spät im 18. Jh. Constitutionen (Goethe 5,1, 151), aus hsixa. constitutionnel «verfassungsmäßig». konstruieren, v.: zusammenordnen, bei Luther 7, 20 ^ Jen. construirn, aus lat. construere «zusammenschichten», dann «gi-ammatisch ver- binden». Konstruktion, f. (PI. -en): Zu- sammenfügung, Zusammenordnung, gramma- tische Verbindung (um 1522 bei Ickelsamer 45 und bei Luther 8, 135* Gonstrudion) , aus gleichbed. lat. construdio f. Konsul, m. (-S, PI. -nj: höchste Magistrats- person, Bürgermeister (spätmhd. im 15. Jh. consul, kunsel); beglaubigter Handelsbevoll- mächtigter (1562 im Reisbuch des heil. Lands 1, 359, sowie 1582 bei Rauwolff Reise 23 u. 33). Aus lat. consul m. «höchste Magistratsperson». Konsulat, n. (s, PI. -e)-. Konsulwüx-de (im 16. Jh., Sallust D 2): Gerichtsbarkeit und Woh- nung eines Handelskonsuls. Aus lat. consu- latus m. «Konsul würde». Kousul^ut, m, (-en, PI. -en): Berater, Rechtsberater, im 17. Jh. Consulent, aus lat. consulens, Part. Präs. von consulere «zu Rate gehen, überlegen, um Rat fragen», im Mlat. auch «Rat geben», woher konsulieren, v.: um Rat fragen, im 17. Jh. consuliren (bei Nehring). Konsultation, f. ( PI. -en): Beratschlagung, Ratfragung, 1571 bei Rot Consultation, aus gleichbed. lat. consul- tätio f., von lat. consultäre «beratschlagen» (ab- geleitet von consulere), woher konsultieren, V., im 17. Jh. consultiren (bei Nehring). konSuniieren,v.: verbrauchen, verzehren. 1663 bei Schuppius 54 cons-iimiren, aus gleich- , ' bed. lat. consumere. Davon Konsum, m. (-[e]s): Verbrauch. Im 19. Jh. Kousüm- j verein, m.: Genossenschaft zum gemeinsamen Einkauf und Verkauf. 1851 von K. Bürkli ge- prägte Bezeichnung, vgl. ZfdW. 9, 283. Kon- sumtion, f.: Verbrauch, 1716 bei Ludwig Consumtion, aus lat. consumptio f. Aufzehmng. kont^nt, adj.: zufrieden. 1551 bei Scheidt Gi-obianus 52 V. 1578 content, aus lat. con- tentus «zufrieden» eig. «sich beschränkend, be- gnügend», dem als Adj. stehenden Part. Perf. Pass. von continere «zusammenhalten», woher auch franz. content, koutentieren, V.: zu- friedenstellen, befriedigen, insbesondere in Be- zahlung (SchiUer Pikk. 1, 1). 1616 beiHenisch contentieren, nach franz. contenter «dm-ch Be- zahlen vergnügen, zufriedenstellen». Konteradmiral, m. : Gegenadmiral, d. i. der dem Vizeadmiral zunächst stehende Ad- miral, 1728 bei Sperander Contre-Ädmiral, aus franz. contreadmiral m. (franz. contre, von lat. contra «gegen».) Konterbande, f. (PI. -n): Schleichhandel; verbotene, geschmuggelte Ware. 1562 bei Mathesius Sarepta 9**. 78* Gontrdbant m., 1555 bei Wickram Rollw. 190, 7 Kontrebando. Aus franz. contrabande f., ital. contrdbhando m. «Handel gegen öffentliche Vei'kündigung oder Gesetz, Schleichhandel» (ital.-lat, contra «ge- gen», hando m. «Verkündigung eines Befehls»). Konterfei, n. {-s, PI. -e): Abbild. 1651 bei P.Fleming 35 Oonterfei, 1618 bei Schöns- leder Conterfech (1663 Conterfeh), 1616 bei Henisch und 1716 bei Ludwig Gonterfeit, bei Luther 6, 543* Gontrofect («Ebenbild»), aus mhd. kunterfeit adj. «nachgemacht», von franz. contrefait, mlat. contrafactus, dem Part. Perf. Pass. von franz. contrefaire, mlat. contrafacere «nachbilden». Daher 2L\xQhTa\id.kunter-,gunter-, conterfeitn. «künstlich vermischtes, verfälsch- tesGold od.Silber», Gonterfey 1616 beiHenisch. konterfeien, v.: abbilden, 1618 bei Schöns- leder con^er/e/te?i, 1517 belTrochus L&^konter- feyn, 1616 bei Henisch conterfeyten und ab- conterfeyten, 1477 clevisch contrafeyten. Kontertanz, m. (-es, PI. tanze): ein Ge- sellschaftstanz. Aus engl, countrydance, eigent- lich «ländlicher Tanz», 1813 bei Campe. Kontext, m. (-[e]s, PI. -e): Redever- bindung, 1703 im Zeit. -Lex. Gontext, aus lat. contextus m. «Zusammenhang», von lat. con- texere «zusammenweben». Kontinent, m. (-[e]s, Pl.-e): Festland. Im 18. Jh. Continent, nach sleichbed. franz. con- 1115 Kontingent Kontur 1116 tinentm. auslat. {terra) continens «zusammen- hangendes Land, Festland», eig. Part. Präs. von lat. continere «zusammenhalten», (im Passiv) « zusammenhangen ». Kontingent, m. {-\e]s, PI. -e): der zu stel- lende Pflichtteil an Truppen usw. (in der Schweiz „der Auszug"); der den einzelnen treffende Beitrag zu einer Sache, nach franz. contingent m. «zukommender Teil» aus lat. contingens (Gen. contingentis), dem Part. Präs. von contingere «hernhren, angehen, betreffen». Konto, n. (-S, PI. -s und Konten): zahl- bare Rechnung. Das ital. conto m. «Rechnung» zu contare zählen, aus lat. coniputäre «zu- sammenberechnen». Um 1600 entlehnt und bei Henisch 1616 verzeichnet, der Plur. Conten bei Grimmeishausen, 4, 381, 24 Kurz (vom J. 1673). Kontor, auch noch Comptoir, n. {-[e]s, PI. -e): Schreib-, Geschäftsstube des Kauf- manns. Aus franz. comptoir, ital. contore m. «Zahlstube», von franz. compter, ital. contare «zählen», aus lat. computäre «zusammenberech- nen». Um 1500 zunächst aus dem Ital. als Contor entlehnt (1515 im Eulenspiegel Cap. 62 kontor «Rechnungstisch», wie noch 1616 bei Henisch); im 17. Jh. drang die franz. Form Comptoir ein (bei Xehring 1710 neben Gontor.). Kontral)aß, m. {-sses, PI. -hasse): der Gegen- d. i. groi3e (tiefste) Baß, große Baß- geige. 1678 bei Krämer Gontrahaß, aus gleich- bed. ital. contrahhasso m. kontrahieren, v.: zusammenziehen (im grammatischen Sinne 1609 bei Quad v. Kinkel- bach Teutscher Nation Herhgk. 146 contra- hiren); zu einem Vertrage sich einigen (1536 in Egenolffs Instituta 3, 53 ^ contrahiren, daher die Gontrahentenhei FischsiriGaxg.9ii); (stud.) zumDuell herausfordern (1831); dazuKontra- häge (spr. -aze), f. (PI. -n) : Herausforderung zum DueU. 1814. Eine Schuld k. «sie mit je- mand zu Geldentleihung abschließen. Aus lat. contr allere «zusammenziehen». Konträltt, m. (-[e]s, PI. -e): Vertrag. In der Reichsordn. 36^ vom J. 1500 contract, aus lat. contractus m. «Zusammenziehung, Ver- trag», von lat. contrahere «zusammenziehen». konträkt, adj.: verki-ümmt, gichtisch ge- lähmt, gliederlahm. Im 16. Jh., bei Tschudi (t 1572)"Chron. 1, 447 ^ und 1582 bei Fischart Garg. 135 contract, aus lat. contractus «zu- sammengezogen», im Mlat. «gliederlahm», dem Part. Perf. Pass. von contrahere (s. kontra- hieren). Kontrapunkt, m. [-es) : Kunst des Ton- satzes und Stimmenwechsels. 1571 bei Nas Pract. A 4^ Gontrapunct, aus mlat. contr a- punctum n. «mehrstimmiger Satz zu einer ge- gebnen Melodie» eig. «Gegenpunkt», indem man ehemals Punkte statt der Noten machte. kontri''r, adj.: entgegengesetzt, ungünstig. 1773 bei Amaranthes contraire, aber 1678 bei Krämer contrar. Aus gleichbed. franz. con- traire, lat. contrarius. Kontrast, m. (-es, PI. -e) : Gegensatz, Ab- strich; Gegenbild. Im 18. Jh. (bei Lessing 4, 154 Contr ast, bei Wieland Suppl. 4, S Kontrast), aus gleichbed. frz. contraste, ital. contrasto m., Verbalsubst. von ital. contr astare «im Gegen- satz stehen» (aus lat. contra «gegen, gegen- über», stare «stehen»), woher kontrastieren, V.: abstechend machen und sein, 1782 bei Wie- land Horazens Br. 1, 42 contrastiren. Kontrayentiön, f. (PI. -en) : Übertretung. 1716 bei Ludwig Contr avention, aus gleichbed. mlat. contraventio f. kontribuiereu, v.: mit beitragen. 1507 in den Reichsordn. 58^ contribuieren, aus lat. contribuere mit-, zuteilen. Kontribution, f. (PI. -en): erhobner Beiti'ag, Steuer (1581 in den Script, rer. Siles. 4, 271 Gontribution) ; Brandschatzung (im 17. Jh., bei Nehring). Aus lat. contribUtio f. «Beitrag». Kontrolle, f. (PI. -n): die vergleichende, nachprüfende Aufsicht. Bei Lessing 7, 141 Controlle, aus franz. contröle m., älter controlle, contrerolle «-GegenroWe» d.i. «Gegenrechnung, Gegenregister», von fx'anz. role, älter rolle, ital. rotolo, rullo m. «etwas Zusammengewickeltes, Rolle Papier», abgeleitet aus lat. rotulus m. «Rädchen», später «Rolle». Kontrolleur (spr. -ör),m.(-s,Pl. -e) : das Gegenregister oder nach- prüfende Aufsicht führender Beamter, Gegen- schreiber, Aufseher, 1694 bei Nehi'ing Gontro- leur, 1618 bei Schönsleder Gontralor. kon- trollieren, V.: Gegenregister führen, über jemand vergleichende Aufsicht führen, 1601 bei Alber tinus Kriegsleut Weckuhr 2, 168. Kontumaz, f.: Nichterscheinen vor Ge- richt aus Widerspenstigkeit; Quarantäne (so 1694 bei Nehring contumace). Wie glbd. franz. contumace f. aus lat. contumacia f. «Wider- spenstigkeit», kontumazieren, v.: wegen Nichterscheinung verui-teilen, 1694 beiNehring contumaciren, aus franz. contumacer. Kontür, f. (PI. -en), seltner m. (-[e]s, PI. -e): Umriß. Im 18. Jh. (1712 bei Hübner der PI. Contours), aus gleichbed. franz. contour m. und dies aus ital. contorno m. 1117 konyeniereu Kopf 1118 konTenieren, v.: passen, sich schicken, 1694 bei Xehnng conveniren, aus lat. convemre «zusammenkommen, zusammen-, wozu passen». KonTent, m. (-[e]s, PI. -e): (feierliche) Yer- sanunlung, mhd. conventm. «geistliche Gesell- schaft eines Klosters», mit Ausstoßung des n auch covent, mnd. 1332 kovent m. (s. Kofent), aus lat. conventus m. «Zusammenkunft, Ter- sammlung». Konyentlkel,n. (-s,Pl. wieSg.): Winkelversamralung, heimliche Versammlung, besonders religiöser Sekten (Goethe Faust 4389), aus lat. conventiculum n. «Zusammenkunft». KonyentiÖn, f. (PI. -e??) : Übereinkunft, Ver- trag, früh im 18. Jh. Convention, aus gleichbed. lat. conventio f.; dazu KoilTentiönsgeld, n.: nach der Übereinkunft von 1753 geprägte Münze. KonTentionälstrafe, f : ^ ertrags- strafe. Erst im 19. Jh. konTentionell, adj. : vertragsmäßig, auf Übereinkunft benahend, im 18. Jh. (d. j. Goethe 2, 460), aus gleichbed. franz. conventionel, von lat. conventiönälis «den Vertrag betreffend». KonTersatiÖn, f. (PI. -en): mündlicher Verkehr, Unten-edung. 1565 in den Script. rer. Siles. 4, 225 Conversation, aus lat. con- versätio f. «Umgang, Unterhaltung». Davon KonTersatiÖnslexikoil, n. : Handbuch des allgemeinen Wissens. 1709 in Hübners Eeal-, Staats-, Zeitungs- und Conversationslexikon. konrersiereu, v.: sich unten-eden, unter- halten. 1615 bei Albert inus Landstörzer 820, aus lat. conversäri «Umgang haben». konyex, adj.: gewölbt, linsenförmig. Im 17. Jh. convex (bei Xehring), aus lat. convexus «gewölbt». KonyolÜt,n. (-[e]s, Pl.-e): Pack Schriften, Papier usw. 1562 bei Mathesius Sarepta 147*" Convolut, aus Isit. convolütum, Neutr. Part. Perf Pass. von convohere «zusammenrollen». Konyulsiön, f. (PI. -e?i): Gliederzucken, Gliederkrampf. 1716 bei Ludwig, aus glbd. \sA.convulsio f. konyulsiyisch, adj.: krampf- haft, krampfhaft angestrengt. Bei Lessing 4, 180, aus mlat. convulsivus «reißend, renkend», zu lat. convulsus, dem Part. Perf. Pass. von convellt're «aus seiner Lage reißen». kouzediereu, s. Konzession. konzentrieren, v.: in einen Punkt zu- sammendrängen. 1714 bei Wächtler concen- triren, aus gleichbed. franz. concentrer, dessen centrer aus mlat. centrare, abgeleitet von lat. centrum (s. Zentrum). Davon Konzentra- tion, f. (PI. -eti): Sammlung, Vereinigung (eig. um einen Mittelpunkt;. Im 18. Jh. Konzept, n. {-es, PI. -e) : erster Entwuif. In der Rhetorik (15. Jh.) Concept, aus lat. conceptiim, dem Neutr. des Part. Perf. Pass. von concipere (s. konzipieren). Konzert, n. [-es, Pl.-e) : Übereinstimmung; Musikaufführung. 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 879 Concert. Aus franz. concert, ital. con- certo m., von lat. concertäre «Wettstreiten», dann im Ital. «zusammen verabreden». Konzession, f. (PI. -en): Bewilligung, Erlaubnis. 1571 bei Rot Concession, aus gleichbed. lat. concessio f., von lat. concedere «einräumen», von dem konzedieren, v.: einräumen stammt. Im 17. Jh. Konzil, n. (-[e]s, PI. -e): beratende Ver- sammlung. Mhd. cojidlje n., im 15. Jh. concili n., aus lat. concilium n. «Versammlung». konzipieren, v.: abfassen, aufsetzen. Spät- mhd. concipieren, aus \a.i.conciperei, kröchzen, mhd.krochzen, kratzen, ahd. croccezan, chrockezan, groccezan. Laut- nachahmungen, wie lat. cröcire und cröcitare, gr. KpmZeiv u, KpdSeiv «ki'ächzen» (vom Raben). Vgl. aber das nach der Lautverschiebung stimmende ahg.grajati «krächzen» und grakati. krack! interj. wie krach! (s. Krach), aber härtern Ton ausdrückend. Im 18. Jh., da- gegen bei Fischart Garg. 385 von den Tönen eines sich Erbrechenden, als Übersetzung der franz. Interj, crac bei Rabelais (von den Zügen eines Trinkenden). Kracke, f. (PI. -n): schlechtes abge- magertes Pferd. Verächtlich, in Mittel- und Niederdeutschland, 1691 bei Stieler, ndl. im 16. Jh. kraecke. Desselben Stammes wie anord. kraki m. «dünne magre Person», krakligr «schmächtig, schwächlich», engl. cracÄ; «Knirps». Wohl zu der in krank vorliegenden Wurzel. Kraft, f. (PI. Kräfte): was wirkt, daß etwas ist oder geschieht; Rechtsgültigkeit (schon mhd.,'Augsb. Stadtrecht von 1276 Art, 84). Mhd. kraft, ahd. kraft (PI. krefti) f. «Wirkungsfähigkeit, Wirkungstüchtigkeit, 1133 Kragen Krakelwerk 1134 Heeresmacht, Menge, Fülle», md. Tcraft und auch (nach dem Nd.) kracht, mit abgestoßnem t kraf: dazu asächs. craft m, f., ndl. kracht f., afries. krecht, ags. croRft m. in jenen beiden ersten Bedeutungen und dann «Wissenschaft, Kunst» (dann engl, craft «Fertigkeit, Kunst, Handwerk, List»), anord. kraptr, kröptr, krapti m. «Kraft», schwed.-dän. kraft. Dazu wohl norw.-dial. kräv «tüchtig, stark», isl. krcefr «stark, tapfer». Weitre Beziehungen fehlen. Vgl. aber KZ. 37, 389. Aus dem Dat. Sing. die Präp. kraft, als urspr. Subst. den Gen. regierend, durch den Kanzleistil im 16. Jh. eingeführt (Augsb. Reichsabschied 1566 BI. 4^), aber bereits im 17. Jh. auch bei guten Schi'ift- stellern gebraucht, gekürzt aus älterm in, aus, mit Kraft (15. Jh.), wie statt für anstatt, auch im PI. 1385 in kreften (Städtechron. 1, 240, 25). ABL. kräftig, adj., mhd. kreftic, kreftec, ahd. kreftig; dazu mnd. kr achtig, ags. crceftig, anord. kröptugr. Davon kräftigen, v.. mhd. kreftigen, a.hd. ehre ftigon, danehenmhä. kreften. ZUS. Kraftbrot, n., 1548 bei Ryff Apothek 258^. Kraftbrühe, f., bei Goethe 20, 405. Kraftgenie, n. Schlagwort des letzten Viertels des 18. Jh. Vgl. Ladendorf, kraft- los, adj., mhd. krefte-, kraftlös. Kraftmehl, n., 1517 bei Trochus KA^ krafftmel. Kragen, m. (-5, PI. wie Sg.): Hals [einen heim Kragen nehmen) : Kleidungsstück od. -teil um den Hals. In beiden Bed. mhd. schwach- biegend krage, um 1100 chrage (Schlund, Gen. 15, 6); dazu mnd. krage, nndl. kraag m., engl. crag «Hals, Nacken». Urverwandt vielleicht gr. ßpö-fxoc, ßpöxöoc m. «Kehle, Gurgel», air. hräge «Nacken», lit. gurklis m., serb. g^lo n. «Kehle». Der PI. obd. schon im 16, Jahrh. Kragen (Fischart Garg. 816). Im Mhd. auch Scheltwort, z. B. ein löser krage Renner 349, noch nhd. Geizkragen m. «Geizhals», Neid- kragen m. «neidischer Mensch». Die Dimi- nutiva Krägelchen, Kräglein, n., mhd. kregelin «Hälschen», kragel «Halsbekleidung». Kragstein, m. : aus einer Mauer hervor- ragender Stein (dann auch Eisenstab) als Träger eines Balkens. Mhd. 1325 kragstein, thür. im 14. Jh. kraitistein (verkürzt aus kragenstein), wie 1427 im Frankf. Bauraeisterb. 30** kragen. Bildliche Anwendung von Kragen (Hals). Krähe, f. (PI. -n): Name eines Vogels vom Rabengeschlechte. Mhd. krä, älter kräe, kräwe, mit den Nebenformen krowe, krö, krceje, kreige, krege, kreie, ahd. kräja, kräwa, kräa, krä f.; dazu and. krä(J)a, mnd. kreie, kreige, mndl. craie, nndl. kraai, ags. cräioe f., engl, crow «Krähe» (dafür anord. kräka f. «Krähe», kräkr m. «Rabe»). Ableitung von krähen. ZUS. Krähenauge, n.: Leichdom (1537 bei Dasypodius Kreenaug); Fruchtkorn der Brechnuß (1618 bei Schönsleder das Dim. Kraineugl). Beides nach Ähnlichkeit mit einem Auge der Krähe. Krähenfuß, m.: (im Plur.) ki-akehge Schrift, im 16. Jh. bei Schweinichen 1, 28 Krohnfüße. Krähen- hütte, f.: Hütte zum Schießen der Krähen. 1763 bei Heppe Wohlred. Jäger. krähen, v.: singen, vom Hahn oder wie dieser. Mrhein. 1469 krehen, mhd. kroRJen, krcen, mit den Nebenformen kraigen, kreigen, krewen, ahd. chräjan, kräican, kräen, krähen; dazu and. kräen, mnd. kregen, kreigen, kreien, ndl. kraaien, ags. cräwan (starkflekt. Prät. creow), engl, croiv, dafür got. hrükjan. Ver- wandt mit abg. grajati, lit. groti «krächzen», Krähwinkel, Dorfname in Baden, Schwa- ben und Westfalen, wegen des wunderlichen Klanges 1803 von Kotzebue als Schauplatz seines Lustspiels „Die deutschen Kleinstädter" gewählt und dadurch zum Musterbild klein- städtischen Spießbürgertums geworden. Schon ahd. Chräwinchil, eig, «abgelegne Waldstelle, wo Krähen nisten». Krake(n), m. {-n[s], PI. -n): sagenhaftes nordisches Seeungeheuer, zu dem wahrschein- lich die gi'oße Tintenschnecke Sepia octopodia Anlaß gegeben hat. 1775 bei Adelung, aus norweg. krakje m. Kraköel, m, (-[e]5, PI, -e)-. der Hader, das Händelsuchen. 1629 bei Diefenbach-Wülcker 714 crackel, 1663 bei Schottel Krakehl m,, aufgenommen aus mnd. krakele, ndl. krakeel. Herkunft unklar. Vgl. Schröder Streckformen 126. Davon krakeel en, v. und Krakeeler, m., 1691 bei Stieler krackehlen, Krackehler. krakelig, adj.: unsicher auf den Füßen. Auch von unsichrer Schrift gebraucht. Nd. und nnd. Wohl zu Kracke, das urspr. «etwas Unan- sehnliches, Schwaches» bedeutete, krakeln, V.: krakelig schreiben, kritzeln. Md. und nd. krakeln, s. krickeln. Krakelwerk, n.: -wmnderlich wirres Bau- werk, bei Goethe 33, 145. Zu Krakel f. «dürrer Baum mit Zweigen» (1754 bei Döbel Jäger- practica 2, 217 '^ Kracket), «sperriges Geäst» (1561 bei Maaler die Graglen), s,c\i\e?,. grägel f. «dürrer gabelförmiger Zweig», grägelwerk «Sperrwerk des Daches», oberd. grageln «die Beine spreizen». 1135 krall Kran 1136 krall, adj. : grell (Lessing 6, 509, Herder z. Lit. u. K. 11, 357). Nd. von den Augen das Adj. krall «lebhaft, durchdringend hell», groll «scharfsichtig». Kralle, f. (PI. -w) : hakenförmig gebogner scharfer Xagel der Tierzehe. Im 16. Jh. Krale (1576 bei Mathesius Luther 101*, 106^) und Ereile f., 1663 bei Schottel Kralle, 1691 bei Stieler Grolle. Vgl. mhd. grelle f. «Stech- gabel beim Fischfang und als Waffe». Nach Detter ZfdA. 42, 56 aus *kradlo- zu kratzen. ABL. krallen, v. : mit hakenförmigen Spitzen kratzen. 1691 heiQüelergrellen, grollen, kralleii, im 18. Jh. bei Rädlein krellen, bei Ludwig, Aler, Steinbach und Adelung nur krallen, 1482 im Voc. theut. r B^krellen, mhd. um 1100 chrellen (in Uchrellen). krallicht, krallig, adj.: mit Krallen versehen, 1691 bei Stieler grallicht. Kram, m. {-[e]s, PI. Krame): Warenbude zum Feilhalten; Kleinhandel; Klein-, Kurz- waren. Mhd. u. mnd. kram m. «ausgespannte Zeltdecke, Bedachuncr eiaes Kramstandes, 7 o 7 Kaufbude, Kaufmannsware, Handelsgeschäft, einzelnes erkauftes Stück», mhd. auch krame, kram f. «Krambude, Ware»; dazu clevisch 1477 crame «ausgespannte Decke, Vor-, Um- hang, Kindbett», in letzter Bed. auch mnd. kr am m., ndl. kraom f., eig. «die Gardine, hinter der die Wöchnerin liegt». Abg. gramü m. «Weinladen, Schenke», könnte verwandt sein. Daneben steht abg. cremü «Zelt», dessen Verhältnis zu unserm K. nicht klar ist. Wahr- scheinlich ein altes Handelswort. Vgl. noch Johansson Idg.Forsch.8, 171. Davon kramen, v., urspr. kaufen (noch ia Süd Westdeutschland), jetzt s. V. a. waren artig, dann suchend hin- und herlegen. Mhd. kramen «Kramhandel treiben, einkaufen», bes. «ein Geschenk». Krämer, m. (-S, PI. wie Sg.) : Kleinhändler, früher Kramer (noch vielfach in Kromerinnung), mhd. krä- niCBre, krämer, kro&mer, ahd. kramari m. Krämeryolk, n., verächthche Bezeichnung der Engländer seit Ende des 18. Jh., zuiück- gehend auf Ad. Smiths Ausdruck nation of shopkeepers. Vgl. Ladendorf. Kramerei, f., mhd. krämerie, kroemerie f. Krämerin, f., mhd. krämerinne. Krambämbuli, m.: Danziger Wachol- der- oder Kirschbranntwein (vgl, Lochs). Li der ersten Hälfte des 18. Jh.; dazu schwäb.- westfäl. kromhamhel «Schnaps». Nach Schrö- der Streckformen 208 aus *krambel, das zu krammet, s. Krammetsvogel, eig. «Wacholder» gehört, also «Wach holderschnaps». krammen, v.: mit sich zusammenziehen- den Klauen empfindlich und verletzend fassen (Goethe 17, 94. 50,164). Mhd. umliOO krammen, noch Schweiz. -elsäss. und nordfränkisch. Ln Ablaut zu krimmen (s. d.). Kram(me)tsTOgel, m. {-s, PI. -vögel): Wacholderdrossel. 1691 bei Stieler Krommets- vogel, im IQ.. Jh. Kr ommet-, Kramat-, Kramats- vogel, im 15. Jh. krambit-, kranbitvogel, 1482 im Voc. theut. r3* kranwidfogel, mhd. im 13. Jh. kranwitvogel. Von mhd. kranewite m. (spätmhd.cÄranbiY, chramhid, cramut, chromud), ahd. kranowitu n. (auch chranpoum m.) «Wa- cholderstaude», noch bayr. kranewett, krane- wittn f., eig. «Kranichholz», zgs. aus der alter- tümlichen Form von Kranich (md. kröne, krön, s. Kran) und ahd. loitu n. «Holz». Krampe, f. (PI. -n): Türhaken, in den der Riegel des Schlosses einschnappt; Buch- haken, das Buch zuzuhalten (1775 bei Adelung «im gemeinen Leben»). Li der 1. Bed. 1647 bei 01eariusl34 Krampe, aufgenommen aus gleich- bed. md. und mnd. krampe f., and. krampo (auch ndl. kram, kramme f., engl, cromp); dafür mit hochd. ^/" 1517 bei Trochus R2* kromphe, ahd. chramph m. «Haken», neben dem ahd. Adj. chramph «gekrümmt» (daher entlehnt afranz. cran^«zusammengekiümmt», franz. crampon m. «Klammer», ital. grampo f. «Kralle»). Zu ahd. chrimplian, mhd. krimpfen «krurüm oder krampfhaft zusammenziehen». Vielleicht urverw. mit lett. grumba «Runzel, Falte; ausgefahmes Wagengeleise», grumht «Runzebi bekommen». ABL. krampen, v.: festklammern, 1785 bei Voß Ged. 1, 171. Krampf, m. (-[e]s, PL Krämpfe): krank- haftes Zusammenziehen der Muskeln. Mhd. kramp f m., aber spätahd. schwachbiegend chrampho m. wie noch 1469 mrhein. krampffe m. (Voc. ex quo); dazu and. crampo m., mnd. krampe m., ndl. kramp f., engl, cromp. Eins mit Krampe. Vgl. noch krumm. ABL. krampfen, v.: in Krampf zusammenziehen (Goethe 19, 48 u. 15, 1, 18), spätmhd. krempfen. krampfhaft, adj.. Kramer 1787. krampfig, adj., 1482 im Voc. theut, r3^ krampfig, um 1480 im Voc. theut. n 6^ krempfig «krampfsüchtig». ZUS. Krampfader, f., 1561 bei Maaler. Kran, m. (-[e]s, auch -en, PI. -e, -en, Kräne; die schwachflektierten Formen sind im Veralten): Hebezug für Waren; Zapfröhre mit einer senkrecht durchgesteckten dreh- baren kleinem, zu Öffnung und Verschluß. In der 1. Bed. spätmhd, im 15. Jh. kröne, 113- Kranewitt Kräpfel 1138 hran und kranch, krauche, mnd, im 14. Jh. kran; in der 2. Bed. 1664 bei Duez Kran, aber bereits cleviscb 1477 craen. Benannt nach dem Kranich (s. d.) wegen der Ähnlichkeit mit dem Halse und Schnabel dieses Vogels. Schon gr. T^pavoc f. «Kranich» und «Kran». Kranewitt, s. unter Krammetsvogel. Kranich, m. (-[e]s, PI. -e): großer asch- grauer Sumpfvogel mit langem spitzigen Schnabel. ^Ihd. kranech, kranich, kranch, auch schwachbiegend kraneche, kranche, bis- weilen mit Umlaut krench, PI. 'krenche, ahd. chranuh, chranoh, chranih m., mittels der Ab- leitungssilbe -uh (vgl. ahd. habuh m. «Habicht», got. ahaks f. «Taube») von spätmd. krane, kröne, and. crani(^), mnd. krane, kr an, krön m., 1477 clevisch craen (vgl. Kran) ; dazu ags. C7'an u. cornoch m., engl, crane, anord. trana f. und trani m., schwed. trana, dän. träne. Ur- verwandt.mit glbd. gr. fepavoc f., kelt.-kymr. garan, abg. zeravl m., lit. gerve f., arm. krunk, lat. grus f. (Gen. gruis), das sich mit ahd. ckreia, kfeia «Kranich» beiührt. Dazu auch lit. garnis m. «Storch, Reiher». krank, adj.(Komp.kränker, ^nip. kränkest): leidend schwach. Mhd. krane «schwach (zu- nächst körperhch, dann auch geistig), arm- selig, schlecht, schmal, schlank»; erst, nachdem im 13. Jh. bei md. cranc die Bed. «gebrech- lich, leidend» (der sunden iciderstrit V. 1257, Gießener Hdschr. von 1278) auftauchte, ent- wickelte sich und tritt auf im 14. Jh. die Bed. «leidend schwach», die dann im 15. Jh. so geläufig wird, daß im 16. Jh. das in dieser Bed. übliche siech (s. d.) in eine engre Be- deutung verdrängt ist. Ahd. nui- in krankolon «schwach werden, straucheln» erhalten. Dazu rheinfränk. im 11. Jh. crank «gebrechlich, ge- lähmt», mnd. krank «schwach, ohnmächtig, schlecht, gering», mndl. cranc «schwach, schlecht», afries. kronk «zum Tode leidend schwach», ags. (selten) cranc «gebrechlich, hinfällig», anord. krangr «schwächlich» und (aus dem Deutschen entlehnt) krankr, schwed.- dän. krank «krank». Gleichen Stammes wie ags. cringan, crincgan, crincan (Prät. crang, cranc, Part, crungen, cruncen) «hinsinken, im Kampfe fallen», engl. cra«Ä; «Krümmung», das za lit. grazil «wende, drehe» gehört. ABL. Kränke, f.: Krankheit, dann Krämpfe, be- sonders aber die fallende Sucht, ein Fluch- wort, mhd.ÄTeH/ce f. «Schwäche», kränkeln, V., 1639 bei Zincgref Apophth. 310 krünckelen. kranken, v., mhd. Äranfcen «schwach, leidend Weigand, Deutaches Wörterbuch. 5. Aufl. .werden oder sein», kränken, v.: geistig ! empfindhch wehe tun, mhd. kranken «schwach, gering, leidend machen, schwächen, mindern, erniedrigen, herabsetzen, in Kummer ver- setzen»: dazu Kränknng, f., 1691 bei Stieler. krankhaft, adj., 1691 bei Stieler, kranck- hafftig 1664 bei Duez. Krankheit, f., mhd. krancheit, krankeit f. «Schwäche», aber dann im 14. Jh. wie heute, kränklich, adj., mhd. krane-, Are« cZzcÄ «schwächlich, armselig», 1508 in der Straßburger Gemma C 8 '^ krancklich in der heutigen Bed. «dauernd leicht krank»; Kränklichkeit, f., 1734 bei Steinbach. ZUS. Krankenhaus, n., 1678 bei Krämer, aber schon um 1480 im Yoc. ine. teut. n6* kranckhuß. Kranz, m. {-es, VI. Kränze): reifförmiges Ziergeflecht ; umfangender Kreis. Mhd. kränz, ahd. im lO.Jh.kratizm. (zunächst schmückende Binde des Hauptes, Lockenkranzj; eigentüm- lich hochdeutsch, in andre german. Sprachen entlehnt. Entweder nach Liden Stud, 16 zu , ]it.grandis m., graiidele f. lArmh&nd^, apreuß, grandis «Ring», lett.^öcfe «starkgedreht, drall» oder aus *krangz- (vgl. Lenzi zu Kringel (Btr. 29, 502). Tgl. 'Krätze. ABL. Kränzchen, Kränzlein, n., mhd. krenzelin, krenzel, md. im 15. Jh. krenzchen n.; in der Bed. «reihum- gehende Gesellschaft» 1691 bei Stieler Kränz- lein, 1616 bei Albertinus Lucifers Königreich 199 L. Krantzmahl und Kräntzebnahl der Weiber, kölnisch im 15. Jh. krentzgen (Diefen- bach-Wülcker 715) und 1513 krenzlin (Lilien- cron 3, 110^) von geheimen politischen Ge- sellschaften, urspr. benannt nach dem Königs- kränzchen, das bei Schützenfesten den Sieger schmückte, aber dem Ort des Gewinners die Verpflichtung auferlegte, das nächste Schießen zu halten (von ort zu ort ein kränz halten ZfdA.3,243 vom J. 1602), auch bei den Mtisik- kränzchen des 16. und 17. Jh. ging ein Kranz reihum (Grimm DW. 5, 2058), ebenso bei den Schmauskränzchen des 16. Jh. (Gargantua 74). kränzen, v., 1512 bei Murner Narrenbeschw. 94, 62 krentzen, ahd. Part, kachranzta^, ahd. Glossen 2, 398, 37. Kräpfel, m. {-s, PI. wie Sg.): in Fett gebackne kleine Kuchenart. In der Wetterau Fem. (kräppel), in Thüringen Mask., bayr.- österr. krapft n., mhd. krepfelin n., im 15. Jh. krepfil, um 1480 im Voc. ine. teut. 1 ö^krapffel; dazu md. im 12. Jh. und mnd. kreppelen, jetzt Kreppel, obersächs. Kreppelchen n., Dim. zu ^Krapfen, m. (-s, PI. wie Sg.): eine Art Kuchen in Fett gebacken. Nur noch obd., 72 1139 Krapp Eräuel 1140 mhd. krapfe, ahd. kräpfo m. Benannt nach der urspr. hakenförmigen Gestalt, eins mit ^Krapfen, m. {-s, PI. wie Sg.): Krüm- mung (umgebognes Ende) zum Fassen und Einhängen, Haken, Klammer. Älhd. krapfe, md. kräpe, ahd. cräpho, chräpfo, cräpo m. (auch in der Bed. «gebogne Klaue, Kralle»). Ins Romanische entlehnt: ital. graffio m. «Haken, Kralle», grappat «Klammer», grappo m. «Traubenkamm», franz. agrafe f. «Klam- mer», grappe f. (afranz. eraj?e) «Traube», ^rop^m m. «kleiner Anker mit vier Haken», span. grapa f. «Haken». Gleichen Stammes mit Nasalierung ist Krampe (s. d.). Krapp, m. (-[e]s, ohne PL): die Färber- röte, Färberwurzel, eig. das gemahlne Mark der Wurzel. 1712 bei Hübner Krapp, Grapp, \ Grappe f., aus ndl. krap, im 16. Jh. krappe f., woher auch franz. grappe f. Angeblich be- nannt nach den hakenähnlichen Dornen der Pflanze und dann eins mit ^Krapfen. ; Krapüle, f.: Völlerei; gemeines Gesindel. Aus gleichbed. fi-anz. crapule f. von lat. cräpula f. «heftiger Rausch». Im 19. Jh. Bei Campe 1813 crapulös «trunken, weinbegeistert». kraspelll, v.: wie hartes Reiben in wieder- holten Tönen gehört werden. Bei Klamer Schmidt kom. Dicht. 82. Mhd. kraspeln. Derselbe Stamm erscheint in anord. krespa «krachen», engl. Crash, im Ablaut schott. crisp «knacken». Lautnachahmend. kraß, adj.: dick, grob; plump, roh. 1714 bei Wächtler. Nach lat. crassus «dick», aus der Studentensprache, aber vermengt mit graß, gräßlich. Krätenwagen, s. Kräften. Krater, m. (-s, PI. wie Sg.): Becher- schlund eines Vulkans. Im 18. Jh. (Goethe 30, 59) aus gr.-lat. cräter, gr. Kpaxrip m. «Misch- kessel», auch «Öffnung eines feuerspeienden Berges», von gr. Kepdwu.ui «mische». Kratten, m. (-s, PL wie Sg.): tiefer Handkorb, Wagenkorb, (in den bayr.-tirol. Alpen) zweirädriger Karren. Daher Kräten-, Krattenwagen, m. «Korbwagen». Ober- deutsch. Mhd. kratte, gratte, ahd. cratto, m. «Korb»; dazu ags. cradel, cradol m., engl. er adle «Wiege». Daneben Formen, die auf t weisen, vgl. ^Krätze. Kratz, m. {-es, PL -e): einmaliges Kratzen: Schramme davon. Mhd. kraz m., Gen. kratzes. Kratze, f. (Pl.-w): Werkzeug zum Zrafeew; Scharre. Erst im 15. Jb. (Tucher Baumeisterb. 256, 28), aber im Bergbau schon mhd. kratze f. ^Krätze, f. (PL -n): geflochtner Korb, Korbgeflecht. Mhd. kretze f. und m. (auch im frühesten Nhd. noch Kretze m.), mit Nasal krenze, krinze, ahd. crezzo m. Nebenform zu kratten. Dazu ags. erat, erat n. «Wagen». Weder mit lat. crätes f. «Flechtwerk», noch mit gr. KdpTaXoc m. «unten spitz zulaufender Korb» verwandt, da die Lautverschiebung fehlt. Vielleicht entlehnt. Vgl. Kratten. 'Krätze, f. (ohne PL): Kratzen verur- sachende kleine Milbenblattern am Körper; schuppichter Abfall vom Metalle beim Be- arbeiten. In der 1. Bed. mhd. kratz (voc. opt. 40^, 6, bei Megenberg kratzen n.), im 15. Jh. kretze, kretz; in der 2. Bed. im 15. Jh. kretze (Frankf. Bürge rmeisterb. v. 1450), kretz (Nürnb. PoUzeiordn. 150, 14 vom J. 1488). ABL. krätzig, adj.: die Krätze habend, im 15. Jh. kretzec, mhd. in ankretzig «räudig», woneben 1347 krezoht «schäbig» (Pfeiflers Übungsb. 154, 129). kratzen, v. : mit Spitzem od. Scharfem ein- dringend fassen oder reiben ; reibend scharren. Mhd. kratzen, kretzen, ahd. chrazzon; dazu mnd. kratzen, krassen, mndl. cretten «kratzen», anord.-nnorw. krota «ausschneiden», schwed.- dial. kräta. Aus dem Germanischen ent- lehnt ital. grattare, franz. gratter «kratzen». Eine nasalierte Wurzel könnte in lit. grändau «schabe» stecken. ABL. Krätzer, m.: im Halse kratzender Wein, 1691 bei Stieler, dafür 1600 (bei Melander 3 ocoseria) Kr atzeyibergerm. kratzig, adj.: rauh, unfreundlich, 1808 bei Campe als nd. ZUS. Kratzbürste, f.: (bildlich) unfreundlicher Mensch, bereits im 17. Jh. (Bechstein Museum 2, 252). Kratz- fuß, m.: höfliche Verbeugung, wobei man mit dem linken Fuße ein wenig nach hinten aufkratzte. 1775 bei Adelung, nd. Kratz foot 1767 im Brem. Wb., dafür 1734 bei Steinbach Scharrfuß. Die Sitte selber bestand bereits am Anfang des 17. Jh. Krätzgarten, m.: Gemüsegarten. Im östlichen Mitteldeutschland, 1580 im kursächs, General- Articul § 22. Benannt nach der Be- ; arbeitung mit der Kratze d, i, «Krauthacke, Karst» (md. 1517 bei Trochus Q 5^ kratze). krauchen, v., ostmd. Nebenform von kriechen (s. d.), 1586 bei Ringwaldt Warb. 21. Kräuel, m. (-s, PL wie Sg.): Gabel mit Haken zum Fassen. Bei Luther kreuel und krewel, mhd. kröuwel, krewel, kröul, kriul, kreul, ahd. chrawil, crewil, chrowil, crouwil m, I «dreizinkige Gabel, Dreizack, Hakengabel, 1141 kraus £rant 1142 Klaue, Kralle»; dazu and. krauwü m. «drei- zackige Gabel» afries. kraivel, mndl. kramvel, nndl. kraauwel m. «Hakengabel, Kralle». Ton krauen, v. (Prät. kraute, Fart. gekraut): kratzen; zu Wohlgefuhl gelinde kratzen. Mhd. krouK'en. kraiven, kreincen, im 15. Jh. krauen^ ahd. chrouicon: dazu mnd. kraiven, afries. kraica, ndl. krauwen «kratzen». Wohl wurzel- verwandt mit kratzen oder mit lit. gräuziu «nage». ABL. krauelu, v.: sanft streicheln. Im"l5. Jh. kraus, adj.: viel ins Runde gekrümmt oder geringelt. Mhd. (nicht häufig) und mnd. krüs, ndl. 1599 bei Kilian kruys, mndl. kroes, ahd. noch nicht nachzuweisen. Dazu mit Ablaut Gekröse und auch wohl Krolle (s. d.), also aus *krütto-. Davon Krause, f. (PI. -»): ge- fältelter Halski-agen, 1673 bei Weise Erzn.32 Krause f., aber 1644 bei Moscherosch Philan- der 1, 263 f. Krause, Kräuß n., gegen Ende des 16. Jh. Kraus n., mit Anlehnung an das Adj. kraus umgedeutet aus dem im 16. und 17. Jh. üblichen gleichbed. Kraß n., bei Fisch- art Garg. 172 Kalhskröß, nach der Ähnlichkeit mit einem Kalbsgekröse benannt, wie noch ditmars. kahverkrüsen «gefalteter Kragen», dän. kalvekrös «Busenstreif», franz. fraise f. «Kalbsgeki'öse» und «gefalteter Hemdkragen». Kräusel, m.: fortlaufender Kingel (bei Goethe an Fr. v. Stein 1, 260); Halskrause (Goethe [Werther] 19,40). kräuseln, v.: fcmwsmachen, fälteln, 1572 bei Fischart Garg. 171 gekräuselet, 1562 bei Mathesius Sar. 79^ sich derkreuseln, mndl. im 15. Jh. cruselen. krausen, v.: kraus werden (Goethe6,61). krausen, krausen, v.: kraus machen, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1731 kraussen, 1510 in der Hagenauer Gemma c8* gekrußt, md. im 15. Jh. crusen (Diefenbach gl. 158''), im 17. Jh. krausen (Schupp 712); dazu mnd. und mnld. krusen. ZUS. Krauseminze, f , zusammengeschoben aus krause Minze, Anf. des 15. Jh. crusemyntze (Diefenbach gl. 66^), 1482 in Yoc. theut. v2^ krawsmintz. kraushaarig, adj., 1 664 bei Duez kraußhaarigt, 1477 clevisch cruysshayrich, wie wie auch das Subst. kruushaer n, KrauS- kopf, m., bei Luther W. 8, 23 Kraußkopff. ^Krause, f., s. kraus. -Krause, f (PI. -n): eine Art (Deckel-) Krug. Oberdeutsch, hessisch, Alternhd. auch Krause m. {-n, PI. -n) und Kraus m. (PI. Krause). Mhd. krüse f. mit dem schon im 12. Jh. erscheinenden Dim. crüselin n.: dazu mnd. krüs und krös m. n., ndl. kroes m. Da Gefäßnamen häufig entlehnt werden, hat man auch hier an Entlehnung gedacht : etwa aus gl". Kpujccöc m. «Wasser-, Ol-, Aschen- krug» (so wieder Falk-Toi-p); nach Weigand aus mlat. cruci-, crusibulus m. «Becher» (urspr. in Kreuzesform), lat. crucihuhim n. «Nacht- lateme in Kreuzesform), Lampentiegel», dar- auf weisen auch die ältemhd. Formen und Bed. (krusel, krüsel, krausei, kreusel, m. f. «breitbauchiger Krug, Xapf, Tiegel», noch Schweiz, chrüsel m. f. «Henkelknig mit brei- tem Bauch, starkbauchige Kasserole, gedeckte tiefe Schüssel mit Handhaben», nd. krüsel m. «hangende Lampe geringer Leute, worin meistenteils Tran gebrannt wird» (bi-em. Wb. 2, 888), mnd. krusel, krnc^el, o-usele, andfrk. crüsul «crucibulum», md. Kreusel m., «han- gende tragbare Arbeitslampe der Bäcker» usw. Doch könnte das Wort auch echt deutsch sein und mit kraus in der Bedeutung «drehend» zusammenhängen. Vgl. Kreisel. Kraut, n. (-[e]s, PI. Kräuter): Blattge- wächs, das keinen Holzstengel hat; Häupter- kohl; das grüne Blattwerk einer nicht über Winter dauernden Pflanze (im 16. Jh. bei Paracelsus); (nordwestdeutsch) eingekochter Fnichtsaft; (heute veraltet) Schießpulver. ^Ihd. krfd, ahd. chrüt n. «kleinere Blätter- pflanze, Gemüse, Kohl»; dazu asächs. crüd «Unkraut» mnd. krüt, krüd (auch Gewüi*z) ndl. kruid n. In der Bed. Schießpulver schon im 14. Jh. am NiedeiThein kmyt n., nhd. auch Büchsenkraut, Zündkraxit (Grimmeishausen Simpl. 229), dann in Kraut und Lot «Pulver und Blei» (Liliencron Volksl. 2, 324, 12 vom J. 1493), mnd. krüt unde löt. Vielleicht zu gr.ßpOo) ithervoi'sprossen», ßpüov n. «Moos, See- moos, Kätzchen, Blüte». RA. Das geht mit Kräutern zu: mit unrechten Dingen, Zauber- kräutern (Wickram Rollwagen 17, 22). ABL. kräuteln, v.: Kräuter sammeln, 1691 bei Stieler kreutelen (1556beiFrisius 483* kreütlen, «ausjäten»): daher Kräutler, m.: Kräuter- sammler, fiühnhd. krüteler (Anf. d. 15. Jh.), kreutler und krüdener, kretvtener (Diefenbach gl. 275% nov. gl. 202^); Gemüsehändler, 1582 bei Golius 355, noch heute in Wien, krau- ten, V.: Unkraut jäten (Fastnachtsp. d. 15. Jh. 610, 2), mhd. krüten «Kraut holen», mnd. kreiden (auch wüi-zen). kräutern, v.: Kraut holen oder jäten (in der ersten Hälfte des 15. Jh. kreytren), Kräuter suchen. Kräu- ticht, n.: Kräuterblätter, Unkraut, md. im 15. Jh. crüdech, crüdecht, crewtecht, im 14. Jh. 72* 1143 Krawall Kreide 1144 crüteht n. ZTJS. Krailtfeauer, m. : Häuptei-- kohl Bauender, mit Häupterkohl handelnder Bauersmann (bei Kramer 1787). Kraut- haupt, n. und Krautkopf, m.: Kohlkopf, im 17. Jh. Krautehauht, Krauthaupt, mhd. krütes Jwuhet: 1581 beiFischartBienenkorb84'' Krautkopff. Krautjunker, m.: (spöttisch) unwissender Landedelmann, im 17. Jh. bei Moscherosch Patientia 26. Krawall, m. {-s, PI. -e) : vorübergehender Aufi'uhr ohne Ausdehnung. Von den großen- teils rat- und tatlosen Aufständen des Herb- stes 1830 aus rasch im westKchen Mittel- deutschland verbreitet. Doch vereinzelt schon vom J. 1557 aus dem Archiv zu Rotweil «Cratvallen halben uff wasser und land be- treten oder angreiffen würde» (Herrigs Archiv 38, 343). Aus franz. charivalli (14. Jh., ralat. charavalliuni), der Nebenfonn von charivari «Straßenlärm, Katzenmusik», prov. caravil (s. Charivari). Davon 1830 krawällen v. und Krawäller, m. Krawatte, f. (PI. -n)-. steife Halsbinde. Fräh im. 18. Jh. aus franz. cravate f., in der ersten Hälfte des 17. Jh. gebildet aus dem Volksnamen Cravate «Kroate» (s. Kra- bate), als Nachahmung der leinenen Halstücher der Kroaten, daher ita\. croatta neben cravattaf. Kraxe, f. (PI. -n): Traggestell. Bayr.- schwäbisch. Mhd. (österr.) chrechse f., 1421 kräxen (Diefenbach nov. gl. 97*). Vielleicht mit ^Krätze zusammenhängend. kraxeln, v.: klettern, mühsam gehen. Bayi-.-östr., eine Weiterbildung des schon im 17. Jh. bezeugten österr. krägeln «strampeln, klettern». In der neuem Zeit dui'ch den Bergsport bekannt gewoi'den. Kreatur, f. (PL -en): Geschöpf. Mhd. creatiure, md. creatüre f., aus gleichb. lat. creätUra f., von creäre «erschaffen». ABL. kreaturlich, adj., mhd. creatiurlich. Krebs, m. (Gen. -es, PI. -e): hartschaliges Wassertier mit zwei Scheren; (von* der Ähn- lichkeit der Krebsschale, im 15. und 16. Jh.) blecherner Brustharnisch; um sich fressendes Geschwür (schon im 14. Jh. aus dem Alter- tum übernommen, lat. Cancer m.). In urspr. Bed. mhd. krebeg, krebg, im 14. Jh. auch krebs, spätahd. crebi^, md. im 12. Jh. criug, später kreug, kreuze, krou^, mit schwacher Flexion mhd. krebege, krebse, ahd. chrepap m; dazu mnd. krevet, kreft, mndl. krevet, krevitse, krevisse, nndl. kreeft m. Entlehnt afranz. escrevisse (auch Brustharnisch), nfranz. ecre- visse f. «Krebs» und crevette f. «kleiner Krebs», gleichen Stammes wie Krabbe (s. d.). ABL. krebsen, v.: Krebse fangen, mhd. krebegen, krebsen. ZTJS. Krebsauge, m., im 15. Jh. krebyß-, kreffißauge (Diefenbach gl. 490°), so heißen zwei im August zur neuen Schalen- bildunof im Magen des Krebses befindliche halbkugelige Steinchen. Krebsgang, m.; Gang mckwärts wie der eines Krebses, bei Luther 3, 332 *> Jen. Krebsschaden, m.: Krebsgeschwür, 1678 bei Krämer. Krebs- schere, f., früh im 15. Jh. md. krebe§schere. Krebssuppe, f., im 15. — 16. Jh. krebssuppe (Germ. 9, 206). kredenzen, v. : vorkosten, vorkostend dar- reichen. Spätmhd. credenzen, von ital. cre- denza f. «Glaube, das Vorkosten» zu «Treu und Glauben» d. h. zum Zeichen der Un- schädlichkeit, der Giftlosigkeit, mlat. cre- dentia f., zu lat. credere «glauben». ABL. Kredenzer, m., spätmhd. credenzer. ZUS. Kredenztisch, m.: Schenktisch, 1540 bei Alberus dict. r2% 1586 in den Script, rer. Siles. 4, 290 Credentz m. Jetzt Kredenz, f. Kredit, m. {-[e]s, PI. -e): Treue und Glauben zu Borg, Leihvertrauen. Zu Anfang des 17. Jh. (1601 bei Albertinus Kriegsleut Weckuhr 118^ Credit m., als Neutr. 1663 bei A. Gryphius Horrib. 11) entlehnt aus gleichbed, franz. credit, ital. credito m., von lat. creditum n. «Darlehn», dem Neutrum von creditus, Part. Perf. Pass. von credere «glauben, borgen». Dafür kaufmännisch im 16. Jh. Glauben (1548 bei Agricola Sprichw. Nr. 733). kreditieren, V. : auf Borg geben, im 17. Jh. creditiren, aus franz. crediter. Kreditor, m. (-5, PI. Kredi- toren): Gläubiger, 1510 im Cod. dipl. Siles. 20, 178 Creditor, aus gleichbed. lat. creditor m. Kreditiv, n. {-s, PI. -e): Beglaubigungs- schreiben. 1607 bei Sattler Orthogi'. 32 Creditiff- schreiben. Vom mlat. Adj. creditivus «Glauben zu schenkend», zu lat. credere «glauben». Dafür im 15. und 16. Jh. credenz f. n., mnd. credencie f., aus ital. credenza f. (s. kredenzen). kregel, adj.: munter, lebhaft (Tieck Nov. 7, 130). Nd.und md., aber mnd. kregel «immer fertig zum Kampfe, hartnäckig», ndl. kregel «störrisch», 1599 bei Kilian krijghel, ent- sprechend ahd. widarcregilin «hartnäckig». Verwandt mit Krieg (s. d.). Kreide, f. (PI. -n): weiße Kalkerde zum Schreiben usw. , Mhd. kride, spätahd. crtda, f. ; dazu and. crtda, mnd. krite f. Aus gleichbed. unerklärtem lat. creta f. «Kreide». ABL. 1145 Kreis Krempel 1146 kreiden, v., spätmlid. knden (15. Jh.). krei- dicht, adj., 1691 bei Stieler. kreidig, adj., 1618 bei Schönsleder. Kreidlinsr, m.. von Campe 1801 für Kretin (s. d.j vorgeschlagen, jedoch mit falscher Ableitung. ZUS. kreide- weiß, adj., 1575 bei Fischart Garg. 113 kreidemveiß. Kreis, m. (Gen. -es, PI. -e): um einen Punkt laufende, überall gleicbweit von diesem entfernte Linie; Landbezirk; Verkebrskreis. Mhd.Ä:re?5 m. «Ki-eislinie, L^mkreis, eingehegter Kampfplatz, Landeski-eis», spätahd. crei^ m. (noch im 18. Jh. Kreiß, Kraiß); dazu ndrhein. im 14. Jh. kreytz und krijt, mnd. kret, krete, kreit, krU m., mndl. crlt n. Xebst mhd. (md.) kri^en «eine Kreislinie machen», hekrigen «mit einer Kreislinie umziehen», hekrei^en «den Grundi'iß, die Umrisse zeichnen», entweder zu kritzen «kritzen, ritzen» (s. Kritz) oder zu alb. fep m. «Reif eines Fasses, Rades, Ringest. ABL. kreisen, v.: sich kreisförmig bewegen, mhd. kreiden. ZUS. Kreislauf, m., 1741 bei Frisch. 'kreischen, v.: laut, grell aufschreien. Mit schwacher Biegung Pi'ät. kreischte, Part. gekreischt, aber in der Volkssprache und ältemhd. starkflekt. Prät. krisch, Part, ge- krischen, um 1200 ndrhein. und md. krischen (Prät. kreisch, PI. krischen, Part, gekrischen), spätmhd. im 15. Jh. kreischen (deutsch Passion, Frankf. Hds. Bl. 61^); dazu mnd. krischen, krisken, mndl. arischen, crijschen (Prät. cresc), nndl. krijschen (Prät. kreesch, Fart. gekreschen, aber auch schwachflekt. krijschte, gekrijscht). Nebenformen: kröschen (oberd, und nd.), kreuschen fFischart Garg. 169, Stieler 1691, Musäus Volksm. 3, 278), mit Dental obersächs. krietschen, vgl. kreißen und kreisten. ■^kreischen, v.: kochendes Öl, Schmalz usw. durch ein hineingelegtes Brotstück oder ein- gespritztes Wasser reinigen, bratend auslassen. Im 17. Jh. (bei KirchhoflF) kreuschen, bei Adelung 1775 kröschen. Schwachbiegendes Faktitiv zu kreischen, urspr. «aufschreien machen», wie mhd. erkreischen; im 16. und 17. Jh. kreischen «quälen, peinigen». Kreisel, m. (-s, PI. wie Sg.): kleines trichterförmiges Spielgerät, das auf dem spitzen Ende sich drehend läuft. Angelehnt an Kreis und kreisen 1691 bei Stieler Kreisel, aber urspr. «Topf, Krug» (s. "^Krause, wie mhd. tind noch oberd. topfm. «Kreisel»), daher noch bei Voß, Goethe, Lichtenberg usw. Krauset, bei Freyer 1722, Duez 1664 und Soranus 1587 Kreusel, 1421 crußel (Diefenb. nov. gl. 372*), md. im 13. Jh. krüsel m. (hl. Elisabeth 3610); dazu mnd. 1424 crusel (Hör. belg. 7, 29^), bei Chyträus krüsel, nnd. krüselding, in Anlehnung an nd. küsel «Wirbel, Stnidel-^ (brem. Wb.), mnd. cusel Diefenbach nov. gl. 372^. kreisen, v., s. Kreis. kreisten, v.: stöhnend ächzende Töne aus- stoßen. Mhd. kristen. Noch bayr.-östr., dafür in der Wetterau und in Nassau kresten. Vgl. kreißen und kreischen. kreißen, v.: in Gebui-tswehen schi-eien (und stöhnen); Wehen haben. Schwachbiegend Prät. kreißte, Part, gekreißt, aber mit starker Flexion mhd. kri^en (Prät. kreiß) «scharf rufen, scharf schreien, stöhnen», im 15. Jh. kreysen (Hätzlerin 1, 25, 68 u. 30, 9), in der heutigen ßed. zuerst 1691 bei Stieler (kreußen). Dazu mnd. kriten «schi-eien, heulen» (Prät, kret) kreten, kriten «streiten, zanken», 1477 elevisch crijten, mndl. criten «grell aufschreien», nndl. krijten [Prsit. kreet, Fart. gekreten) «schreien». Vgl. kreischen und kreisten. Krematorium, n. (s, PI. -rien) : Anstalt zur Leichenverbrennung. Von lat. cremäre «verbrennen» in neurer Zeit gebUdet. Kremortärtari, m.: gereinigter Wein- stein. Von lat. cremor m. «dicker Saft, Brei», und dem Gen. von nlat. tartarus «Weinstein». 1801 bei Campe. Krempe, f (PI. -en)-. aufwärts gebogner (geschlagner) Hutrand usw., 1673 bei Weise Erzn. 26 Krempe. Aus dem Nd., Nebenform von Krampe (s. d.), 1691 bei Stieler Krampe, Krempe «übula» und Krempe auf dem Hut «spinther» (die Agraffe an der Hutkrempe), a\i(}L.chramphm.,xcidirgichrampht «zurückgebogen», krempen, V.: den Rand wovon aufwärts biegen, 1741 bei Frisch gi-em- pen (aus dem Niedersächsischen). ^Krempel, f (PI. -n): Wollkamm. Zu- fällig erst 1734 belegt bei Steinbach G-rampel f.; md. im 15. Jh. krempel m. n. «gekrümmter Zacken, Häkchen (1404 bei Cersne Minne Regel 2713), KraUe», mit hd. pf ältei-nhd. krempfei «Hakengabel,Fleischgabel»(Schmeller- 1, 1370). Abltg. V. a\idi.chramph m. «Haken» (s. Krampe). Davon krempeln, V.: um 1480 im Voc. ine. teut. 1 1 ^ kemmen, vulgariter grempeln. Krempler, m., ebenda kemmer, grempler. Kreniplerin, f , 1429 bei Diefenbach nov. gl. 283^ kemmer in, gramplerin. ^Krempel, m. (-s): geringwertige Sachen, eig. Trödelware. Zu älternh^.greiyipel m.«Kauf- 1147 Kremser Kreuz 1148 handel im Kleinen, Trödelhandel» (16. Jh.), grempelmarkt m. « Platz zum Feilhalten alter gebrauchter Sachen, Trödelmarkt» (Voc. von 1429 bei Schmeller, 1537 bei Dasypodius), grempelwerk n. «Trödelware» (1594 bei Frisch- lin Noni. c. 155). krempeln, v.: Kleinhandel treiben, trödeln. 1669 bei Grimmeishausen Simpi. 317 krämpeln, mhd. grempeln, grempen, vielleicht von ital. comprare (im Volksmund crompare) «kaufen», das dem gleichbed. lat. cornpäräre entstammt. Krempler, m. : Tröd- ler, Höke. Mhd. im 1 3. Jh. grempler, gremper (um 1500 kremper Straß b. Verordn. 256 Brucker), 1413 grempner, im 14. Jh. grempe, grenip (Straßb. Verordn. 249). Kremser, m. (-es, PI. wie Sg.): leichter Omnibus, benannt nach dem Berliner Hof- agenten Kremser, der 1825 die ersten der- artigen Wagen in Berlin aufstellte, Kren, m. (-s, PI. unüblich): Meerrettich. In Bayern, Osterreich, Nordfranken, Schlesien. Mhd. kreti, krene m., im 15. Jh. auch krien (1482 im Voc. theut. r 4^), schles. Krien (bei Günther 974 und Steinbach). Aus dem Slawi- schen, abg. russ. chrenü, tschech. kfen. Krengel, s. Kringel. Kreole, m. (-»., PI. -?i): von einem Weißen mit einer Mestize erzeugter (bräunlicher) Ame- rikaner; aber auch in den Kolonien Geborner von rein europäischem Blut. 1728beiSperander Criole, nach franz. creole m. aus gleichbed, span. criollo m., von span, criar «erzeugen, ernähi'en», lat, creäre «erschaflfen». krepieren, v,: verrecken; bersten (von Granaten). 1617 im teutschen Michel crepiren, aus ital. crepare «bersten, verrecken», von lat. crepäre «krachen, platzen». Krepp, m. (-es, PI. -e): Krausflor. Im 16. Jh. bei Kiechel 161 Crepp, 1650 bei Mosche- rosch Philander 1, 44 Kreppe (in den altern Ausgaben Crespe), ndl. 1599 bei Kilian crespe, kerspe, aus gleichbed. franz. crepe m., früher crespe, von lat. crispus «kraus». Kreppel, m. (-s, PI. -n und wie Sg.): Krapfen, s. Kräpfel. ^Kresse, f. (PI. -n): die bitterliche Salat- pflanze an und in süßen Wassern, auch ver- wandte Pflanzen ähnlichen Geschmacks. Mhd. kresse m. f., ahd. cresso m. und cressa f. (vgl. ZfdW. 2, 229); dazu andfrk. cressa f. (rhein. im 11. u. 12. Jh. crasse), mnd. kerse, karse f., nndl. kers, kors f., ags. coerse, cerse f., engl. cress. Unerklärt. Aus dem Germanischen entlehnt franz. cresson, ital. crescione m. -Kresse, f. (PI. -n) -. der Gründling, cy- prinus gobio. Das Fem. scheint in Mittel- deutschland aufgekommen, mhd. kresse m., ahd.-and. cresso m., (noch bayr. Kressen m.); dazu rhein. im 11. und 12. Jh. grasse, 1477 clevisch crasse. Vielleicht zu ahd. chresan «kriechen»; der Fisch, auch Kreßling, m. (-S, PI. -e) genannt (1429 kressUng), hat näm- Hch in seinem Bewegen auf dem Grunde des Wassers etwas Schleichendes, Kriechendes. Krethl und Plethi: Hack und Mack, Gesindel, eig. Scharfrichter und Läufer (nach andren Erklärern Kreter und Philister), der hebräische Name dei Leibwache Davids (2. Sam. 8, 18 usw.) Kretin (spr. kret{), m. (-s, PI. -s): Stumpf- und Blödsinniger mit mißgestaltetem Körper, bes. in Alpentälern. Am Anfang des 19. Jh. (1801 bei Campe) aus franz. cretin m., und zwar aus Wallis (woher auch ital. cretino m.), von lat. christiänus «Christ, Christenmensch, armer Mensch, der mit andern Menschen eben nur die Taufe gemeinsam hat». Vgl. Kreidling. Kretscham, m. (-s, PI. -e) -. Dorfschenke. In Posen, Schlesien, der Lausitz. Md. 1340 kreczym, im 14. Jh. kretschem m., aus sorb. korcma, tschech. krcma, poln. karczma f. «Schenke». ABL. Kretschmer, m. (-S, PI. wie Sg.): Schenkwirt. Md. 1340 krecimer, 1421 creczemer, aus gleichbed. sorb. korcmar, tschech. krcmär, poln. karczmarz m. Im 15. bis 17. Jh. kretzschmar auch die «Dorfschenke». Kreuz, n. (-es, PI. -e): Balken mit Quer- holz alsMartei-- und Todespfahl für Verbrecher, dann überhaupt eine solche Figur; (bildlich, biblischen Ursprungs nach Marc. 8, 34 usw.) bittres Leid, beschwerendes Übel (schon mhd. Mühsal, Not); Ordenskreuz (Anfang des 15. Jh., ausgehend von dem Abzeichen der Kreuzfahrer und der Ritterorden während der Kreuzzüge) ; das Rückgrat zwischen den Schultern (1664 bei Duez) oder am untern Ende (1682 bei Chr. Weise Opf. Isaacs 3, 11); in der Spielkarte das franz. trefle m. «Kleeblatt» (daher Kreuzas, -buhe, -dame). Mhd. kriuze, kriuce, kriuz, ahd. krüzi n. (bei der Christianisierung im 8. und 9. Jh. zunächst vom Kreuze Christi); dazu asächs. crüci f. n., mnd. und mndl. crüce, nnd. krüze, krüz, nndl. kruis, afries. crioce, kriose, krüs n. Aus dem Akk. crücefn von gleichbed. lat. crux f., mit regelrechtem Umlaut. Ebenso entlehnt anord. kross m., schwed.-dän. kors, aber aus andrer Quelle (dafür got. galga m. «Galgen», ags. röd f. «Rute»). Die ältre 1149 kribbeln kriechen 1150 unverkürzte Form das Kreutze, Kreuze noch bei Opitz, Fleming, Günther, Lessing 1, 186, Rückert 1, 111. RA. zu Kreuze kriechen (urspr. zum Crucifix bei der Kirchenbuße) «sich demütigen» (bei Luther zum Creiitze kriechen). ABL. kreuzen, v.: das Zeichen des Kreuzes machen (schon mhd.) ; kreuzweise herumfahrend und aufpassend auf der See sich bewegen (von Schiffen, 1678 bei Krämer kreutzen, creutzen) ; kreuzweise durchschneiden oder sich schneiden (18. Jh.). Mhd. kriuzen «ans Kreuz schlagen, mit dem Zeichen des Kreuzes versehen», ahd. krüzön «kreuzigen», lat. crüciäre «kreuzigen, peinigen». Kreuzer, m. (-S, PI. wie Sg.) : kleine Silber- oder Kupfer- münze, urspr. mit aufgeprägtem Zeichen des Kreuzes (X, deshalb die Kürzung xr., dann auch kr.), mhd. kriuzer, mlat. denarius cru- datus oder cruciger (zuerst als Silberpfennige im 13. u. 14. Jh. in Verona und Merau geprägt); kreuzendes Schiff, Kaper 1716 bei Ludwig Greutzer). kreuzigen, v.: ans Kreuz schla- gen, mhd. kriuzigen, md. crüzigen, ahd. crü- cigon: dazu Kreuzigung, f., mhd. kriuzi- gunge, ahd. chrücigunga f. ZUS. Kreuz- band, n. : kreuzweis umgelegtes Band, bes. für Postsendungen. In diesem Sinne erst im 19. Jh. kreuzbray, adj. : durchaus brav, 1756 im Leipz. Avanturier 1, 109 creutzprav, wie schon bei Fischart Garg. 231 u. 240 kreutzgut, eine Verstärkung nach dem Vorbilde vonKraft- wöi'tern wie Kreuzdonnerivetter usw. Kreuz- fahrt, f.: Kreuzzug, mhd. kriuzevart f. Kreuz- gang, m.: Umzug mit dem Kreuze, Wallfahrt; für diesen Umzug Säulengang oder Halle an Kirchen und Klöstern; Leidensweg im mensch- lichen Leben (nach Christi Leidensgang, 1578 bei Spangenberg Ehespiegel 84^). In den bei- den ersten Bed. mhd. kriuze-, kriuzganc m. Kreuzschnabel, m.: der Christvogel mit ge- kreuztem Schnabel, 1557 h. Reußlin 168^ Krütz- vogel oder Krumhschnahel. Kreuzspinne, f. : Spinne mit einem weißpunktierten Kreuz auf dem Rücken, 1691 bei Stieler, Kreuzweg, m., 1640 bei Comenius, bei Spe Trutzn. 34 (Balke), 1598 bei Kilian kruysweg. kreuz- weise, adv., mbd. kriuzewise, -wis. Kreuz- WOChe, f.: die zweite Woche vor Pfingsten, in der die kathoUsche Kirche Bittgänge mit vorgetragnem Kreuz hält, mhd. kriuze-, kriuz- woche f., and. krüzewika f. Kreuzzug, m., am Anfang des 18. Jh. bei Günther 132. kribbeln, V.: vielfüßig,vielfingerig sich be- wegen, wimmeln; wimmelnd jucken, prickeln. Gedehnt kriebeln (im 16. Jh. Weim. Jahrb. 5, 224). In der 1. Bed. 1540 bei Alberus dict. y 1 ^ kribeln, in der Reimformel kribbeln und tvibbeln 1455 bei Lüiencron Volksl. 1, 483^ in der 2. Bed. md. im 13. Jh. kribeln; dazu nd. kribeln und kribbeln, ndl. 1599 bei Kilian krevelen und kribbelen. Im Ablaut stehend zw krabbeln {?,. di) ABL. kribb(e)lig, adj.: unruhig. Niederd. Im 16. Jh. kryblecht. ZUS. Kribbelkopf, m.: reizbarer Mensch, norddeutsch, 1748 im westfäl. Robinson 265. Kribbel-, Kriebelkrankheit, f.: unauf- hörliches Jucken, vom Genuß mutterkornhalti- gen Brotes stammend, bei Musäus Volksm. 2, 1 92 Kribelkrankheit, 1741 bei Frisch Griebelsucht. Kribskrabs, m. n. : ein Durcheinander von Zügen im Ritzen, Schreiben usw. sinnlosen oder zauberhaften Charakters; wunderliches Durch- einander (Goethe Faust 3268). Bei Schuppius 502 Kribbes Krahbes, 1573 kribiß kr abaß, ein Ablautgebilde wie Schnickschnack, Krikel- krakel, ripsraps usw., von ndl. krabben «krat- zen», kribben «kritzeln» (1599 bei Kilian). krick(e)lig, adj.: mit allem unzufrieden und tadelsüchtig wie zänkisch (Goethe 22, 249, 1. H.) ; leicht zu Zank und Streit führend. Von krickeln, v.: zanken, streiten. Mundartlich kreckeln, nd. krakeln «rechthaberisch wider- sprechen, unzeitig und mürrisch tadeln». Da- von Krickelei, f., Goethe Briefe 3, 247. Krieche, f. (PI. -n)-. die Pflaumenschlehe. Mhd. krieche f., ahd. chriehboum, krichboum m.; dazu 1477 clevisch criecke, mnd. kreke, krike f. «Schlehenpflaume», ndl. kriek f. «Vogel- kirsche», ins Französische entlehnt creque f. «Krieche», ins Skandinavische schwed. krikon, dän. krcege. Wahrscheinlich zu mhd. Krieche m, «Grieche», vgl. 1517 bei Trochus Kl** prunum grecum, greculum, krichen. Vgl. E. Schröder Anz. fdA. 23, 158. kriechen, V. (Prät.Ä;roc/t,Konj./i;röc/te, Part. gekrochen): niedorliegend sich fortbewegen. Mhd. kriechen (Prät. krouch, PI. kruchen), ahd. chriocJian, engl, crouch «sich niederbücken», norw. kruka «sich niederhocken», sonst mit labialem Auslaut anfrk. criepan, mnd. krupen (auch md. krüfen neben krichen), ndrhein. krüfen, kruifen, mndl. arufen, nndl. kruipen, ags. creopan, engl, creep, afries. kriapa, anord. krjüpa, schwed. krijpa, dän. krybe. Man ver- gleicht (mitÄ-Auslaut)air. grrMC {nM'n'^grunko-) «Runzel» und (mit j?- Auslaut) gr. TPÜ^röc «krumm». Vgl. Btr. 26, 301. Älternhd. im Präs. kreuchst, kreucht, Imp. kreuch, nach mhd. 1151 Krieg Krimskrams 1152 kriuchest, kriuchet, kriuch. Vgl. krauchen. ABL. Kriecher, m.: Schleicher, 1691 bei Stiel er. Kriecherei, f., im 18. Jh. Krieg, m. {-{e)s, PI. -e): tätliche Feind- seligkeit; Kampf zwischen Staaten. Mhd. kriec (Gen.krieges) m. «eifrige Anstrengung, Streben wogegen, Feindseligkeit, Widerstreit, Rechts- streit, fortgesetzter Kampf zwischen Parteien und Staaten», md. kr^c, krlg m.; dazu mnd. krich (Gen. krighes) m. «Zank, Zwist, Recht- haberei, Eigenwille, Watfenstreit (für letztres meist orloch), mndl. crijch, nndl. krijg m. Im Ahd, kreg «Hartnäckigkeit, Trotz», einchrigi- Itcho adv. «eigenwillig», mhd. einkriege adj. «eigensinnig, zänkisch»; für «Krieg» sagte man ahd. ivic m. n. und urliugi n. (vgl. Orlogschiff). Wohl urverwandt mit air. hrlg «Kraft, Macht», gr. ßpiapöc «stark, heftig», gr. ö-ßpic f. «Über- mut». Vgl. Boisacq Dict. Dazu kriegeil, v.: Krieg führen, mhd. kriegen, md. krtgen «sich anstrengend streben, ringend streben, kämpfen, streiten, mit Worten streiten, Krieg führen, bekämpfen»; dazu mnd. krigen «streiten, einen Rechtsstreit führen, Krieg führen», im Grimde eins mit dem folgenden kriegen (s. d.) ; davon Krieger, m., mhd. krieger m. «Kämpfer», Kriegeriu,f. (bei Luther) und kriegerisch, adj., 1538 bei Frank Germaniae chron. 291% kriegisch bei Luther, mhd. kriegisch «wider- setzlich, trotzig, streitsüchtig». ZUS. Kriegs- fuß, m.: völlige Kriegsbereitschaft. 1808 bei Campe. Kriegsherr, m., nicht bei Adelung und Campe, aber schon mhd. kriegesherre, Schlagwort seit 1851. Vgl. Ladendorf. KriegS- knecht, m., bei Luther. Kriegskunst, f., 1561 bei Maaler. Kriegsmann, m., im 15. Jh. Kriegspfad, m., nach engl, warpath bes. in der RA. denK. betreten «den Krieg beginnen» aus der Sprache der Indianer Nordamerikas. In neurer Zeit. Vgl. Hirt Indogermanen 699. Kriegsschiff, n., 1507 bei Wilwolt V. Schaum- burgii. Kriegsschule,f.Imi8.Jh. Kriegs- spiel, n.: der Krieg selbst; Nachahmung des Krieges, jetzt im Heere sehr üblich. Im 18. Jh. kriegen, v.: strebend fassen; in die Ge- walt bekommen, erhalten. Mit schwacher Flexion wie das vorhergehende kriegen (s. d.) ; in md. Mundarten kreien, kreigen. Aber urspr. starkbiegend md. krigen (Prät. kreic, Part, ge- krigen), mnd. krigen (Prät. krech, Part, ge- kregen) «erlangen, erwerben», nnd. krigen (Prät. kreg, Part, kregen), mndl. crijen (crech, gecreghen),iind\.krijgen (kreeg, gekregen). Auch ältemhd., z. B. bei Luther, Prät. kreig, Part. kriegen,nehen schwachflekt. Prät. kriegte, Part. krieget. Geht auf die urspr. Bedeutung von Krieg zurück. Kriekente, f., die zwei kleinsten Arten der wilden Enten, anas crecca und anas quer- quedula. 1557 bei Heußlin 34^ Kriche^itlin, Krigente, Kruckentle, nd. krikente, krikant und krikke, kreke f., schwed. (westerbottnisch) kräcka. Kriek- bedeutet im Nd. «klein», vgl. Kriek-, Krukälster (d. h. «kleine Elster, der Neuntöter» Nemnich, 2, 323), mecklenb. kriek- ar/ife»« niedrige Erbsen», mnd. (1383) krickef. «kleine Erbse», krickelmore f. «kleine Rübe». krieschen, v.: norddeutsch vulgär für kreischen (s. d.). kriminal, kriminell, adj.: peinlich d.h. Leib und Leben angehend. 1711 bei Rädlein criminal, im 18. Jh. auch criminel, aus franz. criminel, lat. crlminälis «ein Verbrechen be- treffend», von lat. crimen- n. «Verbrechen». Kriminal, n. {-s, PI. -e): Zuchthaus. In Österreich. Kriminälrichter, m.: Richter des peinlichen Gerichts, 1711 bei Rädlein; Kriminalist, m. [-en, PI. -en): Kenner oder Lehrer des Strafrechts, 1714 bei Wächtler, krimm ein, v., md. Nebenfoi-m von kribbeln (s. d.), bes. in krimmein und loimmeln, bei Luther 3, 239% Rückert W. 2, 216. krimmen, v. : mit Krallen, kratzend, knei- pend fassen. Jetzt mit schwacher Biegung, aber mhd.starkflekt.Ärmmen, grimmen (Prät./craw, PI. krummen, Vartgekruinmen), ahd. krimman. Dazu ags. crimman «zerbröckeln», mit schwa^ eher Flexion anord. kremja «drücken, quet sehen». Dazu vielleicht lat. gremium n. «Schoß, Armvoll». Vgl. krammen und Bauchgrimmen ABL. Krimmer, Krümmer, m. (-s, PI wie Sg.): Habicht; Pflugart (beide ostmd.) Erst im 19. Jh., aber sicher älter. Krimmer, m. (-s, PI. wie Sg.) : das zarte FeU ungeborner Lämmer (im Pelzhandel). Eig. «Lammfelle aus der Krim», wie Per- sianer «Felle aus Persien». krimpen, v.: intr. Zusammenschrumpeln (1716 bei Ludwig); tr. einschi'umpfen lassen, bes. Tuch durch Wasser (1755 bei Richey). Aus dem Nd. Urspr. mit starker Flexion mnd. krimpen, clevisch 1477 crympen in beiden Bed.; dafür mhd. krimp fen «sich krumm zu- sammenziehen» (s. Krampf). Krimskrams, m.: Gerumpel, Geschwätz, nordd. Nebenform von Kribskrabs (s. d.), an- gelehnt an krimmein (s. d.) und Kram. 1795 bei Hupel. 1153 Krimstecher Kritik 1154 Krimstecher, m. (s, PI. wie Sg.)-. kleines Doppeltaschenfernrohr. Im Krimkrieg be- nutzt und daher benannt. Kringel, Krengel, m. {-s, PI. wie Sg. ) : Kreis, Kreisgewinde; einen großen Ring bil- dendes plattes Gebäck, besonders zu Festlich- keiten. 1462 md. cringel fMone Anz. 7, 299, 118), mnd. kringel m, «Brezel», von md. und nd. kring m. «Kreis» (s. Kringen). Krengel ist nur mundartlich. Daher die Schreibung Kringel vorzuziehen. Dazu anord. kringla f., schwed. kringla, dän. kringle «Kreisring, Zirkeb. Kringen, m. (s, PI. wie Sg.) : Kreis ; Ring- artiges, z. B. gepolsterter Tragring (d. j. Goethe 3, 239, Briefe 4, 54). An der Lahn, auf dem Westerwalde usw. Im 15. Jh. schwachbiegend kringe m. neben starkflekt. krinc m. (Gen. kringes) «Kreis» u. mä.kranc m. (Gen.kranges) «Kreis, Umkreis»; dazu mnd. krink, kring, nndl. kring, anord. kringr m. (s. Kringel). Dazu lit. grazil «drehe, wende», apreuß. granstis «Bohrer», air. do gres «beständig» eig. «im Kreis». Krinitz, m. (-es, Pl.-e): der Kreuzschnabel, loxia curvirostra: auch Ginster. Im östlichen Mitteldeutschland. Im 18. Jh. bei Ludwig, Kirsch und Steinbach ^nnz'fe, 1763 bei Heppe Jäger Crinitz, Grinitz, 1664 bei Duez G-rienitz, G-rünitz, angelehnt an grün, bei Adelung auch Krünitz, im 15. Jh. crinis (Germania 6, 99), schlesisch im 14. Jh. grinis. Lehnwort aus dem Slawischen, oberlaus. - wendisch skr jene «Kreuzschnabel», vgl. auch poln. krzywonos «Krinitz», eig. «Krummnase». Die amtliche Schreibung ist Grünitz. Krinoline, f. (PI. -n): Frauenunterrock mit Stahlreifen. Aus franz. crinoline f., auf- gekommen in den 50 er Jahren des 19. Jh., eig. «ein Zeugstoff von Garn imd Pferdehaar», von lat. crmis m. «Haar» rmd linum n. «Flachs, Lein». Die französischen Damen trugen schon im 16. Jh. Reifröcke nach spanischer Mode {vertugalles od. vertugadins ^Tugeudwardeine»). Krippe, f. (PI. -n): erhöhter Futtertrog für Pferde, Rindvieh usw.; Flechtzaun an Ufern (spätmhd. im 15. Jh. krippe, kreppe, kruppe, kroppe f.); Kleinkinderbewahranstalt (in neurer Zeit, nach der Krippe Christi, diese Bedeutung zuerst in Frankreich entwickelt. In der 1. Bed. mhd. krippe, alemannisch kripfe (schweiz. jetzt krüpfli), ahd. crippa, im 8. Jh. cripia (ZfdA. 3, 462^), bei Tatian 5, 13 crippea u. bei alemannischen SchriftsteUem krippha f.; dazu asächs. crihbia, cribba, afries. krihbe, nndl. Weigand, Deutsches Wörterbach. 5. Aufl. kribbe, krib. Auch mit ablautendem u in der Stammsilbe : ältenihd. Krupf (Franck Weltb. 174 '^), 1469 mrhein. kruppe im Voc. ex quo, nd. krühbe, mnd. krubbe, rmdl.h-ub, ags. cryb f., schwed. krubba, dän. krybbe. Urspr. wohl aus Holz geflochten, da K. zu mhd. krebe m. f. «Korb» gehört {?>.Korb\ Aus dem Germanisch, entlehnt ital. greppia, prov. crepia, crepcha und crupia, franz. er ecke f. «Krippe» (daher engl. cratcli neben crip). Der got. Ausdruck war uzeta m. (eig. «woraus gefressen wird»). ABL. krippen, v.: ein Ufer, eine Deichstelle durch einen Flechtzaun festigen. 1741 bei Frisch. ZUS. Krippenheißer, m.: Pferd, das beim Fressen und Atemholen die Vorderzähne aiif die Krippe aufsetzt und bei jedem Schlucke grolzt (1691 bei Stieler); zänkischer Mensch, mürrischer Tadler (bei Aler 1727 Krippen- bisser). Krippenreiter, m.-. armer Land- junker, der bei wohlhabenden Edelleuten gleichsam von Krippe zu Krippe reitet, im östlichen Mitteldeutschland seit dem 30jähr. Kriege (bei Logau 3. Zugabe 47). Krippen- setzer, m., dasselbe wie Krippenbeißer. Krips, s. Gn-iebs. Krise, f. (PI. -n): Entscheidungspunkt in einer Sache. Im 18. Jh. (bei Goethe Br. 4, 11, Bürger), aus franz. crise f., von gr. Kpicic f. «Entscheidung», zu xpiveiv «scheiden, ent- scheiden». ABL. kriseln, V. In neui-er Zeit. Kristall, m. {-[e]s, PI. -e): ein von ebnen regelmäßig liegenden Flächen begrenztes ^Mine- ral; wasserheUe glasartige Masse, Bergglas. Nhd. seit dem 17. Jh. auch Xeutr. (Lessing 8, 156, jetzt stets in der Bed. «Glaswaren»), im 15. u. 16. Jh. auch Fem., mhd. kristalle, kristal m. f., ahd. im 11. Jh. christalla f., aus gr.-lat. crystallus, gr. KpücraWoc m. f. «Eis, Berg- kristall, durchsichtiger Edelstein», neben Kpucxaiveiv «durch Kälte, Frost (kpuoc n.) ge- rinnen machen». ABL. kristallen, adj.: von Kristall, im 15. Jh. und mrhein. schon im 13. Jh. cristallen, mhd. kristallin, aus gr.-lat. crystallinus, gr. KpucxdWivoc. kristallinisch, kristallisch, adj.: Kristall gehalt habend, kristallhell, erstre Form im 18. Jh., letztre im 14. Jh. bei Megenberg kristallisch, kristalli- sieren, V. : in Kristall verwandeln, aus franz. cristalliser, dafür mhd. sich cristallen. ZUS. Kriställöl, n.: geläutertes Öl, wegen seiner Helle und Durchsichtigkeit, im 19. Jh. Kritik, f. (PI. -en): Beurteilung; Beur- teilungskunst. Im 17. Jh. Gritique, im 18. Critic, Critik, aus franz. critique f., von gr. 73 1155 kritteln £rone 1156 KpiTiKri (x^xvri) f- «Beurteilungskunst». Kri- tiker, m. (-S, PI. wie Sg.) : Kunstrichter, im 17. u.lS.Jh. noch Criticus, aus dem gr.-lat. Adj. criticus, gr. kpitiköc «zum Beurteilen gehörig», zu Kpiveiv «entscheiden», kritisch, adj.: entscheidend, bedenklich, gefährlich; kunst- richterheh. Im 17. Jh. (1664 bei Duez 1, 219*' critisch) gebildet nach dem gleichbed. franz. Adj. critique, lat.-gi'. criticus. RA. kritischer Tag, 1885 von Rudolf Falb gebraucht und seit- dem Schlagwort. Vgl. Ladendorf, kritisie- ren, V.: beurteilen; musternd besprechen, musternd durchnehmen. 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 154 critisiren, aus älterfranz. critiser (1664 bei Duez dict, fran^.-allemand). kritteln, v.: sich verdrießlich kleinlich tadelnd äußern. Im 17. u. 18. Jh. noch grittelen (Stieler 1691), gritteln (Frisch 1741) «zanken, kleinlich tadeln», nd. kriddeln eig. «zanken». An Kritik usw. angelehnt. Davon Krittel, m.: das kleinliche Mäkeln, 1808 bei Goethe (Faust 1559). Krittelei, f., in der 2. Hälfte des 18. Jh. (bei Herder, Lessing usw.), nd. kriddelijet Kritt(e)ler, m., 1727 bei AI er Gritteler «kleinlicher Tadler», 1575 bei Fischart Garg. 253 Tagkritler, 1691 bei Stieler Gritteler «Zänker», nd, kriddeler «Zänker», kritt(e)lig, adj., 1691 bei Stieler grittelicht und kritlich, 1681 bei EHs. Charl. v, Orleans 2, 15 gritlich, 2, 5 kritlich, 2, 279 gridlich, anders 1510 bei Keisersberg irrig Schaf G 2 '^ grüdlig (Var. grüd- lecht) «grübelnd» von grüdeln «giübeln, sto- chern» (Keisersb. Eschengrüdel aS**). Kritz, m.: eingeritzter Strich, 1343 md. kritz m. kritzeln, v.: kratzend fein schrei- ben, 1420 kritzeln «durchritzend streichen, um- ritzen»(Diefenbach gl. 94**), Dim. von älternhd. kritzen, mhd. kritzen, ahd. krizon «einritzen». Vielleicht mit Kreis verwandt, aber schwerlich zu kratzen, kritzlich, adj., im 15. Jh. cricz- licht (Diefenbach nov. gl. 368*^), im 14. Jh. bei Megenberg 853, 32 kritzlot. kröchsen, kröchzen, s. krächzen. Krocket, österreichisch Kroquct (spr. kröket) n, (-s): Kugelspiel, Aus gleichbed. engl, croquet um 1864 übernommen. Kroki, n. (-S, PI. -s), österreichisch Kro- <|llis: Skizze, Aufnahme einer Gegend nach dem Augenmaß. 1813 bei Campe. Aus gleich- bed. franz. croquis m. ABL. krokieren, v.: eine Skizze entwerfen. Krokodil, n. ([e]s, PI. -e); die größte Art der Rieseneidechsen. Älternhd. Mask. (wie noch bei Herder zerstr. Bl. 4, 103, Lichtwer Fab. 3, 3). Mhd. kokodräle, kocatrille m., aus mlat, cocodrillus, gr.-lat. crocodilus, gr. KpoKÖbiXoc m. (vgl. Idg. Forsch, 15, IfiF.). Im Ahd, übersetzt durch nihhus n, «der Nix» (s. d,). ZUS. Krokodilsträne, f. (gew. im PI,): heuchlerische Träne, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1726 Crocodil-Trähnen, 1574 bei Horscht Geheimnisse der Natur 4, 0 6 * Gro- codilszeeren, nach dem Glauben, daß das Kro- kodil die Stimme eines weinenden Kindes nach- ahme, um Menschen anzulocken (vgl. Fischart Flöh. 163 Kz.). Krokns, m, (Gen. wie Sg., PI. -sse): die Safranpflanze. 1628 bei Opitz 1, 265 Grocus. Aus gleichbed. crocus, gr. KpÖKoc m,, woher schon ahd. cruogo, m. «Safran», an or d. Ä;rogr n. Krolle, f. (PI. -»): Haarlocke. Im west- lichen Mittel- u. Norddeutschland. Md. krolle f. und Dim. crullil n,, spätmhd. krülle f,, 1477 clevisch crolle und crulle, nd. krulle, nndl, kruli.; aber md. auch /broZ, fer^Z m. «das ganze Lockenhaar». Zum Adj. spätmhd. krol, mndl,- mengl. crul «kraus, lockig». Vielleicht aus *kruäla u, mit Arratts verwandt. ^-BL. krollen, V.: (Haar) ringeln, in der Kölner Gemma von 1495 ghecrult «gekräuselt», von 1507 gecrolt, nd. und ndl. krullen «kräuseln», mhd. krüllen (auch an den Haaren reißen). kroUicht, krollig, adj,: lockig, gekräuselt, 1742 bei Lindenborn Diogenes 2, 454 krollicht, ndl, krullig. ZUS. Krollhecht, m.: (beim Auf- tragen) ringförmig biegbarer oder gebogner kleinrer Hecht, 1775 bei Adelung aus nd, krullheked. Krolltabak, m.: Kraustabak, geschnittner krauser Rauchtabak, bei Hölty 136 H, Krolltoback, nndl. krultabak. Krone, f. (PI. -n): Kranz ums Haupt; Hauptschmuck als Zeichen des Herrschers; Baumgipfel mit seinen umgebenden Ästen (Goethe 8, 281, Schiller Spazierg. 20); Kopf (in den RA. etwas in der K. haben, es ist ihm etwas in die K. gefahren) ; Kronleuchter (schon mhd. und mnd,); Goldmünze mit eingeprägter Krone (zu Anfang des 16, Jh, bei Keisersberg und Gengenbach, seit 1873 im Werte von 10 M,); in Österreich seit 1892 Silbermünze im Werte von 85 Pfg., abgeküi'zt K. In den zwei ersten Bed. mhd. kröne, ältermhd, coröne, ahd. Corona f.; dazu mnd.-mndl, cröne, crüne, mittelengl. corüne, croune, engl, crown, anord. köröna, körön, krüna f., schwed. kruna, dän. kröne. Entlehnt aus gr.-lat. coröna, gr. KopiOvri f. «Kranz, Schmuck des Hauptes», urspr. ring- förmig Gebognes. ABL. Krönchen, Krön- 1157 Kronfleisch Krng 1158 lein, n., 1437 md. krönechin (Anz. 18, 44), mhd. kroenlm n, krönen, v., mh. kroenen, vom Subst. kröne gebildet, während ahd. coro- nön, chrmön, aus lat corönäre «bekränzen, umkränzen» entlehnt ist: dazu Krönung, f., mhd. kroenunge, kronunge f. ZUS. Kron- leuchter, m., 1775 bei Adelung, dafür mhd. und mnd. kröne f. Kronprinz, m., 1716 bei Ludwig. Kron(en)taler, m.: Taler mit einer Krone. Im 18. Jh. Kronzeuge, m.: jetzt soviel als Hauptzeuge, eig. aber ein Verlyecher, den die Krone (der Staatsanwalt) als Zeugen benutzt. Aus England im 19. Jh. überkommen. Kronfleisch, n.: Zwerchfell beim Rind- vieh, Fleisch davon. Bayrisch-österreichisch. Nicht zu Krone gehörig. Kronsbeere, f.: Preißelbeere. Nordd. 1691 bei Stieler. Von nd. krön m. «Kranich». Die ähnliche Moosbeere heißt nach dem Kra- nich, der sie gern frißt, auch Kranich-, Kran- heere, im 15. Jh. chranichper, engl, cranherry. Krop, n. (-s): geringes Volk, Pack (bei Friedrich d. Gr. Oeuvi-es 27, 147 Teufelskrop, bei Tieck in Musäus Straußfedern 4, 4 Bilrger- kroop n.). Aufgenommen aus nd. krüj), kröp n., womit verächtlich zunächst kleine Kinder und unansehnliche Menschen bezeichnet werden, eig. «Vieh einer Bauernhofstätte», besonders «das kleine, das Federvieh, kurzbeiniges Feder- vieh», vandi.krrq), kröp n. «Vieh», bes. «Rind- vieh», auch «kleines kriechendes Tier», vom starkflekt. ndi.krupen (Prät. kröp, Fart.krapen), mnd. krupen, asächs. criopan, mndl. crupen, nndl. kruipen, ags. creopan, afries. kriopa «ki-ie- chen». ZTJS. Kroppzeug, n.: Pack, Ge- sindel, zur Zeit des siebenjähr. Krieges im preuß. Heere aufgenommen aus nd. kröptüg, krüptüg n., das ebenfalls zunächst als ver- ächtliche Bezeichnung kleiner Kinder, unan- sehnlicher Menschen gebraucht wird. 1781 bei Kindleben Krobzeug; mit falscher Be- ziehung auf groh auch Grohzeug geschrieben. Ähnliche Zusammensetz, sind nd. krüphön n. «Zwerghuhn», krüpbone f. «Buschbohne». Kröpel, m.: Niederdeutsch für Krüppel (s. d.). ZUS. Kröpelstuhl, m.: niedriger Armsessel, 1775 bei Adelung, aus dem Nd. Kropf, m. {-[e]s, PI. Kröpfe): häutiger Halssack körnerfressender Vögel, ähnliche Halsdrüsengeschwulst. Mhd.kropf, ahd. chroph, chropf m.; dazu clevisch 1477 crop, nd. und ndl. krop, ags. crop, cropp m. «Kropf» (auch Kuppe, Wipfel, Traubenbüschel, Ähre), engl. , ! crop «Spitze, Kornähre, Ernte», anord. kroppr m. «aufgeschnittnes Schlachtvieh, Körper», krof m. «aufgeschnittner Köi-per, Körper», auch mnd. krop m, «Rumpf». Auf m-spr. Bed. «geballte runde Masse, hervorstehende Rundung» weisen die roman. Lehnwörter: ital. groppo m. «Klumpen, Knoten, Haufen», groppa f. «Hinterkreuz des Pferdes», franz. groupe m. «Klumpen, Gruppe», Croupe f. «Kreuz des Pferdes. Bergkuppe, Gipfel»; doch ist es zweifelhaft, ob aUe diese Wörter zu- sammengehören. Vgl. Zupitza 77,82, Schroeder I Btr. 29, 493. 531. Vielleicht ui-verwandt mit gr. -fpuTTÖc «geki-ümmt». ABL. kröpfen, v.: den^rop/" füllen (mhd. krüpfen); krumm biegen, bei Handwerkern (ältemhd.Ä;r«j;/ew, noch bayr. : sich krüpfen «sich krümmen», vgl. Krüppel). kröpfig, kropfig, adj., mhd. /froj?/bÄ^, kropfot, md. kropfecht, dagegen 1537 bei Dasypodius kropffig, 1541 bei Frisius 81 7 '^ kröpfig. Kroppzeug, s. Krop. Kroquet, s. Kroket. Kroquis, s. Kroki. 1 Kröte, f. (PI. -n): dem Frosch ähnliches ' Tier mit Wärzchen. Bei Luther Kröte, mhd, krote, krotte, krot (noch obd. Krot f.), auch kröte, alem. krate, md. krade und krede, krete, clevisch 1477 crade, ahd. chrota und chreta f. Vielleicht stammverwandt mit gr.ßdTpaxoc,ion, ßpöraxoc, ßäGpoKoc m. «Frosch». Als Schelte für einen kleinen bösartigen (giftigen) Men- schen schon mhd. krot f. ZUS. Kröten- balsam, m. : die Bachminze, lat. mentha aquatica, rheinisch (1794 bei Nemnich 2, 550); der bitter-aromatische Saft der Pflanze gilt als heilsam sowohl gegen Bienen- und Wespen- stich als gegen das (vermeinte) Gift der Kröte, Krücke, f. (PI. -n): Stab mit Querholz zum Stützen usw. Mhd. krücke, krucke, ahd, chruckia,kruckai.; dazu. and. krucka f. «Kiücke, Krummstab», mnd. krucke,krocke (auch Werk- zeug zum Zusammenscharren oder Umwenden), ndl. kruk, bei Kilian krucke, ags. cricc, crycc f., I engl, ertlich «Kiücke», wohl verwandt mit anord. krökr m. «Biegung, Bucht, Ecke, Haken», schwed. krok, dän. krog und mit Ablaut ahd. kräko m. «hakenförmiges Werk- zeug». Entlehnung aus lat. crMc(ewi) «Kreuz» wäre nur unter sehr verwickelten Voraus- setzungen möglich. In das Romanische ent- lehnt ital. crocaa f. «Krücke», crotco m, «Haken», franz, Crosse f, (afranz. croce) «Krummstab», croc m, «Haken». ^Krug, m. {-[e]s, PI. Krüge): steinernes, irdenes, hölzernes Gefäß zum Aufbewahren 73* 1159 Krug Krumpel 1160 und Versenden von Flüssigkeiten. Mhd. kruoc (Gen. kruoges, PI. krüege), md. krüg (Pl.krüge), ahd. kruog, kruag (PI. kruaga und kruagi); dazu clevisch 1477 croych, croeghe, ndrhein. im 15. Jh. kroch (Diefenbacb gl. 630*), ags. croc, crog m. Vgl. Kruke. ^Krug, m. (-[e]s, PI. Krüge): Bierschenke, Dorf Wirtshaus, in dem die Gemeindeversamm- lungen stattzufinden pflegen. Norddeutsch, nur hier und da nach Mitteldeutschland vor- geiückt. Aus nd. krög, kroch m., latinisiert 1260 crogo; im 16. Jh. ndl. kroegh m. «Bier- und Wein Wirtshaus». Gegen die Annahme, die Benennung stamme daher, daß ehedem ein wirkUcher oder geschnitzter Krug als Zeichen des Bierschanks ausgehangen war (vgl. Frisch 1, 551^), bleibt das starke Be- denken, daß man in Norddeutschland das Ge- fäß nicht Krug, sondern Kruke (s. d.) nennt, doch liegt die Möglichkeit nahe, daß das Wort vom Niederrhein ausgegangen ist (vgl. ^Krug). ABL. Krüger, m. (-s, PI. wie Sg.): Wirt oder Pächter eines Kruges. Nd. kröger, mnd. kroger, kruger, 1316 als Zuname Krüeger, 1358 in einer obersächsischen Urkunde crüger (Germania 20, 47), ndl. im 16. Jh. kroeger. Kruke, f. (PI. -n)-. großer Ki-ug; irdne Flasche. Im 18. Jh. aufgenommen aus nd. krüke, and. crUka f.; dazu ndl. kruik, bei Kilian 1599 kruycke, clevisch 1^17 cruyke, md. und im 14. Jh. auch am Oberrhein krfiche (daher schles. Krauche f. «Tonkrug»), afries. krocha f., ags. cruce f. und crocca m., engl. crock, anord. krukka f. Desselben Stammes wie ^Krug (s. d.). Aus dem Germanischen entlehnt franz. cruche f. (afranz. auch crue, cruie) «KJrug», kymr. crwc «Eimer», crochan «Topf». Wahrscheinlich alte Entlehnung aus unbekannter Quelle. Vgl. gr. Kpuuccöc m. «Kruke», abg. krugla f. «Becher», alb. karoUe f. «Krug». Vgl. noch Krause. krüUen, v.: aus den (dürren) Schoten lösen, z. B. Erbsen, Bohnen usw. Nd., von waldeck. XruWe f. «Erbsenschote». Wohl ver- wandt mit Krolle (s. d.). Krume, f. fPl. -n): weicher inwendiger Teil des Brotes; die obre weiche, lockre Erde des Ackers (1775 bei Adelung). In der l.Bed. 1616 bei Henisch 516 Grumen, einmal mhd. krume (in tischkrume f.). Ins Hochdeutsche, wo Brosame das eigentliche Wort ist, auf- genommen aus md. im 14. Jh. krume f. (ZfdA. 9, 275), mnd. krame, 1420 auch krume (Diefen- bach gl. 360^), nnd. kröm, kröme f., 1477 clevisch croeme, im 13. Jh. mrhein. der PI. crumene (gl. Jun. 308 Nyerup); dazu ndl. kruim f., bei Kilian kruyme, ags. cruma m., engl, crumb, crum, isl. krumr, kraumr, schwed. kram, inkräm «das Innre, Weiche von etwas, Eingeweide von Vögeln und Fischen, Krumen». Wohl verwandt mit lat. grümus m. «Erdhaufe, Hügel», gr. jpv}iia «Gerumpel, Tischüber- reste». Vgl. Walde. ABL. Krümchen, n., md. 1590 Krömichen, 1616 bei Henisch Zro- michen, 1620 Krümigen (engl. Comedien Cc 5**), nd. krömken n. Krümel, f., 1740 bei Lessing 1, 330 Brodgrümel, 1691 bei Stieler Krümel, 1664 bei Duez Krümel und Krümmel f., um 1480 im Voc. ine. teut. n 7*' kromel, nd. krömel, ndl. kruimel f. ; davon krümeln, v. : in Krü- meln (Krumen) zerreiben, 1505 in der Straß- burger Gemma z7*' krumelen, 1495 in der Kölner Gemma W 3^ crumelen, 1414 grum- meln (Diefenb. gl. 537*', auch 1551 bei Scheidt Grob. 3300 zergrümeln), nd. krömeln, ndl. kruimelen, und das Adj. krüm(e)lig, 1691 bei Stieler krümelicht adv. krumm, adj. (Komp. krümmer, Superl. krümmst, auch krummer, krummst) : von einer und derselben Richtung abweichend. Ältemhd. krumh, krum, mhd. krump (Gen. krumhes), aber auch schon krumm, krum, spätmhd. vereinzelt krumpf, ahd. chrump, crumb, einmal chrumph «gebogen, gewunden, verdreht»; dazu and. krumh, 1477 cleväsch crum, crom, ags. u. afries. crumb, engl, crump. Dazu ablautend ahd. chramph «gekrümmt» u. md. krimp «krumm», vgl. Krampf. ABL. Krümme, f., mhd. knimbe, krümbe, krumme, krümme, ahd. krumbi, chrumpi; dazu and. krumbi f. krümmen, V.: krumm machen, mhd. krümben, krümmen, ahd. chrumben, and. crumben, dagegen mhd. krumben «krumm sein oder werden»; davon Krümmung, f., 1482 im Voc. theut. r5^ krumung, ags. crymbing f. Krummheit, f., 1482 im Voc. theut. r 5^ krumheit f. Krümm- ling, m.: gekrümmt gewachsnes Holz zu Mühlradfelgen (Moser patr. Phant. 3, 249), 1419 im Frankfurter Baumeisterb. 36^ krume- ling, später im 15. Jahrh. krumlhig. ZUS. Krummholz, n.: krummes Holz, bes. beim Fleischer, um geschlachtetes Vieh aufzuhängen. Bei Goethe 50, 9; die Krummholzkiefer. Daher Krummholzöl, n. Bei Geliert. Krumm- stab, m.: Bischofsstab, 1697 bei Besold The- saurus 1, 480, 'dafür mhd. krumber stap. Krumpel, m. (PI. -w): knitterige Falte. Im westlichen Mitteldeutschland. Auch Krümpel, 1161 Krümper Küche 1162 engl, crumple «Runzel, fehlerhafte Falte». Gleichen Stammes wie krimpen, Krampe, Krampf (s. d.). krumpeln, krumpeln, v. : faltig machen, zerknittern, bei Wagner Kinds- mördei-in 12 (lOj verkrumpeln, engl, crumple «ninzelig werden, zerknittern», kmmpe- licht, krumpelig, adj., 1741 bei Frisch krumplig, engl, crumply «ninzelig». Krümper, m. (-5, PI. wie Sg.): ausgebildeter Ersatzresei-yist im preußischen Heere 1808 — 12. Anfangs eine volkstümlich wohl spöttische Bezeichnung. Schon 1478 bayr. krümper m. «Kiüppel» (Liliencron 2,145*^). schles. kremper m, «alter wackliger Kerl», zu mhd. krump, krümpel, krumpeleht «krumm», obd. im 15. Jh. krümpel «Krüppel» (Diefenbach nov. gl. 111^). ZTJS. Krümperpferd, n.: Resei-vepferd, das eine berittne Truppe über ihren Etat hält. Krünitz, s. Krinitz. krunken, V.: stöhnen, ächzen. Bei Luther 7,224% im östl. Mittel- u. Niederdeutschland; engl, cronk «krächzen». Davon krunksen, V.: ächzen, 1680 bei Riemer polit. Colica 154. Krupp, m. (-s): häutige Bräune, s. Krupp- husten. Kruppe, f. (PI. -n): Hinterkreuz, Rücken- erhöhung von den Nieren bis zum Schweife des Pferdes usw. 1678 bei Krämer Kruppe, 1664 bei Duez Kruppe f. Aus gleichbed. franz. Croupe, ital. groppa f. (s. unter Kropf). Krüppel, m. (-S, PI. wie Sg.)r Glieder- gebrechlicher: Verstümmelter; Verwachsner. Bei Luther Krüpel und Kräpel, mhd, krüpel, krüppel, md. krüpel, kruppel, kropil, kropel m.; dazu mndl. cruepel, cropel, crepel, nndl. kreupel, krepel, afries. kreppel, ags. crypel, cryppel, mengl. crepel, engl, tripple, anord. kryppill, krypplingr, neben schwed. krympling, aschwed. krymplinger m. Derselbe Stamm erscheint in Schwab, kröpf, kruft, Schweiz, grupf, grüpf, grüpft und chruft, bayr. krapf, kröpf m.. «kleine schwächliche oder verwachsne Person», älter- nhd. krüpfen «krümmen, biegen» (vgl. Kropf und kröpfen), femer mit Nasal in mhd. krump «krumm» (s. d.), obd. im 15. Jh. krümpel «Krüppel» (s. Krümper). Urverwandt mit gr. TPÜiTÖc «gekrümmt». ABL. krüppelig, adj., 1741 bei Frisch krüpplig, 1734 bei Stein- bach krüplicht, bei Lessing 7, 19 krieplicht. krüppelhaft, adj., 1774 bei Klopstock Ge- lehrtem-epublik 106. Krupphusten, m.: die häutige Bräune. Entlehnt aus gleichbed. franz. croup m., das 1765 durch den Edinburger Arzt Francis Home in seinem Trait^ du croup verbreitet wurde, der das Wort dem volkstümlichen schottischen croup «Bräune, Häutchen» ent- nahm, vgl. engl. Croup «krächzen». Kruste, f. (PI. -n)-. harte trockne Rinde worüber. 1462 kruste, ahd. knista, mrhein. im 13. Jh. croste f. (gl. Jun. 285), aus lat. crusta f. «harte Rinde oder Schale eines Körpers». ABL. krustig, adj., 1691 bei Stieler krusticht. ZTJS. Krusteutier, n.: Schalentier, bes. Krebs. Im 19. Jh. Kruzifix, n. {-es, PI. -e): das Bild Christi am Kreuze. Mhd. crüzifix n., aus mlat. cru- cifixum n., eig. «ans Kreuz Geheftetes». Kryställ, in Österreich und Bayern noch neben Kristall (s. d.). Kuhhe, f. : Möwe. Nordfries, kuh, helgol, koih, engl. cob. Zu gr. 'fv^v, '^vnöc m. «Geier»? Kuböbe, f. (PI. -n): pfefferähnliche in- dische Gewürzbeerenfrucht, mhd. im 13. Jh. kubebe f., clevisch 1477 cohebe, aus ital. cubebe m., von gleichbed. arab. kabäbat. Kübel, m. (-S, PI. wie Sg.): hölzernes Gefäß, das gewöhnlich oben weiter als unten ist. Mhd. kiibel, md. kubel, auch kubbel, kübbel m., ahd. nur im Dim. chubili n., aus mlat. cupellus m., dem Dim. von lat. cüpa f. «Kufe» (s. d. und Kopf). Aus dem Germanischen ent- lehnt abg. küblü m. «Gefäß als Getreidemaß», lit. kübilas m. «Kübel». ABL. Kubier, m. (-5, PI. wie Sg.) : Böttcher. In Südwestdeutsch- land. 1561 bei Maaler Kubier, mhd. kübeler m. Kubfk- in Kubikmeter. Kubikumrzel usw., entlehnt aus franz. cubique adj. «viereckig wie ein Würfel», lat. cubicus, gr. KußiKÖc, von lat. albus, gr. Kußoc m. «Würfel». 1712 bei Hübner Cubic-Zahl, Cubic- Wurtzel. kubisch, adj., 1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, 1, 41* cubisch «wm-fflicht gevierdt». Küche, f. (PI. -n): zum Kochen bestimmter Teil des Hauses. Mhd. küchen, kuclien, auch kuchtn, kuchi. küche, kuche, ahd. cuchina, chuhhina f ; dazu and. koke, mnd. kokene, koke, nnd. koke, koken, ndl. keuken, 1599 bei Kilian kokene, keiikene, ags. cycene, cicen f., engl. kitchen, überkommen aus glbd. volksmäßig- lat. coquina f. (statt culina), dem Fem. des lat. Adj. coquinus «zum Kochen gehörig», von lat. coquere «kochen» (s. d.). ZTJS. Küchen- garten, m.: Gemüsegarten. 1678 bei Krämer. Küchenjunge, m.: Küchenknecht, 1455 in der kursächs. Hofküche, dafür mhd. küchen- knabe, küchenkneht, um 1480 im Voc. ine. teut. nS* kuchenbube. Küchenlatein, n.: 1163 Kuchen Enddelmuddel 1164 schlechtes Latein, Mönchslatein, 1523 bei | Luther Kuchenlatiii. Küchenmeister, m.: 1 Oberkoch, Küchenvorstand, mhd. küchen-, \ kuchenmeister. Küchenschelle, f.: die | Pflanze anemone pulsatilla, 1538 bei Rößlin [ Kuchenschell, Kuschellen, 1546 im Dios- corides72^ Küchenschell; der ani Küche oder Kuh umgedeutete erste Bestandteil liegt in i andrer Gestalt vor in den gleichbed. Namen j Schweiz. Guggelblume Guggüche f. (auf den Kuckuck als Frühlingsboten anspielend), nieder- österr. Arst- (d. h. Erst-) oder Zarschtgucken \ f. und Chigersscheckerl (Höfer Dialektnamen i S. 10 u. 21), und entspricht dem franz. coque- 1 hur de f. «Küchenschelle» (schon 1567 bei Junius 133^, vgl. 1546 bei Bock 156^ m fremhd kraut, das die Weiber Kuchen- oder ' Kuschellen deuten, darum das seine hlumen | den schellen oder Cymhalen gleich sind, • • • | zu tvelsch Codes). I Kuchen, m. (-s, PI. wie Sg.): feinres I Gebäck aus Mehlteig. Bei Luther Küche j und Kuchen (Werke 6, 48 ^ J.), mhd, kuoche, ahd. kuocho m.; dazu mnd. koke, ndl. koek und im Ablaut ags. cecil, cicel m., engl, (seit 13. Jh.) cake, anord.-schwed. käka f., dän. kage, auch ndl. kaek, kaakje. Dieses Ab- lautsverhältnis deutet auf einheimischen Ur- spnmg (man hat in K. ein Wort der Ammen- sprache *kökö gesehen, oder man stellt es zu ^Kufe (s. d.), das wohl «Krummholz» be- deutet hat. Das Gebäck wäre nach der Form des Gefäßes, in dem es gebacken wurde, be- nannt) ; andrerseits legen die auf lat. coquere, cocere «kochen, backen» zurückgehenden roma- nischen Wörter (picard. couque, in der Langue- doc coco, churwelsch cocca, catalanisch coca «Kuchen», ital. cucca «Naschwerk», eig. «Ge- backnes») die Vermutung nahe, daß, wie bei Koch, kochen, Küche (s. d.), auch bei Kuchen Entlehnung aus der römischen Kultur vor- liegt, wobei aber cake n. unerklärt bleibt. Yon diesem cucca, coca usw. kommt durch Ab- leitung ital. Cuccagna, franz. Cocagne, afranz. Coqiiaigne f. «Schlaraffenland», weil dort die Häuser mit Kuchen gedeckt sind. ABL. Küchlein, n., obd. Küchel, m. n.: kleiner Kuchen, mhd. kuochlin, chüchel n.; davon kücheln, v.: Küchel backen, im 16. Jahrh. küchlen, und Küchler, m.: Küchel-, Kuchen- bäcker, im 16. Jh. kucheler, kuechler (Diefen- bach gl. 589'', nov. gl. 282 a), süddeutsch. ZUS. Kuchenbäcker, m., im 15. Jh. kuchenhecker (Diefenbach gl. 248 »). Küchlein, n. (-s, PI. vde Sg.): Junges der Hühnerbrut. Bei Luther Matth. 23, 37 Küchlin, 1605 bei Hulsius Küchlein, im 15. Jh. kuchelin, küchlein, md. 1340 kuchil n. (Fund- gruben 1, 380^), bei Waldis Esop. 4, 53, 13 Keuchel, mit Diminutivendung von md. kuchin (Junges der Tauben), kuchen (jung. Hühnchen), mnd. küken, kuken n. ; dazu mndl. cuken, nndl. kuiken, kieken, 1477 clevisch cuycken, ags.cycen n., engl, chicken, anord. kjüklingr m., schwed. kyckling, dän. kylling, noch urspr. nd. im 15. .Jh. kuke (Diefenbach gl. 393^), ags. coce «Küch- lein», engl. wesfcocA; «Nestküchlein». Zugrunde liegt eine wie franz. coq m. lautmalende ger- manische Benennung des Hahns, ags. cocc m., engl, cock, anord. kokr m., wonach also Küch- lein, eig. «Junges vom Hahn». Vgl. Gockel. kucken, s. gucken, Kücken, Küken, n. (-s, PI. wie Sg.): Junges vom Huhn. Nordd. für Küchlein. Kuckuck, m. {-[e]s, PI. -e): der nach seinem Ruf benannte Waldvogel lat. cuculus; seit dem 16. Jh. auch verhüllender Name des Teufels (zum K, des K.s sein, hol ihn der K). In eig. Bed. bei Luther Kuckuc, mhd. kukuk, gugguc m. (meist jedoch gouch, ahd. gouh, kouch, s. Gauch); dazu mnd. kukuk, 1477 clevisch cuyckcuyck, ndl. koekoek. Das Wort stimmt zwar nicht der Lautverschiebung gemäß, aber doch im Klange überein mit gleichbed. lat. cuculus, bei Horaz cncülus, gr. KÖKKuE, laus.-wend. kokula, poln. kokulka, russ. kukuska, kelt.-bret. kuku, pers. kökäh, aind. kökilas und ist lautnachahraend. Des Kuckucks Küster in Norddeutschland Name des Wiedehopfs, weil er im Frühling mit dem Kuckuck kommt und im Herbst mit ihm wieder weggeht, 1645 bei Colerus Calend. 57 des Giickgucks Küster, nd. kukuks -koster. ZUS. Kuckucksblume, f.: die Pechnelke, lychnis flos cuculi, auch Kuckucksnelke, Kuckucksspeichel, benannt nach dem weißen Schaum auf den Stengeln, der für Speichel des Kuckucks gehalten wurde. Im 16. Jh. bei Chyträus Cap. 115 der PI. kuckushlömen, 1546 bei Bock 152^ Gauchhlum. Kuckucks- uhr, f.: hölzerne Wanduhr mit einem die Stundenzahl abrufenden Kuckuck, 1730 im Schwarzwald erfunden (SchedelWarenlex.376). Kuddelmuddel, m. (-s): Mischmasch. Der erste Teil wohl zu kudeln «xsudeln», nd. koddeln «Sudelwäsche halten», schles. kudeln, kotteln «wirren, zausen», der zweite vielleicht zu Moder, nd. Modder. Erst im 19. Jh. 1165 Kufe küU 1166 *Knfe, f. (PL -n): oben offnes tiefres Daubengefäß. Mbd. kuofe f. «Faß, Bade- wanne», ahd. chuopha, chuofa, ch&pha f. «Faß»; dazu and. cöpa, mnd. köpe, mndl. cüpe f. Entlehnt aus mlat. cöpa, lat. cüpa f. «Faß, Tonne». Vgl. Kopf, Küpe. ABL. Küfer, m. (-S, PI. wie Sg.): Böttcher, der Fässer, bes. Weinfässer fertigt, Faßbinder: Fässerund Wein besorgenderKelleraufseher eines Weinhändlers. In l.Bed. mhd. kiiefer, straßburgisch im 13. Jh. küfere, kuofere, 1263 kueffer f Germ. 20, 47 f. ) : dazu clevisch 1477 cuper, ndl. kuiper, mengl. couper, engl, cooper^ aus mlat. aiparius m. 'Kufe, f. (PI. -«): der vom aufwärtsge- krümmte Schlittenbalken. 1517 österr. Klmeffe f. (Fontes rer. austr. 1,1, 113), tirol. Chiefe f., bayr. Kuefen m., bei Hebel Kife m. Daneben in ältrer Zeit Formen mit ch, ältemhd. Kueche f., 1480 im voc. ine. teut. cc4* schlitkuchen, ahd. chcrlia f. (im Akk. PI. slitochöho), noch bayr. Kuechen f., tirol. Gueche f., Schweiz. Ckueclien m.f., selten Euechen m., dazu götting. kauke, mnd.ÄroÄref. (Schambach 98»). Vielleicht verwandt mit lit. zägre f. «Pflug», zagaras m. «dürrer Ast», zaginai PI., «Pallisaden, Pfosten». Vielleicht gehören auch die unter Kak be- handelten Worte mit Ablaut dazu. Küfer, s. 'Kufe. ^ Kugel, f. (PI. -n): allseitig ki-eisrunder Köiper. Mhd. kugele, kugel f., mnd. und ndl. kogel, ältermd. zsgez. küle f., heute Kaule (s. d.). Wenn g aus to entstanden wäre, vgl. > Jugend, könnte man aind. gölas «Kugel» ver- ' gleichen, das aber auch ganz anders erklärt werden kann. Man könnte auch *klugel als Grundform ansetzen mit Schwund des l durch Dissimilation, und es dann zu knäuel stellen. Das Schweiz. Chrugelm. f. «Kugel, Zusammen- geballtes, Knäuel» (selten Chlugele f.) hat wie chroglen «kolleni, rollen» sein r wohl von rugelen «rollen», Bügele, Rugel f. «Kugel». ABL. kug(e)licht, kug(e)lig, adj., mhd. kugeleht, Anfang des 15. Jh. higlig (Diefenb. gl. 265 bj. kugeln, V.: eine Kugel werfen ( 1482 im Voc. theut. r 7*'), eine Kugel machen (ebd. r6b), wie eine Kugel rollen (Fischart Garg. 147); davon Kugeluug, f.: BaUung (1541 bei Frisius 393'*), Abstimmung mit Kugeln, Ballotage, 1797 bei Heynatz als ziem- lich neu erwähnt. ZUS. Kugelblitz, m.: besondre Form des Blitzes, kugelfest, adj.: fest wider die abgeschoßne Kugel, 1716 bei Ludwig (1648 bei Chemnitz 1, 213* fest). kugelrund, adj., 1691 bei Stieler. -Kugel, f.: Kapuze, s. Kogel u. (higelhopf Kuh, f. (PL Kühe): weibliches Rind, so- bald es einmal trächtig geworden. Bei Luther Kue (PL Küe), mhd. kiio (PI. küeje, küeioe), ahd. chuo, cho (PL chuoe, chiioge, cuawi, chöi), noch im 15. Jh. kuow , kuowe (Diefenbach gL 604^1, md. kü (PL kmce): dazu and. kö (PL köji), mnd. kö, kü (PL köie, köge), ndL koe, afries. kü, ags. cU (PL cy), engl, cow, anord. kyr f., schwed.-dän. ko. Urverwandt mit aind.-aw. gäus m. «Ochs», f. «Kuh», abg. govedo n. «Rindvieh», lett. guoivs, arm. kov «Kuh», gr. ßoöc m. f. «Rind» (Stamm ßoF-), lat. hos m. f. (Gen. bovis) «Rind», air, bö «Kuh». ABL. Küher, m. (-S, PL wie Sg.): Kuhhirt. Schweizerisch. Im 18. Jh. ZUS. Kuhfuß, m. : eiserne Brechstange mit klauen- förmig gespaltnem Ende (bei Ludwig 1716 Kühe fuß); wie Kuhbein scherzhafte Bezeich- nung des Gewehrs (1792 bei Ditfurth bist. Volksl. von 1756—1871 S. 85j. Kuhhandel, m., seit den 90 er Jahren des 19. -Jh. Hohn wort für politische Abmachungen. Vgl. Ladendorf. Kuhhaut, f. RA. Das geht auf keine K «das läßt sich gar nicht alles sagen». 1808 ähnlich bei Campe das läßt sich auf keine K. schreiben, also K. = Pergament. Kuh- horn, n.: Blashorn der Hirten oder Wächter, 1545 bei Uhland Volksl. 639 kähorn, ältermd. kühorn, mnd. köhorn. Kuhreigen, Kuh- reihen, m.: Melodie der Schweizer Hirten beim Beziehen der Berge mit der Herde im Frühling, eig. die sich lang hinziehende Kette der Senner und der Rinder (im 18. Jh. bei Stolberg, Claudius, aber Schweiz, bei Stalder Kühreihen m.). Kuhschluck, m., studen- ! tisch für «tüchtiger Schluck». Kuhstall, m., mhd. kuostal. kühl, adj.: mehr kalt als warm. Mhd. küele, küel, ahd. chuoli, md. küle; dazu mnd, köl, ndL koel, ags. cöl, engl. cool. Desselben ' Stammes wie kalt (s. d.). ABL. Kühle, f., mhd. küele, ahd. chtioli, md. küle f. : dazu a?s. j cele, cyle f. «Frost». Daneben Kühlde, f., i bei Luther Spr. SaL 25, 13 külde, ältermd. I AM We (Herbort 7890), andfrk.a/oZiY/Mzf.«Küble», j nd. kadde, koelte, im Seewesen «frischer Segel- wind», verhochdeutscht Kühlte f. (1793 bei Röding) : verschieden von nd. külde, külle (mit kurzem Vokal), mnd. und md. im 15. Jh. hilde ' f. «Kälte», die sich zu glbd. ags. cyldu, anord. I kuldi m. stellen, kühlen, v. : kühl werden ' oder sein (mhd. kü.elen und kuolen, ahd.chuolen, chuolön, asächs. cölon, ndl. koelen, ags. cölian 1167 kühn Knmme 1168 und Celan, engl, cool, anord. kölna); kühl machen (mhd. küelen, md. Mlen, ahd. chuolan und mit II füi- Ij chuollan, mnd. kölen, ndl. koelen). Dazu Kühlschiff, n. : in Brauereien länglich viereckiges Gefäß zum Abkühlen des gesottnen Bieres, 1775 bei Adelung, in gleicher Bed., um 1480 im Voc. theut. n8* kulscha/f. kühn, adj.: furchtlos trotz Gefahr und Widerstand. Bei Luther küne, mhd. küene, küen, auch koene, md. küne, ahd. kuoni, choni; dazu mnd. köne, küne, mndl. coene, nndl. koen «unerschrocken, verwegen», ags. eine, cyne «kühn, scharf», engl, keen «schai-f, eifrig», anord. köenn «erfahren, kundig, umsichtig, verständig, geschickt». Nach dem Nordischen zu ui'teilen, vielleicht gleichen Stammes wie got.-ahd, kunnan «wissen, können» (s. d.), aber bei den Westgermanen auf die Kriegs- tüchtigkeit konzentriert. Vgl. auch die Be- deutungsentwicklung von lat. ignävus. ABL. Kühnheit, f., mhd. kuonheit, ahd. chuon- heit f. kühnlich, adj., mhd. küenlich. KnjÖn, m. (-S, PI. -e): Schurke. Anfang des 16. Jh. in der Zimm. Chron."^ 2, 531, 35 u. ö. Gujon, 1588 bei Jobs. Nas von der grossen Gloggen zu Erfurdt S. 31 Cuian, im 17. Jh. Gojon (Lauremberg 3, 333) und Coujon (Simpl. 228), über franz. coi'on, aus ital. coglione m. «Memme, Schuft», urspr. aber (wie afranz. coillon, mundartlich-ital. coglione, span. cojon m.) «Hode», abgeleitet von lat, cöleus m. «Hode». kujonieren, v.: jem. fortgesetzt empfindlich plagen, hudeln, 1642 bei Armatus-Rist Rettung der edlen teutschen Hauptsprache A 2^ cujoniren, aus frsLiiz. ( oionner, itsii. coglionare «als Schuft be- handeln, einen Hundsfott heißen». Küken, s. Küchlein. Kukümer, f. (PI. -n)-. Gurke. Im west- lichen Deutschland. 1541 bei Frisius 232 » Cuconhern PI. (1556 Cucuniren), 1546 bei Bock Cucumer, aber in Vokab. des 15. Jh. cucumer «kleiner Kürbis», schon im 13. Jh. bei Wolfram Parz. 145, 29 Kukumerlant Aus lat. cucumis m. «Gurke» (Gen. cucumeris), woher ital. cocomero m. «Wassermelone», franz. concombre m. «Gurke». Durch Kür- zung mrhein. Kummer f., schwäb. Gomnier f., fränk. Kümmerling m. «Gurke». Kukuruz, m. (-[e]s) : der türkische Wei- zen, Mais (s. d.). In Slavonien, Dalmatien, Rumänien usw. Auch tschech. kukuruc m. kulant, adj.: entgegenkommend. 1813 bei Campe noch in der Bedeutung fließend. Im 18. Jh. entlehnt aus franz. coulant «flie- ßend», von couler «durchseihen, rennen, lau- fen» aus gleichbed. lat. cöläre. Davon im Deutschen in neurer Zeit gebildet Kulanz, f. : Entgegenkommen, besonders im Geschäfts- verkehr. Kule, niederdeutsche Form für Kaule (s. d.). Kuli, m. (-S, PI. -s): chinesischer Aus- wandrer, Taglöhner. Eig. Name eines indi- schen Volkes. In der neuern Zeit Schlagwort. Kulisse, f. (PI. -w): Schiebewand der Schaubühne. Aus franz. coulisse f., afranz. co- Ze*ce «Fallgatter», von fram. couleur, s. kulant. Im 18. Jh. entlehnt (Lessing 7, 206). kullern, s. kollern. Kulm, m. (-[e]s, PL -e): oberste Berg- kuppe. In den Schweiz, und kärntn. Alpen, Schweiz. Gulm, Kuhn f. m. (schon 1661 be- legt), kämt. Kolm m. (PI. Köhn). Aus ital. colmo m. «Gipfel», churwelsch culm «Vor- berg», von lat. culmen n. «Gipfel, Kuppe». Als Bergkuppenname im östlichen Mittel- deutschland, im Fichtelgebirge bereits 1469 Chulm und 1282 Kulme m. (Schmeller- 1, 1241), entlehnt aus abg. chlümü, cholmü m., tschech. chlum «Hügel», die vom deutschen Holm stammen. Kult, m. {-[e]s, PI. -e), gekürzt aus Kultus, m. (Gen. ebenso, PI. Kulte) : öflFent- liche Gottesverehrung. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. Cult, im 16. Jh. in der Augsb. Konfession Cultus, aus lat. cultus m. «Pflege, Anbau, Bebauung, Ausbildung, Verehrung einer Gottheit», zu lat. colere «bearbeiten, pflegen, verehren», kultivieren, v.: an- bauen, pflegen, höher ausbilden, 1714 bei Wächtler cultiviren, aus franz. cultiver, mlat. cultivare, von lat. cultus m. Kultur, f. (Pl.-en): Anbau, angebaute Fläche, (Geistes-) Büdung, im 18. Jh. Gultur, aus lat. cultüra f. «Landbau, Ausbildung»; dazu Kulturge- schichte, f., hervorgerufen durch Adelungs Geschichte der Cultur 1782. Kulturkampf, m., schon 1840 nachgewiesen, aber erst 1873 durch Virchow politisches Schlagwort. Kumme, f. (PI. -n): tiefe Schale, tiefer Tischnapf (bei Claudius, Voß). Aus dem nd. kumm f., daneben kump, kumpen f. «Schale, Napf, Trog», kummen, kumme f. «Kasten» (daher kumpwagen m. «Kastenwagen», kumm- karre f. «Schiebkarre mit Kasten»), ndl. 1599 bei Kilian koni f. «tiefe Schüssel», mnd. kumme und Schweiz, chumme f. «Zisterne». Verwandt mit Kumpf (s. d.). 1169 Kümmel Enmpf 1170 Enmmel, m, (s, PI. wie Sg.): die in Dolden blühende Pflanze lat. cuminum und ihi-e als Gewürz benutzten Samenkörner. Mhd. kümel m., md. im 1.5. Jh. komel, ahd. kumil aus kumin (vgl. ZfdW. 6, 185), noch ahd.- mhd. kumin m.: dazu and. kumin, ags.cynien m. n., engl, cunimin. Entlehnt aus gleichbed. lat. cuminum, gr. kuuivov n. : Name und Pflanze aber stammen aus dem Orient, hebr. kammön, arab. kammün. Ahd. Nebenformen sind kumi und kumich, mhd. kume, küme, kumich, kü- mich m., noch oberd. kümi, küm, kumich m. KÜmmelblättclien, n.: gaunerisches Hasardspiel mit di'ei Karten. Kümmel- statt Kimm^l-, aus gimmel, in der Gaunersprache «drei», von hebr. gim£l, Name des dritten Buchstaben (g) und zugleich Zahlzeichen für 3. Kümmeltürke, m. (-n, PL-w): Student aus der Nähe der Universitätsstadt, besonders bis etwa zwei Meilen von dieser. In der Studentensprache, urspr. in Halle a. S., «aus der Umgegend, dem Saalkreise (wo starker Kümmelbau betrieben wird) gebürtiger Stu- dent». 1781 bei Kindleben. ^Kummer, m. {-s, ohne PI.): Schutt, Bau-, Steinschutt (im westlichen Mittel- und Norddeutschland); angreifende, zehrende Be- trübnis worüber; gerichtliche Haft, Arrest (hessisch). Mhd. kumher, md. kummer, kumer, kommer, mnd. kummer m. «Aufschüttung, Schutt», auch als «Hemmung» oder «Hinder- nis», daher in übertragner Bed. im Rechts- leben «Beschlagnahme, Arrest», und daraus bildlich in allgemeiner Bed. «Beschädisungr, Wunde, Belastung, Bedrängnis, Mühsal, Not, bedrückende Sorge, Gram». Im westlichen Deutschland hervorgegangen aus der Ver- mischung eines germanischen mit einem romanischen Wortstamme: einerseits anord. kuml. kumbl n. «aufgeschütteter Grabhügel, Grabmal», auch «Denkmal, Denkstein, Marke, Zeichen überhaupt», schwed. ÄumbeZ, kummel n. «Steinhaufen als Wahrzeichen für Schifi"er», asächs. kumhal n. «Himmelszeichen», ags. cumbol, cutnbl, cuml n. «Zeichen», bes. «kriege- risches Feldzeichen», auch «Wundzeichen, Wunde»; andrerseits das unerklärte früh- mlat. cumbrus, combrus m. «Haufe abgehau- ner Äste, Verhau, hemmende Aufschüttung, dämmend Eingerammtes im Flusse zu Fisch- hegung und Fischfang», woher franz. combre in encombre m. «Schutt, Bauschutt, Hinder- nis», encombrer «versperren, beschweren, be- trüben», ital. ingombro m. «Hindernis», in- Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. ' gombrare «den Weg sperren», portug. combro m. «Erderhöhung», comoro m. «Deich». ABL. kümmerlich, adj., mhd. kumberlich «schwer bedrängt, kummervoll», Schweiz. 1420 kumber- : lieh «verhaftet» (Weist. 4, 390). kümmern, ' V., mhd. kumbern «belästigen, in Not bringen, bedrängen», md. im 15. Jh. kummern, kommern «mit Arrest belegen», sich kümmern «sich um etwas bemühen». Kümmernis, f., mhd. kumber-, kümbernis, chumernusse, kümmernüss f. n. «Bedrängnis». ZTJS. kummerTOU, adj., im 17. Jh. bei A. Gryphius Leo Armenius 5, 51. -Kummer, f. (PI. -n), bayrische Schrei- bung füi- Kuktiyner (s. d.). Kümmerling, s. Kukum^. Knm(me)t, n. (-[e]s, Pl.-e): den Hals um- schließendes Geschirr des Zugpferdes. Mhd. ko)nat m. n., später kommot, kummot, kommet, kumet, im Vl.Sh.chomat, entlehnt aus slaw.-abg. chomqtü m., poln. chomM m. und chomc^to n., russ. chomutü m., tschech. rhomout m., die wiederum dem Altgermanischen entstammen: ahd. Äawio m. «Kappzaum für wilde Pferde», I 1537 bei Dasypodius kühamvie, küicham, kam- [ tvide «hölzernes Halsband der Kühe zum An- : binden an die Krippe», ndl. 1599 bei Kilian koehamme und koekamme, auf der Eifel harnen m., nd. ham, engl, hame «Kummet». Vgl. Lagercrantz KZ. 34, 399. Knmp, s. Eumpf. Knmpän, m. (s, PI. -e): Genosse. Schon mhd. kompän. kumpän, mnd. kumpän, kumpen, anord. kumpänn m.: im 16. — 18. Jh. gekürzt Kumpe, Kontpe, Kump m., im 18. Jh. (Bürger, Voß, Kindleben) erneuert Kumpan. Aus prov. und afranz. compaing, ital. compagno m. «Ge- fährte, Gesellschafter», von mlat. companio m. eig. «Brotgenosse», zu lat. pänis m. «Brot» (s. Compagnie). Ähnlich im Ahd. gimaggo m. «Tischgenosse» (von ahd. tnag n. «Speise») und galeibo, got. gahlaiba m. «Genosse» (von ahd. leip, got. hlaifs m. «Brotlaib»), Kumpell, m. (-S, PI. wie Sg.), s. Kump. Kumpf, m. (-[e]s, PI. -e und Kümpfe): tiefe Schale, tiefer Napf; Trockenmaß, fiiiher •^/jg Malter. Auch Kump und Kumpen m., aus deraNiederd. ins Hochd. eingedrungen, daneben Kumpe f. Mhd. kumpf, komph, md. und mnd. kump, komp m. «Gefäß als Fruchtmaß, Trink- schale» (davon mnd. kumpere m, «Faßbinder, Küfer»), im Mhd. auch «tiefes hölzernes Ge- fäßchen des Mähers zum Mitführen des Wetz- steins», im 16, Jh. bergm. Kumpjf m. «Poch- . trog für Erze» (1562 Mathesius Sarepta 141*), 74 1171 Kumt Kunkel 1172 noch jetzt in Walkmühlen Kump m. «Stampf- trog», Schweiz. Chmnpfm. «Mörser zum Stam- pfen», ebenso nd. im 15. Jh. kump (Diefen- bach gl. 368"); dazu ags. ciimh m. «Getreide- maß», engl. comb,coomh. Verwandt mit Kumme (s. d.). Dieselben Laute zeigen aind. kiimhhäs «Topf, Krug», awest. xumbö m. «Topf», npers. Xumb, gr. KÜiaßoc m. «Gefäß, Becher», KÜiußri «Boot, Nachen». Ob und wo hier Entlehnung stattgefunden, läßt sich nicht entscheiden. Vgl. Humpen. Kumt, s. Kummet kund, adj. (aber nur in prädikativer Stel- lung und in gehobner Rede) : zur Wissenschaft wovon kommend oder gekommen. Mhd. kunt, auch künde, künde, ahd. kund: daza asächs. cüd, mndl. cont, ags. cüß, engl, couth in uncouth «unbekannt», anord. kunnr, kUdr, got. kunps «bekannt». Urspr. Part. Prät. von got.-ahd. kunnan «kennen, wissen» (s. können und vgl. kalt, traut, tot), aber schon im Ahd. mit völlig adj ektiv. Geltung. ABL. kündbar, adj.: be- kannt, 1541 bei Frisius 21 2 ^ kuntbar. Kunde, m. (-n, PI. -n): der in einem Geschäft Be- kannte, der dort kauft oder arbeiten läßt (1570 bei Fischart Nachtr. 1277; auch f., 1716 bei Ludwig) ; Kerl, Kumpan (spöttisch tadelnd im 16. Jh. bei H. Sachs Fab. 273, 9, oft bei Fischart, Scheidt Grob. 705). Mhd. künde, ahd. kundo m. «Bekannter», ags. cüpa m. «Bekannter, Freund, Verwandter», die schwache Form des Adj. kund. Kunde, f. : Kenntnis wovon, Bekannt- schaft womit, mhd. künde, md. u. mnd. künde, ahd. chundi in unchundi f. künden, v. : kund- tun, von den Dichtern des ausgehenden 18. Jh. wieder aufgebracht, mhd. künden, künden, ahd. kundan; dazu asächs. cüäian, mnd. künden, ags, cydan, anord. kynna. kundig, adj.: kennend, wissend, mhd. kündec, kündic, kündig «be- kannt, erfahren, klug, geschickt, listig», im 15. Jh. chundig, kundig «kennend», ahd. chun- dig «bekannt, klug, schlau»; dazu mnd. kun- dich «kennend, bekannt», ags. cydig «bekannt», anord. kunnigr «bekannt», kyndugr «klug, schlau», kündigen, v.: kundtun, von den Dichtern um 1800 wieder aufgenommen, mhd. kündigen; die Auflösung eines Vertrags an- sagen, statt aufkündigen, 1808 bei Campe. kündlich, adj.: offenkundig, im 18. Jh. alter- tümelnd bei Bürger, Claudius usw., mhd. kunt- lich, im 15. Jh. küntlich, ahd. adv. chundlihho. Kundsame, f.: Kundschaft. Mhd.kuntsame f, «beeidigte Sachverständige, Schiedsrichter, ihr Ausspruch». Schweizerisch. Kundschaft, f. : Kunden eines Kaufmanns. Mhd. kuntschaft f. Kenntnis, Nachricht, Erforschung, Aussage, Auskunft, Beglaubigung, Zeugnis, Bekannt- schaft, mnd. kuntschapt: davon kundschaf- ten, V.: spionieren, spätmhd. kuntschaften. Kundschafter, m.: Spion, spätmhd. kunt- schafter m. ZUS. Kundmachung, f.: Be- kanntmachung, 1691 bei Stieler, amtlich in der Schweiz und Österreich. Kunft, f. (PI. Künfte) : das Kommen. Mhd. kunft, kumft, ahd. quumft (in üfquumft), chumft (V\. chumfti), chunftt «Zu-, Ankunft», got. gaqumps f. «Zusammenkunft, Versamm- lung». Verbalabstraktum zu kommen (s. d.), mit eingeschobnem f wie in Brunft, Ver- nunft, Zunft. Daneben mit ableitendem -st mnd. kumst, kamst, kompst f., im 14. Jh. bayr. kunst f. ABL. künftig, adj., mhd. künftic, kümftic, md. kunftic, kunfiec, kumftec, auch kumstic, ahd. kumftig, künftig «was kommen, sich ereignen wird». kungeln, s. kunkeln. Kunigunde, Frauenname, mhd. Küni-, Künegunt, ahd. Chunigund, -gunt, von ahd. kunni, got. kuni n. «Geschlecht, Stamm», und ahd. gunt f. «Kampf, Krieg». Latinisiert Chunigunda, Chunigundis, auch Cunegondis, woraus franz. Cunegonde, woher bei Schiller (Gang nach dem Eisenhammer) Kunigonde. Kunkel, f. (PI. -n)-. Spinnrocken, Spinn- rockenstock; Spinnstube (1612 bei Albertinus Schauplatz 300, kunkelstube Zimm. Chron.^ 4, 9, 22 von 1547); Weibsbild (schwäb. bei Schmid 333). Schwäb.-alem.-rhein., auch ndl. In l.Bed. mhd. kunkel, 1468 gunckel (Dietenh. nov. gl. 102*', auch bei Keisersberg), im 15. Jh. an der Saar konkel, ahd. chonacla, chuncula (ZfdA. 8, 470'', 9^), kuncliela, chunchla f.; dazu ndl. konkel, kunkel f. Aus gleichbed, älter- mlat. conucula f. statt *colucula, dem Dim. von lat. colus m. f. «Spinnrocken», woher auch das gleichbed. ital. conocchia f., afranz. conoille, nfranz. quenouille f., altir. cuicel. Selten Kunkel als Mask. (Grillparzer [^Sauer] 6, 171, schon bei Rädlein, Schottel und 1534 bei Franck Weltb. 15b). ABL. kuukelu, kungeln, v.: heimUch zusammenschwatzend Pläne oder Ränke schmieden (bei Bürger Macbeth) ; heim- lichen Kauf- und Tauschhandel machen oder vermitteln (daher Kinkelweib n. «heimlichen Handel besorgendes oder vermittelndes Weib»). Mrhein. und nd., von der Kunkelstube her- genommen, zuä. Kunkellehen, n.: Lehen, das auch den weiblichen Nachkommen einer 1173 Kirnst Kuppe 1174 Familie übertragen werden kann (die Kunkel als Sinnbild des Weibes, wie das Schwert als Zeichen d. Mannes), 1575 bei Fischart Garg.434. Knnst, f. (PI. Künste) -. das Wissen worin mit ausgebildeter Geschicklichkeit: Wissen- schaft (mhd. die siben frien künste Renner 10036); die Darstellung des Schönen (1727 bei König zu Canitz Ged. 233 die schönen Künste nach franz. les heaux arts, bei Luther 2 Chron. 3, 10 der Bildener Kunst, 1482 im Voc. theut. r 7 * kunst des gesangs, als Begriff vollendeter Schönheit schon mhd. diu gotes kunst Parz. 123, 13): im Bei'gbau die zum Fördern aus der Tiefe verwendete Maschine, bes. zum Heben des Wassers (im 15. Jh. Weisth, 2, 797), auch bei Wasserleitungen (1517 bei Trochus 0 4*). Mhd. kunst (Gen. und PI. künste), alem. konst, ahd. chunst (Gen. und PI. chunsti) f. «das Wissen, Kenntnis, Weisheit, Geschick- lichkeü»; dazu mnd.-ndl. cunst, afries. konst f. (abweichend gebildet anord. kunnasta f. «Ver- mögen, Fähigkeit»). Verbalabstraktum zu können (s. d.) mit s wie in Brunst, Gunst. Gleiche Büdung in lit. pa-zintis f. «Kennen, Kenntnis». ABL. künsteln, v.: im 16. Jh. bei S. Franck Lob der Thorheit 105^ künstlen. Künstler, m., im 16. Jh. bei Aventin 4, 1181, 15 und Seb. Franck Chron. (1531) 243% dafür im 15. und 16. Jh. künstner, künster, kunster, mnd. kunstener, kunster, noch ndl. hmstenaar m. (entlehnt schweä. konstnär, däp. kunstner): dazu Künstlerin, f , 1595 im 24, Buche des Amadis 540, und künstlerisch, adj., 1786 bei Haas teutsch-franz. Wb. 1, 1863. künst- lich, adj., mhd. künstlich, knnstlos, adj., mhd. künste-, kunstelos, Anfang des 15. Jh. bei Vintler kunstlos. ZUS. kunstfertig, adj. : kunstgeübt, 1575 bei Fisch. Garg. 278. Knnst- form, f., 1663 bei Schottel 842. kunst- gerecht, adj., 1808 bei Campe als neues Wort. Kunstgriff, m., 1641 bei Schottel 366 aus Luther. Kuustliebhaher, m., 1558 bei Rivius Büxenmeisterey 3, 2, 17^. Kunst- pfeifer, m., 1673 bei Weise Hauptverderber 34. kunstreich, adj., mhd. künsterich, 1495 bei Reuchlin Demosthenes 1. olynth. Rede Widm. konstreich. Kunstreiter, m., 1691 bei Stieler. Kuustricllter, ra., 1740 bei Bodmer. Kunstsprache, f.: kunstvolle Sprache (1691 bei Stieler); technische Sprache (1775 bei Adelung). Kunststück, n., 1576 bei Fischart (Kloster 10, 973). Kunstwerk, n., 1578 bei Fischart Ehz. Q4^ und in Scheibles Kloster 10, 973, dafür um 1480 bei Melber b5* ein wer-ck der kunst. Kuustwort, n., 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, 215 u. 1641 bei Schottel 366. kunterbunt, adj.: bunt durcheinander, verworren. 1645 bei Zesen Ibrahim 4 kunter- bunt, bei Wieland Schach Lolo 65 konterbunt, aber 1499 bei Lenz Schwabenkrieg 1^ conter- bunt und Acta germ. 1, 262, Xr. 27 in einem Liedchen von der Altenburger Bauernkii-ms Spelmon, spon du deine Saita, daß es klingt fein contrabund, 15. Jh.) noch deutlich von dem Stimmendurcheinander eines kontrapunktisch geführten Musiksatzes (s. Kontrapunkt). Kunz, urspr. Kosename für Konrad (s. d.). RA. Hinz oder Kunz «der oder jener», 1501 im Alsfelder Passionsspiel 1 12 Heincz adder Concz. Küpe, f. (PI. -n): großer kupferner von innen überzinnter Kessel zum Indigofärben: dann die aufgelöste Farbe. 1775 bei Adelung, aus nd. küpe, kupe f. «Kufe, Bottich», älter auch kope, im 15. Jh. cupe, ndl. kuip f «Bütte, Faß», wie Kufe (s.d.), entlehnt aus lat. cUpa f. ZUS. küpenblau, adj.: indigoblau. Kupee, deutsche Schreibung für Coupe, s.d. Küper, m. (-S, PI. wie Sg.): Küfer (s. d.), aus nd. küper m. Kupfer, n. (-S, PI. wie Sg.) : das bekannte rötliche MetaU: Kupferstich (1691 bei Stieler): roter finniger Fleck im Gesicht (im 17. Jh. bei Abr. a S. Clara). In urspr. Bed. mhd. knpfer, kopfer, Österreich, im 11./12. Jh. chofer, ahd. kuphar n.: dazu mnd. kopper, ndl. koper n., ags. copor n., engl, copper, anord. koparr m., schwed. koppar, dän. kobber. Aus spätlat. cuprum, älterlat. cyprium n. (eig. cgprium aes «cyprisches Erz»). ABL. kupf(e)richt, kupf(e)rig, adj., 1664 bei Duez kupfferigt (auch von bleibender Gesichtsröte), 1562 bei Mathesius Sar. 105* kupfferig, 98^ küpfferig. kupfern, adj., im 16.— 18. .Ih. auch küpfern, mhd. kupferin, ältermhd. chuphirin, mnd. kop- pern. ZUS. kupferrot, adj., mhd. kopher- röt. Kupferschmied, m., mhd. kupfersmit. Kupferstechen, n., 1575 bei Fischart Garg. 294. Kupferstecher, n., bei Fischart Pract, Großm. (1607) 0 2*^. Kupferstich, m.: das in Kupfer gestochne Bild (1644 bei Hars- dörffer Gespr. 1, 82). kupieren, v.: abtrennen, durchlochen. In diesem Sinne erst im 19. Jh. nach franz. couper, s. Coupe. Das Partizip kupiert, adj.: zerschnitten. 1813 bei Campe. KupÖU, s. Coupon (so noch amtlich geschrieben). Kuppe, f., (PI. -n): Spitze, insbesondre Bergspitze. In das Schriftdeutsch im letzten 74* 1175 Kuppel Küraß 1176 Viertel des 18. Jh. aus der md. Volkssprache aufgenommen, 1687 bei Zesen (des helikon. Näglein -Tahles dritter Vorbericht 5) Kubhe «Kopf der Gewürznäglein», md. im 14. Jh. kwppei. «Berggipfel, Gipfel», welche Bed. aus mhd. kuppe, ahd. chuppa f. «Kopfbedeckung unter dem Helm, Haube» hei-vorging, dies wohl entlehnt aus lat. cuppa f. «Tonne, Becher» (neben cupa, s. Kopf, Kufe) und nach der Ähnlichkeit auf die rund anschließende Kopf- bedeckimg übertragen. Daneben mithochd.jp/" mhd. kupfe, kuffe, gupfe, ahd. chuppha f. «Kopf- bedeckung unter dem Helme», und mhd. gupfe, gupf m., «Gipfel des Berges, Spitze des Turmes». ABL. kuppen, v.: die Kuppe abhauen oder abschneiden, 1691 bei Stieler. ^Kuppel, f. (PI. -n): halbkugelai-tig ge- wölbtes Dach. 1678 bei Krämer Cupel, 1711 bei Rädlein Cupel, Koppel f. Aus glbd. ital. cupola f. (daher franz. coupole), mlat. cupula, cuppula f. «Becher», Dim. von lat. cüpa f. «Tonne, Faß», cuppa f. «Tonne», ital. coppa f. «Becher» (s. Kopf). Dies Dach wm*de nach der Gestalt eines, umgestürzten Bechers benannt, '^Kuppel, f.: Koppel (s. d.). ^Kuppel, m. (-S, PI. wie Sg.): Kuppelei, bei Lessing 2, 445. kuppeln, v.: zu einem Liebesverhältnisse, zu außerehelicher Zusam- menkunft zusammenführen. 1353 kuppeln (Städtechron. 9, 1021, 3). Eine besondre Bed. aus mhd. kuppeln «an ein Band legen, verbinden», von lat. cöpuläre «zusammen- binden» (s. koppeln). ABL. Kuppelei, f., 1678 bei Krämer. Kuppler, m., mhd. im 14. Jh. kuppeler, kuppler m.; davon Kupplerin, f., mhd. im 14. Jh. kupplerin, Kupplerei, f., im 15. Jh. kupplerei (ZfdA. 8, 540, 109), kupp- lerisch, adj., 1605 bei Albertinus Lustg. 228 kuplerisch. ZUS. Kuppelpelz, m.: Ehrenlohn für- Stiftung einer Heirat, 1711 bei Rädlein. ^Kur, f. (PL -en): Wahl, Erwählung. Mhd. kür, küre, im 12. Jh. auch chure, chur, md. kur, kure, ahd. churi f. «Prüfung, prüfende Wahl, insbesondre Königswahl» (mhd. auch schon «die Kurfürstenwürde», die siben kür Lohengrin 1962); dazu mndl. eure, core f. und als Mask. ndrhein. im 13. Jh. kure, mnd. köre, auch md. kure, kur, köre, mndl. core, ags. cyre «Wahl». Substantiv zu kiesen (s. d.). Die umgelautete Form noch in Willkür (s. d.). Das anlautende oberd. ch, das in den letzten Jahrzehnten des 15. Jh. aufs neue geltend wurde, hat sich von der Kaiserwahl in der altertümlichen Schreibung Chur bis ins 19. Jh. erhalten. ABL. küren, v. (Prät. kürte, Part, gekürt): wählen, 1616 bei Henisch 603, t 62, in urspiünglicherer Bed. aber 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 3, 42 nach Hasen i küren «auf Hasen lauern, ihnen nachstellen», j ostfries. küren «scharf hinsehen», mndl. coren I «wartend blicken», kürisch, adj.: wählerisch, bes. in leckeren Speisen, 1786 bei Bode Thomas Jones 2, 241 kührisch, aus md. und nd. Mund- arten. ZUS. Kurfürst, m. (-en, PI. -en): Wahlfüi'st des deutschen Reiches, mhd. Anf. des 14. Jh. kurfurste (Ottokars Reimchr. 12529 neben kurherre 12087), 1338 kürfürste (Höfer ' Urk. S. 327), md. kor forste (Ködiz Ludw. 6) ; ] davon kurfürstlich, adj., mhd. im 14. Jh. kurvürstlich, und Kurfürstentum, n., mhd. 1340 kurfürstentuom. Kurhut, m.: roter j mit Hermelin ausgeschlagner Hut als Zeichen 1 der Kurfürstenwüx'de, 1631 das Dim. Chur- \hütlin bei Opel und Cohn 30 j. Kr. 320, 8. Kurprinz, m. : Erbprinz in einem kur- j fürstlichen Hause, 1678 bei Krämer Chur- printz. Kurschwert, n., die zwei kreuzweis gelegten Schwerter im kurfürstlich sächsischen Wappen als Zeichen des Reichs-Erzmarschall- ■amts, 1740 bei Frisch der PI. Chur schw erder. Kurstaat, m.: Kurfürstentum, 1808 beiCampe. 1 ^Kur, f. (PI. -en): ärztliche Behandlung, Heilung. 1557 bei Heußlin Vogelb. 122^ und ! 1616 bei Henisch Cur, aus glbd. lat. cUra f., zunächst* «Sorge». Vgl. kurieren. ZUS. Kur- pfuscher, m.: wer ohne staatliche Appro- bation Kranke heilt. Erst in neurer Zeit. [ Kurschmied, m. : Hufschmied, der zugleich die Kur des Pferdefußes usw. versteht, Tier- arzt, 1775 bei Adelung Curschmid. kuränt, adj. : geläufig, gangbar (als Münze). Das franz. courant «laufend, gang und gäbe», Part. Präs. von cownV (aus lat. CMrr^re) «laufen». I Im 17. Jh. entlehnt (1703 im Zeit.-Lex.). kuränzen, v.: züchtigen, runtermachen, hart anfahren; auch umherrennen. In den ' Mundarten weitverbreitet. Daneben koranzen i (1785 bei Voß. Ged. 1, 294), karanzen (thürin- I gisch), kurrenzen 1673 bei Weise Erzn. 146 j Nach Schröders einleuchtender Auseinander- ' Setzung (Streckformen 106) Streckform zu ! kränzen, eig. im Kranz (Kreise) herumtreiben. Küraß, m. (Gen. -sses, PI. -sse): Panzer, : Brustharnisch. Im 15. Jh. küraß (Sachsen- ' heim Mörin), kicrisz (Janssen Reichscorr. 1, 474 von 1439), mpist küriß, mnd. kuresser, '• koritz, koritzer m., urspr. wohl «Lederpanzer», i aus fi-anz. cuirasse f. «(Leder-)Panzer», prov. 1177 Knrat Snrs 1178 coirassa, ital. carazza f., vom lat. Adj. coriaceus «ledern», zu lat. corium n., franz. cuir m. «Leder». ABL. Kürassier, m., {-s, PI. -e): mit Kiiraß bekleideter Reiter. Xach glbd. franz. cuir assier m. 1740 bei Frisch Küraßier, im 17. Jh. Kürassirer und Kürissirer, 1664 bei Duez 1, 223^ Kürissier, 1654 bei Logau 2, 4, 82 Curassirer, im 15. u. 16. Jh. Kürisser (Liliencron 2, 93 von 1476), kuresser (Städte- chron. 5, 195, A. 1 vom J. 1450), md. 1517 bei Trochus F 2 * koritzer m. Kurät, m. (-en, PI. -en); katholischer Geistlicher. Neulateinische Bildung von lat. curare «sorgen», entsprechend dem glbd. franz. eure m. In Tü-ol. Kuratel, f. (PI. -en) : Schutzpflege eines Kurators. Im 18. Jh. aus mlat. curatela f. «Vormundschaft». Kurator, m. (-5, PI. -en) : amtlicher Vorstand und Ver- treter einer Körperschaft in Verwaltungs- sachen^ Rechtsvorstand, Vorsteher eines zur eigenen Vermögensverwaltung Unfähigen. Im 16. Jh. Curator (Reichsordn. 197* von 1521), aus lat. cürätor m. «Besorger, Vormund». Klirbe,f. (Pl.-n): Kurbel. 1768 bei Moer- beek Kurhe, 1687 bei Hohberg 1, 101 ^ Eürhe f., rhein. im 15. Jh. korbe (Diefenb. gl. 263^), in den Fastnachtspielen des 15. Jh. 748, 14 der Dat. kurm d. i. kurbe «gebogner Hand- griff am Schleifstein», mhd. kurbe, ahd. curba f. «Winde am Ziehbrunnen», 1541 Schweiz, der PI. Garben «Schiffsrippen» FrisiUs 227* und noch heute Grürbe m. f. «Schiffsrippe, krummer Handgriff an der Sense, Kurbel am Rad». Entlehnt aus franz. courbe f., von lat. curvus «gekrümmt». Davon Kurbel, f. (PI. -n): krumm gebogne Handhabe zum Drehen eines Dinges, 1775 bei Adelung Kurbel, 1748 bei Geßner Buchdruckerkunst 436 Gorbel, 451 Gorbel «Handgriff», 1562 bei Mathesius Sar. 207'' körbel, vielleicht schon im 15. Jh. kwhel, körbel (Diefenbach gl. 273*). Kürbis, m. (Gen. -sses, PI. -sse) : Ranken- gewächs und Frucht, lat. Cucurbita. Bei Luther Kürbis, Körbis, bei Dasypodius 1537 Kürbiß, Kürps, mhd. kürbig, kürbeg, kürbg m. (selten n.), ahd. churbi^, curbi^ m. (selten f.); dazu and. (entlehnt) kurbiz, mndl. im 14. Jh. curvete, ags. cyrfcBt, cyrfet m. Aus glbd. lat. Cucurbita f. i küren, Kurfürst usw., s. Kur, Kuriälstil, m. (-s): die gerichtliche, Kanz- leischreibart. Kurial- aus dem lat. Adj. cMriäZis (spätlat. «zum kaiserl. Hof gehörig») von lat. curia f. «Senatsversammlung» usw. Kuriä- ; lien, PI. : Förmhchkeiten des Kanzleistils bei einem Gerichtshofe, 1714 bei Wächtler, aus ; cüriälia, dem Neutr. PI. das lat. Adj. cüriälis. Kurier, m. {-s, PI. -e)-. Eübote. Mhd. kurrier, kurier m. «Läufer», aus franz. courrier m.., von franz. courir, lat. currere «laufen, eilen». ZUS. Kurierzug, m., im 19. Jh. kurieren, v.: ärztlich behandeln, heilen. 1557 bei Waldis Esopus 4, 23, 84 curiern, aus glbd. lat. curare, eig. «Fürsorge haben für jem.». Vgl. ^Kur. kurios, adj.: seltsam, verwunderlich. Im 17. Jh. curiöß «begierig, neugierig, geschäftig» (Nehring 1694), aus franz. curieux «neugierig, sonderbar», von lat. cüriösus «sorgfältig, allzu sorgsam, wißbegierig, neugierig», zu lat. cüra f. «Sorge, Sorgfalt», während am Ende des 18. Jh. curios (Goethe 1773 [im Götz] 8, 23) wieder auf lat. cüriösus zurückging. Kuriosität, f., (PI. -en): Neugier, Wißbegierde (1620 bei Albertinus Lustg. 195 Curiositet); Seltenheit, die Neugier anregendes Ding (1673 bei Weise Hauptverderber 17). Aus lat. cüriösitas f. «Wißbegierde, Neugierde». kürmeln, v.: lallend sprechen (Opitz2,93); mit verliebtem Tun leise reden, freundlich verliebt murren (bei Lohenstein Arm. 1, 92 kirmeln): miteinander schön tun, kosen (bei Sperontes singende Muse 1, 74 kümieln). Noch schles. kirmeln, Schweiz, chirmen «lallen». kurren, v.: in tiefem Ton laut werden, wie kirren (s. d.) in feinerm. Vom wohl- behaglichen Schnurren der Katze 1788 bei Bode Thom. Jones 4, 325, 1562 bei Mathesius Sar. 309'' murren und kurren, mhd. kurren «grunzen», mndl. curren (von der Turteltaube). ABL. kurrig, adj. : zu neckischem Mutwillen aufgelegt, leicht reizbar, leicht zoniig. Von Bürger etwa 1773 aus nd. Mundarten in die Schriftsprache eingeführt. Kurrende, f : das Singen armer Schüler von Haus zu Haus um milde Gaben. Zu lat. currere «laufen». Current f. in der kur- sächsischen Schulordnung von 1580, Currente f. 1740 bei Frisch, Gurrende 1775 bei Adelung. Kurrentschrift, f : die gangbare (lau- fendej, gewöhnHehe deutsche Schreibschiift 1562 bei Mathesius Sar. 79* Current f., 1582 bei Fischart Garg. 277 Current- Schrifft. Aus lat. currens (Gen. currentis), dem Part. Präs. von currere «laufen». kurrig, s. kurren. Kurs, m. (Gen. -es, PI. -e): Lauf, Weg (des Schiffes, 1557 bei Waldis Esopus 2, 30, 87 1179 Kurschmied kurz 1180 Curs); Gang einer Münzsorte; laufender Geld- j wert, Wechselhöhe (bei Nehrmg 1694 Cours); Lehrgang, Zeit eines abgeschloßnen Lehr- ganges (bei Krämer 1678 Curs). Aus lat. I cur ms, franz. cours m. «Lauf». Davon kur- sieren, V. : im Umlaufe, gang und gäbe sein, j bei Lessing 8, 31 cursiren. Kursivschrift, f.: schräge lateinische Schrift. 1714 bei Wächtler Gursivschrift, 1694 bei Nehring cursiv «ge- schobne Schrift», aus glbd. mlat. cursiva f. Kurschmied, s. -Eur. Kürschner, m. (-5, PI. wie Sg.): Hand- werker in Pelzwerk. Statt urspr. s mit un- organischen seh, das erst im 17. Jh. durch- drang, 1516 bei Pinicianus prompt. K 3*^ kirschner, mhd. kürsencere, kursener, kürsner, mnd. korsener m. Abgeleitet von mhd. kürsen, kursen f., 1382 auch schon kür sehen, ahd. chursinna, crusina f. «Pelzmantel, Pelzrock»; dazu ags. crusene, crusne f., mlat. (937) cru- sina, erosina, crosna, erusna f. Ins Slawische entlehnt aruss. krüzno, korozno, korzno n. «Pelzkleid». Urverwandtschaft mit gr. ßüpca f. «abgezogne Haut, Fell» ist möglich. Kurt, s. Konrad. Kurtine, f. (PI. -n): die Fläche der Fe- stungsmauer zwischen zwei Bollwerken, Mit- tel-, Zwischenwall. 1678 bei Krämer Cortin f. Aus glbd. franz. courtine, ital. cortina f., von lat, cortina f. «kesseiförmige Rundung», (spät- lat.) «Vorhang». Kurtisane, f. (PI. -w): Buhlerin. 1616 bei Henisch Curtisan, Cortisan f., 1615 bei Albertinus Landstörzer 399 Cortisanin f. Aus glbd. franz. courtisane, ital. cortigiana, span. cortesana f., eig. «Hofdame», Fem. zu franz. courtisan, ital. cortigiano, span. cortesano m. «Hofmann, Höfling» (daher Curtisan «Höf- ling» bei Luther, 1571 bei Rot Curtisan «ein lauffer gen Rom nach pfmnten»), von franz. cour, ital. corte f. «Hof», zu lat. cohors, ge- kürzt cörs (Gen. cörtis) f. «Hofraum». Kurve, f. (PI. -n): krumme Linie. Aus lat. curva, dem Fem. des Adj. curvus «krumm», 1813 bei Campe. kurz, adj. (Komp. kürzer, Sup. kürzest): an Ausdehnung in die Länge gering. Mhd. kwz (im Adv. kurze, kurz), ahd. churz und kurt, churt; dazu andfrk. kurt, mnd. und afries. kort, kurt, mndl. cort, Island, kortr «kurz», ferner ags. cyrtel m., engl, kirtle «Mieder, Jacke, Mantel», eig. «Kurzkleid». Entlehnt aus dem lat. Adj. curtus «verstümmelt, ge- kürzt, kurz», woher auch franz. court, ital.- span. corto. RA. kurze fünfzehn machen «eine Tätigkeit kurz endigen», hergenommen von dem ehedem beliebten «der lange Puff» ge- nannten Spiele, wovon mhd. der fünfzehen spiln (Erec 869) gesagt wurde. Wer hier einen Glückswurf (mit Würfeln) tut, daß er alle seine 15 Steine auf einmal herausnehmen kann, der endet das Spiel kurz. Auch 1540 des kurtzen spieln «etwas kurz zu Ende bringen» (Alberus dict. KK2^). über kurz oder lang, mhd. über kurz ade üher lanc (Erec 6296), ahd. (mit der Negation noh) noh über lang noh über churz, wie auch nhd. über lang oder kurz bei Lessing 12, 195. Den kürzern ziehen «im Kampf oder Wettstreit verlieren, gegen jem. zu kurz kommen, im Nachteil sein» (1599 bei Schütze Preußen 175), erklärt sich aus der alten Sitte des Losens mit Stäbchen oder Halmen, wobei der, welcher das kürzeste Stäbchen oder den kürzesten Halm zog, ver- lor, kurzer Hand «ohne Förmlichkeit, ohne Umstände», eine Nachbildung des Ausdrucks der lat. Rechtssprache brevi manu. ABL. Kürze, f., mhd. kürze, ahd. churzl und kurti, mnd. körte f.; RA. in der Kürze, in Kürze «in kurzer Zeit», bei Luther Offenb. Job. 1, 1 in der kürtz, im 15. Jh. in ainer kurz, mhd. in kürze, kürzen, v.: kurz machen, mhd. kürzen, md. kurzen und kürten, ahd. kurzen, mnd. körten; davon Kürzung, f., mhd. kur- zunge. kürzlich, adj., mhd. kurzlich, ahd. kurzi-, kurz- und churtlich, mnd. körte-, kort- lik, das Adv. mhd. kurzliche «in kurzer Zeit», ahd. churzlicho «gar kurz», ZUS. Kurz- schluß, m.: fehlerhafter Nebenschluß für den elektrischen Strom. In der neuern Zeit. Kurz- schrift, f., Verdeutschung von Stenographie, Im 19. Jh. kurzsichtig, adj., im körper- lichen Sinne 1775 bei Adelung, ndl. 1599 bei Küian kortsichtig, in geistiger Hinsicht 1738' bei Haller an Bodmer 123. kurzum, adv., bei Luther kurzumb. Kurzware, f.: kleine Eisenware, Spielgerät usw., 1808 bei Campe, früher kurze Ware (bei G. Freytag 20, 167 vom J. 1622). kurzweg, adv., 1775 bei Adelung. Kurzweil, f., mhd. kurz-, kurzewile, auch kürzwile f. (noch im 15. und 16. Jh. oft kürz- weil) «vergnügliche Unterhaltung zur Zeit- verkürzung», als Neutr. bei Goethe 16, 53, Schiller Teil 3, 3, als Mask. bei Claudius 8, 176. Davon kurzweilcu, v.: Kurzweil treiben, mhd. kurze-, kurzwüen, noch im 18. Jh. (1781 bei Kindleben), dann erlöschend, und kurz- wellig, adj., mhd. kurzwilec, nhd.kurzweiliger 1181 kusch Kuvert 1182 Eat, als Titel des Hofnarren 1659 bei Butschky Kanzl. 498, schon im 15. Jh. kurziveilrat, kurz- weilerrat. kusch! Imperativ von kuschen, v.: sich legen (von Hunden, zunächst von dressierten Jagdhunden;, beides 1741 bei Frisch. Aus franz. coucher «niederlegen» von lat. collocäre. Euß, m. (Gen. -sses, PI. Küsse): Berührung mit gespitzten Lippen als Zeichen der Liebe und Achtung. Mhd. kus m. (Gen. kusses), im 12. Jh. auch kos n., ahd. aus m. (Gen. cusses); dazu asächs.-mnd. kus, afries. kos, ags. cos, coss m., engl, kiss, anord. koss m., schwed.-dän. kyss. Zu lat. läsium n. «Kuß», falls dieses Lehnwort aus dem Sabinischen. Tgl. Walde und Johansson KZ. 36, 355. ABL. küssen, V., mhd. küsseyi, ahd. kussan; dazu asächs. kussian, mnd. küssen, afries. kessa, ags. cyssan, engl, kiss, anord. kyssa, dän. kysse. Got. dafür kukjan, ostfries. kükken «küssen» mit andrer Wurzelableitung. KÜßcheu, n., 1691 bei Stieler Küßgen, mndl. cusken n. kußlich, adj., von Höltj und Voß um 1770 aus den Liedern der Minnesänger wieder auf- genommen, mhd. kuslich, küslich ; bei Wieland 21, 15 küsserlich. ZUS. Kußhand, f., 1716 bei Ludwig. Küßmouat, m.: der erste Monat in der Ehe {Kußmonat Basl. Chr. 1, 463, 33 von 1529). Küste, f. (PI. -n): Meeresrand. Bei Duez 1664, Krämer 1678, aber ndl. schon 1599 kuste, koste f., aus afranz. coste f. (jetzt cöte) «Rippe, Seite», dann «Seeufer, Küste», ital.-port. costa, Span, cuesta f., von lat. costa f. «Rippe, Seite». Küster, m. (-S, PI. wie Sg.): Kirchendiener. Mhd. kuster, guster, ahd. kustor, gustor m., aus mlat. custor, lat. custos m. «Wächter, Auf- seher, Hüter» (hier der Kirchenkleinodien, heiUgen Gefäße). ABL. Küsterei, f., mhd. 1328 kusterte, 1242 custrey. Küsteriu, f., mhd. kusterin, küsterin, gustrinne f. Kute, f.: Loch, Grube. Niederd. Form für Kaute. Bei Fontane Mathilde Möhring, Kutsche, f. (PI. -n): überdeckter Pracht- wagen. Im 16. und im 17. Jh. Kotsche, Cotschy, Gotschi, Gutschi, Gotschiwagen , Kutzsche, Gutsche, Kutze f., schlesisch damals Kutsche m. wie poln. kocz und tschech. koc m. Entlehnt um 1500 aus gleichbed. ungar. kotsi (im 15. Jh. kocsi, sprich kotschi), ans dem Dorfe Kocs bei Raab stammend, wo solche urspr. zwei- rädrige Wagen nach Zeugnissen des 15. und 16. Jh. gebaut wurden. Daher auch ndl. koets f., ital. coccio m., franz. cocJie m., engl. coach. ABL. Kutscher, m., im 16. und 17. Jh. Ghitscher (Kiechel 6 von 1585, Henisch, Schönsleder). 1589 bei Mathesius das 1. Kap. des Evang. Job. 92 » Kutzscher, 1664 bei Duez Kutscher. Auch gewöhnlicher, aber unver- fälschter, eig.«Kutschen>- Wein, kutschieren, V., 1678 bei Krämer, im 16. Jh. kutschen, 1590 bei Fischart Garg. 15 das Subst. Gutschirer m. ZTjS. Kutschbock, m.: erhöhter Kutscher- sitz, 1808 bei Campe. Kutschkasten, m., 1691 bei Stieler. Kutte, f. (PI. -n): weites verhüllendes (Mönchs-)Gewand. Mhd. hitte, kotte f., aus afranz. cote f. «langes Oberkleid», nfranz. cotte f. «Kleid», provenz. cota, und diese aus ahd. chozza f. und chozzo, kozzo m. «grobes zottiges Wollenzeug und Kleid davon» (s. Kotze). Kuttel, f. (fast nur im PI. Kutteln): die Gedärme samt Wanst und Magen, insbes. eines eßbaren Tieres. 1537 bei Dasypodius der Sg. Kutle, 1561 bei Maaler Kuttel f., spät- mhd. der PI. kutlen, kutlan, md. 1308 der PI. kotelen, schles. 1422 kottü und 1340 der PI. kutiln; 1716 bei Ludwig Kuttel m. Dazu wohl got. qißus m. «Bauch, Magen, Mutter- leib», ahd. quiti «Gebärmutter», ags. ctviß m., anord. kvidr m. «Bauch»; nd. Küt «Eingeweide» ist nicht verwandt. ZUS. Kuttelfleck, m.: zerschnittnes Gedärme mit Magen usw. zum Essen, 1482 im Voc. theut. r 8^ kuttel fleck, bei Schmeller- 1, 1312 schon 1429 vom Stück eines zerteilten Rindsmagens (s. ^Fleck). Kuttelhof, m.: Schlachthof, md. 1340 kutel- hof. Kuttelwurst, f.: in den Dickdarm gefüllte Wurst, in Thüringen. Kutter, m. (-S, PI. wie Sg.): Kriegsboot zum SchneUsegeln, einmastiges Fahrzeug zum Schnellsegeln. 1791 bei Roth, 1792 bei Krünitz Kutter, Cutter, aus gleichbed. engl, cutter. Kutz, m.: in den Kutzen streichen «schmeicheln», eig. «den zum Vogelfang ab- gerichteten Kauz (s. d.) streicheln» dann durch Schöntun sich beliebt machen. Im 15. bis 17. Jh. vielgebraucht (1494 bei Brant NaiT. 100, 13), noch bei Wieland. Kuvert, n. (-[e]s, PI. -e): Gedeck; Brief- umschlag. Das franz. couvert n., aus einem mlat. coopertum n., dem Neutr. des Part. Perf, Pass. von rolaX. cooperire «bedecken» (woraus franz. couvrir), das aktivische Bedeutung er- halten hat. Zunächst nach dem lat. Copert, schon 1482 Ä;oper^ «Decke» im Voc. theut. aa 2% im 17. Jh. auch in der Bed. «Briefumschlag» (Grimmeishausen Simpl.293), verzeichnet 1678 1183 Kux Kyrie eleison 1184 als Copert «Überzug» bei Krämer und noch 1711 als Copert «Umschlag» bei Rädlein; das franz. couvert dringt gegen Ende des 17, Jh. ein (bei Nehring 1710), 1716 als Covert eines Briefes bei Ludwig. Kux, m. {-es, PI. -e): ^las ^^^^^ Zeche im Bergbau. 1562 bei Mathesius Sarepta 35*' Kiix, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 14 Kuchs, m., zusammengezogen aus Kuckes (Luther Tischreden 226^), Kukus (sächs. Urkunde von 1478 bei Veith 311, lat. cuccus, in einer böhm. Urk. von 1327 ebd.), daneben Guckes (H. Sachs Fastn. 8, 309), Guckus (Brant Narr. 102, 56). Wie sich das gleich- bed. tschech. kukus m., dazu verhält, ist unklar. Kyrie eleison, «Herr, erbarme dich». Mhd. und md. kirjeleison, kyrj eleison, aus gr.-Mrchenlat. kyrie eleison, kyrieleison, kjrch- lich-gr. KÜpie ^Xericov, das, schon im Ahd. der Anfang der Litanei, bald Kirchen- und reli- giöser Volksgesang, selbst Schlachtruf und Schlachtgesang geworden, später der Schluß- vers (Refrain) der meisten geistl. Lieder wurde. Daher mhd. kyrleise, kirleis m. «geistliches mit kyrie eleison schließendes Lied»; auch gekürzt leise, leis m.: «geistlicher Gesang», dann «Ge- sang» überhaupt. ~W^.». ■'.r '»^ 'j • V^i: '«».:».Vv. ^&^' V .»?.•■ ♦ j/-o V >-^.. ^*^^^ >Mlr^ >^''"^. >^- -^l- 'Tk:;-v •< 'X' 9 ^9 'ä^n rV>r- ^f:^^ >~^ -i^S a:ä -2 cn .\2 ^^.r ;;■'^■^<- *:''m •H 9 X) o •H U (X, I o ü Di o -P; Ü ¥ <» University of Toronto Library DO NOT REMOVE THE CARD ' FROM THIS POCKET >r. Acme Library Card Pocket Uader Pat. "Rd. Inde« FU»" i Made by LIBRARY BUREAU m-£ i^ f.'^- V'ifr*, ■«:at. ♦^ ', ♦' ^ ■«MC. ''■^' «1% ^^ 40J\^. ■9-<;M